Music. Herzlich Willkommen bei einer neuen Folge Sounds Familie und ich freue mich, dass ihr alle wieder eingeschaltet habt. Es ist Dienstag und ich habe ein neues Thema mitgebracht für euch. Alle Themen, die ich hier behandle, liegen mir am Herzen und möchte ich tiefer gehen, weil sie mich als Mutter, als Mensch beschäftigen. Aber heute habe ich auch wieder ein Thema, was mich ganz besonders letztes Jahr selber persönlich, wo ich auch noch nie drüber gesprochen habe, begleitet hat. Und ja, es ist ganz spannend und ich habe auch dazu viele E-Mails von euch bekommen, weil ich habe ja gesagt, wenn ihr ein Thema habt, was ihr euch wünscht, was wir hier näher besprechen möchtet oder wenn ihr auch vielleicht Gästin hier sein wollt, dann schreibt mir einfach und dazu habe ich heute mehrere E-Mails bekommen und ich habe mich für eine E-Mail entschieden und es geht heute um das Thema ADHS und was es für Vorurteile gibt. Wie kann ich herausfinden, ob mein Kind ADHS hat? Es ist ja vielleicht so ein bisschen so, wenn ihr euch in einer ähnlichen Bubble so befindet, Social Media Bubble, momentan ist es ja wirklich so, dass man ganz viel darüber liest und dann denkt man, ah ja, so ein bisschen Symptome habe ich auch, da finde ich mich wieder. Bei mir war es letztes Jahr, habe ich ja auch öffentlich darüber gesprochen, habe ich mir eine Auszeit genommen und war auch in einer Tagesklinik und als ich da mit meinen Problemchen so ankam, habe ich dann auch gesagt, dann können wir ja gleich auch nochmal ADHS testen und siehe da, ich habe auch eine Diagnose bekommen, die ich glaube ich auch einfach für mich schon ganz lange wusste, was mein behandelnder Psychiater zu mir sagte, dass sie sich sehr gut organisiert haben in ihrem Leben, um mit ADHS gut zu leben, aber es war für mich jetzt einfach auch nochmal so wichtig. Ja, ich bin mit meiner Familie nochmal mein ganzes Leben, meine Kindheit, meine Schulzeit so durchgegangen und das waren natürlich viele Momente, die nochmal so Aha-Momente hatten. Und da ich ja auch Mutter von vier Kindern bin und ADHS auch genetisch vererbbar ist, sogar zum sehr hohen Anteil, ich glaube sogar 60 bis 80 Prozent, das wird unsere Gäste, die ich heute habe, mir gleich nochmal besser beantworten, ist die Wahrscheinlichkeit ja auch sehr groß, dass eins meiner Kinder die Diagnose bekommt. Und deshalb habe ich gedacht, würde ich gerne heute über dieses Thema mal sprechen. Und da habe ich mir jemanden eingeladen, wo ich mich sehr darüber freue, dass sie den Weg auch nach Berlin geschafft hat, hier extra mit mir zu sitzen in meinem kleinen süßen Studio. Und ich habe heute Saskia Nitzial zu Gast. Sie ist Grundschullehrerin in Hannover, Kolumnistin, Autorin, Podcasterin. Und ich freue mich, dass du heute hier bist und wir über dieses wichtige Thema sprechen und du mir hoffentlich alle Fragen beantwortest. Und ja, schön, dass du da bist, Saskia. Danke für die Einladung. Ich freue mich immer, wenn ich über dieses Thema sprechen kann und dafür fahre ich auch sehr, sehr gerne nach Berlin. Vielen Dank. Ich würde sagen, Saskia, dass wir diese E-Mail, die ich bekommen habe, dass ich die einmal vorlese und dass wir dann gemeinsam darüber sprechen und dass wir gleich Deep Dive in dieses Thema machen. Und ja, ich lese sie euch einmal vor. Hallo Sissy, mein Sohn ist acht Jahre alt und wir haben jeden Morgen das gleiche Problem. Er schafft es einfach nicht, rechtzeitig fertig zu werden, um pünktlich zur Schule loszugehen. Egal wie früh wir ihn wecken oder wie genau wir die Abläufe planen, irgendetwas hält ihn immer auf. Mal bleibt er zu lange im Bett liegen, dann trödelt er beim Anziehen oder er vergisst Dinge, wie seinen Ranzen zu packen. Selbst wenn wir das eigentlich schon am Vorabend vorbereiten. Mir fällt auf, dass er dabei oft sehr leicht abgelenkt wirkt, zum Beispiel von einem Spielzeug, etwas auf dem Handy oder einfach seinen eigenen Gedanken. Er wirkt, als ob er Schwierigkeiten hätte, sich auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren. Diese Situationen machen uns alle ziemlich gestresst und ich merke, dass er selbst darunter leidet, wenn er zu spät zur Schule kommt. Nun habe ich mich gefragt, ob da vielleicht mehr dahinter stecken könnte. Ich habe schon öfter gelesen, dass solche Schwierigkeiten bei den Alltagsorganisationen ein Hinweis auf ADHS sein könnten. Er ist generell ein sehr kreativer und verträumter Junge, aber oft auch impulsiv und schnell überfordert, wenn es um mehrere Aufgaben gleichzeitig geht. Könnte das tatsächlich mit einem ADHS zusammenhängen und wenn ja, wie gehe ich am besten damit um? Sollen wir einen Arzt oder Therapeuten aufsuchen? Gibt es vielleicht Strategien oder Tipps, die speziell bei solchen morgendlichen Herausforderungen helfen könnten, unabhängig davon, ob ADHS im Spiel ist oder nicht? Ja, gut. Bingo, würde ich sagen. Gerade als du das so vorgelesen hast, habe ich gedacht, es wäre schon eine Diagnose da tatsächlich. Und dann hast du ja nochmal erwähnt, dass die noch gar nicht getroffen wurde oder noch nicht steht, sondern jetzt erstmal nur der Verdacht da ist. Und ich kann natürlich nicht ferndiagnostizieren, ich kann auch nicht nahdiagnostizieren, weil das ja gar nicht mein Kompetenzbereich ist. Aber bei dem, was ich da höre, finde ich schon, dass es sich lohnen würde, genauer hinzuschauen. Wenn du jetzt diese E-Mail hörst und diese Herausforderungen, die die Eltern jetzt gerade schildern im Alltag mit ihrem Kind, wenn ich das beobachte, ich finde es ja immer so schwierig, ich beobachte das, was würdest du jetzt empfehlen, da du ja einfach Expertin bist in diesem Bereich, du bist jetzt keine Medizinerin, aber du bist Expertin, Kinder zu therapieren oder die einfach zu begleiten mit ADHS. Zu begleiten. Ja, zu begleiten. Genau, wie kann ich den Alltag lernen und so weiter bis zur Grundschullehrerin. Aber was würdest du jetzt sozusagen dieser Familie empfehlen, wie jetzt der Weg wäre, auch um eine Diagnose zu bekommen? Weil ich finde, das ist ja auch ein schwieriger Weg. Und wann ist der Beste? Der Junge ist jetzt hier acht, aber geht es auch früher? Definitiv. Also es kommt ein bisschen auf die neurodivergente Form an, aber ADHS kann man meist schon deutlich vor diesem genannten Alter jetzt. vor acht Jahren. Aber das ist am Ende natürlich was Individuelles, weil es sich einfach in Familien unterschiedlich stark prägnant zeigt, Eltern auch unterschiedlich spät in Anführungsstrichen an Punkte kommen, wo sie sagen, okay, jetzt ist die Situation hier irgendwie so anstrengend, so anders, verbessert sich langfristig nicht, obwohl wir so viel versuchen, jetzt möchte ich doch einen Schritt weiter gehen. Und es gibt je nach Familienkonstellation, je nach Kind, je nach Eltern Situationen, in denen das einfach schon mit fünf so sein kann. Meist ist das so das Alter, wo die meisten Kinder so ganz langsam Richtung Diagnostik gehen. Und es gibt aber auch Familien, da zeigt sich das erst ganz deutlich so im Verlauf der Grundschulzeit. Die Zeiten sind enger, die Kinder müssen früher los, solche Probleme verschärfen sich dann. Und dann kommen eben Eltern an den Punkt zu sagen, irgendwie so ein bisschen das Bauchgefühl, das ist zumindest meine Erfahrung, gibt es schon ganz lang. Also viele Eltern schleppen so dieses, ist es doch genug an Merkmalen, die ich hier feststelle? Lohnt sich der Weg? Könnte das sein? Dann verwerfen sie es wieder. Dann kommt wieder eine Phase, in der das sehr, sehr doll zutage tritt. Dann wird wieder überlegt, na doch, ich habe ja selbst neurodivirgente Kinder und kenne diesen Prozess sehr gut. Man wacht nicht eines Morgens auf und sagt sich, jetzt wo ich gerade hier so sitze, vielleicht hat mein Kind ja ADHS. Was könnten wir denn jetzt mal schönes unternehmen? Eine Diagnostik wäre doch was Tolles. Sondern es ist in der Regel ein recht langer Prozess. Immer wieder so, dann ploppt das mal so auf. Man schaut vielleicht auch bei Instagram und sieht was und denkt, das ist schon irgendwie mein Kind. Aber ach, naja, wir kommen ja eigentlich klar und eigentlich ist bei meinem Kind so weit ja sonst alles okay. Und wenn man jetzt aber so wie die Person, die diese E-Mail geschrieben hat, an den Punkt kommt, wo man sagt, nee, eigentlich jetzt möchte ich doch mal gucken, dann wäre der erste offizielle Gang Richtung kinderärztliche Praxis. Denn wenn man sich jetzt für ein Zentrum entscheidet, in dem man das untersuchen lassen möchte und diagnostizieren lassen möchte, zum Beispiel das SPZ, da ist ganz viel so unter einem Dach, dann braucht man Überweisung. Es kann aber auch sein, dass man sagt, nee, ich gehe in eine Praxis eines Kinderpsychiater, einer Kinderpsychiaterin, einer Psychologin. Dann braucht man nicht zwingend Überweisung. Aber trotzdem würde ich immer sagen, das wäre jetzt mal so der erste Gang. Im besten Fall hat man sich vielleicht auch schon mit der Kinderärztin, dem Kinderarzt ausgetauscht im Laufe des Prozesses und das vielleicht hier und da auch schon mal geäußert, sodass diese Praxis auch im Bilde ist, wie so die Entwicklung ist und dann an den Punkt kommen kann zu sagen, okay und jetzt gucken wir mal genauer nach. Und dann bekäme man eine Überweisung im besten Fall und dann würde man sich mit dieser Überweisung, Eben bei den entsprechenden Stellen melden und muss leider mit sehr viel Wartezeit rechnen. Darum rate ich tendenziell, wenn man wirklich schon eine Weile dieses Bauchgefühl hat oder diese Beobachtung macht, nicht allzu lang zu warten, einfach weil die Wartezeiten dann noch lang sein können, bis man überhaupt mal da reinrutscht. Also anderthalb Jahre sind keine Seltenheit mehr. Die schreiben ja auch über deinem Instagram-Profil. Alles zu Saskia, was wir heute besprechen, verlinke ich euch natürlich in den Shownotes. Aber werden dir ja viel betroffene Eltern schreiben, weil du natürlich sehr viel Content dazu auch produzierst. Meine Frage ist jetzt so, kriegst du da so Feedback, wie sind die Kinderärzte so allgemein da drauf? Weil es ja momentan auch so ist, wenn man jetzt sich in Social Media befindet, dass sehr viele Diagnosen bei vielen bekannten Personen auch auftreten, also das öffentlich machen. Und man ja so ein bisschen so das Gefühl hat, okay, das ist jetzt so eine neue Sache, dass man das jetzt einfach so hat. Und wie ist so dein Gefühl, da du ja mit vielen Menschen, die betroffen sind, einfach Kontakt hast? Ist da eine Offenheit bei Kinderärztinnen oder merkst du eher so, dass das so ein bisschen so wegge, nicht so hingeguckt wird? Ich muss ehrlicherweise sagen, dass mein Bild natürlich ein bisschen getrübt ist, in Anführungsstrichen, weil sich bei mir natürlich die Menschen melden, die vielleicht nicht immer so gut begleitet werden. Also die dann sagen, ach ja, ich weiß, wie wichtig eine Diagnose ist, das sagst du ja auch immer, aber unsere Kinderärztin, unser Kinderarzt möchte die Überweisung nicht ausstellen oder sieht keine Notwendigkeit oder hat gesagt, naja, wir können ja erstmal in der Familie gucken, an welchen Stellschrauben wir da schrauben können. Und darum kriege ich natürlich, ich sage mal, in einer gewissen Häufigkeit auch diese Geschichten. Im Großen und Ganzen würde ich sagen, gibt es schon eine gewisse Aufgeschlossenheit von KinderärztInnen gegenüber diesem Thema. Und da eher die Schwierigkeiten, dass einfach die Wartezeiten so lang sind, bis man wirklich irgendwo unterkommt. Ich habe jetzt gerade ein Interview selbst geführt mit einer Fachperson, die diagnostiziert. Und die hat eben den Tipp gegeben, wenn die kinderärztliche Praxis nicht mitspielt, in Anführungsstrichen, sich dann einfach Stellen zu suchen, also nicht diese offiziellen Zentren, sondern wirklich dann Praxen. Für die man keine Überweisung braucht. Das wusste ich tatsächlich bis jetzt auch noch nicht. Ich dachte, man braucht immer eine Überweisung. Genau, bei gesetzlich Versicherten. Das muss man dazu sagen, wenn man privat versichert ist mit den Kindern, dann kann man das sogar ohne. Also dann kann man gänzlich ohne Überweisung. Dann kann man ja immer überall hingehen. Genau, deswegen muss man das nochmal unterscheiden, leider. Aber gerade so einfach eine Fachpraxis von einer Psychologin zum Beispiel, da geht es manchmal auch ohne Überweisung. Also dann würde ich einfach, wenn quasi dieser erste Anlaufpunkt nicht so erfolgreich ist, wie man sich das eigentlich in der Begleitung wünschen würde, dann kann man halt schauen, dass man gleich den nächsten Step geht und sagt, okay, dann gucke ich mal, wo ich mein Kind unterkriege, ohne dass ich diese Überweisung brauche. Also meine Tendenz ist eher, dass im Großen und Ganzen das schon ausgestellt wird, gerade dann und deswegen ermutige ich da unbedingt dazu. Wenn man früh in dieses Vertrauensverhältnis geht mit der Kinderärztin und dem Kinderarzt und in diesem Prozess, den man selber die ganze Zeit so im Kopf hat, ein bisschen mitnimmt, zu fragen, das, was sich jetzt hier zeigt, ist das alles noch im Entwicklungsrahmen oder sollten wir da schon genauer hinschauen? Und die meisten Kinderärzte, ich möchte ja auch, dass in meinem Feld im Lehrkraftbereich erstmal eine wohlwollende Haltung gegenüber meiner Berufsgruppe ist, deswegen habe ich auch eine wohlwollende Haltung gegenüber diesen Fachpersonen. Die meisten sind auf jeden Fall bereit, in so eine Zusammenarbeit zu gehen. Und wenn das eben nicht der Fall ist, dann muss man den Step überspringen sozusagen und weitergehen oder einfach ein bisschen deutlicher kämpfen. Das ist ja sowieso etwas, das jetzt Eltern neurodivirgenter Kinder sehr doll kennen. Man muss immer ein bisschen mehr lernen. Für Sprecherin sein, Fürsprecher sein, ein bisschen mehr kämpfen. Das ist leider ein Punkt, wo es eben auch mal so sein kann. Aber du sagst, aktuell gibt es einfach zu wenig Plätze. Das ist natürlich furchtbar, weil es ist ja einfach viele Kinder, die sind auch betroffen. Es ist ein bisschen regional bedingt natürlich. In den Städten ist das Angebot sicherlich ein anderes als auf dem Land zum Beispiel. Das ist was, was mir oft zugetragen wird. Aber alles in allem ist das, wie in vielen Stellen, wo es um Familien und Familienunterstützung geht, sehr, sehr ausbaufähig. Wenn ich jetzt einen Platz ergattert habe, ich bin im SPZ und ich habe diesen Platz bekommen. Wie sieht so eine Testung einfach aus? Also wie lange dauert das bei Kindern? Weil ich habe es jetzt selber ja eine ADHS-Testung als Erwachsene gemacht. Ich habe unzählige Bögen ausfüllen müssen. Meine Familie hat Bögen ausfüllen müssen und so weiter. Das ist natürlich eine ganz andere Sache beim Erwachsenen. Aber wie sieht das beim Kind aus? Es gibt so drei grundlegende Bereiche, würde ich sagen. Das eine sind eben die Testungen, die vor Ort laufen. Meist ist das eine Intelligenztestung, die gemacht wird. Und dann eben ADHS-spezifische Tests, die die Aufmerksamkeit in den Blick nehmen, Konzentrationsvermögen in den Blick nehmen und noch so ein, zwei andere Dinge. Logik zum Beispiel und auch die Beobachtung vor Ort, also wie verhält sich das Kind in der Testsituation, wie ist die Kontaktaufnahme und so weiter und so fort. Also diese Dinge passieren quasi vor Ort in Interaktion mit der Fachperson. Der andere Bereich ist eben die Befragung der Eltern, also auch die Eltern füllen in der Regel Bögen aus und sind im Gespräch, in diesem Anamnese-Gespräch, berichten von ihren Beobachtungen, erzählen vom Alltag. Und der dritte Bereich, je nachdem, wie das Kind betreut ist, entweder der Kindergarten oder die Schule, gibt auch nochmal eine Einschätzung. Klassischerweise ist es oft die Schule, weil viele Eltern dann den Weg gehen, wenn man merkt, okay, jetzt kommen wir hier doch an unsere Grenzen im Schulkontext. Und dann sind es meist die Lehrkräfte, die auch nochmal so einen Bogen ausfüllen und einfach beschreiben, wie verhält sich das Kind in Schule, wie ist so das Lernverhalten, wie ist das Sozialverhalten, was können sie sehen. Und diese ganzen Ergebnisse werden zusammengeführt und dann eben eine Diagnose gestellt oder eben auch nicht, je nachdem. Wir haben jetzt in der E-Mail ja gesehen, da hast du gleich so Bingo gesagt. Also hier so, da sollte man auf jeden Fall mal genauer gucken. Wie erkennen Eltern, ob ihr Kind möglicherweise ADS hat? Was sind so die, das ist ja eine große Bandbreite auch an Symptomen, aber könntest du die einmal ein bisschen so für alle da draußen zusammenfassen? Weil ich glaube einfach, das ist einfach so ein großes Feld und du als Grundschullehrerin, um jetzt nochmal kurz die Frage zu Ende zu bringen, hast ja gerade gesagt, oft kommst in der Schule, aber wahrscheinlich wäre es ja auch schon ein bisschen besser, wenn man so eine Diagnose vor der Schule hat, einfach auch auf die Lehrkräfte drauf hinzuweisen, also weil die Schule ist ja dann immer so ein... Ja, sehr einschneidender Begriff, weil man da sich an mehr Sachen halten muss als im Kindergarten, also pünktlich da sein. Und vor allen Dingen der Bewegungsmangel. Das, was den meisten Kindern in der Schule zu schaffen macht, ist, dass plötzlich diese Bewegungskomponente, was von Kindern mit ADHS in der Regel so der Hauptableitungsfaktor ist. Diese Anspannung lassen sie in erster Linie über Bewegung raus. Und Schule ist einfach ein Kontext, in dem dieser Faktor maximal reduziert wird. Im Kindergarten ist das noch in einem anderen Maße möglich. Da ist einfach mehr Bewegung drin in dem Vormittag und Nachmittag. Das ist in Schule nicht mehr so und deswegen treten in der Regel diese Symptome, die vielleicht davor sich noch ganz gut kompensieren ließen, weil einfach mehr an Ausgleich zur Verfügung stand, sage ich mal. Die lassen danach und plötzlich scheinen bestimmte Merkmale zu explodieren, in Anführungsstrichen. Einfach weil diese Hauptregulationsstrategie einfach fehlt oder viel zu wenig zur Verfügung steht. Wir können so ein bisschen durch Anzeichen und Merkmale gehen. Wichtig wäre mir dabei, da werden jetzt ganz viele Eltern sagen, das klassische, ja gut, es hat mein Kind halt auch mal. Fast alles, was ich jetzt gleich nennen werde, kennen wahrscheinlich in bestimmten Phasen alle Eltern. Der Unterschied bei einer ADHS zum Beispiel ist, dass das nicht weggeht und dass es einfach bleibt und dass es nicht nur diese klassische Phase ist. Wenn wir zum Beispiel bei einer Gefühlsstärke sind, Wutausbrüche, starkes Autonomiebedürfnis, dann nicken jetzt wahrscheinlich alle Eltern und sagen, ja gut, also das mit im Laden auf den Boden schmeißen hatten wir alle mal irgendwie. Aber diese Phasen verändern sich nicht. Die Therapeutin meiner Kinder hat mal gesagt, neurodivergente Kinder machen nicht so diese leichte Wellenbewegung und entwickeln sich dann aber schon irgendwie in eine bestimmte Richtung vorwärts, sondern die drehen ganz oft schleifen. Man hat ganz oft den Punkt. Hä? Aber da waren wir doch gerade erst. Wir waren da doch schon genau an diesem gleichen Punkt. Wir sind irgendwie gar nicht vorwärts gekommen. Und es gibt verschiedenste Bereiche. Das ist einmal der Bereich Schlafen. Das haben wir ja auch hier so ein bisschen, dass das Kind morgens nicht so gut aus dem Bett kommt durch Einschlafprobleme. Diese Aufwachprobleme sind ganz, ganz häufig vertreten. Das hat was mit dem Melatoninspiegel zu tun, der ganz oft bei diesen Kindern nicht in Balance ist oder reduziert ist. Das heißt, diese Eltern haben eben nicht nur dieses Baby- und Kleinkindphase und schlechtes Schlafverhalten, sondern da bleibt das. Und auch bis ins Grundschulalter hinein und darüber hinausgehend ist Schlaf einfach immer ein Thema. Diese Kinder kommen zum Beispiel trotz wirklich fester Abendrituale und all den Möglichkeiten, die man sonst noch so ausschöpfen kann, um ein Kind gut ins Bett zu begleiten, nicht zur Ruhe. Das ist zum Beispiel ein Merkmal. Eine ständige motorische Anspannung. Also die Kinder sind beispielsweise so grundlegend einfach in Bewegung, egal ob was vorgelesen wird, ob man spielt. Also sich einfach so hinsetzen und was in Ruhe erledigen ist eher selten. Ganz prägnant kann das zum Beispiel beim Essen sein, beim Mittagstisch, beim Abendbrot, dass es diesen Kindern extrem schwerfällt, einfach so eine Mahlzeit am Tisch durchzuhalten. Sondern dann wird aufgestanden, hier auf die Toilette gegangen, doch nochmal was geholt, eine Runde um den Tisch gelaufen, aber nicht so bewusst. Man merkt richtig, dass diese Kinder, die das dann machen, einfach wie so einem inneren Drang, inneren Bewegungsdrang folgen. Schwierigkeiten in der Feinmotorik sind ganz typisch. Also sich selber ein Brot schmieren, der Umgang mit Messer und Gabel, das Schleifebinden. Sich selber anziehen. Also zum Beispiel, ich habe auch ein Kinderbuch geschrieben, das ADHS-Merkmale beinhaltet, Wilma Wolkenkopf. Und da ist der Klassiker drin, das Socken anziehen. Viele Kinder vermeiden auch gerne diese feinmotorischen Dinge, wie zum Beispiel Socken anziehen oder überhaupt das Anziehen prinzipiell. Weil da, wo Kinder dann irgendwann so ein Autonomiebedürfnis entwickeln und sagen, ich will das aber alles alleine machen, das kann sein, dass das da ausbleibt und viel länger einnehmen, ach du das. Erfolgt ein starker Redefluss, ein ständiges Nähebedürfnis, kann ein Part sein. Und was ganz viele Neurodivergentenformen gemein ist, also was ganz viele gemeinsam haben, ist einfach eine Reizoffenheit. Und die kann man tatsächlich schon manchmal im Babyalter beobachten. Die haben diesen, das ist wieder dein Expertinnen-Gebiet, wie heißt dieser Reflex, wenn die sich so erschrecken? Moroflex. Genau. Die haben den zum Beispiel ganz, ganz doll ausgeprägt. Das muss nicht sofort, wenn man das beobachtet, darauf hinweisen, dass dieses Kind jetzt, man muss mit dem, weiß ich nicht, fünf, sechs Monate alten Baby losrennen, weil dieser Reflex irgendwie so stark ist und bleibt. Aber da sollte man genau diese Kinder schon, wenn man das merkt, das sage ich ja mal gerade, Kennst du das, wenn man sie auf so kalte Wickelauflagen legt, dann sind die immer so in dieser ausgeprägte Mohreflex, dass man die Kinder halt einfach da schon versucht, einfach so zu begleiten und zu betten, weil sie einfach so offen für dieses, oh, die können das gar nicht. Die meisten dieser Kinder kriegen nicht plötzlich mit sechs Jahren ADHS, sondern die werden ja so geboren. Und es gibt so kleine Hinweise, die ich aber wirklich so mit Vorsicht hier anbringe. Meistens sagen mir dann Eltern, wenn ich das so zurückblickend betrachte, macht das alles irgendwie Sinn. Aber man darf natürlich sich auch dann nicht gleich stressen, weil vielleicht mal so eine Phase auftritt. Aber all diese Dinge können dann darauf hinweisen, dass wir hier so in diese neurodivergente Richtung gehen. Vor allen Dingen eben diese Reizhoffenheit. Zwei meiner Kinder sind ja diagnostiziert neurodivergent. Ich sage zwar mal nicht genau was, aber diese Reizhoffenheit betrifft fast alle Formen. Und mein Kind lag drei Räume weiter. Auf der Krabbeldecke und in der Küche ist eine Gabel runtergefallen. Und dann kam genau dieser Schreckreflex. Und das ist schon eher was, was dafür spricht, dass da, sage ich mal, alle Filter irgendwie offen sind und doch Kinder sehr detailreich wahrnehmen. Wir benutzen gerade ganz oft den Begriff Neurodivergent. Ich glaube, wir sollten ihn vielleicht nochmal ganz kurz erklären, weil wenn man sich jetzt zum ersten Mal mit diesem Thema überhaupt, wenn man hier reinhört und gar keine Ahnung hat, finde ich einfach nochmal wichtig. Vielleicht magst du den nochmal kurz erklären, weil er kommt ja jetzt auch in allem. Also man hört diese neurodivergente Menschen und so weiter, dass man vielleicht einfach nochmal kurz weiß, was bedeutet das denn überhaupt? Also früher, und das kennen wir glaube ich selber noch so aus unserer eigenen Kindheit, Jugend und Entwicklungszeit, hat man so neurodivergente Formen, darunter zählen zum Beispiel ADHS, Autismus Spektrum, Legasthenie, Dyskalkulie, Hochbegabung und so weiter. Hat man die in, ich sag mal, normal und nicht normal unterteilt. Das waren so Wörter, die man benutzt hat oder sogar krank und gesund. Und von dieser Sichtweise wollte man irgendwann sehr bewusst weg und hat sich dann dafür entschieden zu sagen, neurodivagent und neurotypisch. Also es gibt eine Bewegung, die sich dann dafür eingesetzt hat, diese Begriffe zu verwenden. Und neurodivagent heißt einfach, dass diese Menschen, in diesem Fall die Kinder, Kinder in der Art, wie sie so wahrnehmen, denken und fühlen, abweichen, also divergent sind, von dem, was so eine gängige Erwartungshaltung ist. Und das ist genau die Erfahrung, die diese Kinder auch permanent machen. Weil wir einfach in einer neurotypischen Umwelt leben, die davon ausgeht, dass es eine bestimmte Art gibt, wie man die Dinge wahrnimmt, wie man fühlt, wie man vielleicht auch diese Gefühle nach außen trägt. Und wenn man da irgendwie nicht so ganz reinpasst und jede erwachsene Person... Beschreibt dieses, ja, ich habe immer irgendwie nicht so richtig reingepasst und ich habe das schon auch gemerkt, damit sind Kinder quasi rund um die Uhr mehr oder weniger konfrontiert und um das eben nicht so defizitär zu beschreiben und so Werten zu beschreiben, sagt man eben neurodivergent und neurotypisch. Ja, danke schön. Hast du eine Zahl, also ich bin überhaupt nicht so ein Zahlenmensch, aber wie sich das so in der allgemeinen Bevölkerung so, wie viel Prozent sind neurodivergente Menschen haben wir? Also bei Kindern sagt man, dass jedes fünfte Kind ist neurodivergent. Mal schauen, wie sich das so weiterentwickelt, ob es bei dieser Zahl bleibt oder ob die Zahl steigt. Das heißt, nicht jedes fünfte Kind hat ADHS. Da geht man so momentan bei einem Schnitt von zwei bis sechs Prozent aller Kinder aus, die das haben. Also sind wir da keinesfalls in einer Überdiagnostizierung oder in irgendeinem Hype, wie das ganz gerne propagiert wird. Ich glaube, es ist einfach nur so eine Wahrnehmung. Genau, weil mehr Menschen einfach damit nach außen gehen. Und das finde ich so logisch, wenn über Jahre gesagt wird, das ist krank, das ist nicht normal. Das ist nicht das Richtige, nicht das Erwartbare, dann habe ich natürlich einen totalen Skrupel, sowohl als Elternteil oder auch als selbst neurodivirgenter Mensch mit so einer Sache nach vorne zu gehen. Dann ist die Dynamik bloß nicht auffallend, sollte möglichst keiner wissen. Wir wollen nicht irgendwie ständig mit Ablehnung und Bewertung konfrontiert werden. Und darum sagen wir es nicht oder sage ich es selber nicht. Und jetzt entsteht durch zum Beispiel auch diese Bewegung der Begrifflichkeiten einfach ein neuer Blick und ein Blick auf diese Neurodivergenz im Sinne von, das ist einfach auch eine Art wahrzunehmen, aber die ist nicht schlechter als das, was wir einfach jahrelang als das in Anführungsstrichen normale gesetzt haben. Und umso mehr Menschen trauen sich, nach vorne zu gehen, entweder so wie du jetzt auch und stellen sich hin und sagen, ja, ich habe das. Punkt. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich empfinde das eigentlich... Und persönlich, je mehr ich darüber gelernt habe, auch bevor meiner Diagnose, aber dadurch, da finde ich ja Social Media so toll, dass man einfach so viel, ich habe nicht das Gefühl, dass es etwas Negatives ist. Ich muss ganz ehrlich sagen, es gibt ja so viele neurodivergente Menschen, die einfach so tolle Dinge machen, die einfach kreativ sind, die tolle Projekte machen. Also früher, wenn man so, als ich in der Schulzeit war, man hat gehört, jemand hat ADHS, dann ist es ja immer so, dieser Begriff Zappelfille, wie es immer so, war es ja immer sehr negativ behaftet. Ich denke jetzt einfach, wenn man das weiß, dass jemand zum Beispiel die Diagnose ADHS hat, dann kann ich ja als Lehrkraft ganz anders umgehen und auch natürlich später, natürlich noch nicht die Kleinkinder, die können natürlich noch nicht damit irgendwas, was das jetzt alles ganz genau bedeutet. Aber ich kann auch als Eltern ja viel besser auf die Bedürfnisse eingehen und kann mit dieser Diagnose ja besser mein Kind begleiten, als wenn ich immer denke, es ist irgendwie falsch oder so. Und man kann ja auch mit ADHS super gut leben, auch ohne Medien. Also das wäre auch noch eine Frage nachher. Aber ich habe so das Gefühl, es hatte früher immer etwas sehr Negatives. Und je mehr ich mich jetzt damit beschäftige, auch genau Menschen wie du es bist, die einfach so viel Wissen uns geben, dass ich gar nicht das Gefühl habe, dass es jetzt so etwas Negatives ist, sondern eher ein Wegweiser. Dadurch kann ich besser mit meinem Kind umgehen. Es ist einfach eine Antwort und ein Weg, sich kennenzulernen. Und es ist egal, ob man neurotypisch oder neurodivagent ist, man muss sich einfach kennenlernen können. Und zwar mit dem, wie funktioniere ich, also wie funktioniert mein Gehirn, was tut mir gut, was fällt mir schwer, was kann ich gut, wo brauche ich Unterstützung. Und genau das, was du jetzt auch nochmal gesagt hast, dieser negative Blick, dieses, das ist was, was wir wegkriegen müssen, das war jahrelang die Dynamik. Wir nehmen die Diagnose, weil dann kann die Therapie losgehen und dann kriegen wir das so weit weg, wie irgendwie möglich. Wir versuchen das so weit zu heilen, in Anführungsstrichen, wie nur irgendwie möglich. Das war ganz lang die Dynamik, der Prozess. Und dann versuch mal mit so einer Diagnose eine positive Beziehung zu bekommen, wenn du da sitzt, jetzt weiß ich das, okay, dadurch erklärt sich einiges, aber jetzt geht es darum, das wegzukriegen. Und das ist, ich bin in der Erstdiagnose Autistin, ich habe aber auch ADHS, die Kombi ist gar nicht so selten. Mittlerweile geht man sogar von bis zu 80 Prozent der Fälle in Anführungsstrichen aus, die eigentlich beides haben. Und für mich ist jetzt so eine Möglichkeit da, einen positiven Bezug dazu aufzubauen und zu sagen, okay, ich lebe zwar in einer Welt, die nicht für autistische Menschen gemacht ist und auch nicht für Menschen mit ADHS gemacht ist, darum stoße ich an bestimmte Schwierigkeiten, weiß jetzt aber, wie ich mir da helfen kann oder wo ich Unterstützung bekomme. Darf ich da kurz reingehen und fragen, was sind so Sachen, wo du an deine Grenzen stößt? Was ist für dich? In einer Zeit, in der noch nicht so viel digital war, war alles, was Sozialinteraktionen bedeutet, extrem schwierig für mich. Jeder Gang zum Amt, jeder Gang in der ärztlichen Praxis, jede Terminfindung, Terminausmachen, irgendwo anrufen. Das kennen ganz viele Menschen, das ist gar nicht so leicht, das Telefon in die Hand zu nehmen und irgendwo anzurufen. Aber für mich sind das riesige Hemmschwellen, die dafür sorgen, dass solche Menschen, die sich da nicht gut überwinden können, wichtige Vorsorgetermine nicht machen. Also das hat dann wirklich auch weitreichende Konsequenzen beispielsweise. Es gibt Dresscodes, ganz, ganz viele, dass man nicht in einer bequemen, ich sag mal Jogginghose zur Arbeit geht. Und damit meine ich jetzt nicht die mit Marmelade bekleckste, löchrige Schlabberhose von zu Hause, sondern man kann ja auch in einer etwas sportlicheren, lockeren Hose sehr wohl ganz gepflegt aussehen. Ja, natürlich. Absolut, aber in vielen Kontexten ist das nicht erlaubt. Schule beispielsweise. Also du dürftest jetzt nicht mit Jogginghose in die Schule gehen? Also an meiner Schule lässt man mich zum Glück machen, was ich möchte, aber es gibt schon auch bei Lehrkräften so ein gewisses, ja, das steht natürlich nicht im Schulgesetz sozusagen, aber es gibt schon, naja, so ein Dresscode, so wie es halt in vielen Firmen irgendwie Dresscodes gibt, wo dann, es gibt doch dieses legere Freitage und so, wo man dann einen Tag mal so ein bisschen lockerer aussehen darf. Und für Menschen mit Autismus, die ganz oft so sensorische Schwierigkeiten haben und für die das wirklich, also um jemanden da mal so reinzuholen, ich glaube, wir kennen alle das Gefühl, wenn wir mal was angezogen haben und wir sagen, oh irgendwie, so richtig wohl fühle ich mich damit, das piekst und zwackt mich. Das kennt jeder mal, diese eine unbequeme Hose, die zwar irgendwie ganz nice zum Outfit passt, aber doch irgendwie ungemütlich ist. Ein neurotypischer Mensch kann das halbwegs kompensieren. Man kann trotzdem seinen Alltag bewältigen und denkt sich ab und zu, morgen ziehe ich aber die andere Hose an. Ist das auch ein Symptom bei Kindern? Absolut, ganz, ganz toll. Da bin ich jetzt schon wieder hellrühig. Wenn immer alles nicht irgendwie hier, da darf kein Nipsi am Socken. Also es ist tatsächlich so, dass man diese sensorischen Dinge eigentlich eher dem Autismus-Spektrum zuordnet. Die können auch bei ADHS ein Teil sein, der in die Diagnose mit reinfließt. Wenn man es wirklich genau nimmt, gehört es eher da rein sozusagen. Aber wenn viele Dinge auf ADHS deuten und dieser Teil da ist, dann nimmt man ihn da mit rein. Kann aber auch ein Merkmal sein, wirklich offen zu sein, in welche Richtung man diagnostiziert oder wirklich mit einer gewissen Offenheit in diesen Diagnoseprozess zu gehen, was es denn nun wirklich für eine Form ist, wenn denn eine vorliegt. Und bei autistischen Menschen... Und egal, ob jung oder alt, ist es so, dass sowas dann so groß wird und sich so unangenehm anfühlt, dass manche Dinge dann nicht mehr gehen. Die Konzentration fehlt und ganz viel Kraft aufgebracht werden muss, das irgendwie zu kompensieren, dass das an der einen Stelle drückt oder dass ich die Naht ständig spüre. Und das sind alles so kleine Dinge im Alltag. Ich bin jetzt ja gerade mit dem Zug hergefahren. Bahnhöfe, Züge, die sind massiv anstrengend für mich. Ich schaffe das. Und das ist auch ein Mutmacher für alle Eltern, Neurodivagenta-Kinder. Man kann das dann schon schaffen, aber es ist wichtig zu wissen, diese Situation wird mich doll anstrengen, weil mir das zu laut ist, zu voll, zu hektisch, zu viele unbekannte Komponenten. Also muss ich Vorkehrungen treffen, damit es mir etwas leichter fällt, zum Beispiel Kopfhörer aufsetzen oder im Zug mir Kopfhörer aufsetzen, um ein bisschen runterzukommen zwischendurch oder mich sehr gut vorbereiten auf die Reise, genau wissen, wann fährt mein Zug, genau so diese Sachen alle parat haben. Und auch zu wissen, wenn ich so eine Reise gemacht habe, kann es sein, dass ich danach am nächsten Tag ein bisschen mehr Ruhe brauche, als es vielleicht jemand anders braucht. Und mir das auch einzuplanen, dass ich Phasen habe, in denen ich wieder auftanken kann, weil das einfach für mich... Deutlich anstrengender ist, als es vielleicht im neurotypischen Kontext ist. Und dafür muss man sich kennen und dafür ist eine Antwort ganz, ganz wichtig, die nicht nur ist, auch ich bin halt so, sondern die vielleicht auch einfach dann eben ADHS heißt oder Autismus Spektrum. Du hast jetzt schon auch so ein bisschen erzählt darüber, dass es halt vielleicht auch mit einer ADHS-Diagnose, einer Autismus-Diagnose mit einhergehen, da habe ich jetzt auch schon viel drüber gelesen. Aber gibt es verschiedene Arten oder Ausprägungen von ADHS noch? Bis vor kurzem war es ja auch mal so, das habe ich jetzt gerade in der Therapie gelernt, dass man ja nicht mehr sagt ADS und ADHS. Wie wird das nochmal so ein bisschen unterschieden? Weil du hast jetzt viele Symptome vorhin auch genannt. Ich brauche wahrscheinlich nicht alle Symptome, ne? Nein, nein, nein. Die sind unterschiedlich ausgeprägt und auch nochmal unterschieden in eher weiblich gelesene Symptome und eher männlich geprägte Symptome. Es kann sein, dass jetzt hier zuhörende Eltern noch die ADS-Diagnose für ihr Kind bekommen, einfach weil man das nach dem jetzigen Standard noch diagnostizieren darf, in Anführungsstrichen, nach der ICD-10. Das ist einfach der Katalog sozusagen, in dem diese Diagnose steht. Und deswegen kann die auch noch gestellt werden. Der Nachfolgekatalog sozusagen, der ist schon da, aber der hat jetzt noch so eine gewisse Phase, bis der wirklich verbindlich in Kraft tritt. Der ist jetzt so in der Erkundungsphase, sage ich mal. Und da unterscheidet man nicht mehr in ADS und ADHS, weil man zeitgemäß davon ausgeht, dass H, also die Hyperaktivität, ist immer mit dabei. Es gibt keine ADHS ohne das H. Das ist nicht mehr so, aber es ist unterschiedlich stark sichtbar. Und was wir früher unterschieden haben, ist dieses klassische Zappel-Philipp-Kind und das waren in der Regel die männlich gelesenen und männlich sozialisierten Kinder, die einfach in ihrem Verhalten mehr nach außen gehen. Man unterscheidet drei Subtypen, einfach den vorwiegend unaufmerksamen Typ. Die haben auch eine Komponente von Hyperaktivität, aber die ist halt nicht vom Stuhl fallen, die ganze Zeit rumzappeln, die ganze Zeit in Bewegung sein, ein Ratschlag nach dem nächsten. Sondern da sieht die Hyperaktivität aus, dass sie an ihren Nägeln kauen oder mal ganz dezent ihre Haare so auf den Finger drehen oder auch vielleicht die Haare in den Mund nehmen. Was ist mit Haare im Schlaf ausreißen? Also wenn man sich immer so durch die Haare geht, es gibt ja auch so Menschen und Kinder, die sich immer durch die Haare gehen, das macht ja das auch. Da sind wir tatsächlich nochmal mehr im Bereich Stimming schon fast und das ist eher der autistische Bereich. Also die Übergänge sind fließend, letztendlich muss das wirklich eine Fachperson feststellen, aber wir sind auf jeden Fall im neurodivergenten Spektrum an der Stelle, aber das meiste ist das schon eher Stimming und Stimmingverhalten wird klassischerweise dem Autismus Spektrum zugesprochen. Aber Stimming sind auch bestimmte Bewegungshandlungen. Beim Stimming ist es so, dass das so wiederholende Handlungen sind. Also durch die Haare, nochmal durch die Haare, nochmal durch die Haare, nochmal durch die Haare versus ich spiele in meinen Haaren rum, ich nehme mir mal hier eine Strähne, nehme mir vielleicht auf der anderen Seite eine Strähne, dann lasse ich es auch wieder. Oder dann fange ich an, meinen Stift in die Haare einzudrehen. Diese Dinge. Und Stimming ist quasi so eine Wiederholungshandlung. Also zum Beispiel habe ich einen lieben Menschen in meinem Umfeld, der sich immer an der gleichen Stelle so ganz oft hintereinander an der Nase kratzt. Das ist wahnsinnig anstrengend, manchmal mit zuzugucken, wenn man selber auf sowas dann auch so reagiert. Aber der kratzt dann immer an der gleichen Stelle die Nase. Und nochmal und nochmal. Und es ist immer die gleiche Bewegung, die gleiche Handlung sozusagen. Das ist so ein bisschen der Unterschied, um es ein bisschen unterscheiden zu können. Also die Hyperaktivität kann sehr dezent aussehen und das ist eben gerade bei den Mädchen so. Hyperaktivität kann auch so aussehen, dass das Kind in die Ferne starrt, aber einen ganz doll starken Gedankenstrom hat. Also dann findet die Hyperaktivität im Innen, im Kopf statt. Das kennen wir alle, ein Gedanke nach dem nächsten. Und binnen Sekunden ist man irgendwo ganz woanders, weil jemand ein Stichwort gesagt hat und das dann zu einer Gedankenkette im Kopf führt. Das alles ist Hyperaktivität, die wenig von außen beobachtbar ist, nur dezent. Das ist der vorwiegend unaufmerksame Typ. Das war früher eben ADS, aber wie gesagt, wir wissen, dass das mittlerweile hyperaktive Elemente sind. Und dann gibt es den vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Typ. Das ist da, wo man es dann wirklich auch nach außen, diese ganze Anspannung, den Bewegungsdrang sehr, sehr, sehr, sehr deutlich merkt. Und dann gibt es noch Mischtypen. Das ist dann Typ C, ist das Kombinierte, das wahrscheinlich auch am häufigsten auftritt. Denn auch Mädchen, die vielleicht eher so in diesem vielleicht etwas unaufmerksamen Typ stecken, können in bestimmten Kontexten plötzlich, sage ich mal, sehr nach vorne gehen und plötzlich in so einer Gruppendynamik ganz, ganz, ganz doll nach vorne preschen und ganz impulsive Verhaltensweisen zeigen, die vielleicht sogar auch positiv einsetzen. Deswegen sind wir meist in so Mischformen, aber das H ist eigentlich immer mit dabei. Also A, D, H, S. Genau. Wir haben das vorhin schon mal kurz angesprochen, aber ich finde immer ganz gut, wenn man das nochmal auch, gerade wenn man die Folge hört, so deine Empfehlung ist so der richtige Zeitpunkt für, wenn ich jetzt einen Verdacht habe, ihr hört die Folge und denkt so, da ist schon einige Punkte dran, die Saskia hat schon gesagt hat. Der beste Zeitpunkt ist ja dann schon so eher im späten Kinder, also ich will jetzt nicht die Antwort vorwegnehmen, also wann ist der richtige Zeitpunkt für die, das jetzt wirklich, wenn man den Verdacht hat zu. Also wenn man jetzt wirklich mehrfach und immer wieder an diesen Punkt kommt zu sagen, dann ist der richtige Zeitpunkt. Dann lieber sich um so einen Termin bemühen. Es gibt ja auch die Möglichkeit, dass, also man muss dann eh eine Weile warten und dann durchläuft man diesen diagnostischen Prozess. Und wenn es das nicht ist, dann kriegt man diese Antwort ja auch. Man muss sich das so vorstellen, da sind wir zwar im Krankheitsbild, das ist ADHS ja nicht, aber einfach nur so als Überlegung. Wenn ich das Gefühl habe, obwohl wir gar nicht im Krankheitsbereich, nehmen wir mal den Bereich Sehen. Wenn ich das Gefühl habe, mein Kind kann vielleicht nicht 100 Prozent sehen, dann werde ich auch nicht, weil ich das einmal ganz kurz denke, sagen, und deswegen gehen wir morgen sofort los, sondern vielleicht ist da auch noch ein kleiner Beobachtungsprozess. Das ist aber schon immer ganz schön nah am Blatt beim Malen oder greift auch mal daneben, wenn es das Glas greifen will oder so. Und dann gucke ich mir das ein paar Mal an, der Verdacht verhärtet sich vielleicht und dann würde ich einfach losgehen und das abchecken lassen. Und dann kommt dabei entweder raus, okay, ja, wir haben hier eine Sehschwäche und das Kind braucht einfach vielleicht eine Sehhilfe. Oder es kommt eben raus, nee, das weiß ich nicht, es ist gerade ein Wachstumsschub und das ist eine Phase, und wird vorbeigehen, Sehkraft sieht so weit in Ordnung aus, wir beobachten das vielleicht aber weiter. Und genau so kann man sich das da auch vorstellen. Es wird einfach gerade auch durch die Öffentlichkeit dieses Themas einfach wirklich immer wieder Momente geben, wo man denkt, irgendwie geht es doch nicht so ganz weg. Vielleicht ist es das doch. Dann beobachtet man das vielleicht eine Weile. Bitte unbedingt Partnerinnen und Partner mit einbeziehen in diesen Prozess. Das würde ich. Oder sich einer anderen Person anvertrauen, einfach um da gemeinsam, in dem Fall als Elternpaar, wenn man dann eben ein Elternpaar ist. Diesen Prozess gemeinsam zu gehen. Weil sonst ist es ganz oft so, dass eben eine Person an den Punkt kommt zu sagen, also jetzt möchte ich es wissen. Ich glaube, jetzt ist der Moment gekommen. Und der Partner oder die Partnerin ist noch überhaupt nicht an diesem Punkt. Weil die einfach in diesen Überlegungsprozessen auch fünf Schritte vorher ist sozusagen. Und dann entstehen da manchmal auch echt Konflikte da drum oder eine Uneinigkeit, die natürlich nicht günstig ist, wenn man gemeinsam durch diesen Prozess gehen möchte. Und darum ist es ganz sinnvoll, sich da auch wirklich viel auszutauschen. Und dann kann es sein, dass man sagt, okay, ich würde es gern vor der Schule wissen. Wir machen jetzt mal den Termin. Und dann kann auch sein, das hatten wir bei einem Kind, dass eine Zeit lang erstmal noch eine Diagnose in einer Verdachtsdiagnose bleibt, weil es sich vielleicht noch nicht stark genug zeigt. Wir waren dann aber schon in diesem Prozess und konnten dann, als wir merken, okay, jetzt wird es nochmal stärker, in unserem Fall durch Schule, Konnten wir ganz schnell Kontakt aufnehmen und konnten dann diese Verdachtsdiagnose, die erstmal nur so im Raum geblieben ist. Wirklich dann bestätigen. Also lieber einen Schritt früher losgehen und wenn es das nicht ist, dann passiert in so einem diagnostischen Prozess auch nichts so, so Schlimmes. Ich glaube Eltern stellen sich diesem Prozess sehr, sehr fest. Doll vor, ihr Kind da nur durchzuschieben und so. Und ich glaube, wenn man den gut begleitet und den gut mit dem Kind bespricht, dann ist das kein schlimmer Prozess. Und dann kriegt man am Ende eine Antwort, so wie man nach einem Sehtest eine Antwort bekommt. Ja, du hast diesen Vergleich gewählt. Da würde ich jetzt nochmal drauf eingehen, weil die Sache mit den Augen und Sehen, finde ich zum Beispiel, dass es nicht so gut abgedeckt ist. Also ich habe auch zwei Kinder mit einer Brille. Ich bin selber einfach, weil Brillen ein Thema sind bei uns in der Familie und auch Sehschwächen, bin ich sozusagen auf Eigenverantwortung zum Augenarzt gegangen und habe das abchecken lassen. Meine Kinder sind privat versichert, deshalb brauchte ich da auch keine Überweisung. Also ich habe das einfach gemacht. Das ist ja immer wirklich sehr praktisch. Und das ist ja auch ein bisschen schade an unserem Gesundheitssystem, dass da so viele Hürden gemacht haben. Ich war heute Morgen auch mit einem Kind sozusagen selbst, weil ich gedacht habe, nee, das muss ich hier mal abchecken. Und ich frage mich dann immer so, ich bin natürlich jetzt eine Mutter, die erstmal einen Gesundheitsberuf hat, sich sehr damit auseinandersetzt, mit all diesen Themen. Und wenn ich das so höre, es gibt ja auch viele Kinder einfach, die anders aufwachsen, die einfach nicht das Glück haben, vielleicht aber auch Eltern haben, die das einfach nicht können. Da frage ich mich dann wieder, gehört sowas nicht auch so ein bisschen in unsere Vorsorge, wo man einfach gucken sollte, ich finde Augen müssten besser untersucht werden, weil Kinder frühzeitig eine Sehhilfe zu bekommen, würde viele Dinge einfach. Vereinfachen und genauso wenn ich jetzt im Gespräch mit dir bin, das war jetzt einfach nur ein Gedanke, den ich habe, deshalb würde ich dich als Pädagogen gerne mal fragen, würde ich denken so, es gibt ja einfache Tests und so weiter, die man ja auch spielerisch machen könnte. Es geht ja nicht darum, wir wollen jetzt hier was Krankes rausfinden, sondern einfach, denke ich, immer so, Kinder besser begleiten. Also individuell in ihrer ganzen Form wäre das nicht, auch darüber nachzudenken, im Gesundheitssystem zu gucken. Gucken wir nicht in den Schuluntersuchungen? Klar, so eine ADHS-Diagnostik lässt sich jetzt nicht so easy peasy oder neurodivergente, aber ich würde mal sagen, Autismus ist ja auch so ein Thema, was ja immer ganz negativ behaftet ist und man denkt, die Leute können dann gar nicht leben. Also so und siehe da, hier sitzt eine wunderbare Frau vor mir mit ganz vielen Stärken und die ihr Leben im Griff hat, aber dass man einfach da guckt, wie können wir irgendwie alle Kinder, die vielleicht nicht die Möglichkeit haben, dass die Eltern sich so gut darum kümmern können und die dann einfach sehr starke Probleme haben, wäre das nicht irgendwie sinnvoll, das irgendwie mit in die Vorsorgesysteme von Kindern mit einzubringen? Das ist tatsächlich etwas, über das ich viel nachdenke. Ich bin ja auch spätdiagnostiziert und ich hatte definitiv Eltern, die nicht darauf geschaut haben, fairerweise, weil das damals auch noch nicht so die Zeit war. Also die das nicht wahrgenommen haben und da auch nicht selbst aktiv geworden sind. Und ich beschäftige mich schon manchmal mit der Frage, an welcher Stelle... Wäre der Moment gewesen, wo man jemand genauer hätte hingucken können. Und ich glaube, das in Richtung kinderärztliche Praxen zu schieben ist schwierig, weil die ja so diese Momentaufnahmen haben. Und du hast ja nicht so einen äußerlichen Punkt, so ah, da ist ein blauer Punkt auf der Stirn. Dieses Kind hat bestimmt ADHS. Und dann gibt es einfach Kinder, die extrem gut kompensieren und maskieren können und dann sind die in so einer kinderärztlichen Situation und da ist überhaupt nichts auffällig quasi. Also das als einzige Stellschraube zu lassen, glaube ich, würde ziemlich viel links und rechts runterfallen lassen. Ich sehe da vor allen Dingen die Bildungseinrichtungen extrem in der Verantwortung und da noch viel mehr die Ausbildung dieser Fachkräfte. Denn ich bin jetzt seit 13 Jahren Grundschullehrkraft. Ich habe vor 13 Jahren meine Ausbildung beendet, mein Studium, mein Referendariat und ich bin in dieser Zeit nicht einmal über ADHS, Autismus oder irgendwas gestolpert. Also als Ausbildungsinhalt. Ich habe freiwillig und auf eigenes Interesse hin ein Zusatzseminar an der Uni belegt zum Thema Hochbegabung, weil ein Dozent einfach da so zufällig einen Schwerpunkt hatte und so ein Seminar angeboten hat. Darum hatte ich damit kurz mal Berührungspunkte. Aber weder im Referendariat, also da ist es mir natürlich in den Klassen begegnet, aber eben nicht als Ausbildungsinhalt. Da hat keiner gesagt, also ihr werdet in eurer Klasse. Wir haben vorhin gehört, jedes fünfte Kind, vielleicht sogar noch mehr. Wenn wir eine Klasse mit 30 Kindern haben, dann kann man sich ausrechnen, wie viele Kinder mal ein Minimum da drin sitzen, die einfach eine neurodivergente Form mitbringen. Und die muss ich kompetent begleiten. Ich habe laut Schulgesetz die Verpflichtung, die Eltern zu beraten und ich habe davon noch nie was gehört. Als ich angefangen habe, in diesem Beruf zu arbeiten, hatte ich keine Ahnung, wer das diagnostiziert, wo ich Eltern hinschicke, wie sich das in Schule zeigt und ich habe, Wie gesagt, ich bin nicht nur die, die das irgendwie nett und zugewandt begleiten muss. Ich bin die, die wirklich die Beratungsfunktion hat. Ich sitze vor Eltern und habe rechtlich festgelegt, die Pflicht, diese Eltern zu beraten. Wo können die jetzt hingehen? Was sind die nächsten Schritte? Ich habe selber gar keine Ahnung gehabt. Gar keine. Und das war auch nirgends festgelegt, diese Ahnung irgendwo zu bekommen. Und bis heute ist auch das Weiterbildungsangebot sehr, sehr mau. Und ich glaube einfach, sowohl im Kindergarten als auch in der Schule braucht es Lehrkräfte. Du kannst nicht in allem super, super, super gut ausgebildet sein, aber dass du zumindest eine Grundidee davon hast, was ist das, wie zeigt sich das, wo schickt man Eltern mal so grundlegend hin, was wären die nächsten Schritte oder wo kann ich mir selbst erstmal die Informationen besorgen, um dann gut beraten zu können. Und gerade bei Kindern, wo die Eltern, also das habe ich auch immer mal wieder, dass die Eltern da überhaupt noch gar nicht in der Idee sind, dass das vorliegen könnte. Und dann ist es meine Aufgabe, in achtsamer Kommunikation dieses Thema auf den Tisch zu packen. Das ist auch nicht immer einfach. Also einmalseits auch Gesprächsstrategien an die Hand zu bekommen. Wie kann ich denn sowas jetzt vermitteln, ohne dass da vielleicht das Gegenüber sofort zumacht? Und wo schicke ich die hin, wo bekommen die Informationsangebote, was muss ich denn jetzt eigentlich machen und dann im zweiten Schritt auch meinen Unterricht so zu gestalten, dass diese Kinder da gut klarkommen. Und ich glaube, da wäre die Stellschraube, um diese Themen auch in Familien zu tragen oder auch Familien da zu begleiten, die das vielleicht eben nicht aus eigener Kraft schaffen können oder welche Gründe auch immer da vorliegen. Und ich glaube, da wäre die Stellschraube, weil in Schule sind nahezu alle Kinder und auch sehr, sehr viele Kinder in der frühkindlichen Bildung, also im Kindergarten und Co. Und ich glaube, da würde man sehr, sehr viel erreichen, wenn das Personal da eine entsprechende Ausbildung bekäme. Ja, und die entsprechende Zeit. Das auch noch. Dass wir unsere Fachkräfte einfach ausbilden und sie auch anders bezahlen. Also wir haben ja auch in der Grundschule, glaube ich, das gleiche Thema wie in den Kindergärten. wenn die Pädagogen da arbeiten, dass einfach erstmal eine schlechte Bezahlung ja zu wenig Personal ist. Und ja, also da finde ich auch, also wie du es gerade erklärt hast, klar, der Kinderarzt hat eine Momentaufnahme. Wenn wir da auch wieder reingehen, ein Kinderarzt hat pro Kind, was weiß ich, drei Minuten Zeit so ungefähr. Da kann dann natürlich keine so eine Diagnose und da können auch Eltern nicht. Auch da sind wieder nur Privatpraxen, wo auch sich Kinderärztinnen, Kinderärzte einfach dafür entscheiden, ich möchte nicht so arbeiten wie das System. Ich möchte meine Patienten mehr als drei Minuten sehen, um zu wissen, was geht auch in dieser Familie vor, um einfach überhaupt ein Allgemeinbild von diesem Kind zu kriegen. Deshalb ist es auf jeden Fall, aber ich denke auch im Kindergarten, wir haben einfach ein Problem mit den Fachkräften, dass die einfach gar keine Zeit haben, auch für frühkindliche Förderung und da hat ja keiner Zeit irgendwie noch so ein... Das müsste man ja auch ein bisschen dokumentieren, das Ganze. Und ich glaube schon alleine diese normalen Lerntagebücher, die die da führen. Ist ja eigentlich gar keine Zeit für, wenn man da ehrlich ist. Ja, und die Umgebung gleichzeitig, also auch ganz profan, die bauliche Umgebung, in der wir uns jetzt in meinem Fall in Schule befinden, sorgt auch noch dafür, dass diese Kinder noch höher gehen in ihrem Begleitungsbedarf, sage ich mal. Also muss ich mich dann ja als Lehrkraft auch kompetent kümmern. Unsere Klassenzimmer sind absolut gar nicht ausgerichtet auf neurodivergente Kinder. Wir haben keinen Schallschutz. Es ist einfach viel zu laut in diesen Räumen. Es ist viel zu hell. Wir alle kennen die tollen Neonröhren, die da irgendwie in den Schulen rumgeistern. Die sind nicht klimatisiert gut. Das heißt, ich habe jetzt dieses Jahr, wir hatten ja so einen ganz krass heißen August. Mein Klassenzimmer ist so, ja, ich kann da so Rollos runterfahren. Dennoch heizt sich dieser Raum einfach auf 30 Grad und höher auf. Und wir sind eine verlässliche Grundschule. Das heißt, in Grundschulen bei uns gibt es nicht mehr dieses Hitzefrei. Weil wir haben natürlich dann irgendwann sagen müssen, okay, ich kann hier in der vierten Stunde bei 30 Grad mit meiner Klassengruppe einfach keinen Unterricht mehr machen. Für alle Kinder nicht. Aber wenn dann Kinder auch noch so sensorische Themen haben. Dann ist doch klar, dass die natürlich sich dann maximal zeigen, weil sie damit überhaupt nicht mehr klarkommen. Und dann bin ich auch in der Bredouille, die da zu begleiten. Ich muss die ganze Zeit mit meiner Zeit jonglieren. Wo ist der größte Brandherd sozusagen? Welches Kind braucht mich gerade am meisten oder welche Kinder? Die Zeit fehlt mir aber an anderer Stelle für Kinder, die vielleicht eben nicht so nach außen gehen. Also es ist wirklich ein Riesenspagat da in den Klassenzimmern. Und wenn man dann auch, wie gesagt, gar nicht dafür ausgebildet ist, nicht mal eine Grundidee davon hat, wie man diesen Kindern begegnen kann oder dass es jetzt dieses helle Licht ist, was gerade für Schwierigkeiten sorgt, dann wundert mich nicht, dass gerade diese Kinder in Schule so sehr strugglen. Und gerade für Eltern, meist ist es so, dass Eltern, gerade die, die sich natürlich auf eine bestimmte Art und Weise ihren Kindern zuwenden. Familiär schon so ihre Wege gefunden haben, im Großen und Ganzen. Und dann kommen diese Kinder in die Schule und man hat das Gefühl, die Hölle bricht los. Und das ist der ganz große Knackpunkt bei ganz, ganz vielen Familien, die sagen, ja, so im Großen und Ganzen haben wir unseren Weg gefunden. Wir konnten Stärken stärken, indem wir unserem Kind entsprechend seiner Interessen Nachmittagsangebote zur Verfügung stellen. Musik, Instrumente, Sport, was Künstlerisches, eine Bastelecke zu Hause. Also wir gehen, weiß ich nicht, in das Lieblingsmuseum oder einfach Bewegung draußen, draußen. Oder wir sind so weit rausgezogen, weil unser Kind ganz, ganz viel Natur braucht und ganz viel Ruhe. Also viele Eltern finden Wege und dann kommt Schule. Dann ist man halt einfach auch darauf angewiesen und dann hat man auch nicht mehr so viele Möglichkeiten. Man findet eben Bedingungen vor, die einfach gar nicht passen und ist dann darauf angewiesen, Dass eine Lehrkraft eine Idee davon hat, was man machen kann, wie man damit umgehen kann, wie man unterstützt, wie man berät. Und das ist einfach momentan Zufall, an so eine Lehrkraft zu geraten. Und deswegen setze ich mich so dafür ein, einmal systematisch da was dran zu verändern, zum Beispiel an Räumen. Und damit es eben kein Zufall ist, ob ich nun an so eine oder so eine Schule komme, sondern damit einfach gesetzt ist, Kinder finden erstmal ein gutes Setting vor und auch Lehrkräften Impulse zu geben oder auch Eltern, wie man gut dann mit Lehrkräften zusammenfinden kann, damit das auch immer weniger Zufall ist. Aber davon profitieren natürlich dann auch die neurotypischen Kinder. Die haben ja davon auch was. Ich glaube, das Thema Schule, aber das will ich jetzt nochmal kurz ein bisschen außen hier vorlassen, weil ich würde gerne nochmal, mal, wenn ich dich schon hier habe, noch mal so auf ein paar andere Dinge noch mal eingehen. Einfach gerade, weil ich glaube, viele, die jetzt so hören, okay, wenn ich jetzt diese Diagnose habe, was für Therapie, was brauche ich überhaupt Therapie, muss ich Therapie machen? Einige kommen ja vielleicht auch ganz gut schon zurecht, indem sie sich schon sehr belesen haben, aber was ist da so die Empfehlung von dir so? Pauschal, glaube ich, ist das schwer zu sagen, kommt natürlich auf die familiären Ressourcen an. Ich erlebe da auch in der Diagnosestellung sehr unterschiedlich ist. Also ich kenne viele Fälle, in denen die Diagnose gestellt wurde und dann Eltern entlassen wurden mit, ja, sie könnten das, das, das, viel Spaß. Es gibt ganz tolles Fachpersonal, das die Eltern und die Kinder da wirklich sehr an die Hand nimmt, zeigt, was alles so möglich ist. Klassische Therapiefelder sind natürlich die Ergotherapie, eventuell wenn es auch die Sprache betrifft, die Logopädie. Verhaltenstherapie ist ein großer Punkt. Es kann auch sinnvoll sein, in in eine Kinderpsychotherapie zu gehen. Nämlich genau dann, wenn im Selbstbild schon ein, Arge Schnitzer sind, sage ich mal. Und das betrifft ganz, ganz viele neurodivirgente Kinder, weil sie einfach, wenn wir im ADHS-Kontext sind, gibt es eine Studie oder eine Erhebung, so kann man sagen. Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr bekommen Kinder mit ADHS 20.000 mehr negative Kommentare als das bei Kindern der Fall ist, die eben keine ADHS-Merkmale zeigen. Und da hat man sowohl Kinder untersucht, die eben nur die Merkmale zeigen, aber noch keine Diagnose haben, als auch wirklich schon eine ADHS-Diagnose haben. Die hat man quasi auf eine Beobachtungsseite gestellt und neurotypische Kinder ohne diese Merkmale. Und diese Kommentare, das sind nicht immer ganz, ganz große Kommentare mit krassesten Abweisungen oder Beleidigungen. Das ist auch ein Augenrollen, ist auch ein Kommentar. Wenn das Kind zum wiederholten Male stolpert oder was runterfallen lässt in dieser Anspannung, wenn die ganze Zeit der Körper so eine Anspannung ist, passieren einfach schnell mal solche Sachen. Das kann ein, oh jetzt sitzt doch mal still sein, dass einem ja wirklich, muss man ehrlich sagen, als Elternteil einfach mal rausrutscht. Das ist was, was, glaube ich, schnell passiert. Und von diesen Kommentaren im Schnitt, das ist nur der Durchschnitt, 20.000 mehr Kommentare als so. Und da weiß man ungefähr, kann man sich vorstellen, wo das Selbstbild eines solchen Kindes ist. Und da kann zum Beispiel wirklich eine Kinderpsychotherapie ansetzen. Und dann gibt es zusätzlich auch die medikamentöse Therapie. Das ist ja auch ein Therapiepfeiler, den man da mit dran hat. Und im besten Fall ist das einfach immer eine individuelle Entscheidung. Es kann auch sein, dass es Sinn macht, eine Familienberatung mit reinzunehmen, weil vielleicht sich durch ein sehr hohes Aggressions- und Konfliktpotenzial des Kindes, auch das kann sein, schon wirklich sehr ungute Familienstrukturen entwickelt haben. Und dann macht es auch Sinn, sich wirklich da auf den Weg zu machen, da wirklich komplett familiär zu unterstützen. Nicht nur das Kind in den Blick zu nehmen, therapeutisch natürlich im Schwerpunkt, aber auch eine Erziehungsberatung aufzusuchen, Familienhilfe aufzusuchen. Es kommt wirklich ganz individuell darauf an, aber das wären so Wege, die man gehen könnte. Ich hatte so ein Gefühl, es gab so eine Zeit, schon ein bisschen länger her, da wurde sehr schnell Medikamente verschrieben. Jetzt habe ich schon eher das Gefühl, man versucht durch Therapien, durch Eltern einfach, die Kinder mit ADHS haben. Das wären jetzt auch noch ein paar Fragen, die ich hätte, Dinge an die Hand geben, wie sie besser ihren Alltag strukturieren mit Kindern sozusagen. Aber so dieses Thema Medikamentation bei Kindern ist bei mir nicht so präsent mehr. Wie ist also deine Meinung zu, wenn du sie teilen magst? Die mag ich teilen. Also letztendlich muss, gerade wenn es um Medikamente geht, natürlich eine Fachperson da ganz, ganz eng beraten. Zumal, wenn man in die Medikamentengabe geht, dass auch ganz eng körperlich betreut wird. Also die Kinder müssen vorher ein EKG machen, manchmal auch ein EEG, Blutabnahmen, um zu gucken, wie sind die Schilddrüsenwerte und so weiter. Wie ist das Gewicht? Denn diese Medikamente können dafür sorgen, dass es einen gewissen Appetitsverlust bei den Kindern gibt. Dann wird das Gewicht mit kontrolliert und so. Also es gibt einfach eine ganz enge Betreuung, wenn man diesen Weg geht. Und das muss durch Fachpersonal erfolgen. Und diese Medikamente kann auch nur eine berechtigte Person ausstellen. Also eine Therapeutin zum Beispiel nicht. Und soweit ich informiert bin, auch keine Psychologin. Es kann wirklich nur ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder ähnliche Fachärzte ausstellen. Was man mittlerweile weiß, der multidimensionale Ansatz ist der erfolgreichste. Das heißt, weder ein, aha, jetzt haben wir die Diagnose, hier kriegen Sie Ihre Medikamente, kommen Sie mal im halben Jahr zur Kontrolle des Gewichtes und dann viel Spaß, sondern zu gucken, an welchen Stellschrauben können wir was machen. Also braucht das Kind Unterstützung im Selbstbild, braucht das Kind motorische und sensorische Unterstützung. Dann könnten wir zum Beispiel sagen, wir gehen in eine ergotherapeutische Einrichtung, Vielleicht brauchen die Eltern ein bisschen Unterstützung, kann man vielleicht noch irgendwie Anlaufstellen für eine Familienhilfe und da geben und gleichzeitig und das merke ich schon auch. Gerade als Lehrkraft kann man, also meistens der Ansatz heute, erstmal therapeutisch, wir gucken mal. Und wenn das nicht fruchtet, dann Medikamente. Ich kriege es aber auch mit, dass ganz schnell zu Medikamenten geraten wird, weil die Situation schon so eingefahren ist und auch das hat einen Wert, das möchte ich überhaupt nicht in irgendeiner Weise verteufeln. Denn manchmal braucht man das wirklich sehr schnell auch gleichzeitig, weil bestimmte Therapieansätze gar nicht greifen können, weil das Kind schon in so krassen Mustern ist, dass die Therapie überhaupt keine Chance hat anzusetzen, bevor nicht eine zusätzliche Medikamentengabe dem Kind hilft überhaupt, in einen Zustand zu kommen, in der Therapie auf eine bestimmte Art und Weise mitzuarbeiten. Das kann schon sinnvoll sein, das sehr gleichzeitig zu machen. Und das hat nichts damit zu tun, dass man jetzt sagt, in Schule, wir geben Medikamente, damit das Kind in das Schulsystem passt. Nein, im besten Fall passiert das immer in Balance. Also in Schule wird geguckt, wie kann ich das Kind unterstützen? Kann ich Rückzugsmöglichkeiten schaffen? Kann ich die Aufgaben anders stellen? Kann ich verständnisvoll sein? Kann ich Bewegungsmöglichkeiten schaffen? Und gleichzeitig aber auch kann ich es dem Kind ein bisschen leichter machen, das abzurufen, was wirklich in dem Kind steckt, durch eine Medikamentengabe. Und das muss man wirklich individuell gucken. Aber ich habe Kinder erlebt, die bei mir, würde ich sagen, in meinem Klassenraum und auch in meiner Haltung ein ziemlich gutes Setting vorfinden. Und trotzdem hat man irgendwann alles ausgeschöpft und merkt. Weiter als jetzt geht es trotzdem nicht. Und dann haben wir so, so tolle Erfolge damit gehabt, dass das Kind dann eben individuell angepasst Medikamente bekommen hat. Und die meisten Eltern haben hinterher gesagt, boah, hätten wir mal nicht so lange gewartet. Ich glaube, es wäre ganz gut geworden. Aber das kann man halt nicht pauschal sagen. Ich möchte unbedingt diese krassen Vorbehalte da abbauen. Wichtig ist, dass man gut beraten wird, dass man sich wohlfühlt, dass man Vertrauen zu den Personen hat, die einen da begleiten, sowohl therapeutisch als dann eben auch ärztlich. Und wenn man das Gefühl hat, irgendwie ist mir das jetzt ein bisschen zu schnell mit den Medikamenten, dann wirklich einfach sich zu trauen, zu fragen, ist das wirklich jetzt schon notwendig? Was würde passieren, wenn wir das vielleicht erst mal dieses Halbjahr, wenn wir jetzt in Schule sind, noch so versuchen, was könnte denn passieren? Also solche Fragen zu stellen und wirklich nicht, wir dürfen weiter Fürsprecherin für uns und unser Kind sein oder Fürsprecher sein und wir müssen nicht alles da stumm über uns ergehen lassen, sondern wir dürfen in einen Austausch mit Fachpersonal gehen und da möchte ich ganz unbedingt ermuntern, sodass wenn diese Entscheidung dann getroffen wird, zum Beispiel für Medikamente, ich alles gefragt habe, was ich fragen wollte, ich gut verstehen kann, warum, bestimmte, also warum dieser Weg jetzt sinnvoll ist. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, man macht sich diese Entscheidung trotzdem nicht leicht, aber es ist einfach am leichtesten sozusagen oder man kann das gut mit sich vereinbaren, wenn man das Gefühl hat, okay, ich habe alles andere so mit ausgeschöpft, wir versuchen verschiedenste Wege, Strategien an die Hand zu geben und ich habe nachgefragt. Also ich weiß genau, warum wir das jetzt machen. Super, das ist eine sehr gute Einschätzung. Ich würde als letzten Teil nochmal, weil es ist einfach so, also ich finde es so spannend mit dir über dieses Thema zu reden, nochmal ein bisschen auf die E-Mail gehen, dass wir vielleicht nochmal, wie man als Eltern sozusagen den Alltag mit einem neurodivergenten Kind strukturieren und diese Überforderung zu vermeiden, die wir ja in der E-Mail zu Beginn der Folge einfach ganz klar gemerkt haben. So, das ist wahrscheinlich auch wie alles im Leben, wieder individuell, wie jede Geburt individuell ist, ist auch ein Leben mit einem neurodivisierten Kind, jedes Kind ist anders, aber da kannst du wahrscheinlich super praktische Tipps für eine Strukturierung, was Kindern, die nicht neurotypisch sind, einfach hilft, um besser klar zu kommen mit gerade unserem schnellen Alltag, wenn man einfach auch auf Zeit. Kindergarten ist ja eine Sache, obwohl es gibt auch Kindergärten, da muss man sehr pünktlich sein, wir haben Gott sei Dank aber in der Schule ist das schon einfach eine Umstellung. Also ich finde auch für jedes Kind. Ja, absolut, genau. Alles, was ich jetzt sage, kann immer auch gut gelten für neurotypische Kinder. Der Unterschied ist, dass die das einfach oft anders kompensieren können oder nicht so ganz essentiell darauf angewiesen sind, bestimmte Unterstützungssysteme vorzufinden. Bei neurodivergenten Kindern, die sind einfach darauf angewiesen, um bestimmte Dinge überhaupt bewältigen zu können. Aber es ist was, was vielen Familien helfen kann. Da möchte ich den Satz unserer Therapeutin mitgeben, weil der. Bis heute so prägend für mich ist, verabschieden Sie sich vom Selbstverständlichen. Das war das, was mir mitgegeben wurde und was für so vieles steht. Wir haben, also auch ich hatte als Mutter so ein Bild davon, wie Mutterschaft ist, wie Elternschaft ist, wie das sein wird. Ich hatte idyllische Abendbrotsituationen in meinem Kopf und das kennen auch, würde ich sagen, fast alle Eltern, dass man eine bestimmte Erwartung hat und dann wird man Eltern und denkt sich, Ach so, ist ja doch irgendwie ganz anders. Und im neurodivergenten Kontext ist es einfach immer alles noch ein bisschen mehr so. Und verabschieden Sie sich vom Selbstverständlichen heißt, wir haben ganz früh zum Beispiel eine hohe Erwartung an Selbstständigkeit von Kindern. Das beobachte ich zunehmend, dass diese Erwartungshaltung kollidiert sozusagen mit einem neurodivergenten Familienkontext, denn wir müssen vielleicht viel länger beim Anziehen morgens helfen und das wäre zum Beispiel auch meine Empfehlung an die Personen aus der E-Mail. Den Morgen so weit wie möglich entlasten. Wir werden das nicht mehr machen müssen, wenn das Kind dann irgendwann in die Lehre oder ins Studium geht. Ganz bestimmt nicht. Aber diese Kinder brauchen einfach ein bisschen länger morgens die Mithilfe der Elternteile. Das ist einfach so. Ein bisschen mehr Spur, ein bisschen mehr Fahrwasser, in dem sie mitschwimmen können. Und dann ziehen wir vielleicht auch unserem achtjährigen Kind morgens noch die Socken an, weil es dann eine Anforderung weniger ist und das Gehirn entlastet. Weil man muss sich vorstellen, nicht nur die Eltern sitzen am Ende dann, wenn das Kind dann mal aus dem Haus ist Richtung Schule da und müssen dann mal ganz doll tief durchatmen. Auch das Kind hat auf dem Weg in die Schule schon einen echten Teil seiner Ressourcen verbraucht, weil wir vielleicht sagen, naja, aber es ist jetzt acht und, ach Mensch, solltet ihr jetzt nicht Zähneputzen alleine klappen? Ich kenne Familien mit autistischen Kindern zum Beispiel und auch im ADHS-Kontext, die wirklich noch ihren elfjährigen Kindern die Zähne nochmal nachputzen oder sagen, hier, Mund auf, ich mache das und entlaste das. Wenn man so ein Kind, das aus morgens schlecht rauskommt, also ein Eulenkind, das eher seine Abendphase hat, dann den Morgen so weit, wie es geht, entlasten. Ich habe Eulenkinder. Ja, du auch. Ja, ich habe beides. Ach, das ist beides. Das ist die schwierigste Kombi. Ja, das ist eine schwierige Kombi. Genau, also ich habe Kinder, die abends, also Eulenkinder sind welche, die abends extrem lang Begleitung brauchen, extrem lang brauchen, bis dieser Abendprozess durch ist und man wirklich auch als Elternteil quasi einen Haken dran machen kann. Das ist eine extreme Herausforderung, schon an der Stelle, weil man irgendwie gefühlt nie Feierabend hat. Also das bringt, muss ich auch ganz ehrlich sagen, das bringt mich ganz oft an meine Grenzen. Weil der Abend für mich auch nochmal so eine Zeit, ist natürlich auch falsch, wo ich immer denke, ich muss jetzt nochmal was arbeiten oder ich muss den Haushalt machen und dann ist man innerlich so gestresst, wo ich denke, so jetzt ist doch auch mal gut, ich habe doch jetzt wirklich alles gemacht. Ja und ich finde, man muss da beide Bedürfnisse durchaus auch im Blick haben, auch das eigene. Es ist völlig okay, gerade wenn man neurodivagente Kinder begleitet, irgendwann zu sagen, ich brauche Zeit zum Auftragen, ich brauche meinen Abend. Und da zum Beispiel kann man verhaltenstherapeutisch ansetzen oder in der Therapie begleiten, da kann man dann Serviceende üben. Serviceende? Was ist Serviceende? Serviceende ist quasi das. Mein Service vorbei ist? Genau. Und das sage ich dann einfach jetzt ist Serviceende? Sozusagen. Natürlich nicht einfach so von heute auf morgen so, jetzt habe ich mich die ganze Zeit irgendwie gekümmert. Aber dafür ganz bewusst Strukturen zu schaffen, mit dem schlechten Gewissen umgehen lernen, zu sagen, es gibt bestimmte Dinge, die sind natürlich abends für euch zur Verfügung sozusagen. Oder wenn es Kinder gibt, also manchmal, das geht nicht in jedem Kontext. Manche Kinder brauchen zum Beispiel ganz, ganz viel Körperkontakt. Sonst können die gar nicht einschlafen, da brauche ich nicht damit an. Ja, genau, da brauche ich nicht. Man sieht es hier gerade so zwei links und rechts massieren. Genau, das ist aber einer, ich muss immer einen hier und den anderen da. Und manchmal sage ich so, du musst dich weiter unten ins Bett legen, weil sonst ist es so unbequem für meinen Armen, wenn ich den rücken muss. Und auch das zum Beispiel, da kann man therapeutisch ansetzen und das unbedingt auch bei Fachpersonal ansprechen. Und dann kann man alle möglichen Register ziehen, von Gewichtsdecken über Meditationen abends. Man muss wirklich ausprobieren, man kann da nicht sagen, das ist jetzt der Königinnenweg oder Königsweg. Und es gibt auch eine Möglichkeit, wirklich eine Melatonin-Gabe. Da auch unbedingt informieren, dafür bin ich nicht das Fachpersonal. Aber in manchen Familien, das wird jetzt gerade immer mehr untersucht, auch im neurodivagenten Kontext, dass Melatonin ein Thema ist. Es gibt Familien, wo diese Situation abends so verfahren ist, weil Eltern dann doch der Geduldsfaden Platz, wo das wirklich ein absoluter Game-Changer sein kann, so eine kleine Gabe zu machen. Und die Kinder dann einfach so unterstützen. Und die Eltern auch. Genau. Und dann gibt es eben die Kinder, die dann, die euren Kinder, die abends ewig rumtouren und morgens da nicht rauskommen. Und dann einfach mit sich im Reinen sein damit, dass man einfach mehr unterstützt, Dinge mehr vorbereitet, als das vielleicht eine andere Familie bei ihrem achtjährigen Kind tut. Ich glaube, das ist so ein ganz grundlegendes Ding, wenn wir auch unseren Alltag gestalten. Das, was euch entlastet, ist okay. Zumindest in den meisten Fällen. Und dann unterstützt ihr einfach noch ein bisschen länger. Dann zieht ihr halt die Socken an. Dann ist das Brot schon geschmiert und das Kind isst das Brot halt auf dem Weg in die Schule. Habe ich bei meinem Kind öfter mal, dass der mit einem Brot in der Hand noch aus der Haustür geht, weil das bedeutet, dass man fünf Minuten länger Zeit hat, weil das Kind nicht am Tisch sitzen muss und dieses Brot essen muss, sondern dann halt auf dem Weg. Kriegt man komische Blicke von Nachbarn? Vielleicht. Ist mir das mittlerweile egal? Ja. Ist es generell so, dass du empfiehlst, dass man mehr Struktur im Alltag haben sollte mit Kindern, mit neurodivergenten Kindern? Also ist das das Erste, was man, also weil das ist ja auch etwas, wenn man noch selber die Problematik hat, also als Elternteil. Ich glaube, das ist eine der größten Herausforderungen von Eltern überhaupt, wenn sie neurodivergente Kinder haben. Aber wenn man selber noch neurodivagent ist, ist einfach selber die Spur für ein Kind zu halten, wenn man selber aber die Spur für sich selber nicht gut halten kann und die eigenen Gefühle gut zu regulieren, was man vielleicht nie gelernt hat, gerade im neurodivagenten Kontext noch weniger gelernt hat, während man sein Kind darin begleiten muss, seine Gefühle zu regulieren. Und sich Strukturen zu schaffen, auch da wieder mit einer Familienhilfe oder in der Therapie. Bei uns hat die Therapie unserer Kinder, wir haben eine Ergotherapie gehabt, so eine sehr ganzheitliche, wirklich auch geholfen, Familienstrukturen mit aufzubauen. Mit der Ergotherapeutin? Die dann wirklich geguckt hat, wo haben wir Stellschrauben? Was ist notwendig? Was können sie streichen? Wo können sie sich entlasten? Eine Entlastung für mich als Mutter ist, und das hat natürlich aber auch was mit Privilegien zu tun, dass ich nicht einkaufen gehe, sondern mein Einkauf nach Hause kommt. Ich bestelle den. Da gibt es ja Gott sei Dank heute Möglichkeiten, ist aber, muss man ehrlich dazu sagen, eine Möglichkeit, die nicht in jedem finanziellen Kontext geht, aber ist zum Beispiel eine Entlastung für uns, dass ich nicht noch in so ein, weil das für mich auch schwierig ist, in so Läden zu gehen und voll und laut und das ist zum Beispiel eine Entlastung, also sich selber irgendwie als Eltern zu entlasten und eine Struktur, Zu finden, die gut genug ist. Ich hatte ganz lange den Anspruch, ich muss jetzt hier das perfekte Fahrwasser kreieren für meine Kinder und auch anzuerkennen, das schaffe ich mit meinem Gehirn nicht, das wird nichts werden. Und sich auch, wir haben auch eine Familienhilfe gemacht und da wurde auch geguckt, welche Stärken bringen sowohl mein Partner als auch ich mit. Familienhilfe heißt, bedeutet? Wir waren in so einem Familienberatungszentrum, gibt es in ganz vielen Städten, die heißen ganz, ganz unterschiedlich. Bei uns ist das einfach ein Institut und da kann man sich immer hinwenden, wenn man, egal in welchem Kontext, als Familie einfach Beratung braucht. Kennst du da viele Institute, also dass wir sowas verlinken können? Da bin ich nicht so drinnen bewandert. Ich weiß nicht, pro Familia zum Beispiel sowas macht, da kenne ich mich wirklich wenig aus. Also ich kenne, also UNSAS ist ein spezifisches Institut in Hannover, aber einfach wirklich mal googeln Familienberatung und Erziehungsberatung und nicht davor scheuen. Wir sind da hingekommen, weil wir auch dachten und haben halt auch gedacht, naja, die wären ja ganz andere Fälle als uns. Wir kommen ja eigentlich ganz gut klar haben, aber die haben sofort gesagt, sie würden sich wünschen, dass Menschen mehr kommen, ohne dass quasi schon komplett Land unter ist. Weil das stelle ich mir auch gerade die Frage, gerade wenn du mehrere Kinder auch hast. Also habe ich gerade gedacht, würde sowas uns auch mal gut tun, meine Person von außen. Weil wir uns natürlich auch, wir haben zwei kleine Kinder, zwei große. Welche mit mehr Bedürfnissen, also die mehr impulsiv sind, das stresst die anderen. Also die ruhigeren Stress ist, dass die anderen so impulsiv sind und laut. Also es ist ja schon einfach auch a lot. Und habe ich jetzt gerade gedacht, weil ich auch eine ganz tolle Ergotherapeutin habe, wo ich einfach meine Kinder auch so hingeschickt habe, weil ich gedacht habe, die brauchen das jetzt einfach mal diesen Raum. Also neben Schule und so weiter, einfach mal wirklich so, ich habe es immer so, das war so unsere Wohlfühlstunde in der Woche, habe ich die ärgert, nicht weil ich jetzt irgendwie mir gesagt habe, sondern ich habe gedacht, ach ich finde das mal schön, dass ich mal nur jemand, Mit ihm beschäftigt es natürlich auch wieder ein Privileg, also so jemanden da zu finden. Aber habe ich gerade gedacht, vielleicht könnten die uns alle mal nehmen und wir machen mal so eine. Das ist so wertvoll. Man kann Aufstellungen machen. Das ist unglaublich spannend. Und eben zu gucken, wo sind meine Stärken als Mutter, wo sind die Stärken als Vater und ich bin auch ein Eulentyp. Ich funktioniere morgens wirklich schlecht. Ich bin da nicht gut. Mein Mann ist Gott sei Dank aber das Gegenteil. Und der macht den Morgen. Der ist aber abends irgendwann raus. Das heißt, die Abende liegen mehr bei mir. Ich bin super strukturiert bei Ausflügen. Warum auch immer. Ich kann es mir nicht erklären. Es passt gar nicht zu mir. Aber ich kann super gut und total entspannt mit den Kindern, auch mit drei Kindern in den Zug steigen. Es stresst mich überhaupt nicht. Witzigerweise, obwohl mich alleine reisen, total stresst. Aber mit den Kindern, I don't know why. Aber es ist so. Das kann mein Mann nicht so gut, der kann dafür wieder andere Sachen. Und das wird da mal wirklich aufgezeigt. Wo sind die Stärken? Wo könnt ihr euch gegenseitig entlasten? Was ist eine gute Struktur für zu Hause? Und wirklich vom Selbstverständlichen verabschieden. Unser Kind geht nach wie vor in Jogginghose in die Schule, auch wenn das an der Schule zum Glück kein großes Problem ist. Wir gucken mal, wie es jetzt dann danach wird. Ich weiß gar nicht, wo dieses Riesenthema mit Jogginghosen herkommt. Es gibt ja so schöne Jogginghosen. Es gibt ja auch Wolljogginghosen, die ich ja zum Beispiel... Das ist ein so großes Thema, du glaubst nicht, wie viele Menschen mir schreiben oder Mütze im Unterricht. Oder zum Beispiel geht unser Kind, weil es das überhaupt nicht mag, sich so komisch starrfestlich anzuziehen, auch in einem solchen Dress auf Familienfeiern oder solche Sachen. Und da kriegt man dann schon mal vom Onkel Herbert die Ansage, man kann sich das Kind nicht ordentlich anziehen. Und da muss man sich dann auch ein bisschen wappnen. Also aufs Kind einlassen und da wirklich so weit mit sich selbst einen Frieden finden, mit den eigenen Besonderheiten in der Familie einen Frieden finden und das machen, was alle am meisten irgendwie entlastet und wo der gemeinsame Nenner in den Bedürfnissen ist. Und das ist einfach im neurodivagenten Kontext vielleicht ein bisschen anders, als man das im Bilderbuchkopf hatte oder es vielleicht in anderen Familien ist. Okay. Ich habe noch, ich würde mal sagen, eine letzte Frage, weil ich könnte mich stundenlang noch weiter unterhalten, aber ich gucke so ein bisschen gerade auf die Zeit und habe gemerkt so, wow, das ist glaube ich mit meine längste Folge, weil es einfach so ein wichtiges und tolles Thema ist. Aber wenn wir sozusagen die Diagnose haben, was können wir als Eltern tun, einfach auch unser Kind zu bestärken und zu entdecken und das Selbstbewusstsein aufzubauen, weil ich glaube halt einfach auch, gerade wenn Kinder einfach schon mehr verstehen, dass ich vielleicht nicht wieder Neurotyp bin. Das ist ja, glaube ich, eine ganz wichtige Aufgabe für uns als Eltern zu denken, wie stärke ich mein Kind, wie gebe ich ihm Weltsbewusstsein, wie findet es auch so in dieser Welt, wo ja doch einfach sehr viel immer geguckt wird, passe ich da rein, gerade im Schulsystem. Also mir fällt es sehr schwer in diesem Leistungssystem in Schule, wo ich immer denke, wow, so viele tolle Menschen, die in unserem Schulsystem einfach wirklich runtergemacht waren, haben nach der Schule ihren Weg gefunden und sind erfolgreiche, wahnsinnig tolle Menschen und in der Schule waren sie einfach verloren und wurden nicht gesehen. Also wie schaffe ich das, mein Kind da so bestärkt durchzugehen? Hast du da nochmal? Das finde ich so ein ganz schönes, wo ich schon so auf den Schluss hingehe, weil das finde ich ganz wichtig. Also Schule, und das kann man zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht beschönigen, ist für neurodivirgente Kinder und Jugendliche ein schwieriger Kontext. Und so sehr sich ganz viele tolle Menschen dafür einsetzen, dass sich das verändert, so sehr wird es sicherlich auch noch eine Zeit lang ein schwieriger Kontext bleiben. Und ich möchte bei Eltern darin bestärken, dass das Gegengewicht, was zu Hause geschaffen wird, nicht so klein ist, wie man es manchmal fühlt. Man hat manchmal ein ganz großes Ohnmachtsgefühl und hat das Gefühl, gar nicht gegen all das, was in der Schule so schwierig ist, ankommen zu können und das ist nicht der Fall. Es macht einen so großen Unterschied, zu wem ich nach Hause komme, was passiert, wenn ich zu Hause die Tür aufschließe. Darf ich da nicht selber sein? Habe ich ein Safe Space? Wird geschaut, was für mich wichtig ist? Werde ich ernst genommen oder höre ich auch da ein Stell dich nicht so an? Das würde ja wohl kein Problem sein, hier eine Socke anzuziehen. Und da dieses Gegengewicht, das weiß man mittlerweile auch, kann ganz, ganz viel Fundament für die Zukunft mitgeben. Ich würde auch immer dazu raten, offen zu sein mit der Diagnose und wirklich auch immer mal wieder hinzugucken. Als mein eines Kind noch recht jung war und dann eben diese Diagnose hatte oder die Diagnosen, war es wirklich so, dass es schon recht gut sagen könnte, ach, guck mal Mama, jetzt hat mir mein Gehirn aber einen Streich gespielt. Also damit die früh in so ein Bewusstsein gehen können, ah, guck mal hier, macht mein Gehirn jetzt das oder das fällt mir leicht, das fällt mir schwer. Einfach darüber zu sprechen, dass wir unterschiedlich sind und dass es unterschiedliche Arten gibt zu reagieren beispielsweise. Und die Kinder nehmen das wahr. Wir setzen ihnen da nichts in den Kopf, wenn wir darüber sprechen. Kinder nehmen sehr wohl wahr, dass Dinge bei ihnen anders sind vielleicht als bei anderen. Und darum ist es wichtig, dass die benannt werden dürfen, dass die eingeordnet werden können. Und man kann auch über diese Diagnosen sprechen, indem man sich Kinderbücher anguckt, Kinderserien. In meinem Buch, Ein Kopf voll Gold, habe ich hinten genau deswegen eine ganz große Empfehlungsliste für solche Sendungen, für Podcasts, für Kinderpodcasts, für Kinderbücher, die sich diesem Thema annehmen, der unterschiedlichsten neurodivergenten Formen, eben auch ADHS. Und dann mit dem Kind darüber zu sprechen und eben zu gucken, wo liegen die Stärken meines Kindes und kann ich denen Raum geben? Und das kann ganz unterschiedlich aussehen. Die einen blühen im Sport auf. Da gebe ich Ihnen mal das Beispiel, ich habe mal ein Kind begleitet, ein autistisches Kind in dem Fall, das unter starker, starker Anspannung stand. Und das kann man ja im ADHS-Kontext genauso haben, ganz starke motorische Anspannung, was beim Schreiblernprozess in der Schule ganz ungünstig war und zu großen Problemen geführt hat und Kopfweh und dann war dieses Kind dann auch in dieser Anspannung immer so impulsiv. Und dann hat das Kind angefangen mit Karate. Und was ist im Karate-Bereich richtig gut? Sehr starke körperliche Anspannung. Das heißt, das, was in einem schulischen Kontext eher ein Defizit war und eher zu Problemen geführt hat, war in einem anderen Kontext plötzlich eine Erfolgskomponente. Das Kind hat mir dann stolz die Medaillen und Urkunden gezeigt. Und das ist so ein bisschen unsere Aufgabe als Eltern, zu gucken, wo kann das, was du mitbringst. Etwas sein, womit du dich wirksam fühlst, wertvoll fühlst, wo du merkst, ach, das kann ja auch eine Stärke sein, das kann auch was ganz, ganz Tolles sein, das kann mich weiterbringen, um ein Gegengewicht zu schaffen. Ich muss ehrlich sagen, oft ist es eben, also es macht das andere nicht komplett wett, aber es ist einfach ein wichtiges Gegengewicht. Das kann aber auch der künstlerische Bereich sein, einfach eine riesen Bastelecke zu Hause und das Vertrauen, dass nicht das komplette Zimmer hinterher mit Glitzerkleber vollgeklebt ist, sondern dass da ganz viel Kreatives passiert, wohin auch immer. Bestimmte exotische Klamotten, Geschmäcker zuzulassen, weil manche Kinder sich gefühlsmäßig darüber ausdrücken und sich da austoben, kreativ. Das ist so ein bisschen das, was wir machen, zu gucken, wo ist das Spezialinteresse? Ganz viele ADHSlerInnen oder AutistInnen haben Spezialinteressen. Die dürfen schulisch nicht sein, weil die da einfach thematisch nicht so einen Platz haben. Dann schaffe ich zu Hause dafür einen Platz und zeige Interesse daran. Und das macht so, so, so viel und ist keine Kleinigkeit neben Schule, sondern mindestens die andere komplette Hälfte der Waagschale. Und dazu unbedingt ermutigen, guckt hin, gebt Raum für Spezialinteresse, für Stärken und gebt Kindern die Chance, das, was sie ausmacht, als wertvoll zu erleben in einem anderen Kontext als Schule, das manchmal bietet. Danke, Saskia. Das war sehr schön. Vielen Dank für deine Zeit. Ich fand es eine unglaublich tolle Folge. Mir selber hat es auch nochmal ganz viele neue Möglichkeiten gegeben und alles, was ihr zu Saskia wissen solltet und wenn ihr noch mehr lesen wollt, dann verlinke ich euch alles in den Shownotes. Ihr Buch, ganz, ganz toll. Ein Kopf voll Gold, hat sie gerade schon gesagt. Das verlinke ich euch. Bei Instagram solltet ihr vorbeischauen und du hast auch einen eigenen tollen Podcast, den verlinken wir natürlich auch. Vielen Dank. Danke, dass ich da sein darf. Tschüss. Mitgenommen. Und ich hoffe, dass ihr, wenn ihr vielleicht euch auch fragt, dass ihr bei euren Kindern oder bei eurem Kind merkt, dass da vielleicht einige Symptome, wo ihr ja gerade gesagt habt, okay, das könnte vielleicht doch mehr sein, dass ihr euch einfach nicht scheut, auch da wirklich hinzugucken und in die Diagnostik zu gehen. Gerade vor Schulbeginn, das ist so ein wichtiges Thema. Und ich fand es auch sehr toll, was Saskia gesagt hat, dass wir noch mehr in diese Fachkräfte gehen müssen, dass die einfach besser geschult werden müssen, um einfach Kinder da besser zu begleiten und es war wirklich, ich hatte sehr viele Aha-Momente und auch für eine Familienstruktur zu sorgen, sich da auch nochmal wirklich Hilfe zu suchen, um halt einfach gut im Alter klarzukommen und dass ADHS sozusagen nicht irgendwie so negativ behaftet ist, sondern dass es einfach ganz tolle Kinder sind, aber wichtig ist, dass man die halt einfach richtig begleitet. Und bevor unsere Folge jetzt auch schon wieder zu Ende ist, kommen wir noch zu unserer Kategorie Mythencheck. Und da habe ich heute auch etwas zum Thema ADHS und zwar farbiges Licht und getönte Brillen, eine widerlegte ADHS-Behandlung. Eine Behandlungsmethode, die früher oft bei ADHS eingesetzt wurde, mittlerweile aber als unwirksam gilt, ist der Einsatz vom farbigen Licht oder getönten Brillen. Die Idee dahinter war, dass ADHS durch eine Art Überreizung im visuellen Bereich verursacht wird. Diese Annahme basierte auf früheren Theorien über neurologische Wahrnehmungsprozesse, die jedoch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht worden waren. Forscher und Therapeutinnen vermuteten, dass Menschen mit ADHS-Schwierigkeiten hätten, Reize aus ihrer Umgebung richtig zu verarbeiten, insbesondere visuelle Reize wie Lichtintensität, Farben oder Kontraste. Man ging davon aus, dass diese Überreizung das Gehirn überfordert und so zu typischen ADHS-Symptomen wie Konzentrationsproblemen oder Hyperaktivität beiträgt. Die Theorie gewann vor allem in den 80er und 90er Jahren an Popularität, da sie in ein einfaches und intuitives Erklärungsmodell passte. Wenn visuelle Reize die Ursache sein, müssten sie sich durch die Filterung oder Veränderung dieser Reize abmildern lassen. Unterstützt wurde diese Idee von einzelnen Therapeuten und kleinen Studien, die jedoch methodische Schwächen aufwiesen und ihre Ergebnisse nicht reproduzieren konnten. Getönte Brillen und farbiges Licht wurden als einfache und nicht invasive Behandlungen beworben, die sowohl Eltern als auch Kindern eine scheinbar unkomplizierte Lösung boten. Später jedoch zeigten gründlichere und methodisch strengere Untersuchungen, dass diese Annahmen nicht haltbar waren. Studien konnten keinen signifikanten Zusammenhang zwischen visueller Reizüberflutung und den Kernsymptomen von ADHS nachweisen. Auch die Verwendung von getönten Brillen oder speziellem Licht zeigte keinerlei messbare Verbesserung der Aufmerksamkeit, Impulskontrolle oder Hyperaktivität. Fachgesellschaften wie die American Academy of Pediatrics und andere internationale Organisationen kamen zu dem Schluss, dass diese Methoden wissenschaftlich unbegründet sind. Wenn euch die Folge gefallen hat, dann freue ich mich natürlich, wenn ihr dieser Folge 5 Sterne schenkt und mir auf der Plattform, wo ihr diesen Podcast hört, folgt. Danke euch und ich freue mich, wenn ihr nächste Woche wieder reinhört. Wenn dir diese Folge gefallen hat, würde ich mich riesig freuen, wenn du den Podcast abonnierst und eine Bewertung oder einen Kommentar hinterlässt. Du hast Fragen an mich, Ideen für Themen oder möchtest deine Geschichte mit mir, mit uns teilen? Dann schreib mir einfach an sissy.atauf-die-ohren.com und ich freue mich riesig über deine Nachricht. Music. Das war Sounds Familiar, der Eltern-Podcast mit Hebamme Sissy Rasche. Eine Produktion von Auf die Ohren. Redaktionelle Leitung Katharina Kern. Aufnahmeleitung Lena Günther. Sounddesign und Postproduktion Nilan Feig.