Ein Kult, der Millionen Menschen in seinen Bann zieht. Ein charismatischer, mysteriöser Guru, der wie ein Rockstar gehypt wird und seine mächtige Komplizin, das sind die Zutaten, aus denen unser heutiges Crime-Rezept besteht. Heute nehmen wir einen Teil der spirituellen Welt unter die Lupe. Und da geht es nicht gerade göttlich zu. Auf das Konto der Leute um den Sektenführer Bhagwan, auch bekannt als Osho, gehen Verbrechen, die mit Liebe und Harmonie so gar nichts zu tun haben. Bespitzelung der eigenen Leute, Mordversuche mit Spritzen und der erste große Biogasanschlag der US-Geschichte. Ja, das klingt wie ein Fall für unseren Podcast. Und damit willkommen bei Im Schatten der Macht.

Diese Woche machen wir uns in manchen Szenen eventuell etwas unbeliebt, denn wir werden zeigen, dass sogar eine spirituelle Bewegung, die Licht in die Herzen der Leute bringen will, finstere Schatten werfen kann. Ich bin ehemalige Yoga-Lehrerin und Co-Host Ricardia Bramley. Und ich bin Anne Luckmann, hallo. Und wir tauchen heute mal tief ab in die 80er Jahre. Es ist das Disco-Jahrzehnt der Schulterpolster, der Föhnfrisuren und des Wirtschaftsbooms. Und in diesem Jahrzehnt entsteht eine Bewegung, die es so noch nie gab, die bis heute einzigartig ist. Und die innerhalb kurzer Zeit so reich und mächtig wird, dass sie sich auch zahlreiche Feinde macht. Nicht zuletzt das FBI. Im Zentrum dieser Bewegung steht ihr Gründer. Ein cleverer Mann, der in den nächsten Jahren bei mehr als einer halben Millionen Menschen weltweit für Verzückung und Hysterie sorgen und dabei schwer reich wird. Hätte es damals schon Social Media gegeben, dann wäre Bhagwan Shri Rajneesh, der sich später wie gesagt Osho nennt, sicher einer der größten Stars auf der Welt. Aber auch ohne Internet verbreitet sich in den 1980er Jahren, dass da ein indischer Guru ist, der nicht weniger als eine weltweite Revolution plant. Dabei hilft ihm eine Frau, die auch charismatisch, machthungrig und höchst umstritten ist. Und zwar bis heute.

Schauen wir uns mal an, wie aus dem Mann mit dem Rauschebart der mächtigste spirituelle Leader der Erde wird, zu dem hunderttausende Pilgern. Er legt im Prinzip eine Reise von Philosophie-Dozenten zum Multimillionär hin. Seine Jünger tragen die Farbe Orange und zahlen teils sehr viel Geld, um ihr Leben in seiner Nähe zu verbringen. Er wird immer reicher, während seine Jünger mit weniger zufrieden sein sollen. Wir zeigen euch heute in dieser Folge, was Spiritualität in diesem Fall mit True Crime zu tun hat. Die Süddeutsche Zeitung nennt Osho den Zausel mit den Binsenweisheiten und der zieht die Menschen noch heute in seinen Bann. Verbrechen im Zeichen des Glaubens hat es ja schon immer gegeben. Charismatische Blender sowieso. Aber die finsteren Machenschaften im Umfeld von Bhagwan bzw. Osho, die sind erst seit ein paar Jahren wieder großes Thema. Eine ganz wichtige Quelle für uns heute ist die Netflix-Dokumentation Wild Wild Country aus dem Jahr 2018, die so viel Originalmaterial enthält, dass man da richtig mit eintauchen kann und den Kult um diesen Meister greifbar spüren kann. Und auch der Film Guru von 2010 zeigt, wie aus einem Kult um Bewusstseinserweiterung und freie Liebe ein System voller Kontrolle wird.

Er nennt sich 17 Jahre lang Bhagwan, was im Sanskrit so viel bedeutet wie der Gesegnete oder Gott. Das zeugt schon mal von weniger Bescheidenheit. Später gibt er sich dann den Namen Osho, was im japanischen Zen ein Ehrentitel ist. Wenn ihr diesen Namen also jetzt mehrmals hört, Bhagwan und Osho, das ist ein und dieselbe Person. Er kommt am 11. Dezember 1931 als Chandra Mohan Jain in einem kleinen Dorf in Zentralindien zur Welt. Seine Kindheit beschreibt er selbst in dem Buch Autobiografie eines spirituellen Provokateurs als rebellisch. Laut eigener Aussage liebt er es, über alles zu diskutieren und alle Konventionen infrage zu stellen. Und sein Leben lang wird er alle um sich herum einladen, nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Er studiert ab 1951 Philosophie und schließt mit Top-Noten ab, gewinnt als Student sogar die indische Meisterschaft im Debattieren. Aber anscheinend durchlebt er, wie vielleicht viele von uns, als junger Mensch eine Krise, in der er ziemlich depressiv und lost zu sein scheint. Näher wird das nicht ausgeführt, aber es prägt ihn scheinbar tief. Dann, am 21. März 1953, im Alter von 21 Jahren, hat er wohl sowas wie eine Erleuchtung, die er auch selbst in seiner Autobiografie beschreibt. Ich lese euch das mal vor.

An diesem Tag hörte die Suche auf. Eine neue Energie entstand. Sie kam von nirgendwo und überall. Sie war in den Bäumen und in den Felsen und im Himmel und in der Sonne und in der Luft.

1957 wird er Professor für Philosophie an der Universität von Jabalpur. Und das ist wohl eine superaktive und produktive Zeit. Bhagwan reist durch ganz Indien, hält Reden, nimmt an Debatten teil und liest alles, was er über Spiritualität, Religion und Psychologie finden kann. Nach neun Jahren, 1966, verlässt er die Universität und wendet sich nur noch auf seine eigene Lehre zu. Und die ist eine Mischung aus Hinduismus, Buddhismus, jüdischer Mystik und japanischer Zen-Philosophie. Er gewinnt immer mehr Anhängerinnen und Anhänger. Eine Ehe oder eine eigene Familie kommen für ihn übrigens nicht in Frage.

Sein Leben lang wird er dozieren, dass so eine feste Bindung von der persönlichen Entfaltung abhält. Immer mehr Anhänger gewinnt der charismatische Bhagwan mit seinen Ideen von freier Liebe und Selbstverwirklichung. Denen gibt er auch gleich einen Namen, Sannyasins. Er leitet in ganz Indien Meditationscamps und hält Vorträge. Die Bezeichnung Sannyasin kommt übrigens auch aus dem Sanskrit und bedeutend so viel wie Entsagung. Die Jünger sollen also Verzicht feiern, während der Meister selbst immer reicher wird. Merkwürdig, dass dieser Kontrast offenbar so hingenommen wird. Zumindest liest man nichts von Revolten unter den Anhängern. Das Konzept kommt jedenfalls gut an. Immer mehr Leute fragen sich, wer ist dieser Typ mit dem langen Bart und den dunklen Augen, die einen minutenlang fixieren können, der mit allen Glaubenssätzen und Traditionen aufräumt, die sie seit der Kindheit gelernt haben? Diese Glaubenssätze haben es in sich, denn sie machen Schluss mit Traditionen, die offenbar viele Anhänger als Unterdrückung empfunden haben. Dieses immer schön arbeiten und der Wirtschaft dienen, am besten in einer hetero Mutter-Vater-Kind-Familie leben, niemals den Staat oder die Religion anzweifeln, das wollen sie nicht mehr.

Und dazu ist es wichtig, mal die Zeit zu beleuchten, in der das alles stattfindet. Es sind die 60er Jahre und als Gegenbewegung zur schwer traumatisierten Kriegsgeneration fordern weltweit immer mehr junge Menschen, dass starre Konventionen aufgebrochen werden müssen. Sie stellen die Frage, wozu wir Menschen denn eigentlich auf der Welt sind. Aus dieser nicht aufgearbeiteten Kriegszeit entsteht ja auch die 68er-Bewegung. Festivals wie Woodstock und die Hippie-Bewegung haben hier ihren Höhepunkt. Und da geht es eben nicht nur um freie Liebe und Drogen, sondern vor allem um spirituelle Erleuchtung. Wer sind wir und warum sind wir auf der Welt? Die New Age Bewegung fordert die Leute auf, sich intensiv mit ihrer Seele zu befassen und trifft damit offenbar einen Nerv. Das alleine ist ja noch nichts Schlechtes. Im Gegenteil, irgendwie gehört es ja auch zu den Aufgaben jüngerer Menschen, Traditionen der Älteren zu hinterfragen. Und in dieser Atmosphäre, die so reif für eine Veränderung ist, taucht plötzlich ein neuer Star am Esoterik-Himmel auf, Bhagwan. Ende der 60er Jahre entwickelt er Meditationstechniken wie die dynamische Meditation, wo man in mehreren Stufen arbeitet und die läuft so.

Man startet nämlich mit Bewegungen wie Hüpfen oder Stampfen und dann lässt man alle negativen Gefühle raus, indem man zum Beispiel schreit oder weint. Danach erst kommt das, was wir häufig als Meditation verstehen, die Stille.

Für eine Gesellschaft, in der man heftige Gefühle lieber unter den Teppich kehrt, ist das eine echte Revolution. Über Mental Health wird damals ja auch gar nicht groß gesprochen. Umso moderner wirkt Bhagwans Ansatz. Er ernährt sich schon vegan, als das in Amerika und Westeuropa noch gar nicht so verbreitet ist wie heute zum Beispiel. In diesen Jahren tritt eine Frau in Bhagwans Leben, die noch eine wichtige Rolle spielen wird. Sila, so nennt sie sich. Sie wird 1949 als jüngstes von sechs Kindern in Indien geboren. Ihr Vater ist Philosoph und ein Wegbegleiter von Mahatma Gandhi. Und der nimmt sie jetzt als junge Frau zu einer Audienz, einem Meet & Greet, wenn man so möchte, in die Privatwohnung von Bhagwan. Das passiert 1965. Da ist Sila gerade mal 16 Jahre alt. Und dieses erste Treffen, so erzählt sie das selbst in der Netflix-Doku Wild Wild Country, das ist, als könnte sie in diesem Moment sterben, weil sie so erfüllt ist. Es gibt auch Fotos von dieser Begegnung. Die hat vielleicht ihr Vater gemacht. Und da legt die junge Sila Bhagwan mit einem verzückten Lächeln ihren Kopf in den Schoß. Und das ist wohl so eine Art, ja, Initialzündung bei ihr. Nach ihrem Studium in den USA kehrt Sila, laut Wikipedia ist das Anfang der 1970er Jahre, nach Indien zurück.

Sila ist eine kleine, zierliche, energische Person, die offenbar genau weiß, was sie will. In den USA in New Jersey hat sie den drei Jahre älteren Mark Silverman kennengelernt und auch gleich 1969 geheiratet. Sie nimmt den Namen Silverman an. Allerdings ist Mark schwer krank und hat Morbus Hodgkin. Das ist eine Krebserkrankung des lymphatischen Systems. Auf vielen Bildern sieht man die beiden schwer verliebt und lachend. Das scheint schon eine intensive Zeit in ihrem Leben zu sein. Mark wird auch Sanyasin und begleitet sie 1972 zurück nach Indien.

Denn Bhagwan prägt ihr Leben auch als verheiratete Frau immer deutlicher. Anfang der 70er Jahre legt sie sich auch einen anderen Namen zu. Ma Anand Sila. Übersetzt heißt das so viel wie Ma, also Mutter, und Anand ist der göttliche Nektar oder auch die Glückseligkeit. So heißt sie bei ihren 14.000 Followern übrigens heute noch auf Instagram. Und sie wird eines der prominentesten und umstrittensten Gesichter dieser Bewegung. Für die einen ist es eine Sekte, für die anderen eine Religion. Ja, es ist gar nicht so einfach, sich da ein Urteil zu bilden, was genau diese Bewegung denn jetzt ist. Vor allem nach der Netflix-Doku hat man das Gefühl, dass diese Story irgendwie gar keine Helden hat. Aber man kann irgendwie alle Beteiligten zu einem gewissen Zeitpunkt auch verstehen. Die anfängliche Begeisterung für diese neue Lebensform, aber auch die Menschen, die dem Ganzen eher skeptisch gegenüberstehen.

Wir sind jetzt gerade also am Anfang der 1970er Jahre und ein Kult ist geboren. Ja, und jetzt fehlt nur noch ein prunkvoller Ort, an dem Bhagwan seine Lehren mit seiner wachsenden Schar von Fans umsetzen kann. Und dieser Ort entsteht 1974 in der westindischen Stadt Pune. Heute ist das eine Millionenstadt, in der vor allem die Automobilindustrie angesiedelt ist. Damals wird Pune oder Pune, wie wir hier sagen, der Pilgerort. Bhagwan gründet einen Ashram, das ist eine Art Kloster mit einer spirituellen Kommune, in dem man übernachten und mit Gleichgesinnten zusammen sein kann. Bis heute reisen Menschen aus der westlichen Kultur dort in Scharen an. Und selbst deutsche Promis pilgern damals nach Indien. Zum Beispiel die Erfinderin von Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen, Elfie Donnelly und ihr damaliger Ehemann, TV-Moderator Peter Lustig von der Kindersendung Löwenzahn. Die fahren auch nach Indien, um sich das alles mal selbst anzuschauen. Und auch eine grünen Politikerin und ein Milliardärssohn verbringen Zeit im Ashram. Das sind quasi richtige Early Adopter, wenn der Hype gerade mal richtig losgeht. Ja, dieser Ashram muss ein faszinierender Ort sein. Zeitzeugen erzählen, dass man damals durch ein goldenes Tor geht, dass überall sanfte Musik läuft, dass jeden Morgen der Meister selbst 90 Minuten lang spricht und dass alle ständig zusammen meditieren. Die Stimmung scheint heiter zu sein.

Und dann gibt es noch die berüchtigten Encounter-Gruppen, bei denen es wohl heftig zur Sache geht. Aber ohne, dass das psychologisch vernünftig betreut wird. Angeblich sollen die Gruppensessions die Seele reinigen. Die Teilnehmer dürfen und sollen dort emotional alles rauslassen. Die Bilder sind hochgradig verstörend. Das sieht aus wie eine Teufelsaustreibung. Mit viel Geschrei, Aggression bis hin zu Knochenbrüchen. Aber auch sexuell. Orgien im Namen des Herrn, schreibt der Spiegel. Ja, aber wie alle betonen, auf freiwilliger Basis. Bhagwan befasst sich, und das ist im traditionell geprägten konservativen Indien echt eine Revolution, mit Sexualität und motiviert Männer wie Frauen, sich frei auszuleben und zu entdecken. Sex gilt sozusagen als Meditationstechnik. Damals ist das ein Skandal, aber für Millionen Menschen, die keine Lust auf bisherige Beziehungsmodelle haben, sehr verlockend. Nach dem Motto, das ist ja unerhört, da muss ich hin. Die Sanya-Sin tragen orangefarbene und rote Klamotten und die sogenannte Mala, die Holzkette mit dem Bild von Bhagwan um den Hals. Bitte nicht verwechseln mit den Hare Krishna-Anhängern, die auch heute noch singend durch die Straßen laufen, weil die nämlich auch orange tragen.

Pune wird in den nächsten Jahren, wie schon erwähnt, geflutet mit Sinnsuchern aus aller Welt, die sich von ihrem alten Leben abwenden. Anhänger sagen bis heute, es sei eine liebevolle und friedliche Stimmung im Ashram. Man isst und lebt zusammen, sieht sich gegenseitig in seinen krassesten Momenten und ja, viele haben auch Sex. Bhagwan ist quasi ein Rockstar. Das haben wir am Intro auch schon mal angekündigt. Die Leute feiern ihn, küssen seine Füße. Alle wollen von ihm zwischen den Brauen berührt werden, am sogenannten dritten Auge, das als Tor zur Seele gilt. Und in diesen Jahren, also 1974 bis 1981, kommen immer mehr Menschen, vor allem aus Nordamerika und Europa. Alle wollen den Guru sehen, anfassen, von ihm lernen und zahlen dafür. Aus dem Kult wird ein Businessmodell.

Alles müssen die Leute zahlen. Klar, den Aufenthalt, aber auch die Ketten und Kutten und sogar die Blumen, die sie dem Guru entgegenwerfen, wenn er sich mal zeigt. Und immer mehr reiche Westler spenden große Summen. Der Guru ist offenbar auch ein guter Unternehmer. Die Welt schreibt, Bhagwan sei ein Turbokapitalist. Er hat auf jeden Fall eine Vision für die Gesellschaft, aber auch eine Vision für seinen eigenen Gewinn. Für die Einheimischen wird es aber bald unbezahlbar, in den Ashram in Puna zu gehen. Noch heute zahlen Inder die Hälfte für einen Aufenthalt dort. Und selbst der kann schnell mal im vierstelligen US-Dollar-Bereich liegen. Die Führung im Ashram kreiert sogar ein eigenes Kartensystem für Bankgeschäfte. Damals eine Riesen-Neuheit, die zum Finanzimperium beiträgt. Kashram statt Ashram nennt die Taz das. Das alles bringt Geld, aber auch die Hunderttausende von Baguans Bücher, die weltweit verkauft werden. So wird er immer bekannter und wohlhabender.

Meditation and Money, it's a match, schreibt das Magazin Kijou. Dieses Problem kennen heutige Yoga-Zentren ja auch, Erleuchtung und Bezahlung irgendwie zu vereinen. Und hier wird jetzt Baguans rechte Hand Zieler immer wichtiger, die offenbar ein Händchen für Management und Personal hat, aber auch eine abgründige Seite. Und die ihn total verehrt. Zur Frankfurter Rundschau sagt Sieler, ich zitiere, Ich war nie bei Bhagwan aus spirituellen Gründen. Ich war verliebt in den Mann.

Sie löst eine andere Frau als Bhagwans persönliche Sekretärin ab und wird bald Vertraute und rechte Hand des Meisters. Die Fotos der beiden zusammen sind echt bezeichnend. So verzückt strahlt sie ihn auf jedem einzelnen Bild an. Sie wird als sein Sprachrohr ungeheuer mächtig. Als es in Indien massive Anfeindungen gegen den Ashram gibt, das kann man sich in so einem konservativen Land mit rigiden Vorstellungen von Ehe und Familie und vor allem einem strengen Frauenbild ja ganz gut vorstellen, Da wird Sila immer wichtiger.

Es gibt steuerliche Probleme mit dem Ashram. Und sie bekommt von ihrem Chef die Aufgabe, ein neues Zuhause für die immer größere Fanshaar zu finden. In diesem Jahr, 1981, stirbt auch ihr amerikanischer Mann, mit dem sie nach Indien kam. Und die Abschiedszeremonie für ihn, die wirkt schon etwas befremdlich. Laut der Netflix-Doku sagt Bhagwan zu Sila, sie solle nicht weinen. Und so tragen die Sanyasins die Leiche unter Gesängen zur Verbrennung und die Witwe Sila lächelt dazu. Kurz nach dem Tod von Ehemann Nummer 1 heiratet sie einen Mann namens John Schelfer, einen Banker, der auch Sanyasin ist und vor allem in Finanzfragen in der Kommune mächtig wird. Die Hochzeit ist krasserweise im Flugzeug und laut Vogue India im Luftraum über der Türkei auf dem Weg nach Indien. Und irgendwie klingt das alles höchst beunruhigend, was Ehemann Nummer zwei da später zur Sun sagt. Ich zitiere, ich wusste, dass sie viele schmutzige Tricks anwandte und wollte kein Zeuge sein oder als Mittäter gelten. Auch er stirbt nicht lange nach der Trauung.

Sela hat ja in den USA studiert und kennt sich dort ganz gut aus. Also reist sie in die USA und entdeckt tief in der Provinz des Bundesstaates Oregon ein Fleckchen Erde, was bald weltberühmt werden soll. Von 1981 bis 1989 regiert in den USA der republikanische US-Präsident Ronald Reagan, ein Konservativer. Und der hat hier auf die spirituellen Anhänger Baguans nun wirklich gar keine Lust. Das neue Zuhause heißt Antelope und hat zu diesem Zeitpunkt, Anfang der 1980er Jahre, gerade mal 47 Einwohner. Und in der direkten Umgebung liegt die Big Muddy Ranch. So groß wie Manhattan, aber ohne Strom und fließendes Wasser, die jetzt die größte Umwandlung überhaupt erlebt. Übrigens wurden hier auch manche Western mit Hollywood-Star John Wayne gedreht.

Scylla kauft das Fleckchen in Baguans Auftrag für 6 Millionen Dollar. Da könnt ihr ja mal sehen, wie reich der Kult Baguan und seinen Führungszirkel mittlerweile gemacht hat. Und jetzt sieht man, wie groß der Hype ist. Denn die Jünger fallen jetzt zu Tausenden in dem kleinen Ort ein. In der Netflix-Doku sieht man extrem gut, wie in orange gekleidete Menschen mit ihren Holzketten durchs Dorf laufen. Alles aus dem Aschwam wird nach Amerika verschifft. Und in Windeseile vollbringen die Sanyasins ein logistisches Wunder. Sie bauen innerhalb von drei Jahren, Anfang der 1980er Jahre, eine Stadt aus dem Nichts, quasi eine Oase mitten in der Wüste. Rund 260 Millionen Dollar, vor allem an Spenden, sollen in vier Jahren in dieses Dorf fließen, schreibt die Seite Kiju. Die Sanjasins bauen laut Spiegel Häuser ein eigenes Einkaufszentrum, ein Hotel, eine Schneiderei für ihre eigenen Klamotten, eine Post, ein Transportsystem mit 85 Bussen, ein Hotel, eine Schule, ein Kraftwerk, einen umweltschonenden Wasserspeicher und eine Polizeistation.

Außerdem noch einen eigenen Flughafen mitsamt Fluglinie. Für alles finden sich hier plötzlich Fachkräfte. Cleverer Zug, die Anhänger mit ihren jeweiligen Qualifikationen einzuspannen. Und es kommen ja immer mehr. Zeitweise leben mehrere tausend Sanyassins auf dem Gelände. Arbeiten, singen, meditieren, haben Sex. Es gibt auch viele Eheschließungen. Manche auch zwischen US-Bürgern und Zugereisten, die so auf einfachem Weg die Green Card für Amerika bekommen. Da heiraten also Menschen, die sich zum Teil noch gar nicht kennen, weil sie so eingebürgert werden. Später heißt es, das seien Scheinähen gewesen. Als der Meister selbst dann nach ein paar Wochen, Ende August 81, als das Meister schon fertig ist, seine Villa auf dem Gelände bezieht, ist aber doch vieles anders. Bhagwan nennt sich ab jetzt nämlich Osho, weil er sich von dem religiösen Kult um seine Person distanzieren will und ist in seine Schweigephase eingetreten, die mehrere Jahre dauern wird. Und weil er sich jetzt Orsho nennt, werden wir ihn im weiteren Verlauf auch so nennen.

Vielleicht würde er heute wenigstens etwas dazu posten, aber er spricht nicht mehr zu seinen Anhängern wie noch in Indien, beziehungsweise er spricht nur durch Sila. Jeden Abend ist sie bei ihm zur Lagebesprechung. Und natürlich gibt es Gerüchte, wonach die beiden eine Liebesbeziehung haben. Und das ist eins der größten Rätsel. Scheinbar gab es da nie eine körperliche Beziehung. Aber Sila spricht bis heute von Liebe.

Spätestens jetzt ist der Bhagwan-Oshokul ständig in den Nachrichten. Sila sitzt außerdem in großen US-Talkshows, nimmt an Podiumsdiskussionen teil, wo sie immer sehr smart wirkt, aber auch eisenhart. Zeitgleich tanzen Menschen in neu entstehenden Baguan-Discos in Berlin, Hamburg und Köln. Und die rühmen sich nämlich, ein friedlicher Ort zu sein, an dem keine aggressive Stimmung herrscht. Aber sie sind natürlich auch eine Einnahmequelle, ganz klar. Dafür wird die Stimmung auf der Ranch in Oregon Ende der 1980er Jahre immer gereizter. Osho zeigt sich seinen Anhängern nur noch sehr sporadisch. Da säumen dann häufig tausende Menschen in Orange die Straße, wenn er vorbeifährt. In Indien trug er schlichte Baumwollkaftane. Heute lässt er sich Gewänder mit spitzen Schulterklappen designen, sammelt teure Uhren und Schmuck. Die Website war.de schreibt, ich zitiere, Osho benimmt sich inzwischen wie ein reich gewordener Punk. Er trägt durchgeknallte Fantasy-Uniformen, die aussehen, als seien sie amerikanische Sandalen-Musicals entnommen. Er experimentiert mit Valium, Ecstasy und seine Obsessionen mit Autos und Diamanten sind nicht mehr zu bezahlen. Er hatte das Interesse an der Kommune verloren wie ein Kind an einem Spielzeug. Er hatte seine Utopie verwirklicht und nun interessierte sie ihn nicht mehr.

In diesem Führungsvakuum wird Sila immer mächtiger. Ist sie hier Opfer eines Gurus, der sie manipuliert? Oder wird sie selbst zur Täterin? Vielleicht beides. Vor allem wird aus der friedlichen Kommune nach und nach ein hochgerüstetes Lager mit Waffen, Bunkerräumen und Videoüberwachung. Denn die Sanyasins haben zunehmend Feinde in der Bevölkerung. Als auf das Bhagwan Hotel 1983 ein Brandanschlag mit Rohrbomben verübt wird, rüsten sie massiv auf. Und das Mastermind hinter dieser Mobilmachung heißt wohl Sieler. Nicht nur die Bewohner von Antilope haben genug von diesem Kult. Auch das FBI hat die Raschnisches, also die Bewohner der Kommune, auf dem Radar, die jetzt auch in der Politik mitmischen. Die kaufen nämlich gezielt Immobilien, um dann die Mehrheit im Stadtrat zu bekommen. Und so wird das Dorf Antilope 1984 in Raschnisch umbenannt. In der Netflix-Doku sieht man, wie Straßenschilder in dem Örtchen abmontiert und durch indische Straßennamen ersetzt werden. Diese Menge an Material gibt's auch, weil die Sanyasins immer fleißig mitfilmen, was sie so machen. So sind es super wichtige Zeitzeugnisse heute für uns. Klar, dass die Umbenennung der Stadt für böses Blut bei den Nachbarn sorgt. Und auch das FBI wird auf den Plan gerufen. Je enger die Schlinge sich zuzieht, desto krasser wird die Reaktion der Leute um Sila, die ja so eine Art Schattenmacht hinter Osho ist.

Die Behörde schleust Agenten auf die Ranch ein, die sich als Sanyassins ausgeben. Das ist wie ein Guerillakrieg. Bald weiß keiner mehr, wem er trauen kann. Es wird ein Übungsplatz eingerichtet. Es gibt Schießstunden. Ein paar Mitglieder bekommen den Auftrag, massenhaft Waffen zu kaufen. Die Frage ist, ob das noch der Verteidigung dient oder ob die Selbstverbrechen planen. Und Oshos rechte Hand Sila engagiert laut Spiegel Söldner aus Israel und der Schweiz, die sich mit Kriegsführung auskennen. Es werden sogar Wachtürme gebaut und Tunnel gegraben. Aus dem Friedenscamp wird nach und nach eine paramilitärische Organisation mit Videoüberwachung. Sila selbst posiert gern mal mit Gewehr über ihrem roten Gewand. Später findet das FBI laut Polizeiberichten unter ihrem Wohnhaus versteckte Kellerräume, in denen angeblich mit Drogen und wohl auch Viren experimentiert wurde. Zumindest sagt das die Doku. Und das ist schon echt heavy. Was genau dahinter der Plan war, das ist nicht bekannt. Und wenn der Meister mal wieder durch die Reihen fährt, in einem seiner mittlerweile 96 extra langen Rolls Royce, die oft vergoldet sind oder mit Blumen geschmückt, dann wird er von schwer bewaffneter Security bewacht. Natürlich alle in orange.

Und diese Luxuslimousin, die bekommt er zum Teil als Spende geschenkt. Und die Sanyassins verstärken sich. Sie schwärmen in ganz Amerika in die Großstädte aus und sammeln tausende Obdachlose ein, die sie einbürgern wollen. Sie versprechen ihnen Arbeit, Essen und ein Zuhause. Vor allem aber geht es natürlich auch hier um noch mehr Macht. Als deren Wahlstimme für ungültig erklärt werden, schicken sie sie eisenhart wieder zurück. In der Netflix-Doku wird thematisiert, wie die Obdachlosen, als sie sich mal beschweren und laut werden, Beruhigungsmittel ins Bier gemischt bekommen. Jedem Sanyassin steht übrigens jeden Tag zwei Bier zu.

Ja, und im inneren Machtzirkel wird die Luft langsam dünn. Denn Hollywood kommt noch dazu. Françoise Ruddy, eine attraktive, reiche Filmproduzentin, die zum Beispiel das Mafia-Epos Der Pate produziert hat, steigt in den engsten Kreis um Osho auf. Unter ihrem neuen Namen Hacia wird sie zu einer weiteren wichtigen Vertrauten des Gurus. Und das passt natürlich nicht jedem. Das Ziel des Führungszirkels? Mehr Macht im Staat Oregon zu übernehmen. Und hier muss man ganz kurz innehalten und sich fragen, was eigentlich nochmal die Grundidee dieser Bewegung war, oder? Alles spitzt sich zu, als im September 1984 in Wesco County in Oregon der Gouverneur gewählt werden soll. Und jetzt wird klar, dass hier offenbar mit allen Mitteln um Macht gekämpft werden soll. Und das ist ein Kurs, den wohl nur noch ein kleiner Teil der Sanyassins mitträgt. Ganz offenkundig soll verhindert werden, dass viele der Einheimischen zur Wahl gehen. Denn klar, hätten die um jeden Preis verhindert, dass die Sanyasins noch mehr Einfluss bekommen. Denn nach einer Mahlzeit in einem der Restaurants, The Dallas, erkranken 751 Menschen. Das Essen an den Salatbars war mit Salmonellen verseucht. Und die muss jemand dort reingebracht haben. Heute weiß man, es waren einzelne Sanyasins, angestiftet vom inneren Zirkel um die mächtige Scylla.

47 Personen mussten ins Krankenhaus. Bis heute gilt das als erster Bioterroranschlag des 20. Jahrhunderts in den USA. Und das ist jetzt nicht mehr Selbstverteidigung, sondern eine Straftat. Aus der friedlichen Bewegung ist eine gespaltene Bewegung mit mehreren hunderttausend Mitgliedern geworden, die kaum mehr zu steuern ist. Die Kleiderordnung wird gelockert. Man darf jetzt alle Farben tragen. Es ist echt ein vergiftetes System. Da ist der schweigende Guru, der vor allem seinen Reichtum pflegt. Hin und wieder lässt sich Osho auch blicken. Er fährt in der Luxuslimo oder per Boot auf dem See an seinen Leuten vorbei. Gerne sitzt er auch selbst am Steuer. Und die Blumen, die seine Anhänger werfen, die sollen sie vorher extra kaufen. Das spült wieder große Geldmengen in die Kasse des sogenannten Gurus. Und da ist seine langjährige Vertraute, die den Laden mit fragwürdigen Mitteln managt, mit einer Riege von Frauen um sich herum. Und diese Riege schreckt offenbar von nichts zurück.

1985 beruft Siela laut Zeugenaussagen ein Treffen ihres Führungszirkels ein, um die Ermordung des Staatsanwaltes Charles Turner zu planen. Der Anschlag findet dann aber zum Glück doch nicht statt. Okay, irgendwie scheinen da jetzt einige ihre Bodenhaftung verloren zu haben. Siela zieht sich manchmal wie eine hohe Priesterin an, mit einem langen, roten Gewand. Die sehen teilweise aus wie aus Star Trek. Das klingt lustig, wirkt aber alles mittlerweile sehr bedrohlich. Die Bewegung führt Krieg, nach außen, aber auch nach innen.

Am 12. September 1985 kommt dann der große Knall. Sila verlässt ihre Bewegung, ihren früheren Lehrmeister, ihre Komplizinnen und Amerika. Sie geht nach Deutschland. Damals war Deutschland ja noch geteilt und sie geht in den Westen. Denn dort gibt es ja eine riesige Sanyasin-Fangemeinde. Ein Dutzend Getreuer reist ihr hinterher, sogar mit Kindern im Schlepptau. Und das Donnerwetter folgt. Plötzlich spricht Osho nämlich wieder. Nach Jahren. Oh Mann, klar, dass die Weltpresse jetzt ins Städtchen einfällt. Für viele Kritiker ist das der Breaking Point. Die Bewegung zerfällt. Und sie werden nicht enttäuscht. Es sind die frühen Tage der Immunschwäche-Krankheit, AIDS. Und freie Liebe kann jetzt plötzlich lebensgefährlich werden. Außerdem bricht jetzt ein Esoteriker-Rosenkrieg aus, den die Welt noch nicht erlebt hat. Osho ist scheinbar super wütend auf seine Komplizin. Für den muss das ja sowas wie Fahnenflucht sein. Öffentlich beschimpft er Sela in mehreren Pressekonferenzen sogar als Bitch. Sela flieht zunächst nach Deutschland in den Schwarzwalsch, wo sie aber schon bald in einer Pension von der Presse aufgespürt wird. Zu Deutschland hat der Kult schon lange eine enge Bindung. Zum einen stehen hier ja mehrere Baguan-Discos und werfen auch einen guten Ertrag ab, aber auch die Fangemeinde wächst in Deutschland stetig.

Osho behauptet, Sila habe drei Mordversuche angestiftet. Sie habe der Organisation 55 Millionen Dollar unterschlagen. Außerdem sei ihr erster Mann gar nicht an Krebs gestorben, sondern sie habe ihm den Sauerstoff abgeliefert. Für viele Anhänger bricht echt eine Welt zusammen. Die haben zum Teil ja ihr Vermögen gespendet und alles zu Hause aufgegeben, um in der selbstgebauten Stadt mit ihrem Guru zu leben. Dann wurden sie Zeuge und Opfer eines bösen Machtkampfs.

Jetzt erinnern sie so ein bisschen an Kinder, wenn zwischen Papa und Mama Krieg herrscht. Massenhaft Sanjasins verlassen die Ranch. Das Magazin Weiß schreibt dazu, und das zitiere ich jetzt mal, derweil saßen die Anhänger des Gurus, die sich dagegen wehren, Insektenführer zu nennen, in ihrem eigenen Elend und mussten sich mit der Realität konfrontieren. Diese Realität war, dass ihr Lebenskonzept keine Zukunft mehr hatte. Dafür reicht es nicht mehr, die ganze Zeit Sex zu haben, zu meditieren und die eigene Arbeitskraft einem hierarchischen System zu opfern, das zunehmend auf Unterdrückung setzte. Sela schießt aus Deutschland medial zurück. Sie wirft ihrem früheren Lehrmeister vor, unter Drogeneinfluss zu stehen. Lachgas und Valium zu konsumieren, also ein starkes Beruhigungsmittel. Irgendwie haben alle Dreck am Stecken, so scheint es zumindest.

Am 28. Oktober 1985 wird Sela in Deutschland verhaftet und nach Oregon überführt. Anfang 1986 wird sie zu zehn Jahren Haft verurteilt und bekennt sich schuldig, das US-Einwanderungsgesetz verletzt und Telefone abgehört zu haben. Aber schon nach dreieinhalb Jahren kommt sie aus dem Gefängnis im kalifornischen Pleasanton wegen guter Führung frei. Vom Kult wendet sie sich aber, anders als viele Mitstreiterinnen, nie ab. Und das ist ein echt merkwürdiges Verhältnis zwischen Sela und Osho. Heute schwemmt sie wieder in den höchsten Tönen von ihm. Was also macht diese Chemie zwischen den beiden aus? Zum Spiegel, sagt sie einmal.

Übrigens hatten wir niemals Sex. Das, was uns verbannt, war so rein, dass es der körperlichen Vereinigung nicht bedurfte.

Und weiter, sie hätte dank ihm aber Ekstase und Orgasmen im Überfluss erlebt. Okay, das ist ein bisschen verwirrend. Ansonsten wurde das mit dem Sex ja sehr frei gehandhabt. Leider mit einer sehr düsteren Komponente. Im Februar 2025 erscheint ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der nochmal für Entsetzen sorgt. Zahlreiche Ex-Mitglieder berichten von einem sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch die Sanyasins. denn es leben ja leider zeitweise auch Familien im Aschram. Es wirkt tatsächlich verstörend, wie aus einer friedlichen Grundidee so viel verbrecherisches Potenzial entsteht. Auch Osho wird 1985 verhaftet, aber erstmal versucht er, sich abzusetzen. In der Netflix-Doku ist es festgehalten, wie eines Tages seine zwei Privatjets in Rajneeshpuram landen. Den Meister einladen und zack, ist er weg. Unten winken die zurückgelassenen Anhänger und weinen. Weit kommt er allerdings nicht. In North Carolina muss sein Learjet auf Ansage runtergehen. Osho wird mit einem gefälschten Pass verhaftet und dann vom FBI zwölf Tage lang in Handschellen und Fußfesseln quer durch Amerika gekarrt. Das ist wohl auch nochmal so ein bisschen Rache an dem Unruhestifter.

Er kommt schließlich mit einer Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe in Höhe von 400.000 Dollar davon, weil er angeblich Einreisedokumente und Scheinhochzeiten unterstützt hat. Aber er muss die USA für immer verlassen. Und laut seinen und den Aussagen vieler Jünger wird er im Gefängnis in den USA über die Nahrung Metallium vergiftet. Das ist ein Nervengift, das schwerste Schäden im Nervensystem und den Nieren verursachen kann. Und dass seine Wirkung schleichend über einen längeren Zeitraum entfaltet. Politischer Giftmord? Wir wissen es nicht und es gibt dafür auch keine Beweise. So sagt er es aber jedenfalls selbst in mehreren Interviews. Seine Anhänger sehen das größtenteils auch so. Aber das ist natürlich nur Spekulation. Aufnehmen will ihn danach erstmal kein Land. Denn damit ist klar, dass man sich mega Wirbel ins Haus holt. Millionen Anhänger, Presse, Schlagzeilen. Zwei Jahre tourt Osho durch die Welt und gibt Pressekonferenzen und Interviews. Seine Uhrensammlung hat er immer mit dabei. Und 21 Mitstreiter, denen er wohl noch vertraut, darunter zum Beispiel sein Leibarzt. Im Januar 1987 schaffte er es, dank einflussreichen Freunden und Anhängern, wieder in seiner alten Kommune im Ashram von Pune in Indien aufgenommen zu werden.

56 Jahre ist er jetzt alt. Und dort wird er empfangen wie ein Megastar. Tausende von Besuchern kommen jetzt wieder täglich durch das goldene Tor des Ashrams, diskutieren mit ihm, wollen ihn sehen, anfassen und hängen an seinen Lippen. Am 19. Januar 1990 stirbt Osho, im Alter von nur 58 Jahren, offiziell an Herzversagen. Er hat ein geschätztes Vermögen von, Achtung, einer Milliarde US-Dollar. Und wenn man sich mal die Bilder anschaut aus dieser Zeit, dann sieht er da schon deutlich älter aus als das Alter, das er erreicht hat. Ist er wirklich schleichend vergiftet worden?

Sein Körper wird noch am selben Tag in einer großen Abschiedszeremonie öffentlich verbrannt. Und diese Bilder sind echt krass. Lachend und singend tanzen die Leute um den Leichnam herum, der mit Blumen bedeckt ist und dann angezündet wird. Auf seinem Grabstein steht, nie geboren, nie gestorben. Er besuchte nur den Planeten Erde vom 11. Dezember 1931 bis zum 19. Januar 1990. Und Osho selbst hat sich das wohl so gewünscht und zu Lebzeiten mal gesagt, ich zitiere, Wenn ich sterbe, werden alle feiern, meine Freunde und meine Feinde. Durch meinen Tod werden sie zusammenkommen. Sein Ashram in Pune ist weiterhin das größte und modernste Osho-Meditationszentrum der Welt. Eine Redakteurin der Taz hat es mal besucht. Es ist ein Fünf-Sterne-Ressort, das für viele Inder eigentlich unbezahlbar ist. Und so kommen wieder hauptsächlich wohlhabende Westler, um den Sinn des Lebens für ein paar tausend Dollar zu finden. Alles muss man wohl extra zahlen. Poolbesuche, rote Bikinis, Meditationsaugen binden. Nur vom wilden Sex gibt's anscheinend kaum mehr eine Spur. Wurde aus dem Guru ein Täter? Das ist eine schwierige Frage, aber wir wissen ja inzwischen, dass ein Mensch mit viel Macht diese auch ausnutzen kann. Selbst wenn er nicht selber tätig wird, kann er viele Unternehmen, um seine Macht auszubauen.

Man darf auch nicht vergessen, dass nicht nur, aber auch viele Menschen in einer seelisch instabilen Lage Hilfe und Halt bei solchen Bewegungen suchen. Die bieten ja oft auch Sinn und ein Zugehörigkeitsgefühl. Aber wichtig ist dabei natürlich, dass Grenzen zu seelischem und sexuellem Missbrauch niemals überschritten werden dürfen. Tja und Sela? Sela lebt heute übrigens in der Schweiz, wo sie zwei Heime für schwerbehinderte und demenzkranke Menschen betreibt. Sie hat 1984 noch einen Schweizer namens Urs Björnstil geheiratet, der 1992 an Aids stirbt. Also, drei tote Ehemänner. Und man wird bei Sila das Gefühl nicht los, dass sie neun Leben hatten, nicht eins. Sie spricht in vielen Interviews immer noch von Osho. Wenn man die heute 76-Jährige sieht, dann wirkt sie eigentlich recht harmlos. Und kaum zu glauben, was damals alles so abgelaufen ist. Und krass ist auch, was mit Rajneesh passiert, der selbstgebauten Stadt in Oregon. Ende 1988 wird die Ranch zwangsversteigert. Eine Versicherung zahlt 4,5 Millionen Dollar dafür. Die Ranch ist heute ein Campgelände für christliche Jugendliche. Das Städtchen wird auch wieder in Antilope zurückbenannt. Alle Straßenschilder werden wieder neu angebracht.

Gut 30 Jahre nach seinem Tod ist Osho immer noch Kult. Das Magazin Weiß bezeichnet ihn als spirituellen Weihnachtsmann. Jedenfalls war er einer, der Millionen inspiriert hat und ihnen offenbar viele Antworten auf Lebensfragen versprach. Und in vielen Medien ist er heute noch Thema. Im vierten Teil der Bestseller-Reihe Achtsam Morden geht es um ihn. Die beiden genannten Dokus haben vor allem Sila wieder in den Fokus gerückt. Die Frau, die offenbar zwei große Lieben hat, Osho und Macht.

So, Ricadia, du hast es ja im Intro vorhin schon gesagt, dass dir Yoga vertraut ist. Ja. Deswegen interessiert mich natürlich am allermeisten, was sind deine Gedanken zu der ganzen Thematik? Ich hatte natürlich echt viele. Ich versuche es zusammenzufassen. Aber das Erste, ich oute mich mal gleich. Ich habe eins von Osho's Büchern gelesen und ich fand es super.

Und ich habe auch seine sogenannte Schüttel-Meditation jahrelang unterrichtet. Und da fällt mir immer wieder auf, ich glaube oft, dass so Gurus oder so Spiritual Leaders oder so, ich glaube, die fangen nicht schlecht an. Ich glaube nicht, dass das böse Menschen sind, die von Anfang an Macht wollen oder nicht alle, sondern ich glaube, nicht jeder Charakter kann damit umgehen, wenn plötzlich Millionen Leute an deinen Lippen hängen. Und ich glaube, das kontaminiert dich, das verdirbt dich in irgendeiner Form. Ich sage das jetzt mal so, weil ich die Dinge wirklich nicht doof fand, die er schrieb und weil sie mir in meinem Unterricht auch geholfen haben. Muss ich echt zugeben. Also nicht umsonst sind dem ja wirklich Millionen Menschen gefolgt. Teilweise ja auch von Indien in die USA. Die haben ja auch alles rübergekarrt. Das machst du ja nicht einfach so, wenn du nur zehn Anhänger hast, die das toll finden, was du da machst. Und wir haben es ja während der Folge auch schon mal gesagt.

Sobald Menschen in einer sehr instabilen Situation stecken, dann greift man ja auch einfach nach verschiedenen Strohhalmen, sagt man das so, ich weiß es nicht. Aber sind ja dankbar für jede Hilfe, die sie bekommen und sind da auch mal ein Stück offener vielleicht als in einer, ich nenne es mal gesunden Verfassung. Und ja, so kann ich es mir auch irgendwie vorstellen, dass man dann so einem Guru verfällt und auch so wie Sila von Liebe spricht. Also vielleicht hat er dich einmal besonders angeguckt und das hat sie auch schon als Anlass genommen, da irgendwie auch eine Art von Liebe zu erkennen. Also irgendwas muss dieser Mann ja an sich gehabt haben, was so viele Leute auch fasziniert hat. Also unbedingt. Ich glaube, dass er charismatisch war, habe ich gar keinen...

Und auch was du sagst, ist total richtig. Da kommen Leute hin, die echt angeschossen sind vielleicht teilweise. Aber ich würde verteidigenderweise auch sagen wollen, da sind jetzt nicht nur Leute in Lebenskrisen, sondern das kann ja auch total schön sein, wenn du eine Community findest, die dich zu akzeptieren scheint. Also es ist auch als gesunder Mensch, der nicht instabil gerade in dieser Lebensphase ist, ein total schönes Ding. Stimmt, ganz wichtig, dass du das nochmal sagst. Also das muss ja nicht so sein. Und klar, es sind viele echt daneben gegangen. Dieser Hot-Yoga-Lehrer, Bikram hieß der und bei Guru Jagat, das ist eine Kundalini-Yoga-Lehrerin, übrigens auch deren Kurs ich ganz viel gemacht habe, die ich super toll fand. Da war auch irgendwas, ich erinnere mich nicht mehr, was es war oder ob es wahr ist. Aber es ist auch für dich, die du selber in diesen Kreisen bist, es ist so enttäuschend, wenn dann doch rauskommt, wieder einer, der nicht mit diesem Einfluss gut umgehen konnte und sich einfach gnadenlos verändert. Beziehungsweise vielleicht wird er nur enthüllt und er war schlecht. Das ist ja immer die Frage, wann kam das Böse sein.

Aber es ist schon krass, dass Leute da so viel Geld reingebuttert haben und dass der Reichtum teilweise ja auch zu guten Zwecken genutzt wurde. Ich meine, das Dorf, was da errichtet wurde, das hat ja einfach Geld gekostet. Aber dass er 96 Luxusautos besessen hat, weiß ich jetzt nicht, ob das sinnvoll ist. Und dass die Leute das auch einfach so akzeptiert haben. Ich meine, die haben das doch mitbekommen, dass er in Reichtum geschwommen ist. Also dass da spätestens nicht die Leute gesagt haben, Also ich gebe hier so viel Geld in die ganze Nummer rein. Irgendwie ist das komisch, dass er Verzicht predigt oder zumindest irgendwie keinen Konsumüberfluss Lifestyle und dann hat er aber so viel. Ja, weiß ich nicht. Ja, er ist auch nicht der einzige Arschram, bei dem das so ist. Also ich habe mich da auch schwer getan mit diesen Kontrasten.

Man steckt da auch nicht immer drin. 96 Limos sind natürlich schon ein bisschen sehr viel. Da kann man dann nichts mehr verteidigen. Aber eure Meinung interessiert uns auch total. Was denkt ihr zu diesem Mann und zu seiner rechten Hans Sieler vielleicht auch? Das sind ja doch sehr eindrucksvolle Persönlichkeiten, je nachdem wie man es sieht. Schreibt uns auf Im Schatten der Macht auf Instagram. Folgt uns dort und auf YouTube. Gerne lasst uns eine Bewertung und markiert das Glöckchen. Und wir freuen uns einfach, wenn wir euch jeden Donnerstag wieder eine neue Folge präsentieren dürfen. Bis dahin erstmal Om, Ricardia und Anne. Bis nächsten Donnerstag. Ciao. Danke an unser Team von Open Minds Media. Executive Producer Rüdiger Barth. Konzeption Peter Grewe, Rüdiger Barth und Manfred Neumann. Autorin Anna Gelbert. Producer Ricardia Bremley. Den Schnitt machte Lilli Johansen. Zusätzliche Unterstützung von... von Falco Schulze.