Eine breite Öffentlichkeit. Er ermöglicht einen Einblick in andere Organisationsstrukturen und bietet die Chance, Best-Practice-Beispiele aus der Praxis kennenzulernen. Der ASD Wissen Podcast. Heute mit einer neuen Folge und ich begrüße ganz herzlich die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft ASD, Kerstin Kubisch-Piesk. Herzlich willkommen, Kerstin. Ja, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, dass Sie hier sind. Ja, wir haben uns gedacht, wir wollen diesen Podcast auch nutzen, um einmal die Arbeit der BAG ASD vorzustellen. Die Vereinigung, die hinter ASD Wissen steht und ASD Wissen auch ermöglicht. Und dafür bist du heute da, einmal mit mir über die Ziele der BRG zu sprechen und vielleicht auch über das, was wir als Bundesarbeitsgemeinschaft erreicht haben, wo wir involviert sind, wo wir uns engagieren. Gerne auch einmal darüber sprechen, wo sich Fachkräfte in den ASDs bei uns engagieren können, wenn sie dazu Lust haben und wir wagen auch einen kleinen Ausblick, was wir uns als BRG ASD für den ASD wünschen in der Zukunft.
Kerstin, ich würde mich freuen, wenn du uns einmal ein paar Worte über dich verrätst und ein bisschen deinen Werdegang vorstellen könntest. Wie bist du eigentlich in den ASD gekommen? Ja, das ist eigentlich ganz spannend. Also ich bin in Berlin geboren, bin auch in Berlin aufgewachsen und habe nach der Schule ein Studium angefangen als Kindergärtnerin, so nannte sich das damals im Ostteil der Stadt Berlin und habe da einige Jahre gearbeitet und habe dann festgestellt, dass ich auch gerne mit den Kindern, aber auch mit den Eltern arbeiten würde. Und insofern kam ja der Mauerfall für mich sehr zur richtigen Zeit und ich hatte dann die Möglichkeit von einem Tag auf den anderen, wurde ich angefragt, ob ich das ein Jugendamt in Berlin mit aufbaue. Weil ich hatte als junge Frau schon ehrenamtlich in Familien gearbeitet und darüber kannte man mich und ja, das war damals eine tolle Stimmung in Berlin und eine Aufbruchsstimmung und mich hat es sehr gefreut. Ja und dann habe ich angefangen und habe dann auch später die Möglichkeit bekommen, berufsbegleitend das Studium zu absolvieren, soziale Arbeit, das habe ich dann auch gemacht und dann.
Habe ich aber nochmal gekündigt und habe dann viele Jahre als Familienhelferin gearbeitet, habe einen Verein gegründet und dann nach der Arbeit im Verein und mit den Familien habe ich aber dann für mich entschieden, dass ich gern wieder in den ASD zurückgehen würde. Und warum habe ich das entschieden? Weil ich schon gemerkt habe, dass man im ASD mit den Familien schon auch mehr bewirken kann, als jetzt im Rahmen der Familienhilfe.
Und ich arbeite also seit vielen, vielen Jahren im ASD. In Berlin heißt es ja Regionaler Sozialpädagogischer Dienst. Der RSB abgequält. Der ASD. Genau. Und ich finde, dass wir eine sehr, sehr wichtige Arbeit machen und das ist auch, aber gleichzeitig müssen wir uns immer auch bewusst machen, wie machtvoll auch unsere Arbeit ist, vor allen Dingen auch unsere Rolle und unsere Position. Und dafür engagiere ich mich auch und finde das auch wichtig, dass wir da Räume haben, das gut zu reflektieren.
Was für ein Sozialraum, wie ist der aufgebaut in dem RSD, in dem du tätig bist? Ich arbeite in einem sehr vielfältigen, bunten Bezirk in Berlin und der ist aber geprägt von einer hohen Anzahl von Kindern, die in Armut leben und Familien, die eben auch von Transferleistungen leben und vor allen Dingen, wo viele Menschen aus anderen Ländern und Kulturen auch leben. Ich fand das immer sehr bereichernd für meine Arbeit und ist aber natürlich auch an manchen Stellen herausfordernd. Aber das habe ich immer sehr gemocht und mag es auch noch nach wie vor sehr. Ja, also du hast schon viele, viele Jahre, Jahrzehnte, kann man so sagen, Erfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe und bist eine richtige ASD-Pflanze. Das kann man so sagen. Genau, mit vielen Führungsfachkräften, die du in deinem Leben, in deinem beruflichen, professionellen Leben auch schon begleiten durftest.
Was sind denn die Momente oder die Dinge, aus denen du deine Energie ziehst, um diese vielen Jahre auch, ich sag mal, dem AST so die Treue zu halten? Ja. Also darüber habe ich schon auch in Vorbereitung jetzt hier für das Gespräch natürlich nachgedacht und was mich immer sehr auch begleitet hat im Berufsleben, dass ich von Anfang an, also dass es mir immer wichtig war, mit den Kindern zu sprechen, auch mit den jungen Menschen und vor allen Dingen auch zu gucken, ja wie kann ich Eltern oder sorgeberechtigte Personen begleiten. Also das ganze Thema, was ja jetzt nochmal sehr an Bedeutung gewonnen hat, was mich sehr freut, hat mich also frühzeitig begleitet. Und natürlich hatte ich in all den Jahren auch sehr, sehr schwierige Familien oder Familien mit schweren Krisen. Aber ich habe eben auch viele Familien erlebt, die mit Unterstützung von ihrem Netzwerk und auch mit professioneller Hilfe das geschafft haben, also zusammenzuleben mit ihren Kindern oder dass Kinder und junge Menschen das geschafft haben, also auch ihren Lebensweg zu gehen. Und das sind so kleine Erfolgsgeschichten, die mir dann immer wieder auch Mut gemacht haben.
Erlebst du das in deiner praktischen Tätigkeit als Führungskraft, dass das auch die Momente sind, wo die Fachkräfte dann ihre Motivation ziehen, dass sie sehen, dass ihr Handeln Erfolg hat? Auf jeden Fall. Das sagen die Kollegen auch immer und greife ich schon ein bisschen vorweg, dass das ja genau das Problem ist. Ich bin ja nun seit über 30 Jahren dabei und stelle schon fest, wenn ich so an die Anfänge gucke, haben wir im ASD viel mehr Hausbesuche machen können. Wir haben viel mehr Gespräche führen können mit dem Netzwerk der Familie, mit der erweiterten Familie. Und das höre ich oft von Kollegen, dass die das manchmal vermissen, aufgrund auch der hohen Anzahl von Familien, die sie betreuen müssen. Und weil sie aber auch merken, dass das ja das Sinnstiftende ist in der ASD-Arbeit, dass sie eben merken, also wenn sie die Zeit für Familien haben, dass Familien dann natürlich auch in der Lage sind, selber Veränderungen umzusetzen oder auch bestimmte Situationen zu verändern, dass sie eben mit ihren Kindern zusammenleben können.
Da gleich zu dem Thema, wenn du jetzt die heutige Situation der allgemeinen sozialen Dienste betrachtest, du bist als Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft ASD ja viel unterwegs. Du sprichst mit vielen Menschen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, aus den ASDs. Was ist denn oder wie würdest du die heutige Lage der ASDs beschreiben? Also ich glaube, dass wir keine einfache Situation haben für die Menschen, die im ASD arbeiten, was mir also wirklich in unterschiedlichsten Kontexten und auch in unterschiedlichsten Städten begegnet ist, dass Kollegen sagen, und das finde ich selber auch, dass wir eine Überregulierung haben, gerade im Kinderschutz, aber eben auch bei Einleitung von Hilfen zur Erziehung für die Familien oder auch für die Menschen und Kinder. Und dass die Kollegen immer wieder sagen, wir hätten mehr Zeit für die Familien. Und wenn man das so ein bisschen vergleicht, im Laufe der Jahre haben wir sehr viele Aufgaben an andere, zum Beispiel es gibt ja die Freienträge der Jugendhilfe.
Wir sind outgesourced und es gab ja auch nochmal in den vergangenen Jahren so eine Welle, wo dann gesagt wurde, wir sind keine Sozialarbeiterin mehr, sondern wir sind so Case-Managerin, also wo wir so managen. Und ich glaube so im Nachhinein, dass das keine gute Entwicklung war und dass wir eben merken auch durch bestimmte Studien, dass wir eine sehr zentrale Stelle sind und wir entscheiden mit den Familien manchmal wirklich also Sachen, die einen Lebensweg von einem jungen Menschen, wie sagt man, beeinflussen. Und dass es schon wichtig ist, da eben auch im guten Kontakt mit denen zu sein. Also es reicht nicht, sich auf vielleicht Einschätzung oder Stellungnahmen von anderen zu berufen, sondern wenn ich entscheiden muss, kann das Kind in der Familie bleiben mit den Sorgeberechtigten oder eine andere Entscheidung. Dann muss ich die Familie gut kennen, dann muss ich Vertrauen aufgebaut haben und das sind alles Dinge, so erlebe ich die Kollegen im ASD, die das gerne machen würden und aber wie gesagt oft nicht machen können. Ja.
Ist das aus deiner Perspektive ein strukturelles Problem? Sind die Ressourcen für diese Art der Sozialarbeit im ASD nicht mehr vorhanden? Oder ist es auch ein Problem der Generation, dass wir neue Fachkräfte haben, die vielleicht auch einen anderen Ansatz im Rahmen ihres Studiums kennenlernen, wie Fälle bearbeitet werden? Hast du dazu eine Einschätzung?
Ich versuche das immer differenziert zu betrachten und es ist ja wie so oft Leben mit den Dingen, dass man eben nochmal schaut und das nicht verallgemeinert. Was ich schon wahrnehme ist, dass es in der fachlichen Einschätzung, gerade wenn wir im Bereich Kinderschutz gucken, dass ich erlebe, dass wenn es darum geht, ein Kind in Obhut zu nehmen, dass es oft schwerfällt, da genau zu gucken. Und im Gesetz steht ja, es ist das allerallerletzte Mittel und dass bevor wir ein Kind in den Obhut nehmen, alle milderen Mittel angewandt werden müssen, dass das in der Praxis oft schwierig ist umzusetzen. Das heißt also einzuschätzen, wie sind die Risikofaktoren und wie sind die Gefährdungsfaktoren. Und oft wird es miteinander vermischt und da hat sich auch ein bisschen etwas verselbstständigt. Ich glaube also, dass wir durch die vielen Gesetze, also gerade das Bundeskinderschutzgesetz, das sind alles gute Gesetze, aber die Ausführungsvorschriften sind für uns immer mehr geworden, was kritisiert.
Und gleichzeitig auch, glaube ich, zu einer großen Unsicherheit beigetragen hat und dass Kollegen da glaube ich manchmal, dass es sehr schwer fällt, da eben auch zu einer Einschätzung zu kommen. Also ich will sagen, ich glaube nicht, dass das ein Generationsproblem ist. Es ist vielleicht ein Problem, wie ist das Studium der sozialen Arbeit, wie hat sich das auch verändert. Ich stelle fest, es ist wichtig, dass im Studium der sozialen Arbeit auch gelehrt wird, wie sind Gesprächstechniken, wie kann ich deeskalieren, wie kann ich Gespräche mit Kindern führen, auch mit jungen Menschen. Da stelle ich schon manchmal fest, dass die Kollegen sagen, ja, da würde ich schon auch nochmal ein bisschen mehr auch lernen. Und also ich glaube, das ist so eine Gesamtgemengelage. Nun haben wir gerade im Rahmen von einer Beiratsklausur zusammengesessen, zusammen mit euch, mit dem Vorstand und das Thema Überlastung im Alltag in den allgemeinen Sozialdiensten ist ja Realität. Wo spürst du Überlastung bei KollegInnen eigentlich am ehesten?
Es gibt viele Kollegen, also nicht nur bei mir, eben auch in anderen ASD, die sagen, sie haben sich sehr bewusst für die Arbeit entschieden. Vielleicht auch mit dem, was ich vorhin gesagt habe, dass man viel bewegen kann. Und dass sie aber aufgrund der Vielzahl an Familien, die sie betreuen, eben nicht das mit jeder Familie so bearbeiten können. Also das, glaube ich, ist ein großes Problem. Viele sagen auch, ich würde gerne soziale Arbeit machen. Für mich bedeutet das, Kontakt aufzubauen, in Gespräche, in Beziehungen zu gehen. Das, glaube ich, begegnet mir immer wieder. und dann natürlich auch die Vielzahl, also ich finde mittlerweile auch überbordend die Dokumentation, also ich finde Dokumentation sehr, sehr wichtig, aber wenn wir genau hinschauen, also die Hilfepläne, die ich so kenne, das sind Hilfepläne für die Verwaltung, das sind nicht Hilfepläne der Familie oder der Kinder und der jungen Menschen und da fängt es an, wenn wir jetzt im Gesetz gucken, also wir sollen das so aufschreiben, Dass das in einer für die Kinder und jungen Menschen einfachen und wahrnehmbaren Form ist, da sind wir, also in den meisten ASD, auch weit von entfernt. Und ja, hinzu kommt, dass...
Also gerade wenn Kinder nicht mehr zu Hause leben können, dass dann natürlich immer die große Frage ist, wo können diese Kinder hin? Und da zeigt sich die Überlastung, dass wir zum einen kaum Angebote haben, die passend sind für Kinder und junge Menschen. Und das erhöht natürlich den Druck, weil im ASD, wir können das niemandem abgeben. Und das ist schon auch ein großer Teil der Überlastung, dass die Kollegen sich sehr verantwortlich fühlen. Und der Klassiker ist Freitagabend und du findest keinen Ort, wo die Kinder gut aufgehoben sind. Das macht schon auch nochmal enormen Druck und auch eine Überlastung. Merkst du, dass das auch sich in der Fluktuation bemerkbar macht? Auf jeden Fall. Also ich weiß, Berlin ist ja ein Bundesland. Im Moment, glaube ich, sind wir die einzigen, die so eine Art Monitoring haben, dass wir seit Jahren sagen können, also wie viele RSD-Kolleginnen fangen an, wie hoch ist die Fluktuation. Und wir haben festgestellt, also die Dauer, wie lange eine Kollegin oder ein Kollege im Ersti ist, sind zwei Jahre. Und das ist natürlich….
Also für so ein Verwaltungsapparat wie das Jugendamt, wo wir ein Teil sind mit dem ASD, schon eine Herausforderung, weil wir haben über Jahre eine andere Personalpolitik gehabt und wir müssen uns da umstellen. Und das ist nochmal so ein anderer Punkt, wo ich auch mich deshalb in der BAG ASD engagiere, weil ich schon auch hoffe, Dinge in Frage zu stellen, Dinge kritisch zu betrachten und auch zu fragen, ist die Organisationsform der Jugendämter, die jetzt ja das 100-jährige Jubiläum letztes Jahr gefeiert hat, ist es überhaupt noch zeitgemäß? Bis dahin, was Herr Hurlmann auch bei unserem Kinderschutzgipfel gesagt hat, also der Name Jugendamt ist in den meisten Familien sehr negativ besetzt. Also bis dahin könnte man eine Kampagne starten mit jungen Menschen. Wie soll so ein Jugendamt eigentlich aussehen? Wie soll es heißen? Das finde ich schon wichtige Sachen und dafür möchte ich mich auch engagieren oder engagiere mich da.
Das Thema Fluktuation und Überlastung, da würde ich gerne noch einmal ganz kurz mit der Perspektive der BAG drauf schauen, wenn wir über Fallobergrenzen sprechen. Das ist ein Thema, was aus vielen ASDs dann auch uns herangetragen wird. Wie steht die BAG-ASD eigentlich zu solchen Fallobergrenzen? Ja, danke, dass du das nochmal aufgegriffen hast. Also wir haben vor einigen Jahren mal veröffentlicht, dass wir eine Zahl in die Profession herausgegeben haben, 35 Fälle pro Vollzeitkraft. Davon haben wir uns verabschiedet, weil wir gemerkt haben, die AASD sind sehr unterschiedlich, also auch die Städte, Länder.
Landkreise und wir haben uns sehr engagiert im Rahmen des neuen SGB VIII 2021 und es ist uns gelungen, den Paragraf 79 mit aufzunehmen, wo wir gesagt haben, dass die Jugendämter also eine Personalbemessung durchführen sollten, aber eben auch für eine ausreichende Ausstattung, das heißt technisch als auch räumlich, dass dafür zu sorgen ist. Und wir glauben, dass die prozessorientierte Personalbemessung, das heißt also, dass Prozesse im ASD wie zum Beispiel eine Kinderschutzmeldung bearbeiten oder auch einen Hilfeeinsatz oder eine Beratung mit einer Familie, Wenn die mit Zeiten hinterlegt ist und man dann eben daraus auch das Personal berechnen kann.
Dass das eine gute Grundlage für die Personalbemessung ist. Und viele Städte haben aufgrund dessen auch Stellen dazu bekommen. Genau. Leider ist es so, das muss ich auch sagen, dass die Umsetzung eben nicht in allen Jugendämtern umgesetzt, also dass die Personalbemessung nicht umgesetzt wird. Dafür setzen wir uns nach wie vor ein.
Die Ressourcenfrage, die dann häufig gestellt wird und in der Diskussion häufig fällt, ist die Personalbemessung als Instrument einzuführen, hat ja einen hohen oder erfordert ja häufig einen hohen Ressourceneinsatz zuerst. Also eine Personalbemessung zu gestalten, Prozesse zu beschreiben, all das sind ja Tätigkeiten, die unglaublich viel Zeit kosten und Geld.
Beides in den ASDs häufig eher Mangelware und sicherlich auch eines der großen Hürden. Kennst du so mit Blick auf Best-Practice-Kommunen, wo eine Personalbemessung auch schon gut funktioniert hat, wo sich das gelohnt hat, sich einmal diese Arbeit zu machen? Ja, auf jeden Fall. Also ich weiß, in Bayern gab es also einige Jugendämter, die das erfolgreich durchgeführt haben. Ich weiß, in Kiel war es sehr erfolgreich und ich war gerade jetzt die Woche im ASD Essen. Das war eine tolle Begegnung und die Kollegen haben das eben auch nochmal geschildert. Und es waren Kollegen auch aus dem ASD da, die gesagt haben, ja, diese Zeiten oder diese Prozesse mit Zeiten zu hinterlegen, war sehr aufwendig. Aber sie haben gesagt, sie wussten, dass das Auswirkungen hat und sich lohnt. Das heißt, die Beteiligung der Kolleginnen hat sich gelohnt und die Kolleginnen haben dann eben gesehen, okay, wenn ich mich hier einsetze, kommt, ich sag es mal ein bisschen salopp, am Ende eben auch etwas positiv heraus. Und am Ende die Entlastung, die sich alle wünschen. Genau.
Du hast eben einmal über Hilfeplanung gesprochen, über die Beteiligung auch. Also wir sprechen davon, in der wahrnehmbaren, verständlichen Art und Weise Hilfepläne auch zu erstellen. Es gab mal einen Vortrag, in dem ich gesessen habe, wo dann, ich sag mal, etwas provokant gesagt wurde, ja, ich glaube, ihr schreibt verständliche Hilfepläne, aber denkt ihr auch an die Menschen, die nicht sehend sind? Nehmt ihr Hilfepläne akustisch auf und all das gehört dazu, also inklusive Hilfeplanprotokolle. Da fehlt es sicherlich ganz, ganz viel an erstmal der Wahrnehmung, dass auch das damit gemeint ist. Wie schreibt man einen Hilfeplan in leichter Sprache? Und all das sind ja Themen, wo die Kommunen auch Ressourcen für frei schaufeln müssen, damit solche Konzepte entstehen. Aber wenn wir über systemischen Kinderschutz sprechen, wo glaubst du denn, wo gelingt Beteiligung im ASD gut? Und gibt es auch Bereiche, wo du sagst, da können wir uns noch besser anstellen?
Also du hattest es ja schon gesagt, ich bin ja viel auch unterwegs in den ASD in Deutschland und was die Kollegen mir immer wieder berichten ist, dass es schon sehr herausfordernd ist.
Also auch Kinder an Hilfeplanen, Gesprächen zu beteiligen, aber auch gerade wenn es im Kinderschutz ist, wie führe ich so ein Gespräch? Also da wünschen sich die Kollegen auch ein bisschen mehr Fortbildung und aber auch, Ich sage dann immer auch ein bisschen mehr Selbstbewusstsein, also das eben auch zu machen. Und ich glaube, es gibt schon auch gute Beispiele deutschlandweit. Also wir zum Beispiel in Berlin, wir arbeiten mit einem Verfahren, was wir in Dresden kennengelernt haben, die Fachteamberatung, die wir gemeinsam mit den Familien und dem Netzwerk der Familien durchführen, auch mit den Kindern und jungen Menschen. Und in dieser Fachteamberatung gibt es dann so eine Sequenz vom Reflecting-Team. Das heißt, wir tauschen uns dort aus und die Familie kann das alles hören. Wir sind damit sehr transparent und das hat eine ganz, ganz tolle Wirkung auf die Familien und die Kinder und die jungen Menschen, weil die eben auch rückmelden, dass sie jetzt auch bestimmte Sachen dann viel mehr verstehen Und dass sie eben nicht mehr das Gefühl haben, das Jugendamt ist so eine Blackbox. Wir wissen gar nicht, was sie da besprechen. Also damit haben wir gute Erfahrungen gemacht. Und also wir gerade in Berlin seit 2010 arbeiten wir mit dem Verfahren Familienrat.
Und das ist ein Verfahren, wo vor allen Dingen die Kinder und jungen Menschen, also finde ich, in einer ganz hohen Qualität beteiligt werden. Und weil du angesprochen hast, die Pläne, die Hilfepläne im Familienrat gibt es am Ende einen Plan und der wird natürlich dann so verabschiedet, dass eben alle Menschen, die da sind, also wenn sie jetzt nicht sehen können oder nicht lesen und schreiben können, dass sie trotzdem wissen, was in dem Plan dann auch drin steht. Und da gibt es ja ein deutschlandweites Netzwerk und immer mehr Jugendämter und ASD machen sich da auf den Weg. Also es gibt trotz der Überlastung und der Personalknappheit auch schon Verfahren, wo ich sage, die kann man also auch gut ausbauen, weil sie eben für die Familien, für die wir ja auch da sind und deren Kinder eben auch ein gutes Verfahren ist. Dass sie eben sich auf den Weg machen und Dinge auch verändern können. Die BAG ASD, die Bundesarbeitsgemeinschaft Allgemeiner Sozialer Dienst e.V., ausgeschrieben, so steht es in der Satzung.
Setzt sich ja genau dafür ein, dass wir gehört werden, dass die fachlichen Anliegen der Fachkräfte in den ASDs, die Rahmenbedingungen, Gehör finden bei denen, die über Ressourceneinsätze entscheiden, Aber eben auch bei denen, die Rahmenbedingungen schaffen können für Methoden, die im ASD Anwendung finden, für die Wissenschaft, die dazu beiträgt, neue Fachkräfte auszubilden und weiterzubilden. Wie genau bist du eigentlich in die BAG gekommen? Was war deine große Motivation?
Ja, da muss ich, glaube ich, ein bisschen ausholen. Ich war auf einer Veranstaltung, ich glaube 2017 und habe dort die Professorin Katinka Beckmann kennengelernt und wir waren dann in der Pause auf dem WC und haben uns dann so unterhalten und dann ging es um das Thema, alle reden über den AST, aber keiner mit dem AST. Damit hatte sie mich sehr gut abgeholt und wir haben dann gesagt, Mensch, wollen wir da nicht mal was auf den Weg bringen? Und das haben wir dann gemacht und haben 2000...
Glaube ich, dann gemeinsam mit unserem Jugendamt die Studie zum ASD genau veröffentlicht und das hatte schon auch eine hohe mediale Aufmerksamkeit. Also wir hatten dann die Möglichkeit, die Studie in der Bundespressekonferenz vorzustellen. Es gab ungeheure Anfragen, hohe Anfragen von Funk und Fernsehen. Und in dem Zusammenhang hat sich damals der Vorsitzende Hermann Terler bei mir gemeldet und so war mein erster Kontakt mit der BAG ASD. Und wir haben dann gemeinsam mit Herrn Materla für Berlin einen ASD-Kongress organisiert, damals noch in Potsdam. Ja, dann bin ich eingetreten und habe mich weiter engagiert und habe eben dann auch gemerkt, dass das ein guter Verein ist, um eben wirklich sowohl in die fachpolitische als auch in die politische und eben auch mit der Wissenschaft in die Richtung, da gut zusammenzuarbeiten und vor allen Dingen dem ASD eine Stimme zu geben. Weil das, muss man schon sagen, das ist uns, glaube ich, in den letzten Jahren auch gut gelungen, dass niemand mehr so viel über uns redet, sondern dass sie schon auch, ich sage es jetzt mal so ein bisschen verstanden haben, dass es wichtig ist, mit uns Menschen vom AST zu sprechen.
Hast du für dich ganz persönlich etwas, wo du besonders stolz drauf bist, im Rahmen deiner Rolle als Vorsitzende etwas initiiert zu haben in der BAG?
Also ich glaube, natürlich bin ich die Vorsitzende, aber das muss ich schon sagen, ich würde das alles gar nicht schaffen, wenn also nicht auch die vielen Menschen um mich herum, also sei es jetzt der Vorstand oder auch der Beirat oder auch meine Kollegen auf Arbeit und vor allen Dingen auch meine Familie, die müssen das ja auch irgendwie mittragen, wenn ich dann manchmal nicht so oft zu Hause bin. Also das glaube ich ist, das ist uns glaube ich oder gelingt uns gut in der BAG AST, dass wir also gemeinsam für den AST kämpfen. Also das finde ich sehr, sehr schön. Wir sind da sehr solidarisch und sehr fokussiert auf die Sache. Darauf bin ich stolz. Und natürlich, das muss ich schon sagen, wir sind ja alle ehrenamtlich engagiert, dass es uns gelungen ist, als so kleiner Verein den Kinderschutzgipfel letztes Jahr im April auszurichten mit Unterstützung natürlich vom SOS Kinderdorf und Frau Professorin Schutter. Und dass wir im Anschluss dann zwei Expertinnenräte durchführen konnten, das finde ich schon, also auch. Sind schon so Meilensteine. Das sind schon Meilensteine, ja genau.
Gibt es etwas, wo du sagst, hier wird die BAG in den nächsten fünf Jahren sich noch etwas mehr engagieren?
Also wir hatten ja jetzt gerade die Beiratssitzung, da haben wir ja schon gemerkt, es gibt ganz, ganz viele Themenfelder und wir haben natürlich mit dem Kinderschutzgipfel ja auch nochmal ein bisschen wachgerüttelt, jetzt auch mit den zwei Expertinnen reden. Wir haben einen Aktionsplan erarbeitet mit all den engagierten Menschen und wir haben natürlich die Forderungen aus dem Kinderschutzgipfel, die wir aufgestellt haben. Da werden wir weiter daran festhalten, das ist ganz klar. Aber wir werden natürlich auch, wie wir gestern nochmal gesagt haben, ein großes Thema wird sein, also wie ist der ASD aufgestellt, wie kann er also auch in der Zukunft gut arbeiten und eben auch im Sinne für die Menschen und die Kinder und Jugendlichen die Unterstützung, wo sie ein Recht drauf haben. Also ich glaube, das kann man tun so sagen und dass wir natürlich gucken, dass wir so ausgestattet sind, nicht nur finanziell und personell, sondern eben auch nochmal zu gucken, kann man Strukturen verändern, dass wir die Aufgaben, die wir im SGB VIII haben, was ja wirklich ein gutes Gesetz ist, das muss man nochmal unterstreichen. Das sage ich immer wieder. Andere Länder sind da also sehr, sehr neidisch. Aber dass wir auch in die Lage versetzt werden, das umzusetzen.
Wenn wir an angehende Fachkräfte denken, die jetzt vielleicht diesen Podcast hören, die sich auf asd-wissen.de informieren wollen, die jetzt so dabei sind, vielleicht auch im Rahmen ihrer Modulwahl die Weichen zu stellen. Denn gibt es etwas, wo du sagen kannst, Mensch, das ist etwas, das rate ich euch, wenn ihr der Idee spielt, mal in den ASD zu gehen und vielleicht auch ein bisschen etwas, um Ängste zu nehmen. Ich selbst aus der Lehre kenne ja viele Studierende, die sich immer wieder das gar nicht zutrauen, als junge Fachkräfte von der Hochschule in den ASD zu gehen. Hast du für die etwas, was du ihnen mit auf den Weg geben kannst?
Also auf jeden Fall lohnt es sich, je nachdem, wo man wohnt, Kontakt zum ASD aufzunehmen, einfach zu fragen, kann ich mal hospitieren? Also damit haben wir gute Erfahrungen gemacht, weil ich glaube, wenn man mal den Blick nach innen aufgenommen hat, wenn man mal auch mitgelaufen ist, dass man dann vielleicht auch weiß, ja, das traue ich mir zu oder das kann ich mir vorstellen oder nicht. Das ist so das Erste. Ich finde es immer gut, wenn Kolleginnen aus dem ASD an den Hochschulen von der Arbeit berichten. Das hat auch ganz positive Effekte. Oder wenn Studiengruppen in den ASD kommen, das glaube ich ist nochmal ganz gut. Und also was wir vielleicht noch zu wenig machen, das ist vielleicht auch nochmal ein Thema nochmal, ja vielleicht auch zu berichten.
Also wie viele Menschen gute und sehr gute Erfahrungen gemacht haben mit der Unterstützung vom ASD. Also ich sage mal, mir begegnet es immer wieder noch, ich habe jetzt keine eigenen Familien, aber ich gehe natürlich also auch als Unterstützung dann in Gespräche rein oder mache Hausbesuche und so wieder. Und ich merke immer wieder, wie groß die Angst vor dem Jugendamt, also dem ASD ist. Und wenn wir aber dann da sind und sie merken, okay, wir hören zu, wir wollen verstehen, was ist eigentlich gerade in der Familie los und es uns gelingt, eine Beziehung aufzubauen, dass die Menschen dann sagen.
Ja, es ist gut, dass sie da sind. Und das macht mir immer wieder Mut, weil das zeigt es ja, das ist genau der richtige Weg, dass wir eben da auch, wie ich vorhin schon gesagt habe, eine Beziehung aufbauen und dass die Menschen dann uns auch natürlich dann auch berichten können, wie die Situation ist. Ich will nochmal sagen, was ich glaube auch verändert werden muss, ist, wir haben im Moment sehr langwierige Probleme. Also in den meisten ASDs Auswahlverfahren, also Einstellungsverfahren, da glaube ich muss man auch nochmal ran. Also zumindest in Berlin, wenn wir wissen, wir haben die längste Zeit, sind die Kolleginnen zwei Jahre da, dann kann so ein Auswahlverfahren, ich überspitze jetzt mal ein bisschen, nicht ein halbes Jahr dauern. Also da glaube ich müssen wir vielleicht auch nochmal ein bisschen attraktiver werden. Da gibt es ja auch ASDs, die das schon anders machen.
Genau. Genau, ja. Wir kommen schon zur Abschlussrunde. Das geht immer relativ schnell, wenn man sich ein wenig unterhält, konzentriert. Da gibt es ja immer ein paar kurze Fragen und da muss man ganz schnell überlegen. Und die erste kurze Frage, die ich an dich stellen möchte, ist, was ist gute ASD-Arbeit für dich? Ja, also ich glaube, das habe ich schon gesagt, gute ASD-Arbeit ist, wenn wir Zeit für die Familien haben, wenn wir Beziehungen aufbauen können und wenn es uns gelingt, die Menschen, die es betrifft, eben zu beteiligen. Ich habe ein paar Mal einen Workshop gemacht zu dem Punkt, dass nicht wir die Familien beteiligen, sondern eigentlich, wenn man es genau nennt, die Familien uns beteiligen. Wenn man das mal so auf ein Leben lang bezieht, finde ich das einen interessanten Aspekt, eine Sichtweise. Einen Satz, den du über Jugendämter nie wieder hören willst.
Das Jugendamt. Die Familie war dem Jugendamt bekannt und war zu spät oder zu früh. Ein Satz, den ich mir in fünf Jahren wünschen würde. Dass die Jugendämter nicht mehr Jugendämter heißen. Ich habe noch nicht so einen schönen Begriff. Und dass sie so organisiert sind, ein bisschen mit einer flacheren Hierarchie. Und dass die Beteiligung nicht nur nach außen gelungen ist, sondern auch nach innen. Das heißt, dass die Kollegen auch in ihrer eigenen Organisation beteiligt werden. Vielen Dank. Wenn jetzt Menschen da draußen, die unseren Podcast hören, Lust haben, sich bei der BAG zu beteiligen, was für Möglichkeiten haben sie überhaupt?
Also wir sind ja mittlerweile sehr gut aufgestellt, Social Media mäßig. Also wir haben eine Webseite, wo man Kontakt aufnehmen kann. Wir sind auf verschiedenen Plattformen, die kannst du glaube ich besser nennen als uns. LinkedIn zum Beispiel, auf Instagram sind wir, Blue Sky haben wir uns angemeldet. Genau und mich selber kann man auch gut kontaktieren per E-Mail, per Handy, also wenn man da Fragen hat oder auch Wünsche, kann man sich gerne melden und wir sind ja wie gesagt sehr gut vernetzt, sodass wir dann auch den Kontakt in die sprechende Region herstellen. Und die Mitgliedschaft geht ganz leicht über unsere Webseite bag-asd.de und dann ist es ja wirklich so, man kann sich so engagieren, wie man es schafft, so wie die Ressourcen es ermöglichen und wir freuen uns als BAG immer sehr über engagierte KollegInnen. Auf jeden Fall.
Kerstin, ich danke dir, dass du die Zeit gefunden hast, uns einmal ein bisschen deine Gedanken zum ASD und zur BAG ASD, dass du uns einmal mitgenommen hast und ich wünsche dir einen guten Heimweg.
Ich danke dir und vielen Dank für die Einladung.