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Heute-Journal, der Podcast. Die News, dein Durchblick. Hallo und herzlich willkommen beim Heute-Journal-Podcast. Wir schauen jede Woche für euch auf eine wichtige Nachricht und finden heraus, was hinter der Schlagzeile steckt. Und was dazu vielleicht noch nicht erzählt wurde. Wir erscheinen eigentlich immer am Freitag, diese Woche aber ausnahmsweise schon einen Tag früher, weil es ja eine Feiertagswoche ist. Ich bin Helene Reiner und wir haben in dieser Folge gleich drei Jubiläen. Ob sie Grund sind zu feiern, das dürft ihr dann am Ende selbst entscheiden. Aber ein Jubiläum davon ist auf jeden Fall Grund zu feiern. Nämlich das ist die zehnte Folge unseres Podcasts. Und ich freue mich ganz besonders, diesen kleinen ersten Meilenstein zusammen mit Marietta Slomka, Moderatorin des Heute-Journals, heute feiern zu dürfen. Hallo Marietta. Hallo und yeah, Jubiläum. Ich habe dir auch was mitgebracht. Du hast wirklich was mit... Oh, ein kleines Häschen wird mir hier über den Tisch gereicht. Eine Flasche Rosé und zwar nicht aus Frankreich, sondern hier aus der Gegend. Als Neumeinsterin musst du sowas dann kennenlernen und darfst dann morgen im Feiertag auf dich anstoßen. Dafür, wie cool du dich hier eingegroocht hast. Das ist super, super lieb. Das war nicht abgeschrieben. Nein, sehr blödsinn.

Neuer Arbeitgeber, neue Kollegen, neues Projekt. Glückwunsch. Ach, danke schön. Das freut mich sehr. Ja, worum geht es in dieser Folge? Wir zeichnen sie auf am Mittwoch, den 30. April und da ist dann auch gleich schon das zweite Jubiläum. Heute ist Donald Trump seit genau 100 Tagen im Amt. In diesen 100 Tagen ist wahnsinnig viel passiert. Dinge, da kommt glaube ich selbst die Fantasie von House of Cards-Machern nicht mehr mit, aber es ist die Realität. Wir versuchen heute mal rauszufiltern, was passiert da gerade wirklich in den USA hinter dieser ganzen Flut an Schlagzeilen? Was macht Donald Trump mit diesem Land? Außerdem wollen wir wissen, wer ihn dabei eigentlich noch stoppen kann, weil es gibt ja noch 1361 Tage, haben wir mal ausgerechnet, die jetzt quasi noch folgen. Seine Amtszeit ist ja noch nicht vorbei. Und wir fragen, warum junge Menschen in den USA bisher so erstaunlich leise geblieben sind.

Marietta, wir blicken in diesem Podcast ja auch immer hinter die Kulissen des Heute-Journals, erzählen etwas über die Arbeit von Journalisten, Journalistinnen. Du als Journalistin und Moderatorin eines großen Nachrichtenmagazins, wie blickst du auf diese ersten 100 Tage von Donald Trump? Ja, die waren ein wilder Ritt. Also es ist ja nicht so, als hätte man so gar nichts in der Richtung erwartet, weil wir hatten ja schon mal Donald Trump. Und damals war, glaube ich, das Schockerlebnis, was da an, auch an Lügen, an Unverschämtheiten, an Erzählungen kam, diese berühmte Szene, wo dann seine damalige Pressesprecherin sagte, ja und ich habe halt alternative Fakten und dieses Beschimpfen von Journalisten und von Medien, das haben wir ja alles schon mal erlebt und es war irgendwie klar, dass es das jetzt nochmal geben würde, aber es gab eben doch auch eine Menge Handlungen jetzt auch und Vorstöße und Aktivitäten, wo dann einem schon, auch wenn man doch eigentlich so relativ hart gesotten ist, hier in so einer Redaktion auch der Mund offen steht. Es gibt den Ausdruck Flood the Zone with Shit eigentlich. Das hat Steve Benn, Trumps früherer Berater, 2019 hat da mal eigentlich erklärt, was dahinter steckt. Nämlich eben das Ziel, die Öffentlichkeit, die Medien mit einem Spektakel, mit teilweise auch Falschmeldungen und einfach mit Unsinn zu überfluten, sodass man gar nicht mehr so richtig mitkommt und den Blick vielleicht auch fürs Wesentliche verliert. Wie geht das Heute-Journal damit um?

Ja, dieses Flut the Zone with Shit ist dann auch inzwischen eine altbekannte Strategie, die auch nicht nur von den USA, sondern auch von Russland ausgeübt wird. Dient natürlich vor allem zur Verwirrung, bis das Publikum sich irgendwann fragt, wem kann man denn überhaupt noch glauben und was weiß ich, was wahr ist und was falsch. Könnte ja sein. Wir können das im Prinzip dem nur entgegenwirken, indem wir das machen, wofür wir da sind und was wir seit Jahrzehnten machen. Also uns an Fakten halten, aufklären, einordnen und darauf hoffen, dass doch viele Menschen nach wie vor kümmern. Wissen, wem sie was glauben können und wer womöglich propagandistische oder ideologische Absichten hat. Aber man spürt das schon. Also man spürt diese Demagogie, dieses ach ja, Journalisten sind doch irgendwie Fake News und die sind alle vogue. So ein Quatsch, aber es wird ja trotzdem behauptet. Und das ist schon auch aus den USA hier noch ein Stück weit nach Deutschland auch rüber geschwappt, würde ich sagen. Also dieser Druck und diese Feindseligkeiten zum Teil, die hätte ich jetzt vor 10, 15, 20 Jahren so auch nicht erlebt. Man kann bei dieser Strategie, vielleicht auch wenn ihr das jetzt zu Hause hört.

Ich glaube wir alle können ein bisschen darauf achten, dass die nicht allzu sehr aufgeht. Ich bin auch schon öfter drauf reingefallen, muss ich ehrlich sagen. Es gab da diesen Moment, als Elon Musk seinen Sohn mit ins Oval Office genommen hat und es war eigentlich eine Pressekonferenz und der Sohn hat die ganze Zeit Faxen gemacht, hat glaube ich in der Nase gepropelt und man sieht dann da diese Bilder und ich dachte auch, was geht denn da ab? Habe es bei mir auf Instagram geteilt, kam natürlich auch prompt direkt sehr viele Reaktionen darauf. Und danach ist mir eingefallen, das war doch eigentlich so ein klassisches Ablenkungsmanöver, weil alle haben nur über diese Faxen und den Sohn gesprochen und niemand wusste, was bei dieser Pressekonferenz eigentlich gesagt wurde. Worum ging es da? Ja, Ablenkungsmanöver ist immer eine wichtige Taktik, mit irgendwas anderem zu kommen, wenn etwas nicht gut läuft, in der extremsten Form. Bei Diktaturen fängt man einfach einen Krieg an, wenn es innenpolitisch nicht mehr läuft oder wirtschaftlich. Das ist jetzt ein bisschen zynisch, aber auch das gehört zur Wahrheit. Aber was wir jetzt im Moment in diesen ersten 100 Tagen, glaube ich, sehen, ist auch so eine Kaskade von Activities. Also jeden Tag ein Dekret, also eine Art Präsidialentscheidung, jeden Tag was Neues. Die einzelnen Dinge wären schon genug, um sich darüber eigentlich aufzuregen oder zumindest das intensiv zu diskutieren. Aber da geht dann auch vieles einfach so unter, was so en passant passiert, wo man gar nicht mehr hinterherkommt. Und dieses Überwältigende, das erlebe ich zumindest aus der Perspektive von hier, wenn man nach Washington blickt, schon in diesen 100 Tagen sehr stark.

Wir schauen jetzt mal hinter diese Flut oder hinter diese Kaskade von Activities, wie du es gerade genannt hast, finde ich eigentlich schön den Ausdruck. Und holen jemanden mit ins Boot, der schon mal hier dabei war in dieser Konstellation. Damals saß er noch bei uns hier im Studio in Mainz. Jetzt ist er wieder in den USA, wurde zum Glück nicht rausgezogen am Flughafen. Er darf dort weiterhin als Journalist fürs ZDF arbeiten. Er hat viel um die Ohren gerade. Trotzdem ist er bei uns, Elmar Thewesen, Leiter des ZDF-Studios in Washington. Hallo Elmar. Hallo liebe Helene, hallo Marietta und erstmal herzlichen Glückwunsch zu eurem Zehnten. Danke, guten Morgen Elmar, bei dir ist noch in aller Herrgotts Frühe. Ja genau, ist noch ein bisschen früh, aber der Tag kann ja gar nicht lang genug sein, um all das abzudecken, was Donald uns beschert. Ja, da sagst du was. 100 Tage Donald oder 10 Folgen heute Journal-Podcast. Welches Jubiläum ist dir lieber? Natürlich die zehnte Folge des heutigen Podcasts. Aber man muss natürlich sich mit den 100 Tagen beschäftigen. Das ist so der Klassiker, dass man mal hinguckt, was genau ist da eigentlich passiert. Und das ist deshalb so wichtig, weil wir nächstes Jahr übrigens hier ein Riesenjubiläum haben.

250 Jahre Vereinigte Staaten von Amerika. Und die entscheidende Frage, ist das Amerika, was wir dann feiern, noch das, was wir 250 Jahre erlebt haben vorher oder 249 Jahre? Und darum geht es hier bei uns in der Berichterstattung. Er zertrümmert ja auch wirklich Verfassungsgrundsätze derzeit oder versucht es zumindest. Du hast ja eine Doku darüber gemacht, Emma, diese 100 Tage. und den Titel fand ich großartig, habe ich mir auch direkt gestern und heute schon eine Moderation geklaut, aber dann auch mit Verweis auf Elmer, nämlich der Systemsprenger Trump. Und das beschreibt es eigentlich am besten, dieses Gefühl, dass alles plötzlich auf den Kopf gestellt wird und Grundsätze einfach nicht mehr gelten. Ist das die Essenz, die dahinter steckt, würdet ihr das auch sagen? Sagen ja Historiker, Politikwissenschaftler ja ganz viele, dass er gerade dieses Land, die Demokratie umbaut in eine Autokratie. Ja, ich glaube, das ist ja etwas, was wir kennen aus anderen Ländern. Da wird vielleicht jemand gewählt als Präsident, sei es in einigen europäischen Ländern wie Viktor Orban als Premierminister in Ungarn. Oder wir haben in Afrika eine Reihe von Ländern, wo wir Ähnliches sehen.

Der wird gewählt und dann baut er das System so um, dass es völlig auf ihn zugeschnitten ist als, ich sage mal, Alleinherrscher, als der Einzige, der mächtig ist. Und das, was hier passiert, das muss man wirklich einfach Stück für Stück aufzeigen, ist, dass der Präsident nicht nur seine Kompetenz, die ihm nach der Verfassung zugewiesen ist, voll ausnutzt bis zum letzten Ende. Und da kann man ja noch sagen, das ist okay. Also der hat ja über die Exekutive, das ist sein Zweig der Gewaltenteilung, da sollte er wirklich auch Macht haben und das sollte gelten, was er sagt. Aber er nutzt das so weitgehend, dass er Leute rausschmeißt, die irgendwelche anderen Ansichten haben. Er schmeißt auch Experten raus, also eine Menge Expertise geht da verloren. So und dann geht er den Schritt weiter und unterminiert die Gewaltenteilung, indem er einfach auch Dinge tut, die eigentlich dem Kongress, dem Parlament zustehen. Zum Beispiel, indem er Behörden abschafft, die klassisch hier in den USA eigentlich der Aufsicht des Kongresses unterstellt sind oder dass er auch noch hingeht und Gerichtsurteile einfach ignoriert. Und das ist das Playbook, wie man so schön sagt, also der Leitfaden des Diktators, wie wir es eben auch aus anderen Ländern kennen. Man könnte ja auch eine gewisse Fortsetzung von der ersten Amtszeit sehen. Also wenn man so ein Playbook oder ich habe es mal genannt in dem Buch, ein Küchenrezept für Autokraten, wie man Autokratie errichtet.

Also am Anfang muss man auf jeden Fall die Medien sturmreif schießen. Also jene Medien, die eine große Glaubwürdigkeit und Verbreitung haben. Und dann kommen die Richter dran. Und das erleben wir jetzt, finde ich. Dieses Gehen gegen Gerichte, eventuell sogar gegen den Supreme Court. Es sind ja auch Gerichtsverfahren anhängig. Es ist nicht so, als würden sich Amerikaner nun gar nicht wehren. Aber man weiß nicht, ob Trump das eventuell auch ignoriert. Und das ist so der große Schritt. Und dann noch dieses Zerschmettern von Behörden, die ja eigentlich zu einem rationalen, modernen Staat dazugehören. Berufsbeamte, die auch nicht parteilich sind. Also die haben zwar auch ihre Präferenzen, aber das ist nicht ihre Aufgabe, Parteipolitik zu machen, sondern die Gesetze bewahren, Fachkenntnisse einbringen, zuverlässig sein, berechenbar sein. All das scheint jetzt aufgelöst zu werden in einer Art mittelalterlich-oligarchische Loyalitätsstaatswesen, was eigentlich nicht das ist, was wir als modernes Staatswesen kennen. Ich finde das wirklich auf bittere Art faszinierend, Elma. Und das ist wichtig, dass also die Ministerien, die sind ja gefüllt mit Experten und nicht nur mit politischen Berufungen, die dann eben das machen, was der Präsident will, sondern das sind Leute, die machen den Job seit Jahren oder Jahrzehnten, kennen sich bestens aus in Sachen Finanzpolitik, Wirtschaftspolitik und so weiter.

Die schmeißt er raus und sorgt auch dafür, dass gleich mit die rausgeschmissen werden, die vielleicht auch mal eine andere Ansicht vertreten. Was ja wichtig ist, damit man die bestmögliche Lösung findet für irgendein Problem. Und ein Beispiel dafür haben wir ja im Heute-Journal gezeigt. Mark Greenblatt, das ist ein Inspektor, ein Generalinspektor, so nennt sich das, im Innenministerium gewesen. Das gibt es in jedem Ministerium, dass da einer ist, der quasi die Aufsicht hat, unabhängig zu überprüfen, ob die Regeln, die Gesetze eingehalten werden, ob da Geld verschwendet wird. Ist sowas wie die Revision vielleicht in Deutschland. So, und da hat er auf einen Schlag an einem Freitagabend 18 Leute rausgeschmissen von diesen Kontrolleuren in allen Ministerien. Die sind weg. Mark Greenblatt ist ein Republikaner. Der war völlig baff, dass der Präsident, der ihn berufen hat in seiner ersten Amtszeit, Donald Trump.

Ihn rausschmeißt und dann nicht durch jemanden ersetzt, der auch unabhängig kontrolliert, sondern seine Sorge ist, das hat er uns gesagt, entweder jemand hinsetzt, der völlig loyal ist und einfach nur Erfüllungsgehilfe für den Präsident.

Oder im schlimmsten Fall, das wird nicht neu besetzt. Und das ist jetzt so. Die Posten sind bisher nicht neu besetzt. Das heißt, die unabhängige Kontrolle innerhalb eines Ministeriums ist weg, sodass eigentlich die Erfüllungsgehilfen, die Trump da platziert hat, also die Minister und die Staatssekretäre und Ähnliches, die können jetzt immer nur das tun, was der Präsident will und eben nichts anderes. Wenn man jetzt entweder das Rezeptbüchlein für Autokratie oder ich stelle mir auch irgendwie so eine Art Tutorial vor, How to Autokratie, dann wird da vermutlich als erstes drinstehen, bau dir eine treue Gang auf. Und das ist ja das, was Trump macht, was er schon gemacht hat. Er hat da irgendwie seine Bros ins Regierungsteam geholt. Treue Gefolgsleute sind da dabei. Loyalität ist sehr wichtig, im Zweifel auch wichtiger als Kompetenz. Dann der zweite Punkt, haben wir auch schon drüber gesprochen. Du hast es gesagt, Marietta, untergrabe die Medien oder die Glaubwürdigkeit der Medien. Das scheint ja auch ein bisschen Trumps Lieblingsbeschäftigung zu sein, Fake News, das haben wir schon oft gehört. Und jetzt habe ich neulich gelesen, dass er ja sogar noch einen Schritt weiter geht und sich selber aussucht, welche Journalisten, Journalistinnen im Oval Office über ihn berichten dürfen. Elma, hast du da einen Einblick oder Kontakt auch zu deinen amerikanischen Kollegen und Kolleginnen, wie frustriert sind die da gerade?

Sehr. Also wir sind ja Teil des White House Press Corps, wie man das nennt. Das heißt, auch wir haben den Pass fürs Weiße Haus und können damit rein. Und seit vielen Jahrzehnten ist eigentlich ein festes Vorgehen, dass dieses White House Press Corps untereinander entscheidet, wer deckt die Termine des Präsidenten ab, wer reist mit ihm. Das ist der sogenannte Travel Pool. Also wer hängt im Grunde genommen immer an ihm dran? Und das sind immer mal Kollegen vom Fernsehen, vom Radio, von Agenturen, von Zeitungen, von Zeitschriften, sodass die unterschiedlichsten Plattformen da vertreten sind, auch Social Media. Und jetzt hat er einige ausgeschlossen von Terminen, die er hat. Also wenn es nicht im Weißer Haus Presse Briefing Room geht, sondern irgendwie im Oval Office. Da durfte AP, Associated Press, eine Weile nicht mitmachen, weil sie sich weigerten Golf von Amerika zu sagen, statt Golf von Mexiko.

Ja, das reicht schon aus. Und er hat diese Plätze besetzt mit Podcastern, mit Influencern, die in den Social Media halt eigentlich Propaganda machen. Das hat nichts mit Journalismus zu tun. Aber die sind jetzt bei diesen Terminen ganz nah dran am Präsidenten. Und mal ein Beispiel. Ihr erinnert euch an diesen Auftritt von Vance und Trump als Zelensky im Oval Office war, wo es diesen Streit gegeben hat, wo es richtig geknallt hat.

Da sind dann diese Aktivisten gewesen, die haben dann Fragen gestellt, wie zum Beispiel, Herr Präsident, mit welchem großen amerikanischen Präsidenten würden Sie sich denn vergleichen? Dann sagt er, mit George Washington und Abraham Lincoln, aber eigentlich bin ich noch viel besser als die beiden. So und woher nehmen Sie die Courage, den Mut, Gespräche mit Wladimir Putin zu beginnen? Also das hat nichts mit Journalismus zu tun, aber das ist genau das, was Donald Trump will, weil er kann dann eben immer die dran nehmen für Fragen, die ihm solche Fragen stellen und kann über die anderen schimpfen oder einfach über die hinweggehen, wenn er kritische Fragen bekommt. Das ist ja im Prinzip das Prinzip des Hofstaats. Also Speichellecker und ein Hofstaat, der einen umgibt. Und ja, das haben wir ja auch bei den Tech-Milliardären, von denen man vielleicht glauben könnte, wenn man so reich ist und solche großen Konzerne hat, dann hat man auch Kraft und Mut oder hat es nicht nötig, sich irgendwo einzuschleimen. Nein, nein. Wir haben ja gesehen, dass die dann auch den Ring des Papstes sozusagen küsten, also Papst jetzt im übertragenen Sinne des Königs in diesem Fall, Trump, und sich da alle aufbauen ließen. Und er hat sie ja auch vorgeführt. Er hat sie ja auch hinter sich gestellt bei seiner Amtsanführung, damit auch jeder sieht, die sind in meinem Boot und da kommen sie auch nicht wieder raus. Mhm. Also Medien, Journalisten, Journalistinnen, die frei berichten, sind ihm ein Dorn im Auge.

Wen er auch nicht so richtig zu mögen scheint, ist die freie Wissenschaft. Da habt ihr im Heute-Journal auch schon häufiger darüber berichtet. Würde wahrscheinlich auch drinstehen in so einem Tutorial How to Autokratie, führe Krieg gegen die Wissenschaft. Und ich muss dabei immer an Dolores Umbridge denken. Ich weiß nicht, ob ihr Harry Potter gelesen habt.

Das ist diese sehr, sehr treue Angestellte des Zaubereiministeriums, die alles dafür getan hat, damit Schüler in Hogwarts nichts lernen, was dem Ministerium gefährlich werden könnte. Trump hat zum Beispiel das Bildungsministerium zerschlagen. Er hat jetzt Zuschüsse gestrichen für Top-Unis, zum Beispiel Harvard, Columbia. Ich glaube, Harvard, das war sogar ein Milliardenbetrag, der da jetzt gekürzt wurde. 2,2 Milliarden. Ja, er streicht Forschung zu Themen wie Klima, Gender, Inklusion, Frauengesundheit. Warum macht er das? Sollte er nicht eigentlich daran interessiert sein, dass kluge, top ausgebildete Wissenschaftler, Wissenschaftlerinnen in den USA sind und da gerne arbeiten? Naja, also ich will jetzt nicht so weit gehen zu sagen, wir befinden uns jetzt hier auf dem Weg in ein faschistisches System. Aber wenn man sich Faschismusforschung anguckt, was klassische Kennzeichen solcher Ideologien und solcher Staatswesen sind, dann gehört eben neben diesem Führerprinzip auch eine massive Antiwissenschaftlichkeit dazu. Also gerne auch so mystische Verschwörungstheorien, Naturreligionen, die plötzlich gefeiert werden und Ähnliches. Wir haben das unter den Nazis auch erlebt. Naja, und wenn wir jetzt nachher in die USA sind, dann haben wir da einen Gesundheitsminister in Anführungsstrichen, der im Prinzip, also man kann es eigentlich gar nicht in Worte fassen, wie antiwissenschaftlich der ist.

Und auch nicht wahrhaben will anscheinend, dass sich die Masern gerade wieder in den USA verbreiten und schwurbelt über Impfungen und so weiter und so fort. Und das ist relativ typisch für solche Systeme, denn Wissenschaft bedeutet natürlich Fakten, Nüchternheit, nicht Meinung und gegebenenfalls auch etwas, was einem nicht passt. Wir gucken natürlich immer eher, was ist da alles los und eher auf die Geschwindigkeit und die unglaubliche Schlagzahl, die er da macht. Wir gucken selten in das Feingedruckte, was steht da wirklich drin in den einzelnen Exekutivbefehlen. Da hat er einen Exekutivbefehl erlassen, da geht es um die Umweltpolitik und Energiepolitik hier in den USA. Und da steht dann natürlich drin hier, die Windkraft ist Käse und die müssen wir nicht mehr fördern und all solche Dinge. Aber wenn man genau guckt, dann steht dann, was weiß ich, auf der fünften Seite im Abschnitt sieben steht der kleine Satz.

Innerhalb der nächsten 30 Tage soll überprüft werden, ob tatsächlich die Klimakiller, die Methan und andere Gase, ob die tatsächlich gefährlich sind, ob die gesundheitsschädlich sind. Und diese Überprüfung, der Auftrag, der geht an die zuständigen Ministerien. Und das ist die Grundlage für im Grunde genommen die Abschaffung der Klimapolitik. Weil wenn diese Formel, die vom obersten Gerichtshof in mehreren Gerichtsurteilen bestätigt worden ist, als die Grundlage, dass der Staat handeln muss, um Menschen vor diesen Klimakillern auch zu schützen und etwas zu tun im Kampf gegen Klimawandel. Wenn die außer Kraft gesetzt oder vernichtig erklärt wird, fällt die komplette Grundlage weg, überhaupt sowas wie eine Klimapolitik machen zu müssen. Und genau so ist es passiert. Die ist jetzt futsch. Und deswegen braucht er sich um Abgase, um Emissionen, um Umweltverschmutzung einfach nicht mehr zu kümmern. Wie praktisch.

Schön, Elmar, dass du da für uns auch ins Kleingedruckte schaust. Bei diesen Exekutivbefehlen hatten wir jetzt ja schon ein paar Mal den Begriff bei den Dekreten. Also da kann eben Trump sich hinsetzen und etwas anordnen. Übrigens auch wieder eine Dolores Umbridge Parallele. Die hat nämlich auch die ganze Zeit irgendwelche Erlasse irgendwo hingehämmert. Und quasi direkt als Präsident ohne Zustimmung des Parlaments etwas anordnen. Da gibt es auch schon ein paar Klagen dagegen. Gegenkritiker sagen, er würde da am Kongress vorbeiregieren, das sei nicht konform mit der Verfassung, er würde sich da zu viele Befugnisse rausnehmen. Und was ich dabei so schwer begreiflich finde, ist, wie das überhaupt passieren kann. Weil eigentlich ist die USA die älteste durchgehend existierende Demokratie der Welt und hat eigentlich sogar sowas wie einen eigenen Schutzmechanismus, den die Gründerväter höchstpersönlich da in die Verfassung geschrieben haben, damit genau so etwas nicht passiert und eine Person eben zu viel Macht hat.

Das sind die Checks and Balances. Und diejenigen, die jetzt nicht nur bei der zehnten Folge, sondern die vielleicht auch schon die Folgen davor angehört haben in diesem Podcast, die wissen, dass es hier eine Rubrik gibt, in der Gundula Gause, ZDF-Nachrichtenlegende, wie wir immer zu ihr sagen, auf eine ganz besondere Art komplizierte Dinge erklärt. Nämlich in der Rubrik Gundula erklärt. Aber bevor Gundula erklärt, heißt es erstmal, das Podcast-Team gratuliert. Ich hatte euch ja drei Jubiläen versprochen. Gundula Gause hat heute Geburtstag. Happy Birthday! Happy Birthday, liebe Gundula! Happy Birthday, liebe Gundula! Yay! Gundula erklärt! Musik.

Bei Checks and Balances geht es um das Machtgleichgewicht zwischen Exekutive, Legislative und Judikative. In den USA sind das der Präsident, der Kongress und der oberste Gerichtshof. Keine Institution soll zu viel Macht haben, deswegen checken sie sich gegenseitig. Der Kongress, der aus Senat und Abgeordnetenhaus besteht, kann Gesetze verabschieden. Der Präsident kann diese Gesetze unterzeichnen, damit sie in Kraft treten. Und er kann sie auch ablehnen, wenn er gegen ein Gesetz ist. So sind die Gewalten voneinander getrennt. Kontrolliert wird all das durch den obersten Gerichtshof, den Supreme Court. Der überprüft, ob die Gesetze des Kongresses verfassungsgemäß sind. Auch das Handeln des Präsidenten wird vom Supreme Court überwacht. Aber die Richter am Supreme Court werden vom Präsidenten ernannt und vom Senat bestätigt.

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Elmar, was würdest du sagen, wie dünn ist das Eis unter den Checks and Balances oder ist es eigentlich schon gebrochen? Also es ist dünn deshalb, weil es braucht natürlich Beteiligte in all diesen drei Gewalten, die mit gutem Willen, in guter Absicht handeln. Und Donald Trump tut das nicht. Das ist eine Bösartigkeit, eine böse Absicht, die darauf angelegt ist, das zu unterminieren. Ich will mal ein Beispiel nennen. Er hat gleich am ersten Tag eingefroren all die Gelder aus dem sogenannten Inflation Reduction Act und dem Infrastrukturpaket. Das sind also Gelder, die das Parlament, der amerikanische Kongress, bewilligt hat und die der vorherige Präsident Joe Biden unterschrieben hat. Das heißt also, alles richtig gelaufen und diese Gelder müssen jetzt eigentlich dafür ausgegeben werden. Und jetzt geht er hin und unterschreibt ein Dekret und sagt, sind eingefroren. Und das sind momentan für dieses Jahr plus einige andere Sachen über 450 Milliarden Dollar.

Das sind Gelder, die waren vorgesehen für Projekte im Land, in den einzelnen Bundesstaaten und so weiter. Die fließen jetzt nicht. Das heißt, da hängen Firmen dran, da hängen Arbeitsplätze dran, da hängen Leben dran, da hängen auch Fördermaßnahmen im Gesundheitsbereich dran. Also auch Menschen können krank werden, weil diese Gelder eben nicht ausgegeben werden. Und das macht der einfach so. Und der Kongress, das ist das Problem, hat momentan nicht die Mehrheiten und auch nicht das Rückgrat, um gegenzuhalten. Sondern es gibt dann, Marietta, wir haben es ja heute schon gezeigt, eine Lisa Murkowski, Senatorin der Republikanischen Partei, die sagt, ich habe Angst. Wir alle haben Angst. Ich bin zu ängstlich, meine Stimme zu erheben, so sagt sie, weil Vergeltung real ist. Das heißt, es gibt eine ganze Menge auch im Parlament, die eingeschüchtert sind. Das heißt, die nehmen ihre Aufgabe momentan nicht wahr. Die Gerichte, von denen Gundler sprach, sind ja auch Teil dieser Checks and Balances. Die versuchen das. Da werden Klagen eingereicht, Richter stoppen das. Aber das läuft hoch bis zum obersten Gerichtshof und da kommt es zum Schwur. Wenn die obersten Richter sich dem entgegenstellen und ein klares Urteil sprechen würden, und es liegen zig Klagen momentan schon beim obersten Gerichtshof, dann ist die entscheidende Frage, ignoriert Trump das einfach? Und wenn er das ignoriert, dann hat er den Durchmarsch. Dann sind alle Checks and Balances ausgehebelt. Und die große Frage, wer ist denn eigentlich noch da, der in irgendeiner Weise ihn bremsen könnte?

Ich glaube, man darf sich auch irgendwie keinen Illusionen hingeben, wie gewalttätig das eventuell auch noch werden kann. Also wir sprechen ja oft über dieses Project 2025, von diesem stark konservativen Think Tank, Denkfabrik, wie man in Washington sagt. Das ist so ein bisschen das Drehbuch, was man sagt. Das Drehbuch oder die intellektuelle Unterfütterung oder wie immer man es nennen will. Also jedenfalls eine Art Szenario, was alles passieren soll, wenn Donald Trump wieder ins Amt kommt. Und dessen Präsident Kevin Roberts, der hat so einen interessanten Satz gesagt, wir befinden uns im Prozess der zweiten amerikanischen Revolution und fügt dann hinzu, die unblutig bleiben wird, wenn die Linke es zulässt. Kann man sich vorstellen, dass man den Linken dann alles Mögliche in die Schuhe schieben kann, um es dann eben doch blutig werden zu lassen. Und ein Land, das jetzt schon Leute ohne Prozess, ohne Rechtsunterstützung einfach deportiert. Jetzt im Moment sind es Menschen, die illegal im Land sind oder die zumindest keine Amerikaner sind oder keine Aufenthaltsgenehmigung haben. Aber es wurden auch schon Studenten einfach quasi von der Straße geholt, die eine Aufenthaltsgenehmigung hatten.

Ich weiß es nicht. Also Elmar, ich weiß nicht, wie besorgt du bist. Ich bin schon wirklich sehr nervös, wenn ich in die USA schaue. Ich bin besorgt, weil das fällt auch in den Bereich, was du vorhin mal ansprachst. Man kann ja so eine Art Checkliste machen, was gehört zu Faschismus dazu. Und bei dieser Checkliste gehört dazu der Einsatz von Gewalt gegen Faschismus. Die Andersdenkenden, gegen politische Gegner, gegen Minderheiten in einer Gesellschaft. Und jetzt auch da wieder ein Beispiel. Er hat diese Woche einen Exekutivbefehl unterzeichnet. Da geht es darum, wie man sicherstellen kann, dass die demokratisch regierten Bundesstaaten die Städte, die sich als Zufluchtstädte auch bezeichnen, also Zuflucht für Zuwanderer geben, sicherstellen wollen, dass die Einwanderungsbehörde sie bei ihnen nicht einfach per Razzia einsacken und dann abschieben kann, ohne irgendeine Anhörung oder Ähnliches.

Da schreibt der rein an einer Stelle, es soll geprüft werden und in 90 Tagen erwartet er Bericht darüber, ob es sinnvoll ist, amerikanisches Militär in amerikanischen Großstädten, in demokratischen Großstädten, Zufluchtstädten und so weiter einzusetzen, um bei der Durchsetzung der Zuwanderungspolitik zu helfen. Das bedeutet, amerikanische Soldaten, gepanzerte Fahrzeuge, die in den Straßen von amerikanischen Städten möglicherweise eingesetzt werden könnten gegen jeden, der sich schützend vor diese Zuwanderer stellt. Das können örtliche Polizisten sein, das können Bürgermeister sein, das können Richter sein, das können normale Menschen sein. Das ist der Punkt, wo wir eindeutig im Faschismus gelandet sind, spätestens. Man könnte viele andere Punkte nennen. Und er hat auch eins gemacht, er erinnert euch, er hat ja direkt am Nachamtsantritt die Aufständischen von 6. Januar 2021 begnadigt. Das sind ja eine Reihe von schwer bewaffneten Milizionären auch dabei gewesen. Und er hat das Signal gesendet, wenn du quasi für mich, es ging ja um ihn im Amt zu bleiben, wenn du für mich Gewalt anwendest, dann wirst du hinterher von mir dafür begnadigt. Und das ist ein fatales Signal und das könnte dann, wenn es zu solchen gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt, natürlich am Ende eine ganz große Rolle spielen.

Timothy Snyder, der US-amerikanische Faschismusforscher, der hat mal gesagt, jetzt noch angefügt an Elmers Ausführungen, wenn Milizen auftauchen, dann wird es gefährlich. Dann musst du eigentlich zusehen, dass du verschwindest. Alle machen sich Gedanken darüber, was ist eigentlich, wenn du ins Visier gerätst und was passiert dann mit deiner Familie, was passiert mit Kolleginnen und Kollegen.

Und das ist perfide. Also das sickert ein, du hast es im Kopf. Also du machst dir Gedanken, wenn ich jetzt das eine oder andere sage in der Berichterstattung und ich glaube, das trifft die amerikanischen Kollegen noch viel mehr. Die müssen sich echt Gedanken machen, ob sie dann ins Visier genommen werden, weil der Präsident auch das, der hat schon mehrere Dekrete unterschrieben, die sich nicht gegen eine Institution richten, sondern gegen Einzelpersonen. Das heißt, da wird verfügt, dass man Ermittlungen aufnimmt gegen Einzelpersonen, was dramatische Folgen für die haben kann. Also ich glaube, dieses ist auch bewusst, dass diese Einschüchterung stattfinden soll, damit man eben möglichst wenig Gegenwehr am Ende hat. Und wir haben ja am Anfang auch die Frage gestellt, wer oder was kann ihn denn jetzt überhaupt noch stoppen? Und bei der Frage würde man ja vielleicht zuerst denken, na ja, eine starke Opposition, ein wirklich guter Gegner oder eine gute Gegnerin, die ist vielleicht dazu in der Lage oder der ist in der Lage. Und da fällt mir ein Video ein, das ist so vor ungefähr zwei Wochen bei mir viral gegangen. Und zwar vom Coachella-Festival in Kalifornien.

Wart ihr das schon mal? Ich nicht. Nein, leider nicht. Ich auch noch nicht. Dieses Jahr wäre ich gerne da gewesen. The Prodigy Kraftwerk ist aufgetreten. Charlie XCX, das hätte ich gerne gesehen. Aber es gab auch einen Überraschungsauftritt und zwar von Bernie Sanders. Das ist ein linker, unabhängiger US-Senator und er ist 83 Jahre alt und hat sich da als Überraschungsgast eben auf die Bühne gestellt. Und da hören wir mal rein. Please give it up for Senator Bernie Sanders! Vielen Und der Zukunft von Amerika ist, die auf deine Generation betrachtet.

Jetzt kannst du nicht wegziehen und du kannst ignorieren, aber wenn du das machst, du machst es in deinem eigenen Peril. Wir brauchen dich, um zu stehen, um zu kämpfen, um die Justizien zu kämpfen. Also er sagt, es hängt von euch ab, was mit Amerika passiert. Es ist gefährlich, wenn ihr das ignoriert, was gerade passiert. Und wir, also die Älteren, wir brauchen euch, die Jungen, die aufstehen und kämpfen. Bevor wir uns noch wirklich auf diesen Inhalt konzentrieren, erstmal Bernie Sanders, der ist 83 und der ist jetzt auf einmal älter. Die stärkste Stimme einer Opposition, also das kann es doch irgendwie nicht sein.

Das zeigt natürlich ein bisschen, da traut sich einer was, was sich viele andere nicht trauen, weil die vielleicht immer noch zu viel zu verlieren haben.

Also Bernie Sanders hat alles erreicht in seinem Leben, was man erreichen kann und ist die Stimme des Gewissens und der Vernunft momentan. Aber er ist trotzdem auch nicht alleine. Also wichtig ist, er und Alexandria Ocasio-Cortez vom linken Flügel der Demokratischen Partei, eine Kongressabgeordnete. Junge Frau in den 30ern, die mit ihm gemeinsam Veranstaltungen macht, wo 30, 35.000 Leute ins Stadion kommen, weil sie natürlich das aussprechen, was viele sich nicht trauen auszusprechen. Und es gibt dann noch weitere. Der Gouverneur von Illinois, einer der reichsten Männer Amerikas, muss man immer gleich als Fußnote dazu sagen, J.B. Pritzker, stellt sich vor sein Parlament und zieht die Parallele zu den 30er Jahren in Deutschland und sagt, in Deutschland hat es zwei Monate, so und so viele Wochen, ein paar Tage gedauert, dann war die konstitutionelle Republik durch die Nazis zerstört und zieht diesen Vergleich eben mit den USA heute. Also es sind einige, die die Stimme erheben, aber wir sehen ja im Land, es gibt zwar Demonstrationen, aber es gibt eben nicht solche Massendemonstrationen oder Generalstreiks oder ähnliches. Und ich glaube, das hat auch damit zu tun, dass bei vielen Amerikanern auch noch das Gefühl ist, lass mal gucken, ob das wirklich so schlimm wird, wie jetzt manche behaupten. Vielleicht ist das ja doch gar nicht so schlimm, was da kommt.

Und dann ändern wir das wieder bei der nächsten Wahl. Und deswegen ist entscheidend, was in den nächsten Wochen passiert. Da wird nämlich das, was er in der Wirtschaftspolitik macht, dieses Strafzellen und alle anderen Sachen, das wird durchschlagen. Bis in die Supermärkte, bis in die Firmen. Da werden Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren, die Preise in die Höhe schnellen. Und das ist der Moment, wo die Amerikaner ja selber in ihrem Alltagsleben merken, was das mit ihrem Land und mit ihnen macht und deshalb vielleicht auch bereit sind zu protestieren. Ich habe auch Zweifel, dass Bernie Sanders oder AOC, also Alexander Ocasio-Cortez, dass die jetzt wirklich die Führungsfiguren sein können. Die sind so klar links in der US-Politik. Das sind jetzt nicht die Leute, die ein breites Bürgertum auf die Straße holen, fürchte ich. Das ist wirklich ein bestimmtes Segment der amerikanischen, aber auch bestimmte Studenten, Jüngere.

Du hast das Festival gerade angesprochen, das ist so diese Szene oder Bubble, aber das würde ich jetzt nicht Oma Erna aus Texas irgendwie beunruhigen, was AOC sagt. Aber ich glaube, wie Elmar schon sagte, jetzt kommen die Zölle und die Wirkungen. Und wenn man mal ehrlich ist, die Einzigen oder der Einzige, der im Moment wirklich massiv Gegendruck gegen Donald Trump macht, ist, so blödes klingen mag, der Markt. Oder die Marktwirtschaft oder die Finanzmärkte. Die haben ihn wirklich auch ein bisschen das Fürchten gelernt. Und ich bin auch mal gespannt, ob das, was er behauptet, dass ganz viele andere Staaten ihm bereits, wie er sagt, in den Arsch kriechen, also beim Anrufen und tolle Deals anbieten, ob das überhaupt stimmt. Und weil darauf hat er ja offenbar spekuliert. Aber im Moment hört man noch nicht so viel von wirklich tollen Deals. Und dann kann es irgendwann knapp werden. Und wir können jetzt alle nicht in eine Kristallkugel schauen. Aber bei den Chinesen habe ich nicht den Eindruck, als hätten die vor, sich zu unterwerfen. Es gibt wohl Verhandlungen auf der Arbeitsebene. Das ist aber wirklich die untere Ebene. Und das, was er immer behauptet oder insinuiert, er weckt ja den Anschein, als wäre er im ständigen Gespräch mit Xi Jinping und so weiter. Das ist nichts Wahres dran. Das ist gelogen. Ich sage das mal so klar und offen. Und die Chinesen sagen das selber auch. Und die nutzen jetzt momentan die Situation. Ich weiß nicht, ob ihr dieses Video gesehen habt. Ja, mit den dicken Amerikanern.

Einerseits das mit den dicken Amerikanern, die jetzt in der Fabrik dann irgendwie die Handys von Apple zusammenschrauben und so weiter, was ja völlig eigentlich illusorisch ist, dass sie in Amerika das machen. Aber jetzt gibt es ein neues Video, wo sie ganz klar machen, China wird nie die Knie beugen vor Amerika. Und mal wirklich aufzeigt in diesem Video, wo Amerika jetzt, Donald Trumps Amerika, mit Nötigung und Erpressung rund um den Erdball unterwegs ist, auch in den USA, die Abrissbirne gegen die amerikanische Demokratie und so weiter. Also legen den Finger da in die Wunden. Und deswegen glaube ich auch, da hat er einen Gegner, an dem er sich sehr schnell wirtschaftlich jedenfalls auch mit die Zähne ausbeißen kann. Also ich höre da so raus, wenn wir die Frage stellen, wer kann ihn noch stoppen, wer oder was, Bernie Sanders wird es nicht sein, aber eventuell die wirtschaftlichen Auswirkungen oder dann am Ende ja vielleicht auch er selbst, der sich da demontiert, indem er dann doch etwas macht, was der amerikanischen Bevölkerung so dermaßen gegen den Strich geht, dass er dann eben bei den nächsten Zwischenwahlen, die sind ja 2026 die Midterm Elections, dass er da dann einfach die Mehrheit im Kongress verlieren wird.

Tja, schauen wir mal. Das ist völlig offen, wie das am Ende dann ausgehen würde. Ich würde gerne zum Schluss noch die Stimme und die Perspektive von Hunter reinbringen. Er ist 22, studiert Politikwissenschaft in Malibu und er verbringt gerade den Großteil seiner Freizeit, hat er mir erzählt. Freiwillig übrigens für das 50-51-Movement.

Und zwar ist das eine Bewegung, wo sich Menschen zusammenfinden, sich connecten, um dann eben Proteste zu organisieren, auf die Straße zu gehen gegen Trump und für die Demokratie. Und das ist übrigens wirklich, haben wir jetzt auch schon oft angesprochen und die Frage gestellt, ja wo bleiben denn eigentlich diese großen Massenproteste und auch wo bleiben die jungen Menschen, die noch ihr ganzes Leben in diesem Land zu leben haben und die auch von Bernie Sanders auf dieser Szene, in die wir reingehört haben, ja direkt angesprochen wurden, ihr müsst jetzt aufstehen, wir brauchen euch. Und ich habe Hunter, der sich dafür engagiert, gefragt, warum junge Menschen in den USA gerade so leise sind.

Ich gehöre zu diesen jungen Leuten und ich bin nicht gerade leise. Als wir angefangen haben, waren es vor allem Millennials und die Generation X und dann eine große Anzahl von Boomern. Es gab nicht viel aus der Gen Z wie mich oder noch jüngere Leute. Aber im Laufe der Zeit, als die Proteste immer mehr wurden, kamen immer mehr Leute, auch aus meiner Generation. Am 5. Februar vor dem Rathaus in L.A. waren wir ein paar hundert Menschen. Am 5. April waren es laut MSNBC schon 100.000.

Das sind natürlich immer noch nicht so viele wie in der Zeit des Vietnamkriegs, als hauptsächlich Studenten protestiert haben. Viele Menschen in meinem Alter, vor allem in den USA, haben nicht wirklich viel Hoffnung für die Zukunft. Sie sehen, wie die Welt schlechter geworden ist. Sie sehen, dass man ihnen weniger versprochen hat als der vorherigen Generation. Und viele von ihnen sehen das sehr nihilistisch, sehr pessimistisch. Aber da verändert sich gerade etwas, weil die Leute anfangen zu erkennen, dass es eine gute Sache ist, für seine Rechte und die Rechte anderer einzustehen. Und es ist ziemlich cool, das Gefühl von Gemeinschaft und Solidarität zu haben. 50-51, noch zur Erklärung, steht übrigens für 50 protests in 50 states, also in allen Staaten der USA, überall und one movement, also eine große Bewegung, das ist das Ziel. Und wie Hunter sagt, ja was ich rausführe ist so, es fängt jetzt an, es bewegt sich schon was und es gibt diesen Shift hin zu auch jüngeren Menschen, die jetzt anfangen sich zu engagieren und auf die Straße zu gehen und ihre Stimme zu erheben. Das ist so. Also es wird langsam größer. Aber es hat sich ja ein Faktor dramatisch verändert, zumindest mal in den letzten Jahren, wo zum Beispiel in Sachen Gaza oder in Sachen Black Lives Matter George Floyd Hunderttausende demonstriert haben. Gerade die College-Studenten, die haben ja einiges zu verlieren, wenn sie nicht weiter studieren könnten. Die Eltern zahlen auch eine Menge Geld oder sie selber müssen Kredite aufnehmen, um sich das leisten zu können.

Und sie konnten demonstrieren und hatten aber das Wissen, sie tun das in einem Staat, in dem die Meinungsfreiheit gilt, verlässlich ist, wo einem nicht das Schlimmste widerfahren kann. Und genau das bekommen sie gerade aberzogen durch das, was wir sehen, wenn eine Studentin von der Straße weg einfach mal eingesackt werden kann, ohne dass sie weiß, was gegen sie vorliegt und es Tag und Woche dauert, bis der Vorwurf klar wird und Beweise bis heute nicht vorhanden sind. Und dieses Bild sendet natürlich, wir haben die Videos vielleicht gesehen, das sendet natürlich ein Signal an alle, dass es gefährlich ist. Und ich glaube, das spielt hier eine ganz große Rolle. Ja, auch die Angst vor körperlicher Gewalt ist ein Teil dieses Herrschaftsprinzips einzuschüchtern.

Also ein Pritzker, ein Milliardär, der hat Bodyguards, aber das hat irgendeine Journalistin von CNN oder so im Zweifelsfalle nicht. Oder eben ein Richter auf einer mittleren Ebene, wo dann plötzlich Leute bei ihm vorm Haus stehen und seine Familie bedrohen. Und dann geht es ums Ganze, dann geht es ums Eingemachte, wer sich dann noch traut, den Mund aufzumachen. Ich habe das Hunter übrigens auch gefragt, ob er sich persönlich auch fürchtet um seine eigene Sicherheit. Und dann meinte er sowas wie, naja, der Zug ist ja sowieso schon abgefahren. Ich gehe hier hin mit meinem Klarnamen, ich spreche mit dir, ich bin auf der Straße. Also was soll da passieren? Aber jedenfalls lässt er sich auch von dieser Angst, die er schon hat oder dieses mulmige Gefühl, er lässt sich jedenfalls nicht davon abbringen. Und das finde ich beeindruckend. Ja. Elmar, vielen Dank, dass du diese drei Jubiläen heute mit uns gefeiert hast. Sehr gerne, es hat Spaß gemacht. Dir wünsche ich mir viel Kraft noch für die nächsten 100 Tage, weil es hört ja nicht auf. Ciao, danke dir.

Wir wollen in diesem Podcast auch immer wieder auf die kleinen Themen schauen, die es nicht ins Heute-Journal schaffen oder nicht wie Donald Trump jeden Tag Schlagzeilen kriegen. Und da habe ich zum Einstieg eine schwierige Frage an dich, Marietta. Was magst du lieber, Eichhörnchen oder Igel? Ich bin großer Eichhörnchen-Fan. Also Igel sind natürlich auch ganz entzückend, aber ich liebe Eichhörnchen. Ich liebe sie auch, wobei ich muss mich fast für die Igel entscheiden, einfach weil man sieht die seltener. Das stimmt. Und die sind auch tatsächlich in Deutschland mittlerweile vom Aussterben bedroht. Und das hat einen Grund, ist ein bisschen obvious, es ist der Klimawandel, Eichhörnchen, Igel, so süß diese Tiere sind, das schützt sie nicht vom Klimawandel. Und in letzter Zeit soll es laut Tierschützern immer mehr Eichhörnchen geben, die von Bäumen fallen, weil sie total kraftlos und dehydriert sind. Das hört sich richtig heftig an. Die Gründe sind Trockenheit, wenig Wasser. Eichhörnchen sind nicht für milde Winter ausgelegt, weil sie schlafen eigentlich, wenn es kalt ist und dann fährt der Stopfwechsel runter. Da brauchen sie dann weniger Nahrung. Wenn es warm ist, brauchen sie auch im Winter Nahrung, die ja sowieso schon knapp ist.

Das heißt also, wenn ihr jetzt über den 1. Mai oder auch an einem sonnigen Wochenende spazieren seid und euch fällt da ein Eichhörnchen vor die Füße, ich hoffe mal nicht, aber wenn es passiert, dann könnt ihr ihnen Wasser geben oder ihr könnt zum Beispiel auch im Garten oder auf dem Balkon eine Schale aufstellen, eine flache Schale mit Wasser, die dann auch regelmäßig geputzt werden sollte. Ich überlege mir das auf jeden Fall für meinen Balkon, wobei ich dann nicht möchte, dass da die Tauben hinkommen. Ja, das ist immer das Problem. Ich habe auch so ein Vogelbecken auf dem Balkon und da kommen natürlich alle möglichen. Den Eichhörnchen habe ich da leider noch nicht gesehen, aber klar, da kommen da nicht nur die niedlichen kleinen Kohle- und Blaumeisen, sondern auch noch andere größere Gefährten. Ja, ja, ich weiß, wen du da meinst. Also, und um nochmal den Bogen zu schlagen zu den USA. Das amerikanische Grauhörnchen, das verdrängt ja gerne mal die einheimischen Einhörnchen. Nicht Einhörnchen, die Eichhörnchen. So die Eichhörnchen. Einhörnchen stelle ich mir auch sehr süß vor.

Großbritannien, da ist das schon passiert. Da habe ich noch nie ein rotes Eichhörnchen gesehen, nur graue. In München gibt es dagegen sehr viele rote Eichhörnchen. Wobei, ich habe von unserem Fact-Checking gelernt, dass es nicht bedeutet, dass in Deutschland, wenn man ein graues sieht, dass dann die amerikanischen Eichhörnchen unsere einheimischen roten verdrängt haben. Sondern es gibt auch bei uns sehr viele einheimische Eichhörnchen, die andere Fellfarben einfach haben. Ja. Das war die zehnte Folge des Heute-Journal-Podcasts. Vielen, vielen Dank, Marietta, auch nochmal für das Präsent. Das freut mich wirklich sehr. Ja, danke, danke dir. Und dass du das so toll machst hier mit unserem Podcast und wir immer gern zu Gast sind. Glaube ich, das sage ich für alle drei Moderatoren. Und dann freuen wir uns auf die nächsten 100 Podcasts. Ich mich auch. Und dann nutze ich auch die Gelegenheit, nochmal Danke zu sagen, weil ich bin ja auch nicht alleine hier, sondern es gibt ein ganz tolles Podcast. Team, Menschen, die das hier alles möglich machen, in der Redaktion, in der Produktion, bei der Technik. Danke auch an euch da draußen, die zuhören. Ihr könnt uns sehr gerne eure Wünsche, Anregungen, Feedback, Themenvorschläge, das nehmen wir sehr, sehr gerne, lesen wir sehr, sehr gerne. Schreibt uns das an heutejournal-podcast.zdf.de. Und wenn ihr auch Lust habt auf noch ein paar Runden mit uns hier und mit diesem Podcast, dann lasst uns doch sehr, sehr gerne eine Bewertung da. Schönes Wochenende und bis nächste Woche. Tschüss. Tschau.

An dieser Folge mitgearbeitet haben Christoph Söller, Julia Ilmer, Till Schadl, Maikes Rowig, Cedric Frieden und Younes Rabe. Das Fact-Checking kam von Iris Schwarz und Beate Seck.

Music.

Heute Journal, der Podcast, wird produziert von Pool Artists.

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