Die AfD steht unter Druck. Der Grund ist eine deutschlandweite Klüngel-Affäre.
Vorwürfe kommen nicht nur von außen, sondern auch aus der Partei selbst. Und die sind ziemlich hart. Die Rede ist von Vetternwirtschaft, Korruption und mafiösen Strukturen. Wir wollen heute nicht nur wissen, wer, wie, wo und mit wem, sondern auch, welche Konsequenzen haben die Vorwürfe für die AfD. Wie nervös ist die Partei und scheitert sie am Ende vielleicht an sich selbst. Darüber sprechen wir mit ZDF-Korrespondentin und Bestseller-Autorin Nicole Diekmann, die regelmäßig mit AfD-Insidern spricht. Damit herzlich willkommen zum Heute-Journal-Podcast. Heute ist Donnerstag, der 26. Februar. Ich bin Helene Reiner und mir gegenüber sitzt heute endlich wieder Christian Sievers, Moderator des Heute-Journals. Hi Christian.
Hi Helene, wieso endlich wieder? Ich saß ja ein paar Mal alleine jetzt hier. Achso, das stimmt. Insofern ist es ganz gut, dass wir wieder zusammen hier sind. Auch an einem besonderen Tag heute, denn heute ist ein Jahr Heute-Journal-Podcast. Genau vor einem Jahr saßen auch wir hier zusammen. An diesem Ort, an dieser Stelle und haben unsere allererste Folge aufgenommen. Das ist verflogen wie im Flug. Ich frage mich zwei Dinge. Wo ist die Feierstimmung hier? Wo ist die Torte mindestens? Kommt die noch? Hast du was gehört? Nein, wir wollen uns hier nicht zu sehr selbst feiern, aber wir sprechen gleich noch über das Jubiläum und über deinen ersten Satz, den du hier gesagt hast. Der nämlich lautete, ich hasse Ingwer-Tee. Aber bevor wir zum Erfreulichen kommen, möchte ich kurz mal versuchen, das Jobnetzwerk der AfD aufzudröseln im Fall Sachsen-Anhalt.
Also, der Vater von Ulrich Siegmund, dem AfD-Spitzenkandidaten, arbeitet für einen AfD-Politiker im Bundestag. Dort arbeiten auch die Eltern eines anderen Landtagsabgeordneten. Auch die Ehefrau des stellvertretenden Fraktionschefs Sachsen-Anhalt war mal bei einem AfD-Bundestagsabgeordneten angestellt. Genauso wie die Frau und die Tochter des AfD-Landeschefs. Bei ihm sollen wiederum davor der Vater von Ulrich Siegmund gewesen sein. Der parlamentarische Geschäftsführer Tobias Rausch hat drei Geschwister. Die sollen bei einer weiteren Bundestagsabgeordneten arbeiten. Deren Tochter soll bei der Landtagsfraktion angestellt sein. Und der Schwager von Rausch arbeitet bei dem Bundestagsabgeordneten, bei dem auch der Vater von Sigmund arbeitet.
Kannst du nochmal machen, bitte? Ich bin ein bisschen raus. Ja, es ist, selbst wenn wir so eine typische Wand hätten, an der wir jetzt die Verbindungen ziehen könnten mit roten Fäden. Einen Stammbaum könnte man beinahe schon zeichnen. Ja, aber dann müsste das auch eine ziemlich große Wand oder ein ziemlich großes Blatt Papier sein. Es ist nicht verwunderlich, dass man da den Überblick verliert. Und das, was ich jetzt ja gerade skizziert habe, das war auch nur ein Ausschnitt aus Sachsen-Anhalt. Aber kurz zusammengefasst, worum es geht. Der Vorwurf, der im Raum steht, der ist Vetternwirtschaft auf Kosten der Steuerzahler. Es gab Anfang Februar eine exklusive Recherche von unseren ZDF-Kollegen von Frontal. Die haben herausgefunden, dass mehrere Familienangehörige von Abgeordneten der AfD in den Büros ihrer Parteikollegen angestellt sind. Und das galt dann erst mal für die AfD in Sachsen-Anhalt. Aber danach wurde eigentlich fast jeden Tag ein neuer Fall bekannt. Nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern auch in Niedersachsen, NRW, Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Also auch in den Bundesländern, in denen ja bald Landtagswahlen anstehen.
Und zugeschaltet, um da hoffentlich ein bisschen Licht in die Verwirrungen zu bringen, ist Nicole Diekmann. Sie ist Bestsellerautorin und Korrespondentin im ZDF Hauptstadtstudio. Sie berichtet hauptsächlich über die AfD und hat Kontakt zu vielen Insidern. Hallo Nicole. Hallo. Schön, dass das klappt. Hallo ihr beiden, schön, dass ihr mich eingeladen habt. Ja, es wurden jetzt ja wirklich viele Fälle bekannt, in denen AfD-Politiker Angehörigen entweder von sich selbst oder von Parteifreunden Jobs verschafft haben. Welcher Fall ist aus deiner Sicht davon der brisanteste? Ich finde den prägnantesten und dadurch auch brisantesten tatsächlich Stefan Keuter. Stefan Keuter ist einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden hier im Bundestag. Und Stefan Keuter hat seine Lebensgefährtin angestellt in seinem Büro. Das ist hier besprochen worden diese Woche im Fraktionsvorstand. Der trifft sich tonusmäßig in Bundestagssitzungswochen Montag, so ist es jedenfalls bei der AfD.
Und Stefan Keuter muss jetzt nicht zurücktreten, sondern Stefan Keuter ist, da haben wir es wieder brisanterweise, zuständig für den Fachbereich Personal in der Fraktion, hat jetzt eine Woche Zeit, sich Konsequenzen zu überlegen und das schärfste Schwert, das die Fraktionsführung rausgezogen hat, ist die Drohung, dass er im Zweifel das Personal, die Verantwortung für Personal abgeben muss. Und das finde ich in Anbetracht der Vorwürfe und des Anspruchs, den die AfD an sich hat, doch relativ freundlich ihm gegenüber, sagen wir es mal so. Wollen wir nochmal ganz kurz einen kleinen Schritt zurückgehen. Mitarbeiter, es geht jetzt immer um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vielleicht können wir ganz kurz mal sagen, an sich ist das ja nichts Besonderes, dass man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat als Abgeordneter. Das haben alle, alle Parteien und die machen, vielleicht kannst du uns auch noch so ein bisschen reinführen. Nicole, die machen ja auch wichtige Tätigkeiten. Die arbeiten zu, die recherchieren, die halten das Wahlkreisbüro am Laufen und so weiter, oder? Absolut. Also es sind total vielfältige Aufgaben. Das geht quasi von bis, du hast es gerade gesagt, es gibt Abgeordnetenbüros, die hat jeder. Tino Chrupalla hat mir erzählt, er hat allein sieben. Die müssen ja irgendwie am Laufen gehalten werden. Der Mann kann ja nicht überall sein. Und administrative Aufgaben, Reden schreiben.
Mitarbeiterführung, die Organisation des Alltags, den Termin zu pflegen, einen Überblick über die Akten aus den Ausschüssen und so weiter, aber auch aus der eigenen Partei, aus der eigenen Fraktion auch zu verschaffen. Das gehört alles zu den Aufgaben, die man an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilt, genau. Und jetzt würde man ja denken, dass diese Leute dann auch qualifiziert sein müssen dafür, allein schon im eigenen Interesse der Abgeordneten, damit am Ende gute Arbeit gemacht wird, oder? Also das sollte man doch jetzt sein Personal gut auswählen, da müssen ja Auswahlgespräche gemacht werden, keine Ahnung, vielleicht sogar ein Assessment Center oder sowas. Man guckt, was haben die Leute an Vorwissen, was haben die schon gemacht, was haben die für einen Lebenslauf, wie können die mir als Abgeordneten jetzt besonders schlagkräftig helfen. So ist zumindest jetzt die Idee eines Laien von außen, würde ich mal sagen.
Ich würde sagen, genau so. Das ist wie bei jedem anderen Job auch, den man vergibt. Da schaut man als erstes darauf, wie qualifiziert sind die Bewerberinnen und Bewerber für den Job, den ich dazu vergeben habe. Und Nicole, ein Abgeordneter hat ja dann ein gewisses Budget, das bekommt er, damit kann er sein Personal auswählen. Und wie ist das dann? Natürlich entscheidet er am Ende selbst, wer dann genommen wird, aber gibt es dafür keine öffentlichen Stellenausschreibungen, wo dann auch Qualifikationen abgefragt werden? Nö, das muss er nicht ausschreiben. Also wir haben ja zum Beispiel einen Fall in Sachsen-Anhalt. Da sind Fußballkollegen eingestellt worden aus dem Fußballverein eines Abgeordneten auf Minijob-Basis. Das sind dann tatsächlich Aushilfen. Und dafür braucht es keine öffentlichen Ausschreibungen. Und da bei diesem etwas kuriosen oder skurrilen Beispiel, du hast es angesprochen, des Fußballvereins, da geht es um Tobias Rausch. Das ist der parlamentarische Geschäftsführer der AfD in Sachsen-Anhalt. Und da kann man ja schon die Frage stellen, was machen denn genau diese Kollegen aus dem Fußballverein bei ihm im Büro? Ja, die arbeiten ihm zu, sagt er. Also die erledigen das, was so anfällt. Und die werden bezahlt. Von Steuergeldern. Richtig.
Beim Thema Qualifikation, das ist das, was, wenn sie damit konfrontiert wird, auch oft von Mitgliedern der AfD entgegnet wird. Erst diese Woche haben wir da ein Zitat von Alice Weidel, der AfD-Chefin. Sie können qualifiziertem Personal nicht verbieten. Irgendwo bei uns zu arbeiten, wenn sie zufällig mit irgendjemandem verwandt sind. Das geht nicht. Das ist eine Diskriminierung. Ja, da fällt vor allem das Wort zufällig auf, finde ich, bei diesem Statement. Und das ist natürlich die Frage bei der Häufung. Wir haben ja gerade so ein bisschen einen kleinen Ausschnitt gezeigt, was alles passiert. Ist es wirklich noch zufällig, dass da Verwandte, dass da Lebensgefährten, dass da der Fußballverein bei jemandem arbeitet oder ist es dann doch ein sehr, sehr merkwürdiger Zufall, Zufall? Ja, und die Frage, die sich ja auch stellt, ist, wenn man wie die AfD antritt, mit dem Anspruch, anders zu sein als die anderen Parteien und gar nicht erst in den Ruch kommen will, sowas wie Vetternwirtschaft zu fördern. Es gibt sicherlich dann auch noch anders oder andere Leute, die qualifiziert sind, als diejenigen, die zufällig gerade aus der eigenen Familie kommen. Also ich glaube, die Schnittmenge ist da nicht so riesengroß. Noch eine andere Erklärung der AfD, die auch immer wieder kommt, warum das so ist, weil sie Schwierigkeiten habe.
Loyale Menschen auf dem freien Arbeitsmarkt zu finden und es für sie wichtig ist, und das kann man ja durchaus nachvollziehen, dass diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch total loyal sein müssen. Was sagst du zu diesem Argument, Nicole? Genau, das ist das Argument und dass das Stigma ebenso groß ist, das gesellschaftliche und dass sich deswegen viele Leute auch einfach gar nicht trauen, sich zu bewerben bzw. Für AfDler und AfDlerinnen zu arbeiten. Wenn man sich anguckt, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die AfD hat, prozentual gesehen, also im Verhältnis zu ihren Abgeordneten hier im Bundestag, haben die sehr viele. Und ich habe gestern Abend auch mal in einem Gespräch mit ein paar AfDlern gefragt, wie die das sehen. Und die winkten ehrlich gesagt ab und sagten, naja, im Westen haben wir das Problem noch ein bisschen, aber im Osten ist die Akzeptanz so hoch. Ich meine, wir sehen ja auch die Umfragezahlen. Das halte ich für ein vorgeschobenes Argument. Wenn wir uns mal die Frage darüber anschauen, dürfen Politiker Familienangehörige einstellen? Wie ist das überhaupt geregelt? Das kann uns jetzt Gundula Gause erklären in unserer Rubrik.
In Deutschland ist nicht einheitlich geregelt, ob Abgeordnete Familienangehörige beschäftigen dürfen. Bund und Länder haben jeweils eigene, unterschiedlich strenge Regeln. Auf Bundesebene gilt, Mitglieder des Bundestages dürfen keine Angehörigen anstellen. Das Verbot ist im Abgeordnetengesetz festgelegt und gilt unabhängig davon, wie nah man verwandt ist. Und auch Ex-Partner und Partnerinnen sind mit einbezogen. In den Ländern ist die Rechtslage uneinheitlich. In Bayern etwa wurde das Abgeordnetengesetz 2013 nach einem Skandal um sogenannte Vetternwirtschaft verschärft. In einigen anderen Ländern dürfen entferntere Verwandte eingestellt werden, aber es gibt auch Wege, um strenge Regeln zu umgehen. Die sogenannte Überkreuzbeschäftigung. Dabei stellt Abgeordneter A Verwandte von Abgeordnetem B ein und gegebenenfalls umgekehrt. Damit umgeht man formal das Verbot. Trotzdem bekommen Familienangehörige eine Arbeitsstelle auf Kosten der Steuerzahler. Über Kreuzanstellungen sind in einigen Bundesländern nicht erlaubt, darunter Schleswig-Holstein, Hessen und Bayern. In vielen Ländern und auch auf Bundesebene ist das Konstrukt aber nicht explizit verboten.
Interessant, finde ich. Ist das auch ein Problem am Ende, dass es einfach gar keine klare Regelung gibt? Und man sich ja auch die Frage stellen muss, warum regelt das eigentlich jedes Bundesland selbst? Es handelt sich ja um einen Sachverhalt, der bundesweit existiert. Naja, das ist halt Föderalismus. Das Thema haben wir ja öfter, auch in vielen anderen Bereichen.
Aber ich finde es jetzt nicht so schwierig, wenn ich Abgeordnete wäre in Sachsen-Anhalt, würde ich mich schon vertraut machen mit den Regelungen, die da gelten. Und wäre wahrscheinlich auch in der Lage, die von denen zu unterscheiden, die zum Beispiel in Bayern gelten, haben wir ja gerade gehört. Da ist es viel schärfer, weil da vor gut 20 Jahren vor allem CSU- und SPD-Abgeordnete Verwandte angestellt hatten. Also ich weiß nicht, klar kann man darüber streiten, ob eine einheitliche Regelung besser wäre, aber wie gesagt, ich halte das jetzt nicht für die hohe intellektuelle Hürde, an der man da jetzt gescheitert ist.
Die AfD sagt ja, sie habe dabei nichts Illegales gemacht, wenn dann seien die bestehenden Regeln sehr weit ausgedehnt und überproportional genutzt worden. Das hat Tino Chrupalla, AfD-Chef, diese Woche zum Beispiel gesagt.
Aber jetzt hat sich auch Transparency Deutschland eingeschaltet und die Bundestagsverwaltung dazu aufgerufen zu ermitteln und zu klären, sind diese betroffenen Mitarbeiter wirklich qualifiziert? Thema Qualifizierung haben wir auch schon drüber gesprochen. Wurden eventuell öffentliche Gelder missbraucht, um sich selbst oder sein Netzwerk zu bereichern? Und wenn sich das bestätigen sollte, dann könnte gegebenenfalls die AfD oder müsste dann tatsächlich auch Beiträge Gelder zurückerstatten? Ja, aber das ist ein interessanter Punkt, den du jetzt gerade anbringst. Das würde mich immer interessieren, Nicole. Wer ermittelt denn eigentlich? Wo kriegen wir denn jetzt mal ganz konkrete Fakten her? Es heißt immer wieder, da muss eigentlich von Amts wegen ermittelt werden sogar. Da ist die Frage an dich, wird da bereits ermittelt? Gibt es da irgendjemanden, der mal die Fakten versucht, wirklich tatsächlich aufzuklären? Wir müssen erstmal an die Fakten rankommen. Als ich nämlich gerade Helene gehört habe, dachte ich, das wird eine Mammutaufgabe für die Bundestagsverwaltung. Denn es ist so, niemand weiß. Also auch innerhalb der AfD-Fraktion wissen die Abgeordneten zum Teil gar nicht, wer für die jeweils anderen arbeitet. Das sind ja auch Leute, die kann es ja rein theoretisch auch beschäftigen und die müssen gar nicht im Bundestag auftauchen, sondern können von wo auch immer arbeiten und die tauchen dann auf deiner Payroll auf. Also ich frage mich, wie das jetzt in die Praxis umgesetzt werden soll. Das wird interessant, aber dann würde tatsächlich mal Licht ins Dunkel kommen.
Also unabhängig davon, was bei dieser Mammutaufgabe noch herauskommt und ob dann eben es da tatsächlich auch ein angreifbares Ergebnis gibt. Ein Satz, den ich immer wieder gelesen habe bei diesem Thema in diversen Kommentarspalten ist, jetzt schaut ihr euch wieder nur die AfD an, bei den anderen Parteien ist es doch genauso. So, dazu muss man sagen, das Thema ist nicht neu, das stimmt. Ich habe mir mal so eine kleine Übersicht zusammengesucht aus den Fällen der letzten Jahre.
Sehr, sehr groß besprochen wurde der Spätzlwirtschaftsskandal 2013. Da ging es um den Bayerischen Landtag und 79 Abgeordnete, die darin verwickelt waren. Die meisten von der CSU, aber auch welche von der SPD und den Grünen. Da ging es eben auch darum, dass enge Verwandte für sie gearbeitet haben. Dann 2023 war auch groß in den Schlagzeilen der Fall Patrick Greichen von den Grünen. Er war damals Staatssekretär unter Robert Habeck, hat seinem Trauzeugen einen Spitzenjob verschafft, musste danach seinen Posten räumen und eine aktuelle Zeitrecherche hat ergeben, dass es auch in der CDU Angestellte gibt, die mit Parteifreunden verwandt sind. Und Bärbel Bass haben wir noch diese Woche, die gesagt hat bei NTV, es sei auch nicht auszuschließen, dass es bei der SPD einzelne, ähnliche Verbindungen gibt. Bei der Debatte um Vetternwirtschaft, was ist denn jetzt der Unterschied zwischen der AfD und den anderen Parteien, Nicole? Gibt es überhaupt einen Unterschied, würde ich noch mal ganz offen fragen. Genau, also ich kann mich bestens daran erinnern, dass wir über den Falk Reichen genauso berichtet haben, wie wir jetzt auch über die AfD berichten. Also aus journalistischer Sicht sehe ich da genauso auch 2013, was da in Bayern los war. Da sehe ich überhaupt keinen Unterschied. Ich will aber mal was vorlesen. Und zwar ist das ein Zitat aus dem AfD-Grundsatzprogramm.
Darin steht ... Es hat sich eine politische Klasse von Berufspolitikern herausgebildet, deren vordringliches Interesse, ihrer Macht, ihrem Status und ihrem materiellen Wohlergehen gilt, schreibt die AfD in ihrem Grundsatzprogramm. Und damit meint sie die anderen Parteien, von denen sie sich ja absetzen will. Das hat sie ja schon im Namen. Alternative für Deutschland. Das ist der Maßstab, an dem sich die AfD messen lassen muss. Und das ist ja das Versprechen, mit dem die AfD angetreten ist, es anders zu machen. Eben auch in diesen Punkten, die ich gerade genannt habe. Und wir sehen jetzt, daran droht sie gerade zu scheitern. Was glaubst du, wie sehr wird ihr das am Ende auch gefährlich? Wie sehr wird sie daran scheitern? Oder ist das ein Skandal von vielen, der dann aber doch nicht mehr als so ein kleiner Sturm gewesen ist?
Also alles, was wir im Moment sehen an Umfragen, an vorsichtigen Umfragen, zeigt, dass es sie nicht viele Stimmen derer kostet, die sie sowieso wählen würden. Wie viel Potenzial sie das kostet bei denen, die unentschlossen sind, die wackeln, das kann ich von hier aus nicht sagen. Was ich aber sagen kann, ist, dass die AfD natürlich nach außen sagt, naja, erinnert euch an die Potsdam-Recherche, dieses Geheimtreffen. Ihr erinnert euch, vorletztes Jahr, danach sind unsere Werte hochgegangen. Ob es die Europawahl war, ob es anschließende Landtagswahlen waren oder ob es die Bundestagswahl war, bei der sie sich ja verdoppelt hat. Das ist nach außen hin das Bild, das man jetzt versucht zu vermitteln. Wir sind ganz entspannt, uns kann nichts anhaben, wir liegen in den Umfragen immer noch gut da. Nach innen rein ist die AfD aber hoch nervös, weil die, glaube ich, selber noch nicht so richtig abschätzen können.
Wie sehr nehmen unsere Wähler uns das Übel, dass wir, ich habe es ja eben vorgelesen, behauptet haben, wir sind anders als die anderen und jetzt wird eigentlich jeden Tag klarer, in dem Punkt sind wir es höchstwahrscheinlich dann nicht und bei uns häufen sich die Fälle. Ich will vielleicht nochmal was ganz anderes ganz kurz sagen, anders als die anderen. Ich hätte ehrlich gesagt als Bürger den Anspruch, dass keiner so ist. Und da bin ich nochmal bei der Grundregel, was ich vorhin gesagt habe. Ich habe den Eindruck, das wird ja jetzt auch durch all die Fälle, die bei der AfD gerade rauskommen, immer klarer, aber eben auch durch die Fälle, die wir gerade gehört haben bei anderen Parteien, dass wir da vielleicht doch eine grundsätzlichere Neuregelung brauchen und vor allem auch eine Überprüfung. Also dass zumindest der Bundestag, die Verwaltung, wer immer das dann da macht, mal ganz konkret prüft, wie sieht es eigentlich mit Geeignetheit, Qualifikation über Kreuzanstellungen, Familienmitgliedern bei Abgeordneten und jetzt kommt es. Aller Parteien aus. Und da scheint mir ja doch eine Art, hast du schon mal gehört, sowas gibt es hier, sowas kann man hier machen, Mentalität sich so zumindest bei manchen breit zu machen. Und da denke ich schon, dass die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes in Anspruch darauf haben, dass ihre gewählten Vertreter da Klarschiff machen und auch Transparenz zeigen. Diskutiert wird das ja jetzt, ob dann das genannte Abgeordnetensetz, ob das eventuell auch verschärft werden sollte. Friedrich Merz hat sich dafür offen gezeigt, die AfD-Spitze auch.
Linke, Grüne eher zurückhaltend und Bärbel Baas auch wieder hat da gesagt, es wäre aber falsch, wenn Familienangehörige von Politikern gar nirgendwo mehr arbeiten dürften im politischen Umfeld. Nicole, hast du auch den Eindruck, dass diese... Wut der eigenen Mitglieder an der AfD-Basis, dass die Kritik von innen heraus dieses Mal eine andere Dimension hat als vorher? Ich habe den Eindruck, dass diese jetzt schon mehrere Jahre währende Zeit der großen Harmonie in der Partei, nach dem Wettgang von Jörg Meuthen als Parteichef, da war ja Friede, Freude, Eierkuchen, das scheint jetzt tatsächlich vorbei zu sein. Also jetzt fangen die Streitereien wieder an, jetzt wird an uns auch wieder mehr durchgestochen, tatsächlich mit dem Finger auf andere gezeigt, auf Parteifreunde. Da scheint gerade tatsächlich eine Phase zu enden. Es gibt, das möchte ich noch ganz kurz mit dir besprechen, wenn wir können, immer wieder, liest man es in Zeitungen, berichtet darüber, dass es bei der AfD auch so einen Druck auf Abgeordnete geben soll, aus dem eigenen Landesverband zum Beispiel, dass Menschen in Mitarbeiterpositionen beschäftigt werden, die zum Beispiel aus dem Landesverband kommen.
Was kannst du uns denn dazu sagen, dass da quasi so eine Art, wie soll ich sagen, schon so eine Gepflogenheit einzieht nach dem Motto, welche Mitarbeiter wie beschäftigt werden sollten?
Das ist das, was man im Moment aus Sachsen-Anhalt hört und ich glaube auch in viel verschärfterer Form noch aus Niedersachsen. Genau, da gibt es auch gerade ganz viel Unruhe. Da soll es so gelaufen sein. Ich muss das so vorsichtig sagen, das ist im Moment ja alles noch Verdachtsberichterstattung. Da steht ein Wort gegen das andere. Aber ja, also auch dieser Verdacht steht gerade im Raum. Auch das beschäftigt die Partei gerade sehr und sorgt für zusätzliche Nervosität. Die zusätzliche Nervosität oder auch, wie du es gesagt hast, die Zeit der Harmonie, die könnte vorbei sein. Darüber haben wir gesprochen mit Nicole Diekmann, AfD-Expertin und ZDF-Korrespondentin in Berlin. Danke, Nicole. Danke dir. Gerne, ich danke. Es kommt wieder ein zweites Thema. Juhu, das hast du dir doch immer so gewünscht, Christian. Du hast ja gerade gesagt, das ist der hundertste. Nee, ein Jahr nicht der hundertste. Wie viele haben wir eigentlich? Ganz bei der hundertsten Folge sind wir noch nicht. Ich glaube, wir haben 53 Folgen oder 54. Es sind 365 Tage seit dem ersten. Wir haben ein Jahr Podcast. Und ich finde, das ist eine echt gute Tradition. Ich finde ja Tradition eine tolle Sache. Ich wollte eigentlich noch über was ganz anderes sprechen. Lass uns nochmal das Einjährige ganz zum Schluss. Und die Auflösung mit dem Ingwertee. Ich bin schon ganz gespannt deswegen. Sorry, ich fühle mich in die Geburtstagsstimmung.
Thema Supermarkt. Bist du jemand, der an die Kasse geht, an der ein Mensch sitzt oder bist du Typ SB Kasse, also Selbstbedienung? Das ist eine ganz tolle Frage. Ich bin total Typ SB Selbstbedienung. Ich liebe diese Handscanner, weil, und jetzt kommt es, es gibt ein total durchschlagendes Argument, das dafür spricht.
Bislang war es ja immer so, in diesen klassischen Supermärkten, dass man erstmal die Waren in ein Einkaufskörbchen gepackt hat, das mehr oder weniger dreckig übrigens ist, zumindest in meinem Supermarkt. Und dann die Waren wiederum auf ein mehr oder weniger dreckiges Band an der Kasse gepackt hat. Dann hat die Kassiererin der Kassierer die Waren jeweils wieder nochmal angefasst, um über einen Scanner zu fahren. Danach musste man dieselben Waren jetzt mittlerweile zum dritten oder vierten Mal in eine Tüte packen. und hat dabei Druck gehabt, weil man natürlich nie schnell genug war. Hinten, die Leute haben gedrängelt, da kamen schon die nächsten Waren, dann rollten, du kennst das selbst, in diesem Auslauffach kamen schon die Waren von Kunde 5 plötzlich mit in dein Fach rein, du wusstest gar nicht mehr, was sind eigentlich meine Sachen. Dann heißt es, okay, haben sie noch eine Karte, müssen sie bezahlen, dann musstest du wieder nach vorne rennen. Es war unfassbarer Stress, fand ich.
Jetzt allerdings gehst du mit dem Handscanner durch den Laden, packst alles in deine Tasche und dann machst du an der Kasse und gehst raus. Das ist Ich finde, ein totaler Game Changer. Ich hätte dich total eingeschätzt als Typ, der sehr, sehr gerne den menschlichen Kontakt sucht und deswegen an die Kasse mit Mensch geht. Das tue ich auch, aber wie viel menschlichen Kontakt hast du denn an der Supermarktkasse in Deutschland? Es kommt auf den Kassierer oder die Kassiererin. Manchmal kann man da schon ganz nett auch plaudern, sage ich mal so. Aber ich schätze das auch sehr, dass man zumindest, ich mag es, wenn man die Wahl hat, wenn man wirklich einen großen Einkauf hat oder vielleicht auch mal Lust auf Smalltalk. Dann kann man zur Kasse gehen, ansonsten kann man das selber machen mit diesen Automaten.
Was jetzt aber die Zukunft oder ein Teil der Zukunft zu sein scheint, ist ein 24-7-Roboter-Supermarkt. Der eröffnet diese Woche in Jena. Ist eine Idee von drei jungen Gründern Anfang 20 und da kannst du dann als Kunde an so einem Screen deinen Einkauf zusammenstellen aus über 180 Produkten auswählen. Und dann gibt es einen Roboter, der durch die Regale fährt und dir deinen Einkauf zusammenstellt. Und nachts und sonntags ist er auch offen. Ist das eine schöne Vorstellung der Zukunft, des Einkaufens? Mit dem Roboter habe ich noch so ein bisschen Schwierigkeiten, aber das 24-7 finde ich ganz großartig. Ich muss sagen, so etwas Ähnliches gab es. Ich habe in Freiburg im Reisgau studiert. Da gab es die sogenannte Automaten-Emma. Ich weiß nicht, ob die noch da ist.
Da ging man nachts und auch am Wochenende immer hin. Und das ist quasi so ein bisschen wie hier im ZDF, die Kantine ab nachmittags, wenn die Kantine nämlich nicht mehr auf hat. Da haben wir auch so einen Automaten und so ging das da auch. Du hast da Geld reingeworfen und dann kam so ein Schieber, der hat dir quasi alles von Pasta bis Tomatensauce bis Wein in so ein kleines Körbchen reingeschmissen und dann konntest du das rund um die Uhr mitnehmen. Das ist natürlich vor allem der Versuch, die Ladenöffnungszeiten auszudehnen und zu sagen, hey Leute, nachts um halb drei Hunger auf eine Pasta oder was ja häufig passiert und das kenne ich ehrlich gesagt vom Heute-Journal. Wir haben ja Arbeitszeiten, die, ich sag mal, nicht besonders Ladenöffnungszeiten freundlich sind. Das heißt, mir passiert es regelmäßig, dass du hier aus dem Sender rauskommst und feststellst.
Oh Gott, es gibt keine Milch. Und dann kannst du vergessen, dann hast du keine Milch, weil eben nichts mehr aufhat. Also ich bin da in Bayern wohnend natürlich auch gebranntes Kind, wo die Supermärkte ja schon um 20 Uhr schließen. Also ich würde so ein Angebot auf jeden Fall auch nutzen und es würde mir den Alltag sehr erleichtern.
Jetzt aber ein Jahr heute Journal-Podcast. Christian, herzlichen Glückwunsch. Herzlichen Glückwunsch dir, Helene Mensch. Ich versuche auch noch, zumindest so ein kleines Törtchen aufzutreiben, weil ich finde, das muss gefeiert werden. Ja, zumindest nicht mit Ingmar T. Ich hatte es ja schon angedeutet, das war dein erster Satz oder dein zweiter Satz hier im Podcast. Ich hasse Ingmar T. Wir haben früher das hier in den Podcast-Folgen ab und zu gehabt, dass wir dann einen Gegenstand oder irgendeine Besonderheit hier in die Mitte des Tisches zwischen uns gestellt haben, das natürlich einen thematischen Bezug hatte. Und in dem Fall war es Ingmar T., weil wir hatten in der ersten Folge, da ging es um Koalitionsverhandlungen. Und da hat man mit Anton Hofreiter gesprochen von den Grünen, der damals bei den Jamaika-Verhandlungen dabei war. Und er sagte, dass Ingbert T. anscheinend die Stimmung gehoben habe, sodass die Politiker bei Laune bleiben. Tja, ich hasse immer noch Ingwer-Tee. Insofern, das hat sich auch ein Jahr danach nicht geändert, falls es jemanden interessiert. Aber interessant, dass du noch so genau weißt, wer, wie, wann, wo dabei war. Das ist echt eine Gabe.
Und das musst du dir bewahren auch für das nächste Jahr. Ja, ich versuche es und ich weiß noch was. Wir haben insgesamt 117.780 Sekunden gepodcastet. Das habe ich jetzt auch gerade so aus dem Kopf mir errechnet. Exakt, genau. 33 Stunden umgerechnet. Wie viele verschiedene Wörter haben wir verwendet in diesem Jahr-Podcast? Die Auflösung, die gibt es in der nächsten Folge. Ich sage an der Stelle danke auch an das ganze Team, die Leute, die hinter den Mikros und hinter den Kameras arbeiten. Sie sind wirklich toll und wir haben das alles hier zusammen so in diesem einen Jahr gewuppt und werden das auch weiterhin tun. Und natürlich gehört auch ihr da draußen dazu, die hier regelmäßig zuhören. Also einfach danke an alle an dieser Stelle. Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann freuen wir uns über eine positive Bewertung oder über ein Abo. Feedback, Ideen, Anmerkungen, Kritik auch sehr gerne. Zum Beispiel als Kommentar auf der Plattform eurer Wahl oder per Mail an heute-podcast.zdf.de. Danke Christian. Danke dir. Schönes Wochenende und bis nächste Woche. An dieser Folge mitgearbeitet haben Benjamin Dziarowski, Viola Kürkst, Esther Stephan, Till Schadl und Niklas Stellhorn. Das Fact-Checking kam von Gabriele König und Leon Klein. Kamera und Ton von Annika Mayer und Oliver Jäger.
Heute Journal, der Podcast, wird produziert von Pool Artists.