Im US-Bundesstaat South Carolina gehören sie zu den mächtigsten, gefürchtetsten und wohlhabendsten Familien der Region. In ihrer Heimatstadt bestimmen sie sozusagen fast 100 Jahre lang die Regeln. An den Murdochs kommt hier niemand vorbei.

Die Südstaaten der USA sind sozial meist anders aufgebaut als zum Beispiel die Nordstaaten. So gibt es hier gerne mal noch sowas wie Familienbanden, also lokal sehr gut vernetzte Familien. Das ist bei den Murdochs nicht anders. Gleich mehrere Familienmitglieder haben über Generationen hinweg das Amt des Bezirksstaatsanwalts bekleidet. Und zwar des 14. Bezirks in South Carolina. Zudem leiten sie noch eine Anwaltskanzlei, die im ganzen Bundesstaat bekannt ist. Alle Wege führen quasi zu den Murdochs. Ja, wer ein juristisches Problem hat, der kommt zwangsläufig mit Familie Murdoch in Berührung. So eine geballte Macht, auch wenn sie lokal begrenzt sein mag, ist ein zweischneidiges Schwert. Die Murdochs verdienen zwar Millionen, gleichzeitig machen sie sich aber auch viele Feinde. Was nicht verwunderlich ist. Denn man bekommt den Eindruck, dass die Murdochs glauben, sie stehen über dem Gesetz. Doch in unserem heutigen Fall geht es nicht nur um Macht, Einfluss und viel Geld, sondern vor allem um Vertuschung, Unterschlagung und Betrug. Aber auch um Drogenmissbrauch und Mord. Mehrfacher Mord.

Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Im Schatten der Macht. Ich bin Ricardia Bramley. Und ich bin Anne Lugmann. Unser heutiger Fall führt uns, wie eingangs gesagt, in den Bundesstaat South Carolina, im Südosten der USA, genauer gesagt in dem Ort Hampton. Knapp 3000 Menschen leben hier nur. Und dieses Hampton ist übrigens nicht zu verwechseln mit den exklusiven Hamptons auf Long Island, wo ja viele Promis leben. Hier betreiben die Murdochs seit mehr als 100 Jahren ihre Anwaltskanzlei, die im ganzen Bundesstaat bekannt ist. Randolph Murdoch Senior, der studiert Jura an der University of South Carolina School of Law. Nach seinem Abschluss gründet er im Jahr 1910 seine Anwaltskanzlei. Die liegt in der Mulberry Street Nummer 101 in Hampton. Später wird die Kanzlei von Sohn und Enkel weitergeführt.

2021, also noch gar nicht so lange her, nimmt der heutige Fall seinen Lauf. In diesem Jahr leitet die Kanzlei Urenkel Alex Murdoch und dessen Bruder Randy. Der hoch angesehene Anwalt Alex Murdoch kommt also am 7. Juni 2021 gegen 22 Uhr nach Hause. Der 53-Jährige fährt mit seinem Auto die lange Auffahrt entlang, die durch eine kleine Baumallee zum Haus führt. Das Familienanwesen namens Moselle liegt im kleinen Ort Eilenton. Hier leben lediglich 70 Einwohner. Das Grundstück der Murdochs hat gigantische Ausmaße. Es ist unvorstellbare 717 Hektar groß. Und wem das nicht sagt, das sind 1000 Fußballfelder. Das 2011 erbaute Herrenhaus hat knapp 500 Quadratmeter Wohnfläche.

Als Alex Murdoch über sein weitläufiges Grundstück fährt, da sieht er in der Ferne Licht. Etwas abgelegen vom Herrenhaus entfernt, da brennen Lampen bei den Hundezwingern. Die Murdochs haben nämlich vier Jagdhunde. Alex Murdoch cruist daher mit seinem Auto zu den Hundezwingern, um das Licht auszumachen. Als er dort anhält, da sieht er im Lichtkegel seiner Autoscheinwerfer zwei große Gegenstände auf dem Boden liegen. Er wundert sich, was das sein könnte. Also steigt er aus dem Wagen, um nachzusehen, was sich denn da genau auf seinem Grundstück befindet. Die beiden vermeintlichen Gegenstände liegen ein paar Meter voneinander entfernt. Als Alex sich nähert, ist er geschockt. Auf dem sandigen Boden liegt nicht etwa weggeworfener Müll. Nein, es sind zwei Leichen, die entsetzlich zugerichtet sind. Eine der Toten ist seine Frau, die 52-jährige Maggie. Auf sie wurde mehrmals mit einem Gewehr geschossen. Die zweite Leiche ist schwer zu identifizieren, denn ihr wurde das halbe Gesicht weggeschossen. Anhand der markanten roten Haare und der Körpergröße muss es sein 22-jähriger Sohn Paul sein. Paul ist etwas kleiner als sein sechs Jahre älterer Bruder Buster, der ebenfalls rote Haare hat.

Ja, und dieser Anblick, der ihm sich da bietet, der ist wirklich nichts für schwache Nerven. Wie in Trance holt Alex sein Handy aus der Tasche und wählt um 22.06 Uhr den Notruf. Mit brüchiger Stimme versucht er zu schildern, dass er gerade seine Frau und seinen Sohn tot aufgefunden hat. Sofort rasen mehrere Einsatzfahrzeuge und Krankenwagen zu seinem Anwesen nach Eilenden. Der Tatort gleicht einem Schlachtfeld. Wir ersparen euch an dieser Stelle die ganzen Details, da diese einfach zu brutal sind. Auf dem Boden und an den Hundezwingern ist alles voller Blut. Maggie Murdoch treffen insgesamt fünf Kugeln. Sie hat sowohl vorne als auch hinten an ihrem Körper Einschussstellen. Ihr Sohn Paul wird dagegen mit einer Schrotflinte erschossen. Die erste Ladung trifft ihn in die Brust, der zweite Treffer geht in sein Genick. Dieser Schuss muss aus nächster Nähe erfolgt sein.

Die Ermittler versuchen natürlich vor Ort, die zahlreichen Spuren zu sichern. Einen brutalen Raubüberfall schließen sie aber aus. Denn ins Herrenhaus wurde nicht eingebrochen und auch nichts gestohlen. Es sieht eher nach einem gezielten Anschlag auf die beiden aus. Doch wo könnte ein Motiv liegen? Alex Murdoch kann den Beamten auch nicht weiterhelfen. Er berichtet, dass er seine kranken Eltern besucht habe. Sein Vater liegt im Sterben und seine Mutter leidet an Demenz. Bei seiner Rückkehr um 22 Uhr entdeckt er zufällig die Leichen bei den Zwingern. Auf dem Grundstück hat er niemanden gesehen.

Als die Polizisten einen Hintergrundscheck der Opfer vornehmen, da fällt ihnen auf, dass Paul, der Sohn, demnächst vor Gericht gestanden hätte. In dem Prozess soll es um ein Bootsunglück gehen, bei dem vor rund zwei Jahren ein junges Mädchen gestorben ist. Dabei soll Pauls Rolle bei dem Unfall geklärt werden. Aber nicht nur das. Denn es gibt Gerüchte. Und zwar, dass Alex Murdoch seine Macht hat spielen lassen, um seinen Sohn Paul zu schützen. Wir haben ja bereits erwähnt, dass die Murdochs in ihrer Heimat unfassbar einflussreich und mächtig sind. Es ist eine Macht, die von Generation zu Generation weiter vererbt wird. Alles beginnt mit Alex' Urgroßvater Josiah Putnam Murdoch II. Zweiten. Er häuft zuerst ein Vermögen durch Phosphatabbau und in der kommerziellen Düngemittelindustrie in Charleston County an. Später verdient er noch mehr Geld mit der Immobilienentwicklung in den Bezirken Beaufort und Hampton.

Josiah Putnam Murdoch II. ist wirklich unfassbar reich. Übrigens, wir werden häufig die vollständigen Namen der Murdochs verwenden, weil es einfach so viele gibt, manche sogar mit gleichem Vornamen.

Sein Sohn Randolph Murdoch Senior, den wir ja vorhin schon mal erwähnt haben, der gründet nach seinem Jura-Examen 1910 seine Anwaltskanzlei in der Mulberry Street Nr. 101 in Hampton. Das Geld dafür bekommt er von seinem Vater. 1920, also zehn Jahre nach Kanzleigründung, wird Randolph Murdoch Senior darüber hinaus auch noch zum Bezirksstaatsanwalt des 14. Bezirks in South Carolina ernannt. Seine Anwaltskanzlei betreibt er allerdings noch weiter. Das kann man durchaus kritisch sehen. Als Bezirksstaatsanwalt steht er zwar nicht selbst als Ankläger vor Gericht, denn der organisiert einen geordneten, gerechten und effizienten Prozess, weist Anwälten Fälle zu, berät Anwälte und Anwältinnen und überwacht anhängige Fälle.

Er kann seiner eigenen Kanzlei also ohne Probleme reichlich Mandate verschaffen, da er ja die Aufträge vergibt. Ja, bei uns wäre das nicht möglich. Es ist auf alle Fälle eine Erklärung dafür, warum die Kanzlei von Randolph Murdoch Senior einen regelrechten Boom erfährt, nachdem er zum Bezirksstaatsanwalt ernannt wird. Zudem genießt das Amt des Bezirksstaatsanwalts ein hohes Ansehen und das auch politisch. Als Bezirksstaatsanwalt ist Randolph Murdoch Senior an allen politischen Entscheidungen vor Ort beteiligt. Er baut sich in der Gegend ein mächtiges und einflussreiches Netzwerk auf. Er kennt jeden Richter, Staatsanwalt, die Chefermittler der Polizei, den Sheriff und sämtliche Anwälte persönlich. Er tritt bei jedem Event auf und präsentiert sich rund um Hampton der Öffentlichkeit wie ein ungekrönter König. Sein Lebensweg kennt nur eine Richtung, steil nach oben. Doch 30 Jahre nach der Kanzleigründung ereignet sich der erste schwere Schicksalsschlag bei den Murdochs. Am 19. Juli 1940 bleibt auf einem Bahnübergang in der Nähe von Hampton um 1 Uhr nachts plötzlich das Auto von Randolph Murdoch Senior stehen. Die Associated Press schreibt, dass er mit Freunden Poker gespielt hat und dabei reichlich Alkohol getrunken haben soll.

Dann rauscht ein Güterzug heran, der den Wagen von Randolph Murdoch Senior mit voller Wucht trifft. Rund 300 Meter wird das Auto mitgeschleift, das danach nur noch ein Schrotthaufen ist.

Der einflussreiche Bezirksstaatsanwalt Randolph Murdoch Senior wird bei diesem Aufprall 50 Meter weit aus dem Auto geschleudert. Er ist sofort tot. Es konnte übrigens nie ermittelt werden, was die Ursache für den Unfall war. Gab es einen technischen Defekt am Wagen von Randolph Murdoch Senior? War er zu betrunken, um das Auto zu bedienen? Oder wollte er freiwillig aus dem Leben scheiden? Das weiß bis heute niemand.

Eine Woche nach diesem furchtbaren Unfall wird die Nachfolge für das Amt des Bezirksstaatsanwalts bestimmt. Sein Sohn, Randolph Murdoch Jr., bekommt das Amt übertragen. Der ist nämlich ebenfalls Jurist und arbeitet schon seit einiger Zeit in der Kanzlei seines Vaters. Die Anwaltskanzlei erbt er ebenfalls. Sein Vater hat ihm im Laufe der Jahre gezeigt, wie man Macht aufbaut und erhält. Und dieses Wissen nutzt der Sohn gleich aus. Er verklagt die Zuggesellschaft, weil der Zug angeblich mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren sei und an dem unbeschränkten Bahnübergang kein Warnsignal abgegeben haben soll. Für die Behauptungen gibt es aber keine Beweise, daher bewerten die Geschworenen am 22. September 1941 den Zusammenprall als Unfall. Die Klage ist damit abgewiesen. Aber jetzt kommt's. Trotz der Niederlage vor Gericht einigt sich Randolph Murdoch Jr. Mit der Zuggesellschaft auf eine außergerichtliche Schadensersatzzahlung, über die Stillschweigen vereinbart wird.

Örtliche Medien melden, dass die Zahlung wahrscheinlich 100.000 Dollar betrug. Nach heutigem Wert sind das ungefähr 2 Millionen Dollar. Warum die Zuggesellschaft sich auf diesen Deal einlässt, der ja eigentlich gar nicht mehr nötig wäre, das ist leider unbekannt. Es liegt aber die Vermutung nahe, dass man es sich besser nicht mit einem Murdoch verscherzt. Da zahlt man lieber freiwillig. Der Einfluss von Randolph Murdoch Jr. Ist eben groß und mächtig. Und nicht nur das, denn jetzt kommt was richtig Schlaues. Randolph Murdoch Jr. Nutzt ein lokales Gesetz geradezu schamlos aus. Das Gesetz besagt folgendes. Wenn eine Firma Eigentum in Hampton County besitzt, kann sie dort verklagt werden. Es reicht beispielsweise völlig aus, wenn einer Zuggesellschaft ein paar Schienen gehören, die durch Hampton County verlaufen. Wenn es dann irgendwo in South Carolina zu einem Zugunglück kommt, dann kann die Zuggesellschaft in Hampton verklagt werden. Randolph Murdoch Jr. Entwickelt daraus ein einträgliches Geschäftsmodell. Seine Kanzlei spezialisiert sich fortan auf Schadensersatzklagen, bei denen Menschen bei Unfällen ums Leben kommen oder schwer verletzt werden.

Wegen Unfällen mit Zügen, bei denen Bahnarbeiter oder Autofahrer ums Leben kommen, werden Klagen eingereicht. Oder wenn ein Autoreifen bei voller Fahrt platzt, dann verklagt seine Kanzlei den Reifenhersteller auf eine Entschädigung in Millionenhöhe. Diese Anwälte werden übrigens Ambulance-Chasers genannt, weil sie jedem Unfall nachlaufen, um damit viel Schadensersatz einzuklagen. Die genießen allerdings keinen so guten Ruf. Dieses Geschäftsmodell funktioniert jedenfalls prächtig. Innerhalb von nur sieben Jahren muss zum Beispiel die Zuggesellschaft 18,8 Millionen Dollar an Schadensersatz bzw.

Vergleichen zahlen. Heute würde dieser Betrag eine Viertelmilliarde Dollar entsprechen.

Von den vor Gericht erstrittenen Schadensersatzzahlungen bekommt seine Kanzlei natürlich einen großzügigen Teil ab. Die Kanzlei macht auf diese Weise einen hohen zweistelligen Millionenumsatz pro Jahr. Sie steigt innerhalb weniger Jahre zu einer der größten und bedeutendsten Anwaltskanzleien des Bundesstaates auf. Weit über 50 Mitarbeiter arbeiten für Randolph Murdoch Jr., darunter 12 Anwälte. Seine Kanzlei ist der größte Arbeitgeber in dem 3000-Einwohner-Ort. Ja, und von seinem Vater hat er ja gelernt, wie man mit Menschen umgehen muss, um die eigene Macht zu erhalten oder sogar noch zu vergrößern. In der Öffentlichkeit ist er omnipräsent. Er strahlt, lächelt, schüttelt unzählige Hände und streichelt Babys über die Wangen. Seine Auftritte haben beinahe etwas Herrschaftliches. Auch vor Gericht weiß er, wie er die Leute mit seinen teils dramatischen Reden und Plädoyers in seinen Bann zieht. Die Geschworenen hängen regelrecht an seinen Lippen, schreibt USA Today. Doch 16 Jahre nach dem Tod des Vaters und der damit verbundenen Kanzleiübernahme wechselt Randolph Murdoch Jr. Unfreiwillig die Seiten im Gerichtssaal. Im Jahr 1956 ist er selbst Angeklagter. Laut der Zeitung The State soll er der Chef hinter einem Alkoholschmuggelring sein und unversteuerten Whisky verkaufen, was natürlich illegal ist.

Bei dem Prozess zeigt sich wieder die enorme Macht, die Randolph Murdoch Jr. hat. Mehrere Angeklagte werden für den Schmuggel verurteilt. Nur er, der angebliche Kopf hinter dem Schmuggel, geht straffrei aus. Es sagen zwar gleich mehrere Zeugen gegen ihn aus, aber seine Anwälte behaupten einfach, dass er eben viele Feinde und Neider hat. Dazu gehören auch die angeblichen Zeugen. Die wollen ihm einfach nur schaden. Die Geschworenen und der Richter, die Randolph Murdoch Jr. alle persönlich kennt, sprechen ihn also frei. Ob sie das aus Angst vor der Murdoch-Familie oder aus Überzeugung tun, das ist leider nicht bekannt.

1986, 30 Jahre nach dem Freispruch, legt Randolph Murdoch Jr. Aus Altersgründen sein Amt als Bezirksstaatsanwalt nieder. Er ist mittlerweile 71 Jahre alt und übergibt das Amt nach 46 Jahren im Beruf an seinen 47-jährigen Sohn Randolph Murdoch III., der seit Jahren ebenfalls in der Kanzlei tätig ist. Das ist schon erstaunlich, wenn man kurz drüber nachdenkt, denn wir reden hier ja nicht über den Vorsitz bei einem lokalen Dackelzüchterverein, sondern über das Amt des Bezirksstaatsanwaltes. Das wird ja normalerweise nicht einfach an die nächste Generation übertragen, aber die große Ausnahme sind eben die Murdochs. Die Familie hat dieses wichtige Amt jetzt schon seit unfassbaren 86 Jahren am Stück in seiner Hand. Das liegt daran, dass sie stets ohne Gegenkandidaten bei der Wahl zum Bezirksstaatsanwalt antreten. Damit steht das Ergebnis bereits vor der Abstimmung fest. Und so scheint es bei der Familie immer nach demselben Schema weiterzugehen. Randolph Murdoch III. hat vier Kinder. Der Älteste bekommt getreu der Familientradition den Namen Randolph IV. Und wird aber Randy genannt. Sein jüngerer Bruder heißt Richard Alexander, der Alex gerufen wird. Die beiden Söhne werden natürlich ebenfalls Anwälte, klar.

Alex Murdoch ist derjenige, der am 7. Juni 2021 die Leichen seiner Frau und die seines Sohnes Paul findet. Alex Murdoch ist, wie schon seine Vorfahren, ein juristischer Überflieger. Mit nur 26 Jahren machte er im Mai 1994 seinen Doktortitel in Jura an der University of South Carolina School of Law. Im November 1994 fängt er in der Familienkanzlei an. Dort arbeitet schon sein älterer Bruder Randy.

Auch Alex Murdoch ist wie sein Vater, Großvater und Urgroßvater zusätzlich für die Anklageseite tätig. Allerdings, in Anführungszeichen, nur als stellvertretender Bezirksstaatsanwalt. Zusätzlich ist er Präsident der South Carolina Association for Justice, eine Anwaltsvereinigung mit über 1200 Mitgliedern. Ein Jahr bevor er seinen Doktortitel erwirbt, heiratet er 1993 Ehefrau Maggie. Das Paar bekommt wiederum zwei Söhne. Der im April 1993 geborene Richard Alexander Jr., der wird nach seinem Vater benannt, aber von allen nur Buster gerufen. Der jüngere Sohn heißt Paul und kommt sechs Jahre nach seinem Bruder, im April 1999 zur Welt. Paul ist der Sohn, der neben seiner Mutter erschossen wird.

Alle Mitglieder der Familie Murdoch sind schwer reich. Alle haben riesige Grundstücke rund um Hampton, dazu Ferienhäuser, Boote, einen ganzen Fuhrpark voller Autos. Alex hat sogar ein eigenes Flugzeug. Das kann er sich auch locker leisten. Laut seiner Steuererklärung verdient er beispielsweise im Jahr 2013 um die 5,3 Millionen Dollar.

Wir haben also einen hoch angesehenen und noch mächtigeren Familienclan. Im Gerichtssaal in Hampton hängen sogar zwei Porträts von Alex' Urgroßvater, Randolph Murdoch Sr. Und dem Opa von Alex, Randolph Murdoch Jr. Der Clan nutzt seinen enormen Einfluss vor allem zum eigenen Vorteil aus. Liegt also genau hier das Motiv für den brutalen Doppelmord an Maggie und Paul Murdoch? Genau das sehen wir uns jetzt ganz genau an. Die Ehefrau und der Sohn von Alex Murdoch werden ja am 7. Juni 2021 erschossen. Am Tatort finden die Ermittler keine Waffen. Das Handy von Maggie ist auch verschwunden. Nur das Telefon von Sohn Paul wird bei Vater Alex gefunden. Alex Murdoch hat auch schon einen konkreten Verdacht, was der Grund für den zweifachen Mord sein könnte. Seiner Meinung nach hängt das Motiv mit dem eingangs erwähnten Bootsunglück zusammen, für das Paul bald vor Gericht stehen sollte. Laut CBS News sagt Alex Murdoch der Polizei Folgendes. Mein Sohn Paul war in einem Bootsunfall verwickelt. Es gab viel negative Publicity darüber und viele Leute haben im Internet wirklich abscheuliche Dinge geschrieben.

Um zu verstehen, was damit genau gemeint ist, müssen wir uns den besagten Bootsunfall genauer anschauen. Am 24. Februar 2019, gut zwei Jahre vor dem Doppelmord, da geht nachts gegen 2.20 Uhr ein Notruf ein. Am Telefon ist ein aufgewühlter junger Mann, der mit panischer Stimme meldet, dass es auf dem Fluss Arches Creek einen Unfall gegeben habe. Ein Schnellboot ist gegen einen Brückenpfeiler gekracht. Auf diesem Boot befinden sich sechs Jugendliche. Fünf überleben den Unfall mit teils heftigen Verletzungen und werden umgehend ins nächste Krankenhaus eingeliefert. Nur eine 19-jährige junge Frau, Mallory Beach, die wird vermisst. Sie wird bei der Kollision mit dem Brückenpfeiler nämlich aus dem Boot geschleudert.

Interessant dabei ist die Tatsache, wem das Schnellboot gehört. Denn der Eigentümer ist Paul Murdoch, der 19-jährige Sohn von Star-Anwalt Alex Murdoch. Noch im Krankenhaus werden zwei verletzte Opfer des Unfalls befragt. Miley Altman und Morgan Daughty sagen gegen 4.10 Uhr unabhängig voneinander aus, dass Paul Murdoch das Boot gesteuert habe. Doch nur fünf Minuten später erscheinen Pauls Vater Alex und sein Großvater Randolph Murdoch III. Alex zückt ganz selbstverständlich seinen Ausweis, der ihn als stellvertretenden Bezirksstaatsanwalt legitimiert. Danach plaudert er entspannt mit den Beamten vor Ort und besucht anschließend die Verletzten. Was hier nach Empathie mit den verletzten Freunden seines Sohnes klingt, ist in Wirklichkeit knallhartes Kalkül.

Dem verletzten Connor Cook, der eine klaffende Wunde im Gesicht und einen gebrochenen Kiefer hat, weist er an, seine Aussage zu verweigern. Er habe ihm sogar schon einen Anwalt besorgt, der alles für ihn regeln werde. Der immer noch unter Schock stehende Connor hält sich an die Anweisung von Alex Murdoch, die eher einem Befehl gleichkommt. Er verrät also nicht, wer das Boot gesteuert hat. Später erklärt er gegenüber dem Hampton County Garden, dass er aus Angst nichts gesagt hat.

Erneut zeigt sich die Macht, die die Murdochs über die Menschen hier haben. Und das geht so weiter. Auf dem Krankenhausflur trifft Alex Murdoch den Vater von Connor. Beide Väter kennen sich schon seit vielen Jahren. Sie sind in die gleiche Klasse gegangen. Auch seinem ehemaligen Klassenkameraden macht er unmissverständlich klar, dass der Sohn keinesfalls eine Aussage machen darf. Es hat natürlich einen Grund, warum sich Vater Alex und Großvater Randolph so reinhängen. Laut der Aussage mehrerer Zeugen soll Paul Murdoch nicht nur das Boot gefahren haben, nein, er soll dabei auch noch stark alkoholisiert gewesen sein. Aufnahmen einer Überwachungskamera in einem Supermarkt belegen eindeutig, dass Paul dort Alkohol kauft. Weil er aber noch nicht 21 Jahre alt ist, darf er das offiziell in den USA gar nicht. Paul benutzt deshalb einfach den Ausweis seines älteren Bruders Buster, der bereits 25 ist. Der hatte ihm den Ausweis vor dem Bootstritt geliehen. Beide sehen sich mit ihren roten, welligen Haaren nämlich recht ähnlich. Paul hatte offenbar von Anfang an geplant, den Ausflug mit dem Boot zu einem Party-Event zu machen. Er kauft nicht nur reichlich Bier, sondern nimmt auch das passende Equipment für ein Saufgelage mit.

Miley und Morgan, die beiden Freundinnen, die mit auf dem Boot waren, erklären den Ermittlern, dass er sich in kürzester Zeit sechs Bier mit einem Trichter und einem Schlauch reinzieht. Damit schluckt man das Bier ja innerhalb weniger Sekunden runter. Nach ein paar Minuten ist man also bereits ziemlich betrunken.

Und mit ordentlich Promille im Blut geht es zuerst auf eine Party. Gegen ein Uhr nachts wollen Pauls Freunde wieder nach Hause. Doch Paul hat noch nicht genug. Er hält noch an einer Bar und schleift Conor mit. Dort trinken die beiden innerhalb von nur 15 Minuten noch mehrere Shots. Ein bisschen später, gegen 1.15 Uhr, sind alle wieder beim Boot. Auf ihrem Weg zurück sollen die beiden heftig getorkelt sein, sagen die Freunde. Die sind aber froh, dass es endlich nach Hause geht. Denn Ende Februar hat es nur 10 Grad in Hampton County. Allen ist mittlerweile ziemlich kalt.

Bevor die sechs jungen Leute die Fahrt fortsetzen, kommt es zu einem heftigen Streit. Anthony, der Freund der später vermissten Mallory, will sich nicht vom stark betrunkenen Paul fahren lassen, sondern lieber selbst das Steuer übernehmen. Das kommt aber für Paul überhaupt nicht in Frage. Er schreit Anthony sowas ins Gesicht wie, das ist mein Boot, niemand anderes steuert es. Mallory wird von Paul sogar ins Gesicht geschlagen, als sie darauf besteht, dass Paul nicht fährt.

Paul kennt es eben nicht anders. Er hat ja von klein auf gelernt, dass das Wort seiner Familie quasi Gesetz ist. Daher lässt er sich von niemandem etwas sagen. Um seine Freunde noch weiter zu provozieren, um damit seine Macht zu demonstrieren, fährt er extra Schlangenlinien über den Fluss. Dann beschleunigt er ohne Vorwarnung das Schnellboot auf maximale Geschwindigkeit und rast über den stockdunklen Archer's Creek. Plötzlich gibt es einen heftigen Einschlag. Das Motorboot prallt gegen 2.20 Uhr gegen den Brückenpfeiler, wobei Mallory Beach aus dem Boot geschleudert wird. Die Gruppe ist total geschockt. Anthony taucht immer wieder nach seiner Freundin Mallory im eiskalten Wasser des Archers Creek. Aber alle Mühe ist vergeblich. Es ist dunkel und die Strömung ist stark. Anthony und die anderen können Mallory einfach nicht entdecken. Der Sheriff von Beaufort County ist einer der ersten an der Unglücksstelle. Er findet vier weinende, verängstigte und völlig geschockte junge Menschen vor. Nur Paul Murdoch scheint sich überhaupt keine Sorgen zu machen. Als er die zahlreichen Polizei und Rettungswagen sieht, fängt der sogar an zu lächeln. Anthony, der Freund der vermissten Mallory, will ihm deshalb sogar an die Gurgel gehen. Und Helfer müssen ihn davon abhalten.

Möglicherweise ahnt Anthony da bereits, was später noch kommen wird. Er stellt dem Sheriff nämlich die Frage, ob er Alex Murdoch kenne. Als der Sheriff die Frage bejaht, sagt Anthony wörtlich, das hier ist sein Sohn. Viel Glück.

Der Sheriff erklärt später gegenüber CBS News. Da hat er angedeutet, dass er nicht angefasst werden darf. Die Murdochs stehen mit ihrer ungeheuren Macht eben über dem Gesetz. Im Krankenhaus wird Paul Murdoch Blut abgenommen. Sein Alkoholspiegel ist dreimal höher, als es der gesetzliche Grenzwert erlaubt. Der beträgt in South Carolina 0,8 Promille. Er hat also 2,4 Promille. Ab 3 Promille spricht man übrigens von einer Alkoholvergiftung. Zur Erinnerung, Paul hätte mit seinen 19 Jahren in den USA überhaupt keinen Tropfen Alkohol trinken und schon gar nicht sturzbetrunken ein Boot steuern dürfen. Das weiß natürlich auch Paul selbst. Er versucht sich gegen die Blutentnahme im Krankenhaus zu wehren und streitet sich laut The Hampton County Guardian heftig mit Ärzten und Pflegern. In der Zwischenzeit wird intensiv nach der verschwundenen Mallory gesucht. Taucher und sogar Hubschrauber mit Wärmebildkameras werden eingesetzt. Das Ufer wird kilometerlang abgesucht. Erst eine Woche nach dem Bootsunfall wird die tote Mallory schließlich acht Kilometer flussabwärts entdeckt. Sie ist im Arches Creek ertrunken. Da sie mit ihrem Kopf an den Brückenpfeiler geschleudert wurde, war sie offenbar sofort bewusstlos und hatte deshalb, so die Annahme, keine Schmerzen. Für die Eltern und ihren Freund Anthony ist das natürlich nur ein sehr schwacher Trost.

Als Mallory entdeckt wird, zeigt sich erneut die ungeheure Macht der Murdochs. Mallorys Eltern eilen natürlich sofort zum Fundort der Leiche. Sie wollen sich selbst ein Bild davon machen, ob das wirklich der leblose Körper ihrer Tochter ist. Aber die Polizisten vor Ort, die versperren den verzweifelten Eltern den Zugang. Sie müssen mit etlichen Schaulustigen hinter einer Absperrung warten. Doch diese Absperrung gilt anscheinend nicht für alle. Denn nicht nur Mallorys Eltern kommen zum Fundort der Leiche. Auch Pauls Eltern, Alex und Maggie Murdoch, fahren zum Fluss. Ohne ein Wort zu sagen, hebt ein Polizist das Flatterband hoch, damit die beiden direkt bis zum Fluss fahren und nur wenige Meter neben der Leiche anhalten können. Das klingt alles unfassbar. Später stellt sich auch noch heraus, dass Vater Alex unzählige Male mit verschiedenen Ermittlern telefoniert hat. Das geht aus seinen gewählten Telefonnummern hervor. Wollte er also die Ermittlungen zugunsten seines Sohnes beeinflussen? Das ist unklar. Auf alle Fälle stellen Techniker fest, wer zum Unglückszeitpunkt an welcher Stelle im Boot saß. Die Ergebnisse belegen eindeutig, dass Paul das Boot gesteuert hat. Zusammen mit den Zeugenaussagen der vier Freunde und dem festgestellten Alkoholwert ist die Schuldfrage also eindeutig. Paul Murdoch hat das Leben von Mallory Beach auf dem Gewissen.

Daher wird er knapp zwei Monate nach dem Bootsunfall angeklagt, den Tod der jungen Frau verursacht zu haben. Er bekennt sich trotz der erdruckenden Beweislage für unschuldig. Die Zeit bis zum Prozessbeginn muss er aber nicht in Untersuchungshaft verbringen. Er darf gegen die Zahlung einer Kaution in Höhe von 50.000 Dollar auf freiem Fuß bleiben. Die Ermittlungen ziehen sich dann wie Kaugummi in die Länge und dauern mehr als zwei Jahre. Ob auch hier die Murdochs ihre Kontakte haben spielen lassen, um Zeit zu gewinnen, ist leider nicht bekannt. Es wäre aber gut möglich, denn bei einer Verurteilung drohen Paul 25 Jahre Haft. Das scheint ihn aber nicht sonderlich zu belasten. Er geht weiter Party machen. Das bestätigen mehrere Freunde, die er zu seinen Feiern einlädt. Paul wird ja auch nie wegen dieses Bootsunfalls verurteilt, denn er selbst wird erschossen, bevor der Prozess überhaupt startet. Und das bringt uns zurück zu den Ermittlungen beim Doppelmord an Paul und seiner Mutter Maggie Murdoch am 7. Juni 2021.

War es also möglicherweise ein Racheakt für den mutmaßlichen, von Paul verschuldeten Tod von Mallory Beach? Dann hätten ihre Eltern oder ihr Freund Anthony das stärkste Motiv für die brutale Tat. Zu dem Zeitpunkt ist es völlig unklar, ob Rache als Motiv infrage kommt. Die Ermittlungen stehen ja noch am Anfang. Die Forensiker sichern Spuren und Beweise. Auf einige Indizien können sich die Polizisten zunächst keinen Reim machen. Da ist zum Beispiel das fehlende Handy von Maggie. Das können die Ermittler dann aber am nächsten Morgen lokalisieren. Wie? Ganz einfach. Mit der Find-My-iPhone-Funktion von Maggies Smartphone.

Das Mobiltelefon wird an einer Straße ganz in der Nähe des Murdoch-Anwesens geortet. Das bedeutet, dass der Täter nach den Schüssen das iPhone an sich genommen und anschließend bei seiner Flucht aus dem Auto geworfen hat. Aber warum? Ja, gute Frage. Denn auf Maggie Murdochs Telefonen werden keine Hinweise auf die Tat entdeckt. Einem Techniker fällt lediglich auf, dass sie am schicksalhaften 7. Juni mehrmals mit ihrem Ehemann Alex spricht. Auf dessen Handy befinden sich diese Anrufe aber nicht. Er muss die Telefonate also aus seiner Anrufsliste gelöscht haben. Auch hier stellt sich die Frage, warum? Warum hat er das gemacht? So richtig kommen die Beamten bei den Ermittlungen nicht weiter. Drei Monate nach dem Doppelmord passiert dann plötzlich etwas, womit niemand gerechnet hat. Am 4. September 2021 ist Alex Murdoch mit seinem Auto unterwegs. Er bemerkt einen platten Reifen und muss anhalten. Ein Pick-up nähert sich Alex' Auto und wird immer langsamer. Als das Fahrzeug auf der Höhe von Alex Murdoch ist, feuert der Fahrer auf ihn und rast davon. Der Star-Anwalt hat unfassbares Glück, dass er das überlebt, denn die Kugel trifft ihn nicht ganz, sondern streift ihn lediglich am Schädel. Wenn der Schütze besser gezielt hätte, wäre Alex auf der Stelle tot gewesen.

Das wirkt jetzt im Gesamtbild doch wie eine Racheaktion gegen die Familie Murdoch, weil sie alles daran gesetzt haben, damit Paul straffrei aus der Sache mit dem Tod von Mallory Beach herauskommt. Sofort informieren die Ermittler die nächsten noch lebenden Angehörigen von Alex, also Sohn Buster und Alex' Bruder Randy. Anwalt Randy ist zwar wegen des vermeintlichen Mordanschlags schockiert, aber er erklärt den Polizisten auch, dass er und die übrigen Kanzleipartner Alex gestern kurzerhand aus der Kanzlei geworfen haben. Denn, und jetzt kommt's, Alex hat Geld unterschlagen.

Das kommt jetzt doch ziemlich überraschend, oder? Schließlich verdient Alex ja unfassbar viel Geld. Erinnern wir uns nur an seine Steuererklärung aus dem Jahr 2013. In der gibt er ja an, 5,3 Millionen Dollar verdient zu haben. Und dennoch bestiehlt er seine Mandanten. Das funktioniert folgendermaßen. Wenn ein Mandant einen Schadensersatz zugesprochen bekommt, dann wird dieses Geld auf ein Treuhandkonto überwiesen. Dieses Treuhandkonto, das bei uns in Deutschland übrigens auch Underkonto heißt, wird von der Kanzlei geführt und nach Abschluss des Prozesses an den Mandanten ausbezahlt. Alex Murdoch hat Zugriff auf die Treuhandkonten seiner Mandanten und Mandantinnen. Doch anstatt die vollen Schadensersatzsummen auszubezahlen, überweist er sich einfach einen Großteil des Geldes oder sogar den kompletten Betrag auf sein eigenes Konto. Er betrügt also seine eigenen Mandanten und schadet natürlich maßgeblich dem Renommee der Kanzlei. Zudem ist der entstandene Schaden enorm. Ein Rechtsanwalt, der allein acht Opfer vertritt, der vermutet, dass es insgesamt bis zu 50 Opfer der Unterschlagung geben könnte. Die Schadenssumme könnte bei 20 Millionen Dollar liegen. Konkret nachgewiesen werden Alex Murdoch laut Greenville Online Unterschlagungen in Höhe von rund 8,5 Millionen Dollar.

Laut CNN drohen ihm über 100 Anklagen wegen Betrugs und Unterschlagungen. Alex Murdoch macht auch gar kein Hehl aus seinen Unterschlagungen. Gegenüber dem Staatsanwalt sagt er wörtlich, Ich gebe offen zu, dass ich in all diesen Fällen Geld genommen habe, das nicht mir gehörte. Das hätte ich nicht tun sollen. Ich hasse die Tatsache, dass ich es getan habe. Es ist mir peinlich. Ich schäme mich vor meinem Sohn und meiner Familie. Und ich bestreite nicht, dass ich es getan habe. Aber warum beklaut er seine Mandanten um 8,5 Millionen Dollar? Laut seinen Steuererklärungen kassierte er in den letzten neun Jahren 14 Millionen Dollar an Honoraren. Zudem hat er ja riesige Grundstücke, das mehrere Millionen wert ist.

Als Erklärung für seine Unterschlagungen sagt er dem Staatsanwalt, dass er schwer abhängig vom Schmerzmittel Oxycodon sei, schreibt Fitznews. Das ist ein Opioid, das sehr schnell abhängig macht. Alex gibt an, dass er täglich bis zu 100 Pillen Oxycodon genommen hat. Damit nimmt er an nur einem Tag die empfohlene Tagesdosis von gleich 75 Patienten ein, die eine höchstens anderthalb Tabletten verabreicht bekommen. Das spricht in der Tat für eine extrem schwere Medikamentenabhängigkeit. Aber es erklärt immer noch nicht, warum er so viel Geld braucht. Zwischen Oktober 2020 und Mai 2021 zahlt er insgesamt 160.000 Dollar an seinen Dealer. Das ist ja nur ein kleiner Teil der unterschlagenen Millionen. Der Dealer ist übrigens ein entfernter Cousin namens Eddie Smith. Das ist alles sehr dramatisch. Aber noch einmal kurz zurück zur Reifenpanne, bei der er fast getötet wird. Laut seiner Aussage gegenüber dem Staatsanwalt schießt Dealer Eddie Smith auf Alex Murdoch, als der am Tag zuvor mit einem Wagen liegen bleibt. Und jetzt wird es noch bizarrer. Der Auftrag für den Mord an Alex Murdoch kam von ihm selbst. Ja, wenn ihr jetzt verwundert seid, dann geht's euch so wie uns, als wir zum ersten Mal davon gehört haben.

Alex Murdoch hat auch eine, sagen wir mal, etwas eigenwillige Erklärung dafür. Denn als seine Betrügereien in der Kanzlei aufliegen, da weiß er, dass seine berufliche Karriere zu Ende ist. Und in Hampton, wo er ja bisher so mächtig war, würden ihn jetzt alle verachten. Sein Einfluss und seine Macht sind also über Nacht verschwunden. Zudem hat er vor gut drei Monaten seine Frau und seinen Sohn verloren. Alex ist also völlig verzweifelt, beruflich erledigt und finanziell ruiniert, da er das unterschlagene Geld ja zurückzahlen muss. Damit sein überlebender Sohn Buster finanziell abgesichert ist, soll er die Lebensversicherung über 10 Millionen Dollar erhalten, die auf Alex Murdoch läuft. Die Lebensversicherung zahlt allerdings nicht bei einem Suizid. Daher soll ihn Dealer Eddie Smith töten. Eddie Smith bestreitet das in einem Verhör. Er war zwar am Tatort, weigert sich aber zu schießen.

Alex drückt dann selbst den Abzug. Welche der beiden Versionen schlussendlich stimmt, das konnte bislang leider nicht geklärt werden. Nach seinem Geständnis wandert Alex Murdoch aber nicht gleich in Untersuchungshaft. Er wird erst neun Monate später offiziell verhaftet. Auch hier zeigt sich noch immer der Einfluss, den die Familie in Hampton hat. Seinen Sohn Buster, für den er bereit war zu sterben, interessiert das alles hingegen herzlich wenig. Er fliegt nach Las Vegas und zockt dort wie besessen. Dass sein Vater im Gefängnis sitzt und seine Mutter und sein Bruder vor gut drei Monaten brutal ermordet wurden, scheint ihn überhaupt nicht zu kümmern, meldet ABC News. Möglicherweise will er aber die ganzen Schicksalsschläge einfach nur verdrängen. Das wissen wir natürlich nicht. Alex Murdoch scheint das Verhalten von seinem Sohn Buster aber nicht zu überraschen. Er kennt seinen Sohn eben. Damit auch wir Buster Murdoch und seinen Charakter ein bisschen besser verstehen können, gehen wir jetzt sechs Jahre zurück. Am 8. Juli 2015 wird gegen vier Uhr morgens eine Leiche entdeckt. Der Leichnam liegt mitten auf der Sandy Run Road in Hampton County, einer dunklen, etwas abgelegenen Landstraße. Die Ermittlungen ergeben, dass es sich bei dem Toten um den 19-jährigen Stephen Smith aus Hampton handelt. Zuvor muss Stephen Smith das Benzin ausgegangen sein. Sein Auto mit leerem Tank steht ein paar hundert Meter weiter.

Die Leiche hat multiple Verletzungen am Kopf. Doch die Verletzungen passen nicht zu einem Autounfall, meldet Fitznews. Sein Körper hat auf Höhe der Stoßstange keine Hämatome. Die müsste es aber an den Beinen geben, wenn es einen Zusammenstoß mit einem Auto gegeben hätte. Zudem fehlen Bremsspuren oder Autoteile auf der Straße. Damit spricht also eigentlich alles gegen einen tödlichen Unfall mit Fahrerflucht.

Eigenartigerweise stellt die Pathologe nach der Obduktion von Stephen Smiths Leicher genau das Gegenteil fest. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass der Tod von einem Autounfall mit Fahrerflucht verursacht wurde, obwohl eigentlich alles dagegen spricht. Ja, und dem Obduktionsergebnis widerspricht ein Ermittler energisch. In seinem Bericht über den Tatort steht, ich zitiere, Ich habe keine Fahrzeugtrümmer, Bremsspuren oder Verletzungen gesehen, die darauf hindeuten, dass jemand von einem Fahrzeug angefahren wurde. Wir haben keine Hinweise darauf, dass das Opfer von einem Fahrzeug angefahren wurde. Auch der Gerichtsmediziner von Hampton County hat große Zweifel an dem Autopsieergebnis seiner Kollegin. Er sagt wörtlich, Ich stimme nicht mit der Aussage der Pathologin überein, dass das Opfer von einem Kraftfahrzeug angefahren wurde.

Die Ermittler des Unfalls wollen daher genau von der Pathologin wissen, wie sie denn zu ihrem Ergebnis gekommen sei. Und die erklärt beiläufig, ich zitiere das auch, weil er auf der Straße gefunden wurde, war es ein Unfall mit Fahrerflucht. Der Gerichtsmediziner von Hampton County, der geht davon aus, dass seine Kollegin mit großer Wahrscheinlichkeit überhaupt nie eine Autopsie an Stephen Smith durchgeführt hat. Aber warum? Hm, möglicherweise, weil wieder die Familie Murdoch in die Sache verwickelt war. Als die Ermittler nämlich mehrere Zeugen befragen, fällt mehr als 40 Mal der Name Buster Murdoch, der noch lebende Sohn von Alex. Er soll eine Verbindung zu dem Toten gehabt haben. Und es gibt Anhaltspunkte dafür, dass Randy Murdoch, der Bruder von Alex und damit der Onkel von Buster.

Seine Macht hat spielen lassen. Mindestens dreimal versucht Onkel Randy Murdoch, die Ermittlungen der Highway Patrol zu manipulieren, meldet Fitz News, ohne konkrete Details zu nehmen. Die Highway Patrol ist eine Art Autobahnpolizei, die Verkehrsunfälle wie diesen eben untersucht. Ja, und das ist aber immer noch nicht alles. Onkel Randy Murdoch ruft auch den Vater des toten Stephen Smith an. Und zwar nur wenige Minuten, nachdem die Pathologin den Eltern mitgeteilt hat, dass es ein Unfall war. Onkel Randy Murdoch bietet der Familie an, den Fall kostenlos als Anwalt zu übernehmen. Hm, eine vermeintlich noble Geste. Oder steckt doch etwas anderes hinter dem Angebot? Buster Murdoch und Stephen Smith gehen auf die gleiche Schule und sind Klassenkameraden. Der Lehrer der beiden sagt in einer TV-Doku, dass die beiden Jungs ein Verhältnis gehabt haben sollen.

Stephen Smith ist bekennend homosexuell. Bei Familie Murdoch ist Homosexualität dagegen ein absolutes Tabuthema. Möglicherweise hat Buster große Angst davor, unfreiwillig geoutet zu werden. Falls das stimmen sollte, dann könnte er aus diesem Grund seinen Geliebten aus dem Weg geräumt haben. Die Fotos der Leiche legen den Schluss nahe, dass Stephen Smith mit einem stumpfen Gegenstand, wie zum Beispiel einem Baseballschläger, getötet wurde. Aber der Staatsanwalt sieht 2015 keinen Grund, ein offizielles Ermittlungsverfahren einzuleiten. Die ganzen Ermittlungsakten mit den Beweisen vom Tatort und den Zeugenbefragungen der Highway Patrol, die werden nicht berücksichtigt. Die offizielle Version lautet Unfall mit Fahrerflucht. Das Auto und der Fahrer konnten übrigens nie ermittelt werden. Auf alle Fälle liegt die Vermutung nahe, dass Familie Murdoch erneut ihre fast schon grenzenlose Macht benutzt hat, damit es zu keiner Verhandlung kommt. Okay, fassen wir nochmal kurz alle, nennen wir sie mal Unglücksfälle zusammen, die hier in einem Abschnitt von sechs Jahren rund um die Familie Murdoch passiert sind. Am 8. Juli 2015 stirbt der 19-jährige Stephen Smith unter ungeklärten Umständen.

Wahrscheinlich wurde er erschlagen. Zahlreiche Zeugen sagen aus, dass Buster Murdoch etwas mit seinem Tod zu tun hat. Gute dreieinhalb Jahre später, am 24. Februar 2019, stirbt Mallory Beach bei dem Bootsunfall, den Paul Murdoch verursacht. Weitere gut zwei Jahre später, am 7. Juni 2021, werden schließlich die Leichen von Paul und Maggie Murdoch, Sohn und Ehefrau von Alex Murdoch, tot auf dem Grundstück aufgefunden.

Die Ermittler fragen sich also, ob diese Fälle etwas miteinander zu tun haben. Die Ermittlungen verlaufen generell etwas zäh in diesem Doppelmordfall. Alex Murdoch besitzt beispielsweise eine enorme Waffensammlung. Er hat 25 Gewehre, denn er ist ein begeisterter Jäger. Doch die zahlreichen Waffen werden erst drei Monate später bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt und untersucht. Das geschieht, nachdem der vermeintliche Mordanschlag auf ihn verübt wird und die Unterschlagungen ans Tageslicht kommen. Falls sich die beiden Tatwaffen im Besitz von Alex Murdoch befunden hätten, dann hätte er reichlich Zeit gehabt, diese Gewehre zu entsorgen. Naja, die Tatwaffen befinden sich jedenfalls nicht unter den beschlagnahmten Waffen. Es gab für die Ermittler ja auch keinen Grund, die Waffensammlung von Alex Murdoch zu untersuchen. Im Haus wurde ja nicht eingebrochen. Und er selbst hat ein Alibi. Zudem gibt es kein Motiv, seine Frau und seinen Sohn zu ermorden. Allerdings finden die Beamten doch etwas Interessantes im Waffenschrank von Alex Murdoch. Sein Sohn Paul wurde mit einer typischen Schrotflinte erschossen. Bei Ehefrau Maggie sieht die Sache allerdings anders aus. In ihrem Körper steckt nämlich eine Spezialmunition. Und genau diese seltenen 300 Blackout-Geschosse, so heißen die, die liegen in dem Waffenschrank von Alex. Er muss also auch ein passendes Gewehr dazu haben. Und das ist verschwunden.

Die Polizei glaubt nicht, dass die Sache mit der Munition Zufall ist. Sie sehen sich also nochmal alles genau an, um eine mögliche Tatbeteiligung von Alex Murdoch zu überprüfen. Den Ermittlern fällt auf, dass die GPS-Daten der Mobiltelefone von Alex und Maggie sowie die GPS-Daten des Autos von Alex Murdoch belegen, dass er in der Nacht, nachdem der Doppelmord geschah, genau an der Stelle vorbei fuhr, an der tags darauf Maggies verschwundenes Telefon gefunden wird. Die Ermittler gehen davon aus, dass er das Handy dort weggeworfen hat.

Neben der Spezialmunition ist das ein weiteres Indiz, aber eben noch kein handfester Beweis für Alex Tatbeteiligung. Der entscheidende Beweis wird aber schließlich auf dem Handy von Paul gefunden. Der filmt nämlich unmittelbar vor dem Doppelmord einen der Familienhunde, Hund Baba. Der hat sich gerade nämlich ein lebendiges Huhn geschnappt und läuft damit im Maul herum. Auf dem Video ist eindeutig die Stimme von Alex Murdoch zu hören, wie er Hund Baba zurechtweist. Und nur zur Erinnerung, Alex Murdoch gibt ja stets als Alibi den Besuch bei seiner an Demenz leidenden Mutter und dem schwer kranken Vater an. Nur drei Tage später, am 10. Juni 2021, stirbt übrigens sein Vater, Randolph Murdoch III. So und das Video belegt also, dass Alex zum Tatzeitpunkt nachweislich zu Hause ist. Für den Staatsanwalt ist das Video ein absoluter Glücksfall. Er jubelt regelrecht, indem er sagt, und ich zitiere, Wenn Baba dieses Hühnchen nicht gehabt hätte, hätten wir wahrscheinlich Alex' Stimme dort nie gehört.

Das bedeutet, dass das angegebene Alibi von Alex Murdoch geplatzt ist. Es gibt übrigens nachvollziehbare Gründe, warum die Überprüfung des Alibis ganze Monate dauert. Die demenzkranke Mutter kann sich nämlich natürlich an nichts erinnern und der Vater ist mittlerweile tot. Und dieses Video mit Hund Baba befindet sich nicht auf dem Smartphone von Paul, denn dort wurde es gelöscht. Aber es wurde in einer Cloud gespeichert. Und der Cloud-Betreiber rückt das Video halt erst Monate später raus. Tja, die Schlinge zieht sich immer weiter um den Hals von Alex Murdoch. Er war zur Tatzeit am Tatort, er hatte Zugang zur mutmaßlichen Tatwaffe, er lässt Beweise verschwinden und belügt die Beamten. Bei der Hausdurchsuchung wird zudem ein weißes T-Shirt von ihm sichergestellt. Es hat zahlreiche Blutspritzer, die von Paul und Maggie stammen. Unmittelbar nach der Tat muss er es ausgezogen haben. Denn als die Ermittler eintreffen, trägt er ein sauberes Hemd. Warum er das Shirt nicht einfach wie die Tatwaffe entsorgt hat, das ist unbekannt. Möglicherweise liegt es an seiner jahrelangen Drogenabhängigkeit. Jedenfalls haben die Ermittler genügend Beweise gesammelt, um ihn neben den Unterschlagungen Millionenhöhe auch wegen des Doppelmordes an seiner Frau und seinem Sohn anzuklagen. Er selbst leugnet die Tat übrigens.

Die Indizien und Beweise sprechen aber klar gegen Alex Murdoch. Ein Selbstläufer wird der Prozess deswegen trotzdem nicht. Den Ermittlern und dem Staatsanwalt fehlen zwei entscheidende Dinge, nämlich ein Geständnis und das Motiv für die Tat. Das gibt's ja immer noch nicht. Der Staatsanwalt hat allerdings eine Theorie, was das Motiv für den Doppelmord gewesen sein könnte. Er glaubt, dass Alex Murdoch im Sommer 2021 befürchtet hat, seine Unterschlagungen könnten bald aufliegen. Mit der Ermordung seiner Frau und seines Sohnes sollte von seinen Betrügereien abgelenkt werden. Vielleicht wollte er Mitleid. Zudem soll die Ehe von Alex und Maggie in den letzten Jahren alles andere als gut gewesen sein. Laut Court TV sagt Maggies Nagelpflegerin, dass sie sich von Alex angeblich scheiden lassen wollte. Mitleid und eine schlecht laufende Ehe als Motiv für einen äußerst brutalen Doppelmord? Irgendwie eine unlogische, ich sag jetzt mal, Lösung seiner Probleme. Auf jeden Fall beginnt am 25. Januar 2023, eineinhalb Jahre nach dem Doppelmord, der Prozess gegen Alex Murdoch. Es wird ein reiner Indizienprozess, weil er nach wie vor seine Unschuld beteuert und dementsprechend kein Geständnis ablegt.

Übrigens findet aus gutem Grund der Prozess nicht in Hampton statt, sondern in der rund 50 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Waterboro, denn hier endet die Macht der Murdochs. Der ganze Prozess wird übrigens live im Fernsehen bei CORE-TV übertragen. Bei uns wäre das nicht erlaubt, aber in den USA ist das nicht ungewöhnlich. Denn das öffentliche Interesse am Fall ist riesig. Rund fünf Wochen wird verhandelt. Dann ziehen sich am 2. März 2023 die Geschworenen zu ihrer Beratung zurück. Nach nur drei Stunden fällen sie schon ihr Urteil. Und das lautet schuldig. Die Geschworenen sehen es als erwiesen an, dass Alex Murdoch seine Frau und seinen Sohn kaltblütig ermordet hat. Das Motiv für die Tat bleibt aber weiterhin unklar.

Einen Tag später verkündet der Richter das Strafmaß. Alex Murdoch wird zu zwei aufeinanderfolgenden lebenslangen Haftstrafen ohne die Möglichkeit einer Bewährung verurteilt. Seine eingereichte Berufung wird im Januar 2024 verworfen. Das Urteil gegen seinen Vater ist für Sohn Basta ein schwerer Schlag. Eine Quelle, die während der Urteilsverkündung im Gerichtsgebäude anwesend war, sagt der New York Post, Basta hielt sich ziemlich gut, bis die Kameras vor ihm wegschwenkten. Dann brach er zusammen. Er weinte unkontrolliert. Sein Onkel brachte ihn schließlich zum Auto. Am 1. April 2024 wird er zudem von einem Bundesgericht wegen Finanzbetrugs zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem muss er 8,7 Millionen Dollar Entschädigung an seine Opfer zahlen. Ob er das Geld aufbringen kann, ist mehr als ungewiss.

Durch seine Prozesse musste er sein riesiges Anwesen mit 2 Millionen Dollar beleihen. Unmittelbar nach dem Schuldspruch verkauft es Sohn Buster im März 2023 für 3,9 Millionen Dollar.

Möglicherweise wird der Prozess aber doch noch einmal neu aufgerollt. Denn am 14. Mai 2025, also erst kürzlich, da wird die Gerichtsschreiberin in dem Prozess gegen Alex Murdoch verhaftet. Ihr wird nämlich Behinderung der Justiz vorgeworfen. Sie soll versiegelte Beweismittelfotos weitergegeben haben, die die Rechtspfleger während des Prozesses gegen Alex Murdoch behindert und erschwert haben soll, heißt es in dem Haftbefehl. Falls es also zu einem neuen Prozess mit einem anschließenden Freispruch kommen sollte, dann wäre Alex Murdoch trotzdem kein freier Mann. Er muss ja auch noch die 40 Jahre wegen des Finanzbetrugs absitzen. Die Urteile sind zwar gesprochen, was aber immer noch nicht geklärt ist, ist, was Alex Murdoch mit den vielen Millionen gemacht hat. Darüber kann nur spekuliert werden. Eine mögliche Erklärung ist, dass sein Lifestyle einfach zu teuer war. Riesiges Grundstück, Ferienhaus, Flugzeug, Boot, viele Autos, Angestellte. Dazu noch die beiden Kinder, die das Geld mit Partys und in Casinos verjubeln. Außerdem hat er wegen seiner Drogenabhängigkeit in den letzten Jahren als Anwalt kaum mehr etwas verdient. Er konnte nicht mehr so viele Fälle wie früher übernehmen. Falls der mittlerweile 57-Jährige Alex Murdoch nicht doch noch sein Schweigen bricht, dann werden wir leider wohl nie erfahren, warum er seine Frau und seinen Sohn erschossen hat und was er mit dem ganzen Geld angestellt hat.

Die Eltern von Mallory Beach, der jungen Frau, die bei dem Bootsunglück ertrunken ist, haben übrigens Klage gegen Buster Murdoch eingereicht, weil er seinem Bruder seinen Ausweis zum Alkoholverkauf überlassen hat, meldet The Island Packet.

Im Januar 2023 einigt sich Familie Murdoch auf einen außergerichtlichen Vergleich mit Familie Beach. Der Anwalt der Familie Beach sagt, der lokalen Nachrichtenseite WTOC dass die Beaches 700.000 Dollar erhalten sollen. Buster muss sich wegen der Klage also nicht vor Gericht verantworten. Knapp acht Jahre nach dem Tod von Stephen Smith wird im März 2023 übrigens seine Leiche exhumiert und eine zweite Autopsie durchgeführt. Das war ja der junge Mann, der tot auf der Landstraße gefunden wurde. Der Fall bleibt mysteriös, denn der Pathologe kommt zu dem Schluss, dass Steven durch ein einziges schweres Trauma an seinem Vorderkopf gestorben ist, das von einem Auto verursacht wurde. Dabei muss er auf der gelben Mittellinie der Straße gekniet und dem Auto zugewandt gewesen sein. Er hat also mit Sicherheit das Auto kommen sehen. Die Ermittler bewerten nach der zweiten Autopsie den Fall nochmal neu. Anstatt von einem Unfall mit Fahrerflucht gehen sie jetzt von einem Mordfall aus. Die Rolle von Buster Murdoch in dem Fall bleibt unklar. Ob gegen ihn ermittelt wird, das steht aktuell noch nicht fest.

Buster Murdoch hat Verleumdungsklage gegen Netflix und zwei andere Medienunternehmen eingereicht, da sie ihn seiner Meinung nach in ihrem TV-Dokus als den Mörder von Stephen Smith hinstellen. Im März 2024 gibt Buster folgende Erklärung ab und ich zitiere. Diese unbegründeten Gerüchte über meine Beteiligung an Stephen und seinem Tod sind falsch. Ich bestreite jegliche Beteiligung an seinem Tod entschieden und mein tiefstes Mitgefühl gilt der Familie Smith. Aktuell werden diese Klagen vor Gericht behandelt. Buster Murdoch ist nach der Familientragödie aus Hampton weggezogen. Er lebt jetzt in der rund 100 Kilometer entfernten kleinen Stadt Hilton Head Island in South Carolina mit seiner Frau, der Anwältin Brooklyn White. Er studiert zunächst an der Juristischen Fakultät der University of South Carolina. Dort wurde er im Jahr 2021 aber wegen Plagiatsvorwürfen rausgeschmissen.

Seitdem ruht sein Jurastudium. Die Familienkanzlei hat sich mittlerweile in Parker Law Group umbenannt und den Namen Murdoch nach 113 Jahren gestrichen. Der bis vor kurzem noch so schillernde und einflussreiche Name ist zur Belastung geworden. Randy Murdoch ist dort allerdings noch immer als Anwalt tätig.

Erstmal durchatmen. Man weiß gar nicht genau, wo man hier eigentlich ansetzen soll, finde ich. Nee, und man hat vor allem das Gefühl, dass alle irgendwie von Grund auf schon was nicht stimmt. Dass ihnen das vielleicht auch beigebracht, vielleicht epigenetisch übertragen wurde, aber mit allen ist irgendwas Ambivalentes. Ja, alle haben irgendwie so ein bisschen Dreck am Stecken. Und ich finde es so krass, dass diese Familie seit Generationen so viel Macht ausübt, dass die quasi das Gesetz vor Ort sind. Und ich meine klar, wenn man Kontakte hat und helfen kann, Dinge vorantreiben kann, schneller machen kann, warum sollte man sie nicht nutzen? Das verstehe ich schon, das würde wahrscheinlich jeder tun, aber die stellen sich ja übers Gesetz. Also obwohl jemand da eine richtig krasse Sache gemacht hat.

Kickt man den da irgendwie mit seinen Kontakten raus und ich finde, dann hört es halt auf. Dann ist es Machtmissbrauch, ganz klassisch. Und ich finde es auch total verrückt, dass beide Söhne eines Mordes beschuldigt werden. Das ist doch auch, also das ist ja, da fehlen mir sogar die Worte, weil ich gar nicht weiß, wie ich das beschreiben soll. So krass finde ich das. Es ist auch krass und es sind auch so viele Fragen, weil eine, vielleicht ist die gar nicht so groß, die Frage, aber ich habe mich auch gefragt, wer auch immer auf Maggie und Paul geschossen hat, warum wurden da zwei verschiedene Waffen benutzt? Ja, stimmt, ja. Das wird ja auch nicht aufgeklärt. Also es ist erstaunlich, wie wir es ja so oft beim Schatten der Macht haben, dass die Leute total schillern und im Vordergrund stehen. Und ebenso groß wie dieses Licht, das sie da ausstrahlen, ist anscheinend auch das Dunkle das Direkte.

Hinter ihnen steht. Ja, und obwohl ja bis heute nicht so richtig klar ist, ob Alex Murdoch die beiden jetzt wirklich erschossen hat oder nicht, denn er hat ja bis heute nicht gestanden, hat er ja auf jeden Fall seine Mandanten bestohlen und hat auf jeden Fall seinen eigenen Tod herbeigesehen, damit sein noch lebender Sohn Geld bekommt. Also so ein paar Sachen kann man ihm ja nachweisen. Und was da auch ja wahrscheinlich diese Macht mit ihm gemacht hat, also Macht gemacht hat, ja, im wahrsten Sinne, dass er wahrscheinlich gedacht hat, ey, ich kann hier alles. Ich bin Murdoch, ich bastle mir das jetzt so zurecht, wie ich das möchte. Also die Macht hat ihn ja im Grunde verrückt gemacht. Wenn er wirklich Frau und Sohn umgebracht hat, dann, ja, ich finde, das klingt alles immer so toll. So reiche Familie, die haben tolle Grundstücke, Autos, wow, wie toll. Aber wenn man jetzt so Geschichten wie diese hört, dann denke ich mir, nee, dann möchte ich kein Geld. Aber ich möchte mit wenig glücklich sein, weil ich glaube, das wäre ich dann mehr als so in dieser Familienhistorie, wo jeder, der den Bezirksstaatsanwalt stellt und macht und Geld ist bestimmt toll. Aber ja, wie ihr gehört habt, klingt das alles eben nicht nach Friede, Freude, Eierkuchen innerhalb dieser Familie. Mich hat das auch so, ich date mich mal kurz, ich glaube es war Ende 80er, 90er, ich war ein Kind.

Kennst du noch Denver Clan oder Dallas oder so? Du bist wahrscheinlich zu jung. Vom Namen, aber ich habe es nie gesehen. Aber vom Namen her kennst du es. Aber das sind eben auch so Südstaatenfamilien, die auch durch und durch korrupt sind. Und wo, glaube ich auch, ich habe es nicht so verfolgt, aber wo, glaube ich, auch richtig schlimme Verbrechen passiert. Und daran hat es mich so ein bisschen erinnert, dass die Leute so mächtig sind, dass sie glauben, ihnen kann nichts mehr passieren. Ja, das haben die gedacht, oder? Das finde ich kommt auch so rüber an dem heutigen Fall. Und wir sind natürlich wie nach jeder Folge total gespannt, was ihr darüber denkt. Was waren so eure Gedanken? Kanntet ihr die Geschichte überhaupt? Und glaubt ihr, dass Alex Murdoch möglicherweise vielleicht doch unschuldig am Tod seiner Frau und seines Sohnes ist? Und ist der noch lebende Sohn Buster Murdoch für den Tod von Stephen Smith verantwortlich? Er sagt ja nein und hat ja auch sogar Netflix verklagt. Also ja, schreibt uns gerne eure Gedanken, gerne hier bei Spotify in die Kommentare oder auch bei Instagram. Da heißen wir im Schatten der Macht. Da könnt ihr uns auch sehr gerne folgen, wie auf allen anderen Plattformen, wo ihr unseren Podcast hört. Auch Apple Podcast, Amazon Music, Podimo, was es da alles so gibt. Da freuen wir uns sehr drüber.

Und dann, wenn ihr mögt, könnt ihr gerne nächsten Donnerstag wieder einschalten, denn da haben wir eine neue Folge von Im Schatten der Macht für euch. Das war's von uns. Ich bin Ricardia. Und ich bin Anne. Danke an unser Team von Open Minds Media. Executive Producer Rüdiger Barth. Konzeption Peter Grewe, Rüdiger Barth und Manfred Neumann. Autor Stefan Weber. Producer Ricardia Bremley. Den Schnitt machte Lilli Johansson.

Zusätzliche Unterstützung von Falko Schulte. Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!