Music.
Herzlich willkommen bei Im Schatten der Macht. Schön, dass ihr diesen Podcast wieder angeklickt habt und auch die neue Folge von uns hören möchtet. Aber natürlich auch ganz herzlich willkommen an alle, die diese Folge jetzt als allererstes hören. Wie der Name unseres True Crime Podcasts ja schon verrät, geht es um die Schattenseiten der Macht. Mein Name ist Anne Luckmann, ich bin Podcasterin und beschäftige mich hauptberuflich jetzt schon seit fünf Jahren mit True Crime Filmen. Und ich bin Ricardia Bramley, bin auch Podcasterin, allerdings in etwas versöhnlicherem Gefielten und bisher unterwegs. Bin unter anderem Produzentin des Podcasts Gysi gegen Gutenberg. Und ganz kurz, der Fall heute ist was ganz Besonderes für mich, weil ich mich als Teenagerin unheimlich mit unserer Hauptfrau, Hauptprotagonistin hier beschäftigt habe. Insofern, ich freue mich sehr und ich hoffe ihr auch. Und ihr werdet sicherlich auch merken, warum Ricardia so begeistert war von der Protagonistin der heutigen Folge. Deswegen können wir euch nur raten, diese Folge auch bis zum Ende anzuhören. Das stimmt. Und außerdem geht es in unserer Geschichte heute um alles, was einen guten Politthriller so ausmacht. Wir haben Mafia, mächtige Männer und ihre Liebhaberin, vor allem ihre Liebhaberin, deren Tod die Welt erschütterte und dessen Geheimnis bis heute nicht gelüftet werden konnte.
Und obwohl der Fall schon über 60 Jahre her ist, erscheinen aber immer noch neue Bücher und Dokumentation zu dem Fall. Das Schicksal der Protagonistin beschäftigt und berührt die Menschen halt immer noch weltweit. Also lasst uns gemeinsam in die Zeitmaschine einsteigen und wir begeben uns jetzt zurück ins Jahr 1962. Die Sonne ist zwar gerade erst erwacht, aber ihre Strahlen haben schon Kraft in den frühen Morgenstunden dieses 5. August 1962.
Es wird ein heißer Tag hier in Brentwood, einem Stadtteil der Schönen und Reichen im Westen Los Angeles, am Fuße des Santa Monica Mountains, wenn ihr es genau wissen möchtet. Das eingeschössige Gebäude im Hacienda-Stil, 12305 Fifth Helena Drive, liegt noch ruhig in der Morgensonne. Auf bemalten Fliesen an der Hauswand steht der lateinische Sinnspruch Cursum Perficio. Das mussten wir auch nachschauen. Das heißt, ich habe meinen Weg vollendet. Wenn die Sonne aufgeht, so sagt man, gehen die Sterne schlafen. Und noch verrät nichts, dass hier und heute der strahlendste Stern Hollywoods für immer verloschen sein wird. Denn wenn es jemals jemanden gab, auf den die heutige oft auch eher inflationär benutzte Bezeichnung Star zutrifft, Dann wohl auf die Frau mit den platinblonden gefärbten Haaren, die am Morgen dieses 5. August 1962 tot in ihrem Bett liegt. Marilyn Monroe ist wohl eine der bekanntesten Frauen der Welt, noch immer. Sie ist aber mehr als eine Schauspielerin, denn sie gilt als Ikone und Traum vieler, vor allem Männer. Sie ist Teil der westlichen Popkultur und repräsentiert den American Way of Life, jedenfalls den, den wir bisher kannten.
Aber während Marilyn ihr Leben vor aller Augen in der Öffentlichkeit lebte, bleiben die Umstände ihres Todes geheimnisumwittert bis heute. Daran konnten auch über tausend Bücher nichts ändern, die sich mit ihrem Leben und Ableben beschäftigen. Aber zurück in Marilins Anwesen, das die 36-Jährige sich erst ein halbes Jahr zuvor, nämlich im Februar 1962, für 77.500 Dollar gekauft hat. Und in dem sie nach der Scheidung von ihrem dritten Mann, dem Dramatiker Arthur Miller, jetzt alleine lebt. Nur ihre Haushälterin Eunice Murray bleibt gelegentlich über Nacht in einem Dienstbotenzimmer.
So auch in dieser verhängnisvollen Nacht vom 4. auf den 5. August 1962. Aber was ist passiert? Woran starb Marilyn Monroe? Wir werden gemeinsam die Stunden vor ihrem Tod rekonstruieren und dabei auf einige Ungereimtheiten stoßen. Ja, Ricardia, du bist ja, seit du Teenagerin bist, absolute Expertin, glaube ich, auf dem Gebiet Marilyn. Aber ich muss ja gestehen, natürlich kannte ich sie. Ich glaube, jeder kennt Marilyn Monroe. Aber ich dachte eigentlich bisher immer, dass sie ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt hat mit einer Überdosis Schlaftabletten. Also das ist irgendwie das Bild, von dem ich bisher immer ausgegangen bin. Aber ich glaube, wir werden heute in der Folge da ein bisschen was anderes lernen. Aber was können wir jetzt erstmal überhaupt als gesicherte Erkenntnis nehmen? Du hast recht, das ist natürlich die offizielle Version, dass es ein Suizid war. Aber mal gucken, was passiert. Also, der Gerichtsmediziner Dr. Thomas Noguchi notiert auf Marilyns Totenschein als Todesursache akute Barbituratvergiftung, Einnahme einer Überdosis. Und weiter in einer Spalte mit der Überschrift Accident, Homicide or Suicide, also Unfalltötung oder Suizid, schreibt er in das Dokument Probable Suicide, also wahrscheinlich Suizid. Das ist eine ziemlich ungewöhnliche Formulierung. Normalerweise würdest du nämlich schreiben, dass die Todesursache undetermined, also unbestimmt ist.
Eine ungewöhnliche Formulierung und ein ungewöhnlicher Zeitpunkt. Dr. Noguchi kommt zu seiner Einschätzung, bevor der Leichnam obduziert wurde und toxikologische Tests abgeschlossen sind.
Und da haben wir die ersten von vielen Merkwürdigkeiten, Versäumnissen und Widersprüchen, die den Todesfall Marilyn Monroe vom ersten Moment an umwarben wie Nebel und einen klaren Blick erstmal erschweren. Und wenn wir hier schon von ersten Momenten reden, hier gibt es die nächste Unklarheit. Der genaue Todeszeitpunkt ist nämlich genauso umstritten wie der Zeitpunkt, an dem Marylins Leichnam gefunden wurde. Ja, ganz genau. Und das hat unter anderem mit den widersprüchlichen Aussagen von Marylins Haushälterin Younes zu tun, die die tote Film-Diva entdeckt hat. In ihrer ersten Vernehmung gibt die Haushälterin zu Protokoll, dass Marylin den ganzen Tag zu Hause verbracht habe. Gegen 19 Uhr ruft sie dann ihren Freund und Schauspielerkollegen Peter Lawford an und Marilyn soll in Lawfords Haus zu Abend essen, sagt aber ab. Peter Lawford ist der Schwager von US-Präsident John F. Kennedy. Er gehört auch zum Red Pack, einem Buddy-Circle, zu dem auch die Sänger und Schauspieler Frank Sinatra und Dean Martin, der Künstler Sammy Davis Jr., Schauspieler Humphrey Bogart und die Schauspielerin Lauren Bacall und Judy Garland gehörten. Der Schauspielkollege Peter Lawford hatte Marilyn dem Präsidenten jedenfalls einige Monate zuvor vorgestellt.
Also kein Essen bei den Lawfords. Stattdessen geht Marilyn laut Haushälterin Murray früh zu Bett. So gegen 20 Uhr. Zwischen 22 Uhr und 22.30 Uhr sieht Murray noch Licht unter Marilins Tür, denkt sich nichts dabei und geht schlafen.
Kurz nach drei Uhr am frühen Morgen des 5. Augusts wacht Murray mit dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt, auf. Als Marilyn nicht auf ihr Klopfen antwortet, ruft sie den Rettungsnotdienst und Marilyns langjährigen Psychiater Dr. Ralph Greenson an, der nur knapp zwei Kilometer entfernt wohnt und sofort herbeieilt. Murray wird ihre Zeitangaben im Laufe der Ermittlungen übrigens immer wieder ändern und sich in Widersprüche verstricken. Ja, von diesem Psychiater Dr. Rolf Greenson, da wird später noch die Rede sein. Angekommen im Fifth Helena Drive schlägt der ebenfalls besorgte Greenson ein Fenster ein oder bricht die Tür auf. Die Aussagen hierzu sind nicht immer deckungsgleich und verschafft sich jedenfalls so Zugang zu Marilyns verschlossenem Schlafzimmer. Hier entdeckt er dann zusammen mit Eunice Murray die leblose Marilyn und ruft telefonisch Hyman Engelberg an. Das ist Marilyns Hausarzt. der Marilyn untersucht und sie 3.50 Uhr für tot erklärt. Ungefähr eine halbe Stunde später, also so gegen 4.25 Uhr, da alarmiert der Psychiater Greenson dann das L.A. Police Department. Das ist jedenfalls eine Variante der vielen sich widersprechenden Aussagen. Denn 1982 lässt der Rettungssanitäter James Hall in einem Interview eine Bombe platzen.
Er behauptet, er sei mit seinen Kollegen vor Psychiater Greenson bei Marilyn gewesen und Marilyn Monroe sei zu dem Zeitpunkt noch am Leben gewesen. Die Rettungssanitäter haben sie mit einem in ihre Kehle eingeführten Beatmungsschlauch wiederbelebt. Laut Rettungssanitäter James Hall kam Marilyn so wieder zu sich. Yep. Und Greenson soll laut Hall erst jetzt aufgetaucht sein und dann alles an sich gerissen haben. Und das ist ja irgendwie schon merkwürdig, oder? Dass hier alleine schon verschiedene Geschichten auftauchen und verschiedene Abläufe entstanden sind. Also da merkt man schon ganz gut, irgendwas stimmt hier nicht an dieser Geschichte. Also es ist wirklich total irre. Und die Glaubwürdigkeit, wie so vieles im Todesfall von Marilyn Monroe, ist weder zu belegen noch vollständig zu entkräften. Der Rettungssanitäter Hall erklärt weiter, dass der Psychiater Greenson seine Tasche geöffnet hat und eine Spritze herausgeholt hat, die er dann mit dem Inhalt einer Flasche gefüllt hat, die er ebenfalls bei sich hatte. Der Rettungssanitäter Hall glaubt, dass der Psychiater der Schauspielerin Adrenalin spritzen wollte. Hall schildert dessen Vorgehen als ungeschickt und ist selbst irritiert, dass der Psychiater überhaupt solche Utensilien bei sich hatte. Während seiner Bemühungen, die Spritze zu setzen, soll der Psychiater laut Hall Marilyn sogar eine Rippe gebrochen haben.
Anschließend sticht er, Halls Aussage nach, die Spritze direkt in ihr Herz. Also das kann man beim fünften durchlesen, ist es immer noch heftig, finde ich, ja. Marilyn stirbt ein paar Minuten später. Sie können gehen, ich werde sie für tot erklären, soll der Psychiater Greenson zu Hall gesagt haben.
Und der Rettungssanitäter gab an, mir wurde ganz schlecht, wir hatten sie doch schon gerettet. Aber warum kommt Hall mit seiner Geschichte erst jetzt, 20 Jahre nach der Todesnacht? Ja, das ist eine sehr gute Frage. Er deutet an, Angst gehabt zu haben, weil viele mächtige Leute in diese Sache verwickelt waren. Sein langes Schweigen bricht er dann für ein Honorar von einer Zeitung. Also alles irgendwie jetzt auch nicht so seriös. Ja, aber andererseits absolviert Rettungssanitäter James Hall insgesamt 14 Lügendetektortests und besteht alle. Und neben Hall gibt es auch noch die Aussagen in der Netflix-Doku, die wir übrigens sehr empfehlen können, Mysterium Marilyn Monroe, von anderen Sanitätern, die wiederum behaupten, Marilyn sei erst im Krankenwagen gestorben und dann wieder in ihr Haus zurückgebracht worden.
Ein ganz schönes Durcheinander. Aber kommen wir doch mal zu den mächtigen Männern, auf die wir ja immer wieder anspielen. Es geht ja um niemand Geringeren als die Kennedys. JFK, damals Präsident der Vereinigten Staaten und sein Bruder Robert, auch genannt Bobby, der Justizminister zu der Zeit. Und ich kann euch sagen, glamouröser kann es nicht sein. Meine Mutter redet nämlich heute noch davon, wie unglaublich gut aussehend diese beiden Brüder waren. Ja, also falls ihr das nicht mehr vor Augen habt, dann googelt die beiden doch nochmal. Und wir haben ja schon gehört, dass Marilyn beide Männer kannte, weil sie von deren Schwager Peter Lawford vorgestellt wurde. Marilyn soll ein Verhältnis mit einem oder sogar mit beiden gehabt haben.
Dass Marilyn beide kennt und mit ihnen verkehrt, ist unstrittig. Ob sie eine Affäre mit dem Präsidenten oder mit Bobby oder mit Biden hatte, ist nicht zweifelsfrei zu belegen. Aber Indizien weisen darauf hin und es gibt Zeugenaussagen, die dies behaupten. Bevor wir uns aber diese Indizien und Zeugenaussagen mal kurz anschauen, will ich noch dazu sagen, ist vielleicht ein bisschen zynisch, aber dass sie eine platonische Beziehung mit Biden hatten, gehabt haben soll, das glaubt ja nun auch keiner, oder? Nein, das glaubt keiner. Nein, vor allem, wenn man sich eben Fotos von allen dreien zusammen anschaut, dann kann man sich eigentlich nicht vorstellen, dass da nur Freundschaft im Spiel war. Aber hey, das ist jetzt nur unsere Meinung vielleicht an der Stelle. Ja, im Fall JFK gilt Marylins berühmtes und ihr kennt es alle, Happy Birthday Mr. President Ständchen vom 19. Mai 1962 als ein Indiz für eine erotische Liaison.
Marilyn singt auf einer Gala im Madison Square Garden für JFK eine, ja sagen wir mal, extrem lasive Happy Birthday Version, also die singt man jetzt vielleicht nicht bei einem Kindergeburtstag und ja, dabei trägt sie ein enges, hautfarbenes Kleid mit über 2500 Strasssteinen und dieses Kleid, das ist so eng, dass sie da sogar hineingenäht werden musste. Spannend ist übrigens für die Fashionistas unter euch, dass das später das teuerste Kleid der Welt wurde. 2016 wurde es für 4,8 Millionen Dollar versteigert. Kim Kardashian durfte es sogar mal 2022 für eine Gala ausleihen. Aber zurück zu der möglichen Affäre von Marilyn Monroe und JFK. Neben dem Geburtstagsständchen gibt es auch etwas belastbarere Hinweise, nämlich Zeugenaussagen von Bekannten der beiden.
Es gibt einen Hollywood-Agenten, Ted Jordan, der behauptet, Marilyn habe ihm von einer Affäre mit JFK erzählt. Und der Autor James Spader, der beruft sich auf Quellen, die von einer Sexnacht in Bing Crosbys Haus in Palm Springs berichten. Auch Kennedys Biograf Nigel Hamilton schreibt, dass JFK eine kurze sexuelle Beziehung mit Marilyn hatte, die sich über ein paar Monate sogar hingezogen hat.
Und dann wären da noch die FBI-Berichte, die darauf hindeuten, dass Marilyn und JFK sich privat getroffen haben. Marilyn selbst sagt in Telefonat mit Freunden, dass sie sich mit einem sehr wichtigen Mann trifft. Allerdings gibt es keine Briefe, Fotos oder andere klare Beweise, die eine Affäre zweifelsfrei belegen. Ja, aber das könnten die Kennedys ja auch alles beseitigt haben. Tja, willkommen im Reich der Verschwörungserzählungen. Genau das behaupten auch zahlreiche Autoren, die zu Marilins Tod recherchiert haben. Allerdings hat niemand belastbare Beweise hierfür erbringen können. Manche sagen auch, dass JFK 1962 ganz andere Sorgen hatte. Der Kalte Krieg bestimmt die Weltpolitik. Die Sowjets provozieren die Amerikaner. Nikita Kuschow will Raketen auf Kuba vor den Toren Amerikas stationieren. In der Kuba-Krise muss Kennedy Führung zeigen, während die Welt den Atem anhält. Gleichzeitig möchte ich nur sagen, dass es schon viele Politiker, Politikerinnen vielleicht auch gab, die trotz aller möglichen Krisen noch die eine oder andere Affäre gemanagt haben.
Wir wissen zwar nicht wie, aber hey. Es ist nicht bewiesen, aber eben sehr wahrscheinlich, dass Marilyn und JFK mindestens eine oder mehrere kurze sexuelle Begegnungen hatten. Eine echte romantische Beziehung oder langfristige Affäre ist dagegen eher zweifelhaft. Schauen wir uns mal an, wie es bei dem Finanzminister Bobby Kennedy und Marilyn aussieht. Auch hier bleibt vieles Spekulation. Aber wir haben einige Aussagen und Hinweise, die auf eine Love- oder Sexstory zwischen beiden hindeuten. Es gibt eine Reihe von Zeugen, die behaupten, Bobby sei öfter in Marilyns Haus in Brentwood gewesen. Marilyns Freundin Jean Carmen berichtet, dass Marilyn ihr erzählt hat, dass Bobby ihr beim Bettgeflüster sogar einen Heiratsantrag gemacht habe. Carmen warnte Marilyn, sie solle das bloß nicht glauben, denn Bobby würde seine Frau Ethel und die Kinder niemals verlassen. Der Journalist Anthony Summers schreibt, Marilyn habe Robert F. Kennedy als den Mann, den ich wirklich liebe, bezeichnet. Marilyns Freund Ralph Roberts behauptet, sie habe ihm gegenüber Andeutungen über eine Affäre mit Bobby gemacht. Der Privatdetektiv Fred Otisch sagt aus, er hätte Marilyns Telefon verwandt und abgehört. Warum und wieso, das erzählen wir später noch. Und sie habe häufig mit Bobby telefoniert.
Und die uns bereits bekannte Haushälterin Eunice Murray sagt in einem späteren Interview Folgendes. Bobby Kennedy war an diesem Abend, gemeint ist der 4. August, im Haus. Fazit, auch bei Bobby ist nicht beweisbar, aber uns erscheint es wahrscheinlich, dass Marilyn eine Affäre mit ihm hatte, die möglicherweise erst kurz vor ihrem Tod beendet wurde. Und für manche Autoren ist dieses Affärenende sogar ursächlich für Marilins Tod. Schauen wir uns diese Verschwörungserzählung also mal genauer an. Wir brauchen dazu aber erstmal ein bisschen Background und Atmosphäre aus den frühen 1960er Jahren.
Wir fangen mit Berlin an, denn in Berlin trennt die Mauer die Stadt, ist sichtbarster und grausamster Ausdruck des von Churchill sogenannten eisernen Vorhangs zwischen West und Ost. In Bonn regiert der 86-jährige Konrad Adenauer. Seine lange Kanzlerschaft neigt sich dem Ende zu. Götterdämmerung, wenn man so will. Es gibt zunehmend Kritik an, dem Alten, so sein Spitzname. Ja und überhaupt. Deutschland steht 1962 mit einem Bein noch in den etwas muffigen 50ern. Das andere zuckt schon im Takt der aufkommenden Swinging Sixties. Viele Menschen in Westdeutschland profitieren vom Wirtschaftswunder und man leistet sich sogar erste Urlaubsreisen. Sogar ins Ausland geht es mal. Italien ist der Sehnsuchtsort der meisten Deutschen.
Flugreisen sind noch zu teuer und so geht es im Käfer oder im Kadett über den Brenner auf die Campingplätze der Adria. Und im Radio trällert Conny Frohbös den passenden Soundtrack dazu. Ihr Ohrwurm, zwei kleine Italiener, ich muss jedes Mal lachen, ist 1962 der Sommerhit. Ja, jedenfalls für den Mainstream. Wer 1962 ein bisschen cooler drauf ist, der hört eher Rock'n'Roll von Elvis Presley, Chuck Berry oder Jerry Lee Lewis. Und wer so richtig weiß, was geht, sieht auf St. Pauli im Indra Club, dem Kaiserkeller und im Star Club ein paar Jungs aus Liverpool mit gewöhnungsbedürftigen Frisuren. Die Beatles. Und sie sorgen für Aufbruchsstimmung. Ja und apropos Frisuren. Junge modische Frauen topieren sich den Beehive, den Bienenkorb. Caprihosen sind der letzte Schrei und am Strand, am See oder im Freibad sind Bikinis mit High-Waist-Höschen voll im Trend.
Während die Eltern im Kino noch Heimatfilme wie Wenn die Heide blüht oder die Förster Christel gucken, begeistert sich die junge Generation für Alain Delon, Brigitte Badeau und Sean Connery. Der jagt nämlich als Agent 007 im ersten James-Bond-Film, dem Bösewicht Dr. No. Ja, und Marilyn Monroe ist da irgendwie in between. Ihre größten Erfolge liegen schon ein paar Jahre zurück. Sie ist 36 Jahre alt und ihr Look wird gerade abgelöst. Otto Hepburn, Twiggy und auch First Lady Jacqueline Kennedy, das sind die It-Girls der 60er. Aber Marilyn ist auch bereit. Das enge Korsett einer Frau, die nur auf ihren Sexappeal reduziert wird, passt nicht mehr. Außerdem ist sie klug und ehrgeizig genug, sich neu zu erfinden. In The Misfits 1961 spielt sie bereits nicht mehr das naive, verführerische Blondchen, auf das sie lange festgelegt war, sondern eine moderne Frau mit vielschichtigem Charakter.
Sie freut sich darauf, endlich mehr von ihrer Schauspielkunst zeigen zu können. Aufbruchsstimmung also auch bei der Monroe Anfang der 60er Jahre. Ja, und auch Aufbruchsstimmung im Weißen Haus. Am 8. November 1960 gewinnt der erst 43-jährige Senator aus Massachusetts, John Fitzgerald Kennedy, für die Demokraten die Präsidentschaftswahl gegen den Republikaner Richard Nixon. Es ist die knappste Präsidentschaftswahl im 20. Jahrhundert. JFK ist der erste Katholik im Weißen Haus. Und es ist heute umstrittig, dass sein Wahlkampf auch von der Mafia, namentlich vom Chicagoer Paten Sam Momo Giancana, unterstützt wurde. So, und jetzt wird es nämlich richtig spannend. Giancana spendet also für Kennedys Wahlkampf. Er hält über Frank Sinatra Kontakt zu Kennedy. Die beiden teilen sich sogar eine Geliebte, wird gemunkelt. Eine Verbindung, die schon eine Generation vorher entstand. Joseph, genannt Joe Kennedy, der Vater von JFK und Bobby, baute den Reichtum und den Einfluss seiner Familie in den 1920er Jahren unter anderem mit, na, Alkoholschmuggel, Geldwäsche und Zusammenarbeit mit der Chicagoer Mafia auf. Bereits Joe kannte Sam Giancana. Ja, und spätestens jetzt sind wir beim Titel unseres Podcasts angelangt, im Schatten der Macht, im Schatten der Macht, also mehr Machtgehabe und Machtspielchen als hier bei den ganzen Boys, kann es wohl nicht gehen, glaube ich.
Ja, die Erwartungen, die die Mafia und der Sam Giancana an JFK hegen, die werden allerdings enttäuscht. Trotz der Gelder für seinen Wahlkampf gibt es nicht die gewünschte Unterstützung für das Mafia-Syndikat der Cosa Nostra in Chicago, nämlich ganz im Gegenteil.
Besonders Justizminister Robert Bobby Kennedy setzt das organisierte Verbrechen ordentlich unter Druck. So geht er gegen den mächtigen Gewerkschaftsboss Jimmy Hoffer vor, der mit der Mafia eng verbunden ist. Und wo finden wir Marilyn da wieder? Sie ist, wenn wir der Kennedy-Mafia-Theorie folgen wollen, nur eine Spielfigur. Sam Giancarna und Jimmy Hoffer wollen die Kennedys so schnell wie möglich wieder loswerden. oder sie unter Druck setzen, erpressen, um eigenen Interessen Nachdruck zu verleihen. Wenn man dem katholischen Präsidenten, verheiratet mit der allseits beliebten First Lady Jackie Kennedy und bereits Vater von zwei Kindern, eine Affäre mit Marilyn Monroe nachweisen könnte, wäre sein politisches Überleben vom Schweigen der Mafia abhängig. Dazu erzählt uns der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer später allerdings noch mehr. Das Gleiche gilt natürlich auch für Bobby, ebenfalls verheiratet und 1962 bereits siebenfacher Vater. Unter anderem übrigens von Robert F. Kennedy Jr., geboren 1954 und seit kurzem der Gesundheitsminister im zweiten Kabinett von Donald Trump. Die Familiendynastie zieht sich mit ihrem Einfluss also bis in die Gegenwart.
Dann kommt der bereits erwähnte Privatdetektiv Fred Otash ins Spiel. Fred Otash ist ein ziemlich windiger Privatschnüffler, ein Private Eye, der nach eigener Aussage für jeden arbeitet, der ihn gut bezahlte, nur nicht für Kommunisten. Der Charakter, den Jack Nicholson im Film Chinatown spielt, ist Otash nachempfunden. Bernie Spindle ist sein Abhörspezialist. 1985 gibt Otash in einem Interview zu, dass Jimmy Hoffa ihn engagiert hat, um Marilyn Monroes Haus in Brentwood zu verwanzen und abzuhören. Und das tun Otesch und Spindle dann auch. Zumal sie, so Otesch, doppelt bezahlt werden. Denn neben Hoffa beauftragt ihn auch J. Edgar Hoover, mächtiger Leiter des FBI und ebenfalls intim Feind der Kennedys damit, Marilyn Monroe abzuhören, um Schmutz gegen die Kennedys auf Bann zu bekommen. Ja, leider gibt es aber keine Bänder mehr. Wie so häufig im Todesfall Marilyn Monroe heißt es auch hier, nichts, was justiziabel und zweifelsfrei belegbar wäre. Sie sind verschollen. Was es aber gibt, sind Aussagen von Privatdetektiv Sam Otesch und vor allem Raymond Strait, einem Journalisten, der sich nach eigenen Angaben elf Stunden lang die Bandaufzeichnung von Otesch aus dem Haus von Marilyn Monroe anhören durfte.
Raymond Strait war viele Jahre Presseagent in Hollywood, unter anderem für Hollywood-Star und Sex-Symbol Jane Mansfield, über die er auch eine Biografie verfasst hat. Ist er glaubwürdig? Keine Ahnung. Ob es die Bänder gibt und was auf ihnen zu hören ist, weiß niemand. Andererseits sind Strait's Kenntnisse fundiert und es gibt ein weiteres Indiz, zumindest für die Existenz der Aufnahmen. Die Dokumentation Marilyn Monroe Missing Evidence zeigt einen Artikel der New York Times aus dem Jahr 1966, in dem es darum geht, dass die Bänder von US-Behörden beschlagnahmt wurden und Abhörspezialist Bernie Spindle vergeblich ihre Herausgabe beantragte. Ja, das ist schon ein ziemlich harter Eingriff in die Privatsphäre. Also sehr furchtbar, dass Marilyn die ganze Zeit belauscht wurde. Okay, also glauben wir jetzt mal an die Existenz der Bänder von diesem Fred Otish. Und was erzählt der Presseagent Raymond Strait dann nun, was auf den Aufnahmen zu hören ist? Strait behauptet, er habe auf den Tonbandaufnahmen Bobby Kennedy in Marylands Haus gehört. Und zwar, jetzt haltet euch fest, am späten Abend des 4. August, ein paar Stunden bevor sie starb. Der Presseagent Strait sagt, er habe als erstes auf dem Band gehört, wie Haushälterin Eunice Murray Bobby hereinließ und gesagt hat, oh, Mr. Kennedy, sie schläft gerade. Und Bobby sagt, er müsse mit Marilyn reden.
Laut Strait war dies am frühen Nachmittag und dann hört er, wie sie sich amüsieren, etwas trinken und Strait glaubt, die beiden hätten dann rumgeknutscht. Jedenfalls hätte es sich für ihn so angehört. Später aber schlägt die Stimmung um. Bobby sagt ihr, dass er sie verlassen müsse, weil zu viele Leute sie beobachteten. Hoover, das FBI, Jimmy Hoffa. Und sie soll ihn nie wieder anrufen. Marilyn ist natürlich verletzt und wütend. Sie befiehlt ihm, aus dem Haus zu gehen. Sie schreit, raus, geh raus, geh raus, verschwinde aus meinem Haus. Und sie droht Bobby, dass sie sich so nicht behandeln lässt. Auf dem Band sei zu hören, wie Marilyn Bobby ankündigt, alles der Öffentlichkeit zu sagen. Gleich am nächsten Tag will sie mit den Medien sprechen und sogar eine Pressekonferenz abhalten.
Die Monroe will alles sagen, was sie über die Kennedys weiß. Und das ist eine Menge. Bobby verlässt an dieser Stelle das Haus. Aber später, so sei es auf den Bändern zu hören, kehrt er noch einmal zurück. In Begleitung von zwei unbekannten Männern. Marilyn-Biograf Richard Buskin unterstützt dies. Er hat vier Augenzeugen gefunden, die bestätigen, dass Bobby Kennedy am Abend des 4. August gegen 21.30 Uhr ein zweites Mal zu Marilyn kommt. Es handelt sich um eine Nachbarin, die drei Frauen zu Gast hat. Man spielt Bridge und alle geben an, Bobby Kennedy beim Betreten von Marilyn Monroes Anwesen gesehen zu haben. Ja, und was nun im Haus passiert sein soll, das ist wirklich unglaublich. Presseagent Raymond Strait erzählt, man kann auf den Bändern hören, dass Marilyn ein wenig getrunken hat. Sie telefoniert gerade mit dem mexikanischen Drehbuchautor José Bolaños und er schildert, wie das Gespräch geendet ist. Sie hört Geräusche an der Tür und sagt, ich bin gleich wieder da. Sie kommt aber nie wieder in die Leitung zurück und Bolaños legt irgendwann auf.
Weiter soll auf den Aufnahmen zu hören sein, wie sie Bobby fragt, aus welchem Grund er wieder hier ist. Dann streiten sie sich und sie sagt sowas wie, ihr Kerle habt mich doch nur benutzt und ich bin es so leid, benutzt zu werden. Aber lass dir eins sagen, ich weiß, was Schlagzeilen machen würde. Bobby Kennedy sagt daraufhin zu ihr, es wäre besser, sie würde ihren Mund halten, wenn sie wüsste, was gut für sie ist. Und dann erwidert Marilyn, ich weiß, was für mich gut ist. Ich bin Marilyn Monroe. Mich verarscht man nicht. Laut Straight benutzt sie jetzt hier auch noch das F-Wort.
Bobby kontert, ich weiß, mit wem ich es zu tun habe. Aber du weißt scheinbar nicht, mit wem du es zu tun hast. Bobbys Begleiter suchen derweil erfolglos im Gästehaus nach Marilyns rotem Tagebuch, von dem Bobby wohl befürchtet, es enthalte ihnen belastendes Material. Nun kommen sie herein. Der Streit eskaliert und Marilyn schreit Bobby an. Und dann, so sei es auf den Otash-Aufzeichnungen zu hören, passiert es. Bobby sagt zu einem seiner Leute, er soll ihr etwas geben, um sie zu beruhigen. Und jetzt wird es ein bisschen schwierig. Und dann kann man nämlich hören, wie sie ihr eine Spritze geben und sie betäuben. Als Marilyn ruhiggestellt ist, fangen die Männer an, alles zu durchwühlen und suchen manisch nach dem roten Tagebuch. Bis 22.30 Uhr finden sie aber nichts. Sie sind ziemlich verzweifelt, fragen sich, was sie als nächstes tun werden und verlassen das Haus. Ob Marilyn zu diesem Zeitpunkt nur sediert oder bereits tot war, darüber gibt es die zwei unterschiedlichen Versionen, über die wir ja schon gesprochen haben.
Nach Schilderung des Rettungssanitäters James Hall hat Psychiater Greenson Marilyn durch eine Spritze ins Herz getötet. Ob vorsätzlich oder unabsichtlich, das lässt er offen. Oder man folgt Greensons Erklärung. Marilyn sei bereits tot gewesen, wie der Gerichtsmediziner Thomas Noguchi befand. Durch die Einnahme einer Überdosis an Schlaftabletten. Wahrscheinlich Suizid. Falls es euch psychisch nicht gut geht, dann holt euch bitte Hilfe. Bei der Telefonseelsorge bekommt ihr unter der Nummer 0800 3x1 0 3x1 kompetente Hilfe.
Okay, überprüfen wir nun mal einen Moment lang die Suizidthese. Immerhin die offizielle Ansage. Was lässt einen Suizid plausibel erscheinen? Werfen wir hierzu einen Blick auf das Leben und den Gemütszustand der Frau, die von so vielen Menschen bewundert und verehrt wird. Marilyn Monroe wird am 1. Juni 1926 als Norma Jean Mortensen in Los Angeles geboren. Ihre Mutter ist psychisch krank. Ihre Diagnose lautet Schizophrenie. Sie ist häufig in einer Anstalt untergebracht, sodass Norma Jean in einem Waisenhaus und von Pflegeeltern aufgezogen wird. Um dieser Welt zu entkommen und um einen Model-Vertrag unterschreiben zu können, heiratet sie im Alter von 16 Jahren ihren Arbeitskollegen James Doherty. Eine reine Zweckehe, die schon nach ein paar Jahren geschieden wird. Mit 16 jobbt sie in einer Rüstungsfabrik, wird dabei von einem Army-Fotografen entdeckt, der Werbefotos mit ihr macht. Die junge Frau findet Gefallen daran, besucht eine Mannequin-Schule. Das kann man sich so ein bisschen vorstellen wie Germany's Next Topmodel, aber ohne Heidi. Und spricht auch bei Filmproduktionsfirmen vor.
1946 unterschreibt sie einen Kurzzeitvertrag bei 20th Century Fox und nimmt den Künstlernamen Marilyn Monroe an. Monroe ist der Mädchenname ihrer Mutter und Marilyn soll sie gewählt haben nach dem Musicalstar Marilyn Miller. 1950 hat sie erste Erfolge in kleineren Rollen als Schauspielerin in sehr bekannten Filmen wie Asphaltdschungel und All About Eve. Ihre Schauspielkarriere nimmt in den frühen 50er Jahren mit Auftritten in Love Nest, Liebling, Ich werde jünger und Nia Gara dann endgültig an Fahrt auf. Zum größten Star Hollywoods wird sie dann aber mit Blondine bevorzugt aus dem Jahr 1953. Wie angelt man sich einen Millionär? Rhythmus im Blut und das verflixte siebte Jahr.
1954 heiratet sie den Baseballstar Joe DiMaggio. Eine absolute Gigantenverbindung, also heute vielleicht ein bisschen vergleichbar, wenn Taylor Swift Travis Kelce heiraten würde. Aber mit den Männern hat Marilyn kein Glück. Aufgewachsen ohne Vater sucht sie immer die Nähe von Vaterfiguren. Erfolgreich, mächtig, beschützend. Die Traumehe mit DiMaggio zerbricht, weil der eifersüchtige Ehemann es nicht ertragen kann, dass seine Frau von jedem Mann angehimmelt wird und sich in ihren Filmen seiner Meinung nach zu offenherzig zeigt.
DiMaggio bereut seine wenig emanzipatorische Haltung später und zeigt sich geläutert. In den Monaten vor Marilyns Tod nähern sich die beiden wieder an. Möglicherweise hätte es sogar zu einem Liebes-Comeback kommen können. 1956 heiratet Marilyn den Dramatiker Arthur Miller. Eine verhängnisvolle Verbindung. Der verkopfte Intellektuelle sieht in ihr eine Art engelhaften Frauen-Idealtypus, den er auch in einigen seiner Stücke entwirft. Marilyn gefällt es anfangs, dass Miller so ganz anders ist als die Männer, die sie sonst kennt. Aber bald muss sie feststellen, dass er seine weniger gebildete Frau eher peinlich findet. Sie müht sich mehrere Jahre Millers Ansprüchen gerecht zu werben, empfindet sich selbst neben ihm als dumm und unwürdig. Zudem erleidet sie in ihrer Zeit mit Miller drei Fehlgeburten. Monroe, die regelmäßig Pillen und Alkohol zu sich nimmt, gibt sich selbst die Schuld daran.
Am Ende ist es eine ihrer stärksten Lebensleistungen, dass sie diesem Gefängnis der emotionalen Grausamkeit entkommen kann und sich scheiden lässt. Beruflich ist Marilyn Anfang der 60er Jahre mit Mitte 30 in einer Krise. Ihre Filme sind nämlich an den Kinokassen nicht mehr ganz so erfolgreich wie in den Jahren zuvor. Beim Dreh von Something's Got to Give wird sie am 8. Juni 1962 von den 20th Century Fox Studios gefeuert. Sie kommt nämlich oft zu spät und ihre Tabletten und Alkoholsucht verursachen Konzentrationsschwierigkeiten. Genug Gründe für einen Suizid, wie der Gerichtsmediziner ihn für wahrscheinlich hielt? Das ist natürlich unmöglich zu sagen. Denn wenn wir hier gerade die dunklen Punkte auf Marilans Seele beleuchtet haben, lassen sich genau so Argumente finden, die gegen die Suizidtheorie sprechen. So sagt sie fünf Wochen vor ihrem Tod bei einer Fotosession dem Fotografen des Cosmopolitan Magazins, George Barris, was mich betrifft, ist jetzt die glücklichste Zeit. Es gibt eine Zukunft und ich kann sie kaum erwarten. Und Burt Stern, der Anfang Juli die berühmten letzten Fotos von ihr knipst, der berichtet, sie sei ein wenig beschwipst, aber sehr fröhlich gewesen.
Marilyn hat zum ersten Mal in ihrem Nomadenleben ein eigenes Heim. Sie liebt das Haus in Brentwood, arbeitet am Tag ihres Todes noch emsig im Garten. Cursum Perfizio. Sie fühlt sich angekommen hier. Hat Möbel aus Mexiko bestellt, auf die sie sich freut und auch beruflich gibt es Good News. Die Produzenten der 20th Century Fox Studios haben sich gerade bei ihr entschuldigt und sie wieder eingestellt. Die Dreharbeiten mit ihrem Co-Star Dean Martin können weitergehen. Marilyn ist wieder im Geschäft. Und sie freut sich sehr über die zarte Annäherung mit Ex-Mann Joe DiMaggio. Neben diesem vielleicht eher als positiv-emotionales Grundrauschen zu bezeichnenden Indizien sind es vor allem aber die vielen Unstimmigkeiten, die Fakten, die nicht stimmen und passen, die gegen einen Suizid sprechen. Denn was ist weiter passiert in der Nacht, in der Marilyn Monroe starb?
Haushälterin Murray verändert ihre Aussage mehrfach. Mal will sie Marilyn schon um Mitternacht gefunden haben, kurz darauf spricht sie von 2 Uhr, in der nächsten Vernehmung von 3.30 Uhr. Jack Clemens, der erste Polizist am Tatort, empfindet das Szenario mit der toten Marilyn auf ihrem Bett, an dem zig verschiedene leere Schlafmittelverpackungen aufgereiht sind, merkwürdig gestellt. Auch dass ihr Psychiater Greenson in einer Tour behauptet, Marilyn habe sich mit Schlaftabletten umgebracht, macht den Polizisten Clemens misstrauisch. Zumal nirgendwo ein Glas, eine Flasche oder sonst ein Gefäß im Schlafzimmer zu finden ist, um diese Unmengen an Tabletten herunterzuspülen. Es gibt auch keinen Abschiedsbrief. Die Haushälterin hat bereits die Bettlaken gewaschen, als die Polizei eintritt. Also warum, kann sie aber auch nicht sagen. Und das ist doch super merkwürdig, oder? Und jetzt kommt noch der Autopsiebericht. Und da ist vermerkt, dass es eine erhöhte Barbituratkonzentration in ihrem Blut gab. Jedoch finden sich keine Tablettenrückstände in ihrem Magen, was gegen einen Suizid durch die orale Einnahme von Schlafmitteln spricht.
Clemens' Verdacht, dass hier kein Suizid vorliegt, wird abgebügelt. Er wird noch am Tatort von dem Fall abgerufen und äußert sich danach nie wieder zu Marylands Tod. Also das schreit ja wohl nur so nach, hier ist irgendwas im ganz großen Stil nicht richtig gelaufen, oder? Ja, und es reicht noch nicht, denn es gibt noch weitere Merkwürdigkeiten. Denn Marilyns innere Organe, die eigentlich noch weiteren Tests unterzogen werden sollten, die sind plötzlich aus dem Polizeilabor verschwunden und tauchen nie wieder auf. Und das ominöse rote Tagebuch, über dessen tatsächliche Existenz allerdings keine Klarheit herrscht, müssen wir sagen, wird bis zum heutigen Tag auch nie gefunden.
Was bleibt also zu sagen über den Todesfall Marilyn Monroe? Alles ist denkbar. Oder auch nichts. Natürlich kann man einen Suizid nicht ausschließen. Niemand kann das wahre Innere eines Menschen sehen. Die wahren Gefühle, Ängste und Sorgen. Aber genauso denkbar ist es, dass Marilyn an der Spritze von Dr. Greenson starb. Ob dieser sie unabsichtlich aus mangelnder medizinischer Kenntnis tötete oder dies im Auftrag von Bobby Kennedy geschah, damit die Monroe nicht auspackte über die Affären mit dem Präsidenten und dem Justizminister. Ich meine, es gab ja wirklich genug, was sie da so mitbekommen hat, aber das wissen wir halt nicht. Klaus Brinkbäumer, Autor und ehemaliger Spiegel-Chefredakteur, hat uns erzählt, wie Marilyn Monroes Tod auf ihn gewirkt hat. Brinkbäumer war durch seine Nähe zum Weißen Haus als White House Correspondent in der Lage, vor allem Kennedys Rolle noch ein bisschen anders zu sehen als bisher. Hallo Ricardia, grüße dich. Ich will nicht so tun, als wüsste ich da irgendetwas. Viele Kriminologen haben sich mit dem Tod Marylands beschäftigt. Die Überdosis ist diagnostiziert und weil es halt nicht klar war, ob sie wusste, was sie tat, ob es ein Unfall war, gibt es all diese Mythen und auch Verschwörungstheorien.
Mutmaßlich oder nach allem, was sich bewiesenermaßen sagen lässt, war es Suizid, weil es halt eine extreme Überdosis war. Das kann eigentlich kein Unfall gewesen sein. Was die Mordtheorien angeht, es gab nie irgendeinen Beweis, nie irgendein Dokument, das irgendetwas auch nur stichhaltig belegt hätte. Und wenn man mal bei der bloßen Logik bleibt, John F. Kennedy hat mit den Gerüchten, die es gab über eine Affäre zwischen ihm und Marilyn oder gar eine Beziehung zwischen ihm und Marilyn kokettiert. Er war durchaus stolz darauf. Er hat damit gespielt. Das waren andere Zeiten. Die Affären jener Zeit wurden nicht sofort öffentlich. Journalisten wussten manches und haben es nicht geschrieben. Das Privatleben wurde geschützt, das Privatleben von Politikern und Politikerinnen. Aber die gesamte Administration Kennedys wusste davon und kannte die Affären. Es waren ja mehrere des Präsidenten. Warum also hätte er einen Mord in Auftrag geben sollen? Die Affären, die er hatte, waren niemals ein Rücktrittsgrund in jenen Jahren. Ein Mordauftrag wäre es gewesen. Und wie gerade schon gesagt, es gibt keinerlei Hinweise, die irgendwie dokumentiert wären oder Beweiskraft hätten. Die gibt es einfach nicht.
Aber eins ist sicher, die Spekulationen um Marilyns Tod werden vermutlich niemals enden. Zumal es immer mal wieder Futter für die Marilyn-Forschung gibt.
2039, also Stand jetzt in 14 Jahren, da darf eine Box geöffnet werden, die in der University of California in Los Angeles lagert. Diese Box enthält persönliche Papiere des 1979 verstorbenen Psychiaters. Ob sich darunter auch Marylins rotes Tagebuch befindet, das werden wir erst 2039 erfahren.
Psychiater Greenson hat testamentarisch verfügt, dass die Kiste erst dann geöffnet werden darf. Alle persönlich in den Fall verstrickten Personen sind dann nämlich aller Wahrscheinlichkeit nach verstorben. Und das lässt das ganze Mysterium um Marilyn Monroes Tod doch nur noch verdächtiger erscheinen. Am 8. August 1962, drei Tage nach ihrem Tod, wird Marilyn Monroe in einem Sarg aus Bronze auf dem Corridor of Memories im Westwood Village Memorial Park Cemetery beigesetzt. Von all ihren Männern, Liebhabern, Verehrern und Bewunderern ist einzig Joe DiMaggio auf ihrer Beerdigung, kein Arthur Miller und kein Kennedy. Joe DiMaggio, dem Hemingway in Der alte Mann und das Meer, ein literarisches, so wie Simon & Garfunkel in ihrem Song Mrs. Robinson ein musikalisches Denkmal gesetzt haben. Dieser einfache Sportler, Sohn eines italienischstämmigen Fischers, ist Marilyn nach ihrem Tod vielleicht näher, als er es zu Lebzeiten je zeigen konnte. Im Gegensatz zu all ihren anderen Männern spricht Joe nach Marilyns Tod nicht ein einziges Mal öffentlich über sie. Er heiratet nie wieder. Bis zu seinem Tod im Jahr 1999 lässt er dreimal wöchentlich 20 rote Rosen auf Marylins Grab legen.
Als er im Alter von 84 Jahren stirbt, sind seine letzten Worte Endlich werde ich Marilyn wiedersehen. Wir haben euch zu Beginn ja schon erzählt, dass Ricardia die private Marilyn-Expertin schlechthin ist. Ricardia, wie geht es dir jetzt nach der Folge? Was sind so deine Gedanken, nachdem du die Geschichte jetzt auch nochmal so komprimiert gehört hast? Also das Erste, was ich dachte, ist, ich muss bis 2039 durchhalten. Ja, noch für zehn Jahre. dass ich endlich die Wahrheit erfahre. Aber man muss sagen, ich glaube, wenn man so lange vor der Kamera gearbeitet hat wie ich und weiß, wie das ist, dann kann man gar nicht anders. Man muss sich in gewisser Weise mit ihr identifizieren, weil du merkst, sie ist nur von Männern und diesem männlichen Blick, dem Male Gaze, umzingelt. Und da hat sich ja leider, muss man sagen, ich habe vor zehn Jahren aufgehört, da hat sich nicht viel geändert. Den Male Gaze gibt es und er bestimmt immer noch, wie Frauen im Kino auftauchen. Und insofern ist es für mich aktueller denn je. Wie ist es denn für dich? Ja, also wie gesagt, ich dachte ja, dass sie sich durch Suizid selbst das Leben genommen hat. Und ich glaube, wir haben heute sehr, sehr viele Argumente gehört, die dagegen sprechen. Also es gibt so viele Ungereimtheiten, die bei mir als, ich nenne mich jetzt mal True-Crime-Expertin, sofort alle Alarmglocken angehen lassen. Also allein, dass Aussagen geändert werden, sich Uhrzeiten verändern.
Es ist ein kleines Detail, aber das ist sehr präsent geblieben. Dass die Haushälterin als allererstes die Bettlacken wäscht, bevor die Polizei kommt. Warum solltest du das tun? Das ist doch so merkwürdig. Du bist doch vielleicht erst mal unter Schock, dass deine Arbeitgeberin, die Marilyn Monroe ist.
Anscheinend tot in ihrem Bett liegt. Wäschst du doch nicht als erstes die Bettlaken. Das ist ein kleines Detail, aber das hinterlässt in mir so viel Zweifel, dass ich mir denke, ne, da ist irgendwie Dreck am Stecken. Das finde ich super, dass du es sagst, weil ich da sofort gedacht habe, mein Gott, diese 1950er Jahre, die haben alle einen Putz für mich. Die machen ihre Arbeit als erstes. Die sind alle Hausfrauen oder ganz viele noch. Und das war total wichtig, dass man besonders gut war in dem Job Hausfrau. Deswegen dachte ich, aber du hast recht als True-Crime-Expertin. Das wird es wahrscheinlich gewesen oder könnte es gewesen sein. Und unser Titel im Schatten der Macht passt ja hier auch wieder total gut, dass wir so krass erfolgreiche Männer haben. Ich meine, wir haben den Präsidenten der USA zu der Zeit, wenn rausgekommen wäre, dass der wirklich eine Affäre mit Marilyn gehabt hätte, das wäre so schädigend für seine Karriere gewesen und für seine Familie. Also der hätte die größte Angst haben müssen, dass da irgendwie was ans Licht kommt. Und wenn sie auch noch was mit seinem Bruder hatte oder auch nur mit dem Bruder, der war ja immer ein Finanzminister.
Dann glaube ich, wird schon deutlich, dass das Thema Macht, Machtmissbrauch, Angst vor Machtgefälle oder Machtverlust hier eine sehr große Rolle gespielt hat, was auch immer wirklich passiert ist. Und das, obwohl sie, was ja in vielen Fällen nicht der Fall ist, selber eine sehr mächtige Frau war. Ja, total. Wenn man erkannt hätte, dass Frauen auch Macht haben können. Aber du konntest ja erreichen, was du wolltest damals. Du warst einfach nicht eine Machtfigur. Nicht mächtig genug. Ja, nicht mächtig genug. Also ihr merkt schon, Anne und ich könnten wahrscheinlich noch stundenlang darüber weiterreden. Das tun wir auch oft. Insofern, wir freuen uns jetzt über eure Kommentare. Was denkt ihr? Welche Reaktion habt ihr? Ist euch Marilyn eigentlich noch ein Begriff? Vielleicht ist es ja auch nur so ein Mensch, den man nur peripher wahrnimmt. Also schreibt es uns, schreibt es uns in die Kommentare oder auf YouTube und die spannendsten Theorien würden wir gerne das nächste Mal vorlesen. Und wir freuen uns natürlich auch immer über eine positive Bewertung, wenn euch das hier gefällt, was wir tun. Und dann würde ich sagen, hören wir uns nächsten Donnerstag wieder mit einer neuen spannenden Geschichte. Auf jeden Fall bleibt safe da draußen. Eure Ricardia und Anne.
Danke an unser Team von Open Minds Media. Executive Producer Rüdiger Barth. Autor Thorsten Kolle Konzeption Peter Greve, Rüdiger Barth und Manfred Neumann Producer Ricardia Bremley Den Schnitt machte Lilli Johannsen Zusätzliche Unterstützung von Falko Schulte.