Music. Ihr Lieben, ein wunderschönes Hallo heute wieder bei Soundsfamilie. Es ist Donnerstag und ich freue mich auf eine neue Folge mit euch. Und heute gibt es natürlich wieder ein spannendes Thema und auch das ist ein Thema, wo wir uns, ja, wo wir eigentlich nicht so viel Aufmerksamkeit schenken. Es geht nämlich heute um unsere Füße und irgendwie pflegen wir unseren Körper ja ganz besonders immer, aber irgendwie die Füße sind bei vielen Menschen einfach so das Letzte, woran man denkt, obwohl sie so wichtig sind, weil sie erden uns ja. Ich sitze hier auch gerade barfuß im Podcast-Studio und habe neben mir schon eine ganz tolle Gästin sitzen. Heute ist Nadine Klein bei mir zu Gast. Wir kennen uns schon viele, viele Jahre. Nadine ist Schuhorthopädin, Expertin für Fußgesundheit und Gründerin der Barfuß-Schuhmarke Lieblinge, die es hier in Berlin produziert werden, die sie hier entwickelt hat. Also genau, wir kennen uns viele Jahre. Schön, dass du da bist, Nadine. Herzlichen Dank, dass ich da sein darf. Ja, dass wir heute über dein Thema reden, über Fußgesundheit bei Kindern wird es heute gehen, aber wir werden natürlich auch über uns Erwachsene so ein bisschen sprechen, aber primär bei den Kindern, weil das ist einfach so ein wichtiges Thema. Dass wir unsere Kinder sozusagen gesund ins Leben starten, weil auf den Füßen sollen sie ja eine ganze Weile laufen. Und ich glaube einfach, dass da einfach noch so viele Fragen offen sind und ich habe schon so viel von dir gelernt und ich glaube, wir müssen unseren Blick ja auch nochmal so ein bisschen verändern, was so unser Schuhwerk angeht, aber dazu kommen wir heute auch noch. Aber meine erste Frage wäre sozusagen jetzt erstmal gerade, wie entwickeln sich eigentlich so Kinderfüße in den ersten Lebensjahren oder im ersten Lebensjahr und worauf sollten wir als Eltern eigentlich wirklich achten? Total spannende Frage. Also wenn die Kleinen zur Welt kommen, dann ist der komplette Fuß oder besser gesagt die knöcherne Struktur, die ist angelegt, aber es ist alles nur knurbelig und es ist alles nur sehr, sehr weich und damit halt auch extrem schnell deformierbar. Und deswegen sollte schon quasi bei den Kleinsten der Fokus darauf gelegt werden, dass der spätere Schuh. Immer der Fußform entspricht. Gibt es aber so, also ich denke jetzt gerade, wie du es gerade beschrieben hast, an die süßen Babyfüße, die wir ja alle so mögen, die so klein und knubbelig sind und so weiter. Gibt es schon Sachen, die du, also ich bin ja als Hebamme sozusagen, sage ich auch mal, dass sie viel ihre Kinder barfuß lassen sollen, schon im Babyalter. Das ist ja auch mal so ein bisschen so, dass die Großeltern dann Angst haben, dass die Füße zu kalt werden, aber dass sie sich einfach spüren. Gibt es noch etwas, was du jetzt als Fußexpertin sagen wirst, was schon auch im Babyalter wichtig ist, worauf wir achten sollten, damit sich diese kleinen Babyfüße, wir kommen später auf die Schuhe, aber was die kleinen Babyfüße einfach schon im Babyalter einfach was wichtig ist. Ja genau, was du gesagt hast. Also so viel wie möglich barfuß laufen lassen, barfuß krabbeln lassen und auch keine Angst davor haben, dass der Fuß mal zu kalt ist. Dann lieber um das Sprunggelenk eine kleine Stulpe machen, dann wird das sogenannte Anhängsel, der Fuß damit warm gehalten und dann einfach nur darauf achten, dass Baby so viel wie möglich den natürlichen Input geben. Weil wir haben an der Fußsohle so viele Sensoren und das ist für die Kleinen wie Augen, die überall in der Gegend rumschwören und damit erkunden die die Welt. Und das ist cool, wenn wir das einfach zulassen, dass das gefördert wird. Okay, gibt es sowas, was man beim Anziehen beachten sollte? Also ich denke jetzt zum Beispiel an Strampler mit Fuß. Findest du wahrscheinlich nicht so gut. Naja, genau. Also ich finde generell auch Strumpfhosen nicht cool. Also wir haben unseren Kindern immer nur Leggings angezogen und dann konntest du quasi immer eine individuelle Socke drüber machen oder halt barfuß lassen. Und das Coole ist, wenn du halt zum Beispiel nur eine Leggings trägst, die kannst du dann zum Beispiel auch länger kaufen und dann schlägst du die am Ende gleich um und dann hast du quasi die doppelte Wärme um das Sprunggelenk und damit hast du wieder den wärmenden Faktor, dass der Fuß dann auch nackig bleiben kann. Verstehe ich, aber kannst du vielleicht nochmal erklären, warum jetzt gerade so Strampler mit Fuß finden ja viele Menschen halt einfach praktisch oder Eltern praktisch, damit halt nichts verloren geht, keine Socke. Aber ich glaube, also ich weiß es, aber vielleicht magst du es nochmal erklären, was so wichtig ist, wenn so ein Strampler einen Fuß hat wegen der Spannung und so weiter. Das ist glaube ich echt wirklich noch eine Sache, weil ich war neulich wieder in einem großen Babykaufhaus und da habe ich einfach gesehen in der Erstlings-, also Erztausstattung, da waren einfach super viele Strampler mit Fuß. Und es haben einfach viele Marken noch. Ja, also das Problem ist, dass oft die Proportionen nicht passt. Also du hast dann zum Beispiel, das Kind passt eigentlich von der Körperlänge noch rein, aber der Fuß unten ist schon zu klein und dann hast du quasi permanent Spannung und dann hat das Baby überhaupt gar keine Freude an der Motorik und an der Entwicklung, weil es quasi immer gehemmt wird, einerseits von der Bewegung, und andererseits wird natürlich da schon der Fuß eingequetscht. Also das größte Problem ist, dass die Proportionen nicht stimmen und der Kinderfuß entweder schon zu lang ist oder halt wie gesagt, es von der Körperlänge noch stimmt, aber es unten in der Proportion nicht stimmt. Das gleiche ist wahrscheinlich, dass man bei Strumpfhosen, also wenn man Strumpfhosen trägt, also ich trage Strumpfhosen bei meinen Kindern, aber ich achte halt immer sehr darauf, dass es unten halt passt. Genau, also ich finde auch, man hat einfach ein Fitting-Problem damit sehr häufig Und deswegen finde ich die Kombination Legging-Socke immer besser als Strumpfose oder Strampler. Dann kennst du es ja wahrscheinlich so, also man kriegt ja immer zur Geburt Schuhe geschenkt. Kennst du? Also dir schenkt niemand Schuhe. Aber ich kenne das, wenn ich so auch als Hebamme so in die Wohnung komme und dann die ganzen Geschenke da und das so rum. Oder so Gabentische und so, dass immer Schuhgeschenke wird und vor allen Dingen für kleine Babys schon Sneakers. Wow, die sollten dann besser als Andenken im Regal bleiben, ungetragen. Aber wann ist so der Zeitpunkt, wo du sagen würdest, jetzt fängt man sozusagen im ersten Lebensjahr an, den Kindern auch mal, du hast ja gesagt, gerade möglichst viel barfuß, möglichst barfuß krabbeln und so weiter. Aber es gibt ja Situationen, wenn die Kinder sich dann einfach aufrichten, dann anfangen sich so hochzuziehen überall und dann so ein bisschen ein paar Schritte sozusagen an einer Kommode entlang hangeln. Oder dass sie einfach krabbeln und dann ist man einfach draußen auf der Straße und für uns in Berlin ist es natürlich auch schon sehr, sehr dreckig und oft so, dass man einfach das Gefühl hat, man will den Fuß einfach schützen. Also das entspricht tatsächlich so ein bisschen dem Gusto der Eltern. Natürlich kann man jetzt sagen, lasst eure Kinder so lange wie möglich barfuß laufen, aber wenn es euch stört, dass die Füße immer dreckig sind. Nee, nicht dreckig, aber ich hatte Angst auch vor Verletzungen. Genau, Verletzungen gibt es eigentlich in dem Sinne nicht so viel, sondern es ist das Wichtigste, die Funktion, die der Schuh oder sagen wir mal so eher die Fußhülle zu erfüllen hat, ist, dass sie dich vor Drecksschütz, vor Spitzensachen und vor Hitze. Wenn es dann darum geht, dass dein Kind sich jetzt zum Beispiel anfängt hochzuziehen oder irgendwo lang zu hangeln, dann könnt ihr euren Kindern schon Schuhe anziehen. Aber ich möchte den Begriff Schuh mal neu definieren. Und zwar, dass es wirklich nicht ein fester, steifer Schuh ist, sondern es muss zwingend was ganz Weiches, ganz Flexibles sein. Was ganz wichtig ist, dein Kind darf diesen Schuh nicht als Fremdkörper wahrnehmen, weil die werden den sich sofort vom Fuß reißen, weil die das total stört in ihrer Wahrnehmung. Also der Schuh oder ich nenne es lieber Hülle, muss ganz weich und ganz flexibel sein und dann nimmt das Kind das einerseits nicht als Fremdkörper wahr und andererseits wird es in der Wahrnehmung überhaupt gar nicht gestört. Also der Schuh ist dann so nah wie möglich am Barfußlaufen dran und das ist immer genau das, was wir wollen, weil damit haben wir trotzdem die maximale Sensorik und die maximale Motorik und die wird damit gefördert und dann…. Könnt ihr das auch bedenkenlos anziehen? Also du sagst aber, am sinnvollsten ist es, so viel wie möglich sollten wir unsere Kinder barfußlaufen sein. Genau, am aller allerbesten. Also da gibt es auch keine Grenzen. Nee, da gibt es keine Grenzen. Also nichts fördert die Wahrnehmung und die Motorik so sehr wie das Barfußlaufen. Und deswegen muss zwingend auch jeder Schuh so nah wie möglich am Barfußlaufen dran sein. Ist es so, dass Barfußschuhe oder also diese Hülle, du beschreibst, auch wirklich für jedes Kind geeignet sind oder gibt es einfach Kinder auch, wo du sagst, was sind so die häufigsten Fußfehlstellungen, die du schon so am Anfang, also ich meine, du siehst ja nun wirklich sehr viele Kinderfüße. Also das Einzige, wo ich wirklich von diesen Hüllen abraten würde, ist, wenn es sehr starke orthopädische Indikationen gibt. Also ein sehr stark ausgeprägter Sichelfuß oder ein starker Klumpfuß oder ein extremer Plattfuß. Aber das ist sehr, sehr, sehr selten zum Glück. Was sind so die häufigsten Fußfehlstellungen, was du so von, die meisten kommen sozusagen mit gesunden Füßen zusammen und was siehst du dann so im Laufe der Zeit, du siehst ja wirklich täglich so viele Kinderfüße auch, was so die häufigsten Fehler und Fußfehlstellungen dann sind? Also was total spannend ist, wir haben ja bei uns in den Store kommen ja ganz viele kleine, also quasi die ersten Schuhe bekommen und was sehr spannend ist, dass es recht viele Kinder entweder mit einer Außenrotation oder mit einer Innenrotation gibt und das kommt dann aber nicht aus dem Fuß, sondern es kommt immer aus der Hüfte und das ist osteopathisch auch recht schnell zu beheben. Und woher denkst du, dass es kommt? Also allein in der Schwangerschaft, weiß ich nicht, wenn das Kind zum Beispiel zu wenig Platz im Bauch hat, die Linie da sehr eingemummelt und sehr eng, kann das sein. Oder vielleicht auch danach, wie sie schlafen, ob sie auf dem Bauch schlafen können oder nur auf der Seite oder auf dem Rücken. Das können alles Indikationen dafür sein. Aber wie gesagt, teilweise reichen ein, zwei osteopathische Behandlungen und dann ist das ganz schnell wieder justiert. Das ist halt das Tolle bei den Kleinen. Man kann halt alles ganz schnell in die richtige Richtung lenken. Aber deshalb ist es auch so wichtig, ne? Und deswegen ist es auch so wichtig, dass auch wirklich der Tipp für alle Mamis und Papis, wenn ihr seht, dass bei eurem Kind, also fängt schon an beim Krabbeln, wenn die nicht diese Links-Rechts-Bewegung haben, sondern wenn die zum Beispiel ein Knie immer hinterherziehen oder dann, wenn sie gehen, ein Bein immer hinterherziehen. Also wenn das keine natürlichen Abrollbewegungen sind, dann einfach entspannt bleiben. Und dann aber würde ich wirklich empfehlen, immer zum guten Kinderosteopathen zu gehen. Da habe ich persönlich viel bessere Erfahrungen als beim Kinderarzt, weil sie einfach viel mehr darauf spezialisiert sind. Und wenn man da einfach auch einen Grundstein schon für spätere Laufen und so weiter. Ja genau und wenn du halt da anfängst ganz schnell zu korrigieren, dann die Muskulatur ist noch nicht im Stress, die ist noch nicht verhärtet, da kann man ganz schnell gegenlenken, dass die Muskelzüge in die richtigen Bahnen kommen. Vielleicht magst du uns einmal nochmal erklären, welche Vorteile Barfußschuhe gegenüber herkömmlichen Kinderschuhen haben. Also du hast gerade erwähnt, dass bei euch in den Store einfach ganz viele Menschen kommen, die auch den ersten Schuh auswählen. Worauf soll man achten? Was ist der Unterschied und was hat sich in den letzten Jahren einfach grundlegend auch geändert, also unser Umdenken? Also das aller, aller, allerwichtigste am Barfußschuh ist, dass die Zehen, explizit die große Zehe, den Platz haben dürfen, den sie brauchen. Das ist, also umso mehr wir in die Materie reingehen, umso mehr merke ich, das ist das Thema und zwar nicht nur für die Kleinen, sondern auch für die Großen. Und der gravierende Unterschied zu den konventionellen Schuhen ist halt leider, sie unterliegen halt komplett dem Modediktat, das heißt, Hauptsache es sieht schön aus. Aber wer hat das dann irgendwann mal festgelegt? Also ich meine, hätten wir Hüllen für unsere Füße gemacht, dann die Form des Fußes ist ja nicht so, wie der Schuh des Darsch. Also das frage ich mich so. Also ganz, ganz spannende Frage. Also es ging so um 1900, 1905. Bis dahin hatte man die Erkenntnis, dass der Schuh für den linken Fuß gleich gebaut wird wie für den rechten. Und dann kam halt diese Entwicklung auf zu sagen, okay, wir ändern die Form des Schuhs, dass sie nicht mehr der Fußform entspricht, sondern wir fangen an zu sagen, okay, an der großen Zehe so viel Platz braucht man nicht, das ist total hässlich. Und damit kam quasi die ganze Änderung rein und das hat sich ab 1905 quasi komplett durchgezogen und hat dann bis heute die ganze Schuhindustrie, also eigentlich dahingehend revolutioniert, dass wir sie jetzt nochmal neu revolutionieren müssen, um sie wieder in die andere Richtung zu bringen. Dafür brauchen wir dich. Ja. Wir hatten jetzt gerade also die Vorteile, du hattest gerade gesagt, die Vorteile, Die Zehen, also die Form? Genau, also das Wichtigste am Barfußschuh ist, dass er die richtige Form hat, explizit die große Zehe. Und dann sind natürlich die anderen Thematiken, Barfußschuhe haben halt dünne Sohlen, das heißt, du hast mehr Wahrnehmung. Was bei Kindern großartig ist, bei Erwachsenen sehe ich das ein bisschen differenziert. Die dürfen gerne etwas Dämpfung haben, weil wir gehen halt super viel auf Beton und wir brauchen eine Fersendämpfung. Aber was halt wichtig ist, du hast halt immer eine durchgehende Sohlendicke. Also man hat halt keine Sprengung mehr, dass die Ferse höher liegt als der Ballen. Genau, also richtige Form, sehr flexibel, durchgehende Sohlendicke, das sind die wichtigsten Parameter und bei uns kommt halt dann noch dazu für die Kinder, dass es aus ökologischen Materialien sein muss bei uns, weil man über die Fußsohle ganz viele Schadstoffe aufnehmen kann und das möchten wir unbedingt vermeiden. Okay, ich glaube, das wissen einfach viele Menschen nicht, dass man über die Fußsohle so viele Schadstoffe in den Körper gelangt. Also es ist Wahnsinn. Wir haben an der Fußsohle die meisten Schweißdrüsen und das muss man verstehen wie so eine semipermeable Wand. Also es geht super viel raus, aber es geht halt auch super viel rein. Und wir finden uns eigentlich alle darin wieder, dass wir irgendwelche synthetischen Materialien an unseren Füßen haben, die den Schweiß auch gar nicht wegnehmen können. Und wenn diese Materialien dann noch unsauber sind, dann geht das alles direkt in den Körper. und das sollte man, Dringend vermeiden, ja. Das ist, glaube ich, auch für dich einer der wichtigsten Punkte, was einen guten Kinderschuh ausmacht. Also zusätzlich zu den Formen ist für dich das Material, glaube ich, auch. Definitiv. Also als wir das damals angefangen haben, haben wir gesagt, also wir brauchen nichts mehr auf den Markt schmeißen, was wieder auf der Verbrennungsanlage landet, sondern wir müssen Produkte kreieren, die so smart sind, für den, der es herstellt, für den, der es verarbeitet und für den, der es trägt. Also dieses Cradle-to-Cradle-Prinzip. Genau, und das ist unsere Maxime bis heute. Und das ist auch für mich das Einzige, was Sinn macht. Wenn die Menschen zu dir kommen oder Eltern zu dir kommen und den ersten Schuh kaufen, dann redest du ja auch immer eher dazu, zu einem niedrigeren Schuh. Ich glaube, das finde ich nochmal ganz wichtig. Das habe ich von dir gelernt. Also man hat ja immer so, also wenn ich jetzt meinen ersten Kinderschuh denke, deiner wird wahrscheinlich auch nicht anders ausgesehen haben, dann geht dir ja meistens bis zum Knöchel. Oder waren deine Eltern auch schon Schuhexperten? Das ist eine spannende Frage. Ich weiß gar nicht, wie mein erster Kinderschuh aussah. Habe ich sie noch nie gefragt. Also von meinem Mann habe ich die ersten Kinderschuhe zu Hause und ich habe auch meine. Und als mein erster Sohn geboren wurde, der ist jetzt 14, da kannte ich dich noch nicht. Also hatte ich auf jeden Fall auch so einen Schuh, der eher so bis zum Knöchel ging. Ja, also es war halt ganz lange die Meinung, der Kinderschuh muss sehr fest sein. Und zwar dachte man sehr lange, wenn ich die Füße stabilisiere, dann stabilisiere ich auch das Kind, damit es gut laufen lernt. Aber das ist glücklicherweise total überholt. Also man braucht eine gewisse Hirnreife und man braucht eine gute Rumpfstabilität. Deswegen ziehen die Kinder sich auch andauernd hoch. Und dann lernen die am besten, so lernen sie am besten laufen, wenn du sie dann quasi frei laufen lässt. Und deswegen kann man halt auch sagen, lass sie so barfuß wie nur möglich laufen. Und deswegen soll dann auch der Schuh nur wie eine Hülle sein, der all das unterstützt, was sie bereits schon können. Also auch nicht mit Kindern an den Armen laufen lassen. Also ich glaube, es ist emotional ein schöner Moment für Mama und Papa, aber fördern tust du damit nichts. Ich würde gerne mal deine persönliche Meinung aus. Ich war vor ein paar Wochen auf einer Taufe eingeladen und gucke natürlich auch mal nach den kleinen Kindern. Ist ja natürlich so, hat man ja einen Blick und so. Und dann sah ich auch so ein ganz süßes kleines Mädchen, gerade laufen gelernt. Und man hat richtig gesehen, was für ein Fremdkörper an ihrem. Also die hat ja dann einfach so super süße Sneaker an. Und ich kann mittlerweile sofort, wenn ein Schuh zu gut aussieht, dann ist er eigentlich zu klein. Also ich glaube, das ist eine Frage, die ich habe. Wie oft sollte man Kinderfüße messen lassen? Und wie erkenne ich, wann Schuhe zu klein sind? Was empfiehlst du? Wie oft man das kontrollieren sollte? Also das ist ja, glaube ich, einfach, weil die Größe ist ja sehr entscheidend. Und wir wissen ja, dass Kinderfüße auch sehr, sehr schnell wachsen. Im Durchschnitt wachsen Kinderfuß ein bis zwei Millimeter pro Monat, so als Standard. Es gibt manche Kinder, die wachsen super schnell, dann geht es auch mal vier, fünf Millimeter. Und jetzt kommt aber ein sehr, sehr spannender Punkt. Eine Schuhgröße, also wenn du zum Beispiel von Größe 20 auf Größe 21 wechselst, sind nur knapp sieben Millimeter. Das heißt, wir haben da gar nicht so viel Spielraum. Es ist immer gut, alle vier Wochen mal zu checken, wie viel der Kinderfuß gewachsen ist. Alle vier Wochen. Das ist auch krass. Also wir müssen anfangen, das runterzubrechen, dass es niedrig komplexer wird. Einfach nur kurz auf ein Blatt Papier stellen oder meinetwegen immer den gleichen Habitus haben, Kind an die Wand mit der Ferse und dann einfach nur vorne eine Markierung machen und dann einfach kurz checken. Also wie misst du dann von der großen Zehe bis zum… Bei den Kindern ist es in der Regel immer so, dass die große Zehe der längste Teil ist. Wenn das Erwachsenen-Füße sind, gibt es dann auch irgendwann die Tendenz, dass manchmal die zweite Zehe länger ist. Aber bei Kindern ist es meistens die große Zehe. Fuß immer unter Belastung. Und dann ist halt wichtig, wenn du halt immer barfuß gemessen hast, misst du auch weiter immer barfuß. Wenn du immer mit einer dünnen Sorge gemessen hast, misst du halt auch weiter. Also damit du immer in dem gleichen Schema bleibst. Und dann einfach nur Ferse und große Zehe. Und woran siehst du, wenn du guckst ja auch jedem auf die Füße? Ja, wann die Schuhe zu klein sind? Ja, das ist jetzt, das ist eine ganz spannende Frage, weil das ist unglaublich stark abhängig von der Schuhform. Also ich rede jetzt mal nur von Barfußschuhen. Also da, wo quasi die Vorfußform. Dem Fuß entspricht. Und dann ist es auch nochmal sehr abhängig, wie die Konstruktion des Schuhs ist. Aber wenn du in der Regel merkst, du hast in dem Schuh mit Socke unter Belastung noch so 5-6 Millimeter Platz, dann ist es schon Zeit, dass du losgehst und ein paar neue Schuhe holst. Das ist die Regel für 5-6 Millimeter unter Belastung. Weil wir haben eine sogenannte Abrollbewegung des Fußes Und das ist auch die Regel für einen Schuh, der extrem gut passt. Also alles hier so halb passend und noch auf dem Keil stehend und so, davon rede ich nicht. Ich rede von einem sehr gut passenden Schuh. So und wenn du dann noch 5-6 Millimeter hast, dann gehst du schon los und holst ein paar neue. Und auf jeden Fall diese Abrollbewegung bedeutet, dass in dem Moment, wo die Ferse vom Boden abhebt, hast du mehr Belastung auf dem Vorfuß und dann kommt der nochmal mehr in Streckung und nochmal mehr in Belastung. Und das ist so das Minimum, was die Zehen an Platz brauchen. Wenn du jetzt einen konventionellen Schuh hast, wo die große Zehe sowieso schon nach innen gedrückt wird und wo du meinetwegen den Fuß dann auf die Einlegesohle stellst und du siehst, ach ja, die zweite Zehe und dritte Zehe, die hätte ja eigentlich noch Platz von der Länge, aber die große Zehe stößt schon an. Dann musst du eigentlich sofort den Schuh tauschen. Und jetzt kommt folgendes Problem. Es kann sein bei konventionellen Schuhen, weil die große Zehe so nach innen gedrückt wird, dass selbst wenn du eigentlich von der Länge her der Schuh passen würde, er gar nicht passt, weil die große Zehe schon Druck bekommt. Und deswegen ist die Barfußform das absolute Nonplusultra. Kein anderen Schuh. Kein anderen Schuh. Also schon gar nicht für Kinder. Und für Mamas und Schwangere auch nicht. Ja, das ist auch nochmal wichtig. Und vor allen Dingen auch für Sportler. Sportler sowieso, die ganze Industrie müsste sowieso revolutioniert werden, weil ich bin felsenfest überzeugt, dass dadurch die Verletzungsrate um 80 Prozent nach unten gehen würde. Also wenn ich damals schon mit Barfußschuhen gespielt hätte, hätte ich glaube ich meine Karriere auch nicht so schnell beenden müssen, wie ich sie beenden musste. Okay, welchen Sport hast du ausgeübt? Handball. Okay, und du hattest Knieverletzungen? Genau, ich habe beim SC Magdeburg gespielt, mit 16 ersten Kreuzbandriss, mit 22 den zweiten und zwischendrin noch dreimal operiert und dann war Feierabend. Habt ihr gehört, 80 Prozent, sagt Nadine. Also das ist jetzt, es gibt da keine Studie, das ist meine eigene Wahrnehmung, weil ich bin ja gelernte Oldobidischuhmacherin und ich habe quasi von Anfang an, als ich das gelernt habe mit meinen Hallenschuhen, Und ich habe so viel rumexperimentiert mit orthopädischen Einlagen und so weiter. Und ich hatte aber ein absolutes Aha-Erlebnis. Und zwar, ich bin eine leidenschaftliche Sportlerin. Und als ich schon kein Handball mehr gespielt hatte, mein Knie ist trotzdem gut operiert worden, dass ich danach weiter spielen konnte, war ich mit meinem Sohn Fußball spielen, natürlich in zu engen Schuhen. Und zack, schlage ich mir das Knie durch. Und dann habe ich gedacht, okay, warte, wir machen jetzt ein Experiment. Weil ich spiele sehr gerne Beachvolleyball. Und immer, wenn ich Beachvolleyball spiele, hast du nichts? Gar nichts und ich habe mich gefragt, warum verdrehe ich mir das Knie nicht und warum schlage ich mir mein Knie nicht durch, warum passiert das nicht so? Dann bin ich mit ihm Fußball spielen gegangen, mit Barfußschuhen und da habe ich so gedacht, krass, was habe ich denn für eine Bodenhaftung und woher kommt die Bodenhaftung? Weil die große Zehe in der richtigen Position ist und sie kann sich nach unten drücken, also der Großzehenbeuge aktiviert sich quasi und damit passiert. Was? Es kommt zu einer kompletten Körperspannung, weil unsere Muskulatur in kompletter Spiraldynamik aufgebaut ist. Das heißt, wenn die Muskulatur des Fußes arbeiten kann, dann aktiviert sich sofort deine Wade, dein Oberschenkel, dein Gesäßmuskel und dein Rumpf. Und da habe ich so gedacht, das ist ja krass. Und da habe ich so gedacht, oh mein Gott, ich arbeite jetzt in diesem Beruf seit mehr als 15 Jahren und es hat mir niemand erzählt. Ich habe tausende orthopädische Einlagen gebaut, so wie alle sie gebaut haben, immer den Rückfuß korrigiert, aber immer mit der falschen Vorfußform. Niemand achtet auf die große Zehe, auch in der Orthopädie nicht. Und dann habe ich verstanden, das kann doch gar nicht sein. Das ist ja mindblowing. Wenn das im Sport sich durchsetzen würde, dann würden die Verletzungen nach unten knallen. Einfach deswegen, weil die ganze Muskulatur automatisch in Spannung kommen kann. Ja und die Gelenke dadurch geschützt sind. Genau. Also Wahnsinn. Wirklich Wahnsinn. Aber ich frage mich, gerade bei Profifußballern und so weiter, also wenn man da den Schuh sieht, der ist ja wirklich extrem eng. Deshalb haben die ja, glaube ich, auch sehr starke Probleme mit ihren Füßen, mit den Zehennägeln und so weiter. Es gibt so viele Physiotherapeuten, die sozusagen damit arbeiten. Ich habe so das Gefühl, es kommt gerade so ein bisschen Schwung rein. André Schüle trägt nur Barfußschuhe. Ich glaube, da kommt gerade so ein bisschen Bewegung rein. Das ist meine Wahrnehmung. Ich weiß nicht, ob ich mich in der Blase, aber ich habe natürlich ein anderes Bewusstsein. Ich muss ganz ehrlich persönlich sagen, ich weiß das alles, was du mir erzählt hast, aber ich habe natürlich auch, es fällt mir schwer sozusagen, also ich laufe unglaublich gerne barfuß und viel barfuß. Bei meinen Kindern habe ich das auch, die machen das auch. Also wir laufen sehr, sehr, sehr viel barfuß. Aber ich habe natürlich auch einen Schönheitsblick, der, das ist einfach schwierig, weil es einfach, er ist so geformt worden. Also deshalb sage ich ja, wäre das ganz anders geprägt worden, dann wäre es einfach auch nicht so in meinem Kopf. Du hast heute sehr, sehr schöne Schuhe an, die gefallen mir gut. Aber das ist natürlich, bei den Kleinen finde ich es auch gar nicht mehr so. Da gibt es natürlich auch jetzt eine viel größere Auswahl und mehr Firmen steigen darauf um. Aber meinem 14-jährigen Teenager, den du ja selber auch gesehen hast und der eine Problematik mit seinem Knie hat, der trägt seine, also um jetzt nochmal auf die Fußgesundheit zu kommen, du hast uns Zehenspreizer empfohlen. Das kannst du ja vielleicht nochmal kurz erklären, warum. Also genau, ich habe einen 14-jährigen Sohn, der sehr, sehr viel Sport macht und der immer wieder Knieprobleme hat. Und dann habe ich ihn zu Nadine geschickt. Ja, also das Phänomen der Zehenspreizer ist halt folgendes. Also wie gesagt, durch dieses zu enge Schuhwerk, durch die zu schmalen Zehenboxen, werden die Zehen halt komplett eingeengt und damit sind sie nicht in der Funktion, in der sie eigentlich sein sollten, weil mit der ganzen Zehenaktivität unseres Fußes steigert sich die komplette Stabilität unseres Fußes und die Muskeln werden aktiviert. Und was der Zehenspreizer halt macht, ist, dich quasi aufzuspreizen, damit das Gehirn die Rückmeldung bekommt. Ach krass, hier sind ja ganz viele Muskulatur oder Muskeln, die arbeiten können, die kannte ich ja gar nicht mehr, die habe ich ja noch nie angeregt, dass sie arbeiten können. Und das passiert halt quasi passiv durch diesen Zehenspreizern, dass überhaupt erst mal wieder das Feedback kommt, ach so kann sich eigentlich Stabilität anfühlen. Und das ist, finde ich, eigentlich die schönste Art, weil man muss sich nicht viel anstrengen, man muss sich nicht viel disziplinieren, außer dieses Ding anzuziehen. Und es kommt sofort ein Feedback zu deinem Gehirn und damit wieder zur Muskulatur, wie sich das eigentlich anfühlt, wenn der Fuß richtig arbeiten kann. Und auch einfach Muskelaufbau. Und genau, automatisch betreibst du damit Muskelaufbau. Wie lange würdest du sagen, dass man Zehenspreizer so tragen sollte? Also ich finde es am aller, aller wichtigsten, dass du überhaupt erstmal einen Impuls gibst. Also wenn du allein schon 10, 15 Minuten, ich will die Schwelle auch nicht so hoch machen, weil wenn die Schwelle schon wieder zu hoch ist, dann ist schon wieder die Hälfte nicht dabei und sage, ach, ist mir alles so anstrengend. Lieber 10 bis 15 Minuten pro Tag als gar nicht. Worauf sollte man achten, wenn man Zehenspreizer kauft? Also es gibt auch viele verschiedene Zehenspreizer. Also auch einerseits, dass das Material bedenkenlos ist und dann, dass es ein sehr, sehr weiches Silikon ist. Das ist nicht einschnürt, ne? Einerseits nicht einschnürt und andererseits, es gibt auch sehr viele harte und die finde ich persönlich zu drückend. Also man darf auch vom Zehenspreizer erwarten. Natürlich ist es ungewohnt, aber er darf auch einen gewissen Komfort haben. Also auch damit sollte man sich sehr wohlfühlen. Ich habe eine Frage an dich, weil ich war, bevor wir uns hier getroffen haben, war ich auf einer Veranstaltung und da habe ich kurz erzählt, dass ich jetzt gleich einen Podcast aufnehme zur Fußgesundheit bei Kindern und, die Frau, mit der ich mich unterhalten habe, die hat mir dann erzählt, dass sie sozusagen eine Halux-OP hatte und da meinte ich so, ja, aber das ist auch das Problem, dass du ja wahrscheinlich dein ganzes Leben lang einfach falsche Schuhe, ne? Es ist genetisch, hätte man nichts ändern können. Also mein Mann und ich möchten ja dieses Thema mehr in den Mittelpunkt drücken und wir überlegen uns gerade ganz viele Marketingmaßnahmen, was man da machen kann. Und wir haben zum Beispiel überlegt, ob wir ein Poster machen. Wo man einmal den schiefen C von Lisa sieht, also den Halux Fagus und dann neben den schiefen Turm von Pisa stellt. Und dass die Leute sich dann fragen, okay, was haben die gemeinsam? Und wir haben so oft Kunden bei uns im Laden, die sagen, ja, ja, das ist genetisch, das hatte schon meine Mutter und das hatte schon meine Oma. Und dann sage ich immer, ich glaube nicht, dass das genetisch ist. Ich glaube, deine Mutter hatte schon das falsche Schuhwerk und deine Oma hatte schon das falsche Schuhwerk. Und natürlich, wenn du halt die Jahre, die Schwangerschaften, das erhöhte Gewicht mal die Schritte, das hält der Fuß nicht aus. Irgendwann geht er in die Grätsche. Und das Krasse ist, warum ist es immer die große Zehe, die deformiert wird? Weil die große Zehe ist mit Abstand die dickste am Fuß und der erste Strahl, also der Mittelfußknochen ist auch der dickste. Und warum? Weil darüber die meiste Last läuft. Das heißt, der muss in der besten Position sein und genau der wird weggedrückt. Und natürlich kannst du die Last irgendwann nicht mehr tragen. Und dann passiert genau das, dass der Halux valgus eben so stark wird, dass er operiert werden muss. Ich wäre da ganz, ganz vorsichtig. Wie ist deine Meinung zu diesen OPs? Also ich kenne jetzt nicht jeden einzelnen Fall. Aber wir hatten gestern zum Beispiel wieder eine junge Dame, hatte ein Kind, drei Jahre, hat das auch überlegt. Da habe ich gesagt, auf gar keinen Fall, du hast eine Tendenz dazu, aber bitte fang sofort an. Zehenspreizer. Zehenspreizer, Barfußschuh. Und dann habe ich ihr einfach nur den Mittelfuß getapet. Ich mache das manchmal, wenn Leuten, weil ich es so sehr liebe, den Menschen zu helfen und man kann mit Tape... Kleiner Aufwand, extrem krasse Wirkung erzielen und auf jeden Fall habe ich der den Mittelfuß getapet, also einfach nur, das sind ja unsere fünf Röhrenknochen und die werden einfach durch das Tape zusammengezogen, mehr zusammengepresst und damit nehme ich Druck aus dem Großzehengrundgelenk raus, dass das quasi nicht noch mehr nach innen weg pfeift und die Kundin spürt in dem Moment, wo du sofort, sobald du dieses Tape drum hast, spürt die sofort eine Entlastung. Also machst du es sehr eng da drum? Genau, es sind immer diese Kinesio-Telten. Da gibt es ja immer die Regel, man zieht 100 Prozent auf und geht 50 Prozent zurück, damit du nicht zu viel Druck hast. Aber du kannst beim Anfang, wenn der Fuß recht breit ist und meinetwegen auch ein Schmerz da ist, kannst du es voll aufziehen und dann auch einfach drum machen. Da kannst du auch nicht so viel falsch machen. Du hast ja sozusagen ganz anders gelernt. Also du hast es ja gerade gesagt, du bist orthopädische Schuhmacherin. Und wann, also du hast es vorhin mal so ein bisschen kurz angeschnitten, deshalb will ich da gerne nochmal reingehen, dass du halt schon immer experimentiert warst, Leistungssportlerin, hast dann diese Ausbildung zur orthopädischen Schuhmacherin gemacht und hast gesagt, selbst da wurde sozusagen eigentlich das nicht berücksichtigt. Deine eigene Sportverletzung hat dieses Umdenken bei dir gemacht oder hast du da, also wie kam das nochmal so? Also das Schlüsselerlebnis war tatsächlich das Fußballspiel mit meinem Sohn. Und wie lange ist das jetzt her von deinem ältesten Kind? Das ist der mittlere, das Fußballspiel, dieses Erlebnis ist jetzt bestimmt 15 Jahre her, so Pi mal Daumen. Aber wann hast du deine Firma gegründet? Lieblinge haben wir 2013 gegründet und meine Maßschulmacherei habe ich 2004 gegründet und meine Ausbildung begonnen habe ich 1996. 96. Und mit dem Handball musste ich aufhören Dezember 98. Also so die Erkenntnis kam, ja, so irgendwas. 2013. So Pi mal Daumen. Und dann hast du auch für dich gleich, also davor hast du halt als orthopädische Schuhmacherin. Ja, und als Maßschuhmacherin baust du ja nur Ästhetik. Also da geht's nur um was anderes. Da geht's nur um Schuhkunst und welches Leder und wie abgefahren irgendwas aussehen kann. Und du baust die Schuhe so, dass sie so aussehen wie die ganzen gestylten Autos, also sieht auch wirklich toll aus, hohe Handwerkskunst, aber halt funktional voll Panne und voll daneben. Aber das Krasse ist, und das ist bis heute so in der Orthopädie, es gibt, keinen Fokus auf die große Zehe. Gar nicht, gar nicht. Es gibt so viele Standardeinlagen, so viele Leute sind extrem unzufrieden mit orthopädischen Einlagen. Ist auch logisch, weil wenn ich eine orthopädische Einlage in die falsche Schuhform bringe, also wo die Zehen vorne zusammengedrückt sind, nochmal explizit die große Zehe, kann es gar nicht die Wirkung entfalten. Das ist völliger Schwachsinn. Also das ist Wahnsinn. Aber das ist jetzt auch gar kein Judging, sondern das ist jetzt einfach die Selbsterkenntnis. Ich habe es ja selber gemacht. Ich habe tausende orthopädische Einlagen und auch ganz viele sensomotorische Einlagen gebaut. Aber all diese Einlagen in der falschen Schuhform haben keinen Nutzen. Viele Kinder leiden ja gerade im Wachstum auch so an Fersenschmerzen. Also gerade wenn sie viel Sport machen und so. Woran liegt das? Ist das auch das Zusammenspiel, dass der Fuß so? Also gerade so, das habt ihr schon ganz oft gehört, dass sie Schmerzen haben in der Ferse. Also einerseits können es Wachstumsschmerzen sein, da muss man halt immer gucken, ist es der Ansatz Fersenbein-Achillessehne, also das was in die Wade reingeht oder ist es Fersenbein-Plantaraponeurose, also das was quasi in den Fuß geht. Aber das Spannende ist, egal wovon man zieht, also wenn das Fersenbein quasi gezogen wird, entweder nach vertikal oder in die Horizontale, es ist immer irgendwo zu viel Zug drauf. Und dann muss man halt gucken, okay, sind die Antagonisten und Protagonisten stark genug ausgeprägt? Welcher Muskel zieht mehr? Welcher ist zu schwach? Also da muss man sehr stark… Wo gehe ich damit hin? Am besten zum Sportphysiotherapeuten, der eine Passion hat für Sportler. Okay. Sind dann Einlagen generell sinnvoll bei Sportlern? Mit problematischen Schuhen oder bist du einfach komplett von deiner, was du gelernt hast, abgekommen und sagst du eher so, nee, das ist das Schuhe oder wann macht sozusagen, es sind schon orthopädische Einlagen? Also wenn du ein Schmerzpatient bist, macht eine orthopädische Einlage total Sinn. Also das war zum Beispiel auch der Grund, warum wir Barfußschuhe mit in unseren Store genommen haben, weil wir manchmal Kunden da hatten, die hatten Sonne, Probleme mit ihren Füßen und dann habe ich gesagt, okay komm, ich baue euch eine orthopädische Einlage. In einem Barfußschuh. In einem Barfischo, genau. Und zwar einfach um als erstes erstmal eine Akutversorgung. Also die ersten zwei, drei Monate, wir kriegen jetzt erst mal den Schmerz raus und wenn wir den Schmerz raus haben, dann fangen wir an in die Bewegung wieder zu gehen. Welche typischen Warnzeichen? Also jetzt hast du uns ganz, ganz viel Wissen geteilt. Ich glaube, was einfach super wichtig ist, weil es immer noch nicht bei allen Eltern auch so dem bewusst ist, wie wichtig einfach gerade die Zehn, also dass der Fuß umhüllt ist. Aber welche typischen Warnzeichen, wenn man jetzt vielleicht nicht so einen optimalen Start gehabt hat mit seiner Schuhkaufwahl beim Gehen oder beim Stehen, worauf sollten Eltern achten. Also oder was nimmt man bei Kindern wahr, die einfach von Anfang an vielleicht das falsche Schuhwerk getragen haben? Was sind so Fußfehlentwicklungsstellungen? Okay, also für mich sind so klassische Warnzeichen. Das haben übrigens oft Kinder, die in Sneakern rumlaufen. Die gehen so ein bisschen wie so ein Roboter. Also die haben quasi keine weiche Abrollbewegung aus dem Sprunggelenk, sondern die Starksten, die gehen aus der Hüfte und die taumeln so ein bisschen umher. Ja, das ist ein ganz, ganz klares Zeichen, dass diesen Kindern motorischer Input fehlt und die Motorik entwickelt sich nur durch Sensorik. Also das heißt, da Schuhe aus, die fette Sohlen haben, Barfuß laufen oder dünne Sohlen und du wirst sofort merken, wie die sich besser fühlen im Raum, wie die das besser spüren können. Also das ist was ganz Wichtiges, wenn Kinder so rumtapsen. Und dann was anderes, was ich noch ganz wichtig finde, wir hatten letztens eine Kita-Gruppe bei uns im Laden. Wie eine Kita-Gruppe? Na, wir lassen manchmal so Kita-Gruppen zu uns in den Laden kommen und dann machen wir so Fußabdrücke mit denen und dann laufen die mal über den Barfußpfad. Und was sehr auffällig ist, dass ganz viele Kinder keine Ausprägung mehr haben, rückwärts zu laufen. Und einfach den Kindern dieses Spielerische beizubringen, Freude an Bewegung zu haben und gerade rückwärts laufen steuert so andere muskuläre Ketten an und es ist ganz wichtig, dass die Kinder daran gewöhnt werden, dass sie auch so ein Selbstvertrauen kriegen, so in gewissen spontanen Situationen, die sie nicht vorhersehen können, auf einem Bein zu stehen oder abrupt mit dem Fahrrad abbremsen zu können, ohne dass sie hinfallen und so eine Sachen. Und das sind so Sachen, die ganz, ganz wichtig sind, dass die Kinder darin gefördert werden. Was mache ich, wenn mein Kind nicht barfußlaufen mag? Eventuell eine Socke anziehen, wenn es das immer noch nicht mag, bei uns vorbeikommen und einen Schuh anziehen, wo eine dünne Gummisohle drunter ist. Also es gibt manche Kinder, ich habe das bisher ganz, ganz wenig erlebt, die wie hypersensibel gegen die sensorischen Reize in der Fußsohle waren. Und dann muss man gucken, dass man das ein bisschen hemmt. Gibt es etwas, was du sagst, du hast es gerade schon ein bisschen angesprochen, was man zu Hause gut fördern sollte für eine gesunde Fußentwicklung unserer Kinder? Was würdest du machen? Viel barfuß laufen, wenn man viel drin ist. Also ich würde ja immer sagen, so viel wie möglich raus, so viel wie möglich unterschiedliche Untergründe. Lass die Kinder auf Bäume klettern. Lieber sollen sie mal… Barfuß? Ja und nein. Also wenn die Rinden nicht zu krass sind und unten nicht unbedingt Rosen sind, dann gerne barfuß. Aber wenn man viel Indoor sein muss, zu gucken, ob es irgendwie geht, motorische Reize setzen zu können. Hier ein paar Kletterpads an der Wand, da eine Sprossenwand, irgendwo, wo die hangeln können, wo die Reize kriegen. Würdest du unterschiedliche Untergründe auch empfehlen zu Hause? Was so jeder so zu Hause hat, also fällt dir da jetzt was ein? Wir haben ja im Laden diesen... Das ist ein Teppich. Ja, das ist so ein Teppich mit so verschiedenen Holzpads drauf. Das hat man ja jetzt nicht unbedingt zu Hause. Aber damit, das hat halt noch die Funktion, dass du viele, die können damit halt auch viel spielen. Das hat halt auch so eine Spielfunktion. Also ansonsten ist es allein schon cool, das Wechselbad zu haben von Fließe, Holzboden und Teppich. Und wenn du dann natürlich noch irgendwie so eine weiche Matte hast, wo die so ein bisschen Sport drauf machen können, sind das auch schon coole Sachen. Oder ich habe jetzt so gedacht... Dass man vielleicht auch mal sowas macht wie, man macht irgendwie in eine Schüssel Reis und dann geht man einfach mal auf Reis zu Hause oder auch so. Also wenn man das möchte, also wenn man das hinkriegt mit seiner unterschiedlichen Wahrnehmung der Sauberkeit mit Reis und Erbsen oder Linsen, ist natürlich fantastisch. Also schon verschiedene Untergründe. Oder auch mal so Rindenmulch, was so ein bisschen stachelig ist, was die Kinder zum Anfang gar nicht wollen, aber nur weil sie es nicht gewöhnt sind. Ich finde ja, einer der schönsten Ausflugsziele in Berlin ist ja der Barfußpark in Belitz. Ist für mich wirklich so ein Ort, wo ich super gerne hinfahre. Nicht, weil ich das, also das Barfußlaufen ist super toll, aber auch, weil es sich in dem Wald dann die unterschiedlichen Materialien, Also es ist wirklich für Kinder, finde ich, ohne Anleitung, weißt du, sondern einfach jeder geht seinen Wege und sich zu spüren. Also ich finde, das ist wirklich, und es ist krass, wenn man mal so über Bucheckern geht. Dann gibt es ja auch ein Stück, wo man über Glas, also so. Dann ist aber auch total cool, wenn du so durch diesen Schlamm gehst, also so. Ja, Wahnsinn. Dann Mulch, wie du gesagt hast. Also kennst du den? Tatsächlich, ich war noch nie da. Du warst noch nie da? Nee, das hängt aber damit zusammen, wir haben ja hier unseren eigenen Garten. Und du hast das zu Hause. Das ist unsere Sommerresidenz und ich sage dir, wenn ich frühmorgens aufwache, von der Sonne geküsst werde und dann gehe ich barfuß durch die Wiese, ich bin da im siebten Himmel. Ich bin da so connected und so aufgeladen und dann duften auch überall die Rosen und dann merke ich so. Da muss ich jetzt, also ich habe mir vorhin gerade, als ich hierher gefahren bin, habe ich gedacht, wir müssen jetzt unbedingt mal zu diesem Barfußpark fahren nach Belitz, aber wir laufen schon die ganze Zeit barfuß im Garten rum. Das ist auch cool. Wenn du Wünsche frei hättest, drei sagen wir jetzt mal so, was würdest du dir wünschen für die Fußentwicklung von allen Kindern? Ja, das Erste, was ich mir wünschen würde, dass es ein staatliches Pflichtprogramm gibt in allen Kitas und Schulen, dass Bewegungsparks für die Kinder angelegt werden. Ganz viel, ganz, ganz viel draußen sein, ganz viel motorische Erlebnisse, ganz viel Herausforderungen, dass die Wahrnehmung und Selbstbewusstsein kriegen. Dann das zweite, natürlich, dass es, dass Sonnenspot in der Gesellschaft auf unseren Fuß gelegt wird, wie er jetzt auf das Gesicht gelegt wird. Und das dritte, dass alle Frauen mit der Barfußschuheform versöhnt sind. Das ist gut. Zu deinem ersten Punkt, den du genannt hast, hast du wirklich so, du siehst ja so viele Kinder, viele Menschen mit sehr viel hohem Leidensdruck kommen ja auch zu dir und suchen dich auf. Hast du das Gefühl, dass Kinder immer mehr Probleme mit Bewegung haben? Ja, also wie viele Diskussionen wir wegen diesem bekloppten Handy haben. Kann sich niemand vorstellen. Mit deinen eigenen Kindern meinst du jetzt gerade? Ja, die gehen glücklicherweise in eine sehr, sehr coole Richtung. Aber wenn ich zum Beispiel im Café sitze und ich sehe, dass die Grundschüler kommen und alle hängen nur noch und daddend vor diesen Handys rum. Und dann merke ich so, oh mein Gott, also im Gehirn schrumpfen so viele Areale, weil keine Reize mehr gesetzt werden. Und ich merke, das würde ich mir wirklich wünschen, dass da ein ganz anderer Move entsteht, weil faktisch haben die Kinder viel zu wenig Bewegung. Und was aber mit dieser Bewegung einhergeht ist, dass ja auch was in dir angelegt wird, dass du eine Befriedigung bekommst durch Bewegung, dass du nicht sofort zum externen Reiz wie dieses Handy willst, was dich ja immer nur beschallt und was dir immer nur Input von außen gibt. Sondern du merkst, ich kann aus mir kreieren, so was ich möglich in der Lage bin, was ich gestalten kann, was ich machen kann. Das ist auch mal mit Anstrengung verbunden, ja und das ist auch mal mit Schmerz verbunden, aber das ist wunderschön, weil du bist der Kreatur deines Lebens und das fängt halt bei den Kindern an. Und wenn du den Kindern im kleinen Alter eine Freude an Bewegung gibst und eine Freude an Entdeckung, dann kreierst du einen Schatz für die Kids im Teenie-Alter und dann gehen die anders durch ihre Pubertät. Und dann sind das auch mündige Erwachsene, die halt sagen, ich will gar nicht besudelt werden, sondern ich will es selber gestalten. Und das ist das, was ich... Das ist schon an der Bewegung der Kleinsten sozusagen. Ja, das ist etwas, was ich mir so, so sehr wünsche. Eine letzte Frage noch, weil sie aktuell mich gerade begleitet. Ich weiß auch immer nicht, man vergisst ja wirklich auch so viel, wenn man mehrere Kinder hat. Schleife lernen, so als Schulexpertin. Was hast du für Tipps? Oder ab wann sollte man das können? Also ich habe ja jetzt einen Sechsjährigen und ich muss ganz ehrlich gestehen, da sind wir irgendwie noch nicht. Ja, also ich denke, jedes Kind, was in die Schule kommt, sollte in der Lage sein, die Schleife zu binden. Naja, stell dir mal vor, du gehst zum Fußballverein und sagst zu deinem Trainer, Trainer, ich kann in die Schule nicht binden, kannst du mal bitte machen? Das ist total Panne und das Krasse ist, mein Kleiner konnte das auch lange nicht und natürlich kann man jetzt sagen, ja, das ist immer Aufgabe der Eltern, aber ich merke auch, nee, es ist auch Aufgabe der Kita, weil die haben auch viel Zeit und das ist auch ein motorisches Spiel, was in die Kita gehört, finde ich. Und auf jeden Fall, er hat das jetzt von einer Freundin in der Kita gelernt. Und er ist jetzt so stolz, dass er Schleife binden kann. Und wieder hat es was mit Selbstwirksamkeit zu tun. Er ist stolz, dass er es kann. Also er hat es in der Kita gelernt? Nicht ich, ich habe es ihm beigebracht. Er hat es von einer Freundin in der Kita gelernt. Und macht der es so mit diesen Zweiöhrchen? Er nennt es auch immer Mäuseohr. Und sie machen immer beide diese Schleifen. Und dann, ich kriege das motorisch in meinem Kopf gar nicht. Weil du es alles gelernt hast? Ja, weil ich es alles gelernt habe. Ich kann das auch gar nicht nachvollziehen. Ich habe auch so eine Spiegelverkehrschwäche. Genau, aber er kriegt es jetzt auf jeden Fall hin und ist total happy. Ja. Liebe Nadine, vielen Dank. Sehr gerne. Ich glaube, wir konnten sehr gut aufklären. Was ich mir wünschen würde, wenn jemand diesen Podcast hört, der vielleicht mit Sportschuhen zu tun hat. Ich finde eigentlich, ich denke, dass jedes Mal, wenn ich mich mit Nadine unterhalte, oh mein Gott, man könnte doch eine ganze Industrie revolutionieren. Dann solltet ihr euch einfach bei Nadine melden. Alle wichtigen Infos zu ihrem wunderbaren Laden, den sie gemeinsam mit ihrem Mann Oliver führt. Gehört auch noch eine zweite Hälfte dazu, verlinke ich euch in meinen Shownotes und guckt euch jetzt mal ganz genau die Schuhe eurer Kinder an, die Sohle, ob sie weich genug sind, ob die Zehenbock groß genug ist und wann habt ihr das letzte Mal die Schuhe gemessen. Ich glaube, ganz wichtig. Vielen Dank und noch eine schöne Woche euch. Danke Nadine. Sehr gerne. So, jetzt sind wir auch schon wieder am Ende unserer Folge. Ich hoffe, ihr habt sehr viel mitgenommen zu der Fußgesundheit für euch und natürlich für eure Kinder. Und heute gibt es noch natürlich wieder unseren kleinen Mythen-Check. Und der Mychoss, dass Kinder in zu große Schuhe einfach hineinwachsen, hält sich immer noch hartnäckig, stammt aber aus einer Zeit, in der man Fußgesundheit noch kaum verstand. Studien zeigen heute, dass zu große Schuhe das Gangbild verändern und die Muskulatur überfordern können. Kinder rutschen darin oft unbemerkt nach vorn, stolpern, spannen ihre Zehen an und wickeln auf die Dauer einen unsauberen Bewegungsablauf. Statt gesunder Entwicklung entstehen so Fehlhaltungen und Überlastungen. Moderne Fußexpertinnen empfehlen daher, regelmäßig die Füße zu vermessen, habt ihr gerade gehört bei Nadine, alle vier Wochen und Schuhe auszuwählen, die in Länge und Breite wirklich gut passen. Der sogenannte Daumenbreitplatz, nach vorne ist dabei die richtige Orientierung, aber eben auch nicht mehr. Wenn dir diese Folge gefallen hat, würde ich mich riesig freuen, wenn du den Podcast abonnierst und eine Bewertung oder einen Kommentar hinterlässt. Du hast Fragen an mich, Ideen für Themen oder möchtest deine Geschichte mit mir, mit uns teilen? Dann schreib mir einfach an sissi.atauf-die-ohren.com und ich freue mich riesig über deine Nachricht. Das war Sounds Familiar, der Eltern-Podcast mit Hebamme Sissi Rasche. Eine Produktion von Auf die Ohren. Redaktionelle Leitung Katharina Kern. Aufnahmeleitung Lena Günther. Sounddesign und Postproduktion Nilan Feig. Musik.