Music.
Heute sprechen wir über eine Frau, die eine unglaubliche Heldinnenreise hingelegt hat. Gefühlt spricht eine Zeit lang die ganze Welt über sie. Sie selber fängt aber erst viel später an, ihre Geschichte zu erzählen. Unter anderem in einer autorisierten Biografie. An einem dieser Abende, als sie als Speakerin auf der Bühne steht und ihre Geschichte teilt, da lernt unser heutiger Experte sie kennen. Er wird uns nachher in der Folge noch seinen persönlichen Eindruck von dieser Frau erzählen.
Ihr habt sicher alle schon mal ihren Namen gehört. Die Rede ist von Monica Lewinsky. Sie ist Praktikantin im wohl mächtigsten Amt der Erde, dem Weißen Haus in Washington.
Sie verliebt sich in den mächtigsten Mann der Erde, den damaligen Präsidenten Bill Clinton. Und ab dann muss sich das Leben dieser jungen Frau anfühlen wie ein Traum, aus dem aber leider ein Albtraum wird. Denn was sich da an menschlichen und politischen Abgründen auftut, das ist wirklich unglaublich. Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Im Schatten der Macht. Ich bin Anne Luckmann und ich bin Ricardia Bramley. In unserem heutigen Fall ist der Schatten besonders gigantisch und finster. Alles passiert im White House in Washington, D.C. Mächtiger wird's wirklich nicht. Doch wie so oft in unseren Cases ist hier nicht nur eine Macht am Werk. Wir werden später sehen, wie gefährlich Gerüchte werden können Und was passiert, wenn man sich machthungrigen falschen Freundinnen anvertraut? Das Wort Macht kommt ja mit ganz vielen Ergänzungen daher. Machtfülle, Machtgier, Machtspielchen oder Machtkampf. Heute geht es um die wohl krasseste Kombination aus Machtmissbrauch und Ohnmacht.
Am 26. Januar 1998 tritt nämlich der damalige, verheiratete US-Präsident Bill Clinton vor die Presse und sagt einen Satz, der zu den meistzitierten Sätzen aller Zeiten gehört. Es ist der Beginn der dreisten In-Your-Face-Lüge. Und zwar noch ein Jahrzehnt vor Social Media. Er sagt, und ich zitiere jetzt, I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinsky.
Ich hatte keine sexuellen Beziehungen zu dieser Frau, Miss Lewinsky. Manche von euch erinnern sich vielleicht noch. Ich weiß es noch ganz genau. Da saß ich in meinem New Yorker Apartment und der Präsident unserer Vereinigten Staaten redet über Sex. Oder auch Sex, den er nicht gehabt haben soll. Und das in den noch immer ziemlich prüden USA? Der Mann schien so selbstsicher, dass ich es ihm in dem Augenblick auch geglaubt habe. Tja, und das sagt der 51-jährige Mr. President direkt in die Kameras. Damit wird Bill Clinton zum Inbegriff einer Taktik, die bis heute in der Politik beliebt ist. Abstreiten, bis es nicht mehr geht. Wie beim Shaggy Song 2000 It wasn't me.
Ja, soeben hat sich der Präsident von fast 300 Millionen US-Bürgerinnen und Bürgern vom Vorwurf reingewaschen, er habe eine Affäre mit einer Praktikantin. Und alle Augen richten sich jetzt weg von ihm und hin zu ihr, Monica Lewinsky. Die dunkelhaarige 22-Jährige, die plötzlich dasteht wie eine Lügnerin und Eher-Crasherin. Das ist jetzt ein Vierteljahrhundert her. MeToo war damals ja noch gar kein Begriff. Tja, und die Begriffe Slut-Shaming und Victim-Shaming entstanden ja auch erst in den letzten Jahren. Beide platzieren die Scham bei den Frauen. Und das hat es ja eigentlich schon immer gegeben. Die Frau ist schuld, so lautet der Vorwurf. Deshalb gibt es bei uns in den USA für Frauen auch den Begriff Homewrecker. Also eine Frau, die ein Zuhause oder auch eine Familie zerstört. Einen gleichen Begriff für Männer gibt es bis heute nicht. Ähnlich beschreibt es auch Dominic Wichmann. Dominik ist ehemaliger Chefredakteur des SZ-Magazins und des Stern. Er ist außerdem Co-Autor des New York Times Bestsellers der Autobiografie von Tina Turner, My Love Story. Hier in seinen Worten zu Monika damals und vor nur ein paar Jahren. Sie erzählte sehr klug darüber, wie sie gewissermaßen einer der ersten Medienopfer war.
Die zu einer Zeit Medienopfer wurde, wo sie noch nicht sozusagen die Möglichkeit hatte, überhaupt als Opfer gesehen zu werden, sondern sie wurde als Täterin gesehen.
Und das in mehrerer Hinsicht. Wir dürfen nicht vergessen, sie war Opfer eines sexuellen Übergriffes. Sie war Opfer auch einer persönlichen Enttäuschung, darüber sprach sie auch.
Und sie wurde natürlich auch Opfer der öffentlichen, weltweiten Häme, muss man sagen. Aber sie konnte eben seinerzeit diesen Opferstatus für sich nicht reklamieren, sondern sie konnte eigentlich nur aus der Öffentlichkeit verschwinden und dann tastend über die folgenden Jahre und Jahrzehnte wieder ein neues Leben aufbauen. Sie ist damals angegriffen worden, sie ist geschmäht worden, sie wurde angegriffen von Frauen, sie wurde angegriffen von Republikanern und wurde instrumentalisiert im Zuge einer Hexenjagd, wo es natürlich nicht um sie ging, sondern um Bill Clinton, aber sie war das Opfer. In Wirklichkeit tut Monica Lewinsky damals nichts von all dem, sondern etwas wird mit ihr getan. Sie gerät in die Mühlen einer Machtmaschinerie, die zutiefst sexistisch und sogar mörderisch sein kann. Es ist ein Geflecht aus Lügen und läutet ein völlig neues Kapitel in der Politik ein.
Wie es zu einem unfassbaren Vertrauensbruch unter Freundinnen kommt und welche Rolle ein beflecktes blaues Kleid spielt, dazu kommen wir gleich. Aber wie kommt eine junge Psychologieabsolventin, das werden sich vor allem die jüngeren Jahrgänge vielleicht fragen, überhaupt in die Nähe des US-Präsidenten? Ja, das Weiße Haus ist damals wie heute der innerste Zirkel der Macht. Dort arbeiten etwa 3600 Menschen in Vollzeit. Und alles, wirklich alles, dreht sich um diese eine Person, nämlich den US-Präsidenten. Um zu verstehen, wie es zu diesem Drama und den Verleumdungen kommen konnte, nehmen wir euch jetzt mit in die USA der frühen 1990er Jahre.
In Washington wird der demokratische Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, zum 42. Präsidenten der USA gewählt. Die Menschen im Land haben offenbar keine Lust mehr auf den Republikaner George Bush Senior. Und Bill Clinton ist so lässig. Er ist 1,89 Meter groß, hat blaue Augen und spielt Saxophon. Er wirkt charmant und gleichzeitig nahbar, auch warmherzig und er ist ein Familienvater. Aber von Anfang an stehen auch Zweifel über ihn im Raum. Schon im Wahlkampf, da wird ja immer noch jede Schwachstelle gesucht. Und da wird ihm vorgeworfen, eine Affäre mit einer Mitarbeiterin zu haben. Jennifer Flowers heißt sie und sie schreibt später noch ein Enthüllungsbuch. Außerdem soll Bill in seinen zwei Jahren als Oxford-Student, Achtung, gekifft haben. Aus der Nummer windet er sich später aber auch legendär raus. Er sagt, er habe nur gepafft und nicht inhaliert. Jedenfalls hat die Weltpresse einen Helden, der einfach menschlich daherkommt. Der neue Kennedy, jubeln alle, in Anlehnung an den 1963 ermordeten JFK. Bill Clinton ist zwar mega beliebt, hat aber vor allem in konservativen Kreisen mächtige Gegner. Dass er für eine gesetzliche Krankenversicherung ist, die Rechte von Homosexuellen stärken will und ein Konjunkturprogramm anschiebt, das stößt bei seinen Feinden auf erbitterten Widerstand.
Nur ganz kurz, wir sagen an der Stelle deshalb Homosexuelle und nicht Queer, weil es damals noch null Bewusstsein für andere Gruppen gab.
Und natürlich suchen die Gegner nach jeder kleinsten Information, die den Rising-Superstar ins Wanken bringen könnte. Gegen Clinton und seine Ehefrau Hillary, die sich aus dem Jurastudium an der Elite-Uni Yale kennen, steht gerade ein harter Vorwurf im Raum. Die Whitewater-Affäre, aufgedeckt von der New York Times. Das Paar soll sich Ende der 1980er Jahre nämlich bei hochspekulativen Immobiliengeschäften unkorrekt verhalten und Millionen an Steuergeldern versenkt haben. Einer der Beteiligten, Vince Forster, wird später Clintons Rechtsberater im Weißen Haus. Und nachdem Beweismaterial verschwindet und das FBI ermittelt, nimmt sich Forster 1993 das Leben. Bill und Hillary gelten als extrem machthungrig und ziemlich abgebrüht. Aber in diesem Fall war es wohl echt Suizid. In sage und schreibe fünf Untersuchungen gibt es immer dasselbe Ergebnis. Der Mann war depressiv und ist freiwillig aus dem Leben geschieden.
1995 haben die Republikaner die Mehrheit im Kongress. Und weil sie sich mit dem Präsidenten nicht auf einen Haushaltsplan festlegen können, gibt es die Möglichkeit, einen Shutdown zu verhängen. Das hat jetzt nichts mit einer Pandemie zu tun, sondern heißt, alle Mitarbeitenden von Bundesbehörden werden in den unbezahlten Urlaub nach Hause geschickt. Die einzigen, die in den Büros noch arbeiten dürfen, sind die Praktikanten und Praktikantinnen. In Clintons Amtszeit gibt es so einen Shutdown zweimal. Im November 1995 für sieben und im Dezember nochmal für 21 Tage.
Das Weiße Haus bietet jährlich eine ganze Reihe von Praktikumsplätzen an, die natürlich heiß begehrt sind. Wie übrigens auch der Buckingham Palace in London und der Bundestag hier bei uns in Berlin. Und im November 1995 bekommt eben Monica Lewinsky einen dieser Plätze und arbeitet zusammen mit ein paar anderen Leuten im wichtigsten Machtzentrum der Welt. Der Chef ist natürlich in so einer Krisensituation im Shutdown trotzdem vor Ort. Aber eben auch Praktikantinnen wie Monica Lewinsky. Sie ist damals 22 Jahre alt, eine gebürtige Kalifornierin, die mit ihren Eltern als Einzelkind im schicken Stadtteil Beverly Hills in L.A. Lebt, in einem schönen 1,6-Millionen-Dollar-Haus. Die Eltern sind also wohlhabend. Ihr Vater Bernhard ist Onkologe, dessen jüdische Familie in den 1920er Jahren aus Deutschland emigriert ist. Ihre Mutter Marsha ist Autorin. Die Eltern trennen sich übrigens, als Monika eine Teenagerin ist. Monica gilt als attraktiv, hat haselnussbraune Haare, tolle große Augen und eine weibliche Figur, curvy würden wir heute sagen, für die sie allerdings auf der Highschool auch so manchen blöden Spruch hören musste. Sie besucht sogar ein Summer Camp für übergewichtige Kinder und kehrt schlanker und selbstbewusster zurück. Damals gibt es den Begriff Body Shaming noch nicht, aber es ist genau das.
Monika liebt Bücher und das Theater. Und sie liebt auch ihren Bühnentechniker am Schultheater im Nobelstaatteil Bel-Air. Andy Blyler heißt er und ist schon vergeben. Laut seinen Aussagen starten sie eine mehrjährige On-Off-Affäre. Da ist sie 19 und er 32. Dann erst findet sie die Kraft, einen Schlussstrich zu ziehen. Mit Andy wird sie aber immer in Kontakt bleiben. Nach der Highschool geht Monika nach Portland, um dort Psychologie zu studieren. Was sie mit einem Bachelor abschließt. Monica entscheidet sich auf Anraten ihrer Mutter, sich für ein sechswöchiges, unbezahltes Praktikum im Weißen Haus zu bewerben. Und das geht einfach so, werdet ihr euch fragen? Ja, auch hier ist Vitamin B ganz hilfreich. Monika, die übergangsweise in einem Krawattenladen jobbt, schreibt ein Essay, in dem sie darlegt, dass das Weiße Haus eine Psychologin braucht.
Rückenwind bekommt Monika außerdem von ihrem Vater, der ein großzügiger Wahlkampfspender der Demokraten ist, und von einem Familienfreund, der auch zu den Clintons gute Kontakte hat. Monika und ihre Mutter ziehen kurzerhand nach Washington in das Apartment der Tante und gründen hier eine Art Frauen-WG. Am 10. Juli 1995 startet das Praktikum im Weißen Haus. Von diesem Arbeitsplatz träumen Millionen. Sechs Stockwerke, 132 Zimmer, 35 Badezimmer, Tennisplatz und sogar eine Bowlingbahn. Mal ganz abgesehen davon, dass es vermutlich das Regierungsgebäude mit der besten Security der Welt ist. Über dem Weißen Haus herrscht ein Überflugverbot. Es gibt einen Luftschutzbunker und Scharfschützen auf dem Dach. Wobei wir sagen müssen, dass Monikas eigentlicher Arbeitsplatz im Bürogebäude neben dem Weißen Haus ist. Bei einer Führung im Westflügel, also dem Zentrum der Macht, trifft sie Bill Clinton zum allerersten Mal. Und laut eigener Aussage ist schon der erste Blickkontakt zwischen ihr und dem Präsidenten irgendwie magisch. Immer öfter schafft sie es, irgendwelche Hilfsarbeiten in seiner Nähe zu verrichten. Und er erkennt sie sogar bald und merkt sich irgendwann ihren Namen. Ich verstehe das auch total. Du bist 22 Jahre alt, vielleicht noch ein bisschen unsicher und der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika spricht dich mit Namen an. Das ist schon was Besonderes.
Als sie das Angebot bekommt, das Praktikum im Korrespondenzbüro des Weißen Hauses zu verlängern, da sagt Monika zu. Geld bekommt sie für ihr Praktikum ja keins. Also vielleicht wird sie von ihren Eltern finanziell unterstützt. Sie wohnt außerdem ja mietfrei bei der Tante und verbringt eh fast die ganze Zeit im Weißen Haus. Da fallen ja kaum Extrakosten an. Das ist eine Riesenchance. Monika ist Anfang 20. Sie arbeitet im White House. Das muss sich total surreal anfühlen. Und dann ist Clinton eben auch kein staubiger alter Politiker, sondern irgendwie ein cooler Typ.
Als es im November 1995 zum Shutdown im Weißen Haus kommt, springt Monica Lewinsky als Praktikantin ein, weil die 800.000 Staatsangestellten alle beurlaubt sind. Sie soll als Schreibkraft einspringen und die Telefonzentrale bedienen. Hier ist sie jetzt ganz in der Nähe vom Präsidenten, der auch mehrmals ins Büro seines Stabschefs kommt, in dem Monica beschäftigt ist. Und jetzt gibt es ganz direkten Kontakt zwischen den beiden. Es scheinen laut Monica ganz schön die Funken zu fliegen. Man schaut sich immer wieder in die Augen, flirtet mit den Blicken. Und an einem dieser Novemberabende bittet der Präsident die Praktikantin in eins der leeren Büros. Die beiden unterhalten sich und Monica stammelt laut eigener Aussage nur, sie habe einen Crush auf Clinton. Das muss man sich mal vorstellen. Der mächtigste Mann der Welt bittet Dich, eine Praktikantin, im weißen Haus in ein Büro zu einer privaten Unterredung.
Klingt erstmal wahnsinnig aufregend, ist aber für eine junge, schwärmende Praktikantin auch ziemlich gefährlich.
Bill Clinton fragt, ob er Monika küssen darf. Um 10 Uhr abends kommt es laut Gerichtsakten noch an diesem Abend zum ersten Oralverkehr. Währenddessen Bill Clinton, Achtung, telefoniert. An diesem Abend kommt Monika völlig berauscht von ihrem Date, wenn man das so nennen will, nach Hause. Der Präsident der USA hat hier anscheinend seine Macht und seine Strahlkraft ausgenutzt, um sich von einer jungen Frau oral befriedigen zu lassen. Das ist dann aber kein Date mehr, sondern Missbrauch. Absolut. Bis heute sagt Monica Lewinsky in zahllosen Interviews, sie seien beide verliebt gewesen und das alles sei einvernehmlich passiert. Aber spätestens seit MeToo wissen wir natürlich alle, dass so ein Machtgefälle immer zu Lasten einer Seite geht. So auch Dominik nochmal. Die Frage der Einvernehmlichkeit. Ich glaube, damals wurde das ja so dargestellt, als sei das einvernehmlich gewesen. Ich stelle das mal in Frage, inwieweit man davon sprechen kann, dass eine junge Frau, die sozusagen Praktikantin ist, ein wirklich einvernehmliches Verhältnis mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und der damit begleitenden Autorität, die dieser Mann hatte.
Überhaupt entwickeln kann. Also ob man in so einem Kontext überhaupt von Einvernehmlichkeit sprechen kann. Ich bezweifle das. Monika ist jetzt all in. Sie bekommt nach ihrem zweiten Praktikum einen festen Job im Weißen Haus angeboten. Sie ist ja eigentlich studierte Psychologin. Und da fragt man sich doch, ob Bill Clinton vielleicht irgendwie nachgeholfen und seine Leute angewiesen hat, sie direkt anzuheuern, oder? Was wir wissen ist, dass Monika jetzt für ein Jahresgehalt von etwa über 22.000 Dollar im Legislative Office arbeitet. Und das ist jetzt mitten im Weißen Haus, im Ostflügel. Immer wieder begegnet sie Bill Clinton jetzt auf den Fluren. Er ruft sie sogar immer wieder mal zu Hause an. Und offenbar checkt niemand in Monikas Umfeld, wer da in der Leitung ist. An den Wochenenden ist kaum etwas los im Weißen Haus. Und hier kommt es wohl immer wieder zu Begegnungen zwischen den beiden.
Monica schenkt ihm Krawatten, die er dann bei offiziellen Anlässen trägt. Zwei, drei Monate geht das so. In dieser Zeit kommt es insgesamt sechsmal zu Berührung, Küssen und Intimitäten, aber nicht einmal zum Geschlechtsverkehr. Das wird später noch einen absurden, aber wichtigen Unterschied machen.
Dann, im Februar 1996, kriegt Bill Clinton wohl kalte Füße. Er will das Techtelmechtel mit seiner Junior-Angestellten beenden. Angeblich aus schlechtem Gewissen seiner Frau Hillary und seiner Tochter Chelsea gegenüber. Aber schon nach wenigen Wochen werden die beiden wohl wieder rückfällig. Sie laufen sich ja auch bei der Arbeit ständig über den Weg. Und das bekommen natürlich immer mehr Mitarbeitende mit. Vor allem Bill Clintons stellvertretende Stabscheffin Evelyn Lieberman versucht, Monica versetzen zu lassen. Denn niemand weiß, ob die junge Frau dichthält, den Präsidenten erpresst oder verliebt und damit irgendwie unberechenbar ist. Tja, und Monica? Monica erzählt ihrer Mutter, der Tante und ihrer besten Freundin von der Affäre. Alle warnen sie, dass sie damit aufhören muss. Sich mit dem mächtigsten Mann der Welt einzulassen, ist keine gute Idee. Da hängen nicht nur Ehefrau und Tochter dran, sondern auch das FBI und die CIA.
Nichts, wirklich nichts ist gefährlicher als ein Präsident, der vielleicht im Hormonrausch Staatsgeheimnisse ausplaudert. Im April 1996, die Affäre geht jetzt seit fünf Monaten, da wird Monica Lewinsky kommentarlos ins Pentagon versetzt. Den engsten Mitarbeitern ist es wohl zu heiß geworden. Eine besondere Rolle haben hier Clintons zweite Stabschefin Evelyn Lieberman und seine persönliche Sekretärin Betty Curry. Die ist streng religiös und wird laut eigener Aussage von Clinton, sagen wir mal, gedrängt, zu sagen, er und Monica seien nie allein gewesen. Später vor der Grand Jury unter Eid wird die religiöse Frau das aber widerrufen.
Jedenfalls ist so eine Affäre zwischen Präsident und Praktikantin natürlich hochbrisant. Zumal, wenn sie sich ständig über den Weg laufen. Feuern will man Monika wohl nicht, denn erstens fehlen für die Affäre Beweise und zweitens weiß man nie, ob sie an die Presse gehen wird. Damals haben Zeitung, Fernsehen und Radio ja noch die Deutungshoheit über alles. Heute wären die Gerüchte wahrscheinlich schon auf Social Media zu lesen. Und tatsächlich ist das erstarkende Internet dieses Mal ausschlaggebend. Monica Lewinsky arbeitet jetzt also im Pentagon. Und da ist nichts mehr mit dem Glamour des Weißen Hauses. Das Pentagon, der fünfeckige Zweckbau, ist ein grau-brauner Klotz am Potomac River. Eine ganze Ecke weit weg vom Machtzentrum. Die Flure sind zusammen mehr als 28 Kilometer lang. Kein Vergleich zu den dicken Teppichen, den frischen Blumen und den großen Fenstern im zehn Fahrminuten entfernten Weißen Haus. Monica fühlt sich abgeschoben und allein in diesem kalten, unpersönlichen Pentagon.
Birke Linden ruft zwar ab und zu an, aber sonst passiert nichts. Und hier hätte die Geschichte zu Ende sein können. Alle gehen nach Hause, das Schlimmste ist nicht eingetreten. Tja, wenn Monica nicht auf eine Frau getroffen wäre, die ihr Leben verändern wird. Und das aller Amerikaner. Und dann ist da ja auch noch ein neues Techtelmächtel. Ja, denn in ihrer Einsamkeit beginnt sie eine Beziehung mit dem 16 Jahre älteren Unterstaatssekretär Thomas Longstreth. Mehrere Monate daten die beiden, bis Monika merkt, dass sie schwanger ist. Oh Mann, Monika muss sich unglaublich alleine fühlen, vor allem als sie sich für eine Abtreibung entscheidet. Auch in vielen Interviews später wird sie sagen, wie sehr sie sich Kinder gewünscht hätte. Und in dieser Zeit sucht sie Beistand. Sie freundet sich mit einer 24 Jahre älteren Kollegin an, die heißt Linda Tripp. Eine Mutter von zwei Kindern, die vor zwei Jahren aus dem Weißen Haus hierher versetzt wurde. Da war sie Sekretärin im Pressobüro.
Politisch ist Linda Tripp eher auf der Seite der Republikaner. Die Clinton-Administration mit der lockeren Art geht der Konservativen gehörig gegen den Strich. Sowohl sie als auch ihr erster Ehemann Bruce haben den militärischen Rang eines Army-Colonels. Seit 1991 sind sie allerdings geschieben. Linda ist alleinstehend. Linda Tripp ist fest davon überzeugt, dass die Lockerheit der Clintons gespielt ist und dass die beiden eiskalte Karrieristen sind. Wie sie darauf kommt? Ja, vielleicht, weil sie die letzte ist, die den Clinton-vertrauten Vince Foster sieht, bevor er sich 1993 das Leben nimmt. Sie will zusammen mit einer Autorin und einer Literaturagentin ein Enthüllungsbuch über ihre Zeit im Weißen Haus schreiben. So eine Whistleblower-Geschichte. Schon seit 1994 läuft eine Klage gegen Bill Clinton wegen sexueller Belästigung einer früheren Mitarbeiterin, Paula Jones. Die wirft ihm vor, er habe sie in seiner Zeit als Gouverneur auf einem Hotelzimmer sexuell bedrängt. Kurz zur historischen Einordnung hier. Es gab keine gängige Sprache für diese Übergriffe von Männern. Also man muss das so verstehen, weil wenn heute jemand Hashtag MeToo sagt, dann wissen ja alle gleich Bescheid. Das gab es aber für Frauen damals nicht. Man wusste oft nicht, wie man über solche Dinge spricht und ob man das überhaupt tun sollte. Das ist ja alles lange vor dem Harvey Weinstein-Skandal.
Naja, Linda Tripp weiß von Paula Jones und sie will es der Welt erzählen. Ihr Buchprojekt liegt aber auf Eis, als Linda im Verteidigungsministerium arbeitet. Da schreibt man ja nicht mal eben so nebenbei ein Enthüllungsbuch. Das ist natürlich super heikel, denn die Mitarbeitenden unterschreiben ja alle strengste Geheimhaltungsklauseln. Daher hat Linda eine Autorin und eine Agentin am Start. Sie selbst wäre nur die anonyme Informantin. Und als sie die junge, unglücklich verliebte Monica Lewinsky trifft, da ahnt sie wohl, dass das ihr Buchprojekt ins Rollen bringt. Vielleicht, weil die Affäre Lewinsky so viel größer ist, länger dauerte und das Opfer auch noch blutjung und naiv ist. Monica, die sich im Pentagon alleine fühlt, tappt wohl in diese Falle und glaubt, sie könne Linda vertrauen. Erstmal sagt sie wohl nur, sie habe eine Affäre mit einem Mitarbeiter. Das checkt Linda aber ziemlich schnell. Bill Clinton gilt ja allgemein als Womanizer und zack ist ihr Jagdinstinkt geweckt.
Im November 1996 wird Bill Clinton wieder zum US-Präsidenten gewählt. Jetzt könnte er Monica, mit der er ja immer wieder telefonisch Kontakt hat, zurück ins Weiße Haus holen. Tut er aber nicht. Und die frustrierte Monica gesteht ihrer Kollegin Linda, dass sie eine Affäre mit dem Präsidenten hat. Kurze Pause. Das muss eine echte Offenbarung für Linda sein. Auf diesen Moment wartet sie doch schon seit Jahren. Aber klar, sie braucht Beweise. Sie kennt die Washington-Maschinerie und weiß, eine junge Frau, die das behauptet, würde sicher schnell zum Schweigen gebracht werden. Da setzen sich alle Anwälte und PR-Agenten und Geheimdienste im Bewegen, damit das nicht in die Öffentlichkeit kommt.
In den Zeiten vor dem Internet lief das auch so. Jetzt verbreiten sich Gerüchte unkontrolliert über den ganzen Globus. Niemand hat mehr die Deutungshoheit. Linda rät Monika nicht, die Affäre zu beenden, sondern im Gegenteil, weiter in Kontakt mit Bill Clinton zu bleiben. Angeblich, weil sie am Liebesglück ihrer jungen Freundin interessiert ist. In Wirklichkeit verfolgt Linda gnadenlos ihren Plan, die Clintons endlich auffliegen zu lassen. Und Monika ist ihr Mittel zum Zweck. Bill Clinton nimmt wieder den Kontakt zu Monica auf, hält sie aber immer noch auf Abstand. Und in diesen langen Wartezeiten kann sie ihr Herz nur einer Frau ausschütten, nämlich Linda Tripp. Die beiden schreiben sogar auf, wann er anruft und wie lange gesprochen wird. Vielleicht fragt ihr euch ja auch, was eigentlich mit Monikas Familie in dieser Zeit ist, also ob ihr da jemand beisteht. Linda Tripp sagt später im Interview, sie sei eine Art mütterliche Freundin für Monica Lewinsky gewesen, denn deren eigene Mutter sei faktisch nie dagewesen.
Monica muss ganz schön verzweifelt auf jeden Anruf von Bill Clinton warten. Breadcrumbing heißt das heute in der Datingwelt, wenn der eine dem anderen immer nur einen Brotkrümel hinwirft. Zehn Monate geht das so, bis Bill Clinton und Monica Lewinsky es schaffen, sich privat im Weißen Haus zu treffen. Ende Februar 1997 passiert das. Monica trägt ein blaues Hemdblusenkleid, der Kette Gap Und in einem ruhigen Büro kommt es jetzt zum Geschlechtsverkehr. Bisher hat sich Bill Clinton ja immer zurückgehalten. Vielleicht auch aus Angst vor Beweisen, die ihn später belasten könnten. Dieses Mal ist er nicht vorsichtig genug. Auf Monica Lewinskys Kleid prangt nach diesem Treffen ein kleiner weißer Fleck, der noch eine wichtige Rolle spielen wird. Bill Clinton ist zwar nicht der erste und auch nicht der letzte Politiker, der seine Macht missbraucht und fremdgeht, Aber neu ist in diesem ausklingenden Jahrtausend, dass diese Details für alle Welt zugänglich sind. Linda Tripp bekommt das alles brühwarm erzählt. Und sie ist nicht die einzige, die Indizien sammelt. In Washington lauern einige Journalisten darauf, eine große Enthüllungsstory über den Präsidenten zu schreiben. Unter anderem ein Reporter der Zeitschrift Newsweek, Michael Isakoff.
Er kommt über Journalistennetzwerke mit Linda Tripp in Kontakt. Und die steckt ihm, dass es da eine noch viel größere Geschichte gibt als nur ein paar Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiterin. Nämlich einen Megaskandal. Ihr merkt schon, jeder verfolgt hier seine eigene Agenda. Linda Tripp will ihrem politischen Erzfeind loswerden, der Journalist will eine Story landen, Monica Lewinsky will einfach nur Liebe. Die kriegt sie aber leider nicht. Ganz im Gegenteil. Am 24. Mai 1997 bestellt Bill Clinton seine Geliebte ins Oval Office.
Ja, und hier eröffnet er ihr laut ihrer Aussage, dass das alles endgültig aufhören muss. Er macht also Schluss. Er könne das nicht mehr. Sei aber gern weiter mit ihr befreundet und helfe auch bei einem neuen Job. Für Monica bricht eine Welt zusammen. Sie sagt später auch, er habe bei diesen Treffen geweint. Was denkt ihr? Ist es glaubwürdig? Ist es ein schlechtes Gewissen? Macht er ein Schauspiel? Checkt Bill Clinton, dass sich die Schlinge um seinen Hals immer weiter zuzieht? Noch ein Mann ist nämlich hinter den Kulissen damit beschäftigt, Bill Clinton der Lüge zu überführen. Der unabhängige Sonderermittler Kenneth Starr. Seit Monaten schon recherchiert er mit einem Team wie besessen hinter den Clintons Herr, durchleuchtet alle Immobilien-Deals, befragt Mitarbeiter, Ex-Geliebte. Das weiß Bill Clinton und vielleicht wird der Druck auf ihn dadurch langsam größer.
Ende Mai hebt der Supreme Court im Fall Paula Jones, ihr erinnert euch, die Frau, die er vor Jahren belästigt haben soll, Clintons Immunität als Präsident auf. Er muss sich wie jeder andere normale Mensch auch in einer Zivilrechtsklage verantworten.
Monica Lewinsky vertraut sich parallel Linda Tripp immer offener an und merkt nicht, dass die längst begonnen hat, Telefonate zwischen Bill Clinton und ihr aufzunehmen.
Damals hat man das noch auf Kassette gemacht. Denn ja, Bill Clinton mag die Affäre offiziell beendet haben, aber er ruft immer noch gelegentlich bei Monika an. Und mit diesem Wissen drückt Linda Chipp den Aufnahmeknopf. Ihre Literaturagentin hat einen Plan. Sie will genügend Material sammeln, um ein Buch über die Affäre zu schreiben und die Sensationshäppchen dann Stück für Stück an die Presse zu verkaufen. Aber sie und Linda sind nicht die einzigen, die ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Da ist ja auch noch dieser Newsweek-Journalist.
Der will aber mehr als einen Sexskandal. Er will nachweisen, dass Bill Clinton Monica Lewinsky hilft und dafür Gegenleistung bekommt. Dann wäre die Schlagzeile nämlich Präsident und Praktikantin. Sex gegen Job. Klingt auf jeden Fall mehr als reißerisch. Und Clinton hat Monica beim Trennungsgespräch ja auch zugesagt, dass er sie bei der Jobsuche unterstützt. Wenn das ein US-Präsident sagt, dann meint er damit, das kostet mich einen Anruf. Will er sich ihre Loyalität kaufen oder mag er sie wirklich? Da können wir nur spekulieren. Linda Tripp ermutigt ihren Schützling jetzt, sich auf einen Job bei den Vereinten Nationen in New York zu bewerben. Den bekommt Monica auch. Und sagt ihn wieder ab. Vielleicht, weil sie dann weit weg von Washington und Bill Clinton wäre. Linda ist ratlos. Wäre da nicht noch das befleckte blaue Kleid? Sie warnt Monica, dieses Kleid auf keinen Fall zur Reinigung zu bringen, Weil das natürlich ein wichtiges Beweisstück ist.
So eklig das auch klingt, das ist die DNA von President Bill Clinton. Aber wie sie Monica davon abhält, das kommt später vor Gericht raus. Als Monica das Kleid nämlich tragen und vorher reinigen will, da sagt Linda Tripp einfach, das kannst du nicht anziehen, darin siehst du fett aus. Tja, Bodyshaming wie gesagt. Das ist schon echt ziemlich gemein. Bodyshaming at its best sozusagen. Im Dezember 1997 ist Monica deprimiert und sauer. Bei den wenigen Telefonaten mit Bill Clinton gibt es Streit und Tränen.
Sie fasst sich endlich ein Herz und kündigt den Job im Pentagon. Da flattert eine Vorladung ins Haus. Im Fall Paula Jones sind Monica und Linda Tripp nämlich als Zeuginnen aufgelistet. Wie aber kommen die Anwälte der Frau an ihren Namen? Gut möglich, dass Linda Tripp geplaudert hat. Vielleicht spekuliert sie darauf, dass die frustrierte Monika sich in Verhören mit dem FBI verplappert. Beide Frauen sagen im Dezember aus. Nochmal zum Mitschreiben. Monica Lewinsky hat eine Affäre mit dem Präsidenten, soll aber als Zeugin für eine andere Frau aussagen, die Clinton belästigt haben soll. Das muss schon echt eine super seltsame Situation für sie sein. Zumal die Ermittlungen im Fall Paula Jones Monikas eigene Rolle immer mehr in den Fokus rücken. Mächtige Menschen um Bill Clinton herum wollen wohl nicht, dass sie irgendwann zusammenbricht und auspackt. Und jetzt passiert das, was immer in solchen Fällen passiert. Irgendein Mitarbeiter oder Jurist hält diese Menschen ein Papier unter die Nase, damit sie schweigen. So auch hier. Wenige Wochen später unterschreibt Monica Lewinsky eingeschüchtert eine eidesstattliche Erklärung, wonach sie nie Sex mit Bill Clinton gehabt habe.
Mein Eid ist ja ein Strafbestand und das Aufzeichnen von Gesprächen ebenso, zumindest in Washington. Tim. Ihr merkt schon, wie bei einem Thriller wird es hier immer dramatischer. Es gibt kein Entrinnen vor der Katastrophe. Und Linda Tripp greift jetzt zu ihrer letzten Waffe.
Am 12. Januar 1998 greift sie zum Telefon und ruft das Büro des Sonderermittlers Kenneth Starr an. Man kann sich das richtig vorstellen, wie eine Vorzimmerdame sie abwimmeln will und sie dann so, stellen Sie mich durch, ich bin sicher, was ich zu sagen habe, wird Herrn Starr interessieren. Ja und vielleicht noch ein paar Worte zu diesem Herrn Starr. Dieser Sonderermittler untersteht ja auch der US-Regierung. Clinton könnte den ja einfach entlassen und dieses merkwürdige Amt auflösen. Aber das wäre natürlich noch viel verdächtiger. Kenneth Starr, ein senioriger Rechtsanwalt und Richter, wühlt sich so verbissen in die Akten, dass Monika Lewinskis Anwalt ihm vorwirft, er laufe Amok. So steht's in der Zeitung Die Welt. Ja, der Starr, das erinnert mich noch, das war ein wirklich krasser Typ, da kann man ja vielleicht noch Clips auf YouTube oder so finden. Ja, also Star hat mit diesem Anruf sowas wie ein Sechser im Lotto plus Superzahl. Linda Tripp liefert ihm nicht nur Gerüchte, sondern auch Beweise. Jetzt endlich könnte er seine Endgegner, die Clintons, drankriegen. Star geht sogar so weit, Liebesbriefe auf Monica Lewinskys PC wiederherzustellen, die sie an Bill Clinton geschrieben, aber gelöscht und nie abgeschickt hat. Kenneth Star lässt seine Leute losrennen. Es dauert gerade mal 60 Minuten, da stehen sechs Staatsanwälte und ein FBI-Agent bei Linda Chipp auf der Matte.
Linda muss jetzt alles rausrücken, was sie über die Präsidenten-Affäre weiß. Das dauert Stunden, an deren Ende Linda auch die Kassetten mit den mitgeschnittenen Telefonaten aushändigt. Die Beamten versprechen ihr Immunität. Aber ganz ehrlich, was ist so ein Versprechen zu diesem Zeitpunkt noch wert?
Die Staatsanwaltschaft ermutigt Linda, Monika weiterhin zu treffen und sie auf keinen Fall zu warnen. Das könnte sie ja theoretisch und damit das letzte bisschen Freundschaft beweisen. Aber sie zieht durch. Zum nächsten Treffen mit Monika geht Linda Tripp mit einem versteckten Mikrofon und einer kleinen Kamera ausgestattet. Am 16. Januar 1998 findet dieses Treffen statt, über das Monica Lewinsky neulich erst auf X postet, es habe ihr altes Leben beendet. Die beiden treffen sich in einer Fressmeile in der Nähe des Pentagon. Aber schon nach kurzer Zeit tauchen mehrere FBI-Beamte auf und bedeuten Monica Lewinsky, ihnen zu folgen. Was für ein Horror, oder? Sie wird dann mit dem Aufzug ins Zimmer 10-12 im Hotel Ritz-Carlton beim Pentagon gebracht und dort im 10. Stock stundenlang verhört. Dort trifft sie auch auf Linda Tripp, ihre vermeintliche Vertraute, die sie in die schlimmste Falle ihres Lebens gelockt hat. Monikas Vergehen, kurz nochmal zur Erinnerung, ist ja eine Affäre. Sie hat niemanden getötet, kein Kind missbraucht, keine Gelder veruntreut. Sie hat sich einfach nur verliebt.
Nur halt in den falschen Mann, den falschesten, den man sich vorstellen kann. Und dafür muss sie jetzt völlig verängstigt zehn Stunden lang Rede und Antwort stehen. Wir erinnern uns, sie ist noch eine sehr junge Frau. Sie wird später im Interview mit Call-Her-Daddy-Podcasterin Alex Cooper sagen, sie habe noch nicht mal ihre Mutter anrufen dürfen. Zu den Beamten sagt Monika, so ist es in den Akten festgehalten, Linda solle bleiben. Sie solle alles mit ansehen, diese Verräterin. Monika wird massiv eingeschüchtert. Man droht, sie wegen Meinheits, Strafveraltelung und Verschwörung bis zu, Achtung, 27 Jahre ins Gefängnis zu stecken. 27 Jahre. Es sei denn, sie lässt sich für ein Gespräch mit Bill Clinton verwanzen, um ihn zu überführen. Und das lehnt sie ab. Das ist mutig, aber irgendwie tat sie mir auch leid in dem Augenblick. Sie schützt jemanden, der sie überhaupt nicht schützt. Und der das sehr wohl hätte tun können. Naja, später sagt Monica Lewinsky, sie habe sich dort aus lauter Verzweiflung aus dem Fenster stürzen wollen.
Zufällig wird am nächsten Tag Bill Clinton verhört. Und zwar von Paula Jones' Anwaltsteam. Und auch dort streitet der Präsident wieder ab, eine Affäre mit Monika Lewinsky gehabt zu haben. Und jetzt passiert etwas bahnbrechendes. Die Newsweek druckt die Geschichte nicht. Zu heiß, zu gefährlich, wer weiß. Und der Journalist Michael Isakoff, der seit Monaten daran arbeitet, veröffentlicht sie dann auf der konservativen Plattform Drudge Report. Das ist faktisch das erste Mal, dass Breaking News über das Internet kommen und nicht aus der etablierten Presse. Als erstes springt die Washington Post auf den Zug auf, am 21. Januar 1998.
Die Story löst weltweit einen richtigen Schock aus. Nicht nur bekommt der ewige Strahlemann Bill Clinton jetzt seinen Shitstorm. Es kommen Vorwürfe einer Wahlkampfhelferin, einer Flugbegleiterin und einer Ex-Miss America ans Licht, die alle sagen, er habe sie vor längerer Zeit belästigt. Es kommt auch raus, dass er und seine Mitarbeiter massiv Druck auf Menschen ausgeübt haben sollen, damit bloß keine unangenehmen Wahrheiten ans Licht kommen. Alle Zeitungen sind voll mit Fotos von Monica und Bill. Alle TV-Sender fahren Sondersendungen. Unzählige Blogs schießen aus dem Boden und schreiben darüber. Clintons Frau Hillary jedenfalls scheint abgebrüht zu sein. Nach außen stellt sie sich vor ihn und mit ihm vor jede Kamera. Nach dem Motto, wir alle machen Fehler und ich stehe zu meinem Mann. In dem Wissen, dass sie Jahre später selbst fürs Präsidentenamt kandidiert, fragt man sich jetzt vielleicht, für wen Hillary sich da stark macht. Andererseits, warum sollte sie neben der Demütigung auch noch ihre Karriere ruinieren? Hillary Clinton kann beinhart sein, wenn es darauf ankommt. Das hat sie auch während ihrer Kandidatur gegen Trump bewiesen. Schaut euch gern mal auf YouTube ein paar Interviews an. In denen wirkt sie verletzt und sauer. Aber es hat aus heutiger Sicht eher so einen Touch von Wie konntest du Trottel dich nur dabei erwischen lassen? Hilary, das muss man sagen, trischt damals auch ganz schön verbal auf Monica Lewinsky ein.
Die ist zu diesem Zeitpunkt ja 24 Jahre alt und wird einmal um die Welt durch den Kakao gezogen. Die ganze Welt reißt Sperma-Witze. Comedians machen aus dem Oval Office im Weißen Haus Super Original das Oral Office. Gut, den Witz hätte man sich gerade noch selber ausdenken können, aber, dass der Präsident allen offen ins Gesicht gelogen hat und jetzt mit Spitzfindigkeiten daherkommt, dass Oral-Sex kein richtiger Sex ist, naja, das scheint weniger wichtig als die Tatsache, dass hier auf den Hof einer sehr jungen Frau rumgetrampelt wird. Der Druck auf Bill Clinton wächst täglich und dieses Mal kommt er nicht so leicht davon. Am 26. Januar 1998 tritt der Präsident vor die Presse und sagt den Satz, den wir oben schon genannt haben, indem er behauptet, dass er keinen Sex mit Monica Lewinsky hatte.
Und er ergänzt noch arrogant, er habe niemanden zu einer Lüge gezwungen und müsste dann jetzt wieder an die Arbeit fürs amerikanische Volk. Nach dem Motto, Leute, jetzt ist auch mal gut, ich habe echt Wichtigeres zu tun. Eine Lüge, einen Diss und eine soziale Herabwürdigung. Alles in einem Satz. Ein echter Hat-Trick. Einen Tag später, am 27. Januar 1998, passieren gleich zwei wichtige Dinge.
Hillary Clinton sitzt in der Today Show und schimpft, dass alles seine Verschwörungstheorien politischer Gegner. Am selben Tag tritt Monikas Ex-Langzeitaffäre Andy Blyler, mit dem sie immer mal wieder Kontakt hatte, vor die Presse und sagt, ja, auch mir hat Monica Lewinsky von ihrer Affäre mit dem Präsidenten erzählt. Wiederum zwei Tage später, am 29. Januar, urteilt ein Gericht. Die Fälle Paula Jones und Monica Lewinsky dürfen nicht vermischt werden. Aber das Muster ist klar. Bill Clintons Leben besteht aus Frauen, die ihm den Weg ebnen, seine Karriere begleiten, seine Fehltritte gerade bügeln oder für ihn zu Falle werden. Das Time Magazine schreibt in einer Sonderausgabe, vielleicht braucht man einen Kreis verschwiegener Komplizinnen, damit sich ein erwachsener Mann wie ein Teenager aufführen kann. Alles an Monica Lewinsky wird niedergemacht. Sie wird wild beschimpft, es wird über ihre Figur gelästert und Paparazzi lauern ihr überall auf. Laut eigener Aussage hat sie das alles nur mithilfe ihrer Familie und mehrerer Therapien überstanden. Für Clintons politische Gegner ist dieser Skandal ein Fest. Sie fordern wegen Meinheits und Behinderung der Justiz ein Amtsenthebungsverfahren, Impeachment genannt. Das gab es in den USA viermal. Einmal bei Andrew Johnson 1868, bei Bill Clinton 1998 und zweimal, na, wer errät's, bei Donald Trump 2019 und 2021.
Bitter ist dabei nur, dass es heutzutage fast schon harmlos wirkt. Damals war das ganz sicher nicht der Fall. Das Impeachment eines amtierenden Präsidenten, das hatte keiner von uns jemals erlebt. Das muss vom Repräsentantenhaus eingeleitet werden. In all dieser Zeit lebt Monica Lewinsky mal bei ihrer Mutter in New York, mal bei ihrem Vater und seiner neuen Frau in Los Angeles. Sogar ihre Mutter Marsha wird drei Tage lang verhört. Nach einem halben Jahr wird Monica und ihrer Familie Immunität gewährt, wenn sie im Gegenzug aussagt. Allein die Anwaltskosten müssen die Lewinskys noch jahrzehntelang abstottern. Auch das blaue Kleid mit dem Sperma-Fleck übergibt die Familie den Ermittlern. Das bekommt sie drei Jahre später übrigens zurück. Laut Spiegel hatte Monica mal angekündigt, es zu verbrennen. Keine Ahnung, ob sie das gemacht hat. Angeblich hätte es Anfang der 2000er eine halbe Million gebracht. Heute wäre das ein Vielfaches.
Übrigens lässt sich Monika im Frühsommer dieses Jahres von Starfotograf Herb Ritz für die Vanity Fair ablichten. Endlich ist sie raus aus dem Schatten des mächtigsten Menschen der Welt. Aber so weit sind wir noch nicht. Am 6. August 1998 legt Monika Lewinsky vor der Grand Jury ein umfassendes Geständnis ab. Im selben Monat sagt hier auch Bill Clinton vier Stunden lang aus. Die Grand Jury ist ein geschworenen Kollegium, das im Vorverfahren eines Strafprozesses entscheidet, ob es genügend Beweise für eine Anklage gibt. Und hier gibt Bill Clinton erstmals zu, doch eine Affäre mit Monica Lewinsky gehabt zu haben. Warum nicht gleich? In einer TV-Ansprache an das amerikanische Volk, die zum Mega-Event wird, entschuldigt er sich. Krass, überleg mal. Bill Clinton sagt zu hunderten Millionen Menschen, er habe der Grand Jury Fragen über sein Privatleben beantwortet, die kein Amerikaner beantworten möchte. Und während wir alle noch gedacht haben, So jetzt, jetzt tritt er zurück. Da sagt er nur, ich übernehme die volle Verantwortung für meine politischen und privaten Taten. Ich habe Informationen zurückgehalten. Ich hatte eine Beziehung mit Miss Lewinsky, die nicht angemessen und falsch war. Noch einmal streitet Bill Clinton ab, jemanden zur Lüge angestiftet zu haben. Und er entschuldigt sich bei seiner Frau Hillary.
Da sind wohl richtig gute PR-Leute am Werk. Denn Bills Beichte hat das Unmögliche geschafft. Sie hat ihn als reuigen Sünder und verantwortungsvollen Staatsmann wieder reingewaschen. Zumindest für weite Teile der Bevölkerung. Nicht aber für Sonderermittler Kenneth Starr. Der hat weiter fleißig alles gesammelt, was ein Amtsenthebungsverfahren rechtfertigen könnte. Und übergibt wenige Wochen später, im September seinen 445 Seiten langen und laut Time Magazine 52 Millionen Dollar teuren Star Report in 36 Umzugskartons. Darin steht wirklich jedes Detail der Affäre.
Auch hier kommt das Internet als neue Medienmacht ins Spiel. Der Sender CNN hat eine eigene Website und da können das bald alle Menschen weltweit in voller Länge sehen. Und jetzt leiten die Republikaner mit ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus ein offizielles Amtsenthebungsverfahren ein. Hier würde uns eure Meinung interessieren. Hätte es das gebraucht, wenn er doch gestanden hat? Oder hat er dem Amt geschadet und muss weg? In den USA ist man sich auch nicht richtig einig. Ein paar Stars wie zum Beispiel George Clooney oder Jack Nicholson sind gegen das Verfahren. Andere dafür.
Absurderweise sind Bill Clintons Beliebtheitswerte trotzdem richtig hoch. Die Wirtschaft boomt, es gibt wenig Arbeitslose. Seine Anklägerin Paula Jones wird mit 850.000 Dollar abgefunden, während Monica Lewinsky in Grund und Boden gemobbt wird. Talkstars wie Jay Leno machen Witze über sie. Ihre 22-Stunden-Telefonate mit Linda Tripp werden von den Republikanern ins Netz gestellt. Mehrere Monate geht das Impeachment-Verfahren und endet im Februar 1999 mit einem Freispruch durch den Senat. Bill Clinton bleibt im Amt. Er ist ganz oben, Monica Lewinsky ganz unten. Aber heute? Heute ist sie die Siegerin. Monica Lewinsky ist heute 51 Jahre alt, hat in London ihren Psychologie-Master gemacht, hat mehr als 200.000 Insta-Follower und einen Podcast namens Reclaiming. Sie hat sich ihre Geschichte zurückgeholt und wurde vom Opfer zur Heldin. Es gibt mehr als, jetzt haltet euch fest, 40 Songs über Monica Lewinsky und viele, viele Artikel, die sie selbst für die Vanity Fair geschrieben hat.
1999, da ist sie in Geldnot, weil sie 1,5 Millionen Dollar Anwaltsschulden hat. Sie launcht eine Taschenkollektion und 2024 wirbt sie mit speziell dafür Designkleidern fürs Wählen. Kinder hat Monika keine bekommen. Geheiratet auch. Noch nicht. Aber wir werden gleich sehen, wie sie als Aktivistin wie Phönix aus der Asche steigt. Ich würde sogar sagen, 2025 ist Monika Lewinskys Jahr. Noch kurz zu Sonderermittler Kenneth Starr. Der ist später Prozessanwalt für Donald Trump im ersten Amtsenthebungsverfahren 2020 und steht ihm auch im zweiten Verfahren bei. Er ist Verteidiger von Jeffrey Epstein. Und da diese Verhöre zwischen ihm und Clinton im Fernsehen zu sehen waren, kann ich persönlich sagen, er war wie so ein Terrier, der sich festgebissen hatte. Es war fast schmerzhaft zuzuschauen, weswegen ich es auch nicht lange gemacht habe.
2022 stirbt er, mit 76 Jahren nach einer Operation. Linda Tripp wird am letzten Tag von Bill Clintons Amtszeit aus dem Pentagon entlassen. Ihr Enthüllungsbuch hat sie nie geschrieben, aber dafür Geschichte. Vielleicht nicht als vertrauenswürdige Freundin, aber als hartnäckiger Spürhund. Für die Weltöffentlichkeit gibt es zwei böse Frauen, Monica und Linda. Dann eine Ehefrau, die sich als Heilige stilisiert und den Mann, der noch einmal davongekommen ist. Das ist vielleicht auch wirklich die Riesenungerechtigkeit dieser Geschichte. Ein mächtiger Mann lügt und betrügt. Seine Frau unterstützt ihn nicht nur dadurch, dass sie bleibt, sondern auch, indem sie eine schutzlose Monica Lewinsky angreift. Hillary Clinton Kanadier 2016 gegen Donald Trump für das Präsidentenamt. Verliert aber. Linda Tripp spricht mit Talkmaster Larry King und im ABC-Interview Anfang der 2000er über ihre Beweggründe. Sie sagt, sie hätte Clintons Machenschaften einfach aufdecken wollen. Niemand könne so arrogant und rücksichtslos sein und mit den Gefühlen eines Kindes spielen. Danach zieht sich Linda übrigens komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Sie zieht mit ihrem zweiten Mann, einem deutschen Architekten namens Dieter Rausch, auf eine Farm in Virginia. Den kennt sie von Familienreisen nach Deutschland.
Dort betreiben sie einen kuriosen Laden, der Christmas Sleigh heißt, also Weihnachtsschlitten. Linda stirbt 2020 an den Folgen einer Krebserkrankung mit 70 Jahren. Auf den letzten Metern gibt es noch versöhnliche Töne zwischen Monica Lewinsky und ihr. Monica postet, es tue ihr leid zu hören, dass Linda so schwer krank sei und wünsche ihr Heilung. Ziemlich großzügig von ihr. Ich denke, die Heilung gilt auch im übertragenen Sinne. Die haben alle ihre Wunden davon getragen. Am meisten beschwert sich übrigens Bill Clinton. Er erzählt bis heute, die Affäre hätte Auswirkungen auf sein ganzes Leben gehabt. Aber jetzt kommt die eigentliche Heldinnengeschichte, die wir am Anfang der Folge angeteasert haben. Monica Lewinsky hat sich nicht brechen lassen. Sie gibt kurz nach dem Skandal ein ABC-Interview, in dem sie sich bei Hillary Clinton und der Tochter Chelsea entschuldigt und taucht dann lange ab.
In einem TED-Talk hält sie 2015 eine Rede, bei der sich gestandene Wirtschaftsbosse die Tränen abwischen. Sie startet mit der Frage, wer hier hat mit 22 Jahren nichts getan, was er heute bereut? Da geht natürlich keine Hand hoch. Totenstille im Saal. Sie spricht über diese dunklen Zeiten mit einer Stärke und doch Wärme und Menschlichkeit. Sie erzählt, da bricht ihre Stimme mal kurz, wie ihre Mutter während dieser schrecklichen Zeit Nacht für Nacht an ihrem Bett saß, wie sie die Badezimmertür offen lassen musste, falls sie sich etwas antut. Die Familie war also doch für sie da. Der Weckruf, wieder in die Öffentlichkeit zu gehen, der kam für Monika demnach durch den Suizid eines Studenten. Der hatte mit einem anderen Mann Sex und wurde dabei heimlich gefilmt. Nachdem diese Aufnahmen ins Netz gerieten, nahm sich der junge Mann das Leben. Bei Monica Lewinsky gab es noch kein Social Media, aber es war genauso gnadenlos. Mehr als 22 Millionen Mal wurde diese Rede schon geklickt. Monicas Message, lasst uns alle mehr Mitgefühl haben.
Das kann man gar nicht oft genug wiederholen, wie wichtig das ist. Und das ist ja auch ein wirklich schöner Abschluss für diesen Fall, der Monica Lewinsky fast das Leben gekostet und Bill Clinton fast das Präsidentenamt gekostet hat. Sie hat nicht nur überlebt, sie hat auch etwas geschafft, was anderen Mut macht. Die Frau wurde vor der ganzen Welt gedemütigt und hat sich ihre Würde zurückgeholt. Und wer die Monica von heute erleben will, der sollte unbedingt mal in ihren Podcast reinhören. Reclaiming. Sie macht das großartig und sie sieht ganz nebenbei auch fantastisch aus. Und jetzt sind wir natürlich auf eure Meinung gespannt. Ich glaube, Anne, bei uns hört man schon ein bisschen raus, auf wessen Seite wir da sind, oder? Wie fühlst du es? Eindeutig, ja. Und ich finde auch ihr Satz, den sie vor den Wirtschaftsbossen gesagt hat, so hey, wer hat denn mit Anfang 20 keine Scheiße gebaut, um das mal so zu sagen. Damit hat sie so recht, weil ich finde, es fällt so leicht, sie zu verurteilen und zu sagen, Wie konnte sie nur? Aber Leute, denkt mal daran, als ihr Anfang 20 wart, da ist man auch einfach ein bisschen dumm, muss man so plump sagen und auch naiv. Und deswegen kann ich total nachvollziehen, dass sie in diese Situation geraten ist. Das stimmt. Und was ich mich übrigens gefragt habe, das ist jetzt so ein Denkexperiment. Auch da sind wir auf eure Meinung vielleicht gespannt. Was wäre denn, wenn es eine Präsidentin gewesen wäre und der junge Praktikant eben ein Mann?
Ich habe das Gefühl, die wären wieder auf die Frau gegangen, obwohl sie dann in dieser Machtposition gewesen wäre. Was sagst du? Ich bin mir da leider auch sicher, dass der Fall immer noch in der heutigen Zeit, damals noch viel schlimmer, aber auch heute noch, auch anders ausgegangen wäre.
Naja, wir sind aber trotzdem hoffnungsvoll. Es ist viel, viel passiert in der Zeit. Wenn euch gefallen hat, was ihr heute gehört habt, dann bewertet uns gerne bei Spotify. Sendet uns am allerliebsten fünf Sternchen und kommentiert auch fleißig. Wir sind immer interessiert und lesen auch die Kommentare auf YouTube und Spotify. Bis dahin erstmal, bleibt safe da draußen. Eure Ricardia und Anne. Bis zum nächsten Mal. Danke an unser Team von Open Minds Media. Executive Producer Rüdiger Barth. Konzeption Peter Grewe, Rüdiger Barth und Manfred Neumann. Autorin Anna Gelbert. Producer Ricardia Bramley. Den Schnitt machte Lilli Johannsen. Zusätzliche Unterstützung von Falko Schulte.