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Wissen ist ein vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördertes Projekt und hat die Fachkräfte in den allgemeinen sozialen Diensten Deutschlands im Fokus. Wir möchten mit der Webplattform asd-wissen.de den Wissenstransfer innerhalb unseres Handlungsfeldes verbessern und einen schnellen Zugang zu relevanten Publikationen aus der Forschung schaffen. Der Podcast ASD-Wissen bringt die persönlichen Erfahrungen von ASD-Fachkräften in eine breite Öffentlichkeit. Er ermöglicht einen Einblick in andere Organisationsstrukturen und bietet die Chance, Best-Practice-Beispiele aus der Praxis kennenzulernen.
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ASD-Wissen, die Folge heute unter dem Thema Gesund älter werden im ASD. Ich begrüße Martina. Martina ist Sozialpädagogin in einem allgemeinen Sozialdienst einer Großstadt in Deutschland und auf dem Weg in die Rente. Hallo Martina. Hallo Felix. Ja, ich freue mich, dass du dich bereit erklärt hast, ein bisschen mit mir über das Thema zu sprechen. Und ich bin auch relativ optimistisch, dass du dazu auch einiges zu erzählen hast.
Dass du auf jeden Fall uns ein bisschen was mitteilen kannst, wie deine Haltung dazu ist, was du in den Jahren im ASD auch für Erfahrungen gemacht hast, mit welchem Blick Organisationen auch die älteren KollegInnen im Blick haben. Und ja, wir starten, finde ich, einfach mal mit einer kurzen Vorstellung. Vielleicht magst du einmal kurz sagen, wie lange du eigentlich schon im ASD bist und wie lange du noch im ASD tätig sein wirst. Also ich arbeite im Jugendamt seit 35 Jahren. Ich habe die ersten zehn Jahre sozialpädagogische Familienhilfe, Erziehungsbeistandschaft und Gruppenarbeit gemacht, also ganz dicht an Familien dran und bin dann nach zehn Jahren in den allgemeinen Sozialdienst gewechselt und ich arbeite hier noch bis nächste Woche Montag. Also wirklich relativ kurz vor deinem Abschied. Vor Renteneintritt, ja. Wie geht es dir denn mit dem Gedanken, ab nächster Woche nicht mehr herzukommen? Na, ich werde im Januar nochmal kommen, um möglicherweise meinen Bezirk an eine neue Kollegin zu übergeben.
Also eigentlich freue ich mich, weil das ist ein neuer Lebensabschnitt und manchmal ist mir das auch etwas unheimlich so, weil hier ist es ja so, dass ich so viel Kontakt mit anderen Kollegen und Kolleginnen habe, dass ich viel mit anderen Menschen zu tun habe und das muss ich jetzt, das muss ich neu organisieren zu Hause, wenn ich nicht mehr arbeite. Und ich muss für mich auch eine neue Tagesstruktur finden. Das ist manchmal, da denke ich manchmal, das ist eine Herausforderung. Und auf der anderen Seite bin ich froh, weil ich dann wieder ungeplante Zeit zur Verfügung habe. Das ist ja etwas, was hier im allgemeinen Sozialdienst sehr getaktet ist und auch manchmal sehr fremdbestimmt.
Mit welcher Motivation bist du eigentlich damals in dem AST gegangen? Also einmal ist es so gewesen, ich habe ja zehn Jahre sozialpädagogische Familienhilfe EBS gemacht und das ist eine Arbeit, die sehr eng an den Familien dran ist und da habe ich irgendwann gemerkt, dass ich mehr Abstand haben möchte. Und dann bin ich eben halt in das Jugendamt gewechselt. Und als Motivation, mir hat es immer viel, also Spaß ist vielleicht nicht das richtige Wort. Also es war immer so, dass ich gerne Menschen auch begleitet habe.
Also auch im Hinblick auf Problemlösung. Und natürlich geht es auch darum, ich muss auch Geld verdienen, um selbst meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das ist auch eine Motivation, die ich habe. Ich muss arbeiten. Aber es ist eben halt auch so, dass ich auch gerne Menschen begleitet habe. Das ist für junge Fachkräfte ja etwas, was sie nicht so sonderlich gut nachvollziehen können, dass es damals... Also es ist auch gar nicht so lange her. Ich kann mich an meinen Beginn im ASD auch erinnern, dass die Stellensituation eine ganz andere gewesen ist. Dass man also nicht die breite Auswahl an Möglichkeiten gehabt hat nach dem Studium oder nach dem ersten Berufsabschnitt, sondern dann hat man durchaus auch erstmal das genommen, was zur Verfügung stand. Ja.
Da würde ich dich unterbrechen, obwohl ich das im Nachhinein auch wichtig finde, also diese enge Arbeit an den Klienten gemacht zu haben, weil ich denke, dass das auch eine gute Vorbereitung ist auf den allgemeinen Sozialdienst, der ja auch die Hilfen dann gewährt, sodass ich auch gut einschätzen kann, was in Familien auch möglich ist. Also mir hat es auch sehr geholfen. Also da finde ich auch eine Empfehlung, wenn die Möglichkeit besteht, durchaus auch mal in der direkten Arbeit mit den Familien da einzusteigen. Also weil ich glaube, das ist nochmal eine andere Sichtweise, die man dann nachher hat, wenn man hier dann im Jugendamt arbeitet und dann auch ein Stück mit den Familien eben halt erarbeitet, wie eine Hilfe gestaltet wird. Und wenn man das selbst gemacht hat, hat man dann noch eine andere Sichtweise drauf.
Würdest du sagen, dass sich das Arbeitsfeld ASD in der Zeit, in der du hier tätig bist, kontinuierlich weiterentwickelt hat? Oder würdest du eher sagen, Mensch, es ist wie in der Mode, es kommt alles mal wieder und geht wieder. Wie sind so deine persönlichen Erfahrungen? Also ich finde, auch da gibt es eine Gleichzeitigkeit. Es gibt manche Dinge, die begegnen mir immer wieder so im neuen Gewand. Und dann gibt es, finde ich, eine Weiterentwicklung. Wenn ich daran denke, ich habe mein Anerkennungsjahr damals auch in einem Sozialzentrum gemacht und dass sich das für mich schon dahingehend weiterentwickelt hat, dass es mehr um Betroffenenbeteiligung geht. So, dass bestimmte Abläufe richtig hier eingezogen worden sind. Als ich anfing, da musste ich mich nur mit meiner Zentrumsleitung auseinandersetzen, was es für Hilfen gibt. Und jetzt ist es eben halt so, dass es da richtige, also dass es da Abläufe gibt. Und dass aus meiner Sicht die Betroffenen auch mehr mit einbezogen werden.
Würdest du denn sagen, dass diese Partizipation von KlientInnen die Arbeit aber auch etwas herausfordernder gestaltet, weil du doch mehr in der Kommunikation aktiv sein musst und ich weiß früher ist der Begriff Fürsorge im Jugendamt ja auch präsent gewesen und Fürsorge mit dem Grundsatz, ich weiß was gut für dich ist und heute schauen wir eher mit dem Blick, ja sag mir was du brauchst auf die Fälle. Hat sich in der Haltung da etwas deutlich entwickelt?
Also das finde ich schon, dass sich in der Haltung etwas entwickelt hat. Ich glaube, dass als ich anfing, so war das schon sehr auch Eingriffsverwaltung. Also so sehr, dass man wirklich, wie du schon sagst, gesagt hat, also das muss jetzt passieren. Und wenn das nicht passiert, dann. Und das hat sich aus meiner Sicht schon verändert. Und ich muss sagen, dass mir das liegt, dieses mit Menschen eben halt mich auseinanderzusetzen und eben halt auch zuzuhören. Ich glaube, das ist eine wichtige Gabe, eben halt auch Menschen zuzuhören und nicht alles gleich zu wissen. Und dann mit diesen Menschen auch Sachen zu entwickeln. Weil ich glaube, dass nur Sachen, die man mit Menschen eben halt gemeinsam entwickelt, dass die nachhaltig sind. Wenn wir von Veränderungen ausgehen, dann sind es meistens, sind die Veränderungen nachhaltig, die Menschen auch mittragen. Und ich finde, das ist herausfordernd.
Aber auf der anderen Seite ist es ja auch so, dass man dann ja auch gut eben halt arbeiten kann. Und eine Herausforderung ist ja auch, ist ja nicht immer verkehrt. Auf keinen Fall. Es kann eine deutliche Motivation sein, auch sich diesen Prozessen zu stellen. Du hast in deiner Zeit im ASD viele Führungskräfte kommen und gehen sehen. Was für einen Einfluss haben aus deiner Perspektive deine direkten Führungskräfte auf das, was dich betrifft, auf die Art und Weise, wie du dich wohlfühlst in deiner Arbeitsgruppe, auch in der Art und Weise, wie du auf Fälle schaust. Ist da ein Einfluss spürbar für dich? Ich finde, da ist ein großer Einfluss spürbar. Ich habe verschiedene Führungskräfte erlebt und ich nehme wahr, dass Führungskräfte auch das Klima in einem Zentrum prägen.
Das fängt bei mir so mit einer Fehlerkultur an, sodass das gewünscht ist, dass man auch Fehler eben halt sich gemeinsam anguckt und dass es da nicht so eine Verurteilung gibt und das hört mit Teambildung auf. Und da denke ich, da haben Führungskräfte einen Einfluss drauf. Waren sie für dich auch eine Art der Orientierung, wenn es darum geht, Fälle zu betrachten? Ja, also das ist schon so. Ich habe einmal über einen langen Zeitraum eine ganz tolle Führungskraft gehabt und das war auch schon immer so, wo ich auch immer noch was dazugelernt habe und eine andere Betrachtungsweise auch dann mal gesehen habe. Also für mich sind Führungskräfte, die prägen schon ein Zentrum. Mhm.
Im letzten Bundeskongress ASD ist das auch nochmal eine Rückmeldung aus den Organisationen gewesen. Mensch, wie bekommen wir das hin, Kräfte bei uns zu halten, sie an uns zu binden und auch Arbeitsstrukturen so herzustellen, dass es auch gut aushaltbar ist. Nun hast du viele, viele Jahre im ASD hinter dir und hast sicherlich auch unterschiedliche Zeiten der Belastung kennengelernt. Oder würdest du sagen, diese Perspektive, es wird immer belastender, die Fälle werden komplexer. Ist das aus deiner Wahrnehmung tatsächlich so? Oder ist das vielleicht auch ein Gefühl, was eine neue Generation Fachkräfte in diesem Arbeitsfeld wahrnimmt? Ich weiß nicht, ob Fälle immer komplexer werden. Was ich denke, was herausfordernder ist, ist diese Arbeit mit den Klienten, wenn man das ernst nimmt. Das kostet mehr Zeit, als wenn man bestimmte Sachen vorgibt.
Und das macht das schon herausfordernder. Was ich so wahrnehme, ist einmal, dass aus meiner Sicht die, nennt man das Bürokratie, dass das zugenommen hat, sodass man sehr viel mehr dokumentieren muss, sehr viel mehr Formulare ausfüllen muss, sehr viel mehr bestimmte Programme bedienen muss und dass das alles neben der eigentlichen Arbeit noch läuft. Also das ist aus meiner Sicht, das hat zugenommen, denn die Fluktuation, weil das heißt ja, dass immer neue Kollegen kommen, die eingearbeitet werden müssen und das ist immer etwas, was immer wieder von vorne beginnt. Und ich finde, es ist manchmal sehr anstrengend, dass diese Einarbeitungsphase, gerade für die, die länger schon hier sind. Und dann denke ich auch, dass es mir Ansprüche von außen gibt. Einmal von den Klienten selbst, so eben halt bestimmte Verantwortung auch abzugeben an die Mitarbeiter des Jugendamtes und das ist.
Schule ist für mich auch ein wichtiger Faktor, die eben halt auch Verantwortung ein Stück abgeben und man muss so vielen Menschen auch gerecht werden. Und ich glaube, das ist auch etwas, was zugenommen hat. Der Anspruch auch an das Jugendamt. Du hast gerade von immer mehr Programmen gesprochen, Formalien, die erfüllt werden müssen.
Digitalisierung ein Thema in der sozialen Arbeit grundsätzlich, aber natürlich auch in der kommunalen Verwaltung und damit auch im ASD. Hast du dich immer mitgenommen gefühlt, wenn es darum ging, Mensch, wir stellen uns neu auf, wir führen was Neues ein, was ja grundsätzlich mit der Motivation häufig gemacht wird, dann doch eher zu entlasten? Also ich habe, da habe ich mir auch Gedanken drüber gemacht und ich glaube, das Problem ist, dass diese ganzen Sachen neben der eigentlichen Arbeit laufen und eine zusätzliche Sache sind. Und was ich mir zum Beispiel da wirklich wünschen würde, ist, dass man da mehr Zeit kriegt, sich auch vielleicht mal eine Woche mit zu beschäftigen und nicht nebenbei dann auch die ganze Arbeit zu machen, damit man auch so einen Grundstock hat, auf den man aufbauen kann. Und das hat hier für mich nicht so stattgefunden und ich tue mich schwer, eher schwer mit dieser Richtung so und bin da vielleicht auch langsamer als meine jungen Kollegen und Kolleginnen und das, also da hätte ich mir mehr Zeit gewünscht.
Ich bin froh, dass ich die elektronische Akte nicht mehr mitbekomme. Ja, nochmal wieder eine deutliche Weiterentwicklung, wo man letztlich auch aus meiner Perspektive einen deutlichen Mehrwert bezüglich der Entlastung von Verwaltungstätigkeiten durchaus erkennen kann. Aber selbstverständlich ändert das das ganze Denken, wie ein Fall zu betrachten ist, in Form von Akten natürlich unter Umständen. Für mich wäre auch eine Verwaltungskraft eine große Entlastung. Also ihr in eurem ASD seid für sämtliche Dokumentationsarbeiten, Verwaltungsarbeiten in eurem Bezirk zuständig, selber zuständig. Wir sind selbst zuständig und bestimmte Sachen können auch von der Verwaltungsfachkraft gemacht werden. Ja. Ja. Das würdest du als Entlastung identifizieren.
Die Art und Weise, wie du deinen Albertsalltag beschreitest momentan, hat sich das verändert in den letzten zehn Jahren? Würdest du sagen, dass sich das aufgrund des Älterwerdens auch irgendwie in wahrnehmbar gewandelt hat? Dass du vielleicht bei einigen Dingen sagst, Mensch, ich brauche doch auch mal mehr Zeit, etwas zu verstehen. Oder dass, wenn die Fluktuation dann doch zu stark wird, das auch für das Wohlbefinden in dem Arbeitsbereich von Relevanz ist? Also was ich schon merke, so ist, dass ich mehr Ruhezeiten brauche. Nicht in der Arbeit, weil das geht ja häufig gar nicht aufgrund der Abläufe, sondern wenn ich dann nach Hause komme. Also das merke ich schon, dass ich insgesamt einfach kaputter bin.
Und auf der anderen Seite ist es so, dass ich aufgrund meiner Erfahrungen bestimmte Sachen auch ein Stück gelassener mir angucken kann. Aber was ich wirklich merke ist, dass ich mehr Ruhezeiten brauche. Also die Zeit der Regeneration. Die ist mehr geworden. Gibt es denn bei euch in der Organisation überhaupt Dinge, die mit dem Fokus älter werdende Kolleginnen umgesetzt wird? Also ist das ein Thema bei euch? Wird darauf geachtet oder muss man eher selbst darum bitten, dass es beachtet wird, wenn es um sowas geht wie Rufbereitschaftsplanung? Also da würde ich hier sagen, dass man das selbst einfordern muss. Also es gibt ein Konzept, wie junge Kollegen hier eingearbeitet werden, aber es gibt kein Konzept, wie alte Kollegen und Kolleginnen gut rausgehen können. Das ist mir so aufgefallen hier, jetzt wo ich selbst in dieser Situation bin.
Und das finde ich ein bisschen schade, weil ja auch der allgemeine Sozialdienst unter Fachkräftemangel leidet und vielleicht könnte man da ja auch gucken, wie kann man Menschen, die älter sind, oder hier auch halten. Da sind für mich wenig Konzepte erkennbar. Hast du vielleicht ein, zwei Ideen, die du jetzt für deinen Bereich zum Beispiel ändern würdest oder dir das wünschen würdest? Zum Beispiel die Möglichkeit der Spezialisierung. Also so mir geht es so, dass Kinderschutzfälle für mich irgendwann, die haben ja auch immer was mit Aufregung zu tun und dass es da schon die Möglichkeit gibt, dass man irgendwann auch mal sagt, also bestimmte Bereiche möchte ich nicht mehr machen. Und andere Bereiche, die liegen mir mehr. Dass es diese Möglichkeit gibt, dass man eben halt da ein Stück auch Rücksicht drauf nimmt. Rücksicht ist Rücksicht das richtige Wort. Vielleicht, dass es möglich ist. Dass man beteiligt wird an der Planung.
Ich sage mal, wenn man so zehn Jahre vor Renteneintritt vielleicht standardisiert, sagt, Mensch, wir nutzen auch die Personalfördergespräche, um konzeptionell auch in dieses, ja, was verändert sich in der Arbeit und was du auch in der Lage bist, vielleicht auch noch gut mitzugehen, um gesund zu bleiben. Weil das ist ja letztlich das große Ziel. Das ist das große Ziel, ja. Es nutzt uns niemand etwas, der durch die Arbeit krank wird. Du selbst sitzt ja hier relativ gesund, würde ich sagen, also vom äußeren Eindruck. Hast du es ja irgendwie geschafft zu sagen, Mensch, ich achte auch auf meine Grenzen? Oder gab es jemanden, der sozusagen mit aufgepasst hat in deinem Team vielleicht? Oder der gesagt hat, Mensch, Martina, jetzt mal eine Pause machen wir ganz gut. Oder was schaffst du das selber ganz gut in der Selbstfürsorge? Also da müsstest du ja eher Menschen fragen, die viel Kontakt zu mir haben. Also von meiner eigenen Wahrnehmung eher ist es so, dass es phasenabhängig ist. Das ist, manchmal schaffe ich das nicht gut mit der Selbstversorge und dann gibt es andere Zeiten, wo es wieder ein bisschen, also wo es besser geht.
Und ich nehme mir immer vor, dass ich da auf mich achte, aber das hängt auch von diesem Arbeitsanfall ab. Dann ist es so in Krisensituationen, da eben halt da arbeite ich. Hast du denn grundsätzlich, was die Fallbelastung angeht, ein identisches Level wie die anderen KollegInnen oder wird darauf Rücksicht genommen, Mensch, ich möchte jetzt in Phasen, wo vielleicht viel los ist, gerne auf Kollegen zugehen, könnt ihr einen Fall übernehmen? Ist das bei euch so auf Zuruf organisiert oder gibt es da auch eher zentrale Steuerungsinstrumente? Ja, es gibt ja einmal KDO, das ist ein Programm, das wir eben auch bedienen müssen. Und da wird schon geguckt, so wie viele Fälle jeder hat. Und da wird nicht nach Alter geguckt, sondern das ist eine Zahl und danach wird es bemessen. Und dann hat man die Möglichkeit, also hier in Absprache mit dem Vorgesetzten eben oder davor zu gucken, gibt man auch mal einen Fall an jemand anderes ab. Aber das ist natürlich auch eine Sache, dass man das auch selbst in Anspruch nimmt.
Also das eine ist so die Möglichkeit, aber das andere ist natürlich auch, dass man diese Sachen dann selbst in Anspruch nimmt. Und das hat auch was mit Selbstversorger zu tun. Man muss es ansprechen können. Man muss es selbst auch ansprechen können. Und da wäre ja wiederum, wenn man sagt, man hat ein Konzept und eine Strategie, wo sozusagen man nicht darauf wartet, dass die Mitarbeitenden sich melden und sagen, Mensch, ich glaube, für mich wäre das gut, wenn ich ein bisschen weniger Fälle mache, da vielleicht aber Verantwortung in der Einarbeitung übernehme, was auch immer, dass es dann auch eine Offenheit struktureller Art gibt. Ja.
Wenn du auf deine Zeit, die du im ASD bisher verbracht hast, zurückblickst, du wirst viele schöne, aber auch belastende Momente erlebt haben in der Fallarbeit. Gibt es da im Positiven etwas, woran du dich ganz besonders zurückerinnern kannst? Also was positiv für mich ist oder was ich immer gerne gemacht habe, sind diese prozesshaften Begleitungen. Also über einen längeren Zeitraum mit Menschen zu arbeiten und dann so auch zu erleben, wie sich Menschen positiv entwickeln. Das mag ich immer gerne. Das ist etwas, was ich auch als ganz positiv hier wahrnehme. Das ist sozusagen auch etwas, wo du sagst, Mensch, wenn Menschen mich fragen, was ist eigentlich das Besondere an dem Arbeitsfeld ASD, dann ist es das, dass man Familiensysteme sich auch entwickeln sehen kann und aktiv eben auch teilnimmt.
Ich habe gerne mit Mädchen zusammengearbeitet und mit Frauen auch und dass sie so auch selbst merken, Mensch, das kann ich gut und das verfolge ich jetzt weiter. Ich finde, das ist immer schön anzusehen. Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Martina, wenn du auf die Herausforderung schaust, wenn es darum geht, dein Wissen, dein Handlungskönnen auch, was du über viele Jahre hier im ASD dir angeeignet hast, das weiterzugeben an Fachkräfte, die vielleicht deine Stelle übernehmen, aber noch keine Erfahrung im ASD haben, was wäre eine Idee, wie man das umsetzen könnte? Das merke ich jetzt so, dass bei mir eben halt noch nicht klar ist, wer meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger wird und das ist etwas so strukturell, was man vermeiden könnte, indem man ja so, man weiß ja, wann ich gehe. So, dass man sagt, vielleicht ein Vierteljahr wird der Bezirk eben halt doppelt besetzt, um dann auch bestimmte Informationen weiterzugeben. Auf der anderen Seite ist es ja so, dass auch jeder seinen eigenen Weg hier finden muss. Und dass meine Art, mit Menschen umzugehen, nicht unbedingt die Art ist, die jemand anders hat.
Und ich glaube, jeder muss auch seine eigene Arbeitsweise hier sich eben halt erarbeiten. Und das ist zu Beginn eine andere Arbeitsweise als zum Ende.
Du hattest eben beschrieben, Mensch, es gibt ja unterschiedliche Herangehensweisen und Sichtweisen in der Fallarbeit. Würdest du sagen, auf dich selbst bezogen, bist du immer recht offen geblieben, was die Systeme in Familien angeht? Oder hast du das Gefühl gehabt, dass du relativ schnell verstanden hast, im Fall verstehen, was in Familien so los ist? Ich glaube, dass das nicht gut ist, wenn man sagt, ach, das habe ich schnell verstanden. Gerade wenn man älter ist und hier schon sehr viel Erfahrung hat, dann ist es eine Herausforderung, genau hinzugucken.
Weil ich ertappe mich häufig dabei, ach, das hast du ja alles schon mal gehört. Und damit werde ich ja den Menschen nicht gerecht. Und es ist ja so, dass ich vielleicht nicht alles gehört habe. Und das ist ja gerade eine Kunst, wenn ich lange dabei bin, mir das noch zu bewahren, genau zuzuhören. Und nicht zu denken, na Mensch, da mache ich jetzt das und dann mache ich das und dann mache ich das. Und ich glaube, das ist eine Herausforderung gerade für ältere Kollegen.
Also da ertappe ich mich auch selbst dabei. Und das ist ja nochmal eine Selbstreflexion. Auf jeden Fall. Ja, deshalb würde ich nicht sagen, dass ich eben halt aufgrund meiner Erfahrungen Familiensysteme schneller einschätze als zum Beispiel jüngere oder Kollegen mit weniger Erfahrung.
Wir sind ja ein Podcast, der auch viel von jungen Fachkräften, von Studierenden sogar gehört wird, die vielleicht auch noch gar keine eigenen Erfahrungen mit dem Arbeitsfeld ASD gemacht haben, sondern aus der Theorie vielleicht etwas erfahren haben. Was würdest du denen raten, wenn sie in die Richtung ASD gehen wollen? Worauf sollten sie sich konzentrieren? Sollten sie etwas Bestimmtes kennenlernen im Rahmen ihrer Ausbildung oder würdest du sagen, Mensch, einfach reinspringen und gucken, ob es was für euch ist? Also was ich erlebt habe, sind ja so, dass so viele Studierende eben halt profitiert haben von Praktika. Also dass man zum Beispiel so einen Praktika hier so im Jugendamt machen kann, weil man dann sich die Arbeit nochmal anders vorstellt. Das habe ich auch häufiger gehört, dass da so auch eine Diskrepanz ist zwischen dem, was dann an der Fachhochschule vermittelt wird und dann wie die Praxis dann aussieht. Und ich glaube, das ist so wichtig, um einen Eindruck zu kriegen, wie geht es jetzt so auf dem Jugendamt.
Also gerne den Draht suchen. Also den Draht, den Kontakt zum Jugendamt. Ja, wunderbar. Martina, gibt es noch was, wo du sagst, Mensch, bezüglich des Themas des Podcasts? Wäre mir noch wichtig, was loszuwerden. Also was ich mir wünschen würde, wäre eben halt, dass der Arbeitgeber schon sich ein Konzept überlegt, so wie man ältere Menschen hier auch noch halten kann länger. Das hatten wir ja vorhin schon mal so ausgeführt, dass es da vielleicht auch mehr Gespräche mit Vorgesetzten gibt, dass da mehr ein Fokus noch drauf gelegt wird. Es folgt ja noch eine Folge des Podcasts mit einer Führungskraft im ASD und ich glaube, das Thema nehme ich auf jeden Fall mit in das Gespräch und bin da mal auf die Perspektive gespannt. Martina, ja, die halbe Stunde ist schon rum. Das ist schnell gegangen. Genau. Ich danke dir ganz herzlich, dass du offen warst, so kurz vor deinem Abschied hier im Team für eine Podcast-Aufzeichnung zur Verfügung zu stehen. Ich wünsche dir für deinen neuen Lebensabschnitt ganz, ganz viel Glück, Gesundheit und freue mich, wenn du gut in die Rente startest nächste Woche. Vielen Dank.
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Des ZDF, 2020, ASD Wissen Der Podcast für die Fachkräfte im allgemeinen sozialen Dienst Realisiert durch die Bundesarbeitsgemeinschaft ASD.
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