Willkommen bei Blackbox, dem Sci-Crime-Podcast. Euch erwartet ein True-Crime-Podcast mit der Extra-Portion Psychologie. Ich bin Maxi. Und ich bin Babsi. Ihr habt euch schon immer gefragt, was Menschen dazu bringt.

Music.

Schreckliche Taten zu begehen? Dann seid ihr hier genau richtig.

Hallo, hallo und herzlich willkommen zurück zu unserer zweiten Folge von drei Folgen zu Kurt-Werner-Wichmann. Babsi, du darfst heute aufatmen, denn heute geht es nicht um Cold Cases, beziehungsweise letzte Folge war ja so ein halber Cold Case. Wir wussten am Ende nicht ganz genau, ob jetzt Kurt-Werner-Wichmann verantwortlich war für die Gördemorde. Und heute, ich kann dich beruhigen, werden wir das aufklären und wir haben einen weiteren vermissten Mordfall-Fragezeichen, in dem Kurt Werner-Wichmann eine Rolle gespielt haben könnte. Und auch das wird heute beantwortet. Das heißt, du bleibst heute nicht mit offenen Fragen zurück, obwohl ich gerade mir denke, dass ich das relativieren muss, weil ich glaube, der letzte Satz in dem heutigen Fall, der macht wieder ein paar Kisten auf. Aber hey, zumindest die Gerdemorde und der Fall, über den wir heute sprechen, der ist geklärt. Das ist doch zumindest schon mal ein Lichtstreif am Horizont.

Ich freue mich mega auf die Folge. Ich bin super, super gespannt auf den zweiten Teil des Falls und ja, ich habe die letzte Folge mit dem Cold Case bisher ganz gut weggesteckt. Ja, ich habe mir ein bisschen den Kopf zerbrochen. Ja, ich habe mich stark zurückgehalten, es nicht zu recherchieren, es nicht nachzugucken, sondern wirklich den Blindspot bezüglich des Falls zu behalten. Es ist mir nicht leicht gefallen, aber here we are. An dieser Stelle möchte ich gerne Grüße rausschicken an meine liebe Mama. Hallo Tanja.

Denn Tanja, oder von mir ab und zu auch liebevoll Mama genannt, hat mich auf diesen Fall tatsächlich gebracht. Und die Gute hat uns, bzw. Mia, ich habe den Fall ja geschrieben, du kennst ihn ja noch nicht, sehr, sehr dolle geholfen, indem sie alle Dokus gesehen hat, die sie gefunden hat. und für mich alles mitgeschrieben hat, eins zu eins. Sie hat Dialoge mitgeschrieben, damit ich möglichst viele Informationen habe, die ich dann in diesen Fall einbauen kann. Also meine Mutter ist tatsächlich für mich mit der größte Ideengeber für irgendwelche True-Crime-Fälle. Denn ich habe mal gesagt, dass ich viele Dokus auf Netflix geguckt habe. Und mittlerweile, meine lieben Freunde, ist es so, dass meine Mutter, die hat alles gesehen. Jedes Mal habe ich die Frage, guck mal, hast du schon die True-Crime-Doku gesehen? Und die, guck mal, wahre Begebenheit, generell wahre Begebenheit, Tanja ist abgeholt. Dann sagt die mir, ja, natürlich, das habe ich schon vor drei Jahren gesehen, das ist schon ganz lange online. Kanntest du das etwa noch nicht? Siehst du, das finde ich aber gut, weil jetzt weißt du mal, wie sich das anfühlt, auf meiner Seite zu sein, ja? Es ist ein schwieriges Gefühl. Ja, ja. Und dann denke ich immer, ich muss es auch gucken und dann tue ich es auch und dann rufe ich sie an und bin ganz aufgeregt und sage, Alter, hast du das, weißt du, voll wild? Und sie so, ja, ich weiß. Ja, jetzt warte mal, guck mal die nächste Folge. Kannst du mir so gut vorstellen Ach Tanja, du bist die Beste Props gehen raus, vielen Dank für deine Unterstützung, wir freuen uns auf weitere Male.

Bevor wir jetzt aber zum eigentlichen Fall kommen, haben wir ja hier noch die Rubrik, bei der wir über Hörer und Hörerinnen, Mails, Nachrichten, wie auch immer sprechen und normalerweise immer eine vorstellen. Aber dieses Mal haben wir gesagt, wir nutzen diesen Slot ganz eigennützig für uns, beziehungsweise für ein Bunch von euch quasi, weil wir nach der letzten Folge, also nach einer der letzten Folgen, die Folge zum Thema Angel Dust, also PCP, die Drogen-Neuro-Folge, die wir gemacht haben, so viele Nachrichten bekommen haben, dass wir das häufiger tun sollen. Und dass wir häufiger über Drogen sprechen sollen und über die Wirkung von Drogen im Gehirn. Und deswegen nutzen wir diesen Kategorie-Rubrik-Spot, um euch zu bitten, schickt uns super gerne Fälle, in denen sämtliche Arten von Drogen eine Rolle gespielt haben. Schickt uns super gerne bestimmte Drogen oder bestimmte Substanzen, bei denen es euch interessiert, wie sie im Gehirn wirken. Schickt uns gerne auch alles andere, bei dem ihr gerne mehr über die neurobiologischen oder auch neurochemischen Inhalte wissen wollt. Ich kann so viel sagen. Ich bin schon an der nächsten Neuro-Folge dran. Es wird also eine kommen. Aber wir freuen uns natürlich mega von euch zu hören. Was interessiert euch? Was wollt ihr hören? Und dann klären wir darüber auf und beschäftigen uns in einer der nächsten Folgen oder in mehreren der nächsten Folgen damit.

Und damit würde ich sagen, halten wir unser Vorgeplänkel und ja auch die Rubrik heute Ziemlich kurz und gehen direkt in den Fall rein, denn heute haben wir ganz, ganz, ganz viel zu besprechen.

14. August 1989, Lüneburg. Der Sommer liegt schwer über den Straßen, die Hitze hängt in den Gärten wie ein unsichtbarer Schleier. An diesem Abend klingelt es an der Tür von Harald Mayer. Es ist seine Frau Birgit, von der er sich vor einiger Zeit getrennt hat. Die beiden begrüßen sich und machen es sich im Wohnzimmer bequem. Sie sprechen über die bevorstehende Scheidung, die Stimmung ist jedoch nicht unangenehm. Harald fällt auf, dass Birgit ungewöhnlich schick angezogen ist. Er fragt nach, ob sie heute Abend noch etwas vorhat. Daraufhin lächelt sie verschmitzt, bleibt ihm aber eine Antwort schuldig. Harald gibt sich damit zufrieden, schließlich sind die beiden kein Paar mehr. Ihr Liebesleben geht ihnen nichts mehr an. Nachdem die beiden alles Wichtige geklärt haben, verabschieden sie sich.

Die Nacht bricht herein. Gegen 22 Uhr telefoniert Birgit mit ihrer Tochter Jasmin. Es ist ein kurzes, vertrautes Gespräch, das in dem Glauben beendet wird, sich morgen Abend wieder von Neuerlebtem erzählen zu können. Gegen Mitternacht schreckt Jasmin aus dem Schlaf auf. Sie kann später nicht mehr benennen, was der Auslöser für ihr abruptes Aufwachen war. Alles, woran sie sich erinnern wird, ist ein diffuses Gefühl, das schwer auf ihrem Herzen liegt. Kurze Zeit später schläft sie wieder ein. Am nächsten Morgen ruft sie ihre Mutter erneut an. Es klingelt, doch niemand nimmt den Anruf an. Das ist ungewöhnlich für Birgit, die eigentlich verlässlich ist wie ein Uhrwerk. Nach mehreren erfolglosen Versuchen setzt Jasmin sich ins Auto und macht sich auf den Weg zum Haus ihrer Mutter. Dort angekommen, findet sich keine Spur von ihr. Es ist still, die Zimmer sind leer. Das Auto steht in der Garage, als wäre der Tag nie begonnen worden. Noch vor Ort ruft Jasmin ihren Vater an. Der vermutet, dass Birgit nach Bad Segeberg gefahren sein könnte, in ein Möbelgeschäft. Das habe sie schließlich schon lange vorgehabt. Doch Birgit kommt nicht zurück. Auch Stunden nach Jasmins und Haralds Telefonat fehlt von ihr jede Spur.

Schließlich wählt Jasmin die Nummer ihres Onkels. Wolfgang Silaf ist zu diesem Zeitpunkt leitender Kriminalbeamter in Hamburg. Kann selbst in Bezug auf das Verschwinden seiner Schwester jedoch nicht tätig werden, da der Wohnort von Birgit außerhalb seines Zuständigkeitsbereichs liegt. Die zuständige Dienststelle in Lüneburg wird alarmiert. Und noch am selben Tag betreten Polizeibeamte das leerstehende Haus von Birgit Mayer. Sie finden keine Hinweise auf gewaltsames Eindringen oder gar einen Kampf. Was sie jedoch finden, sind eine angebrochene Flasche Sekt und zwei Gläser. Birgit scheint an diesem Abend nicht allein gewesen zu sein. Hinter dem Haus finden sie zudem einen Fußabdruck im feuchten Gras.

Doch fürs Erste wird dem nicht viel Aufmerksamkeit zugestanden. Die Polizei mahnt zur Geduld. Nicht jede vermisste Person ist Opfer einer Straftat. Manche Menschen verschwinden freiwillig, beginnen ein neues Leben. Doch Birgits Familie widerspricht dieser Theorie vehement. Birgit Meier war keine Person, die einfach abhaut. Die einfach woanders ein neues Leben aufbaut und ihre Familie vergisst.

Niemals hätte sie Jasmin zurückgelassen Niemals ihre Katze zu Hause vergessen, Auch einen Suizid schließt die Familie klar aus Es habe keine Anzeichen gegeben Im Gegenteil, Birgit habe noch so viel vorgehabt, Sie hatte sich gerade erst wieder nach der Trennung von Harald gefangen Habe ihr Leben wieder im Griff Wollte wieder zu ihrem lebensfrohen, energiegeladenen Selbst finden, Statt abzuwarten, wie die Polizei es ihnen empfiehlt, geben sie eine offizielle Vermisstenanzeige auf, drucken Handzettel, hängen Plakate mit Birgits Gesicht in der Stadt auf. Sie sind sich sicher, Birgit Meyer ist nicht einfach verschwunden. Sie wurde aus dem Leben gerissen. Vielleicht von dem gleichen Täter, der vor einiger Zeit in den nahegelegenen Gördewäldern zwei Doppelmorde begangen hat? Dann, zwei Wochen nach Birgit Meiers Verschwinden, taucht am 29. August 1989 plötzlich ein Brief auf. In einem Hamburger Postkasten eingeworfen, enthält er ihren Ausweis. Doch niemand weiß, hat Birgit ihn selbst dort eingeworfen? Lebt sie noch? Oder ist es ein makabres Spiel des Täters?

Zwei Monate nach ihrem Verschwinden drängt Wolfgang Sieler auf die Polizei dazu, den Fall endlich nicht mehr als vermisst zu betrachten. Nun wird er endlich als mögliches Verbrechen angesehen. Die Ermittler nehmen zuerst Birgits Ehemann ins Visier. Stundenlang wird er verhört. Sein Alibi weist eine Lücke von sechs bis acht Stunden auf. Ein erfolgreicher Unternehmer, Arbeitgeber von 300 Mitarbeitenden. Wohlhabend. Ein Mann, der, wie er selbst berichtet, nicht aus Liebe geheiratet habe, sondern eher aus Pflichtgefühl. Birgit allerdings habe das anders gesehen. Für sie war eher ihre große Liebe gewesen.

Umso erschütternder sei es für sie gewesen, als er sie für eine andere Frau verlassen habe. Sie sei in ein tiefes Loch gestürzt, habe immer wieder zum Alkohol gegriffen und ihrem Mann gedroht, ihn mit vertraulichen Informationen ins Gefängnis zu schicken. Bei der bevorstehenden Scheidung hätte Harald Mayer eine Million D-Mark an seine Ex-Frau zahlen müssen. Eine große Summe, selbst für einen so erfolgreichen Unternehmer wie Harald Mayer. Das könnte ein Motiv sein, Mord aus finanziellen Gründen.

Die Polizei drängt ihn zu einer Aussage, hofft auf ein Geständnis. Sie durchsuchen sogar ohne Beschluss sein Boot an der Ostsee, finden jedoch keine Leiche. Ob er sie auf hoher See versenkt hat? Doch diese Spur verläuft im Sande. Das mögliche Mordmotiv löst sich in Luft auf, als bekannt wird, dass Harald Mayer seiner Frau seit der Trennung immer wieder hohe Geldsummen zur Verfügung gestellt hat. Die Million, die er ihr nach der Scheidung hätte zahlen müssen, stellt da keine deutlich größere Belastung dar. Die Ermittler tappen also weiterhin im Dunkeln. Ein Jahr nach Birgits Verschwinden wird der Fall in Aktenzeichen XY ausgestrahlt. Nach der Sendung meldet sich eine Frau. Sie erinnere sich, Birgit vor ihrem Verschwinden auf einer Nachbarschaftsparty gesehen zu haben. Dort habe sie sich viel mit einem blonden Mann mit großer Brille unterhalten, ihrem Hausfreund, wie sie ihn im Gespräch mit dieser Freundin immer wieder nannte.

Sofort drückt dieser Mann ins Zentrum der Ermittlungen. Sein Name? Kurt-Werner Wichmann.

Bei dem Verhör gibt er an, Birgit tatsächlich immer mal wieder getroffen und sich gut mit ihr verstanden zu haben. An diesem besagten Partyabend habe sie viel getrunken, sodass sie am Ende vollkommen alkoholisiert nach Hause gebracht werden musste. Er habe das übernommen, habe sie begleitet und sie ins Bett gelegt. Wo er zum Zeitpunkt ihres Verschwindens war? Er sei mit dem Hund auf der allabendlichen Gassigeerunde gewesen. Aus der Akte entnehmen die Beamten, dass Wichmann mehrfach vorbestraft ist, unter anderem wegen Vergewaltigung und Körperverletzung. Doch es gibt keine direkten Beweise, keine klaren Indizien, dass er auch was mit dem Verschwinden von Birgit Meier zu tun haben könnte. Also wird er wieder freigelassen. Die Akte wandert weiter zur Staatsanwaltschaft. Auf Drängen eines engagierten Ermittlers, der Wichmann trotz den fehlenden Beweisen nach wie vor im Auge hat, veranlasst die Staatsanwaltschaft 1993 dennoch eine Hausdurchsuchung in Wichmanns Elternhaus, in dem er mittlerweile mit seiner Ehefrau lebt.

Da sie ihn dort nicht antreffen, rufen sie den Hauptverdächtigen an, um ihn über die Hausdurchsuchung zu informieren. Doch statt umgehend zu Hause zu erscheinen, taucht Wichmann daraufhin unter. Nun ist er ein Tatverdächtiger auf der Flucht. Die Ermittler beginnen mit der Hausdurchsuchung. Es ist ein großes Gebäude, direkt am Waldrand, auf einem riesigen Grundstück. Sie stoßen auf eine verschlossene Tür im Dachgeschoss, von außen gepolstert. Als sie Zutritt verlangen, teilt Wichmanns Frau ihnen mit, dass sie keinen Schlüssel für dieses Zimmer hat. Nur ihr Mann und dessen Bruder könnten Zutritt gewähren. Die Polizei entscheidet sich, die Tür aufzubrechen und steht anschließend in Wichmanns geheimen Zimmer.

Was die Ermittler dort finden, lässt selbst erfahrene Polizisten verstummen. Handschellen, ein Revolver, geheime Verstecke in den Wänden, Munition, Ketten, Schalldämpfer, Messer, eine Schießweste, Betäubungsmittel. Videos, Karten, Handschellen mit Blutspuren daran. Ein Arsenal des Schreckens, mitten in einem Vorstadthaus. Doch anstatt sofort eine groß angelegte Fahndung einzuleiten, wird Wichmann nur observiert. Er besitzt mehrere Autos, eines davon wird ein Kilometer vom Haus entfernt entdeckt. Die Ermittler warten, hoffen, dass er zum Wagen zurückkehrt. Doch Wichmann bleibt verschwunden. Als sie das Auto schließlich durchsuchen, finden sie darin einen Ledermantel, Nachtsichtgeräte, Proviant und Karten. Alles, was ein Mann auf der Flucht brauchen könnte. Anschließend wird das gesamte Grundstück gründlich durchsucht. Jetzt kommen Metallsuchgeräte und Leichenspürhunde zum Einsatz. Plötzlich schlägt eines der Geräte an. Unter der Erde liegt ein Auto. Komplett eingegraben.

Ein roter Sportwagen, ein Leasingfahrzeug aus den USA. Als die Hunde den Wagen abschnüffeln, schlagen sie an. Leichengeruch im Kofferraum, an der Hinterseite. Ein stilles Grab aus Metall, nun ohne Inhalt.

Währenddessen ist Wichmann weiterhin auf der Flucht Diese endet schließlich in Bad Wimpfen bei Hellbronn mit einem Verkehrsunfall In seinem Auto findet man Waffenteile, Munition und Geld Wichmann wird festgenommen, da die ahnungslosen Beamten davon ausgehen, dass mit diesen Gegenständen in seinem Auto der Verkehrsunfall nicht das einzige seiner Vergehen ist, Er wird in JVA Heinzheim verbracht. Bereits in der ersten Nacht, die Wichmann dort verbringt, nimmt er sich das Leben. Für die Ermittlungen bedeutet das Ende. Gegen Tote wird nicht ermittelt. Der Fall wird eingestellt. Und das, obwohl es so viele Indizien gibt, so viele Hinweise auf das, was Wichmann getan haben könnte. Das vergrabene Auto, die Spuren, die Waffen. Trotzdem, alles wird zu den Akten gelegt.

Music.

13 Jahre später. Wolfgang Silaf geht in den Ruhestand. Doch Ruhe findet er keine. Statt spazieren zu gehen oder sich beim nächsten Golfclub anzumelden, nimmt er den Fall seiner Schwester wieder auf. Mithilfe eines Anwalts verschafft er sich Zugang zu den alten Akten. Er stellt ein Team zusammen. Einen Rechtsanwalt, einen Kriminalisten, eine Polizeipsychologin. Freunde, die eine Special Force bilden, darauf ausgerichtet, den Mörder von Birgit Meyer zu finden. Während sie die Unterlagen sichten, wird direkt zu Anfang klar. Die damaligen Ermittlungen verliefen alles andere als professionell. Spuren wurden nicht gesichert, Fahndungen nicht eingeleitet, Verbindungen ignoriert. Silav ist fassungslos.

Das Team um Silas beginnt, das Leben von Kurt Werner Wichmann genau unter die Lupe zu nehmen. Wer war dieser blonde, großgewachsene Mann mit der großen Brille? Sie graben sich durch seine Biografie, sein Vorleben, seine Masken. Ihnen fällt auf, dass im Jahr 1993, dem Jahr von Wichmanns Tod, in Lüneburg immer mehr Frauen verschwunden sind. Wichmann fälschte Lebensläufe und Dokumente, führte eine Ehe, die ihm als Tarnung diente, hatte aber gleichzeitig mehrere Affären mit verschiedenen Frauen. Sein Abschiedsbrief, geschrieben kurz vor seinem Tod, gerichtet an seine Familie, wirkt voller versteckter Botschaften. Haus und Hof sollten niemals verkauft werden, sie sollten sich immer in Familienbesitz befinden. Darauf drängt er mehrfach. Ein seltsamer Wunsch, der Silav und sein Team stutzig macht. Liegt Birgit Mayer vielleicht direkt auf Wichmanns Grundstück? Vergraben wie das rote Sportauto, das bei den damaligen Ermittlungen gefunden wurde?

2012 will Wolfgang Silaf endlich Gewissheit. Er plant, Wichmanns Haus selbst zu durchsuchen. Er kontaktiert den aktuellen Besitzer, den zweiten Ehemann der Ehefrau von Wichmann. Sie ist inzwischen verstorben und ihr Ehemann zeigt sich Silaf gegenüber kooperativ. Er lässt ihn ins Haus, sogar in das legendäre geheime Zimmer, wo alles noch genauso aussieht wie damals. Nichts wurde verändert, Wichmanns Sachen nicht angerührt. In kleinen Geheimverstecken stoßen Silav und seine Begleiter auf Zeitungsausschnitte von verschiedenen Vermisstenmeldungen, auf Videokassetten, darauf Sendungen von Aktenzeichen XY, aufgezeichnet die Folgen, in denen über den Fall Birgit Mayer berichtet wurde, über die Gördemorde und über weitere ungeklärte Vermisstenfälle junger Frauen. Als Silav daraufhin den neuen Polizeipräsidenten Herrn Kaufmann auf den Fall aufmerksam macht, kommt endlich Bewegung in den Fall. Kaufmann nimmt den Fall offiziell wieder auf, stellt neue Ermittler ein. Doch sie stoßen auf Hindernisse. Viele alte Akten sind bereits vernichtet worden.

Einmal jedoch haben sie Glück im Unglück. In der Rechtsmedizin Hannover lagern noch alte Handschellen, die damals bei Wichmann gefunden worden sind. Mit Blutrückständen daran. Dieses Blut wird nun nach 28 Jahren endlich untersucht. Die darauf nachweisbare DNA wird mit der DNA von Jasmin Meier verglichen. Das Ergebnis? Das Blut stammt zu 99% von Birgit Meier.

Kaufmann ordnet daraufhin die erneute Durchsuchung des Grundstücks an. Jetzt, endlich, nach 28 Jahren, wird ernsthaft nach Birgit Mayers Leiche gesucht. Das ganze Gelände, rund 1300 Quadratmeter, wird mit Hunden, Geräten und Suchtrupps durchforstet. Nichts. Auch der Friedhof, auf dem Wichmann als Gärtner gearbeitet hat, wird durchkämmt. Sechs Gräber werden geöffnet. Ohne Ergebnis. Auch das Experten-Team rund um Wolfgang Silauf sucht das Grundstück nach seiner Schwester ab. Jeder überlegt aus seiner professionellen Perspektive, wo könnte Wichmann die Leiche versteckt haben. Nach stundenlanger Suche stoßen sie in der Garage auf eine Grube, die irgendwie seltsam wirkt. Sie ist tief, aber nicht so tief, dass man sie für irgendetwas nutzen könnte. Es wirkt, als sei dort ein doppelter Boden eingelassen. Die Polizei setzt Leichenspürhunde ein, diese schlagen jedoch nicht an. Das ist für die Polizei der Schlussstrich. Kaufmann gibt auf.

Aber sie lafft nicht. Am 29. September 2017 veranlasst er gemeinsam mit seinem Schwager Harald Mayer, dass die Grube in der Garage von einer privaten Baufirma geöffnet wird. Zwischen der trockenen Erde und den grauen Betonresten stoßen sie endlich auf menschliche Knochenreste, Es sind die Knochen einer Frau im mittleren Alter mit Kopf zuerst in die Grube hineingelassen Beine angewinkelt, den Kopf in eine Plastiktüte eingewickelt, Der Körper wirkt gestaucht, so, als sei sie regelrecht in diesen kleinen Raum hineingepresst worden. Alle Beteiligten stehen um die Grube herum, als die Forensikerin die Plastiktüte um den Kopf löst und den teilweise noch erhaltenen Kopf der Frau herausholt. Ihre Gesichtszüge sind nicht mehr zu erkennen, doch die Perlenohrringe, die sich am Ohr der Person befinden, sind außer dem Staub, der sich darauf abgelegt hat, unbeschadet. Harald Mayer erkennt die Ohrringe sofort. Er selbst hat sie gekauft. Sie waren ein Geschenk an seine Frau Birgit.

Nach dem Fund der Leiche wird die Polizei erneut verständigt. Das Verfahren wird offiziell wieder aufgenommen. Wieder wird das gesamte Grundstück von Kurt Werner Wichmann durchsucht. Jede Ecke, jede Kiste, jedes versteckt. Jedes Versteck. Jede Ecke, jede Kiste, jedes Versteck. Der gesamte Boden des riesigen Grundstücks wird aufgebrochen und umgegraben. Was die Ermittler finden, lässt ihnen den Atem stocken. Über 400 Gegenstände. Handtaschen, Schuhe, Stiefel, persönliche Habseligkeiten. Je mehr Gegenstände geborgen werden, desto klarer wird, Wichmann hat nicht nur Birgit auf dem Gewissen. Er scheint ein Serientäter zu sein, ein Trophäensammler.

Die Existenz von weiteren schweren Straftaten, die ungeklärt in den Archiven der Polizeireviere und der Staatsanwälte liegen, hängt schwer in der Luft. Das Skelett von Birgit Meyer wird anschließend gerichtsmedizinisch untersucht. Am Schädel finden die Experten ein Projektil. Birgit wurde offensichtlich erschossen. Nun ist auch der Sinn und Zweck der Plastiktüte, um ihren Kopf zu erklären. Wichmann hatte damit wohl ihr Blut aufgefangen, um sicherzustellen, dass die DNA seines Opfers nicht in den Boden seines Grundstücks sickert und damit Spuren hinterlässt. Am 20. November 2017 kann Birgit Mayer endlich nach 28 Jahren beerdigt werden. Für ihre Familie schließt sich ein Kreis, der viel zu lange offen blieb. Die Beerdigung ist emotional. Viele Menschen nehmen Abschied von Schwester, Mutter, Ehefrau und Freundin. Während sich damit für die meisten die Fragezeichen rund um Birgit Mayer aufgelöst haben, bleibt ein Ermittler aus der Spezialistengruppe rund um Wolfgang Silaf weiter dran am Täter Kurt Werner Wichmann. Er rollt alte Fälle neu auf, sieht sich die Cold Cases aus der Umgebung zu Wichmanns Lebzeiten ganz genau an.

Und auch die Polizei wird wieder aktiv. Der Cold Case der Görde-Morde wird wieder geöffnet. Sie können nun mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls Wichmann als Täter zugewiesen werden. Hinweise darauf bieten Gegenstände, die auf Wichmanns Grundstück im Erdreich gefunden wurden und den Opfern aus der Görde zugewiesen werden konnten. Den Rest tun die Ergebnisse der DNA-Untersuchungen. Und da ist noch mehr Der Verdacht besteht, dass Wichmann nicht allein gehandelt hat Gab es einen Mittäter, vielleicht seinen jüngeren Bruder? Fragen, die sich bis heute nicht beantworten lassen Der Bruder von Wichmann schweigt zu den Vorwürfen Und wird inzwischen von einem Anwalt vertreten, Was bleibt, ist das Bild eines Täters Der über Jahrzehnte hinweg ein Netz aus Gewalt, Lügen und Verbrechen sporn und einer Familie, die nie aufgab, bis die Wahrheit ans Licht kam.

Während du den Fall vorgelesen hast, ist mir aufgefallen bzw. Bewusst geworden, dass ich ziemlich sicher irgendwann mal eine Dokumentation dazu geschaut habe. Weil ich konnte mich aber gar nicht mehr so genau daran erinnern, weil ich mich, also woran ich mich erinnern kann, ist, Der Moment, in dem ich in dieser Dokumentation gesehen habe, dass diese Frau kopfüber in dieses Loch in der Garage im Boden gesteckt wurde.

Und ich weiß noch, dass ich diese Dokumentation, ich weiß gar nicht, wann ich die geguckt habe, es muss auf jeden Fall schon ein bisschen her sein, sonst würde ich mich genauer daran erinnern. Und ich weiß nämlich noch, dass als ich das gesehen habe, ich mir dachte, das ist völlig, also das ist, weiß ich nicht, das fand ich so furchtbar und ich erinnere mich auch noch an die Dokumentation, also in der Dokumentation, dass ihr Bruder zusammen mit dieser Ermittlerin, wo sie dann noch hin und her überlegt haben, wen könnten sie dafür nehmen, wer könnte ihnen da irgendwie am besten helfen und die sich so zusammengetan haben und da noch weiter irgendwie, wie Nachforschung quasi angestellt haben. Und ich weiß noch, dass ich so viel Respekt davor hatte, sowas quasi auf eigene Faust anzufangen. Und dann tatsächlich sogar zu einer, ich will jetzt nicht sagen, zu einem positiven Ergebnis, weil das ist es ja nicht, aber zumindest zu erreichen, was man sich so gewünscht hat, dass man zumindest nachvollziehen kann, was passiert ist, dass sie das geschafft haben. Und ja, also ich fand es total krass und ich weiß noch, dass mich das total berührt hat auf unterschiedlichen Ebenen, ehrlich gesagt. Ja, kann ich voll nachvollziehen. Es ging mir beim Schauen der Doku genauso. Vielleicht für die von euch, die diese Doku auch nochmal schauen möchten.

Ich und meine Mutter haben in Vorbereitung auf diese Folge die Netflix-Doku Dick Deeper, das Verschwinden von Birgit Mayer. Und auf ARD, Der Menschenjäger, geschaut. Das sind, glaube ich, beides mal vierteilige Dokus, die unter anderem auch als Quelle für diese Folgen genutzt wurden. Und ich weiß vollkommen, was du meinst. Was du ja gerade beschrieben hast, diese Arbeit und dieses Bemühen von Wolfgang Siedler, vom Bruder von Birgit Mayer, das wird in der Netflix-Doku Dick Deeper gezeigt. Und da ist ja auch er selbst, der ganz oft auch das schildert, wie das für ihn war und was da so seine Gedanken dabei waren, wie er vorgegangen ist, warum er das und das gemacht hat. Und mich hat es auch total berührt, dass er auch da gar nicht losgelassen hat. Also er geht in den Ruhestand und seine Schwester ist schon 13 Jahre verschwunden.

Natürlich ging er davon aus, dass sie nicht mehr lebt und dass sie jetzt lange schon tot ist. Aber dass er da halt einfach nicht losgelassen hat und gesagt hat, ich werde erst Ruhe geben, wenn ich auch ihre Leiche gefunden habe Und wenn ich weiß, was mit ihr passiert ist und von daher, wie du gerade gesagt hast, so positives Ergebnis, klar, es ist alles andere als positiv, die Leiche seiner Schwester in irgendeiner Garage zu finden, aber für ihn war das quasi der Erfolg, den er sich die ganze Zeit gewünscht hat. Endlich hat er sie gefunden, endlich weiß er, was mit ihr passiert ist, endlich hat er Gewissheit und vor allem endlich konnte die Familie Birgit beerdigen. Ja, und das ist halt auch genau das, was ich daran so bewegend und berührend und gleichzeitig aber auch so grausam fand. Also an der Tatsache, dass Kurt Berner Wegmann sich selber das Leben genommen hat, als er nur, in Anführungszeichen, nur in Untersuchungshaft war. Also es war ja noch nicht mal sicher, dass er diese Tat begangen hat.

Und er hat ja Abschiedsbriefe geschrieben an seine Familie. Und was ich so krass finde, ist, wenn du dir sowieso schon das Leben nimmst, warum kannst du dann nicht in diesem Brief noch schreiben, hey, ihr findet sie da und da. Und das finde ich einen höchst spannenden Punkt. Ja. Weil er sich damit natürlich, er hat damit sichergestellt, dass seine Macht über seinen Tod hinaus bestehen bleibt. Und das finde ich eine unfassbar, auf menschlicher Ebene, eine unfassbar grausame Vorgehensweise und auf psychologischer Ebene eine unfassbar spannende Vorgehensweise. Ja, also ich habe auch das Gefühl, also ne, so...

Also, ich habe das Gefühl, wir wiederholen dieses Wort ständig in unseren Folgen, aber das Bedürfnis, die Macht zu haben, die Kontrolle zu behalten, habe ich das Gefühl, das zieht sich vor allem durch diesen Fall durch, weil er ja wirklich, wie du sagst, so akribisch darauf beharrt, gebt das Haus nicht aus Familienhänden.

So richtig, so ganz eindeutig. Ich weiß, ich werde jetzt sterben, aber trotzdem dürfen sie sie nicht finden. Trotzdem muss sie auf meinem Grundstück bleiben. Das ist ja auch noch was. Er hat sie ja auf seinem Grundstück vergraben. Das heißt, sie blieb in seiner Nähe, in seinem Territorium, sag ich mal, auf seinem Grundstück.

Und da sollte sie auch über sein Tod hinausbleiben. Also ich sehe voll, was du meinst. Ja, und dieses, ihr werdet sie nicht finden. Und ich werde euch nicht dabei helfen. Und wenn ich bis über meinen eigenen Tod hinaus dieses Geheimnis mitnehme und ich, das finde ich noch krasser, weil es ist im einen Schritt, ich habe sie auf meinem Grundstück. Dann nehme ich mir selbst das Leben, was ja auch etwas sehr Machtvolles ist in diesem Kontext, weil von dem, was wir über ihn wissen, spricht ja nichts für eine Depression oder Suizidalität oder ähnliches. Sondern eine reine, ihr werdet mich auf keinen Fall dafür verurteilen. Niemand wird so viel Macht haben, dass er mir selber meine Freiheit nehmen könnte oder mich dafür verurteilen kann oder mich in die Öffentlichkeit zieht, wenn ich das nicht will. Und ich behalte die Kontrolle, indem ich mir selber das Leben nehme, dann schreibe ich sogar noch einen Abschiedsbrief an meine Familie und ich diktiere meiner Familie über meinen eigenen Tod hinaus, was sie zu tun hat, um quasi mein Erbe in Form von diesem Mord und dieser toten Frau auf meinem eigenen Grundstück fortzusetzen. Als würde er quasi noch so ein letztes Statement setzen von, selbst wenn ich tot bin, bin ich unantastbar. Ja.

Und es ist ja auch was, was er auch zu Lebzeiten, also ich meine, wir haben ja jetzt dann erfahren, auf seinem Grundstück wurden ja so Unmengen an Dingen gefunden und ich finde, das hat auch so was Überhebliches so, er hat ja offensichtlich oder man geht davon aus, dass er mehr Taten begangen hat, als in Anführungszeichen nur die Gördemorde und den Mord an Birgit Meier. Denn über 400 Gegenstände auf diesem Grundstück Crazy, wie viele Sachen das sind. Und dann kommt ja dann noch dazu, die ganzen Dinge, die in seinem geheimen Zimmer waren. Die ganzen Zeitungsausschnitte von verschiedenen Vermisstenfällen. Die Mitschnitte von Aktenzeichen XY. Und das hat ja auch sowas von, ich habe das alles getan und ich habe sogar Dinge mitgenommen. Ich habe das bei mir und ihr seht es nicht, ihr werdet es nicht finden. Und macht es immer wieder, immer wieder nimmt er Dinge mit und bei den Gerdemorden wurde ja auch sogar bemerkt, dass die Polaroid-Kamera weg ist von, ich glaube Bernd Michael Köpping, von dem war die Polaroid-Kamera und, er hat die mitgenommen und vergraben und einfach auch die Tatsache, dass er von allen was mitgenommen hat und es bei ihm, bei sich zu Hause versteckt hat, was ja auch ein massives Risiko ja auch ist, also ich meine, Trophäen von Opfern bei sich zu haben, ich meine.

Ich persönlich hätte da Angst bei einer Polizeidurchsuchung, dass sie irgendwas doch finden von diesen 400 Dingen, die bei mir zu Hause rumliegen oder mehr.

Aber das hat sowas Überhebliches, dann trotzdem ja offensichtlich der Meinung zu sein, ich bin euch so überlegen, dass ich das machen kann, dass ich von überall Dinge mitnehmen kann und ihr kriegt mich nicht. Ja, ich weiß, was du meinst. Das hat wieder so was Überhebliches, sie auch zu Hause zu lassen. Und aber auch so was unglaublich Selbstsicheres, ein Zimmer zu haben, von dem ich weiß, dass da auch niemand reingehen wird, weil da niemand rein darf. Also versuch dir nur mal vorzustellen, du lebst mit jemandem zusammen und der sagt, ich will mein eigenes Zimmer und dieses Zimmer darfst du nicht betreten. Also spätestens da würde ich mir doch denken, was ist denn hier los? Also wenn du mich fragst, wäre das eine massive Red Flag, wenn mein Mann sowas machen würde? Ja, ja, auf jeden Fall. Also eigenes Zimmer von mir aus, aber ich darf es nicht betreten und du schließt es ab. Das finde ich irgendwie, also... Das ist weird. Ja, und was ich auch dachte, während du gerade gesagt hast, dass er diese 400 Gegenstände oder über 400 Gegenstände zu Hause liegen hatte, habe ich gerade überlegt, was ich machen würde, weil du meintest, du würdest dich das nicht trauen. Und ich glaube, ich wäre auch eher so Kandidat, ich verstecke einen Schlüssel zu einem Bankschließfach und in dem Bankschließfach liegt dann der Schlüssel zu einem anderen Raum oder zu einem anderen Haus oder zu einem Keller oder so. Und in diesem Keller ist dann irgendwo versteckt unter einem Stein ein anderer Schlüssel wieder zu irgendeinem Schließfach. Weißt du, was ich meine? Also, dass die Wahrscheinlichkeit einfach gering ist, dass du da mal eben kurz was findest.

Und ich wäre viel zu paranoid, wenn ich sowas machen würde. um die Sachen einfach bei mir zu Hause zu lagern. Und das finde ich irgendwie einen krassen, auf den ersten Blick einen krassen Gegensatz, dieses extreme Kontrollbedürfnis zu haben und auf der anderen Seite aber aus meiner Perspektive so nachlässig zu sein mit Spuren. Und das unterstreicht, finde ich, aber noch mehr dieses Gefühl von Überlegenheit, das er offensichtlich gehabt hat. Ja, genauso diese Überlegenheit und auch gleichzeitig zeigt sich dadurch diese Trophäen, dass er die bei sich behalten hat, auch so nochmal diese Machtbesessenheit, dieses, wie haben wir jetzt gerade gesagt, die Macht, die über seinen Tod hinausreicht, dann die Macht über Birgit Meyer über ihren Tod hinaus, sie weiterhin bei sich zu behalten und auch diese Trophäen, diese ganzen, ist ja auch was von wegen, quasi wie so eine Konservierung von seiner Tat.

Und auch so diese Aktion, ein Stück des Opfers die ganze Zeit bei sich zu behalten. Also quasi so in dem Sinne, ich habe die Macht, ich habe dieses Leben beendet und jetzt habe ich auch noch einen Teil dieser Person bei mir. Ja, ich weiß, was du meinst. Welcher Gedanke mir gerade kam, war, in der letzten Folge haben wir ja ganz viel über dieses, oder so ein bisschen auch über dieses Waldmotiv gesprochen. Ja. Dass das häufiger vorkommt. Und was ich so auffällig finde auch, ist, dass er in seiner Kindheit ja sich viel im Wald aufgehalten hat, viel andere Menschen beobachtet hat. Und dass er aber ja Tiere damals schon gequält, getötet und dann vergraben hat. Ja. Und irgendwie finde ich, dass sich durch sein Leben ganz, also so ein paar Motive immer wieder durchziehen. Der Wald kommt immer wieder vor. Dinge vergraben, Dinge verstecken kommt immer wieder vor. Leute beobachten kommt immer wieder vor, als wäre das einfach etwas, das sich eben schon ganz früh ausgeprägt hat und ganz früh angefangen hat, sich immer weiter zu verfestigen. Und was mir auch auffällt, ist, dass von den Morden, die wir bisher gesehen haben und von denen wir vermuten, wenn die Gördemorde jetzt tatsächlich, wenn er die auch begangen hat.

Dass sich seine Taten ja immer mehr in dieses Muster bewegen. Dass er Leute beobachtet, dass er sich den Leuten irgendwie nähert, dass er sie tötet mit einer bestimmten Art und Weise, sodass er sie wirkt. Ähm, das wissen wir jetzt bei Birgit Mayer nicht aber prinzipiell ist zu vermuten, dass es ähnlich war, weil bei ihr wurde ja auch ähm, eine Patrone gefunden also auch sie wurde erschossen und das ist ja auch passend zu den Gördemorden beispielsweise. Ja. Was ich so krass finde ist, dass er es quasi immer weiter in diese Richtung gespielt hat, die Leichen von den Gördemorden wurden gefunden Birgit Mayers Leiche sollte nie gefunden werden. Ja. Als hätte er es immer weiter perfektioniert als wäre er immer besser darin geworden.

Dieses Motiv, diesen Modus operandi, diese Vorgehensweise mit Tieren anzufangen und andere Leute zu beobachten und dann perfektioniert bis, ich nehme sogar Kontakt zu jemandem auf und baue eine zwischenmenschliche Beziehung auf, weil Birgit Meier kannte ihn ja, und beobachte sie dabei und locke sie zu mir und dann töte ich sie auch und vergrabe sie auch noch. Ich hab's quasi zu Ende gespielt, in Anführungszeichen. Weißt du, wie ich meine? Ja.

Vollkommen. Was auch noch passend ist zu diesem Kontrollmachtbedürfnis, dieses Motiv, von dem wir ja gerade auch die ganze Zeit sprechen und was sicherlich auch seinen Modus operandi geprägt hat, ist auch die Tatsache, dass er manchmal fast schon, finde ich, ein bisschen zwanghaft wirkte, indem er zum Beispiel fast immer Handschuhe getragen hat und auch eine Sonnenbrille, offensichtlich um keine Spuren zu hinterlassen oder auch dafür zu sorgen, dass wenn ihn jemand doch sieht, ihn vielleicht möglicherweise nicht so ganz erkennt oder vielleicht nicht wieder. wiedererkennen könnte. Das ist ja schon was, was einem auch so ein Gefühl von Kontrolle gibt. Also ich meine, wenn du Handschuhe an hast, während du eben eine Tat begehst, dann hinterlässt du natürlich keine Fingerabdrücke. Das ist zum einen smart, in diesem Sinne von wegen, ich will nicht erwischt werden. Und zum anderen gibt es dir auch wirklich das komplette Gefühl von Kontrolle, dass es auch so ein bisschen was, also in meinem Empfinden auch, dass es sowas Klinisches, Distanziertes hat. Weißt du, was ich meine? Weil ich meine, ich ziehe Handschuhe an, wenn ich zum einen was Ekliges mache oder ich verbinde halt Handschuhe mit sowas klinischem, auch distanzierten so etwas wie Patienten behandeln.

Und ich frage mich, ob das vielleicht auch so eine Art Distanz vielleicht aufbaut, wenn man eben dann sich diese Handschuhe dann anzieht in so einem Kontext. Aber das ist jetzt nur meine reine Interpretation. Ich weiß nicht, kommt dir da noch vielleicht irgendwas, gerade mit diesem Zwanghaften, immer die gleichen Vorgehensweisen, die gleichen Rituale offensichtlich? Was mir so krass aufgefallen ist, als du das gerade gesagt hast mit Handschuhen und Sonnenbrille, ist diese, dass es irgendwie diese Distanz unterstreicht, die er zwischen sich und seiner Umwelt schafft. Weil wenn jemand eine Sonnenbrille trägt, kannst du ihm auch nicht in die Augen gucken. Er sieht dich, aber du siehst ihn quasi nicht.

Jemand, der dich mit Handschuhen anfasst, fasst dich an, aber du berührst ihn quasi nicht. Und was ich verrückt fand, irgendwie im Zusammenhang damit, ist, dass er ja als Kind Leute beobachtet hat und da diese Distanz hat. Und dann Tiere aber tötet und da mit den eigenen Händen vorgeht und sehr nah dran ist. Was sie dann aber wieder in so eine Distanz bringt, indem er sie vergräbt. Also er ist den Tieren nur in dem Moment des Tötens quasi nah. Und was ich so krass finde, ist, wenn wir davon ausgehen, dass er seine Opfer erst gewürgt hat und dann erschossen hat.

Dann hat er zwar diese Handschuhe an, das heißt, es gibt diese Distanz. Sie sehen ihm nicht in die Augen, während er sie wirkt, bis sie ohnmächtig werden. Aber er sieht alles in ihnen. Das heißt, er ist quasi immer losgelöst von seinen Opfern, aber er ist selber seinen Opfern so nah, wie niemand anders ihnen nah ist. Weißt du, was ich meine? Es ist so, er schützt sich vor Nähe, aber zwingt anderen diese Nähe auf, indem er ihnen auf so intime, persönliche Art und Weise das Leben nimmt, wie sie zu wirken, macht das aber nur so lange, wie es sich für ihn irgendwie gut oder richtig anfühlt und geht dann wieder zurück in diese Distanz, vielleicht auch, weil es ihm zu intens wird, weil es ihm zu nah wird und erschießt sie. Weil die Frage ist doch auch, warum erschießt er sie, anstatt sie zu erwürgen? Warum zieht er es nicht bis zum Ende durch? Das passt ja auch zu seinem Verhalten, was wir in der letzten Folge besprochen haben, dieses Stalking, dieses Beobachten, denn das ist ja auch was, was er.

Also nehmen wir jetzt zum Beispiel die Gerdemorde, wo er ja erst quasi die Paare beobachtet hat, ohne dass sie natürlich wussten, dass er da ist und dass es ja auch so ein Ding ist von, ich bin dir nah, aber du weißt gar nicht, dass ich dir nah bin, das heißt, ich habe die Kontrolle darüber, wie nah ich dir komme. Genau. Und es ist wie so eine Spirale, habe ich das Gefühl, wie er wird quasi immer extremer in seiner Vorgehensweise, wie nah er den Leuten kommt und gleichzeitig immer machtvoller, weil sie immer weniger, also im Verhältnis zu ihm immer weniger Macht haben. Also die allerersten Taten, die er begeht, sind ja noch sehr orientierungslos, sehr planlos. Aber bei der jungen Frau mit dem Baby, bei der er durchs Fenster einsteigt, die wirkt er schon. Das heißt, der ist ja körperlich schon sehr nah, wendet sich dann aber von ihr ab und lässt sich sogar in die Flucht schlagen. Sehr wenig Kontrolle, trotzdem sehr viel Nähe. Und er hat das entschieden, denn er ist durchs Fenster eingestiegen. Das heißt, er war derjenige, der ihr bewusst nahe gekommen ist. Und in dem Moment, wo er die Kontrolle verliert, haut er ab.

Ja, und jemand, wo sie aktiv Kontakt aufbaut, Weil dann hat sie angefangen, ihn anzuschreien. Genau. Sie bricht dieses Schutzschild aus Kontakt, also aus Distanz, indem sie selber auf ihn zugeht und macht damit seine Allmacht zunichte. Also seine komplette Kontrolle über Nähe und Distanz zerstört sie damit und zerstört in dem Moment, meine Theorie, zerstört in dem Moment auch seine Fantasie von ich habe die Kontrolle über Nähe und Distanz. Ich habe die Kontrolle, wie nah ich dir komme. Du kommst mir gar nicht nah. Ich komme dir nah und stelle deswegen Distanz her. Ich finde, das ist auch in der Formulierung ein wichtiger Unterschied zu sagen, ich komme dir nah oder wir kommen uns nahe.

Und bei den Gördemorden siehst du das quasi im nächsten Schritt. Da beobachtet er die Leute, er kommt ihnen viel näher und sie wissen das gar nicht. Und er hat diese allmächtige Position von Nähe. Und am Ende mit Birgit Meyer kommt er ihr sogar tatsächlich nahe, indem er sich mit ihr anfreundet. Und ich habe das Gefühl, dass er einfach in jedem dieser Fälle immer noch eine Zunahme an Kontrolle und Macht hat. Weil er kommt ihr nahe und er weiß, wie gefährlich er für sie ist. aber sie weiß es nicht. Er weiß, dass er ihr nahe kommt. Und sie denkt, die beiden kommen sich nahe. Weißt du, wie ich meine? Ja, ja, ich sehe es. Und dann holt er sie noch näher an sich ran. Selbst nach ihrem Tod zwingt er ihr seine Nähe auf. Aber nicht, indem er zu ihr geht, denn er vergräbt sie nicht irgendwo anders und besucht sie regelmäßig. Sondern er zwingt sie zu sich heran. Hm, ja. Ich muss gerade, während du das alles erklärt hast Und mit diesem Nähe-Distanz-Regulation, wo er die Kontrolle drüber hat.

Ich muss die ganze Zeit an Kurt Werner Wichmann als Kind denken. Darüber haben wir in der letzten Folge gesprochen. Und dass er ja stark misshandelt wurde, soweit wir wissen, vom Vater. Und auch, dass wir davon ausgehen, dass die Mutter psychisch krank war.

Und jetzt wissen wir natürlich nicht, inwiefern sie psychisch krank waren. Wir wissen nicht, inwiefern der Vater misshandelt hat. Wir gehen davon aus, dass es heftige Misshandlung war. Ich meine, wir wissen oder haben zumindest erfahren, dass er wohl den Familienhund erschlagen hat. Aber wir wissen leider nichts genaueres mehr darüber. Und wovon wir aber ausgehen können, ist, dass Kurt Werner Wichmann als Kind eben der Nähe-Distanz-Regulation seiner Eltern ausgesetzt war. Und ich werfe jetzt einfach mal die reine Spekulation in den Raum. Um die Frage, ob nicht vielleicht doch auch was vielleicht in Richtung Missbrauch stattgefunden hat. Denn das geht ja nochmal noch mehr in dieses Nähe-Distanz-Regulation. Quasi du gehst in meinen Raum rein und ich habe keine Kontrolle darüber, ob du in meinen Raum reingehst. Aber auch wenn es in Anführungszeichen nur bei Misshandlungen geblieben ist, ist ja Nähe-Distanz-Regulation auch ein Ding. Er war als Kind ohnmächtig und abhängig davon, wie seine Eltern sich verhalten haben, was seine Eltern ihm aufgezwungen haben oder nicht. Und je nachdem, welche psychische Erkrankung seine Mutter hatte, ist das ja auch vielleicht was, was auch mit Nähe-Distanz-Regulation zu tun hat. Das ist ja was, was jetzt nicht selten schwierig ist für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Also viele Störungsbilder sind auch geprägt durch so Nähe-Distanz-Schwierigkeiten.

Und ich frage mich, ob das vielleicht daraus entsteht, dass Kurt Werner-Wichmann als Kind diese Nähe-Distanz-Regulation als ohnmächtig erlebt hat, dass es mit ihm gemacht wurde. Und als Erwachsener holt er sich diese Macht wieder zurück, die Kontrolle darüber wieder zurück, indem er ganz großen Wert darauf legt, Die eigene Nähe und Distanz selbst im Griff zu haben. Weißt du, was ich meine? Ja, ich verstehe 100 Prozent, was du meinst, weil ich habe darüber auch nachgedacht, ob das mit seinen Erfahrungen in der Kindheit zusammenhängt. Zumal, ich glaube, was man ganz häufig unterschätzt, ist, was es mit Kindern macht, die aufwachsen mit nicht therapierten, nicht gut eingestellten psychisch kranken Eltern.

Je nachdem natürlich, was für eine psychische Erkrankung das ist. Und ich will jetzt auch nicht sagen, dass psychisch kranke Erwachsene keine guten Eltern sein können, sondern mir geht es darum, dass es natürlich beispielsweise bei jemandem mit einer unbehandelten, paranoiden Schizophrenie als Elternteil, dass das für Kinder schwierig ist. Ich glaube, das müssen wir nicht anzweifeln, weil das einfach extrem, natürlich extrem willkürlich ist und extrem schwierig zu handeln und für Kinder überhaupt nicht durchsichtig und eben das Gegenteil von allem, was Kinder brauchen. Ist, denn nicht zuverlässig, nicht konstant, nicht gebunden an die Realität im Fall dieser Erkrankung. Ich denke, ihr wisst, was ich meine. Also wenn jemand eben Symptomatiken hat, die das Sozialleben und die soziale Interaktion und die Wahrnehmung etc. Massiv beeinflussen und es nicht therapiert ist, kann das für Kinder sehr herausfordernd sein. Und ich glaube, man unterschätzt ganz oft das Ohnmachtsgefühl, das man als Kind ja schon bei kleinen Sachen empfindet, wenn deine Eltern jetzt ich weiß nicht, du möchtest noch auf dem Spielplatz bleiben und deine Eltern sagen, nein, boom, du wirst ohnmächtig. Was willst du machen? Du kannst dich da jetzt auf den Boden setzen und sagen, ich komme nicht mit. Cool, dann heben deine Eltern dich auf oder sagen, dann bleibst du halt da sitzen und gehen zehn Meter vor und warten, bis du kommst. Aber du wirst die Entscheidung nicht treffen, da zu bleiben. Und wenn man sich das im Extrem vorstellt, wie machtlos man als Kind ist oder eben ohnmächtig man als Kind ist.

Insbesondere bei Eltern, die dann wie auch immer geartete, nicht therapierte, akute psychische Erkrankungen haben.

Dann ist allein, also die Ohnmacht, die da vorherrschend ist, muss, glaube ich, gar nicht unbedingt was mit Nähe und Distanz zu tun haben auf körperlicher Ebene, sondern es kann allein schon, glaube ich, reichen, das Gefühl zu haben, dass man selber nicht umarmt wird, wenn man das braucht, zum Beispiel. Ja, also dass es nicht mal damit zu tun hat, dass mir jemand zu nahe kommt, sondern vielleicht, dass mich nie jemand umarmt. Ich dachte auch bei diesem zu nahe kommen, dachte ich vor allem an diese Handschuhe, weil damit hältst du deine Körpergrenze aufrecht. Ich weiß auch, was du meinst mit der Grenze und auch mit der Sonnenbrille. Man sagt doch immer, die Augen sind der Spiegel der Seele. Und es gibt ja ganz viel, nicht umsonst haben ganz viele Menschen Probleme damit, Blickkontakt zu halten. Weil es einfach eine sehr intime Sache ist. Ja.

Das ist schon spannend, das mit dem, also diese ganzen, das Ding ist halt, ich finde es aber auch, also für das Verständnis der Taten und für das Verständnis des Täters finde ich das so schade, dass der, sich das Leben genommen hat, weil einfach da so viel ungeklärt bleibt und so viel Raum für Spekulationen ist, wo wir im Nachhinein gar nicht wissen, was war da, wie war das, könnte das wirklich zutreffen? Das heißt wirklich, wir können einfach nur rein spekulieren und mir fällt gerade noch was ein, wie er durch seinen Tod ja Macht behalten hat. Er hat durch seinen Tod die Ermittlungen gestoppt. Und ich halte es für möglich, auch dass er wusste, dass damit die Ermittlungen eingestellt werden, dass gegen Tote nicht ermittelt wird. Und ich könnte mir vorstellen, so wie ich jetzt in unseren Fällen diesen Täter kennengelernt habe, dass das auch mit eine bewusste Entscheidung war, durch meinen Tod stoppe ich die Ermittlungen und durch meinen Tod sorge ich dafür, dass all die Taten, die ich begangen habe, im Dunkeln bleiben. Ja, ich bin...

Ja, und das macht es halt umso krasser und es macht ihn eigentlich, also es stellt ihn eigentlich noch intelligenter quasi dar, weil er all diese Dinge ja antizipiert haben muss. Ja.

Falls ihr euch übrigens jemals gefragt habt, ich habe mich das nämlich tatsächlich gefragt, warum Leute Probleme haben, Augenkontakt zu halten. So als kleiner Side-Fact.

Zum einen kann es sein, dass man kognitiv überlastet ist. Das fand ich total interessant. Es gab nämlich eine Studie der Kyoto University im Jahr 2016, die gezeigt hat, dass Probanden, also dieser Studie, bei Augenkontakt längere Reaktionszeiten haben. Also beispielsweise bei Wortassoziationen. Wenn man zum Beispiel sagt, welches Wort verbindest du mit Ordner? Gib mir irgendwie ein Wort, das dazu passt. Und wenn du Leuten dabei in die Augen guckst, brauchen sie länger, um eine Assoziation zu finden. Und man vermutet, dass das quasi daran liegt, dass man gleichzeitig einen Gesichtsausdruck verarbeiten muss und parallel die Sprache verarbeiten muss, also verbale Reize verarbeiten muss und dann auch noch Sprachproduktion kommt, weil man muss ja selber antworten. Und dass es Menschen gibt, also unabhängig von der Intelligenz, das hat damit nichts zu tun, sondern einfach, dass das unser Gehirn manchmal kognitiv überlastet. Fand ich interessant. Dann gab es 2023 von Verbrocken eine Meta-Analyse, die sich damit beschäftigt hat, dass Menschen mit sozialer Angststörung zum Beispiel häufiger Augenkontakt vermeiden, weil sie mit Augenkontakt das Gefühl verbinden, quasi gesehen zu werden und Angst haben vor negativer Bewertung.

Augenkontakt löst nämlich zum Beispiel bei Menschen mit sozialer Angststörung laut dieser Studie stärkere physiologische Stressreaktionen aus, insbesondere wenn Leute sehr dominant gucken oder sehr konfrontativ gucken oder sehr.

Und es liegt daran, dass Menschen mit sozialer Angststörung zum Beispiel so ein bisschen hypervigilant sein können. Das heißt, sie scannen das Gesicht nach Bedrohung. Und das sorgt dafür, dass man im Zweifelsfall wegguckt. Es ist quasi sehr ureigens in uns drin, dass wir den Blick abwenden, wenn wir das Gefühl haben, dass jemand ja irgendwie bedrohlich sein könnte. Und was ich auch super interessant fand, war längerer, ununterbrochener Augenkontakt, also ab ungefähr zehn Minuten oder über zehn Minuten, kann halluzinatorische Effekte auslösen, laut einer Studie von Caputo 2015. sehen. Und zwar vermutet man, dass diese halluzinatorischen Effekte auf sensorischer Ermüdung basieren. Also darauf, auf der Tatsache, dass wir visuell einfach ermüdet sind, weil wir die ganze Zeit das Gleiche angucken und das Gehirn dann irgendwann anfängt, bestimmte Reize zu ignorieren. Und das sorgt für halluzinatorische Effekte. Ich fand's mega interessant. Ich musste es nachgucken, weil ich hab mir die Frage gestellt, warum können Leute eigentlich Augenkontakt nicht so gut halten? Und ich musste es irgendwo in einer Podcast-Folge unterbringen und das war der perfekte Moment dafür. Hä, war crazy, aber ich fühle ganz dolle, was du als erstes gesagt hast, nämlich dass es kognitiv überfordernd sein kann.

Gleichzeitig Augenkontakt zu halten, zu verarbeiten, was der andere gesagt hat und dann selbst nachzudenken, was man sagen möchte. Ich ertappe mich in der Psychotherapie mit meinen Patienten.

So häufig dabei, beziehungsweise ich ertappe mich nicht, ich weiß, dass ich das mache und das ist ja auch vollkommen okay, aber es fällt mir so dolle auf, dass ich, wenn wir sehr intens am Arbeiten sind, und es gerade also einfach eine sehr, auch für mich, kognitiv sehr herausfordernde Phase in der Therapie ist, dass ich, wenn ich stark nachdenke, dass mein Blick dann immer nach oben, immer nach oben links geht, immer.

Und ich verlasse oft, wenn ich mich wirklich konzentrieren und nachdenken muss und viel im Kontakt mit der anderen Person bin, dann während ich dann nachdenke, merke ich, dass ich manchmal mir kurz meine Augen nach links oben gehen und das ist dann mein ich-überlege-Blick. Und es ist nicht lange, aber ich mache es so oft und es passt so gut dazu, was du sagst, dass es einfach so kognitiv überfordernd sein kann und man dann einfach mal kurz diesen Break braucht, um eben sich auch selbst sammeln zu können, weil einfach alles zusammen vielleicht manchmal einfach zu viel ist. Ja, ich muss so gerade an so Szenen aus Filmen denken, wo Leute sich so in die Augen gucken und der eine stellt der anderen Person so eine Frage und es ist so ein intenser Moment, wo man so denkt, jetzt verlieben sie sich quasi gerade. Und dann so eine Frage gestellt wird und die Person ist so völlig langsam am Antworten. Und es ist so, ach so, ja, natürlich, bla bla bla bla bla. Weißt du, was ich meine? Diese Cringe-Momente. Ja, aber ich finde es so lustig.

Ich würde mir so sehr wünschen, dass das irgendwann mal in irgendeinem Film vorkommt, dass die Person nicht so wirkt, als hätte sie sich einfach gerade in den Augen der anderen Person verloren. Sondern dass sie sowas sagt wie, sorry, ich war gerade kognitiv überlastet dabei, dir zuzuhören und dir gleichzeitig in die Augen zu gucken. Oder dass sie einfach mal normal reagiert und dann vielleicht einfach wirklich der Blick nach links oben geht und so, äh, ja also. Ja, genau. Oder sowas wie, was hast du gerade gesagt? Und dann aber auch wirklich nicht zu sagen, ich war gerade so tief in deinen Augen verloren, sondern zu sagen, was hast du gerade gesagt? mein Gehirn konnte gerade nicht beides gleichzeitig. Das fände ich schön. Ich finde, wir sollten es normalisieren.

Also jetzt sind wir kurz quasi komplett abgebogen, aber ich warte schon lange darauf, das einmal in einer Podcast-Folge zu platzieren. Das fand ich sehr spannend. Ich wusste es noch nicht und damit hast du mir jetzt die Erklärung gegeben, warum ich in den Therapiestunden so oft nach links oben gucken muss. Sehr gerne. Also falls irgendwelche meiner Patienten das hier hören, das liegt nicht daran, dass ich euch nicht zuhören möchte oder dass es mir unangenehm ist. Ich muss dann einfach kurz auch mal mein Gehirnchen mal anstrengen.

Aber zurück zu der Frage oder zu dem Fragenkomplex rund um Kurt Werner Wichmann und seiner Sonnenbrille und den Handschuhen, über die wir da ja gerade drauf gekommen sind. Jetzt muss ich dich was fragen. Wissen wir eigentlich irgendwie was über seinen Bruder? Der wurde ja jetzt gerade am Ende des Falls nochmal thematisiert. Über den Bruder ist leider nicht viel bekannt. Er lässt sich ja mittlerweile vertreten durch einen Anwalt, er sagt auch gar nichts dazu. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass er zumindest Mitwisser war, denn einige der Hinweise, Indizien, Beweise bei den Gördemorden, die hätte Wichmann eigentlich nicht alleine machen können. Also da geht die Polizei von aus, dass zumindest mal ein Helfer dabei gewesen war und sein Bruder war eben seine Hauptbezugsperson. Es wird in den Quellen, die ich gelesen habe, berichtet, dass die beiden eine sehr symbiotische Beziehung hatten, ein sehr enges Verhältnis und es wird auch gelegentlich berichtet, dass der jüngere Bruder emotional sehr von Wichmann abhängig gewesen sein soll. Hat später wohl auch mal eine Zeit lang mit Wichmann als Erwachsener im Elternhaus gewohnt. Er war ja auch der Einzige, der einen Zugang auch zu dem geheimen Zimmer hat, was auch irgendwie darauf schließen lässt, dass er vielleicht schon irgendwas wusste. Also ich meine, in diesem Zimmer war ja alles voll mit Hinweisen. Das hätte er ja zumindest bemerken können.

Ja, insbesondere wenn du, also ich finde das aber, dadurch, dass sie beide in diesem Haushalt aufgewachsen sind und es diesen krassen Altersunterschied gibt, könnte ich mir halt vorstellen, dass es da eine bestimmte übertriebene Loyalität gibt vom kleinen Bruder zum größeren. Vielleicht, weil er ihn da rausgeholt hat, vielleicht, weil er ihn oft geschützt hat, vielleicht, weil er das Gefühl hat, seinem größeren Bruder was zu schulden und vielleicht auch deswegen nie was gesagt hat und nie etwas sagen wird, weil er das Gefühl hat, er schuldet ihm was oder ihn halt sehr lieb hat und er seine Bezugsperson ist. Und insbesondere das Aufwachsen in so herausfordernden Familien kann ja dazu führen, dass Geschwister sehr ungewöhnliche Beziehungen zueinander entwickeln, weil sie eben gemeinsam quasi in einem Krisengebiet in Anführungszeichen aufwachsen. Ja, nachvollziehbarerweise. Also ich könnte mir auch gut so einen Loyalitätskonflikt vorstellen, in dem der Bruder steckt.

Also vielleicht auch Spekulationen so in dem Sinne von so ein bisschen Sitzen zwischen den Stühlen, zwischen alle wollen von mir wissen, was ist. Und vielleicht weiß er es ja auch. Und vielleicht nagt er ja auch das Gewissen dran, von wegen, dass er Dinge weiß, die halt eben die Polizei wissen möchte und vielleicht auch die Familien der Opfer wissen möchten. Und auf der anderen Seite die Loyalität, die er vielleicht wirklich gegenüber seinem Bruder hat, der ja vielleicht auch wirklich sein Vorbild war, der sein Helfer war, seine Unterstützung war, als er aufgewachsen ist in diesem dysfunktionalen Elternhaus, dass eben dieser Wunsch der Öffentlichkeit quasi und vielleicht auch sein Gewissen entgegensteht gegen der Loyalität gegen seinen Bruder auch über den Tod dieses Bruders hinaus.

Ja, oder er weiß es vielleicht auch wirklich nicht und ahnt es nur und ich meine, wenn man jemanden sehr liebt und ihm sehr nahe steht und man erfährt dann, dass die Person verdächtigt wird und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sehr viele furchtbare Dinge getan hat, also mit hundertprozentiger Sicherheit, seien wir ehrlich, wie soll denn die Leiche von Birgit Meier sonst da hingekommen sein? Ja, also das ist schon, Birgit Meier ist bestätigt. Da kann man sagen, er ist der Täter. Und auch bei den Gördemorden wurde er bestätigt. Okay, also dann, dass jemand, den man sehr liebt, bestätigt ganz furchtbare Dinge getan hat. Dann sorgt das ja vielleicht auch erst recht dafür, dass man selber denkt, ich will mich damit nicht auseinandersetzen. Und ich möchte gar nicht darüber nachdenken, ob ich das hätte sehen müssen. Weil ich möchte meinen Bruder so in Erinnerung behalten, wie ich ihn kenne.

Also das ist ja, ich will das nicht rechtfertigen gerade. Ich finde, da gibt es unterschiedliche Perspektiven zu, aber ich könnte mir vorstellen, dass das zumindest ein Aspekt ist. Wollen wir eigentlich noch über den Elefanten im Raum sprechen, oder die Elefanten im Raum sprechen, die heißen Psychopathie und oder Narzissmus? Oh, ich wollte es gerade ansprechen. Ich wollte gerade sagen, eigentlich müssen wir aber ja jetzt in diesem Podcast auch zu der Frage kommen, wir machen keine Ferndiagnosen, aber wenn wir an Diagnosen denken würden, was würde uns denn so einfallen? Und ich glaube, es war für alle Beteiligten ein Elefant im Raum namens Psychopathie und wahrscheinlich auch noch zweiter, wie du gerade gesagt hast, narzisstische Persönlichkeitsstörung. Um euch kurz da abzuholen und einzusammeln, Psychopathie beschreibt eine extreme Form der Persönlichkeitsstörung, die durch drei Hauptmerkmale geprägt ist. Nämlich zum einen oberflächlicher Charme und Manipulation.

Das sind Menschen, die oft charismatisch wirken, wortgewandt und selbstbewusst, aber andere auch damit gezielt ausnutzen und vermitteln. Da gehen wir auch schon in das zweite Hauptmerkmal über, sehr selten Schuldgefühle empfinden und auch keine Reue. Sie haben einen sehr hohen Mangel an Empathie und können sehr impulsiv und verantwortungslos sein, leben oft im Moment unrucksicht auf Konsequenzen.

Und das ist so die antisoziale Komponente auch darin, Regeln gilt nur, wenn sie ihn nützen. Außerdem sind sie oft auch nicht in der Lage, funktionierende Beziehungen einzugehen. Damit meine ich nicht, in Ehe aufrechtzuerhalten, denn das konnte Kurt Werner Wichmann offensichtlich als Fassade, sondern da meine ich eher so die Fähigkeit, wirklich tiefgehende, emotionale, zwischenmenschliche Bindungen einzugehen, denn das ist etwas, was Menschen mit Psychopathie sehr schwerfällt. Ein bisschen, ich will jetzt nicht sagen ergänzend dazu, aber die narzisstische Persönlichkeitsstörung hat bestimmte Überschneidungen zum Bereich der Psychopathie. Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung sind nicht zwangsläufig, aber häufig ebenfalls sehr charmant, sehr charismatisch sind und das ist eines der Kernelemente. Überzeugt davon, dass sie selbst besondere Anerkennung verdienen, weil sie besonders herausragende, besonders intelligente und besonders begabte, schöne, liebenswerte, pack da rein, was auch immer ihr an positiven Eigenschaften haben wollt, Menschen sind, die es verdient haben, dass man besonders mit ihnen umgeht, denn sie sind intelligenter als alle anderen, sie sind attraktiver als alle anderen und sie verdienen es, dass die Welt ihnen mit besonderer Anerkennung und vor allen Dingen mit Bewunderung begegnet.

Das Ganze fußt in der Realität auf einem sehr, sehr instabilen Selbstwertgefühl, das darin begründet ist, dass Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung häufig in ihrer frühen Kindheit oder auch Jugend extrem starke Zurückweisungen und Kränkungen erfahren haben und sich nie ganz sicher sein können, ob sie geliebt werden und ob sie genug sind. Oder damit, dass ihnen ihre ganze Kindheit und die ganze Jugend erzählt wurde, dass sie Gott in Frankreich sind und niemand jemals so krass sein wird wie sie.

Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung sind tendenziell eher weniger empathisch. Es fällt ihnen deutlich leichter, Menschen zu manipulieren und sie zu ihrem eigenen Vorteil auszunutzen. Sie sind sehr gut darin, sich selber darzustellen und sind, was Bewunderung und Anerkennung angeht, wie ein Fass ohne Boden. Wenn wir das jetzt mal Kurt Werner-Wiechmann anwenden, vielleicht gucken wir uns gerade erst mal noch mal kurz die typatischen Anteile da an, würde ich mal vorschlagen, dass wir da einiges direkt abhacken können. Ich bin mir auch sicher, dass viele von euch ... Psychopathie schon als Blinkschild im Kopf hatten. Da haben wir ja die auf jeden Fall fehlende Reue und Schuldgefühle, die wir, denke ich mal, auf jeden Fall daran festmachen können, dass er Trophäen gesammelt hat, die bei sich behalten hat. Was er auf jeden Fall auf einen gewissen Stolz auf die Taten schließen lässt. Dann die starken Bemühungen, dass nach seinem Tod auch seiner Familie, also sozusagen das Haus muss in Familienbesitz gehalten werden. Also quasi die Bemühung, auch nach dem Tod hinaus dafür zu sorgen, dass alles so bleibt, wie es ist.

Gut, es könnte man vielleicht auch sein, sein Suizid und so, dass das Haus in Familienbesitz bleiben soll, könnte man natürlich auch so werten, dass er sich vielleicht doch schämt und Schuldgefühl hat und nicht möchte, dass es rauskommt.

Und allerdings, wenn man mal anguckt, dass es möglich ist, dass noch viel, viel, viel mehr Taten begangen wurden und die Art, wie so das Nachtatverhalten auch ist und dass er dann immer wieder, also dass er zum Beispiel auch nach den Gördemorden weiterhin sehr berechnend auf Birgit Mayer zum Beispiel zugegangen ist, würde ich jetzt eher mal davon ausgehen, dass Empathie und Reue eher mangelhaft ausgeprägt sind, sagen wir es mal so. Ich würde das auch deswegen nicht glauben, weil ich denke, wenn jemand sich für seine Taten schämt und sie so sehr bereut und so sehr Angst davor hat, dass das rauskommt und dass er sich deswegen das Leben nimmt, in seinem Abschiedsbrief vielleicht auch noch andere Sachen schreiben würde. Ja, das stimmt. Also psychopathische Züge, würde ich sagen, sehen wir da auf jeden Fall. Wenn wir jetzt auch nochmal weiter zu den narzisstischen Zügen gehen, fällt mir auch direkt ein, wir haben noch gar nicht darüber gesprochen, aber das muss hier jetzt nochmal stattfinden. In der letzten Folge ging es darum, dass nach der Vergewaltigung dieser jungen Frau und der Suche und der Veröffentlichkeitsmachung in den Medien, dass er sich dann ja gemeldet hat, er ist ja zur Polizei gegangen und hat gesagt, Leute, das ist ganz anders gewesen, als es beschrieben wurde. Ich bin hier, um das richtig zu stellen, weil ich war der Täter. Also, darüber haben wir das noch gar nicht gesprochen, aber das.

Fällt ja so dermaßen in den Bereich auch der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, dass quasi ihm so wichtig war, wie auch das dargestellt wird, dass er dafür in Kauf nimmt, dass er damit dafür sorgt, dass er verhaftet wird und in Haft kommt. Ich finde, dieses Verhalten zeigt irgendwie eine sehr gute Kombination aus psychopathischem Verhalten und aus narzisstischem Verhalten. Denn dieser narzisstische Aspekt, den du gerade genannt hast, dass es ihm wichtiger war, dass die Leute wissen, dass er das gewesen ist und dass das so gar nicht abgelaufen ist. Dass ihm das wichtiger war als die Strafe und zum anderen, dass er offensichtlich keinerlei Scham dafür empfunden hat, für das, was er gemacht hat. Weil kein Mensch, der sich für eine Tat schämt, geht damit nach draußen und sagt so, ist das aber nicht abgelaufen. Stimmt, ja, ja, ja.

Ganz genau. Da sehe ich auch diese Kombination, dass da auf jeden Fall Anteile von beiden Aspekten mit drin gewesen sein müssen. Und was ich bei dem Thema Narzissmus auch sehe, ist diese absolute Selbstsicherheit. Ja, diese hundertprozentige Sicherheit, dass er in so einen läppischen Brief reinschreibt, ja, also da in mein Zimmer und so dürft ihr auch keinen reinlassen und niemand darf dieses Haus irgendwie anders haben außerhalb der Familie. Dass er sich so sicher gewesen ist, dass die Leute sich auch daran halten werden, aufgrund seiner eigenen unendlichen Wichtigkeit für das Weltgeschehen.

Allein, dass er so ein Zimmer hatte, wo er wohl auch komplett, also auch teilweise lagen da wohl Zeitungsausschnitte ungeschützt rum. Also das ist ja auch nochmal so ein Ding. Er hat da ein Zimmer, wo er alle Sachen einfach halt so liegen lässt. Das ist ja auch so ein Ding von ...

Auch wieder so eine Überheblichkeit, so ich habe hier ein Zimmer und ich bin mir so sicher, dass da niemand reinkommt und dass meinem Wunsch so sehr entsprochen wird, dass ich auch einfach die Sachen da liegen lassen kann. Ja, und er empfindet offensichtlich oder empfand offensichtlich Befriedigung dabei, und ich rede jetzt nicht von sexueller Befriedigung zwangsläufig, sondern an sich, narzisstischer Befriedigung dabei, sich diese Akte XY-Dokumentationen anzuschauen über Fälle, die er selber begangen hat, wie beispielsweise die Gördemorde. Und das ist meiner Meinung nach auch ein sich selber vor Augen halten, wie großartig man ist, wie grenzenlos machtvoll man ist. Denn die narzisstische Persönlichkeitsstörung, genauso wie die Psychopathie, haben beide auch sehr viel mit Macht und Kontrolle zu tun. Ja. Und was Kurt Werner Wichmann endgültig zu einem meiner Meinung nach sehr, sehr gefährlichen Mann gemacht hat, ist diese Kombination von dieser Persönlichkeitsausprägung, sage ich mal, mit dem Aspekt davon, dass er Freude an dem Leid anderer Menschen und sexuelle Lust an dem Leid anderer Menschen empfunden hat. Und das ist, was ihn als Person so unfassbar gefährlich gemacht hat in meinen Augen. Obwohl das für mich auch Sinn macht. Also so eine sexuelle Komponente scheint da schon mit drin zu sein.

Aber wir wissen es natürlich nicht. Wovon wir aber, wie du gerade gesagt hast, auf jeden Fall ausgehen können, ist, dass es ihm, ob es jetzt sexuelle oder narzisstische Befriedigung war, Aber es hat ihm was gegeben, eben diese Taten zu begehen und dann eben auch sich sein Werk immer wieder anzusehen. Was für mich auch für diesen sexuellen Aspekt spricht, ist, wir haben ja ganz oft darüber gesprochen in der letzten und auch in dieser Folge, dass es wie so eine Art Entwicklung vom Tatvorgehen gibt. Dass er quasi das Gefühl immer weiterentwickelt mit diesem Kontrolle macht, wie soll das ablaufen, wie soll das aussehen, wie will ich es machen.

Und er hat ja bei der Frau, die er vergewaltigt hat, von der wir also, was wir in der letzten Folge besprochen haben, die hat er ja auch gewirkt ja, und ich könnte mir vorstellen, weil er danach ja keine Frau mehr vergewaltigt hat, zumindest so weit wir wissen nicht, ja dass er in diesem Moment festgestellt hat dass das, dass es ein Versuch war, ausprobieren, ob er das reizvoll findet, und dann zu merken der Vergewaltigungsteil daran gibt mir gar nichts, aber das Würgen fand ich gut. Maybe. Das ist ein guter Punkt. Ich meine, auch bei Straftaten finden ja auch immer so eine Art von Entwicklung statt. Genau. Und dass das quasi ein Versuch war, bei dem er gemerkt hat, Würgen war etwas, das hat sich richtig angefühlt. Oh Gott. Aus dem Kontext gerissen sind diese Sätze eine Katastrophe.

Oh Gott, bitte macht das nie jemand. Und der Teil der Vergewaltigung, bei dem es tatsächlich um Sex ging, der hat sich für ihn vielleicht nicht gut angefühlt. Vielleicht auch, weil es sich nicht nach so viel Kontrolle angefühlt hat, weil, seien wir ehrlich, wenn das beispielsweise penetrativer Sex war, dann hat das auch was damit zu tun, wie viel ich an mir selber kontrollieren kann und dann bin ich auch ein bisschen abhängig von Dingen, die ich vielleicht nicht kontrollieren kann. Das heißt, in dem Fall wäre beispielsweise penetrativer Sex für ihn vielleicht nicht so machtvoll gewesen, weil er nicht die hundertprozentige Kontrolle hat. Über seine Hand hat er die hundertprozentige Kontrolle. Jetzt haben wir ganz, ganz viel über Kurt Werner Wichmann gesprochen. Ich habe am Anfang gesagt, wir haben viel zu besprechen. Wir haben ihn jetzt als Täter eigentlich komplett kennengelernt. Und jetzt steht ja nur noch eigentlich die große Frage, okay.

Waren das jetzt die einzigen Taten, die er begangen hat? Oder wie sieht es aus mit möglichen weiteren Taten? Und das wird auf jeden Fall der Gegenstand der nächsten und letzten Folge in dieser Trilogie werden. Wir werden uns in der nächsten Folge noch weitere Taten angucken, die, es tut mir sehr leid, Babsi, Cold Cases bis heute sind. I'm so sorry. Wir werden uns die aktuellen Entwicklungsstände dazu angucken und auch vielleicht noch den ein oder anderen psychologischen Gedanken dazu teilen. Das heißt, wir gucken uns quasi, wir nehmen alles an Wissen, was wir gesammelt haben über Kurt Werner Wichmann und gucken uns in der nächsten Folge an, was wir glauben, ob das basierend auf dem, was wir über ihn wissen und über ihn vermuten, seine Handschrift sein könnte. Genau. Und ich würde sagen, mit dieser kleinen Vorschau beenden wir die heutige Folge. Wir sagen wie immer, seid lieb zueinander.

Music.