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Ihre Anhänger verehren sie bis heute als Heilige. Ihre Gegner beschimpfen sie fürchterlich. Sie setzt sich vor allem für die Armen und Schwachen ein. Sie gründet eine riesige Stiftung, die tausende Pakete täglich am Bedürftige verteilt. Auch für Frauenrechte kämpft sie verbissen. Dass Frauen heute in Argentinien wählen können, das geht auf sie zurück. Die Rede ist von einer Frau, die in ihrem kurzen Leben bereits eine Legende wurde. Eva Perron. Bekannt ist sie bis heute auch mit ihrem Spitznamen Evita. Und so werden wir sie heute auch in der Folge nennen. Das ist eine Koseform von Eva, die Zuneigung und großen Respekt ausdrücken soll. Evita ist eine Persönlichkeit mit vielen Facetten.

Die warmherzige Evita kann aber auch knallhart sein und agiert extrem populistisch. Damit kontrolliert sie die Massen der wenig privilegierten Bevölkerung. Und die liegen ihr regelrecht zu Füßen. Und diesen Einfluss, den nutzt Evita gnadenlos für ihre eigenen Zwecke aus. Ihre Kritiker werfen ihr vor, dass sie ihr soziales Engagement nur vorspielt, um im Hintergrund die Strippen zu ziehen. Ihr Ziel sei es eigentlich, dass ihr Mann Präsident und sie die First Lady wird und dann auch bleibt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist die politische Lage in Argentinien diffus. Viele Gruppierungen und alte Eliten wie das Militär, extreme Konservative und Großgrundbesitzer kämpfen um die Macht im Land.

Wer die Armen hinter sich vereinen kann, hat einen entscheidenden strategischen Vorteil. Der Name Evita ist bis heute ein Begriff, was schon ein bisschen überraschend ist. Schließlich war sie lediglich für ein paar Jahre die First Lady von Argentinien. Oder kennt ihr den Namen der Frau des aktuellen Präsidenten Javier Mele? Ja, okay, der ist nicht verheiratet, aber ich glaube, ihr versteht, was wir meinen. Dass Evita mehr als 70 Jahre nach ihrem Tod immer noch so bekannt ist, liegt natürlich auch daran, dass Andrew Lloyd Webber das gleichnamige Musical mit dem Superhit Don't Cry For Me Argentina schrieb. Im Jahr 1996 folgt dann der Oscar-prämierte Evita-Film mit Madonna und Antonio Banderas in den Hauptrollen.

Doch auch politisch wirkt sie teilweise bis heute nach. Die Partei ihres Mannes Juan Domingo Perón, die Partido Justi Realista, stellt noch viele Präsidenten. So auch die bislang einzige Präsidentin des Landes, Cristina Fernández de Kirchner. Ohne Evita wäre die Partei nie so groß geworden. Schutzheilige der Armen oder Machtbesessene? Wer war Eva Perón, also wirklich?

Möglicherweise beides? Schlugen zwei Herzen in ihrer Brust? War sie knallhart berechnend oder innerlich zerrissen? Musste sie in diesen Zeiten, und das habe ich mich gefragt, musste sie in diesen Zeiten vielleicht so vorgehen, wie sie es tat, damit das Land einen echten Fortschritt machen konnte? Das werden wir versuchen in der heutigen Folge zu klären. Und damit herzlich willkommen bei Im Schatten der Macht. Ich bin Ricardia Bramley. Und ich bin Anne Luckmann. Wir sprechen heute über einen Fall, der in vielerlei Hinsicht absolut einmalig ist. und perfekt zu unserem Podcast-Namen passt. Eva Perón gilt bis zu ihrem Tod am 26. Juli 1952 als eine der mächtigsten Frauen der Welt. Dabei bekleidet sie noch nicht mal ein politisches Amt. Sie steht im Schatten der Macht und tritt doch aus ihm heraus. Sie war auch nicht reich. Ganz im Gegenteil, sie stammt aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Und sie wurde nur 33 Jahre alt. Da fragt man sich natürlich, wie eine einzelne Person in so kurzer Zeit so einflussreich und mächtig werden konnte. Um zu verstehen, warum sie vor allem bei den mittellosen Argentiniern so gut ankam und warum sie zu der Frau wurde, die später so sehr im Schatten der Macht agiert, müssen wir uns ihre Biografie anschauen. Sie verkörpert sozusagen eine moderne Version von Aschenputtel.

Evita wird am 7. Mai 1919 in der Kleinstadt Los Toldos, gut 300 Kilometer von Buenos Aires, unter dem Namen Maria Eva Duarte geboren. Sie hat noch vier Geschwister. Ihr Vater ist der Großgrundbesitzer Juan Duarte. Mit dem ist Evitas Mutter Juana Ebaguren, aber nicht verheiratet. Damit sind Evita und ihre Geschwister also uneheliche Kinder, mit entsprechend wenig Rechten. Als sie drei Jahre alt ist, da verlässt der Vater die Familie und kehrt zu seiner richtigen Ehefrau und seiner quasi Erstfamilie zurück. Mutter Juana muss sich jetzt als Alleinerziehende mit fünf Kindern durchschlagen. Das ist ja zu keiner Zeit eine leichte Aufgabe. Aber in Argentinien, Anfang des 20. Jahrhunderts, wird es zusätzlich erschwert, weil nicht der Vater, der alle im Stich lässt, beschämt wird, sondern die alleingelassene Mutter.

Evitas Mutter näht für die Nachbarn Kleider, um die Familie zu ernähren. Die sechsköpfige Familie ist bettelarm, alle leiden oft an Hunger. Sie werden isoliert und stigmatisiert, weil sie eben nicht durch Heirat legitimiert sind. Das verdeutlicht beispielhaft folgende Situation. Als Vater Juan Duarte stirbt, will Evita mit ihren Geschwistern und der Mutter zur Beerdigung gehen. Sie werden umgehend auf Befehl der Ehefrau der Kirche verwiesen. Ja, also eher eine traurige Kindheit. Evita lenkt sich von ihrem tristen Alltag mit Theateraufführungen und Konzerten ab, an denen sie an ihrer Schule teilnimmt. So oft es ihr möglich ist, geht sie ins Kino. Sie träumt von einer Zukunft als Schauspielerin, weit weg von ihrem ärmlichen Zuhause. Als Evita 15 Jahre alt ist, da verliebt sie sich in einen Musiker.

Beide beschließen, durchzubrennen und nach Buenos Aires zu gehen. Hier will sie durchstarten und eine Karriere im Entertainment-Bereich machen. Es ist das Jahr 1934. Buenos Aires gilt in den 1930er Jahren als das Paris Südamerikas. Insbesondere die Patricia Paläste und Avenidas erinnern an die Architektur der französischen Hauptstadt. Im Zentrum gibt es zahlreiche Cafés, Restaurants, Theater, Kinos und Geschäfte. Die Atmosphäre ist kosmopolitisch, das Nachtleben pulsiert. Alles hier erinnert an eine europäische Metropole. In den Clubs wird natürlich Tango getanzt. Allerdings kann sich das angenehme Leben dort nicht jeder leisten. Zu der Zeit plagen Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger die Hauptstadt Argentiniens. Die nächsten acht Jahre muss sich Evita mit kleinen Theaterrollen über Wasser halten. Sie hat keine Ausbildung und keine Kontakte in die Entertainment-Branche. Sie wohnt sogar in Baracken oder heruntergekommenen Pensionen. Doch Evita hat auch ein paar Vorteile. Sie ist clever, attraktiv und hat eine tolle Stimme. Sie wird immer wieder als Model engagiert, was ihr eine gewisse Bekanntheit beschert.

Am 20. Mai 1939 erscheint ein Foto von ihr zum ersten Mal auf der Titelseite einer Zeitschrift. Schließlich ergattert sie 1942, drei Jahre später, im Alter von 23 Jahren nur, den Job als Radiomoderatorin bei einer Sendung, die täglich ausgestrahlt wird. Es ist ihr Durchbruch. Evita bekommt immer mehr Radiosendungen und auch Filmrollen.

Ja, das heißt, mittlerweile hat sie also einen gewissen Bekanntheitsgrad. Und das eröffnet ihr natürlich einige Türen. So wird sie zum Beispiel zu Charity-Events eingeladen, auf denen sie weitere Leute kennenlernt, die ihr nützlich sein können. Im Januar 1944 nimmt sie an einer Wohltätigkeitsveranstaltung nach einem Erdbebenteil, bei der in der Stadt San Juan mehr als 10.000 Menschen sterben. Bei diesem Charity-Event ist auch Juan Perón anwesend, der die Regierung als Minister für Arbeit und Wohlfahrt vertritt. Als an seinem Tisch ein Platz neben ihm frei wird, da fackelt Evita nicht lange und setzt sich einfach direkt neben den Politikern. Natürlich freut sich Juan Perón über seine attraktive und charmante Tischnachbarin. Die beiden unterhalten sich angeregt miteinander und bleiben auch nach der Wohltätigkeitsveranstaltung in Kontakt. Wobei das die Situation nicht so ganz akkurat beschreibt. Die beiden beginnen nämlich ihre sexuelle Affäre.

Zumindest von Evitas Seite war es jetzt eher nicht so Liebe auf den ersten Blick. Juan Perón ist knapp 24 Jahre älter als sie. Aber ihm steht offenbar eine glänzende politische Karriere bevor. Denn schon im Februar 1944, also nur rund zwei Wochen nach ihrem Kennenlernen, da wird er zum Vizepräsidenten und Kriegsminister des Landes ernannt. Evita-Biografin Alicia Duchovne-Ortiz beschreibt das Verhältnis des ungewöhnlichen Paares folgendermaßen. Perón war ihr Schutzdach, ihr väterliches Haus, das sie endlich wiedergefunden hatte. Evita hingegen kannte die Menschen. Dieser Kenntnis verdankte sie ihr Überleben im Theatermilieu. Unter dieser Art von Menschenkenntnis muss man hier die Fähigkeit verstehen, den Menschen ins Herz zu sehen und abzuschätzen, wie loyal sie sind oder wie groß die Versuchung des Verrats ist. Juan Perón hat seine Karriere beim Militär gestartet und ist 1930 beim Militärputsch gegen den damaligen Präsidenten beteiligt. Er ist fünf Jahre lang Privatsekretär des Kriegsministers und wird anschließend als Militärattaché nach Europa geschickt. Das ist ein hochrangiger Offizier, der in einer Auslandsvertretung des Landes agiert, also einer Botschaft oder einem Konsulat.

Dort in Europa entwickelt er dann eine große Bewunderung für den Faschismus. Er ist geradezu ein Fan vom italienischen Diktator Benito Mussolini. Als Juan Perón 1941 nach Argentinien zurückkehrt, ist dort wieder eine regulär gewählte Regierung an der Macht. Juan Perón gründet mit anderen Offizieren zusammen die Geheimorganisation Grupo de Officiales Unidos, kurz GOU. Und im Juni 1943 spielt er als Oberst eine wichtige Rolle in einem Militärputsch der GUU gegen die gewählte Regierung. Die GUU will aber nicht nur die Macht in Argentinien an sich reißen. Sie hat viel größere Ziele, die von keinem Geringeren als von Adolf Hitler inspiriert wurden. In einem GUU-Manifest im Mai 1943 schreibt Juan Perón, Hitlers Kampf im Frieden wie im Krieg wird unser Leitstern sein. Allianzen zu schmieden wird der erste Schritt sein. Wir haben Paraguay und Chile. Mit Argentinien, Paraguay, Bolivien und Chile wird es einfach sein, Druck auf Uruguay auszuüben. Danach werden die fünf Vereinten Nationen Brasiliens angesichts seiner Regierungsform und seines großen deutschen Bevölkerungsanteils leicht auf ihre Seite ziehen.

Ist Brasilien erst einmal gefallen, wird der amerikanische Kontinent unser sein. Übrigens, das wusste ich ehrlich gesagt nicht, dass Südamerika mal vorhatte, Nordamerika zu erobern, weil im Moment sieht es ja eher umgekehrt aus, wenn man so an den Golf von Amerika denkt.

Übrigens leben in Argentinien deswegen so viele Deutsche, weil in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Menschen aufgrund von wirtschaftlicher Not in das südamerikanische Land ausgewandert sind. Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs fliehen darüber hinaus auch viele Deutsche nach Argentinien, teilweise wegen der Kriegslager, aber auch wegen politischer Verfolgung. Zudem ist das Land sehr europäisch. Das heißt, die Eingewöhnung fällt hier vielen Deutschen leicht. Unmittelbar nachdem Juan Perón das Manifest veröffentlicht, trifft er übrigens ein geheimes Abkommen über wechselseitige Zusammenarbeit mit dem Nationalsozialistischen Deutschen Auslandsgeheimdienst, dem Sicherheitsdienst des Reichsführers SS. Aber wie das so ist in Diktaturen oder bei Putschisten und Militärregimen, manchmal ist der Abstieg halt auch nicht weit. Und er ist sogar schneller als der Aufstieg in manchen Fällen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist der Faschismus in Europa erledigt. Und auch in Argentinien wollen die Menschen endlich frei sein. Im September 1945 demonstrieren 250.000 Menschen in einem »Marsch für die Verfassung« gegen den Despotismus und fordern den Kopf Perrons.

Perron verhängt den Ausnahmezustand und ordnet eine beispiellose Verhaftungswelle an, die vor allem Gelehrte, Journalisten und oppositionelle Politiker trifft.

Die Massenproteste werden langsam auch der Militärregierung zu heiß. Sie enthebt Juan Perón seines Amtes, verhaftet ihn und bringt ihn auf die Gefängnisinsel Martin Garcia. Allerdings ordnet die Politologin Carolina Bari in einem Artikel des Deutschlandfunks ein, der damalige Präsident Edelmiro Farrell ließ Perón auf die Gefängnisinsel Martin Garcia bringen. Nicht um ihn einzusperren, sondern um ihn zu schützen. Denn seine Widersacher wollten ihn umbringen. Perrons Anhänger glaubten, er sei in Gefangenschaft.

Deshalb zogen sie am 17. Oktober vor dem Regierungspalast, um seine Freilassung zu fordern. So, jetzt kommt aber wieder Evita ins Spiel. Die nutzt es geschickt aus, dass ihr Partner, die beiden sind mittlerweile nämlich auch offiziell ein Paar, angeblich hinter Gittern schmoren muss. Denn an seiner Seite läuft auch ihre Karriere noch besser als jemals zuvor. Anfang 1945 muss sie sich für den Film La Galbagata del Circo, oder deutsch, der Zirkusritt, ihre dunklen Haare blondieren. Ihr neuer Style wird jetzt zu ihrem Markenzeichen. Bis zu ihrem Tod trägt sie blond gefärbte Haare. Daher setzt sie alles daran, ihrem Liebsten öffentlich wirksam zu helfen. Sie nutzt ihre besten Medienkontakte und natürlich ihre Beliebtheit aus. Im Radio fordert Evita Juan Perrons Freilassung und spricht auch auf Kundgebungen. Dort heizt sie die Massen regelrecht an. Descamisados heißt übersetzt übrigens Hemdlose. Das sind Menschen, die so arm sind, dass ihnen sogar das letzte Hemd genommen wird.

Laut einem Artikel in der Welt sind es Fabrikarbeiter, Lkw-Fahrer, Hausfrauen, Kleinbauern und Arbeitslose. Zu ihnen spricht Evita voller Suggestivkraft und Pathos. Danach stellt sie sich an die Spitze eines Demonstrationszugs, während die Massen schwören, ihr Blut für Perón zu opfern. Manche denken, dass Evitas Beteiligung beim Marsch der Descamisados auf das Regierungsgebäude und der Ausrufung eines Generalstreiks nicht so klar ist. Aber wie dem auch sei, die Massenproteste haben jedenfalls Erfolg. Juan Perón wird also nach fünf Tagen in Haft am 17. Oktober 1945 freigelassen. Nach der Freilassung geht es für Evita Schlag auf Schlag. Nur einen Tag, nachdem Juan Perón wieder auf freiem Fuß ist, heiraten die beiden am 18. Oktober 1945 standesamtlich. Und zwar ganz diskret. Ab sofort heißt sie offiziell Maria Eva Duarte de Perón. Für das Volk bleibt sie aber Evita. Die kirchliche Trauung findet im Dezember 1945 statt. Für Juan ist es bereits die zweite Heirat, allerdings verstarb seine erste Frau bereits vor vielen Jahren. Deshalb darf er als Witwer erneut kirchlich heiraten.

Zudem beschließt Juan Perón, bei den Präsidentschaftswahlen 1946 anzutreten. Evita, die gibt im Wahlkampf Vollgas. In ihrer wöchentlichen Radiosendung »Für eine bessere Zukunft«, da ruft sie die Leute auf, für ihren Ehemann zu stimmen. Sie richtet sich vor allem auf die armen Bevölkerungsschichten. Dabei betont sie stets ihre eigene Herkunft aus einfachen Verhältnissen. Den Leuten gibt sie bei ihren Ansprachen das Gefühl, eine von ihnen zu sein. Und mit ganz viel Populismus haut sie auf die alten Eliten, die Reichen und die Mächtigen drauf. Das kommt natürlich super an bei den Sozialschwächeren. Wobei das schon etwas überraschend ist, denn in der Öffentlichkeit zeigt sie sich mit extravaganten Frisuren, figurbetonten, teils schrillen Kleidern von argentinischen Top-Designern und aufwendigen Hüten. Trotz ihres Styles nimmt man es Evita aber ab, dass sie im Grunde ein armes Mädchen vom Land ist. Das war sie ja schließlich auch mal. Vielleicht fragen sich ja gerade einige von euch, warum die Leute jemandem ihre Stimme geben sollen, der als Militärangehöriger gleich zweimal eine legitime Regierung weggeputscht hat und auch noch ein großer Faschismus-Fan ist.

Unmittelbar nach seiner Haftentlassung heiratet Rohan nicht nur Evita, sondern gründet im Oktober 1945 auch seine eigene Partei, die Partido Laborista, also die Arbeiterpartei. Die politische Ausrichtung ist etwas diffus, denn die Partido Laborista ist pronationalistisch, antikommunistisch und antikapitalistisch. Die Ideologie ist von Protektionismus mit sozialen Elementen gekennzeichnet. Das bedeutet, dass Perron also eine Handelspolitik betreibt, bei der er durch Handelshemmnisse wie Zölle oder Einfuhrkontingente versucht, die inländische Wirtschaft vor ausländischer Konkurrenz zu schützen.

Genauso agiert aktuell übrigens die USA unter Donald Trump. Perrons Politik wird später auch Peronismus genannt. Aber zurück zum Wahlkampf. Evita weiß also, wie sie die Massen mobilisieren kann. Bei der Wahl am 24. Februar 1946 erreicht Juan Perón mit seiner neuen Partei aus dem Stand die absolute Mehrheit und gewinnt mit 54 Prozent der Stimmen die Wahl. Davon können unsere deutschen Politiker ja nur so träumen. Und Evita ist ab sofort die Primera Dame, also die First Lady Argentiniens.

Die Armbevölkerungsschichten liegen ihr zu Füßen. Die einst so mächtigen Eliten verachten sie aber geradezu. Die versuchen, sie massiv zu diffamieren, weil sie früher einen angeblichen promiskuitiven Lebenswandel hatte. Ob das stimmt, das ist bis heute umstritten. Niemand weiß genau, wie viele Sexpartner sie hatte, bis sie mit 24 Jahren Juan kennengelernt hat. Und außerdem sollte das auch gar keine Rolle spielen, wie genau ihr Privatleben ausgesehen hat. Autorin Ursula Prutsch schreibt in ihrem Buch Eva Perron – Leben und Sterben einer Legende und ich zitiere Evita war nicht gebildet, aber schlau. Sie hatte eine rasche Auffassungsgabe und eine strategische Intelligenz. Sie sagt weiter, dass Evita die Intrigen kannte, die ihr schaden könnten und gleichzeitig wusste sie, wo es für sie gute Gelegenheiten gab. Für sie war Wissen wirklich Macht.

Die Perrons sind so etwas wie der Archetyp der modernen Präsidenten-Eden mit einem hohen Glamour-Faktor. Er mächtig und einflussreich, sie schön charismatisch und ein Medienstar. Ein politisches Power-Couple. Quasi die Vorbilder von John F. Kennedy mit seiner Jackie, Donald Trump mit Melania oder Fürst Renier und Grace Kelly. Ihre Bekanntheit setzen sie auch zu PR-Zwecken ein. Ein gutes Jahr nach der Wahl zum Präsidenten gehen Evita und ihr Mann vom 6. Juni bis 23. August 1947 auf die sogenannte Regenbogentour, auch genannt Jira del Arco Iris, durch Europa. Dabei treffen sie unterschiedliche Staatsoberhäupter wie Spaniens Diktator Francisco Franco und Papst Pius XII. Evita wird teilweise behandelt, als ob sie die Präsidentin wäre. In der Schweiz wird sie von Außenminister empfangen und darf mit dem Bundespräsidenten dinieren. In Frankreich trifft sie Charles de Gaulle, dem sie zwei Schiffsladungen Weizen verspricht.

In erster Linie ist die bunte Tour eine Scham-Offensive, allerdings mit einem wirtschaftlichen Hintergrund. Viele europäische Länder sehen in Perón einen Faschisten und Argentinien als Diktatur. Wobei der zweite Vorwurf eindeutig zu weit geht. Juan Perón regiert zwar autoritär, er wurde aber in noch weiteren freien Wahlen zum Präsidenten gewählt. Mittlerweile hat er seine Partei in Partido Justi Realista umbenannt, um von dem alten Faschisten-Image wegzukommen. Da ist es natürlich von Vorteil, wenn eine schöne First Lady diese Befürchtung charmant weglächelt. Ein gutes Image soll vor allem der argentinischen Wirtschaft helfen. Denn während Europa kurz nach dem Kriegsende in Trümmern liegt und es an allem mangelt, geht es Argentinien im Vergleich dazu blendend. Das können wir uns aktuell wahrscheinlich kaum vorstellen, weil Argentinien allein in den letzten 25 Jahren drei Staatspleiten hingelegt hat. Vor allem Rindfleisch und Agrargüter sollen aus dem Land in großen Mengen nach Europa gebracht werden. Anschließend werden zahlreiche Deals ausgemacht.

Während ihrer Regenbogentour durch Europa wird Evita eine besondere Ehre zuteil. Das Time Magazine widmet ihr nämlich die Titelgeschichte. Eva Perron – Zwischen zwei Welten, ein argentinischer Regenbogen. Es ist das einzige Mal in der Geschichte des Time Magazins, dass eine südamerikanische First Lady alleine auf dem Cover zu sehen ist. Nach ihrer Rückkehr nach Argentinien Ende August 1947 bleibt Evita politisch aktiv und hilft ihrem Ehemann dabei, seine politischen Forderungen durchzusetzen. Nach seiner Wahl zum Präsidenten im Februar 1946 will er das Wahlrecht für Frauen einführen. Aber sein Gesetz kommt nicht zur Abstimmung. Immer wieder verzögern extrem konservative Politiker die Abstimmung im Kongress.

Evita ruft zu einem Marsch auf das Kongressgebäude auf. Viele Frauen schließen sich an. Evita erklärt, dass sie mit ihren Unterstützerinnen so lange ausharren wird, bis das Gesetz durch ist. Und jetzt geht alles ganz schnell. Ab September 1947 haben plötzlich alle Frauen in Argentinien das aktive und passive Wahlrecht. Sie können also nicht nur wählen gehen, sondern sich selbst zur Wahl stellen. Stell dir mal vor, wir würden das heute hinbekommen, Anne. Zum Beispiel, ich hatte es mir so überlegt, so bei Gleichstellung oder bezahlte Care-Arbeit. Weißt du, wenn wir alle das zusammen machen würden, naja, man darf ja träumen. Also das ist schon echt bemerkenswert. Ja, das klingt jetzt natürlich sehr konsequent und feministisch, aber wie bei vielen Aktionen von Evita geht es auch um ihren eigenen Vorteil. Denn sie plant bei der nächsten Wahl als Vizepräsidentin an der Seite ihres Mannes zu kandidieren. Und dafür muss sie natürlich gewählt werden können.

Das weiß zu diesem Zeitpunkt allerdings noch niemand. Wir werden gleich noch über dieses Thema sprechen. Auf alle Fälle kommt diese Aktion natürlich super bei den Frauen an. Wir sehen also, wie geschickt Eva Peron teils im Hintergrund, teils ganz offensiv die Strippen zieht, um ihre Wünsche durchzusetzen. Und sie bastelt weiter an ihrem Image, der Engel der Armen zu sein. Wobei man das optisch nicht gerade sehen kann. Seit ihrer Europatour trägt sie die High Fashion der Pariser Kultur. Sie liebt die Mode von Christian Dior und den Schmuck von Cartier. Alles Dinge, die sich die Menschen, die sie unterstützt, niemals leisten könnten. Einmal lässt sie sich für einen Ball sogar extra ein Dior-Kleid aus Paris einfliegen. Sie liebt die Dekadenz und den Luxus. Es ist wieder einer dieser Widersprüche im Leben von Evita. Ja, denn auf der anderen Seite gründet sie am 19. Juni 1948 eine Stiftung für Sozialhilfe, der sie ganz einfach ihren Namen gibt. Die Stiftung heißt Fundación de Ayuda Social Eva Duarte de Perón.

Diese Stiftung errichtet Altenheime, Waisenhäuser, Krankenhäuser, Gesundheitszentren, Schulen, Universitäten und Wohnungen. Also, ihr hört schon, wirklich eine ganze Menge. Täglich werden tausende Geschenke an Arme und Bedürftige verteilt. Sie baut quasi einen gigantischen Sozialstaat im Staat auf. Und damit wird sie eine der einflussreichsten Personen der argentinischen Politik, obwohl sie selbst immer noch kein einziges politisches Amt innehat. Und das Ausmaß ihrer Stiftung nimmt wirklich gigantische Züge an. Sie beschäftigt 14.000 Angestellte, davon 6.000 Bauarbeiter, die ganze Siedlung entstehen lassen, wie zum Beispiel die Evita City in einem Vorort von Buenos Aires. Evita City existiert übrigens heute noch. Evita kauft mit ihrer Stiftung jährlich 400.000 Paar Schuhe, 500.000 Nähmaschinen und 200.000 Kochtöpfe und verteilt diese einfach for free. Es gibt auch kostenlose Brillen, Zahnersatz und sogar Brautkleider. Und Evita schickt jedem Kind im Land Spielzeug zu Weihnachten.

Auch die Gesundheitsversorgung wird deutlich verbessert, vor allem für die Armen. Evita erhält täglich bis zu 12.000 Briefe. Natürlich muss das alles auch bezahlt werden. Eine Stiftung kann ja schlecht ein Sondervermögen auflegen wie unsere Regierung. So ganz klar und transparent sind die Finanzen der Stiftung aber nicht. Der Autor Robert Crosweller schreibt, dass Steuern auf Lotterien und Kinokarten in die Kassen der Stiftung geflossen sind. Es soll auch eine spezielle Stiftungsabgabe auf Casinos und Einnahmen aus Pferderin gegeben haben. Zudem spendet der Gewerkschaftsbund das Gehalt von drei Arbeitstagen pro Mitglied und Jahr an die Stiftung. Auch viele Firmen spenden. Allerdings erwähnt der Autor auch, dass etliche Unternehmen unter Druck gesetzt wurden. Wenn sie nicht spenden, dann drohen ihnen negative Konsequenzen.

Sie bekommen beispielsweise dann keine öffentlichen Aufträge mehr. Tja, wo viel Licht ist, da ist eben auch oft viel Schatten. Wenn die Vorwürfe stimmen sollten, dann würde die Stiftung zwar immer noch viel Gutes tun, aber eben nicht immer auf freiwilliger Basis. Die Autorin Mary Mame geht in ihrer Evita-Biografie »The Woman with the Whip«, also »Die Frau mit der Peitsche«, sogar noch einen Schritt weiter. Dort behauptet sie, dass die Stiftung aus einem speziellen Grund keine Buchführung betrieben hat, Und zwar um Regierungsgelder auf private Schweizer Bankkonten zu schleusen, die von den Perrons kontrolliert wurden. Ob diese Vorwürfe jemals bewiesen oder widerlegt werden konnten, das wissen wir nicht. Fest steht, dass die Stiftung nach ein paar Jahren ein Milliardenvermögen aufgebaut hat. Auf alle Fälle verbringt Evita unfassbar viel Zeit mit ihrer Stiftung. Ob es auch um finanzielle Vorteile geht, ist unbekannt. Es ist möglicherweise wieder ein Anzeichen ihrer inneren Zerrissenheit.

Anfang der 1950er Jahre arbeitet sie fast rund um die Uhr in ihrer Stiftung. Sie folgt nicht einmal der Aufforderung ihres Mannes, wenigstens am Wochenende die Arbeit ruhen zu lassen. Evita entwickelt einen geradezu missionarischen Eifer gegen Armut. Einmal erklärt sie, ich zitiere, Manchmal wünschte ich, meine Beleidigungen wären Ohrfeigen oder Peitschenhiebe. Ich wollte den Menschen ins Gesicht schlagen, damit sie sehen, wenn auch nur für einen Tag, was ich jeden Tag sehe, wenn ich den Menschen helfe.

Sie agiert mittlerweile wirklich wie eine Heilige. Nach ihren langen Arbeitstagen besucht sie noch Kranke. Dabei hat sie keine Ängste, diese zu berühren. Sie küsst sogar Leprakranke. Wer es nicht weiß, es ist eine super ansteckende Krankheit. Auch diese Bilder werden medienwirksam verbreitet. Jetzt ist sie endgültig Santa Evita, die Heilige Evita. 1951 stehen nach fünf Jahren turnusmäßig neue Präsidentschaftswahlen an. Im Wahlkampf wird ein unglaublicher Personenkult um die Perrons betrieben. Ein Slogan lautet, übersetzt, Perron erfüllt, Evita gibt Würde.

Evita und ihre Stiftung werden also extrem instrumentalisiert. Laut dem Autor Marco Althaus stammt der Slogan von Raúl Apold, dem Chef des argentinischen Propagandaministeriums, der den wenig schmeichelhaften Spitznamen Goebbels trägt.

Sein Ministerium mit 1500 Mitarbeitern lenkt und bezahlt Presse, Radio, Wochenschau und Kinofilme. Die Botschaft lautet stets, Perron rettet das Vaterland, Santa Evita die Armen. Und wieder ist es nicht klar, auf welcher Seite Evita wirklich steht. Will sie wirklich den Armen helfen oder ist das alles nur eine große Show, die dazu dient, die Macht ihres Mannes zu erhalten? Der New Yorker, also die Zeitschrift, schreibt über die Perrons, ich zitiere, sie sind ständig, schrecklich, leidenschaftlich, patriotisch verliebt. Die Zeitschrift schreibt auch, dass sie ihre Liebe zum Volk offen zur Schau tragen. Und ihre Liebe legt sich wie eine weiche Decke auf die Geliebten, schafft Wärme, Schutz und Gelegenheit zu einem guten, langen Schlaf. Oder geht es ihr wieder nur darum, ihre eigene Macht zu steigern? Denn am 22. August 1951 soll es in Buenos Aires passieren. Sie soll an der Seite ihres Mannes als Vizepräsidentin kandidieren. Über eine Million Menschen strömen auf der Prachtstraße Avenida Nueve de Julio der Stadt. Zwei riesige Porträts von Evita und Juan Perón hängen über der Bühne. Alle wollen live dabei sein, wenn sie ihre Kandidatur verkündet. Doch sie ist gar nicht da.

Präsident Juan Perón hält eine Rede, die im Grunde niemanden interessiert. Als er bei seiner Rede Evitas Kandidatur mit keinem einzigen Wort erwähnt, da werden die Massen unruhig und skandieren lauthals nach Evita. Nach einer gefühlten Ewigkeit holt man sie dann doch auf die Bühne. Sie strahlt schon wie die Wahlsiegerin und wirft Kusshände in Richtung ihrer Fans. Dann ergreift sie das Wort.

Doch die Überraschung bei allen Anwesenden ist groß, als sie verkündet, nicht kandidieren zu wollen. Das wollen ihre Fans nicht akzeptieren. Der Protest wird lauter. Sie erbittet sich Bedenkzeit. Auch das wird von den Massen abgelehnt. Schließlich krächt sie mit tränenerstickter Stimme ins Mikrofon. Compañeros, Viparon sagt, ich werde alles tun, was das Volk will. Danach dreht sie sich um und vergräbt den Kopf in den Armen ihres Mannes. Es folgt ein gigantischer Jubel. Am nächsten Morgen schreibt Evitas Hausblatt Demokracia, sie haben angenommen und die Partei bestätigt das Kandidatenduo Peron Peron für die bevorstehende Präsidentschaftswahl. Doch nur neun Tage später macht sie ein Rückzieher. In einer Radioansprache verkündet Evita traurig ihre endgültige Entscheidung gegen die Kandidatur. Ihr Mann Juan Perón erklärt daraufhin ihren Tag des Verzichts zum Feiertag.

Ihr Verzicht auf die Kandidatur kommt natürlich nicht ganz freiwillig. Sie wird von ihrem Mann dazu gezwungen. Und das hat zwei Gründe. Zum einen lehnen es mächtige konservative Verbündete von Juan Perón kategorisch ab, dass eine Frau Vizepräsidentin wird. Die waren ja schon nicht begeistert, dass das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Aber falls der 56-jährige Perón während seiner Amtszeit sterben sollte, dann wäre Evita die neue Präsidentin Argentiniens. Und das geht den Konservativen dann eindeutig zu weit. Aber zum anderen hat die mittlerweile 32-jährige Evita starke gesundheitliche Probleme.

Anderthalb Jahre zuvor wird Evita am 9. Januar 1950 in der Öffentlichkeit ohnmächtig. Bei der anschließenden Untersuchung wird bei ihr fortgeschrittener Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert. Auch nach der sofortigen Krebsoperation kämpft sie weiter mit großen Schmerzen und Ohnmachtsanfällen. Deshalb wollte sie bei der Kundgebung am 22. August 1951 nicht auf die Bühne. Ihr Zögern war also nicht gespielt. Sie weiß zu diesem Zeitpunkt bereits, dass sie nicht die Kraft für das Amt der Vizepräsidentin haben wird.

Am 11. November 1951 wird schließlich Juan Perón wiedergewählt. Es ist ein Erdrutschsieg mit 62 Prozent der Stimmen. Seinen Erfolg hat er auch zu großen Teilen dem Wahlkampf seiner beliebten Frau zu verdanken. Ja, denn bis zuletzt unterstützt sie ihren Mann, auch nach der Wahl. Als die beiden am 4. Juni 1952 an einer Parade durch Buenos Aires teilnehmen, kann Evita nicht mehr ohne Unterstützung stehen. Unter einem übergroßen Pelzmantel, in Argentinien ist zu diesem Zeitpunkt praktischerweise Winter, da ist ein Gestell aus Gips und Draht versteckt, der es ihr ermöglicht zu stehen. Vor der Parade nimmt sie die dreifache Dosis Schmerzmittel und zwei weitere Dosen, als sie nach Hause kommt, um das irgendwie zu überstehen. Auch wenn sie kontrovers ist und bleibt, muss man doch zugeben, das verlangt echte Hingabe oder zumindest einen eisernen Willen. Es ist ihr letzter großer öffentlicher Auftritt.

Sieben Wochen später stirbt Evita am 26. Juli 1952 um 20.25 Uhr in der Präsidentenresidenz in Buenos Aires mit nur 33 Jahren an den Folgen ihrer Krebserkrankung. Sofort werden sämtliche Radiosendungen im ganzen Land unterbrochen und die traurige Nachricht verkündet. Ja, und die anschließende Trauer ist gigantisch. Das ganze Land steht für zehn Tage still. Nach der Mitteilung über ihren Tod strömen Menschenmassen zur Präsidentenresidenz. Acht Menschen werden dabei zu Tode gequetscht. Weitere 2000 Menschen werden verletzt in Krankenhäuser eingeliefert. Innerhalb eines Tages sind sämtliche Blumen ausverkauft, sodass sogar aus Chile Blumen eingeflogen werden müssen, die dann auf den Straßen niedergelegt werden. Ihre Leiche wird anschließend für zwei Wochen im Arbeitsministerium aufgebahrt. Auch hier bilden sich kilometerlange Schlangen. Alle wollen sich von Evita verabschieden und nehmen stundenlanges Warten in Kauf. Sie bekommt sogar ein offizielles Staatsbegräbnis, das normalerweise nur Präsidenten vorbehalten ist.

Zu ihrer Beerdigung strömen drei Millionen Menschen auf die Straßen von Buenos Aires. Zum Abschluss wird es noch etwas makaber. Evitas Leiche wird einbalsamiert und in einem Sarg mit einem gläsernen Deckel im Kongressgebäude aufgebahrt. Der Plan ist, dass sie in einem Mausoleum unterhalb einer sich im Bau befindlichen Freiheitsstatue ihre letzte Ruhestätte findet. Doch bevor das Gebäude fertig ist, wird Juan Perón im Jahr 1955 bei einem Militärputsch gestürzt und muss Hals über Kopf aus Argentinien fliehen. Die neuen Machthaber entfernen die Leiche aus dem Kongressgebäude, die immer noch von vielen Millionen verehrt wird. Die Militärregierung fürchtet also immer noch die Macht einer Evita, auch jetzt, da sie tot ist. 16 lange Jahre weiß die Öffentlichkeit nicht, wo die sterblichen Überreste von Evita abgeblieben sind. Dann bricht das Militär im Jahr 1971 aber sein Schweigen und verrät, dass sie 1957 heimlich nach Mailand geflogen und unter dem Namen Maria Maggi de Magistris auf einem Friedhof beerdigt wurde.

Im September 1971 wird die Leiche schließlich nach Madrid gebracht. Dort lebt nämlich ihr Mann Juan Perón im Exil. Juan bewahrt die Leiche seiner Frau jetzt in seinem Haus auf. Und zwar in seinem Esszimmer, auf einer Plattform in der Nähe des Tisches. Und by the way, Juan lebt in dem Haus nicht alleine, sondern mit seiner dritten Ehefrau Isabel. Das ist schon krass. Dort liegt sie aber heute natürlich nicht mehr.

1973 kehrt Juan Perón aus dem Exil nach Argentinien zurück. Dort wird er dann zum dritten Mal Präsident. Nur wenig später, am 1. Juli 1974, stirbt er im Amt. Seine dritte Frau, Isabel Perón, lässt die Leiche ihrer Vorgängerin Evita anschließend nach Argentinien zurückholen. Ihr Sarg steht neben dem von Juan Perón in einer Krypta auf dem Gelände der Präsidentenresidenz in Buenos Aires. Erneut wird ein Mausoleum geplant und gebaut. Und wieder putscht das Militär im Frühjahr 1976 und verwirft ein weiteres Mal die Pläne mit einem Mausoleum. Am 22. Oktober 1976 findet Evita nach mehr als 24 Jahren endlich ihre letzte Ruhestätte. Die Beisetzung Eva Perrons erfolgt im Familiengrab der Duartes auf dem Friedhof La Ricoleta in Buenos Aires. Spätere argentinische Regierungen ergreifen aufwendige Maßnahmen, um ihr Grab zu sichern. Denn es besteht immer noch die Befürchtung, dass ihre Leiche erneut gestohlen wird. Daher hat der Marmorboden des Grabes eine Falltür, die zu einem Fach mit zwei Särgen führt. Doch dort liegt Evita nicht. Unter diesem Fach befindet sich eine Stahlplatte, die zu einem weiteren Raum führt. Dort ruht Evitas Sarg in rund sechs Metern Tiefe.

Auch 73 Jahre nach ihrem Tod pilgern Menschen noch an ihr Grab, beten und legen Blumen nieder. Der Mythos Evita mit all ihren Widersprüchen lebt also weiter. Bis heute wird ihr Vermächtnis teilweise gefeiert, teilweise wird sie aber auch verteufelt. Das ist wohl einfach Ansichtssache. Fest steht, dass sie ohne jedes politische Amt damals die mächtigste Frau der Welt war und es exzellent verstand, ihre Interessen im Schatten der Macht durchzusetzen. Tja, mir ist echt aufgefallen, mir ist die Objektivität so ein bisschen verloren gegangen. Ich habe mich voll auf die Seite von Evita geschlagen.

Du? Ja, ich meine, sie hat ja auch wirklich super viel erreicht in ihrem Leben und wir dürfen nicht vergessen, dass sie ja aus einer sehr armen Schicht stammt, ohne jegliche Bildung. Also die hat sich einfach hochgekämpft. Kann man nicht anders sagen. Und ich verstehe auch irgendwie, dass sie sich diesen Luxus gönnt, weil die kommt von nichts. Und ich finde, da darf man schon mal ein schönes Kleid tragen, wenn man das alles alleine auch mit ihm, mit ihrem Mann geschafft hat, oder? Ja, ich finde auch, dass das total legitim ist, dass sie sich schöne, auch teure Kleidung anzieht. Ich finde nicht, dass sich das widerspricht, dazu ärmeren Menschen zu helfen. Ich finde, man kann beides. Es kommt ja darauf an, wie man es repräsentiert und wie man damit umgeht. Aber wenn sie das still und heimlich getragen hat, das schöne Kleid von Chanel, finde ich, ist das vollkommen in Ordnung, solange sie parallel eben Gutes tut. Das finde ich voll okay. Ja, ich sehe das auch so. Aber wir sind natürlich auch auf eure Meinung gespannt. Was haltet ihr von unserem heutigen Fall? Und könnt ihr euch vielleicht sogar mit Evita ein bisschen identifizieren? Schreibt uns euer Feedback gerne auf Spotify oder bei YouTube. Und wie ihr wisst, es gibt jeden Donnerstag neue Folgen. Und wir beide würden uns auch super doll über Bewertungen freuen. Auf Spotify zum Beispiel, Apple Podcast oder wo ihr diesen Podcast auch hört. Und wenn ihr wollt, könnt ihr natürlich noch das Glöckchen aktivieren, weil dann verpasst ihr auf gar keinen Fall die neue Folge. Unbedingt. Bleibt safe da draußen. Bis bald. Eure Anne und Ricardia.

Danke an unser Team von Open Minds Media. Executive Producer Rüdiger Barth. Konzeption Peter Grewe, Rüdiger Barth und Manfred Neumann. Autor Stefan Weber Producer Riccardia Bremley Den Schnitt machte Lilli Johansen Zusätzliche Unterstützung von Falko Schulte.