Heute Journal, der Podcast. Die News, dein Durchblick.
So Donald Trump, since I know you're watching, I have four words for you. Turn the volume up. Wen wir da gerade gehört haben, das ist Soran Mamdani. Er wurde mit 34 Jahren zum Bürgermeister von New York gewählt und er sagt bei seiner Siegesrede zu Donald Trump, ich weiß, dass du zuschaust und ich habe vier Wörter für dich. Turn the volume up. Und danach hört man die Massen, die ihm zujubeln. Und damit herzlich willkommen beim Heute-Journal-Podcast. Ich bin Helene Reiner und mir gegenüber sitzt heute wieder Marietta Slomka, Moderatorin des Heute-Journals. Hallo. Hi Marietta. Soran Mamdani ist ein linker Demokrat und mit 34 nicht nur der jüngste Bürgermeister seit mehr als einem Jahrhundert, sondern auch der allererste muslimische Bürgermeister von New York und er ist auch ein Social Media Star. Wir sprechen in dieser Folge mit jemandem, der schon Obama bei einem erfolgreichen Wahlkampf geholfen hat und wir wollen wissen, was der Sieg dieses Bürgermeisters für die demokratische Partei in den USA bedeutet, was er für Donald Trump bedeutet und ob Mamdani vielleicht sogar eine Inspiration sein könnte für den ein oder anderen Wahlkampf hier in Deutschland. Heute ist der 6. November, 14 Uhr.
Marietta, warum sprechen wir überhaupt über eine Kommunalwahl in den USA? Uns könnte doch eigentlich egal sein, wer der Bürgermeister von New York ist. Naja, also New York ist natürlich nicht irgendeine Stadt, auch was die Wirtschaftskraft und was die Bedeutung als Finanzplatz in den USA angeht. Es ist die Heimatstadt von Trump. Also da guckt er natürlich auch hin. Und die Bürgermeister von New York, die kennt man eigentlich auch. Also wenn man an andere, frühere denkt, Bloomberg, Giuliani, die sind schon auch weltbekannt. Das ist nicht irgendeine Wahl. Man hat von diesem Bürgermeister jetzt, diesem Neugewählten von Mamdani auch sehr viel mitbekommen über Social Media. Also bei mir war jetzt auch nicht erst seit dieser Woche, sondern eigentlich schon seit Wochen eben über die Zeit seines Wahlkampfes die Fiez voll mit seinen Inhalten. Und mir ist aufgefallen, dass da auch Leute, die sich sonst gar nicht so viel mit der US-Politik beschäftigen, irgendwie fasziniert waren, mitgerissen wurden, in seinen Bann gezogen wurden. Und wir sprechen gleich auch noch ausführlicher darüber, wie er das geschafft hat. Aber erstmal noch zu diesem Ausschnitt, den wir am Anfang gehört haben von ihm bei seiner Siegesrede. Diese Ansage an Donald Trump, turn the volume up.
Naja, er gerät sich dann natürlich auch als der Anti-Trump und ist für Trump und seine Leute wahrscheinlich der Antichrist, im wahrsten Sinne des Wortes. Und spielt natürlich auch damit, dass er sagt, ich bin Trumps schlimmster Albtraum und Trump reagiert ja auch darauf. Lässt sich ja auch triggern. Ja und weiß ja auch, dass das Donald Trumps Geburtsstadt ist, New York, das also auch alles so einfach einen emotionalen Wert hat. Also ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Trump nicht gepasst hat. Und deswegen freue ich mich sehr, dass wir quasi unser verlängertes Auge ins weiße Haus zugeschaltet haben. Und zwar Elmar Thewissen, Leiter des ZDF Studios Washington. Hi Elmar. Hallo liebe Helena, hallo liebe Marietta. Hallo Elmar. Wie sieht es aus, als Donald Trump das gehört hat? Wie sauer war er?
Also er hatte einen Meltdown, wie man das so nennt. Und das kann man immer an der Rate sehen, wie er da über True Social die Posts raushaut. Also ich glaube, ihm ist zweierlei wichtig. Das eine ist, dass er keine Schuld trägt an dem, was da passiert. Das hat er über diese Posts überall verbreitet und den Republikanern die Schuld gegeben, die ja diesen Government Shutdown falsch eingeschätzt und falsch in der Öffentlichkeitsarbeit verkauft haben. Man konnte sich nicht auf den Haushalt einigen und deswegen gibt es jetzt gerade keine... Genau, der längste der Geschichte. Es gibt keine Gelder für Staatsangestellte. Und das merken die Menschen. Also nur mal das Beispiel, dass eben Flugzeuge am Boden bleiben, dass Flughäfen teilweise stundenlang geschlossen waren. Jetzt wird da auch nochmal 10 Prozent der Flüge in den USA eingestellt. Das heißt, du merkst in deinem Alltag, das hat eine Rolle gespielt. Also das ist etwas, was Donald Trump versucht. Er versucht, anderen die Schuld zu geben. Er hat überhaupt keine Schuld daran. Und das zweite ist, er wird natürlich Mamdani nutzen, um die gesamte demokratische Partei als kommunistische anzustreichen. Mamdani, Fußnote, benennt sich selber als Sozialist. Er ist auch kein Kommunist, das ist glaube ich ziemlich klar. Aber Donald Trump wird versuchen, die Demokraten in die kommunistische Ecke zu stellen, damit er dann künftig nächstes Jahr bei den Zwischenwahlen vielleicht mit diesem Argument die Wähler hinter der Republikanischen Partei versammeln kann.
Er hat ja auch eben, als er Mamdani als Kommunisten auch bezeichnet hat.
Hat er damit gedroht, sollte dieser Kandidat diese Wahl gewinnen in New York, dann wird er die Bundesmittel streichen. Also was kommt da auf New York jetzt zu? Gibt es weniger Geld oder schickt er am Ende vielleicht sogar die Nationalgarde? Natürlich spekulieren viele darüber, dass er aus New York so eine Art Exempel machen will, dass er da aufräumen will mit der Nationalgarde, die da reinschicken will. Ich glaube da nicht wirklich dran, weil New York ist als Stadt, als Wirtschaftsmetropole und Finanzmetropole so wichtig, dass, ich sag mal, Unruhen in den Straßen auch nicht im Interesse der Unterstützer von Donald Trump ist, sprich die Konzernchefs, die in New York sitzen, die Bankenchefs etc. Also ich bin gespannt. Ich glaube eher nicht, dass er versucht, die Nationalgarde da hinzuschicken. Aber ausschließend kann man es nicht, wenn er sich in die Ecke gedrängt fühlt und der Meinung ist, er muss hier irgendwie zeigen, dass er den Kommunismus bekämpft. Es war ja nicht nur in New York eine Wahl, sondern auch eben in zwei Bundesstaaten die Gouverneurswahlen in New Jersey und in Virginia. In beiden haben die demokratischen Kandidatinnen gewonnen und dann gab es ja auch noch die Abstimmung über das Zuschneiden von Wahlbezirken. Müssen wir jetzt glaube ich nicht im Einzelnen erklären, ist dann ein bisschen kompliziert, aber das ist strategisch total wichtig für die nächsten Kongresswahlen in Kalifornien, wo ja auch so ein Anti-Trump-Gouverneur ist und der ging auch positiv für die Demokraten aus. Es war schon ein ganz erfolgreicher Tag gestern, vorgestern.
Also man sieht, das Kalkül geht auf, dass es eine Art Gegenbewegung gibt und das wird ja auch reflektiert in der Stimmung im Land. Zustimmungsrate für Trump 40 Prozent, 65 Prozent der Menschen sagen, in Sachen Wirtschaft hat er nicht mehr die Kompetenz, das Land voranzubringen. Also es wendet sich ein bisschen gegen Donald Trump. Wobei er natürlich schon auch einen Punkt hat, Elmar, oder? Wenn er sagt, das sind doch eher demokratische Regionen, in denen jetzt die Demokraten dann einen Sieg haben. Also damit sind jetzt noch keine Swing States zurückgeholt. Und wie es dann bei den Midterms, also bei den Kongresswahlen nächstes Jahr aussieht, weiß man auch nicht. Also ich habe so den Eindruck, eine Erkenntnis, die man ziehen kann, ja, dieser Shutdown, der schadet vor allem den Republikanern. Die Wähler schieben das nicht so sehr den Demokraten in die Schuhe. Und wenn Trump selbst nicht auf dem Wahlzettel steht, ist die Mobilisierung anscheinend der republikanischen Wähler nicht so. Aber das ist wahrscheinlich was, was unser zweiter Gast noch besser beurteilen kann. Ja, das ist glaube ich wichtig, vielleicht den Punkt nochmal zu machen.
Also wer jetzt glaubt, dass nächstes Jahr die Zwischenwahlen angesichts dieser Ergebnisse jetzt ein leichtes Spiel für die Demokraten werden, der hat sich getäuscht. Aber die Schlussfolgerung ist glaube ich, dass in regionalen Wahlen, und das waren ja regionale Wahlen, da musst du Kandidaten aufstellen, die passend sind für die jeweilige Region. Also der Soran Mamdani als Sozialist, der hätte nie eine Chance gehabt, in Virginia Gouverneur zu werden, wage ich mal zu behaupten. Da brauchte es jemanden, der in der Mitte oder sogar eher rechts innerhalb der demokratischen Partei sortiert ist, wie Abigail Spanberger. Und das lernen, glaube ich, die Demokraten. Sie werden jetzt bei diesen Wahlen auch für den Kongress nächstes Jahr Kandidaten aufstellen müssen, die durchaus ganz unterschiedliche Richtungen innerhalb der Partei vertreten.
Damit sind wir ja schon bei der Frage nach der demokraten Strategie der Zukunft. Ja, also Elmar, du hast, wenn ich das richtig verstanden habe, das war auf jeden Fall ein guter Abend oder auch eine gute Woche für die Demokraten. Aber es ist jetzt noch nicht, man kann daraus nicht ableiten, dass jetzt der ganz große Wendepunkt kommen wird und dass die Midterms quasi gesichert sind für sie. Kann man klar sagen, vielleicht ist wichtig auch nochmal, die Mobilisierung ist sehr groß. Und das hat viel damit zu tun, dass Trump in einer atemberaubenden Geschwindigkeit hier vorgeht, dass sich Menschen überwältigt fühlen und Wahlen als Outlet benutzen, um klarzumachen, dass sie das nicht wollen. Es sagen jetzt 62 Prozent der Amerikaner, das Land geht in die falsche Richtung. Und wir haben in New York mit zwei Millionen Wählern bei dieser Wahl die höchste Wahlbeteiligung seit den 60er Jahren in der Bürgermeisterwahl in New York gehabt. Und es sind vor allen Dingen junge Leute. Und das ist das Faszinierende. Junge Leute, die zur Wahl gegangen sind und die in diesem Fall auch Mamdani wirklich zum Sieg verfolgen haben. Aber ein überwältigender Sieg war es ja eigentlich für einen Demokraten nicht, ne?
Also 50 Prozent hat er, glaube ich, bekommen, irgendwas da drüber. Und der Cuomo, der ja auch mal Demokrat war, also sein Gegenkandidat, eigentlich Menschen unter Korruptionsvorwürfen und so weiter, der sonst, glaube ich, eigentlich keine Chance mehr gehabt hätte, hat trotzdem immer noch 40 Prozent bekommen. Also man kann jetzt auch nicht sagen, dass Sohan Mamdani da einen überwältigenden Durchmarsch in dieser Stadt hingelegt hat. Elma hat es auch gesagt, historische Wahlbeteiligung bei dieser Wahl in New York.
Und deswegen würde ich an der Stelle erstmal Danke an dich sagen, Elmar. Schön, dass das geklappt hat. Sehr gerne. Und wir machen einen fliegenden Wechsel zu Julius Vandelaar. Er kommt ursprünglich aus Heidelberg, hat in den USA studiert und dann mit Mitte 20 Barack Obama im Wahlkampf geholfen. Konkret als Youth Vote Director hat er dafür gesorgt, dass die Obama-Kampagne auch junge Wähler erreicht. Er weiß also, wie erfolgreiche Wahlkampagnen geführt werden können und ich freue mich, dass er uns zugeschaltet ist. Hallo Herr Wanderlar. Vielen Dank für die Einladung, schön hier zu sein.
Ja, Sie kennen sich aus mit Wahlkampf in den USA und so wirklich überraschend war es ja nicht, dass Soran Mamdani diese Wahl gewonnen hat, weil er auch in den Umfragen vorher vorne lag vor seinen Konkurrenten. Aber gibt es etwas, das selbst Sie noch wirklich vom Hocker gerissen hat bei dieser Bürgermeisterwahl? Das ist völlig richtig. Umfragen haben ihn alle vorne gesehen. Die Wettmärkte haben prognostiziert, dass er gewinnen würde. Insofern überraschend war es wirklich nicht.
Ich glaube, ich habe viel in den letzten Tagen gehört über die Social Media Strategie. Das zu sagen, Wahnsinn, wie der junge Leute eben angesprochen hat, wie er immer wieder die Themen in den Fokus gestellt hat. Erstens würde ich sagen, Social-Media-Strategie bei einem Mit-30-Jährigen im Jahr 2025, das sollte eigentlich mittlerweile gegeben sein. Ich weiß, dass wir uns hier in Deutschland in Wahlkämpfen durchaus noch schwer damit tun, aber eigentlich müsste man sagen, es gehört mittlerweile dazu. Aber wo ich wirklich ein Kompliment an die Kampagne mache, ist die Fokussierung, die Disziplin. Egal, welche Frage Suran Mandani bekommen hat, er hat immer über das Kernthema gesprochen und das war Affordability, also die Bezahlbarkeit vom Leben. Wenn man in die Statistiken reinschaut, dann sieht man, dass der durchschnittliche New Yorker, die durchschnittliche New Yorkerin 60 Prozent des Einkommens für Miete ausgibt. Insofern, es war, glaube ich, weniger eine Wahl für Soran Mandani, als dass es eine Wahl gegen den Status quo war. Und dass es auch einfach ein Outlet war für den Frust, die ganze große Belast, die auf den Leuten lag und einfach hier einmal in den Stecker gezogen haben und gesagt haben, wir wollen protestieren. Und das war die Wahl, glaube ich, die stattgefunden hat. Herr Vandelaar, wie sehen Sie das denn, diese These, dass man aber an Sohan Mamdani auch sehen kann, dass die Demokraten gespalten sind, dass sie eigentlich nicht so richtig wissen, in welche Richtung sie gehen wollen, denn es ist ja nicht so, als hätten sich die ganzen Parteigranden alle mit Begeisterung hinter diesen jungen Kandidaten versammelt, weil sie ihnen zu links ist, weil sie eigentlich diese Steilvorlage jetzt als Kommunisten bezeichnet zu werden nicht liefern wollen.
Absolut. Ich würde argumentieren, so Raman Dhani ist für die breiten Teile des demokratischen Establishments absolut radioaktiv. Und die haben alle einen riesigen Bogendomien gemacht. Obama hat gesagt, ich telefoniere mal mit ihm. Aber das war so das Höchste der Gefühle von der Annäherung. Die, die wirklich an seiner Seite waren, waren eben Bernie Sanders und Alexander Ocasio-Cortez. Bernie Sanders, der Senator aus Vermont, extrem weit links für amerikanische Verhältnisse und Alexander Ocasio-Cortez auch. Aber ich fand es interessant, den Kandidaten oder der Gouverneur aus Kalifornien, den Sie vorhin schon erwähnt haben, Gavin Newsom, der natürlich auch hart auf dem Anti-Trump-Kurs ist, der hat noch am Tag vor der Wahl ein Video produziert, wo er gesagt hat, diese Wahl wird für uns Demokraten großartig werden. Wir werden in New Jersey gewinnen, wir werden in Kalifornien Prop 50 gewinnen. Wir werden auch in Virginia gewinnen und einen hat er ausgelassen und das war natürlich Soran Mandani. Und ich glaube, das zeigt einfach, dass die meisten Demokraten sagen, das ist absolut toxisch. Trump und die Republikaner werden uns das überstülpen mit dem Kommunismus und wir wollen Distanz kreieren. Kommunismus und dann noch ein Einwanderungshintergrund, das ist für die Magereinhängerschaft wahrscheinlich ein rotes Tuch. Ja, wie es Trump auch sagt, he's a dirty communist. Und wenn er sagt, he's a dirty communist, Herr Wanderler, ich habe gehört, dass Sie auch mal gesagt haben, Mamdani hätte im Prinzip den gleichen Wahlkampf gemacht wie Donald Trump. Wie kann das denn sein, weil die beiden doch inhaltlich so weit auseinander stehen, wie kriegt man das zusammen?
Aber den Populismus. Bingo, genau das ist es. Es ist auf beiden Seiten ein ökonomischer Populismus, der sehr gut identifiziert hat, was die Sorgen und die Nöte von Leuten sind. Trump hat im Wahlkampf gesagt, Leute, ihr könnt eure Pickup-Trucks nicht mehr volltanken, weil der Sprit einfach zu teuer geworden ist. Ich mache Jill, Baby, Jill. Und dann gehen die Spritpreise runter. Und man hat gesagt, ihr könnt nicht mehr in die Stadt reinfahren, weil der Kaffee zu teuer geworden ist und weil die U-Bahn nicht mehr funktioniert und vor allem auch viel zu teuer ist. Und deshalb werden wir den ÖPNV umsonst machen. Ich würde argumentieren, es ist relativ einfache populistische Sprache, die natürlich ankommt und die ein schnelles Verbesserndes Lebenssituation auch verspricht. Ob das dann eingehalten werden kann, das sehen wir sowohl bei Trump und ich vermute und prognostiziere auch, dass es bei Mandani wahrscheinlich relativ lange dauern wird oder auch nie kommen wird. Aber ich glaube, das ist die Botschaft, die beide auf eine sehr ähnliche Art und Weise eben auch ins Ziel getragen hat. Welche Schlüssel sollen denn jetzt die Demokraten für ihren nächsten Präsidentschaftswahlkampf, Für den kommt ja Mandani eh nicht in Frage aufgrund seiner Herkunft. Das dürfen ja nur gebürtige Amerikaner. Aber welche strategischen Schlüsse können die Demokraten daraus ziehen? Denn bisher wirkten sie ja doch recht orientierungslos nach dem misslungenen Wahlkampf von Kamala. Ja, die letzten zwölf Monate nach der Wahl waren die Demokraten quasi in der tiefen Depression. Und ich glaube, sie haben natürlich auch ein fundamentales Glaubwürdigkeitsproblem gehabt, weil sie eben Joe Biden dort im Amt gehalten haben und versucht haben, über die Ziellinie zu hieven, was ihnen am Schluss natürlich auch auf die Füße gefallen ist.
Ich glaube, was in New York total gut getan hat, ist, dass es eben diese offene Primary, diese offenen Vorwahlkampf gab, wo eben alle gegeneinander angetreten sind, mehr als 15 Kandidaten sich die Köpfe eingeschlagen haben und schlussendlich dieser Prozess dann aussortiert hat, wer wirklich glaubwürdig, authentisch ist und wer auch das Charisma hat zu mobilisieren. Und dort konnte man sich von weit links nach weit rechts eben auch innerhalb der demokratischen Partei Leute aussuchen. Und das ist, glaube ich, der Prozess, den die Demokraten auch anstreben sollten, wenn es jetzt eben auch Richtung 2028 geht. Könnten Sie da vielleicht mal einen idealen Kandidaten oder eine Kandidatin skizzieren, wenn es nicht Joe Biden war, nicht Kamala Harris, Mamdani kann es auch nicht sein. Welchen Typen braucht es da? Ich finde es herrlich, weil es gibt ja Studien darüber, welcher Kandidat funktioniert gut und dann wurden schon unterschiedliche Profile getestet und ein Aspekt ist zum Beispiel der Kiefer eines Kandidaten, wie ausgeprägt er ist und man kann anscheinend anhand des Kiefers und der Gesichtsstruktur messen, wie gut dann jemand auch funktionieren wird. Ist natürlich alles Unsinn. Ich glaube, wir wissen es einfach noch nicht. Und das sagen auch alle Statistiken. Meistens ist es so, dass zwei, drei Jahre vor der Präsidentschaft, wer auch immer in den Umfragen gerade vorne ist, die Person wird das so gut wie nie. Und ich erinnere mich auch damals an den Obama-Wahlkampf 2008.
Als Obama damals angefangen hat zu kandidieren, und zur Erinnerung, damals war er schon US-Senator. Das ist einer von 100 US-Senatoren, war Bestseller-Autor. Und er hatte seine Präsidentschaftskampagne auch schon angekündigt. Er stand bei der Name-Recognition von 2,8 Prozent. Das heißt, 2,8 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner hatten den Namen Barack Obama schon mal gehört. Und ich erinnere mich, auch damals kam eine Umfrage raus, wo wir dieselben Zahlen auch für Hillary Clinton, die damalige Gegenkandidatin, abgefragt hatten. Und als die Zahlen zurückkamen, waren es 99 Prozent. 99 Prozent Name Recognition, wo ich mich immer gefragt habe, wer sind diese letzten ein Prozent, die den Namen Hillary Clinton noch nicht gehört hatten? Wie tief im Wald von Montana kann man wirklich leben, wenn man diesen Namen nicht kennt? Der Punkt, den ich machen will, ist, ich glaube, wir haben jetzt noch keine Ahnung und die Aufgabe der demokratischen Partei ist es, einen Prozess zu organisieren, der glaube ich dafür sorgt, dass jeder und jede erstmal mit in diesen Prozess mit reinkommen kann. Dass es wirklich ein Kampf der besten Ideen ist. Von Soran Mamdani ganz weit links außen und Bernie Sanders und Alexander Ocasio-Cortez bis hin zu den moderaten Demokraten. Viele TV-Debatten, viele Social-Media-Formate, die wirklich die Leute auch elektrisieren. Ich glaube, das ist der Prozess, wie das strukturiert sein sollte. Ja, es würde ja auch interessant sein, mit wem die Republikaner dann ins Rennen gehen. Also ob das dann, wie alt ist Trump dann?
Ich weiß gar nicht. 83, ja. Aktuell ist er 79, 82. Und eigentlich dürfte er doch auch gar nicht mehr kandidieren beim nächsten Präsidentschaftswahlkampf. Die Verfassung ist wirklich crystal clear, wie die Amerikaner sagen. Es gibt den 22.
Verfassungszusatz, der ganz klar sagt, man darf zwei Terms machen, zwei Amtsperioden. Es ist auch egal, ob eine Amtsperiode dazwischen liegt oder nicht. Und dann gibt es natürlich diejenigen, die sagen, ja Moment, aber er könnte doch als Vizepräsident von J.D. Vance kandidieren und dann wird J.D. Vance Präsident und schlussendlich tauschen die, das wäre dann so das Putin-Merd-Werdev-Modell, das wir in Russland gesehen haben. Aber auch das ist ganz klar in der Verfassung geregelt, dass auch das nicht möglich ist. Aber vielleicht nur ein Kerrwert, das ist der folgende. Wenn denn Trump nochmal kandidieren dürfte, dann dürfte natürlich auch ein anderer nochmal antreten und das ist natürlich Barack Obama. Und dann hätten wir quasi King Kong gegen Godzilla und das wäre wahrscheinlich der Showdown des Jahrhunderts. Aber Hauptsache, es gibt nochmal Wahlen. Von manchen Äußerungen von Donald Trump kann man sich da ja auch nicht so ganz sicher sein. Richtig, richtig. Ich würde aber sagen, wenn sich jemand schon ein 300 Millionen Dollar Ballsalter heute hinbaut, der wahrscheinlich noch drei Jahre lang gebaut werden muss, ich könnte mir vorstellen, dass Trump sagt, Ich gehe da nicht aus dem Weißen Haus raus in dem Moment, wo der Ball halt auch fertig ist. Ich würde zumindest gerne einen Ball dort auch feiern und das wird wahrscheinlich dann eben auch in die nächste Amtszeit reinfallen.
Ja, danke Herr Van der Laar für Ihre Einschätzungen und Einblicke. Dankeschön. Vielen Dank für die Einladung. Was schön bei Ihnen. Tschüss. Ja, Marietta, wir haben jetzt vom Polit- und Kampagnenstrategen ja schon einiges gehört, was hinter dieser erfolgreichen Kampagne vom neuen New Yorker Bürgermeister gesteckt hat. Wir haben darüber gesprochen, wie er sich auf Social Media inszeniert hat, mit guter Laune, so ein junger, fresher, humorvoller Typ, der auch die Social Media Sprache spricht. Meinst du, wir könnten uns da in Deutschland vielleicht für künftige Wahlen oder Wahlkämpfe so ein bisschen was abschauen? Schwappt da was vielleicht rüber aus den USA? Also ich habe so einen zwiegespaltenen Blick auf Soran Mamdani. Der ist natürlich das, was man so den Charismatikatypus des Politikers nennt.
Die gibt es im linken wie im rechten Spektrum. Auch Trump ist sozusagen ein Charismatiker. Oder wenn man an so Leute wie Boris Johnson denkt oder an Emmanuel Macron, der dann auftrat und sagte als junger Charismatiker bei seiner ersten Amtsperiode, ich bin wieder links, ich bin wieder rechts und damit direkt mal auch das ganze französische Parteiensystem zerbröselte. Das Problem mit diesen Charismatikern ist, dass sie meistens ein ziemliches Trümmerfeld hinterlassen. Also ich weiß nicht, ob das jetzt bei Bandani auch so sein wird, aber wenn man natürlich auch solche großen Versprechungen macht, Herr Van der Laan nannte ja eben auch diesen Begriff populistisch, dann ist die Enttäuschung eigentlich fast vorprogrammiert. Aber was man sicherlich von ihm lernen könnte... Ist dieser Optimismus, den er verbreitet hat, diesen positiven Wahlkampf. Dieses nicht, alles ist schrecklich und der Gegner ist schrecklich. Ja, gegen Trump hat er sich natürlich gestellt, aber er hat nicht diese Weltuntergangsstimmungen verbreitet, sondern eigentlich eher so die Botschaft, wählt mich, dann wird es wieder fröhlicher. Und das, glaube ich, ist was, was doch auch für deutsche Politik eine Idee sein könnte.
Ja, es ist oft so, die großen Versprechungen hinterlassen große Enttäuschungen. Du hast es gesagt. Das bringt mich tatsächlich zu einer Überleitung, denn wenn ich mit Christian hier sitze, dann macht er sich oft drüber lustig, dass ich immer so einen harten Themencut habe, wenn das erste Thema vorbei ist und wir im Podcast noch ein zweites Thema haben. Und das machen wir dieses Mal anders und lassen einfach den Mann den Übergang zum zweiten Thema machen, über den wir jetzt die ganze Zeit gesprochen haben, nämlich Soran Mamdani. Ich weiß, dass einige von Ihnen Bedenken wegen meines Alters haben. Sie sind besorgt, dass ein 33-jähriger Bürgermeister von New York City wird. Ich möchte Ihnen sagen, dass ich Sie verstehe. Deshalb werde ich dieses Wochenende eine Veränderung vornehmen. Ich werde 34 Jahre alt und ich verspreche Ihnen, dass ich ab jetzt jeden Tag älter werde. I will grow older. Humor hat er ja. Humor hat er und diese Versprechung, die wird er garantiert einhalten. Da wird niemand enttäuscht werden. Er wird jeden Tag älter. Von den USA nach Deutschland. Vor ein paar Tagen ist der wohl älteste Mann Deutschlands gestorben. Karl Heidle war das. Er ist 110 Jahre alt geworden. Würdest du gerne 110 werden? Na, in manchen Tagen in so einer Nachrichtenredaktion bin ich erstaunt, dass ich es auch über die 50 geschafft habe.
Ja, diese Frage, wie alt möchte man werden? Also Altern ist nichts für Feiglinge, das heißt es ja. Und natürlich macht man sich Gedanken, wie es dann ist in so einem Alter. Der erste Gedanke ist immer... Solange ich dann noch einigermaßen beisammen bin, geistig wie körperlich, ist es natürlich schön alt zu werden, aber ich denke mir manchmal auch, was wenn ich die Einzige aus meinem ganzen Umfeld bin, die so alt wird und alle, die ich lieb gehabt habe, mit denen ich mein Leben geteilt habe, die kann ich nur noch auf dem Friedhof besuchen. Das ist ein trauriger Gedanke. Ja, das ist ein trauriger Gedanke. Und trotz allem gibt es ja sehr, sehr viele Menschen, die alles dafür tun, diesen Prozess des Alterns aufzuhalten oder gar ganz unsterblich zu werden. In dem Zusammenhang bin ich ein bisschen in dieses Longevity, heißt es, in dieses Rabbit Hole gelangt. Also heißt Langlebigkeit. Und da steckt ja eine ganze Industrie dahinter, ein großer Apparat, 600 Milliarden Dollar. So wertvoll wird diese Industrie geschätzt. Damit 100 Milliarden mehr als der komplette Bundeshaushalt für dieses Jahr. Und das Interessante ist ja aber eigentlich, dass dieser Herr Heidle mit 110 Jahren.
Auch ohne diesen ganzen Krams ausgekommen ist, weil er nämlich mit 99 auch noch auf dem Weinberg gearbeitet hat und ein wohl treuer Zeitungsleser war. Ja, man sagt ungefähr 20 bis maximal 30 Prozent sind die Gene, die bestimmen, wie alt wir werden können, wenn wir nicht Unfälle haben oder in Kriegsgebieten leben müssen oder ähnliches. Und der Rest ist Lebensstil. Aber diese ganzen Tech-Milliardäre im Silicon Valley, die versuchen ja alles, um die Formel für das ewige Leben zu bekommen. Das ist wahrscheinlich auch so ein gewisser Narzissmus, dass es doch nicht sein kann, dass wenn man so großartig ist, dann doch irgendwann der Tod auf einen wartet.
Ich habe eigentlich noch ein, um das abzuschließen, ein sehr schönes Zitat aus dem Heute-Journal diese Woche. Das ist bei mir irgendwie hängen geblieben, weil es auch darum ging. Da hat eine Reporterin ein Dorf in Südafrika besucht, in dem besonders viele hundertjährige leben. Und da hat sich ein Gesundheitswissenschaftler dazu geäußert, wie man eben das auch hinbekommen kann, dass man möglichst alt wird und gesund bleibt. Und er sagt, es geht um die richtige Einstellung, dass man erkennt, wenn Dinge nicht zu ändern sind und man trotzdem einen Weg nach vorne findet und sich selber sagen kann, da ist ein Licht am Ende des Tunnels. Ach schön, das nehmen wir jetzt mit in den Tag. Das fand ich sehr schön. Nicht zu ändern ist, dass dieser Podcast jetzt schon wieder vorbei ist, aber auch hier gibt es Licht am Ende des Tunnels. Wir sind ja nächste Woche wieder für euch da. Und an der Stelle danke fürs Zuhören und auch danke dir, Marietta. Wie immer gerne.
Wenn euch die Folge gefallen hat, dann lasst gerne eine positive Bewertung da, empfehlt uns weiter oder abonniert uns, dann verpasst ihr nichts mehr von uns. Ihr könnt uns auch gerne Kommentare schreiben oder eine E-Mail an heutejournal-podcast.zdf.de. Bis nächste Woche. An dieser Folge mitgearbeitet haben Christoph Söller, Esther Stephan, Till Schadl, Julia Ilmer, Niklas Stellhorn und Younes Rabe. Das Fact-Checking kam von Gabriele König und Iris Schwarz. Kamera und Ton von Nikolaj Kubitschek und Ralf Schönwiese.