Music.
Hi und herzlich willkommen bei Im Schatten der Macht. Ich bin Riccardia Bramley. Und ich bin Anne Luckmann. Wir sind wieder da und haben euch einen ziemlich glamourösen, ich will eigentlich sagen luxuriösen Fall mitgebracht. Heute wird es ja so eine Art Paradebeispiel für die Verstrickungen von Geld und Politik. Und nein, es geht ausnahmsweise mal nicht um Elon Musk oder Donald Trump. In unserem heutigen Fall sprechen wir über einen super vernetzten Milliardär, der sich scheinbar mit seinem Geld alles kaufen kann und offenbar auch viele Feinde hat. Neben unfassbar teuren Luxusimmobilien sind das die besten Kontakte in die Politik. Zu seinen engsten Freunden zählen beispielsweise die Politiker-Legenden Henry Kissinger, der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und die langjährige Premierministerin Margaret Thatcher.
Geld und Politik bilden ja oft eine unheilige Allianz. Das kann man aktuell bestens an meinem Land sehen, an den USA. Schamlos wird sich gegenseitig auf die Schultern geklopft, einfach nur fürs Reichsein, wie es scheint. Bei Edmund Safra, so der Name unseres heutigen Protagonisten, ist die Sache zwar nicht ganz so offensichtlich, aber sein Vermögen von rund 5,5 Milliarden Dollar dürfte ihm die eine oder andere Tür geöffnet haben. Natürlich auch in die Politik. Ja, das ist so unfassbar viel Geld. Das kann ich mir gar nicht vorstellen, wie viel es ist. Ja, wie einige sehr vermögende Menschen, die den Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern suchen, möchte sich auch Edmund Safra Vorteile für sein Business verschaffen. Welche genau? Das ist natürlich streng geheim. Wahrscheinlich dürfte es um Regulierung gehen, denn Edmund Safra betreibt mehrere Banken.
Der Journalist Dominic Dunn beschreibt ihn folgendermaßen. Sein Reichtum umgab ihn wie eine Aura. Edmond Safra war ein würdevoller, kahlköpfiger Mann von stämmiger Statur und mittlerer Größe, der sich bei Finanzkonferenzen mit den Leaders der Welt wohler fühlte als bei gesellschaftlichen Anlässen. Ja, der ist kein Partylöwe, sondern er sitzt lieber mit den wichtigsten Menschen an einem Tisch und diskutiert mit ihnen dann auf Augenhöhe. Das gefällt natürlich nicht allen, vor allem seine Konkurrenten, die fühlen sich benachteiligt. Kein Wunder, denn Edmund Safra, der kann knallhart sein. Ein enger Freund sagt über ihn, dass er kein Unschuldsengel gewesen sein soll, was seine Konkurrenten betrifft. Er setzt durchaus auch mal hart seine Ellenbogen ein, um sich Vorteile zu verschaffen. Und so macht er sich im Laufe der Jahrzehnte viele und vor allem mächtige Feinde. American Express versucht beispielsweise, seinen guten Ruf zu vernichten und die russische Mafia, die soll auch hinter ihm her gewesen sein. Und dann, am 3. Dezember 1999, stirbt Edmund Safra im Alter von 67 Jahren ganz plötzlich und unter mysteriösen Umständen.
Wenn so viel Macht und Geld im Spiel ist, liegt der Verdacht natürlich nah, dass sein Tod nicht zufällig geschah, sondern möglicherweise jemandem nachgeholfen hat. Denn die Liste derjenigen, die sich über ein Ableben des 67-Jährigen freuen würden, ist lang. Wem wurde er im Laufe der Jahre zu mächtig und einflussreich und musste deshalb aus dem Weg geräumt werden? Ja, das sind sehr gute Fragen, die wir heute versuchen wollen zu klären hier in dieser Folge. Das heißt, wir starten die Erzählung des Falls daher jetzt mit dem plötzlichen Tod des Bankers. Am 3. Dezember 1999 trainiert Ted Maher gegen 4.30 Uhr im Fitnessstudio der Wohnung seines Bosses. Er macht das Training, um wach zu bleiben, es ist ja mitten in der Nacht, denn würde er einschlafen, dann wäre er sofort sein Job los. Denn Ted Maher ist einer von acht Pflegekräften, die sich in mehreren Schichten, also 24 Stunden am Tag, um Edmund Safra kümmern. Der Multimilliardär leidet nämlich seit einiger Zeit an Parkinson und muss starke Medikamente gegen die Krankheit nehmen.
Edmund Safra hält sich Anfang Dezember 1999 in seiner 800 Quadratmeter großen Mesonet-Wohnung in Monte Carlo auf. Das Penthouse in Monte Carlo ist nicht nur riesig, sondern auch unglaublich wertvoll. Im Jahr 2010 wird es für 240 Millionen Euro verkauft. Trotz seiner Erkrankung pendelt er zwischen seinen offiziellen Wohnsitzen in New York City, Monaco, Genf und der Villa Leopolda, die an der französischen Riviera liegt. Außerdem gehören ihm weitere Luxusimmobilien in London, Paris, den USA und Brasilien. Er besitzt die Staatsbürgerschaften von Brasilien, des Libanon und zudem noch ist er Monegasse, also Bürger von Monaco.
Ja, aber lasst uns jetzt nochmal zurück zum Pfleger Ted Meyer gehen. Der will natürlich auf gar keinen Fall seinen Job verlieren, ist ja klar, denn Edmund Safar bezahlt seinen Angestellten überdurchschnittlich viel Lohn. Ted Mayer verdient pro Jahr, Achtung, 200.000 Dollar. Heute wären das inflationsbereinigt um die 354.000 Euro, nur mal so zum Vergleich. Also wirklich unfassbar viel Geld für einen Krankenpfleger. Ted Mayer verdient mindestens siebenmal so viel wie eine erfahrene Pflegekraft mit jahrzehntelanger Berufserfahrung hier bei uns in Deutschland. Doch offenbar wird der Job so gut bezahlt, weil er auch Risiken birgt. Als Ted Maher gegen 4.30 Uhr gerade eine 10-Kilo-Hantel in die Luft stemmt, wird er plötzlich von Männern angegriffen. Beide sind maskiert. Während der eine ihn niederschlägt, sticht der andere auf ihn ein. Der Krankenpfleger wird durch drei Stiche an seinem Bein, seiner Seite und am Bauch verletzt. Durch den Angriff wird er ohnmächtig. Aber er kommt wieder zu sich. Als er aufwacht, sind die Täter aber nicht mehr zu sehen.
Ted Mayer fragt sich, ob die beiden Angreifer geflohen sind oder ob sie sich noch irgendwo in der riesigen zweistöckigen Wohnung befinden. Ja, schwer verletzt schleppt sich der Pfleger jetzt zum Schlafzimmer von Edmund Safra. Das liegt direkt neben dem Fitnessstudio. Ted Mayer befürchtet das Schlimmste. Vielleicht wurde sein Boss ja entführt oder, noch schlimmer, sogar ermordet. Aber glücklicherweise schläft Edmund Sufferer tief und fest in seinem Bett. Neben ihm sitzt eine Kollegin von Ted Mayer aus dem Pflegeteam namens Vivian Torrente. Die hat von dem Angriff nichts mitbekommen und ist total geschockt, als sie plötzlich ihren blutenden Kollegen in der Tür stehen sieht. Trotz seiner Verletzungen behält Ted Mayer einen kühlen Kopf. Bevor er ein hochbezahlter Krankenpfleger wird, diente er bei der First Special Forces Command, einer Spezialeinheit der US Army. Ted Mayer weist seine Kollegin an, mit Edmund Safra sofort ins Badezimmer nebenan zu fliehen und abzuschließen. Das Badezimmer ist kein gewöhnlicher Raum im Penthouse, sondern ein mit einer massiven Stahltür gesicherter Panic Room. Niemand kann ihn von außen ohne weiteres öffnen, außer man hat einen Spezialschlüssel.
Vivian Torrente weckt also ihren Chef und verbarrikadiert sich mit Edmund Safra im Panic Room. In der Zwischenzeit zündet Ted Mayher mit einer brennenden Duftkerze mehrere Taschentücher an und wirft die in einen Mülleimer, den er direkt unter einen Rauchmelder platziert. Eigentlich voll clever, denn der Pfleger möchte damit einen Feueralarm auslösen und so schnell Hilfe holen. Dann schleppt er sich aus der Wohnung. Als der Angriff geschieht und Edmund Safra sich mit Pflegerin Vivian Torrente anschließend im Panic Room verschanzt, befinden sich noch Edmund Safras Ehefrau Lilly sowie weitere Pflegekräfte und Angestellte in der Wohnung. Die bekommen aber von all dem nichts mit, weil sie zu diesem Zeitpunkt im unteren Stockwerk des Penthauses schlafen.
Tettmeyer erreicht schließlich die Lobby und erklärt dort dem Portier, was vorgefallen ist. Der ruft ihm sofort einen Krankenwagen, der kurz darauf am Gebäude eintrifft und ihn ins nächste Krankenhaus fährt. Die Polizei dagegen ist nicht so schnell. Sie trifft erst nach über einer Stunde am Tatort ein. Dabei ist Monte Carlo mit seinen 15.000 Einwohnern ja nicht gerade riesig. Ich habe irgendwo gelesen, das sind irgendwie zweimal zwei Kilometer. Oh wow, das ist wirklich nicht viel. Nee, wirklich nicht. Dafür ist ein mehrfacher Milliardär ein potenzielles Anschlagsziel.
Normalerweise sollten die Einsatzkräfte deutlich zügiger vor Ort sein. Später wird sich herausstellen, dass die Ermittler nach einer Reihe von Missverständnissen wertvolle Zeit verloren haben. Ja, oder vielleicht wurden die Einsatzkräfte ja auch bewusst in die Irre geführt. Denn noch etwas ist eigenartig in dieser Nacht. Normalerweise bewachen nämlich elf Securities Edmund Safra und seine Familie. Und ausgerechnet an diesem 3. Dezember 1999 haben sie frei. Also alle gleichzeitig. Also das kann ja eigentlich kein Zufall sein. Und im oberen Stockwerk des Penthouses wird es dann ziemlich dramatisch. Denn mittlerweile steht das gesamte Dach lichterloh in Flammen. Edmund Safra und seine Pflegerin Vivian Torrente sind dort aber immer noch im Badezimmer bzw. Dem Panic Room gefangen. Die Feuerwehr kämpft sich bis zum Badezimmer durch, doch sie bekommen die massive Stahltür nicht auf. Obwohl die Feuerwehrmänner gleich mehrmals mit Edmund Safra und Vivian Torrente telefonieren, weigert sich der Milliardär, diese Tür des Panic Rooms zu öffnen. Edmund Safra glaubt nämlich, dass die Feuerwehrleute in Wirklichkeit Mörder sind. Und wenn er die Tür jetzt entriegelt, dann werden sie ihn nicht retten, sondern sofort töten.
Es müssen dramatische Minuten gewesen sein. Dabei ließe sich die Tür ohne weiteres von außen öffnen, wenn man eben den Spezialschlüssel zum Panic Room hat. Den hat Edmund Safras Sicherheitschef Samuel Cohen. Und der befindet sich zu dem Zeitpunkt mit seinem schwer bewaffneten, zehnköpfigen Team in der Villa Leopolda, die ebenfalls Edmund Safra gehört.
Die Villa Leopolda, die mit Einrichtung im Jahr 2008 für knapp 390 Millionen Euro verkauft wird, liegt nur 20 Minuten Autofahrt von Monte Carlo entfernt. Als Sicherheitschef Samuel Cohn schließlich am Penthouse eintrifft, sind bereits drei Stunden seit dem Notruf vergangen. Da fragt man sich natürlich, warum haben die so lange gebraucht? Als der Sicherheitschef den Panic Room dann endlich öffnen kann, ist es aber leider zu spät. Edmund Safra und Vivian Charente haben zwar nasse Handtücher vor die Tür gelegt, aber die Rauchentwicklung, die ist einfach zu stark gewesen. Der Milliardär und seine Pflegerin sind in dem Schutzraum erstickt. Beide sind tot.
Okay, war es also ein tragisches Unglück? Eventuell verstärkt durch starke Medikamente, die Edmund Safra wegen seiner Parkinson-Erkrankung einnehmen musste und ihn seit einiger Zeit teilweise paranoid haben werden lassen. Unmittelbar nachdem die Leichen geborgen sind, beginnt die Suche nach einem Schuldigen. Obwohl es bei der Polizei mehrere Pannen gab und sie deshalb erst eine Stunde nach dem Notruf am Penthouse eintrifft, will sie keinen Fehler eingestehen. Stattdessen wird Sicherheitschef Samuel Cohn verhaftet. In den Augen der Ermittler hätte er nämlich vor Ort sein müssen. Sie vermuten, dass es nur einen Grund für seine Abwesenheit geben kann. Der Sicherheitschef muss irgendwas mit dem Tod von Edmund Safra zu tun haben. Ja, und diese Vermutung ist nicht unbegründet. Normalerweise sind der Sicherheitschef und seine zehn Mitarbeiter immer in unmittelbarer Nähe ihres Chefs. Und die Securities sind keine normalen Nachtwächter, sondern bestens geschulte Kämpfer, die mit Maschinengewehren bewaffnet sind. Es sind nämlich ehemalige Eliteagenten des israelischen Geheimdienstes Mossad. Der israelische Journalist Boaz Bismuth erklärt gegenüber der NBC.
Das sind die besten Sicherheitskräfte, die man haben kann. Edmund Safra konnte es sich leisten, die besten zu nehmen. Also heuerte er die besten an. Und genau die besten Securities sind in dieser Nacht aber nicht vor Ort. Angeblich, weil Monaco einer der sichersten Orte der Welt ist und Edmund Safra sein Penthouse mit allen möglichen Sicherheitsvorkehrungen hat ausbauen lassen. Fenster und Rollläden sind kugelsicher, die Türen aus Stahl. Doch in der Vergangenheit waren die bewaffneten Sicherheitsleute immer im Penthouse, wenn Edmund Safra dort seine Zeit verbracht hat.
Angeblich soll Frau Lilly darauf gedrängt haben, dass die Securities die Nacht in der 16 Kilometer entfernten Villa Leopolda verbringen, weil es sie stört, dass permanent schwer bewaffnete Männer um sie herum sind. Ja, das wirkt alles recht mysteriös, oder? Wir haben hier einen mächtigen Milliardär, der gemeinsam mit seiner Krankenpflegerin an einer Rauchvergiftung stirbt. Genau an dem Abend, an dem ausgerechnet niemand von seinem Sicherheitsteam vor Ort ist. Eigenartig ist aber auch, dass ein paar brennende Taschentücher in einem Mülleimer innerhalb nur kürzester Zeit den kompletten Dachstuhl in Brand gesetzt haben sollen. Und was ist eigentlich mit den beiden Angreifern, die den Krankenpfleger Ted Mayer schwer verletzt haben? Ja, und das beschäftigt auch die Polizei. Als erstes werten die Ermittler die zahlreichen Überwachungskameras im Penthouse und im und am Gebäude aus. Rund um den wunderschönen Geschäftspalast namens Belle Epoque, in dem sich oben das Penthouse und unten eine große Bank befindet, können keine Verdächtigen entdeckt werden. Niemand betritt oder verlässt in der Nacht das Gebäude.
Als die Ermittler sich aber die Kameras des Penthauses ansehen wollen, da sind sie ziemlich überrascht. Denn ausgerechnet in dieser Nacht, und dieses Spiel kennen wir schon, soll die Sicherheitsanlage defekt gewesen sein. Also schon wieder ein echt eigenartiger Zufall. Zum einen wurde die Überwachungsanlage erst vor wenigen Monaten installiert und zum anderen fehlen nur die Aufnahmen aus der oberen Etage. Also genau von dem Bereich, in dem der Pfleger Ted Mayer angegriffen wurde und wo Edmund Safra und Vivian Torrenti sterben.
Also wenn so viele Zufälle gleichzeitig passieren, dann sind das oft keine Zufälle mehr. Auch in diesem Fall wird natürlich wild spekuliert. Die am meisten verbreitete Theorie, was hier eigentlich genau passiert ist, die besagt, dass die russische Mafia hinter der ganzen Aktion steckt. Denn Edmund Zaffer hat in den letzten zwei Jahren eng mit dem FBI zusammengearbeitet, um Geldwäsche von russischen Kriminellen aufzudecken.
In der Folge werden hunderte Millionen Dollar beschlagnahmt, was die Mafia nicht erfreut haben dürfte. Es stellt sich also die Frage, ob vielleicht die Mafia den Banker aus dem Weg geräumt haben sollte. Ja, dann wäre es aber ein Akt der Rache gewesen. Denn die Mafia bekommt ihr Geld ja nicht automatisch zurück, wenn Edmund Zaffer tot ist. Das stimmt. Eine andere Theorie vermutet, dass der Milliardär einem Anschlag von palästinensischen Terroristen zum Opfer fiel. Edmund Safra ist Jude und ein großer Wohltäter. Er spendet Millionen Dollar, um Synagogen in der ganzen Welt zu errichten und zu renovieren. Damit ist er ein Feindbild für palästinensische Terroristen. Ja, doch möglicherweise steckt auch ein privater Hintergrund hinter der Attacke und dem Feuer. Denn er ist mit seinen beiden Brüdern zerstritten, weil er wenige Monate zuvor sein Testament geändert hat. Und darin enterbt er seine Brüder. Und dabei geht es natürlich hier um wahnsinnig viel Geld. Denn Edmund Safra hat ein Vermögen von mehr als 5,5 Milliarden Dollar. Nach heutigem Wert wären das unvorstellbare 10 Milliarden Euro. Und Geld ist ja leider oft Antreiber für große Familienstreits. Aber auch für Mord?
Rache, Feindbild, Geld. Es gibt also sehr gute Motive, um Edmund Safra aus dem Weg räumen zu wollen. Wurde er irgendwem mit seinem ganzen Geld und seinen exzellenten Verbindungen zu mächtig? War es vielleicht sogar seine jüdische Herkunft? Bevor wir uns die weiteren Ermittlungen ansehen, werfen wir erstmal einen Blick auf das beeindruckende Leben des Multimilliardärs. Edmund Safra wird am 6. August 1932 in Alay im Libanon geboren. Der Ort liegt rund 20 Kilometer von der libanesischen Hauptstadt Beirut entfernt. Edmund hat insgesamt acht Geschwister und die Safras sind eine wohlhabende Familie, die seit vielen Jahrzehnten viel Geld als Händler verdienen. Zudem eröffnet sein Vater Jakob im Jahr 1920 eine Bank in Beirut, die Jakob E. Safra Bank.
Der junge Edmund arbeitet schon seit seinem 16. Lebensjahr hier in dieser Bank seines Vaters mit und sein Spezialgebiet dabei ist der Edelmetall- und die Wiesenhandel. Sein Vater erkennt schnell, dass Edmund eine Begabung für Finanzgeschäfte hat. Als er eine Handelsgesellschaft in Mailand eröffnet, soll der Sohn dort sein Geschick beweisen. Und das macht Edmund, der zu dem Zeitpunkt immer noch ein Teenager ist. Innerhalb nur weniger Monate erzielt er einen Gewinn von 40 Millionen Dollar. Heute wären das 500 Millionen Euro. Im Jahr 1952 zieht die ganze Familie dann nach Brasilien. Dort gründet er, mit nur 23 Jahren zusammen mit seinem Vater, die Banco Safra in Sao Paulo. Nach acht Jahren Arbeit für seinen Vater will Edmund aber mal sein eigenes Ding machen. Als er 24 Jahre alt ist, da eröffnet er die Trade Development Bank in Genf in der Schweiz. Er kommt also schon in seinen jungen Jahren gut rum, wie ihr schon gehört habt. Die Banco Safra in Sao Paulo, die ihm immer noch teilweise gehört, die leiten jetzt seine beiden jüngeren Brüder Joseph und Moshe. Eben diese beiden Brüder streicht er kurz vor seinem Tod aus seinem Testament.
Edmund Safra ist ein absoluter Macher und ein leidenschaftlicher Unternehmer. Nachdem er in Sao Paulo und Genf Banken gegründet hat, eröffnet er dann noch im Jahr 1966 die Republic National Bank of New York. Mit nur 34 Jahren hat er also drei Geldhäuser in Brasilien, der Schweiz und den USA etabliert. Und dabei ist er mehr als erfolgreich. In New York besitzt die Republic National Bank nach kurzer Zeit schon 80 Filialen. Damit ist sie nach der Citibank und der Chase Manhattan Bank das drittgrößte Geldhaus der Millionenmetropole. Und sein Erfolg hat auch mit, sagen wir mal, ungewöhnlichen Marketingmaßnahmen zu tun, die er entwickelt. Er beschenkt nämlich Neukunden mit Fernsehern oder Kühlschränken. Ja, richtig gehört. Sowas hat es in der US-Bankenwelt zuvor auch noch nicht gegeben. Okay, ich habe definitiv die falsche Bank und die auch zur falschen Zeit. Okay. Und so geht das weiter. Die von ihm gegründete Holding-Gesellschaft Republic New York Corporation spezialisiert sich auf die Vermögensverwaltung von Millionären und Milliardären.
Mit 37 Jahren findet der Workaholic Edmund im Jahr 1969 dann auch endlich sein privates Glück. Der Banker lernt nämlich die Witwe Lily Monteverde kennen und lieben. Edmund war der Vermögensverwalter ihres verstorbenen Ehemanns Freddy. Bei Lily gibt es also nicht das Problem, dass sie nur hinter Edmunds Geldherr ist. Denn sie ist selbst schwer reich. Von ihrem verstorbenen Mann Freddy erbt sie eine Kette von Elektronikgeschäften in Brasilien, die einen Wert von 230 Millionen Dollar hat. Also ihr merkt schon, wir bewegen uns hier in den, ja, sehr oberen Bereichen, was Geld angeht. Das wären heute übrigens 1,8 Milliarden Euro. Im Jahr 1976 heiraten die beiden dann. Und Lilly bringt drei leibliche Kinder und einen Adoptivsohn mit in die Ehe. Gemeinsame Kinder bleiben den Zafros leider verwehrt. Mal ein bisschen Gossip am Rande. Die hatten einen Gütertrennungsvertrag, die beiden. Und der war 600 Seiten. Wow, okay. Naja, es gibt viel zu regeln bei viel Geld. Ja, more money, more problems. Die Safras führen ein fettes Jet Set-Leben. Die Familie pendelt zwischen ihren verschiedenen Wohnsitzen auf der ganzen Welt hin und her.
Sämtliche Immobilien, in denen sie regelrecht residieren, sind äußerst exklusiv. Sie geben ihr Geld aber nicht nur für ihr privates Vergnügen aus, sondern sorgen auch dafür, dass es ihren Freunden gut geht. Wenn die Safras Besuch in London bekommen, dann stellen sie ihren Gästen einen grünen Rolls-Royce mit Chauffeur rund um die Uhr zur Verfügung. Die Gästehandtücher im Badezimmer, jetzt haltet euch fest, werden mit den jeweiligen Initialen des Gastes bestickt. In New York mieten sie neben ihrer riesigen Wohnung in einem der schönsten Gebäude an der Fifth Avenue ein luxuriöses Zimmer im Pierre Hotel für Gäste an.
In dem exquisit dekorierten Zimmer steht das ganze Jahr über Personal zur Verfügung, das sich ausschließlich um die Gäste der Safras kümmert, obwohl diese selbst nur wenige Wochen im Jahr vor Ort sind. Ja, da würde man selbst gerne mal zu Gast sein, oder? Wir brauchen neue Freunde. Ja, aber wir kommen später noch zu einer anderen Seite, die die Freunde da auch miterlebt haben. Bei den Safras gibt es aber nicht nur luxuriöse Unterkünfte. Denn einmal schenkt Lilly Safra all ihren Freundinnen und jetzt geht der Spaß weiter High Heels des Top-Schu-Designers Manolo Blanik. Dafür erkundigt sich ihre Privatsekretärin vorher ganz unauffällig nach den Schuhgrößen der Freundinnen. Edmund Safra ist aber nach wie vor in erster Linie Geschäftsmann und kein reiner Jet-Setter, der sein Luxusleben genießt. Er investiert geschickt und trennt sich auch von Beteiligungen, ohne dabei sentimental zu sein. Im Jahr 1983 verkauft er beispielsweise seine Trade Development Bank, die er 1956 in Genf gegründet hatte.
American Express zahlt ihm dafür 550 Millionen Dollar. Heute entspreche das mehr als 1,6 Milliarden Euro. Die Safra's haben also alles, was man sich für Geld kaufen kann. Im Jahr 1987 setzen sie dennoch nochmal einen drauf, denn sie kaufen sich die bereits erwähnte Villa Leopolda, in der am 3. Dezember 1999 dann Edmunds Sicherheitsteam untergebracht ist. Die große freistehende Villa in Villefranche-sur-Mer an der französischen Riviera ist ein Landsitz der Superlative. Das auf einem Hügel gelegene gigantische Anwesen ist 73.000 Quadratmeter groß und verfügt neben wunderschönen Gärten und einem riesigen Pool auch über einen Hubschrauber-Landeplatz, klar, und einen großen unterirdischen Wohnbunker, falls die Villa mal aus der Luft angegriffen werden sollte.
Die Villa Leopolda ist offenbar nicht nur sicher, sie ist auch ein ziemlich geschichtsträchtiges Gebäude. Ursprünglich wurde sie für den belgischen König Leopold II. Gebaut. Später lebt er hier, unter anderem auch der damalige Ford- und Ferrari-Boss Gianni Agnelli. Die Inneneinrichtung ist auch historisch. Lilly sammelt leidenschaftlich teure französische Möbel aus dem 18. Jahrhundert. Allein die Möbel haben einen Wert von 20 Millionen Dollar. An Geld mangelt es den Suffress also offensichtlich wirklich nicht. Daher lassen sie die Villa Leopolder nach dem Kauf auch erstmal aufwendig renovieren und umbauen. Nach einem Jahr geben die Suffress dann eine offizielle Eröffnungsparty und dabei stauen sich unzählige Rolls-Royce und Stretchlimousinen kilometerweit vor der Villa. Es sind natürlich extrem einflussreiche, mächtige und wohlhabende Gäste, die überwiegend aus dem Adel, der Hochfinanz und der Politik stammen.
Und die Elite? Die lässt natürlich nicht lange auf sich bitten, denn jeder will bei der It-Party des Jahres mit dabei sein. Der Autor John Fairchild beschreibt die Party anschließend als, ich zitiere, das Nonplusultra des auffälligen Konsums. Natürlich lassen sich die Safras nicht lumpen. Tausende Tulpen werden extra aus Holland geliefert. Das Essen wird vom berühmten Spitzenkoch Roger Verger zubereitet, der als einer der besten Köche aller Zeiten gilt. Auch der Lieblingsmusiker der Safras, der brasilianische Bandleader Sergio Mendes, wird mit seinem gesamten Orchester eingeflogen. Genauso wie der Pianist David Wood, den die Safras mit seinem Quartett aus Großbritannien anreisen lassen. Nichts ist zu teuer für diesen Anlass. Doch so langsam ziehen die ersten dunklen Wolken über Edmund Safra auf. Während die aufwendige Eröffnungsparty geplant wird, wirft American Express dem Banker vor, dass er nach dem Verkauf der Trade Development Bank angeblich einer vereinbarten Konkurrenzklausel zuwider gehandelt haben soll. Denn kurz nach dem Verkauf gründet Edmund die Safra Republic Holding SA. Diese Firma sieht American Express als Konkurrenz an. American Express setzt sogar Privatdetektive auf Edmund an, die ihm den Vertragsbruch nachweisen sollen. Das Ziel ist klar. American Express will einiges vom Kaufpreis über 550 Millionen Dollar zurückhaben.
Doch auch die privaten Ermittler können keine Beweise finden, die belegen, dass Edmund Safra gegen die Klausel verstoßen hat.
Das Management von American Express muss wirklich schwer frustriert gewesen sein. Anders lässt sich nicht erklären, was jetzt passiert. Das Kreditkartenunternehmen startet nämlich eine Schmutzkampagne gegen Edmund Safra.
Es wird öffentlich behauptet, dass er Diktatoren unterstützt und für kolumbianische Drogenkartelle Geldwäsche betreibt. Edmund Safras Ruf soll auf diese Weise beschädigt werden, sodass niemand mehr mit ihm Geschäfte machen will und ihm im besten Fall sogar die Lizenzen für seine Banken entzogen werden. Fast gönnt man es ihm schon. American Express hat allerdings den Einfluss auf Edmund Safra unterschätzt. Die Kreditkarten-Company hat sich mit dem Falschen angelegt. Denn der Milliardär zieht vor Gericht und dürfte im Hintergrund bei seinen mächtigen Freunden ein paar Gefallen eingefordert haben. Denn das Gericht stellt zwar fest, dass über seine Banken gut getarnte Gelder von Drogenkartellen geschleust und gewaschen werden, doch Edmund soll nichts von diesen illegalen Geschäften seiner eigenen Banken gewusst haben. Als Folge des Urteils muss sich American Express öffentlich bei Edmunds dafür entschuldigen und zudem noch 8 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke spenden. Es ist ein Sieg auf ganzer Linie für den Multimilliardär. Dennoch, sein Ruf ist ein bisschen ramponiert. Medien aus aller Welt greifen immer wieder die Geschichte der Drogenkartelle auf, die über seine Banken ihr Geld gewaschen haben. Ein Motiv ergibt sich für die Ermittler aus dieser Story mit den Drogenkartellen aber nicht. Diese Fälle liegen außerdem Jahre zurück und Edmund Safar beteiligt sich ja nicht aktiv an der Geldwäsche.
Vielversprechender in Sachen Motiv ist die Firma Hermitage Capital Management. Das Unternehmen wird im Jahr 1996, also drei Jahre vor dem tödlichen Feuer, von Edmund Safra und seinem Investorenkollegen Bill Browder gegründet. Hermitage Capital Management ist vor allem in Russland sehr aktiv und investiert dort Milliarden. Für Edmund Safra ist Russland ein höchst spannender neuer Markt, nachdem die Sowjetunion Ende 1991 in 15 unabhängige Staaten zerfällt. Zu dieser Zeit ist die Lage in den einzelnen ehemaligen Teilrepubliken völlig ungeordnet und unübersichtlich.
In Russland bilden sich innerhalb kürzester Zeit sehr mächtige und ultrareiche Oligarchen, die bis heute eine extreme Nähe zum Kreml haben. Diese Oligarchen reißen sich mit Billigung der höchsten politischen Führung die wertvollsten Teile der russischen Wirtschaft unter den Nagel, wie Energieversorger und riesige Gas- und Ölfelder. Dabei werden Milliardenbeträge bewegt und verschoben und mittendrin ist die Hermitage Capital Management. Manche dieser Oligarchen haben auch eigene Verbindungen zur russischen Mafia. Und auch die nutzt die Hermitage Capital Management für ihre Zwecke, um Geld zu waschen und ins Ausland zu verschieben. Ja, und als die Hermitage Capital Management 1996 gegründet wird, ist Edmund Safar bereits 64 Jahre alt. Seine Gesundheit macht ihm schon zu schaffen, weil sich seine Parkinson-Erkrankung langsam, aber stetig verschlimmert. Zudem ist er Multimilliardär, das heißt finanzielle Sorgen muss er sich schon mal keine machen. In dieser Situation hat er überhaupt gar kein Interesse daran, dass er in irgendwelche illegalen Geschäfte hineingezogen wird. Im Hinterkopf dürfte wohl auch noch die Schmutzkampagne von American Express gewesen sein, die ihm ja Geldwäsche für Drogenkartelle unterstellt hat. Auf alle Fälle bemerkt er Anfang 1998, also knapp zwei Jahre vor seinem Tod, Verdächtige Kontobewegungen bei der Hermitage Capital Management. Edmund meldet seinem Geldwäscheverdacht umgehend dem FBI.
In den nächsten knapp zwei Jahren bis zu seinem Tod arbeitet er intensiv mit der US-Behörde zusammen. Dadurch werden hunderte Millionen Dollar an verdächtigen Zahlungen eingefroren und beschlagnahmt. Das erfreut die Beteiligten also mutmaßlich die russische Mafia überhaupt nicht. Steckt also in Wahrheit die russische Mafia hinter dem Anschlag auf Edmund Safra? Ja, das ist völlig unklar. Sein Pfleger Ted Mayer sagt den Ermittlern im Krankenhaus, dass die beiden, die ihn angegriffen haben, keinen osteuropäischen Akzent hatten, sondern eher einen südländischen. Aber das muss ja nichts heißen. Auch die Russenmafia ist ja weltweit gut vernetzt. Das weiß auch Safra. Seit er mit dem FBI intensiv zusammenarbeitet, fürchtet er extrem um sein Leben und das seiner Familie. Er gibt jedes Jahr Millionen für die Sicherheit seiner Frau, ihrer Kinder und Enkelkinder aus.
In jedem seiner vielen Wohnsitze lebt die Familie praktisch umgeben von einer Privatarmee. Teilweise nimmt das Ganze schon groteske Züge an. Wenn ihn jemand beispielsweise in der Villa Leopolder besuchen kommt, und das sind wie gesagt sehr reiche und mächtige Menschen, werden die Besucher von mit Maschinengewehren bewaffneten Sicherheitsleuten aufgehalten. Die Gäste müssen dann aus ihren Fahrzeugen aussteigen, werden auf Waffen durchsucht und anschließend zur Villa eskortiert. Das Szenario sieht einfach 1A aus wie ein typischer Gangster-Film. Ja, und das ist die Schattenseite, die wir vorhin angesprochen haben. Also neben dem Luxus, die Freunde da genießen konnten mit eigenen Angestellten und so, ist der Teil jetzt natürlich nicht ganz so toll. Bislang ergibt sich aus der Spur zu Russenmafia das beste Motiv. Aber wir hatten ja eingangs schon erwähnt, dass auch seine beiden Brüder, die die Bank in Brasilien leiten, nicht so gut auf ihn zu sprechen waren. Denn Edmund streicht sie ja aus seinem Testament. Dabei hatten die beiden Brüder gehofft, dass sie seine Anteile, der Bank in Brasilien, nach seinem Tod erhalten würden. Hier geht's also neben viel Geld auch um verletzte familiäre Gefühle.
Doch ergibt sich daraus wirklich ein Motiv? Die Brüder wussten ja, dass er sein Testament geändert hatte. Daraus hat Edmund kein Hehl gemacht. Und solange Edmund lebt, dürfen sie die Bank weiterführen. Wenn sie ihn also aus dem Weg räumen lassen, wären sie auch ihre gut dotierten Jobs als Bankmanager los. Das Testament ist dennoch höchst interessant. Edmund vererbt seiner Ehefrau Lilly die Hälfte seines Vermögens. Die andere Hälfte geht an wohltätige Stiftungen. Das sind jeweils knapp drei Milliarden Dollar. Schon zu Lebzeiten ist er ein sehr großzügiger Unterstützer von medizinischen Einrichtungen und Forschungslaboren, sowie von Schulen und Universitäten. Viele Millionen spendet er aber auch zum Erhalt und Neubau von Synagogen auf der ganzen Welt. Daher stellt sich natürlich die Frage, ob möglicherweise antisemitische Terroristen diese Geldquelle zum Versiegen bringen wollten.
Okay, also theoretisch ist es möglich. Dann hätten die islamistischen Terroristen ihre Sache aber einen Bärendienst erwiesen. Weil auf einen Schlag gleich drei Milliarden Dollar an Wohltätigkeitsorganisationen und andere Einrichtungen fließen. Die meisten davon haben einen jüdischen Bezug. Aber sie kennen ja das Testament von Edmund Safra gar nicht. Normalerweise rühmen sich Terroristen ja auch nach spektakulären Taten mit Bekennerschreiben oder Videos oder so. Die gab es nach dem 3. Dezember 1999 aber nicht. Dennoch berichtet die Zeitung Le Monde, dass kurz nach dem Brand zwei arabische Gäste im Hotel Hermitage, an der Edmund-Sufferus-Penthaus angrenzt, aufgrund ihrer kriminellen Vergangenheit befragt worden seien. Sie wurden aber nicht verhaftet und stehen anschließend auch gar nicht länger unter Verdacht. Okay, wenn wir mal kurz die Motivlage zusammenfassen wollen. Die Brüder scheiden eher aus, genau wie diese antisemitischen Terroristen. Das stärkste Motiv hat bislang die russische Mafia. Wenn sie dahinter steckt, dann wäre es ein Racheakt gewesen. Dann schauen wir uns mal an, was die anschließenden Ermittlungen ergeben. Drei Tage nach seinem Tod gibt es am 6. Dezember 1999 eine große Trauerfeier in der Genfer Hauptsynagoge.
700 geladene Trauergäste erscheinen, um ihm hier die letzte Ehre zu erweisen. Darunter sind wieder natürlich bedeutende Persönlichkeiten wie der israelische Außenminister David Levy, Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und der frühere UNO-Generalsekretär Javier Perez de Cullia. Anschließend wird er auf dem nahegelegenen jüdischen Friedhof von Verje bei Genf bestattet. Und genau an diesem 6. Dezember 1999 vermeldet die monegassische Polizei plötzlich den Durchbruch im Fall. Der Täter sei geschnappt. Und er habe sogar ein Geständnis unterschrieben. Was für eine überraschende Wendung, oder? Ich meine, auch weil die Polizei nur von einem Täter spricht. Dabei hatte Ted Mayer doch von zwei Angreifern berichtet. Doch offenbar scheint die Polizei das nicht mehr zu glauben. Denn die Ermittler präsentieren der Öffentlichkeit den niedergestochenen Krankenpfleger Ted Mayer als Täter. Der wird noch umgehend im Krankenhaus verhaftet. Als Beweis führt die Polizei ein Springmesser an, das bei der anschließenden Untersuchung im Belle Epoque entdeckt wird, in dem sich ja das Luxus-Penthaus befindet. Und dieses Springmesser soll jetzt Head Mayer gehören. Wie die Ermittler darauf kommen, dass es sein Messer ist, das verraten sie nicht. Auf alle Fälle soll sich der Pfleger damit selbst verletzt haben, bevor er seine Kollegin anweist, mit Edmund Safra in den Panic Room zu gehen.
Anschließend soll er Feuer gelegt und das Messer im Treppenhaus weggeworfen haben, als er auf dem Weg zur Lobby ist und dann beim Portier Hilfe holt. Auch zum Motiv geben die Ermittler Auskunft. Ted Mayer soll Angst gehabt haben, seinen mit 200.000 Dollar dotierten Job zu verlieren, weil er sich mit der Leiterin des Pflegepersonals nicht versteht. Laut der Polizei wollte er sich als Held inszenieren, der sein Leben riskiert und niedergestochen wird und trotzdem noch seinen Chef rettet, um bei den Safras gut dazustehen. Ja, aber ergibt das alles wirklich Sinn? Also warum legt er dann noch Feuer? Weil er hat seinen Boss ja an sich schon gerettet. Ja, aber es heißt, möglicherweise war Ted Mayer in dieser Nacht nicht ganz klar bei Sinn. Denn laut Staatsanwalt soll er psychisch instabil gewesen sein und starke Medikamente genommen haben. Dann wäre alles nur ein tragisches Unglück gewesen, bei dem am Ende zwei Menschen sterben. Die französische Zeitschrift Le Neuvel Observateur hat dagegen eine andere Idee, warum Ted Mayher das Feuer gelegt haben könnte. Das Magazin zitiert einen anonymen monogassischen Anwalt mit den Worten Safra hat die russische Mafia angeprangert und einige seiner Bankkunden waren deshalb besorgt. Die hätten Angst bekommen und Mayher einsetzen können.
Wenn diese Theorie stimmt, hätte Ted Mayer also nicht das Feuer gelegt, um dem Alarm auszulösen und Hilfe zu holen, sondern um Edmund Safra im Auftrag der Russen-Mafia aus dem Weg zu räumen.
Richtig überzeugend klingt das alles aber irgendwie nicht. Konnte Ted Mayer ahnen, dass sich sein kleines Feuerchen zu einem Flächenbrand auswirkt? Woher sollte er wissen, dass die Einsatzkräfte ja ewig brauchen, bevor sie am Tatort eintreffen? Und wie wahrscheinlich ist es, dass Ted Mayer davon ausging, dass Edmund Seffer dann nicht die Tür öffnet und sein Security-Chef mit dem Spezialschlüssel aber zu spät eintrifft? All das müsste gegeben sein, damit Ted Mayer das Leben seines Bosses bewusst beendet. Und warum sollte er das für die Russen-Mafia machen? Danach wäre er ja seinen Traumjob los. Das sind alles gute Fragen, die sich offenbar das Gericht in Monaco nicht stellt. Denn mehr als zwei Jahre nach dem tödlichen Brand wird Ted Mayer wegen Brandstiftung mit Todesfolge im Jahr 2002 zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt. Nach knapp acht Jahren wird er 2007 vorzeitig aus der Haft entlassen. Die Jahre, die er in der Untersuchungshaft verbracht hat, werden ihm dabei angerechnet. Ja, ich glaube, das müssen wir mal ganz kurz sacken lassen, weil so eindeutig klingt das für mich ja an der Stelle nicht, dass man ihn als eindeutigen Täter überführen konnte. Deswegen klingt das jetzt erstmal ziemlich krass natürlich, dass er so lange ins Gefängnis kommt.
Du meinst, weil sie noch nicht genau wissen, ob er es wirklich war? Ja, genau, genau. Aber ihr seht ja wahrscheinlich an der Folge, dass die auch noch ein paar Minuten länger geht. Deswegen geht die Geschichte hier noch weiter. Ja, mit der Verurteilung und seiner verbüßten Strafe sind wir eben noch nicht durch, denn unmittelbar nach seiner Haftentlassung, da widerruft Ted Meyer sein Geständnis, das er damals bei seiner Verhaftung unterschrieben hat. Denn plötzlich soll alles ganz anders gewesen sein, als immer behauptet wurde. Nach seiner Rückkehr in die USA gibt er NBC News ein ausführliches TV-Interview. Und dort erklärt der ehemalige Krankenpfleger, was angeblich wirklich rund um diese verhängnisvolle Nacht des 3. Dezember 1999 geschehen ist. Jetzt bräuchten wir eigentlich so einen Einruf-Plot-Twist.
Zunächst bleibt Ted Mayer bei seiner Aussage, die er gegenüber der Polizei direkt nach der Tat im Krankenhaus gemacht hat. Zwei maskierte Männer dringen in das Penthouse ein, schlagen ihn nieder und stechen auf ihn ein. Durch den Angriff wird er kurz ohnmächtig. Als er wieder zu sich kommt, rennt er in das Schlafzimmer von Edmund Safra. Der Milliardär flüchtet mit seiner Pflegerin Vivian Torrente in dem Panic Room. Als sein Boss in Sicherheit ist, zündet Ted Mayer ein kleines Feuer an, um den Rauchalarm auszulösen und rettet sich dann in die Lobby.
Anschließend schildert er in dem TV-Interview, was die Öffentlichkeit bislang aber nicht wusste. Der schwerverletzte Ted Mayher wird im Krankenhaus drei Tage ununterbrochen verhört. Er ist stark geschwächt und weiß überhaupt nicht, was die Beamten eigentlich von ihm wollen. Als er mit seinen Kräften am Ende ist, da erklärt ihm die Polizei schließlich, dass er für den Tod von Edmund Suffer und Vivian Taranti verantwortlich ist. Völlig entsetzt entgegnet er, nein, das habe ich nicht getan. Aber die Ermittler lassen nicht locker und werfen ihm vor, ein Mörder und ein Attentäter zu sein. Dann legt ihm die Polizei ein Schriftstück vor, das er unterschreiben soll. Der Text ist auf Französisch. Ted Mayer spricht aber nur Englisch und hat keinen blassen Schimmer, worum es sich handelt. Daher hat er keine Ahnung, dass dieses Dokument sein Geständnis ist. Er sagt gegenüber NBC News, ich wusste nicht, was sich da unterschrieb. Ich wusste erst, um welches Dokument es sich handelt, nachdem es übersetzt wurde. Doch da ist es bereits zu spät.
Die Ermittler drohen ihm zuvor schwere Konsequenzen an, wenn er das gefälschte Geständnis nicht unterschreibt. Zitat Die Polizei kam an mein Bett und sagte, sie werden das Dokument unterschreiben, sonst wird ihre Frau das Land nicht verlassen. Okay, das müssen wir ganz kurz einordnen. Also Ted Mayer ist nicht direkt bei Edmund Suffer angestellt, sondern bei einer Personalvermittlung, also einer Art Luxus-Zeitarbeitsfirma. Die informiert Ted Mayers Ehefrau Heidi von dem Überfall auf ihren Mann und zahlt ihr auch gleich einen Flug nach Monaco, um ihren verletzten Mann zu besuchen. Sie setzt sich also in den nächsten Flieger. Die drei gemeinsamen Kinder bleiben zu Hause im Bundesstaat New York, weil sie Schule haben. In wenigen Tagen will Heidi ja eigentlich wieder zurück sein. Doch als Ted Mayer plötzlich der Hauptverdächtiger in einem doppelten Mordfall wird, wird nicht nur ihr Rückflugticket in die USA storniert. Die Behörden nehmen ihr darüber hinaus auch noch ihren Reisepass ab. Damit kann Heidi Monaco nicht mehr verlassen und in ihre Heimat zurückkehren. Nur damit Heidi eben zurück zu den Kindern kann, unterschreibt Ted Mayer also das gefälschte Geständnis. Zu diesem Zeitpunkt hofft Ted Mayer, dass alles einigermaßen glimpflich für ihn ausgeht. Denn seine Anwälte in Monaco versuchen ihn zu beruhigen, wie er berichtet.
Sie versprechen ihm eine milde Strafe, aber sie üben auch Druck aus. Ich zitiere, mir wurde gesagt, mach dir keine Sorgen, Ted. Unterschreib, denn wenn du es nicht tust, werden sie dich am Ende verurteilen. Und du wirst für eine sehr lange Zeit ins Gefängnis gehen. Umso schockierter ist er, als er zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wird. In dem TV-Interview spricht er übrigens auch über sein angebliches Motiv, das in seinen Augen völlig abwegig ist. Zitat, ich hatte keinen Grund für falsche Heldentaten. Meine Probezeit war gerade vorbei und ich wurde fest eingestellt. Es war ein sehr gut bezahlter und sicherer Job. Ich hatte bereits alles, was ich im Leben wollte und mir nur wünschen konnte. Und dann soll ich meinen Arbeitgeber töten und mich als Held inszenieren? Das ergibt überhaupt keinen Sinn.
Da passt so einiges nicht zusammen irgendwie. Wenn das aber stimmen sollte, dass die Polizei und seine eigenen Anwälte ihn gezwungen haben sollten, ein gefälschtes Geständnis zu unterschreiben, wäre das natürlich ein handfester Skandal. Doch kann das wirklich sein? Und warum sollten Ermittler und Verteidiger das tun? Oder hat er sich diese Story am Ende nur total ausgedacht? Ted Mayer soll ja laut Staatsanwaltschaft psychisch instabil gewesen sein und unter dem Einfluss von Medikamenten gestanden haben. Ja, das ist natürlich die eine Sache. Und ich weiß aus ganz vielen anderen True Crime Fällen, mit denen ich mich schon beschäftigt habe, dass das relativ oft vorgekommen ist, dass jemand falsche Geständnisse unterschreibt oder einfach falsche Dinge behauptet, die er gar nicht getan hat. Und ich finde, man denkt im ersten Moment, wie kann man das? Das weiß man doch. Aber wenn man stundenlang da bei der Polizei sitzt und auch noch Schmerzen hat, der wurde ja angegriffen, hatte Wunden, dann bist du, glaube ich, irgendwann so mürbe und bist müde, bist erschöpft und weißt vielleicht gar nicht mehr, was passiert hier, was sage ich hier eigentlich. Also ja, das passiert tatsächlich häufiger. Ja, zu diesem Thema mit den Medikamenten, da möchte die Moderatorin von NBC News natürlich auch wissen, was da los ist und fragt ihn einfach nach seinen vermeintlichen psychischen Problemen.
Ted Mayer beharrt darauf, niemals in seinem ganzen Leben psychische Auffälligkeiten gehabt zu haben. Das kann jetzt natürlich ja auch erstmal jeder von sich behaupten, aber spannend ist ein Detail. Denn nachdem er am 3. Dezember 1999 ins Krankenhaus eingeliefert wird, wird ihm auch Blut abgenommen. Und die Blutanalyse belegt eindeutig, dass er weder Antidepressiva oder Psychopharmaka noch andere Medikamente, Alkohol oder andere Drogen genommen hatte. Ted Mayer war also völlig clean, als auf ihn eingestochen wurde.
Spätestens jetzt stellt sich die Frage, wie der Staatsanwalt darauf kommt, dass er unter dem Einfluss von starken Medikamenten stand, wenn es überhaupt keinen Anhaltspunkt dafür gibt. Darauf hat Ted Mayer auch keine Antwort. Stattdessen präsentiert er in dem TV-Interview eine weitere spannende Story. Und die hat es wirklich in sich. Er berichtet, dass er zwei Tage vor dem Angriff in dem Luxus-Penthouse am 3. Dezember 1999 bereits eine höchst unangenehme Begegnung hatte.
Laut seiner Schilderung ist er an seinem freien Tag, dem 1. Dezember 1999, in der Nähe von Nizza unterwegs. Er schlendert die Straße entlang. Auf einmal spricht ihn ein Mann an, während neben ihm ein Lieferwagen hält. Ted Mayer berichtet, was dann geschehen sein soll. Er sagt, ich wurde von einem Mann in einen Van gestoßen und entführt. Die Kidnapper hatten Masken auf, bedrohten mich mit einer Waffe und hatten einen südländischen Akzent. Die Kidnapper wollten aber kein Lösegeld erpressen. Sie haben andere Pläne. Denn sie verlangen von Ted Mayher, dass er in der Nacht des 3. Dezember 1999 in der Nähe von Edmund Suffers Schlafzimmer ein Fenster offen stehen lässt und darauf achtet, dass der Stahlrolle unverschlossen ist. Ted Mayher ist geschockt. Er antwortet den Verbrechern, ich weiß nicht, worum es geht, aber ich werde nichts tun, um jemanden zu gefährden oder zu verletzen.
Ja, und dann zeigen ihm die Kidnapper aber Fotos von seiner Familie in New York. Ted Mayer schildert weiter, das waren professionelle Überwachungsfotos. Es hat mir eine Heidenangst eingejagt. Ja, und jetzt? Jetzt muss Ted Mayer um seine Frau und seine drei Kinder bangen. Deshalb meldet er die Entführung und die Drohung weder der Polizei noch dem Sicherheitschef von Edmund Zuffer. Er ist hin- und hergerissen, was er tun soll. Als er schließlich am Abend des 2. Dezember 1999 seine Schicht beginnt, ist er überrascht. Denn als er im Penthouse ankommt, sind Fenster und Rollo bereits geöffnet. Genauso wie es die Entführer von ihm gefordert hatten. Möglicherweise wurde noch eine weitere Pflegekraft von den Verbrechern unter Druck gesetzt.
Er startet also seine Schicht, lässt Fenster und Rolle offen. Dann wird er gegen 4.30 Uhr angegriffen, niedergeschlagen und es wird auf ihn eingestochen. Der Pfleger vermutet, dass die beiden maskierten Angreifer vom Dach aus über das geöffnete Fenster eingestiegen sind. Das wäre eine schlüssige Erklärung, warum die Sicherheitskameras rund um das Gebäude keine verdächtigen Männer haben kommen und gehen sehen. Aufnahmen aus dem Inneren des Penthouses existieren ja nicht. Das ist eine wirklich wilde Story, für die es allerdings keine Belege gibt. Stattdessen enthüllt die Zeitung The Guardian, dass die Brandermittler zu dem Schluss kommen, jetzt Achtung, dass es neben Ted Mayers Feuer im Papierkorb noch einen zweiten Brandherd im Penthouse gab. Leider machen die Brandermittler keinerlei Angaben, wo das Feuer ausgebrochen ist und ob beispielsweise ein Brandbeschleuniger benutzt wurde. Für dieses zweite Feuer kann Ted Mayer nicht verantwortlich sein. Und da außer ihm nur Vivian Torrente und Edmund Safra im oberen Stockwerk des Penthauses anwesend sind, liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, dass dieses zweite Feuer von den Angreifern gelegt wurde. Mutmaßlich, als sich Ted Mayer verletzt in die Lobby geschleppt hat.
Es wäre auch die Erklärung, warum innerhalb kürzester Zeit das ganze Dach in Flammen steht. Ted Mayers brennende Taschentücher in dem Papierkorb hätten das wohl nicht so schnell geschafft. Das zweite Feuer untermauert also Ted Mayers Darstellung, was in dieser Nacht passiert ist. Doch sein monogassischer Anwalt kümmert sich nicht weiter um dieses möglicherweise alles entscheidende Detail. Es findet im Prozess keine Beachtung. Stattdessen beharrt sein Verteidiger darauf, dass Ted bei seinem gefälschten Geständnis bleibt. Und so kommt es zu seiner Verurteilung und der drakonischen Strafe für ihn. Alles deutet also darauf hin, dass Ted Mayer unschuldig ist. Der ehemalige Krankenpfleger glaubt, dass es eine groß angelegte Vertuschung gab, hinter der der Staat Monaco steht.
Ted Mayer erklärt, Ich war ein Opferlamm für das Image dieses Landes. Daran führt kein Weg vorbei. Es ist total offensichtlich. Ja, und auch sein Anwalt, den sich Ted Mayer nach seiner Verurteilung nimmt, der vermutet das. Zitat, Es ist schrecklich. Ich finde es eine Schande. Ted Mayer ist nicht für den Tod von Edmund Safar und Vivian Torrente verantwortlich. Monaco präsentiert die Fiktion, dass es der sicherste Ort der Welt sei. Es gab eine klare Beeinflussung vor dem Urteil. Sie wollten, dass Monakos Ruf, sicher zu sein, gewahrt bleibt. Und dafür präsentieren sie das Geständnis, dass Ted dreimal auf sich selbst eingestochen hat. Was absolut lächerlich ist. In den Augen des Anwalts war der Prozess also von Anfang an manipuliert. Also das sind ganz schön schwere Vorwürfe gegen das Fürstentum. Und sie werden von einem Richter in Monaco untermauert, der laut NBC News kurz nach Teds Entlassung zugibt, dass es vor Prozessbeginn ein geheimes Treffen zwischen Staatsanwalt, Richtern und Teds Anwälten in Monaco gab. Bei dem geheimen Meeting legen sie sowohl das Urteil als auch die Strafe fest. Erst danach beginnt die eigentliche Gerichtsverhandlung.
Der Rechtsanwalt Pompeo Realujo, der die Familie der Krankenpflegerin Vivian Torrente als Nebenkläger vertritt, glaubt ebenfalls, dass der ganze Fall von Anfang an manipuliert wurde. Aber nicht, um Monacos Image zu schützen. Es sollte stattdessen etwas ganz anderes vertuscht werden. Er glaubt, dass Edmund Safra um sein Leben gefürchtet hat und schwer paranoid war. Der Multimilliardär weigert sich ja beharrlich, den Panic Room zu öffnen. Und damit zwingt er Vivian Torrente, neben ihm zu sterben. Pompeo Realuio erklärt knallhart, Zitat, Safra hat sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht, indem er Vivian an der Flucht gehindert hat. Das sind schwere Vorwürfe, für die Pompeo Real Lujo Indizien haben will. Laut Autopsiebericht werden am Hals von Vivian Torrente Prellungen und blaue Flecken festgestellt. Die könnten von einem Kampf mit Edmond Safra stammen. Davon ist zumindest Vivians Tochter Geneviève Torrente überzeugt. Sie sagt, das deutet offensichtlich darauf hin, dass es einen Kampf gab. Dass sie vielleicht versuchte zu gehen, aber sie wurde davon abgehalten.
Ob das wirklich so war, das weiß niemand. Aber für diese Theorie spricht, dass Edmund Safra mehrmals mit den Feuerwehrleuten telefoniert, die vor dem Panic Room stehen, und er sich trotzdem konsequent weigert, die Tür zu öffnen. Vivian Torrente dürfte allerdings darauf beharrt haben, den Panic Room zu verlassen. Alles ist besser, als elendig und qualvoll zu ersticken. Und es gibt noch etwas anderes, was diese Hypothese verstärkt. Unmittelbar nach dem 3. Dezember 1999 müssen sämtliche Mitarbeiter, die in dieser Nacht im Penthouse anwesend waren, Pflegekräfte, ein Butler, Sekretärer und Assistenten, eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Darin verpflichten sie sich, mit niemandem über diese verhängnisvolle Nacht zu sprechen. Weder mit der Polizei und auf gar keinen Fall mit Journalisten. Für ihr Schweigen erhalten die Mitarbeiter bis zu 100.000 Dollar. Lily Safra lässt sich also die Diskretion ihrer Angestellten einiges kosten. Der Grund liegt eigentlich auf der Hand, denn würde ihr Mann posthum verantwortlich für den Tod seiner Pflegerin gemacht werden, müsste sie eine millionenschwere Entschädigung an Vivian Tarantys Familie zahlen. Offenbar will sie das mit aller Macht verhindern.
Wir müssen das nochmal kurz zusammenfassen, glaube ich. Also, der Pfleger Ted Mayer wurde für den Tod von zwei Menschen verantwortlich gemacht, weil er ein paar Papiertaschentücher angezündet hat und muss dafür viele Jahre ins Gefängnis. Die Ermittlungen und der Prozess gegen ihn wurden manipuliert, wie ein Richter später zugibt. Hinter der Vertuschung steckt möglicherweise das Fürstentum Monaco, um sein Image zu schützen. Oder eventuell Lily Safra, die ihre einflussreichen Kontakte nutzt, um einer millionenschweren Schadensersatzzahlung zu entgehen. Aber wer steckt hinter dem zweiten Brand, der das ganze Dach in Flammen setzt und wer waren die beiden Eindringlinge? Und sollte Edmund Safra in dieser Nacht auch ermordet werden? Über die Täter und die Auftraggeber und Hintermänner kann nur spekuliert werden. Aber dass Edmund Safra in dieser Nacht ermordet werden sollte, dafür gibt es einen weiteren Hinweis. Denn als der Journalist Dominic Dunn den Fall für eine TV-Dokumentation recherchiert, bekommt der plötzlich einen Anruf des befreundeten New Yorker Kolumnisten David Patrick Columbia. Der wiederum erhielt ein Telefonat von einem prominenten Bewohner Monacos. Und was der Monigasse zu sagen hat, das klingt unglaublich, denn er bittet David Patrick Columbia, seinem Freund Dominic Dunn, eine Nachricht zukommen zu lassen.
Wörtlich erklärt er, ich zitiere, Sagen Sie Dominik, dass sich in Edmunds Körper zwei Kugeln befanden. Ähm, okay. Okay, der Hinweis kommt jetzt ein bisschen überraschend. Von irgendwelchen Projektilen steht nichts im Autopsiebericht. Aber möglicherweise wurde der Bericht genau wie die gesamten Ermittlungen manipuliert. Denn auch der Guardian hat ähnliche Informationen und zitiert ein Mitglied von Ted Mayers Verteidigungsteam mit den Worten, Die Leute haben mir gesagt, dass sie mit Sicherheit wissen, dass Safra mit zwei Kugeln erschossen wurde.
In der High Society von Monaco kennt übrigens jeder dieses Gerücht. Doch wie glaubwürdig ist das? Ja, auch darüber lässt sich nur wieder spekulieren. Gewissheit könnte nur eine zweite Autopsie bringen, aber die müsste von der Familie in Auftrag gegeben werden. Und die hat da offenbar kein Interesse dran. Die Staatsanwaltschaft in Monaco könnte sie nämlich nicht anordnen, da die Leiche in der Schweiz begraben liegt. Und für einen Schweizer Staatsanwalt gäbe es keine Handhabe, da ein mögliches Verbrechen in Monaco geschehen ist. Okay, falls er aber erschossen wäre, dann hätte es eine richtig groß angelegte Verschwörung geben müssen. Denn als Edmund Safra im Panic Room eingeschlossen ist, lebt er ja zunächst noch. Er telefoniert mehrmals mit den Feuerwehrleuten. Als der Sicherheitschef schließlich dem Panic Room im Beisein mehrere Feuerwehrleute öffnet, ist Edmund Safra bereits erstickt.
Dann wären diese Feuerwehrmänner und der Sicherheitschef Teil dieser Verschwörung. Und noch schlimmer, weil nur der Sicherheitschef den Spezialschlüssel hat, hätte er den Panic Room öffnen und dann Edmund Safra vor den Augen der Feuerwehrmänner erschießen müssen. Dann wäre auch Vivian Torrentin noch am Leben gewesen. Auch sie hätte man töten müssen. Unterm Strich ein eher unwahrscheinliches Szenario. Wobei man in diesem Fall eigentlich nichts ausschließen kann. Nee, das kann man nicht. Ja, und so bleibt die wahrscheinlichste Theorie, dass es wohl ein zweites Feuer gegeben hat, das eben verheerende Auswirkungen hatte. An diesem Feuer sind Edmund Safra und Vivian Torrenti schließlich ja gestorben. Wer das Feuer am Ende gelegt hat, wer die Auftraggeber hinter der Brandstiftung waren und wer auf Ted Meyer eingestochen hat, das ist tatsächlich bis heute ungeklärt. Mayers Anwalt hat keine Hoffnung, dass die Wahrheit noch ans Licht kommt. Wie er es selber sagt, das ist ein klassischer Fall von polizeilicher Inkompetenz und Vertuschung. Und ich weiß nicht, ob wir der Sache jemals auf den Grund kommen werden. Nach seiner Entlassung kehrt Ted Mayher dann in die USA zurück und arbeitet sogar wieder als Krankenpfleger. Weil sein alter Name Ted Mayher aber stark belastet ist, nimmt er einen anderen Namen an, den wir aus Datenschutzgründen an der Stelle aber nicht nennen wollen.
Auch familiär ändert sich einiges in seinem Leben, denn seine Frau Heidi lässt sich von ihm schalten. Ted findet aber eine neue Liebe und heiratet erneut. Im Jahr 2021 veröffentlicht er das Buch namens Framed in Monte Carlo, wo er seine Sicht der Dinger nochmal genau schildert.
So richtig glücklich wird er aber nicht mehr. In den USA wird er sogar kriminell. Am 13. Juni 2022 wird der mittlerweile 64-Jährige wegen, und jetzt kommt eine lange Liste, Einbruchs, Diebstahls von über 20.000 Dollar, zweifacher Urkundenfälschung und wegen Verschwörung zur Begehung eines Verbrechens verhaftet. Okay, what the hell did he not do? Sorry. Alles hat er gemacht. Am 8. September 2023 wird er zu drei Jahren Haft verurteilt, die er im Eddy County Detention Center verbüßt. Ja, das ist natürlich jetzt schon eine andere Nummer, die er hier geleistet hat. Aber das war es immer noch nicht, denn im Gefängnis schmiedet er mit einem Mithäftling den Plan, seine zweite Ehefrau mit einer Überdosis Fentanyl zu ermorden. Ja, er hat es nämlich auf die Lebensversicherung seiner Frau abgesehen, in Höhe von 750.000 Dollar.
Im September 2023 wird die Anklage wegen Anstiftung zum Mord gegen ihn erhoben. Ein Urteil in diesem Fall gibt es aber noch nicht. Heute ist Ted Meyer übrigens 67 Jahre alt. Also wenn du das alles in den Film packen würdest, dann würde jemand denken, okay, du belädst den Plot gerade zu sehr, nimm mal ein paar Sachen raus, weil das glaubt dir ja keiner. Ja, Überlänge. Das ist für eine Geschichte im Film viel zu viel, was passiert. Also zu unrealistisch. Aber genau so ist dann ja tatsächlich manchmal das echte Leben, oder? Also ich finde, das ist ein Paradebeispiel für Im Schatten der Macht. Weil natürlich, wir wissen jetzt auch nicht genau, was jetzt hier passiert ist. Es gibt ja super viele Theorien. Jeder beschuldigt jeden. Jeder wirft jedem irgendwas vor. Aber ich glaube, dass das ganze Geld, was hier eine Rolle spielt, da einiges gerichtet hat, sagen wir es mal so. Also klassisch Macht, die ausgeübt wurde. Ich glaube, was du da sagst, ist auch total zutreffend in anderer Hinsicht. Weil ich immer wieder, wenn in unseren Fällen bisher das Gefühl bekomme, je mehr Geld und je mehr Macht da ist, desto verschleierter wird alles. Also je näher du versuchst, an die möglichen Täter ranzukommen.
Desto weniger scheinst du zu verstehen, was hier los ist. Es ist so dolle verstrickt, Und gleichzeitig hast du es ja mit Leuten zu tun, die eigentlich super sichtbar sind. Und im Alter der Digital Transparency fragst du dich halt, wie können die damit durchkommen? Also egal wie viel Geld, wie ist das möglich? Ja, und ich meine, er hat sich ja schon mit seinem Geld das beste Sicherheitsteam der Welt leisten können. Elf Stück an der Zahl. Und trotzdem hat es nicht gereicht, um sein Leben zu beschützen. Also das finde ich auch krass. Da hast du schon Milliarden und kannst dir alles leisten, die besten Sicherheitsvorkehrungen, auch die kugelsicheren Fenster und was er alles hatte. Und trotzdem hat es nicht gereicht. Das ist schon krass. Ja. Ja. Und auch was Ted Mayher dann noch in den USA geleistet hat. Also die Liste war jetzt ja quasi endlos lang, was hat er nicht gemacht.
Deswegen also hier ist so viel Dreck am Stecken, glaube ich, kann man das zusammenfassen. Deswegen ist es total schwer, sich auf eine finale Theorie zu stützen. Und deswegen geben wir diese Frage doch einfach mal raus an euch, an euch liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Was sind denn so eure Gedanken hierbei? Also als ihr uns zugehört habt, wie wir euch den Fall erzählt haben, was habt ihr da so gedacht? Was glaubt ihr, welche Theorie hier am realistischsten ist? Schreibt uns das doch sehr, sehr gerne bei Spotify in die Kommentare oder gerne auch bei Instagram. Da heißen wir im Schatten der Macht alle Wörter durch einen Unterstrich getrennt. Das findet ihr super easy und dann würden wir uns natürlich total freuen, wenn ihr uns da auch folgt. Und wo wir schon dabei sind, bei TikTok sind wir auch und auf YouTube auch. Also insofern, ihr könnt kommentieren, vielleicht hat ja jemand von euch die Theorie oder sogar die Lösung des Falls. Wäre ja cool. Und bevor wir uns nächsten Donnerstag wieder hören zu einer neuen Folge hier bei im Schatten der Macht, könnt ihr ja noch das Glöckchen aktivieren, weil dann verpasst ihr die neue Folge auf gar keinen Fall. Bleibt safe da draußen. Bis bald. Eure Anne und Ricardia. Danke an unser Team von Open Minds Media. Executive Producer Rüdiger Barth. Konzeption Peter Grewe, Rüdiger Barth und Manfred Neumann. Autor Stefan Weber. Producer Ricardia Bremley. Den Schnitt machte Lilli Johannsen. Zusätzliche Unterstützung von Falko Schulte.
Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!