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Heute-Journal, der Podcast. Die News, dein Durchblick. Hallo, das ist der Heute-Journal-Podcast. Schön, dass ihr dabei seid. Wir schauen jeden Freitag auf eine wichtige Nachricht der Woche und finden heraus, was hinter der Schlagzeile steckt und ob es Insights gibt, die dazu vielleicht noch nicht erzählt wurden. Außerdem liefern wir exklusive Einblicke hinter die Kulissen des ZDF-Heute-Journals. Und das ist diese Woche wieder mit Christian Sievers, Moderator vom Heute-Journal. Hallo Christian. Hallo Helene. Was erwartet euch in dieser Folge? Vielleicht seid ihr schon in Osterlaune, ihr habt frei und irgendwie keine Lust, euch mit schweren Nachrichtenthemen zu beschäftigen. Und wenn ich euch jetzt auch noch sage, dass wir heute über einen Klimabericht sprechen, sagt ihr vielleicht, gut, da bin ich raus, weil das können ja nur irgendwelche Hiobsbotschaften sein. Euch verspreche ich, das hier wird keine apokalyptische Klimafolge. Es geht nämlich unter anderem um gute und kreative Ideen, die es schon gibt, um mit der Klimakrise umzugehen. Von Schwammstätten über Solarpower auf Balkonien bis hin zu römischen Aquädukten. Und dann haben wir noch konkrete Tipps von einer Psychologin, wie ihr mit schlechten Nachrichten und der Angst vor der Klimakrise umgehen könnt. Wir nehmen diese Folge auf am Donnerstag, den 17. April um 14 Uhr.

Am Anfang der Woche war klar, am Dienstag, da erscheint ein neuer Klimabericht. Und zwar kein unbedeutender, sondern der European State of the Climate Bericht, herausgegeben von der Weltorganisation für Meteorologie und vom Klimadienst der EU, Kopernikus. Für den Bericht wurden riesige Datenmengen ausgewertet. Daten von Satelliten, aber auch von Messsystemen im Boden, im Wasser und in der Luft. Christian, Am Dienstag war dieser Bericht auch der Aufmacher in der Heute-Journal-Sendung, so nennt man das erste, also das wichtigste Thema der Sendung.

Du bereitest dich auf so eine Sendung vor, dann recherchierst du, du schreibst eine Anmoderation.

Wenn du so einen Bericht vor dir liegen hast über den Zustand des Klimas in Europa, denkst du dann manchmal auch das noch? Also verfällst du in so einen Pessimismus oder muss man da einfach professionell bleiben? Naja, beim Thema Klima, Helene, ist es glaube ich so, dass das hier ein Generationenthema ist und vielleicht das Generationenthema. Das ist ein Thema, das uns einfach nicht loslässt, das immer wieder kommt, das auch nicht weggeht und nicht weggehen wird und das in seiner Gesamtheit ja auch schon in allen möglichen Formen dargestellt wurde und trotzdem immer wieder neu dargestellt werden muss.

Das heißt, es läuft eigentlich den normalen Nachrichtenregeln so ein bisschen zuwider, weil wir natürlich immer das Neue, das Besondere, das Spezielle an einem Tag in der Sendung haben und dann immer sofort sagen, ah, Breaking News. Klima ist sowas wie die andauernde Breaking News. Und insofern ist das eine Herausforderung auch für unsere Sendung, dass man eben sagt, nee, wir wollen auf der einen Seite nicht immer dasselbe machen und die Leute dadurch auch irgendwie so ein bisschen abstumpfen. Das darf ja nicht passieren bei dem Thema. Auf der anderen Seite muss es aber immer wieder erzählt werden und müssen auch neue Erkenntnisse immer wieder erzählt werden. Und was vielleicht noch wichtiger ist, es müssen die Reaktionen, die Folgen und aber auch die Reaktion der Politik darauf muss klar gemacht werden. Und zwar in alle Richtungen. Dieser Bericht, der war ja wie so eine Art Abrechnung, eine Bilanz mit dem Jahr 2024.

Wir haben den mal durchgeackert und fünf Erkenntnisse aus dem Bericht rausgesucht. Und Spoiler, nicht alle davon sind negativ. Die erste Erkenntnis, 2024 war in Europa das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, 1850. Und man kann damit sagen, unser Kontinent liegt im Trend, weil auch weltweit 2024 das bisher wärmste Jahr war. Und man sieht, wenn man in den Bericht reinschaut, darüber habt ihr auch in der Sendung gesprochen, so eine Karte, auf der man ganz genau sieht, wo es besonders heiß war.

Das war in Österreich, Polen, Slowenien, Ukraine, Rumänien, aber auch nordöstliche Teile von Deutschland waren tiefrot eingefärbt. Ja, das Interessante ist aber, es war ja nicht nur zu heiß, sondern es war auch in manchen Gegenden das Gegenteil. Es war viel zu nass, es war in anderen Gegenden wiederum viel zu trocken. Ich habe am Dienstag in der Sendung gesagt, das Wörtchen zu spielt die entscheidende Rolle in diesem Bericht. Man kann nicht einfach nur sagen, es war zu heiß, sondern es kommt auf die Region an in Europa und das wirklich Aufrüttelnde ist, dass es immer zu war, also zu irgendetwas, sprich zu extrem. Also die Ausnahmen, das über der Norm liegende hat zugenommen und zwar in allen möglichen Richtungen und je nachdem, wo man gewohnt hat in Europa im letzten Jahr, hat man das ja auch ganz persönlich gespürt. Also die Leute haben schon gemerkt, das sind unfassbare Temperaturen, die wir hier im Moment haben und auf der anderen Seite Europas war genau das Gegenteil, da hat es einfach wahnsinnig viel geregnet. Das ist glaube ich die Essenz aus diesem Bericht. Mal ganz konkret, wo wir das gemerkt haben. Es gab in Deutschland 2024 doppelt so viele Sommertage wie sonst. Sommertag, das ist so eine Definition, das bedeutet, dass es über 25 Grad warm war.

Außerdem mehr sogenannte Tropennächte. Das heißt, wenn keine Nacht kühler als 20 Grad wird, dann ist das per Definition eine Tropennacht. Von denen gab es letztes Jahr also auch mehr. Und die Zugspitze war im August zum ersten Mal frostfrei. Also kein einziger Tag. Unter Null. Die zweite Erkenntnis aus diesem Bericht, der Klimawandel trifft Europa besonders stark. Kein anderer Kontinent erwärmt sich schneller. Die dritte Erkenntnis aus dem Kopernikus-Bericht ist natürlich eigentlich ein bisschen obvious, aber das hat Folgen.

Hitze ist für den Körper extrem belastend, hat große Auswirkungen. Christian, du hast gerade gedreht in Spanien, hast da auch mit den Menschen gesprochen und wahrscheinlich gesehen, was da so los ist. Da geht es um eine Reportage für Ampuls im ZDF und zwar um die Frage, was macht eine lebenswerte Stadt aus? Vor dem Hintergrund, dass wir in Deutschland viele Städte haben, die eben, um es vorsichtig zu sagen, nicht mehr so wahnsinnig lebenswert sind und die sehr bange in die Zukunft schauen.

Und eine, ich kann vielleicht über ein paar andere Sachen auch noch reden nachher, aber eine Geschichte, die wir erlebt haben in Nordspanien, in der Stadt Santander, die nicht so sehr Touristenmetropole ist, die viele auch gar nicht richtig kennen.

Fand ich sehr beeindruckend und auch ein bisschen verstörend ehrlich gesagt. Also Santander ist verschrien, die Nordküste über die letzten Jahrzehnte als Regenloch, also als ein Ort, in dem es einfach Schmuddelwetter hat und zwar fast das ganze Jahr. Das hat sich geändert. Das Wetter ist, sagen die Leute dort, viel besser geworden. Ich mache jetzt hier gerade Anführungsstriche. Und was sie erleben ist, plötzlich ein Zuzug von Menschen aus Südspanien zum Beispiel, aus Andalusien. Aber wir haben geredet mit Leuten aus Madrid, die sagten, unsere Stadt Madrid ist eine Wüste geworden. Die haben das Wort Wüste verwendet und wir können einfach da nicht mehr... Gut leben, weil es uns zu heiß wird. Und deswegen fliehen wir quasi jetzt nach Nordspanien. Also die merken das wirklich an ganz vielen konkreten Faktoren, zum Beispiel gehen die Immobilienpreise hoch, weil die Leute sagen, wir kaufen jetzt uns in Nordspanien eine Wohnung, weil da ist das Wetter so, wie es vor Jahrzehnten mal in anderen Bereichen war. Und die Zukunftsaussichten, Stichwort Klima, darüber reden wir ja, sind so, dass es tendenziell immer schlimmer wird im Süden und in der Mitte und deswegen der Norden immer attraktiver wird. Hat dann ein kostenloses Upgrade sozusagen bekommen. Ja, so kann man das sagen. Aus deren Sicht ist es eine positive Sache. Die freuen sich darüber im Norden, weil die Wirtschaft in Schwung kommt und so weiter. Aber natürlich ist es generell gesehen was total Verstörendes.

Eine andere Folge, an die ich mich zum Beispiel noch gut erinnern kann, das war letzten Mai, das Hochwasser in Süddeutschland. Ich war da auch in Regensburg auf einem Dreh und habe da die Donau gesehen, so hoher Pegelstand wie fast noch nie. Und da war die große Sorge, dass es gibt ja so eine Straße und da hat von unten das Grundwasser so an diese Straße gedrückt, dass die sich aufgeweicht hat. Und dann hatte man eben Angst, dass die irgendwann zusammenbricht und dass dann auch diese anderen Schutzelemente gegen das Wasser in der Donau, dass die zusammenbrechen und dann auf einen Schlag diese ganzen Wassermassen auf einen zukommen. Es war ein extrem beunruhigendes Gefühl. Es ist zum Glück nicht passiert.

Aber ich habe auf jeden Fall drei Kreuze gemacht, als ich wieder zu Hause war. Aber das sind ja Geschichten, die immer mehr Leute erzählen. Die hört man ja immer öfters und die erlebt man selbst, finde ich, wenn man sich mal genau beobachtet, auch häufiger. Dass man in den Himmel guckt und es regnet jetzt seit Stunden in einer unglaublichen Intensität und man sagt, wann hört das eigentlich auf? Und woher kommt denn das jetzt plötzlich, dass es so krass nicht mehr aufhört zu regnen oder eben nicht mehr aufhört so trocken und dürr zu sein? Also ich glaube wirklich fest und das sagt ja auch die Wissenschaft natürlich schon seit Jahren, Jahrzehnten, aber mittlerweile ist es so, dass viele, viele Menschen es am eigenen Leibe tatsächlich merken. Wenn man jetzt so eine Art Fazit bis hierhin, wie gesagt, ich habe euch ja versprochen, es gibt auch noch positive Entwicklungen, aber ein Fazit bis hierhin ist für mich eigentlich, dass man ganz klar sieht, dass solche Aussagen wie ja der Klimawandel und das ist doch sowas Abstraktes, das ist noch weit weg, das betrifft vor allem unseren Süden. Nein, das ist nicht so. Das betrifft die Wälder, die Bäume, die Seen, die Flüsse ganz direkt vor unserer Haustür.

Christian, du hast im Heute-Journal diese Woche auch mit Stefan Ramsdorff gesprochen, einem der führenden deutschen Klimaforscher. Er selber sagte, er habe seit den 1990er Jahren exakt das genauso vorhergesagt. Jetzt ist das natürlich nicht das Thema, bei dem man sagen kann, yeah, ich habe richtig gelegen, wie toll ist das denn? Weil das natürlich ein trauriges und ein bedrückendes und ein Thema ist, das dringend adressiert gehört. Aber es zeigt eben, dass die Menschen, die sich wissenschaftlich damit befassen, da jetzt nicht sagen Sensation, das ist ja was ganz Neues, sondern es exakt den Voraussagen entspricht, die sie seit Jahrzehnten, muss man sagen, machen. Ich finde es immer beeindruckend, dass solche Forschenden dann trotzdem nicht irgendwann alles hinschmeißen und sagen, Entschuldigung, ich bin hier auch raus, weil ich predige euch das seit Jahrzehnten und niemand hört auf mich.

Ja, den Eindruck hatte ich bei ihm überhaupt nicht, sondern ich finde, er wirkt total motiviert, er wirkt überhaupt nicht desillusioniert. Es ist ja nicht so, dass alle sagen, ah ja, Gott, Klimawandel ist uns egal. Aber natürlich müssen wir auch diese aktuelle Lage sehen, insbesondere in den USA, wo ein Präsident an der Macht ist, der ganz klar wieder auf die fossile Lobby setzt. Manche sagen sogar, der ein wichtiger Teil, der wichtigste Teil der fossilen Lobby ist. Du hast ihn gefragt, warum die Zeit im Kampf gegen die Klimakrise so drängt und ich finde, er hat das nochmal ganz gut zusammengefasst. Hören wir mal rein. Nun die Politik hat ja 1992 beim Erdgipfel in Rio de Janeiro beschlossen, einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern und dann jahrzehntelang verhandelt bis zum Pariser Abkommen 2015.

Wo sich endlich alle Staaten auf Klimaziele geeinigt haben. Und jetzt sind wir in der Phase, wo es auf die Umsetzung ankommt und aufgrund der großen Verschleppung, Verzögerung sind wir inzwischen in einem Wettlauf gegen die Zeit. Das, was wir heute tun, wird das Klima für Tausende von Jahren bestimmen. Das sage nicht ich, sondern der Weltklimarat IPCC.

Ja, das ist ein krasser Satz. Das ist, was wir heute tun, wird das Klima für Tausende von Jahren bestimmen. Das ist das, was ich vorhin gesagt habe. Es ist das Thema, ein Generationenthema, ein Thema, das nicht nur für uns wichtig ist, sondern für unsere Enkel und deren Enkel. Und auch das macht es so groß und so schwierig und auch für Journalisten übrigens dann wieder so schwer zu fassen, weil natürlich je größer so ein Thema ist, es immer eine Herausforderung ist, das adäquat darzustellen, ohne die Leute am Ende in die Ecke zu bringen, dass sie sagen, ich kann es nicht mehr hören. Denn das ist ja das Letzte, was man erreichen möchte. Ja, die Zeit drängt, aber es gibt auch positive Entwicklungen. Wir haben es euch ja versprochen am Anfang dieser Folge, dass wir auch darauf schauen werden. Und zwar, das ist die vierte Erkenntnis aus dem Kopernikus-Bericht. Es gibt ein Positivrekord. Noch nie wurde so viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt. 45 Prozent in der gesamten EU wird aus erneuerbaren erzeugt. Und Deutschland, da liegt der Anteil sogar bei 60 Prozent.

Und die fünfte Erkenntnis ist auch wichtig. Positive kann man sagen, weil der Bericht sich auch zum ersten Mal angeschaut hat, welche Fortschritte es gibt bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Mittlerweile jede zweite größere europäische Stadt hat so einen Plan mit Anpassungsmaßnahmen erarbeitet und das sind doppelt so viele wie noch 2018. Ja, da muss ich sagen, das müsste man nochmal recherchieren, das müssen wir auch nochmal recherchieren. Ein Plan mit Anpassungsmaßnahmen. Da sage ich immer, oh, nachtigallig, hört ihr Trapsen, weil ein Plan mit Maßnahmen, die irgendwie geplant sind.

Weiß ich nicht, ob das schon ein richtig großer Erfolg ist. Denn wenn wir uns mal angucken, ich weiß nicht, kennst du das Quartier um den Berliner Hauptbahnhof zum Beispiel, das ja relativ neu jetzt ist, wo lauter Häuser entstanden sind, Bürohäuser, Geschäftshäuser, die sehen alle aus aus meiner Sicht, aus meiner Architekturkritik für arme Sicht, sieht es aus wie eine riesige Ansammlung von Leute Gefängnissen, aber immer diese kleinen Fenster, sehr, sehr viel Beton. Und wenn du dir den Platz vor dem Berliner Flughafen anguckst, hast du ein ähnliches Bild. Das ist ja eine riesige zu gepflasterte Fläche und da kann man quasi die Folgen von Erhitzung, von Hitzewellen, die kann man da sehen, weil im Sommer ist das so heiß, dass sich da nicht mal mehr jemand hinsetzen kann. Und zwischendurch sieht man dann manchmal wie so ein bisschen Löwenzahn sich zwischen diesen Betonplatten versucht, den Weg zu bahnen und man freut sich über jedes kleine Löwenzahn-Pflänzchen, dass es geschafft hat. Aber auch da mag irgendein Plan existieren. De facto ist es nur leider so, dass man außer Beton kaum was anderes sieht. Wir haben ja versprochen, es gibt auch gute, kreative Ideen, wie man mit den großen Problemen, die die Klimakrise mitbringt, umgehen kann. Und das war für mich eigentlich das Rabbit Hole der Woche, weil ich finde, wenn man da mal angefangen hat zu gucken, was es schon gibt, dann merkt man, es gibt eigentlich ganz schön viel.

Und ein paar Sachen davon habe ich mitgebracht. Hast du zum Beispiel schon mal von einer Schwammstadt gehört?

Die liegt unter dem Meer und besteht aus lauter tollen Schwämmen. Ich kann mir aber ungefähr vorstellen, für was das stehen soll. Was wäre denn eine Schwammstadt zum Beispiel? Was ist die beste Schwammstadt der Welt? Die beste Schwammstadt der Welt kann ich nicht sagen, aber ich weiß, dass Berlin gerne eine Schwammstadt wäre oder eine Schwammstadt sein will. Prinzip ist einleuchtend. Also es soll Regenwasser einfach besser aufgesaugt werden können wie so ein Schwamm und danach auch wieder abgegeben werden können.

Das heißt, das Ziel von der Schwammstadt ist, es möglichst viele Flächen zu schaffen, die Wasser aufnehmen können. Was dabei natürlich Gift ist, sind versiegelte Flächen und von denen gibt es ja in Berlin eigentlich ziemlich viele. Ich finde, Berlin ist voll davon. Viele deutsche Städte sind voll davon. Man wundert sich immer wieder, gerade auch wenn neue Plätze, neue Straßen angelegt worden sind, wie viel Beton da immer noch verwendet wird, wie viel Stein einfach nebeneinander geklatscht wird. Auch das haben wir für die Reportage, die übrigens, kleiner Tipp, an Pfingstmontag im ZDF läuft nach der 19 Uhr heute Sendung, wo es halt um lebenswerte Städte geht, haben wir das auch mal nachverfolgt, woran das eigentlich liegt und sind dann bei den Verantwortlichen ganz oft auf die wirklich interessante Aussage gestoßen, dass sie sagen.

Ob man das jetzt zubetoniert oder begrünt, ist aus finanzieller Sicht eigentlich egal. Es gibt sogar viele Programme, die eine Begrünung fördern. Das Problem aus der Sicht der Städte ist aber, wurde uns gesagt, dass die Folgekosten bei Grün wesentlich höher liegen. Grün muss intakt gehalten werden. Grün wird auch schneller vandalisiert in Deutschland leider. Grün ist pflegeintensiv. Und wenn man einfach eine Betonplatte drüber legt, dann hat man, was die Folgekosten angeht, erstmal Ruhe. Zumindest von den direkten Folgekosten. Was das an Folgen für die Umwelt und auch für unser Lebensgefühl macht, ist da nicht mit einberechnet worden. Und vielleicht liegt auch da ein Problem. Ja, vielleicht hat ja Berlin zumindest nochmal was verändert an der Rechnung jetzt mit dieser großen Schwammstadtstrategie. Weil das soll nämlich am Alexanderplatz eben eine dieser furchtbaren Betonwüsten, da soll es jetzt begrünte Gullis geben, in denen dann eben auch Wasser versickern kann. Musik.

Christian, bist du schon mal Fahrrad gefahren in Paris? Ja. Und wie war das? Ich fand es irre, vor allem wenn man früher mal Auto gefahren ist in Paris und den Vergleich sieht, dass man in Kopenhagen und in Amsterdam gut Fahrrad fahren kann, das wissen wir ja mittlerweile alle. Ich fand das in Paris erstaunlich, weil die Transformation von einer total verpesteten Autostadt hin zu einer, ja.

Das ist einfach ein ganz neues Gefühl, Stadt wirklich auch für einen Touri, der da, wenn man für ein Wochenende oder so vorbeischaut, total spürbar wird. Ich habe genau die gleiche Erfahrung gemacht. Ich habe 2013, das war mein erstes journalistisches Praktikum, zufälligerweise beim ZDF in Paris und da habe ich mir immer ein Rad geliehen und musste dann am Place de la Concorde, das ist ein großer Platz, an der Seine vorbeifahren mit dem Rad eben und das war wirklich lebensgefährlich. Ich habe es gehasst. Und wenn ich noch ein Jahr länger geblieben wäre, da gab es ja dann Anne Hidalgo, die sozialistische Bürgermeisterin, die Paris ziemlich umgekrempelt hat und eben wollte, dass jetzt eben die grüne Verkehrswende kommt. Und vor ein paar Wochen durften die Pariser nochmal abstimmen und haben dafür gestimmt, 500 Straßen zu begrünen und für Autos dicht zu machen.

Der Post der Woche Unser Post der Woche ist von der Washington Post und das ist eine Heatmap der Luftverschmutzung in Paris, das ist mir auf Instagram begegnet. Und normalerweise, wenn man diese Heatmap sieht, ist man ja gewohnt und man hat irgendwie so einen Jahresvergleich, dass es irgendwann mal grün angefangen hat und jetzt tiefrot ist. Und bei dieser Karte ist es eben genau andersrum. Da wurde Paris gezeigt und die Luftverschmutzung in Paris. Und der Vergleich war von 2007 und 2024. Und da konnte man eben ganz genau sehen, dass es sich andersrum entwickelt hat. Und zwar von tiefrot zu hellgrün geworden ist. Das fand ich irgendwie ganz heilsam, als ich das angeguckt habe. Eine Grafik der Hoffnung.

In Athen gibt es ein richtiges Mammutprojekt. Da soll ein 2000 Jahre altes Aquädukt, also ein antikes römisches Bauwerk, das Wasser transportieren kann. Eine Wasserleitung also, das soll reaktiviert werden. Das ist über 20 Kilometer lang, verläuft zum größten Teil unterirdisch, ist aber noch gut erhalten. Also darin befindet sich tatsächlich noch Wasser. Aktuell läuft das aber noch ins Meer. Deshalb sollen da jetzt neue Leitungen gelegt werden, damit das Wasser vom unterirdischen Aquädukt aus der Zeit der Römer zu den Menschen kommt, damit sie damit ihren Garten gießen können. Es geht dabei um Nutzwasser, um dann eben das wertvolle Trinkwasser zu sparen. Das ist ein riesengroßer Aufwand. Die Verantwortlichen wollen das aber im Sinne der Umwelt umsetzen und damit auch ein Umdenken bewirken, also quasi Awareness gegenüber der Ressource Wasser. Und last but not least, die Deutschen lieben Solar. Photovoltaik boomt. Fünf Millionen Marke wurde neulich geknackt, das heißt es gibt fünf Millionen und fünftausend registrierte Anlagen laut Bundesnetzagentur. Die meisten sind auf Dächern von Eigenheimen, Balkone sind dabei mit einem Prozent Tendenz steigend. Mittlerweile seien rund 104 Gigawatt Solarstromleistung installiert. Das entspricht einer Kapazität von 104 großen Kohlekraftwerken.

Christian, was schätzt du, welches europäisches Staatsoberhaupt ist der wohl größte Solarfan? Ich würde sagen, der König von Spanien. Es ist der heilige Vater, Papst Franziskus. Der Papst? Der Papst. Hat er Solarkollektoren installieren lassen auf dem Petersdom? Ja, fast. Also er hat letztes Jahr einen Erlass veröffentlicht. Und darin hat er die Verwaltung des Vatikanstaats ermächtigt, die Energieversorgung des gesamten Vatikanstaats auf Sonnenenergie umzustellen. Gute Sache, muss man allerdings dazu sagen. Vatikanstaat ist jetzt, ja... Was ist das? Vier Häuserblocks und eine zugegebenermaßen sehr große Kirche. Müssten wir in Deutschland sowas auch machen? Solarpanels auf dem Kölner Dom? Nee. Also ich finde Solarpanels eine gute Idee. Ich habe das jetzt öfters in anderen Ländern entlang der Autobahnen gesehen. Da finde ich, passen die ganz gut, weil diese Gegend rund um die Autobahn sowieso meistens jetzt nicht die allerschönste ist. Aber auf dem Kölner Dom kann ich mir jetzt Solarpanels ehrlich gesagt nicht vorstellen. Den würde ich gerne so behalten, wie er seit Jahrhunderten da steht. Wir haben jetzt bei diesen Beispielen viel über Metropolen geredet. Es gibt natürlich auch Beispiele aus Kleinstädten.

Und ich finde irgendwie, man merkt daran, Klimaschutz hat so ein uncooles Label. Also man denkt, boah, da geht es irgendwie um Verzicht. Aber letztlich geht es ja auch darum, unsere Städte lebenswerter zu gestalten. Also es geht um kreative Ideen, um Architektur, um Stadtplanung, neue Ideen. Also man kann da richtig was reißen. Ich finde, es hat kein negatives Label, im Gegenteil. Ich glaube, man ist da und das war interessanterweise am Dienstag, eben heute schon im Gespräch mit Professor Ramsdorff wurde das auch deutlich, der sagt, wir denken in Deutschland immer, wir sind wahnsinnig weit vorne, das sind wir gar nicht. Es gibt andere Länder, da läuft das wesentlich besser und wesentlich unkomplizierter offensichtlich auch, wesentlich selbstverständlicher. Und deswegen würde ich nicht sagen, dass das ein negatives Label ist, sondern dass man, wenn man das geschickt und wenn man das kommunikativ geschickt macht, ich glaube, das ist ganz wichtig, die Leute mitnehmen. Nicht sagen, ist jetzt verboten, sondern die Vorteile aufzeigen.

Und das hilft, glaube ich, mehr als mit einer riesigen Wust von Regelungen und Verbotsparagrafen zu kommen. Ich kann nochmal mit Santander kommen an der Stelle. Diese Stadt, die ganz viele Ideen hatte, wie man sie lebenswerter macht und wie man sie auch, was den Umweltschutz und die Klimaneutralität angeht, besser macht. Eine davon ist, alle Einwohnerinnen und Einwohner sollen alles, was sie brauchen zum Leben innerhalb von 15 Minuten erreichen können. Und zwar, jetzt kommt's, zu Fuß. Also die sagen, wir fangen ja auch nicht an mit irgendwelchen öffentlichen Nahverkehrsgeschichten. Und auch kein Hyperloop? Nee, und auch nicht Fahrrad-Mietstationen, sondern weil die Stadt ist super hügelig, muss man dazu sagen, und es leben sehr, sehr viele ältere Menschen dort, die sagen zu Fuß. So, jetzt ist die Frage, wie macht man das? Und da haben die wirklich ganz viele Masterpläne entwickelt, vieles davon ist auch, haben wir jetzt auch schon besprochen, leider immer noch ein Plan, aber es gibt schon einige Dinge zu sehen. Ein Beispiel Rolltreppen. Die haben die Stadt mit lauter Rolltreppen gepflastert, was dazu führt, dass man diese Hügel zwischen dem Stadtzentrum und den Orten, wo die Menschen wohnen, wo früher die Leute gesagt haben, aber brauche ich ein Auto, weil das ist so steil, da komme ich ja außer Atem, wenn ich da oben ankomme, aus dem, wie schaffe ich meine Einkäufe da hoch und so weiter und so fort, lauter Fragen.

Und statt jetzt zu sagen, wir verbieten die Autos und ihr guckt, was ihr macht, haben sie gesagt, wir bauen Rolltreppen. Und zwar nicht eine, sondern wirklich super viele, teilweise auch hintereinander geschaltet. Da gibt es nur so vier verschiedene Rolltreppen hintereinander. Und da fahren die Leute, das sieht von außen erst ein bisschen komisch aus, aber die fahren auf der Rolltreppe quasi nach oben in ihre Wohnungen, haben dann ihre Sachen dabei, ihre Einkäufe. Und das führt dazu, dass die sagen, wir haben mit denen gesprochen, die sagen selber, wir haben erstmal das Auto abgeschafft, weil das brauchen wir einfach nicht mehr. Es ist viel cooler, auf diese Art und Weise schnell mal eben einkaufen zu gehen und es trotzdem bequem zu haben. Und niemand beschwert sich da, das verschandelt unser Stadtbild? Ne, das haben wir kein einziges Mal gehört. Es gibt natürlich auch dort Autofans, es gibt natürlich auch dort Leute, die zum Beispiel das Auto brauchen aus beruflichen Gründen. Es gibt Lieferverkehr und so weiter. Das sind alles überall dieselben Herausforderungen auf der Welt. Aber dass es das Stadtbild verschandelt, sagen sie nicht. Ich finde auch, es sieht ehrlich gesagt ganz cool aus.

Futuristisch auch ein bisschen. Und es ist super Instagrammable, weil man natürlich von der Seite, wenn man die Rolltreppen nicht sieht, denkt man die Leute, so Michael Jackson Moonwalk mäßig, die fahren quasi durch ihre Stadt, ohne dass man sieht, worauf sie fahren. Also es sind ganz lustige Perspektiven, die da möglich sind. Ich habe gerade kurz den Hyperloop eingeworfen, weil wir darüber letzte Woche in der Folge gesprochen haben. Das steht nämlich im Koalitionsvertrag. Wir haben uns nicht nur das angeguckt, sondern auch, welchen Stellenwert das Thema Klima hat im Koalitionsvertrag. Immerhin bekennt sich die künftige Regierung zur Klimaneutralität bis 2045. Raus aus der Kohle bis 2038. Das soll auch bleiben. Und erneuerbare Energien sollen ausgebaut werden. Aber nur, wenn sie sich auch rechnen. Dafür sollen aber Gaskraftwerke länger in Betrieb bleiben. In der Folge von letzter Woche hat uns Luisa Neubauer eine Sprachnachricht geschickt, in der sie das stark kritisiert, dass die Regierung weiterhin auf fossiles Erdgas setzt und hat sogar gesagt, der Koalitionsvertrag sei in Sachen Klima nicht ernst zu nehmen. Hört da gerne mal rein. Eine Sache, die uns aber ins Auge gestochen ist, über die wir noch nicht gesprochen haben. Es gibt eine Stelle im Koalitionsvertrag, da heißt es konkret, wir werden umgehend ein Gesetzespaket beschließen, welches die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid, CCS, insbesondere für schwer vermeidbare Emissionen ermöglicht.

CCS, das hat man vielleicht schon mal gehört, das wird uns auch noch eine Weile begleiten, deswegen erklärt uns ZDF Nachrichtenlegende Gundula Gause, was das bedeutet.

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Viele Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 könnten künftig unter dem Meer oder im Erdboden gespeichert werden. Diese Technik heißt Carbon Capture and Storage, kurz CCS. So könnten etwa Müllverbrennungsanlagen, die Zementindustrie oder auch Gaskraftwerke künftig das CO2 aus ihren Abgasen herausfiltern, über eine Pipeline abtransportieren und tief unter der Nordsee in die Erde pressen. Manche sprechen auch von einem Endlager für CO2. Norwegen speichert bereits seit 1996 CO2 unter dem Meeresboden und gilt neben den USA als Vorreiter. Ab dem Jahr 2030 sollen in der EU mit der CCS-Technik jährlich 50 Millionen Tonnen CO2 entsorgt werden.

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Ein Endlager für CO2. Dann könnte man sich ja zurücklegen und sagen, ja, CO2 wird in die Nordsee gepresst, Problem gelöst. Über ein sogenanntes Endlager für CO2 habe ich mit einem absoluten Experten gesprochen, Professor Mujib Latif. Er ist Klimaforscher und Meteorologe, hat 2015 den Deutschen Umweltpreis erhalten. Und ich habe ihn gefragt, ob wir uns auf diese neuen Technologien verlassen können, weil die all unsere Probleme für uns lösen werden.

Ich persönlich halte von solchen Technologien eher wenig, weil man krampfhaft an alten Technologien festhalten will und jetzt mit großem finanziellem Aufwand und auch technologischem Aufwand eine neue Infrastruktur aufbauen will, nur um eine alte, überholte Infrastruktur künstlich am Leben zu erhalten. Ja, ich persönlich hielte, es wird viel schlauer, jetzt all dieses Geld, all diese Anstrengungen in den Ausbau der erneuerbaren Energien zu stecken. Das ist einfach die Zukunft. Ich habe Mojib Latif auch von den Beispielen erzählt, die wir bei der Recherche gefunden haben, über die wir gerade gesprochen haben, Paris, Athen, Schwammstädte und so weiter und gefragt, ob das bei der doch wirklich niederschmetternden Faktenlage in Sachen Klima nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Ja, im ersten Moment ist es natürlich so, dass es ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein ist. Aber wir haben in Europa schon 45 Prozent Anteil der erneuerbaren Energien, also Sonne, Wind und so weiter, an der Stromproduktion. In Deutschland ist es schon 60 Prozent. Das heißt also, wir sind wirklich auf einem guten Weg, nicht in allen Ländern der Welt, aber insofern würde ich Deutschland und vielleicht Europa noch zu den Guten zählen, weil hier passiert schon etwas. Und wichtig ist ein Aspekt meiner Meinung nach, dass wir unseren Wohlstand dadurch nicht verlieren, dass die Leute sehen, okay.

Wir können auch anders Wohlstand generieren, es muss nicht einfach durch die Verbrennung von Öl oder von Gas sein, sondern wir haben ja die erneuerbaren Energien, die kosten uns nichts, wie heißt das so schön, die Sonne schickt keine Rechnung, ne.

Ich finde, das klingt eigentlich hoffnungsvoller, als ich es mir vorgestellt hätte und das ist auch ein sehr renommierter Klimaforscher. Wir haben vorher schon von einem gesprochen, mit dem du auch geredet hast, der auch eher motiviert war. Genau, denn ich meine, was ist denn die Alternative? Jetzt zu sagen, ja gut, dann machen wir halt nichts mehr, weil wir haben die Hoffnung verloren, das kann ja nicht das Ziel sein. Und deswegen finde ich es schon interessant und auch aufbauend so ein bisschen, wenn man ja manchmal eher so denkt, oh Gott, in welcher Welt leben wir hier eigentlich gerade? Finde ich es schon interessant, wenn die Experten sagen, also da gibt es durchaus Dinge zu sehen, die sich richtig entwickeln. Ich wollte es nochmal ganz genau wissen und habe Mojib Latif deswegen gefragt, ob er also nicht glaubt, dass alles schon zu spät ist. Nein, ich glaube nicht, dass alles zu spät ist. Natürlich weiß ich auch nicht alles. Ich habe sogar einen Doktortitel und einen Professorentitel, die auch beide echt sind, kann ich Ihnen versichern.

Aber ich habe auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Und ich weiß am Ende des Tages auch nicht, was passiert. Wir verhalten uns in gewisser Weise wie ein Autofahrer, der in dichten Nebel mit Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn fährt und nicht weiß, ob da ein Stauende kommt oder nicht. Ich weiß es nicht, ob da vielleicht irgendwelche Kipppunkte lauern. Ich sehe sie ehrlich gesagt, aber das ist meine persönliche Meinung im Moment noch nicht. Und deswegen glaube ich, haben wir immer noch die Chance, unsere Erde einigermaßen lebenswert zu erhalten. Aber irgendwann müssen wir mal richtig handeln. Und wir haben angefangen zu handeln. Und wenn wir zeigen, dass es uns gut geht dabei, wir in Deutschland, wir in Europa, vielleicht mit Kanada zusammen und einigen anderen Ländern, vielleicht Australien, dann werden alle anderen Länder das mitmachen und nachmachen wollen. Ja, weil das Bessere gibt es doch gar nicht. Ja, da muss man vielleicht sagen, es gibt natürlich auch andere Wissenschaftler, die durchaus Kipppunkte sehen. Auch diverse Berichte, die diese Kipppunkte ganz klar vor sich sehen. Ich fand das Beispiel ganz schön oder den Vergleich mit dem Nebel auf der Autobahn. Kann man vielleicht dazu sagen, vielleicht sollte man da nicht mit Höchstgeschwindigkeit fahren, sondern seine Fahrweise, um im Bild zu bleiben, anpassen. Ich finde es auch, wenn jetzt multiplativ die Hoffnung da noch nicht verloren hat, Ich finde es auf jeden Fall verständlich, wenn das passiert, wenn man sich die ganzen schlechten Nachrichten zum Thema Klima anschaut und dann das Gefühl hat, man möchte sich eigentlich nur noch verkriechen. Kennst du dieses Gefühl?

Ja, das ist ein bisschen doof, das zuzugeben, weil es ist ja mein Job, Nachrichten zu berichten und einzuordnen und jeden Abend wieder zu präsentieren. Aber natürlich ist das ein Gefühl, dass wir alle haben im Heute-Journal, dass wir manchmal einfach überwältigt sind. Und es ist ja nicht nur, in Anführungsstrichen, das Klima, sondern es gibt ja gerade aktuell ganz viele Entwicklungen. Wir haben diese Woche einen Bericht gehabt über den furchtbaren Bürgerkrieg im Sudan. Und da haben wir vorher auch diskutiert, ist das jetzt ein Thema, was wir jetzt einfach noch zusätzlich in die Sendung nehmen, wohl wissen, dass es viele Zuschauerinnen und Zuschauer gibt, die sagen.

Ich kann nicht mehr und ich tue mich wirklich schwer mit der Verarbeitung all dieser Themen.

Die Antwort finde ich, aber das sage ich jetzt als News-Junkie und als Nachrichtenjournalist, kann nicht sein, dass wir dann sagen, okay, dann lassen wir es halt. Sondern wenn etwas in dieser Welt passiert und gerade was im Sudan passiert, ist die schrecklichste Katastrophe, die aktuell läuft, wenn man Katastrophen überhaupt irgendwie ranken will. Aber die Zahl der Vertriebenen dort, die Zahl der Toten und die Zahl der von Hunger Bedrohten ist so gigantisch groß, dass man, wie der britische Außenminister zu Recht sagte, wir können nicht wegschauen. Und daraus ergibt sich dann für uns im Nachrichten-Business, eigentlich finde ich die Verpflichtung und die Aufgabe, so hinzuschauen, dass man eben nicht sagt, ich kann es nicht ertragen, sondern dass man sagt, ich sehe, was passiert, ich bekomme auch mitgeteilt, was passiert, ich werde aber nicht allein gelassen damit, sondern idealerweise liefern wir eben auch mit, was es an Optionen gibt, um daraus zu kommen. Um es in irgendeiner Form zumindest zu lindern.

Und wir erzählen, und das ist das, was wir, glaube ich, im Heute-Journal wirklich immer versuchen, jeden einzelnen Tag... Wir versuchen die Einordnung und die Hintergründe klar zu machen. Wir versuchen die Menschen, die uns zuschauen, eben nicht alleine zu lassen mit einer Nachricht und dann nach dem Motto, so jetzt gute Nacht, guckt was ihr draus macht, sondern wir versuchen tatsächlich die Einordnung und die Hintergründe mitzuliefern, um dann es auch einfacher zu machen, hoffen wir zumindest, für alle die uns zusehen, das Ganze zu verarbeiten und im Idealfall daraus für sich selbst auch wiederum eine mögliche Handlungsoption abzuleiten.

Du hast die vielbesagten multiplen Krisen angesprochen. In Bezug auf die Klimakrise gibt es ein recht neues Phänomen. Das wird in der Forschung erst seit ein paar Jahren aufgegriffen. Und das heißt Klimaangst. Ich wollte wissen, was typische Symptome für Klimaangst sind und habe deswegen der Psychologin und Psychotherapeutin Anke Glasmeier eine Sprachnachricht geschickt. Hallo Anke, was hat es auf sich mit dieser Klimaangst und woran merke ich, dass ich das habe? Klimaangst ist zwar keine offizielle Diagnose, aber schon ein reales Gefühl, gerade bei jungen Menschen. Viele fühlen sich überfordert, hilflos, schuldig oder haben auch Angst vor der Zukunft. Hinzu kommt dann noch Anspannung, schlechter Schlaf oder auch Grübeln. Und ganz ehrlich, das Ganze ist ja auch eine absolut normale Reaktion auf eine ziemlich unnormale Situation und wir stehen eben vor einer globalen Krise, dass das emotional nicht spurlos an vielen vorbeigeht, ist nur menschlich. Ich folge dir ja schon länger auf Insta und weiß, dass du da immer super Tipps gibst. Hast du auch für diese Situation konkreten Tipp, was kann ich tun? Ich hänge am Handy, sehe eine schlechte Nachricht und verspüre ganz akut diese Angst.

Das Wichtigste ist, die Angst ernst zu nehmen und sie nicht wegzudrücken. Gefühle wollen gefühlt werden. Und die Angst zeigt auch, dass einem etwas nicht egal ist. Letztendlich ist es ja auch eine gesunde Reaktion auf eine sehr ungesunde und belastende Realität. Wichtig ist aber in der Angst, nicht stecken zu bleiben. Also, was kann man tun? Zum einen Medien bewusst konsumieren. Also besser Festzeiten statt so Dauerscrollen.

Es kann auch helfen, den Körper mit ins Boot zu holen. Also in die Natur gehen, sich bewegen, bewusst atmen, das reguliert das Nervensystem.

Und auch ganz wichtig, reden. Wenn wir darüber sprechen, was uns belastet, bekommen wir das Gefühl, damit nicht allein zu sein. Und das macht einen riesigen Unterschied. So kann aus dieser Ohnmacht, die viele eben spüren, sogar eine neue Verbindung werden. Und da kann Hoffnung entstehen. Es geht nicht darum, immer alles lösen zu können, sondern zu schauen, was kann ich verändern. Die Situation kann man häufig eben nicht alleine verändern, was aber geht ist, wie gehe ich damit um? Da waren schöne Tipps dabei, finde ich, oder? Und jetzt aus heutiger Sicht ein Punkt, den ich natürlich jetzt nochmal kurz verstärken möchte. Es ist in der Tat so, also merke ich zumindest bei mir, dass diese Push-Eilmeldungen aufs Handy mit einem wirklich was machen, was toxisch ist für einen selbst. Also sprich Katastrophen innerhalb von Minuten manchmal und immer als Zweizeiler, also nur so angerissene Überschriften und die manchmal, wenn man morgens aufwacht, sieht man ja alle Meldungen und da kann man so durchscrollen und hat immer nur so zwei Zeilen zu jeder Nachricht. Ich glaube, das macht was mit einem, was nicht gut ist. Und deswegen sei mir verziehen, an dieser Stelle nochmal kurz zu werben für eine Sendung, die am 21.45 Uhr im ZDF läuft und jederzeit online ist. Und die versucht eben nicht in zwei Zeilen hinter die Probleme dieser Welt zu gucken, sondern sie einzuordnen und einzuschätzen und auch zu gucken, wo ist der Weg raus.

Ich habe auch genau diese Frage Stefan Heinzel gestellt. Er ist Psychologie-Professor an der TU Dortmund und forscht zum Thema Klimakrise und psychische Gesundheit. Ob er denn einen Tipp hat, auch für uns Journalisten und Journalistinnen, die ja nun mal die Überbringer dieser oft sehr schlechten Nachrichten sind. Und dann hat er das gesagt. Ich glaube, es ist total wichtig, und das passiert, glaube ich, viel zu wenig, dass man neben den schlechten Nachrichten auch ein paar Lösungsstrategien vermittelt. Und ich glaube, das ist auch ein Missverständnis. Ich glaube, das ist ein Missverständnis. Klar, viele Dinge werden sich extrem verschlechtern und viele Sachen sind auch schon verloren. Aber es gibt viele, viele gute Möglichkeiten, wie wir das Schlimmste noch verhindern können. Und das ist ganz wichtig, das zu vermitteln und auch ganz konkret zu werden und zu sagen, welche Lösungsstrategien jetzt auch schon vorhanden sind.

Da müssen wir auch vielleicht noch besser werden. Das ist nicht immer ganz einfach, gerade in so einem tagesaktuellen Umfeld. Vielleicht noch eine Sache, die mir immer hilft, ist, sich nochmal klarzumachen, was ist eigentlich eine Nachricht? Eine Nachricht ist ja das Besondere, das Außergewöhnliche, das Spezielle. Und wenn man eine Sendung sieht, wie das Heute-Journal, in der sehr viele schlechte Nachrichten vorkommen, dann kann man trotzdem sich immer wieder klar machen, da die Nachricht das Besondere, das Außergewöhnliche ist, dass der Rest funktioniert und dass vieles andere eben doch auf dieser Welt auch gut läuft. Ich mache es immer an so einem Beispiel des Flugzeugabsturzes deutlich. Das ist eine definitiv schlechte Nachricht. Aber es ist eben deswegen eine Nachricht, weil es sehr selten passiert, dass Flugzeuge abstürzen. Das immer noch das Gefährlichste bei der Flugreise ist die Fahrt zum Flughafen. Eine Welt, in der man plötzlich sagen würde als Nachricht, es ist heute kein Flugzeug abgestürzt, das wäre zwar eine gute Nachricht, würde aber bedeuten, dass, da das offensichtlich eine Meldung wert ist, dass alle anderen abgestürzt sind. Und insofern ist es immer wichtig, sich nochmal klarzumachen, was ist eigentlich der Zweck oder was ist die Essenz einer Nachricht. Und das hilft, finde ich, also mir zumindest, auch beim Verdauen von einer ganzen Reihe von schlechten Nachrichten. Ich finde, das waren eigentlich die perfekten Schlussworte. Vielen Dank, Christian. Danke dir, Helene.

Das war die achte Folge vom Heute-Journal-Podcast. Wenn sie euch gefallen hat, dann freuen wir uns riesig, wenn ihr sie teilt oder eine positive Bewertung dalasst. Falls ihr euch mehr Lösungsvorschläge wünscht oder ein Thema, das eurer Meinung nach total untergeht oder ihr uns sonst irgendetwas mitteilen wollt, dann sehr, sehr gerne an heute-journal-podcast.zdf.de. Bis nächste Woche. Habt ein schönes Osterwochenende. An dieser Folge mitgearbeitet haben Christoph Söller, Till Schadl, Julia Ilmer, Cedric Wrieden und Younes Rabe. Das Fact-Checking kam von Iris Schwarz und Franziska Mayer.

Music.

Heute Journal, der Podcast, wird produziert von Pool Artists. Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!