Ihr Lieben, es ist Donnerstag und es gibt eine neue Folge Sounds Familiar für euch. Und die letzte Woche war ja sehr privat mit Christian bei mir hier im Studio. Und da sind ja auch so ein paar Sachen ans Licht gekommen. Vor allen Dingen, dass ich ja auch gerne die Kontrolle über alles behalte und ein kleiner Kontrolletti bin. Und ich habe mir gedacht, diese Woche kann ich eigentlich daran anknüpfen und mache dieses Thema Kontrolle gleich zu meinem heutigen Thema, nämlich wie finde ich die Balance zwischen Kontrolle und Loslassen. Und das ist ja gerade für uns Eltern ein super wichtiges Thema und da habe ich mir heute eine ganz besondere Frau eingeladen, die mir und natürlich uns sicher weiterhelfen kann, nämlich Professor Dr. Eva Asselmann. Sie ist Professorin für Persönlichkeitspsychologie an der Health and Medical University in Potsdam, Wissenschaftlerin, Autorin, Speakerin zur Persönlichkeitsentwicklung und mentaler Gesundheit. Und passend zu unserem Thema heute bringt sie im März ihr neues Buch raus, Too Much, warum wir Kontrolle suchen und Kraft im Loslassen finden. Das erscheint am 17.03. Und ihr könnt das jetzt schon vorbestellen. Und ich freue mich jetzt auf ein tolles Gespräch mit ihr über dieses wichtige Thema und hoffe, wir finden den guten Mittelweg. Liebe Eva, schön, dass du heute Zeit hast. Ich habe dich gerade schon angekündigt und habe gesagt, dass ich letzte Woche, ich nehme mal einmal im Monat mit meinem Mann eine Podcast-Folge auf, wo wir so über unser Familienleben sprechen. Wir haben ja vier gemeinsame Kinder. Und letzte Woche hatten wir so eine kleine Streitfolge. Und ich habe gesagt, dass ich auch so ein kleiner Kontrolletti bin, auch so was unsere Kinder betrifft. Und deshalb fand ich es gut, dass du heute Zeit hast, mit mir zu sprechen, weil ich glaube, das ist ja auch die große Herausforderung, die Eltern sozusagen haben, dass man diese Balance zwischen Kontrolle und Loslassen findet. Und wo ist da der gute Mittelweg bei ein bisschen... Kontrolle brauchst du ja schon, aber da freue ich mich, dass du heute Zeit hast, mit mir darüber zu sprechen, weil ich immer gar nicht so genau weiß, woran erkennt man eigentlich, dass man sich kümmert, aber wo es dann in das Extreme geht und jemand zu kontrollieren oder Kinder zu kontrollieren. Das ist natürlich auch mal von Altersstufen unterschiedlich. Am Anfang, wir haben vier, sieben, 13 und 15 Jahre. Bei den Teenagern ist das ja auch jetzt nochmal so ein wichtiges Feld. Also woran erkenne ich eigentlich, dass das vielleicht ein bisschen auffällig ist, dass ich da mich nochmal hinterfragen sollte? Steige ich gleich mit so einer großen Frage rein hier. Ja, erstmal, ja, cool. Danke für die Einladung. Ich freue mich auf das Gespräch. Und ja, die Frage ist natürlich tricky, weil die Grenzen wie immer fließend sind. Da gibt es keinen eindeutigen Cut. Ein ganz guter Indikator ist immer, sich zu fragen, geht es ja eigentlich gerade um die Bedürfnisse des Kindes? Ist das überfordert, signalisiert das mir, dass es Hilfe braucht? Oder geht es eher um mich, um meine Ängste, die ich hier versuche zu kontrollieren? Und wenn es weiteres der Fall ist, wenn es eigentlich eher um meine eigenen Unsicherheiten, Ängste geht, viel weniger um Signale des Kindes, irgendwelche Anzeichen von Gefahr. Dann macht es Sinn, mal in sich hineinzuhorchen, ob man vielleicht ein bisschen overcontrolled unterwegs ist und das etwas drosseln könnte. Wo du gerade Ängste ansprichst, welche oft inneren Ängste sind dann sozusagen der Indikator, dass ich so in dieses helikopterhafte, das ist ja eigentlich so der Begriff, den wir so umgangssprachlich haben, in dieses helikopterhafte Verhalten gehe. Also was ist deine Erfahrung als Psychologin sozusagen, dass man da wirklich guckt, was sind die oft die meisten Ängste und Erfahrungen, die halt Eltern haben, dass sie dann halt in dieses kontrollierte Verhalten, in diese Kontrolle gehen. Die Ängste sind häufig relativ diffus, gar nicht so greifbar, aber oft natürlich, dass dem Kind etwas zustoßen könnte. Das ist einmal, dass ich nicht kontrollieren kann, was dem Kind geschieht. Das macht vielen Eltern Angst, weil sie es eben gerne kontrollieren würden, im Griff hätten. Und damit verbunden natürlich auch die Angst, dass ich vielleicht als Elternteil nicht reiche, nicht genug mache. Wir sind ja permanent mit Erziehungsidealen konfrontiert, mit anderen Eltern, die es scheinbar perfekt machen. und Stichwort Social Media, da möchte man natürlich selbst nicht versagen. Man möchte nach außen nicht den Anschein machen, dass man sich nicht genug kümmert, dass man Gefahren nicht frühzeitig abgewendet hätte. Man möchte, dass das Kind den Weg geht und auf keinen Fall diejenige Person sein, die es am Ende vergeigt hat. Das ist auch eine Angst dahinter, also die Angst als Elternteil nicht zu genügen, nicht auszureichen und da eventuell Schuld durch Fehlverhalten auf sich zu laden. Ich finde auch, dass wenn man zum ersten Mal Eltern wird, dann ist es ja auch, vorher hatte man sozusagen eine Verantwortung gegenüber sich. Vielleicht hat man vielleicht noch ein Haustier gehabt oder so, aber wenn man sozusagen ein Baby bekommt und dann Eltern wird, Mutter ist, Vater ist, dann finde ich auch, kommt man zum ersten Mal mit einer extremen Angst auch in Verbindung. Also solche Ängste, glaube ich, hatte man, also geht es vielen Menschen wahrscheinlich so, dass sie sowas vorher gar nicht hatten. Aber wenn man sozusagen so eine Verantwortung für ein anderes Leben trägt, die erstmal 100 Prozent von einem abhängig sind, wenn wir jetzt über ein Baby sprechen, dann ist das, finde ich, auch ein ganz schweres Gefühl, was man hat und das man ja nicht kontrollieren kann. Und damit auch erst mal das umzuwandeln, dass man ins Vertrauen geht, dass man alles da hat, was man dem Kind geben muss und dass man gewisse Sachen auch nicht einschätzen kann, das finde ich sehr, sehr schwer. Also ich finde, das ist so... Das fängt ja eigentlich schon in der Schwangerschaft an. Also jetzt glaube ich für das andere Elternteil, was nicht schwanger ist, nicht. Aber so, wenn man schwanger ist, da kommen ja so die ersten Ängste schon auf. Geht es dem Kind gut? Und dann dieser Übergang, wenn es dann da ist, das sind ja wirklich, das kann man ja nicht kontrollieren. und da auch so seinen inneren Frieden mitzufinden, das ist ja auch sehr, sehr schwierig. Hast du da vielleicht ein paar Ratschläge, wie man da besser mit umgehen kann? Weil ich finde das wirklich, also man hat, ist so ein bisschen wie, wenn man so Tierdokus anguckt und dann sind da am Anfang bei so einer Leopardin irgendwie vier und die schaffst du vielleicht eins durchzukriegen. Das ist ja natürlich, Gott sei Dank, kann man nicht auf Menschen übertragen, aber die ist ja auch die ganze Zeit damit beschäftigt, ihre Jungen sozusagen da durch die Steppe zu tragen. Und das sind ja auch Ängste. Und das finde ich einfach, diese Aufgabe, die man hat, so dieses wirklich sein Ein und Alles da zu schützen, das ist halt einfach ein krasses Gefühl. Ja, absolut. Das ist auch so die klassische Phase, also die perinatalen Zeit kurz nach der Geburt eines Kindes ist nicht nur eine Risikophase für postpartale Depressionen, sondern eben auch für Ängste, einfach weil sich so viel verändert. Natürlich nicht nur sozial im Rahmen der Familie, sondern auch hormonell bei vielen Frauen. Der Körper muss sich ja auch erstmal anpassen an diese ganzen Umstellungen und da kann es dann auch zu starken Gefühlen kommen, zum Beispiel diesen starken Schutzreflex, Ängste. Einige Eltern entwickeln auch Zwangssymptome, weil sie eben das Kind gerne beschützen möchten, unheimlich Angst haben, dem Kind etwas zu leide zu tun, auch gegen ihren Willen. Und was hilft gerade in dieser Phase ist, erstmal mit jemandem darüber zu sprechen, um sich zu entlasten. Weil gerade kurz nach der Geburt geht es ja auch darum, sich selbst ein Stück weit zu erholen, zu entspannen, sich erstmal einzugrooven mit der neuen Situation und da hilft es, sich erstmal auszutauschen mit dem Partner, der Partnerin, der Hebamme und so weiter. Also offen zu sein über das, was mich da beschäftigt. Und diese Angst, die hört ja im Grunde da nicht aus, sondern die entwickelt sich weiter mit der Zeit, mit jedem Entwicklungsschritt, den das Kind macht. Immer diese Übergangsphasen, wo sich wieder etwas wandeln, erfordern ja, dass wir uns anpassen als Kinder, als Eltern, als Familie. Und erfordern auch, dass wir loslassen müssen, weil das Kind ja von der absoluten Abhängigkeit immer weiter geht in die Selbstständigkeit. Und ja, da müssen wir ihm natürlich auch die Freiheit geben, das liebevoll begleiten, aber eben auch loslassen, darauf vertrauen, dass es gut geht. Und da hilft es häufig schon mal, innezuhalten. Also häufig haben wir so einen Reflex, dass wir das Kind direkt beschützen wollen. Da kann ich innerlich einmal bis 10 zählen und überlegen, ob es das alleine hinbekommt und abwarten, dass ich eben nicht direkt zum Klettergerüst renne und versuche, das Kind zu beschützen, sondern erstmal die Hände in der Hosentasche lasse und abwarte. Also wirklich dieses immer kurz sich zu atmen und zu gucken und wirklich diese Räume zu schaffen, wo sie sich frei bewegen können, aber trotzdem entfalten können. Also ich meine, man versucht ja Gefahren eh schon zu minimieren. Also ich habe zum Beispiel, was ich dir beschreiben kann, aus meiner persönlichen Sicht, aus Mutter, ich weiß auch gar nicht, woher das kommt, aber ich habe eine Angst, die bei mir so wirklich schlimm ist, ich kann mit meinen Kindern nicht auf hohe Gebäude gehen. Also ich habe immer diese, auch schon im Babyalter, so diese Angst gehabt, das beschreiben auch immer viele, also wenn ich zum Beispiel mit dem Baby eine Treppe runtergehe und es auf dem Arm habe, Ich habe ganz oft diese Bilder im Kopf gehabt, oh Gott, es darf mir jetzt nicht runterfallen. Und generell, man guckt sich eine Kirche an und geht auf einen Kirchturm, so enge. Oder die sind, auch wenn man weiß, das ist eigentlich sicher, aber die hängen da so am Balkon oder so. Also dieses Gefühl so Höhe. ich habe so oft diese Bilder im Kopf, obwohl ich sowas noch nie gesehen habe, aber dass jemand irgendwo runterfällt. Also ich habe wirklich eine richtig krasse Angst vor Höhe. Ja, und was dann ganz häufig passiert, du hast es benannt, das sind diese Bilder im Kopf, die sich verselbstständigen. Oder auch dieses, ich darf es jetzt nicht fallen lassen. Das ist dann so in unserem Kopf und wir spielen das durch und durch und durch und durch, dass das unheimlich präsent wird, wie so eine Art Zwangsgedanke, den man gar nicht mehr kontrollieren kann. Und was da hilft, ist, dass man erstmal diese Angst akzeptiert und sich sagt, ja, es ist okay, dass dieser Gedanke da ist und er darf auch da sein. Das ist nicht unbedingt die Realität, aber ich nehme erst mal diesen Gedanken an, weil häufig versuchen wir dann gegen diesen innerlichen Gedanken die Angst noch anzukämpfen und dann verselbstständigen sich diese Katastrophenszenarien im Kopf. Also ich kann mit denen auch nicht in dem Baumwipfelgarten hier bei dir in der Nähe, ich weiß gar nicht, wie der Ort heißt, da gibt es den Barfußpfad und dann gibt es nebenan, in den, dass man oben diese Brücken gehen kann, wo man so in den Baumkronen ist. Und das kann ich wirklich nicht machen. Das muss mein Mann machen. Und ich kann es auch nicht, wenn er mir dann ein Foto schickt. Also ich habe wirklich richtig, das ist so meine Angst bei meinen Kindern, dass sie irgendwo runterfallen. Und man weiß ja, dass dann Höhe einfach sehr, sehr gefährlich ist. Ich meine, was du ja machst, ist, dass du es den Kindern nicht verbietest, sondern das an deinen Mann übergibst. Sprich, du versuchst es ja nicht komplett zu unterbinden. Das ist natürlich okay, wenn man so einen umschriebenen Bereich hat, wo man sagt, boah, das kann ich einfach gar nicht. Oder diese Gebäude, du musst ja jetzt nicht auf jeden Kirchturm und dich damit konfrontieren. Problematisch wird es halt wirklich, wenn das so übermächtig wird in so vielen Lebensbereichen, dass auch so diese Entfaltungsmöglichkeiten und das Entwicklungspotenzial des Kindes darunter leidet. Ja, was mache ich jetzt, wenn mein 15-Jähriger Sohn mir sagt, er möchte einen Bungee-Sprung machen? Da geht es natürlich erstmal realistisch Gefahren einzuschätzen. Wie realistisch ist eigentlich die Gefahr? Ich bin jetzt keine Bungee-Jumping-Experte, meines Wissens ist das relativ sicher. Und sich dann vielleicht hinzusetzen und das gemeinsam zu besprechen. 15 Jahre alt ist ja auch schon, dass man relativ viel so überblickt, was sind denn mögliche Risiken und das dann gemeinsam abwägt. Ja, hat er nicht geäußert, aber das wäre so für mich so wirklich eine schwierige Situation, wo ich denke, um gar keinen Fall. Und auch da wieder ist so dieser Indikator, sind das jetzt objektive Gefahren oder ist es so deine innere Angst, weil du es vielleicht nie machen würdest, also kommt das aus dir heraus, ist es etwas eher Irrationales oder gibt es objektiv etwas, was dafür spricht, dass es eine reale große Gefahr ist, die man jetzt abwenden sollte? Ja, also das sind ja vielleicht diese 0,1 Prozent, wo was passiert ist. Also ich habe leider, hat er mir mal so ein Video gezeigt, wo jemand gesprungen ist und die leider das nicht befestigt hatten. Das ist natürlich ungünstig. Aber da wollen wir jetzt gar nicht in diese Extremsituation gehen. Aber. Also meine Angst ist da wirklich tief und ich versuche das wirklich an meinen Mann abzugeben, weil der da einfach viel, viel entspannter ist und nicht diese Ängste hat, weil ich, wie gesagt, Höhe ist, ich habe einfach auch Höhenangst generell, wenn ich auch auf hohen Gebäuden bin. Und wenn ich mir jetzt überlege, ich wäre jetzt nur das eine Elternteil, die sie erziehen würde, könnte ich da schon sozusagen, würde man sehen, dass es auch langfristige Folgen haben kann, wenn ich immer so diese Angst meiner Höhe sozusagen, dass ich sie überall so weghalte, Fenster und so weiter. Was kannst du da aus deiner Forschung sagen, was das für Folgen haben könnte? Also wenn wir das machen mit Kindern, signalisiert das ja erstmal, die Welt ist gefährlich, überall lauern Gefahren, sprich das Kind wächst quasi schon auf mit dieser Angst und zusätzlich signalisieren wir auch, du kriegst es nicht alleine hin, du bist darauf angewiesen, dass ich dich beschütze und das kann die eigene Selbstwirksamkeit unterminieren, also dass das Kind gar nicht lernen kann. Da sind zwar Gefahren oder Herausforderungen oder auch Dinge, wo ich mal hinfalle, aber ich kann das irgendwie meistern. Also wir nehmen diesem Kind dadurch die Chance, Herausforderungen, auch Rückschläge selbst zu meistern. Selbst wenn wir es schaffen, perfekt jede Gefahr von dem Kind fernzuhalten, ist das problematisch, weil das Kind ja irgendwann auch als erwachsener Mensch alleine im Leben mit Fehlern, mit Rückschlägen, mit Herausforderungen konfrontiert ist. Und wenn man das nie gelernt hat, von klein an, ich falle hin, aber ich kann auch wieder aufstehen. Dann kann das sehr schwer sein im Erwachsenenalter, weil man dann plötzlich Gefahren als absolut irritierend wahrnimmt, die vielleicht auch versucht zu umschiffen oder sich davon massiv bedroht fühlt. Und wir wissen auch aus der Forschung, dass so diese Overprotection, also die Überbehütung ganz starker Risikofaktor ist für Angststörungen. So häufig wird es weitergegeben in Familien, dass Eltern, die sehr unsicher, ängstlich sind, dass die eher zur Überbehütung neigen und dazu ihrem Kind quasi schon, also Lernen am Modell schon zeigen, hey, die Welt ist gefährlich, du packst es nicht. Das Kind hat dann auch eine geringe Selbstwirksamkeit, also ein geringes Vertrauen in sich, Herausforderungen beherrschen zu können und dadurch entsteht auch bei dem Kind dann eher Angst. Wir leben ja in einer Welt, wo einfach uns schon viele Sachen einfach vorgehen. Also das ist gefährlich, darauf musst du achten. Also ich meine, wenn man jetzt zum Beispiel Eltern wird, ich bin Hebamme, ich arbeite als Hebamme, dann sind da ja auch einfach da schon, also auch du hast die sozialen Medien auch schon vorhin kurz angesprochen, aber es gibt ja so viele kurze Videos, wo gesagt hat, das darf man nicht machen, das darf man nicht machen. Das ist ja einfach schon vorprogrammiert, dass wenn ich überhaupt erstmal ein Kind bekriege, dass man sehr unentspannt an diese Sache rangeht, weil man eigentlich von vornherein auch schon mit so viel Gefahren konfrontiert wird, auch als Eltern. Dass ich finde, wenn man nicht vom Fach ist oder sich vielleicht auch mit diesen Dingen beschäftigt mehr, dass man von vornherein schon mal denkt, oh Gott, also ich muss an das und das und das denken und dadurch auch so diese Leichtigkeit einfach verloren geht. Also das ist so meine Beobachtung, dass man halt einfach sehr viel Angst gemacht wird und so dieser gesunde Menschenverstand dadurch auch so ein bisschen verloren geht. Ja, total. Eigentlich gibt es ja so eine elterliche Intuition, dass man durch so ein biologisches Programm, wenn man Eltern wird, auch instinktiv ungefähr weiß, was für das Kind das Richtige ist. Und das kommt so aus dem Bauchgefühl heraus. Wenn ich jetzt natürlich in meiner Umwelt permanent mit irgendwelchen Idealen, Vorschriften und so weiter konfrontiert bin, dann macht das Druck und uterminiert genau das. Und es erzeugt natürlich auch Schuldgefühle, wenn ich das Gefühl habe, ich habe hier gerade etwas gemacht und im Internet steht eigentlich, ich dürfte, es ist auf gar keinen Fall, bin ich jetzt eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater? Und so heizt sich das dann auf. Also es ist mitunter sehr herausfordernd, heutzutage Eltern zu sein. Und was da im Grunde hilft, ist diese Medienzeit zu begrenzen, sich vielleicht jetzt nicht den ganzen Tag mit diesen Dingen auf Social Media auseinanderzusetzen und zu konfrontieren, auch den Freundeskreis bewusst zu wählen, Jetzt vielleicht nicht die Elterngruppe, wo alle extrem besorgt sind und den ganzen Tag nur über Gefahren sprechen, sondern jemand, der da auch eher entspannt mit umgeht und dass ich versuche, im Alltag... Auch mal Momente zu haben, wo der Stress ein bisschen abflachen kann, wo ich wieder einen Zugang zu mir selbst bekomme, zu meinem Bauchgefühl. Denn genau darauf darf ich natürlich auch vertrauen in der Erziehung. Das ist häufig ein sehr, sehr guter Wegweiser. Ja, und wenn wir dem wieder so ein bisschen mehr Raum geben und wieder ein Stück weit trainieren, auf unser Bauchgefühl, unsere Intuition dazu achten im Alltag, ist das sehr, sehr wertvoll. Man sagt ja, dass der Mutterinstinkt sozusagen nicht, also dass man eine Mutter nicht mit einem Instinkt auf die Welt kommt, sondern dass der ja eigentlich eher erst entsteht, oder? Also wie ist das da? Weil du hattest jetzt angesprochen, dass Eltern sozusagen, die kommen mit einem Gefühl auf die Welt, also dass sie sozusagen das Bauchgefühl ihnen schon sagt, was das Richtige ist, aber ich mir war irgendwie so, als wenn das widerlegt wurde, oder? Das ist nicht jetzt bei jedem gleich, aber man hat natürlich schon instinktiv so das Gefühl, was kann ich jetzt tun für das Kind, damit das gut ist. Natürlich sollte man sich da auch nicht immer drauf verlassen und im Zweifel dann eine Fachkraft und so konsultieren. Aber in vielen Situationen, so alltägliche Alltagssituationen, vielleicht nicht, wenn das Kind gerade hoch fiebert, in so normalen Alltagssituationen, da darf ich schon meinem Instinkt auch ein Stück weit vertrauen. Ich sage immer zu meinen Frauen, dass sie, wenn sie ein Kind geboren haben, nie wieder so schlafen wie vorher, weil man einfach immer so, ist das wissenschaftlich belegt? Weil ich habe das Gefühl, als Mutter schläft man, ich höre alles. Ich schlafe gut, aber ich bin immer in dieser Obachthaltung, dass irgendwie Gefahr kommen könnte, als wenn ich draußen in der Natur wäre und gucken muss, ob da jetzt der Wolf um die Ecke kommt. Also wir wissen auf jeden Fall wissenschaftlich, dass das bei Frauen tendenziell stärker ausgeprägt ist, auch bei kinderlosen Frauen, dass Frauen einfach generell einen flacheren Schlaf haben, eher gestört werden und man geht davon aus, dass das genau daran liegt, dass sie dann ja im Zweifel auch den Säugling hören müssen, wenn er jetzt wach wird, schreit und so weiter. Und auch da unterscheiden sich sehr Frauen stark darin, wie schnell sich das wieder zurückbildet und ob sie dann jemals zu ihrem normalen Schlaf zurückkommen oder eben lange in dieser Obachtstellung bleiben. Hat man gesehen, du hast ja jetzt, ich habe es schon gesagt, dass du jetzt ein neues Buch rausbringst im März, was man sich auch vorher bestellen kann, das packe ich natürlich alles in die Shownotes, aber hat man gesehen, also Kinder sozusagen, die eine sehr stark kontrollierte Kindheit haben, also wo die Eltern wirklich sehr vielsorglich waren und immer geguckt, dass da eigenständig wirklich eher Eigenständigkeit eher zurückgeschränkt, also eingeschränkt war. Kann man da sehen, wie sich das auf ihr Erwachsenenleben ausübt und wie sie dann selber sozusagen, wenn sie Eltern werden, also gibt es da soweit. Die Forschung, weil ich habe halt auch immer das Gefühl, alles was man so extrem, verbietet, deshalb bin ich eher so, also auch was Ernährung so angeht, wenn man jetzt sagt, so gar kein Zucker und keine Süßigkeiten, ich habe immer das Gefühl, dass alles was man so extrem macht, dass dann eher das Gegenteil daraus kommt. Ja, das kann auch passieren. Also viele Menschen entwickeln sich ähnlich zu den Eltern, dass wir das nachahmen, was wir von zu Hause aus kennen. Also wenn ich sehr überbewütende Eltern hatte, die ängstlich und unsicher waren, dann fungieren die ja quasi als Modelle. Ich schaue mir das ab. Ich lerne zu Hause viel. Das ist gefährlich. Deswegen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich selbst dann ebenfalls ängstlich und unsicher werde. Und so wird das von Generation zu Generation weitergegeben. Teilweise durch Gene, aber auch durch diese Erfahrungen, die wir im Elternhaus Tag für Tag machen. Und es gibt aber auch Kontrasteffekte, zum Beispiel, dass du aufgewachsen bist, extrem überbehütet und dir irgendwann sagst, so, ich mache das genau andersrum, meine Kinder dürfen machen, was sie wollen. Also, dass man versucht, sich ganz bewusst abzukehren von den Eltern. Und die Wahrscheinlichkeit ist natürlich umso höher, je extremer dieses Elternverhalten ausgeprägt war. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man sich als Kind sagt, oh Gott, das war so extrem, ich fand das wirklich belastend, nie wieder. Ja, ich finde das einfach so eine, So dieses ganz Extreme halt auch einfach so schwierig dann. Wenn man, du sagst ja, dass man da genau hinschicken kann, wo sind seine Ängste, aber so das dann auch abzulegen und das auch, ich glaube, das Außen erkennt das, glaube ich, sehr schnell. Also wenn du jetzt sozusagen Eltern beobachtest, wo man denkt, okay, da sind beide sehr, wirklich auf dieses, wenn sie vielleicht auch ein Kind noch haben oder sehr behütet und so weiter, das außen sieht. Ich glaube, dass man sich das als Eltern bewusst macht, dass es vielleicht auch in eine zu extreme Situation geht. Das finde ich, glaube ich, eher so schwierig, dass man das selber erkennt. Ich brauche jetzt hier vielleicht auch selber ein bisschen Hilfe, um halt einen entspannteren Umgang zu geben, weil das finde ich immer schwierig. Man sieht das vielleicht im Freundeskreis und beobachtet das, aber möchte sich vielleicht auch nicht einmischen, weil es auch grenzüberschreitend ist. Was würdest du da sagen, wie man da vielleicht einen guten Mittelweg geht? Weil gut gemeinte Ratschläge sind ja auch immer ein bisschen schwierig, aber ich glaube, dass man das selber erkennt, das dauert halt einfach. Also wenn ich das immer im Freundeskreis bemerke, die Person steht mir nah und ich habe das Gefühl, das Kind das leidet da zunehmend runter, dann kann ich mir schon einen ruhigen Moment raussuchen, wo man sich mal beisammensetzt und versuchen, das so ganz behutsam anzusprechen. Weil letzten Endes geht es ja auch darum, die Eltern zu entlasten oder sie auf etwas aufmerksam zu machen und auch das Kind zu schützen. Wichtig ist, wie man das macht. Nicht vorwurfsvoll, sondern eher so, ich beobachte, dass das bei dir sehr viel Raum einnimmt. Also dass man seine Beobachtung schildert und auch deutlich macht, hey, ich habe das Gefühl, ihr leidet da massiv drunter. Dein Kind, aber ihr auch als Eltern ähm, Vielleicht wäre es hilfreich, sich da Hilfe zu holen oder jemand, der da nochmal gemeinsam draufschaut. Welche Signale senden wir so unbewusst, dass wenn wir alles regeln wollen, kannst du da vielleicht so ein paar Merkmale geben, dass man sich vielleicht auch selber hier so erkennt, da kann ich nochmal hinschauen und vielleicht der ein oder andere, der jetzt gerade zuhört, einfach denkt, da könnte ich vielleicht auch nochmal reingehen, wo ich da vielleicht einfach so Signale, die ich gar nicht mir bemerkbar mache, aber die ich so unterbewusst sende, dass man alles regeln will. Ein Signal ist so eine permanente Daueranspannung, dass ich das Gefühl habe, ich stehe irgendwie unter Strom, weil ich auch Angst und Sorge habe, es könnte etwas passieren. Dann, dass ich die Umwelt permanent nach Gefahrensignale tracke, wo ist gerade mein Kind, wo lauert eventuell eine Gefahr. Dass ich das Kind gar nicht mal machen lasse sondern direkt vorweg eingreife um Gefahren zu verhindern, und dadurch auch die Handlung des Kindes unterbreche selbst wenn mir das gerade nicht aktiv signalisiert dass es überfordert ist wenn ich das Gefühl habe dass diese Ängste, die Sorgen. Dieses ich muss mein Kind beschützen und dann mehr machen dass das sehr viel Raum einnimmt mental im Alltag einfach sehr dieses alltägliche Zusammenleben bestimmen, ein Stück weit auch belastet und so diese entspannten, unbekümmerten, fröhlichen Momente, die man ja auch haben könnte mit dem Kind, dass die dadurch weniger werden. Das ist, glaube ich, ein ganz guter Reminder, wenn man einfach immer merkt, ich bin gar nicht mehr entspannt. Also so, glaube ich, auch so auf so Spielplätzen und so, wo man halt immer angespannt ist, weil man halt immer denkt, da kommt jetzt die Gefahr. Ich finde, das kommt ja auch so ein bisschen auf die Altersgruppe an, also in einer Altersphase, wo sich gerade so ein Kind befindet. Also wenn du da sozusagen auch wissenschaftlich rangehst, gibt es so Phasen, wo du sagst, da ist so die Anspannung bei Eltern auch ganz besonders hoch. Also in welchen Lebensphasen in den Kindern sind, wo sie wirklich, wo man einfach auch nachweisen kann. Ich weiß nicht, ob es da vielleicht auch Forschung so gibt, wo Eltern wirklich einfach so denken, okay, hier müssen wir ganz, ganz viel Kontrolle behalten. Vor allen Dingen bei so Übergängen, wo es wirklich darum geht, Kontrolle abzugeben. Beziehungsweise erstmal bei der Geburt, wenn das Kind überhaupt geboren wird, weil es eine massive Umstellung ist, die gesamte Familie ändert sich, aber auch hormonell, die ganzen körperlichen Veränderungen, die damit einhergehen. Und bei der erstmaligen Geburt, klar, ich bin jetzt zum ersten Mal Eltern, ich habe das noch nie gemacht. Und natürlich fragt man sich, bin ich dem gewachsen? Was ist, wenn ich jetzt im Schlaf auf das Kind draufrolle und so weiter und so fort? So ganz viele praktische Fragen, die sich ja auch aus Unwissenheit, dass ich einfach noch keine Erfahrung habe, ergeben. Und dann vor allen Dingen bei diesen Übergängen zum Beispiel, das Kind geht zum ersten Mal in die Kita. Das ist ja ein wichtiger Meilenstein, wo ich auch Kontrolle abgebe. Ich muss den Erziehern vertrauen, dass die sich da um das Kind kümmern, dass das Kind alleine klarkommt und dass ich jetzt eben nicht die ganze Zeit eingreifen kann. Und genau solche Übergänge sind häufig schwierig für Eltern, die sehr überbehütend sind. Merkst du auch, dass die dann sozusagen solche Sachen auch umgehen? Also vielleicht weniger Kinder in Betreuung geben oder auch Schulen hinterfragen? Ich meine, wir haben in Deutschland eine Schulpflicht. Also da kommt man ja nicht drum rum. Aber wenn man es jetzt international sieht, gibt es ja Länder, da braucht man Kinder gar nicht in die Schule gehen. Da kann man das ja auch zu Hause machen. Also siehst du da, sieht man das ganz klar dabei, weil dass diese Familien dann auch auf solche Einrichtungen verzichten. Ja, absolut. Das wäre natürlich sehr stark ausgeprägt. Die Vorstufe wäre, dass ich versuche, da trotzdem noch Einfluss zu behalten. Ich bleibe dann zum Beispiel erstmal in der Kita und gucke, ob die Erzieher das alle richtig machen. Ich rede ganz viel mit denen. Ich gucke dann da vorbei. Also ich versuche da irgendwie trotzdem noch meine Hände mit im Spiel zu behalten und das nicht ganz abzugeben. Das wäre so die Vorstufe. Und klar, dann kann es auch dazu kommen, dass ich mein Kind später in die Kita gebe, nicht weil das Kind nicht bereit wäre, sondern weil ich Angst habe, vor diesem Schritt da loszulassen, dass ich es vielleicht gar nicht in die Kita gebe, in der Schule versuche, wie kann ich das denn von zu Hause betreuen und so weiter. Also das wäre wirklich das Extrem, dass ich diese natürlichen Entwicklungsschritte, also die Meilensteine, die das Kind eigentlich gehen muss, um zu einem selbstständigen Erwachsenen heranzuwachsen, dass ich die aktiv verhindere oder aufschiebe. Wenn Kinder sozusagen das so passiert, was macht das mit denen psychologisch? Also was siehst du, was kann man einfach sehen, die einfach da überhaupt gar keine, also die Fehler werden, es ist ja auch sozusagen Fehler werden ja eigentlich ständig verhindert. Also die können ja gar nicht, du sagst, also den Fehler machen oder auch einfach Schutz vorhin fallen. Also die werden ja wie im Watte gepackt sozusagen. Was kann man da einfach, was sieht man einfach psychologisch bei diesen Kindern auch langfristig? Also einmal, das sind natürlich konkrete Folgen. Wenn ich mein Kind jetzt nicht in die Kita schicke, dann lernt es dann natürlich auch nicht mit Gleichaltrigen zu interagieren. Also die Sozialkompetenzen bleiben auf der Strecke und dann übernehmen Kinder langfristig auch diese Überängstlichkeit der Eltern, weil sie ja permanent signalisiert bekommen, die Welt ist gefährlich, du schaffst es nicht allein, du musst hier bleiben, ich muss dich beschützen. Also sie bleiben tendenziell sehr abhängig von den Eltern und werden erst später oder schwerer selbstständig und haben dann häufig weniger Selbstvertrauen. Einmal, weil ihnen das permanent signalisiert wurde, du kannst es nicht und zum Zweiten, weil ihnen die Übung fehlt. Wenn ich natürlich immer nur abgeschirmt wurde, dann bin ich nie mit Herausforderungen konfrontiert und dann lerne ich auch nie, hey, ich mache einen Fehler, ist aber nicht so schlimm, ich stehe wieder auf und mache weiter. Und dieses Fehler machen, Misserfolge erleben ist ganz, ganz wichtig für unsere Entwicklung, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene übrigens, weil wir gerade an Fehlern unendlich viel lernen. Also ohne Fehler ist Wachstum eigentlich gar nicht möglich. Und auch emotional brauchen wir natürlich die Kompetenz damit umzugehen, hey, es läuft nicht alles perfekt im Leben und ein Fehler ist auch kein Beinbruch, ich kann dann weitermachen und wenn man das nicht lernt, kann es sein, dass einen dann später im Leben schon Kleinigkeiten in Anführungszeiten. Umhauen, weil man die als massiv bedrohlich empfindet. Also wenn ich noch nie einen Rückschlag erlebt habe irgendwo und. Ich merke dann, ich bewerte mich später auf den Job und kriege da am Anfang nur Absagen. Dann ist das natürlich ganz furchtbar, weil ich nie diese Erfahrung gemacht habe früher. Aber beobachtest du das nicht, dass es eher gerade in so eine Richtung geht, dass man ja auch so mit Kindern dieses ständige Feiern von und so weiter, dass man eher, ich finde, wenn du das jetzt so beschreibst, so diese Misserfolge, wie sie wichtig sind, aber dass man eher so beobachtet, Unsere Gesellschaft geht eher so, dass man alles lobt und sie bestärkt und so weiter. Also es gibt, glaube ich, eher weniger, die Misserfolge machen. Also das ist ja schon, glaube ich, auch ein wichtiges Thema. Also dass man halt, keine Ahnung, wenn die jetzt irgendwas machen, also es ist ja eher so, man feiert ja eher mehr. Das ist schon auch bis zu einem gewissen Ausmaß hilfreich, dass man einem Kind vor Augen führt, was es kann, wo Stärken sind, Erfolge. Es kommt natürlich wie bei vielem im Leben immer auf das Maß an. Wenn ich mein Kind die ganze Zeit feiere wie sonst wen, kann das auch schädlich sein, weil das Kind natürlich dann später auch in die reale Welt kommt und da wird es nicht mehr von allen gefeiert wie ein Superstar und wundert sich dann, wie kann das sein? Ja, ich glaube, das ist ja auch der erste Schritt, wenn man in der Kita sozusagen ist, da wird man ja auch nicht von jedem gefallen, muss sich halt auch durchsetzen. Also ich glaube, das ist auch so wichtig für die Entwicklung einfach zu sagen, ich muss mich jetzt hier auch mal so ein bisschen durchboxen. Genau. Und das ist einfach so dieses gesunde Maßhalten. Klar sollte man dem Kind Positives vor Augen führen, eine positive Grundhaltung sein, bestärkend, ermutigend und so weiter. Aber man muss ein Kind auch nicht völlig unrealistisch überhöhen, es vor allem abschirmen. Das ist dann einfach sehr weit entfernt von der Lebensrealität und hilft wenig dabei, ein Kind auf den Alltag, auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten. Ja, das ist eine große Aufgabe. Ich würde gerne nochmal so ein bisschen darauf eingehen, wie viel Kontrolle gut, also weil ich glaube so dieses, wir haben jetzt ganz viel, was das macht, diese Extremsituationen gesprochen, aber es ist ja wirklich so dieses Mittelmaß zu finden, auch so diese Leichtigkeit zu finden. Man möchte natürlich auch nicht desinteressiert sein. Also ich glaube, es ist so, dieser Druck, den wir haben, dass wir in allen Sachen, ob es jetzt Schule sind, auf Kita, man will sich engagieren, man will überall Bescheid wissen. Und das ist natürlich auch ein enormer Druck, der auf den Eltern lastet, um allen Sachen gerecht zu werden, weil wir natürlich auch so viel Wissen haben, was das mit der Persönlichkeit macht. Also was du ja auch gerade schon so viel erklärt hast, dass da einfach so dieser Perfektionismus, den man hat, dass man halt weiß, okay, wenn ich das nicht mache oder wenn ich da nicht gut drauf eingehe, wenn ich die Fehler nicht sehe oder die gut begleite, die Fehler, dann ist das und das. Also ich glaube so dieses ganze Wissen, was toll ist, was wir heute haben, aber das lässt natürlich auch so ein bisschen... Da geht auch wieder ein bisschen diese Leichtigkeit verloren, weil man einfach ganz viel im Kopf immer denkt, okay, das habe ich ja schon wieder falsch gemacht. Also gerade auch, wenn man vielleicht auch selber einfach einen stressigen Tag hatte, nicht in seiner Mitte so ist und dann halt einfach vielleicht auch in Situationen kommt, wo man an seine Grenzen kommt, dass man dann halt gleich immer denkt, so Gott, jetzt ist gleich psychologisch alles verloren. Ja, und was da passiert, ist ein unheimlicher Druck. Dadurch bin ich natürlich von Anfang an gestresster, wenn ich mich so unter Druck setze, reagiere dann auch schneller übel. Und dann ist das wie so ein Teufelskreis, dass sich der Stress im Familienalltag immer weiter aufschaukelt. Und was da hilft, ist sich immer wieder klarzumachen, Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern Kinder brauchen Eltern, die, wenn es darauf ankommt, für die sie da sind, die grundlegend irgendwie offen sind, die eine liebevolle Grundhaltung haben. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich in jeder Situation perfekt verhalten muss. Und in gewissen Bereichen ist das natürlich auch ein Hype, es ist auch eine Industrie, da wird Geld mitverdient, dass man ganz viele Erziehungstrends auf den Weg bringt, dass man auch mit Ängsten von Eltern spielt. Also es gibt Menschen, die da Geld mitmachen und da hilft es auch so ein bisschen einzugrenzen, sich immer wieder damit auseinanderzusetzen, sondern sich zuzugestehen, ich muss nicht perfekt sein, ich muss einfach nur da sein grundsätzlich. Ja, dann nehmen häufig auch diese Nähemomente zu, denn was jetzt wirklich eine Familie oder eine Mutter-Kind-Bindung oder Vater-Kind-Bindung nährt, sind nicht die Momente, wo ich mich in der Erziehung perfekt verhalten habe, sondern Momente, wo es schön war, wo man die Bindung zueinander gespürt hat. Und das sind meistens Momente, wo alle entspannt sind. Das ist natürlich gar nicht so einfach und ich glaube, du sagst, da kommen diese schönen Momente und oft ist es ja auch so, dass man sagt, okay, ich will jetzt entspannt sein, ich will diese schönen Momente haben und dann ist auch schon wieder der Druck. Also das ist wirklich so, ich finde es ein ganz schöner Teufelskreis auch, weil man will das, man versucht das und dann läuft alles aus der Bahn, weil vielleicht auch die Kinder nicht mitmachen, die gerade keine Lust haben. Also es ist ja auch so, wie man sich so einen schönen Familienausflug vorstellt. Man hat so eine Vorstellung im Kopf, aber wir fahren ja jetzt heute hin und der eine ist genervt, der andere will in die Richtung so und dann ist irgendwie, denkt man so, oh Gott, ich habe das alles falsch gemacht, weil man als Eltern ja auch so diese Vorstellung hatte und eigentlich funktioniert dann gar nichts. Und da ist ja dann auch so diese Frustration groß, wo man denkt so, oh mein Gott. Ja, genau so. Und das sind aber auch überhöhte, völlig unrealistische Erwartungen. Also klar, es geht um diese intimen, entspannten Momente, aber die sind natürlich nicht zauerhaft. Wir sind jetzt nicht 24-7 entspannt und alles ist gut, sondern es gibt auch stressige Momente im Elternalltag, wo es eben so ein bisschen rauer ist und all das gehört dazu. Es muss nicht in jedem Moment alles perfekt sein. Und ja, wir tragen da häufig so Ideale mit uns rum. Auch Weihnachten ist ja so ein Beispiel, wo eigentlich jeder so völlig unrealistische Erwartungen hat. Und dadurch ist Weihnachten eigentlich das Fest überhaupt, was mit den größten Konflikten, Trennungsraten und so weiter verbunden ist. Warum? Weil sich Menschen alle tierisch unter Druck setzen und diese Erwartungen niemals erfüllt werden können. Ja, das ist ein gutes Beispiel. Weihnachten ist auf jeden Fall, genau, weil jeder so diese Vorstellung im Kopf hat, wie es halt so laufen hat und man muss halt auch so vielen gerecht werden. Und ich glaube, das ist auch, da bin ich gespannt, was du dazu sagst, so dieses, was Eltern auch noch so haben, ist so, das Vergleichen geht ja nicht aus. Also wenn man jetzt sagt, man soll sich nicht vergleichen, aber es ist ja schon auch ein gewisser gesellschaftlicher Leistungsdruck, den man hat und Vergleiche mit anderen Familien. Dann haben wir wieder die Bilder, die wir über Social Media sehen, wo kurze Einblicke gezeigt werden von Familien. Natürlich mit Musik unterlegt, hätte man den Ton, würde das vielleicht auch ganz anders. Also so, aber das macht natürlich was auch mit unserem Gehirn, wo man denkt, ach ja, okay, da läuft es ja. Und da sich so von rauszunehmen ist, auch wenn man es weiß, sozusagen man das Wissen hat, aber ich glaube, das so umzusetzen ist einfach gar nicht einfach so einfach. Ja, total. Also es ist leichter gesagt als getan. Nichtsdestotrotz, der erste Schritt ist immer sich das bewusst zu machen. Leute posten selektiv, sie schneiden und verschönern das, was sie posten. Nur bestimmte Menschen posten, also es ist unglaublich selektiv und der Algorithmus befeuert bestimmte Posts auch, die eben ganz intensive, positive Emotionen da noch mit vermitteln. Das ist überhaupt nicht die Realität und das dürfen wir uns immer wieder bewusst machen. Dann, dass wir den Konsum einschränken, nicht den ganzen Tag diese Superidylle konsumieren und uns im Umfeld vielleicht auch mal ehrliche GesprächspartnerInnen suchen, andere Eltern, denen es eh nicht geht und die auch bereit sind, offen darüber zu sprechen, anstatt nach außen hin nur dieses perfekte Bild zu zeichnen. Du hast jetzt schon ein paar Punkte angesprochen, was du jetzt sozusagen, aber wenn du jetzt so als Wissenschaftlerin ein Idealbild hättest, was du sozusagen den Eltern von heute sozusagen und von morgen, die jetzt kommen, wünschst, also was wäre das? Also zwei Punkte hast du eben schon gesagt, aber wenn wir das nochmal zusammenfassen, wie wir sozusagen in diese Leichtigkeit zurückkommen und einfach auch, wie du es ja so schön auch in deinem Buchtitel gemacht hast, in die Kraft des Loslassens zu finden. Was wäre in deiner Idealwelt, was du uns Eltern in der Erziehung mit Kindern wünschen würdest? Tatsächlich so ein gewisser Pragmatismus, sich so ein bisschen loszulösen von diesen ganzen Idealbildern, was brauche ich alles, um ein perfektes Elternteil zu sein, hin zu einer etwas entspannteren, pragmatischeren Beziehungsform, wo wir uns alle angestehen, ich muss nicht perfekt sein als Elternteil, ich muss mein Kind auch nicht vor allem beschützen. Und wenn was passiert, dann kriegen wir das gemeinsam hin. Also da ein ganz wichtiger Punkt, auch Selbstwirksamkeit, dass ich darauf vertraue, es wird schon gut gehen und wenn es nicht gut geht, dann finden wir dafür eine Lösung. Das ist, glaube ich, wichtig. Und da wieder so dieses Vertrauen in sich und das eigene Bauchgefühl, auch dieser Zugang, was fühlt sich für mich jetzt eigentlich gerade stimmig an, dass wir bei uns sind, dass wir dadurch auch Nähe zulassen können zu Kindern, anstatt permanent sich auseinanderzusetzen mit Idealbildern, mit Erziehungstipps, mit vermeintlichen Gefahren, wie man es weiter optimiert und so weiter. Wenn ich aber merke, dass ich das von alleine nicht so kann, trotz sozusagen, wenn ich mir jetzt so eine Podcast-Folge anhabe, was würdest du immer raten, was sind so Tools, wo man da vielleicht noch mehr reinkommt sozusagen, das ist ja schon ein Mindset, was du jetzt auch gerade beschreibst. Und nicht jeder kann das jetzt. Also das ist ja nicht so, dass man jetzt gleich, wenn man auch vielleicht Muster hat, die man ja, wie wir auch gesagt haben, die man übernommen hat aus der eigenen Kindheit, wo viel kontrolliert wurde, viel diese Eigenständigkeit nicht gefordert wurde. Was sind so Tools, wo du sagst, da kann ich das lernen? Das ist ja eigentlich schon etwas, was man eher vor dem Elternsein machen sollte. Ja, idealerweise habe ich davor schon meine eigene Mitte gefunden oder zumindest so einen entspannten Umgang auch mit Herausforderungen. Wenn ich im Familienalltag bemerke, dass es sehr viel Raum einnimmt, dass mich das zunehmend belastet, dann kann man sich da auch professionelle Hilfe holen bei jemandem, der wirklich geschult und ausgebildet ist. Es gibt ja Beratungsstellen für Familien oder auch Psychologen, an die man sich wenden kann, um das zu besprechen. Das würde ich im Zweifel auch eher empfehlen als jetzt den x-ten Elternratgeber, weil da tappt man dann sehr schnell in die Selbstoptimierungsfalle. Ja, das finde ich nochmal einen ganz guten Punkt, weil es gibt natürlich jetzt auch super viele Angebote, was Elternkurse angeht. Es gibt dann sehr viel, also gibt ja auch sehr, also nicht Fachpersonen sozusagen, wie du es bist, die sozusagen dann gibt es ja, also es gibt ja wirklich so viel da draußen, was man halt machen kann. Also da würdest du auch immer sagen, also dann gibt es natürlich sehr viele Eltern, Ratgeber, Bücher, Podcasts und so weiter. Also da wäre auch dein Appell eher immer, dich an ausgebildete Fachpersonen zu wenden. Ja, es gibt halt so viel da draußen und nicht alles davon ist wirklich hilfreich, sodass man ja sehr sorgfältig auswählen muss, an wen wende ich mich. Ja, aber woher kenne ich das? Und da kann man schauen nach zertifizierten Beratungsstellen, Personen, die wirklich ein Zertifikat auch haben, zum Beispiel, dass es Psychologen sind oder psychologische Psychotherapeuten oder Familienpsychologen, die wirklich den entsprechenden Background auch haben, um da qualifizierte Zertifikat. Begleitung anzubieten. Als letzten Punkt nochmal in der heutigen Folge würde ich gerne nochmal einmal so ein bisschen darauf eingehen, was, wie wir sozusagen, es gibt ja da so, dazu gibt es auch ganz viele Wheels, also diese wissenschaftlichen Sachen, wie wir Kinder zur Eigenständigkeit erziehen und wie wir sie begleiten, dass sie mit beiden Füßen fest in ihrem Leben stehen. Was würdest du da nochmal mit, also wir haben es immer schon angerissen, aber ich fasse es immer gerne so ein bisschen zusammen, dass man da einfach nochmal, also dieses super behütet. Ich glaube auch, ich kann da persönlich drauf sehen, ich war sehr früh sehr auf eigenem Bein gestellt, was ich eher auch jetzt im Nachhinein als Vorteil sehe, weil ich sehr selbstständig sehr früh schon war. Aber bei meinen eigenen Kindern ist es oft so, dass ich schon da auch so ein bisschen ins Bequemliche bei denen gehe, dass ich die sehr viel auch vielleicht nochmal eine Runde mehr fahre, obwohl sie jetzt sozusagen mit der Bar, also so wenn es regnet oder so. Ich mache das einfach auch gerne, weil ich die Möglichkeiten habe. Aber ich merke schon, dass ich, wenn ich jetzt so rückblickend bei mir zurückgucke, ich bin mit meiner Mutter, die war alleinerziehend. Und dadurch hatte ich natürlich einfach, weil sie auch Vollzeit gearbeitet hat, schon viele Aufgaben sehr früh. Aber ich kann jetzt eher sehen, dass es mir eigentlich gut getan hat, weil ich wirklich super selbstständig war. Ich glaube, es ist auch immer ein bisschen typbedingt. Also ich war auch kein ängstliches Kind und sehr kontaktfreudig, was ja auch was mit seiner Persönlichkeit zu tun hat, schon immer sehr offen für alles. Aber wenn ich jetzt so manchmal mich so ein bisschen so beobachte, denke ich immer so, da könnte ich vielleicht auch so ein bisschen. Und die könnten nochmal, das können sie ja jetzt eigentlich auch schon alleine, aber ich mache es einfach gerne und denke mir dann einfach so, okay, das ist so ein bisschen Fluch und Segen zugleich, weil es vielleicht auch in manchen Situationen besser wäre, wenn sie es dann doch alleine machen würde oder dass gleich Mami kommt und sie bei den ersten Regentropfen abholt. Also können wir da vielleicht nochmal ein bisschen, also weil wir wollen ja irgendwie... Selbstbewusste Kinder, die keine Angst haben, aber trotzdem, finde ich, wollen wir sie aufkleben, weil die Welt ist auch eine intensive Welt, gerade auch für uns Erwachsene. Also ich meine, mit was wir uns gerade, diese ganzen Emotionen, die wir mit der politischen Situation, die wir gerade haben. Das ist dann die Gefahren, die es gibt, die gab es früher auch, aber jetzt sind sie ja offener, weil sie mehr publik gemacht werden. Das ist, finde ich, so diese Kunst zu sagen, ich möchte selbstbewusste Kinder, die aber keine Angst haben. Da einfach nochmal, dass wir da nochmal reingehen können, so was ist denn da so dieses Mittelmein? Weil ich habe es ja gerade persönlich geschrieben. Ich bin dann auch so in so Situationen, wo ich denke, das hätte ich jetzt vielleicht doch ein bisschen. Ich finde die Situation eigentlich sehr anschaulich, weil man da gut deine Motivation sieht. Du machst das ja nicht aus so einer Angst heraus, dass du Angst hast, dein Kind kann da jetzt nicht im Regen alleine den Weg zurückfinden, sondern nur, weil du da irgendwie Lust hast, deinem Kind einen schönen Nachmittag zu machen oder das dann cozy im Auto abzuholen. Das bedeutet ja, dass du jetzt nicht durchgehend starr agierst und dein Kind da irgendwie davon fernhältst, selbst Erfahrungen zu machen. Und insofern würde ich sagen, ist das auch eine völlig unproblematische Verhaltensweise, weil es natürlich schon schön ist, für ein Kind zu lernen, ja Mensch, Mensch, es war cozy und es gab schöne Momente und da hat mich meine Mutter abgeholt. Das muss vielleicht nicht unbedingt sein, aber kann ja trotzdem ein schöner Moment sein. Und da ist, glaube ich, die Motivation entscheidend. Mache ich das gerade aus dem Drang heraus, weil ich meine eigene Angst, meine Unsicherheit bekämpfen will? Oder mache ich das, weil ich jetzt gerade richtig Lust habe, meinem Kind was Gutes zu tun? Und das ist ja bis zu einem bestimmten Maße, wenn es sich nicht komplett überhand nimmt, häufig auch etwas Schönes, wo man sich sagen kann, Mensch, das Leben wird noch hart genug werden. Ich sorge dafür, dass wir im Familienalltag neben all dem Stress auch schöne gemeinsame Momente schaffen. Das finde ich gut. Aber dann ist vielleicht noch eine andere Frage, die ich da habe. Das ist so dieses Verantwortung übergeben. Also man sagt ja auch immer, Kinder sollen Verantwortung übernehmen, aber auch nicht so viel. Also gerade vielleicht auch im Geschwisterbund, wenn da viele Geschwister noch sind, dass die Großen auf die Kleinen aufpassen, aber sie sind ja nicht die Eltern. Aber trotzdem ist es ja nun mal so im Familiengefüge so, wo ist da so vielleicht auch so ein bisschen die Grenze, dass man sagt, okay, die sollen Kinder bleiben, also die Großen sollen vielleicht nicht die Kleinen erwachsen werden, aber trotzdem haben sie ja die Funktion auch der älteren Geschwister da in die Verantwortung zu gehen. Das ist ja auch immer so wichtig, da so die Balance zu finden und sie Eigenständigkeit entwickeln. Also wenn mir das schwerfällt, dann kann ich ja erst mal stückweise dem Kind Verantwortung übertragen. Zum Beispiel ihm ermöglichen, alleine über das Taschengeld zu verfügen oder alleine den Ranzen zu packen. Das sind ja so Dinge, wo jetzt im Worst Case nicht so wahnsinnig viel schief gehen kann. Und dann kann ich das Stück für Stück erweitern. Das Kind geht einkaufen fürs gemeinsame Familienfrühstück und so weiter. Und pöpö kann ich das dann steigern. Und ein weiterer wichtiger Indikator ist auch das Verhalten des Kindes. Also Kinder unterscheiden sich ja auch stark darin, wie viel Verantwortung sie gemessen am Alter schon tragen können. Da kann man halt auch individuell schauen und wenn ich merke, das Kind wirkt irgendwie belastet, sehr zurückgezogen, in sich gekehrt, anders als sonst. Dann kann man schauen, ist vielleicht die Verantwortung, dass es hier trägt, gerade zu viel, dass wir etwas ändern müssten. Also sozusagen in der jeweiligen Altersphase, wo ich mich gerade befinde, immer wieder kleine Aufgaben zu übergeben, wo sie eigentlich Eigenständigkeit erlernen. Wie das Taschengeld. Wie toll ist es so, kann ich mich noch daran erinnern, als meine damals fünfjährige Tochter das erste Mal zum Bäcker, also ich stand natürlich hinter der Tür, aber so dieses Gefühl, dass sie es alleine gemacht hat, ich glaube, diese Erlebnisse sind halt total prägend. Ja, total. Und dann halt immer entsprechender. Schwieriger finde ich es natürlich wieder mit den Teenagern. Also das ist eine ganz besondere Situation, wo ich immer nochmal denke, da heißt es ja dann so, alle anderen dürfen das, nur wir dürfen das nicht. Und da wirklich so dieses, die Kontrolle auch, ja also so. Das abzugeben und denen auch zu vertrauen, gleichzeitig aufzukriegen, das finde ich schon nochmal eine ganz besondere Situation, als jetzt im Kleinkindalter die sozusagen vor Höhen zu schützen. Ja klar, Kinder wachsen natürlich auch in ihrer Schlagkraft und Argumentationsfähigkeit und können da einen schon sehr an die Wand drängen. Was sagst du zu verboten? Ich finde eigentlich auch, dass so klare Grenzen schaffen ja, also wenn sie altersangemessen sind, schaffen ja auch irgendwo Orientierung. Und letzten Endes ist es natürlich ein Leben lang so, dass man nicht immer alles tun kann. Dinge haben Grenzen. Und wenn das jetzt nicht total starr und rigide ist, finde ich auch Verbote legitim. Ja, liebe Eva, vielen Dank für dieses gute Gespräch. Ich glaube, es wird vielen nochmal helfen, so dieses so, da auch nochmal selber zu gucken, wo ich vielleicht so ein bisschen mehr loslassen kann. Ich freue mich auf jeden Fall auf dein neues Buch. Vielleicht magst du da nochmal kurz was darüber sagen, wie du darauf bekommen bist, das zu schreiben oder wie auch der Impuls kam, bevor wir zum Ende kommen. Ja, sehr gerne. Also mein neues Buch heißt Too Much, weil sehr viele Menschen im Alltag das Gefühl haben, es ist irgendwie alles zu viel. Mir wächst der Alltag über den Kopf, der Familienalltag, die Arbeit, viele andere Sorgen, die Weltlage. Es ist ja doch so eine Grundstimmung, die sich verdichtet und auch zugespitzt hat in den letzten Jahren. Und in dem Buch, da geht es darum, warum haben wir eigentlich dieses Gefühl, was sind so Quellen moderner Überforderung, Tempo, Reizflut, Orientierungslosigkeit, Selbstoptimierung, Einsamkeit und so weiter. Was macht das eigentlich mit unserem Wunsch oder dem Bedürfnis nach Kontrolle, dass wir oft das Gefühl haben, uns wachsen die Dinge über dem Kopf, wir sind irgendwie nicht mehr Herr der Lage, wir verlieren die Kontrolle über uns, unser Leben und die Zukunft. Und das Wichtigste natürlich, wie können wir damit umgehen? Also wie schaffen wir es in einer Welt, die sich uns zunehmend entzieht, die Unkontrollierbare erscheint? Wie schaffen wir da trotzdem wirksam zu bleiben und ein Leben zu führen, was nicht nur fordert, sondern erfüllt? Und ich gehe da im dritten Teil Step by Step darauf ein, wie können wir unsere Selbstwirksamkeit stärken? Also das Vertrauen in uns, in die Welt und in unsere Kompetenz, dass wir mit Problemen und Herausforderungen gut umgehen können. Okay, super. Da freuen wir uns drauf. Also ich wünsche dir viel Erfolg damit. Vielen Dank für deine Zeit und jetzt noch eine schöne Woche. Danke dir. Danke. Tschüss. Tschüss, Sissi. Ihr Lieben, das war schon wieder unsere Folge für den heutigen Donnerstag. Ich finde es ja immer ganz beruhigend, von einer Wissenschaftlerin zu hören, dass wir uns alle ein bisschen entspannen sollen und dass man nicht so viel verkehrt machen kann und dass wir auch einfach so in unserem Gefühl bleiben sollen. Und das fand ich einfach heute wieder nochmal so richtig gut zu sagen, wir dürfen, wir müssen nicht jeden Tag perfekt sein, einfach diese Selbstständigkeit fördern und die Rahmenbedingungen schaffen. Das fand ich sehr, sehr, sehr gut, das immer wieder zu hören. Und ich meine, je öfter man das hört, desto besser kann man es ja auch aufnehmen. Also diese guten Momente auch zu haben und einfach im Vertrauen zu sein. Aber ich habe einen super Funfact heute noch für euch. Der Begriff Helikopter-Eltern stammt übrigens nicht aus den modernen Erziehungsratgebern oder aus Social Media, wie wir ihn ja sozusagen immer hören, sondern den gibt es schon seit den 1960er Jahren, tauchte diese Metapher auf. In Between Parent and Teenager von 1969 zitierte der Psychologe Chahim Ginott einen Jugendlichen, der sagte, seine Mutter schwebe wie ein Helikopter über ihm. Eine bildhafte Beschreibung, die später weltweit Verbreitung fand. Das hat der Jugendliche sicher auch nicht gedacht. Und ursprünglich bezog sich der Ausdruck vor allem auf Eltern älterer Kinder oder Studierender, etwa auf Mütter und Väter, die morgens zum Wecken anrufen oder bei schlechten Noten direkt bei Lehrpersonen intervenieren. Erst in den 90er und 2000er Jahren wurde der Begriff breiter bekannt und zunehmend auch auf jüngere Kinder übertragen. Musik. Wenn dir diese Folge gefallen hat, würde ich mich riesig freuen, wenn du den Podcast abonnierst und eine Bewertung oder einen Kommentar hinterlässt. Du hast Fragen an mich, Ideen für Themen oder möchtest deine Geschichte mit mir, mit uns teilen? Dann schreib mir einfach an sissy.atauf-die-ohren.com und ich freue mich riesig. Redaktionelle Leitung Katharina Kern. Aufnahmeleitung Lena Günther. Sounddesign und Postproduktion Milan Feig.