Die Geschichte, die wir euch heute erzählen, die würde vermutlich in der heutigen Zeit so nicht mehr passieren. Dazu ist im öffentlichen Bewusstsein einfach zu viel passiert. Zum Glück, muss man ja fast sagen. Am dramatischen Tiefpunkt dieser Krise, um die es heute geht, spricht eine Frau mit einer weltbekannten Stimme 24 Minuten lang vor Gericht in einer Videobotschaft. Darin klagt sie über ein richtiges Martyrium. Sie dürfte nicht über ihr Geld verfügen, dürfe keine Kinder bekommen und werde gezwungen, starke Medikamente zu nehmen. Was hier schon fast wie eine Geiselname klingt, ist die Geschichte einer unfassbar berühmten Frau. Ihr Ruhm wird ihr zum Gefängnis, man raubt ihr die Freiheit und ihr Vermögen. Es geht um eine Sängerin, die vor den Augen der Welt zum Kinderstar, zur Popprinzessin und dann zu einer Art Gefangenen wird. und die mehr als ein Jahrzehnt lang darum kämpft, über sich und ihr Leben entscheiden zu dürfen.

Es geht natürlich um, wie ihr sicherlich aber auch schon im Titel dieser Folge gesehen habt, Britney Spears. Ja, auch ihre Geschichte passt thematisch hier in unseren Podcast. Denn wenn man sich die zahlreichen Dokumentationen anschaut und auch Artikel über die heute 43-Jährige liest, dann ist man echt hin- und hergerissen zwischen Mitgefühl für sie und Hochachtung vor ihr. Was diese Frau durchmacht, die uns die größten Hits wie Oops, I Did It Again geschenkt hat, ist wirklich krass. Britney Spears häuft im Laufe ihrer Karriere ein Mega-Vermögen von fast 60 Millionen Dollar an. Aber sie wird wie eine Marionette behandelt. Denn die Strippen ihres Lebens, die ziehen im Hintergrund andere. Wir werden sehen, wie sogar noch zur Zeit der 2000er eine Frau, in Anführungszeichen, zu sein hatte. Für manche von uns wirkt dieses Frauenbild vielleicht überholt. Aber ist es das wirklich? Das entscheidet ihr.

Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Im Schatten der Macht. Mein Name ist Anne Luckmann. Und ich bin Riccardia Bramley. So merkwürdig das klingt, auf diesen Fall haben wir uns richtig gefreut, ne Anne? Ja. Denn mehr Licht und Schatten als bei Britney gibt es ja eigentlich fast nicht. Und deshalb wollen wir ihre Geschichte erzählen. Ja, denn diese Geschichte hat uns beide so richtig gepackt. Denn Britney Spears Geschichte passt leider, muss man ja fast schon sagen, sehr gut in diesen Podcast. Ihr Aufstieg und der Absturz fallen in eine Zeit, in der mentale Probleme und Sexismus noch ganz anders angegangen werden als heute. Nämlich gar nicht. Oder sie werden als Preis für den Fame einfach hingenommen. Sie kämpft buchstäblich um ihr eigenes Geld, ihre Selbstbestimmung und ihr Leben. Wie sie das macht und warum ausgerechnet ihre riesige Fanbase ihr hilft, sich zu befreien, das erzählen wir euch jetzt mal ein bisschen genauer. Und um das alles zu begreifen, muss man tief in Britneys Kindheit eintauchen, denn ihre Karriere startet schon extrem früh. Tragischerweise begleiten sie die Menschen, die sie nachher einengen, schon ab Sekunde Nummer 1.

Britneys Kindheit ist die klassische Geschichte vom Provinzmädchen, das in der großen, glitzernden Showwelt zum Star werden will. Am 2. Dezember 1981 wird sie im Städtchen Kentwood im US-Bundesstaat Louisiana geboren.

Britney hat noch einen Bruder und eine kleine Schwester. Und dieses Fleckchen der Staaten kennt ihr bereits aus einem anderen Fall von uns, nämlich Fall 13, dem Mord an Martin Luther King. Der sogenannte Bible Belt, der ist eine Gegend, die sich im Süden der USA über mehrere Bundesstaaten erstreckt. Dazu gehören Teile von Texas, Kansas und Virginia. Und hier spielt Religion eine riesige Rolle. Nicht falsch verstehen, Religion ist für viele Menschen bereichernd und positiv. Hier ist sie aber eben besonders wichtig.

Die Ehe von Britneys Eltern, die heißen Jamie und Lynn, die kriselt nämlich schon sehr, als sie zur Welt kommt. Sechs Jahre vor Britneys Geburt, also 1975, da heiraten die beiden. Fünf Jahre später reicht Mutter Lynn dann die Scheidung ein, zieht den Antrag aber wieder zurück. Es gibt sogar kurz eine einstweilige Verfügung gegen den Ehemann. In ihrer Biografie schreibt Britneys Mutter, es gehe dabei um Alkoholmissbrauch und Gewalt. Der Stern schreibt etwas herzlos, eine schrecklich dysfunktionale Familie. Doch das scheinen sie wirklich zu sein. Es gibt in Amerika einen sehr harten Begriff für diese weiße, untere Mittelschicht. White Trash, also frei übersetzt weißer Abfall. Wie gesagt, das ist natürlich nicht unsere Bezeichnung und echt mega abwertend. Damit meinen die Amerikaner vor allem Menschen mit einem niedrigen Bildungsgrad und wenig Geld. Zu dieser Schicht wird auch Britneys Familie gezählt.

Der einzige Ausweg aus dieser Misere scheint das talentierte mittlere Kind Britney zu sein. Schon früh singt und tanzt sie, wann und wo immer sie kann. Ihre Mutter erkennt und fördert das Talent ihrer Tochter und fährt mit ihr durchs ganze Land zu Gesangswettbewerben und Castings. Sie kriegt sogar Gesangsunterricht bezahlt. Und das ist teuer. Die Mutter betreibt eine Kindertagesstätte. Der Vater arbeitet immer mal wieder auf dem Bau. In anderen Artikeln heißt es allerdings, sie seien Lehrerin und Bauunternehmer. Aber das Geld, das ist wohl immer ein bisschen knapp.

Der Vater scheint sich zu diesem Zeitpunkt aus der Talentförderung seiner Tochter weitgehend rauszuhalten. In der gefeierten Doku der New York Times, Framing Britney Spears, erinnert sich die Managerin Kim Kamen, er habe mal zu ihr gesagt, ich zitiere, meine Tochter wird so reich sein, dass sie mir ein Boot kaufen wird. Okay, er scheint sich also eher zurückzuhalten, was die Karriereplanung von Britney angeht. Umso erstaunlicher ist es, dass er später so aktiv wird. Aber dazu kommen wir noch. Die Eltern lassen sich 2002 übrigens wieder scheiden, kommen aber acht Jahre später wieder zusammen und sind jetzt aktuell wieder getrennt. Was aber stetig bleibt, ist, dass die kleine Brittany super singen und tanzen kann. Sie liebt es aufzutreten. Und das verspricht lukrativ zu werden. Man weiß immer nicht, ob die ehrgeizigen Eltern die Kinder in diese Richtung pushen Oder ob die Kinder das wirklich selbst wollen? Kann ein Kind mit acht, neun oder zehn Jahren das überhaupt selbst überblicken? Es gibt übrigens einen Begriff für solche Eltern, für die Mütter zumindest. Sie heißen Hollywood Moms, weil sie ihre Kinder kontinuierlich zum Fame drängen. Für Väter gibt es offenbar keinen. Ist auch interessant.

Sobald Mutter Lynn mit Britney bei den Talentshows ist, da verzaubert das kleine blonde Mädchen mit den riesigen Rehaugen alle. Und so wird auch Disney irgendwann auf sie aufmerksam und nimmt Britney unter Vertrag. Ja, und ab 1992 kommt sie durch die Kindersendung Mickey Mouse Club groß raus. Übrigens genau wie Christina Aguilera und Ryan Gosling. Britney bedient mit ihrem süßen Aussehen das Kindchenschema und die Leute lieben sie.

Ende der 90er Jahre nimmt sie dann ihr erstes Album auf. Und das kennt ihr sicher alle, denn es ist The Baby One More Time. Und Britney ist zu diesem Zeitpunkt gerade erst mal 17 Jahre alt. Eigentlich hat sie eine schöne, tiefe Jazzstimme. Aber ihre Stimmencoach, vermutlich befeuert von der Plattenfirma, die entscheiden, Britney, du singst mit Babystimme, denn das wollen die Leute. Und hier beim Mickey Mouse Club lernt Britney als Teenagerin den Mann kennen, der die nächsten Jahre lang ihr Freund sein wird. Er ist heute einer der größten Popstars der Welt. Oder er war es zumindest mal. Er gilt als braver Saubermann und Familienvater, von ein paar Ausreißern mal abgesehen. Viele Britney-Fans werfen ihm vor, dass er seine Karriere auf dieser Beziehung aufgebaut hat. Sein Name ist Justin Timberlake. Auch er gilt als gut aussehend, kann super singen und tanzen und weiß offenbar, wie man im Leben vorwärtskommt.

Britney und Justin sind Ende der 90er Jahre also die Teenie-Idole. Sie als Popprinzessin und er als Teil der Boyband NSYNC. Die beiden haben also zusammen Millionen Fans und sie werden von der halben Welt gefeiert. Beim Video von One More Time mit Britney in Schuluniformen, da drehen Millionen Männer durch. Und jetzt datet also die Popprinzessin den Popprinzen Justin Timberlake. Bei den American Music Awards 2001, da legen die beiden auch mit ihrem Iconic Double Denim Outfit so einen grandiosen Auftritt hin, dass es das heute noch als Halloween- oder Karnevalskostüm gibt. Und alle wollen alles über diese Beziehung wissen. Die Boulevardpresse ist damals schon richtig eisenhart und heute ist das ja teilweise nicht unbedingt anders. Alles, wirklich alles wird bewertet. Wie jemand guckt, was er oder sie anhat, ob er abgenommen hat, ob seine Pupillen geweitet sind. Und damals um die Jahrtausendwende, da betrifft diese Gier nach schlechten News fast nur Frauen. Jede Zellulite, jeder Vollrausch, jeder Seitensprung, Akne, fettige Haare, ein paar Kilos mehr. Alles wird kommentiert und bewertet.

Begriffe wie Bodyshaming, die werden da ja noch gar nicht verwendet. Britney selbst schreibt in ihrer Biografie The Woman and Me, ich zitiere mal einen kleinen Absatz, die Zeitschriften schienen nichts mehr zu lieben als ein Foto, das sie unter der Überschrift Britney Spears ist fett geworden und sie trägt kein Make-up veröffentlichen konnten. Und als wären diese beiden Dinge eine Art Sünder, als hätte ich sie persönlich beleidigt, ein Verrat begangen, in dem ich zugenommen habe. Und natürlich ist auch ihr Liebesleben ein Riesenthema. Damals wie teilweise auch heute noch bestimmen die Managements stark, welches Image so ein Star hat. Und Britneys Image ist eben Unschuld vom Land mit einem verruchten Touch.

Vielleicht erinnern sich ein paar von euch ja noch an einen ganz besonderen Auftritt bei den MTV Video Music Awards im Jahr 2003. Da küsst Madonna nämlich auf der Bühne erst Britney Spears und dann Christina Aguilera. Die Öffentlichkeit rastet damals richtig aus, wie die drei das denn nur bitte machen konnten. Es ist diese Mischung aus lasziv und unschuldig, die viele bei Britney so aufregend finden. Britney selbst sagt ein paar Mal in Interviews, sie wolle keinen Sex vor der Ehe. Naja, und mit ihrem religiösen Background kauft man ihr das auch ab. Und wir dürfen nicht vergessen, die USA, die sind ja immer noch unglaublich Brüder.

Britney und Justin sind das Traumpaar und gleichzeitig die Projektion ihrer Fans. Ganz schön viel Druck für zwei junge Menschen, die sich selbst einmal finden müssen. Immerhin drei Jahre hält ihre Beziehung an, bis 2002. Da macht Justin Timberlake angeblich mit Britney Schluss. Per SMS. Und angeblich auch, weil sie ihn betrogen hat. Für die Fans bricht eine Welt zusammen. In den Medien wird per Schlagzeile die Schuld immer bei Britney gesucht. Nochmal kurz zum Mitschreiben. Er macht per SMS Schluss und sie ist der Sündenbock für die Fans. Und jetzt drehen die Medien total durch. Für alle scheint nämlich klar zu sein, dass die unschuldige Britney jetzt ein böses Mädchen ist. Der Stern schreibt über ihren jetzt folgenden Absturz. vom All-American-Girl zum Psychowrack und zitiert einen üblen Satz aus der Doku, den ein Paparazzi in die Kamera sagt, nämlich.

Es hat also gar niemand Interesse daran, dass Britney und Justin schnell zur Normalität zurückkehren oder heilen. Stattdessen wird immer neues Öl ins Feuer gegossen und vor allem gemeine Schlagzeilen über sie verkaufen sich gut. Da ist sie leider kein Ausnahmefall, eventuell auch heute nicht. Britney verschanzt sich jetzt erstmal bei ihrer Familie in Louisiana. Später werden wir noch sehen, dass das auch kein echter Schutz ist. Und Justin Timberlake? Der leckt sich öffentlich die Wunden, wird bemitleidet und macht sein Leid zu Geld. Denn er schreibt den Liebeskommasong Cry Me Your River und deutet in Talkshows an, dass ihm Unrecht getan wurde, dass er betrogen wurde. Journalistin Barbara Walters fragt ihn mal, ob Britney und er wirklich keinen Sex vor der Ehe hatten, wie sie das angekündigt hatten. Und da antwortet er mit einem Lachen und einem ironischen, sicher.

Brittany schreibt in ihrer Biografie selbst über dieses Zitat. Und jetzt zitiere ich sie nochmal. In den Medien wurde ich als Schlampe beschrieben, die Amerikas Goldjungen das Herz gebrochen hatte. Die Wahrheit? Ich hing wie betäubt in Louisiana fest, während er glücklich durch Hollywood tingelte. In einem Interview mit der Radiostation Hot 97 bieten die Moderatoren Justin Timberlake an, seinen Song Like I Love You in der Woche 30 Mal zu spielen, wenn er ein Sexgeständnis ablegt. Man sollte denken, dass solche Infos im Privaten bleiben. Aber nein, Justin gibt tatsächlich in aller Öffentlichkeit zu, ich zitiere, ja, ich hatte Oralsex mit Britney. Er hat seinen Hit, sie kriegt wieder den Shitstorm. Kritiker behaupten, dass er in den nächsten Jahren immer wieder versucht, aus der doch sehr schlagzeilenträchtigen Trennung Profit zu schlagen oder zumindest Aufmerksamkeit zu bekommen. Nicht vergessen ist auch der Auftritt 2004. Da tritt er nämlich mit Janet Jackson beim Superbowl auf. Und viele erinnern sich vielleicht an Nipplegate, wie es genannt wurde, als ihr nämlich scheinbar unabsichtlich das Top verrutscht und eine Brustwarze zu sehen ist. Justin schreibt Songtexte, wie 2006 den Song What Goes Around Comes Around, die von ihr und ihrem angeblich schlechten Benehmen handelt.

Es sind die frühen 2000er. Es gibt keinen Beweis dafür, aber für viele wirkt das aus heutiger Sicht so, als gäbe es für Frauen nur eine Option. Sei ein liebes Mädchen und tu, was man dir sagt. Sonst kriegst du deine Strafe und zwar von allen Seiten. Das kennen wir schon aus unserem Monica Lewinsky Fall, wenn ihr mal reinhören wollt. Und Britney, die ja nie ein normales Sozialleben gelernt hat, weil sie seit frühester Kindheit fremdbestimmt agiert, die verzweifelt an den mächtigen Medien und den Schlagzeilen. Sie schreibt in ihrer Biografie, ich zitiere nochmal, Darf ich ihr einfach mal sagen, dass Justin auf seinem brisanten Album und während des ganzen Medienrummels darum völlig vergessen hat zu erwähnen, wie oft er mich betrogen hat? Ich glaube nicht, dass Justin klar war, welche Macht er besaß, mich zu entgegenzulassen. Wir wollen die Geschichte in unserem Podcast natürlich versuchen, neutral zu erzählen. Daher finde ich das jetzt wichtig, an der Stelle zu sagen, dass wir mit Britneys eigener Biografie hier gerade natürlich nur die eine Seite kennen und zitieren. Wie die Trennung zwischen den beiden wirklich abgelaufen ist, das wissen ja letztendlich nur die zwei. Das stimmt und zum Glück machen aber auch weibliche Stars heute aus ihrem Liebeskummer Millionen und haben die Deutungshoheit über ihr Liebesleben. Allen voran natürlich Taylor Swift, aber zum Beispiel auch Adele.

Klar gibt's immer noch Versuche, der Paparazzi Britney mit Augenring oder unvorteilhafter Kleidung abzuschießen. Aber die Rolle des Sündenbocks haben jetzt öfter auch mal die Männer. Aktuell wird ja der Absturz von einem anderen Justin, nämlich Justin Bieber, sehr genau verfolgt. Aber schön sind diese Storys so oder so nicht.

Irgendwie auch erstaunlich, dass Britney erst von der Öffentlichkeit, von den Medien so sexualisiert wurde und jetzt wird sie ja quasi dafür bestraft. Fairerweise muss man auch dazu sagen, dass Justin Timberlake sich später auf Instagram bei Britney entschuldigt hat. So schreibt es die Berliner Zeitung und auch öffentlich Partei für Britney ergreift.

Britney ist zu Beginn des Jahrtausends Anfang 20 und hatte schon den ersten Zusammenprall mit einer mächtigen Medienmaschinerie, die damals vor allem Männer als Helden feiert. Und jetzt stolpert sie erstmal so ein bisschen durchs Leben. Bei einem Partyausflug mit Freunden nach Las Vegas, da heiratet sie beispielsweise einen Freund aus der Jugend, Jason Alexander. Spontan und betrunken. Die Ehe wird ganze 55 Stunden später wieder annulliert. Er wird aber später in einem bizarren Auftritt nochmal vorkommen.

Ehe Nummer 1 ist also Geschichte, die Beziehung mit Justin Timberlake auch. Aber durch ihn lernt Britney 2004, also zwei Jahre nach der Trennung, den Mann kennen, der eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielen wird, nämlich Kevin Federline. Der 1,83 große Kalifornier wird auch K-Fat genannt und war lange Tänzer bei Justin Timberlake. Zum People Magazine sagt er, er habe Britney im Josephs, einem Club in Hollywood, getroffen. Und jetzt zitiere ich nochmal. Unsere Augen trafen sich und das war's. Wir verstanden uns auf Anhieb. Tja, manchmal gibt's ja so eine Art Liebesblitz vielleicht auch. Und bei den beiden scheint es genau so zu sein. Er wird dann auch Tänzer bei ihr und es dauert keine drei Wochen. da heiratet Brittany ihm. Sie ist da gerade mal 22 und er 26. Nur ein knappes Jahr später wird auch schon der erste Sohn, Sean Preston, geboren. Im Jahr danach der zweite Sohn, Jaden James.

Und diese Beziehung ist vermutlich auch sehr turbulent. Man muss ja verstehen, dass Britney erstmal immer noch sehr jung ist. Sie war noch nie so richtig auf sich alleine gestellt. Sie ist weltbekannt, hat schon einen riesigen Shitstorm hinter sich und soll jetzt als Ehefrau und Mutter wissen, was zu tun ist. Nur acht Wochen nach der Geburt des zweiten Sohnes reicht Britney Spears die Scheidung ein. Drei Jahre hat die Ehe nur gehalten. Der Grund?

Unüberbrückbare Differenzen. Sie und ihr Ex-Mann wollen sich das Sorgerecht teilen. Aber wie einige von euch vielleicht schon wissen, wird das Familienleben in schwere Turbulenzen geraten. Denn Britney, die ja nie Zeit hat, bisher erlebt es in Ruhe aufzuarbeiten, erlebt jetzt einen echten Meltdown. Und das ja immer alles vor den Augen der Welt. Alle wollen ständig noch wissen, wo geht sie hin, was macht sie, wie ist sie als Mutter, wie sieht sie aus. Es gibt praktisch nicht einen Moment in ihrem Leben, bei dem sie nicht von unzähligen Fotografen bedrängt wird, sobald sie das Haus verlässt. Ja, die Paparazzi, und in Hollywood ist das eine ganz harte Zunft, die knipsen ja nicht nur, die kommen richtig nah an sie ran und an die Kinder und rufen unverschämte Fragen. Britney wird zur Gejagten.

Einmal bedrängen die Paparazzi sie so sehr, dass sie sich laut today.com panisch ihren kleinen Sohn Sean Preston im Auto auf den Schoß setzt und davonfährt. Sie scheint sich also so schnell wohl nicht anders zu helfen zu wissen. Britney wird gedacht haben, jetzt das Kind hinten reinsetzen, anschnallen, ums Auto rumgehen, während die mich bedrängen, das packe ich nicht. Also fährt sie mit dem ungesicherten Kind auf dem Schoß los. Und zack, kommt der ultimative Takedown. Schlimmer geht es für eine frischgebackene Mutter fast nicht. Da brauchst du ja eigentlich nur runterzählen, bis es im Raum steht. So auch bei Britney. Sie wird als schlechte Mutter abgestempelt, weil sie ihr Kind beim Fahren gefährdet. Bis heute stand übrigens nie einer der ganzen Chefredakteure oder Verlegern für diese fiesen Schlagzeilen vor Gericht.

Es ist ja auch immer so, dass Britney laut und deutlich Richtung Kameras bittet, lasst mich in Ruhe. Aber die Branche ist gnadenlos. Für so ein Absturzfoto können Fotografen sechsstellige Beträge aufrufen. Also wird nicht lange gefackelt und schon ist das Foto im Umlauf. Ja, es ist eine richtige Hetzjagd. 2007 kann Britney dann nicht mehr. Eine lange Reihe von Alkohol-, Drogenentzügen, Gerichtsverhandlungen um Sorge- und Besuchsrecht und psychiatrische Aufenthalte in Kliniken folgen. Und dann kommt der Februar 2007.

Diesen Moment habt ihr sicher alle mitbekommen, da bin ich mir sehr sicher. Britney läuft, verfolgt von den Paparazzi, in Los Angeles in einen Friseurladen und will alle Haare abrasiert haben. Und als der Friseur verneint, da greift Britney kurzerhand selbst zum Rasierer. Irgendwie ist es vielleicht auch einfach nur eine Befreiungsaktion und sie schert sich die Haare selbst ab. Es klingt so radikal, aber man kann es fast schon verstehen. Ja, das ist hier eine echte Radikalabkehr von ihrem Iconic Girly Look, nenne ich ihn mal, den sie bisher hatte. Aber es geht sogar noch weiter.

Britney lässt sich in dieser Breakdown-Nacht auch noch tätowieren. Von draußen filmen und fotografieren die Presseleute durchs Schaufenster. Und drinnen sieht man Britney liegend. Diese Bilder gehen natürlich auch sofort um die Welt. Übrigens auch das Video, in dem sie mit einem Schirm auf das Autodach eines Paparazzos einschlägt. Und alle fragen sich damals, ob Britney jetzt völlig durchdreht. Damals gibt es sowas wie ein Bewusstsein für Mental Health noch gar nicht. Und so denken sich die Paparazzi wohl, bingo, ein Popstar rastet aus und wir dürfen dabei sein. Da klingeln die Kassen sozusagen. Die Macht der Boulevardpresse ist nahezu unbegrenzt. Das Internet und vor allem ja Social Media sind damals noch gar nicht auf dem Stand von heute. Also ist es immer dieselbe Traube von Fotografen, die Britney quasi 24-7 verfolgen. Die ersten großen US-Blogger wie Perez Hilton, die heften sich an die Fersen der Promis. Der Spiegel nennt sie die Großbildjäger. Nur, dass es sich nicht um Hochglanzbilder auf dem Red Carpet handelt, sondern um beispielsweise Absturzbilder einer jungen Mutter am Tiefpunkt ihres Lebens.

Britneys Zusammenbruch lässt sich eigentlich an drei Eskalationsstufen festmachen. Erst lässt sie sich die Glatze scheren, dann das Tattoo stechen und dann folgt eine Aktion, die für Sie und Ihre Kinder traumatisch wird. Sowas vergisst man ein Leben lang nicht, egal aus welcher Perspektive.

Hier müssen wir nochmal die Rolle von zwei Menschen beleuchten, die eine katastrophale Rolle im Leben von Britney Spears spielen. Ihre dominante Managerin Lou Taylor und ihr Kurzzeitmanager Sam Latvey, gegen den sie später eine einstweilige Verfügung erwirkt, weil er ihr Geld zum Fenster rauswirft, die Paparazzi informiert, wo sie wann ist und ihr angeblich sogar Drogen verabreicht. Man kann nur vermuten, dass keiner dieser beiden Britneys Wohl im Sinn hat, sondern wahrscheinlich eher Dollarzeichen in den Augen.

Britneys Söhne sind nach diesen Vorfällen bei ihrem Vater Kevin Federline. Die Kinder sind zu diesem Zeitpunkt erst knapp zwei und drei Jahre alt, also noch sehr klein. Im Januar 2008 kommt dann der nächste Tief- und Wendepunkt. Ihre beiden Söhne dürfen Britney nur für ein paar Stunden besuchen. Als die Security ihres Ex-Mannes die beiden wieder abholen will, Da verschanzt sie sich mehr als zwei Stunden lang mit den beiden in ihrem Haus am Mulholland Drive. Und draußen gehen die Fotografen richtig ab, als mehrere Polizeiwagen, Krankenwagen und Feuerwehrforshaus in Beverly Hills angerast kommen. Niemand weiß, was da jetzt abgeht. Sind die Kleinen in Gefahr? Tut Britney sich oder ihnen vielleicht sogar was an? Deswegen verschafft sich die Polizei Zugang zu Britneys Haus. Die ganze Welt wird live Zeuge, wie Britney Spears festgeschnallt auf einer Trage, begleitet von einem Dutzend Polizisten, unter Blaulicht aus dem Haus getragen wird, die Augen erschrocken aufgerissen. Helikopter kreisen über dem Haus und TV-Übertragungswagen rücken an.

Über Britneys Krise werden dann auch noch Witze gemacht. In einer US-Quiz-Show wird die Frage gestellt, was hat Britney Spears in diesem Jahr alles verloren? Ihre Kinder? Ihre Karriere? Ihre Haare? Es ist einfach so zynisch. Kevin Federline bekommt das alleinige Sorgerecht für die Jungs und Britney hat nur noch ein Besuchsrecht. Und für sie ist das Trauma noch lange nicht vorbei. Ein noch längeres, düsteres Kapitel beginnt jetzt. Denn ihr Vater beantragt vor Gericht, dass er Britneys Vormund werden will. Zunächst vorläufig, später sogar dauerhaft. Und das ist wohl die größte Katastrophe im Leben von Britney Spears. Denn, was erstmal so fürsorglich klingt, das ist im Grunde eine Geiselhaft. Anders kann man es nicht nennen. Eigentlich wird sowas nur bei geistig eingeschränkten Personen und älteren Menschen gemacht, die nicht mehr als geschäftstüchtig gelten. Aber Britney Spears wird dieser Zustand ganze 13 Jahre andauern. Ja, und in diesen 13 Jahren ist sie gleichzeitig eine Gefangene und Geldmaschine. Britney darf nicht heiraten, keine Kinder mehr bekommen, wird gezwungen, eine Spirale zu tragen und muss starke Medikamente nehmen, die teilweise sogar bei der Behandlung von bipolaren Störungen eingesetzt werden.

Dann wird es etwas leiser um Britney. Vielleicht atmet die Welt irgendwie auf, denn jemand scheint sich um Britney zu kümmern. Alles wird gut, denken sich damals viele. Aber es wird eben nicht wieder gut. Denn die Medikamente, die sollen wohl vor allem dafür sorgen, dass sie auftreten kann. Denn Britney ist nach wie vor ein gefeierter Weltstar und es lässt sich ja weiterhin Geld mit ihr verdienen. Das wird später noch ein wichtiger Punkt vor Gericht. Wie kann jemand für unmündig erklärt werden, der jeden Abend auf der Bühne steht? In Wirklichkeit ist Vater Jamie offenbar vor allem daran interessiert, seine Tochter zu vermarkten und selbst reich zu werden.

2008 feiert Britney ein Comeback mit dem erfolgreichen Album Circus. Der Titel passt leider, weil sie wie ein Zirkuspferd durch die Arena geführt wird. Von 2013 bis 2017 hat sie dann ein Dauerengagement in Las Vegas, gibt in dieser Zeit mehr als 200 Konzerte und spielt einen hundertfachen Millionen-Dollar-Betrag ein. Aber sie darf ja nicht über ihr Geld bestimmen, soll aber alle anderen finanzieren. Sie zahlt zum Beispiel Unterhalt für ihren Ex-Mann Kevin Federline. 20.000 Dollar. Jeden Monat. Er lebt mittlerweile mit den Söhnen und seiner zweiten Frau Victoria, Prince of Hawaii. Mit ihr hat er nochmal zwei Töchter bekommen. Damit sollte es sich doch eigentlich ganz gut leben lassen, oder? Kevin reicht das aber offenbar nicht. 2018 fordert er das Doppelte, 40.000 Dollar monatlich. Wieder entbrennt ein monatelanger Rechtsstreit, bis sich die Parteien im September 2018 auf 35.000 Dollar im Monat einigen. Wie ist das alles möglich, fragt man sich. Und vielleicht die noch schwierigere Frage, wenn das schon einer berühmten Frau mit Geld passieren kann, wie ist das dann für Frauen ohne diese Ressourcen? Eigentlich hat Britney nach ihrem Zusammenbruch das Sorgerecht für die beiden Söhne verloren und ja nur noch das Besuchsrecht. Aber so langsam will sie der Welt und damit natürlich auch ihren Kindern beweisen, dass sie emotional stabil ist.

2019. Ihr Absturz ist jetzt zwölf Jahre her. Begibt sie sich freiwillig in psychiatrische Behandlung, um zu zeigen, dass sie an sich arbeitet. Ein Gericht gesteht ihr daraufhin 30 Prozent sorgerecht zu. Ja, aber Fakt ist, ihre Söhne, die leben ja auf Hawaii, während sie immer weiter Geld verdienen soll und um die Welt fliegen muss. In Wirklichkeit kann Britney Spears nichts, aber auch gar nichts in ihrem Leben selbst bestimmen. Während sie Millionen in die Familienkasse spült, teilt ihr Vater und ja gleichzeitig Vormund ihr gerade mal 2000 Dollar Taschengeld im Monat zu. Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen ihnen. Und die gehen sogar so weit, dass Britney, wenn sie nicht spurt, monatelang in Psychiatrien eingeliefert wird. So schreibt es die Welt.

Und immer mehr Follower bekommen das mit, dass sie wohl nicht so ganz freiwillig auf der Bühne steht und immer wieder mal abtaucht. In ihrer Fan-Community, und die ist riesig, entsteht etwas, das es so noch nie gegeben hat. Eine weltweite Befreiungsbewegung. Unter dem Hashtag FreeBritney fordern User, Britney Spears die Freiheit wiederzugeben. Und dieser Ruf wird weltweit immer lauter. Er geht viral. Es gibt sogar Demos in mehreren amerikanischen Städten. Und nicht nur das. T-Shirts werden designt. Aus einem Hashtag wird so eine richtige Kampagne. Und jetzt wird die Luft wohl dünner für Britneys Vormund. Irgendwann kannst du sowas ja auch nicht mehr ignorieren. Da musst du irgendwie reagieren. Vor allem im Zeitalter von Social Media, die in dieser Hinsicht unschlagbar effektiv wirken. Allein auf Instagram hat Britney fast 42 Millionen Follower. Viele der großen Medienhäuser folgen ja auch. Es ist also klar, dass irgendwann auch mal die Justiz handeln muss. In Britneys direktem Umfeld tut sich in diesen Jahren auch was. Ihr Vater hat gesundheitliche Probleme. Die Daily Mail schreibt, er sei auf Alkoholentzug.

Jamie Spears ist Ende 60 und tritt als ihr Vormund kürzer. Das Gericht bestellt daraufhin eine vorläufige Vormundin und einen Finanztreuhänder. Und diese Zeit nutzt Britney wohl, um sich selbst mit einem Anwalt zusammenzutun. Immerhin macht sie aktiv einen Schritt auf die Justiz zu. Ich tippe jetzt einfach mal, dass die Free Britney Bewegung ihr da einen riesigen Anschub gibt. Wenn du merkst, dass Millionen Menschen dir den Rücken stärken, trittst du auch selbstbewusster für deine Rechte ein. Ja, und da sieht man auch mal ganz gut, dass soziale Medien manchmal auch wirklich sozial sind. Weil sie nämlich Menschen für eine wichtige Sache miteinander verbinden. Und Britney, die hat wieder einen Partner an ihrer Seite. Den Fitnesstrainer und Schauspieler Sam Ashgory, der sie in ihrem Kampf um Selbstbestimmung unterstützt. Es geht noch einen großen Schritt vorwärts, als im April 2021 die Doku der New York Times herauskommt, Framing Britney Spears. Und die stellt die völlig berechtigte Frage, ob jemand gleichzeitig ein funktionierender, weltweiter Superstar und eine kaum zurechnungsfähige Person sein kann.

Und jetzt kommt der Stein ins Rollen. Die Free Britney-Bewegung wird immer lauter. Millionen Fans diskutieren im Netz, was man tun kann. Sie fordern Britney zum Beispiel auf, Hilfesignale zu senden, indem sie etwa auf Fotos bei bestimmten Posts eine gewisse Farbe trägt. Außerdem posten mehrere Stars ihre Solidarität mit Britney. Mariah Carey schreibt auf X zum Beispiel, Wir lieben dich, Britney, halte durch. Sängerin Halsey postet, Ich hoffe vom ganzen Herzen, dass sie aus diesem missbräuchlichen System befreit wird. Und auch Miley Cyrus und Paris Hilton schließen sich der Free Britney Bewegung an. Aber es geht wohl alles nicht schnell genug. Britney will erreichen, dass sie eine Anhörung vor Gericht bekommt. Am 28. Juni 2021, mitten in der Corona-Zeit, ruft Britney Spears den amerikanischen Notruf 911 und meldet sich bei der Polizei in Los Angeles als Opfer einer missbräuchlichen Vormundschaft.

Notrufe in Kalifornien werden aufgezeichnet und können veröffentlicht werden, wenn das von öffentlichem Interesse ist. Das schreibt der California Public Records Act vor, allerdings nur, wenn es um eine Ermittlung geht. Aber das Magazin New Yorker berichtet, dass die Polizei den Notruf im Fall Britney vor der Öffentlichkeit geheim hält, weil er eine laufende Ermittlung betrifft. Und so kommt es, dass dieser wichtige Hilfeschrei erst später herauskommt, weil er vorher aus ermittlungstaktischen Gründen zurückgehalten wurde. Ist es Zufall oder reagiert die Justiz darauf? Das wissen wir nicht. Was wir aber wissen, die Justiz reagiert. Britney bekommt schon für den nächsten Tag, den 29. Juni 2021.

Einen Termin für eine Anhörung per Telefon. Sie wird also per Videocall dem Gericht zugeschaltet. Ja, und diese Aussagen, die machen echt Gänsehaut. Denn hier packt sie zum allerersten Mal über dieses furchtbare System aus, das ihr Vater da aufgebaut hat. Sie sagt da zum Beispiel, ich zitiere mal, »Ich verdiene es, die gleichen Rechte zu haben wie jeder andere auch. Ob es nun darum geht, ein Kind zu bekommen, eine Familie zu gründen oder irgendwas anderes. Ich will einfach nur mein Leben zurück.«, Das ist der Durchbruch. Britneys Stimme bricht mehrmals. Sie redet so verzweifelt, so stark und glaubwürdig. 24 Minuten Gänsehaut. Und sie sagt auch noch, ich bin traumatisiert. Ich bin nicht glücklich. Ich kann nicht schlafen. Ich bin so wütend. Das ist verrückt. Und ich bin deprimiert. Ich weine jeden Tag. Es ist wie gesagt das allererste Mal, dass Britney selbst so öffentlich über die Vormundschaft spricht. Zu dem Termin sind auch ihre Eltern zugeschaltet, ihr Anwalt und die vom Gericht bestellte Betreuerin. Britney sagt, sie fühle sich von ihrer Familie und ihrem Management ausgenutzt. Sie werde von allen kontrolliert und könne selbst nicht über ihr eigenes Leben bestimmen. Und Britney sagt außerdem, sie wünsche sich, dass die ganze Welt die Wahrheit erfahre. Ihren Eltern wirft sie konkret Ausbeutung vor. Seit 13 Jahren würden die von ihrem Geld profitieren und ihr Privatleben kontrollieren. Am liebsten würde sie ihre Familie verklagen.

Über ihren Vater sagt Britney, er liebe es, Macht auszuüben. Sie sei unter der Vormundschaft wie eine Sklavin behandelt worden. Ja, und der Vater? Jamie Spears gibt laut Variety Magazine direkt nach der Anhörung über seine Anwältin eine Erklärung ab. Und die lese ich euch jetzt vor. Es tut ihm leid zu sehen, dass seine Tochter leidet und Schmerzen hat. Mr. Spears liebt seine Tochter und vermisst sie sehr. Das war's. Zwei Sätze für 13 Jahre Missbrauch. Nur eine kurze Nachricht nach 13 Jahren psychischer und physischer Gefangenschaft für Britney.

2022 postet sie übrigens auf Instagram, ihr Vater solle in der Hölle verrotten. Immerhin, sogar Britneys Ex-Freund schlägt sich auf ihre Seite. Justin Timberlake postet nach der Anhörung Folgendes. Nach dem, was wir heute gesehen haben, sollten wir alle Britney in dieser Zeit unterstützen. So schreibt es der Spiegel. Ein extrem wichtiger Mann reißt das Ruder dann ganz rum. Britneys neuer Anwalt im Juli 2021 heißt Matthew Rosengard. Ein smarter Erfolgstyp, der schon Hollywood-Stars wie Steven Spielberg und Sean Penn vertreten hat. Und der hat ein ganz persönliches Motiv. Zu The Hollywood Reporter sagt er, ich hasse Mobbing, schon immer. Und eine Frau zu mobben ist inakzeptabel und schrecklich. Wenn ich das als Anwalt stoppen kann, ist das für mich eine Ehre. In nur zwölf Wochen kämpft Matthew Rosengard, der von Britneys Fans gefeiert wird, seine berühmte Mandantin tatsächlich frei. Und im November 2021 beendet das Gericht die Vormundschaft von Jamie Spears und seinen Gehilfen mit sofortiger Wirkung. Mit 39 Jahren ist Britney endlich eine freie Frau. Als ihr Anwalt Matthew Rosengard vor die Presse und Fans tritt und das verkündet, bricht gewaltiger Jubel aus.

Britney Spears kann nach 13 Jahren also endlich wieder selbst über ihr Leben und ihr Vermögen verfügen. Ihr ehemaliger Vormund, ihr eigener Vater, lässt sich aber noch schnell 2 Millionen Dollar von ihr auszahlen. Der Stern vermutet, dass Jamie Spears mindestens 5 Millionen Dollar mit der Vereinbarung verdient hat. Und Britney ist auch in Liebesdingen endlich frei. Unter der Vormundschaft hätte ihr Vater die Hochzeitsurkunde in ihrem Namen unterschreiben müssen. Jetzt kann sie ihren Freund Sam Asgari heiraten. Und sie darf sich ihre Spirale entfernen lassen, um theoretisch wieder schwanger werden zu können.

Und ihr Anwalt enthüllt noch mehr Details. Britneys Managerin Lou Taylor soll angeblich ihr Schlafzimmer und ihr Telefon abgehört haben. Die ist ihren Job natürlich auch los. Für Britney ist das ein Triumph, den sie mit mehreren Instagram-Posts feiert. Einem Post, in dem sie beschreibt, wie sie in einem Restaurant das erste Glas Champagner ihres Lebens trinkt. Kann man fast nicht glauben, aber es soll der erste ihres Lebens sein. Dafür gibt's mehr als eine Million Likes. Und Britney postet jetzt selbst den Hashtag, der ihr vermutlich das Leben gerettet hat. Hashtag Free Britney. Das könnte jetzt das Happy End sein, denn Britney heiratet ihren Sam am 9. Juni 2022. Ein gutes halbes Jahr nach ihrer Befreiung in Kalifornien. Mit dabei sind Stars wie Madonna, Donatella Versace, Drew Barrymore und Paris Hilton. Ein alter Bekannter, ihr 55-Stunden-Ehemann Nummer 1, Jason Alexander, versucht die Party zu crashen und in ihr Haus einzubrechen. Der stalkt sie laut dem Redaktionsnetzwerk RND wohl über mehrere Jahre und wird auch mehrmals genau deswegen festgenommen.

Der wird in den Folgejahren noch mehrmals wegen anderer Delikte verhaftet. Die Hochzeitsfeier von Britney Spears und ihrem Sam kann sein bizarrer Auftritt jedenfalls nicht trüben. Allerdings dauert diese Ehe leider auch nicht so lange, nur 14 Monate. Denn 2023 lassen sich die beiden wieder scheiden. Wegen, ihr kennt diese Floskel, vor allem bei Promis, unüberbrückbarer Differenzen.

Nach so viel Märtyrerin sein, ist es wohl auch schwer bis unmöglich, eine unbelastete Beziehung zu führen. Sam Ascari sagt später auch zu Page Six, und ich zitiere, Ich habe in den letzten fünf oder sechs Jahren, in denen ich dieser dunkleren Seite Hollywoods ausgesetzt war, eine Menge gelernt. Und das ist ein ziemlicher Segen. Es war ein schneller Crashkurs in Hollywood, der mir irgendwie geholfen hat. Laut Spiegel wünscht Sam seiner Ex-Frau nur das Beste. Das scheint ja wenigstens ohne Rosenkrieg abzulaufen. Und gute PR ist die Beziehung für ihn auch. Denn er macht danach in der NBC-Serie The Traders mit. Heute ist er mit der Immobilienmaklerin Brooke Irvin zusammen. Britneys Befreiungskampf ist aber noch lange nicht vorbei. 2023 veröffentlicht sie ihre Biografie The Woman in Me und erscheint im Blumenkleid auf dem Cover der People Magazine. Im Interview mit der Zeitschrift schwärmt sie, Mutter sein ist ein Traum für mich. Außerdem lässt sie in ihrer Biografie gleich mehrere Bomben platzen. Sie enthüllt, sie habe Anfang der 2000er mit Justin Temelec ein Kind erwartet, das aber abgetrieben. Auf seinen Wunschen. Und zwar aus Anonymitätsgründen nicht in einer Klinik, sondern zu Hause mit Pillen. Das sei eine der schlimmsten und schmerzhaftesten Erfahrungen ihres Lebens gewesen, schreibt sie.

Irgendwie hätte man Britney jetzt mal einen taktes Familienleben gewünscht. Vielleicht sogar mit einem dritten Kind. Aber ich und wahrscheinlich ihr auch, habe das Gefühl, so ganz stabil ist sie mit 43 auch heute noch nicht. Britney stürzt sich in eine On-Off-Beziehung mit dem Handwerker Paul Solis, der sechs Jahre jünger ist als sie. Er hat keine Kinder und ist eigentlich Hausmeister auf Britneys Anwesen. Die beiden streiten laut TMZ lautstark in der Öffentlichkeit. Und nachdem sie ihm einen Geländewagen schenkt, ist klar, auch er ist wohl wieder nur scharf auf ihr Geld. Britney wird leider oft ausgenutzt. Aber wo und wann hätte sie auch lernen sollen, sich abzugrenzen? Viele wichtige Jahre ihres Lebens wurden ihr geklaut. Sie ist zwar jetzt frei, scheint aber irgendwie noch keinen Frieden gefunden zu haben. Auf ihrem Instagram-Account postet sie Videos, die ihre Fans schon wieder in Alarmbereitschaft bringen. Und auf sie passt nur ein Wort, das immer wieder fällt, nämlich unberechenbar und irgendwie auch ein bisschen wirr. Ja, in den letzten drei Jahren gibt es auch eine Menge verwirrender Dinge. Mal postet Britney Nacktbilder, dann tanzt sie in der Küche mit zwei scharfen Messern, dann ein merkwürdiges Video mit britischem Akzent, in dem sie über kaputte Fingernägel klagt. Ich habe für unsere Folge reingeschaut und muss zugeben, dass ich kein positives Gefühl danach hatte.

Schon 2022, also kurz nach ihrer Befreiung, gießt ihr Ex noch Öl ins Feuer. Kevin Federlein postet alte Videos, in denen Britney mit ihren Söhnen schimpft. Laut Stern und dem Portal TMZ schreibt er dazu, Ich hoffe, unsere Kinder werden besser als das. Wow, richtig schwierig, oder? Ich frage mich, ob man da immer noch weiter Öl ins Feuer gießen muss oder ob man es nicht einfach sein lassen kann. Nach all den Jahren und all dem Unterhalt, das dürfen wir ja nicht vergessen, den er monatlich von ihr bekommen hat. Wiederholt sich die Geschichte ihres Absturzs etwa nochmal?

Britney Spears, der große Star, muss sich stellenweise schrecklich allein fühlen. Das Verhältnis zu ihrer Mutter Lynn ist immer wieder mal angespannt, weil man ja nicht weiß, welchen Anteil sie an diesem ganzen Vormundschaftssystem hatte. Für die jüngere Schwester Jamie Lynn Spears gilt übrigens dasselbe. Nur ihrem Bruder Brian, den scheint Britney noch als vertrauenswürdig zu empfinden. Sie lädt ihn nach ihrer Scheidung von Sam sogar für ein paar Wochen zu sich nach Hause ein. Und es scheint auch endlich eine Annäherung zwischen Britney und ihren Söhnen zu geben. Jaden James, der inzwischen 19 Jahre alt ist, hat seine berühmte Mutter laut dem People Magazine sogar in Los Angeles besucht und postet Bilder, in denen er einen Kopf größer ist als seine Mutter. Beide lächeln, als sie gerade von einem gemeinsamen Kirchengang kommen. Wenn man diese Bilder sieht, könnte man meinen, dass alles mittlerweile in bester Ordnung ist. Aber es ist gleichzeitig bestimmt auch schwierig, hier wieder ein liebevolles Vertrauensverhältnis herzustellen. Wir hoffen, dass es nicht Kalkül ist, aber der Zeitpunkt ist schon interessant. Britneys Sohn kommt laut Daily Mail just zu dem Zeitpunkt, an dem seine Mutter keinen Unterhalt mehr für ihn zahlen müsste.

Und er kriegt von seiner Mutter einen super teuren Sportwagen geschenkt und postet das auch gleich am Steuer mit Handy in der Hand. Zu ihrem Opa und damit Britneys Vater Jamie Spears haben die Jungs ein eher schwieriges Verhältnis. 2019 soll er den beiden gegenüber gewalttätig geworden sein, sodass ihr Vater Kevin Federline laut US Weekly eine einstweilige Verfügung gegen Jamie Spears erwirkt.

Oh Mann, man kann Britney echt nur bewundern. Dafür, dass sie in diesem Chaos immer wieder aufsteht, um ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Welt schreibt, man würde Spears wünschen, dass sie jemanden in ihrer Nähe hätte, der sich ebenso sorgt wie manche im Internet.

Das war die Geschichte über eine der beliebtesten Sängerinnen der letzten Jahrzehnte, die sich mit gleich mehreren Mächten konfrontiert sah. Ihrem Vater, ihrem Management, Gerichten, Männern und vor allem den Medien. Was ich so schade finde manchmal, bei Britney Spears ja zum Beispiel, dass sie so eine Medienpräsenz hat und die aber nicht für sich nutzen konnte. Weil, ich weiß nicht, wie es dir ging, Anna, aber ich habe da immer wieder gedacht, schade, während dieser Las Vegas Zeit oder so, dass sie nicht einfach vor die Kamera gehen kann. Man versteht, warum nicht. Und sagt, hör mal, mein Vater, der nutzt mich total aus, der missbraucht seine Macht hier. Und das geht aber irgendwie nicht. Sie ist so gefangen, dass sie sich gar nicht befreien kann. Nicht mal mit diesen Medien, die ihr ja eigentlich die ganze Zeit hinterherjagen, oder? Ja, und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich habe während der Aufnahme auch ganz oft mit dem Kopf geschüttelt, weil ich würde nicht sagen, dass ich ein Die Hard Britney Spears Fan war in meiner Kindheit und Jugend, aber ich fand die natürlich schon cool. Klar, wenn jetzt die Songs auf Partys kommen, da freut sich ja jeder.

Und ich finde das, also Instagrams, soziale Medien spielen da ja auch eine Rolle, weil ganz, ganz lange hast du ja nur das serviert bekommen als Fan, was dir die Medien vorgeben. Du hast ja kein eigenes Bild von ihr gehabt, vielleicht noch live auf der Bühne. Und da haben mir Freunde auch erzählt, so hey, das Britney-Konzert in ihrer Circus-Zeit, also als sie wieder auf die Bühne getreht wurde, das war cool, aber irgendwie war sie auch ein bisschen komisch, irgendwie war sie ein bisschen strange. Also da ist es auch aufgefallen, dass sie wahrscheinlich gar nicht so Bock hat, auf der Bühne zu stehen. Und jetzt, viele Jahre später, weiß man ja auch, warum. Sie wollte nicht, sie wurde gezwungen. Und es ist eine vermeintliche Kleinigkeit, aber ich finde, diese ganze Vormundschaft, wenn jemand über dein Geld verfügt, das ist das eine. Aber dass dir jemand eine Spirale einsetzen lässt. Da komme ich gar nicht. Also dass so auch ihr Körper bevormundet wird, bevormundschaftet. Mir fehlt sogar das Wort, weil ich das einfach so absurd übergriffig finde.

Dass man diesen Schritt geht. Und dass das legal ist. Genau, dass das überhaupt legal ist. Und was diese Frau einfach, seit sie ein Kind ist, durchmachen muss, das kann niemand von uns nachvollziehen. Nee. Damit ist sie eigentlich alleine. Das haben wir ja mehrmals jetzt schon gesagt. Und wir sehen immer diesen Star, wir sehen die Songs, wir sehen ihren Reichtum. Aber ich glaube, niemand auf der Welt würde mit ihr tauschen wollen. Nee, absolut. Aber jetzt wollen wir natürlich wissen, wie ihr das seht, ob das ein hoher Preis ist für den ganzen Fame und ob ihr vielleicht auch glaubt, dass Britney sich nochmal fängt. Also die Theorie würden wir, glaube ich, am allerliebsten hören. Schreibt sie uns gerne. Auf Instagram sind wir im Schatten der Macht. Wir sind auch auf TikTok und auf YouTube und wir freuen uns tierisch, wenn ihr auch das Glöckchen markiert bei Spotify und dann donnerstags die neuen Folgen seht. Auf jeden Fall. Bis nächsten Donnerstag. Eure Ricardia und eure Anne. Danke an unser Team von Open Minds Media. Executive Producer Rüdiger Barth. Konzeption Peter Grewe, Rüdiger Barth und Manfred Neumann. Autorin Anna Gelbert. Producer Ricardia Bremley. Den Schnitt machte Lilli Johannsen. Zusätzliche Unterstützung von Falko Schäfer.

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