Sag mal, Rekania, weißt du noch, wo du warst, als 1997 Prinzessin Diana gestorben ist? Also das war ja für viele so ein richtig krass ereignisreicher Tag, weißt du das noch? Aber auf jeden Fall. Ich saß nämlich mit meiner Schauspielkollegin Robin, damals in ihrem East Village Apartment in New York und ein paar andere Frauen. Wir waren alle da, haben so ein bisschen gefeiert und dann kriegt Robin nämlich plötzlich einen Anruf und währenddessen macht sie den Fernseher an. Und wir gucken schon alle so, okay, was ist los? Und dann sehen wir es, da ist die Schlagzeile, die keiner lesen wollte. Breaking News, Prinzess Diana dead. Und wir waren alle mucksmäuschenstill. Ja, ich kann mich daran erinnern, dass das damals für meine Mama auch so eine krasse Neuigkeit war in den Nachrichten, Weil ich war da noch ein bisschen jung, ich wusste schon, wer sie ist, aber ich habe es nicht so richtig gecheckt, wie krass das eigentlich ist. Aber ich weiß, dass meine Mama da auch ein bisschen betroffen war, sage ich mal. Ja, also diese Nachricht, die sorgte auf jeden Fall weltweit, nicht nur bei dir und meiner Mutter, sondern wirklich weltweit, für ein richtiges Gefühlsbeben, dessen Auswirkungen teilweise bis in jedes einzelne Privatleben gereicht haben.
Und ihr Tod, der ist ja jetzt fast 28 Jahre her, aber der beschäftigt immer noch Millionen von Menschen, auch heute noch. Und zwar nicht nur die Fans von Diana, sondern auch die Justiz und natürlich die britischen Royals selbst. Ja, und die Königin der Herzen, wie sie genannt wurde, fasziniert ja nicht nur Leute in meinem Alter, die es noch miterlebt haben, sondern eben auch die junge Generation, die jetzt mit den Söhnen William und Harry und allen aufwachsen. Die Queen ist mittlerweile seit drei Jahren tot und König Charles, der ist jetzt am Ruder, das wisst ihr ja alle, der hat übrigens gerade auch den 20. Hochzeitstag mit seiner Camilla gefeiert.
Diana ist und bleibt der größte Royal Magnet des Planeten. Doch es ist vor allem ihr Tod, der noch heute viele Verschwörungserzählungen und Hobbydetektive auf den Plan ruft. Für viele war Dianas Tod ein ungeklärter Fall. Und manche sprechen von Totschlag. Für andere ist es sogar Mord, der von langer Hand geplant wurde. Diana war damals quasi ein Megastar. Sie war attraktiv und modern. Für die 80er und 90er Jahre war Diana die Fashion-Ikona. Sie war auch eine mutige, vielleicht auch schon eine rebellische Frau, die eben auch mal Tabuthemen angesprochen hat. Sowas wie Seitensprünge und Essstörungen. Und das kam bei den traditionellen Royals natürlich nicht so gut an. Wir fragen uns in der heutigen Folge, ob sie damit nicht vielleicht eine Bedrohung war für diesen riesigen Machtapparat der Royals. Und damit ganz herzlich willkommen zu Im Schatten der Macht. Ich bin Anne Luckmann. Und ich bin Ricadia Bramley. Und ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich an diesen Tag und diese Zeit danach denke. Denn hier geht es ja nicht nur um den Tod einer weltberühmten Frau. Es geht auch um eine Frau, die in die mächtigste Familie Großbritanniens einheiratet. Und die reichste. Denn machen wir uns da keine Illusion, die britischen Royals sind ein Multimilliardenkonzern, in dem jeder und jede eine bestimmte Rolle einnimmt.
Und es gibt eine weitere Schattenmacht. Bis heute geben viele Menschen ihr die Schuld an Dianas Tod. Es sind die reißerischen Medien und Journalisten, die für ein Bild von Diana scheinbar alles riskieren würden. Ja, wir haben ja bei Harrys Frau Meghan gesehen, was passiert, wenn da jemand ausschert und sein eigenes Ding macht. Die leben ja in Kalifornien und sind offiziell nicht mehr als Royals tätig und im Palast auch gar nicht mehr erwünscht. Ja, und Diana lebte vor drei Jahrzehnten, da war alles noch viel konservativer als heute. Sie hat die kalte und steife Form dieser Familie so dermaßen herausgefordert, dass die gesamte Monarchie ins Wanken kam. Also kein Wunder, dass die Welt den Atem anhält, als eine einzige Sekunde in einer warmen Spätsommernacht alles verändert. Und dafür gehen wir mit euch ins Jahr 1997. Ich erinnere uns alle mal ganz kurz daran, was auf der Welt zu der Zeit so los war.
1997 ist in Deutschland noch der CDU-Politiker Helmut Kohl Bundeskanzler. China bekommt Hongkong nach 150 Jahren in britischer Hand zurück. Und in den USA wird Präsident Bill Clinton behaupten, dass Monica Lewinsky gelogen hat und nicht umgekehrt. Noch ein wichtiges Ereignis schockiert die Welt. Mitte Juli wird der Stardesigner Gianni Versace vor seiner Villa in Miami Beach kaltblütig hingerichtet. Bei seiner Beerdigung im Mailänder Dom am 23. Juli 1997, da sitzt seine langjährige Freundin Prinzessin Diana beim Trauergottesdienst. Was hier niemand ahnt, sie selbst hat noch 38 Tage zu leben. Denn was nur wenige Wochen später passiert, wird die ganze Welt schockieren und in tiefe Trauer stürzen. Das ist nicht nur Stoff für die Klatschzeitschriften. Ganze Monarchien und die gesamte britische Gesellschaft werden fundamental verunsichert.
Wir reisen in diesem Spätsommer aber erstmal in die französische Hauptstadt Paris. Es ist der frühe 31. August 1997, 20 Minuten nach Mitternacht, einen knappen Monat nach dem Trauergottesdienst für Gianni Versace. Ein gut gekleidetes Paar verlässt das Nobel Hotel Ritz an der Pariser Place Vendôme. Schon Ernst Hemingway und Coco Chanel schliefen hier, vor allem zur Fashion Weekend. Zahlt man hier gerne mal 1000 Euro für ein Zimmer.
Und die Bilder der Überwachungskameras gehen kurz darauf um die Welt. Die große, schlanke Blondine und ihr dunkelhaariger Begleiter verlassen das Fünf-Sterne-Hotel durch die Drehtür am Hinterausgang. Aber es ist eben nicht irgendeine Blondine, sondern Diana, die meistfotografierte Frau des Planeten. Und nicht mehr Lady Di, weil der Titel Königliche Hoheit ihr aberkannt wurde. Sie ist seit genau einem Jahr nämlich geschieden vom britischen Thronfolger Charles und happy mit dem Londoner Filmproduzenten und Playboy Dodi Al-Fayed. Diana trägt einen dunklen Blazer, eine helle Chino-Hose und ihre ikonische, millionenfach kopierte Frisur, nämlich den blonden XXL-Stufenschnitt. Sie wirkt glücklich, so sieht es zumindest aus. Ihr Begleiter ist der Sohn des Hotelbesitzers Mohamed Al-Fayed. Der Ägypter ist ein milliardenschwerer Geschäftsmann, der dieses Traditionshotel Ende der 1980er Jahre gekauft und für sagenhafte 50 Millionen Pfund renoviert hat. Dem Vater gehört übrigens auch das bekannteste Kaufhaus der Welt, na? Harrods. Wenn dort die Queen einkaufte, musste der gesamte Laden geschlossen werden, jedenfalls bevor Dodis Vater übernahm.
Diana selbst ist nach ihrer Scheidung fast 30-fache Millionärin. Von dem, was mit ihrem Namen in den nächsten Jahren noch verdient wird, ganz zu schweigen. Es ist Sonntag, eine warme Spätsommernacht. Ganz Paris kehrt gerade aus den Sommerferien zurück in den Alltag. In Paris ist es sonst gerade eher ruhig. Die Fashion Weeks sind im Frühjahr und im Herbst. Umso heißer sind die Paparazzi auf ein Foto der Frau, die heute am Mittag mit einem Privatjet aus Sardinien gelandet ist. Diana, Princess of Wales. Auch sie bereitet sich auf den Herbst vor. Mitte September wird ihr jüngerer Sohn Harry 13. Sie will am nächsten Tag zurück zu ihren Kindern nach London. Seit kurzem liebt sie, deren Privatleben von der ganzen Welt beäugt wird, den schwerreichen Erben und Filmproduzenten Dodi. Sein Vater versucht seit den 60er Jahren schon, in der snobby Londoner High Society akzeptiert zu werden.
Mohamed Al-Fayed hat zusammen mit seinen Brüdern nicht nur das Ritz gekauft, sondern auch den Fußballklub FC Fulham und, wie erwähnt, das Traditionskaufhaus Harrods. Aber auch er könnte an der Verbindung seines Sohnes mit Diana großes Interesse haben. Wenn sein Sohn, die begehrteste Prinzessin der Welt, ehelicht, rümpft endlich niemand mehr die Nase über die Ambitionen des Ägypters. Dann wäre er Teil der Königsfamilie und nicht nur der des Geldadels. Aber zurück zum Ritz. Diana und Dodie sind ein bisschen gehetzt, weil der Haupteingang komplett mit Paparazzi zugestellt ist. Daher kommen die beiden zum Hintereingang in der Seitenstraße raus. Der sieht eher unspektakulär aus, mit einem Bauzaun vor der Tür. Aber vorne wartet eben die Meute auf ein Bild und die Fotografenschar wächst stündlich. Ihr müsst wissen, 1997 ist der Höhepunkt des Diana-Hypes. Sie ist geschieden, frei, lässt die Welt an ihrem Leben teilhaben und hat trotzdem noch den Royal Glamour. Egal wo sie auftaucht, bricht totale Hysterie aus. Ein Foto bringt zu einem Reporter damals vier- bis fünfstellige Summen.
Diana sieht aber auch toll aus. Sie ist 1,78 groß, hat diese blonden, glänzenden Haare, eine sportliche Figur mit langen Beinen, Blaue, riesige Augen, ein wunderschönes Lächeln, perfekte Szener und einen richtig coolen Style. Ja, Dianas Werdegang war einfach wie gemacht für Hollywood. Für alle, die die Serie The Crown nicht gesehen haben, hier kommt ein kurzer Diana-Crash-Kurs. Diana Frances Spencer wird am 1. Juli 1961 als Tochter eines englischen Grafen geboren. Ihre Kindheit verbringt sie auf einem traumhaften Landgut mit Salons, riesigen Parks und einem See mit einer Mini-Insel, die heute eine traurige Rolle spielt. Aber diese Fassade bröckelt. Als sie sechs Jahre alt ist, dann lassen sich ihre Eltern scheiden. Ihre älteren Schwestern Sarah und Jane sind ihr ein großer Halt. Die jungen Frauen genießen das Leben. Ausritte und Feste. Ihr Freundeskreis, der ist exklusiv. Einen jüngeren Bruder hat sie auch noch. Auch der spielt noch eine wichtige Rolle.
1977 lernt Diana den britischen Thronfolger Charles kennen, weil der ihre ältere Schwester Sarah datet.
Sie, also Diana, ist 16. Er ist 29 und ein begehrter Junggeselle. Charles ist nicht unbedingt auffallend attraktiv, aber er hat Humor und vor allem eine schöne Stimme. Seine Mutter, die verstorbene Queen, die hat sich für ihren mittlerweile 30-jährigen Sprössling, der mal König werden soll, sicher zeitnah eine passende Braut gewünscht.
Und die Familie, insbesondere Charles' Vater Philipp, hat genaue Vorstellungen von der zukünftigen seines Sohnes. Jung und unschuldig soll sie sein. Natürlich soll sie aus dem Adel kommen, reiten und jagen und sich auf jedem Parkett bewegen können. Und natürlich soll sie in Rekordzeit mehrere Erben produzieren. Das alles ist Diana. Als hätte man sich die Wunschkandidatin gebacken. Sie ist ja noch ein Teenie und verkörpert die perfekte britische Unschuld. Sie kichert und errötet ständig. Sie hat viel Zeit in der Natur verbracht und tanzt für ihr Leben gern. In der vierten Staffel von The Crown wird dieses erste Treffen auch dargestellt. Das ist natürlich eine Serie und daher Fiktion ist natürlich auch nochmal wichtig zu wissen an der Stelle. Aber die Macher gelten als extrem gut informiert. Ja, und in der Szene kommt Charles in die Eingangshalle, um Dianas Schwester abzuholen. Und da versteckt sie die junge Diana, die dann noch wie ein echter Kindskopf wirkt. Es dauert wohl noch einen Moment, bevor Charles sich dann aber mehr für Diana interessiert.
Übrigens ist Charles damals schon mit seiner heutigen Ehefrau Camilla befreundet. Aber das Ganze hätte damals noch keine Zukunft gehabt, denn Camilla war zu diesem Zeitpunkt verheiratet, wenn auch mit einem notorischen Fremdgänger. Aber sie ist eh auch so eine Art Kumpeltyp. Sie wird von der Presse, wie ich finde sehr hart, Rottweiler genannt und man hat eher mäßiges Interesse an ihr. Sie ist unscheinbarer und burschikos, während die junge Diana charismatisch wirkt und Star-Potenzial hat. Und so bahnt sich die Beziehung zwischen Charles und Diana an. Ja, das britische Volk braucht eine königliche Romanze. So glauben die PR-Profis im Buckingham Palace. Diana ist jetzt 19 und wird langsam aufgebaut. Sie lebt in einer WG für adlige Mädchen in London, arbeitet als Nanny für eine betuchte Familie und jetzt verfolgt sie die Presse auf Schritt und Tritt. Diana mit Kind auf dem Arm, Diana im durchsichtigen Rock, Diana haste zu ihrem Kleinwagen. Jedes Motiv bringt viel Geld und viel PR.
Zur offiziellen Verlobung im Februar 1981 wird die Presse eingeladen und darf das junge Paar vom Palast filmen. Und als Charles da gefragt wird, ob er Diana liebe, da antwortet sie, natürlich. Und er nur geheimnisvoll, ja, was immer auch verliebt sein bedeutet. Und so stolpert die naive Diana Spencer in die wohl unglücklichste Ehe, die die Royal-Welt in neuerer Zeit erleben durfte.
Es kommt zur superpompösen Hochzeit im Sommer 1981 in der Londoner St. Paul's Cathedral. Diana ist gerade 20 geworden, ihr Prinz 32. Es ist eins der größten globalen Medien-Events aller Zeiten.
750 Millionen Menschen schauen weltweit live im TV zu. Schaut euch einfach mal dieses unfassbare Kleid an, was sie da getragen hat, mit einer sieben Meter langen Schleppe. Ab Sekunde eins dieser Ehe ist klar, Diana, die soll Bilder und Thronfolger liefern. Tja, alles fängt wirklich so schön an. Ich erinnere mich auch an diese Hochzeit. Das war wie aus dem Märchen, wirklich. Naja, wenn dann nur der Machtfaktor nicht gewesen wäre. Ein viel älterer Ehemann aus einem noch viel älteren Traditionshaus, dessen Regeln und Codes sie nicht kennt, zu denen sie aber verpflichtet ist. Und eine Sensationspresse, die nicht genug von ihr bekommt und schließlich ein rätselhaftes Ende.
Schnell hintereinander bekommt Diana zwei Söhne. Die kennt ihr ja alle, William und Harry. Jedes Mal postet sie kurz nach der Entbindung, perfekt gestylt vorm Krankenhaus in London, mit Baby auf dem Arm. und man sieht sofort, dass sie Kinder liebt und wirklich die geborene Mutter ist. Wirkt sie manchmal bei Presseevents noch ein bisschen unsicher, scheint sie aber mit ihren Kindern oder generell mit Kindern unbefangen und glücklich zu sein. Diana besteht darauf, ihre Kinder auf Reisen mitzunehmen und sie reist mit Familie nach Australien und Neuseeland, wo schnell klar wird, Charles spielt nicht die Hauptrolle im Buckingham Palace, Diana schon. Sie scheint das Rampenlicht zu lieben und gleichzeitig zu fürchten.
Und sie kämpft mit privaten Sorgen, die jeder Mensch weltweit kennt. Und genau das lieben die Leute an Diana, denn sie kann Glamour und Menschlichkeit vereinen. Das ist wirklich eine sehr schöne Kombination. Sie müht sich mit quengelnden Kindern ab, kämpft um die Liebe ihres Mannes und versucht, bei all dem irgendwie glücklich zu sein. Und sie wirkt echt. Für die Schatten macht im Hintergrund vielleicht ein bisschen zu echt. Das Königshaus, das immer für Haltung und eine gewisse Kälte stand, wirkt durch sie plötzlich menschlich. Nahbar. Diana streichelt, fasst an und fühlt mit. Nur ein Beispiel. Damals in den 80ern haben die Leute irrsinnige Angst, sich bei Berührungen mit Aids anzustecken. Da wusste man ja noch nicht so viel darüber. Wie macht man das jetzt? Wie steckt man sich an? Und Diana schüttelt 1987 in einem Krankenhaus in Middlesex nicht nur einem Aids-Kranken ohne Handschuhe die Hand, sondern gleich zehn. Und nicht nur die Gay-Community feiert sie damals dafür. In Pakistan kuschelt sie zum Beispiel mit krebskranken Kindern. Sie geht dabei immer in die Knie, um dann auf Augenhöhe mit den Leuten zu sprechen. Für ihre Protokollanten und die Security war das ein wirklicher Albtraum.
Diana schreibt Briefe und Tagebuch und spricht mit der Presse offen über ihre Bulimie-Attacken. Selbst als die Ehe zwischen ihr und Charles immer mehr kriselt, holt sie die ganze Welt ins Boot. Das ist ein gefährlicher Mechanismus, denn die Presse gewöhnt sich an diese Offenheit. Während Charles seine Langzeitliebe mit Camilla Parker Bowles offenbar weiter aufrechterhält, die er seit den frühen 70er Jahren aus Polokreisen kennt, öffnet Diana die Tür für die Medien.
1994 kündigt sie an, sie wolle außer bei wichtigen Terminen mit ihren Kindern keine Security mehr vom Königshaus. Sie wolle sich freier bewegen. Sie wirkt irgendwie immer erwachsener, vielleicht auch kalkulierter. 1995 gibt sie der britischen BBC-Sendung Panorama ein Fernsehinterview, das weltweit einschlägt wie eine Bombe. Es ist ihr Mittel, der Macht des Königshauses in der damaligen Zeit etwas entgegenzusetzen. Oh ja, und in dem Interview mit Filmemacher Martin Boucher spricht sie offen über die Dreiecksbeziehung zwischen ihr, Charles und seiner Langzeitaffäre Camilla. Diana sagt vor laufender Kamera im Interview ganz offen, wir waren zu dritt in dieser Ehe. Das war etwas eng. Ja, und sowas hört man vielleicht in der heutigen Zeit ein paar Mal öfter, aber damals war das wirklich eine krasse Sensation. Ein Jahr später, 1996, da wird die Ehe geschieden. Diana ist jetzt eine freie Frau. Glaubt sie. Aber natürlich wirkt das Machtgeflecht der Royals immer und überall.
Auch ihr Verhältnis zu ihren Medienfreunden wird immer schwieriger. Also toxisch trifft es schon ganz gut. Diana ist nicht etwa nur ein Opfer eines Medienzirkus. Sie nutzt diese Macht auch für sich selbst. Zum einen benutzt sie die Paparazzi immer öfter, um sich ins rechte Licht zu setzen. Zum anderen fühlt sie sich aber auch gehetzt und hat sogar Angst um ihr Leben.
Wenn möglich, bringen wir euch immer auch Experten und Expertinnen mit, die uns mehr zu einem Fall erzählen können. Deshalb haben wir Königshausexpertin Katrin Badenbach gefragt, was denn 1996 so los war. Das war sowohl für Diana alleine als auch für die ganzen anderen Royals eine Zeit des Umbruchs. Das sogenannte Anus Horribilis war ja 1992. Da ließen sich drei Kinder von vieren von der Queen scheiden oder trennten sich. Unter anderem auch Diana und Charles. Da wurde im Parlament verkündet im Dezember 1992, dass der Prinz von Wales und seine Frau sich offiziell trennen. Das war also ein Riesenskandal, ganz furchtbar. Und danach gab es ja den Rosenkrieg zwischen dem getrennt lebenden Ehepaar, The War of the Whaleses, ganz berühmt. Wirklich hauen und stechen, auf dem Rücken der Kinder auch ausgetragen, zum Teil ganz schlimm für den Ruf der Monarchie. Dann brannte auch noch Windsor Castle ab. Und naja, also Diana, für die war das natürlich ein Aufbruch, die Scheidung im August 1996. Für sie traurig, aber auch eine Erleichterung. Sie musste sich nicht mehr sagen lassen, was sie tun darf, was sie nicht tun darf. Da war also eine ganze Menge los, wie wir gerade gehört haben. Von Katrin erfahren wir nachher übrigens noch mehr.
1996, also ein Jahr vor ihrem Tod, da schreibt die frisch geschiedene Diana eine Notiz für ihren Anwalt. Und diese Notiz macht einem echt heute noch Gänsehaut. Denn, Diana schreibt, sie habe Angst, bei einem Unfall zu sterben. Also bei einem Unfall, bei dem ein bisschen nachgeholfen wird. Das ist so krass, weil von einem Zettel wusste ich gar nichts vorher. Warum glaubt die das denn? Ja, Diana glaubt, die britischen Geheimdienste MI5 und MI6 wollen sie aus dem Weg räumen, weil sie als geschiedener Presseliebling eine Gefahr für die Monarchie darstellt. Auf dem Zettel steht folgendes, ich zitiere mal. Ich hab das Gefühl, das hier ist die gefährlichste Phase meines Lebens. Er plant einen Unfall mit meinem Auto. Vielleicht kaputte Bremsen. Auf jeden Fall schwere Kopfverletzungen. Oh Mann, wen meint sie mit er? Charles? Oder einen, der noch viel mächtiger im Hintergrund war? Ihren Schwiegervater Philipp?
Und dann fragt man sich, ist das die Paranoia einer Frau, die sich schon seit Monaten in einem emotionalen Ausnahmezustand befindet? Oder ist das Königshaus mit seiner Macht eine echte Bedrohung? Ja, und dieser Zettel wird natürlich auch ein ganz anderes Licht auf den Unfalltod werfen. Ja, denn plötzlich ist da ein Mordverdacht im Spiel. Könnte jemand Diana aus dem Weg räumen wollen? Ein starkes Motiv gäbe es ja. Denn sie ist mit ihren Medienkontakten und ihrer weltweiten Strahlkraft nicht nur eine unmittelbare Gefahr für die Monarchie. Sie liebt auch einen Mann, dessen Familie für so ziemlich alles steht, was die Royals verachten. Im Juli 1997, nur einen Monat vor ihrem Tod, macht Diana mit ihren Söhnen William und Harry Urlaub an der Côte d'Azur. Die Jungs sind 15 und 12 Jahre alt. Zwei Wochen lang sind sie Gäste der Milliardärsfamilie Al-Fayed. Diana scheint ihre neue Freiheit zu genießen. Auf den Paparazzi-Fotos, und es gibt echt viele, da sieht man eine gelöste Diana an der Côte d'Azur im Badeanzug. Für ihre Teenie-Söhne William und Harry ist es der erste große Urlaub mit Mamas neuem Freund. Und mit der Presse. Dianas Mediendasein hat eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Die Fotos zeigen in diesem letzten Sommer eine gebräunte, trainierte Diana im Leo-Badeanzug, die in die Fluten springt oder ihren Freund umarmt.
Die Wahrheit sieht aber anders aus. Auf anderen Bildern sieht man Diana und im Hintergrund eine ganze Armee von Fotografen. Dutzende Linsen sind auf sie gerichtet, damit jede Bewegung, jeder Blick eingefangen wird. Abschießen heißt das im Fotografen-Jargon.
Nach den zwei Wochen bringt Diana die Jungs zurück nach London. Jetzt ist, wie bei den meisten Trennungsfamilien, der Urlaub mit ihrem Vater Charles dran. Und zwar auf dem schottischen Schloss Balmoral, dem Sommersitz der Royals. Am Samstag, den 30. August 1997, fliegen Diana, Dodie und Bodyguard Trevor Rees-Jones mit dem Privatjet von Olbia nach Paris. Natürlich werden sie auch schon am Flughafen wieder von Paparazzi empfangen. Mehr als 20 Autos und Motorräder stehen da schon parat.
Diana trägt einen beige-farbenen Hosenanzug und begrüßt am Rollfeld Henri Paul, den zweiten Sicherheitschef vom Hotel Ritz, den Mann, der sie nur Stunden später in den Tod fahren wird. Henri Paul ist so unauffällig, den könnte man für jede Agentenrolle besetzen. Und was noch interessant ist, er ist nicht nur Sicherheitsexperte, sondern auch seit langer Zeit für den Geheimdienst MI6 tätig. Ja, denen gibt er nämlich seit Ende der 80er Jahre immer mal wieder Infos über die VIPs, die so im Ritz absteigen. Gegen Geld natürlich. Und das wirft Fragen auf. Ist so ein Typ mit Geheimdienstkontakten wirklich ein guter Fahrer für die Ex-Frau des britischen Thronfolgers? Henri Paul hat die Tagesschicht und ist für die Sicherheit des Promi-Paares zuständig. Er fährt ab dem Flughafen hinter der VIP-Truppe, um die Paparazzi in Schach zu halten. Direkt nach der Ankunft machen Diana und Dodie einen Ausflug zur Villa Windsor. Hier hat der abgedankte britische Thronfolger Edward mit seiner geschiedenen Amerikanerin Wallace Simpson gelebt. Übrigens, das ist eine auch super interessante und spannende und mächtige Frau. Naja, und auch diese Villa gehört übrigens Familie Al-Fayed.
Dodi besitzt noch ein Luxusappartement in Paris, aber übernachten wollen Diana und er im Hotel Ritz des Vaters. Um 16.30 Uhr kommen sie dort an und beziehen die Imperial Suite. Die Überwachungskameras aus der Hotellobby und dem Fahrstuhl zeigen Diana, wie sie entspannt lächelt, und dann Dodi, der sie durch die Lobby geleitet. Diana geht anschließend zum Friseur und kauft ein Geburtstagsgeschenk für Harry. Vermutlich telefoniert sie das letzte Mal mit ihren Söhnen. Dodie holt beim Juwelier gegenüber vom Hotel noch einen Ring ab, der, Achtung, 130.000 Pfund kostet. Will er ihr mit diesem Ring etwa einen Antrag machen? Oh, das wäre allerdings hochbrisant. Dass die geschiedene Prinzessin jetzt einen Freund hat, das ist die eine Sache. Dass die Alpha jetzt per Heirat Königshausmitglieder werden, das wäre ein Skandal.
Dass mit Meghan Markle 2018 eine POC, also eine Person of Color, ins Königshaus einzog, war ja schon eine Sensation. Aber zwei Jahrzehnte früher bleibt man noch schön unter sich. Denn man darf nicht vergessen, dass in Großbritannien immer noch ein ziemliches Klassenbewusstsein herrscht. Herkunft, Name, Schulbildung. Alles kann darüber entscheiden, ob du zur Oberschicht dazugehörst oder nur ein Aufsteiger bist. Um 19 Uhr fahren die vier vom Ritz zu Dodis Wohnung in der Nähe vom Etoile, dem Stern, weil sie wohl noch ein paar Klamotten holen wollen. Das Pärchen will um 21.45 Uhr eigentlich in ein angesagtes Restaurant, das Chez Benoit an der Champs-Élysées. Und jetzt nimmt das Drama seinen Lauf. Unten warten schon wieder Paparazzi vor Dodis Tür. Die Stimmung ist aufgeheizt. Jeder will die beste Position.
Deswegen kommt es zu einer Rangelei zwischen den Fotografen und Dodis Leibwächter. Also wird der Restauranttisch kurzerhand wieder abgesagt. Naja, die Champs-Élysées sind natürlich jetzt nicht gerade die Adresse für ein intimes Dinner. Diana und Dodi entscheiden, wir essen im Ritz, da sind nicht so viele Menschen. Die Gruppe fährt also zurück ins Ritz und hinter ihnen wieder allzeit bereit, die Paparazzi aufrollern in Autos, bis sie in der Tiefgarage des Luxushotels verschwinden. Für die Fotografen draußen gibt es nur eine Möglichkeit, an ein gutes Foto zu kommen, das bei Klatschzeitschriften wie Paris Match etliche Tausender bringt. Warten! Um 21.50 Uhr ziehen sich Diana und Dodi in die Suite zurück, weil es auch im Hotelrestaurant zu voll ist. Hier ist Diana als Vorspeise laut Associated Press Pilze und Spargel. Dann Seezunge. Dodi, der nimmt den Steinbutt. Die Suite kostet damals übrigens umgerechnet 6.000 Euro pro Nacht. Heute wären das dreimal so viel. Sie ist mehr als 200 Quadratmeter groß und voll mit Kronleuchtern, Gemälden, Antiquitäten.
Währenddessen hat Fahrer- und Sicherheitschef Henri schon Feierabend. Wo er zwischen 19 und 22 Uhr ist, das weiß man nicht. Aber um 22 Uhr, da sitzt er an der Bar vom Ritz. Und bis heute wird darüber gestritten, was genau er dort trinkt. Er hat ja frei, das heißt, er könnte also Alkohol getrunken haben.
Oben in der Suite führt Dodi an diesem Abend ein letztes Telefonat. Und zwar mit seinem Vater.
Ihm gegenüber klagt er, es seien so viele Paparazzi draußen. Und Vater Mohammed sagt laut eigener Aussage, bleibt doch einfach über Nacht im Hotel, da ist doch alles, was ihr braucht. Das ist schon merkwürdig, oder? Wir haben Katrin Bartenbach gefragt, weil es einem keine Ruhe lässt. Warum verlassen die beiden so spät nochmal das Hotel? Es ist umso verhängnisvoller, als es völlig unnötig war. Dieses Hotel, das schöne Ritz mitten in Paris, dieses Edelhotel, das gehörte ja dem Vater von Dodi. Die hatten da den ganzen Tag und gerne auch die Nacht eine Suite zur Verfügung mit mehreren Zimmern. Sie hatten dann schon aus Verzweiflung im Hotel gegessen, weil das Scherner-Restaurant, wo sie eigentlich hinwollten, da wurden sie schon auf dem Weg dorthin so verfolgt, dass Dodi dann sagte, hier Kommando, zurück zum Chauffeur, wir fahren jetzt doch ins Ritz. Dann saßen sie unten im Restaurant, da wurden sie auch begafft und fotografiert. Dann sind sie in die Suite nach oben, dann haben sie sich das Essen nach oben bringen lassen und waren schon völlig entnervt. Diana war nur müde und erschöpft und wollte am nächsten Tag zu ihren Kindern nach London zurückfliegen, zu William und Harry. Und Dodi fühlte sich blöd, weil er das Ganze nicht im Griff hatte und wusste, da draußen waren fast 100 Paparazzi vom Hotel.
Und das Klügste wäre nach meiner Ansicht eigentlich gewesen, dass die da einfach bleiben. Sie hatten das Gepäck in einer anderen Wohnung, in seiner Junggesellenwohnung in der Nähe vom Arc de Triomphe. Aber das hätte man sich ja bringen lassen können. Die hatten ja Geld, Chauffeur und alles ohne Ende. Aber nein, er wollte unbedingt in diese Wohnung zurück. Eine Theorie ist, da hatte er angeblich einen Verlobungsring, den er Diana schenken wollte. Das ist aber reine Spekulation. Das wurde als einer der Gründe benannt, warum er diese völlig absurde Entscheidung getroffen. Das Hotel nochmal zu verlassen, wissend, dass sie verfolgt werden würden, gejagt werden würden tatsächlich.
Ja, also Diana war, glaube ich, einfach zu willensschwach, in dem Moment zu erschöpft. Sie hat ja kurz vorher noch mit ihrem Freund Richard Cade, dem Journalisten in London, telefoniert und der hat das auch bestätigt, dass sie eigentlich nur noch den Abend mehr oder weniger hinter sich bringen wollte, um am nächsten Tag zu William & Harry zurückzufliegen. Die hat, glaube ich, einfach nur noch, weil sie müde war, gemacht, was Lodi ihr gesagt hat und hat unterschätzt, dass die Sicherheitsstandards nicht mehr so hoch waren, wie sie das früher kannte, als sie noch von Scotland Yard bewacht wurde. Okay, also da ist dieser angebliche Verlobungsring, der vielleicht ein Grund gewesen war, warum Dodie in seiner eigenen Wohnung schlafen will. Und Diana war wahrscheinlich zu erschöpft, um dagegen zu argumentieren.
Um 22.07 Uhr kriegt Ori dann von einem Hotelmitarbeiter die Nachricht, dass er nochmal ran muss. Und dann dauert es nochmal knapp zwei Stunden, bis sein letzter Einsatz startet. Es ist 0.17 Uhr. Die letzten Minuten im Leben von Prinzessin Diana brechen an. Wie Katrin Badenbach schon sagt, sie ist erschöpft, freut sich aber auf ihre Kinder morgen. Sie ist satt und will eigentlich nur noch mit ihrem Liebsten in ein weiches Down-em-Bett. Vor dem Hotel stehen immer noch Fotografen, Touristen und Schaulustige. Das Privatvideo einer Touristin zeigt, wie es da abgeht in dieser warmen Nacht. Hunderte Menschen stehen da rum. Es wird geschubst und gedrängelt. Henri Paul plant ein eher zu simples Täuschungsmanöver. Diana und Dodi verlassen das Ritz über den Hintereingang und steigen in einen schwarzen Mercedes 280 S. Am Haupteingang fährt zeitgleich ein schwarzer Mercedes 600 los. Doch darin sitzt nur Dodis Chauffeur Philippe Dornon.
Klingt jetzt nicht unbedingt nach einem Masterplan, muss man sagen. Denn Stars verlassen das Hotel ja eigentlich immer am Hintereingang. Ja, und die Paparazzi? Die merken das sofort und geben Gas. Auf Motorrädern und in Autos rasen sie hinter der Limo her. Der Kampf ist eröffnet. Wer kriegt das Foto von Diana mit ihrem Lover? Nachts in der Stadt der Liebe. Henri Paul sitzt am Steuer. Dianas Leibwächter Trevor Rees-Jones auf dem Beifahrersitz. Auf der Rückbank hinter ihm Diana. Und links hinten sitzt Dodie. Außer dem Leibwächter auf dem Beifahrersitz ist übrigens niemand angeschnallt. Und die große Frage, die sich stellt, ist alles, was jetzt passiert, eine tragische Verkettung von Ereignissen oder von langer Hand geplant? Soll Diana heute Nacht sterben? Dazu erzählt uns Katrin Badenbach gegen Ende der Episode noch sehr wichtige Details, also unbedingt dranbleiben. Jetzt jedenfalls passieren ein paar seltsame Dinge. Die Strecke von Hotel zu Dodis Wohnung ist eigentlich nur zwei Kilometer lang. Henri Paul fährt aber einen Umweg an der Seine entlang. Vielleicht ein Ablenkungsmanöver für die Presse? Oder eine Strecke, auf der man so richtig Gas geben kann? Es ist Mitternacht und selbst in Paris sind die Straßen um diese Zeit nicht voll.
Henri Paul beschleunigt extrem, vielleicht um die Paparazzi abzuschütteln. Die brettern mit Kleinwagen und Motorrollern hinter der Limo her. Was außerdem merkwürdig ist, die Verkehrskamera, die Raser im Tunnel blitzen soll, die funktioniert seit einer Stunde nicht.
Es ist 0.25 Uhr und die Limo schießt mit geschätzten 130 kmh in den Pont de l'Alma-Tunnel. Erlaubt sind hier eigentlich nur 50. Es gibt ein Foto mit grellem Blitz, nur Sekunden vor dem Crash. Man sieht darauf, wie der Fahrer Henri Paul die Augen seltsam aufreißt. Der Leibwächter schützt seine Augen vor dem Blitz. Diana dreht den Kopf nach hinten. Dodi sieht man kaum. Ja, die große Frage ist, wer hat dieses Bild geschossen? Waren ein paar von den Paparazzi noch schneller oder kamen die von der anderen Seite? Der Tunnel hat in der Mitte eine Kurve, der macht so einen Knick und in der Mitte stützt eine Reihe von Betonpfeilern den ab. Ori Paul wird von einem anderen Auto überholt. Ich frage mich die ganze Zeit, wie schnell der denn unterwegs gewesen sein muss. Trinkt der andere Wagen die Limo ab oder wird Henri Paul von Blitzlichtern geblendet? Es gibt keine Aufnahmen durch Überwachungskameras. Wir haben nur die späteren Aussagen von Augenzeugen. Und ich erinnere nochmal, Henri Paul, der ist ja nicht hauptberuflich Chauffeur, sondern der ist Sicherheitsprofi. Und der verliert die Kontrolle über das Fahrzeug und schlingert. Der Mercedes prallt gegen den 13. Mittelpfeiler.
Mit voller Geschwindigkeit. Wenn ihr schon mal so ein Crash-Test-Video gesehen habt, dann wisst ihr, dass schon bei einem Aufprall mit 50 kmh man kaum eine Überlebenschance hat. Es muss auch einen irren Knall im Tunnel gegeben haben. Die Limo kracht laut Nachrichtenagentur IP in den Pfeiler, schlingert nach rechts, knallt dort gegen die Außenwand, überschlägt sich und kommt in entgegengesetzter Fahrtrichtung zum Stehen. Das alles innerhalb weniger Sekunden.
Ori, Paul und Dodi, die auf der linken Seite im Auto sitzen, sind sofort tot. Aber der Leibwächter und Diana auf der rechten Seite, die leben noch. Die sind beide schwer verletzt. Einer der ersten, die am Unfallort sind, ist Augenzeuge Eric Petel. Kein Fotograf, einfach ein Pariser. Er fährt auf seinem Motorrad zufällig vor der Limo, hört einen irren Knall und dreht dann um. Petel läuft sofort zu dem Wrack. Er sieht, dass die Frau auf der Rückbank mit dem Oberkörper gegen den Vordersitz gesackt ist. Er versucht, sie aufrecht hinzusetzen. Da läuft Blut aus ihrem Ohr und ihrer Nase. Sie hat eine Platzwunde auf der Stirn. So, und erst da erkennt Erik Petel, wer das überhaupt ist vor ihm. Er spricht später in einigen Interviews über diesen Schock. Und überleg mal, du kommst da als erstes an eine Unfallstelle mit Schwerstverletzten, bist ja eh schon völlig überfordert. und dann siehst du, dass das Prinzessin Diana ist. Der Pariser Arzt Dr. Frédéric Meillet ist zufällig zur selben Zeit im Tunnel. Er stoppt seinen Wagen und läuft sofort zur Unfallstelle, um erste Hilfe zu leisten. Er checkt die Vitalfunktionen. Der Leibwächter wimmert und schreit, Diana kann kaum atmen. Der Arzt setzt einen Notruf ab, rennt zu seinem Auto und holt seinen Arztkoffer, um Diana eine Sauerstoffmaske anzulegen. Es ist 0.27 Uhr.
Innerhalb von zwei Minuten ist das alles passiert. Der Arzt sagt später aus, etwa 15 Fotografen hätten Fotos geschossen. Im Tunnel sei ständig das Klicken von Kameras zu hören. Überall habe es grelle Lichtblitze gegeben. Der erste Zeuge, Eric Petel, behauptet aber, kein Fotograf war zu diesem Zeitpunkt am Unfallort. Wie kann das sein, wenn als Unfallursache doch eine Hetzjagd erwähnt wird? Er läuft aus dem Tunnel, sucht die nächste Möglichkeit zu telefonieren. Ihr wisst, damals waren ja Handys noch nicht so verbreitet. Und so gehen wertvolle Minuten verloren. Er setzt einen Notruf ab. Dann geht er zur nächsten Polizeiwache. Und genau hier passiert laut seiner Aussage was Komisches. Denn man glaubt ihm nicht. Erik flippt auf der Wache völlig aus. Schreit, da stirbt eine Frau, tut doch was. Aber die wirken nicht alarmiert. Im Gegenteil sogar. Mehrere Beamte versuchen, ihn zu beruhigen, statt sich um den Unfall zu kümmern. Und man legt ihm nahe, sich nicht zu erkennen zu geben. Das klingt schon fast wie eine Drohung. Der Beamte sagt Erik Petel sogar mehrmals, so könne der Unfall gar nicht passiert sein. Wahnsinn, oder? Die Polizei sagt der Presse sofort, er sei ein Lügner. Petel nimmt sich einen Anwalt. Mehrere Anträge, endlich angehört zu werden, blockt die Polizei ab. Die offizielle Version heißt, es war Paparazzi. Erst sieben Monate später darf Petel die Akten einsehen.
Und sein Anwalt und er merken, seine erste Zeugenaussage, wonach er alleine am Tatort war, also ohne Paparazzi, ist weg. Die wurde nie aufgeschrieben. Ja, die Polizei sagt, er habe undeutlich gesprochen. Sie hätten die Adresse nicht ganz verstanden. Und das ist doch echt seltsam, oder? Ja, und was die Sicherheitsexperten auch stutzig macht, warum gab es kein Begleitfahrzeug hinter dem Mercedes, wie bei jedem VIP? Vielleicht, weil das eine Hotellimousine war? Ich kann mir das nur so erklären, dass die mitten in der Nacht einfach nur noch schnell noch nach Hause wollten. Ohne Trara. Aber es gab ja auch noch das Täuschungsmanöver mit dem anderen Mercedes. Der hätte sie ja locker begleiten können. Und noch etwas Seltsames ist passiert. Eigentlich wird so ein Tunnel nach einem derart folgeschweren Unfall gesperrt, bis alle Spuren und Beweise gesichert sind. Hier nicht.
Ein Newsweek-Journalist sagt aus, er sei morgens um sieben nochmal in den Tunnel gegangen und habe sich gewundert, dass der wieder offen war. Das ist schon bemerkenswert. Ich meine, hier ist eben der krasseste Unfall des Jahrhunderts passiert und am nächsten Morgen können wieder tausende Autofahrer zur Arbeit fahren. Und nicht nur das. Die Pariser Straßenreinigung schickt schon in den frühen Morgenstunden ihre Fahrzeuge mit Schaum an die Stelle. Aber zurück zum Unfall. Jodie und Ori Paul sind tot. Der Leibwächter ist schwer verletzt. Und Diana kann von ihrer Position hinter dem Beifahrersitz im Fußraum nicht bewegt werden. Zum einen, um innere Blutung zu vermeiden. Aber auch, weil mittlerweile das Auto umstellt ist. Paparazzi der großen Fotoagenturen fotografieren und behindern sogar einige der Rettungssanitäter bei der Arbeit. Das macht mich wirklich heute noch wütend. Das ist unglaublich, was die Medien hier machen. Die schießen an die tausend Fotos von der sterbenden Diana. Die Polizei konfisziert so viel Material wie möglich. Alles kriegt sie aber nicht. Bis heute liegen diese Bilder in irgendwelchen Schubladen und auf USB-Sticks. Das Autowrack sieht auf den Fotos wirklich entsetzlich aus. Die ganze Motorhaube und linke Seite ist zerstört. Das Auto könne ja viel über den Unfall aussagen, brennt aber später an einer Lagerhalle der französischen Justiz völlig aus. Und ich finde, das ist schon wieder so ein merkwürdiger Zufall, oder?
Mehr als eine Stunde dauert der Kampf der Sanitäter um die Erstversorgung von Diana und ihrem Leibwächter. Ihr Herz setzt immer wieder aus. Angeblich sagt sie sogar noch zwei Sätze. Oh mein Gott, was ist passiert? Und? Lass mich in Ruhe. Und sie wimmert vor Schmerzen. Die Pariser Staatsanwältin kommt und ordnet an, dass sieben Paparazzi verhaftet werden sollen. Davon gibt's übrigens auch Fotos, wie die im Polizeibus weggefahren werden. Dieses Mal sind sie das Fotomotiv. Um kurz nach halb zwei morgens wird Diana aus dem Wrack geborgen. Die Notärzte haben sie zumindest soweit stabilisiert, sodass sie transportiert werden kann. Mit dem Krankenwagen wird sie in sechs Kilometer entferntem Pitié-Salpetrière Krankenhaus gefahren, weil das am besten ausgestattet ist. Die Straßen hat die Polizei abgesperrt. Auf dem Weg muss Diana mehrmals wiederbelebt werden. Zweimal stoppt der Wagen kurz vor der Klinik ein drittes Mal. Die Sanitäter müssen so langsam fahren, weil jeder Stoß einen Herzschildstand auslösen kann. Um zwei Uhr früh kommt der Krankenwagen endlich in der Klinik an. Diana kommt sofort in den OP.
Durch den Aufprall ist Dianas Herz von der linken Seite auf die rechte Seite gerutscht. Sie hat eine Blutung in der Brusthöhle und bekommt eine Transfusion. Die linke Lungenvene ist gerissen. Die Ärzte können die noch nähen, aber das Herz setzt trotz ständiger Massagen, Adrenalin und Defibrillatoren immer wieder aus. Zwei Stunden lang kämpft das Team auf der Intensivstation darum, Diana zurückzuholen. Und stellt euch mal vor, was das für eine Nacht ist. Hier kämpfen Ärzte um das Leben der Prinzessin. Sieben Paparazzi sitzen im Polizeigewahrsam, ein paar andere sind mit ihren Fotos abgehauen und die ganze Welt weiß davon noch nichts. Heute wäre das wahrscheinlich in derselben Minute schon auf TikTok oder so. Ja, stimmt. Um vier Uhr früh ist der Kampf leider verloren. Dianas Herz schlägt nicht mehr. Ein Pfarrer wird geholt, um ihr die letzte Ölung zu geben und danach bei ihr zu bleiben. Die meistfotografierte Frau der Erde ist tot, mit gerade mal 36 Jahren.
Zwischen 4 und 5 Uhr früh informieren die Ärzte Charles, Dianas Schwestern und den britischen Premierminister Tony Blair. Um 6 Uhr früh wird eine Pressekonferenz gegeben, in der Dianas Tod verkündet wird. Das muss natürlich schnell passieren, bevor jemand die Fotos der sterbenden Prinzessin druckt. Vermutlich ist parallel zu den Ärzten eine ganze Armee am PR-Beratern und Juristen beschäftigt, um zu verhindern, dass irgendwas davon in der Zeitung steht. Dianas Leibwächter war ja als Einziger angeschnallt und überlebt. Trevor Reese Jones hat schwere Kopfverletzungen. In seinem Gesicht ist fast jeder Knochen gebrochen. Er muss in etlichen OPs mit früheren Fotos als Vorlage rekonstruiert werden. Zehn Tage lang liegt er im künstlichen Koma. Ein Monat in der Klinik. Er schreibt später ein Buch über diese Nacht. Die Kosten für seine langwierige Behandlung, Die übernimmt übrigens die Familie Al-Fayed. Um 6.30 Uhr morgens überbringt Charles seinen Söhnen William und Harry in Schottland die schlimmste Nachricht, die man Kindern überbringen kann. Eure Mama ist tot. Erst sagt er es William, dann wecken beide den zwölfjährigen Harry. Das sollte kein Kind jemals erleben müssen, Royal oder nicht.
Kein Wunder, dass William und Harry bis heute allergisch auf Paparazzi reagieren und sich regelmäßig Rechtsstreits mit der Presse liefern. Es ist der 31. August 1997 und die Welt steht an diesem Tag irgendwie still. Am Nachmittag steigt Charles zusammen mit Dianas Schwestern an einem Militärflughafen in einem Privatjet nach Frankreich, um den Leichnam seiner Ex-Frau zurück nach England zu holen.
Auf den Bildern sieht er, finde ich, echt mitgenommen aus. Nicht wie jemand, der endlich seine unbequeme Ex losgeworden ist, sondern einfach wie ein Vater, dessen Söhne jetzt ohne ihre Mutter aufwachsen müssen. So langsam wird aus dem Schock weltweite Trauer. Es entsteht schnell ein riesiges Blumenmeer vom Kensington Palace in London. Die ganze Stadt duftet nach Rosen. Überall weinen Menschen, als hätten sie eine Freundin verloren. Ein nahezu kollektiver Schmerz bricht in diesen warmen Spätsommertagen auf der ganzen Welt aus. Also ehrlich gesagt, ich fand den Titel Königin der Herzen immer so ein bisschen kitschig. Aber die Beschreibung, Premier Tony Blair sagt in seiner Ansprache Prinzessin der Herzen, die trifft es einfach total. Zwei Milliarden Fernsehzuschauerinnen und Zuschauer sehen am 6. September die Beerdigung, auf der Elton John singt, auf der Dianas Bruder Charles eine flammende Rede gegen die Paparazzi hält, die seine Schwester in den Tod gejagt haben. William und Harry laufen zusammen mit ihrem Vater, ihrem Onkel und ihrem Opa mit versteinerten Minen hinter dem Sarg her. Der ist mit weißen Lilien geschmückt. Darauf liegt ein Brief von Harry. Auf dem Umschlag steht nur Mommy.
Und die Millionenstadt London ist plötzlich totenstill. Als der Sarg ihrer Schwiegertochter an der damaligen Queen Elizabeth vorbeifährt, da lässt sich die Regentin zu einem Kopfnicken herab. Und das gab's noch nie. Ja, das Volk nimmt der immer gefassten, immer kontrollierten Queen übel, dass sie keine Gefühle zeigt. Zeitungen flehen sie an, irgendeine Emotion zu zeigen. Und wirklich, sechs Tage nach Dianas Tod, am Vorabend der Beerdigung, hält die Queen eine Fernsehansprache, in der sie Diana endlich würdigt. Noch nach ihrem Tod hat Diana so quasi für eine längst überfällige Revolution gesorgt. Die Royals müssen sich dem zornigen Volk beugen. Aber noch ist ja immer nicht geklärt, wie genau es zu dem Unfall kommen konnte. Ein französisches Ermittlerteam setzt sich daran, den Unfall aufzuklären. Diese ersten Ergebnisse werden aber nie veröffentlicht.
Die Paparazzi vernehmen, kommt vom Élysée-Palast die Ansage, den Ball flach zu halten. 36 Stunden nach Dianas Tod gibt es ein offizielles Wording, nämlich der betrunkene Fahrer war's. Ja, Zeitungen wie der britische Mirror, also so eine Boulevardpresse, schreiben, dass Henri Paul dreimal so viel Promille im Blut gehabt habe, wie erlaubt. Überwachungskameras aus dem Ritz zeigen aber, wie sich der Sicherheitschef kurz vor dem Aufbruch die Schuhe bindet. Henri Paul geht in die Hocke, verlagert sein Gewicht mühelos von einem Bein aufs andere. So sieht eigentlich keiner aus, der sich in der Bar betrunken hat.
Und woher wusste man überhaupt, wie schnell er gefahren ist? Angeblich ist das Tacho bei 130 kmh stehen geblieben. Aber Mercedes sagt sofort, unmöglich. Laut dem Autohersteller geht das Tacho bei einem Unfall nämlich zurück auf Null. Mercedes durfte das Autowrack übrigens auch nicht besichtigen. Tage später wird auch Henri Paul obduziert. Angeblich hat er 1,8 Promille und Tablettenrückstände im Blut. Und, Achtung, 20,7 Prozent Kohlenmonoxid? Also was das bedeutet, das musste ich erstmal googeln. und das wäre nämlich demnach eine richtige amtliche Vergiftung mit starken Kopfschmerzen, die man zum Beispiel durch Atmen von starkem Gas bekommt. Er machte aber im Hotel nicht den Eindruck, als ginge es ihm schlecht, sagen Augenzeugen. Ein Wissenschaftler sagt gegenüber der Zeitung Welt, es kann sich nicht um Henri Pauls Blut gehandelt haben. Das kann nicht sein, sagen auch Mediziner. Bei so einer Menge hätte sich Henri nämlich übergeben und sich irgendwie seltsam benommen. und auf keinen Fall hätte er ein Auto gesteuert. Auch in England wird ermittelt, aber die Franzosen blocken eher ab. Ja, wer hat denn nun die Deutungshoheit über den Unfall? Das Herkunftsland von Diana oder der Unfallort Frankreich? Die Briten schicken einen Privatdetektiv in die Wohnung von Henri. Angeblich war er ein Trinker, aber in seinem Kühlschrank sind 240 Flaschen Cola Light.
240! Und eine Flasche Martini. Sie finden außerdem keine Medikamente bei dem angeblich Tablettensüchtigen.
Und jetzt schaltet sich auch noch Dodis Vater ein, Mohammed Al-Fayed. Der lässt richtig Geld springen und will endlich Klarheit über den Tod seines Sohnes. Er engagiert eigene Experten und Anwälte. Und die fechten erstmal den Autopsiebericht von Henri Paul an. Die Zeiten wären ungenau festgehalten. Es gäbe keine Beschreibung der Autopsie und keine Erklärung für die Kohlenmonoxidvergiftung. Auch Dodis Leichnam rücken die Behörden nicht raus. Dodie hatte sein Handy dabei, das sieht man auf einem der letzten Fotos im Ritz. Aber später finden die Ermittelnden nichts außer Bargeld. Keine Zigaretten, kein Feuerzeug, kein Telefon. Aber wer hätte was davon, Beweisstücke zurückzuhalten?
Verschwörungstheoretiker glauben, die Royal Family selbst. Dazu passt ihrer Ansicht nach, dass am Ende niemand richtig verantwortlich gemacht wird. 17 Tage nach dem Crash werden die Paparazzi, die vom Unfallort abgeführt wurden, nicht wegen Totschlags, sondern nur noch wegen unterlassener Hilfeleistung belangt. Sprich, sie haben den Unfall durch ihre Jagd nicht verursacht. Ach ja, und ein seltsames Detail gibt's noch. Die Polizei hat weiße Lackspuren im Tunnel gesichert und glaubt, es muss ein weißer Fiat Uno in den Unfall verwickelt gewesen sein. Einige Fotografen wollen gesehen haben, wie der schlingerte. Hat der die Limo vielleicht abgedrängt? Ganz Paris wird nach dem Auto und dem Halter abgesucht, aber ohne Ergebnis. Aber auch hier recherchiert Dodis Vater wieder fleißig mit. Seine Leute finden den Fahrer, einen hartgesottenen Paparazzo namens James Anderson. Er ist in der Nacht mit seinem weißen Fiat Uno im Tunnel. Also hat er das letzte Bild geschossen? Bei Freunden protzt er wohl, er sei am Unfallort gewesen. Aber die Polizei hätte ihn nicht geschnappt. Im Juni 2000 bringt sich Anderson angeblich um, indem er sein Auto anzündet.
1999, zwei Jahre nach dem Unfall, legen sich die Behörden offiziell fest. Es gibt nichts Neues. Es war ein Unfall, verursacht durch einen betrunkenen Fahrer unter Medikamenteneinfluss, der zu schnell gefahren ist. Ja, ich würde sagen, es bleiben aber ein paar Fragen zurück. Zum Beispiel, warum ging die Überwachungskamera über dem Tunnel nicht zum Unfallzeitpunkt? Warum wurde die Unfallstelle nach nur vier Stunden gereinigt und dann wieder freigegeben? Warum interessiert sich niemand für den ersten Zeugen am Unfallort? Warum ist die Autopsie des Fahrers unsauber gemacht worden?
Und warum untersucht niemand die Verbindung von Henri Paul zum Geheimdienst? Auf seinem Konto finden die Ermittler für den 31. August üppige Überweisungen. Auch hat er verdächtig viel Geld bei sich. Und letztlich, warum interessiert eigentlich niemanden die Notiz von Diana, dass sie Angst hatte, ausgerechnet bei einem Autounfall zu sterben? Ja, langsam wachen die Medien auf. Der TV-Moderator Piers Morgan sagt damals, es müsse unbedingt eine Untersuchung geben. Das Hochglanz-Magazin TEDxler, bis heute die Society-Bibel, fordert neue Recherchen. 2004, also sieben Jahre nach Dianas Tod, macht die Polizei auf Drängen von Dodis Vater Mohamed Al-Fayed die Akten wieder auf. In London startet Scotland Yard die Operation Paget, mit neun Beweisen, neun Zeugen und Geschworenen, die alle unter Polizeischutz stehen. Zu den 6000 Seiten vom französischen Ermittlungsbericht aus der ersten Runde kommen noch einmal 832 Seiten hinzu.
Zwei Jahre zieht sich das dann auch wieder. Dann werden die Ermittlungen eingestellt. Alle Zeugen sind gehört, viele neue Beweise ausgewertet. Und trotzdem reicht das immer noch nicht, um zu klären, wer hat denn jetzt diesen Unfall verursacht und warum. Case wieder closed. Die offizielle Begründung? Es ergeben sich einfach keine neuen Anhaltspunkte für einen Mord. Neun Jahre lang beschäftigt Dianas Tod Ermittlerteams aus zwei Ländern. Und am Ende ist immer noch nicht geklärt, wie das passieren konnte. Wenn Diana noch leben würde, dann hätte sie jetzt fünf Enkelkinder und sie wäre heute 64 Jahre alt. Tja, und ihr Ex-Mann hat seine Langzeitliebe Camilla geheiratet und ist jetzt König. Diana hat ihre letzte Ruhe übrigens auf einer Privatinsel im See von Schloss Althorp, ihrem Elternhaus, unter Bäumen gefunden.
Am 30. August 2023, fast genau am Todestag seines Sohnes Dodi, stirbt Mohammed Al-Fayed mit 94 Jahren. Er war bis zum Schluss davon überzeugt, dass der britische Geheimdienst, angeheuert vom Prinz Philipp, dem Ehemann der Queen, hinter diesem Unfall steckt. Beweisen konnte er das aber trotz aller Untersuchungen nie. Trevor Reese Jones, der Leibwächter und einzig Überlebende, gibt später noch etliche Interviews. Zu CNN sagt er, ich bin der Einzige, der wirklich sagen könnte, was in dieser Nacht geschah. Und ich weiß es nicht mehr. Er sagt, er könne sich vage erinnern, dass Diana Dodies Namen gerufen habe, dass ein Motorradfahrer neben der Limo hergefahren sei. Ansonsten Blackout. Heute ist Trevor 57 Jahre alt, lebt im britischen Shropshire, nachdem er lange als Sicherheitsdirektor für die Filme Halliburton und dann für den Pharma-Riesen AstraZeneca gearbeitet hat. Im Jahr 2000 bringt er ein Buch heraus, in dem er über den Unfall spricht. Aber viele Details hat er eben nicht. Bis heute bleibt Dianas Geschichte, die Geschehnisse rund um die Nacht ihres Todes, packend.
Wir haben euch versprochen, dass Katrin nochmal zu Wort kommt, und zwar zu der ganz großen Frage. War es ein Unfall durch Paparazzi-Jagd oder ein gezieltes Manöver? Wer oder was, Katrin, trägt die Schuld an Dianas Tod? Also der offizielle Untersuchungsbericht, und es gab zwei, einen in Frankreich, zwei Jahre lang recherchiert, nochmal einen in Großbritannien und die Urteilsfindung hat dann nochmal fast zwei Jahre gedauert, hieß am Ende Tod durch Unfall, weil der Fahrer unter Drogen und betrunken war, unverantwortlich, schnell gefahren ist und jetzt kommt ihr Teil an der Verantwortung, sie war nicht angeschnallt. Es gab eine Person im Auto, die war angeschnallt, die hat überlebt. Der Bodyguard, der lebt noch bis heute, Trevor Rees Jones. Es war eine dicke Mercedes-Limousine, da hätte sie nicht drin sterben müssen.
Es war eine Jagd sicherlich, aber die war auch nicht schlimmer als andere, die sie auch schon gehabt hatte. Ich glaube nicht an einem gezielten Anschlag, einen Mordversuch. Man hätte es ja gar nicht planen können. Zehn Minuten vorher wusste noch keiner, dass die an dem Abend auf dieser Route durch den Almatunnel fahren würden. Das war nicht die direkte Strecke zu dem Apartment von Dodi. Es war nicht zu planen. Einen Mordanschlag muss man planen. Man muss wissen, wo die Opfer sich wahrscheinlich aufhalten werden. Es war schlicht nicht zu planen. Und es gab auch keinerlei Zeugen oder Zeugenaussagenbeweise. Also ein weißer Fiat Uno hat hinten rechts den Wagen gestreift. Die Lacksporn gab es. Man hat am Ende auch gefunden, den Fahrer, der es war. Der hat zwar nicht zugegeben, aber es passte alles nicht zusammen. Es war zwar ein kleines, der hat den Wagen touchiert, aber es war nicht wirklich irgendwie tödlich. Also das kann man einfach so nicht sagen. Der Unfallbericht sagt, es war Unfall durch verantwortungsloses Fahren des Chauffeurs. Und das glaube ich tatsächlich auch. Also, unsere Expertin ist ganz klar der Ansicht, dass Diana durch einen tragischen Unfall gestorben ist. Unter anderem, weil sie halt nicht angeschnallt war. Ein gezielter Anschlag wäre aufgrund der Kurzfristigkeit der Pläne gar nicht machbar gewesen. Und trotzdem glauben ja einige bis heute, dass es nicht einfach nur ein Unfall war. Vielen lässt der Tod Dianas eben bis heute keine Ruhe. Wir haben Katrin auch noch gefragt, ob es das denn jetzt mit den Untersuchungen war.
Neu aufgerollt werden kann, so wie das in den sozialen Medien ja oft gefordert wird. Ich denke mal, gerade in den Social Media gibt es immer Verschwörungstheoretiker. Sie war eine solche Ikone und ist es bis heute, dass es immer wieder Leute geben, weil sie glauben, noch irgendwas gefunden zu haben. Es war ja auch Dodis Vater, Mohamed Al-Fayr, der hat das ja über Jahrzehnte immer weiter vorangetrieben, weil er auch nicht wahrhaben wollte, dass es nur ein Unfall war. Der ist jetzt gestorben, also fällt schon mal einer weg, der das noch eventuell weiter vorantreiben könnte. Je mehr Zeit vergeht, desto unwahrscheinlicher, dass sich jetzt noch Zeugen melden, die noch ganz besondere Aussagen haben, die das Ganze verändern könnten, die ganze Sachlage.
Also sagen wir mal so, sinnhafte Zweifel würden jetzt, glaube ich, nicht mehr hochkommen. Es würde auch niemand mehr nochmal Millionen, es hat ja Millionen und Abermillionen gekostet, gerade die britische Untersuchung. Die haben sich ja das Auto aus Frankreich nochmal geholt, das Frag des Mercedes, haben das alles nochmal spurentechnisch untersucht. Diesen Aufwand kann keiner mehr betreiben und will keiner mehr betreiben. Von der Rechtslage her ist das abgeschlossen, Unfalltod. Wer im Netz noch welche Geschichten verbreitet, das kann man nie wissen. Das wird wahrscheinlich immer noch weitergehen, weil sie halt so eine besondere Ikone war.
Aber dass nochmal das wirklich vor Gericht wieder aufgenommen wird, der Fall, das glaube ich nicht. Super spannend deine Einschätzung, Katrin. Vielen lieben Dank. Also Rechtslage abgeschlossen, Tod durch Unfall. So, und jetzt sind wir natürlich super gespannt, was ihr über Diana und ihren tragischen Tod denkt und wie es euch damals ergangen ist, als ihr die Todesnachricht gehört habt, was ihr an dem Tag gemacht habt, wo ihr wart. Meistens weiß man sowas ja noch ganz genau. Schreibt uns das super gerne bei Instagram, da heißen wir im Schatten der Macht und schreibt nicht nur, folgt auch gerne. Darüber freuen sich Ricardia und ich sehr. Wir sagen Danke fürs Zuhören, fürs Mitfiebern und bis zum nächsten Mal. Bleibt safe da draußen. Eure Anne und Ricardia. Danke an unser Team von Open Minds Media. Executive Producer Rüdiger Barth, Konzeption Peter Grewe, Rüdiger Barth und Manfred Neumann. Producer Ricardia Bremley. Den Schnitt machte Lilli Johannsen. Zusätzliche Unterstützung von Falko Schulte.