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So ein Verbrechen gab es selbst in der glamourösen Glitzerwelt von Hollywood noch nicht. Und das will was heißen. Schließlich liegen die grausamen Taten, über die wir in der heutigen Folge sprechen, bereits mehr als 55 Jahre zurück. Bis heute üben diese Verbrechen eine morbide Faszination aus. Heute sprechen wir über brutale Morde, prominente Täter und Opfer. Wir sprechen über Schauspielerin und Model Sharon Tate, ihren Ehemann, den Starregisseur Roman Polanski, und den berüchtigsten Sektenführer seiner Zeit, Charles Manson. Doch warum wurde ausgerechnet die hochschwangere Sharon Tate zum Opfer? Wir erzählen euch in dieser Folge alle Hintergründe zur Tat. Erneut dreht sich bei uns alles um Macht und wie dieses skrupellos ausgenutzt wird. Alles mit dem Ziel, einen politischen Umsturz herbeizuführen.

Um nicht nur die Macht über eine überschaubare Gruppe zu haben, sondern gleich über ein ganzes Land. Oft beginnt der Machtmissbrauch zunächst schon im Kleinen. Daher blicken wir auch hinter die Fassade einer aufstrebenden Schauspielerin, die mit sich selbst immer gehadert hat und so erst zu einem Opfer im Privaten wurde und schließlich die Machtbesessenheit eines Einzelnen mit ihrem Leben bezahlen musste. Ja, das wird spannend und bizarr. Und damit herzlich willkommen bei Im Schatten der Macht. Ich bin Riccardia Bramley. Und ich bin Anne Luckmann. Wir beginnen unsere heutige Folge mit einem entsetzlichen Verbrechen. Am 9. August 1969 erreicht Haushälterin Winifred Chapman kurz vor 8.30 Uhr ihren Arbeitsplatz in Cielo Drive 10050.

Seit Februar 1969 wohnt dort das Ehepaar Polanski. Chapman arbeitet bereits seit 16 Monaten für das Promi-Paar. Winifred Chapman hat an diesem Morgen Glück. Eigentlich müsste sie eine halbe Stunde von der Bushaltestelle zu dem Anwesen der Polanskis laufen oder ein Taxi nehmen. Als sie aus dem Bus aussteigt, sieht sie zufällig einen Bekannten, den sie bittet, sie kurz zum Cielo Drive zu fahren. Der Cielo Drive liegt im Gebiet des Benedict Canyon, westlich von Hollywood, Los Angeles. An der Grenze zu Beverly Hills. Es ist eine sehr exklusive Wohngegend. Hier gibt es zahlreiche Villen, in denen Stars und Menschen wohnen, die vor allem durch das Show- und Musikgeschäft reich geworden sind. Als Winifred Chapman am großen Tor ankommt, fällt ihr auf, dass lose Kabel aus einem Verteilerkasten hängen. Sie vermutet, dass es gestern Abend ein Problem mit dem Strom oder der Telefonleitung gegeben haben muss. Möglicherweise konnte ein Techniker den Schaden noch nicht wieder vollständig beheben.

Dann betritt die Haushälterin das Grundstück. Es ist aufgrund seiner Größe mit mehr als 12.000 Quadratmetern und der Hanglage eher unübersichtlich. Das Grundstück ist also fast so groß wie zwei Fußballfelder. Ähnliches gilt für das Haus. Die 300 Quadratmeter Grundfläche erstrecken sich über mehrere Gebäudeteile, die wie an einer Perlenschnur aufgereiht sind. Wenn man sich also auf der einen Seite befindet, dann bekommt man nicht mit, was auf der anderen Seite passiert.

Hinter dem Hauptgebäude befindet sich noch ein Pool. Auf dem Grundstück stehen außerdem noch weitere Nebengebäude. In einem lebt beispielsweise der Hausmeister des Anwesens. Das Haupthaus mit Erdgeschoss und einem ersten Stock ist zwar groß, aber keine prunkvolle Villa. Es wurde im Stil eines französischen Landhauses erbaut. Das viele Holz am Dach, Fassade und Veranda macht es gemütlich und kuschelig. Das Anwesen besticht vor allem mit seiner Lage. Wunderschön, in die Santa Monica Mountains gebaut, mit einem sensationellen Blick über Beverly Hills und Bel Air. Nah an Hollywood gelegen, aber trotzdem völlig abgeschieben. Sharon Tate nennt das Anwesen mein Liebesnest. Winifred Chapman betritt das Haus durch die Hintertür. Da warten schon ein paar hungrige Katzen. Auf dem Anwesen leben insgesamt 17 Streuner, die immer mal wieder was zum Fressen bekommen. Im Haus selbst wird die Haushälterin von dem Dalmatiner Welpen Tom und Sharons Zwergpudel Prudence ebenfalls ein Welpe freudig begrüßt. Der Name Prudence kommt übrigens aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt Vorsicht. Das wird noch eine Ironie des Schicksals werden.

Die Haushälterin kennt die beiden Hunde jedenfalls gut. Erst vor wenigen Tagen musste sie die Haustür säubern, weil die Hunde mit ihrem Pfoten eine Menge Schmutz verursacht haben. Im Haus ist es, abgesehen von den Hunden, mucksmäuschenstill. Die 26-jährige Hausherrin Sharon Tate, im neunten Monat schwanger, scheint noch zu schlafen. Als die Haushälterin gerade mit der Arbeit beginnen will, wirft sie einen Blick aus dem Fenster. Dort sieht sie zwei Personen auf dem Rasen liegen. Sie ist irritiert und beunruhigt. Schließlich liegt das Anwesen abseits, hat eine eigene lange Auffahrt und die Einfahrt ist mit einem großen Tor gesichert. Wer kann denn das sein? Sie geht also nach draußen, um nachzusehen, was da eigentlich los ist. Und ihr ist sofort klar, dass hier etwas Schlimmes passiert sein muss. Ein Verbrechen. Denn die Kleidung der regungslosen Personen vor ihr ist voller Blut. Sie kennt die beiden Toten sogar. Es sind nämlich enge Freunde der Polanskis. Sofort rennt sie zurück ins Haus, um die Polizei zu rufen. Doch die Leitung ist tot. Daher eilt Winifred Chapman schnell rüber zu den Nachbarn. Beim ersten Haus macht aber niemand auf. Erst an der zweiten Haustür hat sie Erfolg. Und die Ermittler können so verständigt werden.

Sofort rasen mehrere Einsatzfahrzeuge in die Promigegend. Der Tatort ist nichts für schwache Nerven. Neben den beiden Leichen auf dem Rasen finden die Ermittler noch einen weiteren Toten in einem Auto, das in der Auffahrt steht, sowie zwei Ermordete im Haus. Alle Opfer wurden entsetzlich zugerichtet. Die Haushälterin hat die Leichen im Haus übrigens nicht gesehen, da sie nicht im Wohnzimmer war, wo diese sich befinden. Die Ermittler sind wegen der Brutalität und der Vorgehensweise regelrecht geschockt und auch irgendwie irritiert. Die Leichen weisen zahlreiche Verletzungen auf. Stumpfe Gewalteinwirkungen, Messerstiche, Schusswunden. Sie wurden erschlagen, erstochen und erschossen. Die Kriminalpsychologie spricht in so einem Fall von einem Overkill, ein Übertöten. Die Opfer werden sozusagen mehrmals umgebracht. Dieses Phänomen findet man häufig bei Beziehungstaten, wo sich extrem aufgestaut der Hass entlädt. Bei einem Massenmord mit fünf Opfern, so wie hier, passiert sowas eigentlich nur äußerst selten.

Bei den Opfern, die im Wohnzimmer entdeckt werden, handelt es sich um die Hausherrin Sharon Tate, die mit 16 Messerstichen getötet wurde. Neben ihr hängt ihr Ex-Freund Jay Sebring, der ebenfalls übel zugerichtet ist. Die beiden Leichen sind mit einem Nylonsaal, das um ihre Hälse gewickelt wurde, aneinander gebunden. Das Nylonsaal wurde zudem an einem Holzbalken an der Decke befestigt. Die beiden Opfer auf dem Rasen heißen Wojciech Frykowski und Abigail Folger. Abigail ist die Erbin einer Kaffee-Dynastie. Wojciech ist ihr Lebensgefährte, ein polnischer Schauspieler und Schriftsteller. Das Paar ist eng mit Sharon Tate und ihrem Mann Roman Polanski befreundet. Auf Wojciech Frykowski wurde 51 Mal eingestochen und 13 Mal auf seinen Kopf geschlagen. Auf seine Lebensgefährtin Abigail Folger 28 Mal eingestochen. Es ist wirklich ein reinstes Blutbad. Das fünfte Opfer ist der erst 18-jährige Stephen Parent, der tot in seinem Auto sitzt. Später stellt sich heraus, dass er ein Zufallsopfer ist. Er besucht an diesem Abend den Hausmeister des Anwesens, mit dem er befreundet ist. Als er losfährt, trifft er auf seinen Mörder, der durch das geöffnete Seitenfenster viermal auf ihn schießt. Stephen Parent ist einfach zum absolut falschen Zeitpunkt am falschen Ort.

Interessant ist auch, dass der Hausmeister, der in einem Nebengebäude auf dem Anwesen wohnt, nichts von alledem mitbekommen hat, also dass sein Kumpel quasi vor seiner Haustür erschossen wurde. Er hat nämlich laut Musik gehört und daher die Schüsse nicht gehört. Ein Lügendetektortest bestätigt später auch seine Aussage.

Es gibt sogar noch ein sechstes Opfer. Für wen ein Kindstod besonders schwierig ist, bitte ein paar Sekunden vorspulen. Ich muss sagen, auch für uns war diese Info nicht so leicht.

Wie der Gerichtsmediziner später bei der Obduktion feststellt, wird das ungeborene Baby nicht von den Messerstichen verletzt, die auf Sharon Tate abgegeben werden. Das Kind hätte durch einen Notkaiserschnitt gerettet werden können, wenn die Opfer rechtzeitig entdeckt worden wären. Post Whom erhält das Kind den Namen Paul Richard Polanski. Es wird in den Armen seiner Mutter auf dem Holy Cross Cemetery in Culver City, Kalifornien, beigesetzt. Der Vater des ungeborenen Babys und Sharons Ehemann Roman Polanski hält sich zum Zeitpunkt der Morde übrigens für Dreharbeiten in London auf. Seine Heimkehr ist drei Tage später, für den 12. August 1969, geplant. An diesem Tag sollte nämlich das Baby auf die Welt kommen. Er reist aber sofort zurück nach Los Angeles, als er von diesem Massaker erfährt. Nicht nur Roman Polanski ist geschockt. Die Meldung über den Mehrfachmord schlägt in den USA ja eigentlich weltweit ein, wie eine Bombe. Das liegt neben der Brutalität der Taten noch dazu in einem Nobelviertel, natürlich am Promistatus von Sharon Tate. Sie ist zum Mordzeitpunkt 26 Jahre alt und, wie gesagt, hochschwanger. Sie arbeitet als Fotomodell, unter anderem für den Playboy und steht gerade am Anfang einer vielversprechenden Karriere als Schauspielerin.

Bislang hat sie in acht Filmen und drei Fernsehserien mitgespielt. 1967, also zwei Jahre vor dem Mord, erhält sie sogar eine Nominierung für den Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin für ihre Rolle in Das Tal der Puppen, der damals Kultstatus hat. Ihre andere bis heute bekannte Rolle hat sie in Tanz der Vampire. Sie ist mit ihren 26 Jahren aber nicht nur ein angehender Hollywood-Star, sondern die Stil-Ikone der Swinging Sixties, die von der britischen Hauptstadt herüberschwappen. Sie pendelt zwischen London und Los Angeles. Sie ist sowohl in den USA als auch in Europa sehr berühmt. Sharon Tate ist ein Vorbild für eine ganze Generation an jungen Mädchen und Frauen, die so sein wollen wie sie. Schön, sexy, selbstbewusst und erfolgreich.

Wobei das nur die halbe Wahrheit ist. In Wirklichkeit ist sie zerbrechlich und wird von Selbstzweifeln geplagt. Darüber reden wir gleich noch. Ihr Style wird gerne überall kopiert. Vor allem ihre Liebe zum Minirock, den sie sehr oft trägt. Der sorgt bei der älteren Generation für fast schon Schnappatmung. Er betont ihre schlanke Figur und sie bewegt sich daran anmutig und grazil. Bei ihr wirkt der Minirock eher wie ein elegantes Stilelement. On top ist sie auch noch mit Roman Polanski verheiratet. Der Regisseur polnisch-französischer Abstammung ist in den 1960ern ein junger, unbequemer Visionär des Films. Er wird von den Kritikern verachtet, aber von den Fans geliebt. Er polarisiert enorm und wird dadurch zum Kultregisseur. Sharon Tate und Roman Polanski lernen sich übrigens 1967 in London kennen, wo beide zu dem Zeitpunkt arbeiten. Roman Polanski ist zu dieser Zeit ein richtiges Party-Animal, der wild und heftig feiert. Er ist von Sherons Schönheit begeistert. Die beiden nehmen gemeinsam die bewusstseinserweiternde Droge LSD ein. Das findet er auch später nicht schlimm. In einem Interview mit dem Spiegel sagt er, vergessen Sie nicht, dass LSD zu dieser Zeit noch legal war.

Jedenfalls setzt sich Roman Polanski vehement dafür ein, dass sie die Rolle der Sarah Shagel in dem Kultfilm Tanz der Vampire bekommt, was auch klappt. Die Rolle macht sie nicht nur bekannt, sie und Roman werden auch ein Liebespaar.

Nach den Dreharbeiten, die überwiegend in zwei Studios in London stattfinden und im Herbst 1967 beendet sind, bleiben die beiden gleich in der britischen Hauptstadt wohnen. Sie sind dort das It-Couple des Showbusiness. Alle schauen auf den aufstrebenden wilden Regisseur und seine schöne Freundin, die neun Jahre jünger ist. Vor allem die Medien greifen das Thema dankbar auf. Es vergeht wirklich keine Woche ohne neue Enthüllungs-Stories. Im konservativen England der damaligen Zeit finden es nämlich viele einen Skandal, dass ein Paar bereits vor der Hochzeit zusammenlebt.

Möglicherweise sind die Anfeindungen aus dem konservativen Lager den beiden zu viel. Vielleicht haben sie Sorge um ihre Karrieren. Auf jeden Fall heiraten die beiden nach wenigen Monaten Beziehung am 20. Januar 1968 in London. Das öffentliche Interesse ist riesig. Anschließend pendelt das frischgebackene Ehepaar zwischen London und Los Angeles. Auch in Hollywood sind die beiden Stars. Sie wohnen im berühmten Chateau Marmont am Sunset Boulevard. Laut der Daily Mail gibt es hier Drogen im Überfluss. Allerdings wird Sharon wegen ihrer freizügigen Art in der prüden USA auch mit einer gewissen Skepsis gesehen. Sie zieht sich für Nacktaufnahmen für den Playboy aus. In ihrem letzten Film, 12 plus 1, springt sie in einem weißen T-Shirt in den Pool, taucht wieder auf und läuft mit dem nassen, durchsichtigen Shirt ohne BH durchs Bild. Für die damaligen Zeiten ist das sehr freizügig. Doch dieses selbstbewusste, freizügige Image der jungen Frau ist eigentlich nur Fassade. Wie so oft merkt man das von außen womöglich gar nicht. Sie ist doch schön, warum sollte sie unsicher sein? In Wirklichkeit ist sie es aber. Sharon ist schüchtern und hinterfragt sich ständig selbst. Um diesen scheinbaren Widerspruch zu verstehen und auch warum sie im Schatten der machtbesessenen Menschen so leiden musste, hilft vielleicht ein Blick in die Vergangenheit.

Sharon Marie Tate wird am 24. Januar 1943 in Dallas, Texas geboren. Sie kommt aus einer eher konservativen, ich nenne es mal klassischen Familie. Sie hat zwei erheblich jüngere Schwestern, Deborah und Patty, die neun bzw. 15 Jahre jünger sind als Sharon. Ihr Vater Paul ist Geheimdienstoffizier bei der US-Army. Durch seinen Job muss die Familie viel reisen. Insgesamt fünfmal muss sie deswegen auch die Highschool wechseln.

Die junge Sharon begeistert sich früh fürs Schultheater. Sie tritt als Jugendliche in Werbespots auf und gewinnt mehrere regionale Misswahlen. Also diese Beauty-Wettbewerbe, die in den USA so kult und in den letzten Jahren auch ziemlich umstritten sind. Das scheint neben ihrer Familie die Konstante in ihrem Leben zu sein. Überall, wo sie neu hinkommen, nimmt Sharon an Schönheitswettbewerben teil und gewinnt Dutzende. Sie ist also eine wahre Schönheitskönigin. Obwohl sie überlegt, Psychologie zu studieren, entscheidet sie sich doch für ihre große Leidenschaft und wird Schauspielerin. Schon mit 17 hat sie dann ihren ersten TV-Auftritt. Mit 18 bekommt sie ihre erste Nebenrolle im Film Barabas. Nach ihren Auftritten in der Sitcom The Beverly Hillbillies, in der sie zwischen 1963 und 65 in insgesamt 15 Folgen mitspielt, gilt sie als der neue Aufstrebende Star Hollywoods. Ihren endgültigen Durchbruch hat sie dann 1967, wie gesagt, mit »Tanz der Vampire«. Da ist sie 24.

Doch hinter der glänzenden Hollywood-Fassade verbirgt sich eine zutiefst verletzliche Seele. Ihre Mitschüler beschreiben sie später als still, in sich gekehrt, sehr zurückhaltend. Auch ihre Eltern bemängeln ihr geringes Selbstbewusstsein. Ausgerechnet dieses Mädchen posiert dann aber für Fotografen und lässt keine VIP-Party aus. Der Autor Ed Sanders will den Grund für ihre verletzte Seele kennen. Er behauptet in der Biografie namens Sharon Tate, Alive, dass sie in Italien von einem Soldaten vergewaltigt wurde, als ihr Vater dort stationiert war. Da soll sie gerade mal 17 Jahre alt gewesen sein. Die Zeitung The Sun schreibt dazu, der schockierende Vorfall untergrub das ohnehin schon fragile Selbstvertrauen des schüchternen Teenagers.

Es würde schon erklären, warum sie als Teenagerin so scheu und zerbrechlich erscheint. Durch ihre Schauspielerei lernt sie in der Öffentlichkeit vielleicht zu überspielen, wie es in ihr drin wirklich aussieht. Ihr Weg nach Hollywood kann im Nachhinein kritisch gesehen werden. Zumindest tut das ihre Schwester Deborah. Sie sagt, dass sie nicht auf die raue, von Männern dominierte Welt des Films vorbereitet war. Mit Männern hat sie generell kein gutes Händchen. Ihr erster Verlobter ist der französische Schauspieler Philippe Forquet. Er soll ein Choleriker und brutaler Schläger gewesen sein. Laut Autor Ed Sanders landet sie mindestens einmal nach einem täglichen Übergriff im Krankenhaus. Ein anderes Mal kann sie sich offenbar nur gegen ihn wehren, indem sie ihn mit einer abgebrochenen Weinflasche in die Brust sticht. Ihr damaliger Produzent Martin Renselhoff, mit dem sie einen Sieben-Jahres-Vertrag hat, der verlangt, dass sie sich von Philipp trennt. Das tut sie dann auch.

Danach hat sie eine kurze Affäre mit dem 13 Jahre älteren Hollywood-Star Steve McQueen. Ihr nächster Lover ist der Promi-Friseur Jay Sebring, der in Hollywood den Ruf hat, auf perverse Sexspiele zu stehen. Was das auch immer zu bedeuten hat, denn das wissen wir ja nicht genau. Sharon soll das angeblich aber nicht allzu sehr gestört haben. Sie beendet nach vier Jahren die Beziehung, weil er sich unsicher ist, ob er sie wirklich heiraten soll. Die beiden bleiben aber befreundet. Das erklärt auch, warum er in der Mordnacht im Haus ist und ebenfalls getötet wird.

Er ist es ja, der an diesem Nylonseil um den Hals neben Sharon Tate aufgehängt wurde. Kurz nach der Trennung von Jay Sebring tritt Regisseur Roman Polanski in ihr Leben. Ein kurzes, heftiges und leider das letzte Kapitel in Sharon Tates Leben beginnt. Roman Polanski ist ein sehr dominanter Mensch. Und Sharon sehnt sich genau nach dieser beruflichen und persönlichen Macht, die Roman Polanski hat. Sie ist dieser Macht geradezu hörig. Dabei will sie im Grunde nur geliebt werden. Sie wird von ihm in eine Welt hineingezogen, die aus Drogen, Affären, Orgien und Sexvideos besteht. Denn der Starregisseur hat spezielle sexuelle Neigungen.

Laut Daily Mail zieht er durch die Clubs am Sunset Boulevard, spricht dort Mädchen an und nimmt sie mit nach Hause ins Chateau Marmont. Zusammen mit Sharon soll er dann einen Dreier gehabt haben. Es gibt unterschiedliche Darstellungen, wie Sharon dazu stand. Mal heißt es, dass es ihr weniger ausgemacht hat, mal, dass sie darunter gelitten hat. Das ist nicht ganz klar. Fest steht aber, dass sie wohl nicht selbst auf die Idee gekommen wäre, zu dritt ins Bett zu gehen. Roman Polanski filmt auch Orgien in ihrem Haus und dreht sadomasochistische Pornofilme mit Sharon in der Hauptrolle. Die Sexfilme zeigt er dann laut Daily Mail auf der nächsten Party seines Kumpels. Eine sehr erniedrigende Situation für Sharon, die sich erneut seiner Macht fügt. Der Regisseur beherrscht Sherons gesamtes Leben. Joanna Pettit, eine alte Freundin von Sharon, die berichtet, dass er ihr alles vorschreibt, sogar was sie anziehen und welches Make-up sie auflegen soll. Trotzdem heiratet sie ihn, in der Hoffnung, dass er nach der Hochzeit seine Eskapaden sein lassen würde. Laut Autor Ed Sanders ist Sharon völlig eingeschüchtert von ihrem Mann. Er schreibt, wenn sie mit Roman in der Öffentlichkeit war, machte sie nie den Mund auf. Sie kam sich neben ihm zu klein vor.

Wir haben also keine Beziehung auf Augenhöhe. Das bleibt auch so. Nach der Hochzeit will Roman Polanski nämlich eine offene Ehe. Er möchte also auch Sex mit anderen Frauen haben. Das war zwar bereits in der Vergangenheit so, aber Sharon hatte ja gehofft, dass das nach der Hochzeit aufhört. Doch der Hollywood-Regisseur verlangt von seiner frisch angetrauten Ehefrau, dass sie das akzeptiert. Schließlich wird sie von ihm schwanger. Roman Polanski ist nicht gerade erfreut.

Ein Baby passt nicht zu seinen Sex-Drogen-Orgien. Er verlangt, dass sie das Kind in Brasilien abtreiben lässt, so schreibt es die Zeitung Daily Mail. So und jetzt setzt ein Wandel bei Sharon ein. Zum ersten Mal weigert sie sich, seinem Befehlen zu horchen. Sie will das Baby auf keinen Fall abtreiben und widersetzt sich seinem Wunsch. Doch das lässt er nicht ungestraft. Ab sofort hat er keinen Sex mehr mit ihr und schenkt ihr kaum noch Beachtung. Stattdessen beginnt er eine Affäre mit der The Mamas and the Papas-Sängerin Michelle Phillips. Die Schwangerschaft muss Sharon weitgehend alleine durchstehen, weil er in London einen Film dreht. Sie arbeitet darüber hinaus auch bis wenige Wochen vor der Geburt. Oft sehnen sich die beiden während der Schwangerschaft nicht. Sharon Tate sehnt sich nach Nähe, die sie von ihrem Ehemann nicht bekommt. In dieser Zeit kommen sich die Schauspielerin und ihr Ex Jay Sebring wieder näher. Zumindest auf freundschaftlicher Ebene. Wobei Sebring mehr von seiner Ex-Freundin will. Laut Charons Schwester Deborah sucht er oft ihre Nähe. Deborah sagt, er lauerte nur auf einen Fehler von Roman, der sie wieder in seine Arme treiben würde. Denn in Hollywood weiß jeder, was für ein schwieriger Mann Polanski ist. Jay Sebring wartet einfach geduldig auf seine Chance. Und genau diese Chance kostet ihn am Ende sein Leben.

Und das bringt uns zurück zu den Ermittlungen im heutigen Fall. Die Polizei rekonstruiert die letzten Stunden im Leben der Opfer. Am späten Abend des 8. August 1969 verbringt die 26-Jährige, wie gesagt hochschwangere Sharon Tate, Zeit mit ihren Freunden Jay Sebring, Wojciech Frakowski und Abigail Folger. Sie will ihre Rückkehr feiern, denn sie ist erst seit 19 Tagen wieder in den USA. Davor dreht sie den Film 12 plus 1 in Italien und macht anschließend ein Fotoshooting in London.

Die vier gehen also im mexikanischen Restaurant El Coyote essen. Anschließend fahren sie für einen Drink in Sharon's Villa im Cielo Drive, wo sie kurz vor Mitternacht ankommen. Irgendwann danach muss die abscheuliche Tat passiert sein. Zunächst tappt die Polizei im Dunkeln. Das Übertöten spricht für eine Beziehungstat, der Fünffachmord aber eigentlich dagegen. Ein Raubmord ist es auch nicht, da nichts gestohlen wurde.

Der oder die Täter haben zudem das Wort Pig, also Schwein, mit Blut von Sharon Tate an die Haustür geschrieben. Was soll das bedeuten? Ein Motiv lässt sich daraus nicht ableiten. Eine Woche nach den Morden kommt am 16. August 1969 Bewegung in den mysteriösen Fall. Auf der Span Movie Ranch in der Nähe von Chatsworth im kalifornischen San Fernando Valley findet nämlich eine Razzia statt. Es geht um verschiedene Delikte, wie Autodiebstahl und Brandstiftung. Die Ranch diente über mehrere Jahrzehnte als Drehort für Westernfilme und Serien. Seit ein paar Jahren wird sie aber nicht mehr dafür benutzt. Der 80-jährige Eigentümer George Spann erlaubte es einer Gruppe junger Leute, auf dem mehr als 22 Hektar großen Areal in den heruntergekommenen Filmkulissen zu wohnen. Als Gegenleistung helfen sie ihm auf der Ranch. Insbesondere sollen sie die Pferde versorgen, denn George Spann bietet Reitausflüge für Touristen an. Bei der Razzia werden mehrere Mitglieder der Gruppe festgenommen, die sich die Manson Family nennt. Im Oktober 1969 findet eine weitere Razzia statt. Diesmal auf der Barker Ranch in Death Valley, wo ebenfalls Mitglieder der Manson-Family leben. Erneut kommt es zu Festnahmen.

Unter anderem wird der Führer der Gruppe verhaftet. Dessen Namen habt ihr eventuell schon mal gehört. Charles Manson. Noch gibt es keine Verbindung zwischen den Festgenommenen und den Morden an Sharon Tate und den weiteren Opfern. Das ändert sich aber. Am 6. November 1969, ziemlich genau drei Monate nach den furchtbaren Taten.

Susan Atkins, ein verhaftetes Mitglied der Manson-Family, gesteht gegenüber zwei anderen Häftlingen, gemeinsam mit drei weiteren Mitgliedern der Manson-Family die Tate-Morde begangen zu haben. Die Anweisung dazu kam von Charles Manson, über den wir gleich noch ein bisschen ausführlicher sprechen. Die Mitgefangenen Virginia Graham und Ronnie Howard informieren umgehend die Ermittler. Susan Atkins weigert sich, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Daher macht der Staatsanwalt der Mittäterin, Linda Kasabian, ein verlockendes Angebot. Wenn sie als Kronzeugin in dem Fall auftritt und alle Infos über die Tat und die Manson Family auf den Tisch legt, geht sie straffrei aus. Dieses Angebot kann sie nicht ausschlagen. In Kalifornien gibt es damals noch die Todesstrafe, die ihr für ihre Beteiligung blüht. Wenn sie auspackt, muss sie nicht mal ins Gefängnis.

Den Namen von Linda Kasabian haben sie übrigens von Susan Atkins Zellengenossin, die ihr den Namen nennt. Linda Kasabian sitzt bereits seit der Razzia auf der Span Movie Ranch am 16. August 1969 in Untersuchungshaft. Bevor wir hören, was Linda Kasabian sagt, werfen wir einen Blick auf die Manson Family und den berühmt-berüchtigten Anführer Charles Manson. Die Manson Family ist eine sektenartige Kommune. Ihr Anführer Charles Manson ein kleinkrimineller und erfolgloser Musiker, der zwei Jahre vor den Massenmorden nach sieben Jahren wegen Checkbetrugs und Zuhälterei aus dem Gefängnis entlassen wurde.

Bei der Manson-Family herrscht reges Kommen und Gehen. Den Kern bilden aber 30 Mitglieder, meist junge Frauen, die zu Hause Probleme haben. In den wenigen Jahren ihres Bestehens hat die Gruppe insgesamt rund 100 Mitglieder. Charles Manson ist charismatisch, regiert seine Family autoritär und kann die Mitglieder extrem geschickt manipulieren. Auf diese Weise übt er eine ungeheure Macht über die Menschen aus, die sich dieser Macht nicht entziehen können.

Sie werden von ihm psychisch abhängig. Er verabreicht seinen Mitgliedern zum Beispiel Drogen, vor allem LSD, und zwingt sie zu Gruppensexorgien. Skurril ist, dass vor allem Frauen totale Fans von ihm sind. Zeitweise bewerben sich so viele Frauen, um in die Sekte aufgenommen zu werden, dass das Los entscheiden muss. Dabei verachtet er Frauen in Wirklichkeit. Frauen hätten seiner Meinung nach keine Seelen und besäßen lediglich als Dienerinnen des Mannes eine Daseinsberechtigung. Seine, in großen Anführungsstrichen, Philosophie, wenn man seine seltsame Anschauung denn so nennen möchte, ist also extrem sexistisch, aber auch rassistisch. Denn nur Weiße werden als Mitglieder in der Family aufgenommen. Irgendwann beschließt er, seinen Rassismus auch in die Tat umzusetzen. Sein Plan? Er will einen apokalyptischen Rassenkrieg, den Helter-Skelter, auslösen. Und aus dem geht er dann auch als Strahlen der Befreier der weißen Rasse hervor. Und sein Plan ist perfide. Der Helter-Skelter soll gestartet werden, indem prominente weiße Menschen grausam umgebracht werden. Damit möchte er maximale Aufmerksamkeit erreichen. Und anschließend will er diese Morde Schwarzen in die Schuhe schieben.

Diesen Plan soll seine rechte Hand Charles Watson ausführen, der von allen nur Tex genannt wird. An dieser Stelle kommt wieder Sharon Tate ins Spiel. Sie ist ja weiß, strahlend schön und berühmt. Und außerdem noch schwanger. Also das perfekte Opfer für sein Held das Gelder. Zudem kennt er das Haus, das zum Tatort werden soll. Denn bevor die Polanskis wenige Monate vor den Morden im Februar 1969 in den Cielo Drive einziehen, hat es der Musikproduzent Terry Melcher gemietet. Der macht sich in den 1960er Jahren einen Namen als Produzent von Rockbands.

Dennis Wilson von den Beach Boys ist 1968 kurz mit Charles Manson befreundet und nimmt mit ihm zusammen ein Demotape auf. Das Demo gibt Beach Boy Dennis Wilson dann dem Produzenten Terry Melcher und auch Charles Manson ist selbst bei diesem Treffen Ende 68 dabei. Daher kennt er das Anwesen. Vielen Dank. Ein paar Monate später lehnt Musikproduzent Terry Melcher das Demotape ab und will Charles Manson nicht unter Vertrag nehmen. Er sieht kein musikalisches Potenzial in dem Sektenführer. Das will Charles Manson nicht akzeptieren. Daher fährt er zum Cielo Drive und will Terry Melcher zur Rede stellen. Doch der wohnt dort nicht mehr, sondern die Polanskis. Da habe ich mir noch überlegt, ein Mann, dessen brotlose Kunst zu Recht zurückgewiesen wird, wendet sich dunklen Mächten zu und wird zu einem beispiellosen Verbrecher, wie ihn die Welt noch nicht zuvor gesehen hat. Das kommt mir irgendwie bekannt vor.

Ja, sagt es mal in den Kommentaren, ob ihr wisst, worauf wir anspielen. Ja, ich glaube, ihr wisst alle, wen wir damit meinen. Charles Manson weiß also sehr genau, wer dort im August 69 wohnt. Sharon Tate wird dabei heute eher als ein Zufallsopfer gesehen. Wäre sie nicht in das Haus gezogen, dann würde Sharon Tate heute vielleicht noch leben. Denn Charles Manson wählte das Haus wegen der abgelegenen Lage aus. Und weil eben Prominente darin leben. Was er bei seinem Besuch erfährt, als er mit dem Produzenten Terry Melcher spricht. Ihr Tod wird also mit Sicherheit für das nötige Aufsehen für seinen Heldersgelter sorgen. Das wäre also das Motiv für diese wahnsinnigen Taten. Ein Sektenführer befiehlt seinen Mitgliedern, die er psychisch geschickt manipuliert und damit nahezu uneingeschränkte Macht über sie hat, diese grausamen Morde zu begehen. Und zwar um einen Rassenkrieg zwischen Schwarzen und Weißen in den USA auszulösen. Es gibt keinen Widerspruch oder eine Diskussion. Der Führer befehlt, seine Anhänger folgen. Um bei dem mächtigen Anführer gut dazustehen, kommt es auch zum Übertöten der Opfer. Denn Charles Manson sagt seinen gehorsamen Mitgliedern, bevor sie aufbrechen, dass sie etwas Hexenhaftes tun sollen. Das haben sie offensichtlich so interpretiert, dass die Taten möglichst grausam ausgeführt werden.

Wir möchten euch noch kurz erklären, wie die Taten stattgefunden haben und wer die eigentlichen Täter sind. Das erklärt Kronzeugin Linda Kasabian der Staatsanwaltschaft nämlich ganz genau. Neben Linda Kasabian und der bereits erwähnten Susan Atkins sind an diesem verhängnisvollen Abend noch Patricia Quenwinkel und Charles Tex Watson, die rechte Hand von Charles Manson, mit dabei. Charles Manson selbst ist übrigens nicht dabei. In der Nacht vom 8. auf den 9. November 1969 erreicht die Vierergruppe gegen Mitternacht in einem alten Ford das Tor zum Anwesen am Cielo Drive. Nachdem Tex Watson die Telefonleitung zum Grundstück durchtrennt, damit die Polizei nicht alarmiert werden kann, parken sie den Wagen weiter unten am Hang. Sie laufen zu Fuß zum Anwesen zurück und klettern rechts neben dem Tor über den Zaun.

Als sie mit drei Messern und einem Revolver, 22er Kaliber, bewaffnet, die Einfahrt zum Haupthaus hinaufgehen, kommt ihnen als erster Stephen Parent mit seinem Auto entgegen. Ihr erinnert euch, das ist der erst 18-Jährige, der an dem Abend seinen Hausmeisterkumpel besuchen will. Zufallsopfer Stephen Parent wird durch das geöffnete Fahrerfenster laut Linda Kasabian von Tex Watson erschossen. Bei der Obduktion seiner Leiche werden vier Schussverletzungen und eine Abwehrschnittwunde an der linken Hand festgestellt. Dann geht es weiter. Tex Watson schneidet das Fliegengitter eines Fensters auf und steigt ins Haus ein. Anschließend lässt er Susan Atkins und Patricia Cranwinkle über die geöffnete Vordertür rein. Die im neunten Monat schwangere Linda Kasabian, sie steht also genau wie Sharon kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes, bleibt nach dem Befehl von Tex in der Einfahrt zurück und wartet neben dem Wagen des erschossenen Stephen Parent.

Im Haus treiben die zwei Täterinnen und der Täter Sharon Tate und ihre drei Gäste Jay Sebring, Wojciech Frykowski und Abigail Folger im Wohnzimmer zusammen und fesseln sie. Tex Watson befiehlt den Opfern, sich beuchlings auf den Boden zu legen. Als ihn Wojciech Frykowski fragt, wer er denn sei, antwortet Tex, ich bin der Teufel und ich bin hier, um die Tat des Teufels zu erledigen. Tex Watson fesselt Jay Sebring und Sharon Tate mit einem Nylonseil aneinander. Jay Sebring protestiert vehement gegen die Behandlung der hochschwangeren Sharon. Tex Watson fackelt aber nicht lange und erschießt ihn. Dann sticht er siebenmal auf ihn ein. Jay Sebring verblutet direkt neben Sharon Tate. Hier wird es nochmal etwas grafischer. Also für alle, die solche Gewalttaten lieber nicht hören möchten, spurt ruhig nochmal eine Minute vor.

Wojciech Frykowskys Hände sind mit einem Handtuch gefesselt, aus dem er sich befreien kann. Er stürzt sich auf Täterin Susan Atkins. Beide gehen zu Boden. Dabei sticht Susan Atkins mehrmals mit einem Messer in seine Beine. Er schleppt sich auf die Veranda. Dort holt ihn Tex Watson ein, schlägt ihm 13 Mal mit dem Revolver heftig über den Kopf. Die Schläge sind so brutal, dass sich der Lauf des Revolvers verbiegt und eine Seite des Waffengriffs abbricht. Danach sticht er 51 Mal auf sein Opfer ein.

Im Haus kann zu diesem Zeitpunkt Abigail Folger ihrer Bewacherin Patricia Quenwinkle entkommen und Richtung Poolbereich fliehen. Die Angreiferin kann sich auf dem Rasen vor der Veranda schließlich auf ihr Opfer stürzen und sticht ebenfalls auf sie ein. Als Tex Watson dazukommt, erstechen beide gemeinsam Abigail Folger. Sie erleidet 28 Stiche. Jetzt ist nur noch Sharon Tate und ihr ungeborenes Baby am Leben. Sie fleht um ihr Leben. Es müssen dramatische Minuten gewesen sein. Doch gegen die ungeheure Macht, die Charles Manson fast gottgleich über seine Anhänger hat, hat der schwangere Hollywood-Star keine Chance. Susan Atkins und Tex Watson stechen sie mit 16 Stichen nieder. Anschließend schreiben sie das Wort Pig mit Sharon Tates Blut an die Haustür. Danach verschwinden die Täterinnen und der Täter in der Dunkelheit der Nacht und überbringen ihrem Anführer die Nachricht, dass sein Befehl ordnungsgemäß ausgeführt wurde. Ja, an dieser Stelle, glaube ich, müssen wir alle einmal kurz durchatmen, denn die Taten sind wirklich unfassbar grausam und das Motiv, also Motiv in Anführungsstrichen, ist ja einfach nur irre. Und das Tragische an der Sache ist auch noch, dass die fünf Morde niemals stattgefunden hätten, wenn nicht ein einzelner Mensch so viel Einfluss und Macht über andere Menschen gehabt hätte.

Eine Strafe, die diesen unfassbaren Taten entspricht, die kann es ja eigentlich gar nicht geben. Lasst uns trotzdem über die Urteile sprechen. Patricia Cranwinkle, Susan Atkins und Tex Watson werden wegen Mordes zum Tode verurteilt. Auch Charles Manson erhält wegen Anstiftung zum Mord die Todesstrafe. Nachdem die Todesstrafe 1972 in Kalifornien abgeschafft wird, werden die Urteile in lebenslange Haftstrafen umgewandelt. Nur Linda Kasabian wird als Kronzeugin des Prozesses auf Bewährung entlassen und muss für ihre Tatbeteiligung nicht eine Minute im Gefängnis sitzen. Also das ist irgendwie auch wahnsinnig willkürlich, aber wahrscheinlich besser, als wenn man gar nichts herausfindet und ein Fall ungelöst bleibt.

Charles Manson stirbt schließlich 48 Jahre nach den Taten am 19. November 2017 in einem Krankenhaus in Bakersfield an den Folgen von Darmkrebs. Auch Susan Atkins ist nicht mehr am Leben. Sie erliegt am 24. September 2009 im Gefängniskrankenhaus in Chowchilla einem Hirntumor.

Die inzwischen 77-jährige Patricia Cranwinkel sitzt nach wie vor in der Frauenvollzugsanstalt California Institution for Women in Chino, Kalifornien. Am 26. Mai 2022 wird sie zwar kurzzeitig auf Bewährung entlassen, doch bereits am 14. Oktober 2022 hebt Gouverneur Gavin Newsom die Entscheidung auf. Seiner Meinung nach geht von ihr immer noch eine Bedrohung für die Gesellschaft aus. Auch Tex Watson ist noch inhaftiert. Ob er die Richard J. Donovan Correctional Facility in San Diego County, Kalifornien, jemals lebend verlassen wird, steht in den Sternen. Der heute 79-Jährige hat bereits 18 Anträge gestellt, um auf Bewährung entlassen zu werden, aber alle wurden abgelehnt. Linda Kasabian ändert ihren Namen und zieht mit ihrem Mann und, Achtung, ihren Kindern nach New Hampshire. In der Öffentlichkeit tritt sie fast nie auf. Mit ihrer Familie lebt sie seit den späten 1980er Jahren in Tacoma, Washington. Sie gerät immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Zum Beispiel wird sie 1996 wegen Drogen- und Waffenbesitzes verhaftet. Seit einem schweren Autounfall ist sie behindert und arbeitsunfähig. Am 21. Januar 2023 stirbt sie im Alter von 73 Jahren.

Oh, was für eine Geschichte, Anne, oder? Also über die unfassbare Brutalität, die dieser Fall, diese Geschichte hat, brauchen wir ja fast gar nicht sprechen. Das haben wir ja sehr detailliert getan. Aber ich muss sagen, es ist ein bestimmtes Gefühl neben Trauer natürlich und Wut in mir zurückgeblieben. Und zwar eigentlich noch eine viel größere Wut über die Kronzeugin, weil ich ehrlich gesagt nicht verstehen kann, wie man ihr keinerlei Strafe geben kann. Ich verstehe ja, dass man jemanden gebraucht hat, der aussagt, damit dieser ganze Prozess überhaupt erst ins Rollen gerät und dass man ihr auch irgendwas anbieten muss dafür. Aber diese Frau war dabei. Die hat auch die Menschen ermordet. Und zwar in einem unfassbaren Wahn und mit einer irren Brutalität. Und wie kann es sein, dass sie dafür keinerlei Strafen bekommt? Und später, als sie draußen war, ja trotzdem noch kleinere Delikte getan hat. Aber das hinterlässt in mir ein ganz komisches Gefühl. Und wir haben uns ja auch noch gefragt, weil Anna und ich schreiben uns ja gerne Briefchen in die Texte über unsere unmittelbare Reaktion. Und wir haben uns auch gefragt, wie kann man mit so einem schlechten Gewissen so lange weiterleben? Es geht einfach nicht in meinen Kopf rein. Ich will das fast schon nicht verstehen, dass jemand, der dabei war.

Nur ein bisschen plaudern braucht und schon passiert ihr nichts und sie kann irgendwo eine Familie gründen. Das ist halt einfach super unfair. Ja, also ja, ich weiß nicht, wie es euch geht, ob ihr die Details der Geschichte schon kanntet, weil die Manson Family, Roman Polanski, Sharon Tate, das ist ja schon sehr bekannt, die Geschichte drumherum. Aber ja, schreibt uns doch gerne mal, ob da jetzt auch neue Details dabei waren, die ihr bisher noch nicht wusstet und ja, was ihr zum Thema Kronzeugen denkt, das interessiert uns beide, glaube ich, hier am allermeisten. Schreibt uns das doch gerne bei Instagram, da heißen wir im Schatten der Macht oder bei Spotify hier in die Kommentare. Das lesen wir alles und eine kleine Bitte, über das wir uns sehr freuen würden, folgt dem Podcast doch gerne. Egal wo ihr den hört, überall kann man im Schatten der Macht folgen, darüber würden wir uns sehr freuen.

Und dann, Ricardia, sind wir nächste Woche Donnerstag wieder mit einem neuen Fall hier, würde ich sagen. Ganz genau und bis dahin bleibt safe da draußen. Bis bald, eure Ricardia. Danke an unser Team von OpenMinds Media. Executive Producer Rüdiger Barth Konzeption Peter Greve, Rüdiger Barth und Manfred Neumann Autor Stefan Weber Producer Ricardia Bremley Den Schnitt machte Lilli Johannsen, Zusätzliche Unterstützung von Falko Schulte.