Ihr Lieben, es ist Donnerstag und es gibt eine neue Folge für euch von Sounds Familiar. Und wer mich kennt als Hebamme, wer meine Arbeit kennt, der wird immer wieder von mir hören, dass Geburtshilfe immer mehr zum Luxus wird und dass sich die Leute, die sich das leisten können, ihre perfekte Geburt einfach kaufen können. Und das ist natürlich nicht der Sinn und Zweck der Sache, sondern es sollte für alle Personen einfach gleichgerecht sein, dass Geburt kein Luxus ist und alle gebärenden Personen einfach gut unter der Geburt betreut sind. Und das ist zwar nicht unser Thema heute, aber wenn man es größer denkt, werden Kinder einfach immer mehr zum Luxus. Für dieses Thema habe ich mir die perfekte Gästin eingeladen, nämlich Mareike Kaiser. Sie ist deutsche Journalistin und Autorin mit einem klaren Fokus auf soziale Gerechtigkeit, Inklusion und Vereinbarkeit. In ihrer Arbeit bewegt sie sich an der Schnittstelle von Gesellschaft, Politik und persönlicher Lebensrealität. Oft natürlich geprägt von eigenen Erfahrungen als Mutter, eines behinderten Kindes, was sie gepflegt hat. Mit ihrer direkten, reflektierten und zugleich zugänglichen Sprache schafft sie es, komplexe Themen emotional greifbar zu machen und gesellschaftliche Debatten anzustoßen. Und genau darüber möchte ich heute mit Mareike reden und freue mich, dass sie bei mir zu Gast ist. Herzlich willkommen, Mareike. Ihr Lieben, ich habe es dir eben schon angekündigt. Mareike Kaiser ist heute bei mir zu Gast. Ich freue mich sehr. Und als ich dich eben angekündigt habe, erstmal hallo, liebe Mareike. Schön, dass du da bist. Hi, danke für die Einladung. Habe ich gesagt, dass mein großes Thema ja ist, ich bin ja Hebamme, dass Geburt immer mehr zum Luxus wird, weil wir einfach keine flächendeckende Versorgung mehr haben. Und unser Thema ist es ja, werden Kinder immer mehr zum Luxus? Und das fängt ja nun mal bei der Geburt an. Und da ist meine Beobachtung so, jemand, der sich es leisten kann, der kann sich einfach die perfekte Geburt kaufen. Und alle anderen, die das sozusagen nicht können, die müssen halt reinschauen. Und da fängt, finde ich, für mich schon das Grundproblem, was wir aktuell haben, was wir Hebammen uns ja auch beschweren, dass es einfach nicht egal ist, wie wir geboren werden, aber es ist nicht für alle gleich. Wie empfindest du das auch so? Ja, ich würde sagen, das ist ja so ein Punkt von einem Gesundheitssystem, wo wir ja oft sagen, das ist ein Zweiklassensystem. Es ist ja nicht nur rund um Schwangerschaft und Geburt so, sondern ganz generell, wo kriegt man überhaupt noch medizinische Termine? Wer kriegt medizinische Termine? Wer ist bei welcher Kasse versichert oder privat? Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es? Wer kann die sich leisten? Und genau, das ist natürlich ein Thema von Geld, aber auch von Zeit und von anderen Ressourcen. Das finde ich auch total wichtig, weil da geht es ja auch ganz viel um so gesundheitliche Bildung, würde ich es mal nennen. Überhaupt zu wissen, diese Möglichkeiten gibt es überhaupt. Vielleicht auch zu wissen jetzt rund um Schwangerschaft und Geburt, du hast verschiedene Möglichkeiten, wo und wie du dein Kind zur Welt bringen kannst. Du kannst irgendwelche Geburtsvorbereitungskurse machen. Auch das ist ja oft mit Geld, aber eben auch mit Zeit und eben mit den Ressourcen, sich überhaupt Gedanken darüber zu machen, verbunden. Und viele Menschen haben das gar nicht. Das ist auf jeden Fall ein ganz starkes Thema, dass man ja auch einfach gar nicht oft weiß, was einem vielleicht auch für Sachen auch von den gesetzlichen Kassen zustehen, dass dieser Zugang dazu, dass man erstmal eine große Recherche machen muss, um einfach zu wissen, ah, das steht mir zu und das wird vielleicht auch übernommen. Also dieses Ganze dahinter ist es zwar einfach, aber dass man das dann auch wirklich bekommt, ist halt einfach ein großer Rattenschwanz, der für viele Menschen ja auch einfach gar nicht möglich ist, weil sie das nicht können. Total. Und wenn wir uns jetzt irgendwie zum Beispiel, weiß ich nicht, eine alleinerziehende Mutter vorstellen, die vielleicht schon ein Kind hat und sowieso finanzielle Probleme vielleicht einen Job hat, der irgendwie stressig ist und jetzt kommt irgendwie das nächste Kind, das dann vielleicht auch ungeplant ist. Also wir gehen ja so ganz oft, wenn wir so über Schwangerschaft, Geburt reden, dann stellen wir uns so ein heteronormatives Idealbild vor. Aber die Realität, das weißt du auch als Hebamme, sieht oft sehr anders aus als das, was wir so in Magazinen und auf Social Media sehen. Und da gibt es eben viele Personen, die dann ja gar keine Zeit und gar keine Energie haben, sich da jetzt so großartig Gedanken zu machen und da kann ich mir gut vorstellen, dass du dann ja auch an so einem Punkt oft in Familien kommst, wo du dann wahrscheinlich denkst, ach Mensch, schade, dass ihr das und das nicht wusstet oder dass ihr das und das nicht in Anspruch genommen habt. Ja, oder dass man da halt einfach gerade ansetzt, also sozusagen, aber oft ist es ja auch so, sodass gerade diese Familien einfach gar nicht die Dienste einer Hebamme in Anspruch nehmen. Und dadurch kommt man ja dann wirklich noch später daran. Das ist nochmal ein anderes Thema. Aber das finde ich halt so zum Beispiel Mütterpflegerinnen, also die sich ja wirklich um, gerade auch wie du gerade angesprochen hast, ein großes Thema sind ja Alleinerziehende, die einfach Hilfe brauchen. Das wissen halt ganz viele Leute nicht. Und dann kommt die bürokratische Hürde. Das ist ja auch, dass man so einen Antrag stellen muss, dann wird ja erstmal abgelehnt. Aber wie man weiß, wenn man dann noch ein zweites Mal fragt, dann wird es meistens dann doch bewilligt. Ja, das ist ein total wichtiges Thema, das du ansprichst. Ich recherchiere gerade tatsächlich genau dazu. Also als Journalistin beschäftige ich mich ja auch viel mit Teilhabe, mit wie können Menschen eigentlich dabei sein, aber auch wie können Menschen eigentlich zu ihrem Recht kommen. Und ich recherchiere gerade zum Thema Krankenkassen. Vielleicht ist die Recherche sogar schon gedruckt, beziehungsweise online, wenn der Podcast erscheint. Ich bin mir aber nicht ganz sicher. Und das, was du gerade angesprochen hast, da gibt es ja einen Begriff für. Und das ist strukturelle Diskriminierung. Und das umfasst zum Beispiel, wenn Leute von einer Ärztin, von einem Arzt gesagt bekommen, hier, das brauchst du, dann wird ja der Antrag an die Krankenkasse geschickt. Und ganz oft lehnen Krankenkassen zum Beispiel für Hilfsmittel. Zum Beispiel Rollstühle oder so, die Anträge werden abgelehnt. Und erst wenn du einen Widerspruch schreibst, dann kriegst du vielleicht dann doch das Hilfsmittel, was du brauchst. Oder es gibt natürlich auch noch viele andere mögliche Zwischenschritte, dass man dann nochmal zum medizinischen Dienst muss und dann vielleicht noch eine Anwältin einschalten muss und so weiter und so fort. Und das alles kann man eben unter diesem Begriff strukturelle Diskriminierung zusammenfassen, weil Krankenkassen ja damit rechnen, dass viele Menschen nicht wissen, dass du überhaupt einen Widerspruch einlegen kannst. Und da nehme ich mich zum Beispiel auch nicht aus. Ich finde das auch immer so wichtig, dann das Thema nicht nur so zu beschreiben, als wenn das halt Leute betreffen würde, die, ja weiß ich nicht, eben sowieso, also wird ja oft so als bildungsfern, auch schwieriges Wort, so beschrieben. Aber auch ich war in meinem Leben schon in Situationen, wo ich einfach überfordert war von irgendwelchen Krankenkassenbriefen. Jetzt zum Beispiel in der Recherche musste ich mich durch ziemlich viele Krankenkassenbriefe lesen und bin wirklich verzweifelt daran. Und genau, also das finde ich halt total wichtig auch zu sagen und zu zeigen, dass da so eine Struktur dahinter steckt, die eben auch will, dass Menschen oft nicht zu ihrem Recht kommen, weil man dadurch ja am Ende Geld spart, wenn niemand einen Widerspruch einlegt. Das finde ich ganz gut, dass du das einfach sagst, dass es einfach Menschen wie dich und mich betrifft, weil ich kann da auch ein Lied von singen, wenn ich sozusagen von meiner Krankenkasse eine Ablehnung kriege, dann denke ich erstmal so, ja okay, die werden schon wissen und so diesen Aufwand zu betreiben, aber auch die Ressourcen zu haben in meinem, in den Alltag sozusagen da jetzt wieder wirklich so nochmal Einspruch zu erheben, das ist ja einfach auch ein zeitliches Problem, was Eltern haben, Eltern oder auch Nicht-Eltern, aber das ist einfach immer so. Aber erstmal ist man ja auch so als Bürger so, okay, die haben Nein gesagt, also ich akzeptiere das Nein. Also man hat ja auch so diese, okay. Also das ist ja wirklich für mich auch immer so eine Überwindung, da dann einfach weiterzugehen und auch einfach ein Zeitproblem. Total, genau. Und ich finde es auch, ich finde auf der einen Seite wichtig eben zu sagen, das passiert auch dir und mir und auch wir sind davon betroffen. Und gleichzeitig aber auch zu gucken, wen betrifft es dann vielleicht nochmal krasser. Weil jetzt zum Beispiel wir beide brauchen keinen Rollstuhl, um uns fortzubewegen. Also da geht es dann vielleicht auch um wichtige Sachen, aber jetzt nicht so um existenzielle Sachen. Aber zum Beispiel bei den Briefen von der Krankenkasse, wer versteht die denn noch schlechter als wir beide? Weil eine Person vielleicht auf leichte Sprache angewiesen ist. Und Krankenkassenbriefen sind ja in allem anderen geschrieben, aber nicht in leichter Sprache. Oder zum Beispiel, weil die Menschen vielleicht noch nicht so super gut Deutsch verstehen. Und dann ist ja so ein Brief eben noch mal schwieriger. Also da finde ich eben auch total wichtig, ja, das betrifft uns und es betrifft andere aber eben noch mehr. Und deswegen wäre das so wichtig, dass sich da was ändert. Eben für uns alle, aber vor allem für die Menschen, die halt existenziell betroffen sind und vielleicht eben kein einziges Wort verstehen und ganz dringend irgendwas brauchen. Ja, ich habe, bevor wir auf unser Thema zurückkommen, ich war vor einigen Wochen eingeladen, wo gemeinnützige Vereine vorgestellt wurden. Und da hat sich genau ein Verein sich genau mit dieser strukturellen Diskriminierung beschäftigt, was du gerade gesagt hast, dass einfach wir in Deutschland ja auch so viele Gelder haben, die man beantragen kann, aber gerade Familien, die davon betroffen sind, gar nicht davon wissen und dass der bürokratische Aufwand zu groß ist, dass dieser Verein sich sozusagen zur Aufgabe gemacht hat, gerade großes Thema sind alleinerziehende Mütter, da werden wir auch nochmal drauf kommen, einfach diese ganze Bürokratie abzunehmen, man gibt ein, was man braucht und die übernehmen sozusagen die ganze Korrespondenz mit den öffentlichen Kassen, um einfach diesen Familien zu helfen, dass sie an die Gelder kommen, die auch zustehen. Weil sie einfach davon betroffen sind. Und das fand ich einfach super. Das werde ich auch nochmal verlinken, weil das wissen natürlich noch nicht so viele und genau wahrscheinlich die Leute, die davon betroffen sind, erst recht nicht. Aber das finde ich einfach eine ganz tolle Idee, einfach zuerst. Menschen zu helfen, einfach diese Bürokratie, weil die Gelder, die sind da, aber werden dann nicht genutzt. Ja, das ist ein total wichtiger Punkt, den du ansprichst und bestimmt auch super, dass es so einen Verein gibt, aber eigentlich voll, mir fällt gerade kein besseres Wort ein als Scheiße, dass es so einen Verein überhaupt geben muss, weil eigentlich ja die Politik dafür zuständig wäre, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sowas nicht sein muss. Also das erinnert mich so an auch so ehrenamtliches Engagement zum Beispiel von Menschen in der Tafel, wo man so, wenn man drüber nachdenkt, dann eigentlich so denkt, warum gibt es denn überhaupt die Tafeln? Warum gibt es denn überhaupt armutsbetroffene Menschen, die da hingehen müssen, um sich einigermaßen okay zu ernähren? Warum lässt dieser Staat dann überhaupt die Armut zu, damit das so ist? Und dann gibt es halt Leute, die ehrenamtlich oder eben so einen Verein gründen, sich dann dafür engagieren und nichts gegen zivilgesellschaftliches Engagement ist halt total super, wenn Menschen das machen. Aber eigentlich, finde ich, wäre das die Aufgabe von PolitikerInnen, dafür zu sorgen, dass Menschen eben zu ihrem Recht kommen. Also zum Beispiel zum Elterngeld oder zu was für anderen Unterstützungsmöglichkeiten. Und ich muss da total an die Kindergrundsicherung denken. Vielleicht erinnerst du dich noch an die Diskussion rund um die Kindergrundsicherung, weil genau darum ging es ja eigentlich damals, dass man eben verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten für Familien bündelt, zusammenfasst und leichter zugänglich macht. Und vielleicht erinnerst du mich auch noch, es war eine sehr kurze Debatte und irgendwann hat niemand mehr über die Kindergrundsicherung gesprochen, Weil dann gab es irgendwie wieder andere Sachen und andere Sachen waren wichtiger und jetzt müssen sich trotzdem wieder einzelne Leute durchs Internet wühlen und recherchieren und kriege ich hier Wohngeld oder nicht und wo beantrage ich das? Und es lag schon mal quasi so auf dem Tablett, dass man da hätte was bewegen können, aber ja, jetzt sind andere Dinge wieder wichtiger. Das ist ja, glaube ich, auch ein ganz großes Thema zu den wichtigen Punkten, die wir ja auch beide wirklich immer ansprechen, dass man dann auch am Ende, die Arbeit ist so wichtig, die du täglich machst, aber so geht es mir oft, dass man immer wieder über diese Dinge aufklärt, über die Missstände, die wir haben, aber dann macht man was, dann wird eine Petition gestartet, die ist eigentlich erfolgreich, aber so dieses Durchsetzen von Gesetzen oder dass wir vorankommen, das ist ja einfach. Und so ist es auch mit dem Thema Kindergrundsicherung, wo du es jetzt gerade ansprichst. Ja, es ist natürlich wieder so verlaufen und keiner spricht mehr darum. Ja, weil eben die Leute, die ja Politik machen, nicht bis wenig davon betroffen sind. Also Friedrich Merz, was kümmert denen die Kindergrundsicherung? Gar nichts. Also die Enkel von dem, die brauchen kein Geld vom Staat. Also er brüstet sich ja immer damit, dass er ja Kinder und Enkelkinder hat. Aber ich glaube, was es dann eben wirklich bedeutet, du meintest ja ganz am Anfang Kinder als Luxus. Ich weiß gar nicht, ob ich das als Luxus beschreiben würde. Aber dass Kinder irgendwie was kosten und dass Kinder auch zum Beispiel ein Armutsrisiko sein können, ich weiß nicht, also Friedrich Merz, ob der das verstanden hat im emotionalen Sinn. Weißt du, so im Sinn von, ob der das fühlt. Naja, ich möchte eigentlich nicht über die Gefühle von Friedrich Merz sprechen, aber du weißt schon, wie ich das meine. Also da ist einfach, da brauchen wir natürlich Menschen, die auch irgendwie davon betroffen sind, damit die auch am Ball bleiben und das umsetzen. Und naja, da kommen wir dann natürlich wieder zum nächsten Problem. Wer hat überhaupt Zeit, Energie, Geld, Ressourcen, um sich in der Politik zu engagieren, für eine Lobby zu sein, für Kinder, für Eltern, für Mütter. Auch das ist ja so ein, wie nennt man das, da beißt sich die Katze in den Schwanz oder so, sagt man so. Oder halt einfach so ein ständiger Kreislauf, der es einfach nicht besser macht. Vielen Dank. Aber ich finde schon, dass wir darüber reden sollten, welche aktuellen Entwicklungen wir einfach haben, dass man schon den Eindruck hat, dass Kinder zu bekommen immer teurer wird und dass es wirklich auch ein Luxus ist, Kinder zu bekommen, weil die Bedingungen für Familien, das fängt ja an sozusagen, wie ich finde, mit der Geburt. Dann kommen wir, klar, jetzt haben wir einen Geburtenrückgang, wir haben wieder mehr Betreuungsplätze, aber sind die Betreuungsplätze wirklich gesichert durch Fachpersonal, was nicht vorhanden ist? Dann kommen wir in unser Bildungssystem, was veraltet ist. Absolute Katastrophe. Absolute Katastrophe, dass unsere Kinder nicht auf die Welt von morgen vorbereitet und dass natürlich wir hier wieder zum strukturellen Ungleichgewicht kommen, dass halt Familien, die sich sozusagen privilegiert sind, da schon alle durchbringen, aber dass halt Menschen, die halt einfach nicht diese Möglichkeiten haben, schon überlegen müssen, können wir das irgendwie stemmen? Ja, ich habe tatsächlich vor ein paar Tagen so einen Instagram-Post gesehen. Ich weiß es nicht mehr ganz wörtlich, aber so sinngemäß war das, die Schwangerschaft ist für eine Frau ein Armutsrisiko. Und da würde ich auch auf jeden Fall mitgehen, eben so, Gerade wenn wir darüber nachdenken, du hattest Alleinerziehende jetzt schon angesprochen. Alleinerziehende sind ja auf der einen Seite die Familienform, die so am stärksten wächst. Also es gibt immer mehr alleinerziehenden Familien. Und auf der anderen Seite ist die Bevölkerungsgruppe, die am stärksten von Armut betroffen ist, sind Alleinerziehende. Und damit sind natürlich nicht nur die Alleinerziehenden von Armut betroffen, sondern auch ihre Kinder. Und klar, also mit dem Wissen, es gibt ja auch tatsächlich immer mehr Menschen, die für sich entscheiden, ich möchte eigentlich kein Kind in diese Welt setzen. Und ich glaube schon, dass so in der aktuellen Situation auch finanzielle Gründe immer mehr eine Rolle spielen. Wie ist das? Da würde ich auch die Frage so ein bisschen tatsächlich an dich zurückgeben. Genau, weil du ja auch viel mit Familien, also Familien mit Babys zu tun hast. Da habe ich eh letztens so gedacht, was für ein Glück muss das sein, also gerade in dieser Weltlage einfach regelmäßig Babys auf dem Arm haben zu dürfen. Also falls irgendjemand mir mal eins geben will, für kurz auf dem Arm halten, bitte melden, weil das echt ein Riesengeschenk ist, finde ich, und auch so erdet. Also nochmal ein Baby haben möchte ich nicht, das möchte ich auch explizit betonen, aber mal so ab und zu so Babys auf dem Arm haben, ist schon schön, oder? Ja, das ist auf jeden Fall schön. Und ich finde ja eher so noch den, ich mache ja noch wirklich Geburtshilfe in der 1 zu 1 Betreuung. Das heißt, dass ich ja auch meine Familien wirklich richtig gut kenne. Und ich finde immer jedes Mal, deshalb kann ich davon auch noch nicht aufhören, auch wenn es sich sozusagen die Bedingungen sehr schwierig sind. Aber so, ich finde immer, wenn so ein Kind die Welt abblickt, dann bleibt immer, egal was da draußen für schwierige Menschen gerade die Welt regieren, aber es bleibt einfach kurz so alles mal aufhören. Also man vergisst alles drumherum. Es ist wirklich immer so ein besonderer Moment, wo wirklich alles egal ist, was gerade so draußen passiert. Und so stelle ich mir das eigentlich auch immer auf der ganzen Welt vor, auch egal in welchen Situationen, wenn so ein Kind die Welt erblickt, ist immer ganz kurz einmal so, alle sind so wie, es gibt so einen ganz besonderen Zauber. Auf jeden Fall kann das schon sehr beruhigen, weil in der aktuellen Situation, die wir ja auch als Eltern stecken, ist das ja wirklich nicht sehr einfach. Deshalb, da hast du auf jeden Fall recht. Ich bin auch sehr dankbar, dass ich immer kurz in diese anderen Herausforderungen eintaufen kann, die junge Familien haben. Und wie ist das dann? Also merkst du, dass das jetzt mehr Thema ist als vielleicht noch vor zehn Jahren oder so? Du machst das ja auch länger. Also so Finanzielles und Ressourcen und wie mache ich das alles? Das merkst du schon in deiner Arbeit? Ja, also ich glaube einfach, weil wir ja natürlich immer mehr Sichtbarkeit auch dafür kriegen, auch wenn natürlich sie noch nicht gewertschätzt ist über das Thema Care-Arbeit, aber es wird auf jeden Fall immer mehr Thema. Also es trägt ja schon in dem Sinne Früchte, dass sie sichtbarer wird und ich natürlich in der Blase lebe hier in Berlin, aber dass man auch merkt, dass Partner. Partnerinnen, wie auch immer die Familienkonstellationen sind, die sind bunt, Aber dass man einfach merkt, dass einfach diese Arbeit, diese tägliche Care-Arbeit, dass sie einfach mehr Bedeutung bekommt und vor allen Dingen auch Sichtbarkeit und dass es einfach eher zur Arbeit gehen auch Erholung ist. Also es ist so, weil man sich und diese Doppelbelastungen, also was Kinder Erwerbsarbeit haben, dann Care-Arbeit haben, also das ist auf jeden Fall ein großes Thema und dass man sich schon überlegt, ist da noch ein zweites Kind drin oder ist unser Leben jetzt einfach so, okay, das können wir gerade so stemmen, aber ein zweites oder drittes Kind würde schon diesen ganzen Kreislauf durcheinander bringen. Das sind auf jeden Fall Themen, mit denen ich merke, wird sich mehr beschäftigt, weil natürlich alle Sachen teurer werden, Betreuung muss, Frauen möchten natürlich früher wieder in den Beruf, aber, Das muss natürlich auch, wohin mit den Kindern? Also das ist ja, also es ist schon ein Kreislauf und ich finde schon, das ist in den letzten Jahren, ich bin jetzt glaube ich 17, fast 8 Jahre Hebamme, das ist auf jeden Fall ein großer Gefahr. Und natürlich auch, was ich sehr schwierig finde, ist, dass wir alle sehr isoliert sind. Also Familien, weißt du, dieser Austausch, du sprichst ja auch oft, man hat ja gar nicht Zeit, man sagt dann halt irgendwie, sich mit Freundinnen zu treffen, Freundschaften zu pflegen, wenn man in seinem täglichen Hamsterrad ist, das ist ja einfach gar nicht leicht, diese ganzen Sachen auf sich selber aufzupassen und das zu tun, weil man einfach, ja wie so ein Hamsterrad, also kennst du ja sicher selber. Also man geht so durch den Alltag und da ist einfach wenig Zeit. Ich finde es so wichtig an dem, was du gerade gesagt hast, dass das ja auch so, also ich bin ja immer so Fan davon, das eben nicht nur so persönlich zu besprechen, sondern auch politisch zu besprechen, weil ja die Politik bestimmt, in welchen Rahmenbedingungen wir leben. Also jetzt zum Beispiel gibt es ja diese Neuerung vom Elterngeld, ist das glaube ich, dass man das jetzt nicht mehr zumindest beim zweiten Kind oder so irgendwie so kompliziert beantragen muss und das einfach leichter läuft, wo man auch so denkt, eigentlich ist das so bare Minimum, aber okay, freuen wir uns mal darüber. Und da sieht man ja eben, dass so Politik Rahmenbedingungen dafür schafft, so wie einfach ist das Leben oder vielleicht auch wie schwierig ist das Leben. Und das, was du gerade gesagt hast, betrifft halt so viel politische Themen. Also zum Beispiel muss ich direkt an Wohnungspolitik denken. Also ich kenne viele, ich weiß gar nicht, ob so viele, aber ich kenne ein paar auf jeden Fall Familien, die sagen würden, ach doch, wir hätten schon noch gerne ein zweites oder ein drittes Kind, aber wo dann auch klar ist, okay, irgendwann müsste man dann vielleicht doch in eine größere Wohnung umziehen und ich meine selbst, also vor allem in Berlin, aber eben ja auch in anderen Orten dieses Landes ist ja einfach ein Umzug. Also ich weiß auf jeden Fall, dass ich nur ein Lotto gewinne oder so könnte dafür sorgen, dass ich in diesem Leben innerhalb von Berlin nochmal umziehen kann. Und das ist ja auch schon was Existenzielles eben zu wissen, das geht dann vielleicht nicht. Natürlich gibt es dann doch immer irgendwelche Leute, die, weiß ich nicht, zu fünft in einer Einraumwohnung wohnen, weil sie dann vielleicht auch einen Handwerkspartner, Partnerin haben, die dann irgendwie was Tolles daraus machen kann. Ich kann gerade sagen, noch mehrere, man kennt das in den Berliner Altbauwohnungen, es werden immer noch ein paar Ebenen geschaffen, also Hochebenen. Aber auch dafür braucht man dann natürlich wieder Ressourcen, um das irgendwie zu machen und sei es halt eine handwerklich begabte Person und Holz. Also ich hätte zum Beispiel beides nicht, aber was ich damit sagen will, ist, dass es eben…. Nicht einfach so vom Himmel fällt, wie gerne wir uns für Kinder entscheiden und wie gerne und gut wir uns für Kinder entscheiden, sondern dass das eben abhängig ist von Rahmenbedingungen, die meistens von Männern geschaffen wurden, die meistens ohne Kinder leben oder mit Kindern leben und Frauen haben, die die Care-Arbeit für diese Kinder übernehmen. Und ja, woher sollen die es denn auch wissen? So ein bisschen meine ich das jetzt auch ironisch, weil natürlich können sie es wissen, weil sie können meistens auch irgendwelche Bücher lesen, feministischen Autorinnen zuhören, das sagen, was Feministinnen seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten sagen. Aber es passiert halt nicht. Und ich finde das immer super wichtig in Gesprächen rund um Familie und darum, was uns das Leben schwer macht, nicht immer nach individuellen Lösungen zu suchen. Also zum Beispiel nicht nur zu gucken, wie kann ich jetzt Care und Erwerbsarbeit mit meinem Partner oder meiner Partnerin aufteilen, sondern weiter den Blick nicht zu verlieren, was dahinter steckt und welche Politiken es bräuchte, damit sich alle dafür oder dagegen entscheiden können, ohne irgendwie zurückstecken zu müssen. Weißt du, wie ich meine? Ja, also wie gesagt, Mutter sein ist politisch, Familie sein ist politisch und das ist halt unsere Aufgabe, da immer wieder drauf zu werden. Ich glaube aber nur, und da bin ich über deine Meinung gespannt, du schreibst ja auch seit so vielen Jahren darüber, dass man. Gerade wenn man sich da so viel mit beschäftigt und so viel auch auf die Missstände und auf die Rahmenbedingungen, die wir eigentlich schaffen müssten, schaffen, dass man, geht es dir nicht manchmal auch so, dass du davon erschöpft bist, also dass du einfach sagst, so, oh, ich rede eigentlich, ich meine, du wirst aus so viele Panel-Talks eingeladen, machst immer wieder auf diese ganzen wichtigen Themen aufmerksam, aber vom Reden ändert sich ja halt nichts, ne, also, Total. Also bei mir ist es auch so, dass ich zum Thema Care-Arbeit eigentlich gar nicht mehr so gerne rede, weil ich das Gefühl habe, ich habe mich daran abgearbeitet. Ich habe wirklich alles gesagt, was ich dazu sagen wollte. Also habe ja auch das Buch geschrieben, das Unwohlsein der modernen Mutter, habe viele Vorträge gehalten, Aufklärungsarbeit auf Social Media gemacht und so weiter und so fort. Und ja auch noch viel früher den Blog Kaiserinnenreich gegründet, wo es um pflegende Eltern von behinderten Kindern geht. Und einfach so, also ich habe wirklich das Gefühl, ich habe zum Thema Care-Arbeit alles gesagt, was ich sagen konnte. Und auf jeden Fall bin ich oft von den Debatten erschöpft und manchmal aber auch so ein bisschen amüsiert. Da bin ich auch gespannt, wie es dir geht, Wenn ich dann zum Beispiel so Bücher sehe von Neumüttern, die dann eigentlich genau das schreiben, was alle schon seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten eben geschrieben haben, wenn man es hätte lesen wollen, aber das für sie dann so ist, als wäre das eine neue Entdeckung. Und das meine ich gar nicht irgendwie negativ oder so, aber also zum Beispiel Carolin Kebekus, die ich auch super finde und auch ihr Buch ist bestimmt total super, aber dann kommt das so und dann ist das so, ah, endlich sagt's mal eine. Und ich glaube aber, ganz viele feministische AutorInnen sitzen zu Hause und denken so, ja, okay, also so wie die und die vor zehn Jahren und die und die vor 20 Jahren. Und das finde ich auch gerade rund um Familie, Geburt und so auch so total interessant und das wirst du ja vielleicht auch als Hebamme oft erleben oder, dass man irgendwie, dass du dich auch so mit so Themen beschäftigst, eben seit was weiß ich, 20 Jahren oder so und dann kommst du irgendwo hin und dann ist es vielleicht, super neu für andere Leute irgendwas, was für dich einfach so total klar ist? Ja, aber das ist ja das Gefühl, was du ja auch gerade schreibst, du bist so super müde von deinem Thema Care-Arbeit, du hast was selber pflegende Mutter. Man hat darüber berichtet, also ich meine, das ist ja auch nochmal ein Thema, wo ich gerne nochmal rein will, weil das ist ja auch etwas so pflegende Elternschaft, ja. Wie viel strukturelle Diskriminierung haben wir einfach da? Also ich meine, mehr geht es ja einfach nicht. Also jeder, der als Hebamme immer Familien, die pflegend sind, betreut hat. Da braucht man einfach schnelle Lösungen und auch da sind wieder tausend Ansträge. Du hast vorhin gesagt, wenn man den Rollstuhl braucht, dann braucht man ihn gleich und nicht erst in sechs Wochen. Dann braucht man eigentlich auch den, der gut ist und nicht irgendwie so ein... Ja, also das ist ja auch so, dass da auch die Hilfsmittel einfach nicht dann die einfachsten Sachen zur Verfügung gestellt haben. Da wird Geld gespart einfach. Und das steht dann zum Beispiel auch Also nochmal auf diese Krankenkassenrecherche von mir zurückzukommen. Wie gesagt, ich habe da ziemlich viele Briefe auch gelesen von Krankenkassen und das steht auch drin. Also da steht dann zum Beispiel, aus wirtschaftlichen Gründen können wir dieses Hilfsmittel nicht genehmigen, weil denen das dann, was weiß ich, 200 Euro zu teuer ist oder so. Und dann soll es halt der Rollstuhl sein, der aber eben nicht so gut fährt und der halt nicht für diese Person vorgesehen ist. Also das ist wirklich, da merkt man einfach so total den Blick auf Menschen unter kapitalistischen Gesichtspunkten. Und das ist menschenfeindlich einfach ganz oft. Und du meintest gerade ja so, du weißt gar nicht, ob das dann noch mehr geht, so im Sinn von Diskriminierung. Ich glaube, es geht immer mehr. Aber zum Beispiel kannst du ja auch eine Mutter mit Behinderung sein, die dann ein pflegebedürftiges Kind bekommt oder ein Vater, der von Rassismus betroffen ist und zum Beispiel mit einem pflegebedürftigen Kind lebt und so weiter und so fort. Also da gibt es auf jeden Fall viele auch Überschneidungen von Diskriminierung. Was ich dabei auch so wichtig finde, ist, dass das Menschen klein macht. Also so eine Erfahrung könnte man eigentlich ja so in der perfekten Welt, könnte man sagen so, boah krass, die pflegt ihr Kind, was für Skills die dabei entwickelt und was für Sachen, die übers Leben lernt und über Medizin und so. Das ist ja voll die tolle, starke, ausgebildete Person. Aber wir als Gesellschaft werten halt viele Dinge ja ab, die so rund um Care-Arbeit passieren, nehmen sie als selbstverständlich wahr. Und deswegen sind halt viele Menschen, die Care-Arbeit leisten oder auch Pflegearbeit leisten und oder noch von Diskriminierung betroffen sind, werden halt klein gemacht. Und das sorgt dann eben ja auch dafür, dass diese Menschen ihre Rechte eher nicht in Anspruch nehmen. Also wenn du das Gefühl hast, ja, du bist halt eh nicht so viel wert Und Leute wollen auch eigentlich nicht wissen, was du über irgendwas denkst. Dann bist du jetzt auch nicht die Person, die sagt, doch, ich brauche jetzt aber diesen Rollstuhl. Doch, ich will da jetzt aber was sagen. Doch, ich schreibe jetzt einen Text ins Internet. Weil eben so diese verschiedenen Formen von Diskriminierung eben unsere Stimme und uns immer kleiner machen. Ja, das ist wirklich, weil wenn man einfach sieht, was pflegende Eltern einfach jeden Tag leisten. Ich habe auch in meinem näheren Bekanntenkreis eine Freundin, die Zwillinge hat, die sie jetzt pflegt, weil sie einen ganz seltenen Gendefekt haben und das ist einfach, sie hat nie Pause, 24 Stunden, sieben Tage die Woche, außer es übernimmt mal kurz jemand anderen, das ist einfach krass und da gibt es gar keine Sichtbarkeit für. Also es ist einfach, sie hat Gott sei Dank das Glück, dass sie die Möglichkeiten haben, dass sie auch unterstützt werden, aber ich meine, du weißt es selber, wie viel Zeit, also sie schläft nicht mehr, weil die nachts einfach auch eine Betreuung brauchen, weil die nachts super unruhig sind, also und das macht sie jetzt einfach seit drei Jahren, also das ist ohne Pause und da ist gar keine. Und das macht, wie du das gerade gut beschrieben hast, das macht klein. Was ich nochmal sagen wollte, ich rede ja auch seitdem ich Hebamme bin von diesen Themen und du hattest gerade angesprochen, dass die Leute, für die das jetzt gerade die Aha-Effekt bei dieser Comedian jetzt gerade Mutter geworden ist. Und ich finde es ja gut, weil das gibt ja dann, klar denkt man halt so, okay, das haben wir schon vor 20 Jahren, aber es hat sie in diesem Zeitraum nicht betroffen. Und das ist ja gerade auch dieser Zeitraum vom Elternwerden, diese intensive Phase, das ist ja einfach eine kurze Periode, also nicht ganz, aber diese gerade, gehen wir jetzt mal auf die Kleinkindphase, diese ganz intensive Phase mit kleinen Kindern und so weiter. Oder das betrifft einfach dann so wenige Menschen und auch so Schwangerschaft und Geburt und die Missstände darum, dass wir einfach nicht gut versorgt sind. Das ist halt einfach, kurz sehen die Leute das, aber dann ist es einfach so schnell wie die Kinder grundsicheren wieder aus dem Gedächtnis, wo wir einfach denken, okay, das ist unsere nächste Generation, das ist super wichtig und es ist nicht egal, wie wir geboren werden und wie Kinder sozusagen auch ausgebildet werden. Ich habe das Gefühl, es geht einfach sofort wieder aus dem Gedächtnis raus, weil es einfach nicht relevant ist. Da würde ich dir gerne teilweise widersprechen. Also ich weiß total, was du meinst. Und am Ende geht es ja dabei um Solidarität. Also wie schaffen wir Aufmerksamkeit, Sichtbarkeit für Themen, die uns vermeintlich nicht betreffen? Ich finde aber, dass die uns eigentlich alle betreffen. Und das ist auch, also ich weiß da gar nicht, wie soll ich das sagen, ich kann jetzt gar nicht ganz genau sagen, so und so ist es und so und so muss es laufen. Das ist eher so ein Thema, was mich ganz viel beschäftigt und wo ich eben auch manche Antworten noch gar nicht kenne und vielleicht weiß ich sie auch niemals. Aber eben die Frage ist, Solidarität und wie schaffen wir die? Und ich finde zum Beispiel bei Themen rund um Geburt und Schwangerschaft ist es ja so, dass wir ja alle mal geboren worden sind. Ja, das stimmt. Deswegen betrifft uns das ja alle. Aber man vergisst es, aber es wird vergessen. Ja, man vergisst es aber trotzdem wahrscheinlich. Ich meine, da habe ich jetzt noch keine Studie zu gemacht und auch keine gelesen. Aber ich würde jetzt mal so aus dem Bauch raus sagen, wenn du 100 Menschen fragst, unter welchen Bedingungen wurdest du geboren, wie war der Tag deiner Geburt, dann können 99 Menschen von den 100 ihre Geburtsgeschichte erzählen. Und das macht ja was mit Menschen. Das macht ja auch ganz oft mit dem, wie Eltern auch mit Kindern umgehen. War das ein Wunschkind oder auch nicht? Gab es Geburtskomplikationen? Wäre das Kind fast gestorben oder nicht? Und so weiter. All diese Geschichten, das macht ja auch was mit uns. Also das finde ich so... Da denke ich so ganz oft, ja, eigentlich muss man ja nur eben nicht vergessen, dass man selbst mal geboren wurde, auch bei den Bildungsthemen oder Kita-Versorgung von Kindern und so. Auch da müsste man sich einfach nur daran erinnern, dass man mal ein Kind war oder mal ein Jugendlicher war. Und das finde ich auch so, vielleicht kannst du da nochmal irgendwann mit einer Psychologin oder so drüber sprechen, so warum gibt es eben Leute, die vergessen das und manche, die es nicht vergessen und die das weitertragen und auch für Verbesserungen streiten. Und dieses Thema Solidarität finde ich dann auch nochmal so wichtig, eben bei diesem Thema Pflege und oder Behinderung, weil auch das ist ja so interessant bei vielen Diskriminierungsformen, zum Beispiel Rassismus, das suchen wir uns ja nicht aus. Wir beide jetzt zum Beispiel sind weiße Personen, wir sind nicht von Rassismus betroffen, das wird sich in unserem Leben auch nicht ändern. Aber wir beide könnten von Ableismus, also von der Diskriminierung von Menschen mit Behinderung und chronisch kranken Menschen betroffen sein werden, Weil wir können einen Unfall haben oder Krebs bekommen oder irgendwas kann passieren und dann werden wir davon betroffen sein. Und das ist wirklich so eine Frage, die ich mir schon so lange stelle. Warum checken die Leute das nicht, dass eine Welt ohne Ableismus für alle besser wäre und dass wir eben alle auch davon betroffen sein könnten? Und ich glaube, das ist ja auch so ganz viel Selbstschutz. Das kennst du bestimmt auch gut aus deiner Arbeit. Menschen wollen sich ja gerade rund um Schwangerschaft und Geburt nicht mit dem Thema Behinderung, nicht mit dem Thema mögliche Krankheiten auseinandersetzen, sondern wir wollen da ja alle so richtig doll an dieses... Alles wird gut, alles wird schön, hauptsache gesund und so dran glauben. Ich finde eher so, dass es eher mehr in die Richtung geht, wir bauen uns das perfekte Kind. Aber diese ganze Optimierung um Diagnostik, die ja immer mehr wird, das heißt, wir wollen wirklich alles optimieren, damit wir möglichst wenigstens, das finde ich ja auch schwierig, also wir wollen ja praktisch unsere Gesellschaft irgendwie gleich machen. Und das, wie du es gerade sagst, das kann dir ja einfach passieren, dein Kind kann vom Baum fallen, das ist auf einmal ein Vollpflegefall, dann gibt Das gibt es ja auch nicht ab. Also so, ich will einfach auch da immer diese, das heißt nicht, dass ich nicht Entscheidungen verstehe, warum Menschen sich gegen etwas entscheiden, aber es gibt gar nicht mehr die Sichtbarkeit in unserer Gesellschaft, dass Vielfalt da ist, sondern wir wollen so einen Einheitsbrei. Ja, genau. Und das finde ich ganz gut, wie du das so sagst, weil man daran ja auch eben ganz gut sieht, dass das eben nicht gewollt ist. Ich muss jetzt gerade so an so Debatten rund um Arbeitskontexte und weißt, es gibt ja dann so Diversity-Manager in Unternehmen und gut, das hat sich jetzt auch verändert. Ein bisschen erledigt in den vergangenen Jahren, aber denken wir mal so fünf Jahre zurück. Da war das ja auf jeden Fall noch ein angesagtes Thema. Und da fand ich auch nämlich schon immer so interessant, dass so eigentlich alle Leute so getan haben, dass wir das ja wollen, dass wir so Vielfalt leben wollen. Und ich so mit der Erfahrung eben selbst als Mutter, aber auch als Journalistin, die zu den Themen arbeitet, muss wirklich sagen, weiß ich nicht. Weiß ich nicht, ob wir das so als Gesellschaft wollen. Wir wollen nämlich schon eher eben dieses heteronormative, vermeintlich gesunde, diese Idealvorstellung und tun eben auch ganz schön viel dafür, das zu bekommen. Und eigentlich wäre es für alle in allen möglichen Bereichen viel leichter, wenn der Normalfall eben die Vielfalt wäre, wenn man nicht schockiert wäre, wenn man ein Kind pflegen müsste, weil die Bedingungen dann auch so sind, dass man das okay machen kann und trotzdem noch ein Leben haben kann und so weiter. Also so diese Akzeptanz von Leben als Ding mit Krankheiten, Behinderung, Trauer, blöden Sachen, Liebeskummer, was auch immer. Wenn man das irgendwie so als normales Leben ansehen könnte. Aber ich glaube, wenn das passieren sollte, müssen wir auch wieder mehr zur Gemeinschaft kommen. Das hatte ich ja am Anfang schon mal angehört. Ich habe so das Gefühl, dass ich auch gerade rund um Mutterschaft, um Elternsein, das Thema Isolierung ja so stark ist. Also dass sich alles ja sozusagen nicht mehr in Gemeinschaft ausspielt, weil wir erstmal nicht die Zeit haben und weil auch alle so isoliert sind. Und ich glaube halt, diese... Um Begegnungsstätten zu haben, auch das wird ja gestrichen, also was ich ja ganz schlimm finde, dass Begegnungsstätten für Kinder ja auch einfach so gestrichen werden, weil gerade Kinder aus sozial, also die einfach nicht so privilegiert aussehen, die brauchen ja Begegnungsstätten, wo sie einfach Freizeitmöglichkeiten haben, wo sie Sport machen können und so weiter. Das sind ja alles die Themen, sowas streicht ja immer die Politik. Also ich meine, Berlin wohnen gerade solche Stellen einfach ganz viel, also wo Jugend, wie nennt sich das? Jugendzentren. Ja, und das ist ja dann auch so eine ähnliche Debatte wie so rund um Gewalt gegen Frauen, finde ich, weil eben in dieser heilen Welt, heteronormativen Familie, sage ich mal, da ist ja auch dann zum Beispiel das Zuhause wird so dargestellt als der sichere Ort, aber wir wissen ja rund um die Debatten von Gewalt gegen Frauen, dass das Zuhause ganz oft eigentlich der unsicherste Ort ist. Und auch für Kinder. Genau, darauf wollte ich hinaus. Das gilt dann eben auch. Kein Problem, alles gut. Ich mag dein Engagement. Genau, und das gilt dann eben auch für Kinder und es gibt ja einfach total viele Kinder, für die die Schule zum Beispiel eher der sichere Ort ist. Trotz der maroden Schulen, der schlimmen Toiletten und all diesen Sachen, denen die da ausgesetzt sind, aber für viele Kinder ist ja eben die Schule ein guter Ort. Und die Schule auch der einzige Ort, wo vielleicht Talente erkannt werden, wo ein Kind vielleicht ein Instrument spielen kann, das die Eltern niemals kaufen würden. Vielleicht auch, weil sie ganz andere Sorgen im Leben haben, als sich über Kunst- und Kulturgedanken zu machen, weil sie den ganzen Tag ackern und da gar keine Kapazitäten dafür haben. Und genau das finde ich auch total wichtig, dass da dieser Blick sich auch darauf ändert. Also ich glaube, der Blick darauf ist, dann kommt eben auch eher von privilegierteren Menschen, die so sagen, ja, ich kann ja immer den Klavierunterricht und das Klavier auch bezahlen. Ist mir eigentlich egal, ob es das jetzt in der Schule gibt oder nicht. Ja. Und da habe ich aber noch so eine Frage an dich, auch aus deiner Erfahrung in deiner Arbeit. Würdest du sagen, dass sich das auch verschärft hat mit der Isolation? Also war das vor zehn Jahren noch besser? Ja, fand ich schon besser. Und ich finde, nach Covid hat es sich nochmal einfach verstärkt. Also das ist auf jeden Fall. Aber ich meine, wie gesagt, ich habe keine Studie dazu gemacht. Das ist einfach mein Empfinden. Aber das finde ich auf jeden Fall. Ich finde, es braucht Begegnungsstätten. Und ich finde das einfach wirklich, mich macht das wirklich, also ich bin da... Ich war emotional sehr, sehr ergriffen, weil ich war, ich kann mir ganz schlecht Namen merken. Also wenn ich mit den Menschen nicht selber schon mal persönlich geredet habe. Ich war vor ein paar Monaten auf einer Veranstaltung, wo wir wieder auf das Thema kommen, Sissi, das darf nicht sein, dass es einfach nur gemeinnützige Vereine sind oder es sind Menschen, die sich in ihrem privaten und es müssen die Strukturen in unserer Gesellschaft geschaffen werden. Aber ich war auf einer Veranstaltung, wo Menschen ausgezeichnet wurden, die einfach tolle Dinge für unsere Gesellschaft tun. Und ich bin auch sehr dankbar, dass es einfach so viel, da war es ein Lehrer, der in einer Schule hier in Berlin, die so als Brandpunktschule, Brennpunktschule bezeichnet wurde. Und der hat dann das übernommen und der hat sozusagen diese Begegnungsstätte geschaffen, weil er einfach nahbar ist als Lehrer. Weil er sagt auch einfach, das sind Kinder, die kommen aus Familien, die haben, das ist hier ihre einzige, ja ihr sicherer Ort. Und ich versuche ihnen in der Zeit, wo sie in der Schule gehen, einfach Optionen zu geben. Ich meine, er kann nicht alle retten, aber er kann einige retten. Und ich meine, als er das gesagt hat und wie er das mit seinem Engagement und mit, also der lebt das halt einfach. Der lebt es einfach diesen Beruf als Lehrer aus, der geht nicht einfach nur dahin, sondern der möchte einfach Kindern eine Zukunft bieten und. Diese Begegnungsstätte, dass er einfach macht, dass sie da Sport machen können und das müsste es da einfach geben. Es ist ja nicht so schwierig. Ich denke mir immer so, warum sieht einfach die Politik das nicht? Es wäre einfach so einfach. Es gibt so viele Menschen wie du und ich, die einfach darüber aufklären, was wir bräuchten. Also wir bräuchten Schulen, die für alle zugänglich sind, wo einfach Angebote sind, die halt, wenn sich die Eltern von Emma das nicht leisten können, dass sie aber trotzdem die Möglichkeit hat, ein Instrument zu erlernen. Und ich muss dir ganz ehrlich sagen, ich bin sehr, sehr traurig, dass ich nie Klavieren spielen lernen konnte, weil es einfach nicht möglich war. Meine Mutter hatte, sie war alleinerziehend, nicht die finanziellen Möglichkeiten oder Tennistraining. Also einfach so Sportarten, die für ganz viele Kinder nicht zugänglich sind. Und das müsste man doch eigentlich ermöglichen können, dass sowas einfach in eine Gemeinschaft gehen würde, damit einfach ein Kindern das möglich gemacht werden will. Und dass Talente nicht nur gefördert werden, weil meine Eltern das Geld haben. Also das macht mich schon einfach, wo ich immer denke, so wie in einer Geburtshilfe, es könnte alles so einfach werden, weil wir sagen euch, wie die Bedingungen sein müssen und es müsste in unserem System einfach gehen. Ja, ich glaube, es gibt einfach zu wenig Menschen, die sich dafür einsetzen, weil eben viele Menschen mit den Ressourcen, eben die, die Emma zum Klavierunterricht schicken können und Emma auch ein Klavier kaufen können, denen geht es ja gut. Und Menschen, denen es gut geht, die dazu zu bekommen, dass sie sich engagieren für die anderen, ist halt wirklich, wirklich schwierig. Also wieder Stichwort Solidarität. Wie kriegt man die dazu, dass die... Mit der Schulleitung in Kontakt gehen und sagen, hier, uns ist aufgefallen, das und das Angebot gibt es nicht. Wie können wir das machen? Das sind dann ja eben meistens die, die dann ihre Kinder auf Gymnasien oder sogar Privatschulen schicken, weil sie wissen ja, da läuft es irgendwie ganz gut und die anderen werden halt alleine gelassen. So Stichwort Privilegien. Also du hattest ja so vorab ein paar Fragen geschickt oder Themen, worüber wir sprechen wollen. Und eins war ja auch Privilegien. Also das wäre an dieser Stelle vielleicht ein Appell auch von mir an alle, die bis hierher gehört haben. Hallo, schön, dass ihr noch da seid. Wie reflektiere ich meine eigenen Privilegien? Ja, einfach zu gucken, wo geht es mir eigentlich ganz gut und anderen aber vielleicht nicht. und was kann ich denn da jetzt verändern? Und eben Menschen mit Ressourcen, also Menschen mit Bildung, Menschen mit Geld, die Kinder haben. Könnten ja zum Beispiel überlegen, ihre Kinder bewusst auf eine Gemeinschaftsschule zu schicken, wo dann eben nicht nur Kinder von wohlhabenden, gebildeten Eltern sind, um bewusst dahin zu gehen und bewusst Dinge ins Laufen zu bringen, die eben vor allem Menschen ins Laufen bringen können, die Zeit und Geld haben dafür. Dann da auch, also eben mein Lieblingsbeispiel, die Alleinerziehende muss jetzt hier nochmal her, die Alleinerziehende mit einem Job und ein bis drei Kindern, von der kann man jetzt nicht noch erwarten, dass die in der Schule irgendein Musikprojekt oder so auf die Beine stellt, wobei das Interessante ja ist. Meistens sind es diese Leute. Ich wollte es gerade sagen, genau. Also wenn man sich mal so umguckt, wer ist eigentlich engagiert im Kiez, zum Beispiel in der Nachbarschaft, in der Schule, wo auch immer. Meistens sind es die, die sowieso schon sich ganz schön so durchs Leben kämpfen müssen, die dann doch nochmal die Kraft aufbringen und zu sagen, hier, wir gründen jetzt eine AG Antidiskriminierung an der Schule oder wir veranstalten einen Flohmarkt oder so. Meistens sind es die, die eben selbst eigentlich Support gebrauchen könnten. Ja, so sehe ich das auch. Aber, Da sind natürlich auch wieder sehr viele bürokratische Hürden. Also selbst wenn man sich engagieren möchte, wird es einem manchmal auch nicht so leicht gemacht, weil da sind ja auch unsere Systeme so, dass es gar nicht so einfach ist. Also selbst wenn man jetzt zum Beispiel, sagen wir mal, man will schnell irgendwie, man hat die Ressourcen, man möchte schnell Geld spenden und irgendwas verändern, dann brauchst du ja erst wieder Genehmigungen und das, also das ist ja auch etwas wieder so, also dann gibt es denen die Solidarität, dann gibt es da die Möglichkeiten, aber dann ist man wieder vor so vielen, steht man so vor so vielen Hürden. Das sind ja auch die Probleme, also eine Problematik, die wir haben in Deutschland. Ach ja, aber ich glaube, manchmal geht es auch ganz schnell. Also ich muss da gerade dran denken an so ein Projekt, das heißt Pasta Shooter Antifaschista. Das ist so entstanden in Italien, als der Faschismus besiegt wurde von, keine Ahnung was, frag mich nicht, aber schon sehr lange her. Und dann hat so eine italienische Familie so zum großen Pasta-Essen eingeladen. Und das ist so eine Tradition dann geworden, dass man einfach irgendwo eine lange Tafel hinstellt. Ein paar Leute kochen Pasta und die Nachbarschaft kommt zusammen und feiert sich selbst als Gemeinschaft. Und im vergangenen Jahr haben Josy Aprako und ich, wir haben zusammen den Podcast Revolution und Ferien, haben so eine Pasta-Shooter-Antifaschista moderiert in Kreuzberg. Das war dann einfach so kiezmäßig organisiert und ich war in dieser Vorbereitungsgruppe drin, muss aber sagen, ich habe eigentlich nichts organisiert. Ich habe nur irgendwann gesagt, falls ihr eine Moderation braucht, wir können das machen, ansonsten haben das andere Leute gemacht. Also ich will da gar keine Credits für, aber das war ein total schöner Tag, wo einfach so verschiedene Leute aus der Nachbarschaft zusammengekommen sind. Und dann musste man natürlich organisieren, dass jemand Nudeln kocht und Pesto musste mitgebracht werden und irgendwie bestimmter Parmesan und so. Aber es hat alles richtig gut geklappt. Und da ging es darum, Geld zu sammeln. Und dann habe ich halt irgendwann gedacht, so schwer kann das doch jetzt irgendwie nicht sein, Geld zu sammeln und habe halt einfach irgendein Internetding, ich weiß tatsächlich noch nicht mal, wie das heißt, aber es gibt ja so Geldsammelsachen im Internet und habe das einfach so gestartet und gar nicht weiter so drüber nachgedacht. Und auf einmal hatten wir, ich glaube, 1000 Euro zusammen oder so und konnten damit halt diesen Käse bestellen. Was ich damit sagen will ist, ja, manchmal gibt es Hürden, aber ich glaube, es gibt öfter die Situation, wo Menschen denken, oh nein, es könnte schwierig werden, also mache ich es lieber nicht. Also weißt du, weil ich würde an dieser Stelle gerne lieber ermutigen, was zu starten, statt sich stoppen zu lassen von irgendwas. Aber du hast ja am Anfang gesagt, das sind ja wieder unsere gemeinnützigen Projekte. Du würdest dir ja von der Politik was wünschen, dass sich sozusagen strukturell was ändert. Was wären denn deine Wunschvorstellungen an politischen Maßnahmen, die den größten Hebel für Familienpolitik haben? Große Frage. Ja, erst mal vorher finde ich total wichtig, dass das ja aber trotzdem nicht heißt. Also das, was ich mir wünsche, bedeutet nicht, dass ich nicht jede einzelne Person auch engagieren sollte. Also ich bin ganz großer Fan davon, sich zum Beispiel in der Nachbarschaft zu engagieren. Das fängt im ganz Kleinen an. Wer sind eigentlich deine NachbarInnen, wenn du in einem Haus mit Mietwohnungen wohnst? Ich bin immer total überrascht, wenn mir so Bekannte sagen, ja, ich weiß gar nicht, wer meine NachbarInnen sind. Und ich weiß das immer, weil ich bin eigentlich kein Smalltalk-Fan, aber ich finde, bei der Nachbarschaft gehört sich das einfach, dass man weiß, wer wohnt neben mir? Gibt es vielleicht eine ältere Person, die manchmal Hilfe bei irgendwas braucht? Ich finde, man sollte sich auf jeden Fall immer grüßen, immer, auch wenn es manchmal vielleicht awkward ist, einen kurzen Schnack halten, damit man einfach weiß, wer ist da und wer braucht vielleicht auch mal irgendwo Hilfe. Weil am Ende kannst du es auch sein oder ich dann, die auch mal Hilfe braucht. Also ich finde, da fängt es schon mal an. Und das kann uns keine Politik abnehmen. Politik kann bestimmt dafür sorgen, dass wir eher Zeit dafür haben. Also dass ich nicht super gestresst zum Beispiel aus dem Büro abends um acht oder neun nach Hause komme. Also mache ich zum Glück nicht. Aber dann habe ich natürlich auch weniger Energie, irgendwie mit jemandem zu reden. Oder ich muss gerade daran denken, letztens ist mir mal der Schlüssel vor die Haustür gefallen. Da gibt es bei uns so ein Gitter und dann fällt der halt einfach da durch. Und dann kam... Ein Nachbar von mir, den ich ja eben zum Glück kannte, weil ich ja meine Nachbarn kenne. Weil du mit ihm frähst? Genau, und er meinte dann so, ja, warte mal einen Moment, vielleicht habe ich ja was. Und dann kam er echt zehn Minuten später, ich hatte schon dreimal geheult und so, kam er wieder, hatte so einen langen Stock, dann auch noch irgendwie so ein Teil, was man dann da so reingefriemelt hat. Eine Angel. Ein Stock da rein, genau, hat so eine Angel quasi gebastelt und hat dann meinen Schlüssel da rausgebracht. Und dann habe ich natürlich noch gesagt, oh Gott, was kann ich dir jetzt Gutes tun, was magst du gerne und so. und dann irgendwann meinte er so. Also süß, aber auch bestimmt, ist jetzt okay, Mareike, ich habe dir wirklich gern geholfen, aber ich komme gerade vom 24-Stunden-Dienst, ich muss jetzt mal ins Bett. Weißt du, und er hätte auch sagen können, ich bin zu kaputt, um der jetzt zu helfen. Und da finde ich es so, und das ist voll das gute Beispiel, um so zu zeigen, man braucht halt auch Zeit und Ressourcen dafür, anderen Menschen zu helfen und zu sagen, doch, ich helfe ihr jetzt. Ich bin zwar, ich bin jetzt müde, aber wenn er jetzt richtig müde gewesen wäre, hätte er mir nicht geholfen. Also genau, ich finde, man braucht schon diese Rahmenbedingungen dafür und dann ist es aber auch an jeder einzelnen Person, wirklich mit offenen Augen und offenem Herzen auch so durch die Welt zu gehen und zu gucken, wo kann ich meinen kleinen Beitrag leisten. Und wenn du mich nach Politik fragst, da kann ich dir meine Lieblingsmodell, stelle ich dir da gerne vor, weil ich denke, dass Politik sich an den Menschen orientieren sollte, die benachteiligt sind. Und gerade wenn es um Familienpolitik geht, würde ich mir wünschen, dass Politik sich an einer Modellfamilie orientiert. Also stellen wir uns vor, alleinerziehende Mutter mit, sagen wir mal, zwei Kindern, eins davon hat erhöhten Pflegebedarf. Und dann müssen wir uns vorstellen, was braucht diese Familie, um ein gutes Leben zu haben. Die Mutter braucht einen Job, kann aber nicht und hat bestimmt keine Lust, schätze ich mal, 40 Stunden zu arbeiten. Sagen wir mal einen Job, 20 Stunden die Woche, flexible Arbeitszeit und davon muss sie leben können. Also 20 Stunden Erwerbsarbeit für ein gutes Gehalt. Dann brauchen die Kinder gute Bildungseinrichtungen, wo die gut aufgehoben sind, wo die sich wohlfühlen, wo die gefördert werden, wo es einen Klavier und Klavierunterricht gibt. Das pflegebedürftige Kind braucht natürlich da auch Unterstützung und das nicht mit tausend Anträgen, sondern das muss irgendwie selbstverständlich vorhanden sein. Dann brauchen die kurze Wege, weil die Mutter bestimmt keine Lust hat, irgendwie morgens 20 Kilometer das eine Kind und 20 Kilometer das andere Kind zu bringen. Das heißt, es braucht dann auch gute öffentliche Verkehrsmittel, nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land. Also das ist ja dann auch nochmal ganz anders. Es braucht gute Gesundheitsversorgung. Wenn die die Kinder zu Kita oder zur Schule bringt, will die das bestimmt auch durch gute und einigermaßen saubere Luft machen. Das heißt, Klimapolitik ist auch wichtig. Steuerpolitik, damit sie am Ende des Jahres nicht irgendwie die Hälfte von dem, was sie verdient hat, an Steuern zahlen muss. Also da haben wir ja zum Beispiel auch noch ein diskriminierendes Steuersystem. Stichwort Ehegattensplitting. Und ich bin der festen Überzeugung, dass wenn eine Politik und gar nicht unbedingt nur Familienpolitik, Sondern das würde für mich, das ist dann ja auch Arbeitspolitik, Klimapolitik, Wirtschaftspolitik, das beinhaltet das alles. Aber wenn Politik sich diese Familie als Modell vorstellen würde und immer Entscheidungen treffen würde anhand von, wäre das gut für diese Familie, dann bin ich davon überzeugt, wäre das auch gut für... Thomas, alleinstehend, Mitte 40, Matthias, Hans, Otto und so weiter. Weil ich bin davon überzeugt, wenn die Gesellschaft und die Welt dann dadurch eine andere wäre, dann hätten die auch keine Lust auf 80 Stunden in ihrem CEO-Job. Die würden doch auch lieber mal in Urlaub fahren oder sich, keine Ahnung, in ihren Pool werfen oder so. Genau, also das wäre so meine politische Empfehlung an Herrn Merz und Co. Ja, können wir ja vielleicht gleich mal rüberschicken. Ja, das ist glaube ich aber das Verständnis, was dann halt einfach fehlt, weil das gar nicht da ist, dass man einfach weiß, wie solche Familien leben. Also das ist ja so und da sollte man sich ja, wie du es einfach so schön sagst, an diesen Beispielen orientieren, um das, wenn wir es da orientieren, ist das ja für die ganze Gesellschaft gut. Ich finde es nur einfach schwierig, dass wir immer noch bei der Bildung auch, also diese Bildungsstätten und ich finde es so schön, dieses Beispiel, dass du das sagst, dass du deine Nachbarn kennst, weil wir ja auch so ein bisschen immer so mit Schollklappen so umherrennen, also einfach so gucken. Da drüben, also diese Gemeinschaft, das meinte ich ja mit Gemeinschaft zu schaffen und da fängt es ja im eigenen Haus an und ich finde es voll schön, dass dein Nachbar dir geholfen hat und ich habe auch eine ganz schöne Geschichte, die ich nochmal erzählen will, weil ich habe auch in Kreuzberg eine Familie betreut mit Zwillingen und die haben mir erzählt, es sind neue Mieter in dieses Haus gezogen, also die sozusagen jetzt nach Berlin gezogen sind. Die sind halt so Frührentner oder was weiß ich. Und die haben dann allen Mietern einen Brief geschrieben. Wir sind neu und wir wollen euch gerne alle einladen. Wir wollen euch alle kennenlernen. Und seitdem die das gemacht haben, haben die ein ganz neues Hausgefüge, weil die sich einfach auf dieser Party, also da bei denen halt kennengelernt haben. Und jetzt ist einfach wie das Haus, es ist ein ganz neues Gefühl entstanden. Einfach schöne Geschichte. Total. Und vor allem, ich kann es auch sehr empfehlen, wenn man Eltern ist von, ich sag mal Teenagern. Ich kann da jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es ist total hilfreich, wenn Teenager Teenager-Dinge tun, wo auch Sachen kaputt gehen können zum Beispiel. Du weißt vielleicht, dass es war. Ja, ja, ich habe Teenager-Kinder. Genau. Und wenn man dann die NachbarInnen kennt, bei denen was passiert ist, dann ist das besser, als wenn man einfach mit irgendjemandem telefonieren muss, den man gar nicht kennt. Das ist auf jeden Fall besser, Nachbarn zu kennen. Ich frage mich dann immer nur wieder so, wie schaffen wir das jetzt? Ich habe zum Beispiel keine Ressourcen, ich mache an meinen Stellen. Ich bin auf dieser Welt, um Geburtshilfe zu kämpfen, aber ich frage mich immer so, okay, wie schaffen wir das jetzt? Wir sind eigentlich ganz schön viele, aber ich habe das Gefühl, selbst ganz tolle Frauen, die wir ja auch beide kennen, die auch in die Politik gegangen sind, die dann auch wieder rausgegangen sind, einfach so, es ist einfach schwer, weil es ist einfach, da was zu bewirken, ist einfach nicht einfach. Total, ja. Ich glaube auch, dass nicht die Lösung sein kann, dass die, die betroffen sind von Benachteiligung oder Diskriminierung, die sein müssen, die das jetzt durchboxen. Also das wäre halt meine Sicht auf Solidarität, das müssten eigentlich andere machen. Also man müsste schon alleinstehenden Männern eigentlich zutrauen dürfen, dass die über ihren eigenen Tellerrand hinausblicken. Und das tun sie nicht. Und ja, also ich meine, das ist eine total schwierige Frage. Ich glaube, das wichtig ist und was jede Person tun kann, ist Widerspruch. Also zum Beispiel muss ich jetzt an so ein Instagram-Video denken, wo eine Person sagt, wie sehr sie Kinder hasst. Also ich finde, das darf einfach nicht unwidersprochen bleiben. Wir leben ja tatsächlich, und ich glaube, das wissen alle, die mit Kindern leben, in einer Kinder-Kinder-Krise. Eine verachtenden, würde ich es glaube ich nennen, Gesellschaft, wo alle eher so mit den Augen rollen, statt sich zu freuen, wenn Kinder zum Beispiel in Zugabteil einsteigen. Ich würde lieber Augen rollen, wenn Männer mit Anzug einsteigen, aber okay, das führt zu weit. Das finde ich, glaube ich, total wichtig, dass das eben, ja, wahrscheinlich können wir nicht diese Revolution, die eigentlich sein müsste, also die eben aufhört, Menschen unter kapitalistischen Gesichtspunkten anzugucken, bis diese Revolution kommt. Ich denke, ich werde sie nicht mehr erleben und mein Kind vermutlich auch nicht. Bis dahin bleibt uns, glaube ich, nichts anderes übrig, als eben im Alltag zu gucken, wo wir kleine Dinge anders oder besser machen können, wo wir solidarischer sein können, wo wir uns dafür einsetzen, dass eben nicht nur die privilegierten Leute gehört werden oder sich Dinge an sie anpassen, sondern sich auch Sachen verändern. Mehr bleibt uns, glaube ich, nicht übrig. Und ich finde auch wichtig zu sehen, dass viele Menschen sehr viel kämpfen müssen und überhaupt nicht die Möglichkeit haben, in einem Podcast zum Beispiel zu sprechen, vielleicht auch so belastet sind, dass sie gar keine Möglichkeit haben, Podcasts zu hören. Dass sie noch nicht mal davon träumen können, sich kommunalpolitisch oder in der Nachbarschaft oder so zu engagieren. Und das ist dann aber eben so, wie wir vorhin ja beide auch festgestellt haben, dass es dann doch diese Leute gibt, die so super krass belastet sind. Und dann machen sie es doch. Also vielleicht einfach an denen ein Beispiel nehmen. Ja. Liebe Mareike, vielen Dank für deine Zeit. Und ich glaube, es ist einfach wichtig, immer wieder mit solchen Folgen darauf aufmerksam zu machen. Man schaut immer wieder so, okay, was kann ich im Kleinen tun? Wie wir es auch gesagt haben, das sind die kleinen Dinge. Ich finde dein Projekt, was du mit deiner Pasta gemacht hast, hat mich sehr inspiriert, gerade diese Begegnung zu schaffen. Das war richtig schön. Also du hast es ins Leben gerufen und dann ist es ja... Nee, aber du hast die Menschen zusammengebracht erst mal, hast du doch gesagt. Nein, nein, ich war einfach nur so ein ganz, ganz kleiner Teil. Also ich glaube, ich weiß gar nicht, wer Ursprung war, aber es hat auf jeden Fall eine Mitarbeiterin von einem Nachbarschaftshaus dann so ein bisschen so die Fäden in die Hand genommen und Menschen gesucht, die dann sich organisiert haben. Mein Anteil war wirklich vor allem, dass ich das moderiert habe und vielleicht ein bisschen davon erzählt habe im Internet, aber ansonsten haben das andere Leute organisiert. Kann man aber, also wenn man das jetzt hört und denkt so, ah, Pasta finde ich gut, Antifaschismus finde ich auch gut und Gemeinschaft in der Nachbarschaft, googelt es einfach mal, vielleicht kannst du auch dann in den Shownotes. Es gibt dann, ja, es gibt, also man kann da einfach sein eigenes Ding draus machen. Ich weiß auch, dass mindestens ein so eine Pasta-Schutter-Aktion auch in Berlin nochmal geplant ist dieses Jahr. Und genau, es findet auch an ganz vielen unterschiedlichen Orten statt, eben auch nicht nur in Italien. Ich glaube auch in anderen Ländern kann man sich auf jeden Fall was von abgucken. Ja, danke für deine Inspiration, danke für deine Arbeit. Und ich bin gespannt sehr auf deinen neuen Artikel, von dem wir uns zu Anfang haben. Ja, vielleicht kannst du den dann auch verlinken. Natürlich, aber unsere Folge kommt schon diesen Donnerstag raus. Ah ne, dann wird er noch nicht da sein. Aber ich werde ihn so verlinken. Ja, aber alles Wichtige über Mareike findet ihr natürlich in den Shownotes. Und schön, dass ihr alle dabei warst. Vielen Dank für deine Zeit und noch eine schöne Woche wünsche ich dir. Danke fürs Gespräch. Tschüss. Tschüss. Und damit wir uns das auch nochmal deutlich machen, worüber Mareike und ich gesprochen haben, nochmal ein kleiner Mythencheck. In Deutschland wächst etwa jedes siebte Kind in Armut oder armutsgefährdet auf. Das bedeutet weit mehr als nur finanzielle Einschränkungen im Alltag. Viele dieser Kinder haben geringe Chancen auf gute Bildung, weniger Zugang zu Freizeitangeboten und sind häufiger gesundheitlich belastet. Armut wirkt sich oft auf das gesamte Aufwachsen aus. Von den Möglichkeiten in der Schule über soziale Teilhabe bis hin zum Selbstwertgefühl. Gleichzeitig zeigt sich, dass Kinderarmut selten ein individuelles Problem ist, sondern eng mit strukturellen Bedingungen wie Einkommen, Wohnsituation und Zugang zu Unterstützung zusammenhängt. Ohne gezielte Förderung und politische Maßnahmen besteht die Gefahr, dass sich diese Ungleichheiten über Generationen hinweg fortsetzen. Umso wichtiger ist es, früh anzusetzen und allen Kindern faire Startbedingungen zu ermöglichen. Also dieser Mythen-Check ist natürlich wirklich schlimm und deshalb brauchen wir einfach auch hier einfach eine gute Bildung für alle Kinder. Schulen, die einfach soziales Miteinander auch ermöglichen, Freizeitbedingungen ermöglichen, sodass es nicht nur Kindern möglich ist, die privilegiert sind. Und das ist einfach schlimm, dass wir das in einem so reichen Land wie Deutschland nicht haben. Und deshalb ist es wichtig, dass wir weiterhin darauf aufmerksam machen und diese Bedingungen schaffen. Und vor allen Dingen auch, dass wir im Kleinen was tun können. Und ich finde diese Begegnung so wichtig, wo wir jeder gucken können, was können wir in unserem Alltag schon einfach helfen, wo können wir Begegnungsstätten schaffen, wo können wir vielleicht auch, hast du in deiner Nachbarschaft eine alleinerziehende Mutter, wie kann man da was unterstützen, das sind ja die kleinen Dinge. Das heißt nicht, dass wir politisch nicht strukturelle Veränderungen brauchen. Ich freue mich, wenn ihr nächste Woche wieder reinhört und bis dahin wünsche ich euch eine wunderschöne Woche. Wenn dir diese Folge gefallen hat, würde ich mich riesig freuen, wenn du den Podcast abonnierst und eine Bewertung oder einen Kommentar hinterlässt. Du hast Fragen an mich, Ideen für Themen oder möchtest deine Geschichte mit mir, mit uns teilen? Dann schreib mir einfach an sissy.atauf-die-ohren.com und ich freue mich riesig über deine Nachricht. Das war Sounds Familiar, der Elternpodcast mit Hebamme Sissy Rasche. Eine Produktion von Auf die Ohren. Redaktionelle Leitung Katharina Kern. Aufnahmeleitung Lina Günther, Sounddesign und Postproduktion Milan Feig.