Music.
Heute-Journal, der Podcast. Die News, dein Durchblick. Hi, das ist der Heute-Journal-Podcast, in dem wir wie jede Woche auf eine Schlagzeile blicken und auf die vielen kleinen, aber trotzdem sehr wichtigen Details dahinter. Ich bin Helene Reiner und mir gegenüber sitzt wieder Christian Sievers, Moderator des Heute-Journals. Hallo. Hallo. Ich muss mich eigentlich gleich verbessern, weil wir heute nicht über eine Schlagzeile der Woche sprechen, weil das Thema, über das wir reden, es sehr schwer hat, überhaupt vorzukommen in der Berichterstattung. Obwohl es eigentlich gemessen an seinem Ausmaß jeden Tag eine Schlagzeile dazu geben müsste. Und zwar ist das der Krieg im Sudan. Wir wollen wissen, worum geht es dabei eigentlich, wer kämpft gegen wen und was macht das mit den Menschen, die dort leben. Und weil wir in diesem Podcast ja auch einen Einblick in die Berichterstattung geben wollen, müssen wir auch darüber sprechen, warum das Thema von uns so vernachlässigt wird. Heute ist der 7. August, 14 Uhr.
Was hier in Al-Fasher passiert, ist wirklich schlimm. Die Zusammenstöße zwischen den Kriegsparteien sind extrem. Die Stadt leidet unter Hunger und die wichtigsten Dinge fehlen. Die Straßen sind komplett leer, die Stadt steht still. Kein Wasser, kein Strom, keine Kommunikation. Es gibt nur ein Krankenhaus. Und das reicht nicht für die vielen Verwundeten. Das Einzige, was die Menschen zum Überleben haben, ist Tierfutter. Getrocknete Bohnen vermischt mit Sesam.
Warum greift die internationale Gemeinschaft nicht ein? Sie sollten doch Menschenleben retten. Was wir gerade gehört haben, ist eine Sprachnachricht von Mariam Al-Ahmad. Sie arbeitet als Krankenschwester in einem vertriebenen Lager in der Region Darfur. Das ist im Sudan. Und hat beschrieben, was dort gerade passiert, wie es den Menschen geht, die sich da von Tierfutter ernähren müssen, weil es sonst nichts mehr gibt. Im Sudan herrscht seit mehr als zwei Jahren Krieg. Zwölf Millionen Menschen wurden vertrieben. Das ist so viel wie in ganz Belgien leben. Das sind Dimensionen, die man sich kaum vorstellen kann. Ich habe auch noch mal auf die Karte geguckt. Sudan, das ist ein sehr, sehr großes Land im Nordosten Afrikas, etwa fünfmal so groß wie Deutschland mit ca. 50 Millionen Menschen und mehr als die Hälfte, 26 Millionen, dort hungern. Mit am stärksten betroffen sind Kinder, Frauen erleben Schlimmstes, Massenvergewaltigungen, unfassbare Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung. Die Vereinten Nationen sprechen von der größten humanitären Krise der Welt. Und trotzdem, wenn mich jetzt jemand so gefragt hätte, auch vor der Recherche für diese Folge, Mensch, erklär mir doch mal, was passiert da gerade im Sudan? Ich wäre ehrlich gesagt blank gewesen. Ich hätte keine zufriedenstellende Antwort gefunden. Wie geht es dir da?
Ja, also ich meine, das ist mein Job. So ein paar Eckpunkte würden mir schon einfallen. Der Bürgerkrieg, der Militärmachthaber, der gegen seinen ehemaligen Stellvertreter kämpft, Und dann wie immer in solchen Situationen furchtbar viele zivile Opfer, ganz normale Menschen, die grauenvoll leiden müssen und immer wieder die Warnungen der UNO, das ist, wie du es gerade gesagt hast, die wahrscheinlich oder mit ziemlicher Sicherheit schlimmste Katastrophe, die wir aktuell erleben, auf dieser Welt ist. Und wir erleben ja gerade eine ganze Menge von Katastrophen. Also das würde mir schon so einfallen, aber wenn es jetzt darum geht, tatsächlich mal die Hintergründe zu erforschen und vor allem zu überlegen, wo kommt denn das her, wer befeuert diesen Krieg und wie kann er endlich wieder gestoppt werden, da muss ich sagen, freue ich mich auf diesen Podcast. Ja, genau deswegen wollen wir diese Folge machen. Und wir haben im Vorfeld auch auf dem Instagram-Kanal von ZDF heute mal euch gefragt, was ihr über die Lage im Sudan wissen wollt. Und die mit Abstand am häufigsten gestellte Frage war eben, was ist der Hintergrund? Also warum gibt es dort überhaupt diesen Krieg? Wer kämpft gegen wen? Und das haben wir mal weitergegeben an ZDF-Nachrichtenlegende Gundula Gause, die uns das erklären kann. Kundula erklärt.
Seit April 2023 herrscht im Sudan ein Bürgerkrieg. Zwei Generäle kämpfen um Macht auf dem Rücken der Zivilbevölkerung. Vor sechs Jahren sah es im Sudan noch ganz anders aus. 2019 stürzte die sudanesische Bevölkerung den Langzeitdiktator Omar al-Baschir. Vorangegangen waren monatelange Proteste, getragen von Studierenden, Gewerkschaften, Frauen, Menschen aus dem ganzen Land. Die Hoffnung, ein demokratischer Neuanfang. Daraufhin wurde eine Übergangsregierung gebildet, zur Hälfte zivil, zur Hälfte militärisch. Doch der Übergang funktionierte nicht, das Vertrauen fehlte und jede Gruppe griff nur nach größtmöglicher Macht. 2021 putschte die Armee. General Abdel Fattah al-Burhan übernahm die Kontrolle. Unterstützt wurde er von Mohammed Hamdan Dagallo, genannt Hemeti. Er war der Anführer einer paramilitärischen Gruppe der Rapid Support Forces, kurz RSF. Zwei Jahre später zerbrach das Bündnis der beiden Generäle. Auslöser war ein Plan, die RSF in die reguläre Armee einzugliedern. Das hätte Hemeti aber zum Untergebenen von Burhan gemacht. Der machtbewusste Hemeti weigerte sich und griff zu den Waffen.
Wir haben also diese zwei Generäle, Al-Bohan und Hemeti, die sogar mal zusammengearbeitet haben und dann zu Rivalen wurden. Ich verstehe aber noch nicht ganz, wie das alleine zur größten humanitären Krise der Welt führen kann. Ich freue mich, dass Goliné Atay da ist. Sie ist Korrespondentin und Kriegsberichterstatterin und leitet das ZDF-Studio in Kairo. Hallo Goliné. Hallo nach Mainz. Hallo. Geht es nur um diesen Machtkampf der beiden Generäle, dieser beiden Männer oder was steckt da noch dahinter? Also dieser Zusammenstoß zwischen den beiden Männern ist nicht im luftleeren Raum passiert. Wenn wir uns jetzt die Geschichte des Sudan nach seiner Unabhängigkeit anschauen, dann hat das Militär 56 Jahre der 69 Jahre nach der Unabhängigkeit kontrolliert. Und das Land hat, ich musste selber staunen, als ich das gelesen habe, 35 Putschversuche erlebt, davon sechs erfolgreich. Und das Militär ist zutiefst der Überzeugung, dass nur die Offiziere die Geschicke des Landes leiten können und ganz bestimmt nicht eine zivile Regierung und dass nur die Offiziere tatsächlich die Wirtschaft verwalten können. Also sie sehen sich als quasi Gutsherren an, die quasi 80 Prozent der Wirtschaft besitzen. Sie sehen sich selber als Unternehmer an.
Das ist so ein bisschen der historische Kontext oder die historische Altlast. Und jetzt blicken wir mal auf den letzten Putsch, der die zivile Regierung nach dieser kurzen demokratischen Phase gestürzt hat. Das war Oktober 2021.
Und Hemeti und Burhan haben das zusammengetan. Warum? Es gab eine scharfe politische Konkurrenz zwischen den beiden, es gab eine ökonomische Konkurrenz. Sie haben gefürchtet, dass sie ihre Pfunde aufgeben müssen. Sie haben Zugang zu den massiven Goldressourcen des Landes. Sie sind in der Bauwirtschaft aktiv, sie sind im Viehhandel aktiv, in der Agrarwirtschaft aktiv, im Transportwesen.
Sie haben gefürchtet, dass sie das aufgeben müssen. Und sie haben auch gefürchtet, dass sie vielleicht irgendwann von einer demokratischen Regierung auch zur Rechenschaft gezogen werden. Für das, was sie in den vergangenen Jahrzehnten an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Und das ist dann der Ausgang gewesen, der Anstoß für diese Zusammenstöße. Und dann kam es eben, dann passierte sozusagen die Ausweitung des Krieges, also der Krieg metastasierte. Und weil sich immer mehr bewaffnete Rebellen, neue Gruppen, alte Gruppen, Milizen der einen oder anderen Seite anschlossen. Das heißt, wir haben jetzt eigentlich zwei Blöcke, die in sich auch nochmal gespalten und fragmentiert sind. Jetzt hast du gerade gesagt, das Militär sagt, sie sind die einzigen, die die Wirtschaft verwalten können.
Da horche ich immer gleich auf, weil in solchen Fällen geht es ja auch ganz häufig einfach ganz schnöde um Geld. Also ist es in dem Fall auch so, dass da Menschen ihre Pfründe ins Trockene bringen, beziehungsweise sich einfach dumm und dusselig verdienen, während der ganz große Teil der Bevölkerung furchtbar hungern muss? Absolut. Der Sudan ist ein sehr reiches Land. Es hatte vor der Abspaltung des Südsudan Ölreichtum und danach fokussierte sich das Ganze auf Gold. Und beide Kriegsparteien leben von diesem Gold. Das Gold ist quasi die Lebensader dieses Krieges und das meiste Gold wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten verkauft. Und bei den Goldpreisen, die wir im Moment haben, ist das natürlich ein Wahnsinnsboom. Blutgold.
Ganz genau. Bei den beiden Kriegsparteien, um die es geht, man ist ja da auch sehr verleitet, immer nach einer guten und nach einer bösen Seite zu schauen, um das alles ein bisschen besser greifen zu können. Wir haben da auch eine Frage reinbekommen aus der Community. Gibt es denn jemanden, der im Recht wäre? Gute Frage. Also wenn ich nach Lichtblicken suche im Sudan, dann komme ich immer wieder zurück auf die Demokraten, die auf die Straße gegangen sind und die tatsächlich es geschafft haben, drei Dekaden dieser brutalen Herrschaft unter Omar al-Baschir, eine islamistische Herrschaft, zu beenden. Das war eine Wahnsinnsphase des Aufbruchs. Und dieser Idealismus existiert noch, während alle Parteien.
Nihilistisch sind und zerstören wollen, gibt es genau diese Gruppe, die es schafft, mit Geld Spenden aus dem Ausland noch Sudanesen im Inland zu versorgen. Selbst in Al-Farsha gibt es noch diese gemeinsamen Aktionen, um Essen zur Verfügung zu stellen. Und das wird organisiert durch Spenden aus dem Ausland. Und das sind eigentlich die, die mir Hoffnung bereiten, aber das sind natürlich die, die keine Macht haben. aber trotzdem im Hintergrund, im Stillen wirken. Stichwort Ausland und Stichwort im Hintergrund wirken. Häufig ist es bei solchen Konflikten ja auch so, dass ausländische Mächte dahinterstehen, dass so eine Art Stellvertreterkrieg stattfindet. Das haben wir im Jemen gesehen, nur sehen wir im Jemen immer noch. Und ist das im Sudan auch so, dass es am Ende andere sind, die ein Interesse daran haben, dass dieses furchtbare Blutvergießen und dieses schreckliche Leid für die Menschen immer weitergeht? Also es ist kein reiner Proxy-Wall. Das Kriegsgeschehen findet schon im Land statt und könnte von den Generälen beendet werden.
Aber es gibt natürlich mächtige Interessen, die hinter den beiden Kriegsparteien stehen. Vor allen Dingen die Vereinigten Arabischen Emirate, auch wenn sie das immer wieder abstreiten, sollen nach UN-Berichten die RSF-Paramilitärs beliefern. Also die Rebellen sozusagen. Genau, die Rebellen. Und sollen das seit neuestem übrigens mit einem ehemaligen Alliierten des ägyptischen Militärregimes tun, nämlich General Haftar und seinem Sohn Saddam Haftar.
Der den Osten Libyens kontrolliert. Und das heißt, wir haben auf der einen Seite die Emirate, wir haben General Haftar im Libyen, wir haben auf der anderen Seite Ägypten, das ganz klar, das Militärregime steht ganz klar hinter der Armee, auch wenn sich in den Kreisen der Armee immer noch Islamisten aufhalten. Aber diese Bande sind sehr, sehr stark und die Armee führt auch viel von ihrem Gold, schmuggelt sie über Ägypten aus dem Land. Also Ägypten verstehe ich jetzt noch als Nachbarland, aber was haben die Vereinigten Arabischen Emirate für ein Interesse dort? Ich meine, ist es das Gold, was du gerade angesprochen hast? Das kann es ja eigentlich alleine nicht sein, oder? Auch das Gold spielt schon eine große Rolle, aber es geht auch um Böden, die die Emirate gekauft haben, große landwirtschaftliche Flächen, die es erworben hat, damit es seine Bevölkerung irgendwann mal ernähren kann. Also das ist auf jeden Fall schon ausschlaggebend. Dann heißt es immer wieder in den offiziellen Berichten, ja, wir wollen nicht, dass der Sudan wieder zu einem Terrorstützpunkt wird. Denn das könnte unsere Sicherheit gefährden. Wir wollen, dass Ruhe herrscht im Roten Meer. Wir wollen die maritime Sicherheit aufrechterhalten.
Und deswegen unterstützen wir die RSF, weil wir sind gegen die Islamisten, die eben nach wie vor sich in den Kreisen der Armee aufhalten. Also es gibt tatsächlich Belege.
Militärgerät aus den Emiraten an die RSF-Milizen geliefert worden sind. Und interessanterweise sind darunter auch technologische Teile, die zum Beispiel in Frankreich geliefert worden sind. Also auf solche Umwege gelangen dann auch in Europa hergestellte militärische Parts tatsächlich in diesen Krieg hinein. Du hast es auch gerade angesprochen, Militärgeräte aus Frankreich, die Rolle der EU. Das ist auch was, das ich häufiger gehört habe in einem Gespräch mit Ilav Kalfalla. Ich habe gestern mit ihr telefoniert. Ihre Familie musste vor dem Krieg im Sudan fliehen. Sie studiert Anthropologie und setzt sich dafür ein, dass dieses Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt. Und sie hat eben immer wieder betont, dass es ja da etwas gibt in Europa und auch in Deutschland, das dazu geführt hat, dass es überhaupt so weit kommen konnte.
Es ist mir wichtig, weil es heute unter anderem auch eine der größten menschlichen Krisen unserer Zeit ist, und aktuell die größte humanitäre Krise, wenn auch dieser Krieg auf jeden Fall ein sehr politischer Krieg ist, was sehr, sehr, sehr zu kurz kommt, wenn über ihn gesprochen wird und wenn über ihn berichtet wird. Denn es sind gerade auch politische Entscheidungen oder eben politische Nichtentscheidungen, die auch dazu führen, dass diese Lage so weitergeht und sich weiter zuspricht.
Und es ist wichtig, einfach aus einer humanen Perspektive, es ist auch wichtig, weil tatsächlich die EU und auch Deutschland historisch durch politische Entscheidungen, durch Finanzierung in verschiedenen Entwicklungsprojekten für Bedingungen gesorgt haben, die zum Beispiel den RSF gestärkt haben. Und weil es einfach wichtig ist, auch dieser Verantwortung nachzukommen. Und hier auch einfach zu agieren.
Goliné, haben politische Entscheidungen aus der EU und in Deutschland dazu beigetragen, zu dieser verheerenden Lage im Sudan? Es gibt eine gewisse Mitverantwortung, ja. 2014 hat die EU mit dem damaligen Regime im Sudan ein Grenzabkommen geschlossen. Also es geht um die EU. Die Externalisierung von EU-Grenzen, was ja jetzt mit vielen Mittelmeerländern passiert und das ist damals auch mit dem Sudan passiert. Und das hat dazu geführt, dass die RSF-Milizen tatsächlich aufgewertet wurden, eine bessere Stellung im Staat bekommen haben, weil sie eben auch die Grenzen kontrolliert haben. Und gleichzeitig hat die EU mit diesem Abkommen, das hieß damals der sogenannte Khatoum-Prozess, hat mit diesem Abkommen den Bock zum Gärtner gemacht, weil die RSF-Milizen damals selber laut zahlreichen Berichten in den Schmuggel von Migranten verwickelt waren.
Also sie haben auf der einen Seite verdient und sie haben auf der anderen Seite eine Aufwertung ihrer eigenen Stellung erreicht. Und General Hemeti, der Chef der RSF-Milizen, der nannte sich damals Mr. Migration und hat dadurch natürlich sehr an Rang und Einfluss innerhalb des Sudans gewonnen. Du leitest jetzt das Studio in Kairo, bist aber auch zuständig für das Berichtsgebiet Sudan. Hättest du überhaupt die Möglichkeit, aktuell einzureisen? Wie frei bist du da? Wir haben zweimal ein Visum bekommen. Das eine Mal haben wir die Reise verschieben müssen, weil ein Krieg im Libanon ausgebrochen ist und ich eine Dokumentation über die Menschen im Libanon im Krieg machen musste.
Und das zweite Mal hatten wir erneut ein Visum. Wir haben uns natürlich an die Armee wenden müssen. Das ist die, die quasi noch Visa vergibt. Und das Ganze wäre auch embedded mit der Armee gewesen. Also nicht ein unbegrenzt freier Zugang, aber trotzdem, es wäre wichtig gewesen. Und dann hat uns leider der lokale Mitarbeiter aus uns unerfindlichen Gründen verlassen und sich nicht mehr gemeldet. Und die ganze Reise fiel wieder ins Wasser. Also kurzum, wir haben erneut einen Antrag gestellt und hoffen, dass wir es dieses Jahr nochmal reinschaffen, nach der Regenzeit, damit wir uns auch dort bewegen können. Und wenn du gar nicht im Land bist, wie kommst du an deine Berichte, an Bilder, an Videos? Ja, tatsächlich die wenigen Male, die wir berichtet haben mit Bildern tatsächlich vor Ort. Wir haben immer wieder ein neues Netzwerk von Menschen aufgemacht, die mit ihren Mobiltelefonen durchgehen. Berichtet haben aus verschiedenen Landesteilen. Wir konnten nur ganz wenig auf die Erfahrungen, die wir hatten, auf das Team, das wir hatten, zurückgreifen. Wir mussten immer wieder neu ansetzen und schauen, wie wir Leuten beibringen können, wie sie mit ihrem Mobiltelefon Bilder und Töne machen können. Also auf der einen Seite haben wir sie unterrichtet, wie sie das machen. Und auf der anderen Seite haben wir unsere Bilder und Interviews bekommen. Meistens waren das humanitäre Angestellte oder Ärzte oder medizinisches Personal, das dann für uns gedreht hat.
Es war schon ganz am Anfang so, dass wir kaum noch Zugang zu Journalisten hatten, weil die eben auch bedroht und angegriffen wurden von den Kriegsparteien und das Land verlassen mussten.
Können wir vielleicht auch dazu sagen, die Krankenschwester, die wir eingangs gehört hatten, die Sprachnachricht, die haben wir auch über dich bekommen. Wir haben gefragt, habt ihr Kontakte? Und dann meintest du ja, aber es sei eben nicht so einfach, das zu bekommen. Ja, es ist wahnsinnig kompliziert. Die Krankenschwester zum Beispiel, die hätte ich gerne gezeigt, aber sie hat gesagt, sie ist aus El Fascha geflohen in Richtung eines Gebiets, das von den RSF-Milizen kontrolliert wird. Und sie wird ihr Gesicht nicht zeigen können, sie wird nur reden können.
Und die Menschen haben Angst. Die Verbindungen sind unglaublich schlecht. Es dauert wirklich Tage. Wir müssen Berichte manchmal über zwei Wochen vorbereiten, bis wir die dann irgendwie zusammensetzen können. Also es ist sehr, sehr, sehr kompliziert und es ist eigentlich ein Wunder, dass wir es bislang geschafft haben, mit diesen kleinen Augenzeugenberichten etwas zu machen.
Wir haben jetzt so viel über das gesprochen, was dort passiert, über diese Dimensionen, über das Leid der Menschen, sogar auch über eine Mitverantwortung. Christian, warum berichten wir so selten darüber? Das ist eine wichtige Frage. Ich würde vielleicht gerne vorausschicken, dass wir ja grundsätzlich sehr viel Auslandsberichte haben im Programm, auch verglichen mit anderen Medien. Das ist für mich das ganz große Pfund auch des öffentlich-rechtlichen Systems, unser fantastisches Korrespondentinnen- und Korrespondentennetz, von dem Goliné ja ein Teil ist. Mit dem wir auch oft hier im Podcast sprechen. Richtig und trotzdem stimmt es natürlich der Eindruck, dass wir über den Sudan vergleichsweise wenig berichten. Das ist jetzt vielleicht nicht unbedingt ein Ruhmesblatt für uns, man kann es aber glaube ich erklären. Es gibt schon eine ganze Reihe von Gründen, woran das liegt. Zunächst mal ist der Sudan für viele Menschen auch in Deutschland, unsere Zuschauerinnen und Zuschauer, für die wir ja senden, dann doch sehr, sehr weit weg und betrifft nicht unser Leben ganz unmittelbar. Hat auch vielleicht nicht diese geopolitischen Folgen wie andere Konflikte, also wie etwa der Nahostkonflikt oder der Krieg, der hier direkt in Europa in unserer Nachbarschaft tobt nach dem russischen Überfall auf die Ukraine.
Das ist eine Erklärung. Die zweite ist, ich habe es gerade schon gesagt, dass es natürlich aktuell sehr, sehr viele furchtbare Kriege gibt und sehr viel menschliches Leid in der Welt. Und da gucken wir ja ganz genau drauf. Und das heißt jetzt nicht, dass man anderes vergessen sollte.
Wir hören aber auch von den Menschen, die uns schauen, immer wieder eine einzige Sache. Also auch wenn ich auf der Straße angesprochen werde oder im Zug oder irgendwo auf dem Bahnhof. Wirklich kann man die Uhr nachstellen. eine der Sachen, die immer so fortkommt von unseren Zuschauerinnen und Zuschauern ist ich gucke das wirklich oft eure Sendung, das Heute-Journal aber.
Boah, manchmal ist diese Welt kaum noch auszuhalten und ich soll dann nach der Sendung ins Bett gehen und, weiß ich nicht, irgendwie gut schlafen, aber ich bin total aufgewühlt von dem, was ihr da berichtet, weil ihr habt wirklich nur schlechte Nachrichten. Und dann kommt immer der Appell, ich habe wirklich oben im Büro, kann ich dir zeigen, ich habe Dutzende von Zuschauerbriefen und jeden Tag kommen E-Mails und Posts, die alle das Gleiche fordern, mach doch mal was Positives, berichtet doch mal über schöne Seiten dieser Welt. Und auch daran ist was dran. Ich kann das total verstehen. Auf der anderen Seite können wir jetzt nicht alles zukleistern mit Zuckerguss und sagen, hey, ist doch super, wir machen jetzt nur noch, weiß ich nicht, die Krokus-Ernte in Südholland, aber es ist schon auch irgendwo für die menschliche Empathie und für die Aufnahmefähigkeit natürlich eine Grenze gesetzt. Und man muss sich vorstellen, unsere Zuschauerinnen und Zuschauer kommen von einem harten Arbeitstag vielleicht, wollen jetzt nochmal die Welt kompakt bekommen in einer halben Stunde. Und was dann auch unsere Aufgabe eben auch ist, ist, sie nicht mit dem Gefühl in den Abend zu schicken, ist sowieso alles verloren, man kann eigentlich nur noch die Rollladen runterziehen und Gute Nacht sagen. Und deswegen ist es natürlich an Tagen, an denen wir sehr, sehr viel Leid und Krieg und Tod in der Sendung bereits haben, Wir haben immer auch in der Redaktion so eine Diskussion, wenn dann jemand kommt und sagt, wir müssten mal dringend über den Sudan berichten.
Dass dann garantiert jemand anderes sagt, oh nee, bitte nicht, auch das noch. Und insofern ist es immer ein ganz schwieriges Problem. Aber wie gesagt, die Lösung ist vielleicht, dass man auch nochmal einen Tag speziell heraushebt und an dem Tag dann sich speziell fokussiert auf den Sudan. Das haben wir auch schon mehrfach versucht, dass wir sagen, wir gucken dann auch mal ganz genau. Wir versuchen das nicht irgendwo zu verstecken in der Sendung, sondern wir machen da wirklich einen Schwerpunkt draus. Und der zweite Punkt, den ich vielleicht ganz wichtig finde an der Stelle, und das wäre auch gleich noch eine Frage an Goliné, die sich anschließt, was unser Publikum auch immer fragt ist, Wo ist eigentlich das Konstruktive? Also sprich, wo ist das Licht am Ende des Tunnels? Bitte sagt uns nicht immer nur, alles furchtbar guten Abend und jetzt das Wetter, sondern sagt uns, was zu tun wäre und wie wir Hoffnung schöpfen können. Und deswegen, Goliné, hier kommt die Frage an dich. Gibt es auch im Sudan in irgendeiner Form eine Möglichkeit, das zu beenden, einen Lichtblick, der tatsächlich valide wäre? Leider nicht. Ich muss jetzt wieder realistisch werden. Und ich sehe im Moment leider überhaupt keine Anzeichen dafür, dass dieser Krieg irgendwie schnell beendet werden kann. Im Gegenteil, er fragmentiert. Es gibt unzählige bewaffnete Gruppen. Ich blicke überhaupt nicht mehr durch, wer wer ist. Die RSF-Milizen haben im Westen das Sudan ihren eigenen Staat ausgerufen, ihre eigene Regierung.
Lustige Namen irgendwie, die einen sagen Regierung des Friedens und der Einheit und die anderen nennen sich Regierung der Hoffnung. Und das ist sehr zynisch, muss ich sagen. Und ich sehe nicht, wie er wirklich unmittelbar beendet werden kann. Es ist kein Kampf um Ideologie. Es ist kein Kampf für eine politische Vision. Es geht einfach um Ressourcen und es geht um Macht. Und wie gesagt, es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass dieser sinnentleerte Krieg überhaupt stattfindet, weil das Land unglaublich kompliziert ist, unglaublich viele Interessen auch sich überlagern. Und ich sehe eben auch, dass die internationale Gemeinschaft da nicht wirklich die Tatsache, dass das Drängen sieht, da auch wirklich zum Beispiel alle arabischen Alliierten der Kriegsparteien mal an einen Tisch zu setzen. Trump hat es jetzt gerade versucht und es scheiterte daran, dass Ägypten und die Emirate sich spinnefeind waren, weil sie die Gegenseite unterstützen und deswegen sich nicht an einen Tisch setzen ließen. Er will es jetzt nochmal im September versuchen.
Aber wie gesagt, meine Lichtblicke sind die, die gerade im Stillen dort aus der Demokratiebewegung immer noch sich im Land aufhalten Und tatsächlich jetzt, wo die US-Entwicklungshilfe komplett eingestampft worden ist und Millionen Menschen weniger zu essen haben, tatsächlich noch versuchen, Überspenden aus der Diaspora diese gemeinsamen Tafeln noch aufrecht zu erhalten. Das sind für mich die Lichtblicke. Diese Menschen, die versuchen das aufzubauen, während andere versuchen sie zu zerstören. Ich habe übrigens auch Ilav gefragt, die Aktivistin, die sich dafür einsetzt, dass dieses Thema nicht im Schatten bleibt, sondern mehr Aufmerksamkeit bekommt. Was sie sich denn ganz konkret wünschen würde von denen, die berichten, aber auch von denen, die jetzt vielleicht zuhören? Ich würde mir von beiden auf jeden Fall sehr viel mehr Interesse wünschen und halt auch wirklich Mühe. Also wir haben auch einige Gespräche schon immer wieder mit JournalistInnen gehabt und wir besprechen eigentlich immer wieder die gleichen Themen, also auch ganzheitliche Berichterstattung. Dass es nicht nur darum geht, über diesen Krieg zu berichten, sondern halt auch wirklich Kontext zu schaffen für das Land, historisch für die letzten Jahre. Oder der sich vielleicht auch anschaut, was ist eigentlich gerade was passiert mit einem Land, das ist eigentlich eine der größten Exporteure zum Beispiel von sowas wie Gum Arabica ist, was wir in jedem von unseren Sprudelgetränken finden. Also wie schaut hier auch irgendwie gerade diese Agrarwirtschaft aus?
Wie geht es den Studierenden, wie sind ihre Träume? Also ganzheitlich zu berichten und zumindest einen Kontext zu schaffen, das haben wir probiert. Gouliné, dafür herzlichen Dank für deine Eindrücke und Erklärungen. Und Ilav hat übrigens noch dazu gesagt, vielleicht sprechen wir uns ja alle in einem halben Jahr wieder und bis dahin sieht die Berichterstattung auch ganz anders aus und hat noch ein Angebot dargelassen, falls das Heute-Journal mal einen Beitrag zu sudanesischem Jazz machen möchte. Da wird sie auch sehr gerne noch Input geben. Wichtiger Geschichte. Goldine, vielen Dank und bis bald im Heute-Journal mit einem Film über den Sudan. Dankeschön. Wir versuchen auch hier im Podcast nicht nur über Krise und Kriege zu sprechen, sondern auch über Dinge, die zur Abwechslung mal gut laufen. Davon gibt es ja auch ein paar. Jetzt kommt eine deiner berühmt-berüchtigten krassen Überleitungen. Überleitungen. Da habe ich ganz viele Kommentare zugelesen. Boah, das war echt eine Achterbahnfahrt und so. Ich habe mich schon darauf gefreut, da ist sie wieder. Heute ist es gar nicht so eine weite, ja doch, es ist eine weite Fahrt, aber keine Achterbahnfahrt. Und zwar beamen wir uns vom Sudan ein paar tausend Kilometer in den Süden nach Südafrika. Dort gibt es ein neues und ziemlich ungewöhnliches Artenschutzprojekt und zwar radioaktive Nashörner. Hast du schon mal ein radioaktives Nashorn gesehen? Nee. Sieht man das überhaupt? Also kann man das erkennen?
Scanner können das zumindest erkennen. Aber als Mensch nicht, oder? Das blinkt nicht irgendwie grün. Außer es gibt bestimmt auch Superhelden, die das sofort erkennen könnten. Aber darum soll es jetzt nicht gehen. Es geht tatsächlich um die Erkennung durch Scanner an den Grenzen. Was mir nicht bewusst war, 60.000 US-Dollar kann man für ein Kilo Nashorn bekommen. Und dabei besteht das aus Keratin hauptsächlich, also aus dem Protein, aus dem auch unsere Nägel und Haare bestehen. Aber für viele ist das immer noch eine Art Statussymbol, sich so ein Horn irgendwo hinzuhängen und zu zeigen, wie reich man ist. Oder das weiterzuverarbeiten zur Medizin, weil diesem Nashorn nachgesagt wird, dass es heilende Kräfte hat, zum Beispiel gegen Krebs oder gegen Kater.
Und deswegen gibt es jetzt eben diese ungewöhnliche Herangehensweise, da sind Wissenschaftler hingegangen und haben den Nashörnern in das Horn radioaktive Stoffe gespritzt. Das soll anscheinend für die Tiere nicht bedenklich sein. Aber eben, wenn man das dann schmuggeln möchte und über die Grenze geht, an die Flughäfen geht, die Scanner natürlich sofort Alarm schlagen. Ich glaube trotzdem, dass die wahrscheinlich noch viel effektivere Variante ist bei solchen Dingen halt immer, dass der Markt ausgetrocknet werden muss. Solange es Menschen gibt, die bereit sind, dafür viel Geld auf den Tisch zu legen, wird es leider immer auch Menschen geben, die...
Tieren das Abscheulichste antun, um Geld zu verdienen. Das ist es. Wir haben auch in diesem Podcast schon über Geld verdienen geredet und wie man wirklich literally über Leichen geht, um Geld zu machen. Es gibt diesen alten Journalistenspruch, follow the money. Da ist echt was dran. Wenn man auf den Grund einer Geschichte gehen will, hilft es immer, der Spur des Geldes zu folgen am Ende. Und das gilt auch für Kriegs- und Krisengebiete. Und das gilt auch für das Leben von Nashörnern. Aber jetzt mach uns doch nicht diese schöne, konstruktive Geschichte noch am Ende. Nee, wollte ich gar nicht. Ich wollte einfach nur sagen, dass das ein guter Punkt ist und dass es noch wichtiger wäre, wenn die Menschen, die sowas kaufen, sagen, nee, mache ich nicht. Dafür bezahle ich nicht einen Pfennig. Word. Christian, das war es schon wieder mit dieser Folge. Vielen Dank dir. Danke dir. Vielen Dank euch fürs Zuschauen oder fürs Zuhören. Wenn euch das gefallen hat, dann lasst gerne eine Bewertung da. Schreibt uns, was euch nicht gefallen hat oder was ihr besonders gut fandet. Entweder dort, wo ihr den Podcast gerade hört oder per Mail an heutejournal-podcast.zf.de. Hätte ich fast unsere eigene Mailadresse vergessen. Schönes Wochenende und bis nächste Woche. Tschüss. An dieser Folge mitgearbeitet haben Christina Kayertz, Sham Jaff, Julika Kott, Chiara Raber und Till Schadl. Das Fact-Checking kam von Gabi König und Franziska Meyer. Kamera und Ton von Oliver Jäger und Henrik Weimar.
Music.
Heute Journal, der Podcast, wird produziert von Pool Artists.