Die Deutschen sollen mehr arbeiten. Das ist eine Forderung aus der Union, auch von Bundeskanzler Merz und eines der Aufregerthemen aktuell. Die Deutschen reißen hier wirklich was ab. Wir haben so viele Überstunden und dann sollen wir nochmal zusätzliche Stunden aufgepumpt bekommen. Keine Ahnung in welche Art. Ich finde das einfach eine Frechheit. Ich habe noch die 48 Stunden Woche gehabt und wenn ich das jetzt mit den jungen Leuten vergleiche, ich finde die jungen Leute, denen geht es so gut teilweise.

Diese Work-Life-Balance ist ja auch gar nicht mehr vorhanden. Man sieht ja jetzt auch, viele sind jetzt schon überfordert mit dem, was sie leisten müssen. Ich habe zwei Jobs und komme trotzdem kaum über die Runden. Also mehr Vollzeit, weniger Teilzeit. Die Vier-Tage-Woche wird kritisiert, genauso wie das Konzept Work-Life-Balance. Und auch die Krankentage sollen weniger werden. Die Liste der Forderungen aus der Union ist lang. Und das Versprechen dahinter lautet, wenn wir alle mehr arbeiten, dann wächst die schwächelnde Wirtschaft in Deutschland, also auch der Wohlstand. Aber stimmt diese Rechnung eigentlich so? Das wollen wir uns heute genauer anschauen. Und damit herzlich willkommen zum Heute-Journal-Podcast. Es ist Donnerstag, der 5. Februar 2026. Mein Name ist Hanna Zimmermann und ich bin heute ausnahmsweise allein im Podcast-Studio in Mainz. Aber ich habe mir natürlich Expertise dazu geholt. Und zwar von Professor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarktforschung. Guten Tag, Herr Professor Weber. Hallo, Frau Zimmermann. Können Sie die Empörung der Menschen, die wir da gerade gehört haben, nachvollziehen? Naja, Empörung macht sich ja meistens irgendwie an einzelnen Wörtern fest und diesmal war es eben der Lifestyle.

Ich würde mich daran jetzt aber nicht festhängen. Also das Ganze hat eine Debatte ins Rollen gebracht, wo ja auch wirklich viel über Möglichkeiten, viel über Gründe, vielleicht auch von Fehlentwicklungen gesprochen wird. Und daraus kann man eine Menge machen, wenn man jetzt zu den richtigen Schlussfolgerungen kommt. Also da ist schon eine große Chance drin. Bevor wir jetzt tiefer in die Analyse einsteigen, wollen wir erstmal einen Blick auf die Faktenlage werfen. Ein Vorschlag, den haben Sie ja gerade schon angesprochen aus der Union, war ja den Rechtsanspruch auf Teilzeit stark einzuschränken. Ja, vor allem wenn keine wichtigen Gründe vorliegen. Deshalb, Gundula erklärt, so viel Teilzeit und Vollzeit arbeiten wir in Deutschland wirklich.

Teilzeitarbeit in Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. 2024 haben laut Statistischem Bundesamt 29 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland in Teilzeit gearbeitet. Die Teilzeitquote ist demnach eine der höchsten in der EU. Einen deutlichen Unterschied gibt es zwischen den Geschlechtern. Fast jede zweite Frau, die arbeitet, tut das in Teilzeit. Aber nur zwölf Prozent der Männer. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung lag die Teilzeitquote 2025 sogar noch deutlich höher. Gleichzeitig arbeiten aber in Deutschland seit Jahrzehnten immer mehr Menschen. Auch die Zahl der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen.

Ja, Herr Professor Weber, mittlerweile ist die CDU oder besser gesagt der CDU-Wirtschaftsflügel ja von diesem Begriff Lifestyle Teilzeit abgerückt. Aber der Begriff wurde ja auch deshalb gewählt, um klar zu machen, es geht bei der Einschränkung des Rechtsanspruchs nicht um diejenigen, die Teilzeit arbeiten, weil sie zum Beispiel kleine Kinder haben, Angehörige pflegen oder Weiterbildung machen.

Da stellt sich mir die Frage, wie viel bleibt denn da eigentlich noch übrig? Also wie viele Menschen machen denn aus Lifestyle-Gründen Teilzeit? Genau da stellen Sie die entscheidende Frage, denn dass Kindererziehung und Pflege und Bildung irgendwie wichtiger ist als Lifestyle und dass man für das einen ein Recht auf Teilzeit einräumt und für das andere vielleicht nicht, da können sich die allermeisten Menschen wahrscheinlich schnell drüber verständigen, aber die Abgrenzung ist dann das Wesentliche. Also was ist mit jemandem, der vielleicht gesundheitlich einfach eingeschränkt ist und deswegen nicht so viele Stunden leistet? Oder wo die berufliche Belastung einfach hoch ist? Aus der Pflege hört man das zum Beispiel oft. Oder jemand, der ein Ehrenamt ausübt, vielleicht nebenbei Politik betreibt. Was ist mit den vielen Älteren, die mittlerweile heute deutlich länger arbeiten, nicht kürzer als früher, sondern viel mehr älterer als früher arbeiten, aber häufig treten sie dann halt irgendwann auch mal ein paar Stunden zurück. Das ist wirklich ein ganz probates Mittel, um Menschen länger im Arbeitsmarkt zu halten. Also alles das kann man ja sozusagen nicht als die Restkategorie definieren und deswegen würde ich dazu raten, der Staat sollte sich besser raushalten, jetzt im Leben der Menschen zu definieren, was ist jetzt ein valider Grund und was nicht und das am Ende auch noch überprüfen, da wird es dann wirklich unpraktikabel.

Friedrich Merz pocht ja schon lange darauf, dass die Bevölkerung mehr arbeiten sollte. Ein Satz sagt er dabei immer wieder. Ja, hier zum Beispiel auch Mitte Januar. Wir hören mal rein. Wenn wir den Wohlstand erhalten wollen, den wir heute haben, dann wird das mit Work-Life-Balance und vier Tage Woche nicht gehen. Dann geht das nicht so.

Stimmt das aus Ihrer Sicht? Also ehrlich gesagt, wir brauchen die Debatte weder in die eine noch in die andere Richtung. Ich brauche echt keine Debatte, die allen Menschen sagt, sie sollen jetzt vier Tage Woche machen. Ich brauche aber auch keine Debatte, die allen sagt, sie sollen jetzt eine Stunde mehr machen. Also wir wählen doch keine Regierung, damit die uns dann danach sagt, was wir tun sollen, sondern wir wählen eine Regierung, damit sie uns die Möglichkeiten gibt, damit sie die Anreize setzt, damit sie die Unterstützung wirklich bereitstellt. Und das sind die entscheidenden Hebel. Und dann kriegen wir auch die Arbeitsstunden. Denn die Motivation hinter der ganzen Debatte, die ist schon da. Also Deutschland schrumpft demografisch. Wir werden über 15 Jahre sieben Millionen Arbeitskräfte verlieren. Einfach nur aus Alterungsgründen, wenn wir das nicht ausgleichen. Also ja, wir brauchen die Stunden, aber an den richtigen Stellen und mit den richtigen Mitteln. Lassen Sie uns gleich auch nochmal über die Anreize sprechen. Ich würde aber trotzdem gerne nochmal auf diese Gleichung kommen. Also dieses mehr Arbeit gleich mehr Wachstum. Ist das so? Kann man das so einfach sagen? Also wenn wir uns mal anschauen, wie viel wir heute arbeiten, dann nehmen wir doch mal alle Menschen, die im erwerbsfähigen Alter sind. Und dann nehmen wir mal alle Arbeitsstunden zusammen, die in Deutschland geleistet werden und teilen das mal durcheinander. Also wie viele Arbeitsstunden pro Kopf im erwerbsfähigen Alter. Und dann sieht man, da liegen wir ja auf dem Höhepunkt. So viel war es noch nie.

Das heißt, ja, die Arbeitszeiten pro Beschäftigten, die sind in Deutschland relativ niedrig. Ganz einfach, weil sehr viele Menschen mit dazugekommen sind. Viel mehr Frauen als früher, viel mehr Ältere, übrigens auch viel mehr Studierende. Aber es beteiligen sich dann eben auch viel mehr Menschen an der Erwerbsarbeit und deswegen kommen dann am Ende mehr Stunden zusammen. Die Rechnung, mehr Arbeitsstunden, mehr Wirtschaftsleistung ist so ganz grundsätzlich schon richtig. Also mit mehr Stunden kann ich natürlich mehr erwirtschaften als mit weniger Stunden. Aber am Ende kommt es ja darauf an, ist das nachhaltig. Deutschland ist nicht reich geworden über mehr Arbeiten. Und es wird auch niemals reich werden darüber, weil Zeit nämlich begrenzt ist. Wir können ja nicht jedes Jahr wieder einen Feiertag streichen. Ich glaube nicht, dass das ein Geschäftsmodell ist, sondern neue Technologien.

Qualifizierung, die Kompetenzen entwickeln, neue Tätigkeiten, all das, das ist nicht begrenzt. Da kann man wirklich nachhaltig Wertschöpfung und Wohlstand entwickeln und darauf müssen wir uns auch fokussieren. Was würde es denn für das Bruttoinlandsprodukt bedeuten, wenn jetzt jeder eine Stunde mehr arbeitet? Das hat ja gerade Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident, gefordert. Das ist am Ende eine Rechnung, die wirklich überhaupt nicht relevant ist. Also schon die Ansage ist nicht relevant und im Durchschnitt alle eine Stunde mehr ist ebenfalls nicht relevant, sondern wir müssen ausrechnen, was ist denn drin, wenn wir die Potenziale heben, die wirklich da sind. Also wenn wir uns mal anschauen, wie viele Teilzeitbeschäftigte möchten mehr arbeiten und was wird zusammenkommen, wenn die das alle tun könnten, dann kommen wir zum Beispiel auf 1,4 Millionen Vollzeitäquivalente und das ist dann schon eine ganze Menge. Also Sie sagen, das geht hier gar nicht so sehr um mangelnde Arbeitsmoral zum Beispiel, sondern es sind einfach ganz andere Gründe. Also die Leute wollen auch durchaus arbeiten. Am Ende muss man sich fragen, welches gesellschaftliche Ziel hat man eigentlich? Ist unser gesellschaftliches Ziel, jetzt aus der Bevölkerung so viel wie möglich Arbeitsstunden rauszudrücken, um den materiellen Wohlstand zu maximieren?

Oder wollen wir nicht eigentlich sagen, wem gehört denn die Zeit? Es ist die Zeit der Menschen und die ist begrenzt und über die verfügt jeder selber und wir wissen, Gestalten die Anreize möglichst gut, wir setzen die bestmögliche Unterstützung und auf dieser Basis entscheiden die Menschen dann selbst. Das halte ich für ein sinnvolles gesellschaftliches Ziel, denn nicht nur BIP zählt am Ende, sondern Zeit hat auch einen Wert und nichts ist leider unbegrenzt auf dieser Welt. Deswegen müssen wir mit der Zeit möglichst gut umgehen und nicht einfach nur möglichst viel davon rauspressen. Jetzt sagen manche Ökonomen trotzdem.

Dass diese Forderungen der CDU oder aus der CDU berechtigt sind. Die Wirtschaftsweise, Veronika Grimm sagt zum Beispiel, dass man sich im Prinzip schon ehrlich machen muss, dass Regelungen wie das Recht auf Teilzeit dazu beitragen, dass weniger geleistet wird und dass man eben auch auf die wirtschaftlich schwierige Lage gerade schauen muss. Es brauche einen Ruck, der durchs Land geht. Also im Prinzip, dass die Menschen verstehen, dass es auch einfach notwendig ist, dass was passiert. Würden Sie dann da widersprechen? Ja, definitiv braucht es einen Ruck, der durch das Land geht. Denn im Moment stecken wir in so einer schleichenden Stagnation. So kann es wirklich nicht weitergehen und sinkt die Produktivität seit Jahren. Also nicht, wie viel wir arbeiten, sondern was dabei pro Stunde rauskommt. Das ist das eigentlich Bedenkliche. Ich nenne das Erneuerungskrise, weil wir nämlich gar nicht so unbedingt das Problem haben, dass wir massenweise jetzt den Bestand verlieren, Massenentlassung und so weiter. Das ist eigentlich gar nicht der Hauptpunkt, sondern wir schaffen wenig Neues. So wenig neue stellen wir noch nie. Die Investitionen sind seit Jahren gesunken. Das heißt, da brauchen wir wirklich eine Wirtschaftspolitik, die für diese Erneuerung sorgt und wir brauchen eine Arbeitsmarktpolitik, die Bewegung reinbringt, also die Menschen weiterentwickeln kann in aufstrebende Bereiche. All das ist genau richtig und wir brauchen die Anreize im Arbeitsmarkt dafür, denn in Deutschland stehen so dermaßen viele Hürden im Weg, wenn man mehr verdienen will.

Fangen Sie beim Steuersystem an. Wenn Sie im unteren Einkommensbereich sind und dann mehr verdienen, steigen die Steuersätze in Deutschland mit am stärksten im internationalen Vergleich. Das müssen wir abflachen. Nehmen Sie die Minijobs, die sagen uns, arbeite möglichst wenig und du bist komplett steuer- und abgabenfrei. Nehmen Sie die Sozialleistungen. Wenn Sie Sozialleistungen bekommen und mehr verdienen, werden die Leistungen oft so stark runtergefahren, dass Sie am Ende kaum mehr in der Tasche haben. Sie haben jetzt ganz viele Punkte schon angesprochen, die da eben Anreiz geben könnten. Also mehr Netto vom Brutto, auch das Minijob-System haben Sie angesprochen. Das ist ja ein ganz spezielles hier in Deutschland. Heißt das sowas, müsste man wirklich mal überdenken, ob man das zum Beispiel abschafft? Abschaffen klingt immer so, als ob man das nicht mehr wollte, dass Menschen halt irgendwie kleine Jobs machen. Also wenn Studierende oder Menschen in Rente oder wer auch immer, wenn man das möchte, zehn Stunden die Woche, dann soll man diese Wahl treffen. Da soll man gar nichts abschaffen, aber es gibt eigentlich keinen Grund, das besonders zu begünstigen. Also wir sollten die Jobs einfach gleich behandeln, aber in einem sollten wir uns an den Minijobs ein Beispiel nehmen. Wir sind nämlich einfach.

Einfach ist gut. Beschäftigung sollte einfacher werden in Deutschland, aber wir sollten nicht finanziell begünstigen, wenn Menschen möglichst wenig arbeiten. Das braucht eigentlich auch keiner. Also Studierende sind sowieso unter dem Grundsteuerfreibetrag. Ältere bekommen jetzt die Aktivrente, da sind sogar 2000 Euro steuerfrei. Und gerade für verheiratete Frauen sind die Minijobs sogar sehr schädlich. Denn die werden darin wirklich blockiert. Denn sobald man rausgeht, zahlt man viel höhere Steuersätze, nämlich den gemeinsamen Steuersatz des Ehepaares und geht in die Sozialversicherungspflicht. Also da haben wir wirklich eine Blockade dran. Sie haben gerade gesagt, Arbeit muss einfacher werden. Was meinen Sie damit genau? Es sollte vor allem bürokratisch einfacher werden.

Man sollte dabei schneller sein. Man sollte flexiblere Möglichkeiten haben. Also viele Arbeitgeber, Wir schätzen an den Minijobs ja nicht, dass da so wenig gearbeitet wird. Ganz im Gegenteil, viele Arbeitgeber suchen ja Fachkräfte und wollen eigentlich mehr Arbeit haben, sondern wir schätzen die Einfachheit und Flexibilität. Sie haben gerade ja auch schon das Ausland angesprochen und unser Bundeskanzler, der bezieht sich auch immer gerne zum Beispiel auf die Schweiz und sagt, da wird im Schnitt 200 Stunden pro Jahr mehr gearbeitet. Läuft es denn da so viel besser? Also wenn wir uns den internationalen Vergleich anschauen, dann sehen wir, wir haben viele Stärken in Deutschland. Wir haben die Beteiligung enorm erhöhen können. Und da stehen wir wirklich exzellent da, sowohl bei Menschen so in der ersten Hälfte ihrer 60er als auch bei der Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt. Das sind wirklich super Entwicklungen.

Aber wir sehen auch, in bestimmten Bereichen sind manche vielleicht auch noch besser. Also so wie Erwerbsentwicklung, berufliche Entwicklung von Frauen in der Kinderphase abknickt in Deutschland und sich dann häufig auch nicht mehr erholt, so sollten wir uns das eigentlich nicht leisten. Sondern wenn wir da wirklich die Unterstützung bereitstellen, Kinderbetreuung, Pflegeunterstützung, das sind ganz starke Hebel und auf die Anreize gehen, die wir gerade besprochen haben, dann wären da nicht einfach nur mehr Arbeitsstunden drin, sondern echt richtig mehr auch an Qualität von beruflicher Entwicklung. Und das ist das Eigentliche, was wertvoll ist, nämlich die Stunden zu investieren, die auch richtig hochwertig sind. Ja, und wenn wir jetzt mal in die Zukunft blicken, einerseits hören wir ja jetzt gerade immer, es muss mehr gearbeitet werden, andererseits wird davor gewarnt, dass durch KI zigtausende Jobs verloren gehen können und werden. Kann das nicht irgendwie dann auch eine Lösung sein, dass die Unternehmen gezielter auf KI setzen? Das kann und soll eine Möglichkeit sein, aber meine Prognose ist, den Arbeitskräftemangel, den werden Sie nicht wegdigitalisieren. Und das hat auch einen relativ klaren Grund.

KI ersetzt Tätigkeiten. Sie übernimmt Dinge, die früher Menschen gemacht haben. Das ist richtig, das wird auch noch weitergehen. Aber es gibt auch die andere Seite, die häufig nicht so beachtet wird. Denn dass Tätigkeiten ersetzt wurden, das haben wir in der Vergangenheit so oft gesehen. Und trotzdem haben wir heute Rekordbeschäftigung. Es werden nämlich auch die Investitionen kommen in die neuen Technologien. Es werden neue Geschäftsmodelle entstehen, neue Märkte und Produktivität wird steigen. Also pro Arbeitsstunde, die wir einsetzen, können wir mehr Wertschöpfung erreichen. Und wenn wir mehr Wertschöpfung erreichen, dann generieren wir darüber Einkommen. Das ist ja Sinn der Sache des Wirtschaftens. Und wenn Einkommen entsteht, dann wird dieses Einkommen irgendwo in die Nachfrage gegeben. Irgendwas wird damit nachgefragt und da entstehen wieder neue Jobs. Und das darf man nicht übersehen. Das ist kein technologischer Mechanismus, das ist einfach ein ökonomischer.

Und dann werden sich Tätigkeiten verändern. Das ist nämlich fast noch wichtiger als alles, was da ersetzt wird. Wir nehmen die Technologie in unsere Tätigkeiten auf und dadurch verändern sich Tätigkeiten und Anforderungen. Und was wir sehen, geht keineswegs in die Richtung des Negativen. Also was da an Anforderungen entsteht, das geht in Richtung Abstraktionsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Lernfähigkeit, auch inhaltliche Flexibilität, nicht immer denselben Stiefel, Selbstorganisation. Also das können tolle Jobs werden. Von daher ja, der Umbruch, der ist anspruchsvoll. Aber ich werde oft gefragt, Herr Weber, können Sie mir nicht mal einen KI-sicheren Job empfehlen?

Und ich muss sagen, explizit die Jobs zu empfehlen, die von all dem abgekoppelt sind, scheint mir nicht der richtige Weg zu sein. Klar, und man kann es natürlich auch als Chance sehen, dass uns das dann doch ein bisschen hilft. Ich würde ganz gerne nochmal auf die Arbeit der Bundesregierung schauen, weil die ist natürlich schon ein ziemlich starker Appell Richtung Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, würde ich sagen. Wenn wir jetzt mal weggucken von der Arbeitszeit, es werden ja oft die gleichen Dinge genannt, also dass zum Beispiel die Energiepreise sinken müssen, dass es weniger Bürokratie geben sollte, damit die Wirtschaft wächst. Also jetzt wirklich dieses Ziel ins Auge nehmen, die Wirtschaft soll wachsen. Haben Sie da den Eindruck, die Bundesregierung hat in ihrem ersten Jahr da kluge Entscheidungen getroffen, damit es aufwärts geht? Die Bundesregierung hat eine entscheidende Entscheidung getroffen und zwar, als sie noch gar nicht die Bundesregierung war. Sie hat nämlich die Finanzierungsentscheidung getroffen mit Paketen von Hunderten von Milliarden, mit Ausnahmen von der Schuldenbremse. Das war genau die Entscheidung, die die Vorgängerregierung nicht treffen konnte und daran zerbrochen ist. Das Wichtige ist jetzt aber, die Finanzierungsentscheidung allein hilft nicht, sondern wie setze ich diese Möglichkeiten ein, die ich jetzt gewonnen habe.

Also der Wurf, was ich aus diesen Möglichkeiten mache, wie ich jetzt Wirtschaftspolitik betreibe, der muss mindestens genauso groß sein wie der Finanzierungswurf, denn ansonsten werden wir jetzt nur ein konjunkturelles Strohfeuer entzünden und danach in zwei, drei Jahren werden wir feststellen, dass unsere wirtschaftlichen Fähigkeiten, also Wertschöpfung zu erreichen, immer noch nicht höher sind als vorher. Und deswegen brauchen wir die Konzepte, wie man wirtschaftliche Erneuerung jetzt erreicht. Haben Sie da ganz konkrete Empfehlungen? Im Arbeitsmarkt sehen wir, wir haben die Kompetenzen eigentlich.

Also gerade auch für eine industrielle Transformation. Die ganzen technisch guten Leute, die haben wir in Deutschland und zwar mehr als andere. Aber wir müssen mehr Bewegung reinbringen. Wir müssen Menschen weiterentwickeln in aufstrebende Bereiche. Das heißt hier wirklich arbeitsmarktpolitisch Pakete schnüren, gute Beratung, Vermittlung, gezielte Qualifizierung, gar nicht unbedingt Umschulung übrigens, denn die Berufe tragen eigentlich, die wir haben und auch finanzielle Unterstützung. Wir könnten zum Beispiel sagen, wenn du jetzt deinen Job mit Abfindung verlässt.

Dann wird diese Abfindung für jedes Jahr, dass du in einem anderen Job weiterarbeitest, zu einem Fünftel steuerfrei. Das wäre so ein finanzieller Anschub durch die Delle durch und auch ein klarer Anreiz. Und wir brauchen genauso die wirtschaftspolitischen Konzepte. Also wenn wir jetzt investieren, dann auch wirklich in die Infrastruktur der Zukunft, also die neue Geschäftsmodelle ermöglicht. Wenn wir nur Schlaglöcher zumachen und Schultoiletten sanieren, dann ist das auch wichtig, aber damit werden wir unsere wirtschaftliche Kapazität am Ende nicht erhöhen. Also rein in die Datennetze, Wasserstoffnetze, moderne Verkehrsinfrastruktur. In der Beschaffung nicht einfach nur einkaufen, also erneuerbare Energien, Rüstung und so weiter, sondern damit Technologiepolitik betreiben. Innovative Märkte, Kickstarten, das wäre entscheidend. Gründungen fördern. Wir sind immer schnell dabei, die großen etablierten Konzerne dann am Ende zu stützen, aber wir brauchen in einer Transformation Gründungsförderung und das muss richtig skaliert werden. Also all das sind Möglichkeiten, wie man sagen kann. Wir geben nicht nur Geld aus, sondern wir machen daraus wirklich eine durchgreifende Erneuerung.

Sagt Professor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarktforschung. Herr Professor Weber, ganz vielen Dank auch für Ihre Zeit heute. Gern geschehen und alles Gute. Vielen Dank. Helene hat euch ja vergangene Woche gefragt, wollt ihr ein zweites Thema hier im Podcast oder nicht? Wir haben einige Nachrichten von euch bekommen und die Antwort war eindeutig ja. Ja, Sabine und Hans-Christoph Postler schreiben zum Beispiel, das zweite Thema ist ein Kontrast zum gewichtigen ersten Thema, bringt hoffnungsvolle Momente. Bitte nicht weglassen. Esther Schmidt möchte auch nicht auf das zweite Thema verzichten, vor allem nicht auf ein inhaltlich leichteres Thema. Benjamin Baumann sieht das ähnlich, ohne sei es seltsam. Und seltsam, das wollen wir ja nicht. Wir kommen eurem Wunsch also jetzt direkt nach. Unser zweites Thema heute, die Olympischen Winterspiele sind gestartet. Nach 20 Jahren finden sie zum ersten Mal wieder in einem EU-Land statt, nämlich in Italien. Und vor Ort in Cortina ist bereits meine Kollegin Amelie Stiefvater. Hallo Amelie. Buongiorno, liebe Hanna. Wie ist denn die Stimmung? Das musst du uns jetzt erstmal sagen und was erwartet uns in den nächsten zweieinhalb Wochen? Also zur Einordnung finden diese Olympischen Spiele an sieben Austragungsorten statt.

Dementsprechend bin ich eingeteilt in Cortina und bekomme genau diese Blase hier in Cortina mit. Und die ist aber eine sehr stimmungsvolle. Hier ist es winterlich, es hat geschneit die letzten drei Tage, es liegt sehr viel Schnee auf den Bäumen, auf den Bergen. Es ist wunderschön angerichtet für die Winterspiele. Ich habe schon einzelne Athleten antreffen können, die voller Vorfreude sind.

Aber noch ist Cortina eine große Baustelle. Also an jeder Ecke sehen wir noch Bagger rumfahren. Es ist ein bisschen ein Verkehrschaos und wir hoffen, dass das dann zu Beginn der Spiele sich auflöst und die Baustellen endlich abgeschlossen werden und es richtig losgehen kann. Ja, Schnee ist ja schon mal eine gute Voraussetzung. Und jetzt ist ja natürlich die große Frage, gewinnen wir denn auch vielleicht ein paar Goldmedaillen? Wo sind denn da die Chancen am größten?

Auf jeden Fall gewinnen wir Goldmedaillen. 16 verschiedene Disziplinen gibt es. Insgesamt werden 116 Goldmedaillen vergeben. Deutschland reist mit 189 Athleten und Athletinnen an. Es gibt viele verschiedene Disziplinen, wo wir Mitfavorit sind. Im Ski-Alpin zum Beispiel, da haben wir eine Emma Eicher. Ein junges Supertalent, hat diese Saison zwei Weltcup-Siege bereits gefeiert in den Speed-Disziplinen. Also die sollte man auf jeden Fall auf dem Zettel haben. Am Sonntag starten wir auch mit der Frauenabfahrt im ZDF. Ein kleiner TV-Hinweis. Aber der erfolgreichste deutsche Sportler findet im Eiskanal statt. Der könnte also wieder zum Goldkanal werden. Im Rodeln die Rodellegende Felix Loch. Das werden übrigens seine fünften Winterspieler seiner Karriere. Und er ist absolut in Form. Also mit 36 Jahren sollte man auf ihn tippen. Der wird ein paar Medaillen auf jeden Fall gewinnen. Und dann gibt es die Frauen, Julia Taubitz und Merle Frebel. Denen werden ebenfalls Medaillen im Rennrodel zugetraut. Merle Frebel ist eine junge Athletin, 22 Jahre jung. Und die haben wir heute Morgen getroffen. Und die hat uns eine kleine Sprachnachricht hinterlassen. Hier ist die Merle Frebel. Ich bin hier gerade in Cortina D'Ampezzo.

Die Stimmung ist soweit gut. Ich freue mich morgen dann auf die Eröffnungsfeier. Da wird es wahrscheinlich noch ein bisschen besser. Bis zum Wettkampf stehen jetzt noch ein paar Trainingseinheiten an. Und mir geht es soweit gut und ich freue mich auf alles Weitere. Macht's gut. Super gelassen, oder? Für 22 Jahre ersten Olympischen Spiele, da hätte man drückgewartet. Aber man muss dazu sagen, die hat das Testevent. Es gab nämlich ein Testevent an dieser Rennrodelstrecke, weil die ja neu gebaut wurde. Und dieses Testevent hat Merle Frebel gewonnen. Das heißt, sie hat auf jeden Fall schon mal Selbstvertrauen. Okay, das hört sich doch schon mal nicht schlecht an. Und vor allem, ich habe gelesen, die flitzen da wirklich komplett ohne Bremsen diesen Eiskanal runter. Das heißt, jetzt ist es wahrscheinlich auch ganz gut, wenn noch ein bisschen trainiert wird auf so einer noch nicht ganz so bekannten Bahn, oder? Auf jeden Fall. Du sprichst es an. Der ist neu gebaut worden, ist einzigartig. Die Kurven sind sehr lang, es gibt viele Steigungen, vor allem am Ende der Bahn. Das ist nicht ganz üblich. Da muss man sich schon nochmal einfinden.

Und was auch sehr spannend ist, in Italien gilt auf der Autobahn die Höchstgeschwindigkeit von 130 kmh und die Rennrodlerinnen, die rasen mit 140 kmh ohne Bremsen durch den Eiskanal. Also da geht es auf jeden Fall schnell zur Sache. So ein bisschen Wasser muss ich in den Wein gießen. Wie so oft ist es auch bei diesem sportlichen Großereignis so, dass es eine politische Seite gibt. Es gab Proteste, weil die USA Beamte der Einwanderungsbehörde Eis nach Italien schicken. Merkt man davon irgendwas vor Ort? Also ich habe in Cortina noch überhaupt nichts mitbekommen, auch keine großen Sicherheitschecks bisher erleben müssen oder auch andere, eigentlich nur italienische Securities vor Ort gesehen. Das Einzige, was ich mitbekommen habe, ich war an der Pressekonferenz von der alpinen Skirennläuferin Lindsay Wonn mit 41 Jahren, hat die ein Comeback gemacht, ist auch eine große Mitfavoritin auf eine Medaille. Und die hat ganz klar die Aktion der Einwanderungsbehörde ICE in ihrem Heimatstaat Minnesota, sie ist sogar daher dort geboren, mit Sorge verfolgt und will der Welt zeigen, was Amerika ist, was die Menschen vor Ort sind. Denn die sind mehr als das, was gerade passiert, hat sie auf der Pressekonferenz gesagt. Also es wird schon zum Thema gemacht. Okay, ja, liebe Amelie, vielen Dank für diese Einblicke. Und jetzt mal ganz abseits von dieser politischen Seite drücken wir natürlich allen deutschen Athletinnen und Athleten die Daumen. Da mache ich mit. Danke dir.

Ja, und damit sage ich auch euch vielen Dank fürs Zuhören. Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann freuen wir uns über eine positive Bewertung oder über Kommentare. Zum Beispiel per E-Mail an heutejournal-podcast.zf.de oder auch auf der Plattform, auf der ihr diesen Podcast gerade hört. Wir wünschen euch ein schönes Wochenende und bis nächste Woche dann wieder wie gewohnt mit Helene. An dieser Folge mitgearbeitet haben Christoph Söller, Charm Jaff, Leon Müller, Moritz Engelsing, Till Schadl, Julia Ilmer, Esther Stephan und Niklas Stellhorn. Das Fact-Checking kam von Julia Maas und Katrin Kribel. Kamera und Ton Manfred Peiter und Dirk Vetter. Heute Journal, der Podcast, wird produziert von Pool Artists.