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Herzlich willkommen bei unserem neuen True Crime Podcast im Schatten der Macht. Wie schön, dass ihr zu uns gefunden habt. In diesem neuen Podcast geht es nicht um irgendwelche wahren Kriminalfälle. Nee, es geht um die spektakulärsten Cases aus der schillernden Welt der Mächtigen. In Deutschland, aber auch international. Es geht, wie der Titel ja schon verrät, um das große Thema Macht, das sich durch unser aller Leben zieht. Aber es geht uns auch um das große Warum. Warum? Was bewegt Menschen mit Macht dazu, kriminell zu werden? In vielen Fällen sind es ja sogar gewählte Politiker und Politikerinnen. Also warum finden sie für ihre Machenschaften sogar zahlreiche Komplizen und Mittäter? Wieso werden vermeintliche Vorbilder zu abschreckenden Beispielen? Was passiert da also fernab des Rampenlichts, also im Schatten der Macht? Ihr könnt euch hier auf die großen Fälle und rätselhaften Geschichten aus dem Dunstkreis der Politik freuen. Gleich in der nächsten Folge sprechen wir zum Beispiel über Marilyn Monroe, darüber, ob sie ermordet wurde, weil sie eine Affäre mit US-Präsident John F. Kennedy hatte.

Oder wir fragen uns, wie konnte ein DDR-Spion Bundeskanzler Willy Brandt stürzen? War der Mörder der Edelprostituierten, Rosemarie Nitribit, ein Prominenter? Wir schauen uns Persönlichkeiten wie Asma al-Assad an, die grausame Ehefrau des früheren syrischen Diktators. Und wir fragen uns auch, warum in Argentinien die Leiche von Eva Perron verschwand.

Ihr kennt die Schlagzeilen und jetzt bringen wir euch die Story dazu. Wann immer es geht, reden wir auch mit Zeitzeugen aus unserem Netzwerk, die hinter die Kulissen blicken. Wir erzählen euch die Hintergründe zu den Skandalen und finden heraus, was wirklich passiert ist. Wir sind übrigens Ricardia Bramley. Und ich bin Anne Luckmann. Hallo. Anne ist euch eventuell bereits bekannt als Host des True Crime Podcasts Schwarze Akte und Wild Crimes in der ARD. Ja und Ricadia ist eine echte Expertin hier, denn sie ist Podcast-Produzentin und Voice-Artist und sie produziert unter anderem den Podcast Gysi gegen Guttenberg, den kennt ihr ja vielleicht. Uns beide faszinieren die Menschen, die im Schatten der Macht agieren. Wir wollen verstehen, wie Politikerinnen und Politiker und Menschen, die ihnen nahestehen, zu Verbrechern und sogar Opfer werden. Bei uns in Deutschland und auch im Ausland. Ja, und im ersten Fall, den wir heute besprechen, da geht es auch gleich so richtig zur Sache. Wir besprechen nämlich einen wirklich krassen Fall aus Berlin, unserer beider Heimatstadt. Und dafür gehen wir jetzt alle zurück ins Berlin des Jahres 2016.

Seit ein paar Jahren wirbelt die sogenannte Piratenpartei, das politische Establishment, ziemlich durcheinander. Und die Piraten, von denen habt ihr ja sicherlich alle schon mal gehört, die sind eine ziemlich freche Partei. Eine unkonventionelle und frische politische Kraft. Sie verkörpern die digitale Jugend und repräsentieren dabei auch die allgemeine Aufbruchstimmung, die bei den Millennials in der Luft liegt. Wie sie die Politik öffnen wollen, das nennen sie Liquid Democracy, eine direkte Form der Demokratie. Mit digitalen Tools binden sie ihre Mitglieder in Entscheidungen ein und informieren offen über das Abstimmungsverhalten. Die Anhänger der Piraten wollen mitbestimmen, das Land vorwärts bringen und das Establishment herausfordern, was ihnen auch eine Zeit lang sehr gut gelingt. Einer der buntesten Typen der aufstrebenden jungen Partei ist Gerwald Klaus Brunner. Ein Hühne, über zwei Meter groß und mehr als 120 Kilo Gewicht.

In der Öffentlichkeit trägt er immer eine Latzhose und ein Piratentuch. Das sind seine Markenzeichen. Insgesamt fünf Jahre sitzt er in der Fraktion der Piratenpartei im Berliner Abgeordnetenhaus. Er wird zu bedeutenden Talkshows eingeladen, sitzt zum Beispiel bei Markus Lanz auf dem Sessel. Kurzzeitig ist er sogar unfreiwillig das Werbegesicht des Autovermieters Sixt, die ein Foto von ihm für ihre Kampagne nutzen. Und plötzlich liegt der 44-jährige Politstar Gerwald Klaus Brunner am 19. September 2016 tot in seiner Berliner Wohnung. Und das nur einen Tag nach der Landtagswahl in Berlin. Der Zeitpunkt ist natürlich verdächtig. Wollte jemand Klaus Brunner aus dem Weg räumen? Und wenn ja, wer? Es gab auch schon vorher Konflikte in der Partei. Vor der Landtagswahl wurde er nur auf einen aussichtslosen 27. Platz der Landesliste gewählt. Das alles werden wir uns jetzt natürlich genau anschauen. Wir beginnen mit dem Leichenfund am 19. September 2016, bevor wir uns dann das spannende, aber auch traurige Leben von Gerwald Klaus Brunner und die Ermittlungen anschauen.

Alles beginnt mit einem Hinweis an die Polizei. Dieser veranlasst Polizeibeamte, zur Privatadresse von Gerwald Klaus Brunner zu fahren. In der vermüllten Mietwohnung in der Schönhauser Straße in Berlin-Steglitz entdecken die Polizisten aber nicht nur eine, sondern gleich zwei Leichen. Der Anblick schockiert sogar die erfahrenen Beamten. In den sterblichen Überresten von Klaus Brunner steckt noch ein Stromkabel.

Auch die andere Leiche in der Wohnung ist ein Mitglied der Piratenpartei, wie sich anhand seines Ausweises in seinem Geldbeutel herausstellt. Sein Name ist Andreas D. Seine sterblichen Überreste weisen Strangulationsspuren auf. Die Spurenlage ist komplex, was vor allem an der Messi-Wohnung liegt. Fest steht eigentlich nur, dass die beiden Politiker offensichtlich nicht an einem natürlichen Tod gestorben sind. Doch was ist hier überhaupt passiert? Was für Menschen waren die beiden? die hier tot in der Wohnung aufgefunden werden. Ergibt sich möglicherweise aus den Biografien ein Motiv für ihr unnatürliches Ableben? Beginnen wir mit Gerwald Klaus Brunner, der am 19. Mai 1972 geboren wird. Zu seinem Todeszeitpunkt war er also 44 Jahre alt. Laut einem Sternartikel kommt der kleine Gerwald auf der Rückreise aus Dänemark zur Welt. Das aber bestreitet sein Bruder, Dietwald Brunner. Der erklärt, Mein Bruder hatte schon immer ein kompliziertes Verhältnis zur Wahrheit. Er ist auch nicht auf der Autobahn bei Dänemark geboren, wie er behauptet hat. Er kam im Dissener Krankenhaus zur Welt. Und das, wir haben nachgeschaut, ist ziemlich weit weg von der dänischen Grenze.

Von seinem Bruder erfahren wir auch, dass Gerwald Klaus Brunner eine gewalttätige Geschichte hinter sich hat. Schon als Kind kann er seine Wut angeblich nicht beherrschen. So soll er Türen eingetreten, Tiere gequält und sogar Katzen ersäuft haben. Seinen Hund hetzt er auf Schafe, von denen dieser dann drei reißt. Dafür setzt es eine drakonische Strafe, wie sich Dietwald Brunner erinnert. Mein Bruder bekam von meinem Vater dafür die Tracht Prügel seines Lebens.

Und zudem wird Klaus Brunner bereits als Kind durch die Mitgliedschaft seiner Eltern in der antisemitischen und rechtsextremistischen Organisation Ludendorffianer dogmatisch erzogen. Wenn man den Erzählungen Glauben schenken kann, dann durchlebt er eine Kindheit voller Gewalt und unerwiderter Liebe. Auch seine Geschwister leiden offenbar unter der strengen Hand der rechtsextremen Eltern. Klaus Brunner hat neben Dietwald noch weitere Geschwister, die teilweise selbst schwere Schicksale erfahren. Ein anderer Bruder nimmt sich zum Beispiel das Leben und seine Schwester stirbt bei einem Autounfall. Es lässt sich nicht leugnen. Gerwald Klaus Brunner ist seit frühester Kindheit in komplexe psychologische Konflikte verwickelt. Es soll Versuche der Eltern gegeben haben, ihn psychiatrisch betreuen zu lassen. Doch das habe er immer wieder abgelehnt.

Klaus Brunner wird jedenfalls früh zum Eigenbrötler, mit Tendenz zur Gewalt. Er erlebt eine hochproblematische Kindheit, in der statt Liebe eher Schläge verteilt werden. Als er sich als Teenager in ein Mädchen verliebt, da lässt die ihn aber abblitzen. Anschließend schikaniert er sie und schleudert Steine an die Fassade ihres Elternhauses. Das heißt, er versucht Konflikte mit Gewalt zu lösen.

Möglicherweise ist seine Gewaltbereitschaft auch ein Grund, warum er sich im Jahr 1992 bei der Bundeswehr verpflichtet. Vielleicht kann er hier seinen Gewaltfantasien nachgehen oder sie zumindest in eine Richtung lenken. Bis zum Jahr 1995 dient er dann auch bei der Bundeswehr. Und hier verliebt er sich erneut in jemanden, der seine Liebe aber nicht erwidert. Er verliebt sich in einen Mann. Doch sein Kollege will nicht nur nichts von seiner Zuneigung wissen. Er macht sich auch noch über den Hühn lustig, denn in der Bundeswehr hat man es als homo- oder bisexueller Mensch nicht unbedingt leicht. Klaus Brunner antwortet so, wie er es gewohnt ist. Er verprügelt den Unteroffizier. Was zur Folge hat, dass Gerwald Klaus Brunner aus der Bundeswehr entlassen wird. Was er danach macht, ist nicht ganz klar. Ab dem Jahr 1997 lebt er jedenfalls in Berlin. Dort soll er später als Mechatroniker gearbeitet haben. Auf alle Fälle hat er viele Gesichter, so scheint es. Er ist nicht immer und überall gewalttätig, sondern gilt in manchen Kreisen auch als sanfter Riese. Sein Spitzname, Faxe, verdeutlicht das. Der Spitzname ist eine Hommage an die sanftmütige, kolossartige Figur aus der Kinderserie Vicky und die starken Männer. Wenn man bestimmte Leute fragt, dann scheint Klaus Brunner das Herz am rechten Fleck zu haben. Das sagen zumindest Bekannte.

Ab Oktober 2011 studiert er dann Maschinenbau an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Zeitgleich beginnt sein kometenhafter politischer Aufstieg. Klaus Brunner ist jetzt 39 Jahre alt. Das Jahr 2011 ist übrigens ziemlich ereignisreich, denn in England heiraten Prinz William und Catherine Middleton. Apple-Genie Steve Jobs stirbt, genau wie Kultsängerin Amy Winehouse. In den Charts tummeln sich zum Beispiel Songs wie Someone Like You von Adele oder Last Friday Night von Katy Perry. In Nordafrika und im Nahen Osten formieren sich Protestbewegungen der Menschen gegen despotische Regime. Man spricht vom arabischen Frühling, der vier Jahre später eine beispiellose Flüchtlingswelle auslösen wird. Viele von uns im Westen haben diesen Optimismus mit verspürt.

In Deutschland regiert seit dem Jahr 2005 Kanzlerin Angela Merkel. Sie führt seit 2009 eine Koalition aus CDU, CSU und FDP. Außenminister ist zu diesem Zeitpunkt Guido Westerwelle, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt. Soweit ist Deutschland damals immerhin schon. Nach dem verheerenden Meeresbodenbeben fegt ein 10 Meter hoher Tsunami über die Küsten Asiens und führt im japanischen Fukushima zum schwersten Atomreaktorunglück seit Tschernobyl. Angela Merkel beschließt daraufhin das Ende der Atomkraft und die Energiewende wird eingeleitet. Auch innenpolitisch ist das Jahr 2011 geradezu spektakulär. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin am 18. September 2011 zieht die Piratenpartei mit 15 Abgeordneten in das Landesparlament ein. Es ist das erste Mal, dass die Piraten in einem Landtag eine Fraktion stellen. Die etablierten Volksparteien sind regelrecht geschockt. Die Piraten sind die Shooting Stars in der deutschen Politikszene.

Auch Klaus Brunner gehört nach seiner Wahl zu den Abgeordneten im Landesparlament dazu. Die Politik verändert sein Leben radikal. Plötzlich steht er im Rampenlicht. Auf einmal reißen sich die Medien um ihn. Die Menschen hören ihm jetzt zu. Seine Stimme ist etwas wert. Als Abgeordneter gilt er bald als bodenständig und bürgernah. Er macht Prozesse für die Bürger transparent, die sonst gerne in Hinterzimmern entschieden werden. Er selbst wirkt rational und vernünftig. Seine Aktivitäten kann man übrigens noch auf www.abgeordnetenwatch.de nachlesen. Kolleginnen und Kollegen halten ihn für ein Arbeitstier. Das heißt nicht, dass er nicht auch gerne provoziert, wie beispielsweise bei der Kopftuchkontroverse.

In einem offenen Brief im November 2011 wird Klaus Brunner von Charlotte Knobloch, der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, für das Tragen des Palästinensertuchs kritisiert. Klaus Brunner sieht das gar nicht ein. Er lässt sich von niemandem etwas vorschreiben. Im Gegensatz zu seiner Kindheit und Jugend reagiert er dieses Mal allerdings nicht mit Gewalt, sondern mit einer Extremprovokation. Ab sofort trägt er zusätzlich noch einen Davidstern um den Hals. Auch die Latzhose wird in dieser Zeit zu seinem Aushängeschild. Die Nummer mit der Latzhose, dem Davidstern und dem Kopftuch zeigt, Klaus Brunner wirkt mehr und mehr abgedreht. Vielleicht ist er aber auch nur awkward, ein exzentrischer Nerd. Kann man nicht auch mal aus der Reihe tanzen in der Politik?

Egal, wie man ihm seine Fashion-Choices auslegt, Klaus Brunner ist im politischen Establishment ein Stück weit angekommen. Aber das Glück ist nicht von langer Dauer. Schon bald beginnen die Piraten, sich intern zu streiten. Fraktionsmitglieder verabschieden sich komplett aus der Partei. Gerwald Klaus Brunner, so berichtet es ein Freund, fühlt sich als Opfer von Intrigen, vor allem durch einen anderen prominenten Parteikollegen. Dieser spricht nämlich in diversen Interviews, sowohl vor als auch nach seinem Tod, nicht gerade positiv über ihn. Wenn man Parteikollegen glauben darf, dann stand dieser Mann von Anfang an in Konkurrenz zu Klaus Brunner. Ganze Fraktionssitzungen mussten sogar abgebrochen werden, weil die beiden aneinandergeraten waren. So berichtet die Taz. Der Parteikollege bestreitet diese Vorfälle allerdings. Gerwald Klaus Brunner fühlt sich gemobbt und sabotiert. Offenbar auch nicht zu Unrecht. Manche in der Partei machen sich über seine Größe und Figur, seinen angeblichen leichten Autismus und seine generelle Art lustig. Allerdings, es gibt keine Belege dafür, dass er eine Entwicklungsstörung hatte.

Alles in allem ist diese Piratenfraktion ein ziemlich toxisches Umfeld. Toxisch auch, weil sich damit ein gefährliches Muster für Klaus Brunner wiederholt. Die Politik scheint zum Katalysator seiner Verhaltensmuster zu werden. Sein gesamtes Leben scheint sich auf diese Zuspitzung zuzubewegen. Wir hatten euch am Anfang versprochen, dass wir auch Zeitzeugen einladen. Um uns also ein noch besseres Bild des Menschen hinter dem Politiker Klaus Brunner zu machen, haben wir den Journalisten Rüdiger Barth befragt, der damals als Reporter des Magazins Stern eine Geschichte über die Piratenpartei machte. Dazu traf er Klaus Brunner in Berlin zum Interview und hat danach ein echt komisches Gefühl. Gerwald Klaus Brunner, ja, getroffen habe ich den im Frühjahr 2012. Ich war für den Stern unterwegs, damals eine Geschichte gemacht über die Piraten, die ja über die deutsche Parteienlandschaft so hereingebrochen waren. Und ich habe ihn getroffen im Abgeordnetenhaus in Berlin in seinem Büro. Das ist ein großer Mann gewesen, sehr, sehr großer Mann. Und bei ihm war das Besondere, dass er trotz seiner imposanten Statur und seiner durchaus forschenden Meinung, die er so vorgetragen hat, eher auf mich unsicher wirkte, fahrig wirkte. Er schaute mich eher selten an im Gespräch. Er ließ sich auch auf meine Fragen nicht so wirklich ein und redete dann so kurzatmig.

Es kommt, wie es kommen muss, wenn eine Partei sich auf nichts mehr einigen kann. Fast forward fünf Jahre später. Wir sind also wieder im Jahr 2016, dem Jahr der nächsten Landtagswahl. Wie ihr euch sicherlich erinnern werdet, hatte es das Jahr 2016 in sich. Für viele galt dieses Jahr als verhext und ehrlich gesagt war es auch ein bisschen ein Vorbote für die kommenden Jahre.

In Deutschland ist Angela Merkel immer noch Kanzlerin, seit mittlerweile elf Jahren. Aber sie regiert nun in einer großen Koalition mit CSU und der SPD. Der frühere Außenminister Guido Westerwelle stirbt im März 2016 an den Folgen seiner Krebserkrankung. Seit drei Jahren gibt es inzwischen eine Partei namens AfD, die lautstark immer wieder auch fremdenfeindliche Positionen vertritt. Noch sind sie nur eine kleine Partei. Einer, die man vielleicht hätte ernster nehmen müssen. Tja, und die Briten reichen die Scheidung von Europa ein. Der Brexit. Und wir treffen auf jemanden, den wir auch jetzt nur allzu gut kennen. Donald Trump wirft seinen Hut in den Ring, um im folgenden Jahr Präsident der USA zu werben. Seine Rhetorik polarisiert und provoziert. Der Ton in der Gesellschaft ist rauer geworden. Ja, und was macht die Piratenpartei? Ihre Themen sind nicht weniger wichtig geworden, aber ihre Streitereien zerstören sie von innen. Vordenkerinnen wie Marina Weisband haben die Partei schon vor einem Jahr verlassen. Sie sagt zum Beispiel öffentlich, dass das Label Piraten verbrannt ist.

Keine guten Voraussetzungen, um in eine Landtagswahl zu ziehen, die über das politische Schicksal der Partei entscheiden wird. Und über ganze Karrieren. Der Karriere von Gerwald Klaus Brunner, die eng mit dem Schicksal seiner Partei verbunden ist, droht das Aus. Wenn dieser Job seine einzige Einnahmequelle ist, steht er vielleicht sogar vor existenziellen Herausforderungen, wenn seine Partei verliert.

Bei der Wahl am 18. September 2016 zum Abgeordnetenhaus Berlin verfehlt die Partei den Wiedereinzug deutlich mit unter zwei Prozent der Stimmen. Damit sind die Piraten also krachend gescheitert. Alles, was sich Gerwald Klaus Brunner in den letzten Jahren mühsam aufgebaut hat, wird in nur einer Nacht zerstört. Nicht nur finanziell. Er verliert auch den Sinn, den die Politik und die Arbeit als Abgeordneter seinem Leben gegeben hat. Und das hat schon so manchen Politiker erschüttert. Vielleicht muss man sich das auch genau so vorstellen. Da erreicht jemand unvorstellbare Höhen in seinem Leben und seiner Karriere. Und nun soll ihm alles weggenommen werden. Soweit zu Klaus Brunner. Ihr wisst ja vom Anfang der Folge, dass es noch eine zweite Leiche gab, die am 19. September 2016 in der Steglitzer Wohnung gefunden wird. Andreas D.

Er hat zuvor den Job als persönlicher Mitarbeiter des Abgeordneten Klaus Brunner bekommen. Die beiden kennen sich also aus der Partei und arbeiten zusammen. Andreas D. wird als höflich und nett auftretender Mensch beschrieben, der sich um seine über 90-jährige Oma kümmert, ab und an mit einer indischen Guru namens Amma in einer Gruppe meditiert und sich sogar um die Kinder einer Flüchtlingsfamilie gekümmert haben soll. Und kurz vor seinem Tod lernt Andreas D. dann noch eine Frau kennen. Die beiden verlieben sich und verbringen jetzt öfter Zeit miteinander. Doch Andreas D. wird diese Frau nach einer gemeinsamen Nacht leider nie wiedersehen.

Beruflich ändert sich auch etwas in seinem Leben. Denn Andreas D. verlässt die Piraten. Damit verliert er also seinen Job als persönlicher Mitarbeiter von Gerwald Klausbrunner. Angeblich soll er danach auf Hartz IV angewiesen gewesen sein. Anfangs soll er Gerwald Klausbrunner für seine Kompromisslosigkeit bewundert haben. Einmal verreisen die beiden Piraten sogar zusammen. Aus beruflichen Gründen. Aber im Hotel müssen sie sich trotzdem ein Doppelbett teilen. Ob sich Klaus Brunner in dieser Nacht in seinen Mitarbeiter verliebt, ist unbekannt. Fest steht aber, dass er danach mehr will von diesem schmächtigen jungen Mann. Er hatte sich, wie ein Parteikollege später erzählt, unsterblich in Wuschelkopf verliebt. So nennt er Andreas D. Doch der Begehrte hat kein romantisches Interesse an Klaus Brunner. Aber Klaus Brunner scheint nicht locker zu lassen. Dabei muss er sehr penetrant vorgegangen sein. Denn am 27. Juni 2016, knapp drei Monate bevor die beiden Leichen entdeckt werden, zeigt Andreas D. Gervald Klaus Brunner wegen Stalkings an. Dieser bedrängt, verfolgt und bedroht ihn. Die Anzeige wegen Stalking wird von der Polizei aber nicht an die Staatsanwaltschaft übergeben. Der Grund dafür ist leider unklar.

Möglicherweise liegt es an Klaus Brunners politischer Immunität, die er zum Zeitpunkt der Anzeige genießt. Andreas D. scheint sehr unter dem Stalking zu leiben, ist ja auch verständlich. Er wirkt fast schon paranoid. Laut seiner Mutter vermutet er sogar, dass Gerwald Klaus Brunner eine Kamera in seinen Duschkopf eingebaut hat, um ihn heimlich im Bad zu beobachten. Klaus Brunners Leben scheint also aus den Fugen zu geraten. Die Zukunft sieht leider düster für den Politiker aus. Er steht nach der verlorenen Wahl vor dem Scherbenhaufen seines Lebens. Und schon wieder wird seine Liebe nicht erwidert. So wie damals in der Schule und auch bei der Bundeswehr. Die Krise als Politiker und die erneute Krise als ungeliebter Mensch bringen Gerwald Klaus Brunner zum Äußersten. Es ist wohl dieser Zeitpunkt im September 2016, als Klaus Brunner sich seiner eigenen Obsession hingibt. Vielleicht aus der Angst, alles zu verlieren. Oder ist es die Qual der unerwiderten Liebe, die ihn jetzt einmal zu viel einholt? Es ist daher eventuell kein Zufall, dass sich genau in diesem Zeitfenster von nur ein paar Tagen die Ereignisse im Leben von Klaus Brunner überschlagen. Aber der Reihe nach.

Am Donnerstag, dem 15. September 2016, gegen 18 Uhr, da nimmt eine Überwachungskamera Gerwald Klausbrunner in einem Steglitzer Kiosk in Berlin auf. Vor der Tür steht eine Sackkarre mit einem großen Behälter drauf. In den Medien ist später von einem Koffer die Rede. Der ermittelnde Staatsanwalt stellt allerdings klar, und ich zitiere, das war kein Koffer, sondern so eine Kiste, die beim Wahlkampf als Stand benutzt wird. Im Laden vergleicht Klaus Brunner dann erstmal selenruhig die Lottozahlen und kauft sich Groschenromane und eine Bekannte soll ihm dann mit einem riesigen Rollwagen auf dem U-Bahnhof Walter-Schreiber-Platz gesehen haben. Anschließend fährt er in Richtung Bahnhof Zoo, dort wohnt Andreas D.

Was dann geschieht, ist nicht zu 100% klar. Obwohl Klaus Brunner in dem Kiosk ruhig wirkt, muss er innerlich in einem seelischen Ausnahmezustand gewesen sein. Denn er plant einen Mord an Andreas D., weil er nicht von ihm geliebt wird. Anschließend will er sein eigenes Leben beenden, falls er das da schon wusste? Für uns ist das vielleicht unvorstellbar. Schließlich waren wir doch alle schon mal unglücklich verliebt. Aber wir erinnern uns. Seine Liebe wurde schon häufig nicht erwidert. Für den 44-Jährigen ist Mord offenbar die einzige Möglichkeit, dieses Beziehungsmuster zu unterbrechen. Und so geht's dann weiter. Es wird vermutet, dass Klaus Brunner einen nachgemachten Schlüssel für die Wohnung von Andreas D. Hatte. Denn so kommt er wohl in dessen Wohnung. Woher er den Originalschlüssel zum Nachmachen hatte, das ist leider nicht bekannt. In der Wohnung angekommen, wartet Klaus Brunner dann auf Andreas D. Es ist nicht bekannt, was sich jetzt genau zuträgt. Möglicherweise gesteht Klaus Brunner Andreas D. erneut seine Liebe. Der will davon aber nichts wissen. Fühlt sich im Gegenteil von dem Hühnen belästigt und gestalkt. Vielleicht kommt es zu einem Kampf, bei dem der körperlich unterlegene Andreas D. keine Chance gegen Koloss Klaus Brunner hat.

All das ist nicht bewiesen. Allerdings stellen später Kriminaltechniker aufgrund von Spuren fest, dass Andreas D. Wahrscheinlich noch in seiner Wohnung ermordet wurde. Als Tatzeitpunkt nehmen die Ermittler das Zeitfenster am Donnerstag, 15. September 2016, zwischen 18 und 21.30 Uhr an. Um 18 Uhr wird Klaus Brunner noch am Kiosk in Steglitz gesehen. Um 21.30 Uhr schickt die neue Freundin von Andreas D., mit der er zuletzt ja oft Zeit verbringt, ihm eine SMS. Diese SMS bleibt aber unbeantwortet. Nachbarn sagen aus, dass es gegen 22 Uhr Lärm im Treppenhaus gab. Sie meinen aber, das hätte auch ein Umzug sein können. Irgendetwas Großes und Schweres wurde jedenfalls an diesem Abend durch das Treppenhaus transportiert. Mutmaßlich aber kein Sofa oder Schrank, sondern die Leiche von Andreas D. Noch in derselben Nacht macht eine Mitarbeiterin der Piratenpartei eine ziemlich kuriose Entdeckung. Es handelt sich dabei um eine Nachricht von Klaus Brunner, auf damals noch Twitter. Der Tweet lautet, mein Herzmensch wurde heute in Berlin totgeschlagen. Diese Nachricht wird später wieder gelöscht, aber nur ein paar Stunden danach gibt es dann den nächsten Tweet. Unter einem Foto von Andreas D. Schreibt Klaus Brunner folgendes Meine Liebe, mein Leben, für dich mein lieber Wuschelkopf, für immer und ewig.

Ein sehr bewegender Tweet, wenn man so drüber nachdenkt. Und auch ein sehr eindeutiger Tweet. Doch bleiben bis heute einige Fragen offen. Klar ist, Klaus Brunner ist erst in der nächsten Nacht mitsamt Sackkarre und Co. In seine Wohnung zurückgekehrt. Im Gepäck der mit Kabelbindern gefesselte Andreas D. Wenn er aber eine Nacht zuvor gegen 22 Uhr die Leiche von Andreas D. Durchs Treppenhaus bewegt, wo hielt sich Klaus Brunner mit Andreas D.'s Leiche in den nächsten 24 Stunden auf? Ja, man weiß zudem auch gar nicht so genau, ob Andreas den noch gelebt hat, als der makabre Transport begonnen hat. Wir werden es also leider nie mit absoluter Gewissheit erfahren, denn ein exakter Todeszeitpunkt konnte nie bestimmt werden. Zwei Tage danach erfolgt am Sonntag, dem 18. September 2016, die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin, bei der die Piraten krachend scheitern. Jetzt hat es Klaus Brunner schwarz auf weiß. Seine politische Karriere ist endgültig vorbei. Am Montag, dem 19. September 2016, erreicht schließlich ein Abschiedsbrief das Wahlkreisbüro von Gerwald Klaus Brunner. Sofort werden Feuerwehr und Polizei über den Inhalt dieses Briefes informiert. Da ist es exakt 13.51 Uhr.

Unmittelbar danach rasen mehrere Einsatzfahrzeuge zur angegebenen Adresse. Nur vier Minuten später halten Einsatzkräfte schon vor der Haustür des viergeschössigen Mietshauses in Steglitz. Sie müssen die Tür zwar gewaltsam öffnen, abgeschlossen ist sie aber nicht. Ein starker Verwesungsgeruch schlägt den Einsatzkräften entgegen, obwohl das Fenster im Wohnzimmer gekippt ist. Das steht so in den Ermittlungsakten, die im Archiv der Staatsanwaltschaft in Berlin lagern. Dort ist auch vermerkt, dass im Wohnzimmer Licht brennt, als die Beamten die unaufgeräumte und schmutzige Wohnung betreten. Das gekippte Fenster ist allerdings ein Problem für die Ermittler. Wenn die Leiche hier schon seit vielen Stunden liegt, bevor sie entdeckt wird, ändert sich durch das gekippte Fenster mehrmals die Raumtemperatur. Und nachts ist es ja bekanntermaßen kälter als tagsüber. Um einen Todeszeitpunkt aber anhand der Körpertemperatur der Leiche bestimmen zu können, muss eine gleichbleibende Raumtemperatur vorherrschen. In einer Art Embryohaltung gekrümmt, findet man einen Toten. Sein nackter Körper ist mit einem Laken bedeckt. Der Tote hat auch noch irgendwas zwischen den Fingern. Es handelt sich dabei um eine Karte mit dem Bild einer indischen Heiligen, die in Deutschland lebt.

Man konnte zwar klar ermitteln, dass die Todesursache Strangulation war. Doch man weiß nicht, wie es passiert ist. War es ein Seil oder ein Tuch, das benutzt wurde? Auch diese Frage bleibt unbeantwortet. Neben dem Toten liegt anscheinend auch ein Herrenportmonneer mit einem Personalausweis, ausgestellt auf Andreas D., 29 Jahre alt. Mit absoluter Sicherheit ist die Identität des Toten in der Schönhauser Straße jedoch nicht zu bestimmen, denn der Verwesungsprozess hat bereits erheblich eingesetzt. Erst der Gerichtsmediziner bestätigt später die Identität von Andreas D. Generell ist der Anblick des verwesenden Mordopfers nichts für schwache Nerven.

Im Schlafzimmer macht die Polizei dann eine weitere grausige Entdeckung. Hier liegt Gerwald Klaus Brunner, in Bauchlage, auf einem Bett. Auch er ist nackt. Und auch er ist ebenfalls tot. Man findet um seine Handgelenke herum Kupferkabel, ohne eine entsprechende Schutzummantelung. Diese Kabel führen zu einem Mehrfachstecker mit Kippschalter. Den muss Gerwald Klaus Brunner betätigt haben, als er auf der Matratze lag. Klaus Brunner hat sich also selbst das Leben genommen. Es ist ein tragisches Ende, das vielleicht vermeidbar gewesen wäre, vor allem für sein Opfer Andreas D. Falls es euch da draußen psychisch nicht gut geht, dann holt euch bitte Hilfe. Bei der Telefonseelsorge bekommt ihr unter der Nummer 0800 3x1 0 3x1 kompetente Hilfe. Leider hat Gerwald Klaus Brunner selbst diese Hilfe nicht in Anspruch genommen. Klaus Brunner hat also wortwörtlich den Schalter umgelegt. Die Einsatzkräfte halten sich zunächst von seiner Leiche fern. Möglicherweise steht der tote Körper noch unter Spannung. Als die Messung abgeschlossen ist, beginnt die Spurensicherung. Weil Klaus Brunners Leiche deutlich weniger Verwesungsspuren aufweist, muss er lange nach Andreas D. gestorben sein.

Die Entdeckung der Leichen allein ist ja natürlich schon grausam und für alle Beteiligten sicherlich auch sehr rätselhaft. Doch was danach kommt, das ist der finale Paukenschlag des Gerwald Klaus Brunner. Am nächsten Tag taucht ein Mann bei einer Berliner Polizeiwache auf. Er hat ein Paket für seinen Nachbarn Martin entgegengenommen. Doch als der Mann den Namen des Absenders liest, beschließt er, zur Polizei zu gehen. Denn das Paket stammt von niemand Geringerem als Gerwald Klaus Brunner. Und die Medien melden gerade, dass der tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde. In diesem Paket befindet sich ein Testament. Das Datum, das darauf notiert ist, lautet Freitag, 16. September. Darin gesteht Klaus Brunner seinem alten Freund, Zitat, Hallo, lieber Martin. Wenn du das liest, bin ich schon tot. Ich habe am 15. September um ca. 22 Uhr Andreas im Affekt getötet. Ich kann nicht ohne ihn leben und folge ihm nach.

Zusätzlich gibt er klare Anweisungen, wie er beerdigt werden möchte. Insgesamt liegen 4.521 Euro bei. Eine Feuerbestattung soll es werden. Die Asche möge der Freund in der Nordsee verstreuen. Was übrigens interessant ist, das Verstreuen der Asche auf dem Meer ist in Deutschland gar nicht gestattet. Bei einer Seebestattung wird die Asche in einer wasserlöslichen Urne der See übergeben. Damit die Urne im Anschluss an die Seebestattung jedoch nicht im Wasser herumtreibt, sondern an der dafür vorgesehenen Stelle zu Boden geht und dort liegen bleibt, wird sie vor der Zeremonie entsprechend beschwert. Eine Seebestattung findet außerhalb der Drei-Meilen-Zone statt, in einem Gebiet, in dem nicht gefischt oder Wassersport betrieben werden darf. Der Mord, die Twitter-Nachrichten, das Paket – alles scheint auf eine Beziehungstat hinaus zu laufen, was die Tat aber auf keinen Fall in ihrer Brutalität verringert. Es wirkt, als hätte er sich nach der Tat im Affekt entschlossen, sich selbst umzubringen.

Das passt aber nicht so recht mit dem zusammen, was vorher passiert ist. Denn Klaus Brunner hat nicht lange vor dem Mord an Andreas D. Und seinem Suizid im Berliner Abgeordnetenhaus eine merkwürdige Ankündigung gemacht. Er sagt, dass man für ihn bei einer Plenarsitzung irgendwann bald aufstehen wird und eine Schweigeminute halten wird. Warum, das sagt er damals aber nicht. Er wusste wohl auch, dass seine Partei es nicht wieder in den Landtag schaffen würde. Denn er versprach allen Anwesenden, dass sie die Piraten noch, Zitat, vermissen würden. War da dem Politiker, dem einstigen Hoffnungsträger einer ganzen Generation junger Wählerinnen und Wähler, bereits klar, dass für ihn sein Leben keinen Sinn mehr haben konnte? War ihm klar, dass er wieder zurückgeworfen sein würde auf sich selbst? Entschied er sich deshalb nicht nur sich, sondern den einzigen Menschen, den er zu lieben glaubte, aus dem Leben zu reißen? Wir haben uns gefragt, ob das zusammenhängt. Ganz kurz vor der Landtagswahl, die ihn den geliebten Job als Politiker kosten würde, tötet er seinen Bekannten. Und direkt nach der Wahl tötet er sich selbst.

Hat er die Wahl etwa noch abgewartet? Das wirkt fast so, als hätte ein überraschender Wahlerfolg seinen Entschluss, sich selbst zu töten, noch beeinflussen können. Möglich wäre es. Allerdings wäre er dann trotzdem ein Mörder gewesen. Das ist nicht unbedingt die beste Voraussetzung, um eine politische Karriere erfolgreich fortzusetzen. Ganz kurz schien auch eine andere Theorie möglich, nämlich dass Gerwald Klaus Brunner unheilbar krank gewesen war. So hatte er es zumindest einigen Parteikollegen gegenüber behauptet. Im Obduktionsbericht gibt es darauf aber keine Hinweise. Möglicherweise wollte er nur Aufmerksamkeit oder vielleicht sogar auch Mitleid. Viele Fragen bleiben offen. Auch Fragen an uns selbst, gerade in dieser Zeit, in der die Demokratie einen schweren Stand hat und wir viel an Vertrauen an die Politik eingebüßt haben. Woran erkennen wir eigentlich, ob wir unseren Politikern und Politikerinnen vertrauen können? Denn wir übertragen ihnen zumindest eine ganze Menge Macht und Geld und die Möglichkeit, über unser Leben zu bestimmen.

Wenn sich ein solcher Volksvertreter dann, wie in unserem Fall, als Mörder entpuppt, dann hinterlässt das natürlich mehr als Irritation und Schock. Es hinterlässt auch bei uns Fragezeichen. Zweifel an den Maßstäben, nach denen wir unsere Wahlentscheidung treffen. Wir werden diesen Fall wahrscheinlich nie wirklich verstehen können. Was wir aber lernen ist, dass Politik unserer Gesellschaft einen Rahmen gibt. Aber sie ist auch ein Spiegel unserer Gesellschaft. Da tummeln sich eben auch Narzissten, Geltungsbedürftige und skrupellose Charaktere und sogar Psychopathen. Unter dem Brennglas der Öffentlichkeit wird das Beste aus den Menschen herausgeholt. Aber leider auch nicht selten das Schlechteste. Und so muss man sich die Frage stellen. Gibt es womöglich noch mehr solcher tickenden Zeitbomben in unserer Politik? Was wäre eigentlich aus Klaus Brunner geworden, wenn seine Partei nicht abgestürzt wäre, sondern sich sogar etabliert hätte? Wäre er vielleicht sogar noch aufgestiegen? Hätte er eines Tages privat seinen Frieden in einer Beziehung gefunden? Fragen, die nie beantwortet werden können. Auch Rüdiger Barth, der mit Klaus Brunner ja persönlich gesprochen hat, bleibt ein Stück weit ratlos zurück, wie er es selbst erklärt. Man spürt, dass da jemand anders ist, dass da jemand eigen ist, dass da jemand auf der Suche ist, eine große Kraft besitzt, womöglich eine große Verzweiflung besitzt.

Aber wozu es dann führt, logischerweise, weiß man es nicht und hinterlässt einen ratlos dieser Fall. Rüdiger Barth fragt sich auch, ob die furchtbare Tat in irgendeiner Form vorhersehbar war. Als ich dann Jahre später von der Tat Lars, von dem Lars, was er getan hatte, ertappte ich mich bei dem Gedanken, ob ich es nicht hätte spüren müssen oder gespürt habe sogar.

Vom Gefühl her, dass mit dem was nicht stimmt. Womöglich habe ich das damals auch, habe es mir aber nicht eingestanden, weil das unterdrückt man ja. Er war ein ungewöhnlicher Typ in vielerlei Hinsicht. Und ich zumindest habe damals eher meine eigenen Vorurteile versucht zu hinterfragen, als es ihm anzulasten.

Wäre er noch am Leben? Was meint ihr? Ist er für euch ein tragischer Fall oder einfach nur ein irrer Mörder? Schreibt es uns gern bei Spotify in die Kommentare. Ja, und das war sie, die erste Folge unseres neuen Podcasts Im Schatten der Macht. Wir hoffen natürlich, dass euch die erste Folge gefallen hat und dass ihr auch gerne weiterhin zuhören möchtet. Neue Folgen gibt es ab jetzt jeden Donnerstag. Und wir beide würden uns natürlich sehr über Bewertung freuen auf Spotify oder wo ihr den Podcast sonst so hört. Dann bekommen wir schon mal ein Gefühl dafür, ob euch das gefällt, was wir hier machen oder was ihr euch vielleicht auch für Fälle wünscht aus der Welt der Politik. Und vergesst nicht, das Glöckchen zu aktivieren. Dann bekommt ihr nämlich immer eine Benachrichtigung, wenn eine neue Folge von uns online ist. Bleibt safe da draußen. Bis bald. Eure Anne und Ricardia. Danke an unser Team von Open Minds Media, Executive Producer Rüdiger Barth, Konzeption Peter Grewe, Rüdiger Barth und Manfred Neumann. Autor Stefan Weber Producer Riccardia Bremley Den Schnitt machte Lilli Johansen Zusätzliche Unterstützung von Falco Schulte.

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