Music. Lieben, es ist wieder Donnerstag und es gibt eine frische Folge Soundsfamilie für euch. Und heute ist eine kleine Premiere, weil heute ist die erste Folge, die ich remote aufnehme. Das heißt, mein Gast ist heute nicht in Berlin, sondern in Kassel. Und wir werden über Zoom-Call miteinander sprechen. Also bin ich ein bisschen aufgeregt, weil das ist ja doch was anderes, als wenn man hier sich gegenüber sitzt. Aber es ging leider nicht anders und deshalb ist es so und es wird, glaube ich, richtig gut werden. Und das Thema, was wir heute besprechen werden, ist einfach super, super wichtig. Wir werden nämlich heute über altersgerechte Sexualbildung sprechen und wie kläre ich als Eltern richtig auf. Und dazu habe ich mir einen ganz tollen Gast eingeladen, nämlich Konstantin Wagner. Einige von euch werden ihn bestimmt kennen, weil er ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und bekannt unter dem Namen Gynäkologisch bei Instagram. Er ist unter anderem aber auch Autor und Vater von zwei Töchtern und sein Ziel ist es in seiner Arbeit einfach ganz viel Wissensaufklärung zu geben. Er hat ganz tolle Kinderbücher zu dem Thema geschrieben, wie wir einfach unsere Kinder richtig aufklären können. Und deshalb freue ich mich, dass er heute Zeit gefunden hat, mit mir über dieses wichtige Thema zu sprechen. Hallo Konstantin, schön, dass du da bist. Ich habe wirklich beim Vorbereiten auf diese Folge gemerkt, dass wir uns sehr lange schon, also überwinden, kennen, aber noch nie persönlich miteinander gesprochen haben, sondern wirklich einfach nur über Social Media geschrieben haben und es auch leider nie geklappt hat. Du hast mich schon mehrmals eingeladen zu euch nach Kassel, aber durch meine Rufbereitschaft konnte ich leider immer nicht kommen. Deshalb vielen, vielen Dank, dass du heute Zeit findest mit mir hier, leider remote wieder, aber dass du da bist. Ja, das ist voll spannend, wie lange man sich eigentlich schon kennt in Anführungszeichen und dann jetzt zum ersten Mal live miteinander quatscht. Ich bin ganz, ganz dankbar und froh hier zu sein, freue mich. Wie lange machst du schon Social Media? Seit 2017, da war ich nur in der Klinik als kleiner Assistenzarzt. Also auch schon jetzt acht Jahre. Ja, ich auch so ungefähr in dieser Zeit. Aber erstmal herzlichen Glückwunsch, du hast ja auch einen neuen Podcast, Das Wunder der Frau, habe ich auch schon reingehört, weil du tolle Gäste auch schon hattest. Gemeinsam mit einer Psychologin, Linda Marlen, finde ich auch eine super Kombi, Gynäkologe mit einer Psychologin. Also falls einige diesen noch nicht kennen, solltet ihr unbedingt reinhören. Genau, also es ist eine total coole Kombi, weil ich natürlich so das Medizinische ein bisschen abzeichne und die Linda das Psychologische und wer sich mit Frauen auskennt oder mit Frauen zu tun hat, weiß, so eine Körperfrau, so eine Systemfrau ist einfach ganzheitlich zu betrachten auf allen Ebenen. Und wir haben immer eine Gästin dabei, die meistens Betroffene sind von einer Erkrankung und das macht unfassbar Spaß, weil die sind natürlich auch Expertinnen auf ihrem Gebiet selbst für ihre Erkrankungen oder ihr Beschwerdebild. Und dieser Dreier-Talk ist einfach unglaublich wertvoll, macht total viel Spaß und ist sehr empowernd. Also wir haben immer eine Gänsehaut am Ende, was Frauen einfach imstande sind zu leisten und was die durchmachen und trotzdem immer noch was Positives dem Ganzen abgewinnen. Also gerne mal reinhören und von mir aus auch gerne mal einen Kommentar da lassen, wenn es euch gefällt. Es ist ein ganz tolles Projekt, da bin ich ganz stolz drauf. Ich finde das gerade, wie du sagst, die Kombination mit Psychologin und Gynäkologe, das ganzheitlich zu betrachten. Ich glaube, das merkst du wahrscheinlich, du bist der niedergelassene Gynäkologe in der Praxis. Ich finde ja auch einfach so eine Praxis zu haben, wo eigentlich das auch gleich alles mit in einem ist. Also ich finde manchmal ist das so toll, würde ich mir wünschen, auch in der Klinik, dass man viel schneller Zugriff auf die anderen Fachrichtungen hat und auch Fälle einfach so ganzheitlich betrachtet. Das ist, finde ich, deshalb ist es so eine schöne Kombination in dem Podcast, weil das ist, was man eigentlich auch täglich in unserer Arbeit so braucht. Total. Leute denken immer, da wird nur untersucht. Also ich bin glaube ich zu 70, 80 Prozent am Reden mit den Frauen über alles. Über Beziehung, über Sexualität, über körperliche Beschwerden, Wechsel etc. Pp. Also wir sind da viel, viel mehr am Reden und mit dem Geist am Arbeiten als rein körperliche Untersuchungen da stattfinden. Und deswegen macht es das so spannend auch. Ja, aber so eine Fälle dann einfach auch mit anderen Kolleginnen zu besprechen. Ich weiß nicht, ob du das kennst. Es gab mal so eine Serie, die hieß Private Practice und das fand ich so eine tolle Kombination. Diese unterschiedlichen, also da waren ja Internisten, Gynäkologe, Psychologe, was war da noch, Chirurgen und wie sie über diese Fälle besprochen haben. Ich meine, das ist jetzt natürlich eine Serie, aber ich finde es einfach richtig gut, da einfach mit allen Punkten so ranzugehen. Das wäre auch so mein Wunsch, dass man so ein großes Zentrum hätte, wo wirklich viele Fachdisziplinen drin sind, was einfach so ein Zentrum für Frauengesundheit wäre. Und eben nicht nur die Gynäkologen, der Gynäkologe, sondern eben auch diese ganzen Fachbereiche. Also ich glaube, dann hätten wir einiges geschafft in Deutschland. Ja, das sage ich auch immer ganz laut in vielen Podcasts, sodass man auch in der Geburtshilfe sowas hätte, wo man wirklich von Beckenbodenspezialisten, Psychologen, Gynäkologen, Hebammen so ein richtig tolles, ganzheitliches Zentrum, wo man das alles so betrachtet. Also wer das mit uns machen möchte, braucht man viel Geld für. Absolut unbedingt. Und ich hatte vor fünf Jahren, habe ich schon mal eine Idee gepitcht, selber hier auf meinem Computer, wo es genau sowas gibt. Also so ein geburtsdäufliches Zentrum, wo Hebammenkreissäle sind, wo aber auch die Gynis sitzen und wie du schon gesagt hast, Beckenboden, Physios. Das wäre doch cool. Also da wäre alles an einem Ort und alles ganz nah beim Menschen. Ja, also wer viel Geld hat und investieren möchte, Sissi und ich, wir sind auf jeden Fall am Start. Genau. Ja, wir haben uns ja heute zum anderen Thema verabredet, aber ich sehe schon, da sind auf jeden Fall viele Gemeinsamkeiten und ich finde auch immer so dieses Miteinander so wichtig und dieses Miteinander sprechen. Aber heute sind wir ja bei Soundfamilie und das ist ja mein Elternpodcast, wo ich einfach die Themen, die Eltern ja sozusagen beschäftigen und da machst du ja auch ganz viel in der Aufklärung. Du hast mehrere Kinderbücher schon geschrieben und deshalb habe ich mir gewünscht, dass du heute zu Gast bist, weil das Thema sexuelle Aufklärung bei Kindern ja einfach ein riesengroßes Thema ist. Ich glaube, wir sind beide Eltern. Du hast zwei Kinder, ich habe vier Kinder. Dadurch, dass unser Beruf ja ganz nah dran ist, ist das für uns nicht so eine Hürde. Aber man merkt es ja wahrscheinlich im Freundeskreis, in unserer täglichen Arbeit, dass doch für viele dieses Thema doch wirklich sehr immer mit Scham berührt ist. und ich habe das auch gemerkt, als ich meine... Großen Kinder sind zwölf und vierzehn. Und als die in den Kindergarten gekommen sind, sprach mich eine Erzieherin an. Sie war sehr verwundert, wie aufgeklärt denn meine Tochter schon sei und wie sie ihr genau erklärt hat, wie die Babys halt, wo sie rauskommen können und dass es da Unterschiede gibt. Und da habe ich gemerkt, dass die halt nicht so happy damit waren, dass sie so alles so ganz genau benennen konnten. Und da habe ich gesagt, ja, aber ich bin Hebamme und ich finde es auch total wichtig, dass sie ganz genau Bescheid weiß über ihren Körper, natürlich ihrem Alter entsprechend. Aber da wäre jetzt zum Beispiel meine erste Frage an dich, ab welchem Alter sollten Eltern eigentlich mit ihren Kindern über Sexualität reden? Oder wann hast du auch damit angefangen bei deinen Kindern? Ja, bei dem Thema kindliche Sexualität, da rollen einem oft immer die Fußnägel hoch. Bei vielen, das hast du gerade beschrieben, wenn man darüber mit anderen spricht, dann ist das immer ein Tabuthema, wo man denkt, oh Gott, das in einem Wort zu beschreiben oder überhaupt zu sagen, das darf man doch eigentlich gar nicht. Und wir müssen uns, glaube ich, freimachen davon, immer mit der Brille der Erwachsenensexualität auf die Kinder zu schauen. Also kindliche Sexualität und Erwachsenensexualität sind wirklich zwei ganz, ganz, ganz unterschiedliche Dinge. Und das muss ich deswegen vorweg gleich sagen, weil wir das heute immer wieder, glaube ich, hören werden. Die kindliche Sexualität, die gibt es, die ist angeboren. Wir sind sexuelle Wesen und Sexualität bedeutet auch nicht, dass was die ersten drei Buchstaben in uns auslösen, dass das irgendwas mit Geschlechtsverkehr zu tun hat. Die kindliche Sexualität ist ganz neugierig, ganz spielerisch. Kinder sind neugierig, die laufen neugierig durch die Welt, die wollen alles verstehen, alles wissen, alles anfassen und mit allen Sinnen Dinge erleben. Und für uns ist Sexualität Befriedigung. Es ist immer zielgerichtet, wir wollen immer damit irgendwas auslösen. Wir haben aber auch die Schmerzen von Beziehungen, Partnerschaften, die vielleicht in die Brüche gegangen sind im Kopf. Also für uns ist das so ein ganz anderes Thema. Und die Frage, ab wann fängt man damit an, da sage ich immer ganz überspitzt, ab Geburt. Also sobald ich mein Kind anfange zu wickeln, benenne ich die Geschlechtsteile richtig. Also die Frau, das Mädchen hat die Vulva und der Junge hat einen Penis, den man sauber macht. Und da kann man auch schon mit den Begrifflichkeiten einfach die so benennen, wie sie nun mal heißen. Und das ist immer interessant, auch wenn man die eigenen Eltern oder auch die Großeltern dann erlebt, die daneben stehen, wie die immer große Augen machen. Weil das ist ja ein Begriff, den darf man nicht sagen. Dabei ist Vulva zum Beispiel ein total schöner Begriff. Und ich weiß, dass das Wort Scheide, das werden wir auch und hast du wahrscheinlich auch in der Klinik oft gehört, auch aus professionellen Mündern. Es ist per se nicht falsch, aber es ist auch nicht richtig, denn es subsummiert quasi einen Bereich, der aber getrennte Bereiche ist. Vulva und Vaginas, was komplett anderes, anatomisch und auch von der Sexualität her. Und deswegen ist Scheider eben nicht der ganz falsche Begriff, aber eben auch nicht der ganz richtige. Also um die Frage kurz zu beantworten, sofort, eigentlich nach Geburt fängt man an, mit Kindern über ihren Körper zu sprechen und das ist auch schon gleichzeitig Sexualität. Du hast gerade das super gut erklärt. Also es gibt also keinen zu früh. Wir fangen von vornherein damit an. Ich finde ja immer, ich habe immer so ein Problem, gerade wenn es Kleinkinder sind, diese Verniedlichung. Also ich habe das gestern gerade mit einer Freundin im Telefonat gehabt, die dann auch wieder eine Verniedlichung benutzt hat. Dann habe ich zu ihr gesagt, kannst du bitte, also so benennen ist einfach richtig. Aber das ist wirklich einfach so ein richtiges Problem, dass wir Angst haben, zum Beispiel Penis zu sagen oder Vulva, das zu benennen. Ich habe das Gefühl, dass diese Begriffe schon bei vielen Erwachsenen wirklich mit Scham behaftet sind. Dass sie Angst haben, dass ihre Kinder jetzt sozusagen auf der Straße irgendwie Penis sagen. Also als wenn das jetzt irgendwie was. Und das passiert auf dem Spielplatz, wenn die eigene Tochter mit meiner Hulva juckt oder sowas ruft, dann drehen sie alle um und denken sonst was. Das ist wirklich spannend. Und wir Erwachsene, wir meinen das ja auch nicht böse. Wir haben es selbst nicht besser gelernt. Ich kann es selbst sagen und ich habe mit ihm auch schon darüber gesprochen, mein Papa ist auch Gynäkologe, das Thema Aufklärung gab es bei uns auch nicht. Also selbst im Haushalt, wo man denkt, da redet man doch drüber, gab es diese Aufklärung einfach nicht. Ich habe das nie gelernt. Ich bin damit nie groß geworden. Für mich war das eine Blackbox. Alles unterm Bauchnabel. Wirklich? Dein Vater? Absolut. Ja, der ist Gynäkologe. Und meine Mutter hat in der gynäkologischen Praxis gearbeitet. Das ist ein sehr offener Mensch. Das sind sehr offene Menschen generell. Jetzt nicht total konservativ oder was man jetzt denkt. Ganz moderne, tolle Eltern gewesen. Aber das Thema wurde auch tabuisiert. Obwohl mein Papa vom Fach kommt. Und so bin ich dann eben auch so groß geworden. Unaufgeklärt. Und was ich auch noch sagen möchte, diese Verniedlichung, das Schmuckkästchen oder der Johannes beim Jungen oder der Pullermann. Es ist auch präventiv, was sexualisierte Gewalt angeht, wenn die Kinder es gut benennen können. Denn wenn, ich nehme jetzt irgendwann ein Beispiel, wenn ein Mädchen zur Erzieherin geht und sagt, Hans-Dieter, irgendein Name, hat mir am Schmuckkästchen rumgespielt, dann weiß die Erzieherin ja gar nicht, ist das ein Spielzeug, ist das eine Puppe oder ist das ein Geditalorgan. Und es macht auch einen riesen Unterschied. Schmuckkästchen ist ein Klassiker. Ja, genau, ist ein Klassiker. Und es macht auch einen Unterschied, ob an der Vulva berührt wurde oder in der Vagina. Das ist dann eindringend. Das macht einen ganz großen Unterschied auch bei der Untersuchung danach. Das möchte man sich gar nicht vorstellen, aber das sind Riesenunterschiede. Und wenn der Junge sagt, mein Johannes tut weh, weiß man auch nicht, ist das der Teddybär oder ist das das Auto oder ist es ein Geschlechtsteil? Und deswegen ist es auch, also das Körperwissen früh zu vermitteln, ist präventiv für sexualisierte Gewalt. Das wissen auch wenige. Und ich glaube, wir machen uns das total leicht, wenn wir mit unseren Kindern vielleicht auch neu beginnen zu lernen, dass diese Begriffe nicht schlimm sind und kein Tabu ist, sondern normal und Natur. Ich freue mich ja immer, wenn meine Kinder das so ganz, also ich habe ja drei Mädels und wenn die das einfach so ganz, ganz ohne Schamgefühl einfach sagen und für sie ist total klar, ich finde das super. Was gehört denn in den ersten Jahren für dich zur sexuellen Bildung und was nicht? Also das ist glaube ich nochmal ganz wichtig für viele Eltern, das einfach zu unterscheiden. Also das ist so, ich finde das wirklich sehr interessant, dass dein Vater Gynäkolog, er hätte dich jetzt wirklich gedacht, also wie hast du es bei deinen Kindern gemacht? Also die sind absolut aufgeklärt. Ich musste gerade schmunzeln, weil jetzt, das ist noch nicht so lange her, drei, vier Tage zuvor war ich mit der Kleinsten, die ist drei Jahre, auf einer öffentlichen Toilette. Die sind ja unten auch immer so ein bisschen offen. Und ich musste dann auch pullern und habe mich dann auch auf die Toilette gesetzt. Und dann hat sie natürlich mein Geschlechtsteil gesehen, hat dann ganz laut gerufen, Papa, du hast einen Penis. Und nebenan, das war alles voll besetzt, wurde laut gelacht und ich habe das natürlich dann zurückkommentiert. Ich habe gesagt, ja, stimmt, ich habe einen Penis. Also das fand ich herzlich, weil ich dann auch gemerkt habe, also Kindern, das ist sowas von egal. Die können nicht unterscheiden Geschlechtsteil kleiner Finger. Also das ist denen völlig wurscht, ob die über einen kleinen Finger sprechen oder über einen Penis. Ist für die dasselbe. Und für uns Erwachsene zieht sich alles zusammen, wenn wir das Wort Penis in den Mund nehmen oder sowas. Was war jetzt eigentlich die Ursprungsfrage mit meinem Papa? Irgendwas noch? Nee, ich war einfach nochmal, ich habe nochmal die Frage gestellt, was ist zu viel? Also wann würdest du sagen sexuelle Bildung? Was sollten Kinder zu welchem Zeitpunkt lernen? Und was ist vielleicht zu viel? Genau. Weil viele haben ja das Gefühl, es ist zu früh und dass sie dann zu schnell sexuell, das ist ja glaube ich die größte Angst, die ganz viele Eltern haben, wenn sie zu viel wissen, dass sie, also sehe ich natürlich anders, du auch, aber zu früh sexuell aktiv werden. Genau. Also das sind zwei große Schlagworte. Es muss altersgerecht sein und kindgerecht, was ich da erzähle. Also ein dreijähriges Kind jetzt zu erklären, wie der sexuelle Akt vonstatten geht mit irrigiertem Penis und Samen und Eizelle, macht überhaupt keinen Sinn. Das verstehen die auch gar nicht. Also das kann man machen, das verstehen die aber null. Es gibt eine Regel, so eine Grundregel, die kann man sich auch gut merken. Wenn ein Kind alt genug ist zu fragen, ist es auch alt genug, die richtige Antwort zu hören. Das ist erstmal so per se ganz wichtig. Man muss jetzt nicht proaktiv bei einem vierjährigen Kind hingehen und denen irgendwie eine Periode erklären, sondern man kann auch mal darauf warten, bis da vielleicht die Frage kommt. Und das wird auch nicht mit vier Jahren sein, sondern wahrscheinlich erst mit acht, neun Jahren. Und zum Zweiten ist, da gibt es Studien tatsächlich, die nachgewiesen haben, egal wie früh du anfängst, deine Kinder eben Sexualbildung, nenne ich es immer, oder Körperwissen zu vermitteln, sie werden nicht früher sexuell aktiv. Es ist erwiesen, es ist immer noch ein Mythos, dass wenn ich ein Kind erkläre, wie die Genitalorgane heißen mit drei, vier Jahren, dass es dann früher sexuell aktiv wird. Also das ganz im Gegenteil, wir schützen die Kinder eher vor solchen sexuellen Übergriffen oder Grenzüberschreitungen in dem Bereich. Ich habe ja alle deine Bücher und die werden wir uns sehr gerne gelesen. Und da ist natürlich auch, stellst du ja auch super gut dar, wie Sex funktioniert und dass das Erwachsene machen. Aber das interessiert auch schon meine Dreijährige. Und dann ist es doch okay, dann kann man das auch erklären, ob sie sich das dann merkt. Aber was ist daran falsch zu erklären, wie das im Grunde funktioniert? Genauso wie dein Kind erklärt, wo die Kinder herkommen. Also wie sie in den Bauch kommen, wie sie wieder rauskommen. Irgendwann kommen ja die Fragen. Wir haben ja gar keine Chance. Diese Fragen werden ja kommen von unseren Kindern. Papa, da ist jetzt eine schwangere Frau. Wie kommt denn das Baby eigentlich da rein? Und was willst du denn erzählen? Die Geschichte vom Storch? Also willst du wirklich aktiv dein Kind anlügen mit einer Storchgeschichte, die da irgendwo ein Kind auf der Fensterbank setzen? oder erzählst du einfach kindgerecht und altersgerecht, wie es denn einfach ist. Dass Papa und Mama sich sehr nahe gekommen sind, dass man das nackt macht. Das machen aber nur Erwachsene. Es ist immer wichtig, das abzugrenzen. Das machen keine Jugendlichen und keine Erwachsenen, sondern die sind daran nicht beteiligt, keine Kinder vor allen Dingen. Und dann kann man denen das ganz, ganz altersgerecht erklären in kleinen Bruchstücken. Und beim nächsten Mal fragen sie vielleicht nach. Das ist auch immer ein interessantes Spielchen, einfach mal denen ein paar Brocken hinzuwerfen und zu gucken, sind sie damit schon zufrieden mit der Information oder brauchen sie noch mehr Input. Das machen die ganz geschickt. Fragen die nachher, wieso verstehe ich jetzt nicht, wo kommt denn der Samen her und dann musst du weiter erklären, wie der Samen da überhaupt aus dem Penis rauskommt etc. Also sich da einfach frei zu machen, ich muss nicht direkt korrekt alles erklären, wie es biologisch funktioniert. Einfach Stück für Stück und wirklich an der Wahrheit bleiben und mit den richtigen Begrifflichkeiten, da verstören wir die Kinder auch nicht. Mir ist nochmal ganz wichtig, es gibt ja wahrscheinlich heute Menschen, die halt zuhören oder Eltern, die zuhören, denen das vielleicht nicht so leicht fällt. Was kannst du denen an die Hand geben oder was würdest du sagen. Dass sie einfach diese Scham verlieren und da auch einfach wirklich selbstbewusst damit umgehen, wie sie das am besten machen. Also es hört sich jetzt natürlich alles so einfach an, wenn du das erzählst oder wenn wir das erzählen. Aber gerade Menschen, die da nicht auch in ihrer täglichen Arbeit damit zu tun haben, glaube ich, sind da einfach immer noch, ja und die auch nicht selber. Wir merken, wir kommen aus einer Generation, die nicht so aufgeklärt wurden und dann einfach schwierig finden, auch so offen mit ihren Kindern darüber zu sprechen. Was würdest du denen raten oder wie würdest du damit umgehen? Es wird jetzt auch viele geben, die zuhören und die wirklich ein unangenehmes Gefühl in sich spüren, dass das Thema einfach unangenehm ist. Und das Beste, was man eigentlich machen kann, ist, sich selbst schon mal so ein bisschen Wissen aneignen. Wie soll ich einem Kind was kindgerecht erklären, wenn ich selbst als Erwachsener nicht verstanden habe? sich also hinzusetzen und zu gucken, okay, weiß ich halt wirklich, wie das überhaupt alles funktioniert, wie eine Periode vonstatten geht, was dabei passiert. Das ist als Erwachsener erstmal checken, das kann ich für mich einfach machen und dabei vielleicht auch schon mal diese Begrifflichkeiten einfach auch laut aussprechen, wie zum Beispiel Vulva, Vagina, Penis, Hoden, dass man einfach da mal diese Scheu verliert, das auszusprechen. Da kommt man sich natürlich total dämlich vor, wenn man irgendwo in seinem Kämmerchen sitzt und Genitalorgane aufzählt, aber das schon mal zu verstehen ist ganz, ganz wichtig und dann. Ist, glaube ich, ein absoluter Game Changer, sind, was du schon erwähnt hattest, jetzt nicht nur meine, sondern generell Kinderbücher. Weil ihr habt jetzt die große Chance mit euren Kindern, das nochmal ganz neu aufzurollen, das Thema und für euch auch abzuschließen und euch da zu öffnen. Und das geht ja gar nicht leichter als mit so einem Kinderbuch, was ja eine Geschichte vorgibt. Ihr müsst das im Grunde nur vorlesen und euch damit so ein bisschen berieseln lassen. Und bei mir in den Kinderbüchern ist ja so, da gibt es ja immer, was Sie gesehen haben, diese QR-Codes, wo noch Elternwissen hintersteckt. Da ploppt ein Video auf, wo nochmal Dinge erklärt werden, warum es wichtig ist, das den Kindern so zu erklären und was für Fragen da vielleicht auch nochmal kommen, damit die Eltern da auch noch abgeholt werden. Und ich glaube, diese Kinderbücher oder auch andere Materialien, die öffnen echt Türen, weil das Kind wird irgendwann eine Frage stellen und es ist total schön, was da auch entsteht zwischen so einer Eltern-Kind-Beziehung, weil das macht nochmal eine richtige Bindung, weil man so zusammen nochmal ein Thema eröffnet, was für beide ganz neu ist. Was ich nochmal wichtig finde, auch was ich mir wünsche, was du vielleicht nochmal erklärst, das ist vorhin schon mal angeschnitten, aber so kindliche Sexualität, wie sich die von Erwachsenensexualität unterscheidet. Weil Kinder spielen ja dann auch Rollenspiele, gerade wenn sie dann so eine Bücher lesen, dann wollen die ja also, Geburt wird bei uns immer viel gespielt und dann hat man ja schon mal Angst, wenn sie dann, oder Doktor, also mit dem Arztkoffer und dann wird hier und da und so. Und ich glaube, da ist auch wieder diese große Angst, okay, was ist zu weit, was ist zu viel? Und da wäre es auch nochmal, glaube ich, hilfreich, wenn du uns dann nochmal ein bisschen abholst. Total. Also wie gesagt, kindliche Sexualität hat ganz viel mit Neugierde zu tun und mit Ausprobieren. Ihr werdet, wenn ihr Kinder habt, die irgendwann mal dabei beobachten, wie sie vor dem Spiegel stehen und sich am Penis rumziehen und da versuchen eine Brezel rauszuformen oder irgendwas. Und genauso ist es bei den Mädchen, die sich dann da an der Vulva rumgucken und dran ziehen und mal schauen, was da so passiert. Und dann gibt es die sogenannten Körpererkundungsspiele, die unter auch dem Synonym Doktorspiele immer bekannt sind. Und da gibt es ganz klare Regeln und die kann man auch eher googeln. Wenn du eingibst, Regeln, Körpererkundungsspiele sind fünf bis sechs Stück. Eine wesentliche Regel ist dabei, dass das quasi nur Kinder, also die dürfen das grundsätzlich erstmal machen. Das ist jetzt nichts, was man verbieten sollte, wenn man merkt, Kinder spielen an sich rum, ziehen sich auch dabei aus. Aber nur unter den Regeln. Eine große Regel ist, dass dieses Machtgefälle nicht da sein darf. Und das hat meistens was mit Alter zu tun. Das heißt, Kinder, wo 1,8 ist und 1,4 ist, die dürfen zum Beispiel keine Körpererkundungsspiele miteinander unbeaufsichtigt machen, weil das Gefälle zu groß ist. Das achtjährige Kind könnte das vierjährige Kind instrumentalisieren und auch manipulieren. Die sind auch total manipulativ. Da muss man eben aufpassen. Das schließt schon ein, dass das überhaupt keine Jugendlichen oder Erwachsenen mit Kindern machen dürfen, sondern nur die, die auf dem gleichen Level sind. Und das gilt übrigens auch für Geschwisterkinder. Also wenn jetzt meine älteste Schwester ist acht Jahre älter, mit mir damals Körpererkundungsspiele gemacht hätte, dann wäre das nicht in Ordnung gewesen. Und dann gibt es natürlich ganz grundsätzliche Regeln, wie es darf in keine Körperhülle irgendwas reingesteckt werden. Das gilt für die Nase, genauso für die Vagina oder den Po. Und da gibt es fünf, sechs Regeln, die ich jetzt nicht alle aufzählen möchte, die ganz wichtig auch sind zu kennen als Eltern. Und das ist wieder, wo wir heute auch sitzen, um aufzuklären und Wissen zu vermitteln. Das sind so Punkte, die muss man einfach so ein Stück weit drauf haben und den Kindern nicht gleich Angst machen und das ist verboten und das darfst du auf keinen Fall machen und nee, das gehört sich nicht, das ziemt sich nicht, was wir früher immer gehört haben. Sondern es ist okay, aber es gibt ein paar Regeln und eine ganz, ganz, ganz wichtige Regel ist, die auch noch darunter zählt. Nein heißt nein. Also wenn das, muss eine Freiwilligkeit von beiden sein. Wenn ein Kind sagt, möchte ich nicht, mein Körper gehört mir etc. Stopp, dann wird hier gestoppt und da geht es nicht darüber hinaus. Und das ist auch so das Wichtigste, was wir unseren Kindern vermitteln sollten, wo ich auch, gibt es auch ein Kinderbuch zu, wo ich auch zu Hause wirklich darauf achte. Selbst wenn ich die kitzle und meine Tochter sagt, nein, stopp, ich finde es aber total lustig, höre ich auf, da gibt es nichts. Und genau andersrum auch, wenn mein Kind mich kitzelt, dann sage ich auch irgendwann stopp, weil die Grenzen eines Körpers, des eigenen Körpers, die sind unantastbar und das sollten wir Erwachsene und auch die Eltern respektieren. Genauso wie wenn die Tante kommt und ein Küsschen zur Begrüßung geben möchte. Das Kind kann, darf sagen, nein, das möchte ich nicht. Und die Tante soll nicht pikiert sein, sondern einfach sagen, alles klar, okay, dann winke ich das nächste Mal. Also ganz, ganz wichtig, da die Grenzen zu wahren, sowohl als erwachsener Mensch als auch natürlich als Kind. Ja, ich glaube, da ist aber auch die Aufgabe von uns Eltern, einfach unsere Kinder zu schützen, weil gerade Tanten, Onkel, Oma, Opa haben da eigentlich immer, denken ja immer noch, dass die Kinder da nicht respektvoll sind. Und da einfach zu sagen, dass Kinder einfach ihre Grenzen einfach selber entscheiden dürfen, wen sie umarmen und wen sie nicht. Die meint es auch nicht böse, genau. Ja, aber ich glaube das Thema sexuelle Gewalt an Kindern ist einfach so groß und ich hatte auch schon eine tolle Folge mit Lena Jensen hier, die ja selbst Betroffene ist und die ja auch eine ganz tolle Aufklärung macht und das ist glaube ich das Wichtigste, wenn Kinder aufgeklärt sind, wenn sie einfach ihre Grenzen können, können wir sie am besten, wie du es eben auch schon so oft gesagt hast, davor schützen, dass es Menschen gibt, die sie angreifen. Das ist echt, und das ist ein großes Thema im Sportverein und so weiter. Also da ist es wirklich. Das passiert täglich. Also es gibt Statistiken, die sagen, in einer Schulklasse sitzen mindestens drei Kinder, die sexuelle Übergrifflichkeiten erlebt haben. Also wenn ich in die Schulklasse meiner Tochter gucke, dann weiß ich, hier sitzen mindestens drei Kinder, die sowas erleben mussten schon. Und ich meine, die sind sechs, sieben Jahre alt. Das ist alltäglich, es ist da, es ist präsent. Und wir können nichts anderes tun, als unsere Kinder schützen zu wollen, so gut es eben geht. Und dazu gehört eben die Wissensvermittlung, dass mein Kind weiß, es darf Nein sagen und Stopp sagen. Und auch weiß, dass meine Genitalregion absolut tabu ist für irgendeinen Menschen, da irgendwie hinzugreifen etc. Ich habe eine Frage an dich, auch persönlich. Es gibt ja auch Kinder sozusagen, die, es ist schon sehr, sehr lange her, aber dass ich das mal mitgekriegt habe, dass ein Mädchen sich selber immer angefasst hat, also schon im frühen Alter, also wie eine Selbstbefriedigung. Ich glaube, die war da einfach vier oder so. Kommt das öfter bei Kindern vor? Also was sollten Eltern tun, wenn sie das beobachten? Also geht man da ganz offen miteinander um? Hast du das auch schon mal? Also wirklich, es war wirklich krass. Sie hat sich dann immer hingelegt und so. Die Mutter meinte dann so, nee, ist normal. Sie hat da gar nichts gemacht. Aber ich fand, es ist natürlich schon sehr, ja. Das bewegt wieder den Erwachsenen. Ja, das bewegt. Das Kind masturbiert und es ist völlig normal. Kinder masturbieren. Das heißt frühkindliche Masturbation, das hat nichts mit sexueller Befriedigung zu tun, denn was macht dieses Gefühl? Es ist schön, es macht ein schönes Gefühl. Ganz, ganz viele Kinder machen das zum Einschlafen, die reiben dann ihr Kuscheltier zwischen den Beinen oder sie machen, ganz Klassiker ist dieser Kniesitz, dass die quasi auf ihren eigenen Fersen sitzen und hin und her wippen. Das kann man total beobachten, auch im Kindergarten teilweise. Wenn Kinder unsicher sind und ängstlich sind, dann fangen die an, sich zurückzuziehen in eine dunkle Ecke und sich da schöne Gefühle zu machen. So heißt das. Und wie geht man damit um als Elternteil? Man nimmt das wahr, also auf keinen Fall sagen, oh Gott, du darfst das nicht machen, das ist ganz schlimm und mach das nie wieder. Ich glaube, wie du es jetzt so toll beschrieben hast, nehmen das, glaube ich, nicht viele Menschen wahr. Also es ist super, dass du das nochmal so erklärst. Das ist der Grund, warum wir immer durch unsere Erwachsenenbrille gucken, was die Sexualität betrifft. Wir denken ja gleich wieder an Befriedigung, Orgasmus etc. Und Kinder haben damit nichts anderes im Sinn, außer sich zu beruhigen und sich ein schönes Gefühl zu machen. Und unterm Strich ist es das. Wir haben alle gerne einen Orgasmus. Es ist ein schönes Gefühl. Und Kinder müssen nicht unbedingt einen Orgasmus dabei haben, gibt es auch, aber für die ist das eine ganz andere Zielrichtung, warum die das machen. Und wir können das begleiten, wir können sagen, ach guck mal, ich sehe, du machst dir ein schönes Gefühl, alles klar, das darfst du in geschützten Räumen machen, zum Beispiel zu Hause, im Schlafzimmer, man sollte es nicht auf öffentlichen Plätzen zum Beispiel machen. Aber jetzt auch nicht angstmachend, sondern einfach nur erstmal sagen, was man darf. Also hier zu Hause ist das in Ordnung. Wenn du im Kindergarten, da gab es ja diese Riesendiskussion mit diesem Raum in Kitas, wo man jetzt dann sich zurückziehen konnte und Körpererkundungsspiele machen sollte und so weiter, gab es eine Riesendiskussion. Und im Grunde war das aber so ein schützenswerter Raum, der da geschaffen werden sollte. Das ist halt wichtig, den Kindern zu sagen, dass man das jetzt nicht auf dem Spielplatz in der Öffentlichkeit machen soll. Aber zu Hause ist das völlig in Ordnung. Und das einfach begleiten, wahrnehmen und auch wertschätzen, was die Kinder da machen. Und nicht immer gleich, man hatte immer den Impuls, das zu verbieten oder sowas. Das ist auch völlig natürlich. Ich verstehe das auch komplett. Und in der Zeit, bevor ich mich damit überhaupt auseinandergesetzt habe, hätte ich wahrscheinlich auch etwas die Augenbrauen hochgezogen. Aber dann nach vieler, vieler Recherche und Studien habe ich gesehen, okay, es ist was ganz Normales, Kinder masturbieren auch und das ist völlig okay. Okay. Wann hast du dich erst damit beschäftigt, als du selber Vater geworden bist? Genau, irgendwie zu der Zeit. Ich weiß auch gar nicht mehr, wie ich darauf kam. Es war, glaube ich, auch auf Social Media ein Thema. Und ich habe dann gedacht, boah, guck mal, da ist wieder mal so ein Feld. Ich lächze ja immer nach Dingen, die ich so noch nicht weiß und kenne. Ich meine, ich bin kein Sexualpädagogik, ich habe das nicht gelernt. Und dann bin ich aber auf die Idee gekommen, das ist jetzt auch schon sieben Jahre her, dass ich mich da mal voll reinlese und das ist dann passiert und es hat mich immer und immer mehr berührt und auch immer mehr beschäftigt, sodass jetzt auch in wenigen Monaten da eine Art Ratgeber rauskommt für Eltern und auch für erziehende Menschen, wo einfach diese Dinge, die wir heute hier auch besprechen, einfach nochmal so auf Blatt Papier gebracht sind, so ein kleines Regelwerk. Weil, wie du ganz am Anfang gesagt hast, viele erziehende Menschen sind ganz toll ausgebildet, aber die haben auch ihr Thema mit ihrer eigenen Erfahrung, wie sie mal groß geworden sind. Und für viele ist das selbst in diesem Bereich, wenn man Pädagogin ist oder Pädagoge, noch schwierig. Und die haben da auch noch ihre Hemmungen. Und dafür ist das eben auch gedacht, dass man einfach mal die Fakten lesen kann. Wie ist es eigentlich? Wie gehe ich damit um? Und so weiter und so fort. Ja, das hat mich bis heute beschäftigt. Hast du das erst so aufgeteilt? Weil ich würde gerne nochmal ein bisschen auf die älteren Kinder zur Sprache kommen. Ich glaube, die Kleinen haben wir ganz gut eingefangen, dass man da einfach keine Angst haben soll, Körperteile einfach zu benennen, die richtigen Namen, fachgerechten Namen zu benutzen und da einfach auch sein eigenes Schamgefühl so ein bisschen, einfach auch sich damit zu konfrontieren, dass man einfach guckt, wo ist denn eigentlich meine Unsicherheit. Kinderbücher zu kaufen, wo man einfach ganz kindgerecht sozusagen diese Themen behandelt. Aber jetzt kommen wir dann ja so zu der Übergang zu den etwas älteren Kindern. Ich denke jetzt mal so, bin gespannt, was du aus deiner täglichen Arbeit berichtest als Gynäkologe. Wann schlagen dann sozusagen das erste Mal die Mädels bei dir so im Schnitt auf? Ja, meistens mit Mama, also auch nicht mit Papa, sondern mit Mama. Und ich würde sagen, im Schnitt ist das mit dem 15. und 16. Lebensjahr in Klammern erst. Vorher sind sie oft noch bei den Kinderärztinnen und Kinderärzten, wenn es um Thema Periode oder sowas geht, bis dann wirklich vielleicht der erste Freund da ist oder das Verhütungsthema groß wird und meistens auch etwas im Schlepptau der Mutter. Die kommen meistens gar nicht so freiwillig, dass sie sagen, jetzt muss ich mich mal da informieren, weil auch das ist ja immer so ein Tabuthema, der Gynäkologenbesuch. Da gibt es diese metallenen Untersuchungsinstrumente, diese furchtbaren Dinger und da gibt es diesen Stuhl. Auch hier, also wenn ein Mädchen zum ersten Mal bei mir in der Praxis ist, dann werde ich einen Teufel tun und sie untersuchen, wenn sie jetzt keine krassen Beschwerden hat, sondern werde erst mal die Dinge erklären, wie es aussieht, warum ist sie überhaupt da und auch erst mal den Stuhl zeigen und wie das dann irgendwann so abläuft. Denn die offizielle Früherkennungsmaßnahmen gehen ja erst ab dem 20. Lebensjahr los. Vorher ist ja quasi nur bei Beschwerden, dass man da irgendwie untersucht werden muss. Aber ja, es ist relativ spät. Und ja, diese Kinder, die mit acht, neun Jahren, Dann so langsam, und da können wir uns nicht wehren, in die Pubertät rutschen, die auf einmal Körpergröße entwickeln, Haare an Stellen bekommen, die sie vorher nicht hatten. Das Brustwachstum geht mit neun, zehn, elf Jahren spätestens los. Zwei Jahre später ungefähr kommt dann die Periode. Das sind ja Dinge, die auch aufgeklärt werden müssen, vor allem für die Kinder. Die verändern sich auf einmal. Die sind wirr im Kopf, denen das eben auch kindgerecht in dem Alter zu erklären, was passiert da eigentlich mit dir, warum wachsen mir da Haare, auch total wichtig. Und klar, als Gynäkologe und du als Hebamme wirst du es auch wahrscheinlich offen kommunizieren, das Thema Periode einfach zu besprechen. Was ist das? Warum blutet Mama? Was passiert da genau? Da nicht die Tür zuzumachen, sondern wirklich die Tür offen zu lassen im wahrsten Sinne und das einfach biologisch erklären, was da passiert und dass das nichts Schlimmes ist. Meine kleine Tochter sagt immer, hast du wieder Blut? Sagt sie immer so, hast du wieder Blut? Wie alt ist die? Die ist drei. Wie cool ist das denn? Ja, ist wieder gut. Aber wenn wir Wünsche äußern könnten, was würdest du in deiner Wunschvorstellung, wie so die Versorgung von jungen Mädchen, die so in dieser Übergangsphase sind, was wäre dein Wunsch fürs Gesundheitssystem? Also weil ich denke mir jetzt so beim Kinderarzt, also ich glaube, jeder hat auch nicht in dem Alter und ich glaube, da haben wir auch wieder diese Versorgungslücke bei den älteren Kindern, also bei den Teenagern, gerade was ja auch so Impfempfehlungen geht, dass die dann so ein bisschen, da geht eigentlich kaum einer noch wirklich so zum Arzt. Also man hat zwar den Kinderarzt und deshalb sind die meistens dann auch was, solche sagen, HPV ist ja ein großes Thema, was uns auch beide, wo wir auch immer aufklären, da ist ja schon so eine Gap, die entsteht bei den Jungen ja nochmal mehr, weil es ist auch ein Thema HPV, wie man das am besten lösen kann. Weil ich würde jetzt denken, ich hätte jetzt wirklich gedacht, meine Tochter ist ja zwölf, dass ich sobald das in Gang kommt, dass ich mit ihr gemeinsam zu meiner Gynäkologin gehe. Also ich meine, ich hätte jetzt wirklich gedacht, dass da, also ich meine. Dass du echt wirklich die, dass du junge Mädchen im Begang zum Frausein schon viel, viel früher begleitest. Also jetzt, die müssen ja nicht so oft da hinkommen, aber ich glaube, gerade wenn Periodethema ist, ich hätte jetzt eher gedacht, dass man dann doch eher zum Gynäkologen, Gynäkologin geht als zum Kinderarzt. Ja, wobei das hat ja gleich wieder was pathologisches Gefühl, wenn man zum Arzt gehen muss, um sich über Periode zu informieren. Also ich würde eigentlich fast früher ansetzen, dass wir schon mit den kleineren Kindern, aber auch dann den heranwachsenden Kindern wirklich diesen ominösen Sexualkundeunterricht, den wir ja noch alle kennen, revolutionieren. Dass der wirklich fest in so einem Bildungsplan einfach verankert wird, eben altersgerecht, schon in der Kita auch, was passiert da? Altersgerecht, kindgerecht, jetzt nicht, dass der Aufschrei groß ist und dann eben in der Grundschule eben auch so Themen im Biologieunterricht so aufkommen und das Thema schon mal angegangen wird, weil was wollen wir? Wir wollen ja, dass die Jungs und die Mädels Bescheid wissen über die Periode. Was passiert da eigentlich? Morgenerektion. Als ich meine erste Morgenerektion hatte, ich dachte, ich habe irgendwas für eine Krankheit. Ich wusste überhaupt nicht, was los ist. Das auch alles aufzuklären. Und ich glaube, wenn wir das wirklich, man kann das ja auch cool vermitteln. Aber wer hat dir da Antworten gegeben? Niemand? Niemand. Ich hatte dann zwei größere Schwestern. Ich bin aber auch ein sehr zurückhaltender, schüchterner Mensch, was man jetzt nicht glaubt, wenn man mich öffentlich sieht. Aber ich habe da auch nicht groß nachgefragt. Ich habe das einfach mit mir ausgemacht. Und ganz ehrlich, das ist verstörend. Klar habe ich jetzt kein schwerwiegendes Trauma davon, aber ich hätte gerne Antworten gehabt. Was passiert da, ist ganz normal. Was ist überhaupt eine Vorhaut? Warum sieht das bei meinem Kumpel? Ich hatte damals einen Kumpel mit sechs, sieben Jahren. Ich war mit dem zusammen auf dem Klo und bei dem sah das ganz anders aus, weil der war beschnitten. Und ich dachte, ich wäre aber der komische, weil man eben nicht beschnitten war. Und sowas eben zu erklären, wie das alles aussehen kann, dass auch alles normal ist, dass auch alles normal aussieht. Jede Vulva ist anders. Das muss nicht immer gleich aussehen. Klar ist das bei den jungen Mädchen fast immer alles ähnlich, aber dass das alles in Ordnung ist, wie es ist. Und ich glaube, da müssen wir in den Grundschulen auch schon ansetzen langsam. Alles kindgerecht, altersgerecht, mit einer Wissensvermittlung. Dass man überhaupt nicht erst in die Bredouille kommt. Mit 13, 14 kommt dann die Periode. Und ich muss jetzt zur Gynäkologin, zum Gynäkologen, um mir das erklären zu lassen, sondern ich gehe schon mit einem Basiswissen rein und alles, was darüber hinausgeht, blute ich jetzt zu stark, ist das zu schmerzhaft. Das kann man dann mit den Gynis abklären, aber vorher diese Basiswissensvermittlung, die gehört schon früher, glaube ich, integriert. Und ich glaube, da gibt es von Bundesland zu Bundesland, von Schule zu Schule und Gemeinde zu Gemeinde ganz große Unterschiede. Es ist nicht standardisiert, dass wir den Sexualkundeunterricht, wenn wir es so nennen wollen, dass wir den standardisiert kriegen und das Mädchen in Oberbayern dasselbe erfährt wie der Junge in Bremen zum Beispiel. Also das wäre mein Wunsch, wenn ich mir was wünschen könnte. Aber würdest du sagen, das sollten, also ich finde, das sollte wahrscheinlich auch nicht, dadurch, dass es ja auch ein sehr sensibles Thema ist, wahrscheinlich auch nicht eher die Lehrerin, mit der sie täglich zu tun haben, zu unterrichten, sondern einfach, dass dafür einfach Fachpersonen reinkommen, so wie du zum Beispiel. Oder wir, das gibt es übrigens auch schon, viel zu wenig, oder wir bilden eben die Lehrkräfte und die Pädagoginnen und Pädagogen so aus, dass sie da auch fit sind, dass das auch Experte und Experten auf dem Gebiet sind, weil das ist nicht, dass man die Verantwortung abwälzen sollte an der Schule. Die ist nicht deren Aufgabe, das Kind aufzuklären, sondern das ist Aufgabe von vielen, unter anderem und vor allem den Eltern oder den Erziehenden. Aber auch die Pädagoginnen und Pädagogen in der Kita, im Kindergarten oder wo auch immer, haben da einen kleinen Baustein, was sie beitragen können und eben auch die Lehrerinnen und Lehrer später, dass wir alle an einem Strang ziehen, aber alle dasselbe vermitteln. Und ich glaube, deswegen ist auch dieser Ratgeber entstanden, weil dafür Eltern und eben diese Lehrkräfte sind, damit alle dasselbe erzählen. Und das wäre schon schön, wenn wir also jetzt nicht von externen Leute bräuchten, die da Experten sind, weil das irgendwie auch immer mit Aufwand verbunden und das muss bezahlt werden und keine Ahnung, sondern dass die, die da stehen vorne an der Tafel oder im Raum der Kita, dass die schon Expertinnen und Experten auf dem Gebiet eigentlich sind. In der Kita, muss ich ganz ehrlich sagen, habe ich nicht so das Gefühl, dass das Thema schon so groß präsent ist. Nee, stimmt. In unserer Kita, Gott sei Dank schon, weil sie sich herumgesprochen hat. Da bist du ja auch. Und genau, da kam auch ganz viel Gegenwind. Es war super interessant, weil da sind ganz viele, die das super finden. Es gibt aber auch andere Kolleginnen, die das schwierig finden. Und du musst ja auch immer die Eltern mit ins Boot holen. Es gibt da ja auch kulturelle Hintergründe, wo man sagt, ich möchte einfach nicht, dass meine Tochter das so alles weiß und kennt. Also man muss eigentlich immer die Zustimmung der Eltern einholen. Das ist hochkomplex, auch politisch hochkomplex, da überhaupt, selbst wenn die Kita das möchte, das wirklich umzusetzen. Aber ja, da hast du recht. Also jede Kita braucht so ein Schutzkonzept vor sexualisierter Gewalt in der Schublade. Und das sind all die Dinge, die wir jetzt besprochen haben, stehen da eigentlich so oder ähnlich drin. Aber es wird eben selten wirklich gelebt in so einem Kindergarten, jedenfalls in den allerwenigsten, so flächendeckend. Da gibt es sicherlich tolle Ausnahmen und da muss sich auch politisch was ändern. Da muss sich einfach irgendwie diese Barrierefreiheit einschleichen, damit wir die Kinder einfach besser bilden können. Es ist Körperwissen. Ich erkläre auch, warum die Nase läuft, warum sollte ich nicht erklären, warum die Mama aus der Vagina blutet. Ja und vor allen Dingen, dass wir einfach mehr verstehen, je mehr aufgeklärt unsere Kinder sind, dass wir sie einfach schützen. Also ich finde dieser, ich glaube die meisten Eltern wird man da kriegen, indem man einfach sagt, das ist einfach Schutz. Also wir schützen unsere Kinder, wenn wir sie richtig aufklären. Ich habe gerade gehört, Grundschule ist bei dir auch schon, Kindergarten und Grundschule bist du Papa, ne? Ja, genau. Wie ist es bei euch in der Grundschule? Ganz frisch, deswegen weiß ich es noch nicht, kann ich noch nicht sagen. Ich werde das auf jeden Fall beobachten und dann, wenn es soweit ist, vielleicht auch mal so ein Gespräch führen, ob es denn eine Möglichkeit gäbe. Schreiben dir viele Pädagogen, seitdem du auch sozusagen selber Aufklärungsbücher geschrieben hast? Ja, ganz viele. Und das ist auch ganz toll, weil viele sind da wirklich offen für und sagen, ja, ich weiß, es braucht das, aber diese Problematiken, die ich auch gerade erklärt habe, die stehen uns halt irgendwie im Wege. Und was wir jetzt hier nebenbei auch hochziehen, ist quasi so eine Art Lernplattform für solches Personal, dass sie da einfach online sich Videos und so angucken können, dass sie sich einfach selbst schon mal fortbilden, wenn es eben nicht über so eine Kita-Leitung, sage ich jetzt mal, oder über die Organisation, die so eine Kita dann eröffnet, geht. Dann müssen halt die Pädagoginnen und Pädagogen, wenn sie dann möchten, sich selbst fortbilden. Das versuchen wir gerade seit einem Jahr läuft, das hochzuziehen, dass man sich da fortbilden kann. Aber ja, es schreiben ganz viele. Ich glaube, der Need ist da. Ich glaube, viele wollen auch und können noch nicht richtig oder wissen nicht, wie sie das angehen sollen. Und das wäre schön, wenn ich in zehn Jahren sagen könnte, da hat sich schon mal so ein bisschen was getan. Und wir haben jetzt so ein kleines standardisiertes Programm für Schulen und Kindergärten, wo wir die Kinder einfach ein Stück weit besser aufklären können. Konstantin, vielen Dank für deine Zeit und für deine ganze Aufklärungsarbeit, die du heute hier geleistet hast und du hast eigentlich alles schon perfekt gesagt, aber du bist heute mein Gast, deshalb lasse ich dir das letzte Wort, also das Wichtigste in Bezug auf Sexualität bei Kindern. Ich meine, du hast es eben schon mehrmals gesagt, aber ich finde, damit würde ich gerne die Folge schließen. Das sind immer die besten Fragen, so ganz offene Fragen. Ja, mach doch mal so ein Abschlussplädoyer. Das Wichtigste, fände ich, das ist das Grenzenwahren von Kindern. Also denen wirklich zu vermitteln, dein Körper gehört nur dir, nur dir. Und kein Mensch darf da drüber hinweggehen, über diese Körpergrenze. Weder mit einem gut gemeinten Kitzeln, noch mit etwas Übergriffigen. Und dass sie da wirklich lernen, Stopp zu sagen, Nein zu sagen, auch zu Erwachsenen und sich da nicht scheuen. Ich glaube, das ist so das Wichtigste, was wir unseren Kindern erstmal vermitteln können. Das ist dein Körper, der ist nur deiner und wer anders darf da nicht ran. Vielen Dank und danke für deine Zeit und für euch alle wichtigen Infos zu Konstantin, zu seiner Arbeit verlinke ich euch natürlich und zu seinem neuen Podcast verlinke ich euch natürlich in meinen Shownotes. Danke dir. Danke auch, ciao. So, das war es schon wieder mit meiner ersten Remote-Folge. Ich finde, es hat richtig gut geklappt Und das Thema, habt ihr gemerkt, ist einfach so wichtig, dass unsere Kinder gut aufgeklärt sind und ihren Körper kennen und ihre Körperteile benennen können. Und jetzt zum Schluss der Folge habe ich natürlich wieder noch einen Mythos für euch. Und zwar heute Frühsexualisierung, warum der Begriff in die Irre führt. Der Begriff Frühsexualisierung taucht oft in Schlagzeilen auf, wenn es um Sexualaufklärung im Kindergarten oder in der Grundschule geht. Er klingt, als würden Kinder absichtlich zu früh sexualisiert. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Fachleute wie die WHO oder die BZGA sprechen stattdessen von altersgerechter Sexualbildung. Studien zeigen, Kinder, die früh und sachlich aufgeklärt werden, sind besser vor Missbrauch geschützt und entwickeln ein gesünderes, selbstbewussteres Verhältnis zu ihrem Körper. Frühsexualisierung ist also ein irreführendes Schlagwort, frühe Sexualbildung dagegen stärkt. Ja, das hat der Konstantin eben auch so gut erklärt, wie wichtig das ist und dass wir unsere Kinder eher schützen und nicht verstören, indem wir sie zu früh aufklären. Wenn dir diese Folge gefallen hat, würde ich mich riesig freuen, wenn du den Podcast abonnierst und eine Bewertung oder einen Kommentar hinterlässt. Du hast Fragen an mich, Ideen für Themen oder möchtest deine Geschichte mit mir, mit uns teilen? Dann schreib mir einfach an sissy.atauf-die-ohren.com und ich freue mich riesig über deine Nachricht. Das war Sounds Familiar, der Eltern-Podcast mit Hebamme Sissi Rasche. Eine Produktion von Auf die Ohren. Redaktionelle Leitung Katharina Kern. Aufnahmeleitung Lena Günther. Sounddesign und Postproduktion Nilan Feig.