Ihr Lieben, es ist Donnerstag und wir haben eine ganz neue Folge Sounds Familie für euch. Ihr werdet sicherlich merken, ich lade gerade viele Menschen noch einmal an, mit denen ich gute Gespräche hatte und ich finde, mit denen ich nochmal sprechen sollte. Und heute ist es wieder soweit. Heute habe ich nämlich Nathalie Klüber wieder bei mir. Wer sie von euch noch nicht kennt, Nathalie ist Journalistin und Autorin. Und ganz toll, nächste Woche kommt ihr aktuelles oder ihr neuestes Buch raus. Und darüber möchte ich nämlich heute mit ihr reden, weil es ist ein Thema, das ich so wichtig finde. Sei mutig, jetzt erst recht. Und da hast du elf Briefe, die unsere Töchter für die Welt vom Morgen stark machen, geschrieben. Und ich durfte schon ein bisschen reinlesen, liebe Nathalie, und es hat mich sehr berührt, gerade der Beginn deines Buches. Also erstmal schön, dass du heute wieder da bist. Leider nicht in Person. Wir sind über Mikrofon miteinander verbunden. Du sitzt in Lübeck, ich in Berlin. Aber schön, dass du heute Zeit hast mit mir, über dieses wichtige Thema zu reden. Ja, schön, dass ich wieder dabei sein kann und über das Buch reden kann und das Thema, was mir tatsächlich total am Herzen liegt und womit ich versuchen möchte, so ein bisschen Mut und Zuversuchssicht in diese völlig verrückten Zeiten zu bringen. Ja, ich glaube halt auch für dich, als du das Buch geschrieben hast, es kommt ja immer mehr krassere Nachrichten jeden Tag dazu. Also man kann ja ein Buch gar nicht mehr so aktuell machen, wie es ist, weil jeden Tag kommt immer nochmal eine Schippe drauf, dass man denkt so, du beschreibst es auch in deinem Buch so, also dass man immer denkt so, das kann man gar nicht. Du bist ähnlich aufgewachsen in den 80er, 90er Jahren, war so unsere Jugend, wo man, wenn man sich heute zurückversetzt in diese Zeit, dass man denkt, mit welchen Dingen wir uns heute als Eltern auseinandersetzen müssen, hätten wir damals drüber gelacht oder das hätte keiner für möglich gehalten, dass sowas nochmal passiert. Mich hat es sehr, sehr emotional berührt, der Beginn deines Buches, weil du dort ja sehr emotional auch erzählst aus deiner Sicht als Mutter. Du hast eine Situation mit deiner Tochter, die dich einfach fragt, was sie denn mal werden kann. Und das ist ja für dich schon auch so ein Moment gewesen, wo du gesagt hast, du weißt gar nicht, was du ihr so unbedingt auf diese Frage so antworten sollst. Und erzähl doch mal, war das so der Beginn, wo du gedacht hast, darüber möchtest du jetzt schreiben? Also es war ja schon, wie du diesen Brief so an sie schreibst, es hat mich sehr berührt. Es war tatsächlich der Moment, als ich gedacht habe, okay, ich möchte zu diesem Thema ein Buch schreiben und mich näher damit befassen. Und sie hat mir diese Frage ausgerechnet, das schreibe ich auch in dem Brief ja, das ist kein rhetorischer Kniff, sondern es war tatsächlich so, wie ich es beschreibe, hat sie ausgerechnet an dem Morgen gestellt, als Donald Trump wiedergewählt wurde. Also ich bin aufgewacht, habe mir wie wahrscheinlich so viele von uns auf meinem Handy sofort angeguckt, wie ist jetzt die Wahl ausgegangen. Und dann habe ich meine Kinder geweckt und dann stellte sie mir diese Frage. Und ich war aber in diesem Moment auch emotional so völlig, wo ich so dachte, Gott, was soll ich denn jetzt sagen? Was soll denn jetzt werden? Und da entstand eigentlich dieses Buch draus und dieser Wunsch, irgendwie doch noch Zuversicht und Mut in diese Welt zu machen, denn ich finde, wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen. Aber so ein bisschen die Ironie an der Geschichte ist, als ich diese Idee fürs Buch entwickelte, das war tatsächlich zwischen der Wiederwahl und der Inauguration von Trump, als alle um mich herum fragten, oh Gott, in was für einer Welt werden unsere Kinder aufwachsen? Was wird eigentlich mit uns so passieren und wie wird das jetzt weitergehen? Und das völlig Beknackte, während ich das Buch geschrieben habe, ist mir dann aufgefallen, es ist alles noch viel schlimmer, als wir uns in dieser komischen, ungewissen Phase damals ausgemalt haben. Und ja, umso mehr merkte ich beim Schreiben, ich habe es dann im Oktober abgegeben, sodass ich versucht habe, wirklich viele aktuelle Sachen noch mit reinzubringen. Dass ich dachte, es muss einfach, wir müssen irgendwie uns gegenseitig mutig machen. Es ist ja nicht nur ein Buch für die Töchter, dass unsere Töchter mutig werden, sondern man bestärkt sich darin ja auch immer selbst. Also es war auch ein Stück weit für mich therapeutisch, das zu schreiben, dass ich mit diesen Zeiten einfach ein bisschen besser klarkomme. Du beschreibst ja in deinem Brief sozusagen auch, du hast die Nachrichten, dass Donald Trump wiedergewählt worden ist, wo man sich ja wirklich das erst gar nicht vorstellen konnte, dass sowas geht. Ich verstehe sowieso nicht, dass einfach so Menschen die Welt regieren, die eigentlich Verbrecher sind und Donald Trump gehört auch dazu. Er ist ein Sexualstraftäter. Wenn man jetzt die neuesten Nachrichten da wieder zukommt, was da wieder bei den App-Stand-Fights noch rausgekommen ist. Also es wird ja, also da wollen wir gar nicht so tief reingehen, weil dann verliert man wirklich den Glauben. Aber du hast ja wirklich so dieses auch beschrieben, dass du einfach emotional so fertig warst, dass du gar nicht wusstest, wie du damit umgehst. Wie hast du es dann geschafft, wieder das so umzudrehen, dass du wieder in eine positive Haltung gefunden hast? Weil das ist ja gerade das, was aktuell finde ich ist, so schwierig. Wir haben so eine hohe Verantwortung als Eltern. Du hast jetzt gesagt, du hast das Buch eigentlich für deine Tochter geschrieben, du hast aber auch zwei Söhne. Warum hast du bewusst so die Töchter angesprochen? Also das war tatsächlich, zwei Fragen in einem, ich versuche sie mal elegant miteinander zu verbinden. Also es war tatsächlich, wieso ich das für meine Tochter geschrieben habe, weil ich tatsächlich, vielleicht kann man es ganz gut miteinander verbinden, gemerkt habe, dass wir jetzt einfach in den letzten Monaten, haben wir es ja auch gesehen, einen so gewaltigen Rollback haben. In vielen Dingen, von denen wir dachten, die wären irgendwie gesellschaftlicher Konsens, die sind auf einmal infrage gestellt, also auch ganz offiziell infrage gestellt und nicht mehr nur von irgendwelchen Randgruppen infrage gestellt, sondern das ist ja immer mehr in der Mitte auch salonfähig, bestimmte erarbeitete Rechte wieder infrage zu stellen. Und da habe ich mich wirklich ganz bewusst gefragt, was wird das denn für unsere Töchter? Und vor allem, wieso kommen wir nicht von der Stelle? Wieso gelten so Dinge, die für mich mit 16 galten, wie lass dein Glas in der Disco nicht unbeaufsichtigt? Wieso muss ich das 30 Jahre später meiner Tochter immer noch mit auf den Weg geben? Und das hat mich einfach dazu gebracht, dass ich gesagt habe, klar, Wir müssen auch unsere Jungs zu Feministen erziehen. Das ist auch total wichtig, vor allem zur Empathie. Ich glaube, das ist so eines der wichtigsten Dinge. Aber unseren Mädchen müssen wir noch mal wieder einen größeren Rucksack mitgeben, weil einfach der Gegenwind noch mal größer ist als bei den Jungs. Und so entstand das eigentlich, dass ich gesagt habe, diese ganzen Sätze, die ich in meinem Buch schreibe, wie du darfst wütend sein, du darfst traurig sein, das gilt alles auch natürlich für unsere Jungs. Und ich finde, es sind auch Dinge, die wir unseren Jungs vermitteln sollen, Aber besonderes Augenmerk in Sachen Resilienz und so haben tatsächlich unsere Töchter verdient. Obwohl ich finde aktuell gerade wieder dein Buch, du hast es im Oktober abgegeben. Ich glaube, man kann ein Buch gar nicht so aktuell gerade schreiben, wie sich die Welt einfach jeden Tag entwickelt. Also so schnell kann kein Druck sein. Aber ich finde gerade auch, ich bin Mutter eines Sohnes, du hast zwei Söhne, mache ich mir natürlich auch Gedanken um die Söhne. Weil ich hätte mir nicht gedacht, dass ich mir nochmal darüber Gedanken machen muss, was Wehrpflicht und so weiter angeht. Und was ja auch wieder, dass das Thema Krieg einfach allgegenwärtig ist und dass man halt denkt, okay. Dass ich meinen Sohn oder unsere Söhne darüber Gedanken mache, auch ein Land zu verteidigen, dass wir wirklich in solchen Zeiten wieder leben, wo das halt einfach präsenter ist denn je. Also das finde ich, ist ja so bei den Jungs so ein Thema, wo ich auch denke, oh Gott, dann hast du irgendwie die Frage wieder. Also das habe ich im Buch ja auch geschrieben. Ich finde, das ist so völlig Dinge, von denen wir wirklich glauben. Wir müssen uns damit gar nicht mehr befassen. Also die 90er Jahre, also als ich Abitur gemacht habe, 99, das war irgendwie so ein Aufbruch in eine heile Welt und man hat irgendwie gedacht, es wird jetzt alles gut. Und vielleicht waren wir auch naiv, ich weiß es nicht, aber ich sehne mich tatsächlich manchmal irgendwie in dieses Gefühl wieder zurück und ich würde es meinen Kindern irgendwie gerne gönnen, dass sie das auch hätten. Wie gehst du mit diesen Ängsten, besonders als Mutter, um und versuchst deine Kinder zu stärken? Weil genau das, was du gerade beschreibst, dass diese Jugend, die wir damals hatten, war schon sehr viel unbeschwerter und diese Leichtigkeit. Also auch so finde ich und ich finde gerade diese neue junge Generation, die hat einfach eine so große Aufgabe, nicht nur, dass wir die politische Lage haben, wir haben den Klimawandel, also ich meine, der ja auch eine große Bedrohung ist und wo ja einfach immer noch unsere Politik nicht erkannt hat, wie wichtig die Klimakrise ist, dass wir da einschreiten, wo man immer denkt, es regieren immer noch Menschen die Welt, die einfach die Augen davor zumachen. Und einfach nicht hingeschaut wird. Also wie gehst du mit dieser Angst um als Mutter und trotzdem unsere Kinder zu stärken? Also ich versuche ganz viel, einmal natürlich ist es auch ein sich selbst Mut zu reden. Ich habe ganz bewusst Sachen gemacht, dass ich tatsächlich angefangen habe, positive Nachrichten zu konsumieren. Dass ich nicht mehr mich diesem Sog hingebe, endlos immer wieder zu aktualisieren und zu gucken. Also gerade als dann jetzt der Krieg im Iran anfing, habe ich doch dieser Versuchung widerstanden, ständig den Nachrichtenticker zu lesen und das ganz bewusst nur einmal am Tag, was ist denn heute eigentlich passiert, weil es kann einen so runterziehen und es kann einen ja wirklich in so einen Abwärtssog irgendwie befördern und. Ich versuche als Gegenpol tatsächlich sehr, sehr viel mehr auf die positiven Nachrichten zu achten. Und die gibt es. Wir kommen ja voran. Es gibt ja weltweit immer wieder positive Nachrichten. Und da den Fokus ein bisschen drauf zu stärken und die vielleicht auch ein bisschen hervorzuheben, das ist auch ein bisschen Aufgabe der Medien, dass man da so eine Balance irgendwie findet. Und leider haben wir jetzt die Aufmerksamkeitsökonomie der Social Media, die einfach schlechte Nachrichten besser ziehen. Und da sind wir so ein bisschen in dem Dilemma. Und ich finde, das ist dann doch die Aufgabe von uns ganz persönlich, dass wir bewusst versuchen, unseren Fokus auch ein bisschen anders zu setzen. Und wenn es zu schlimm wird, auch wirklich zu sagen, ich mache jetzt mal eine Pause. Ich muss nicht bei allem up to date sein und nicht alles sofort mitkriegen. Auch das finde ich total hilfreich. Aber was wir nicht dürfen, ist, dass wir aufhören, wachsam zu sein. Auch bei all dem Müll, der kommt, die wollen ja gerade, dass wir nicht mehr wachsam sind. Das ist ja dieses, was auch der Steve Bannon, der ehemalige Berater von Trump, ja gesagt hat. Flat the zone with shit. Einfach so viel, dass man die wirklich schlimmen Dinge gar nicht mehr wahrnimmt. Und da muss man so ein bisschen, ja, auch differenzieren und schauen, was ist jetzt wirklich wichtig und worüber lohnt es sich jetzt wirklich zu reden und den Finger in die Wunde zu legen. Und was sollte ich vielleicht besser nicht so an mich ranlassen? Und ich glaube, das ist einfach total wichtig. Und ich glaube auch in diesen Zeiten ein bisschen weniger Online-Zeit, um halt einfach dieser Schnelligkeit der Ereignisse so ein bisschen zu entfliehen. Also wirklich mal eine Print-Zeitschrift zu nehmen oder eine Tageszeitung und sowas und ganz bewusst längere Artikel zu lesen. Es hilft halt einfach auch besser, um sich zu distanzieren und um die Dinge richtig einzuordnen. Also du hast für dich sozusagen einen richtigen kleinen Fahrplan, du hast gerade gute Nachrichten erwähnt, du hast eine Desierung der Online-Zeit und du liest einfach viel eher Zeitung als online. Also gerade Printlesen, das entschleunigt ja schon auch total. Und ich glaube, das ist total wichtig, dass wir so ein ganz bisschen entschleunigen, damit man zwischendurch auch nochmal wieder zu Atem kommen kann. Denn ich finde, das ist so die aktuelle Weltlage seit ein bisschen mehr als einem Jahr. Es ist ja so, dass man das Gefühl hat, man kann nie durchatmen. Es ist nie alles gut. Es ist immer nochmal was obendrauf. Und das ist, finde ich, tatsächlich sehr, sehr schwierig zu ertragen. Wie handhabst du das mit deinen drei Kindern? Also wie handhabt ihr da so den Alltag? Ich finde ja so, ich habe mit Natascha Zagorski darüber auch gesprochen, weil wir ja auch als Eltern eine große Aufgabe haben, Kinder am Politikrand zu führen und dass sie halt natürlich am Familientisch anfängt und dass wir sie demokratisch erziehen und so weiter. Oder wie handhabt ihr, also ich meine, die Nachrichtenlage habt ihr immer so, also hast du mit deinen Kindern, die ja auch älter sind, sozusagen da so eine Rituale, wie besprecht ihr das. Hat das nochmal dein Buch auch da was verändert, dass du da im Umgang mit denen nochmal…, Ja, es ist tatsächlich, also als Journalistin sind wir hier natürlich viel am Diskutieren und es liegen immer Tageszeitungen rum und die aktuelle Weltlage, das wissen ja meine Kinder auch und das kriegen sie ja auch mit, da bin ich berufsbedingt wahrscheinlich auch dann nochmal so ein bisschen extremer als andere, was das so, ich muss immer auf dem Laufenden bleiben betrifft. Und wir diskutieren hier schon sehr, sehr viel. Und meine Kleine, die ist jetzt acht, die darf natürlich auch Kindernachrichten gucken und solche Sachen. Und ich versuche dafür auch zu beantworten. Was ich immer wichtig finde, ist, dass man die Dinge ein bisschen erklärt und einordnet. Gerade die Großen, mein Großer mit seinen 15 Jahren, wenn der dann irgendwas sieht und erfährt oder von seinen Freunden hört, dass sie einfach wissen, sie können immer zu mir kommen und wir können das zusammen dann einordnen, weil ich glaube, das Wichtige ist, dass wir unsere Kinder da wirklich begleiten, weil sonst entstehen so viele Ängste und damit dürfen wir sie nicht allein lassen. Hast du das Gefühl, dass sie gut abgeholt werden von der Schule? Also bist du da immer so teils, teils. Ich finde, da könnte tatsächlich noch mehr passieren. Also ich finde, wenn es schon ein Fach gibt, was irgendwie Wirtschaftspolitik heißt, dann muss man da noch viel, viel mehr einfach auf die aktuellen Sachen eingehen und dann vielleicht andere Sachen so ein bisschen knapper abhandeln. Also ich finde, da könnte tatsächlich noch mehr passieren, vor allem auch, um Kinder irgendwie zu informieren und abzuholen, wo es zu Hause im Elternhaus vielleicht nicht so ein Thema ist. Ja, eigentlich bräuchte es sozusagen wie so ein Schulfach so Nachrichten. Also das muss ja gar nicht eine Stunde sein, aber dass man jeden Tag vielleicht 15 bis 20 Minuten die aktuelle Nachrichten einfach auch um Fake News besser einzuhalten. Die wachsen natürlich in einer ganz anderen Welt auf und da macht es wahrscheinlich auch wirklich Sinn. Sozusagen kurz immer die aktuelle Lage so zu besprechen, auf einem neutralen Boden, weil wir merken ja, dass wir einen sehr großen Rechtsdruck haben und gerade auch was Social Media ist, ist der ja bei den... Rechten Parteien ja wirklich sehr groß, die da wirklich sehr gezielt sich ja an die junge Generation, die versuchen, die ja sozusagen auf ihre Seite zu kriegen. Ja, also ich finde so den neutralen Boden einer Schule zu nehmen tatsächlich auch eine gute Idee. Also auch wirklich, um Dinge einzuordnen und so. Und so erreicht man dann auch alle Kinder. Und ja, vielleicht ja auch noch ein bisschen neutraler, als es teilweise im Elternhaus wäre. Auch das wäre wahrscheinlich nicht schlecht. Für die Diskussion am Elterntisch. Genau, das ist ja die Frage. Also du bist natürlich jetzt als Journalistin für deine Kinder super aufgeklärt, kannst du in die Diskussion gehen, aber gerade wie du auch sagst, die Kinder, die zu Hause nicht diesen Raum haben, wäre natürlich dieser Raum in der Schule so wichtig und nicht nur dieses Fach Wirtschaft, Politik. Ich glaube einfach so dieses wirklich, und das muss ja gar nicht immer so lange sein, ich habe das Gefühl, aber diese kurze Einordnung vom aktuellen Weltgeschehen, dass man da kurz drüber spricht, weil das geht ja bei den Kindern auch nicht vorüber. Ja, auch schon bei Grundschulkinder. Also das finde ich darf auch immer nicht unterschätzt werden, was die mitbekommen. Und gerade da ist es ja schwierig, denn die teilweise Dinge ja auch wirklich falsch verstehen und noch gar nicht richtig einordnen können. Und gerade da auch das wirklich kindgerecht zu machen und kindgerecht zu erklären, ist natürlich nicht einfach. Also das ist eine Herausforderung. Ja, auf jeden Fall. Du bist ja ein sehr optimistischer Mensch und hast ja so ein bisschen auch geschrieben, dass du so deinen Optimismus so ein bisschen verloren hast. Hast du den jetzt so Stück für Stück durch dieses Buch, wo du einfach versucht hast, das so für uns mal als Eltern zusammenzufassen, wiedergewonnen? Also ich habe tatsächlich, während ich das Buch geschrieben habe, festgestellt, dass es einen Unterschied gibt zwischen Optimismus und Optimismus. Also so Zuversicht und einfach nur so Blinderoptimismus. Also dass sich schönreden, ach wird schon alles gut gehen und das ist naiv, das führt uns nämlich nicht weiter und das macht einen auch nicht wirklich stark. Aber so dieses Glauben an das Gute und Zuversicht ist eher der Glauben daran, dass man die Dinge in die Hand nehmen kann und anpacken kann. Also das ist das, was ich letztlich auch aus dem Buch so ein bisschen für mich selber rausgezogen habe, ist so dieses Gefühl. Man hat sich ja immer wieder in diesen Momenten, wo diese Nachrichtenlage so erdrückend ist und man sich fragt, was wird aus unseren Kindern? Was hinterlassen wir denn eigentlich für eine Welt? Den fühlt man sich ja manchmal so machtlos. Und ich habe auch ein bisschen versucht, Wege zu finden, aus dieser Machtlosigkeit rauszukommen. Und so die Haupterkenntnis ist dann eigentlich ja, wir sind ja nicht machtlos. Die Zukunft ist ja kein fertiges Drehbuch. Die ist ja nicht irgendwie, wir nehmen den in die Hand und können da drin lesen, wie es weitergeht. Wir können die ja jeder für uns formen und das sind vielleicht nur kleine Schritte, aber jeder trägt ja irgendwie seinen Teil dazu bei, wie die nächste Zeit und die weiter entfernt liegende Zeit sich gestaltet werden. Und das finde ich tatsächlich ist so diese Erkenntnis, wir haben es immer noch in der Hand. Wir sind dem Ganzen nicht ausgeliefert. Es gibt immer was, was man irgendwie tun kann und dann einfach zu überlegen und das zum Beispiel auch gemeinsam mit den Kindern zu überlegen, was kann man denn tun. Also ein ganz praktisches Beispiel, wenn man am Strand ist, ich wohne ja an der Ostsee in Lübeck, einfach zu sagen, wir sammeln jetzt den Müll ein, der da rumliegt. Das ist unser Beitrag, was zu tun. Dann kommen die Wasservögel und Fische, das kommt dann nicht in die Natur, dann verheddern sie sich da nicht. Das können auch ganz, ganz kleine Kinder verstehen und fühlen sich dann irgendwie handlungsfähig und haben das Gefühl, wir tragen unseren Teil dazu bei. Und wenn man sich so ein bisschen im Alltag umguckt, gibt es ja ganz, ganz, ganz viele kleine Beispiele, was man einfach machen kann und wo man auch die Kinder schon im jungen Alter einbeziehen kann. Also wirklich auch von bis, ganz kleine Kindergartenkinder bis hin zu Teenagern. Und das finde ich tatsächlich ist so, ja, das, was einem hilft, dass wenn man an diesen Tagen, wo man das Gefühl hat, es entgleitet mir einfach alles, sich dann wirklich darauf zu fokussieren, was kann ich denn jetzt machen. Was nicht heißt, dass wir dieses Gefühl, diese Angst nicht zulassen dürfen, das finde ich ist immer total wichtig. Dass man Gefühle einfach zulässt, Wut und Angst und nicht unterdrückt und die erstmal anerkennt, das ist da und das ist auch völlig okay, aber was ist denn jetzt der nächste Schritt, also das finde ich auch total wichtig. Ich finde das schön, wie du das beschreibst mit den kleinen Dingen, weil das, wenn man, wir Erwachsene haben ja auch immer so ein bisschen so, dass wir eher so sind, okay, ich will jetzt was verändern und immer gleich etwas sehr, sehr Großes sehen. Und es sind ja oft, dass wir vielleicht erst mal kleiner denken, dass man vor der Tür anfängt, dass wir nicht gleich alles verändern können, sondern diese kleinen Steps. Und das, glaube ich, ist diesen Blickwinkel nochmal zu ändern, dass wir schon in unserem kleinen Umfeld was tun können. Und ich glaube, da ist es so, was uns Erwachsene manchmal ein bisschen schwerfällt. Weil man denkt halt, man kommt in diese Ohnmacht-Zeitung, weil mir geht es aktuell gerade so, ich habe schon einen Gerechtigkeitssinn und ich frage mich gerade, gerade für uns Frauen, es war ja auch gerade eine große Demo in Berlin, wenn man gerade die sexualisierte Gewalt an Frauen, die ist ja einfach... So hoch und man hat das Gefühl, man kommt da gar nicht mehr gegen an und es ist okay. Es ist einfach, es wird nicht dagegen vorgegangen und auch gerade bei Kindern, wenn man die Zahlen sieht, wie viele Kinder sexuell missbraucht werden, dann wird eins schwindelig und trotzdem hat man das Gefühl oder das macht mich als Mutter so, also finde ich eine gewisse Machtlosigkeit, dass einfach Kinder überhaupt gar keine Rechte hat, dass trotzdem Leute damit immer wieder durchkommen. Obwohl wir Beweise haben und trotzdem zählen diese Beweise nicht. Und das macht einen ja schon, das macht ja was mit einem. Also diese Ungerechtigkeit ist für mich persönlich ein ganz großes Ohnmachtsgefühl, weil ich denke so, okay, wir leben doch wirklich eigentlich in einem Rechtsstaat, wo man wissen muss, okay, das sind Sachen, die man darf und die darf man nicht. Und wenn man diese Dinge tut, dann muss man dafür bestraft werden. Und aktuell habe ich so das Gefühl, es ist einfach so, dass Leute, die Macht haben, egal wie viel Macht sie haben, dass sie mit allen Dingen durchkommen, egal ob sie gegen das Gesetz, also ob sie ein Gesetz brechen. Und das ist so ein Gefühl, was sich bei mir gerade so festsetzt und das möchte ich natürlich nicht auf meine Kinder übertragen, auch nicht. Ich habe drei Töchter, dass ich die natürlich stärken möchte, aber das macht mich gerade so... Ja, es betäubt mich. Ja, ich kenne das total. Also ich habe auch das Gefühl, es kann doch nicht sein, dass die mit dem ganzen Kran durchkommen. Und das denkt man über so viele Sachen. Und das ist tatsächlich auch so ein bisschen so dieses Gefühl, was ich damals hatte, als ich zu der Idee, zu diesem Buch komme. Das kann doch gar nicht sein. Also wie kann denn das funktionieren? Und was passiert da jetzt eigentlich? Und kann es wirklich sein, dass einfach nur Geld und Macht über dem Recht stehen? Also es ist so, weiß ich nicht. Das ist wie in so einem schlechten Krimi. Das ist auch so was, als ich das Buch geschrieben habe. Man hat das Gefühl. Dass sämtliche James-Bonn-Filme von früher, die waren ja gar nicht übertrieben. Die Realität hat das jetzt ja einfach völlig eingeholt. Es gibt ja wirklich so böse Wichte. Es gibt wirklich den reichsten Mann der Welt, der auf einmal mit dem mächtigsten Präsidenten der Welt zusammen kooperierte. Und all diesen Dingen, die Realität hat das ja so völlig eingeholt und noch das bösere Drehbuch irgendwie geschrieben. Und ich finde auch, das ist brutal angsteinflößend manchmal. Und ich glaube, da müssen wir nämlich wirklich gerade deshalb unsere Mädchen stärken, weil die sind so vulnerabel. Das ist halt, und ich hatte damals gedacht, als diese MeToo-Debatte war, dass es jetzt endlich ein Umdenken gibt und jetzt geht es ja wieder rückwärts. Also es ist ja wieder dieses, dass Mädchen, dass es okay ist, Mädchen zu sexualisieren und so weiter. Da wird auch die Medien machen das ja, wenn sie denn über minderjährige Frauen schreiben. Und ich denke so, ey Leute, das sind Mädchen. Und da wird mir als Mutter von einer Tochter auch tatsächlich Angst und Bange, wenn ich das höre. auch. Ja, da ist dieses Ohnmachsgefühl, was du und diese Wut, die du ja auch beschreibst, wie gehe ich damit um? Weil ich will ja trotzdem. Positiv sein. Ich möchte meine Kinder stärken, meine Mädchen stärken, ihre Träume zu verwirklichen. Und das ist einfach gerade so, das finde ich, ist eine ganz andere Herausforderung, als unsere Eltern bei uns hatten. Ja, total. Also ich habe auch das Gefühl, dass wir haben ja auch gleichzeitig selber noch so viel zu tun und zu leisten. Also der Druck auf uns ist ja auch nicht geringer geworden. Und ich finde, manchmal fühlt man sich an, als ob man irgendwie so zerquetscht wird zwischen allem und da irgendwie mit klarkommen muss. Und gleichzeitig seinen Kindern noch Stärke verleihen muss. Also einfach ist das nicht. Ja, ich glaube auch, es ist einfach immer gut, sich dem wieder bewusst zu werden. Deshalb sind diese Gespräche so wichtig, deshalb ist dein Buch so wichtig, dass man immer wieder darauf aufmerksam macht und deshalb sind die kleinen Dinge, die du gerade beschrieben hast, so wichtig, weil ich glaube. Diese kleinen Dinge in einem kleineren Umfeld, wir werden dich gleich die ganze Welt verändern, aber diese kleinen Punkte bei dir vor der Haustür, wie du jetzt gesagt hast, in der Schule sich einsetzen, für Gleichberechtigung wieder aufzuklären, seine Kinder zu stärken. Und ich glaube, die wichtigste Aufgabe, und das sagst du ja, glaube ich, auch, ist ja, die Kinder an ihren Emotionen zu unterstützen. Ja, das finde ich total, total wichtig, dass man einfach da auch Emotionen zulässt und Emotionen von anderen zulässt und anerkennt. Also, dass dieses Miteinander wieder viel, viel wichtiger ist als das Gegeneinander. Das können wir auch schon auch hier wieder in kleinen Dingen machen mit unseren Kindern. Wir wollen mit ihnen darüber sprechen. Was glaubst du denn, wie sich die und die fühlte, als jetzt diese Situation in der Schule war? Oder dass man ihnen so gut zuredet, wenn ein neues Kind in deine Klasse kommt, dann lächle es doch mal an und nimm es auf. Wie würdest du dich denn fühlen, wenn du in eine fremde Umgebung kommst? Und all diese Dinge mitzugeben. Und ich glaube, wenn wir das einfach. Viele von uns so machen und unseren Kindern diese Sachen mitgeben, dass wir dann schon dazu beitragen können, eine. Bessere, empathischere Gesellschaft zu haben, wo es halt nicht nur um das Recht des Stärkeren geht. Schön. Wie gehst du mit den Träumen deiner Kinder um? Manchmal haben die ja so, ich mache dann das und das und dann denkt man so, okay, super. Gute Idee. I don't know. Ja, meine Tochter will unbedingt auch Schauspielerin werden, wollte ich tatsächlich in dem Alter damals auch. Ja? Ja, wollte ich. Dann später da wollte ich Metal-Sängerin werden. Das war eine 8. Klasse. Ja, das war eine sehr spezielle Phase. Meine Eltern haben mich auch immer unterstützt. Sie haben gesagt, Supermädchen, mach das und wenn dir das liegt. Und das versuche ich meiner Tochter irgendwie auch mitzugeben. Letztlich habe ich dann langweilig BWL studiert und bin jetzt Journalistin. Also laufen die Dinge. Wie kam die Wendung, Nathalie? Wie kam die Wendung von Metal zu BWL? Ich weiß es auch nicht, was da in mich gefallen ist. Ich kann es mir bis heute nicht erklären. Das war irgendwie, Nee, war auch nicht die richtige Entscheidung, weil ich das, was ich studiert habe, auch dann ja nie gemacht habe und während des Studiums angefangen habe, als Journalistin zu arbeiten. Also ja, ich weiß es nicht. Aber auch das gehört wahrscheinlich dazu, dieses Trial and Error und das auch bei den Kindern zuzulassen. Ich glaube, für meine Eltern war es auch hart, meine Metal-Sängerin versucht, das anzuhören. Aber da muss man durch. Dieses Erinnern daran hilft mir auch, das zu ertragen, wenn meine Tochter ein drei Stunden langes Solo-Theaterstück vorführt. Also das ist einmal so, dass sie ihnen einfach zu zeigen, ich stehe hinter dir und du darfst groß denken. Und denn wenn wir uns nicht trauen, groß zu denken, dann machen wir ja nie irgendwas Großes. Also die großen Dinge beginnen immer eigentlich damit, dass man irgendetwas träumt. Und dann holt einen vielleicht die Realität ein und man muss an seinem Traum ein bisschen justieren. Aber das ist ja gleichzeitig auch immer ein Problem, Ein Ziel und vor allem sind Träume immer, was zukunftsgerichtet ist. Und das finde ich halt einfach so wichtig, immer zu vermitteln, es gibt eine Zukunft, es gibt etwas und da kann man darauf hinarbeiten. Und insofern nicht den Kindern ausreden, schon gar nicht, wenn sie klein sind, dann kommen mit irgendwelchen Realitätssachen. Und erstens ändern sich diese Träume auch schnell, dann muss man es auch mal aushalten. Und zweitens müssen sie vielleicht auch mal scheitern und vielleicht mal gegen eine Wand laufen. Auch das gehört zum Leben dazu und letztlich lernt man daraus und nur durch vielleicht den zweiten Versuch wird man dann auch besser. Hast du einen Rat für Eltern, die da vielleicht eher ein bisschen Probleme mit haben, den Traum ihrer Kinder möglichst auch zu fördern oder auch zu verstehen und zu unterstützen? Weil du hast es natürlich sehr schön beschrieben, aber die Realität ist ja dann doch oft eine andere. Und der Satz, was Vernünftiges, was ist heutzutage noch vernünftig? Also das ist natürlich auch was. Was ist eigentlich vernünftig? Welche Berufe sind in zehn Jahren gefragt? Auch das ist ja das, was einen total unsicher werden lässt. Dass alles einfach im Umbruch ist. Bist du da auch in die Recherche gegangen? Das ist ja die Frage, deine Tochter fragt sich, was kann ich mal werden? und die Frage, was kann ich auch wirklich noch werden in zehn Jahren? Das ist ja was, was man gar nicht, wenn wirklich nicht, beantworten kann und ich finde da einfach immer den Kindern zu vermitteln, es gibt immer viele verschiedene, Möglichkeiten und auch wenn der Traum vielleicht nicht klappt, gibt es Dinge, die so ähnlich sind wie der Traum, die dann doch vielleicht irgendwie klappen und was ich ganz wichtig finde ist, auch wenn die Kinder eine Sache haben, die sie, wenn sie vielleicht. Klavierspieler werden wollen. Und unbedingt nur das. Aber nicht, dass sich ihr ganzer Selbstwert nur aus diesen Klavierspielen zusammensetzt. Dass wir einfach immer sagen, du hast auch noch andere Fähigkeiten. Denn wenn dieser eine Traum zerplatzt und das ist das Einzige, über das man sich definiert, dann ist das unfassbar schmerzhaft. Und immer zu sagen, du bist noch mehr als nur das. Das halte ich auch für total wichtig, um sie auch stark zu machen. Weil das ist dann noch mal ein bisschen mehr im Rucksack drin. Ja, ich glaube, das ist echt so ein Punkt, Weil man sich oft auf eine Sache so spezialisiert, die man dann merkt, da hat man ein Talent und versucht darauf hinzuarbeiten. Das ist ja ähnlich in Sportarten so. Und wenn dann vielleicht einfach eine Verletzung hinzukommt oder so und dann hat man diese eine Sache, die eigentlich sein ganzes Leben ausgemacht hat und die zerplatzt dann. Also das ist ja glaube ich auch wirklich gerade bei Sportlern auch wirklich richtig, richtig schlimm. Also diese Vorstellung, du klinierst auf Olympia hin und dann hast du kurz vorher einen Kreuzbandriss. So ein Scheiß. Furchtbare Vorstellung. Also deshalb finde ich es auch so wichtig, unseren Kindern zu vermitteln, euer Selbstwert und das, was ihr seid, ist nicht nur eine Sache. Ihr seid ganz viel. Also auch wenn die Kinder einen Traum haben, den sie doch einigermaßen fanatisch verfolgen, ihnen auch immer wieder zeigen, was sie noch können und wo noch ihre Stärken liegen. Also bist du auch immer dabei, dass du versuchst, möglichst viele Sachen zu machen, dass sie sich in viele Interessen sozusagen zu fördern? Ja, ich finde es auch ganz wichtig, dass sie sich auch mal ausprobieren dürfen, dass sie dann auch feststellen dürfen, oh, das ist jetzt doch nicht so meins. Meine Tochter hat es mit Touren probiert und hat dann halt festgestellt, nee, also das ist jetzt nicht so meins, jetzt spielt sie Handball, das ist ein bisschen robuster und körperlicher und das gefällt ihr auch viel besser. Also dann darf man dann auch einfach sagen so, nee, du musst es jetzt nicht durchziehen. Also das finde ich auch wichtig. Du sprichst viel über die gläserne Decke, die viele Frauen immer noch erleben. Wollen wir da nochmal ein bisschen reingehen? Ah, gutes Thema. Da würde ich gerne nochmal ein bisschen rein. Ja, wie können wir Eltern, vielleicht magst du es erst mal ein bisschen erklären, weil ich glaube, für viele ist es einfach noch nicht, was du damit meinst. Genau, also als ich das erste Mal über die gläserne Decke geschrieben habe, das war tatsächlich direkt nach meinem Studium, als ich angefangen habe, als Journalistin zu arbeiten, das war kurz nach meinem Diplom, habe ich einen Artikel darüber geschrieben. Und ich habe damals gedacht, das ist jetzt schon 20 Jahre her, gedacht, okay, ich schreibe jetzt über irgendetwas, das wird ziemlich bald dann auch nicht mehr da sein. Weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass es diese Beschränkung, also gläserne Decke, dadurch, dass es unsichtbar ist, dass es für Frauen sozusagen in der Karriereleiter eine Art von Beschränkung gibt, wo man nur unter bestimmten Umständen drüber hinauskommt. Also man steigt die Karriereleiter hoch und stößt an die gläserne Decke und dann fällt man wieder die Stufen runter. Und ich habe mir nicht vorstellen können, dass das noch ein großes Thema in der Zukunft ist. Ich habe damals auch Interviews und einen Artikel dazu gemacht. Aber kannst du noch mal ein paar Beispiele nennen, die für dich so ausschlaggebend waren? Ja, und man merkt das dann, also ab dem Zeitpunkt, wo man Kinder bekommt, ist es sowieso ganz klar, da ist ja auch einfach Karriereknick und Einkommensknick und alles da. Und da war dann auf einmal ganz klar auch diese Benachteiligung da. Und dann merkt man das immer wieder an dieser Art von Männerbünden. Männer haben nämlich eine Eigenschaft, die wir Frauen uns vielleicht auch sogar abgucken könnten, das ist nämlich dieses Verbünden und sich gegenseitig unterstützen und fördern. Also da habe ich während der Recherche zu meinem Buch, bin ich auch auf eine Studie gestoßen, dass in der Wissenschaft Männer, Wissenschaftler eher Wissenschaftler, also Männer zitieren als Studien von Frauen. Also die unterstützen sich da gegenseitig und das habe ich dann, als ich damals noch festangestellt gearbeitet habe, die erste Zeit festgestellt, dass die haben sich immer zum Pokerspielen getroffen und komischerweise die, die sich zum Pokerspielen getroffen haben, die waren dann irgendwie kurze Zeit später Ressortleiter oder sowas, während ich nie eine Festanstellung gekriegt habe, sondern immer nur befristete Verträge, deshalb habe ich mich dann ja auch selbstständig gemacht und lauter solche Sachen oder die gehen dann zusammen in der Mittagspause essen. Oder wenn man dann, es war ja auch so, ich musste dann immer früher los, damals hatten die Supermärkte noch nicht so lange auf und einkaufen gehen. Und bei denen haben das einfach tagsüber die Ehefrau, die Einkäufe erledigt. Das heißt, die Männer blieben alle länger, bestellten sich dann noch eine Pizza zusammen und saßen da. Und da passieren tatsächlich diese informellen Gespräche, wo du als Frau außen vor bist. Da wird Business gemacht. Ja, genau. Da werden dann die richtigen Sachen auf den Tisch gepackt. Am Stammtisch. Die Projekte verteilt, die interessanten und spannenden und von denen du dann irgendwie nie erfährst, erst wenn alles dann fertig ist. Und das hat ja tatsächlich nicht wirklich ein Ende genommen. Also das ist tatsächlich so, dass ich 20 Jahre immer noch, wenn ich mit jungen Frauen rede oder Workshops oder Vorträge halte, dass die mir genau diese gleichen Situationen erzählen. Wenn du Mutter bist, ist es ja noch viel einfacher, weil da gehst du denn um 14, 15 Uhr nach deiner Teilzeit und dann haben die ja noch ganz bequem Zeit, die wirklich wichtigen Dinge zu besprechen und dann packen sie da ihre Meetings hin und das ist leider keine Ausnahme. Und ich will denen ja gar nicht unterstellen, dass sie das bösartig machen. Ich glaube, bei vielen steckt das auch einfach so drin. Naja, die Frauen, die sitzen jetzt eh auf dem Spielplatz so und dann können wir jetzt mal das Business für die Erwachsenen machen. Ja, aber das ist ja, was du da beschreibst, ist ja sozusagen auch etwas, was sich durchzieht. Und wie können wir da als Eltern einfach unseren Töchtern helfen, dass man diese Stärken einfach noch mehr erkennt und sie auch nutzt? Also ich meine, das ist ja schon auch ein System. Das ist ein System. Und ich glaube, was wir da einfach helfen können, ist, dass wir unsere Töchter darauf aufmerksam machen, dass dieses System da ist und dass man das machen muss. Und ich glaube, Frauen müssen einen Tick lauter sein als das, was wir unseren Jungs mitgeben. Dass wirklich, dass man ein bisschen mehr machen, ermutigt immer ein bisschen lauter zu sein, ein bisschen mehr zu sein, sich nicht so zurückzunehmen, auch mal Männer zu unterbrechen, denn die unterbrechen uns ja auch immer gerne. Also da so ein bisschen zurückzuschlagen, vielleicht auch sogar mit den eigenen Waffen und. Da einfach unsere Töchter nicht dazu erziehen, brav und still und lieb zu sein, also dieser furchtbare Poesiealbum-Spruch, sei nicht wie die stolze Rose, sondern wie das Feindchen in Mose oder Sitz am Rhein irgendwie so, das ist ja total furchtbar. Also der steht auch in meinem Poesiealbum von früher noch. Und das ist ja einfach, da sollten wir uns auf jeden Fall von lösen und unseren Töchtern das auch beibringen. Und dann, glaube ich, müssen wir ihnen beibringen, das ist ja auch ein Kapitel, so heißt es ja in meinem Buch, so darfst dir Verbündete suchen. Das finde ich total wichtig, dass man einfach erst mal nicht darum scheut, um Hilfe zu fragen und andere zu fragen, hey, könnt ihr mich unterstützen? Und genauso andere zu unterstützen, weil man sieht, dass die Unterstützung brauchen. Und das ist, glaube ich, was super, super wichtig ist, was wir ihnen beibringen sollen, dass man sich gegenseitig einfach groß machen kann und dabei nicht verliert. Also ich erlebe es auch immer wieder unter Frauen. Ich hatte ja früher auch so einen Mama-Blog, als noch die Blogging-Zeit war vor Instagram-Zeiten. Und da war auch viel, dass man dann so, nee, also ich gehe jetzt nicht auf die Website, dann kriegt die ja nochmal einen Klick mehr und dann hat die noch mehr Seitenaufrufe im Monat und nicht, dass die größer werden könnte als ich. Oder dann teilt man nur von Bestimmten und nicht von den anderen. Und das ist, glaube ich, einfach Blödsinn. Wenn wir uns gegenseitig empfehlen, uns gegenseitig stark machen und da gewinnen wir viel mehr von und nur so können wir dann auch mit den Männern mithalten. Genau. Und wenn die sich die Jobs untereinander zustecken, dann sich miteinander verbünden. Und ich denke auch immer so, es kommt immer zu dir zurück. Ja, auf jeden Fall. Ich bin auf jeden Fall ein Karma-Mensch. Und ich glaube halt, auch wenn man sich manchmal erstmal nicht vorstellen kann, aber das kommt zurück. Und dieses Miteinander ist einfach auch, wenn wir uns, vor allen Dingen auch wir Frauen zusammentun, dann haben wir eine viel stärkere Stimme. Ich meine, es kommt immer mehr. Es kommt immer mehr. Aber ich glaube, wir müssen uns immer noch mal ermutigen, auch keine Angst zu haben, dass jetzt einer was weniger hat. Weil ich glaube, das ist schon noch mehr als bei Männern. Die haben nicht so viel Angst vor, dass einer was wegnehmen könnte. Das ist meine Empfindung, persönlich Empfindung. Ja, sie treten ja auch so auf. Das ist ja tatsächlich, finde ich auch. Also da kann man ruhig noch fürchtloser sein. Und ich glaube auch ganz fest daran, wir gewinnen alle nur davon, wenn wir uns gegenseitig stark machen. Ja. Deshalb kannst du ja vielleicht nochmal kurz sagen, wer sollte denn dein Buch alles lesen? Ganz, ganz viele. Möglichst alle, nein. Also es ist tatsächlich vor allem für Mütter, wobei ich glaube und fest davon überzeugt bin, dass es auch für Väter sehr gut, das zu lesen. Es ist ein sehr weibliches Buch, weil es einfach aus meiner doch sehr weiblichen Perspektive und meinen persönlichen Erlebnissen geschrieben ist. Ich habe aber auch unglaublich viel recherchiert. Also als Journalistin bin ich ziemlich quellenversessen und bin da sehr tief auch eingestiegen in verschiedene geschichtliche Sachen, psychologische Studien. Und deshalb finde ich, sollten das auch Männer lesen, auch um die Perspektive kennenzulernen. Und es ist für alle, die... Töchter haben vom ganz kleinen bis ganz groß, auch für Mütter von erwachsenen Töchtern, finde ich das total wichtig. Mir hat letztens eine gesagt, sie ist jetzt Großmutter und sie kauft sich das, damit sie weiß, wie sie mit ihrer Enkelin reden soll. Was ich auch einen total schönen Gedanken finde, weil da hat man nochmal eine andere Ebene, einen anderen Zugang und auch das eigene Erfahrung damit reinzubringen. Das fand ich total großartig. Ich finde aber auch, dass es Mütter lesen können, die Söhne haben, um einfach vielleicht auch ein bisschen ihre Söhne darauf vorzubereiten, wie sie mal mit Mädchen und mit Frauen umgehen sollen. Auch das finde ich total wichtig. Und ich habe tatsächlich in dieses Buch auch versucht. Wichtig, das ist die größte Aufgabe, die man als Jungsmama hat. Ja, das ist, finde ich auch, die irgendwie zu erziehen, dass sie mit Frauen halt nicht so umgehen, wie ganz, ganz viele Männer das zurzeit machen. Und deshalb finde ich auch, dass Jungsmamas so ein Buch durchaus lesen können und das auch, das finde ich sehr wichtig, ja. Also am 18.03. kommt es raus. Ja, genau. Und es ist auch wichtig, Bücher zu lesen. Das schreibe ich ja genau. Nicht nur lange Artikel im Printmedium. Wenn man das dann steigern will, sollte man ein Buch lesen. Es ist auch tatsächlich so geschrieben. Ich weiß ja, Eltern haben wenig Zeit. Das weiß ich aus einer Erfahrung. Es liest sich super gut rein. Genau, du hast kleine Abschnitte. Du kannst dir raussuchen, was dir gefällt. Du musst nicht hintereinander alles weglesen. Es sind Tippkästen drin, es sind Gesprächsfragen drin. Es finde ich auch immer ganz wichtig, dass man auch häppchenweise was konsumieren kann, denn der Alltag ist stressig genug. Genau, dann kann man es mal weglesen, diesmal weiter, aber es ist einfach wichtig, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, weil es ist aktueller und wichtiger denn je, dass wir unsere Kinder gut auf diese Welt vorbereiten und sie natürlich einfach, wie du ja auch sagst, einfach mutig machen und das ist glaube ich unsere größte Herausforderung und Aufgabe, ob es jetzt Mädchen und Jungen sind, sondern dass wir sie einfach auf diese Welt vorbereiten und dass man was verändern kann. und ich glaube, ich glaube. Es wird, glaube ich, noch ein bisschen dauern, aber ich habe auf jeden Fall sehr starke Hoffnung und ich glaube, die brauchen wir auch aktuell, dass man da trotzdem sozusagen in seinem Kleinen Dinge verbessert und dass wir unsere Kinder halt stärken. Und ich glaube, das Wichtigste ist dieses, wie du es auch schreibst, diese Empathie, Empathie gegenüber Menschen, über Gefühle zu sprechen, wirklich zuzuhören den Menschen und zu sehen und auch wieder in Diskussionen zu kommen. Und ich glaube, das ist ja auch etwas wieder wichtig, dieses am Küchentisch überhaupt generell. Du hast ja auch Jugendliche, wir haben ja auch schon mal beim letzten Mal über die Pubertät gesprochen, aber einfach so in dieser Kommunikation mit unseren Kindern zu sein, ist glaube ich, ist ja schon manchmal nicht einfach mit dem Partner oder Partnerinnen, aber dass wir in dieser Kommunikation bleiben, weil das ist etwas gerade, was ja so untergeht. Total. Also deshalb habe ich da auch wirklich diese Fragen für Gespräche, dass man auch ein bisschen vielleicht so einen Aufhänger findet, worüber man reden kann. Und ich glaube, das ist sowieso das, dass wir einander zuhören. Auch das können wir unseren Kindern ja vormachen, wie das geht, indem wir ihnen einfach mal zuhören. Und dadurch lernen sie das ja auch. Und das finde ich total wichtig in der heutigen Zeit. Ja, vielen Dank, liebe Nathalie. Ja, danke, dass ich wieder bei dir sein durfte. Leider diesmal nicht persönlich, aber das hören wir nach. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg für die Veröffentlichung. Ich freue mich reinzulesen. Also ich habe ja schon reingelesen, etwas in den Händen zu halten. Ich finde ja immer so ein Buch ist immer was anderes, als ich durfte ja schon mal einmal in deinem PDF zu lesen. Ich wünsche dir alles Gute und vielen Dank für deine wichtige Arbeit. Was ich noch sagen wollte, du warst ja auch, ich war gestern leider, heute ist Dienstag, wo wir aufnehmen, Donnerstag kommt die Folge raus. Du warst gestern ja, da wollte ich nochmal ganz kurz, schön auf der Straße. Ich hatte leider eine sehr, sehr schmerzhafte Zahn-OP am Freitag. Ich habe noch ein bisschen Recovery. Aber kannst du nochmal kurz erzählen, du hast gestern ja auch demonstriert. Wie war das? Ja, ich war tatsächlich beim Frauenstreik und habe hier in Lübeck, es waren dann doch überraschend viele da, am Anfang war es so kleckerweise und ich habe über die Erschöpfung von uns Müttern geredet und wie das auch strukturell bedingt ist und das war sehr schön, es waren sehr, sehr viele unterschiedliche Frauen in völlig verschiedenen Alters da und die Sonne hat geschienen und wir waren auf einem sehr schönen Platz hier in Lübeck und es war sehr, sehr nett. Ja, danke für deinen Beitrag und auch danke, dass du einfach immer wieder mit deiner Arbeit als Journalistin und Autorin auf diese wichtigen Dinge aufmerksam machst. Vielen, vielen Dank. Dankeschön. Ein ganz guten Gruß an dich. Danke. Tschüss. Tschüss. So, das war schon wieder unsere Folge für diesen Donnerstag. Vielen Dank, dass ihr zugehört habt. Ich finde es einfach ein sehr, sehr wichtiges Thema und ich finde, wir können nicht genug darüber sprechen. Dass wir einfach eine richtig große Aufgabe als Eltern in diesen extremen Zeiten haben, unsere Kinder einfach mutig und selbstbewusst in die Zukunft zu bringen und sie zu stärken, ihre Resilienz zu stärken und deshalb war das für mich einfach nochmal ein schönes Gespräch mit Nathalie und ich denke auch, das ist einfach ein tolles Buch und gerade auch die Generation vor uns, also was die Großeltern betrifft, da haben wir auch nochmal eine Aufgabe, aber so, dass wir das wirklich einfach gemeinsam machen, gerade weil es einfach auch so schnelllebig gerade ist, weil wir diese ganz andere Zeit, ich merke es ja selber gerade mit meinen Teenager-Kindern, durch Social Media sie wirklich einfach immer wieder einzufangen, mit ihnen in die Diskussion zu gehen. Und das ist wirklich, ich muss euch ganz ehrlich sagen, das ist wirklich eine so große Aufgabe. Das ist ein krasser Job, also den man da jeden Tag hat. Und deshalb kann ich euch da einfach nur ermutigen und immer wieder auch auf die Schulter klopfen, Und dass wir da einfach eine riesengroße Aufgabe haben. Aber es lohnt sich für eine bessere Zukunft. Und ich hoffe einfach, dass sich die Zeiten ändern. Und dass wir vielleicht irgendwann wieder sagen können, okay, das war hart, aber es wird besser. Und deshalb... Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich habe noch einen kleinen Mythen-Check für uns heute. Zum Abschluss noch eine ermutigende Perspektive, nämlich im Buch Im Grunde Gut zeigt der Autor und Historiker Rutger Bregmann, dass viele psychologische und historische Befunde dem verbreiteten Glauben widersprechen, der Mensch sei von Natur aus egoistisch oder gewalttätig. Evolutionsbiologisch habe sich nicht der Stärkste durchgesetzt, sondern der Kooperativste. Empathie, Zusammenarbeit und soziale Verbundenheit waren entscheidende Faktoren für unser Überleben. Auch Erkenntnisse aus der Katastrophenforschung sprechen dafür. In Krisensituationen reagieren Menschen meist solidarisch und hilfsbereit, statt in Panik oder Gewalt zu verfallen. Seine zentrale These, unser pessimistisches Menschenbild, ist vor allem historisch und kulturell geprägt. Die wissenschaftliche Evidenz deutet jedoch stärker darauf hin, dass Kooperation und Mitgefühl tief in uns verankert sind und der Mensch im Kern deutlich sozialer ist, als wir oft denken. Ich finde, so schließen wir einfach diese Folge für heute. Mitgefühl ist tief in uns verankert und ich wünsche euch eine wunderbare Woche und hoffe, dass wir uns nächste Woche wiederhören. Bis dahin, alles Liebe. Wenn dir diese Folge gefallen hat, würde ich mich riesig freuen, wenn du den Podcast abonnierst und eine Bewertung oder einen Kommentar hinterlässt. Du hast Fragen an mich, Ideen für Themen oder möchtest deine Geschichte mit mir, mit uns teilen? Dann schreib mir einfach an sissy-ohren.com und ich freue mich riesig über deine Nachricht. Das war Sounds Familiar, der Eltern-Podcast mit Hebamme Sissi Rasche. Eine Produktion von Auf die Ohren. Redaktionelle Leitung Katharina Kern. Aufnahmeleitung Lena Günther. Sounddesign und Postproduktion Milan Feig.