Ihr Lieben, heute ist Donnerstag, eine neue Folge Soundsfamilie für euch und mein Eltern-Podcast soll ja wirklich ganz vielfältig sein und ich habe mir eine Folge gewünscht zum Thema Regenbogenfamilie. Wie gelingt denn Elternschaft jenseits klassischer Rollenbilder? Und da habe ich jemanden ganz Tolles gefunden, der mit heute mit mir über sein Familienmodell spricht, nämlich Christian Bär. Vielleicht kennt ihr ihn. Er ist als Papi im Duo bei Papa und Papi auf Social Media bekannt, den er gemeinsam mit seinem Mann Björn führt. Und wir reden heute über Regenbogenfamilie und sein neues Buch. Herzlich willkommen, Christian. Lieber Christian, schön, dass du heute bei mir im Podcast bei Soundsfamilie bist. Für alle, die dich nicht kennen, du bist ja Autor, du hast einen Social-Media-Account und warst lange Zeit Flugbegleiter. Bin ich immer noch. Bist du immer noch? Mhm, bin ich immer noch. Bist du immer noch? Oh Gott, was machst du alles? Und bist Papi von zwei Kindern und ich sage ganz bewusst Papi, weil es einen zweiten Papa gibt, dein Mann Björn. und ihr lebt sozusagen mit euren zwei Kindern zusammen. Ihr habt jetzt gerade vor nicht so vielen Monaten noch ein Kind bekommen, eine kleine Tochter, habe ich gesehen. Und ich finde es ganz schön, dass du heute hier bist, weil das Thema Regenbogenfamilie habe ich in meinem Podcast noch nicht besprochen. Und ich finde es einfach, Familie ist so vielfältig, dass du heute Zeit gefunden hast, jetzt zu sein und wir einfach mal über euch als Familie reden und was ihr für Herausforderungen habt und wie der Weg zu euren Kindern war. Also vielen Dank, dass du da bist. Danke, dass ich bei ihr zu Gast sein darf und über unser Thema und über unser Familienmodell und alles, was noch so drumherum passiert, sprechen darf. Ja und wir haben heute eigentlich auch zwei Themen, weil ich habe mich jetzt natürlich mehr mit dir und euch als Familie beschäftigt, du bringst auch im April dein erstes eigenes Buch aus, du hast ja zusammen mit deinem Mann schon gemeinsame Bücher rausgebracht, aber das Buch, was du jetzt rausbrust, ist ja so deine ganz persönliche Geschichte, hat mich sehr berührt. Ich habe natürlich jetzt erstmal nur, was der Verlag so geschrieben hat und das erscheint im April, aber ich freue mich sehr drauf und eigentlich würde ich darüber auch gerne noch viel mit dir reden, weil das ist natürlich auch ein Thema, was viele betrifft, aber dazu erstmal später mehr. Also jetzt würde ich gerne erstmal über eure Familie. Daphne, du hast gerade erzählt, ihr habt jetzt noch eine fünf, eure Tochter ist fünf Monate alt. Wie lange war denn eure Schwangerschaft? Wie schnell seid ihr sozusagen? Unsere Schwangerschaft war eigentlich, wenn man es runterbrechen möchte, drei Stunden. Drei Stunden. Drei Stunden. Und wenn man es genau nehmen möchte, waren es fünf Tage. Fünf Tage. Genau, also es war tatsächlich so, wir haben den Anruf bekommen an einem Dienstag. Und interessanterweise ist es so, also Björn und ich, wir sind jetzt seit 15 Jahren zusammen und wir sind seit über zehn Jahren verheiratet und haben seit acht Jahren eben unseren Sohn. Den haben wir damals auch als Pflegesohn bekommen. Da war er knapp ein Jahr alt und haben jetzt aber mittlerweile adoptieren können, Gott sei Dank. Und wir waren eigentlich schon irgendwie durch, weil ich bin 44, mein Mann ist 48 geworden gerade und irgendwie haben wir gesagt, naja komm, jetzt sind wir gerade so erfolgreich auf Instagram mit unserem Kanal, Papa und Papi, wo uns vielleicht das eine oder andere kennt und wir haben einfach, ja es lief einfach gerade gut, ich bin wieder fliegen gegangen, ich habe eine längere Auszeit gehabt. Krankheitsbedingt, darüber handelt übrigens auch mein Buch mit Hör auf dein Herz, der Kopf ist ein Arschloch ist der Titel und ich habe, Am Ende war es so, letztes Jahr, als es dann wieder total in die positive Richtung ging, haben wir irgendwie gesagt, naja, vielleicht können wir es uns nochmal vorstellen. Da war aber die Chance, dass wir dieses, ich nenne jetzt mal Kind bekommen, was auch zu uns passt, was wir auch leisten können. Da darf man auch sehr ehrlich sein, weil oft haben wir auch Pflegekinder, also wir wussten, es kann ein Pflegekind werden, weil wir für die Adoption waren im Durchschnittsalter schon zu alt, war uns bewusst, ja, wir können nur gewisse Dinge leisten. Und dann haben wir das Gespräch gehabt an einem Mittwoch mit einem Jugendamt, die auf uns zugekommen sind, lustigerweise, über Social Media und gesagt haben, hey, Jungs, wir folgen euch schon so lange, könnt ihr euch nicht vorstellen. Und wir haben gesagt, ja, können wir schon, aber das, was wir leisten können, ist sehr begrenzt. Und wir hatten dann Mittwoch das Gespräch und dann hieß es schon, oh, das wird aber schwierig. Und ja, aber wir nehmen sie auf jeden Fall auf die Liste. Naja, Sonntag ist dann unsere Tochter geboren. Dienstag kam der Anruf. Ich war morgens um 8.21 Uhr, stand ich vor meinem Fitnessstudio, wollte ins Sport gehen. Mein Mann war im Büro. Plötzlich klingelt mein Telefon, kurz bevor ich ins Fitnessstudio möchte. Und mein Mann mit heulender Stimme sagte, was ist denn mit dir los? Und sein erstes Wort war, du, wenn du möchtest, kannst du Papi werden von einer zwei Tage alten Tochter und nicht so, bitte was. Naja, und dann... Es war mir erst mal heiß und kalt. Mir haben sie Tränen in die Augen geschossen. Ich habe meine Tasche wieder ins Auto geschmissen, bin direkt zu ihm ins Büro gefahren. Wir haben mit dem Jugendamt telefoniert und dann war die einzige Frage, Familie Bär, wann können Sie kommen ins Krankenhaus? Ihre Tochter ist im Krankenhaus. Und ja, drei Stunden später, deswegen sage ich drei Stunden, waren wir tatsächlich in der Klinik. Wir haben noch schnell alles organisiert für unseren Sohn, damit der eben von der Schule kommt nicht alleine ist. Meine beste Freundin ist eingesprungen. Und drei Stunden später, wirklich out of the blue, hatte ich ein Baby auf der Brust liegen. Krass. Das war auf jeden Fall eine Sturzgeburt. Das war eine absolute Sturzgeburt, vor allen Dingen, weil wir nicht damit gerettet haben, dass es wirklich ein frisch geborenes Baby ist. Und dann war es tatsächlich so, wir hätten sie schon zwei Tage später aus dem Krankenhaus mitnehmen können. Das ging bei uns aber beruflich nicht, weil wir noch eine wichtige Kooperation im Hotel hatten, wo wir gesagt haben, die können wir nicht absagen, weil Menschen wegen uns gebucht haben. Und dann haben wir eben die Vereinbarung getroffen, wir fahren sonntags aus dem Hotel ab und fahren direkt ins Klinikum und holen dann dort unsere Tochter ab und so war es dann. Und wir sind aus dem Hotel in die Klinik und sind dann plötzlich zu viert, also mit Hund zu fünft nach Hause gefahren und waren dann plötzlich zwei Papas mit Zwei Kinder. Ja, Wahnsinn. Ganz ohne, das ist ja ein Vorteil, ganz ohne eine Schwangerschaft, die ja manchmal auch sehr anstrengend sein kann. Ich habe eine Frage. Ihr habt ja euren achtjährigen Sohn, habt ihr den sozusagen, also ich meine auch der, naja, also auch der ist acht Jahre, der versteht natürlich alles, aber so dieser Geschwister, großer Bruder werden ist natürlich auch so ein Prozess und der hatte jetzt ja auch nur Kurzzeit. Aber habt ihr ihn dann, als ihr mit dem Jugendamt das erste Mal gesprochen habt, dass es vielleicht für euch eventuell in Frage kommen würde, dann eingeweiht? Oder wie macht man das? Weil das ist natürlich auch eine ganz besondere Situation für ihn. Also wir hatten tatsächlich immer mal wieder mit ihm darüber gesprochen, wie er es denn fänden würde, wenn wir noch ein Kind bekommen würden. Und er sagte ganz oft, nee, habe ich keine Lust drauf. Das Kind macht mir dann mein Lego kaputt und ich bin gerne so, wie es ist und wunderbar. Und irgendwann, und das war so kurz bevor wir tatsächlich das Gespräch mit dem Jugendamt hatten, sagte er, und das weiß ich noch wie heute, saß er hinten, logischerweise beim Autofahren, wir beide vorne und er sagte plötzlich. Papa, also hat mit meinem Mann gesprochen, Papa, ich habe mir das nochmal so überlegt mit dem Baby. Also eigentlich würde ich es ganz cool finden. Und das war dann für uns der Moment, wo wir gesagt haben, okay, am Ende wäre es keine Kinderentscheidung gewesen, aber für uns war es eben wichtig, dass er das trotzdem irgendwie mitträgt. Und naja, als dann der Moment kam, er hat sie zum ersten Mal dann auch gesehen, als wir sie abgeholt haben im Klinikum, weil vorher ging es leider nicht. Ja, was soll ich sagen, bis heute, der ist total verliebt in seine Schwester, der kümmert sich, es ist so wichtig für ihn, auch Dinge mitzumachen, wie vielleicht mal eine Hose anzuziehen, jetzt fangen wir gerade an mit der Beikost, ihr mal einen Löffel zu reichen, das findet er ganz großartig. Ja. Ja, also ich stelle mir das wirklich, also man hat ja sonst ein paar Monate Zeit, sich sozusagen auf diese neue Rolle vorzubereiten und dann, wie du jetzt gerade gesagt hast, innerhalb von drei Stunden, das ist natürlich einfach emotional auch und dann auch so ein kleines Baby, wenn man das, also das macht ja generell immer was mit einem. Wenn ich deine Geschichte jetzt höre, ich habe schon eine Träne in den Augen hier, weil das natürlich einfach Wahnsinn ist. Und dann, wie habt ihr das gemacht? Also ich meine, alleine auch alles zu Hause zu organisieren, das ist ja nun acht Jahre her. Damals hast du gesagt, habt ihr ein einjähriges Kind. Das ist ja auch ein Unterschied. Knapp ein Jahr, aber genau. Ja, genau. Ist ja schon ein Unterschied, ob man jetzt ein Neugeborenes hat. Wie schnell habt ihr alles, also habt ihr, als ihr im Hotel wart, alles per Amazon bestellt? Nein, tatsächlich nicht. Wir haben es anders gemacht. Das war auch eine total krasse Aktion. Auf unserem Profil ist tatsächlich auch ein Reel dazu entstanden. Wir sind am nächsten Tag, das war dann der Mittwoch nach dem Anruf. Mit einer Liste, die haben wir uns von einem Drogeriemarkt ausgedruckt, wo drin stand, was man braucht für einen Säugling. Da sind wir dann in den Drogeriemarkt gerast, Björn hat dann die Liste abgehakt, ich habe alles in den Wagen geschmissen und dann sind wir ins Babyland gefahren und haben gesagt, wir brauchen jetzt eine Verkäuferin oder einen Verkäufer und wir brauchen jetzt einfach alles. Und dann haben die uns angeguckt und haben gesagt, sie brauchen einfach alles. Und dann haben sie gesagt, ja, wir werden, wir sind Eltern gestern geworden, ganz spontan und ab Sonntag sind wir dann wirklich zu fit, wir brauchen jetzt alles, was wir für ein Sorgling brauchen. Und dann sind die mit uns durch diesen Laden gemarschiert, total lustig und wir haben wirklich die Wagen vollgeschmissen mit allem, was man so fürs Baby wie ich brauche. Und das hätte ich auch gerne mit euch gemacht. Das war unfassbar lustig. Meine beste Freundin war auch noch mit dabei, weil die hat dann immer ein bisschen unseren Sohn bespaßt, weil der wollte natürlich mit. Und dann haben sie immer gefragt, ja, was wollen sie denn lieber? Und wir haben immer gesagt, ist uns völlig wurscht, Wir suchen die Farbe aus, sagen sie uns, was das Beste ist. Wir wollen das Beste haben, Punkt. So, und dann haben wir die Maxi Cosi so eingepackt und einen Kinderwagen gekauft und das Bettchen gekauft und die Matratze ausgesucht. Und wir sind dann mit zwei Autos nach Hause gegangen, vollgepackt. Björn hat dann abends noch alles aufgebaut, weil wir ja am nächsten Tag ins Hotel mussten. Dann war noch nicht alles perfekt. Aber so ein Säugling brauche ich ja auch erstmal kein Kinderzimmer an sich. Das haben wir dann alles im Nachgang gemacht. Aber wir hatten zumindest alles, was wir brauchen, von Windeln und so, hatten wir dann da. Und das war echt, also wenn ich heute drüber nachdenke, war das eine verrückte Reise. Ja, das glaube ich dir. Also vor allen Dingen auch, das war ja auch ganz schön kostspielig. Also ich kann dir das sagen. Das sind knapp mal 5.000 Euro, die wir da innerhalb von zweieinhalb Stunden liegen haben lassen. Jetzt kann man natürlich sagen, viele sagen dann, ja, auch bei Social Media, ja, warum habt ihr es nicht gebraucht gekauft? Ja, aber wir hatten die Zeit einfach gar nicht. Genau. Wir hatten einfach die Zeit nicht. Genau, wenn du jetzt einfach second hand, was ja super praktisch ist, aber da brauchst du einfach, musst du ja auch erstmal recherchieren, dann suchen und dann gucken, wie es ist. Also ich kann das schon verstehen, aber Wahnsinn. Was mich natürlich interessiert, ich bin ja Hebamme und ich hatte halt auch schon die Situation, dass ich eine Regenbogenfamilie betreut habe, auch zwei Väter. Und hattet ihr eine Hebamme dann für euer Neugeborenes? Das war das Allerlustigste, weil uns hat man von Anfang an gesagt, eine Hebamme zu kriegen ist wirklich wie ein Sechser im Lotto mit so einer Vorlaufzeit. Und ich habe gesagt, egal, wir schaffen das. Ja, natürlich. Und lustigerweise, ich habe dann drei Stück angerufen, zwei haben mich nicht zurückgerufen und genau die eine hat mich dann zurückgerufen und die sagte dann, ja, was sie für uns tun kann. Dann sage ich, ja, besondere Situation, wir sind zwei Papas, ihr habt es wirklich so benannt, wir haben ein Stutzgeburt bekommen, wir haben ein Baby und wir brauchen dich. Und dann sagte sie, shit, ich bin total voll, aber wisst ihr was, Jungs, ich helfe euch, wir kriegen das hin. Dann ist die tatsächlich gekommen und dann hat die uns jetzt drei Monate lang betreut und die war einfach großartig. Und das Schöne ist, sie hat erst im Nachhinein erfahren, dass wir eben die Papas sind, die man eben so kennt und ich fand es total Weil es nicht der ausschreckende Punkt war, warum sie gekommen ist. Sie ist einfach gekommen, weil sie, glaube ich, ein bisschen auch meine. Ich will es jetzt nicht als Not bezeichnen, aber doch, es war schon so ein bisschen Not, weil, wie bade ich einen Säugling? Also, mir war das auch, ehrlich gesagt, total fremd und ich wollte nichts falsch machen. Und ich glaube, es hat in meiner Stimme rausgehört, ich brauche dich einfach. Und dann kam sie. Ja, ich meine, es ist auch einfach so eine Situation, also auch egal, wenn man einfach merkt, dass es einfach so kurzfristig gebraucht ist. Das gibt ja generell auch Adoptiveltern, Pflegefamilien, wenn man einfach so wie ihr in drei Stunden zu einem Kind gekommen ist, dann ist es einfach auch so für eine Hebamme so ein Herzensding, dass man da einfach helfen will. Weil es ja einfach schon generell auch für das Kind schon eine ganz besondere Situation ist und wie wichtig dann ja auch einfach diese Bonding-Phase für euch war. Also was habt ihr am Anfang erstmal gemacht? Ihr habt euch hoffentlich mit dem Baby erstmal Haut an Haut ins Bett gelegt. Stundenlang, also noch das, dass ich dieses Mal die Elternzeit bewusst genommen habe. Ich bin ja noch Flugbegleiter, aber jetzt, wie gesagt, gerade in Elternzeit. Eigentlich habe ich nichts gemacht, außer stundenlang lag es entweder auf mir oder auf meinen Mann. Übrigens bis heute sind wir sehr körpernah mit ihr, weil sie das einfach liebt. Ich habe es immer angeguckt und ich habe mich einfach total gefreut, weil tatsächlich einer meiner größten Wünsche in meinem Leben war, immer zwei Kinder zu haben. Und zu diesem Baby gibt es auch noch eine besondere Geschichte dazu. Ist für mich eine sehr emotionale Geschichte, denn gerade auch bezogen auf mein Buch, ich beschreibe tatsächlich so ein Stück weit, wie ich selber groß geworden bin, mit welchem Konstrukt in meinem Familienumfeld etc. Und ich hatte tatsächlich, die Mama meiner besten Freundin ist so wie meine Zweitmama und die hieß mit Nachnamen Fuchs. Und sie war eine der wenigen, die immer wusste, mit ihr hatte ich ein sehr enges Verhältnis, dass ich mir so sehr ein Mädchen wünsche und dass ich mir so sehr nochmal ein zweites Kind wünsche. Und sie ist leider am 15. Januar verstorben letztes Jahr und, Die, meine Zweitmama, genau, die ist verstorben. Und was dann total krass war, als wir in die Klinik gekommen sind, jedes Baby hatte auf Station eine Nummer und ein Tier. Und jetzt darfst du dreimal raten, welches Tier über diesem Babybett hing. Ein Fuchs. Richtig. Okay. Und das war für mich der Moment. So ein Mental Beam. Genau. Das war für mich der Moment, ich kriege wieder Gänsehaut, wenn ich drüber rede, weil ich gesagt habe, okay, das ist Oma Silvia, die uns gerade die Tochter geschickt hat. Sie wusste das. Und als wir nach Hause gefahren sind, und da gibt es auch ein Video dazu, das ist unfassbar, als wir die Kerne aus dem Krankenhaus abgeholt haben, hat über die Autobahn komplett von links nach rechts einen riesengroßen Regenbogen geschienen. Und das war so, okay, danke. Mehr Zeichen konnte man nicht bekommen. Danke, Oma Silvia, du hast uns die Kleine geschickt. Und das ist für mich ein sehr emotionaler Punkt, weil da glaube ich fest daran, dass das da was mit zu tun hat. Ja, auf jeden Fall. Ich glaube auch an solche Zeichen. Du hast ja, können wir vielleicht nochmal ein bisschen, bevor wir auch auf das Thema Regenbogenfamilie eingehen, aber ich glaube, das ist auch etwas, weil ja auch du und dein Mann darüber sehr aufmerksam warst, ihr seid ja momentan Pflegeeltern für eure Tochter. Was bedeutet das? Weil das ist ja schon auch eine Angst, die wahrscheinlich so, habt ihr Kontakt zu der leiblichen Mutter? Wie läuft das? Also ich glaube, das ist auch für viele Menschen da draußen, die vielleicht auch vor der Entscheidung sind, weil ihr sagt ja immer, es gibt so viele Kinder, die brauchen einfach Hilfe und eine Pflegefamilie. Wie läuft sowas ab? Also es ist tatsächlich so, das merken wir selber auch auf Social Media, dass natürlich ganz viele Menschen uns schreiben, die sagen, wir würden den Weg auch gehen, aber wir haben total Angst vor einer Rückführung beispielsweise. Und jetzt liest man natürlich immer die Negativschlagzeile. Das ist so wie mit vielen anderen Dingen, man hört nie das Positive. Es gibt aber ganz viele positive Fälle und es ist tatsächlich so, so war es bei unserem Sohn und so ist es auch bei unserer Tochter, dass sie tatsächlich Dauerpflegekind bleibt. Also das heißt, eine Rückführung ist eher ausgeschlossen. Da gibt es viele, viele Gründe dazu, warum Kinder nicht zurückgeführt werden in die Herkunftstfamilien. Aber tatsächlich, was wir haben, ja, wir sehen einmal im Monat die Familie, also die leibliche Mutter. Und auch da, weil immer viele sagen, das ist alles so dramatisch, ich kann nur für uns sprechen, wir haben einen sehr schönen Umgang. Und es ist auch so, dass jeder glücklich ist über die Situation, wie sie ist. Also, auch das gibt es tatsächlich. Der Unterschied von, jetzt haben wir ja beides, Adoptivkind und Pflegekind, der Unterschied ist im Grunde genommen die rechtliche Geschichte, denn als Pflegeeltern, da gibt es viele Varianten, es gibt Pflegeeltern mit Sorgerecht, Pflegeeltern ohne Sorgerecht, mit Teilsorgerecht, begrenzte Zeit, dass die Kinder bleiben, es gibt viele Varianten. Ist das Sorgerecht dann beim Jugendamt, wenn du nicht das Sorgereichst? Das kann bei den leiblichen Eltern sein, das kann beim Jugendamt sein, also bei einem Vormund oder eben bei den Pflegeeltern. Meistens irgendwann wechselt es zu den Pflegeeltern, wenn absehbar ist, dass es ein Dauerpflegekind ist. Und am Ende ist es, klar, es ist eine rechtliche Geschichte. Als Pflegeeltern hast du halt einfach tatsächlich, ich sage mal regelmäßig, das ist auch unterschiedlich, nur von Fall zu Fall, aber ich sage jetzt mal so alle zwei, drei Monate mit dem Jugendamt mal was zu tun. Du hast halt diese Besuchskontakte, die sind auch unterschiedlich. Beim einen Pärchen sind sie jede Woche, beim anderen alle vier Wochen. Das kommt auch immer auf die persönliche Situation an, aber das hast du halt als Adoptiv. Wenn du ein Adduktivkind hast, nicht, weil dann ist es wieder ein leibliches Kind. Aber am Ende, wenn man mit dem Jugendamt spricht, kann man ja auch sehr klar äußern, dass man, wenn überhaupt, nur bereit ist für ein Dauerpflegekind. Und man hat nie die hundertprozentige Garantie, aber man kann das wahnsinnig gut abwägen, weil ja im Vorfeld schon sehr viel auch über die Herkunftsfamilie in der Regel bekannt ist. Und wie muss ich mir das vorstellen? Also ihr trefft euch einmal im Monat einen neutralen Ort oder kommt sie wirklich in euer Zuhause? Nee, das macht man nicht. Man trifft sich wirklich auf dem Jugendamt. Da ist auch eine Betreuung mit dabei. Und dann sitzt man im Spiel, dann wird gespielt oder ein bisschen gequatscht. Also eigentlich relativ entspannt tatsächlich. So ist es bei uns. Ich weiß, es gibt viele Familien, da ist es nicht immer entspannt, weil auch viele Eltern nicht loslassen können. Wir haben das Glück, dass es bei uns sehr harmonisch ist. Okay. Und das ist euch auch total wichtig, dass sozusagen eure Kinder wissen, wo sie herkommt. Wie habt ihr das mit eurem Sohn kommuniziert? Der ist ja natürlich vom Pflegekind. Wann war der Zeitpunkt, als ihr ihn dann wirklich adoptieren konntet? Wie alt war er da? Das war letztes Jahr im April erst, da war er sieben. Ah, okay. Das ist ein bisschen eine schwierige Konstellation gewesen, weil wir hatten da keine Besuchskontakte etc. Das war alles ein bisschen schwieriger, auch vom Gesetz her. Man kann Kinder adoptieren ohne Zustimmung der leiblichen Eltern, aber das ist halt ein langer Weg. Und wir haben mit ihm immer sehr offen darüber gesprochen, auch über das Thema, er hat natürlich nicht Mama, weil natürlich soll er nicht in die Schule, würde damals im Kindergarten und in der Schule sagen, ich habe zwei Papas, soll er natürlich sagen, aber für ihn soll auch klar sein, er ist nicht in meinem Bauch und auch nicht in dem Bauch meines Mannes groß geworden, sondern er hat auch eine leibliche Mama und wir kommen uns hinterher mal sehr ehrlich drüber, natürlich immer kindgerecht, weil man natürlich nie Kindern mit acht Jahren sagt, was die wirklichen Gründe waren, weil, Das wird er noch erfahren, wenn er größer ist und wenn er es auch besser einordnen kann. Aber das ist wichtig. Wir haben auch Bilder davon und ich glaube, umso offener wir damit umgehen, umso weniger spielt es ein Thema. Gerade bei unserem Sohn beispielsweise, unsere Tochter ist noch zu klein, aber bei unserem Sohn ist es kein großes Thema. Wir sprechen ja gerade über die leibliche Mutter, aber es gibt ja auch noch einen leiblichen Vater. Ist das auch ein Thema oder ist es in der Besuchzeit gar kein Thema? Das ist gar kein Thema. Tatsächlich ist es überhaupt kein Thema. Okay. Als ihr das erste Mal Eltern geworden seid bei eurem Sohn, das zählt schon sieben Jahre, acht ist er, ne? Acht, ja. Das wird jetzt neun. Ja, sieben Jahre her. War das für euch als Paar, also du hast ja schon gesagt, du hast dir immer auch eine Tochter gewünscht, also Kinder gewünscht, aber war das, als ihr seid jetzt 15 Jahre zusammen, war es von Anfang an klar, dass ihr Kinder wollt? Nee. Also für mich ja. Für mich ist das ein Wunsch, den ich seit meiner eigenen Kindheit trage. Ich wollte das immer und ich habe diesen Wunsch irgendwann begraben, als ich festgestellt habe, dass ich tatsächlich schwul bin. Da war mir klar, damals in den 80ern, da gab es das nicht. Es gab vielleicht einen Patrick Linden oder so, der das gemacht hat. Der damals als erster homosexuelles Paar, kann ich mich erinnern, als erster homosexuelles Paar hat der adoptiert. Aber auch nicht in Deutschland. Genau, eben nicht in Deutschland. Und ich glaube in der Ukraine, wenn ich mich richtig erinnere, oder Russland. Auf jeden Fall bei uns war es, ich habe dieses Thema abgelegt, tatsächlich bis zu dem Moment als 2000, und jetzt müsste ich lügen, wann es war, 2017 glaube ich, die Ehe für alle kamen. Ja. Und damit waren ja auch die Rechte für Adoption und etc. Waren ja dann gleichgestellt, für gleichgestellt die Paare. Und da war uns klar. Okay, jetzt gehen wir den Weg, weil davor wäre es möglich gewesen, dass einer adoptiert, der andere muss nachadoptieren. So hat es das Gesetz gegeben. Und dann haben wir gesagt, das wollen wir so nicht. Und dann mit der Ehe für alle war klar, okay, gleiche Rechte, wir können zusammen in die Richtung gehen. Und da wollten wir ja eigentlich erst adoptieren, aber dann hieß es, wir haben momentan tatsächlich kaum Adoptionen hier im Landkreis. Und so sind wir dann auf die Pflege gekommen und sind halt dann über die Pflege zur Adoption gekommen. Was auch nicht immer gang und gäbe ist, aber wie man bei uns eben sieht, auch das ist möglich. Möglich. Ja, wenn man sich überlegt, das sind ja einfach erst knapp, noch nicht mal zehn Jahre. Also was das auch bedeutet für eine Sichtbarkeit für euch als Familie. Absolut. Also in den Bubbles, wo wir uns bewegen, ist das jetzt kein großes Thema. Aber ich meine, ihr wohnt ja glaube ich auch eher, also wie hat so euer Umfeld reagiert, weil das ist ja schon eine Regenbogenfamilie, vielleicht, ich würde jetzt mal sagen in Berlin-Mitte, alles kein Problem, aber je weiter man in die Peripherien kommt, würde ich mal schon sagen, das ist wahrscheinlich noch ein Thema ist, wo viele einfach nicht so offen sind. Wie war das für euch als... Ihr seid ja wahrscheinlich alleine schon, dass du dich geoutet hast, dass du schwul bist, wahrscheinlich schon deiner Homosexualität einfach öffentlich zu machen, war ja wahrscheinlich schon schwierig. Das ist dein ganzes Leben ja wahrscheinlich schon nicht einfach gewesen. Aber jetzt auch sozusagen, als du deinen Mann geheiratet hast, dass ihr dann Kinder bekommen habt, das ist ja wahrscheinlich auch, würde mich einfach mal interessieren, wie war das? Wie hat sich das angefühlt für euch oder seid ihr immer sehr offen empfangen worden? Also wir haben ja sehr lange, als wir noch ohne Kinder waren, auch sehr lange mitten in München gelebt. Also wir kommen aus München und sind dann ja vor vielen Jahren aufs Land gezogen, ins bayerische Umland. Und da waren wir noch ohne Kinder. Und als wir hier in diesem Dorf, wo wir jetzt leben, angekommen sind, habe ich als erstes immer gesagt, oh mein Gott, ich kann hier nicht leben, das ist nicht meins, weil hier haben alle Kinder. Lustig ist aber, dass wir tatsächlich, und ich kann jetzt auch nur für uns sprechen, hier deutlich besser integriert worden sind als homosexuelles Paar, wie ich es je in der Stadt erlebt habe. In der Stadt ist es viel anonymer. Und als dann eben unser Sohn kam, und das ist wirklich so, hier sind alle völlig ausgepflückt. Also wir hatten hier Geschenke vor der Tür stehen, wir hatten hier ein riesen Plakat in unserem Carport hängen. Der Kindergarten hat sich darum gerissen, in welche Gruppe kommt dieses Kind, weil sie einfach auch mit uns irgendwie zusammenarbeiten wollen. Und jetzt, wir hatten ja zu dem Zeitpunkt, also unsere Öffentlichkeitsarbeit, unser Profil ist ja auch erst entstanden, ein knappes halbes Jahr, nachdem unser Sohn zu uns gekommen ist. Das heißt, wir waren einfach nur Christian und Björn und zwei Papas halt. Und am Ende kann ich nur für uns sprechen, wir sind hier voll integriert. Unser Kindergarten, der hat, damals als es in den Kindergarten ging, die waren von sich aus so cool. Die haben beispielsweise am Muttertag gab es einfach einen zweiten Papa- oder Papitag. Die haben uns gefragt, welche Bücher kann man dafür kaufen. Es gibt unfassbar viele Bücher mittlerweile für Kinder, die einfach auch auf spielerische Art und Weise erklären, dass es total normal ist, dass es eben zwei gleichgeschichtliche Eltern gibt. Und ich muss echt sagen, auch hier in Nachbarschaft und so, wir sind voll integriert, wir sind hier voll im Fußballverein mit dabei. Wir sitzen mit den ganzen Männern abends und trinken auch mal ein Bier. Und das interessiert keiner. Und es gibt sicherlich Menschen, die das komisch finden, die sagen es uns aber nicht. Ich kann aber nur sagen, ich würde sagen, 90 Prozent, die sind alle total cool. Und hier kommen, mein Mann hat, glaube ich, die größte Werkstatt im Keller von allen hier im Umkreis. Hier kommen die Männer und klingen und sagen, hast du mal einen Bohrer, hast du mal eine Schleifmaschine? Also es ist total cool. Okay, also Christian, ich finde es total, ich meine, das hätte ich jetzt nicht für das bayerische Umland so gedacht, weil man da so erzkatholisch, das ist ja schon sehr stark, aber das ist ja wirklich, also eigentlich habt ihr ja dann wirklich keine negativen Erfahrungen gemacht. Nur bei Social Media. Im echten Leben haben wir noch nicht eine einzige negative Erfahrung gemacht. Okay, das ist ja, also ich finde es einfach auch schön, dass es der Kindergarten so offen ist. Ich meine, das ist ja auch das Tolle. Ich glaube einfach, es sind ja immer die Berührungsängste, die man hat. Und wenn etwas vielleicht nicht so oft vorkommt, aber man will ja lernen. Und deshalb ist es ja auch einfach toll, dass die einfach so offen wird, also dass sich alle drum gerissen haben, wo euer Kind jetzt, in welche Gruppe man kommt. Ich glaube, da steckt ja einfach auch ganz viel dahinter. Okay, wir wollen lernen, wir wollen einfach anders sein und so. Das ist einfach toll, dass da einfach so viel Interesse ist. Aber Social Media, da sieht man es mal wieder, ist halt, weil Menschen sich halt verstecken können, dir nicht in die Augen schauen, direkt mit dir sprechen. Und was habt ihr da erlebt? Naja, bis heute kommen immer, umso größer du wirst, das weißt du wahrscheinlich selbst, umso viel mehr Stimmen kommen. Also ich sage mal, die Top 3 ist immer, jedes Kind braucht eine Mutter. Nur die Mutter ist das, was ein Kind benötigt und euer Kind wird gemobbt. Das sind so die Highlights, die immer kommen am Ende des Tages. Es gibt natürlich auch die Menschen, die schreiben, es gehört verboten und es sollte strafbar sein. Wir haben auch schon, also das Schlimmste, das haben wir aber auch zur Anzeige gebracht, da ging es dann um Pädophilie. Da gibt es tatsächlich auch Menschen, die dich so beschimpfen, aber wie du schon sagst, es sind meistens anonyme Profile. Ja, die einfach ihren Frust ablassen. Das muss man sagen, das kommt mal vor. Das kommt nicht oft vor, aber es kommt eben vor. Wie gesagt, wir machen das dann auch manchmal öffentlich, um der Menschheit eben zu zeigen. Nicht, weil wir uns dann auf die Füße getreten fühlen, weil, wie du schon sagst, die Menschen würden uns das wahrscheinlich nicht ins Gesicht sagen. Aber es geht darum, um eben zu zeigen, dass es immer noch nicht State of the Art ist, 2026, dass eben zwei Papas, zwei Mamas, wie auch immer, einfach ohne Vorurteile durch die Gegend wandern können. Was macht das mit dir persönlich? Du hattest ja sozusagen dein Buch, Hannett, da können wir ja gleich nochmal drauf eingehen, über deine persönliche Geschichte. Und ich finde, wenn man seinen Alltag als Eltern teilt auf Social Media und ihr natürlich auch Einblicke gewährt, einfach auch um Aufklärungsarbeit zu leisten, was ja super ist, das macht ja schon, finde ich, was mit einem. Also egal, ob man, finde ich, denkt, ja, das sind anonyme Profile und so weiter. Aber ich finde, jede so eine Nachrichtung, finde ich, da muss man sich schon sehr, sehr, sehr schützen. Wie ging es dir damit, vielleicht auch in der Zeit, wo du vielleicht nicht emotional so stabil warst? Also ich muss tatsächlich sagen, ähm, Ich habe mir anfangs schwer getan, gerade wenn zu Sachen kamen, wie es gehört verboten oder die armen Kinder, die werden nur leiden unter euch. Vor allen Dingen, wenn man dann selber weiß, welche Geschichte steckt denn hinter jedem Kind. Weil hinter jedem Kind, ich meine, Kinder werden ja nicht ohne Grund in Obhut von einem Jugendamt genommen. Es gibt ja immer eine Geschichte und auch dieses Thema, jede Mutter ist gut zu ihrem Kind oder jeder Vater, also leibliche Eltern sind gut zu ihren Kindern. Es gibt Massen an Berichten, tagtäglich in Nachrichten etc., wo leibliche Eltern ihre Kinder misshandeln. Gerade eben gab es wieder einen sehr aktuellen Fall, wo ein Achtjähriger, glaube ich, sieben Kilo hatte und den haben sie in die Schublade gesteckt. Wo ich immer sage, Leute, guckt doch mal bitte, was da draußen passiert am Ende des Tages. Und was mir sehr schwerfällt, da ich selber sehr viele Jahre, also im Grunde acht Jahre mit viel Mobbing und mit viel Gewalt groß geworden bin von Mitschülern, ähm. Fällt es mir unfassbar schwer, wenn die Angriffe gegen unseren Sohn oder gegen unsere Tochter gehen. Da muss ich tatsächlich sagen, da könnte ich aus der Haut fahren und da werde ich zum Tier. Wenn mich jemand beleidigt, damit kann ich total gut umgehen. Da denke ich mir, ja mei. Aber wenn es gegen meine Kinder geht, da, und ich glaube, das kann jeder Elternteil nachvollziehen, da wird man automatisch zum Löwen oder zur Löwin. Und da ist auch nicht zu Spaß. Also ich schreibe da nicht zurück, weil ich den Menschen kein Futter gebe. Keine Bühne geben willst. Genau, aber es ist klar, es macht was. Und wenn jemand schreibt, euer Sohn oder eure Tochter wird ein Leben lang leiden, weil ihr zwei Männer seid, da denke ich mir, ich möchte es hier nicht ausdrücken, da fallen mir viele Schimpfwörter ein, die ich benennen könnte, wo ich mir denke, wenn du wüsstest, wie gut es diesen beiden Kindern hier geht, vielleicht besser als bei der einen oder anderen leiblichen Familie. Ja, du hast gerade gesagt, du wurdest gemobbt. In welchem Alter war das? Angefangen hat es mit sechs. Das ist auch etwas, was ein eigenes Kapitel in meinem neuen Buch hat. Es ging darum, ich habe tatsächlich mit einem schweren Unfall meine Schneidezähne verloren, meine Hechten damals. Und damit ging das Mobbing los. Damals in den 80ern gab es so etwas wie Implantate in der Form nicht wie heute. Und ich musste über einen langen Weg, über zehn Jahre hinweg mit Prothesen leben etc., bis das alles so geformt war, wie es jetzt heute ist. Und ich war eben dadurch ein starker Außenseiter und wurde halt fast jeden Tag, Vermöbelt von Mitschülern, meistens nach der Schule. Es gab so diese, ich beschreibe auch in meinem Buch, die Brücke. Es gab so einen Ort, da war ich tatsächlich vor einem guten halben Jahr das allererste Mal nach fast 30 Jahren, bin ich da hingefahren in diesen Orten, bin da mal wieder hingegangen, gerade in Vorbereitung auf das Buch auch. Und damit bin ich eben groß geworden und es hat lange gebraucht, also bis jetzt, bis ich 44 bin, dass ich darüber gesprochen habe. Das ist ganz witzig, dass du eine ähnliche Geschichte hast. Also ich wurde zwar nicht gemobbt, aber ich habe auch durch einen Unfall in sehr frühen Alter meinen Einschneidezahn verloren. Und ich kann sehr gut nachvollziehen, weil es ja im Gesicht ist und so gerade Frontszähne, was das einfach mit einem macht. Also da wieder sein Lächeln auch zurückzubekommen. Also ich weiß nicht, wie alt warst du da? Also ich habe sehr lange, ich hatte bestimmt von 10 bis 15 einfach ein anderes Gesicht, als ich das dann irgendwann. Bei mir waren es im Grunde genommen auch so von 8 bis 14 ungefähr, wo ich auch mit viel, also ich habe viele Strategien entwickelt als Kind, viele Lügengeschichten, ich durfte viele Sachen gar nicht machen, einfach weil man hat mir tatsächlich mit sechs Jahren, als der Unfall passiert ist, in der Klinik, ich bin in die Klinik gekommen, weil ich blutüberströmt war, da hat mir ein Arzt unter vollem Bewusstsein und ohne Narkosemittel die Schneidezähne wieder eingesetzt. Ja, und das ist auch ein Thema, worüber ich schreibe, weil es viele Ängste in meinem Leben hervorgerufen hat, Panik auch. Und ich heute auch in diesem Buch beschreibe, was man als Eltern eben auch vielleicht anders machen kann oder besser hinhören sollte, weil damals niemand wusste es besser. Aber am Ende hat sich das bis jetzt hingezogen, dass ich eben lange Zeit nicht gewusst habe, warum ich auch für gewisse Dinge einfach so Angst habe. Und das war eben ein Ereignis mit sechs Jahren, das hat mich für mein Leben geprägt. Ja, also so. Und da ist einfach ein richtiges Traumafahren, was du jetzt Jahre später einfach aufgearbeitet hast. Genau. Ja, es ist schon krass. Ich bin drei Jahre jünger als du, aber trotzdem, wie einfach da einfach mit dem Thema Schmerz und auch Unfall und so umgegangen ist. Also dieses ganze Verständnis, wie wir jetzt mit unseren Kindern umgehen, also dass sie auch ernst genommen werden und das nicht so abspricht, das ist ja schon etwas, was sich ins Positive gerecht hat. Ich würde gerne nochmal auf das Thema Regenbogenfamilie, ich finde das so schön, dass ihr so positive Erfahrungen habt, aber ich würde gerne um eure Sichtbarkeit und Aufklärungsarbeit, die ihr ja macht, einfach auch, es gibt einfach glaube ich viele Eltern, die einfach vielleicht total offen sind, aber gar nicht wissen, wie sie, gerade wenn sie in einem anderen Modell leben und Familie ist so vielfältig, dass sie einfach Aufklärungsarbeit leisten, Wie man diesen Eltern vielleicht einfach auch ein bisschen so die Angst nimmt, einfach zu erzählen, dass es vielleicht nicht nur Mutter und Vater gibt, dass es sondern zwei Mütter gibt oder zwei Väter. Also wie würdest du sagen, wie würdest du diesen Eltern vielleicht einfach auch ein bisschen die Angst nehmen, darüber zu sprechen, dass es einfach nicht nur die eine Familienform gibt? Am Ende ist es relativ einfach, denn ich glaube, umso normaler und umso erdlicher man mit diesem Thema umgeht, umso weniger bringt es Aufmerksamkeit bei den Kindern. Kinder sind relativ einfach gestrickt, wenn ich das so benennen darf. Man erzählt ihnen was und ich erlebe es bei unserem Sohn ebenso, dem erzählt ich was und sagt, ah, okay, ja, danke Papa und tschüss oder Papi. Und dann ist das Thema irgendwie auch in Ordnung. Also ich weiß zum Beispiel hier, wenn Freunde von unserem Sohn zu uns kommen oder damals kamen und das erste Mal so, wieso hast du denn Lukas, wann hast du denn zwei Papas? Und dann hat er gesagt, ja, ich habe eine Mama, aber die konnte sich nicht so gut um mich kümmern und jetzt bin ich bei zwei Papas. Punkt. Nie wieder ein Thema gewesen. Also Kinder sind tatsächlich unbefleckt, und es sind leider die Erwachsene dahinter stehen, die meistens die Kinder dann so negativ prägen und gegenüber dem Familienmodell. Deshalb, es ist so wichtig, es ist so wichtig, positiv davon zu sprechen oder gleichwertig wie von heterosexuellen Familien, eben zu erklären, warum haben Kinder denn keine Mama oder keinen Papa oder warum haben sie zwei Papas oder zwei Mamas, weil am Ende zwei Menschen sich lieben und völlig unabhängig dessen, ob es jetzt Mann und Frau ist, Mann und Mann oder Frau und Frau sind, es gibt, wie gesagt, mittlerweile wunderbare Filme bei YouTube etc., Kinderfilme dazu, es gibt tolle Bücher dazu, die einfach erklären, also eins kann ich vielleicht nennen, Zwei Papas für Tango ist ein ganz tolles Kinderbuch mit zwei Pinguinen, die zwei männliche Pinguin-D&I adoptieren. Und wir haben das Buch selber. Und Kinder sind da unvoreingenommen. Die gehen einfach an dieses Thema ran und gucken sich das an und dann ist das okay. Und ich würde Eltern einfach empfehlen, dass sie ihren Kindern erklären, das eigentlich zur normalsten Sache der Welt zu bezeichnen. Und da kein großes Drama darum zu machen, sondern am Ende so zu sprechen, wie wenn sie auch über, keine Ahnung, über Großeltern sprechen oder über das Einkaufen. Umso weniger die Bedeutung dem Thema gibt es, umso weniger ist eine gewisse Spannung da drin. Wird bei euch oft die Frage gestellt, wer ist hier die Mama? Immer. Immer. Deshalb heißt unser Podcast auch so. Dies wird ganz oft gestellt. Also das Thema Rollenverteilung ist ein Riesenthema. Wer ist denn von euch die Mama im Haus? Finde ich irgendwie so schwierig, dass man das fragt. Furchtbar, vor allen Dingen in der heutigen Zeit. Man geht ja immer davon aus, die Mama ist die, die zu Hause ist, die um die Kinder sorgt, der Papa geht Geld verdienen. Es gibt aber mittlerweile, Gott sei Dank, so viele Familien, wo es andersrum ist, wo auch die Väter zu Hause bleiben und Elternzeit nehmen und die Mamas arbeiten. Und deshalb finde ich diese Frage so schwierig, weil auch in heterosexuellen Beziehungen gibt es Männer, die gerne kochen und Frauen, die gerne am Auto rumschrauben. Also wir reagieren da immer sehr lustig drauf. Und ja, natürlich, jeder von uns hat eine gewisse Rolle und jeder tut das, was er am besten kann. Und ja, ich bin jemand, der macht sehr gerne den Haushalt. Ich bin bei uns mit den Kindern derjenige, der die Kinder eher, ich sag mal, tröstet, zum Einschlafen bringt. Also dieses, Dieses Kümmern, ich bin so Kümmerer und mein Mann ist so der, der steigt mit unserem Sohn auf den Berg, der erklärt ihnen, was Regenwürmer ist, der macht mit ihnen Lego-Türme. Aber das liegt nicht daran, weil wir zwei Männer sind, sondern weil wir einfach beide individuelle Talente haben, die wir einfach nutzen. Und ich glaube, das ist in Hetero-Beziehungen genau das Gleiche. Ja, das finde ich eigentlich viel besser, weil bei euch ist es dann nicht so, dass man immer sagt, ja, das macht jetzt die Mama und das macht der Papa. Sondern eher so, okay, wie du halt sagst, jeder hat unterschiedliche individuelle Begabungen und da ist der eine besser. Und darauf sollte man gucken, egal ob man Papa und Papa ist oder Mama und Papa und gucken. Und deshalb ist ja eigentlich auch dieses 50-50, finde ich sehr schwierig immer zu sagen, dieses 50-50, sondern eher zu gucken. Jeder sollte eigentlich in der Familie die Dinge einbringen. Natürlich ist es doof, wenn es totales Ungleichgewicht ist und einer macht einfach so viel mehr Care-Arbeit. Aber ich finde halt immer, dass man da gucken sollte, was kann ich gut? Also zum Beispiel ich koche bei uns nämlich auch nicht. Mein Mann kocht und der übernimmt auch gerade viel mehr Care-Arbeit mit den Kindern als ich. Und dass man einfach da wirklich schaut, wo kann man sich gegenseitig unterstützen, als immer zu sagen, ja, du hast jetzt mehr gemacht als ich. Also ich glaube, das ist ja in allen Beziehungen, ob jetzt Heteros oder Homo, das ist glaube ich egal, oder? Und ich glaube auch, das ist das Gleiche, wir hatten jetzt gerade selber einen Hetero-Papa bei uns in unserem eigenen Podcast, weil wir über das Papa-Sein gesprochen haben und am Ende ist es nichts anderes, denn du wirst heutzutage immer noch, wenn du als Papa auf den Spielplatz gehst oder beim Einkaufen, du kriegst immer irgendwie in weder Blicke oder Sprüche. Lob kriegst du doch einfach, oder? Nee. Nee? Ja, Lob im Sinne von, dass es heißt, oh, die Mama hat mal frei. Und es kümmert sich der Papa um die Kinder. So nach dem Motto, das ist ja was ganz Besonderes. Aber was uns auch immer wieder passiert ist, wenn ich alleine mit einem oder beiden Kindern einkaufen gehe, dann die Verkäuferin in der Kasse, die meint das sicherlich nicht böse, aber die Typ, also ich habe es glaube ich schon fünfmal erlebt, oh, heute geht der Papa mit den Kindern einkaufen, hat die Mama endlich mal eine Stunde für sich. Ja. Was sagst du dann gar nichts? Doch, ich drehe mich um und sage, wissen Sie, das Problem ist, bei uns gibt es keine Mama, bei uns gibt es zwei Papas. Und jetzt, und dann siehst du schon wieder das Gesicht. Okay, und ich lasse sie dann meistens so stehen und dann ratter, ratter, ratter. Es kann ja auch sein, dass alleinerziehende Väter, es gibt ja leider schlimme Fälle, dass die Mama verstorben ist. Also ich finde das in der heutigen Zeit so schwierig, weil am Ende ist es einfach so, dass du nie hinter die Geschichte schauen und weißt, wenn du damit auf die Füße trittst. Und ich muss ehrlich sagen, ich mag diese Sprüche einfach überhaupt gar nicht mehr. Und selbst wenn es einfach nur in einer heterosexuellen Familie ist, wo der Papa einkaufen geht, hey, wie cool, ist doch schön. Oder wie normal. Ja, wie normal. Also so wie normal. Das ist einfach normal. Aber ich glaube, diese Rollenmuster, das sind einfach so viele Jahre und es wird besser, aber es dauert einfach noch, bis diese Bilder von, das ist Familie und ich glaube, das ist ja auch etwas, was unsere Aufgabe ist als Eltern. Das ist Familie und Familie ist bunt. Familie ist nicht immer gleich, nicht Mutter, Vater, Kind, sondern es gibt unterschiedliche Konstellationen. Und ich glaube, das wäre jetzt meine letzte Frage zur Regenbogenfamilie. Was wünschst du dir? Also du bist jetzt, ihr seid in ein sehr offenes Dorf gekommen. Aber was würdest du sagen, wo sind die Schwierigkeiten oder wo können wir als Land, als Gesellschaft Regenbogenfamilien noch besser einbeziehen, aber auch sichtbarer machen? Weil das ist ja auch gerade das große Thema, diese Sichtbarkeit. Also ich glaube, das ist relativ einfach beantwortet, es einfach als normal zu betrachten. Man kann sich natürlich die Frage stellen, was ist normal? Das ist immer so schwierig. Aber es ist einfach ein Teil unserer Welt, unserer Gesellschaft zu sehen und am Ende nicht die Kinder leiden darunter. Ganz im Gegenteil. Es gibt Studien darüber, dass man sagt, dass sogar Kinder bei Regenbogenfamilien deutlich besser aufwachsen und mit noch viel mehr Liebe, weil sie einfach ganz anders auch nochmal gewünscht sind. Wir müssen ja, also wenn ich drüber nachdenke, wir haben ein Jahr im Prozessdurchlauf mit ganz vielen Gesprächen, das war im Grunde genommen wie eine Paartherapie, wo wir uns überlegen mussten, wie stellen wir uns Erziehung vor und als heterosexuelles Paar, und das ist jetzt mal ein bisschen sehr spitz gesagt, aber wenn du Glück hast, du planst ein Kind, hast eine superschöne Nacht, die Frau wird schwanger und zack, bang. Und dann machen wir uns Gedanken, ich habe selber genug heterosexuelle Freunde, und dann machen wir uns Gedanken, wenn sie dann so mal 6, 7 Monate ist, wie machen wir das dann eigentlich später? Und wir mussten uns das alles vorher überlegen und mussten das tatsächlich auch mit dem Jugendamt besprechen. Und deshalb, ich würde mir einfach wünschen, dass es gar kein Thema ist. Und mein Mann sagt immer so schön, es muss ein Thema bleiben, solange es ein Thema ist. Aber am Ende würde ich mir wünschen, dass... Und egal, ob das jetzt für zwei Papas, zwei Mamas, für alleinerziehende Väter, alleinerziehende Mamas, aufhört immer dieses Verurteilen, sondern einfach auch ein Stück weit in die Akzeptanz zu gehen und zu sagen, ja, es ist gut so, wie es ist. Also ich würde mir wünschen, dass sich Eltern oder Erwachsene manchmal überlegen, wie sie Dinge vor ihren Kindern äußern, weil ganz oft prägen wir unsere Kinder sehr oft unbewusst mit Sätzen und Themen, die wir vielleicht gar nicht so meinen, die wir so über die Lippen bringen, aber bei unseren Kindern kommt es eben an und es bleibt im Kopf. Ja, das hast du schön gesagt. Aber am besten hat mir einfach gefallen diese Auseinandersetzung, also wie du sagst, dass man dieser Weg zu einem Kind für euch ja so viel länger ist, also nicht so einfach eine Schwangerschaft, das ist natürlich auch Paare, die Kinderwunschbehandlung haben, aber so dieses Auseinandersetzen, warum wollen wir und dann auch durch fremde Menschen, die sich dann auch noch befragen, das ist natürlich echt, das muss man sich glaube ich auch mal nochmal bewusst machen. Wie lang auch dieser Wunsch dann einfach da ist und ich meine, bei den rechtlichen Rahmenbedingungen, magst du da noch, also ich meine wir haben jetzt sozusagen dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren können, aber generell ist es ja immer noch nicht einfach ne? Also ich kann nicht sagen, dass es ein schwerer gemacht worden ist, weil wir zwei Männer waren. Ganz im Gegenteil. Das habe ich nie erlebt. Im Gegenteil, ich habe sehr viel Offenheit erlebt und sogar schon fast mehr Zuwendung als vielleicht andere heterosexuelle Paare. Muss ich tatsächlich sagen, weil wir vielleicht schon auch ein bisschen was Besonderes noch waren. Aber was meinst du mit den rechtlichen Rahmen? Ja, was man vielleicht einfach, wenn das jetzt auch Menschen hören, die vielleicht in der gleichen Situation sind. Also ihr habt ja den Weg über eine Pflege, eine Pflegeelternschaft sozusagen, eine Pflegefamilie gemacht und dann in die Adoption. Aber du hast ja jetzt gesagt, jetzt wäre es ja eigentlich so, ihr habt jetzt eure Tochter aufgenommen, sie ist ein Pflegekind, vielleicht habt ihr irgendwann die Option, sie auch zu adaptieren. Aber ihr hättet ja nicht sagen können, wir wollen ein Kind adoptieren, weil da hast du ja zu Anfang gesagt, seid ihr ja zu alt. Wo ich auch immer denke, man ist ja nicht zu alt, ein Kind in dem Alter zu kriegen, wäre ich jetzt Frau und Mann. Aber für eine Adoption ist man zu alt. Und das ist ja, es gibt ja so viele Kinder, die einfach auch ein Zuhause suchen. Ich habe seit einigen Jahren unterstütze ich auch so ein Babyschutzhaus hier in Berlin, wo Kinder sozusagen in so eine Kurzzeitpflege kommen, wenn sie direkt aus der Familie rausgenommen, also direkt rausgenommen werden müssen. Wo Kinder sind, die von null bis drei Jahre sind. Und ich kann dir nicht sagen, ich komme in dieses Haus und diese Kinder schreien nach Liebe. Also ich meine, die kleben wirklich an dir. Und das ist einfach so krass. Da ist man immer fix und fertig, wenn man da rauskommt. Weil man einfach denkt, die sind wirklich so, dass die danach schreien und die brauchen einfach Zuwendung. Weil sie in so schlimmen Umständen einfach auch hineingeboren worden sind. Da sind so viele Kinder, die Hilfe brauchen, aber man hat gar nicht die Möglichkeiten so schnell. Das war einfach, natürlich die rechtlichen Sachen einfach nicht so einfach sind. Das meine ich halt. Also was hättest du da noch für Verbesserungsvorschläge? Ich würde mir wünschen, tatsächlich was das Recht angeht, das sage ich immer wieder, das sagen wir beide immer wieder, das Elternrecht in Deutschland ist sehr stark, immer noch. Und das heißt, es wird alles versucht, um immer irgendwie zwanghaft den Kontakt zu den leiblichen Eltern zu behalten. Und ganz oft ist dieser Kontakt aber für die Kinder nicht förderlich. Ja, es gibt Situationen, da ist er gut. Es gibt aber auch viele Situationen, wo die Kinder das nicht wollen, weil vielleicht Gewalt in der Familie passiert ist oder weil vielleicht die Kinder misshandelt worden sind auf eine ganz... Schreckliche Art und Weise. Die Kinder haben ein Traumata und sie müssen aber trotzdem, weil das Gesetz es so hergibt, ihre Eltern sehen. Wir haben das selber gemerkt, das Thema Adoption eben auch ohne Zustimmung der leiblichen Eltern. Das ist ein wahnsinnig schwieriges Thema, obwohl sehr klar ist, dass das Kind nie wieder zurückgeführt wird. Und ich würde mir einfach wünschen, dass die rechtliche Seite in Deutschland, dass der Fokus mehr auf das Kindeswohl noch geht. Ich finde nicht, und wir haben beide sehr viel erlebt in den letzten acht Jahren, dass es nicht immer um die Kinder geht. Es geht ganz oft um die Eltern und es geht ganz oft um das Recht, aber es geht nicht um das, was ist das Bedürfnis des Kindes. Und da kannst du dich als Pflegeeltern und als Adoptiveltern noch so stark machen. Es geht immer um das Elternrecht und mir hängt das mittlerweile, ich sage das mal ganz plakativ, mir hängt es echt da oben, weil wir eben selber auch doch ganz viele Freunde wissen, die selber in ähnlichen Situationen sind, wo das nicht immer so gut läuft mit den leiblichen Eltern, wie sehr die Kinder darunter leiden nach diesen Besuchskontakten. Und da würde ich mir wünschen, dass in Zukunft einfach viel, viel mehr auf die Kinder geschaut wird und nicht immer nur auf die Eltern. Weil wie gesagt, es gibt immer, es gibt und gerade in Deutschland muss viel passieren, damit Kinder auch gut genommen werden. Ja, das finde ich total gut und das sieht man ja auch in der aktuelle Lage, die wir gerade haben. Auch Kinder, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Es ist einfach, Kinder haben keine Lobby, keinen Schutz, egal ob wirklich diagnostiziert wurde. Kinder, ich hatte Lena Jensen hier im Podcast und einfach diese Geschichte, wo man einfach denkt, es ist einfach Fakt, dass ihr das passiert ist und die Täter sind immer noch frei. Das heißt einfach, Kinder haben keine Lobby und das ist auch etwas, was mich so fertig macht, weil man einfach denkt, wir müssen einfach Kinder schützen und das ist unsere Aufgabe und da sollte der Fokus sein und nicht bei den Erwachsenen. Genau und solange wir können, wir hatten glücklicherweise auch schon zwei große Kampagnen mit der Bundesregierung für Familie, solange wir können, werden wir uns für dieses Thema auch stark machen. Danke, das ist super. Ich würde ganz kurz die letzten zehn Minuten, die du noch Zeit hast, gerne noch dein Buch widmen, weil ich finde, das ist auch so ein wichtiges Thema. Du hast ein neues Buch, Hör auf dein Herz, dein Kopf ist Arschloch. Beschreibst du, wie du an einem Tag, 2024 war das, glaube ich. Einen psychischen Zusammenbruch hattest. Und kannst du uns vielleicht einmal kurz, ich glaube, dass viele Menschen so dieses so, du hast beschrieben, du hast immer funktioniert, du warst in deinem Job, glaube ich, sehr, sehr erfolgreich als Flugbegleiter und so. Und nach außen hin sah wahrscheinlich alles top aus, warst in einer glücklichen Beziehung. Was ist an diesem Tag passiert, dass du einfach nicht mehr konntest. Erzähle ich dir sehr gerne, ganz kurz vorweg, warum es mir so wichtig ist, auch genau darüber, über dieses Buch zu sprechen, weil es auch was mit der Elternschaft zu tun hat und weil es auch was mit der Kindheit zu tun hat. Und darüber schreibe ich nämlich, weil es mir selber passiert ist. Es geht darum, ich hatte am 29. Juni 2024 beim Boarding eines Langstreckenflugzeuges und man darf vielleicht sagen, ich bin mittlerweile, also ich bin Kabinenchef, also leite das gesamte Team auf der Langstrecke. Und ich hatte eine Panikattacke, das erste Mal in meinem Leben und so schlimm, dass ich von Bord geholt werden musste beim Boarding und bin in Notaufnahme gelandet. Ich versuche es jetzt mal ein bisschen kurz zu machen. Die Ärzte mich anguckte dann nach der Diagnose und sagte, Herr Bär, Sie sind kerngesund. Und dann habe ich gesagt, wie, ich bin kerngesund, ich habe doch gerade einen Herzinfarkt gehabt beziehungsweise gefühlt einen Schlaganfall. Und sie sagte zu mir, nee, Sie sind kerngesund, Ihre Werte sind perfekt, soll ich Ihnen was sagen, gucken Sie mal auf die Psyche. Und so ging dieses ganze Rad los, dass ich festgestellt habe, hoppla, irgendwas funktioniert nicht. Ich war damals noch zu dem Zeitpunkt, ich war immer sehr erfolgreich, ich bin mit Glaubenssätzen in meiner Kindheit groß geworden, wie wenn du nichts leistest, dann bist du nichts oder du musst dich anpassen, um geliebt zu werden. Das sind Glaubenssätze, mit denen ich eben sehr oft konfrontiert worden bin. Die habe ich viele, viele, viele, viele Jahre ignoriert und ich bin immer vorangerannt. Auch damals, als unser Sohn zu uns gekommen ist, ich war immer jemand, ich habe 250 Mitarbeiter geführt, ich bin geflogen, ich war im Recruiting tätig, ich war Vollzeit-Influencer und ich war Vollzeit-Papi. Und das sind fünf Punkte, die ich im Grunde genommen sechs Jahre lang knallhart durchgezogen habe, bis es mir eben am 29. Juni die Schuhe ausgezogen hat, weil ich festgestellt habe, meine Glaubenssätze aus der Kindheit, meine Werte, die ich selbst mitbekommen habe, die treiben mich in die Krankheit oder die haben mich in die Krankheit getrieben und so ist es passiert. Wie hast du es geschafft, dass du diese Glaubenssätze umgeschrieben hast? Ich habe viel an mir gearbeitet. Ich war in einer therapeutischen Einrichtung relativ lange. Ich habe sowas gemacht wie innere Kindarbeit. Ich habe Familienaufstellungen getrieben. Ich habe meinen kompletten Rhythmus geändert. Ich habe angefangen, mit viel Sport zu machen. Ich habe angefangen, auf mich zu hören. Ich habe angefangen, Glaubenssätze, die ich mein Leben lang in mir trage, zu hinterfragen und zu bearbeiten und auch mal darauf zu hören, was sind denn eigentlich meine Glaubenssätze? Das sind nicht meine Glaubenssätze, die in mir herrschen, die mir durch den Kopf gehen, sondern was sind Glaubenssätze, die ich fühle und das hat viel Arbeit gekostet, aber ich habe die für mich umgeschrieben. Ich habe für mich eben Glaubenssätze dann entwickelt wie, ich bin gut so, wie ich bin. Ein Glaubenssatz, Familie muss nicht immer aus denselben Genen bestehen. Ich habe immer geglaubt, Familie hat denselben Genen, nur das, also da muss man zusammenhalten, man muss alles dafür tun. Heute ist es tatsächlich so, dass ich sage, Familie hat nichts mit Genen zu tun. Ich finde es ja total, ich habe eine Familie immer betreut, wo sozusagen praktisch wie eine Leihmutterschaft, also Sperma und Eizelle war Spender. Und das wurde dann eingesetzt in die Frau und ihr das Kind ausgetragen und das wusste halt keiner. Und das Witzige ist, dass alle man sagen, sieht ja aus wie der Paar, also so und dass die Ähnlichkeit einfach auch über das Zusammenleben kommt, also auch, wenn man miteinander aufsetzt und das halt nicht nur die Gene ist und das finde ich wirklich so, das wollte ich dich gerade fragen, ist das bestimmt bei euch auch so? Es wird immer gesagt, unser Sohn sieht aus wie ich und weil der auch dunkelhaarig ist, immer. Hatte ich das auch nochmal, dieser Zusammenbruch deine Vaterschaft nochmal ganz, Also weil du ja, glaube ich, diese Glaubenssätze und ich kann da auch so für mich sprechen, dass man natürlich hat, dass man sich dann auch wieder erwischt, oh Gott, scheiße, was habe ich da gerade gesagt? Also so, dass man natürlich das Beste will, aber wir sind auch noch Menschen. Also absolut und ich spreche da auch sehr ehrlich darüber, das beschreibe ich auch sehr intensiv in meinem Buch. Das ist der Moment, als ich gemerkt habe, ich komme nach Hause vom Job und habe heute fünf Personalgespräche geführt, die nicht alle positiv waren und plötzlich komme ich nach Hause. Mein Sohn, damals noch vier, fünf Jahre alt, freut sich riesig, dass ich nach Hause komme, umarmt mich und sagt, Papi, komm, wir spielen eine Runde Lego. Und das Einzige, was ich gesagt habe, ist, nee, du, ich muss noch eine E-Mail beantworten. Und das ist etwas, was mich komplett verändert hat heute. Ich kann das sagen, ich arbeite heute nicht mehr in diesem Job. Also ich fliege noch, aber ich fliege nur noch, ich mache nichts mehr Zusätzliches. Ich arbeite nur noch 50 Prozent in diesem Beruf und ich bin aus Leidenschaft total gerne Papi. Und heute stresst mich das nicht mehr, am Boden zu sitzen und drei Stunden einfach nur stupide Lego zu bauen, wobei das macht eher mein Mann, aber ich sage jetzt mal mit unserer Tochter irgendwie, was man halt mit so einem fünfeinhalb Monaten der alten Baby tut. Ich genieße diesen Moment und ich habe den damals nicht genießen können und das habe ich sehr lange sehr bereut, ich habe mir sehr viel Vorwürfe gemacht dass ich für das, dass ich immer Kinder haben wollte, eigentlich niemandem gerecht geworden bin, also mir nicht, meinem Job nicht und auch am wenigsten meinem Sohn damals und das hat mich der Zusammenbruch gelehrt und heute mache ich das komplett anders und heute gibt es für mich, ist der Fokus auf meinen Kindern und dann kommt lange nichts und dann kommen noch mal meine Kinder und dann kommt der Job und alles andere. Ja, vielen Dank, Christian, für deine Ehrlichkeit, für dein Buch, wo du ja auch, dass du einfach auch so ehrlich schreibst. Also ich glaube, wir sollten es auf jeden Fall alle lesen, weil gerade viele Eltern, glaube ich, sind in dieser Situation, was du jetzt auch gerade beschreibst, so dieses, dieser Perfektionismus auch, den man auch so an den Tag bringt, dass man im Job natürlich 100 Prozent geben will. Wir wollen 150 Prozent gute Eltern sein. Wir haben Sport sein, wir machen gutes Essen, kochen. Also ich glaube, es ist aber auch ein sehr großer Druck. Also ich glaube auch nochmal eine andere Zeit als Eltern noch vor ein paar Jahren. Also es hat immer wieder alles was Negatives und Positives, aber ich glaube halt so dieses, dass wir auch in Wohnzimmer reinschauen können, wie es da aussieht und das macht natürlich sehr viel, dass man sich sehr viel vergleicht und sehr viel Druck macht. Und ich fühle das gerade auch, was du sagst, wenn du sagst, welchen vielen Jobs du alles gemacht hast, weil ich auch sehr viele Jobs mache und man immer denkt, man muss das irgendwie alles schaffen und eigentlich fühlt man es ja schon ganz, ganz in sich ist es zu viel. Und ich glaube, diesem Gefühl auch sich zuzugeben ist so schwierig. Richtig, ich habe viele Jahre, eigentlich wusste ich es, also kognitiv wusste ich, da stimmt was nicht, aber die Treiber und die Werte waren so stark in mir verankert und die Glaubenssätze, dass ich einfach immer weitergegangen bin. Und in diesem Buch schreibe ich ja, also ich lasse da sehr die Hosen rund, das ist ein sehr emotionales Buch, ich gebe da sehr viel Einblick in mein Leben, aber mit dem Ziel eben, egal ob alleinstehend, ob Eltern, ob betroffen, ob Angehöriger, ich glaube, jeder kann aus diesem Buch was mitnehmen, weil es darum geht, auch so ein Stück weit seinen eigenen Weg zu finden, den ich tatsächlich sehr schmerzhaft für mich gefunden habe. Aber es ist eben möglich und es ist auch möglich, nach einem Zusammenbruch und nach einem Burnout auch wieder ein glückliches Leben zu starten. Denn heute sitze ich hier und ich bin tatsächlich der glücklichste, Christian, der glücklichste Papi, der glücklichste Influencer, glaube ich, ever. Mir geht es einfach verdammt gut. Und ich habe den Weg für mich gefunden, den ich gesucht habe. Und das kam dann eben mit der Idee letztes Jahr im März. Ich habe gesagt, okay, es gab Menschen, die haben Interesse gezeigt. Und dann habe ich gesagt, okay, ich überlege mir, ob ich das aufschreibe. Tja, und jetzt am 29. April ist es soweit, dass es rauskommt. Vielen Dank für deine Offenheit. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg. Ich hoffe, dass es ganz viele Menschen lesen werden. Vor allen Dingen, dass du auch Mut machst, weil ich glaube, das ist einfach so, diese Vorbilder zu haben. Bei Fühlen tun sich, glaube ich, viele Menschen so, aber diesen Mut zu haben, nicht erst zusammenzubrechen. Und ich glaube, da macht dein Buch ganz, ganz viel Mut. Und deshalb wünsche ich dir alles erdenklich Gute. Und ich danke dir sehr für deine Zeit, für deine tollen Einblicke in eure Familie und wünsche euch alles, alles Gute. Ich danke dir, Sissi. Und wie gesagt, ab jetzt kann man es überall vorbestellen. Ich sage nur danke, dass ich Gast sein darf und durfte. Und ja, ich freue mich, wenn ganz viele Menschen Inspiration dadurch bekommen haben. Ja, ich verlinke euch natürlich alles zu Christian und natürlich auch zu seinem Account mit seinem Mann Björn. Da könnt ihr alles finden und ja, alles Liebe und bis bald. Dankeschön. Tschüss. Ciao. Und das war es auch schon wieder mit meiner Folge mit Christian. Ich hätte gerne noch ein bisschen mehr mit ihm über sein Buch geredet, aber wir sollten es einfach alle lesen. Er hatte noch einen wichtigen Termin mit seiner Tochter zur Physiotherapie und den konnten wir leider nicht verschieben. Aber ich war sehr dankbar, dass er überhaupt Zeit gefunden hat. Und ich habe heute natürlich wieder noch ein... Not-so-Fun-Check für euch. Darüber haben wir ja eben auch im Podcast schon gesprochen. In Deutschland ist die rechtliche Elternschaft noch immer stark am klassischen Modell von Mutter und Vater ausgerichtet. Mutter ist automatisch die Person, die ein Kind geboren hat. Vater ist der mit ihr verheiratete Mann oder derjenige, der die Vaterschaft anerkennt. Für gleichgeschlechtliche Paare bedeutet das jedoch eine Ungleichbehandlung. Bekommt ein lesbisches Ehepaar ein Kind, ist nur die gebärende Frau rechtlich sofort Mutter. Die zweite Mutter muss ihr eigenes Kind erst im Rahmen einer Stiefkindadoption adoptieren. Bis dahin besteht eine rechtliche Lücke, etwa beim Sorgerecht oder in medizinischen Notfällen. Auch bei schwulen Paaren, insbesondere im Zusammenhang mit Leihmutterschaft im Ausland, sind Anerkennungsverfahren oft langwierig und komplex. Kritisiert wird, dass das Abstammungsrecht Regenbogenfamilien nicht automatisch gleichstellt, obwohl sie faktisch von Anfang an Verantwortung tragen. Die fehlende automatische Anerkennung bedeutet nicht nur bürokratischen Aufwand, sondern sendet auch ein gesellschaftliches Signal. Manche Familien müssen ihre Elternschaft erst beweisen, während sie für andere selbstverständlich ist und das sollte sich natürlich ändern. Ich hoffe, euch hat die Folge gefallen. Ich freue mich natürlich, wenn ihr sie mit 5 Sternen lohnt und wenn ihr nächste Woche wieder einschaltet bei Soundsfamilie. Bis dahin wünsche ich euch eine wunderschöne Woche. Wenn dir diese Folge gefallen hat, würde ich mich riesig freuen, wenn du den Podcast abonnierst und eine Bewertung oder einen Kommentar hinterlässt. Du hast Fragen an mich, Ideen für Themen oder möchtest deine Geschichte mit mir, mit uns teilen, dann schreib mir einfach an sissy.atauf-die-ohren.com und ich freue mich riesig über deine Nachricht. Das war Sounds Familiar, der Elternpodcast mit Hebamme Sissi Rasche. Eine Produktion von Auf die Ohren. Redaktionelle Leitung Katharina Kern. Aufnahmeleitung Lena Günther. Sounddesign und Postproduktion Nilan Feig. Musik.