Music.

Er ist einer der bedeutendsten Bürgerrechtsaktivisten aller Zeit. Dank seines Einsatzes wird in den 1960er Jahren die Rassentrennung in den USA beendet. Für sein Engagement bekommt er im Jahr 1964 sogar den Friedensnobelpreis verliehen. Martin Luther King Jr. ist einer der herausragendsten Persönlichkeiten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ja, nicht nur das, er ist bis in die höchsten politischen Kreise vernetzt, Geht im Weißen Haus ein und aus, kennt US-Präsident John F. Kennedy und dessen Bruder, Generalbundesanwalt Robert F. Kennedy. Der Aktivist ist bei vielen Entscheidungsträgern hoch angesehen. King weiß um die Mächte, in deren Schatten er sowohl Zustimmung als auch Ablehnung erfährt. Über seine eigenen Schattenseiten wurde lange nicht so viel gesprochen. Ich glaube auch, um seine Errungenschaften nicht zu schmälern. Wir wollten euch aber mehr von ihm erzählen, also haben wir Jonathan Ike angerufen. Er ist Pulitzer-Preisgewinner und Autor der Martin Luther King-Biografie, King Alive. Und er sagt über Martin Luther King, Well, King was a much more sensitive person than I expected to find. You know, he was very insecure in many ways. He attempted suicide twice as a teenager. He struggled with mental health issues all his life. And in a very strange way, it's funny to say this because he's America's greatest protest leader, but he was really...

Really disliked confrontation. He couldn't say no to people. And he struggled to stand up when he was challenged. So even his father, he couldn't stand up to his own father. And when presidents disappointed him, when politicians disappointed him, or when police officials, he was willing to go to jail. But he had a very difficult time looking people in the face and arguing with them and differing with them. I thought that was fascinating. It just goes to show that he was overcoming his own insecurities when he did rise up to challenge authority. Kurz übersetzt, King war ein viel sensiblerer Mensch, als Jonathan erwartet hatte. Er war in vielerlei Hinsicht sehr unsicher. Als Teenager unternahm er sogar zwei Selbstmordversuche. Sein ganzes Leben lang kämpfte er mit psychischen Problemen.

Ike sagt auch, Martin Luther King mochte Konfrontationen wirklich nicht. Er konnte nicht Nein sagen und es fiel ihm schwer, eine direkte Herausforderung anzunehmen. Selbst seinem Vater gegenüber konnte er sich nicht durchsetzen. Und wenn Präsidenten ihn enttäuschten oder Politiker oder Polizeibeamte, dann war er bereit, ins Gefängnis zu gehen, aber es fiel ihm sehr schwer, den Menschen ins Gesicht zu sehen und mit ihnen zu streiten. Und das fand Jonathan Icke faszinierend, denn es zeigt ja, dass King seine eigenen Unsicherheiten überwand, als er sich erhob, um autoritäre Kräfte herauszufordern. Und obwohl ihm Konfrontation mit anderen so schwer fällt, sucht er sie dennoch und setzt sich für andere ein.

Aber sein gewaltfreier Kampf gegen die Unterdrückung der schwarzen Community in den USA und für soziale Gerechtigkeit gefällt nicht jedem. Er wird von verschiedenen Behörden äußerst kritisch beäugt. Vor allem das FBI hat Martin Luther King auf dem Kieker. FBI-Chef J. Edgar Hoover sieht in ihm einen persönlichen Feind. Er lässt zum Beispiel seine Telefongespräche abhören und ihn überwachen. Er versucht permanent, Martin Luther King öffentlich zu diskreditieren. Tja, und schließlich kommt es zu einem dramatischen Attentat. Am 4. April 1968 wird Martin Luther King im Alter von 39 Jahren in Memphis erschossen. Der vermeintliche Täter wird nach wenigen Monaten gefasst und verurteilt. Doch rund um die Tat gibt es zahlreiche Ungereimtheiten. Wieso werden kurz vor dem Attentat die beiden Zivilpolizisten abgezogen, die Martin Luther King überwachen sollen? Warum wird der mutmaßliche Tatort, ein Gebüsch, kurz nach dem Mord vom Gartenbauamt zerstört? Und warum wirft der Täter die angebliche Tatwaffe mit weiteren persönlichen Gegenständen in der Nähe des Tatorts in einen Hauseingang?

Es drängt sich die Frage auf, wer wirklich hinter dem Attentat steckt. Ob mächtige Strippenzieher den beliebten und charismatischen Aktivisten aus dem Weg räumen wollen? Der im Jahr 2002 verstorbene demokratische Abgeordnete John Lewis aus Georgia sagt zwei Jahre vor seinem Tod gegenüber der Washington Post Folgendes. Ich glaube, dass es eine große Verschwörung gab, um Dr. King von der amerikanischen Bildfläche zu entfernen. Ob das wirklich so war, das wollen wir in der heutigen Folge erzählen. Und damit ganz herzlich willkommen bei Im Schatten der Macht. Ich bin Anne Luckmann. Und ich bin Ricardia Bramley. Wir starten gleich mit dem Attentat am 4. April 1968.

Einen Tag zuvor kommt Martin Luther King in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee an. Am selben Abend hält er seine berühmte I've been to the mountaintop Rede. Einen Tag später, am 5. April 1968, will er dort einen friedlichen Marsch durch die Stadt anführen. Der Marsch ist eine Unterstützung und eine Solidaritätsbekundung für die schwarzen städtischen Mitarbeiter. Die sind nämlich unterbezahlt und bekommen nicht mal eine Uniform gestellt. Sie werden von keiner Gewerkschaft vertreten und dürfen die städtischen Toiletten nicht benutzen. Daher gibt es seit dem 11. Februar 1968 einen Proteststreik der Stadtangestellten. Auslöser für den Streik ist ein dramatischer Vorfall, der sich zehn Tage zuvor ereignet hat. Am Nachmittag des 1. Februar 1968 peitscht ein heftiger Regensturm über Memphis. Zwei Arbeiter der Stadt sind gerade mit ihren Müllwagen unterwegs. Wegen der damals in Tennessee herrschenden Rassentrennungsgesetze dürfen sie aber keinen Schutz in einem öffentlichen Gebäude suchen.

Daher kriechen sie in die Müllpresse. Die hat aber leider eine Fehlfunktion, springt plötzlich an und quetscht die beiden afroamerikanischen Männer zu Tode. Schwarze dürfen zu dieser Zeit nicht in Restaurants oder in öffentlichen Verkehrsmitteln neben Weißen sitzen oder die gleichen Toiletten benutzen. Sie werden von Wahlen ausgeschlossen und im Alltag diskriminiert. Systemischer Rassismus eben. Martin Luther King kämpft seit Jahren gegen dieses System an und hat auch schon Erfolge zu verzeichnen. Am 2. Juli 1964 unterzeichnet der damalige US-Präsident Lyndon B. Johnson den Civil Rights Act von 1964, der die Rassentrennung aufhebt. Das widerstrebt aber einigen Senatoren und Gouverneuren extrem.

Nach der Verkündung des Civil Rights Act weigern sich die Bundesstaaten Alabama und Mississippi, das Gesetz anzuerkennen. Auch Tennessee hat es vier Jahre nach der Unterzeichnung immer noch nicht umgesetzt. Bis heute tun sich die Staaten im sogenannten Bible Belt ja schwer mit den Beziehungen zwischen Schwarz und Weiß. Bible, also Bibel übrigens, weil Religion in diesen Staaten eine massive Rolle spielt. Aber zurück zum Attentat. Als Martin Luther King am 3. April 1968 in Memphis ankommt, checkt er mit ein paar Mitarbeitern und Unterstützern gegen 11.20 Uhr im Lorraine Motel ein. Das schmucklose, zweistöckige Motel liegt an einer dicht befahrenen Straße. Er bezieht das Zimmer 306 im ersten Stock. Auch sein Bruder Alfred Daniel King ist dort untergebracht, im Zimmer 201.

Sein Team und er lehnen übrigens Polizeischutz ab. Eine Woche zuvor gab es bereits am 28. März 1968 einen Protestmarch in Memphis, an dem auch Martin Luther King teilgenommen hat. Dieser Marsch eskaliert total. Geschäfte werden geplündert, es kommt zu massiven Zusammenstößen mit der Polizei, die in Gewalt enden. King will vor dem geplanten morgigen Marsch deeskalieren und verzichtet deshalb auf den Polizeischutz. Manche Anhänger hätten die Anwesenheit der Sicherheitskräfte möglicherweise als erneute Provokation aufgefasst. Heute wissen wir, dass das sehr leichtsinnig war. Zum einen gab es eine Bombendrohung gegen den Flug, den Martin Luther King genommen hat. Deshalb kommt er verspätet in Memphis an. Zum anderen veröffentlicht eine lokale Zeitung, in welchem Motel er absteigt. In Memphis weiß also jeder, wo er gerade wohnt. Am Morgen des 4. April 1968 hat Martin Luther King beste Laune. Daran erinnert sich Motelbesitzer Walter Bailey. Nach dem Frühstück steht am Vormittag ein Treffen mit der Southern Christian Leadership Conference, kurz SCLC, an. Eine afroamerikanische Bürgerrechtsorganisation, die im Jahr 1957 von Martin Luther King gegründet wird. Er ist auch der Präsident der SCLC.

Nach dem Treffen gingen Martin Luther King und Reverend Ralph Abernathy gegen 13 Uhr Mittagessen. Anschließend trifft er sich mit seinem Bruder Alfred Daniel in dessen Zimmer 201. Ein paar Stunden später, gegen 16 Uhr, kommt auch Reverend Ralph Abernathy dazu. Die drei reden ungefähr eine gute Stunde miteinander und dann geht jeder auf sein Zimmer, um sich frisch zu machen. Um 18 Uhr gehen sie mit Reverend Billy Kiles zum Abendessen. Ja, Reverend Billy Kiles holt die Gruppe am Motel ab. Er betritt Martin Luther Kings Zimmer 306 und bittet ihn, sich zu beeilen, da der Tisch um 18 Uhr reserviert sei und sie bald losmüssten.

Um 17.55 Uhr verlassen Martin Luther King und die zwei Reverends, Ralph Abernathy und Billy Kiles, das Zimmer. Vor der Tür trifft Martin Luther King seinen Freund, den Aktivisten Jesse Jackson. Er veräppelt seinen Freund noch und sagt, dass er für den Anlass nicht gut genug gekleidet wäre. Dann beugt er sich über das Geländer und unterhält sich mit seinem Fahrer Solomon Jones. Der rät ihm noch, einen Mantel mitzunehmen, da es am Abend recht frisch werden soll. Ein kurzer Einwurf dazu. Häufig wird berichtet, dass sich Martin Luther King auf einem Balkon befand, als auf ihn geschossen wurde. Das stimmt aber nicht. Das Lorraine Motel ist ein typisches Motel in den USA.

Die Zimmer betritt man also von außen. Zu den Räumen im ersten Stock gelangt man über eine Treppe. Entlang der gesamten Vorderseite gibt es einen Weg mit Brüstung, auf dem man zu den Zimmern kommt. So ein Balkon mit Tisch und Stühlen, auf dem man entspannt sitzen kann, ist das also nicht. Martin Luther King richtet noch das Wort an den Musiker Ben Branch. Der soll an diesem Abend bei einer geplanten Veranstaltung auftreten. Martin Luther King sagt, Ben, bitte spiel heute Abend bei dem Meeting Take My Hand, Precious Lord. Spiel es richtig schön. Es werden die letzten Worte des legendären Bürgerrechtsaktivisten sein. Dann peitscht um 18.01 Uhr ein lauter Knall durch die Luft, der fast an eine Explosion erinnert. Doch es ist ein Schuss. Martin Luther King wird von einer Gewehrkugel rechts im Gesicht getroffen.

Die Kugel bricht ihm den Kiefer, zerfetzt das Rückenmark und die Wirbelsäule. Der Einschlag ist so heftig, dass sogar seine Krawatte komplett durchtrennt wird.

Schwer verletzt fällt Martin Luther King rückwärts auf den Boden. Seine Begleiter sind starr vor Schock. Als erstes reagiert der Aktivist Andrew Young. Er kann noch einen schwachen Puls fühlen. Sofort wird sein Kopf auf ein Kissen gebettet, ein Handtuch auf die Wunde gedrückt und ihm eine Decke übergelegt. Kurz darauf verliert Martin Luther King das Bewusstsein. Von dieser Szene existieren sogar Bilder. Denn zufällig ist der Fotograf Joseph Lowe vor Ort. Er will Martin Luther Kings Einsatz beim Protestmarsch dokumentieren und mietet sich daher im Zimmer 309 im Lorraine Motel ein. Er wohnt also nur drei Türen weiter von Martin Luther King. Um 18 Uhr ist Fotograf Joseph Lowe in seinem Zimmer und sieht sich irgendwas im Fernsehen an. Eine Minute später wird er von einem explosionsartigen Knall erschreckt. Er rennt sofort vor seine Tür, um nachzuschauen, was denn da los ist.

Da sieht er mehrere Leute und den angeschossenen Martin Luther King auf dem Boden liegen. Er eilt zurück in sein Zimmer, holt seine Kamera und schießt dann mehrere Fotos. Sofort werden ein Notarzt und die Polizei per Telefon verständigt. Die Polizei ist nur zwei Minuten später am Tatort, da schon ein Streifenwagen auf der anderen Straßenseite vor dem Motel steht. Vorher sind allerdings schon FBI-Beamte vor Ort. Sie leisten sogar erste Hilfe. Acht Minuten nach dem Schuss kommt auch ein Krankenwagen am Lorraine Motel an. Vorsichtig wird um 18.09 Uhr Martin Luther King auf eine Bahre gelegt und anschließend mit Blaulicht und Sirene ins St. Josephs Krankenhaus gefahren. Dort kommt er sechs Minuten später um 18.15 Uhr an. Die Ärzte geben ihr Bestes, doch die Schussverletzung ist zu schwerwiegend. Martin Luther King ist nicht mehr zu retten.

50 Minuten, nachdem er ins Krankenhaus eingeliefert wurde, wird er um 19.05 Uhr für tot erklärt. Der Tod ist ein kollektiver Schock für die USA, auf den die Menschen ganz unterschiedlich reagieren. In über 110 Städten kommt es zu schweren Krawallen von frustrierten Menschen. 39 Menschen sterben bei den Unruhen. Rund 2000 werden verletzt und mehr als 10.000 Personen werden sogar festgenommen. Die USA stehen gefühlt kurz vor einem Bürgerkrieg. Dabei stand Martin Luther King immer für einen gewaltfreien Protest. Daher versucht seine Witwe Coretta Scott King, die 15 Jahre mit ihm verheiratet war, zu deeskalieren. Vier Tage nach dem Attentat führt die tapfere Witwe am 8. April 1968 einen stillen Marsch durch die Straßen von Memphis.

Es ist der Protestmarch, für den eigentlich ihr Ehemann in die Stadt gekommen war. Eine sehr starke Geste, einer noch stärkeren Frau. Coretta war nicht nur Martin Luther Kings Ehefrau, sondern auch seine Beraterin. Mit ihr tauschte er sich über alles aus. Sie führt nach der Ermordung ihres Mannes sein Vermächtnis fort. Bis zu ihrem Tod, am 30. Januar 2006, setzt sie sich gegen Rassismus und für Frauenrechte ein.

Und dieser Verpflichtung bleibt sie bis an ihr Lebensende treu. Daher ist es für sie auch keine Frage, den stillen Marsch am 8. April 1968 anzuführen, bei dem rund 40.000 Menschen teilnehmen. Es wird ein Gedenkmarsch zur Ehren des großen Bürgerrechtlers. Auch die vier kleinen Kinder der Kings sind mit dabei und laufen an der Seite ihrer Mutter. Am nächsten Tag wird er in seiner Heimatstadt Atlanta auf dem Southview Cemetery beigesetzt. An dem knapp sechs Kilometer langen Trauerzug durch Atlanta kommen mehr als 100.000 Menschen, um Martin Luther King die letzte Ehre zu erweisen. Auch Politprominenz ist reihenweise dabei. An einem Trauergottesdienst nehmen beispielsweise der damalige Vizepräsident Hubert H. Humphrey, Senator Robert F. Kennedy, der republikanische Präsidentschaftskandidat Richard Nixon und der New Yorker Gouverneur Nelson Rockefeller teil. Auf seinem Grabstein stehen die Worte, mit denen er seine weltberühmte Rede I have a dream beendet, nämlich free at last, free at last, thank God Almighty, I'm free at last. Oder auf Deutsch endlich frei, endlich frei, dank sei Gott dem Allmächtigen, ich bin endlich frei. Ich kriege da immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ein wirklich dunkler Tag in der Geschichte der USA, der heute noch mit einem jährlichen Feiertag begangen wird.

Jetzt aber kommen wir zu den Ermittlungen. Die verlaufen an der einen oder anderen Stelle, sagen wir mal, etwas ungewöhnlich. Ja, das Motiv scheint dabei ja auf der Hand zu liegen. Nämlich, dass er Opfer eines Hassverbrechens geworden ist. Denn es gibt auch zahlreiche Menschen, die überhaupt keine Fans der Ansichten und des Engagements von Martin Luther King sind. Das sind meist weiße, reiche Menschen aus dem Süden der USA. Die wollen am liebsten, dass sich nichts ändert und die Rassentrennung im öffentlichen Leben beibehalten wird.

Das musste Martin Luther King in der Vergangenheit bereits schmerzlich erfahren. Denn er bekommt seit Mitte der 1950er Jahre immer wieder Todesdrohungen. Am 30. Januar 1956 bleibt es aber nicht bei einer Drohung. An dem Tag findet ein Bombenanschlag auf das Haus der Kings statt. King ist nicht zu Hause. Im Gegensatz zu seiner Frau Coretta und seiner kleinen Tochter Yolanda. Zum Glück bleiben beide unverletzt.

Ganz so glimpflich geht es am 20. September 1958 nicht aus. Martin Luther King signiert gerade Bücher in einem Kaufhaus in Harlem. Plötzlich stürzt sich eine Frau auf ihn und rammt ihm einen Brieföffner aus Stahl in den oberen Brustbereich. Später schreibt er über den Vorfall in seiner Biografie folgendes. Die Spitze hatte meine Aorta berührt und meine gesamte Brust musste geöffnet werden, um die Spitze zu entfernen. Dr. Maynard sagte zu mir, wenn sie in den Stunden vor der Operation nur einmal hätten niesen müssen, wäre ihre Aorta durchstochen worden und sie wären in ihrem eigenen Blut ertrunken. Nach dem missglückten Attentat schreibt ihm ein kleines Mädchen einen Brief, in dem steht, ich bin so froh, dass du nicht genießt hast. Ja, das ist schon super süß. Er sieht jeden Morgen jetzt diese große, kreuzförmige Narbe, wenn er in den Spiegel schaut. und dazu sagt er, ich weiß, dass das der letzte Tag in meinem Leben hätte sein können. Also bin ich bereit für alles, was jeden Tag in meinem Leben passieren kann. Seinen Anhängern gegenüber zeigt er sich stets furchtlos. Martin Luther King lebt also in ständiger Lebensgefahr. Und er hat auch eine Vorahnung, was sein Ende betrifft. Nach der Ermordung von Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963 1860 sagt er zu seiner Frau Coretta, Das wird mir auch noch passieren. Ich sage dir die ganze Zeit, dass das eine kranke Gesellschaft ist.

Viereinhalb Jahre später wird er recht behalten, als er selbst einem Attentat zum Opfer fällt. Man darf nicht vergessen übrigens, die 1960er in den USA auch noch, die waren eine Zeit des extremen Umbruchs. Die Jüngeren haben keinen Bock mehr auf die Älteren und ihre konservativen Ansichten und die Älteren halten die Jüngeren quasi für den Inbegriff des gesellschaftlichen Verfalls. Das erinnert mich so ein bisschen an die Boomer und die Gen Z heute.

Das Attentat war also irgendwie fast schon ein Stück weit vorhersehbar. Wobei es auch vermeidbar gewesen wäre. Denn Martin Luther King steigt bei seinen Besuchen in Memphis immer im Lorraine Motel in der Mulberry Street Nummer 450 ab. Er wohnt auch immer im Zimmer 306 im ersten Stock.

Der Polizist Edward Redditt hat ihn schon zwei Jahre zuvor gewarnt, dass das Motel und insbesondere dieses Zimmer nicht sicher sein, da der Bereich von vielen Richtungen her einsehbar sei. Er will von Martin Luther King wissen, warum er nicht woanders wohnt. Und der antwortet daraufhin lapidar, ich mag das Zimmer einfach. Auch wenn vieles vielleicht bekannt ist, es lohnt sich zu schauen, was genau hinter der Tat steckt und wer der Mörder des prominenten Bürgerrechtlers ist. Der Funkspruch der Polizei kurz nach dem Attentat lautet folgendermaßen. Wir haben Informationen, dass King im Lorraine erschossen wurde. Wir haben Informationen, dass der Schuss aus einem Backsteingebäude direkt westlich kam. Der Verdächtige lief auf der Hauptstraße Richtung Süden. Ein junger weißer Mann, gut gekleidet, möglicherweise in einem neuen weißen Mustang. Nur wenige Minuten nach dem tödlichen Schuss werden die mutmaßliche Tatwaffe und einige Patronen entdeckt. Es ist ein Gewehr der Marke Remington Model 760 Game Master mit Zielfernrohr. Es wurde in eine Decke gewickelt und vor dem Cannabis Amusement Store abgelegt. Der Laden befindet sich direkt neben einer Pension, die Zimmer vermietet.

Eigenartig ist, dass der Eigentümer des Ladens sich daran erinnert, dass jemand das Paket vor dem Schuss, vor der Ladentür abgelegt hat. Doch wie kann das sein? Ja, darauf kommen wir später noch zu sprechen. Auf alle Fälle ist die Waffe ein wichtiges Beweismittel. Das Remington-Gewehr wurde erst wenige Tage zuvor im Waffenladen Aeromarine Supply in Birmingham, Alabama verkauft. Der Käufer trägt den Namen Harvey Lohmeyer auf dem Beleg ein. Er zahlt für das Gewehr mit Zielfernrohr und 20 Patronen den Betrag von 248,59 Dollar. Und zwar in Cash, in 20-Dollar-Noten. Auf dem Gewehr befinden sich noch Fingerabdrücke. Es sind die gleichen, die im Zimmer 5b der Pension in der South Main Street 422,5 gefunden werden. Dieses Zimmer wurde von einem John Willard angemietet. Nebenan im Badezimmer können ebenfalls diese Fingerabdrücke sichergestellt werden. Die Ermittler gehen davon aus, dass der tödliche Schuss aus dem Fenster des Badezimmers abgegeben wurde. Das Fenster liegt genau gegenüber des Lorraine Motels. Man hat von hier die perfekte Sicht darauf. Und nicht ganz unwesentlich ist, dass jemand im Bad das Fliegengitter vor dem Fenster entfernt hat.

Die sichergestellten Fingerabdrücke gehören einem alten Bekannten. Es ist aber weder Harvey Lohmeyer, der Name, der auf dem Kaufbeleg der Waffe eingetragen wurde, noch John Willard, der das Zimmer in der Pension angemietet hat. Die Fingerabdrücke gehören vielmehr einem gewissen James Earl Ray, ein entflohener Sträfling, der seit fast einem Jahr schon auf der Flucht ist. Er ist aus dem Staatsgefängnis von Missouri geflohen, indem er sich in einem Lastwagen versteckt hat, der Brot aus der Gefängnisbäckerei transportiert hat. Er wurde wegen diverser Straftaten, wie zum Beispiel einem bewaffneten Raubüberfall, zu 20 Jahren Haft verurteilt. Unterm Strich ist James Earl Ray ein Kleinkrimineller. Bei dem bewaffneten Raubüberfall erbeutet er gerade einmal 120 US-Dollar. Das entspricht heute einem Wert von rund 1.100 Euro. Und damit haben die Ermittler ihren Hauptverdächtigen. Aber sie können ihn zunächst nicht fassen. Nach dem Attentat flieht James Earl Ray in seinem weißen Ford Mustang in einer elf Stunden langen Fahrt nach Atlanta. Von dort wiederum flüchtet er weiter nach Kanada. Drei Tage später kommt er dort in Toronto an. Und hier versteckt er sich über einen Monat lang. Er besorgt sich einen gefälschten kanadischen Pass, der auf den Namen Raymond George Snape ausgestellt ist. Mit diesem Pass nimmt er Ende Mai einen Flug nach Europa, nach Großbritannien.

Gleich mehrere Quellen berichten, was als nächstes passiert. Sein Plan ist es, weiter nach Brüssel zu reisen. Dort werden angeblich Söldner angeworben, die in Afrika eingesetzt werden. James Earl Ray will dort offenbar untertauchen. Als er in den Flieger von London Heathrow nach Brüssel steigen will, wird er schließlich fast zwei Monate nach dem Attentat, am 8. Juni 1968, verhaftet. Den kanadischen Behörden ist aufgefallen, dass es niemanden mit dem Namen Raymond George Snyde gibt, der in seinem Pass steht, und haben ihn zur Fahndung ausgeschrieben. Er wird in die USA überstellt und am 19. Juli 1968 nach Memphis gebracht. Hier soll er sich nun vor Gericht verantworten.

Zunächst sind die Ermittler überrascht, denn der Mann hat nur eine leichte Ähnlichkeit mit den Fahndungsfotos von James Earl Ray. Das klärt sich aber ziemlich schnell auf. Am 5. März 1968 unterzog sich James Earl Ray nämlich einer Nasenoperation, um sein Aussehen zu verändern. Genau einen Monat später wird dann Martin Luther King ermordet.

Nur zu einem Prozess wird es nie kommen. Nach neun Monaten, in denen er immer wieder verhört wird und stets seine Unschuld beteuert, legt er schließlich am 10. März 1969 ein Geständnis ab. Es ist sein 41. Geburtstag. Sein Anwalt Percy Foreman rät ihm dazu, um der Todesstrafe zu entgehen. Nach dem Geständnis wird er zu einer 99-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Nochmal ein kurzer Einwurf dazu. In den USA ist es nicht unüblich, dass sich die Prozessparteien auf ein Urteil einigen. So können halt langwierige und höhere Prozesse vermieden werden. In Deutschland ist das nur bei leichteren Straftaten, wie beispielsweise Steuerhinterziehung, möglich. Aber nicht bei Kapitaldelikten, so wie Mord. Auf alle Fälle scheint James Earl Ray von dem hohen Strafmaß geschockt zu sein. Nur drei Tage später widerruft er sein Geständnis wieder. Aber das nützt ihm nicht viel. Die Beweislage gegen ihn ist erdrückend. Er hat die Tatwaffe gekauft, auf der sich seine Fingerabdrücke befinden. Auch am Ort, von dem er aus geschossen wurde, sind seine Fingerabdrücke zu finden. Er wird zudem von Zeugen gesehen, wie er vom Tatort flieht. Und sein Verhalten nach der Tat, also seine Flucht bis nach Europa, die spricht ja auch nicht gerade für seine Unschuld. Zum Motiv macht er übrigens keine Angaben. Die Ermittler vermuten, dass James Earl Ray den Mord aus Geldgründen begangen hat. Denn rassistische Fanatiker haben auf Martin Luther King ein Kopfgeld in Höhe von 50.000 Dollar ausgesetzt. Und dieses Geld, nach heutigem Wert knapp eine halbe Million Dollar wert, will er sich wohl einstreichen.

Ganz kurz zu dem Hintergrund. Das Kopfgeld haben damals Anhänger des Präsidentschaftskandidaten George Wallace in St. Louis ausgelobt. George Wallace ist zwar Demokrat, dennoch ist er in den 1960er Jahren als Gouverneur von Alabama ein großer Anhänger der Rassentrennungspolitik in den Südstaaten. In den späten 1970ern wandelt er seine Ansichten und unterstützt die Bürgerrechtsbewegung. Vielleicht weniger aus Überzeugung heraus, sondern weil sich der Wind in der Gesellschaft mittlerweile gedreht hat. Denn er hat große Ziele. George Wallace kandidiert zwischen 1964 und 1976, viermal erfolglos für das Amt des US-Präsidenten. Auf alle Fälle leben die Brüder von James Earl Ray in St. Louis. Er dürfte also von den 50.000 Dollar Kopfgeld gewusst haben. Ob Geld wirklich das Motiv hinter dem Attentat war, ist bis heute unklar. Puren Rassenhass bei Ray kann man wohl als Motiv ausschließen. Als Martin Luther King knapp drei Wochen vor der Tat in Los Angeles ist, hält er am 17. März 1968 dort einen Gottesdienst. James Earl Ray besucht eben diesen Gottesdienst. Anschließend notiert er. Ich würde nicht sagen, dass ich King hasse. Ich glaube, dass manche Prediger falsch sind, aber dafür würde ich sie nicht erschießen.

Soweit zum möglichen Motiv. Aber zurück zu den Ermittlungen, bei denen es ja einige Ungereimtheiten gibt. Vor allem, was die vermeintliche Tatwaffe betrifft. Normalerweise entstehen bei Feuerwaffen auf den Patronen so kleinste Rillen, die von dem Lauf stammen, wenn das Projektil abgefeuert wird. Diese Rillen sind quasi die Fingerabdrücke bei Pistolen, Revolvern und Gewehren. Die sind einmalig und daher auch unverwechselbar. Das Remington-Modell 760 Game Master ist eines der wenigen Gewehre, die keine Rillen auf den Projektilen hinterlassen. Somit kann eine Waffe nicht eindeutig als Tatwaffe identifiziert werden. Und bei der mutmaßlichen Tatwaffe wurde noch nicht einmal geprüft, ob mit dem Remington-Gewehr überhaupt geschossen wurde. Viele Jahre später stellt sich bei einer Untersuchung heraus, dass es sich nicht um die Tatwaffe handelt.

Ja, und das erklärt damit die Aussage des Ladenbesitzers vom Canips Amusement Store. Zur Erinnerung kurz, der Eigentümer des Ladens erinnert sich ja genau daran, dass jemand eine Decke vor dem Schuss vor der Ladentür abgelegt hat. In der Decke befindet sich die Waffe, die jahrelang, fälschlicherweise, für die Tatwaffe gehalten wird. Ja, und noch was ist eigenartig. Denn Zeugen wollen gesehen haben, wie aus einem Gebüsch unterhalb der Pension auf Martin Luther King geschossen wurde. Und eben nicht vom Badezimmer der Pension aus. Zudem will James Earl Ray zur Tatzeit gar nicht in der Pension gewesen sein, sondern bei einer Tankstelle in der Nähe. Doch wer hat vom Gebüsch aus geschossen, wenn nicht James Earl Ray? Das ist eine sehr gute Frage. Auf alle Fälle wird dieses Gebüsch kurz nach dem Attentat vom städtischen Gartenbauamt, wie gesagt, platt gemacht. Alle Büsche und Sträucher werden entfernt und die Erde umgegraben. Falls von dort aus wirklich geschossen wurde, wurde dieser Tatort vernichtet. Wer den Auftrag erteilt hat, das Gebüsch zu entfernen, konnte später nicht mehr geklärt werden. Einem Journalisten gegenüber sagt James Earl Ray bei einem Interview folgendes. Ich habe Dr. King nicht persönlich erschossen, aber möglicherweise war ich teilweise verantwortlich, ohne es zu wissen.

Okay, was meint er damit? Ja, James Earl Ray hat noch mehr dazu zu sagen. Nach seiner Flucht aus dem Gefängnis schlägt er sich, wie erwähnt, nach Montreal in Kanada durch. Hier will er sich die Papiere eines betrunkenen Seemanns schnappen und dann unerkannt mit dem Schiff nach Europa fahren.

Im August 1967 lernt er schließlich in Montreal in der Neptune Tavern eine Kneipe für Seefahrer, einen ominösen Mann kennen, der sich Raoul nennt. Die beiden unterhalten sich und insgesamt treffen sie sich in der Kneipe sieben- oder achtmal. Irgendwann soll ihm Raoul vorgeschlagen haben, dass er etwas für ihn über die kanadisch-US-amerikanische Grenze nach Detroit schmuggeln soll. Worum es geht, das will Raoul James Earl Ray nicht verraten haben. Ab sofort benutzt James Earl Ray häufig den Alias-Namen Eric S. Godd.

In Birmingham, Alabama kauft er kurz danach den weißen Ford Mustang, Baujahr 1966, der in einer Zeitung inseriert ist. Er notiert in sein Tagebuch. Das Auto hat 18.000 Meilen drauf und ist in einem guten Zustand. Es hat 1995 Dollar gekostet. Nur die Farbe gefällt mir nicht. Den Verkäufer bezahlt er bar mit 20-Dollar-Schein, genau wie später das Gewehr. Da fragt man sich natürlich, woher hat ein Sträfling auf der Flucht so viel Geld? Wurde er möglicherweise von Raoul für den Schmuggel so gut bezahlt? Denkbar ist es, zumindest behauptet das James Earl Ray. Aber eine andere heiße Spur führt zu James Earl Rays Heimatstadt Alton in Illinois. Dort wird kurz nach seinem Gefängnisausbruch am 13. Juli 1967 die Bank of Alton ausgeraubt.

Zwei bewaffnete Männer erbeuten dabei 30.000 Dollar, was heute 280.000 Dollar entspricht. Die Beute besteht überwiegend, na, aus 20-Dollar-Noten. Die Kleidung der Täter wird später ganz in der Nähe einer Straße gefunden, in der Verwandte von James Earl Ray wohnen. Einen Tag nach dem Raubüberfall kauft er ein Auto in East St. Louis. Er bezahlt den Wagen genau wie ein paar Monate später den Mustang und das Gewehr bar in 20-Dollar-Noten. Es spricht also vieles dafür, dass das Geld nicht von diesem ominösen Raoul stammt, sondern aus einem Raubüberfall. Möglicherweise existierte dieser Raoul nie. Und doch wird er noch eine wichtige Rolle spielen. Und jetzt machen wir mal einen Zeitsprung. Fast 25 Jahre nach der Verurteilung von James Earl Ray, er hat ja 99 Jahre bekommen, kommt wieder etwas Bewegung in den Fall. Ein gewisser Lloyd Jowers tritt im Dezember 1993 in der Nachrichtensendung Primetime des US-Senders ABC auf. Und Lloyd Jowers betreibt im Jahr 1968 das Restaurant Jim's Grill in Memphis, das genau gegenüber des Lorraine-Motels liegt. Als der tödliche Schuss fällt, ist er gerade in seinem Restaurant.

Und seine Aussagen 1993 an diesem TV-Interview, die haben es in sich. Er nennt nämlich den Namen des tatsächlichen Attentäters, die Auftraggeber des Mordes, seine eigene Motivation bei der Verschwörung mitzumachen und was der verurteilte Attentäter James Earl Ray mit der Sache in Wirklichkeit zu tun hatte. Seine Version lautet folgendermaßen. Er behauptet, dass er einen Lieutenant vom Memphis Police Department als Schützen angeheuert hat. Dieser Lieutenant namens Earl Clark hat dann schließlich Martin Luther King erschossen. Und zwar im Auftrag der Mafia und der Bundesregierung. Für seine Beteiligung an der Tat will der Restaurantbesitzer Lloyd Jowers 100.000 Dollar erhalten haben. Es gab also eine Verschwörung, um Martin Luther King zu töten. Der verurteilte Mörder James Earl Ray sei lediglich ein Sündenbock und gar nicht direkt am Attentat beteiligt gewesen. Und es kommt noch dicker. Der Schuss wurde auch nicht aus dem Badezimmerfenster der Pension abgegeben, sondern aus dem Gebüsch unterhalb von Jim's Grill, das am nächsten Tag ja entfernt wird.

So wie es ein paar Zeugen ja auch gesehen haben, Lieutenant Earl Clark übergibt dem Restaurantbesitzer Lloyd Jowers nach dem Schuss die Tatwaffe. Der verstaut das Gewehr zunächst hinter der Bar und wirft es später in den Mississippi River. Als geschossen wird, ist James Earl Ray laut eigener Aussage gar nicht am Tatort, sondern an einer nahegelegenen Tankstelle, wie er es ja auch beauptet hat. Ja, das klingt im ersten Moment alles super bizarr. Die US-Regierung und die US-Mafia, die heuern also einen Restaurantbesitzer an, um den bedeutendsten Bürgerrechtler in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ermorden zu lassen? Das klingt erstmal so, als wolle der Restaurantbesitzer Lloyd Jowers einfach nur ins mediale Rampenlicht. Und für das Interview wird er sicherlich auch ordentlich Geld kassiert haben.

Laut seiner Schwester soll er angeblich, Achtung, 300.000 Dollar dafür bekommen haben. Aber die Aussage im TV-Interview erklärt auch einige Ungereimtheiten. Passt auf, jetzt kommen viele Namen. James Earl Ray sagt ja, dass er zum Tatzeitpunkt gar nicht in der Pension war. Das bestätigt auch der Restaurantbesitzer Lloyd Dowers. Und es passt zu der Aussage von dem Ladenbesitzer von Cannabis Amusement Store. Der erinnert sich ja genau daran, dass jemand das in eine Decke eingewickelte Gewehr vor dem Schuss vor der Ladentür abgelegt hat. Wir sagen das übrigens deswegen so häufig, weil es so viele Namen gibt. Jedenfalls dieses gefundene Remington-Gewehr, das zwar von James Earl Ray gekauft wurde, kann damit also unmöglich die Tatwaffe sein, wenn es bereits vor dem Attentat ganz offensichtlich entsorgt wurde.

Die ganze Aktion hat wohl nur einen Zweck. Es sollte der Tatverdacht auf James Earl Ray gelenkt werden. Verantwortlich dafür dürfte der ominöse Raoul sein. Denn James Earl Ray kauft im Auftrag von Raoul genau dieses Modell und übergibt es ihm ja auch. Das klappt ja auch, den Tatverdacht auf James Earl Ray zu lenken. Aber Martin Luther Kings Witwe Coretta und seine vier Kinder tun die brisante Aussage nicht einfach als Wichtigtuerei ab. Sein Sohn Dexter besucht den verurteilten Attentäter James Earl Ray 1997 im Gefängnis, also 29 Jahre nach dem Mord an seinem Vater. Er stellt ihm nur eine Frage, die lautet, hast du meinen Vater getötet? Und James Earl Ray antwortet, nein, nein, das habe ich nicht.

Die Familie King ist danach überzeugt, dass James Earl Ray nicht den tödlichen Schuss abgegeben hat. Und sie versucht alles, damit es einen neuen Prozess gegen James Earl Ray gibt. Bei diesem Prozess sollen dann die wahren Täter und Hintermänner identifiziert werden. Aber James Earl Ray bekommt keinen neuen Prozess. Daher reichen die Kings 1999 eine Zivilklage gegen den Mann aus dem TV-Interview, Lloyd Dowers und unbekannte Mitverschwörer wegen des Mordes an Martin Luther King ein. Bei uns wäre so eine Klage übrigens nicht möglich. Da ist das Zivilrecht ans Strafrecht gekoppelt. Erst wenn jemand rechtskräftig wegen Mordes verurteilt ist, können im Nachgang Angehörige als Nebenkläger Schadensersatz vom Täter einfordern. In den USA ist das anders. Da ist Zivilrecht und Strafrecht entkoppelt. Bestes Beispiel war da O.J. Simpson, der zwar strafrechtlich vom Mordvorwurf freigesprochen wurde, aber dennoch eine Millionensumme als Schadensersatz an die Angehörigen zahlen musste. Für einen Mord, den er laut Strafprozess nicht begangen hat. Bei dem Zivilprozess geht es daher nicht um eine mögliche Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe.

Und um Schadensersatz geht es den Kings auch nicht. Als Streitwert geben sie lediglich 100 Dollar an und nicht wie in den USA üblich eine sehr hohe Millionensumme. Der Prozess findet vom 15. November bis zum 8. Dezember 1999 vor dem Bezirksgericht von Shelby County in Tennessee statt. Der Anwalt der Kings, William Francis Pepper, legt sich mächtig ins Zeug.

Er legt dem Gericht Aussagen von 70 Zeuginnen und Zeugen vor, die insgesamt 4000 Seiten umfassen.

Die vorgelegten Beweise sollen belegen, dass das FBI, die CIA, die US-Armee, das Memphis Police Department und das organisierte Verbrechen in den Mord an Martin Luther King verwickelt waren. Ja, und die geschworenen Fällen schließe ich ein Urteil. Und das gleicht einem Paukenschlag. Sie entscheiden, dass Martin Luther King das Opfer einer Verschwörung gewesen war. An der die Polizei von Memphis und Bundesbehörden beteiligt waren. Sie verurteilen Lloyd Jowers zu der Zahlung des geforderten Schadensersatzes in Höhe von 100 Dollar. Im Umkehrschluss bedeutet das Urteil, dass James L. Ray unschuldig ist. Er hätte also gute Argumente, einen neuen Strafprozess gegen ihn zu fordern. Aber von dem Prozess und dem Urteil hat er nichts mehr. Denn er stirbt bereits am 23. April 1998 im Alter von 70 Jahren, also noch bevor der Prozess überhaupt startet. Auf einer Pressekonferenz nach dem Prozess erklären Sohn Dexter und Witwe Coretta Scott King, dass hinter dem Attentat nicht nur verschiedene Behörden, sondern auch die Mafia steckt. Den Abzug soll Lieutenant Earl Clark vom Memphis Police Department betätigt haben, wie von Lloyd Jowers behauptet. James Earl Ray sei dagegen unschuldig. Ihm sollte lediglich die Schuld in die Schuhe geschoben werden.

Trotz Urteil klingt das alles immer noch total verrückt. Schauen wir also mal mit etwas Distanz auf eine vermeintliche Verschwörung. In der Tat war Martin Luther King bei den Behörden nicht sonderlich beliebt. Wir hatten am Anfang ja bereits erwähnt, dass FBI-Chef J. Edgar Hoover in ihm einen persönlichen Feind gesehen hat. Ab 1963 lässt nämlich J. Edgar Hoover Martin Luther King und seine engsten Mitarbeiter intensiv überwachen. In den Büros, privaten Häusern und in sämtlichen Hotelzimmern, die er auf seinen Reisen benutzt, werden Abhörwanzen platziert und die Telefone verkabelt. Jedes Gespräch, das Martin Luther King führt, wird aufgezeichnet. Der FBI-Chef lässt auch Tonaufnahmen und Fotos anfertigen, auf denen Martin Luther King Sex mit anderen Frauen hat. Die werden Reportern und Regierungsbeamten angeboten. Die pikanten Aufnahmen wandern auch zu einigen Mitarbeitern und sogar zu seiner Frau Coretta. Aber die reagiert überraschend cool und ordnet die Fotos als Teil einer großen Schmutzkampagne ein, um den Ruf ihres Mannes zu diskreditieren. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt der FBI-Chef alles. Reportern gegenüber sagt er wörtlich, Martin Luther King ist der berüchtigste Lügner des Landes.

Aber mit diesem Doppelleben kämpft Martin Luther King selbst auch. Und laut Jonathan Icke, ihr erinnert euch, der Autor, den wir am Anfang schon zitiert haben, der sagt, dass das schon immer so war. Wir haben Jonathan gefragt, ob Kings Untreue ihn nicht zu einer noch größeren Zielscheibe der existierenden Mächte macht. Das und die Drohungen werden auch von Jonathan bestätigt. Es putt ein target auf seinen Back. Denn als die federaler Regierung, die FBI in particular, hat ihn über seine Infidelität begonnen, sie begonnen, zu sagen, Sie werden ihn verletzten. als ein Fraud. Und sie sogar versucht, zu breaken sein. Sie senden tapes von his hotel rooms, zu seinem Haus, hoping, dass his wife would hear this und dass his marriage be destroyed. Sie also sent a letter to him saying, dass he was going to be exposed, und die media was going to find out about this, und that the only way out for him was suicide. So, the FBI was aware of his infidelities and used it to try to not only destroy King.

Kurz zusammengefasst, bevor die kompromittierenden Aufnahmen in die Hände von Coretta gelangen, schickt ihm das FBI auch noch anonyme Briefe, in denen ihm mit den privaten Enthüllungen gedroht wird. In einem Brief wird er sogar unmissverständlich zum Selbstmord aufgerufen. Das FBI nutzt Kings Seitensprünge also, um die gesamte Civil Rights Bewegung auseinanderzubrechen.

FBI-Chef J. Edgar Hoover hat übrigens eine so tiefe Abneigung, weil er Martin Luther King für einen Kommunisten hält. Und Kommunisten verabscheut der FBI-Chef noch mehr als Bürgerrechtler, die sich für das Ende der Rassentrennung einsetzen. Das FBI führt also erst jahrelang eine Schmutzkampagne gegen Martin Luther King. Er sei Kommunist und sexuell abartig veranlagt, wie sie sagen. Schließlich beginnen die groß angelegten Überwachungsmaßnahmen. Okay, aber wenn das FBI Martin Luther King schon seit Jahren auf dem Kieke hat, warum wird er dann, um es mal so zu formulieren, erst am 4. April 1968 von einem Attentäter beseitigt? Alles hängt möglicherweise mit seiner viel beachteten Riverside-Speech zusammen, die er auf den Tag genau ein Jahr vor dem Attentat am 4. April 1967 in New York City hält. In der Rede teilt er richtig gegen den Vietnamkrieg aus. Er sagt wörtlich, die USA sind in Vietnam, um es als amerikanische Kolonie zu besetzen. Die US-Regierung ist der größte Gewaltlieferant der heutigen Welt.

Seine harsche Kritik hat gleich mehrere Ursachen. In seinen Augen verschlingt der sinnlose Krieg viel zu viel Geld, das man lieber einsetzen sollte, um arme Menschen in den USA zu unterstützen. Zudem sterben bei den Kämpfen in Südostasien doppelt so viele Schwarze wie weiße Menschen, obwohl der Anteil von Schwarzen an der Bevölkerung viel niedriger ist. Sie fühlen sich als Kanonenfutter.

Nach der Rede wird Martin Luther King zur Persona non grata im Weißen Haus. Dabei ging er sofort dort ein und aus. US-Präsident Lyndon B. Johnson will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Auch weitere einflussreiche Menschen aus Politik und Wirtschaft wenden sich von ihm ab. Martin Luther King steht also bei vielen auf der Shitlist, um es mal so zu formulieren. Dennoch macht er danach mit seiner Kritik am Vietnamkrieg einfach weiter. Dann hätte das Attentat stattgefunden, um einen äußerst prominenten Kritiker des Vietnamkriegs aus dem Weg zu räumen. Dass er gleiche Rechte für alle will, ist schon nicht überall beliebt. Aber sich gegen den Vietnamkrieg auszusprechen, das ist gefährlich zu dieser Zeit. Auch die jüngere Bevölkerung des Landes hinterfragt den Krieg mehr und mehr.

Wenn das alles so zutreffen sollte. Nach dem Urteil im Zivilprozess im Dezember 1999 untersucht auch das US-Justizministerium die Aussagen von Restaurantbesitzer Lloyd Jowers aus dem Interview. Das Justizministerium findet aber keine Beweise für eine Verschwörung. Der stellvertretende Generalstaatsanwalt erklärt, unsere gründliche Untersuchung, genau wie vier offizielle Untersuchungen zuvor, fand keine glaubwürdigen oder zuverlässigen Beweise dafür, dass Dr. King von Verschwörern getötet wurde, die James L. Ray die Tat in die Schuhe schieben wollten. Die Familie King ist da völlig anderer Meinung. Und man kann sie durchaus verstehen. Denn ihr Anwalt William Francis Pepper macht zahlreiche weitere Zeugen ausfindig. Einige Zeugen, darunter der damalige Reporter der New York Times, sagen, sie hätten einen Mann gesehen, der sich im dichten Gebüsch hinter Jim's Grill unterhalb des Badezimmers bewegte. Dieser Tatort wurde ja nie untersucht, wie ihr wisst. Stattdessen konzentriert man sich nur auf die Fingerabdrücke von James Earl Ray, die in der Pension entdeckt wurden. Zudem konnten ballistische Tests nicht beweisen, dass das in eine Decke eingewickelte Gewehr mit den Fingerabdrücken von James Earl Ray wirklich die Tatwaffe war. Gab es möglicherweise wirklich ein zweites Gewehr, wie Restaurantbesitzer Lloyd Jowers behauptet? Das würde dann doch wieder für eine Verschwörung sprechen.

Anwalt William Francis Pepper will auch noch mehr wissen. FBI-Chef J. Edgar Hoover ließ seinen langjährigen Assistenten Bargeld an Mitglieder der Unterwelt von Memphis übergeben, sprich der Mafia. Die haben dann den mutmaßlichen Täter, den bereits erwähnten Polizisten in Memphis, angeheuert, um das Attentat zu verüben. Die Mafia sollte den Part mit dem Anheuern des Killers übernehmen, damit eben keine Verbindung zu den Behörden nachgewiesen werden kann. Dieser Polizeibeamte gab schließlich den tödlichen Schuss aus dem Gebüsch ab und nicht James Earl Ray aus dem Badezimmer der Pension. Wie gesagt, das ist nicht Fakt, das sagt der Anwalt der Kings.

Bis heute ist nicht abschließend geklärt, wer wirklich hinter dem Attentat steckt und wer geschossen hat. Sohn Martin King III. Hält den FBI-Chef für den Strippenzieher. Er sagt, Hoover war so wütend, dass er Hass in seinem Herzen hatte. Sicherlich hasste er Dad. Er hatte einen riesigen Hass auf Fabica. Tochter Bernice King fasst Folgendes zusammen. Sie sagt, es ist mir immer noch ein Rätsel. Ich glaube nicht, dass James Earl Ray meinen Vater getötet hat. Es ist schwer zu sagen, wer der Täter war. Ich bin mir darüber im Klaren, dass es eine Verschwörung gegeben hat. Von der Regierung bis hinunter zur Mafia. An all dem musste mehr als eine Person beteiligt sein. Ich glaube, es war alles geplant.

Ja, es scheint, wer viele Feinde hat, hat auch viele potenzielle Mörder. Und wir kommen vielleicht nie hinter die ganze Wahrheit dieses Falls. Aber ich muss erst mal ausatmen, Anne. Das war ganz schön verzwickt zwischendurch, oder? Ja, das war eine Verschwörungserzählung vom Feinsten, würde ich sagen. Ihr habt es ja selbst gehört, ganz viele Personen, die involviert sind, viele Namen und am Ende weiß man gar nicht, was man eigentlich wem glauben soll, weil je nachdem, welche Theorie man gerade beleuchtet, finde ich, klingt die so weit einleuchtend, bis dann der nächste Zeuge was von sich gibt und man denkt, ah ja, so kann es auch gewesen sein, aber ja...

Es kribbelt so richtig in den Fingern, finde ich. Man will unbedingt wissen, was ist denn da jetzt passiert. Und ja, was mir die ganze Zeit im Hinterkopf herumschwirrt ist, warum hatte er keinen Polizeischutz? Beziehungsweise wir wissen ja warum, aber warum hat er den nicht einfach genommen? Er war eine bekannte, wichtige Person und wusste ja auch, dass Leute was gegen ihn haben. Warum nimmt man da nicht den Polizeischutz mit? Wer weiß, was dann hätte verhindert werden können. Ja, das stimmt. Ich habe ja länger mit Jonathan gesprochen. Wir müssen mal schauen, ob wir das hinkriegen. Wir wollen es ja vielleicht als kleine Sonderfolge für euch auf YouTube packen. Aber was Jonathan Icke, also unser Autor eben auch noch meint, ist, dass Martin Luther King immer von einer Position der Liebe und der Empathie aus agiert hat. Und ich glaube, wenn du so in so einer Energie drin steckst, dann gehst du davon aus, es wird schon okay sein. Und das trotz dieser vorherigen Attentaten, dass er einfach gesagt hat, ich bin für die richtige Sache unterwegs und Gott ist sowieso bei ihm, also wird das schon gut gehen. Ich glaube, das muss wohl seine Grundannahme gewesen sein. Ja, wir haben eine Person heute so am Rande mal erwähnt und zwar seine Frau Coretta, die es aber auf jeden Fall verdienen würde, auch eine eigene Folge draus zu machen. Deswegen schreibt uns gerne auch mal, wenn ihr gerne eine Folge über Coretta King hören möchtet, weil da gibt es eine Menge zu erzählen. Eine ganz spannende Frau. Schreibt uns das doch gerne bei Instagram, da heißen wir im Schatten der Macht oder bei Spotify in die Kommentare, da lesen wir das natürlich auch.

Und dann würden wir uns super freuen, wenn ihr nächsten Donnerstag wieder einschaltet, wenn es eine neue Folge von im Schatten der Macht gibt. Aber bevor ihr jetzt hier die App schließt, folgt uns doch gerne noch, weil dann verpasst ihr keine neue Folge. Mensch Anna, du denkst immer an alles. Das finde ich immer sehr beeindruckend. Also ja, wir freuen uns über jeden neuen Follower von euch und sagen bis dahin, bleibt safe da draußen und bis bald. Eure Ricardia und eure Anne. Danke an unser Team von Open Minds Media. Executive Producer Rüdiger Barth Konzeption Peter Greve, Rüdiger Barth und Manfred Neumann Autor Stefan Weber Producer Ricardia Bremley Den Schnitt machte Lilli Johannsen, Zusätzliche Unterstützung von Falko Schulte.