WEBVTT

00:00:02.397 --> 00:00:07.397
Hallo und herzlich Willkommen zu Raumrauschen. Wir erzählen uns hier am digitalen

00:00:07.397 --> 00:00:11.837
Lagerfeuer persönliche Geschichten und blicken hinter die Texte der AutorInnen.

00:00:13.217 --> 00:00:14.837
Schön, dass ihr dabei seid.

00:00:23.444 --> 00:00:26.604
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Raumrauschen.

00:00:26.884 --> 00:00:30.664
Heute wieder mit der Lucia Traut. Hallo Lucia. Hallo.

00:00:31.224 --> 00:00:36.104
Schön, dass wir wieder zusammengekommen sind. Wir haben heute was Besonderes,

00:00:36.244 --> 00:00:38.984
nämlich wie jedes Mal eine neue Geschichte.

00:00:39.504 --> 00:00:45.844
Und vor der Geschichte gibt es ein Check-In. Wieder mit dem Wertvoll-Ich-Karten-Set.

00:00:46.244 --> 00:00:48.064
Den Link findet ihr wie immer in der Beschreibung.

00:00:48.944 --> 00:00:52.984
Und Lucia, du darfst mir jetzt folgende Karte beantworten.

00:00:54.564 --> 00:00:59.524
Nämlich, du hast in einem Wettbewerb gewonnen. Was wäre deine Siegerpose?

00:01:00.544 --> 00:01:03.464
Meine Siegerpose? Und da wir hier keinen Videopodcast haben,

00:01:03.604 --> 00:01:07.504
darfst du es gerne beschreiben. Oh, ich schummel jetzt ein bisschen.

00:01:07.884 --> 00:01:12.144
Geht auf die Raumrauschenseite und guckt mein Foto an. Da springe ich nämlich

00:01:12.144 --> 00:01:14.284
lustig auf einer Mauer hin und her.

00:01:15.044 --> 00:01:19.084
Das wäre meine Siegerpose. Boah, das ist ja, das ist gute Schummel.

00:01:19.304 --> 00:01:21.924
Es gibt nicht so gute Schummel und gute Schummel. Und ich würde sagen,

00:01:22.384 --> 00:01:26.324
schaut euch die Profilseite von Lucia an. Das ist ihre Siegerpose.

00:01:26.724 --> 00:01:29.364
Da hast du es ja auch ein bisschen einfach gemacht. Ja, ist bereit.

00:01:31.684 --> 00:01:38.644
Schön, dass es trotzdem so geworden ist. Du hast eine Geschichte mitgebracht, die lautet wie?

00:01:39.204 --> 00:01:43.124
Die heißt Das Abendmahl. Klingt sehr liturgisch, nicht wahr?

00:01:43.484 --> 00:01:46.484
Ist es gar nicht. Ja, wir sind hier zwei Theologen.

00:01:47.324 --> 00:01:51.184
Können nicht aus unserer Haut manchmal. Aber ihr werdet merken,

00:01:51.264 --> 00:01:52.464
es ist nicht so liturgisch.

00:01:53.044 --> 00:01:57.044
Dann hören wir mal rein, was hinter diesem Titel sich verbirgt.

00:02:06.349 --> 00:02:10.489
Das Abendmahl. Dieser Sommerabend mitten in der Woche,

00:02:11.009 --> 00:02:16.949
als die Freunde da waren zum Essen und danach der Wein und die Gespräche schmeckten

00:02:16.949 --> 00:02:18.409
in der kleinen WG-Küche,

00:02:18.669 --> 00:02:24.049
bis die Sterne durch das offene Fenster schienen und der Nachtwind die Stille

00:02:24.049 --> 00:02:30.509
der Stadt hereinblies und es zu spät wurde, um nach Hause zu gehen und das auch keiner mehr wollte,

00:02:31.069 --> 00:02:33.769
denn wir gehörten zusammen wie niemals zuvor.

00:02:34.689 --> 00:02:37.949
Da war er da, der Satz, bleibt doch hier heute Nacht.

00:02:38.889 --> 00:02:44.009
Und wenn ihr des Wachens müde seid, habe ich für jeden von euch einen Platz zum Schlafen.

00:02:44.669 --> 00:02:49.709
Als die Betten bereitet waren, schlief ich ein mit den Stimmen der Freunde im

00:02:49.709 --> 00:02:51.929
Ohr und fühlte mich geborgen.

00:02:52.529 --> 00:02:58.029
Am nächsten Morgen machten wir uns schweigend gemeinsam auf den Weg zur Arbeit.

00:02:58.029 --> 00:03:01.269
Mit müden Gliedern und vollen Herzen.

00:03:01.789 --> 00:03:04.069
Verwandelt. Gewandelt.

00:03:05.029 --> 00:03:11.109
Der Nachhall des Abends lag wie ein Zauber auf den Straßen. Musik.

00:03:20.717 --> 00:03:24.657
Vielen Dank für diese etwas andere Geschichte.

00:03:25.077 --> 00:03:31.697
Wir sind es ja von dir gewohnt, mehr Texte in Prosa zu lesen und auch zu hören.

00:03:32.297 --> 00:03:36.397
Und jetzt mal ein bisschen lyrischer. Ich schreibe tatsächlich eigentlich mehr

00:03:36.397 --> 00:03:38.097
Lyrik als Prosa. Das ist spannend.

00:03:40.137 --> 00:03:44.117
Dann bin ich mal gespannt, was so in Zukunft noch auf uns zukommt.

00:03:44.437 --> 00:03:47.097
Ist mal einer deiner gewohnten Texte vielleicht.

00:03:47.757 --> 00:03:52.757
Und trotzdem steckt dahinter ja eine Geschichte, die sich in etwa so abgespielt

00:03:52.757 --> 00:03:59.217
hat und die wir jetzt hier beim Gespräch mal so ein bisschen aufschlüsseln.

00:03:59.397 --> 00:04:04.577
Mich würde jetzt als allererstes interessieren, hast du den Satz gesagt,

00:04:04.717 --> 00:04:07.457
bleibt hier heute Nacht? Ja, genau.

00:04:07.857 --> 00:04:14.137
Das war bei mir in meiner, ja war es in der WG, also ich glaube zu dem Zeitpunkt

00:04:14.137 --> 00:04:17.877
war die WG schon keine mehr, weil meine Mitbewohnerin schon ausgezogen war.

00:04:18.017 --> 00:04:21.177
Also ich hatte eine kleine Wohnung in Münster unterm Dach.

00:04:21.337 --> 00:04:25.697
Also wirklich ganz kleine Wohnung, eine mini kleine Küche, ein kleines Schlafzimmer,

00:04:25.817 --> 00:04:26.957
ein kleines Wohnzimmer.

00:04:27.317 --> 00:04:31.937
Und meine Kollegen, Schrägstrich Freunde, also wir haben uns gut verstanden.

00:04:32.077 --> 00:04:36.357
Wir hatten uns spontan abends getroffen bei mir, um einen Wein zu trinken.

00:04:36.737 --> 00:04:39.757
Und es gab irgendetwas Gutes zu essen.

00:04:40.137 --> 00:04:45.717
Und ja, und irgendwie wollte keiner gehen, weil wir so gut im Gespräch waren.

00:04:46.117 --> 00:04:50.257
Und manchmal ist das ja so, dass Gespräche einfach auf einmal so tief werden

00:04:50.257 --> 00:04:54.857
und man sich so verbunden fühlt, auf so eine ganz besondere Art und Weise.

00:04:55.397 --> 00:04:57.417
Und dann, ja, ich weiß noch nicht mal

00:04:57.417 --> 00:04:59.677
mehr, ich glaube, im Text habe ich geschrieben, es war ein Sommerabend.

00:04:59.797 --> 00:05:04.217
Ich habe gerade das Gefühl, es war vielleicht mehr so Frühsommer oder Frühling.

00:05:04.817 --> 00:05:07.817
Aber so, wenn das Fenster auf ist und es langsam dunkel wird,

00:05:07.977 --> 00:05:10.177
also man kennt ja, glaube ich, auch diese Stimmung. Ja.

00:05:10.637 --> 00:05:15.337
Genau. Und es ging keiner und ich war irgendwann wirklich müde.

00:05:15.775 --> 00:05:19.075
Und habe dann gesagt, ihr könnt total gern hierbleiben heute Nacht.

00:05:19.495 --> 00:05:23.755
Es waren drei Menschen da zu Gast. Ich hatte ein großes Bett,

00:05:23.835 --> 00:05:26.595
in dem ich zu dem Zeitpunkt alleine geschlafen habe.

00:05:26.775 --> 00:05:29.035
Und ein Sofa, wo zwei drauf schlafen konnten.

00:05:29.695 --> 00:05:33.075
Und habe die in die Betten fertig gemacht. Und bin dann irgendwann,

00:05:33.275 --> 00:05:36.915
ich war die Erste, die aufgegeben hatte, die dann ins Bett gegangen ist.

00:05:37.135 --> 00:05:41.075
Und ja, es war wirklich so, wie ich da geschrieben habe. Ich habe im Bett gelegen

00:05:41.075 --> 00:05:43.835
und habe die Freunde in der Küche

00:05:43.835 --> 00:05:48.615
noch weiter reden, hören und das war so schön. Das war einfach schön.

00:05:48.935 --> 00:05:52.335
Und irgendwann in der Nacht ist eine Kollegin mit zu mir ins Bett gekrabbelt.

00:05:54.015 --> 00:05:57.855
Genau, und die beiden aneinander nehmen an ins Zimmer und am nächsten Morgen

00:05:57.855 --> 00:06:00.475
dann auch gemeinsam irgendwie noch zu frühstücken und dann sind wir wüttert.

00:06:00.759 --> 00:06:04.179
Zur Arbeit gefahren. Und dann war der Alltag wieder da.

00:06:04.639 --> 00:06:08.599
Ja, aber es war nicht so richtig Alltag. Also ich meine, einerseits,

00:06:08.759 --> 00:06:12.999
wenn man so einen sehr erfüllten, schönen Abend hatte und dann vielleicht auch

00:06:12.999 --> 00:06:15.939
so ein bisschen übermüdet ist, dann ist man ja auch noch so in der Stimmung.

00:06:16.879 --> 00:06:23.119
Und ja, es war also dieser Zauber oder diese Verbundenheit dieses Abends.

00:06:23.239 --> 00:06:25.479
Ich habe wirklich das Gefühl gehabt, das hat was mit uns gemacht.

00:06:25.619 --> 00:06:29.099
Also wir sind nochmal auf einer ganz anderen Ebene miteinander verbunden.

00:06:29.699 --> 00:06:33.359
Es sind nicht mehr nur Kollegen, sondern das ist irgendwie ein bisschen mehr.

00:06:34.019 --> 00:06:38.059
Und ich erinnere mich daran, dass wir in Münster im Kreuzviertel,

00:06:38.139 --> 00:06:40.959
also alle, die in Münster studieren, kennen das Kreuzviertel.

00:06:41.019 --> 00:06:45.539
Da gibt es eine Straße, da stehen japanische Kirschblütenbäume.

00:06:45.799 --> 00:06:50.019
Und in meiner Erinnerung sind wir an dem Morgen da durchgefahren mit den Fahrrädern.

00:06:50.239 --> 00:06:54.739
Und die Kirschblüten waren gerade dabei, so zu blühen, beziehungsweise ihre

00:06:54.739 --> 00:06:59.319
Blüten abzuschmeißen. Und das ist natürlich dann auch immer ganz zauberhaft.

00:06:59.739 --> 00:07:03.339
Das war der Zauber auf den Straßen. Das war der Zauber auf den Straßen, genau.

00:07:03.599 --> 00:07:08.359
Also dieses, wenn die Welt so rosarot und geschmückt ist und duftet und irgendwie

00:07:08.359 --> 00:07:12.359
lebendig ist und alles irgendwie so ein bisschen anders. Das können nur Kirschblüten, finde ich.

00:07:13.299 --> 00:07:17.399
Ja, wenn wir jetzt gerade aus dem Fenster gucken, jetzt blüht ja auch gerade wieder alles.

00:07:18.199 --> 00:07:22.279
Ja, und deswegen habe ich das ganze Ding, glaube ich, auch das Abendmahl genannt.

00:07:22.439 --> 00:07:25.579
Ja, ich würde gerne nochmal einen kleinen Schritt zurückgehen.

00:07:25.579 --> 00:07:30.179
Denn diese Frage, die du gestellt hast, dieses Bleibt hier heute Nacht und klar,

00:07:30.439 --> 00:07:31.839
keiner hat sich fortbewegt.

00:07:32.099 --> 00:07:35.619
Manchmal ist es eine Gemütlichkeit oder es ist so dieses, weil die Stimmung so toll ist.

00:07:36.539 --> 00:07:39.679
Was war denn so die erste Reaktion? Also erinnerst du dich vielleicht?

00:07:39.799 --> 00:07:41.659
Kannst du dich an die Zeit zurückversetzen?

00:07:42.459 --> 00:07:48.259
War das quasi, endlich hat es jemand gesagt oder gut, dass du es gesagt hast, das schwebte im Raum?

00:07:48.739 --> 00:07:52.919
Ich glaube, ja, so war das. Ich bin...

00:07:54.287 --> 00:07:59.007
Ich kenne das von meinem Zuhause nicht, dass man so Dinge so spontan gemacht hat.

00:07:59.147 --> 00:08:04.067
Das heißt, das war für mich auch irgendwie so ein Stückchen über das Springen,

00:08:04.327 --> 00:08:09.767
was ich kenne, so dieses anzubieten und jetzt bleib doch einfach hier spontan heute.

00:08:10.047 --> 00:08:12.827
Also eigentlich kennst du es so? Das kenne ich nicht. Gar nicht.

00:08:13.087 --> 00:08:17.787
Das kenne ich so nicht. Bei uns war immer alles geplant und lang angekündigt und so.

00:08:18.447 --> 00:08:22.987
Und das heißt, das kam bei mir wirklich aus dieser Situation heraus.

00:08:22.987 --> 00:08:26.967
So dieses, ich habe das Gefühl, ich möchte euch auch irgendwie noch gar nicht gehen lassen.

00:08:27.747 --> 00:08:32.247
Und ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass die dann alle sagen, jo, wir bleiben.

00:08:32.387 --> 00:08:38.127
Weil wir wohnten alle in Münster, die hätten alle einfach bleiben können. Okay. Genau.

00:08:38.787 --> 00:08:42.667
Und die hätten ja nur aufs Fahrrad steigen müssen und 10 Minuten oder vielleicht

00:08:42.667 --> 00:08:44.287
20 Minuten durch Münster fahren müssen.

00:08:44.447 --> 00:08:49.867
Aber nee, sie sind alle geblieben und haben wirklich auch übernachtet. Und das war...

00:08:50.371 --> 00:08:54.031
Also vielleicht ist es auch das, was diesen Abend für mich so besonders macht,

00:08:54.151 --> 00:08:58.671
weil es für mich auch so ein großes Zeichen von Verbundenheit und von Vertrauen

00:08:58.671 --> 00:09:01.811
ist, dass man einfach spontan bei jemandem bleibt.

00:09:03.731 --> 00:09:07.891
Spannend zu hören. Ich kenne das auch, da ist man so ein Sicherheitsmensch oder

00:09:07.891 --> 00:09:13.491
so ein bisschen das Gewohn, dass alles geplant ist und plötzlich über seine Schatten zu springen.

00:09:13.491 --> 00:09:18.371
Und gleichzeitig, also es liest sich so für mich, dass dieser Wunsch da war,

00:09:18.551 --> 00:09:20.711
das so lange noch zu halten, wie es geht.

00:09:22.191 --> 00:09:26.411
Und jetzt springe ich, ich versuche mal die Brücke zu uns Theologen,

00:09:26.471 --> 00:09:32.451
wir sind ja gute Brückenbauer, über Bande spielen, auf deinen Titel, das Abendmahl.

00:09:33.191 --> 00:09:39.811
Das war ja auch, wenn ich jetzt so an diese Situation denke,

00:09:40.371 --> 00:09:45.971
vom letzten Abendmahl vielleicht sogar, dieser Moment, dass man sich als Apostel gewünscht hätte,

00:09:46.611 --> 00:09:48.651
da diesen Moment lange zu halten.

00:09:48.651 --> 00:09:51.791
Das ist ja auch kirchlich gesehen einer der Schlüsselmomente,

00:09:52.091 --> 00:09:55.471
den wir ja bis heute feiern im kirchlichen Kontext.

00:09:56.211 --> 00:10:00.511
Wo sich auf die Nachtwache anschließt. Genau, wo sich dann noch die Nachtwache anschließt.

00:10:00.611 --> 00:10:04.431
Also wo das, was du jetzt hier, ich spinne mal weiter in diese Richtung,

00:10:04.551 --> 00:10:07.851
und das, was du jetzt hier so schön mit deinen studierenden Kollegen oder mit

00:10:07.851 --> 00:10:12.291
deinen Kollegen gemacht hast, sich ja im Säkulat fortgesetzt hat.

00:10:12.611 --> 00:10:17.791
Ja, wenn ich mir nochmal angucke, wann dieser Text entstanden ist.

00:10:17.891 --> 00:10:24.751
Also der ist 2018 im April entstanden und das muss ja irgendwie zur Osterzeit gewesen sein.

00:10:25.903 --> 00:10:31.643
Dass dieses Erlebnis, ich denke, das war 2011 oder vielleicht sogar 2010,

00:10:32.063 --> 00:10:35.543
ich bin mir gar nicht ganz sicher, das habe ich wirklich, wirklich lang,

00:10:35.663 --> 00:10:38.323
glaube ich, mit mir rumgetragen, weil das sowas Besonderes war.

00:10:38.603 --> 00:10:46.603
Und dann in dieser Osterzeit 2018, da habe ich mir wahrscheinlich aus irgendeinem

00:10:46.603 --> 00:10:50.863
Grund Gedanken gemacht über das Abendmahl und über diese Ostertage und dann

00:10:50.863 --> 00:10:52.823
kam diese Erinnerung wieder hoch.

00:10:52.823 --> 00:11:00.263
Und die war noch so präsent und so klar, dass ich dann diesen Text geschrieben

00:11:00.263 --> 00:11:05.103
habe und in meinem Kopf sich das dann halt verbunden hat mit dem Abendmahl.

00:11:05.183 --> 00:11:08.563
Und ich glaube, das ist auch jetzt als Theologin gesprochen.

00:11:08.963 --> 00:11:11.043
Ich glaube, das ist das, was Jesus gemacht hat.

00:11:11.463 --> 00:11:14.983
Also nicht nur beim letzten Abendmahl. Das hat ja auch nochmal ganz eigene Dramatik

00:11:14.983 --> 00:11:19.243
und so. Also die möchte ich da gar nicht reinbringen. Der hat ja ständig mit den Leuten gegessen.

00:11:19.603 --> 00:11:24.843
Das war ja seine Art und Weise, Kontakt aufzunehmen und Gemeinschaft herzustellen.

00:11:25.523 --> 00:11:31.143
Und die sind ja auch herumgezogen als Wandergruppe. Die müssen ja dann auch

00:11:31.143 --> 00:11:32.863
bei den Menschen übernachtet haben.

00:11:34.843 --> 00:11:40.503
Und dann denke ich so, vielleicht ist es genau so ein bisschen dieses Gefühl,

00:11:40.703 --> 00:11:43.863
was in solchen Situationen entstehen kann, nicht muss.

00:11:44.403 --> 00:11:51.563
Wenn durchs Essen und Wein trinken so eine Gemeinschaft entsteht,

00:11:51.643 --> 00:11:56.863
die noch hält bis zum nächsten Tag und dadurch dann auch über eine gemeinsame Nacht hinweg,

00:11:56.983 --> 00:12:00.063
dann einfach dadurch verändert sich was.

00:12:00.063 --> 00:12:03.963
Man wacht am nächsten Tag auf und ist ein Stück weit ein neuer Mensch und eine

00:12:03.963 --> 00:12:06.183
neue Gemeinschaft und hat eine neue Verbindung.

00:12:06.923 --> 00:12:11.643
Und ich denke, das ist das, was im Christentum am Anfang passiert ist.

00:12:13.614 --> 00:12:16.354
Vielleicht auch so ein bisschen über den eigenen Schatten zu springen.

00:12:16.514 --> 00:12:20.074
Dieses Gefühl von, bleib doch da, es ist so schön.

00:12:20.254 --> 00:12:24.174
Und über die Grenze des Tages hinaus eine Verbundenheit zu spüren.

00:12:24.334 --> 00:12:28.494
Das finde ich so spannend, auch in dem Text, wie du es jetzt schriebst.

00:12:28.494 --> 00:12:30.574
Es ist ja auch ein Stück weit die Emmaus-Geschichte.

00:12:30.894 --> 00:12:34.014
Herr, bleib bei uns, denn es will Abend werden. Da gibt es auch,

00:12:34.074 --> 00:12:36.194
von wem ist das, dieses ganz tolle Abendlied.

00:12:36.394 --> 00:12:38.914
Ich habe jetzt gerade den Komponisten, das habe ich einmal im Chor gesungen.

00:12:39.814 --> 00:12:43.094
Bleibet hier und wachet mit mir? Nee, er bleibt bei uns, denn es will Abend

00:12:43.094 --> 00:12:47.494
werden und der Tag hat sich geneiget, so geht das. Das ist was Klassisches.

00:12:48.054 --> 00:12:51.074
Super, super schön und ja.

00:12:51.803 --> 00:12:56.263
Das ist genau diese Sehnsucht. Sprich deine Sehnsucht aus.

00:12:56.563 --> 00:13:00.823
Wenn da eine Situation ist, die dir geschenkt wird von Gemeinschaft,

00:13:01.143 --> 00:13:04.263
dann ist es auch okay, seine Sehnsucht aufzusprechen, diese Gemeinschaft noch

00:13:04.263 --> 00:13:06.623
ein bisschen zu halten, halten zu wollen.

00:13:07.643 --> 00:13:14.183
Ich würde fast sagen, dieses Wagnis auch einzugehen. Also in der Reaktion wurdest du ja bestätigt.

00:13:14.743 --> 00:13:18.843
Es hätte aber auch ganz anders sein können in dem Moment. Und dieses Wagnis

00:13:18.843 --> 00:13:23.083
einzugehen, diesem inneren Gefühl einen Ausdruck zu geben.

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Und das dann so belohnt zu werden. Ja, das war wirklich, ja.

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Und deswegen, also der Text ist viele Jahre nach dem Erlebnis entstanden,

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aber das hat wirklich was mit mir gemacht.

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Und ich habe gar nicht mehr zu all diesen Kollegen Kontakt, also manchmal ist

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das ja so, dass sich Berufswege trennen und anders entwickeln,

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ab und zu trifft man sich nochmal,

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aber es ist also für mich, zumindest auf meiner Seite, ist immer noch,

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also wenn ich sie treffe und sehe, ist immer noch irgendwie eine große Verbundenheit

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da, die einfach durchträgt, auch wenn man vielleicht jetzt nicht die letzten

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Jahre gar nicht mehr gesprochen oder gesehen hat.

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Kann so ein bisschen diese Referenz auf diesen einen Punkt, also auf diesen

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einen Tag vielleicht zurückverweisen und jeder nimmt ihn ja auch anders wahr. Genau.

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Lucia, wie würdest du denn, also du hast selber gesagt, der Text ist schon lange her, die Geschichte.

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Was würdest du sagen, wie geht Abendmahl heute?

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Oh, wie geht Abendmahl heute? Ich glaube, es geht gar nicht anders. Abendmahl heute.

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Ich glaube fast, es ist vielleicht nochmal noch ein bisschen schwieriger geworden.

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Also einerseits für mich jetzt, wenn ich jetzt von mir ausspreche,

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biografisch gesehen, lebe ich inzwischen ja in ganz anderen Bezügen mit Menschen,

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Groß und Klein zusammen.

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Da ist man vielleicht ein bisschen mehr wieder in diesem Planenden unterwegs.

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Aber ich glaube, zum Abendmahl gehört nicht immer nur, dass man was Großes miteinander

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plant, ein großes Essen oder einen schönen Abend, sondern dass das Abendmahl

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auch entstehen kann aus, komm, wir schmeißen zusammen, was da ist.

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Du bist gerade hier, bleib doch noch was, es ist doch so schön.

00:15:02.110 --> 00:15:06.590
Und ich gucke in den Kühlschrank und schaue mal, was passiert.

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Und die Erfahrung habe ich tatsächlich auch im Familienleben immer mal wieder

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gemacht, dass auf einmal Menschen da waren mit am Tisch, die man dann auf einmal

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mit an den Tisch eingeladen hat, ohne das jemals geplant zu haben und auch gar

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nicht so ganz sicher, haben wir eigentlich genug zu essen.

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Und dann kocht man gemeinsam sehr kreativ und dann ergeben sich dann aus dieser

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Spontanität auch nochmal ungeplante schöne Gemeinschaftsmomente.

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Und in all den Zeiten, wo wir mit Social Media uns so viel verbinden und das

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für mich eigentlich auch oberflächlich bleibt, ich glaube, dieses gemeinsame

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Essen ist wirklich total toll, weil das einfach einen Kommunikationsraum eröffnet.

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Deswegen Abendmahl oder Frühstück ist auch okay.

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Genau, am besten vielleicht noch mit einem Picknick. Dann wird es ganz besonders

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schön, wenn man auch noch an der frischen Luft ist.

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Was würdest du denn dir wünschen, so letzte Frage, was die Hörenden oder die

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Lesenden so am Ende noch mitnehmen von deiner Geschichte?

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Ich würde sagen, ich glaube, es ist wichtig zu merken, wenn man an sich solche

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Momente ereignen, Momente von besonderer Gemeinschaft.

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Und die auch gut zu bewahren im Gedächtnis. Jetzt sind wir wieder theologisch, im Herzen bewahren.

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Weil ich merke, dass das immer noch was mit mir macht, wenn ich daran denke.

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Also dass das wirklich ein Schatz ist, zu dem ich immer wieder zurückkehren kann.

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Wenn man sich das zugesteht und achtsam, dafür ist, dass sich sowas ereignet

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im eigenen Leben, das in irgendeiner Form für sich zu sichern.

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Und wenn das nur ist, wenn man an Kirschblüten denkt, dass das wieder hochkommt

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oder wenn man eine bestimmte Flasche Wein aufmacht oder durch ein bestimmtes

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Viertel geht oder was auch immer oder halt einen Text dazu schreibt,

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einen Tagebuchnotiz oder so.

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Ich glaube, das sind geschenkte Momente und das sind Kostbarkeiten. Die werden bleiben.

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Bleib dafür offen. Haltet die fest. Die werden bleiben.

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Das ist ein sehr schönes Schlusswort. Ich danke dir vor allem auch,

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dass du diesen Moment mit uns teilst und diese Geschichte unter den vielen Geschichten

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bei Raumrauschen jetzt auch seinen Platz findet.

00:17:30.820 --> 00:17:33.640
Vielen lieben Dank dir dafür. Von Herzen gern.

00:17:34.420 --> 00:17:43.640
Und wie immer ganz am Ende gibt es noch eine Schlusskarte, die Checkout-Frage und dann enden wir,

00:17:44.460 --> 00:17:50.560
nämlich der heutige Tag in einem Wort. Voll.

00:17:52.120 --> 00:17:55.240
Voll. Voll. Mehr darf ich nicht sagen.

00:17:56.420 --> 00:18:00.380
Stimmt. In diesem Sinne vielen Dank für die heutige Aufnahme.

00:18:00.640 --> 00:18:05.100
Ich wünsche dir jetzt noch alles Gute, Luzia. Bis zum nächsten Mal. Bis dann. Tschüss.

