Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Soundsfamilie. Ich freue mich sehr, heute über ein Thema zu sprechen, was ich noch gar nicht in diesem Podcast behandelt habe, aber es so super wichtig ist. Und ihr habt ja schon gemerkt, ich habe schon so viele Berufsgruppen vorgestellt, die für uns Eltern wichtig sind, über die man stolpert, ob es jetzt Physiotherapeuten sind, Ergotherapeutin. Aber eine Sache habe ich wirklich noch ausgelassen, die aber super wichtig ist, ist die Logopädie. Und viele Menschen wissen eigentlich immer gar nicht ganz genau, was macht eine Logopädie, wann sollte ich zur Logopädie gehen, wann ist mein Kind auch auffällig oder worauf sollte ich achten. Und ich habe auch immer so das Gefühl, dass in den ganzen Kinderarztpraxen da gar nicht so die Zeit ist, weil zwar gibt es die klassischen U-Untersuchungen, wo ja auch Sprache abgefragt wird. Also ihr kennt das sicher, dass man so einen Bogen bekommt, wo man dann sagen muss, was kann das Kind schon für Wörter sagen, aber es ist nicht wirklich viel Zeit, da wirklich intensiv reinzugehen und ich finde, die Logopädie ist einfach ein ganz wichtiges Feld und es kommt oft zu kurz und. Deshalb habe ich mir heute eine Logopädin eingeladen, die mit uns ganz intensiv über dieses Thema sprechen wird, vielleicht auch für euch viele Fragen klären müsst. Ich habe auch aktuell bei mir im Freundeskreis einen sogenannten Late-Talker. Und da ist natürlich eine große Verunsicherung immer und Kinder entwickeln ja Sprache auch ganz, ganz unterschiedlich. Ich habe das auch bei meinen vier Kindern gemerkt, also meine jüngste Tochter, die ist vier, die konnte mit zwei Jahren schon wirklich... Sätze reden. Also die war so schnell, was aber glaube ich auch daran gelegen hat, dass sie das letzte Kind ist und so viel zugetextet wurde, wenn ich das mal so sagen darf. Aber wie gesagt, ich möchte da einfach in die Sprachförderung heute mit euch gehen. Ich finde das ein super wichtiges Thema und vor allen Dingen, woran erkennt ihr Verzögerungen und wann solltet ihr euch Hilfe holen. Und ich habe mir da heute Patricia Promnitz eingeladen. Sie ist Logopädin, sie ist Therapiewissenschaftlerin, ist auch spezialisiert auf Legasthenie. Sie ist Autorin und Dozentin und vor allen Dingen hat sie einen ganz tollen Instagram-Account, der heißt Sprachgold, wo sie ihr Wissen mit ganz, ganz vielen Menschen teilt und das finde ich auch toll. Ihre Missionen sind glückliche und ausdrufsstarke Kinder und Sprache ist ja etwas, was uns verbindet und das Wichtigste ist, dass Kinder sich ausdrucken können, weil das ist ja auch der Schlüssel nach außen. Deshalb herzlich willkommen, Patricia, dass du dir heute Zeit genommen hast, über dein Herzensthema die Sprache zu sprechen und ja, schön, dass du da bist. Vielen Dank, Sissi, ich freue mich auch. Ich glaube, du kannst ja vielleicht erst mal ein bisschen erklären, wie so die Entwicklungsschritte bei Kindern sind, weil das ist ja dein Fachgebiet. Und ich glaube, das ist erst mal so die erste Frage. Was ist richtig? Was ist falsch? Und wahrscheinlich auch wieder ist es wie viele Dinge, ist es super individuell, aber es gibt ja wahrscheinlich Zeitfenster. Und mich würde mal interessieren, welche Entwicklungsschritte gibt es bei Kindern, wenn sie das Sprechen lernen? Ja, das ist ein ganz spannendes Thema und tatsächlich muss ich ein bisschen ausholen, ich hoffe, du verzeihst mir das, denn alle. Warten ja immer auf das erste gesprochene Wort, nicht wahr? Eltern wollen die Stimme ihres Kindes hören und meistens kommen dann auch so Wörter wie Mama und Papa, aber tatsächlich, ist Sprachentwicklung ein Sammelsorium aus ganz vielen kleinen Entwicklungsschritten und sie beginnt bereits im Mutterleib. Das heißt, da haben wir schon Sprachwahrnehmung, da hört das Kind die Stimmen, das Betonungsmuster der Muttersprache. Wenn das Baby dann auf der Welt ist, erinnert es sich auch direkt an die Stimme der Mama zum Beispiel. Und das ist ganz wichtig, das bereitet quasi schon auf die Sprachentwicklung vor. Und wenn das Baby dann auf der Welt ist, dann kommuniziert es schon. Ein ganz, ganz wichtiger Entwicklungsschritt. Blickkontakt, auf Mimik und Gestik der Bezugsperson reagieren. Das Weinen ist natürlich ein ganz großes Kommunikationsmittel. Und die Babys probieren ganz viel aus. Sie lernen zu saugen, zu schlucken, später zu kauen. Das sind alles ganz wichtige Schritte auf dem Weg zum Sprechen lernen, denn wir sprechen ja mit Zunge, Lippen, Wangen, all das sind quasi Artikulationswerkzeuge, die das Baby schon trainiert. Und tatsächlich kommt dann ein ganz wichtiger Entwicklungsschritt, die GUR-Phase, wenn die Babys so alle möglichen Laute produzieren und sie klingen dann spannenderweise tatsächlich auf der ganzen Welt relativ gleich, und passen sich erst später in der zweiten LAL-Phase an das Laut- und Betonungsrepertoire ihrer Muttersprache an. Und da ist ein ganz, ganz wichtiger Entwicklungsschritt zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat, die zweite Lallphase. Das kennt ihr sicher alle, wenn ihr jetzt nochmal über die Entwicklung eures Babys nachdenkt, wenn die Babys anfangen zu lallen und sowas machen wie da, da, da, wa, wa, wa, we, we, we. Also sie benutzen Vokale und Konsonanten, bringen die in Kombination und üben schon das Betonungsmuster ihrer Muttersprache ein. Aus Auslösung. Wird irgendwann Papa. Und genau, darauf kann man als Eltern einfach ein Augenmerk legen. Lallt mein Baby. Und dann kann man schöne Lall-Dialoge auch mit dem Baby machen. Und dann kommen irgendwann so um den ersten Geburtstag die ersten Wörter. Und dann hat das Kind die Aufgabe sozusagen, Wörter zu sammeln. Das heißt, im zweiten Lebensjahr steht Wortschatz im Fokus. Sie sammeln Wörter, erweitern ihren Wortschatz, sodass sie mit circa zwei Jahren durchschnittlich 250 Wörter sprechen und anfangen, Wörter zu kombinieren. Sowas wie Mama-Arm, Auch-Name. 250 Wörter, das hört sich mega viel an. Ja, im Durchschnitt. Also es gibt. Einen Grenzstein und einen Meilenstein. Also durchschnittlich, das ist der Meilenstein, sprechen Kinder 250 Wörter. Minimum, die Grenze, sollten es mit 24 Lebensmonaten 50 Wörter sein. Daran kann man sich so ein bisschen orientieren. Wenn es jetzt 48 Wörter sind, müssen wir jetzt nicht, den Fokus auf diese zwei fehlenden Wörter legen. Aber, diese 50-Wort-Grenze ist tatsächlich ein ganz wichtiger Meilenstein. Denn mit drei Jahren sprechen die Kinder eigentlich schon Sätze, werden auch von Außenstehenden recht gut verstanden. Und verfeinern ihr Sprachsystem grammatikalisch und in der Aussprache. Während sich Wortschatz- und Erzählfähigkeit ein ganzes Leben lang weiterentwickeln und entfalten, ist eigentlich das Gros der Sprachentwicklung, also Aussprache, grammatikalische Regeln, Ausspracheregeln, so mit vier bis fünf Jahren tatsächlich abgeschlossen. Da ist die Basis da. Mit wie vielen Jahren nochmal? Mit vier bis fünf Jahren. Krass, das hätte ich jetzt nicht gedacht. Ich finde ja, was du jetzt gerade erklärst, also natürlich hat man, ich bin ja als Hebamme sozusagen das ganze, das meiste erste Lebensjahr so natürlich in unterschiedlichen Abständen mit dabei. Aber wenn du mir jetzt gerade das erklärst, so dein Berufsbild sozusagen im ersten Lebensjahr, dann finde ich eigentlich schon, dass, glaube ich, darüber wenig. Aufklärung gibt, weil du ja eigentlich erst immer ins Spiel kommst, so ist mein Empfinden, wenn es problematisch wird oder wenn es Verzögerungen gibt. Aber was du jetzt gerade erzählst, auf was man achten kann und so weiter, ist das ja eigentlich auch ein wichtiger Punkt, der viel mehr Aufklärung schon bräuchte und wo du ja eigentlich schon viel eher mit ins Spiel kommen sollst. Also Logopädie im Allgemeinen. Das ist jetzt so, finde ich, da sind ja Eltern, glaube ich, also wenn man sich jetzt nicht selber für Sprache interessiert, dann ist das ja schon einfach ein Thema, was wirklich sehr in Vergessenheit gerät. Ja, tatsächlich, das ist sehr schade, dass Logopädie erst ins Spiel kommt, wenn man merkt, ein Kind kann sich nicht adäquat ausdrücken, anstatt Logopädie auch als das zu sehen, was es ist, nämlich eine wertvolle Prävention. Und wenn ich Eltern im Säuglingsalter einfach schon ganz viele Dinge erklären kann, wie funktioniert Saugen, wie funktioniert Kauen, wie funktioniert Schlucken, wie wichtig ist die Nasenatmung auch bereits für Babys, wie kann ich mit Schnuller und Trinklernbechern und so weiter umgehen, dann schaffe ich schon eine ganz, ganz gesunde Grundlage für den Mund und für Kommunikation. Wie häufig siehst du jetzt in deiner Praxis auch schon Babys? Also weil du jetzt gerade gesagt hast, dass du ja ganz viel da sozusagen schon in Kontakt treten, also schon verändern kannst. Also das ist ja wirklich für mich auch nochmal so ganz wichtig zu wissen. Weil das ist immer das Schöne, eigentlich müsste man mit diesen Begrußgruppen einfach viel mehr im Austausch sein, weil ja, so Stillen hat ja auch schon was mit Logopädie und Sprachentwicklung zu tun, weil ja diese ganzen vielen Muskelgruppen im Mund und auch Geburt, also, das Geburt, der sozusagen so kraftvoll auf die Babys wirkt, dass ja auch einfach mit Verspannungen und so weiter, das ist ja am Anfang wirklich für einige Kinder gar nicht so einfach, auch richtig zu saugen. Ja, also tatsächlich sehe ich hier in meiner Praxis, in der wir uns jetzt auch gerade befinden, sehr viele Säuglinge, teilweise wenige Tage alt bis hin zu acht, neun Monaten oder dann. Nach oben hin ist die Altersgrenze nicht beschränkt, weil ich spezialisiert bin auch auf aurale Restriktionen, also Verzungenbänder, Lippenbänder, Wangenbänder, Saugschwäche und so weiter. Das heißt, ich übernehme dann die Vorsorge, dann kommt die Phrenotomie, also die Durchtrennung des zu kurzen Zungenbändchens und dann die Nachsorge. Denn die Babys lernen ja nicht einfach so dann richtig ihre Zunge zu benutzen, je nachdem wie alt sie auch schon waren, bis die Trennung stattgefunden hat. Und dann machen wir eben bestimmte Übungen mit dem Säugling und leiten auch die Mamas und Papas an, zu Hause das Wundmanagement durchzuführen und die Zunge in Funktion zu bringen. Okay. Also tatsächlich, von Anfang an, ja. Okay. Wir waren bei der Sprachentwicklung im ersten Lebensjahr, hast du jetzt die Schritte gesagt, die wichtig sind und dass man einfach auch, wenn keine ganzen Wörter gesprochen werden, auf die Laute ja sozusagen achten soll und das Baby sich ja weltweit fast gleich an. Ich liebe auch so dieses erste Rö, wenn sie den Mund so, es ist einfach so schön in Kommunikation zu gehen. Was würdest du Eltern immer mit an die Hand geben für das erste Lebensjahr? Was ist wichtig? Worauf sollten sie achten, wenn sie in Kommunikation mit ihrem Baby sind oder wie kann man es einfach auch fördern? Also man braucht keine extra Spielsachen oder Fördermaterialien. Was ich natürlich sehr gerne mag, sind diese Baby-Kontrast-Karten. Die kennst du wahrscheinlich auch, weil die eben sehr gut ausgelegt sind auf das Baby-Sehen. Aber ansonsten reicht es tatsächlich, dass man als Person da ist im 1 zu 1, dass das Baby den Gesichtsausdruck sehen kann, also die Mimik. Es ist ja auch so eine Art genetisches Programm, was abläuft, wenn Erwachsene und sogar ältere Geschwister mit Babys sprechen. Sie fangen nämlich an zu kremassieren. Ich versuche das jetzt gerade zu machen. Also große Augen, große Mundöffnung. Und man nennt es Babytalk oder die Amensprache. Und die Tonlage verändert sich ja auch. Die Tonlage verändert sich, genau. Und das kann ich allen Eltern wirklich nur ans Herz legen, genau in diesen Babytalk zu gehen, auch wenn es sich manchmal affig anfühlt. Aber die Babys brauchen genau diese Hinweisreize. Sie brauchen einen Menschen, der kremassiert, der die Aufmerksamkeit überhaupt erst auf den Mundraum lenkt, der langsamer spricht. Ich versuche das jetzt vorzumachen. In einer stark übertriebenen Betonung und Intonation. Die Stimmlage ist höher, die Sätze sind kürzer, weil das Baby ja noch gar nicht so viel Aufmerksamkeit hat und sein Sprachverständnis erst aufbaut. Und ja, ich kann zum Beispiel beim Wickeln, beim Baden, beim Anziehen, kann ich mit meinem Baby in Kommunikation treten und Körperteile benennen und auch anfassen, da ist die Nase, da sind die Augen und dann eben in diesem Babytalk, in diesem Singsang dem Kind wunderbar. Sprachrhythmen zugänglich machen. Also wirklich kommuniziert mit euren Babys, wenn sie klucksen und gürren und lachen. Dann ist das der Redeanteil des Babys und ihr als Mama und Papa greift das wieder auf und wandelt es in Sprache um und damit entstehen wunderbare Dialoge, Verbindungen, Beziehungen, in denen Sprache wachsen kann. Schön. Kannst du als Fachfrau eigentlich oder kannst du auch Eltern sozusagen dazu anleiten, dass man im frühen Stadion einfach im Babyalter schon, kannst du da sehen, dass es da vielleicht Störungen von der Sprachentwicklung gibt oder wann ein Grund zur Sorge ist? Weil ich glaube einfach, dass zum Beispiel der Gang, jetzt bist du spezialisiert, hast du gerade gesagt, dass du auch mit Säuglingen gerade bei Saugschwierigkeiten arbeitest. Aber ich habe immer das Gefühl, dass der Gang zur Logopädin immer sehr, sehr spät ist. Und du hast jetzt gerade uns erklärt, wann Sprache eigentlich schon abgeschlossen ist. Oft habe ich das Gefühl, dass einige Kinder dann erst dort landen und dass es auch von den Kinderärzten immer sehr spät empfohlen wird. Und wie kann ich vielleicht da selber schon als Eltern aufmerksam werden, wenn es jetzt zum Beispiel eine Sprachentwicklungsstörung gibt oder wo sollten sie vielleicht gucken oder vielleicht auch da sollte man, gibt es einen Grund zur Sorge. Also das finde ich, glaube ich, ganz wichtig, dass man selber schaut, weil unser Gesundheitssystem ist ja jetzt nicht daraus ausgelegt. Dass die Untersuchung, also ich will ja jetzt überhaupt niemandem zu nahe treten, aber ich meine nur, man weiß ja, wie viel Zeit da ist und gerade Sprache. Also die Kinder sprechen ja auch nicht, wenn die jetzt zum Arzt gehen, innerhalb von jetzt musst du sprechen, sondern das passiert ja in Verbindung und in Ruhe und in Zeit. Und deshalb sind ja, glaube ich, die Eltern... Und die engsten Bezugspersonen, die besten Menschen, die das, glaube ich, so einschätzen können, wie sich ein Kind entwickelt. Ja, also ich würde generell sagen, und das möchte ich betonen, wenn ihr als Eltern das Gefühl habt, irgendetwas fühlt sich nicht richtig an, im Vergleich zu anderen. Ich weiß, man soll nicht vergleichen, aber ich merke, mein Kind hat keine Freude an Kommunikation. Es zieht sich zurück, es kommt zu sprachbedingten Wutanfällen, es kommt immer wieder zu Missverständnissen. Ich habe das Gefühl, meinem Kind geht es in Bezug auf Sprache, in Bezug auf Austausch nicht gut. Dann ist es immer ein richtiges Bauchgefühl. Wenn ich als Mama und Papa denke, irgendwas passt nicht, ich bin verunsichert und stelle mir Fragen, dann steht für eure Kinder ein, und lasst das Ganze einmal fachlich abklären, denn ihr habt meistens den richtigen Riecher. Es gibt tatsächlich so ein paar Warnsignale oder Red Flags. Also wenn ein Baby nach dieser ersten Lallphase plötzlich verstummt, dann kann das auf eine Hörstörung oder Hörminderung hindeuten. Am Anfang leilt ein Baby, auch wenn es sich nicht hört. Dann braucht es aber die auditive Rückkopplung. Wenn es sich selbst nicht hört, verstummt es. Wenn ihr merkt, ich habe da ein ganz ruhiges Baby, es hat geleilt und dann plötzlich leilt es nicht mehr, dann ist es an der Zeit, den Kinderarzt, die Kinderärztin, den HNO-Arzt aufzusuchen und nochmal einen Hörtest durchzuführen. Hören ist essentiell für die Sprachentwicklung. Das gilt auch im Kleinkindalter. Ständig wiederkehrende Mittelohrentzündungen oder Paukenergüsse. Traut euch zu hinterfragen, warum kommen die immer wieder? Was passiert mit der Sprachentwicklung, wenn mein Kind immer so hört, als wäre Watte im Ohr? Es kann Sprachlaute nicht richtig differenzieren. Das macht was mit der Aussprache, mit der generellen Sprachentwicklung. Also das sind solche Dinge. Wenn mein Kind plötzlich verwaschen spricht, werdet aufmerksam. Das kann auf eine Hörminderung hindeuten, Paukenerguss, Mittelohrentzündung. Ganz wichtig, ich komme nochmal darauf zu sprechen, du hast es ja auch schon angesprochen, Sissi, das Late-Talking ist ein ganz wichtiger Baustein in der Früherkennung von Sprachentwicklungsstörungen. Wenn ein Kind mit zwei Jahren noch keine 50 Wörter spricht, die müssen nicht perfekt ausgesprochen sein. Das darf zum Beispiel Bu für Buch sein oder Nane für Banane oder Wauwau für Hund. Aber es sollten ungefähr 50 Wörter sein. Dann sollte ich aufmerksam werden, denn das kann ein erstes Indiz dafür sein, dass mein Kind Probleme hat, Sprache zu verarbeiten und die Sprachentwicklung nicht richtig in Gang kommt. Und dann sollte man nicht bis vier oder fünf abwarten, sondern man sollte mit zwei Jahren dann schon reagieren. Mit zwei Jahren, wenn es unter 50 Wörtern ist. Ja, denn dann ist das Kind ein sogenannter Late Talker und der hat ein höheres Risiko, Sprachentwicklungsstörungen zu entwickeln. Aber es kann dann auch, wenn man sozusagen zur Logopädie geht, auch alles ganz normal verlaufen, weil einige Kinder sind einfach ein bisschen später dran. Genau, also es ist so, dass wenn du merkst, dass dein Kind ein Late Talker ist, also noch keine 50 Wörter spricht und keine Wörter kombiniert im Alter von 24 Lebensmonaten, obwohl alles andere völlig unauffällig verläuft, also das Hören funktioniert gut, Motorik, allgemeine Entwicklung, alles ist super. Irgendwie entwickelt sich aber die Sprache nicht so schnell, wie du es erwartet hättest. Dann trau dich, suche logopädischen Rat, denn die Logopädin wird jetzt alles Mögliche bei deinem Kind ganz liebevoll sich anschauen. Das Spielverhalten, das Symbolverhalten, das Sprachverständnis, Kommunikationsfreude und so weiter. Und eventuell kommt raus, dein Kind braucht ein bisschen Anschubhilfe. Um sich bis zum dritten Geburtstag zum Late Bloomer, zum Späterblüher entwickeln zu können. Und diese Anschubhilfe muss gar nicht unbedingt eine direkte Therapie sein. Manchmal reicht da schon eine Elternberatung, wo Eltern lernen, ihren Kind zu fördern. Und wenn eine direkte Eins-zu-eins-Therapie nötig ist, dann freue dich, dass dein Kind früh Hilfe bekommt. Denn tatsächlich holen, ohne dass ich Angst machen möchte, aber man muss es einfach klar definieren, Sprache ist individuell. Jedes Kind entwickelt sich in seinem Tempo. Aber wichtige Meilen und Grenzsteine gehören dazu. Und nur ein Drittel aller Late Talker holt aus eigener Kraft bis zum dritten Geburtstag auf. Das heißt, der weitaus größere Teil braucht Hilfe. Und deshalb sollte man es einfach früh abklären lassen. Okay, das ist jetzt ein Grund, den du genannt hast. Was sind dann noch die häufigsten Gründe für Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung? Also du hast gerade das Hören schon angesprochen. Manchmal gibt es neurologische Ursachen, genetische Faktoren, allgemeine Entwicklungsproblematiken, die Sprache beeinflussen, die Entwicklung von Sprache beeinflussen. Tatsächlich ist es aber so, dass sieben Prozent aller Kinder eines Jahrgangs keine erkennbare Ursache zeigen für ihre Sprachentwicklungsstörung. Das ist dann quasi eine spezifische Problematik, begrenzt auf den Bereich der Sprache. Sie sind intelligent, sie sind pfiffig, sie sind motorisch vollkommen unauffällig, aber es hapert beim Erwerben von Wörtern, Sätzen, grammatikalischen Regeln, Ausspracheregeln. Und das nennt man eine Sprachentwicklungsstörung. Man kann da keine Ursache finden. Sieben Prozent aller Kinder eines Jahrgangs, das sind so circa zwei Kinder in einer Schulklasse. Ja, ist gar nicht so wenig. Gar nicht so wenig. Es ist die häufigste Entwicklungsstörung im Kindesalter und leider kennt sie niemand. Deswegen haben wir unter anderem auch das Kinderbuch Das kleine Helvas geschrieben, wo man quasi lernen kann, was ist eine Sprachentwicklungsstörung? Wie fühlt sich ein Kind, wenn es sich nicht mitteilen kann oder nicht verstanden wird? Und was macht Lorozumie? Ja, und du sagst ja auch natürlich, Sprachentwicklungsstörung hat natürlich auch noch ganz viele andere Auswirkungen auf das Kind. Wenn es sich nicht mitteilen kann, ist das ja auch immer eine Form von Ausgrenzung. Weil wenn andere Kinder dich nicht verstehen, dann ist das natürlich auch schwierig. Also es isoliert ja auch total. Total. Da gibt es leider auch sehr viele internationale Studien, die zeigen, dass Sprachprobleme ganz viel mit dem emotionalen und psychosozialen Wohlbefinden machen. Also die Kinder, auch die Erwachsenen, die betroffen sind, erleben häufiger Mobbing, Ausgrenzung, sind psychisch weniger stabil. Es macht viel mit dem Selbstwertgefühl. Auch Jobchancen hängen natürlich von Sprache und Schriftsprache ab. Ja, das ist sehr komplexes Thema. Jetzt waren wir ja gerade beim Late Talker und was kann ich denn als Eltern machen? Also einerseits Hilfe suchen durch Logopädie. Wie sind die Bedingungen aktuell in Deutschland? Ich glaube, das wäre auch nochmal wichtig, kurz zu sagen, weil wie kann ich das über die gesetzlichen Krankenkassen? Wird das finanziert? Ist es ein hoher Eigenanteil? Du machst ja zum Beispiel auch deutschlandweite Sprechstunden online. Also wie läuft das so ab? Also wie ist da die Vergütung? Also Logopädie ist ein Heilmittel, das die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen. Wenn dein Kind eine Indikation hat, also eine Verordnung, ein logopädisches Rezept sozusagen, dann ist das sein Ticket in die Logopädie, wie in die Ergo- oder Physiotherapie. Und es wird zu 100 Prozent von den Krankenkassen übernommen. Und gibt es Probleme viel? Ja, es gibt natürlich Probleme. Also, ja. Die Ärzte überweisen sparsam, sie überweisen zu spät, sie setzen viele Dinge aus, weil sie Budgetgrenzen einfach haben. Also es ist tatsächlich ein Problem, dass Kinder oft zu spät kommen, weil der Arzt das Problem verkennt oder zum Abwarten rät, weil sein Kontingent für dieses Quartal erschöpft ist. Achso, okay. Und das ist natürlich wirklich schwierig, weil das ist ja auch das, wo ich zum Einstieg schon gesagt habe. Also ich finde auch, dass die Lobby bei euch jetzt auch nicht so groß ist. Viele wissen gar nicht um Logopädie. Deshalb war es mir auch wichtig, heute diese Folge zu machen. Und ich glaube halt, dass es einfach oft halt nicht die Zeit ist, aber Budgetgründe. Das heißt, er hat, also um das mal zu verstehen, der Arz hat ein Budget und da kann er nur so und so viele Rezepte verteilen. Und dann ist es natürlich ausgeschöpft. Das sagt natürlich niemand so offiziell. Wir können hier aber offiziell ansprechen. Also Eltern kriegen das natürlich nicht als Antwort. Es tut mir leid, sie müssen bis zum nächsten Quartal warten. Meistens ist dann die Antwort, warten Sie mal ab, das kommt schon noch. Also es ist ja. Keine überlebensnotwendige Intervention. Ob mein Kind nun stottert oder hier und da noch Laute vertauscht, warten Sie mal ab, das kommt schon noch. Das hören Eltern oft. Und oft lassen sie sich auch vertrösten und später, leider, haben sie dann auch mit Schuldgefühlen zu kämpfen, weil sie sagen, hätte ich es nur früher gewusst. Ich habe dem Arzt vertraut. Und das ist halt. Also das ist ethisch einfach, das geht nicht, das ist schlimm, ja. Weil ich vertraue ja auf meinen Kinderarzt und wenn er da nicht informiert ist, nicht auf dem neuesten Stand der Wissenschaft, ich möchte jetzt auch hier keinen bashen, es gibt viele tolle Kinderärzte und Kinderärzte. Nein, nein. Oder weil er aufgrund von Budgetproblemen einfach anders agieren muss, dann tut mir das um jedes Kind einfach leid. Ja, ich glaube, es war ja wahrscheinlich auch eine Intention, einfach Sprachgold zu gründen, um halt dein Wissen halt auch mehr Menschen zugänglich zu machen. Ja, wir brauchen informierte, aufgeklärte Eltern, ja. Wenn ich jetzt bei dem Late Talker einen Late Talker habe, also wir haben jetzt, wir werden bestimmt viele jetzt anfangen zu zählen, wo man da so das Gefühl hat, die Wörter hat, was kann ich denn als Eltern zu Hause schon mal tun, um mein Kind bestmöglich zu unterstützen? Also die Frage ist nicht so ganz leicht zu beantworten, weil wenn wir das Kind jetzt diagnostizieren würden, würden wir so ein ganz individuelles Stärken- und in Anführungsstrichen Schwächenprofil machen. Und anhand dessen würden wir die Eltern ganz individuell anleiten, was dieses Kind für seinen Sprachstand und seine Fähigkeiten gerade braucht. Von daher kann das bei jeder Familie völlig anders aussehen. Aber was generell nie schadet, ist tatsächlich, ich empfehle Eltern gerne, sich mal zurückzunehmen, ihr Kind zu beobachten und ihm Zeit zu geben in der Kommunikation, denn Eltern neigen dazu, ihr Late-Talker-Kind jetzt in Sprache zu baden, weil sie es gut meinen und weil sie denken, wer viel Sprache hört, wird schon irgendwann sprechen. Das heißt, sie baden das Kind in Sprache und es werden Monologe und das Kind schaltet einfach ab und kann den Input gar nicht mehr verarbeiten. Viele Eltern neigen auch dazu, sehr, sehr viele Fragen zu stellen, um Sprache rauszukitzeln und fragen ihr Kind dann so ab. Aber Sprache ist kein Abfragen. Das fühlt sich dann wie eine Testsituation an und macht einfach keinen Spaß. Auch dann steigen die Kinder aus. Das heißt, ich empfehle Eltern immer, versucht Druck rauszunehmen. Tretet einen Schritt zurück, beobachtet euer Kind, für was interessiert es sich, was zeigt es euch an Kommunikation, Blickkontakt, Zeigegeste, Geräusche, Lautierungen, Wörter und versucht das leicht zu erweitern. Also wenn das Kind beispielsweise sagt, Auto, dann kann die Mama antworten, ja, ein rotes Auto. Ganz kurz die Äußerung erweitern. Oder brumm, brumm, sagt das Kind, dann könnte Mama und Papa sagen, brumm, brumm, das Auto fährt schnell. Das heißt, orientiert an der nächsten Zone der Entwicklung gebe ich nur Moderatsprache rein, die das Kind auch verarbeiten kann. Und wenn ich Fragen stelle, das ist tatsächlich noch ganz wichtig, dann zählt mal innerlich bis fünf und versucht mal so lange abzuwarten, bis euer Kind antwortet. Denn wir neigen dazu, oft nach ein bis zwei Sekunden die Antwort selbst zu finden. Aber euer Kind braucht vielleicht ein bisschen Zeit, um die Frage zu verarbeiten und auch um eine Antwort zu finden. Und Studien zeigen, wenn wir mutig sind und Pausen machen nach unseren elterlichen Redeanteilen, Fragen oder Sätzen, dann fangen die Kinder auch an, mehr elaborierte, also mehr ausgeschmücktere Äußerungen zu zeigen. Aber sie brauchen diese Verarbeitungspause. Also das sind so zwei, drei Tipps, die man so allgemein geben kann und die auf jeden Fall nicht schaden, alles anderes, wie gesagt, sehr individuell auch auf das Familiensystem ausgelegt. Ich liebe individuell. Nur unser System liebt leider nicht individuell. Ich habe noch eine Frage. Wenn ich jetzt aber einen Late Talker habe und der schafft es aber. Dass er trotzdem alles bekommt, indem er Sachen zeigt, also er spricht nicht so, das ist ja auch schwierig. Also ich kenne Late-Talker, die keine Probleme im Alltag haben, weil jeder sie irgendwie mit Händen und Füßen versteht. Das ist ja auch irgendwie ein Ausdruck von Sprache. Auf jeden Fall. Also nonverbale Kommunikationsmittel über Körpersprache, Mimik, Gestik, das ist Kommunikation und die sind wertvoll. Und ich empfehle allen Eltern, die jetzt so einen Laytalker zu Hause haben, der es schafft, sich über alternative Ausdrucksmöglichkeiten mitzuteilen, feiert das, denn er hat einen Weg gefunden, zu kommunizieren und in den Austausch zu treten. Also sagt bitte nicht so etwas wie, auf was zeigst du gerade? Das musst du schon sagen, wie das heißt. Nö, also du musst erst Tasse sagen, sonst kriegst du die Tasse nicht. Weil damit lasst ihr ihn auflaufen und baut Kommunikationsfrust auf und Druck. Aber sprechen soll Spaß machen. Also vielleicht liebevoll irritieren und sagen, meinst du das? Und dann einen falschen Gegenstand hochhalten. Ah, okay, den Ball wolltest du gar nicht, die Tasse. Okay, ich gebe dir die Tasse. Also liebevoll versuchen, Sprache rauszukitzeln, nochmal zu kommentieren, aber auf keinen Fall auflaufen lassen. Okay, finde ich einen total wichtigen Punkt, weil ich glaube, dass man unterbewusst ist, also es auch nicht böse meint, aber das ist natürlich einfach schön, wie du das jetzt erklärst. Gibt es noch etwas bei Late-Talkern zu beachten, was du sehr wichtig findest? Es waren ja schon sehr viele gute Impulse, aber gibt es, wo man auf den ersten Blick nicht so drauf kommt? Also auf jeden Fall früh abklären lassen, sich anleiten lassen. Ah ja, vielleicht noch ein wichtiger Punkt. Viele Eltern berichten, mein Late Talker mag keine Bücher. Aber Bücher sind tatsächlich super sprachförderlich, genauso wie auch Singen, Reimen, Klatschspiele. Und dann kann man vielleicht mal in sich gehen und überlegen, wie lese ich denn mit meinem Late Talker Kind zu Hause ein Buch? Denn es geht tatsächlich gar nicht ums Lesen, sondern viel wichtiger ist es, über die Bilder zu sprechen und auch da erst mal abzuwarten, für welches Bild im Buch interessiert sich denn mein Laytalker. Worauf zeigt er. Und wenn der immer auf Seite 8 blättert und immer wieder denselben Vogel zeigt, dann ist das so, akzeptiert das und versucht daraus sprachlich etwas zu machen. Also versucht, Sprache mit Freude dem Kind darzubringen, statt das Ziel zu haben, wir müssen dieses Buch von Anfang bis Ende lesen. Wir haben dafür auch einen Eltern-Videokurs entwickelt, der heißt Lies mit mir. Da lernen Eltern die Techniken des sogenannten dialogischen Lesens. Das ist schon in Amerika seit den 80er Jahren. Eine ganz wertvolle Sprachförderstrategie. Also dass Eltern durchs Vorlesen die Sprachförderung ihrer Kinder? Ja, durch das dialogische Lesen. Also man geht eher weg vom Vorlesen, sondern man spricht über Bilder. Man benutzt so Techniken wie Wiederholung, Erweiterung, bestimmte Fragen, um die Sprache des Kindes auf das nächste Level zu bringen. Okay, also sind Wimmelbücher eigentlich auch, weil Bücher ohne Text ja nicht verkehrt, oder? Wimmelbücher sind super sprachförderlich. Man muss nur darauf achten, Late-Talker haben manchmal auch Probleme, sich zu konzentrieren und sind schnell abgelenkt. Und auf so einem Wimmel, in so einem Wimmelbuch, wimmelt es quasi voller Bilder und an Informationen. Und dann kann es sein, dass das Late-Talker-Kind die Sprache, die man anbietet, einfach nicht gut auf das jeweilige Bild oder die jeweilige Szene übertragen kann, weil es einfach zu ablenkend ist. Aber es gibt ja auch Wimmelbücher für Zweijährige, die sehr reduziert sind. Okay, also eher dann weniger zu haben, weil es zu abhängen wird. Weniger ist mehr, genau. Okay. Ein weiterer wichtiger Punkt, der glaube ich auch erst in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund gerückt ist, dass ja viele Kinder und auch schon Babys durch den Mund atmen, immer mit offenem Mund sozusagen schlafen. Und das kann ja nicht nur zu Schwierigkeiten beim Sprechen führen, sondern auch für die ganze Gesundheit des Kindes. Was kann ich tun, was können da für Komplikationen daraus entstehen, wenn mein Kind wirklich dauerhaft den Mund öffnet und durch den Mund atmet? Also Komplikationen sind tatsächlich sehr weitreichend, wenn wir uns jetzt erstmal nur auf den Mundraum beschränken. Man muss sich vorstellen, wenn der Mund geöffnet ist, ich mache das jetzt einmal vor. Ja, gerne. Dann liegt die Zunge im Mundboden. Das Kiefergelenk hat einen ganz anderen Winkel. Die Wangen sehen recht gelangweilt und hypoton, also schlaff aus. Das heißt, es macht was mit meiner Muskulatur, mit meiner myofunktionellen Muskulatur, die erschlafft, weil sie nicht so genutzt wird, wie sie genutzt werden sollte. Die Lippen berühren sich nicht mehr, die hängen da, die Zunge liegt im Mundboden. Das heißt, Muskulatur baut sich ab und die Zunge und die Lippen verlieren auch in der Regel oft an Koordination und Beweglichkeit. Zum Sprechen brauche ich natürlich starke... Gibt es da auch eine Ursache, warum das so ist? Ja, es gibt zum Beispiel als organische Ursache das verkürzte Zungenbändchen, was es der Zunge nicht erlaubt, dass die Zunge oben in Ruhe, in ihrer physiologischen Ruheposition am Gaumen liegen kann. Das sieht so aus. Aber du meinst das vordere Zungenbändchen hier? Das Zungenband, genau. Es gibt posteriores oder vorderes. Aber wenn das zu kurz ist und die Zunge kommt nicht an den Gaumen... Das vordere meinst du, aber du meinst jetzt... Genau, weil es ist ja auch gerade sehr in der Kritik, was das tiefe Zungenband angeht. Ja, aber wichtig ist vor allem nicht, ob die Zungenspitze nur an den Gaumen kommt, weil das wäre falsch. Auch der Zungenkörper, der Mittelteil der Zunge, muss hoch an den Gaumen. Und wenn die Zunge in irgendeiner Form durch das Zungenband eingeschränkt ist und nicht da hochkommt, dann ist es als organische Ursache zu werten. Weil dann zieht das Zungenband, die Zunge nach unten, beziehungsweise es ist verkürzt und die Zunge kommt gar nicht nach oben. Und wenn die Zunge im Mundboden liegt, dann öffnet sich der Mund. Also das könnte eine organische Ursache sein. Wenn ein Kind vergrößerte Rachen und Gaumenmandeln hat oder Polypen und gar nicht ausreichend Luft durch die Nase bekommt, dann muss es auch durch den Mund zuatmen. Das wäre auch eine organische Ursache. Das heißt, man sollte bei Mundatmung immer auch beim HNO-Arzt oder der HNO-Ärztin diese Dinge abklären lassen. Beim Thema Zungenwarm gibt es ja wirklich gerade eine sehr große Verunsicherung. Also erst mal glaube ich, dass einfach viele nicht wissen. Wenn du jetzt gerade sagst, das ist eine organische Ursache, Aber in der kompletten Diagnostik wird es ja auch das sehr, sehr spät festgestellt. Ja, im besten Fall sollte man es direkt nach dem ersten Anlegen, nach der Geburt feststellen. Das ist für Familien das Allereinfachste. Ja, aber du weißt ja auch, wie deine Fälle sind. Also ich meine, wie viel Prozent der Kinder, die du betreust, haben Probleme mit der Nasenart, die atmen durch den Mund? Oh, viele. 50 Prozent würde ich sagen. Über 50 Prozent. In allen Altersglappen. Und ist die Mundatmung erst zu einer Gewohnheit geworden, ist es tatsächlich, auch sehr schwierig, sie abzulegen. Auch wenn du quasi gelernt hast, wo die Zunge hingehört und wie du die Lippen schließt und dass du deine Nase benutzt, du verfällst oft wieder in diese alte Gewohnheit. Ja, vor allen Dingen auch in stressigen Situationen, wo man sich konzentrieren muss. Ja, also es hat auch ganz viel tatsächlich mit Wahrnehmungsarbeit zu tun und Routinen im Alltag. Und da ist es tatsächlich ganz wichtig, für deine Hörer und Hörerinnen wahrscheinlich interessant, dass man von Anfang an die Gesundheit gut, die Mundgesundheit gut unterstützt. Und dazu gehört eben auch, dass man es dem Kind ermöglicht, oral zu explorieren. Also bitte nicht sagen, nee, das darfst du nicht in den Mund nehmen. Finger raus. Oder dass die Kinder erkunden ja auch Gegenstände mit dem Mund. Natürlich muss es sicher sein. Das ist klar. Ich würde meinem Kind jetzt auch keine Kugelmurmel oder sowas erlauben, in den Mund zu nehmen. Aber bitte lasst eure Kinder die Welt mit dem Mund erkunden. Fäustchen rein bei den Babys und andere Dinge. Damit bilden sich ganz viele, nicht nur Muskulatur, sondern auch Wahrnehmung. Der Wirkelreflex wandert Stück für Stück nach hinten, wenn die Kinder dann auch lernen, unterschiedliche Konsistenzen im Mund zu händeln. Also erlaubt euren Kindern nicht nur Brei, sondern alle anderen Konsistenzen zu bearbeiten. Das ist ganz wichtig für eine gesunde Mundentwicklung. Oder lasst eure Kinder aus offenen Bechern trinken. Vergesst die Trinklernbecher, die euch die Industrie vorgaukelt, dass wir sie brauchen. Klar, auslaufsichere Becher sind super für uns Eltern, aber nicht verschütten sollte nicht unser Ziel sein, sondern Kinder lernen unglaublich viel, wenn sie aus einem offenen Becher trinken. Die Kippbewegung, die Kopfneigung, die Zunge geht automatisch nach oben, wenn ich aus einem offenen Becher trinke. Ihr könnt das alle mal ausprobieren, wenn ihr aus einer Sippy Cap nuckelt. Also wie ich gerade. Machst du das gerade? Ich habe gar nicht drauf geachtet. Nee, aber ich habe gerade was getränkt. Ich habe hier so Getränke von meinem Mann. Ich habe dir gerade erzählt, ich habe in der Geburt wenig geschlafen und der hat mir hier so einen kleinen Drink gemacht. Und das ist ja wahrscheinlich auch schon nicht gut, daraus zu trinken. Ja, du kannst mal schauen, wo deine Zunge ist, wenn du daraus trinkst. Okay, machen wir hier gleich den. Die liegt wahrscheinlich unten im Mundboden. Nee, die liegt... Doch, sie ist unten, wenn ich mich, genau, sie ist unterhalb des Kopfes. Also ich ziehe es, ist ja wie ein Strohhalm. Also Strohhalm trinken ist auch nicht gut. Doch, Strohhalm trinken ist nochmal ganz anders zu bewerten. Da muss man halt gucken, wie lang ist der Strohhalm und wo genau liegt der Mund. Aber ich meine jetzt eher diese... Nee, die Zunge geht hoch. Diese Schnabelteile bei den Kindern, die so richtig die Zunge nach unten drücken, weil sie auf der Zunge liegen und die Kinder eigentlich nur zutschen und saugen, anstatt eine Wellenbewegung mit der Zunge beim Schlucken am Gaumen zu machen. Und du bist jetzt auch erwachsen, du hast es Schlucken gelernt und du trinkst aus völlig unterschiedlichen Bechern. Du trinkst ja nicht nur aus diesem Becher. Nee, aber ich finde es total sehr wertvoll, weil wenn ich jetzt mal so ganz bewusst trinke hier... Ja, ja. Habe ich eigentlich meine Zunge in der Mitte von der Öffnung. Sie ist nicht ganz unten, also ich ziehe sie hoch. Stell dir vor, du bist ein gerade erst sich in der Entwicklung befindendes Kleinkind und trinkst den ganzen Tag aus einem 360-Grad-Becher oder aus einer Sippy-Cup. Das heißt, deine Zunge lernt das dann gar nicht anders. Also die Kinder beißen auch oft auf diese Membran oder zutschen. Das heißt, sie lernen gar nicht das richtige Schluckmuster. Gut, dass ich immer sage, dass die keine Trinkbecher kaufen können. Da fühle ich mich ja schon mal jetzt ein bisschen, da habe ich ja schon mal Glück gehabt, weil wenn ich in der Beikaufsberatung bin, dass ich immer sage, kauft euch einfach diese italienischen Gläser, die es bei Manufakt, also ich will ja keinen Namen nennen, aber diese festen Gläser, dass die einfach aus dem Becher trinken von Anfang an. Also ich hatte zum Beispiel meiner vierjährigen Tochter, bei der habe ich wirklich gar nichts anderes gehabt. Die hat von Anfang an aus dem Glas getrunken, die kann super aus dem Glas trinken, konnte sie. Und für unterwegs gibt es ja diese Flaschen, die man so auftrinken kann, dass sie ein Becher sind. Also dann auch rein klar beim Autofahren. Ich weiß, es gibt immer Situationen, das ist dann schwierig. Da kann man dann vielleicht nochmal was anderes nehmen. Aber eigentlich geht es auch für unterwegs. Es gibt diese schönen Flaschen, die man so auftrinken kann und dann ist daraus wie so ein Glas. Das hat auch so einen kleinen Ständer, wie so ein kleines Wein. Kennst du, ne, diese Flaschen? Bei denen kann man aus der Flasche trinken. Das ist halt praktisch. Du weißt, was ich meine. Man kann es aus der Flasche trinken, aber man kann den Deckel abmachen, wenn man zum Beispiel kleine Kinder hat, dass ich dann immer zu denen sage, hey, dann dreht ihr es ab und dann habt ihr unterwegs einen Becher. Aber ich glaube halt, dieses 360 Grad, wo die so raus... Weil die saugen und zutschen, genau. Also, habt ihr gehört, keine 360 Grad Becher. Die Dosis macht ja auch das Gift. Wenn dein Kind mal aus so einem Becher trinkt während einer langen Autofahrt, dann ist das so. Da wird es nicht direkt das falsche Schluckmuster lernen. Aber wenn es eben den ganzen Tag daraus trinkt, dann vielleicht schon. Ja, aber ich finde es einfach auch so, wenn man sich das so gleich angewöhnt, ich meine, man hat eigentlich immer irgendwo ein Glas bereit. Also Kinder frühzeitig aus einem Glas trinken zu lernen, das hat ja auch super viele Vorteile, als immer diese ganzen Plastikbecher da. Also guck mal, das ist ein super Tipp. Aber lass uns mal noch kurz bei der Mundatmung bleiben, weil das ist ja wirklich auch ein Thema bei Babys. Würdest du auch empfehlen, da schon immer auch so zu machen, dass man, wenn man sieht, sie schlafen, dass man den Mund schließt? Ja, unbedingt. Also mit dem Finger unter das Kinn gehen, halten. Halten, ein bisschen zurückziehen hier unten. Genau, dann kriegt die Zunge so einen Schub von unten an den Gaufen. Genau, auf jeden Fall. Also auch bei Babys gehört die Nasenatmung zur natürlichen Entwicklung. Auch Babys sollten nicht durch den Mund atmen. Ein Mythos. Ja, es ist, ich habe, ich finde, und wenn man das dann trainiert, dann sagen wir, wir haben jetzt irgendwie ein fünfjähriges Kind, das hat immer viel in offenem Mund, auch gerade, wenn es sich konzentriert. Also so, wie gehst du da vor als Therapeutin? Was sind da, weil da ist ja so, ob es jetzt einmal die Woche zu dir kommt, das wird das Problem ja nicht lösen. Nein, auf jeden Fall muss man bei einer myofunktionellen Störung auch zu Hause aktiv werden. Also wie gehe ich vor? Also ich schaue mir natürlich erst mal Kraft, Koordination, Bewegungsausmaß von Zunge, Lippen, Wangen an. Ich schaue, gibt es ein Zungen- oder Lippenband, was einfach einschränkt und was wir nur durch Therapie, wo wir nur durch Therapie das Problem nicht lösen können. Ich schicke immer, wie gesagt, zum HNO-Arzt, um zu schauen, kann das Kind überhaupt ausreichend durch die Nase atmen? ist da genug Platz. Und in der Therapie sind es dann verschiedene Übungen. Weil man muss verstehen, es geht nicht einfach nur darum, den Mund zuzumachen. Dreh- und Angelpunkt ist die Zunge, die muss in Ruhe am Gaumen liegen. Denn dann ist sie die beste Zahnspange, die wir haben und dann formt sie unseren Kiefer aus. Und dann schaffen wir auch Platz für die Zähne. Und wenn die Zunge am Gaumen schluckt, wie sie es eigentlich tun sollte, Wir schlucken ca. 2000 Mal am Tag. Dann haben wir immer einen Wachstumsimpuls am Gaumen und der Gaumen kann in die Breite wachsen. Der Kiefer kann in die Breite wachsen und das Mittelohr wird belüftet. Das heißt, wir lernen eigentlich in der Therapie nicht einfach nur irgendwelche isolierten Zungenübungen, sondern wir lernen auch das richtige Schlucken. Und das ist etwas, was man dann auch zu Hause natürlich üben muss. Immer dann, wenn ich spucke, Wasser, andere Flüssigkeiten und Essen, kaue und schlucke. Kauen ist übrigens auch ein Therapiebaustein in der myofunktionellen Therapie. Wie kaue ich richtig? Dann lerne ich meiner Zunge die richtigen Bewegungen. Also das ist immer ein Bewegungsmuster, wenn du es so willst. Und Eltern bekommen Übungen mit nach Hause, die sie dann auch mit ihrem Kind machen. Ich finde das so interessant, vor allem was du gerade angesprochen hast mit der Kieferorthopädie, weil ich das selber am eigenen Leib erfahren habe, nämlich mit meinem ältesten Kind, dass wir in einer Kombination mit der Kiefer und Logopädie gemacht haben und dass man einfach nur durch die Logopädieübung gesehen hat, wie sich die Zähne verändert haben. Denn die Zunge arbeitet entweder für oder gegen dich. Wenn sie ständig an oder zwischen den Zahnreihen liegt oder dagegen presst beim Schlucken, dann macht sie die Zähne schief, öffnet sie den Biss und so weiter. Und wenn die Zunge am richtigen Platz liegt, dann arbeitet sie für dich. Und dann ist sie die beste Zahnspange und Kiefer und Zahnfehlstellungen können sich verändern. Ja, ich finde es auch ein Punkt, wo wieder so wichtig ist, dass diese Berufsgruppen eigentlich zusammenarbeiten. Also eigentlich sollte das ja auch. In der Kombination sein. Kommen wir wieder auf den ganzheitlichen Ansatz. Ich finde einfach so, dass wir ja diese ganzen Fachrichtungen haben, aber eigentlich müssten wir beide von Anfang an schon zusammenarbeiten, weil es einfach das Saugmuskel ja auch so wichtig ist. Und das sieht man ja auch, gerade wenn Kinder so nach der Geburt gestillt werden, dass sie gerade, wenn sie Verspannungen haben durch die Geburt, gar nicht ins richtige Saugmuskel kommen. Das ist ja wirklich viel Arbeit. Und ich finde es unglaublich schwierig auch, weil du hast schon ganz viele Babys, also es ist ja dein Fachgebiet sozusagen im Mund, diese Saugmuskel zu erkennen, dann auch zu therapieren, dass sie gerade im Kiefer locker werden. Weil ganz viele Babys, beobachte ich immer nach der Geburt, sind so verspannt und die können den Mund gar nicht richtig öffnen und somit auch ihre Zunge gar nicht richtig benutzen. Und dann kommt es ja auch zu Stillschwierigkeiten. Das ist ja auch einfach ein Riesenthema. Also wir haben hier bei Sprachgold, legen wir ganz viel Wert auf Netzwerken. Also wir haben quasi, wir legen ganz viel Wert auf Interdisziplinarität und wir arbeiten mit Hebammen, Stillberaterinnen, Kieferorthopäden und so weiter zusammen. Denn wenn dein Kind eine Zahnspange bekommt, aber die Ursache nicht behoben wurde, dann werden die Zähne sich wieder verschieben. Oder es muss sein Leben lang ein Retainer oder eine Beiß- und Knirschschiene tragen. Und das ist ja nicht Sinn und Zweck der Sache. Ja, genau. Also das ist ja auch, dass wenn die Zahnspange raus ist, dann haben ja die meisten Menschen halt noch diese Schienen hinten drin und die bleiben da auch. Also dann schiebt sich alles mit zurück. Also ihr seht, wie komplex dieses Thema ist und auf was man alles achten muss. Um nochmal auf die Sprache zurückzuhigen, weil das sind ja jetzt wirklich auch schon speziellere Themen. Aber auch noch letzte Gruppe, Zähne und Karies haben ja auch was mit Mundatmung zu tun. Total. Mundatmung haben ein höheres Kariesrisiko. Also deshalb solltet ihr wirklich da frühzeitig drangehen, weil das ist nicht nur einfach ein offener Mund, sondern es hat ganz viele Zusammenspiele im Körper. Macht auch ganz viel mit dem Nervensystem, mit dem Schlafverhalten, mit dem Trockenwerden. Also Mundatmung ist unglaublich komplex für die Gesundheit. Okay, habt ihr da auch einen Kurs dazu, den man belegen kann? Einen Elternkurs? Nein, zur Mundatmung oder nicht? Ja, weil das ist ein super spannendes Thema und ich glaube, da gibt es einfach noch sehr, sehr wenig Aufklärung. Und auch wieder bei den Kinderärzten ist das ja auch, das ist ja ein Thema, wo man jetzt nicht gleich ins Gespräch kommt mit der Mundatmung. Ich würde gerne noch auf ein Thema eingehen, was natürlich auch für die Sprachentwicklung, gerade bei kleineren Kindern, auch wichtig ist. Und wir leben ja in einer sehr digitalen Welt und gerade was, du hast gerade vom Vorlesen gesprochen, aber die Realität ist ja auch so, dass Kinder in unserer Gesellschaft natürlich viel mehr Bildschirmzeit haben als noch vor einigen Jahren. Was ist da deine Sorge oder was empfiehlst du als Logopädin, was das für einen Input auf die Sprachentwicklung hat? Also prinzipiell würde ich digitale Medien nicht per se verteufeln. Da müssen wir tatsächlich ein bisschen differenzieren. Und wir müssen uns einfach fragen, wie alt ist das Kind? Und da wird einfach international tatsächlich empfohlen, nicht ohne Grund, dass man in den ersten drei Lebensjahren keine bis stark eingeschränkte Bildschirmzeit haben soll. Und dann muss man zweitens darauf achten, wie wird denn konsumiert? Ist das passiv und berieseln und nonstop, sodass dann auch echte Interaktionen wie das Vorlesen, das Miteinanderspielen wegfällt? Oder ist es ein gemeinsames Nutzen, ein interaktives Schauen, darüber sprechen im Nachhinein oder ein Bild über das Gesehene malen, also begleitend schauen. Und der dritte Punkt ist, was wird denn konsumiert? Also man muss sich die Qualität der Programme oder der Apps tatsächlich anschauen und ich würde mich da nie auf die Altersempfehlungen der Hersteller verlassen. Man muss sich das immer erst einmal vielleicht selber anschauen und gucken, wie reizüberflutend ist die Sendung, wie viele Bildschnitte tauchen da auf, wie grell sind die Farben, wie schnell sind die Sprecher, wie viel Schlagabtausch ist da und, kann das mein Kind mit seinem jetzigen Sprachentwicklungsstand eigentlich für sich nutzen oder ist es viel zu komplex oder vielleicht sogar zu einfach, Oder ist es sogar emotional aufwühlend, sodass danach mein Kind total dysreguliert ist und erst mal wieder runterkommen muss. Von daher, ja, ist ein komplexes Thema, muss man differenziert betrachten. Aber Bildschirme sollten nie die echte Interaktion ersetzen. Aus ganz vielen Gründen, aber einen möchte ich noch nennen. Du kannst als Mama und Papa auf den Sprachentwicklungsstand deines Kindes eingehen. Wenn dein Kind sagt Wauwau, kannst du orientiert an der Zone der nächsten Entwicklung sagen, ja, Wauwau, der Hund bellt. Das heißt, es ist ein Pingpong, ein Schlagabtausch. Ihr seid immer in Beziehung. Und der Bildschirm kann nicht darauf eingehen, denn der kennt dein Kind nicht. Der kann es nur unter- oder überfordern. Der kann es aber nicht da abholen, wo es gerade steht. Noch nicht zumindest. Vielleicht kann das KI irgendwann. Aber noch braucht dein Kind echte Erlebnisse, handlungsorientiertes, begleitendes Erleben. Es muss die Dinge angreifen, im wahrsten Sinne des Wortes, um sie zu begreifen. Haptik. Wischen ist auch nicht gleich schreiben. Das sind ganz viele andere motorische Prozesse. Also von daher nie ersetzend, immer gemeinsam und dann, denke ich, hat man schon das Wichtigste verinnerlicht. Okay, danke da für deine Einschätzung. Eine Sache, du hast es gerade immer so schön aufgehoben mit mehreren Erklärungen, die du heute schon gegeben hast, dass zum Beispiel ein Kind Wauwau sagt, der Hund macht Wauwau, wie sieht es denn aus mit Verbesserungen? Also wenn mein Kind sozusagen Wörter spricht und die spricht es falsch. Ist es sinnvoll, es gleich zu verbessern? Oder ist es eher nur, dass es dann eher ein schlechtes Gefühl gäbe, dass es sich dann nicht mehr traut, was zu sagen, weil es Angst hat, dass es vielleicht was falsch macht? Also wie ist da deine Empfehlung? Genau, du hast es eigentlich schon richtig zusammengefasst. Also die Kinder brauchen natürlich ein gutes Sprachvorbild. Wenn ich Fehler einfach so stehen lasse, können sie natürlich nicht die richtige Form lernen. Aber wenn das Kind zum Beispiel sagt, der Hund ist gelauft und ich sage dann, nein, das heißt nicht gelauft, der ist gelaufen oder vielleicht noch zum Nachsprechen auffordere, sag mal gelaufen, dann schaffe ich genau das, was du gerade gesagt hast, nämlich Druck, ein Fehlerbewusstsein. Und das Kind hat vielleicht beim nächsten Sprechversuch einfach nur Angst, wieder einen Fehler zu machen, weil es erlebt hat, Mama und Papa interessieren sich nicht für das, was ich sage, sondern nur, wie ich es sage. Und das nimmt natürlich Sprechfreude. Und wir brauchen aber Sprechversuche, um sprechen zu lernen. Mit jedem Versuch lernt man, wie beim Laufen lernen. Und da gehören Fehler einfach ganz normal zur Entwicklung dazu. Das heißt, wenn dein Kind sagt, ich möchte die Dies-Tanne oder der Hund ist gelauft, dann greife das einfach im Dialog auf und sage, ah, du möchtest die Gießkanne, hier ist die Gießkanne. Also eine Art verbesserte Wiederholung. Oder stimmt, der Hund ist super schnell gelaufen. So kann es nochmal die richtige Form hören, ohne dass es das Gefühl hat, du belehrst es. Und ihr bleibt in Verbindung und im Dialog. Ja, das ist schön. Weil manchmal ist es ja auch ganz süß, wenn die so Wörter sagen, die sie eigentlich irgendwie, finde ich ja immer ganz herzallerliebst, man weiß, was sie meinen, aber es ist so, oh Gott, wie süß kann man es einfach sagen. Ich finde ja so, telefonieren ist so ein Wort, wenn die ganz klein sind, das ist ja gar nicht so einfach zu sagen. Und das habe ich immer noch so im Kopf, wie das meine Tochter gesagt hat, ich fand es einfach so süß. Das ist ja auch das Schöne bei Sprachentwicklung. Du hast ganz, ganz viele tolle Dinge gesagt, was wir Eltern tun können und worauf ja aufmerksam vor allen Dingen der wichtigste Punkt war, dass man selber dieses Bauchgefühl hat, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Das trifft ja auf alle Dinge zu, dass man sich früher Hilfe holt. Geht es überhaupt, wenn ich jetzt sage, nicht über den Kinderarzt gehe, dass ich auch ganz alleine zu dir kommen kann? Oder geht es einfach immer, dass man zur Logopädie immer nur über Rezept kommt? Also Logopädie ist weisungsgebunden. Das heißt, du brauchst tatsächlich immer eine Verordnung. Wenn der Arzt dir keine Verordnung ausstellen will, dann kannst du versuchen, über andere Ärzte zu gehen. Also wenn der Kinderarzt verweigert, dann gehst du über die HNO-Ärzte in den HNO-Arzt, Kinderzahnarzt, Allgemeinarzt. Das sind vielleicht noch Anlaufstellen. Manchmal wirkt auch ein Anruf bei der Krankenkasse Wunder, wenn man schildert, dass man in Sorge ist und zumindest mal eine logopädische Abklärung möchte. Der Arzt aber die Verordnung verweigert. Man kann auch mit uns zusammenarbeiten außerhalb des Krankenkassensystems. Unsere 1-zu-1-Beratungen und Coachings sind Selbstzahlerleistungen, die nicht unter die medizinische Behandlung Logopädie fallen. Aber wir arbeiten weltweit mit Patienten und Familien zusammen, online. Du willst ja auch das so, dass sozusagen das allen Menschen zugänglich ist. Das ist ja auch einfach dann wieder eine schwierige Situation. Deshalb ist diese tolle Aufklärung, du machst ja so wichtig. Ich habe eine letzte Frage noch, weil ich glaube, wir haben einen sehr guten Überblick geschaffen, wie wichtig Sprache ist. Aber ebenfalls bei mir ist es so, dass oft ganz viele Familien, die ich betreue, bilingual erziehen. Also sogar mehrere Sprachen. Was ist da wichtig? Da kann man sich ja wahrscheinlich eine Stunde drüber unterhalten, weil es so ein komplexes Thema ist. Aber ich würde gerne diese Frage nochmal kurz aufgreifen, weil es einfach so viele Familien betrifft. Was sind die wichtigsten Regeln, die man als Eltern sozusagen, sich vorher bewusst machen sollte, wenn man sozusagen sich entscheidet, sein Kind zweisprachig zu erziehen oder sogar dreisprachig, weil so viele Sprachen durch die Familienkonstellation mit in die Familie gebracht werden? Also erst einmal go for it, denn es ist ein Mythos, dass mehrsprachige Erziehung oder bilinguales Aufwachsen die Kinder verwirrt oder sogar Sprachentwicklungsstörungen macht. Das ist eine Falschaussage. Also Mehrsprachigkeit ist total wertvoll und eigentlich sind die einsprachig aufwachsenden Menschen in der Minderzahl weltweit gesehen. Und das kindliche Gehirn ist vollkommen dafür ausgelegt, mehrere Sprachen zu lernen. Viel einfacher, als wir das im Erwachsenenalter noch tun können. Also bietet euren Kindern gerne eure Muttersprachen an. Es ist auch zum Beispiel Quatsch, dass man sagt, wenn die Kindersprachen mischen, dass das ein Zeichen dafür ist, dass sie verwirrt sind. Nein, das ist ein Zeichen für Kompetenz. Mir fällt gerade das deutsche Wort für Banane nicht ein. Also nehme ich einfach das türkische oder das französische Wort für Banane. Das ist ein Zeichen von Sprachkompetenz und man nennt es Codeswitching. Also ja, mach das. Das ist super bereichernd. Aber gibt es sozusagen, dass man sagt, man sollte eine Familiensprache haben oder also gibt es so ein paar, Regeln, wo du sagen würdest, ah, das sollte man vielleicht, dass die Kinder, also du hast ja gerade schon gesagt, das verwirrt sie nicht, das Gehirn kann das sozusagen verarbeiten, aber wenn jetzt zum Beispiel. Die Mutter Deutsch und Englisch als Zweitsprache hat und das andere Elternteil, zum Beispiel nur Englisch spricht, dann ist ja klar, die Familiensprache ist irgendwie Englisch, Also gibt es da irgendwelche Empfehlungen und ist es normal, also dann spricht dann die Mutter nur Deutsch mit dem Kind, also da hätte ich einfach gerne mal kurz gehabt, ob das total egal ist und dass man das irgendwie freigestalten kann oder ob es da du als Sprachtherapeutin ja sozusagen da einfach berätst, wie man das so ein bisschen im Grundgerüst haben kann. Also tatsächlich ist es überholt, diese Regel One Person, One Language, also dass nur die Mama Sprache X und nur der Papa Sprache Y sprechen soll. Tatsächlich braucht man das nicht mehr so stark trennen, aber man muss sich natürlich fragen, was habe ich jetzt für eine Erwartung, wenn mein Kind zum Beispiel Portugiesisch lernen soll. Wie gut soll es im Portugiesischen werden? Und je nachdem, was ich da für eine Erwartung habe oder wie gut es auch Portugiesisch sprechen muss, weil es zum Beispiel in der Umgebungssprache oder in der Schriftsprache damit zurechtkommen muss, muss ich schauen, dass ich den Input im Portugiesischen entsprechend erhöhe. Weil wenn ich jetzt zum Beispiel als Papa nur Portugiesisch spreche. In bestimmten Situationen und die meiste Zeit hört mein Kind aber vielleicht Türkisch von der Mama, dann kann ich diese Erwartung quasi, denen kann ich nicht gerecht werden, weil einfach der Input fehlt. Das heißt, man muss sich eher fragen, wie gestalte ich das, dass mein Kind in den jeweiligen Sprachen genügend Input bekommt und auch genügend die Möglichkeit hat zu antworten, um die Sprache zu entwickeln. Und da kann man kreativ werden, also Playdates ausmachen mit der Sprache, die man vielleicht noch ein bisschen erhöhen oder pushen will. Bilderbücher in dieser Sprache vorlesen oder über die Bilder sprechen oder bilinguale, Bilderbücher sich anschaffen, vielleicht eine Einrichtung suchen, die auch diese Sprache bedient oder mehr Kontakt zu Oma und Opa fördern, die diese Sprache sprechen, über Videotelefonie zum Beispiel. Also das sind eher so Fragen, die man sich stellen muss. Was sind meine Erwartungen und wie kann ich erreichen, dass dieses Kind genügend Input in dieser Sprache bekommt? Also es ist eigentlich überholt zu sagen, Mama nur die Sprache, Papa nur die Sprache. Finde ich total wichtig, weil das ist ja wirklich häufig der Fall und da gibt es einfach noch auch zu wenig Beratung. Also vielen Dank, Patricia, auch für diesen tollen Überblick. Und ich glaube, es ist eine sehr, sehr wertvolle Folge, weil es einfach zu wenig Aufklärung da noch gibt. und auch für mich als Hebamme. Ich habe heute wieder super viel gelernt. Also vielen Dank, da. Noch mehr drauf zu achten. Also gerade, was du gesagt hast, auch am Anfang mit der Sprache, das ist mir schon immer total wichtig, weil dieses mit Kindern sprechen, gerade beim ersten Kind fällt es einem ja immer noch ein bisschen schwer, dass man einfach denkt, man erzählt auch alles, was man mit dem Kind tut. Aber das war wirklich nochmal ein toller Überblick, da einfach noch weiter reinzugehen. Und vielen Dank für deine wertvolle Arbeit. Also für alle, die Patricia noch nicht kennen, schaut unbedingt bei Sprachgold, bei Instagram vorbei. Da gibt sie ganz viele tolle Tipps für Eltern, dass man da wirklich einfach mit einfachen Sachen einfach Sprache fördern kann. Weil wie schön ist es, wenn wir einfach miteinander kommunizieren können. Vielen Dank. Danke dir für die Einladung. Ja, liebe Patricia, Dankeschön. Und alle wichtigen Infos zu dir, du hast ja auch Bücher geschrieben, packe ich in meine Shownotes. Und dir wünsche ich noch eine gute Woche. Danke, das wünsche ich dir auch. Tschüss. Tschüss. 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