Wir starten heute mal mit einem kleinen Rätsel. Sie hatte die Spitznamen Kokainpatin, Chefin und Schwarze Witwe. Sie ließ ihre drei Ehemänner töten oder tötete sie selbst. Sie überlebte drei ihrer vier Söhne und soll in mehr als 200 Morde verstrickt gewesen sein. Um wen könnte es sich hierbei handeln? Tja, in Filmen und in Serien wurde sie von Oscar-Preisträgerin Catherine Zeta-Jones und Serienstar Sofia Bergara verkörpert. Unzählige Dokus, Bücher und sogar Rap-Songs handeln von ihrem unglaublichen Leben. Vom Mädchen aus einem Dorf in Kolumbien zur weltweit gefürchteten Kokain-Königin. Und sie erzählen von ihrem Tod, der dieses Leben auf tragische Weise spiegelt. Wir tauchen in das irre Leben dieser Frau ein, das so grausam wie glamourös war. Und einige von euch haben vielleicht schon erraten, um wen es geht. Griselda Blanco. Der legendäre Koks-Pate Pablo Escobar, den kennt ihr vielleicht. Um ihn geht es zum Beispiel in der Netflix-Serie Narcos. Jedenfalls soll er laut BBC mal über Griselda Folgendes gesagt haben und ich zitiere hier. Ich hatte in meinem Leben nur Angst vor einem Mann und das war Griselda Blanco.
Music.
Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Im Schatten der Macht. Ich bin Ricardia Bramley. Und ich bin Anne Luckmann. Hallo. Wir freuen uns, dass ihr auch heute wieder zuhört und würden uns noch mehr freuen, wenn ihr dem Podcast hier folgt. Also auf der Plattform, wo ihr gerade hört. Die heutige Folge zeigt, wie viel Grausamkeit einige Leute bereit sind auszuüben, um sich einen Platz an der Spitze zu sichern. Ja, bei Griselda Blanco ist das besonders packend, weil ihr Drogenimperium laut National Geographic 500 Millionen Dollar wert war und weil sie so ziemlich die brutalste Frau ist, über die wir hier im Podcast jemals gesprochen haben. Um so viel Macht aufzubauen und vor allem auch zu halten, braucht Griselda Blanco Menschen, die das mittragen. Und wir werden gleich sehen, dass sie ein riesiges Netz an Unterstützenden hatte und an Menschen, die einfach Angst vor ihr hatten. Und das völlig zu Recht. Ihr Nachname Blanco ist dabei fast wie eine merkwürdige Pointe, denn Blanco heißt ja übersetzt weiß. Weiß wie Kokainpulver.
Die gleichnamige Netflix-Serie Griselda aus dem Jahr 2024 hat die Frau weltweit wieder in den Fokus gerückt. Aber in der Serie geht es vor allem um ihren Aufstieg zur Mega-Businesswoman, die sich in einer Männerwelt durchsetzt und Skrupel beim Morden hat. Und das verkörpert von der schönen Modern-Family-Schauspielerin Sofia Bergara, die da tolle Vintage-Klamotten trägt. Alles sehr stilvoll, es läuft tolle Musik, alle fahren schöne Autos. Ja, aber leider fehlt in der Serie, wie brutal diese Frau ihr Leben lang war, wie gnadenlos sie alles und jeden aus dem Weg geräumt hat, der ihr im Weg war. Besonders krass ist auch, dass die Behörden der Frau unglaubliche zehn Jahre lang nicht auf die Schliche gekommen sind. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, das sich Hollywood nicht besser hätte ausdenken können. Wir starten die Erzählung im Jahr 1975 auf einem Parkplatz vor einem Nachtclub in Miami. Es knallen Schüsse durch die Nacht, Schreie sind zu hören und plötzlich ist es ganz still. Eine Frau schleppt sich stöhnend in den Club, presst sich die Hände seitlich an die linke Hüfte, hellrotes Blut sickert zwischen ihren Händen hervor.
Draußen auf dem Parkplatz liegen mehrere Leichen. In einem Auto sitzt ein Mann tot auf dem Fahrersitz. Sein Gesicht ist völlig zerfetzt. Es handelt sich dabei um Griselda Blankos Ex-Mann. Und die Schüsse, die stammen von ihr, wie sie nachher ganz stolz zugeben wird. Und diese Szene hier macht klar, dass Schüsse die Sprache sind, die Griselda am besten beherrscht. Ja, und für alle Schlachten gilt, sie gewinnt fast immer. Aber wer ist diese Frau überhaupt?
Anna Griselda Blanco Ristrepo wird am 14. Februar 1943 in Kolumbien geboren, am Valentinstag. Als die Schüsse auf dem Parkplatz fallen, ist sie also Anfang 30. Ihre Mutter ist Gelegenheitsfeldarbeiterin. Ihr Vater ein Großgrundbesitzer indianischer Abstammung, der die Familie aber früh verlässt. Die meisten Quellen legen sich auf die Kleinstadt Katachena als Griseldas Geburtsort fest. Schon als Kind wird sie leider Zeugin schlimmer Gewalt. Denn in dem südamerikanischen Land bricht ein Bürgerkrieg aus, der La Violencia genannt wird. Übersetzt heißt das die Gewalt. 1948, als Griselda fünf Jahre alt ist, wird ein beliebter Politiker in der Hauptstadt Bogotá auf offener Straße erschossen. Und daraufhin gibt's Schießereien, Plünderungen und Morde. Mehr als 200.000 Menschen sterben laut National Geographic bei den Revolten zwischen Konservativen und Liberalen in diesen Jahren.
Und sowas prägt die kleine Griselda natürlich. Alle sind ständig in Alarmbereitschaft. Es kommt zu gewaltvollen Szenen an jeder Ecke. Und ein Kind lernt schon früh, dass wer sich mit Gewalt durchsetzt, der überlebt. Erschwerend kommt hinzu, dass sie in ihrem Elternhaus anscheinend keine Sicherheit und keinen Halt erfährt. Ihre Mutter ist sehr arm, trinkt und begeht Diebstähle, um zu überleben. Und Griseldas Mutter ist laut mehreren Quellen auch als Sexarbeiterin tätig. Genaues weiß man nicht, aber viele Historiker vermuten, dass die kleine Griselda nicht nur schwer vernachlässigt wird, sondern dass sie selbst schon früh Opfer von Missbrauch durch die Kunden ihrer Mutter wird. Diese frühen Jahre voller Gewalt sind natürlich keine Rechtfertigung, aber wohl die Basis für all das, was danach passiert. Sind es nur die zahlreichen traumatischen Ereignisse oder ist es auch Griseldas eigene Neigung zu Gewalt, die sich jetzt zeigt?
Griselda beginnt schon im Alter von elf Jahren, manche Quellen sagen mit 13, eine Jugendbande zusammenzustellen. Sie und weitere Kinder besorgen sich Waffen und stehlen. Und sie starten damit, Kinder aus betuchten Familien zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Das klappt sogar einige Male. Die Eltern zahlen und bekommen ihr Kind dafür lebend zurück. Aber eine Aktion wird zur blutigen Tragödie. Griselda und ihre Bande entführen einen zehnjährigen Jungen. Doch als die Eltern nicht bezahlen, sondern erstmal zur Polizei gehen, erschießt die jugendliche Griselda den Jungen eigenhändig.
Und damit ist ihr Ruf als brutale Bandenschefin zementiert. Mit so jemandem legt sich so schnell keiner mehr an. Als Teenagerin schlägt sich Griselda mit Diebstählen und laut mehreren Quellen auch Prostitution durch. Und dann lernt sie in diesem kriminellen Umfeld ihren ersten Ehemann kennen, Carlos Torrio. Carlos lebt von Dokumentenfälschungen und Menschenhandel. Er arbeitet als Zuhälter und schmuggelt Landsleute als günstige Arbeitskräfte illegal in die USA. Als sie sich kennenlernen, ist Griselda 13. Als sie heiraten, nur wenig älter. Immer noch eine Teenagerin. Sie gründen eine Familie, bekommen die Söhne Dixon, Osvaldo und Uber.
Ja, übrigens, das ist kein Spitzname. Er heißt wirklich wie der Fahrdienst. Griselda und ihr Mann Carlos, beide übrigens mit einer krassen Kriminalitätsakte, steigen in den kommenden Jahren fett in den Drogenhandel ein. Beide sind blutjung. Beide haben gelernt, dass sie sich mit Gewalt durchschlagen können. Vielleicht habt ihr euch bis hierhin ja auch schon gefragt, wie eine Teenagerin so viele Verbrechen in schneller Abfolge begehen kann, ohne dass das irgendein Gericht interessiert oder wie eine Minderjährige heiraten und immer stärker in den Drogenhandel einsteigen kann. Daraus sogar einen eigenen Drogenhandel hochzieht. Das passiert ja alles innerhalb weniger Jahre, in denen andere Teenies Schulsorgen haben, die erste große Liebe erleben und heranwachsen. In diesem Alter häuft Griselda ein Verbrechen nach dem anderen an.
Dazu müssen wir uns nochmal die Zeit anschauen, nämlich die späten 1960er und die frühen 1970er Jahre. Die 1960er sind ja eh schon eine krasse Zeit des Umbruchs, auch in Ländern, in denen es nicht so hoch hergeht. Das gilt aber vor allem auch für Kolumbien. Es gibt kein Internet, sondern nur Papierakten. Nichts ist digitalisiert. Die Ermittlungsbehörden kommen bei diesen zahllosen Straftaten einfach nicht hinterher. Vor allem, wenn Verbrechen in mehreren Ländern begangen werden. Und der Kokainhandel zwischen Süd- und Nordamerika? Der geht richtig durch die Decke. In Kolumbien gibt es damals viel Korruption. Die Behörden schauen gegen viel Geld auch mal weg. Oder bereichern sich selbst. Und in Nordamerika, in Metropolen wie Miami, New York und Los Angeles, da wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen. In den Clubs läuft Disco-Musik von Donna Summer und Cool and the Gang. Leute mit Goldketten, Satin-Tops und Schlaghosen tanzen und rauchen nächtelang. Die Nachfrage nach Kokain ist riesig. Ganz kurzer Einschub für alle von uns, die sich vielleicht nicht so auskennen. Kokain wirkt nach wenigen Minuten und etwa eine Stunde lang. Es stoppt das Hunger- und Durstgefühl, löst euphorische Gefühle aus und hemmt die Kontaktscheu. Und es sorgt für Energie.
Man muss dann aber relativ schnell nachkonsumieren, sobald die Wirkung abflaut und die Suchtgefahr ist groß. Nicht selten erleben Konsumierende danach Depressive oder Angstzustände und bekommen sogar Herzprobleme. Es gilt als Partydroge, ist aber gefährlich, bringt den Dealern aber schnelles Geld. Griselda steigt erstmal mit einem Kilo ungestrecktem Kokain ein und macht sich in der Party Society einen Namen. Gestrecktes Kokain wird ja in der Regel mit anderen Substanzen verdünnt.
1964 lassen sich Griselda und Carlos, Ehemann Nummer 1, scheiben. Da ist sie 21 Jahre alt. Wenn wir davon ausgehen, dass mit 13, 14 geheiratet wurde, dann waren sie um die 8 Jahre lang verheiratet. Und komischerweise stirbt Carlos nur wenige Jahre nach der Scheidung. Angeblich aufgrund von gesundheitlichen Problemen. Wir wollen nichts behaupten, was wir nicht wissen. Aber alle Quellen sind sich einig, da hatte Griselda ihre Finger mit im Spiel. Kurz darauf lernt Griselda Ehemann Nummer zwei kennen, der heißt Alberto Bravo, der schon damals im großen Stil Drogen von Kolumbien nach Nordamerika schmuggelt. Die beiden ziehen mit Griseldas Söhnen nach Queens in New York City und ziehen gemeinsam in ein nobles Penthouse. Hier starten sie mit den wohl absurdesten Drogentransporten aller Zeiten. Warum? Ja, Achtung, jetzt wird's schräg. Griselda lässt eine ganze Reihe hübscher junger Frauen aus Kolumbien einfliegen und startet zum Schein eine Schneiderei. Hier lässt sie ganz besondere Wäsche anfertigen, denn in den BHs und Höschen sind Geheimfächer eingenäht, in denen Kokain versteckt werden kann. Tag und Nacht nähen da fleißige Helferlein sexy Schmuggelwäsche.
Reihenweise steigen diese Frauen dann in einen Flieger von Kolumbien nach New York, um für einen riesigen Nachschub an Kokain zu sorgen. Griselda und ihr zweiter Ehemann Alberto ziehen ein riesiges Drogenimperium hoch und sind ziemlich kreativ, was den Transport von Kokain anbelangt. Laut National Geographic schmuggeln sie jeden Monat Koks im Wert von 80 Millionen Dollar aus Kolumbien raus. Aber die Ehe ist, wenn man den Quellen glauben kann, sehr turbulent. Was aber auch nicht so richtig überrascht. Griselda, die jetzt auf die 30 zugeht, hat viele Affären mit Männern und Frauen. Ja, und auch Ehemann Alberto ist wohl außerehelich unterwegs. Zumindest berichten das Mitarbeiter später. Und wenn solche Partner dann auch noch gemeinsam ein Millionen-Business und Dealer-Netzwerk führen, dann kann das schon mal heftig krachen. Griselda Blanco scheint nicht diejenige zu sein, die Klein bei gibt. Und ihre Grausamkeit, die stellt sie jetzt immer öfter unter Beweis, wenn sie Gegner ausschalten lässt. Wenn die Chefin nicht selbst Hand anlegen will, schickt sie ihre bewaffneten Bewacher los. Junge Männer, die Pistoleros genannt werden. Sie selbst hat laut der Website vice.com immer einen vollgetankten Learjet bereitstehen und eine geladene Waffe in ihrem Straußenlederstiefel.
Griselda's Style ist eh extravagant. Das kann man auf vielen Fotos sehen. Sie liebt Pelzmäntel, Hüte, Schmuck und teure Uhren. Der Spiegel schreibt, das möchte ich euch jetzt mal kurz vorlesen. Dies war auch die Zeit der großen Partys. Griselda suhlte sich im Luxus, kaufte einen Ring von Eva Perron und ein Teeservice der Queen. In ihrem Penthouse veranstaltete sie glamouröse Feste, zu denen alle Großen des Businesses geladen waren. Wie alle anderen soll auch Pablo Escobar bei jedem Besuch die Nase jener Bronzeskulptur gerieben haben, die Blanco von sich selbst habe anfertigen lassen und in der Halle aufgestellt hat. Diese Geste sollte nämlich Glück bringen. Ganz kurz nochmal zurück zu Eva Perron. Diese Frau, die das Herz der Argentinier und Argentinierinnen bis heute bewegt, ist auch eine kontroverse, aber faszinierende Persönlichkeit. Unser neunter Fall ist übrigens ihr gewidmet, falls ihr mal reinhören wollt. Aber jetzt zurück zu Griselda. Ja, ihre Liebe zum Luxus, die kann man nach den Kindheitsjahren in Armut ja fast noch verstehen. Wenn du jahrelang nicht weißt, ob du am nächsten Tag noch was zu essen hast, dann ist dieser plötzliche Reichtum natürlich gigantisch. Griselda feiert das Leben und gönnt sich. Der Spiegel schreibt 2012 über sie Folgendes.
Griselda Blanco war keine schöne Frau. 1,50 groß, 75 Kilo schwer, ein mächtiger Kiefer, ein beeindruckendes Doppelkinn und ein runder Kopf mit Knautschgesicht, der ihr den Spitznamen Kartoffel einbrachte. Spannend ist vielleicht auch Griselda Sexualität. Sie liebt, wie schon erwähnt, ihr Leben lang Männer und Frauen. In der Netflix-Serie wird ihr eine Liebelei mit einer ihrer Getreuen angedichtet. Aber nachgewiesen ist es nicht. Vielleicht ist das auch nur dramaturgische Serienfreiheit. Die Zeitung Toronto Sun schreibt übrigens, dass sie in ihrem Zuhause etliche wilde Orgien durchgeführt hat. Das alles verstärkt den Eindruck, dass sich Griselda Blanco nimmt, worauf sie Lust hat. Das könnte ja auch ein feministischer Take sein, wenn es nicht auch überaus gewalttätig wäre und wenn nicht überall auch Drogen im Spiel wären. Außerdem sind ihre Komplizen ja so gut wie alle von ihr abhängig. Sprich, sie hat jetzt die Macht und die nutzt sie gnadenlos aus. In Sachen Grausamkeit ist Griselda Blanco erfinderisch. Da sie immer wieder Konkurrenten ausschalten lässt, die ihrem Business im Wege stehen, oder Leute, an denen sie sich für irgendwas rächen will, führt sie eine neue Art von Anschlägen ein, nämlich Drive-By-Shootings.
Das sind Morde vom Motorrad oder Auto aus, quasi im Vorbeifahren. Damals ist keine Straße oder Kreuzung Kamera überwacht. Und wer schnell ist, kann ungesehen davon kommen. Das wird später noch eine entscheidende Rolle spielen.
Mehrere Menschen werden so Opfer dieser Tötungsmethode. Sie gehen irgendwo die Straße lang oder stehen vor einem Haus und dann nähern sich die Schützen auf einem Motorrad, feuern ab und rasen weiter. Man hat keine Chance. Die Polizei in Miami, New York und Los Angeles arbeitet währenddessen fieberhaft daran, diesem Kokainkartell auf die Schliche zu kommen. Mit jedem dieser Morde wird wohl klarer, eine Frau steht hinter diesem mächtigen Kartell und die schreckt vor wirklich gar nichts zurück. Immer mehr Zeugen berichten, dass sie in den Clubs eine Frau beim Dealen gesehen haben. Und langsam wird klar, die könnte viel mehr sein als eine Dealerin. Eher der Kopf des Ganzen. Und die Motorradkiller führen scheinbar nur ihre Befehle aus.
1975 geht Griselda Blanco den Ermittlern aber fast ins Netz. Sie und 37 ihrer Komplizinnen und Komplizen werden nämlich in Nordamerika wegen Drogenhandels zur Fahndung ausgeschrieben. Diese Großoffensive heißt Operation Banshee. Die Behörden entdecken an Bord eines kolumbianischen Schiffs, das anlässlich einer Feier den Hafen von New York ansteuern soll, 6 Kilogramm Koks. Das ist ja nichts im Vergleich zu den Mengen, die da sonst angekarrt werden, aber es ist ein Anfang. Allerdings entkommen Griselda's Leute. Und sie lässt sich bei so etwas ohnehin nicht mehr erwischen. Der damalige Ermittler Bob Palombo sagt laut Spiegel, und ich zitiere nochmal, Wir hatten Beweise, aber es war unmöglich, Griselda Blanco aufzutreiben.
Griselda, die ja immer einen getankten Learjet für genau solche Fälle und einen guten Instinkt für Gefahren hat, setzt sich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in ihrer Heimat Kolumbien ab. Griselda und ihre Leute verlegen ihr Geschäft von New York in den Süden des Landes, nach Miami, Florida. Sie lassen Flugzeuge mit Tonnen von Kokain auf Privatflughäfen landen, bauen Lieferwagen für Drogentransporte um und schicken Kokain in Sendebojen auf offene See, wo es dann von Mitarbeitern eingesammelt wird. Und das in einer Zeit, in der der konservative, republikanische US-Präsident Ronald Reagan verspricht, Mafia und Drogensümpfe trocken zu legen. Griselda wird immer mächtiger und auch immer skrupelloser. Die Frau muss wirklich Nerven aus Stahl haben, jedes Mal, wenn sie bei der Einreise an der Passkontrolle steht. Ich meine, die Frau wird mittlerweile mit internationalem Haftbefehl gesucht und sie hat niemanden, der sich im Fall ihrer Festnahme zum Beispiel um ihre Kinder kümmern würde. Ihrem zweiten Ehemann scheint sie auch nicht über den Weg zu trauen, wie wir gleich noch sehen werden. Und trotzdem zieht sie das Business total abgezockt weiter durch.
Vielleicht wurde die Einreise ja auch etwas reibungsloser durch kleine eingesteckte Geldscheine im Pass. Könnte ja sein, denn das war in den damaligen Zeiten in Kolumbien durchaus mal möglich. Völlig schleierhaft ist allerdings, wie sie die Einreise in die USA geschafft haben. Jeder, der mal in der Immigration-Schlange stand, der weiß, dass es da super streng zugeht. Das war damals sicher nicht anders. Griseldas Imperium jedenfalls wächst und wächst. Sie schreckt offenbar noch nicht mal davor zurück, ihre eigenen Ehemänner zu töten. Sie und ihr zweiter Mann, Alberto Bravo, waren ja fast ein Jahrzehnt lang zusammen. Von Mitte der 1960er bis in die frühen 1970er und sind längst getrennt. Aber wie wir eingangs schon sagten, als Mann von Griselda Blanco lebt man zeitlebens gefährlich. Vor allem, wenn sie dich als Konkurrenten empfindet.
1975 gibt's ja auf dem Parkplatz eines Nachtclubs in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá diese Schießerei, von der wir zu Beginn der Folge schon mal erzählt haben. Und in diese Kugelschlacht sind Griselda Blanco und ihr Ex-Mann verwickelt. Das muss ein Streit um Geld und Reviere sein, der aber zum blutigen Showdown zwischen den zwei Ex-Eheleuten wird. Für Alberto endet dieser letzte Beziehungskampf tödlich. Laut Business Insider schießt er aus einem Auto heraus, zunächst auf seine Ex-Frau und trifft ihren Bauch. Das ist aber keine Art von Selbstverteidigung, denn jetzt kommt eine Schilderung, die einem einen Schauer über den Rücken jagt. Einer von Griselda's Pistoleros erzählt nämlich gegenüber Journalisten später Folgendes über diese Szene.
Sie erzählte mir, dass sie am offenen Fenster von Bravos geparktem Auto stand und er etwas sagte, was sie wütend machte. Also griff sie hinüber, steckte ihm die Mündung ihrer Waffe in den Mund und drückte ab. Okay, das hat wirklich was von wilder Westen. Zweimal verheiratet, zweimal sterben die Ehemänner. Gewaltsam. Beim ersten hieß es ja gesundheitliche Probleme, aber fast alle Quellen legen sich ja darauf fest, dass Griselda dabei war.
Ab jetzt bekommt Griselda von den Medien den Beinamen die Schwarze Witwe. Sie lebt wieder in Kolumbien. Vermutlich taucht sie immer wieder mal unter. Sie hat ja ein großes Netz an Komplizen, die sie decken. Und bei all dem darf man ja nicht vergessen, dass Griselda noch dreifache Mutter ist und irgendeine Art von Familienleben führen muss. In Kolumbien lernt sie in dieser Zeit Ehemann Nummer drei kennen. Auch er lässt sich wohl nicht vom grausamen Ende seiner Vorgänger abschrecken. Und er heißt Dario Sepulveda und arbeitet als eine Mischung aus Aufpasser und Killer für sie. Mit ihm bekommt sie 1978 Sohn Nummer 4. Michael, benannt nach Michael Corleone aus dem Mafia-Epos der Pate. Die mittlerweile 35-jährige Giselda und ihr Drogenimperium werden immer bekannter. Nach ihr wird gefahndet, ihr Gesicht ist auf Suchplakaten und mehr als 1500 Dealer arbeiten laut Vice für sie. Und die Gewalt legt sich wie ein Algenteppich über ihr gesamtes Leben. Es gibt immer mehr blutige Anschläge, sowohl in Kolumbien als auch in Nordamerika, also USA. Dass die bei all den Schießereien noch einen Überblick haben, wer sich da eigentlich an wem rächen wollte –.
Am 11. Juli 1997 werden bei einer Schießerei in Miami in einem Shop ein Kokain-Dealer und sein Bodyguard getötet. Es gibt Fotos von fassungslosen Bürgern, die am Tatort stehen. Die Drahtzieherin dahinter, wie sich sehr viel später erst herausstellen wird, ist Griselda. Laut Toronto Sun heißt ihre private Armee jetzt Cocaine Cowboys. Und es sind wirklich Wild West-Methoden, die sich da immer mehr ausbreiten.
Griselda operiert jetzt in Kolumbien und Miami, weil das der kürzeste Transportweg ist, und eliminiert einen Gegner nach dem anderen. Ein Ermittler sagt laut Gerichtsakten, Griselda töte ohne zu zögern, ohne Skrupel. Niemand sei vor ihr sicher. Manchmal töte sie Leute, die sie ihrer Meinung nach nur zu lange anschauen. Ihr dritter Ehemann Dario ist noch sicher vor ihr. Aber die eifersüchtige Griselda lässt wohl einmal acht Stripperinnen hinrichten, weil sie findet, die seien ihrem Mann zu nahe gekommen. Aber das ist nicht belegt. Aus Griselda ist eine richtige Serienkillerin geworden. Ihre Handlanger sind angehalten, ihr immer sogenannte Trophäen der Opfer mitzubringen, mal ein Finger oder ein Ohr. Und wenn es unfreiwillig Zeugen für ein Verbrechen gibt, dann müssen die auch sterben, selbst wenn es Kinder sind. Einige der Aktionen gehen dazu noch grauenvoll schief. 1982 befiehlt Griselda einem ihrer Cowboys, einen Geschäftspartner auszuschalten, der bei ihr in Ungnade gefallen ist. Und das ist nochmal extrem furchtbar. Der Schütze zielt auf das Auto, trifft aber nicht den Geschäftspartner, sondern dessen zweijährigen Sohn, der mit im Auto sitzt.
Und der Schütze sagt später vor Gericht aus, zuerst sei Griselda sauer gewesen, weil er sein Ziel verfehlt habe, habe sich dann aber, Achtung, gefreut, dass der Mann jetzt sein Leben lang mit dem Verlust seines Kindes gestraft ist. Das ist wirklich eine unfassbare Eiseskälte, denn die Frau ist ja selbst vierfache Mutter und lässt jetzt Kinder töten. Und Griselda wird noch härter. Sie hält sich laut Weiß übrigens einen deutschen Schäferhund namens Hitler. Das glaubt man ja fast schon nicht mehr, so bizarr wirkt hier alles. Ganze fünf Jahre lang konnte sich ihr dritter Ehemann Dario Sebulvera vor der Frau sicher fühlen, aber die schwarze Witwe schlägt auch hier wieder gnadenlos zu.
Denn 1983 muss ihr kleinster Sohn gerade mal mit fünf Jahren mit ansehen, wie sein eigener Vater erschossen wird. Anscheinend hat sich Dario schon länger um das Wohlergehen seines Sohnes gesorgt, weil sich Griselda mehr für Koks und Geld interessiert hat als für ihr Kind. Und prompt entbrennt ein Krieg zwischen den Eheleuten. Griselda dreht anscheinend total durch und wirft ihrem Mann Untreue vor. Er entführt den gemeinsamen Sohn Michael daraufhin nach Kolumbien. In der Serie wird Griselda trotz aller Gewalttaten als liebende Mutter dargestellt. Aber das scheint hier ein reiner Machtkampf um das Kind zu sein und sie ist, wie immer, fest entschlossen zu gewinnen. 1983 wird ihr dritter Ehemann Dario auf der Straße in Medizin von zwei uniformierten Polizisten angehalten. Einer seiner Mitarbeiter schildert die Szene laut OK Magazine so, dass die Polizisten Dario auffordern, aus dem Auto auszusteigen. Als er aussteigt, legen sie ihm Handschellen an, woraufhin er wegläuft. Dann erschießen sie ihn hinterrücks, vor den Augen seines kleinen Sohns. Wahnsinn, das muss man sich mal ganz kurz vorstellen. Als Polizisten verkleidete Mörder. Griselda riskiert im Prinzip, dass ihr eigener Sohn auch aus Versehen mit erschossen wird. Eine Meinungsverschiedenheit mit dieser Frau kann ein Todesurteil sein.
Angeklagt wird sie übrigens für keinen der Morde an ihren Männern. Die Blutspur, die Griselda Blanco hinter sich herzieht, wird jetzt immer mehr zum Strom. Auf dem Höhepunkt dieses Gewalt-Tsunamis, kann man es ja fast schon nennen, hat in Miami jeder vierte Tote in den städtischen Leichenhallen Schusswunden. Stellenweise gibt es so viele Tote, dass die Beerdigungsunternehmer Kühllaster von Fast-Food-Ketten leihen müssen, um die Leichen transportieren zu können. Falls ihr euch jetzt völlig zu Recht fragt, wie das denn bitte all die Jahre ohne Konsequenzen ablaufen konnte, ohne dass die Frau verhaftet wird, ja, das ist unglaublich. Aber im Hintergrund arbeitet die US-Drogenbehörde zehn ganze Jahre fieberhaft daran, Griselda irgendwas nachzuweisen. Erstmal unterschätzen sie sie ja lange Zeit. Niemand glaubt, dass eine Frau solch ein grausames Kartell hochziehen und immer mächtiger werden kann.
Griselda hat außerdem viele Wohnsitze, noch mehr Komplizen und ändert ständig ihr Aussehen. Sie selbst soll süchtig nach Koks in Pastenform sein. Als sie wieder in die USA einreist, erkennt niemand von den Einwanderungsbehörden sie, denn ihr Gesicht ist mittlerweile vernarbt und aufgequollen und vom Drogenmissbrauch ziemlich entstellt. Sie geht den Ermittlern dadurch mehrmals durch die Lappen. Erst am 17. Februar 1985, nur zwei Tage nach ihrem 42. Geburtstag, wird Griselda Blanco endlich in Irvine in Kalifornien festgenommen. Auf dem Mugshot, also dem Polizeifoto, erkennt man sie gar nicht. Aus der jungen Frau ist eine Frau mit extrem aufgedunsenem Gesicht und total kaltem Blick geworden. Es dauert aber allein vier Jahre, bis genügend Zeugen und ehemalige Dealer gefunden werden, die bereit sind, gegen Griselda auszusagen. Die meisten fürchten sich vor ihrer Rache, die auch kommt.
Ihr ehemaliger Auftragskiller Jorge Ayala liefert die wichtigste Zeugenaussage in diesem Prozess. Aber Griseldas Netzwerk führt den Mann in eine fiese Falle. Er fällt auf die Flirtversuche einer Frau herein, die sich später als die Sekretärin des Staatsanwalts entpuppt. Die beiden haben Telefonsex, der zufällig mitgeschnitten wird. Und jetzt ratet mal von wem. Ganz genau. Griseldas Leute, die hier Methoden wie in einem Agententhriller anwenden. Damit ist der Mann als Hauptzeuge natürlich untragbar. Der Anklage fehlt jetzt ein wichtiger Baustein. Und eine Frau wie Griselda, die eigentlich für ihre Taten mehrmals lebenslänglich bekommen müsste, kommt mit einer ziemlich milden Strafe davon. Das Urteil lautet 15 Jahre Haft für Drogenschmuggel und Totschlag. Sie wird am Ende nur 10 Jahre davon in einem Gefängnis in Florida absitzen und aufgrund ihrer schlechten Gesundheit vorzeitig entlassen werden. Für Psychiater ist allerdings klar, ein Teil ihrer Persönlichkeit hat die Gewalt dann einfach abgespalten, weshalb Griselda auch nie irgendwelche Gewissensbisse zu haben scheint.
2004 kommt Griselda Blanco also wieder frei und wird sofort in ihre Heimat Kolumbien überführt. Die Strafverfolger in den USA warten faktisch nur darauf, so erzählt es der YouTube-Channel A&E, dass sie von irgendjemandem niedergestreckt wird. Und jetzt ist sie faktisch vogelfrei und muss erstmal sehen, ob ihr altes Netzwerk noch funktioniert. Vielleicht sind Leute, die ihr gegenüber loyal waren, mittlerweile übergelaufen oder abgesprungen oder haben ausgepackt. Aber alle täuschen sich. Griselda ist ja immer noch schwer reich, hat hunderte von Millionen Dollars auf verschiedenen Konten und als Goldreserven rund um den Globus versteckt. Und dort zieht sie jetzt in ein edles Wohnviertel in der Stadt Medellin in Kolumbien.
Die britische Zeitung Guardian schreibt, ich zitiere, Vielleicht hat sie sich nach Kolumbien zurückgezogen und war nicht mehr die Verbrechensgröße von früher. Aber sie hatte immer noch überall Feinde, die nur darauf warteten, sich an ihr zu rächen. Tja, und notfalls auch an ihren Kindern. Griseldas Leben voller Gewalt hat auch das ihrer ersten drei Söhne zerstört. Alle werden laut Miami New Times bei irgendwelchen Racheaktionen erschossen, weil sie selbst in den Drogenhandel eingestiegen sind. Vielleicht aber auch als Racheakt an ihrer Mutter. Dixon wird erschossen, als er zu seinem Auto geht. Oswaldo in einem überfüllten Nachtclub. Uber in Kolumbien, als er einen Drogendeal abschließt. Am 3. September 2012, da ist Griselda 69 Jahre alt, kauft sie in einer Metzgerei in der Nachbarschaft Fleisch ein. Laut Spiegel zusammen mit ihrer schwangeren Schwiegertochter.
Da rast plötzlich ein Motorrad nah an sie heran. Zwei Schüsse knallen und Griselda Blanco sackt getroffen zu Boden. Ihre Schwiegertochter legt ihr laut Augenzeugen sofort eine Bibel auf die blutende Brust. Die hat sie wohl zufällig dabei.
Griselda Blanco wird noch in ein Krankenhaus gebracht, erliegt dort aber ihren schweren Verletzungen. Die größte Kokain-Königin der Geschichte ist tot. Ein ehemaliger Kriminalbeamter aus Miami, der sagt dem Miami Herald, ich zitiere euch das mal, Es ist für uns alle überraschend, dass sie nicht schon viel früher getötet wurde, weil sie sich so viele Feinde gemacht hat. Wer so viele Menschen getötet und verletzt hat wie sie, wird früher oder später gefunden. Es ist ja fast schon Ironie des Schicksals, dass Griselda Blanco genau mit der Methode getötet wird, die sie quasi erfunden hat, also dem Drive-By-Shooting. Schnell, effizient und fast spurlos. Ihre Mörder wurden übrigens bis Stand heute, 13 Jahre später, nicht gefunden. Ihr jüngster Sohn Michael lebt heute als einziger aus der Familie noch. Er wurde nach dem Tod seines Vaters in die Obhut seiner Mutter zurückgegeben, einer international gesuchten Drogenbaronin und Mörderin. Bis zu ihrer Verhaftung 1985 lebt er bei ihr. Danach übernehmen die Großeltern väterlicherseits.
Nachdem Michael 2012 selbst wegen Kokainhandels verhaftet wurde, da beschließt er, das Ruder rumzureißen. Er vertreibt heute eine Lifestyle-Marke, die sich auf Streetwear und Cannabis-Produkte spezialisiert hat. Dem People Magazine sagt er im Interview, Ich musste mich befreien, denn ich wollte nicht, dass meine Kinder sowas erleben müssen wie ich früher. Zwei Jahre lang spielt Michael außerdem die Hauptrolle in der VH1-Reality-Show Cartel Crew.
2021 heiratet er und bekommt mit seiner Frau eine Tochter namens Faith. Übersetzt bedeutet das so viel wie Glaube oder Vertrauen. Das scheint zumindest eine halbwegs friedliche Existenz nach dieser Höllenkindheit zu sein. Mittellos wird er aber nicht sein, denn obwohl ein großer Teil von Griseldas Vermögen von den Behörden beschlagnahmt und eingefroren wurde, hat sie dennoch ihre Millionen über andere Kanäle gesichert. Und es gibt ja nur noch eine Nachkommen, nämlich ihren jüngsten Michael. Auf dem Gipfel ihrer Verbrecherinnenkarriere besitzt sie etliche Immobilien in Miami und Kolumbien.
Dort ist das Haus eine 1500 Quadratmeter Villa mit parkartigem Garten in einem Nobelvorort vor Medellin. Außerdem gehört ihr zu dieser Zeit ein 25 Millionen Dollar Apartmentkomplex. Nach ihrer Verhaftung finden die Behörden noch mal mehr als 20 Immobilien in Bogotá und in ihrer Heimatstadt Catarina, die auf ihren Namen registriert sind. Aber unter anderem Namen vermuten die Behörden noch mehr, nämlich mehr als 200 Häuser in ihrem Besitz, und zwar über ganz Kolumbien verstreut. Griselda Blanco hat zwar unzählige Verbrechen begangen, aber ihr Vermögen offenbar gezielt aufgebaut und klug verwaltet. Zum Zeitpunkt ihres Todes wurde ihr Vermögen immer noch auf 100 Millionen Dollar geschätzt. Der Preis, den alle für dieses Vermögen gezahlt haben, ihre Männer, ihre Kinder, ihre Feinde, aber auch sie selbst, der war aber verdammt hoch. Laut der spanischen Tageszeitung El Pais wurde Griselda Blanco auf dem Friedhof in einem Nobelstadtteil vor den Toren von Medellin beerdigt. Nur ein paar Gräber weiter liegt laut OK Magazine ausgerechnet der Drogenbaron, der sie zeitlebens gefürchtet hat, nämlich Pablo Escobar. Sein Grab ist mit dem Aufkommen des Narcos-Serien-Hypes verschönert und gepflegt worden, während Griseldas Grab eine schlichte Steinplatte im Gras ist.
Merkwürdigerweise teilt sie sich ein Grab mit Luis Restrepo, einem ihrer späteren Liebhaber, den sie hinrichten ließ. Warum, das wissen wir auch nicht. Aber für rund 25 Euro kann man eine Tour über diesen Friedhof buchen. Die Frau ist in der Netflix-Serie übrigens dann doch nicht ganz so blutrünstig dargestellt worden. wie sie offenbar war. Vielleicht liegt das daran, dass man natürlich irgendeine Art von Heldinnen-Geschichte schaffen will. Von einer Frau, die sich im härtesten Business gegen Männer durchsetzt. Oder aber an Stars wie der Hauptdarstellerin Sofia Bergara, die auch Produzentin ist? Die will ihre Figur sicherlich zumindest ein bisschen sympathisch auskleiben. Einer der Chefermittler sagt laut Spiegel, ich zitiere nochmal, Ich glaube nicht, dass ihr gewalttätiges Verhalten irgendetwas damit zu tun hatte, dass sie sich als Frau beweisen wollte. Sie war einfach nur ein gewalttätiger Mensch.
Insofern ist Pablo Escobas Ausspruch, sie sei der einzige Mann, vor dem er je Angst gehabt habe, gar nicht so unberichtigt. Der floh übrigens aus dem Gefängnis und wurde dann von einer kolumbianischen Militäreinheit gejagt und erschossen. Übrigens hat Griseldas einzig überlebender Sohn Michael Netflix und die Co-Produzentin Sofia Vergara gedroht, zu verklagen, weil sie seiner Meinung nach unerlaubt private Details verwendet haben. Fast hätte die Serie also nicht ausgestrahlt werden können. Aber wie so oft in Hollywood geht es am Ende vor allem ums Geld. Man hat sich auf einen Vergleich geeinigt. Und wir können uns darauf einigen, dass diese Geschichte, die wir euch heute erzählt haben, echt hart ist, oder? So viel Blut ist bei uns lange nicht in der Folge geflossen. Und wir sind schon sehr gespannt, was ihr zu Griselda und ihren ganzen Verbrechen sagt.
Allerdings, Griselda ist ein bisschen arg gruselig, oder? Voll, ja. Also das ist ja wirklich, das kann man sich gar nicht vorstellen, was die Frau alles in ihrem Leben erreicht, ist ja das völlig falsche Wort, aber was die alles in ihrem Leben gemacht hat, beziehungsweise hat machen lassen, muss man ja eigentlich sagen. Es ist auch interessant, wir haben ja oft über Frauen erzählt, die zum Beispiel ohne Väter groß werden oder wirklich problematische Kindheiten haben. Aber ich glaube, korrigiere mich, sie ist eine der wenigen, die diese Traumata so verarbeitet, dass sie selber eine krass gewalttätige Täterin wird, oder? Ja, und das ja in allen Bereichen auslebt. Also sie lässt ihre Gegner ausschalten, das ist ja das eine, aber sie entledigt sich ja auch ihrer Ex-Ehemänner und geht einmal ja sogar das Risiko ein, dass ihr eigenes Kind dabei verletzt wird. Also da frage ich mich auch, warum bekommt man denn erst vier Kinder, wie in ihrem Fall, wenn man anschließend aber dieses große Risiko eingeht, dass einem eigenen Kind etwas Schlimmes passiert und das Kind mit ansehen muss, wie sein Vater stirbt in dem Moment. Also ja, dass sie das einfach so auf sich genommen hätte, dass dann wiederum ihr Kind ja für immer traumatisiert gewesen wäre. Ich glaube, was man auch nicht vergessen darf, wir erwähnen es nur kurz, weil die Geschichte so umfangreich ist, aber sie ist ja auch kokainabhängig. Und wenn du eine Sucht hast, dann kommt die Sucht immer zuerst, vor allem und vor jedem anderen.
Vielleicht hat das wirklich eine sehr große Rolle hier gespielt. Sie ist einfach auch selber, wie heißt es so schön, du sollst ja nicht deinen eigenen Drogen nehmen. Ja. Und sie hat das aber gemacht und damit ja diese Regel von Dealern, glaube ich, auch irgendwie gebrochen und ist ja letztendlich auch total gescheitert. Ja, stimmt. Das kann ich mir immer nicht vorstellen, weil ich nicht süchtig bin.
Ja, Gott sei Dank. Kann ich mir das gar nicht vorstellen, dass irgendeine Droge wichtiger sein kann als deine Kinder und deine Partnerschaft, aber vor allem eben die Kinder. Ja, also was für eine krasse Geschichte und ich finde es auch immer interessant, dass dann natürlich die Geschichte genommen wird und daraus aber in einer Netflix-Serie oder von einem anderen Anbieter die Geschichte, ich sag mal, ein bisschen aufpoliert wird, aber wie du schon gesagt hast, sie wollten wahrscheinlich einfach diese Heldinnen-Geschichte daraus machen und deswegen trug die Griselda in der Serie eben schöne Vintage-Kleidung, damit es auch einfach ein bisschen netter wird, sich das Ganze anzuschauen. Ja, das macht ja auch Sinn. Apropos Zuschauen, Zuhören eher. Wir freuen uns natürlich, wenn ihr nächsten Donnerstag wieder dabei seid, uns auf Spotify folgt oder auch auf Apple Podcasts und ihr könnt uns auch schreiben bei Im Schatten der Macht. Alles ein Wort auf Instagram oder auch auf YouTube. Ihr schreibt ja auch schon fleißig. Über die meisten Kommentare freuen wir uns auch, aber wir lesen wirklich alle. Insofern stay tuned und bis ganz bald, eure Ricardia. und eure Anne bis nächsten Donnerstag.
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