Music. Ihr Lieben, es ist Donnerstag und es gibt heute wieder eine neue Folge Soundsfamilie für euch und auch wenn ich schon im Urlaub gerade bin, habe ich natürlich vorproduziert für euch und heute ist es ein Thema, was uns allen sehr, sehr wichtig sein sollte, nämlich es geht darum, genderneutrale, gendersensible Erziehung und wie gelingt uns als Eltern der Weg zu einer klischeefreien Erziehung, was natürlich gar nicht so einfach ist, weil wir natürlich in totalen Rollenbildern aufgewachsen sind, also jedenfalls meine Generation und das ist natürlich einfach gar nicht so einfach, da rauszukommen und ich finde es einfach ein super wichtiges Thema, mit dem wir uns beschäftigen sollten und nicht nur einmal, sondern immer wieder, um einfach immer unseren Blick da wieder hinzurichten, dass es einfach super wichtig ist und gerade mit Kindern. Und deshalb habe ich mir eine ganz besondere Gästin eingeladen, nämlich Sirit Böhm, der ich schon ganz, ganz lange auf Instagram folge und ich mich richtig freue, dass sie heute für dieses Thema extra von München nach Berlin gekommen ist. Sie ist Diversity- und Inklusionsberaterin, Mutter von zwei Kindern und ihr Themenfokus ist einfach genderbewusste Erziehung, Vielfalt und Gleichberechtigung. Ihr findet sie bei Social Media unter Sirit Böhm. Da könnt ihr nochmal alles nachschauen und ich freue mich jetzt einfach auf ein ganz tolles Gespräch. Herzlich willkommen, liebe Sirit. Schön, dass du heute da bist. Wir haben heute ein ganz wichtiges Thema. Also du bringst dir ein ganz wichtiges Thema mit. Und meine, deine Generation, wir sind ja noch so in alten Rollenbildern und Klischees aufgewachsen, dass es ja wirklich manchmal gar nicht so einfach ist. Auch für mich, wo ich immer wieder mich so ertappe, so ich falle in diese Klischees zurück, mit meinen Kindern in diese Rollenbilder. Und genderneutrale Erziehung, du hattest nämlich letzte Woche dazu, ich weiß nicht, ob es letzte Woche war, aber ich habe den Post gelesen, dass du auch nochmal so ein bisschen darauf eingegangen, genderneutral, darüber wollen wir heute reden, aber ist eigentlich auch so ein schwieriger Begriff und du hast dann sozusagen in den Raum geworfen, Gender-Sensibilität. Magst du vielleicht für die Leute, die dich noch nicht von Instagram kennen, wir werden das natürlich ich alles verlinken, nochmal auf diese Begrifflichkeiten eingehen, weil das ist ja wirklich so, genderneutral ist ja schon einfach, ja, also finde ich schon schwierig. Also deshalb fand ich eigentlich so, wie du es erklärt hast, mit der Gendersensibilität einfach richtig toll. Da würde ich einfach gerne anfangen mit dir. Sehr gerne. Ich freue mich hier zu sein und dass wir über das Thema sprechen. Genau, also ich habe angefangen, mein älteres Kind ist ja jetzt drei Jahre alt und als ich dann schwanger war, mich intensiver damit zu beschäftigen und war am Anfang auch so, dass ich gesagt habe. Geschlechtsneutral, wollen wir dieses Kind erziehen und vor allen Dingen war die Bedeutung davon für mich am Anfang auch, wir kaufen viele neutrale Farben, dann denkt man meistens an beige oder gelb und sowas und im Laufe der Zeit hat sich mein Verständnis davon, weiterentwickelt und verändert, sodass ich jetzt eigentlich sagen würde, der für mich Der stimmigere oder richtigere Begriff ist eigentlich geschlechtersensibel oder gendersensibel, weil ich glaube, Neutralität ist da gar nicht möglich. Also du kannst gar nicht komplett neutral sein. Unsere Welt ist ja komplett geprägt von dieser Dichotomie in Mann-Frau. Also es wird ja super viel eingeteilt in Mann-Frau. Kennst du wahrscheinlich auch, dass du schon vor der Geburt häufig gefragt wirst, was wird es denn? Schon da fängt es ja an, dass du dich irgendwie positionieren musst und vieles über dieses Geschlecht eben. Darf ich da gleich was reinfallen? War es bei dir so, dass du jedes Mal wusstest, das Geschlecht deines Kindes? Beide Male nicht. Also wir haben uns beide mal überraschen lassen, was ich auch mega schön fand und absolut empfehlen kann. Aber ich weiß, dass es ganz, ganz viele, also ich glaube, der Großteil, weißt du wahrscheinlich noch besser aus der Hebammenarbeit, nicht so machen. Ich persönlich fand diesen Überraschungseffekt einfach auch total schön bei der Geburt, dass du dann so dieses, also ich hatte ja zwei sehr schöne Geburt und dann hast du so dieses krasse Ereignis. Und dann am Ende weißt du ja auch noch, wie dein Baby heißt. Also für mich war es vor allen Dingen eine Frage des Namens, weil wir eben zwei unterschiedliche Namen jeweils gehabt hätten, je nach Geschlecht. Insofern konnte ich auf die Frage immer ganz gut damit reagieren, dass ich es nicht weiß. Aber da fängt es ja schon an und es geht ja dann immer weiter. Und vor allen Dingen, je älter die Kinder werden, desto gravierender wird ja auch, wie sie in diese Rollen eingeteilt werden. Und deswegen finde ich, irgendwann kommst du nicht mehr umhin, dich da zu positionieren. Dann klappt es mit der Neutralität schon allein deshalb nicht mehr, weil du irgendwann eine Entscheidung treffen musst, trägt das Kind lange Haare oder kurze Haare. Im Babyalter ist das meistens noch recht leicht. Da wachsen halt einfach die Babyhaare und dann kannst du den Kindern auch noch vergleichsweise neutrale Sachen anziehen. Aber irgendwann, je älter die Kinder werden. Brauchst du ja eine Haltung, musst du dich entscheiden, darf mein Sohn vielleicht trotzdem lange Haare tragen, auch wenn ich weiß, dass die Gesellschaft darauf oftmals wahrscheinlich mit Irritation reagieren wird. Und deswegen finde ich so wichtig, dass wir uns eher bewusst machen, dass es mehr um eine Sensibilität als eine Neutralität geht, dass es vielleicht eher darum geht, wie kann ich sensibel damit umgehen, dass es in dieser Gesellschaft diese Stereotypen gibt, dass sie uns auch so stark prägen und welchen Weg finde ich damit? Also wie kann ich damit achtsam umgehen? Was bedeutet das für meine Kinder? Und vor allen Dingen ja auch, welche Konsequenzen hat es, wenn ich entweder einfach da mitgehe und auch Stereotyp erziehe oder wenn ich eben sage, ich entscheide mich dafür, dem ein Stück weit was entgegenzusetzen. Ich finde es ganz entscheidend, was du eben gerade gesagt hast, dass es eigentlich schon mit der Schwangerschaft beginnt. Und ich weiß auch gar nicht, warum diese Frage, also das immer so wichtig ist, weil also meine Antwort, ich wusste es auch wie du, viermal nicht. Aber auch wenn ich es, glaube ich, gewusst hätte, es ist einfach ein Baby. Also es ist für mich einfach ein Baby und da gibt es ja auch super viel, wird diskutiert, dass es ja so die Enttäuschung auch bei vielen gibt, die sich halt mehr Mädchen oder Jungen wünschen. Bei mir war es überhaupt nicht immer so, es war immer dieses Baby im Vordergrund, ich wollte gerne ein Baby haben, aber dieses Neutrale zu sagen, da fragt mich, also es ist ja nun mal, wir sind ja einfach so, es ist ein Junge oder ein Mädchen, aber da fängt es ja schon an. Also es gibt ja Mädchennamen und Jungnamen und da finde ich es auch so schwierig, weil für mich ist es total in Ordnung, wenn mein Sohn jetzt nicht in seinem Körper, ihn auf diesem Weg zu begleiten, aber das finde ich ja schon so schwierig. Also dieses, wenn du es wirklich richtig machen willst. Wir wollen ja jetzt immer, also Eltern sein, in unserer Generation ist es so, wir wollen alles richtig machen. Perfekt machen. Und ich glaube, das hemmt einen einfach auch immer so ein bisschen. Weil wenn man da schon sagt, genderneutral, dann wird es ja auch einfach kein Junge und kein Mädchen. Also dann müssten wir ja nicht er und nicht sie sagen. Also das ist, finde ich, einfach schon immer alles. Und das ist mir ein bisschen too much. Also ich finde so dieses sensibel da zu sein, weil... Ganz ehrlich, also ich hatte immer als Mädchen kurze Haare. Ich wurde immer am Arme gesagt, ich bin Junge. Und meine Mutter hat mir immer die Haare kurz geschnitten. Und dann habe ich gesagt, aber ich bin doch ein Mädchen, ich habe Ohrringe. Weil sie hat empfunden, dass meine Haare so dünn sind. Und es würde halt besser sein, wenn sie sie halt immer abschneidet, damit sie dann halt schön dick werden. Also ich habe das sogar selber am eigenen Leib erfahren. Ich wurde immer von Jungen gehalten. Und das finde ich einen total wichtigen Punkt, den du ansprichst. Weil ich glaube, wir müssen uns bei dem Thema schon auch bewusst machen, Das ist ja auch ein psychologisches Grundbedürfnis von Menschen und Kindern, sich zugehörig zu fühlen zu einer Gruppe. Und ich glaube, dass oftmals das Verständnis ist, genderneutral zu erziehen heißt, du entziehst eben dieses Ganze. Du machst es wirklich komplett neutral. Und ich glaube nicht, dass das im Sinne auch der Kinder ist, ihnen diese Zugehörigkeit dadurch ja ein Stück weit zu erschweren oder sogar zu entziehen. Die dürfen sich ja zugehörig fühlen, wenn sie das auch tun zu der Gruppe von Mädchen oder der Gruppe von Jungs. Sondern es geht ja vielmehr darum, dass man ihnen die negativen Konsequenzen, die diese krass Stereotype-Erziehung mit sich bringt, dass man die ihnen versucht, soweit es geht, irgendwie zu enthalten oder sie davor zu schützen. Und dass man ihnen einfach ein Mehr an Möglichkeiten gibt und mehr an Freiheit und nicht sie noch weiter einschränkt. Deswegen finde ich auch immer total wichtig, es geht gar nicht darum zu sagen, ich verzichte jetzt auf alles, was rosa ist oder hellblau ist. Ich verzichte auf Glitzer und Prinzessinnen oder Autos, sondern eher zu sagen, ich biete ihnen einfach alles das an. Also egal, ob ich jetzt einen Jungen oder ein Mädchen habe, ich würde dem Kind beides anbieten. Ich würde sagen, du darfst mit Autos spielen, du darfst aber auch mit Puppen spielen und sich dadurch ein bisschen aus dieser Falle zu lösen, dass man sagt, Jungs dürfen doch nur dieses und jenes und Mädchen dürfen nur dieses und jenes. Aber ich glaube, mit diesem falsch verstandenen Anspruch von genderneutral macht man es eigentlich eher, macht man es nicht besser. Ich meine, da hat ja natürlich die Industrie, in der wir leben, einfach eine ganz hohe Verantwortung. Du bist sozusagen eine Beraterin, die Firmen ja auch darin berät und ich glaube, da müssen wir einfach ansetzen, weil ich habe zum Beispiel auch in Berlin einen Babyladen und einen Onlineshop und für uns war von Anfang an klar, wir haben hier keine Kategorie. Also es ist jetzt nicht einmal die Jungsabteilung und hier ist die Mädchenabteilung, sondern wir sind ein Laden mit Erstausstattung für Babys und die Bedürfnisse von Babys. Und die sind ja nun mal gleich, ob Junge oder Mädchen. Und einfach zu sagen, dass man einfach auch so dieses Farben. Aber ich merke es selber in der Beratung. Ich bin jetzt nicht mehr so viel immer da, aber schon immer wieder, weil ich es auch einfach gerne mache und merke dann halt wirklich. Dass dieses Klischee so sehr in den Köpfen, was vor allen Dingen, wenn Großeltern mitkommen. Wenn ich dann einfach zum Beispiel, wir haben einfach so altrosäfarben, das finde ich super schön und würde ich Junge wie Mädchen anziehen. Aber dass es ganz klar ist, nee, das geht nicht. Man möchte ja auch dieser Generation nicht so auf die Füße, aber was ist da so deine Erfahrung? Wie kann ich da wirklich auch in eine gewaltfreie Kommunikation gehen und einfach das gut rüberbringen, dass wir da einfach umdenken müssen? Mit Familienangehörigen vor allen Dingen. Also was ich persönlich immer hilfreich finde ist, einerseits würde ich vorab immer sagen, je nachdem mit wem du sprichst, dass du einfach auch schaust, wie tief will ich da überhaupt in den Austausch gehen. Also wenn es flüchtige Bekannte sind, finde ich es auch vollkommen fein, einfach nur zu sagen, okay, es muss ja nicht jeder den Weg gehen oder es muss auch nicht jeder Verständnis dafür haben. Und gerade als Eltern hat man ja auch einfach immer knappe Ressourcen. Und ich glaube, gerade bei Themen, die so ein bisschen mehr polarisieren und vielleicht auch Emotionen mitschwingen, darf man ruhig auch als Eltern sagen, ich schone meine Ressourcen und muss nicht allen erklären, warum wir das machen und was genau das bedeutet. Aber klar, wenn es jetzt irgendwie Großeltern sind oder enge Familienangehörige, Bekannte, Freundschaften etc., finde ich es immer gut, wenn du mit so einer grundlegenden Offenheit und Neugierde reingehst und vielleicht auch erst mal Fragen stellst. Also erst mal sagst, was genau stört dich denn eigentlich daran? Wenn jetzt zum Beispiel die Oma sagt, aber Jungs weinen doch gar nicht. Dass du vielleicht erst mal versuchst, darüber ein Gespräch zu führen. Warum glaubst du denn, dass das so ist? Und versuchst zu verstehen, was eigentlich in deinem Gegenüber los ist. Weil meistens ist es ja eigentlich erstmal eine Aussage über dein Gegenüber, nicht über dich oder deine Kinder, sondern es geht ja um deren Glaubenssätze, um deren Vorstellungen, die die haben. Und uns ist glaube ich klar, woher die kommen, weil sie natürlich auch so sozialisiert wurden, dass sie damit aufgewachsen sind, Männer sind so, Frauen sind so und das relativ starre Konzepte sind, wie die jeweiligen Geschlechter sein sollen. Aber ich glaube, da darf man einfach nochmal die Leute selber so ein bisschen challengen auch und fragen, erklär doch mal, warum du das glaubst. Und warum glaubst du, dass ein kleiner Junge mit drei Jahren nicht weinen sollte, wenn er sich wehgetan hat? Also das ist tatsächlich was, was ich mal gehört habe bei uns im Hof, irgendwie mit spielenden Kindern. Und da waren unsere Kinder zwei, glaube ich. Und dann hat das eine Kind dem anderen wehgetan. Und dann meinte die Mutter zu ihrem Kind, sie hat gesagt, Indianer weinen nicht. Und der ist halt gekratzt worden am Arm. Also klar hat er Schmerzen gehabt. Und wenn sowas von einem engen Familienmitglied kommen würde, würde ich einfach darüber ins Gespräch gehen und fragen, warum glaubst du denn, dass man nicht weinen sollte, wenn man wirklich Schmerzen hat? Und gleichzeitig finde ich es auch immer wichtig, je älter die Kinder werden, die kriegen das ja auch mit. Und das prägt ja die Kinder am meisten, dass sie sowas subtil immer wieder hören, solche Sätze. Da fände ich es auch total wichtig, mit den Kindern selbst ins Gespräch zu gehen und zu sagen, du hast jetzt gehört, die Oma hat gesagt, Jungs weinen nicht. Woran könnte das liegen, dass die Oma sowas gesagt hat. Vielleicht hat die Oma in ihrem Leben wenig Männer gesehen, die geweint haben. Aber du und ich, wir wissen ja ganz genau, dass auch Jungs weinen können, weil du weinst ja gerade, du bist ein Junge, du hast Schmerzen, du darfst weinen. Also so finde ich in beide Richtungen auch immer die Gespräche zu führen. Ja, das ist wichtig. Aber wie sehr beeinflussen so diese Stereotype Geschlechterrollen einfach die kindliche Entwicklung? Also ich meine, das ist ja schon... Nicht ohne, was da passiert. Also was ist da deine Erfahrung? Ich glaube, dass sie einen massiven Einfluss haben auf die kindliche Entwicklung. Vor allen Dingen, weil sie ebenso früh anfangen. Sie fangen ja wirklich im Endeffekt schon vor der Geburt an. Es gibt tatsächlich auch Untersuchungen, die zeigen, dass Eltern anders mit den Kindern im Bauch noch sprechen, wenn sie wissen, es wird ein Mädchen oder ein Junge. Wie sprechen sie dann? Sie sprechen zum Beispiel mit Mädchen feinfühliger. Sie sprechen mehr mit Mädchen. Auch das ist was, was sich zeigt. Und wir kennen ja auch die Resultate später. Aber wo man liegt, das finde ich wirklich so. Ja, die Zuschreibung einfach, weil wir denken, kennst du bestimmt auch, Mädchen sprechen mehr. Mädchen sprechen mehr oder Frauen, Mädchen sprechen mehr, sprechen lieber. Jungs sind besser in Mathe, Mädchen sind besser in allem, was irgendwie sprachlich ist. Und das zeigt sich ja dann auch später, aber eben nicht, weil es genetisch veranlagt ist, sondern weil wir von vornherein mit dieser Projektion reingehen und dementsprechend mit den Kindern auch umgehen. Es gibt da ganz spannend diese Baby-X-Experimente. Ich weiß nicht, ob du das wahrscheinlich auch schon mal gehört hast. Wo ja untersucht wurde, wenn wir ein Kind rosa anziehen, egal ob das eigentlich ein Junge oder eigentlich ein Mädchen ist und dann stellen wir irgendwie eine Auswahl an Spielsachen hin, dann gehen die erwachsenen Personen, die dann irgendwie den Auftrag bekommen, spiel doch mal mit diesem Kind, suchen sich wirklich aus, selbst wenn es eigentlich ein Junge ist. Der ist rosa angezogen, dann suchen sie sich Stereotyp weiblich assoziiertes Spielzeug aus und umgekehrt genauso. Also das heißt, wir prägen diese Kinder schon ab dem Babyalter, eigentlich ja schon davor, darauf in diese Rolle reinzupassen. Durch die Art, wie wir mit ihnen umgehen, wie wir mit ihnen sprechen, was wir auch teilweise ja, über Männer und Frauen sagen, einfach nur in ihrer Anwesenheit. Und dadurch schränken wir sie ja wirklich enorm ein. Also wir leiten ja im Endeffekt oder lenken ihr Leben in Bahnen, die wirklich in diesen Geschlechterrollen festhängen. Und deswegen ist mir dieses Thema so ein Herzensanliegen. Wir schränken meiner Meinung nach einfach ihre Freiheit dadurch enorm ein, weil wir eben sagen, Frauen kümmern sich eher um die Familie. Und dann hast du vielleicht einen Jungen, der eigentlich total gerne mit Puppen spielen würde, der vielleicht auch als, oder du hast Männer später, weil das wirkt ja so lange, die eigentlich total gerne zu Hause bleiben würden und einfach nur sich um die Familie kümmern würden, die aber irgendwo ganz tief verinnerlicht haben, als richtiger Mann macht man sowas nicht. Und als soziale Lebewesen wollen wir immer einer Gruppe zugehörig sein und dann ist, glaube ich, dieser Schritt so wahnsinnig schwer zu sagen, ich habe eigentlich gelernt, als Mann macht man das nicht, aber ich mache es trotzdem anders, weil das eigentlich vielmehr meinem persönlichen Naturell entspricht. Wie ist dein Eindruck aktuell in Deutschland? Ich meine, das ist ja auch eine Verantwortung der Politik, der Gesellschaft sozusagen, gendersensibel einfach sozusagen zu sein. Wie ist so dein Eindruck, was Kindergärten, was Schulen angeht? Ich muss ganz ehrlich sagen, immer mehr Firmen sind ja, also öffnen sich dem Ganzen. Wie ist so, also du befasst dich ja tagtäglich mit dem Thema. Wie ist so dein Eindruck? Ich glaube, jetzt ganz aktuell ist es eine schwierige Phase für diesen ganzen Themenkomplex. Also ich arbeite ja politisch, aber das prägt ja auch die Gesellschaft. Also ich arbeite ja seit mehreren Jahren vor allen Dingen mit Unternehmen zusammen im Bereich Diversity primär. Und da hat man eben jetzt in den letzten Jahren Ja, vorrangig im letzten Jahr rund um den deutschen Wahlkampf, den amerikanischen Wahlkampf, die Wiederwahl von Trump, aber auch eben in Deutschland schon gesehen, dass es da enorme Rückschritte gab. Also, dass wirklich Firmen weltweit gesagt haben, wir rollen die Programme zurück, wir stampfen die Programme ein, wir stampfen unsere Ziele ein. In Deutschland echt große Unternehmen und das hat mich immer so ein bisschen sehr geschmerzt. und damit einhergehend, weil die Themen sind ja miteinander verknüpft. Glaube ich, dass aktuell es ein bisschen schwieriger ist für das Thema, als es mal war. Also wir hatten vor ein paar Jahren, war das wirklich ein Trendthema im Sinne von, viele haben verstanden, dass sie da was machen müssen und daran gearbeitet. Und ich glaube, das ist jetzt schwieriger. Und ich glaube, was das für das Thema geschlechtssensibler Erziehung für Eltern heißt, ist, dass man sicherlich auch ein Stück weit damit rechnen darf, dass da mehr Gegenwind kommt. Also, dass da Leute eher nachfragen oder vielleicht auch Kritik dran äußern, warum man die Kinder, so eine klassische Kritik ist ja, man würde versuchen sie zu indoktrinieren oder irgendwie, sexuelle Themen zu früh ansprechen mit ihnen, was ich persönlich gar nicht so sehe, weil ich glaube eher das Gegenteil ist der Fall, wenn wir so krass viel in Männer und Frauen unterteilen, dass das eigentlich eher so eine Prägung ist, ne, wenn man von Indoktrination sprechen will. Aber ich glaube, dass es gerade schwierig ist für das Thema, also dass man wirklich auch genug sich ein dickes Fell wachsen lassen muss, wenn man sagt, ich gehe bewusst diesen Weg und ich weiß auch, warum ich ihn gehe. Aber man wird sicherlich Kritik dazu bekommen. Ja, es ist ja auch gerade so mit dem, also wir haben ja auch einen Geburtenrückgang, der wirklich sehr stark zu spüren ist. Und ich glaube, es liegt auch einfach daran, dass die Elterngeldfrage, ich weiß, es war ein hochsensibles Thema. Es hat mich sehr, sehr beschäftigt. Und ich kann natürlich beide Seiten gut verstehen, aber es ist einfach so, dass Frauen, die wirklich... Ihre Sachen gemacht haben. Einfach für sie ist es gerade ein Grund, einfach auch keine Kinder zu kriegen, weil wir einfach durch diese Elterngeld-Sache wieder in alte Rollenmuster gemacht haben. Es ist so, dass der Mann in die Versorgerrolle geht und die Frau sozusagen in die Care-Arbeit-Position. Und das ist natürlich schwierig. Es ist auch super rückschrittig. Und das sieht man einfach ganz krass, finde ich, gerade an den Geburtenzahlen. Und da ist es natürlich, dass der Mittelstand, der privilegiert ist und so. Aber ich finde, man darf das immer nicht sehen, wenn von heute auf morgen wirklich ein komplettes Gehalt wegbricht und das über wir wollen einfach nah bei unseren Kindern sein, wir wollen sie begleiten, um genau deshalb einfach Sachen zu verändern, so wie gendersensible Erziehung. Da ist es dann einfach total schwierig, wenn Frauen sozusagen wirklich wieder in diese Hausfrauenrolle gedrängt werden. Also das finde ich wirklich richtig problematisch und ich glaube, das war einfach gar nicht so bewusst und jetzt setzt das ja gerade ein und ich habe viele Familien, die ich da gerade betrolle und das ist einfach wirklich ein Grund, Kinder früher wieder in eine Betreuung zu geben, obwohl sie gar nicht bereit sind dafür. Ich meine, das muss ja auch jeder wirklich für sich entscheiden. Aber es ist ein ganz großer Punkt, weil einfach man muss, also es ist wirklich wie früher so, man muss nach Geld, also klar, das kann man als Paar ja regeln, aber ich finde es schwierig. Total. Und deshalb finde ich das, was du gerade ansprichst, sind gerade schwierige Zeiten für dieses Thema. Und gleichzeitig, und das finde ich so absurd daran, haben wir ja total widersprüchliche Anforderungen, vor allen Dingen an Frauen. Weil da hast du sicherlich auch mitbekommen, jetzt hieß es ja, wir wollen mehr Frauen in Vollzeit haben und wir wollen versuchen, so viele Frauen wie möglich in Vollzeitpositionen zu bekommen. Das heißt, einerseits haben wir die Erwartung an Frauen, sie sollen in Vollzeit arbeiten. Gleichzeitig haben wir auch die Erwartung, Frauen sollen Kinder bekommen. Das ist ja primär noch ein Thema, was bei Frauen irgendwie verortet wird. Und am Ende des Tages sollen Frauen irgendwie alles machen. Also sie sollen Kinder haben, sie sollen für sie da sein, sie sollen sich um sie kümmern, sie sollen aber auch in Vollzeit arbeiten, so schnell wie möglich, so kurz wie möglich in Elternzeit gehen. Und ich glaube, das ist einfach gerade so eine krasse Last auf den Schultern von Eltern oder von Menschen, die sich überlegen, bekomme ich jetzt Kinder oder nicht, dass sie es im Endeffekt ja niemandem wirklich recht machen können und einfach auch nicht unterstützt werden bei dem Weg, den sie gehen. Ja, das liegt an dem Elterngeld. Also das ist mit dem Elterngeld, aber auch unser ganzes System ist ja nicht auf Familie ausgerechnet, genau das, was du sagst. Also es ist totaler Quatsch, wenn man sagt, dass eine Frau mit einem kleinen Kind oder... Eltern mit einem kleinen Kind Vollzeitjob, wer soll denn die Kehrarbeit machen und es ist ja nicht so, du kriegst ja nicht ein Kind, um dann halt irgendwie gar nicht da zu sein und du möchtest es sehr begleiten. Und okay, da können wir nochmal ein anderer Mal drüber sprechen. Ich würde jetzt wirklich gerne nochmal, was sagt denn die Wissenschaft sozusagen dazu, zu den Auswirkungen, einfach wenn wir sozusagen unsere Kinder gendersensibel erziehen? Also weil es ist ja glaube ich auch, du hast gerade schon so ein bisschen angeschwungen, so bis zum gewissen Alter, ich glaube Grundschulalter sind eigentlich alle gleich und die Interessen und dann werden ja Mädchen in die eine Richtung, wie du sie gerade beschrieben hast, so Sprachen und von der Physik und der Informatik und von der ganzen Technik ferngehalten und da werden dann die Jungen, also so, was hast du da mitgebracht, was sagt die Wissenschaft? Es ist natürlich jetzt in Bezug auf die Auswirkungen von genderneutraler, gendersensibler Erziehung noch super wenig erforscht, weil es einfach noch so wenig Beispiele dafür gibt. Was man allerdings sieht und das finde ich so spannend ist, wie sich das Ganze entwickelt oder wie früh vor allen Dingen Kinder da geprägt werden, also was sie mitnehmen, weil Kinder sind ja einfach, weißt du sicherlich auch von deinen eigenen so krass gute BeobachterInnen. Die saugen ja alles auf und so lernen sie ja auch sprechen, so lernen sie alles. Und die merken das so früh schon und übernehmen das so früh schon. Ich habe gelesen, dass schon drei bis vier Monate alte Babys unterscheiden können, also Gesichter unterscheiden können in weiblich oder männlich. Und je älter sie werden, mit sechs Monaten können sie dann schon die Stimme unterscheiden und zuordnen. Also meistens hat ein männliches Gesicht eine tiefe Stimme und ein weibliches Gesicht eine hohe Stimme mit sechs Monaten, wo jeder noch sagen würde, da kriegen die sowas eigentlich noch gar nicht mit, glaube ich. Und häufig neigen ja Eltern dazu zu sagen, das habe ich schon ganz oft gehört, mein Sohn hat irgendwann von ganz alleine angefangen mit Baggern zu spielen oder meine Tochter hat irgendwann von ganz alleine gesagt, sie will jetzt das rosa Kleid anziehen. Und das finde ich so wichtig, dass wir da eben diese Achtsamkeit haben und die Sensibilität dafür, dass es eben nicht von ganz alleine kommt, weil sie halt nicht im luftleeren Raum aufwachsen, sondern weil sie einfach wirklich schon extrem früh merken. Wie wir als Gesellschaft unterteilen und dementsprechend sich die Bilder in ihrem Kopf bilden. Ich habe dann auch noch gelesen mit 18 bis 24 Monaten, also anderthalb, fängt es schon an, dass sie auch schon verstehen, wie wir teilweise, was wir Frauen und Männern zuordnen. Also welche, dass Frauen meistens lange Haare haben, dass Männer meistens kurze Haare haben und habe das selber auch schon beobachten können. Also mein großes Kind hat, ich glaube, rund um den zweiten Geburtstag letzten Sommer, waren wir irgendwann auch mal draußen unterwegs und haben einen für mich als Mann erkennbaren Mann gesehen mit längeren Haaren. Und mein Kind hat damals gesagt, Mama, was macht die Frau da? Es war eine ganz interessante Situation und der ist auch relativ locker damit umgegangen. Aber da sieht man ja schon mit zwei, wo ja gerade auch erst so das Sprechen richtig anfängt, dass sie da schon diese Zuschreibung haben, dieses Rollenverständnis. Frauen haben lange Haare, Männer haben kurze Haare. Und das setzt sich dann fort. Und wirklich so im Vorschulalter ist es ganz krass, dass sie dann wirklich so sich ja auch aufteilen meistens im Kindergarten. Dann hast du eine Jungsgruppe, eine Mädchengruppe. Und sie versuchen wirklich so ihrer Peergroup zugehörig zu sein und durch diese Prägung sind es halt meistens, suchen sie sich meistens gleichgeschlechtliche, SpielpartnerInnen, wenn eben nicht entgegengelenkt wird und es wird dann, wenn sie wieder älter werden, langsam ein bisschen weniger, also dass sie wieder verstehen, es kann auch anders sein, also dass sie nicht mehr so dieses krasse, Männer haben immer kurze Haare, Frauen immer lange Haare, sondern dass sie auch verstehen, manchmal gibt es auch das Gegenteil, aber das finde ich immer so interessant, wenn man wirklich sieht, wie früh das einfach schon anfängt, Also wie früh Kinder dieses Verständnis schon entwickeln und dass eben solche Sachen wie, womit wollen sie spielen, mit wem wollen sie spielen. Dann ja auch die Konsequenzen daraus. Also was heißt es für sie, für ihre Berufswünsche später etc., dass das wirklich einfach schon extrem früh geprägt wird und durch diese Beobachtung halt entsteht. Weil ich glaube, das ist wirklich ein Missverständnis von ganz vielen Menschen, die das irgendwie versuchen auf biologische Grundlagen zuzuschreiben. Dass sie sagen, es muss irgendwas in den Genen geben, was dazu führt. Und dann gibt es ja auch diverse pseudowissenschaftliche Ansätze, Erklärungsversuche. Was könnte es sein, dass Jungs sich immer für Bagger entscheiden? Da gab es irgendwann auch schon, glaube ich, Experimente, dass geguckt wurde, ob männliche Affen lieber mit Baggern spielen und sowas. Und da bin ich wirklich sehr, sehr fest überzeugt. Und eigentlich unterstützt es auch die Wissenschaft, dass es halt wirklich diese Beobachtung ist. Also dass sie viele, viele subtile Botschaften ja auch wahrnehmen. Was würdest du Eltern jetzt empfehlen? Wie sollten wir denn da reingehen? Also wie können wir das? Also schon ein bisschen angefangen vorhin, aber was ist deine Empfehlung, wie wir da einfach ganz bewusst entgegenwirken, um halt andere Rollenbilder jetzt zu schaffen und Kinder einfach frei entscheiden lassen. Ja, ich glaube vor allen Dingen alles anbieten wäre meine allererste und wichtigste Empfehlung. Also wirklich zu sagen und eben nicht mit diesem vermeintlichen Anspruch von Neutralität zu sagen, man umschifft es irgendwie und bietet jetzt gar keine Autos und gar keine Barbie-Puppen mehr an, um das in so Stereotypen-Beispielen zu sagen, sondern zu sagen, ich habe eine Tochter oder einen Sohn. Klar darf die Tochter auch mit Barbie-Puppen spielen, der Sohn darf auch mit Autos spielen. Also ich verwehre ihn nicht, auch mit den Stereotypen Spielsachen zu spielen, aber ich würde ihm immer auch das Gegenteil anbieten. Also ich würde auch immer sagen, ich biete meiner Tochter auch explizit ein Auto oder einen Bagger an und ziehe ihr blaue Sachen an und Jungs umgekehrt. Dass wir vor allen Dingen bei den Jungs eigentlich den Knackpunkt haben. Also ich glaube, bei Mädchen ist es schon viel akzeptierter, dass sie blau tragen oder als Frau, dass du Karriere machen darfst. Aber wenn wir uns angucken, was wir eigentlich an Männer für Erwartungen haben, sind wir da glaube ich noch viel, viel strikter und strenger und verwehren Männern eigentlich viel mehr, indem wir sagen, Männer sollen nicht weinen, Männer sollen keine Gefühle zeigen, Männer sollen die Familie ernähren, Männer sollen kein Rosa tragen oder kleine Jungs sollen kein Rosa tragen. Also ich glaube, da ist eigentlich eher der Knackpunkt, dass wir als Gesellschaft noch viel härter mit diesen Jungs umgehen und gerade Eltern von Jungs, glaube ich. Und ich glaube, das ist schwierig zu sagen, ich ziehe meinem Sohn Rosa an, ich lasse ihn lange Haare tragen. Ich weiß gar nicht, also wirklich, ich weiß nicht, ob das für mich so, ich weiß gar nicht, was da so das Problem ist, weil wenn ein Junge einfach wunderschöne Haare hat, ich hatte sie nicht, deshalb wurden sie abgeschnitten. Dann denke ich mir halt immer so, also ich meine, dass man jetzt sagt, okay, die müssen kurz oder lang. Ich finde sowieso erstmal wachsen lassen super. Aber auch so Farben ist für mich, ich habe zum Beispiel einen 14-jährigen Sohn, der trägt super gerne Pastelltöne. Der liebt Rosa, der liebt Lavendel und das war irgendwie nie so ein Thema. Ich hatte aber auch nie so das Gefühl, dass es irgendwie, dass er jetzt nicht männlich genug ist. Also ich habe das gar nicht in meinem, also ich spüre das irgendwie gar nicht so. Und er ist auch, okay, der hat ja jetzt keine Phase, wo er sagt, er wollte jetzt einen Rock anziehen oder so. Das war jetzt nicht so. Aber ich bin eher so eine Mutter, wo ich immer sage, ich passe mal eher, weil ich habe ja drei Mädels und ich bin halt nicht so ein rüschen Typ. Und ich kann jetzt, ich habe besonders eine Tochter, wenn ich mit der jetzt so H&M gehen würde, die würde sich alles aussuchen, was Pailletten, also ich bin ja so ein Material-Junkie, dass das eher für mich ein Problem ist, wenn ich immer froh bin, ich suche das selber aus und das ist halt neutral. Na klar kaufe ich denen jetzt auch Kleider, die wollen auch gerade immer Kleider anhaben. Aber da denke ich immer so, muss ich das mehr für, weil ich bin immer so, zieh meine Hose an, ist praktischer im Kindergarten zum Klettern und so weiter. Und sie will halt immer Kleider anziehen. Ich sage immer, aber wenn du auf die Bäume kletterst, dann ist es halt einfach, bleibst halt hängen. Also ich bin wirklich da sehr pragmatisch. Deshalb denke ich halt immer gar nicht so, dass das so dieses große Thema ist. Ich würde jetzt nicht sagen, dass meine Eltern in allem sehr vorträglich, aber das habe ich noch nicht das Gefühl, dass so dieses Thema... Aber vielleicht liegt es auch so ein bisschen daran, ich bin in den neuen Bundesländern geboren, zwar auch gewachsen in Schleswig-Holstein, aber das muss man ja einer Sache lassen, das war ja wirklich in der DDR anders, dass da dieses Frauen- und Männerbild nicht so in diese klassischen Rollen, also da war ja schon immer so, dass Frauen auch gearbeitet, also da finde ich, das ist ein bisschen anders. Ja, das kann schon gut sein. Also ich glaube, unser Verständnis eben von Frauen ist einfach schon flexibler. Es gab letzte Woche, glaube ich, war das gerade so einen kleinen Shitstorm über einen Fußballer. Ich glaube, ich habe mir den Namen nicht gemerkt, weil ich wahnsinnig schlecht mit Fußball bin. Ich glaube, er spielt bei Barcelona. Auf jeden Fall hat der wohl ein Bild geteilt von seinem Sohn, wie er ein Lilo-und-Stitch-Kostüm anhatte und irgendwie so ein Kleid anhatte und Lila anhatte und hat da wirklich massiv Hetze und Anfeindungen für erhalten, wie er es wagen könnte, diesem Sohn diese Sachen anzuziehen. Und das finde ich halt, das tut mir wirklich im Herzen weh, wenn ich drüber nachdenke, dass da einfach nur ein Kind ist. Der war glaube ich auch so um die sechs, sieben, also so in dem Alter grob. Dass da einfach nur ein Kind ist, was halt sagt, ich finde das toll, ich will das gerne anziehen zu meinem Geburtstag und dann wirklich so mit Hass überzogen wird und auch die Eltern mit Hass überzogen werden, wie sie das ihrem Kind antun können. Und ich glaube, dass wir da schon als gesamte Gesellschaft noch viel mehr Schwierigkeiten mit haben, gerade sowas wie zum Beispiel Jungskleider anzuziehen. Ich weiß nicht, ob du Nils Pickard kennst Ja, aber es wäre jetzt auch nicht mein erster Impuls sondern wie du halt sagst, du sagst ja die ganze Zeit so dieses Angebot machen also wir gehen in einen Raum, da sind Klamotten, die sind jetzt nicht nach rosa und hellblau sortiert, sondern sind einfach unterschiedlich aufgehangen und ich lasse mein Kind einfach entscheiden. Was es anziehen möchte. Darum geht es ja. Mein Impuls wäre jetzt auch nicht so, dass es jetzt irgendwie so Kleider, ich bin aber auch nicht so ein Kleidertyp, weil ich es einfach ganz oft unpraktisch finde im freien Spielen. Total. Ich bin halt einfach, ich möchte, dass meine Kinder viel sportlich aktiv sind und draußen und deshalb bin ich eher so ein Typ. Das ist einfach nicht, ich habe Angst, dass sie hängenbleiben und so weiter. Deshalb ist das gar nicht für mich so ein Thema, aber du beschreibst ja schon, dass einfach ein Laden, in den man mit einem Kind reingeht, Ob Spielwarenabteilung, ob Kleidungsgeschäft sollte eigentlich, also deshalb ist die Industrie ja so ein großes Thema, muss einfach umdenken, dass sie halt einfach sagen, okay, hier ist ein Angebot an Kinderkleidung, Kinderkleidung für jedes Kind und dann sucht man sich halt was aus, welche Farbe auch immer. Ja, das wäre total wünschenswert. Also was wir ja jetzt aktuell noch sehen und das hat ja auch ein klares wirtschaftliches Interesse, warum das so ist. Das Unternehmen ja meistens sagen wir, teilen ganz, ganz bewusst auf in klassisch rosa und hellblau und alles, was dazu gehört. Weil es klar für Unternehmen ja auch einerseits bedeutet, sie machen einfach mehr Umsatz. Weil du dann als Eltern ja sagst, der kleine Bruder kann auf keinen Fall das pinke Laufrad von der großen Schwester übernehmen, weil der darf ja keinen Pink tragen. Also das ist schon so, das was man häufig hört, dass du dann halt Dinge beispielsweise doppelt kaufen musst oder für beide unterschiedlich kaufen musst oder jedes Kind, je älter sie werden ja dann auch irgendwann selbst sagt in den meisten Fällen, Ich will aber die pinke Brotdose und ich will die blaue Brotdose. Und ich glaube, der wünschenswerte Zustand wäre einfach, dass man es vielleicht nach Themenwelten sortiert oder dass man halt sagt, wir machen ein offenes Angebot und Kinder können einfach schauen, womit spielen sie gerne, welche Farbe finden sie wirklich toll. Aber ich glaube, da sind wir wirklich weit von entfernt, weil eben die Unternehmen da, glaube ich, einen ganz anderen Anreiz haben, wie sie ihr Portfolio präsentieren. Hast du nicht das Gefühl, dass es ein bisschen mehr in die richtige Richtung geht, weil so dieser Leitspruch Farben sind für alle da, finde ich einfach wunderbar und das ist auch immer was meine Kinder sagen, Farben sind für alle da, finde ich einfach schon, dass es sich so ein bisschen in die richtige Richtung entwickelt. Ja. Ich finde auch, dass man gar nicht immer so sagen kann, Mädchen spielen mit Mädchen, sondern dass man sich einfach Menschenenergien hin, also dass man merkt, wir haben da eine Connection und gerade so in diesem jungen Alter so, dass man einfach das auch fördern sollte, was Fußball oder was auch immer sein sollte. Also ich finde schon, dass es da so ein bisschen, ich glaube, ich lege es so in der Bubble. Ich wollte gerade sagen, ich glaube, es ist wirklich ein Bubble-Thema. Und ich lebe selber in der Bubble. Und ich habe manchmal, wenn ich so mich innerhalb der Bubble bewege und lange nicht rauskomme, habe ich das Gefühl, es ist doch schon alles irgendwie auf dem richtigen Wege. Und dann kommst du irgendwie doch wieder mit ganz anderen Sichtweisen und Einstellungen in Kontakt und merkst, also teilweise sind wirklich andere Eltern da noch komplett anders. Dass ich war neulich, unser großes Kind ist ja jetzt drei geworden, kommt jetzt bald in den Kindergarten und da waren wir zum Probe- oder Kennenlernstunde im Kindergarten und das fand ich echt bezeichnend, weil wir waren in diesem Raum, es war ein relativ großer Raum und da gab es eben eine Bücherecke und eine Ecke, in der irgendwie so eine Kiste mit Autos stand und wir kamen da rein, wir kamen quasi morgens mit allen Kindern da rein und es hat sich so schnell aufgeteilt, dass wirklich alle Jungs aus der Gruppe waren in dieser Autoecke und alle Mädchen saßen in dieser Bücherecke und ein paar haben irgendwie noch Brotzeit gegessen, oder gebastelt, aber es hat sich so schnell wirklich nach Geschlecht aufgeteilt. Und das sind ja drei bis sechsjährige Kindergärten. Hast du das angesprochen? Nee, habe ich noch nicht angesprochen. Und das ist auch immer so eine Schwierigkeit. Ich wollte ja auch nicht direkt die Mama sein mit dem neuen Kind, was ja dann auch erstmal reinkommt, die noch bevor wir überhaupt angefangen haben sowas anspricht. Aber wenn du dir zum Beispiel anschaust, es gibt ja so ein paar genderneutrale Kindergärten. Nicht unbedingt in Deutschland, in Schweden gab es mal eine. Ich glaube, die gibt es mittlerweile nicht mehr. Aber wenn man so ein bisschen international schaut, Und ein Konzept ist tatsächlich, dass sie sagen, sie machen ein gender-sensibles Raumkonzept, dass sie eben nicht sagen, wir machen in einer Ecke bewusst Stereotypen mit Jungs, assoziierte Spielzeuge wie zum Beispiel Autos und in die andere Ecke diese typisch mit Mädchen verbundenen Sachen, sondern dass sie eben bewusst sagen, wir versuchen das Raumkonzept so zu gestalten, dass es sich durchmischt, also dass sich Mädchen und Jungs beim Spielen durchmischen. Das ist zum Beispiel ein Ansatz. Oder wir versuchen beim Personal zum Beispiel anzusetzen, Weil ja auch das, was ist, was Kinder beeinflusst. Wenn sie sehen, die, die sich kümmern, sind eigentlich meistens Frauen. Also Kindergärtnerinnen, Pädagoginnen etc. sind meistens Frauen. Und das ist super schwierig, männliche Pädagogen zu finden, aber dass man versucht, da ein bisschen zu durchmischen. Aber war das nicht für dich jetzt ausschlaggebend, als du dich für Nikita entschieden hast, dass du geguckt hast... Wie gehen die mit diesem Thema um? Weil das ist natürlich ein wichtiges Thema, weil da hat ja auch wieder, wie du es gerade beschrieben hast, Vorbildrollen geschaffen werden. Und wenn wir da nicht offen für sind, dass wir genau wieder in die gegenteilige Richtung laufen. War das nicht ein großes Thema für dich oder ist es einfach so, ist es einfach in den deutschen Kitas und Einrichtungen einfach noch kein Thema? Ich glaube, es ist noch kein Thema. Also ich glaube, wenn du danach suchen würdest, in München ist mir keine bekannt. Also wir leben ja in München, die wirklich bewusst sagt, wir sind irgendwie genderneutral, gendersensibel. Also neutral ist ja meistens das Wort, was noch populärer ist. Ich versuche mich schon auf deine Beschreibung einzustellen, weil ich es so gut finde mit gendersensibel. Ja und ich glaube, dass da wirklich viele noch gar nicht so weit sind. Und in meinem persönlichen Fall war mir tatsächlich das Wichtigste, dass sie versuchen, bindungsbedürfnisorientiert zu arbeiten. Auch das ist ja was, was du selten findest in Kitas. Ich hatte mir wirklich viele angeschaut. Ich bin immer so, ich bin dann sehr intensiv so in der Recherche und am Anschauen und habe teilweise einfach auch Einrichtungen komplett ausgeschlossen, wenn ich das Gefühl hatte, die gehen wirklich gar nicht auf die Kinder ein. Also wo ich hin bin und dann hieß es irgendwie, wir machen dann am ersten Tag die erste Trennung. Da bin ich direkt eigentlich gedanklich schon wieder rückwärts rausgelaufen. Deswegen war das eher mein Fokus. Aber ich glaube tatsächlich, dass du in Deutschland kaum eine Einrichtung finden wirst, die wirklich sagt, das ist unser Fokus, dass wir sagen, wir versuchen gendersensibel die Kinder zu begleiten. Unser großes Kind war in der Kita und ich hatte das Gefühl, ohne dass sie es jetzt explizit gesagt haben, dass sie es schon viel machen. Also dass die Jungs auch viel gebastelt haben, merkst du ja dann auch, du kommst ja am Ende auch in Ordner, wo was drin ist, dass die Kinder, also dass da quasi nicht nach Geschlecht unterschieden wurde mit Basteln, mit welchen Dingen du spielst. Und klar, auch viel einfach in der Natur sein und da hast du das ja sowieso weniger. Also ich glaube, da waren sie schon, ohne es vielleicht explizit sein zu wollen, waren sie schon sensibel und ich würde jetzt erstmal so einer neuen Einrichtung vielleicht auch ein Stück weit einen Vertrauensvorschuss geben und in Zweifels aber auch ansprechen. Also ich bin tatsächlich auch so eine Mama, die dann, wenn ich jetzt merken würde, dass da wirklich irgendwie Aussagen beispielsweise fallen, die komplett gar nicht gehen, ne? Dass ich das dann schon auch ansprechen würde. Okay. Ja, also ich glaube, es braucht einfach noch mehr, also dass man Leute dafür sensibilisieren muss, das einfach immer wieder anzusprechen. Aber wenn wir jetzt davon an, wenn Eltern jetzt gerade diese Folge hören, wir haben gesprochen, dass Babys einfach schon diese Rollen so früh aufnehmen. Was hast du für Tipps, wenn ich gendersensibel zu Hause erziehen möchte? Was hast du für, wir haben angesprochen, alles anbieten? ist natürlich klar, aber hast du irgendwelche Büchertipps, wenn ich mich noch mehr damit den Thema auseinandersetzen will? Ich meine, die einfach erstmal folgen, ist schon mal gut. Aber was hast du für Anregungen für uns als Eltern, wie ich da wirklich einfach noch besser in das Thema einsteigen kann, auch für mich selber, um mich immer wieder zu sensibilisieren? Ja, das ist ein total guter Punkt, weil ich glaube, vor allen Dingen ist es ja der Punkt, dass wir auch eine gewisse Sozialisierung erfahren haben und vieles ja auch bei uns einfach ganz unbewusst abläuft. Und ich glaube, Aber es gibt tatsächlich einige, wie ich finde, auch echt gute Bücher, die sich damit beschäftigen, die vor allen Dingen in Richtung von uns Eltern gehen. Also es gibt viele tolle Kinderbücher, finde ich, die mittlerweile auch schon gender-sensibel sind. Zuckersüß Verlag zum Beispiel, finde ich, die machen ganz tolle Bücher in die Richtung. Aber es gibt auch tolle Bücher, die eher als Zielgruppe die Eltern haben, die sich damit beschäftigen wollen. Es gibt das Buch Prinzessinnenjungs von Nils Pickert, das finde ich ganz toll. New Moms for Rebel Girls von Susanne Mierau in die Richtung. Dann den Klassiker, würde ich sagen, Rosa-Hell-Blau-Falle, wo das nochmal so gesamthaft betrachtet wird. Ich fand jetzt auch das Buch Jungs von heute, Männer von morgen, das ist ganz neu von Anne Dittmann, das fand ich auch ganz toll, weil da auch wirklich nochmal tolle Impulse waren. Die man eigentlich auch in beide Richtungen, finde ich, sozusagen verwenden kann, also auch für Mädchen. Und ich glaube tatsächlich, also ich bin ja immer eine Freundin von viel Lesen, weil ich finde, da kann man wirklich viele Impulse rausziehen. Ja, was ich persönlich den besten Hack finde, weil ich gebe ja auch beruflich Workshops zum Thema Unconscious Bias und es hat ja viel mit so unbewussten Biases zu tun, ist darauf zu achten, wenn man solche Signalwörter sagt, wie zum Beispiel immer, man, jeder. Und das sind ja meistens Wörter, wo wir unbewusst pauschalisieren. Also wenn man zum Beispiel sagt, als Junge weint man nicht, ja, dann generalisierst du ja in dem Moment und eigentlich, schaust du dir nicht das individuelle Kind vor dir an, sondern du hast irgendeinen pauschalen Glaubenssatz und ich finde, das kann man immer ganz gut machen, dass man, wenn man sich anfängt damit zu beschäftigen, weil es ist ja ein krasser Lernprozess, du musst ja super viel, verlernen oder neu denken, was du eigentlich als Kind selber gelernt hast in den meisten Fällen. Also ich glaube, die wenigsten von uns sind ja mit so einer Sensibilität irgendwie groß geworden. Und das braucht einfach auch Zeit. Und ich glaube, da kann man... Und auch Ruhe. Es gibt ja auch Situationen, wo man einfach... Also du sprichst ja mit deinen Kindern auch, gewaltfreie Kommunikation ist ja ein Riesenthema, aber es gibt ja manchmal Situationen, wo man einfach on the edge ist und dann... Aus der Haut fährt. Aber ich glaube, da ist es auch wichtig, das auch mit deinen Kindern zu kommunizieren und zu sagen so, hey, mir geht es gerade einfach nicht gut und das war nicht in Ordnung. Ja, und sich zu entschuldigen, wenn man auch irgendwie, also das passiert mir auch manchmal, dass ich so richtig merke, boah, jetzt ist es zu viel. Das ist, glaube ich, immer wichtig, dass man das auch von Menschen hört, wo man immer denkt, so, da läuft alles. Nee, also manchmal bin ich, ich finde auch, wenn du dann irgendwie noch schlecht geschlafen hast und dann je nach Zyklusphase tatsächlich auch. Und sowas zum Beispiel finde ich auch ein ganz gutes Beispiel, wenn man Jungs hat, dass man beispielsweise sagt, man, also das sind so viele kleine Puzzleteile, Aber dass man zum Beispiel auch mit Jungs über sowas wie einen Zyklus spricht, wenn sie älter werden. Also, dass sie einfach mit einem anderen Rollenbild von Frauen groß werden und nicht mehr so dieses, ein Thema ist ja internalisierte Misogynie, also dass vieles auch einfach frauenfeindlich ist, mit dem wir geprägt werden. Ja, das musst du glaube ich nochmal erklären für alle. Also diesen Klassiker, dass man viele typisch weibliche Eigenschaften oder Verhaltensweisen erstmal abwertet. Ich weiß nicht, ob du das kennst, den Klassiker, die hat ja ihre Tage. Und dass man sowas sagt und dabei irgendwie die Augen verdreht und denkt, Frauen sind dann irgendwie komplett irrational, wenn sie ihre Periode haben. Und da, finde ich, kann man zum Beispiel ansetzen und Jungs wie auch Mädchen beibringen, dass das überhaupt nichts Negatives ist, sondern was ganz Natürliches, was zu jeder Frau ganz natürlich dazugehört, was ja auch für deine Arbeit sicherlich auch wichtig, was ja auch ermöglicht, dass wir Kinder bekommen beispielsweise dieser Zyklus. Also es sind so viele Kleinigkeiten, finde ich, wo man selber immer wieder hinterfragen darf. Warum denke ich eigentlich gerade so über die Sache, wie ich darüber denke? Ja, Aufklärung ist ja ein ganz großes Thema, wo aber auch, finde ich, die alten Rollenbilder immer noch wirklich ein Problem damit haben, dass wir natürlich ganz anders mit unseren Kindern kommunizieren, als das noch sozusagen als ich klein war. Also Thema Sexualität und so weiter, was ja wirklich einfach super wichtig ist, um einfach auch selbst, also Kinder auch zu schützen. Also für mich ist ja auch mal ein großes Thema einfach sexualisierte Gewalt gegen Kinder, dass sie einfach stark sind. Also was wir uns ja wünschen für unsere Kinder, ist, dass sie selbstbewusste Menschen zu erziehen, die über ihre Gefühle sprechen können, die einfach ganz klares Nein sagen können. Und gerade für die Generation, die einfach gar nicht über Gefühle gesprochen hat und wir sehen ja einfach die Auswirkungen. Also wir haben einfach, das ist glaube ich immer wirklich noch sehr schwierig, dass die sehr erschrocken sind, wenn einfach Sexualität so offen angesprochen wird. Geschlechtsteile benannt werden. Korrekt benannt werden. Korrekt benannt. Ich finde es einfach immer wieder schön, wenn ich höre, dass meine Töchter einfach Penis und Vulva sagen. Das ist immer, wo ich denke, ja super. Und komplett frei raus. Also unsere Kinder auch, ohne sich irgendwie dafür zu schämen. Wo du manchmal noch bei anderen Leuten merkst, finde ich, aus so gerade der Großartig-Generation, dass sie erstmal so sind. Huch. Huch. Das ist ein Penis und nicht ein, ich weiß gar nicht, was man immer, aber so. Zipfel, Pipi-Mann oder irgend sowas. Ja, genau. Also das ist so. Aber ich finde, was du gerade angesprochen hast, eigentlich einen total guten Grund, sich nochmal vielleicht bewusst zu machen, warum eigentlich gendersensible Erziehung. Weil wenn wir darüber nachdenken, was die negativen Auswirkungen sind von dieser Stereotypen-Erziehung und das sind ja wirklich Auswirkungen, die sich eben durchs ganze Leben langziehen und was wir da so klassischerweise haben, sind häufig Frauen, die eben lernen, dass sie nicht für sich selbst einstehen dürfen, weil sie mit diesem klassischen Bild von einer Frau, die immer nur nett ist, die immer nur nett lächelt und zu allem Ja sagt aufwachsen und sich eben nicht trauen, Nein zu sagen. Also gerade wenn wir jetzt zum Beispiel von Gewalterfahrung sprechen und wir wissen ja mittlerweile die Zahlen, dass Frauen so viel häufiger Opfer von Gewaltverbrechen jeglicher Arten werden. Und dass sie es alle abtun, dass man immer denkt, okay, ich bin ja nicht richtig oder ich habe was falsch gemacht und ich glaube, da kann jeder auch eine persönliche Geschichte erzählen, wo man in eine unangenehme Situation gekommen ist und immer denkt, okay, Ich war vielleicht irgendwie nicht in Ordnung oder ich habe was falsch gemacht. Und was ich auch ganz spannend war, was ich auch gelesen habe, dass Frauen deutlich mehr People Pleaser sind als Männer. Also dieses so, ich möchte es allen recht machen, ich gehe wirklich immer eher einen Schritt zurück. Das zeigt dir einfach die aktuelle Studienlage auch so. Und eben wirklich diese Schwierigkeit damit, sich abzugrenzen und einfach Nein zu sagen, wenn du was eigentlich nicht möchtest. Und ich glaube, was manchmal so ein bisschen unter den Tisch fällt, ist aber auch, wie sehr Männer eigentlich drunter leiden. Weil häufig heißt es ja dann, ach, jetzt wird alles nur noch für die Frauen gemacht und dieser ganze Feminismus ist eigentlich nur für die Frauen gut. Aber ich glaube, Männer leiden auch auf eine andere Art und Weise mindestens genauso sehr. Und da gibt es auch ein spannendes Buch zu. Männerseelen von einem psychologischen Therapeuten, der Männerberater auch ist. Das kann ich nicht. Björn Süfke heißt der. Ist auch auf Instagram aktiv. Und der beschreibt, das finde ich super eindrücklich, wie krass das eigentlich auch für Männer ist. Weil Männer im Endeffekt so sozialisiert werden als kleine Jungs schon, dass ihnen so dieser Zugang zu ihren Gefühlen meistens komplett abzogen wird, abgenommen wird. Und das zeigt sich dann halt häufig, wenn sie dann erwachsen sind, dadurch, dass sie ihre Gefühle, weil die sind ja da, weißt du, die gehen ja nicht weg. Nur weil wir sagen, ihr dürft sie halt nicht mehr zeigen. Dass sie die halt anders ausleben und unter anderem dadurch, dass sie zum Beispiel gewalttätig werden. Aber auch viel subtilere Formen, die teilweise ja auch wirklich gesellschaftlich akzeptiert sind, zum Beispiel eben Alkoholismus. Also dass du sagst, kennst ja sicherlich auch, dass Männer, wenn Männer Bier trinken oder Männer Alkohol trinken, dass da die wenigsten jetzt wirklich sagen, puh, das ist aber irgendwie problematisch. Also gerade so ein Suchtverhalten kann zum Beispiel ein... Indiz darauf sein, dass Männer damit eigentlich versuchen, irgendwie damit umzugehen, dass sie nun mal dieses Innenleben ja haben, diese Gefühle haben, aber eigentlich gar nicht offen darüber sprechen dürfen. Oder dann erst, wenn sie sozusagen Suchtmittel konsumieren, dann einfach sozusagen Gefühle äußern können, um halt Leichtigkeit zu kriegen. Vielleicht. Oder auch sowas wie, wo dürfen Männer Gefühle zeigen? Auf dem Fußballplatz zum Beispiel oder im Fußballstadion, aber eben nicht in anderen Situationen, wo es ja genauso angemessen, mindestens genauso angemessen wäre. Und das finde ich auch einfach so traurig. Ich glaube auch, eigentlich würde sich das kein Elternteil für seine Kinder wünschen. Und deswegen ist das für mich immer so ein total starkes Warum. Warum finde ich das so wichtig zu sagen, man ermöglicht seinen Kindern einfach ein freieres Aufwachsen und nicht so sehr stereotyp geprägtes Aufwachsen, weil es ja wirklich im Erwachsenenleben teilweise echt enorme Konsequenzen für sie hat. Weil Frauen sich gewisse berufliche Wege nicht zutrauen, die ihnen vielleicht auch von außen erschwert werden. Weil wir sehen, dass vor allen Dingen Frauen auch sehr häufig dann, wenn sie Mütter sind, im Arbeitsleben extrem diskriminiert werden. Aber eben auch umgekehrt, weil wirklich auch die Männer darunter leiden und häufig dann auch einen krassen Leistungsdruck haben. Als ich muss die Familie ernähren und so weiter. Und sich eben andere Formen suchen, diese Gefühle irgendwie auszuagieren, weil sie es eben so öffentlich nicht tun dürfen. Und ja, ich glaube, das kann einfach ein ganz, ganz starker Grund sein, warum man sich für den Weg entscheidet, auch wenn es schwierig ist. Aber du hast gerade nochmal Fußball angesprochen. Fußball ist sozusagen eine, ja, eine, gerade in Deutschland, in Europa würde ich mal sagen, wirklich eine Sportart, die viele, vor allen Dingen auch Männer, verbindet. und du hattest vorhin angesprochen, der Fußballer. Ich meine, da ist es ja wirklich einfach für viele Sportler richtig schwierig, ihre wahre Persönlichkeit einfach auch zu zeigen, weil gerade beim Fußball wirklich ein Stereotyp verlangt wird. Das ist ja wirklich, wenn man jetzt anspielt darauf, dass es einfach für einen Fußballer in der heutigen Zeit einfach immer noch unmöglich ist. Und wir reden über 2025. Einfach, wen er liebt sich. Das ist einfach, dass ein Schwuler, Fußballer sozusagen einfach nicht erlaubt ist. Das zeigt ja einfach, wo wir in der Gesellschaft stehen. Also, dass sie Angst haben, sozusagen das zu zeigen und ein Doppelleben führen. Dass es nicht dazu passt. Ich habe gerade gestern gelesen, dass es wohl so ist im Frauenfußball, da war eine Schlagzeile von einer Fußballerin, die gesagt hat, durch den Frauenfußball habe ich erst zu meiner Homosexualität gefunden. Also dass es da eine ganz andere Dynamik gibt. Und im Männerfußball umgekehrt, dass die Männer wirklich gerade in dieser Fußballwelt sich da komplett von abkehren müssen oder verstecken müssen, wenn sie homosexuell sind, weil es einfach, ich glaube vor allen Dingen auch für viele Fußballfans einfach überhaupt nicht dazu passt. Ja. Das ist schwierig, schwieriges Thema. Darf ich dir noch eine persönliche Frage stellen? Wie ist so dieses Thema, ist das erst gekommen, als du Mutter geworden bist, dass du sozusagen das für dich einfach oder hattest du das Glück, dass deine Eltern sozusagen auch da schon ganz, ganz fortschrittlich waren und dich darauf sensibilisiert haben? Also, oder wo bist du erst mal in Beruhigung getreten, dass du gesagt hast, okay, das ist so wichtig, dass wir da neue Vorbilder schaffen. Also, das ist natürlich. Ja, spannende Frage. Ich habe nämlich öfter darüber nachgedacht, als ich dann Mutter wurde, das kennst du bestimmt auch, dass man dann irgendwie auch so viel über seine eigene Kindheit nachdenkt, auch in dem Thema. Ich bin schon erst vermehrt draufgekommen, als ich selbst Mutter wurde, weil es dann auch relevant für mich war. Ich habe davor auch schon im Bereich Diversity gearbeitet, war davor auch schon sehr feministisch, habe viele feministische Bücher gelesen und mich damit beschäftigt, aber eben nicht so sehr mit dem Fokus auf Kinder. Und als ich dann, so der Klassiker, dann wirst du Mutter und beschäftigst dich einfach nochmal mit ganz anderen Themen. Und dann habe ich mich immer intensiver damit beschäftigt und immer mehr festgestellt, dass wir da eigentlich noch viel weniger weit sind, als ich dachte. Weil ich eben auch lange dachte, eigentlich kann ich ja einfach dann irgendwann mit Kindern ins Spielwarengeschäft gehen und sagen, such dir einfach irgendwas aus und dann werden die sich schon irgendwas aussuchen. Das prägt sich vielleicht gar nicht so krass. Und je mehr man sich damit beschäftigt, finde ich, desto mehr stellt man fest, wie subtil das halt wirkt. Also wie, an wie vielen Stellen Kinder diese Botschaften vermittelt bekommen und in Summe, was daraus eigentlich für eine Menge an Botschaften für Kinder entsteht, die sie eben in diese jeweiligen Geschlechterrollen drängen. Und ich habe dann lange überlegt, wie war es eigentlich bei meinen Eltern und ich glaube es war, also die haben nie bewusst genderneutral oder gendersensibel erzogen. Die sind auch durch mich erst, die auch nie als feministisch bezeichnen so, die sind auch durch mich jetzt erst mit dem Thema in Berührung gekommen, aber gehen da zumindest mit. Also die haben noch nie irgendwie, da muss ich wirklich sagen, meine Eltern haben nie irgendwie Gegenwind gegeben. Aber mir sind einige Dinge aufgefallen, wo sie es einerseits in die eine, aber auch in die andere Richtung gemacht haben. Und ich glaube, ich war auch so ein Kind, also ich musste vorhin lachen, oder innerlich schmunzeln, als du von Kleidern und Bewegungsfreiheit gesprochen hast. Weil ich war so ein Kind, die haben mir schon schicke Kleider angezogen, gerade so im Urlaub und dann gibt es diverse Bilder. Und dann bin ich einfach mit diesen Kleidern über Mauern geklettert, habe die teilweise zerrissen, die schönen Kleider, weil ich halt einfach so ein Kind war, was gerne geklettert ist. Also ich glaube, da waren sie teilweise sehr stereotyp unterwegs, klassisch so für die Zeit vielleicht auch. Und teilweise aber auch anders. Also mein Papa backt sehr gerne Kuchen bis heute, was ja nicht so das klassische Bild eigentlich ist von einem Mann. Und ich glaube schon, dass ich da teilweise auch andere Rollen, Bilder vermittelt bekommen habe, aber eben, ich würde sagen, nicht ausreichend. Also vieles musste ich mir tatsächlich dann selbst erarbeiten, als ich älter war. Aber es hört sich auf jeden Fall schon mal gut an. Der Anfang ist das Ziel sozusagen. Das hat mich nämlich total interessiert. Was ich jetzt nochmal fragen will, weil ich finde gerade so, ich denke gerade an eine Situation, ich habe eine gute Freundin, die zwei kleine Jungs hat und die ist einfach eine super coole Mutter und die lässt die einfach, die haben lange Haare und die ist da einfach so, die lässt die so ihre Interessen an. Wirklich ein, also perfektes Beispiel, die lässt sie einfach ihre Interessen ausprobieren. Dann hat sie aber immer so wieder, ihr Mann ist halt einfach so ganz klassisch, so traditionell. Und ich finde, sie macht das ganz cool, weil sie sagt immer, ach, ich höre mir das hier ein und da raus, aber ich finde schon, dass der wirklich einfach so ein krasses Problem damit hat, wenn die Pink anhaben, also er hat es dann irgendwie gemerkt, er hat nicht so viel, also dass sie da die, treibende Kraft ist, aber dass das wirklich bei ihm so, ihn so triggert, wenn, weil er immer Angst hat, dass seine Jungs also dieses, also das ist so tief drin in einigen Männern so verweichlichen oder was auch immer, was er davon. Wo ich denke so, okay wie gehe ich damit um? Also für mich wäre das, also sie hat das wirklich, glaube ich, eher den Weg gewählt, so ich gehe da jetzt gar nicht immer in die Diskussion, sondern ich mache es einfach weiter so und irgendwann würde sich schon an den Anblick gewöhnen und vor allen Dingen weil der eine Junge halt so ganz klar gezeigt hat Ich möchte... Im Pink, also alles irgendwie im Pink und in Rot und in Lila und so, das sind einfach seine Lieblingsfarben. Total cool. Und dann immer so gegengesteuert hat, hier und hier ist Blau und hier ist Grün, oder auch in Sportarten. Also das, weil das finde ich ja gerade so, wenn man sich als Eltern nicht so, also nicht einig ist. Ja, nicht einig und vor allen Dingen auch immer, ich glaube einfach, gar nicht, also unbewusst immer wieder so, okay, aber nachher denken die anderen Leute, es geht ja ganz viel auch immer um das Außen. Ja. Also, Also was hast du da für Tipps? Weil das ist, glaube ich, geht vielen, vielen Paaren so. Ja, kann ich verstehen. Dass da vielleicht die Frauen vielleicht auch ein Stück weit informierter sind. Also, dass sich Frauen vielleicht mehr mit solchen Themen beschäftigen. Das ist ja nochmal so ein Thema für sich. Aber so diese ganze emotionale Arbeit, die ja auch viel bei Frauen liegt und von Männern vielleicht weniger gemacht werden und Männer da einfach weniger Wissen zu haben, aber auch weniger Bereitschaft, Offenheit, da neue Wege zu gehen. Ich bin ein großer Fan von Paartherapie oder generell davon das auch mit Unterstützung zu machen, weil ich glaube es kann super schwierig sein als Eltern, gerade bei so einem dann auch emotional aufgeladenen Thema, konstruktive Gespräche zu führen. Ich weiß nicht wie das bei euch ist, aber ich merke schon manchmal, wenn ich mit meinem Mann über so elementare Dinge spreche dass es schwierig ist, wenn wir alleine drüber sprechen weil dann ist man schnell, in dieser Emotionalität drin Man möchte auch seine Meinung durchbringen und wir Wir gehen tatsächlich seit mehreren Jahren einfach in Paartherapie, weil wir gesagt haben, sobald das erste Kind kam, ist die Zeit ja auch so rar, dass du dich in Ruhe hinsetzen kannst und sprechen kannst. Und ich finde es enorm hilfreich, dass du einfach jemanden dabei hast, der quasi neutral ist, der moderiert und der so ein Gespräch so begleitet, dass du es eben größtenteils konstruktiv führen kannst. Und ich glaube, bei dem Thema kann es total hilfreich sein. Klar kann es auch schwierig sein, je nachdem, auf wen du da triffst, im Sinne von Coachin, Therapeutin etc., Die da auch wirklich neutral sind bei dem Thema. Aber ich glaube, es kann zumindest helfen, dass man da wirklich überhaupt erst ins Gespräch drüber kommt. Also wenn man zum Beispiel das Gefühl hat, ich schaffe es gar nicht erst, dass wir da überhaupt ein Gespräch drüber führen können. Und wenn man es führt, dass man auch ein konstruktives Gespräch führen kann, und vielleicht dir auch wirklich drüber sprechen kann, was sind denn eigentlich deine Ängste? Also ich finde, das darf ja auch sein, das ist ja auch valide, weil wahrscheinlich ist der Mann von deiner Freundin ja auch damit aufgewachsen, dass er so geprägt wurde. Männer dürfen auf gar keinen Fall rosa tragen oder lange Haare und wirklich auch vielleicht so eine unbewusste Angst in sich trägt, die ja berechtigt ist, wenn man sich überlegt, wie er sozialisiert wurde. Und ich finde, dass man dahin kommt, darüber zu sprechen und dass er vielleicht auch darüber sprechen kann, warum möchte ich das nicht? Warum lehne ich das so ab? Könnte ein total guter Weg sein, dass man dann vielleicht sogar die Offenheit bekommt, dass er da irgendwie mitzieht oder zumindest vielleicht auch darüber zu sprechen, bis wohin kann er mitgehen? Oder kann er es zumindest sein lassen, das irgendwie abzuwerten, negativ zu beurteilen. Also er muss ja nicht von sich aus dann sagen, ich kaufe denen jetzt irgendwie rosa T-Shirts, aber vielleicht dann zumindest akzeptieren, dass es so ist und dass sie das so macht, wäre ja ein guter Kompromiss, den man da finden könnte. Ich finde deinen Ansatz mit Coaching und Paartherapie super. Ich muss bloß immer sagen, dass ich einfach auch immer an Menschen denke, die sich das vielleicht nicht leisten können, weil das ist ja leider einfach auch noch so eine Sache, die jetzt nicht unbedingt auch eine Kassenleistung ist und dafür ist es immer so schade, dass generell einfach, also wenn wir jetzt sozusagen, wir haben jetzt super viel besprochen, also wenn du jetzt so eine Wunschvorstellung hättest, das frage ich eigentlich fast mal jeden Gast, die du in deiner Arbeit sozusagen hast, also wie könnte die, also da würde ich zum Beispiel sagen, sowas bräuchten wir halt einfach. Also Eltern schulen werden, glaube ich, einfach ganz, es gibt, also als ich meine Hebammenausbildung gemacht habe, da hatten wir an unserer Hebammenschule nebenan eine Elternschule. Ich habe so gar nicht das Gefühl, dass das irgendwie noch so ein Riesen, also da gab es dann halt so Geburtsverordnungen kurz, aber so Also diese Themen hier, also das ist ja auch kein Thema von Geburtsvorbereitungskurs, aber eigentlich ist Gender-Neutralität, Gender-Sensibel zu erziehen einfach auch ein total wichtiger Punkt, den man sich auseinandersetzen sollte, wenn man Eltern wird. Und ich finde es immer manchmal so ein bisschen schade, dass viele Angebote oder viele Bücher, natürlich kann man in einer Bibliothek ausleihen, aber mir ist immer wichtig, dass wir irgendwie so versuchen, es allen Menschen so zugänglich zu machen. Und das ist ja auch schon der Luxus bei der Geburtshilfe. Ist auch ein Luxus, also eine Science-Betreuung jedenfalls. Und deshalb würde ich jetzt nochmal gerne meine letzte Frage an dich so, was wünschst du dir von der Politik, von dem Bildungsministerium, um einfach da allen Kindern sozusagen das möglich zu machen? Also was wäre da so in deiner Wunschvorstellung so? Wie du das gerne hättest, damit wir einfach mehr Menschen noch Zugang zu diesem wichtigen Thema. So viel, dass ich erst mal überlege, wie kann ich das konzentrieren? Jetzt hat sie mir so eine krasse Frage gestellt. Ich glaube, dass man tatsächlich am sinnvollsten da ansetzen könnte, dass man eben in so Einrichtungen, weil die prägen unsere Kinder ja total, also Kindergärten, Kitas, Schulen. Die ganzen Einrichtungen, wo unsere Kinder ja dann irgendwann hingehen, auf jeden Fall hingehen werden irgendwann, dass man da vielleicht das Personal noch viel besser schulen könnte. Weil klar ist es für Eltern privilegiert zu sagen, man nimmt sich irgendwie beispielsweise Paartherapie in Anspruch. Ich verstehe auch, wenn Eltern nicht immer die Kapazitäten haben, Bücher zu lesen zu dem Thema und sich da wirklich und da auch Zeit reinstecken, sich da zu bilden. Und genau deshalb glaube ich, dass gerade die Personen, die ja ohnehin eine Ausbildung machen, dass man da ansetzen könnte, dass die besser geschult werden darin, diese Impulse den Kindern einerseits zu vermitteln, aber vielleicht auch den Eltern. Also dass man vielleicht sagt, darüber, und wir haben es ja eigentlich auch selbst im Grundgesetz drinstehen, dass wir an der Gleichberechtigung von Mann und Frau arbeiten und an der Gleichstellung von Frauen. Und ich glaube, das wäre eigentlich eine Umsetzung dessen, dass man sagt, man fängt eben schon so früh an, weil ich finde, wir fangen da als Gesellschaft häufig viel zu spät an. Wir haben dann irgendwann den Girls Day und wir haben irgendwann die Initiativen Frauen in MINT, dass wir mehr Frauen in MINT berufen haben wollen, aber eigentlich müsste man ja viel früher anfangen, weil da ist es ja schon fast zu spät. Also du hast ja Frauen dann irgendwie 15 Jahre lang gesagt, eigentlich gehört ihr nach Hause an den Herd, so als ganz Klischee behaftete Vorstellung. Und plötzlich sagst du ihnen dann, ihr könntet aber auch Physik studieren. Und das ist, glaube ich, wahnsinnig schwierig. Und eigentlich müssten wir ja viel früher anfangen, dass wir wirklich eben im Kindergarten, im Grundschulalter die richtigen Weichen stellen. Und deswegen fände ich es so wichtig, dass wir das Personal da entsprechend schulen würden, weil da ja auch einfach ein massiver Einfluss auf die Kinder genommen wird in den Einrichtungen und in dem Alter, in der Lebensphase. Ich glaube, das könnte ein guter Weg sein, um auch die Eltern irgendwo mitzunehmen oder die Kinder, deren Eltern sich eben nicht aktiv damit beschäftigen oder die aus welchen Gründen auch immer sagen, wir schaffen es nicht, das umzusetzen oder vielleicht auch nicht beide umzusetzen, dass man eben über diesen Weg geht. Ja, das finde ich auf jeden Fall schön. Und vor allen Dingen die Einrichtungen wahrscheinlich nicht auch einfach anders aufzubauen. Also wie du es gerade beschrieben hast, dass ein Kindergarten einfach anders gestaltet wird, also viel freier, ohne diese Ecken zu schaffen. Ich habe doch noch eine letzte Frage. Was mache ich, wenn diese Angst so groß ist? Sagen wir mal, ich habe einen Sohn und der will jetzt nur noch Kleider anziehen. Also, was ist ja nicht schlimm, aber ich glaube einfach so, wie kann ich, ich weiß zwar, dass es okay ist, aber was mache ich mit diesen Gefühlen, diese Angst so und denken so, oh Gott, jetzt wird er halt nur noch so rumrennen. Ich glaube, es ist total berechtigt, dass man die Angst hat, weil wir wissen ja eben, wie unsere Gesellschaft größtenteils noch tickt. Also vielleicht erstmal zu sagen so, ich umarme meine Angst und nehme sie so an, weil sie ist ja berechtigt. Und ich glaube, das muss aber wirklich jede Familie dann für sich selbst entscheiden. Das macht ja einen enormen Unterschied. Das merke ich auch immer wieder, wenn ich so im Austausch auch mit meiner Community bin, ob du in der Stadt oder auf dem Land bist, wie auch die Gesellschaft darauf reagiert. Also ich glaube, wahrscheinlich, wenn du jetzt in Berlin in eine Kita gehen würdest mit einem Sohn im Kleid, wäre es vielleicht noch ganz akzeptiert und wäre das okay, wenn du jetzt irgendwo auf dem bayerischen Dorf das machen würdest, würdest du schon echt, glaube ich, Gegenwind bekommen. Du wohnst ja in Bayern, wie ist das so? Ich glaube, München ist schon nochmal der wahrscheinlich liberalste Ort in ganz Bayern. Also klar, es ist ja auch eine Großstadt. Hätte ich jetzt auch nicht gedacht. Wahrscheinlich auch je nach Ecke. Also ich finde schon, dass du in München auch echt offene Orte hast. Sicherlich ist es anders als Hamburg beispielsweise, ich habe ja auch lange Zeit in Hamburg gewohnt das nochmal ganz anders offen würde ich sagen zu dem Thema aber ich glaube da muss man sich einfach selber überlegen und ich finde es auch vollkommen fein zu sagen, dass man nicht in allen Bereichen, den Weg des größten Widerstandes geht, sondern dass man sich überlegt welche Kräfte, welche Ressourcen habe ich wie gehe ich damit am klügsten um du kannst ja auch mit deinem Sohn dann ein Gespräch führen und sagen, ich finde es total toll, dass du das Kleid trägst, es kann sein, dass du da fiese Kommentare bekommen wirst, wenn du das machst. Also je nach Alter natürlich immer altersgerecht. Aber ich glaube, da kann man sicherlich auch mit größeren Kindern dann einfach in einen offenen Austausch gehen und drüber sprechen und sich wirklich überlegen. Wovor genau habe ich denn jetzt eigentlich Angst? Und was ist, ich habe auch selber eine Zeit lang mit einer Therapeutin regelmäßig gesprochen, die hat immer gesagt, was ist denn das Schlimmste, was passieren kann, wenn genau das Realität wird? Also wenn ich über irgendwelche Dinge gesprochen habe, vor denen ich Angst hatte, dann hat sie gesagt, Was wäre der schlimmste Fall? Was könnte dann passieren? Und ich glaube, da merkt man manchmal, dass vielleicht der schlimmste Fall gar nicht so schlimm ist, wie man einem so diese subtile, unbewusste Angst irgendwie vermittelt. Und vielleicht ist das so ein ganz guter Kompass, um zu sagen, am Ende des Tages, zu welcher Entscheidung komme ich? Darf mein Sohn lange Haare tragen? Darf der mit einem Kleid in den Kindergarten, in die Schule gehen oder eher nicht? Und ich glaube, das kann auch helfen, mit seinem Kind einfach wirklich ganz aufrichtige, ehrliche Gespräche darüber zu führen. Vielen Dank, liebe Sirit. Danke für deine Zeit und danke für deine vielen guten Impulse. Ich glaube einfach, es ist immer wichtig, wieder darüber zu reden und auch einfach, dass die kleinen Dinge es sind, dass wir natürlich auch anders aufgewachsen sind. Und ich glaube, das ist immer so ein bisschen, dass für uns so als Eltern wieder, wir haben über den Perfektionismus am Anfang auch gesprochen, dass es sagt, dass man natürlich auch selber in alte Rollenbilder manchmal zurückfällt. Aber wichtig ist immer, da wieder nach vorne zu gehen und zu gucken, Farben sind für alle da. Danke dir, Sissi. Danke und ich wünsche euch erstmal eine gute Woche. Und ja, wenn ihr mehr über Siret erfahren werdet, sie hat so viele Bücher genannt, die habe ich mir nicht mitgeschrieben, aber wir werden versuchen, alles in die Shownotes zu packen. Ansonsten könnt ihr ihr einfach über ihren Instagram-Kanal, den ich hier verlinken werde, unten in den Shownotes einfach folgen, weil sie schreibt nämlich nicht nur über gendersensible Erziehung, sondern auch über Feminismus und sie hat so viele tolle Beiträge. Da müsst ihr auf jeden Fall mal vorbeischauen. Vielen Dank. Tschüss. Ihr Lieben, das war es schon wieder mit der heutigen Folge Sounds Familie. Aber bevor wir zum Ende kommen, gibt es natürlich noch unseren Mythencheck. Und ich finde den Mythos heute, den finde ich richtig gut. Wahrscheinlich liegt es daran, ich lese es euch jetzt erstmal vor, aber der Mythos, dass rosa immer für Mädchen und blau für Jungs bestimmt war, ist weit verbreitet, doch er entspricht nicht der Realität. Das fand ich wirklich sehr, sehr interessant. lustig, weil ich habe ja schon gesagt, dass mein Sohn total gerne rosa trägt, also passt einfach an. Tatsächlich war rosa im 19. Jahrhundert ursprünglich eine Männerfarbe, während blau mit Mädchen assoziiert wurde. Erst im 20. Jahrhundert, ich weiß gar nicht, wer das gemacht hat, änderte sich die Farbzuordnung als Unternehmen, warte mal, erst im 20. Jahrhundert hat sich das geändert, dass sich die Farbzuordnung. Erst im 20. Jahrhundert änderte sich die Farbzuordnung, als Unternehmen begannen, gezielt rosa für Mädchen und blau für Jungen zu verwenden. Besonders ab den 50er Jahren mit der Einführung von Produkten wie der Barbie-Puppe wurde diese Trennung durch Werbung verstärkt. Was wir heute als Tradition ansehen, ist also eine relativ neue, kommerziell motivierte Konstruktion, die erst im 20. Jahrhundert populär wurde. Die heutige Farbzuordnung ist das Ergebnis von Marketingstrategien und nicht das Produkt einer langen Tradition. Ja, ist ja super spannend, vor allen Dingen, wenn man sich überlegt, dass es nur 70 Jahre alt ist und wir immer noch in diesem hellblau und rosa Schema sind. Also sollten wir die neuen Marketingstrategien auf jeden Fall ändern, dass wir uns darauf konzentrieren, dass Farben für alle da sind. Ich wünsche euch eine gute Woche. Schön, dass ihr eingeschaltet habt. Gerne lasst mir fünf Sterne da, wenn euch die Folge gefallen hat. Und ich freue mich, wenn ihr nächsten Donnerstag wieder einschaltet. Und bis dahin wünsche ich euch eine schöne Woche. Wenn dir diese Folge gefallen hat, würde ich mich riesig freuen, wenn du den Podcast abonnierst und eine Bewertung oder einen Kommentar hinterlässt. Du hast Fragen an mich, Ideen für Themen oder möchtest deine Geschichte mit mir, mit uns teilen? Dann schreib mir einfach an sissy-ohren.com und ich freue mich riesig über deine Nachricht. Das war Sounds Familiar, der Eltern-Podcast mit Hebamme Sissi Rasche. Eine Produktion von Auf die Ohren. Redaktionelle Leitung Katharina Kern. Aufnahmeleitung Lena Günther. Sounddesign und Postproduktion Nilan Feig.