Willkommen bei Blackbox, dem Sci-Crime-Podcast. Euch erwartet ein True-Crime-Podcast mit der Extra-Portion Psychologie. Ich bin Maxi. Und ich bin Babsi. Ihr habt euch schon immer gefragt, was Menschen dazu bringt.

Music.

Schreckliche Taten zu begehen? Dann seid ihr hier genau richtig. Diese Folge ist bereits vor einigen Monaten und teilweise auch schon vor einem Jahr aufgenommen und veröffentlicht worden. Damals noch auf unserem alten Patreon-Account und jetzt wird sie hier komplett öffentlich gemacht. Viel Spaß dabei! Freunde, heute geht es um ein Thema, das von euch häufiger angefragt wurde. Und zwar geht es im Grunde um Mord an den eigenen Kindern, nämlich um die Solinger Kindermorde.

Vielleicht so als kurzer Ausblick. Zum einen, Maxi kennt weder den Fall noch das Thema, soweit ich weiß. Der Fall in Solingen ist damals international durch die Medien gegangen. Das ist tatsächlich auch noch gar nicht so lange her. Und um euch einen kurzen Ausblick zu geben, es geht eben um den Mord an einer Mutter, an ihren Kindern und natürlich wie so häufig, es geht um die Frage nach dem Warum. Warum? In dem Fall war sowohl die Vorgehensweise vor Gericht bezüglich der Gutachter an der einen oder anderen Stelle etwas fragwürdig, als auch die Tatsache, dass am Ende die eine Frage, oder eine bestimmte Frage besser gesagt, offen bleibt und unbeantwortet bleibt, zu der ich erst nach dem Fall kommen werde, denn sonst würde ich euch spoilern. Aber dieser Frage werden wir uns heute widmen und werden versuchen, mit unseren psychologischen Perspektiven und unserer Erkenntnis vielleicht ein wenig Licht ins Dunkel bringen zu können. Mal schauen, ob uns das gelingt. Ich bin total gespannt. Und obwohl ich noch keine Ahnung habe, worum es heute geht, außer jetzt die Info, die ich genauso wie ihr von Babsi gerade erhalten habe.

Habe ich hier eine dicke, fette Trigger-Warnung stehen, die ich jetzt, obwohl ich keine Planung vom Fall habe, mal vorlesen würde. Einfach, dass ihr vorbereitet seid und wisst, was da auf euch zukommt. Es wird um Gewalt an Kindern gehen, um Mord, um sexuellen Missbrauch, um Essstörungen, um Depressionen, selbstverletzendes Verhalten und Suizid. Wie immer, achtet auf euch, das ist eine ganze Menge. Wenn das schwierig für euch sein sollte, eins von den Themen reicht schon, dann überspringt den Fall und hört uns vielleicht in der Diskussion wieder zu oder vielleicht einfach erst bei der nächsten Folge. Vorab sei noch gesagt, dass ich den Fall aus dramaturgischen Gründen an der einen oder anderen Stelle ein bisschen ausgeschmückt habe. Ich habe an der Handlung und an dem, was passiert ist und an dem, was vor Gericht auch begutachtet wurde, nichts geändert. Wenn überhaupt gekürzt, aber nicht geändert. Und darüber hinaus habe ich die Namen geändert, und zwar die Namen aller Beteiligten.

6. September 2020, 13.30 Uhr, Mönchengladbach. Mit einem lauten Summen und einem deutlichen Aufflackern des Bildschirms macht sich Irmgard C.'s Handy auf ihrem Wohnzimmertisch bemerkbar. Mit einem dampfenden Becher Kaffee in der Hand beugt sich die 55-Jährige über das rechteckige Fenster ihres Smartphones. Eine Nachricht ihrer 27-jährigen Tochter ist soeben eingetroffen. Beinahe sofort zieht sich ihrem Gerts Magen zusammen. In den meisten Fällen bedeutet eine Nachricht ihrer Tochter nichts Gutes. Zumindest in den letzten Monaten nicht mehr. Ihre Tochter Sabrina macht aktuell eine schwierige Zeit durch. Alleinerziehend mit sechs Kindern versucht sie, die Trennung ihres Ehemanns zu verarbeiten. Und dabei alle Kinder, den Haushalt und den eigenen Liebeskummer im Griff zu behalten. Ein kurzer Seitenblick auf das eingerahmte Foto ihrer sechs Enkelkinder bringt der 55-Jährigen jedoch sofort wieder ein Lächeln ins Gesicht. Wie sie da alle in die Kamera grinsen. Die einjährige Maria, die zweijährige Sarah mit ihren drei Jahren bald ein Kindergartenkind und die drei großen Jungs, der sechsjährige Tom, der achtjährige Leon und natürlich ihr ältester, der elfjährige Michael.

Seitdem ihre Tochter in Solingen lebt und Irmgard in ihrer Wohnung in Mönchengladbach geblieben ist, sehen sie sich zwar alle seltener, die Liebe ist jedoch noch immer dieselbe.

Abgelenkt von einem weiteren Vibrationsgeräusch richtet Irmgard ihren Blick wieder zurück auf ihr Smartphone. Kann Michael zu dir kommen, schreibt ihre Tochter. Sofort tippt die 55-Jährige die eindeutige Antwort in ihr Smartphone. Ja, natürlich. Dann schreibt ihre Tochter, ihr gehe es schlecht. Sie wissen nicht mehr weiter und können nicht mehr. Auf die Frage, was gerade los sei, antwortet ihre Tochter nicht. Auch den Vorschlag zu telefonieren, lehnt sie mit der Begründung, sie sei unterwegs ab. Als Irmgard ihre Tochter fragt, ob sie am nächsten Tag vorbeikommen soll, antwortet diese, dann nicht mehr zu Hause zu sein. Irmgard wird durch die ausweichende und beängstigende Kommunikation ihrer Tochter immer nervöser und bittet sie schließlich, keinen Scheiß zu machen und an die Kinder zu denken. Als sie fragt, ob die Kinder bei ihr seien, verneint Sabrina. Dann schreibt sie, die Kinder seien da, wo ich auch gleich sein werde. Die Kinder sind schon da oben. Ich gleich auch.

Sofort antwortet Irmgard, sie werde die Polizei rufen, worauf die 27-Jährige nur mit OK reagiert. Dann teilt sie ihr mit, sie habe Geld für Michael überwiesen. Nun reicht es, Irmgard. Panisch schickt sie ihrer Tochter eine Sprachnachricht, bittet sie, nach Hause zu fahren oder zu ihr zu kommen und diesen ganzen Scheiß zu lassen, sagt ihr, dass sie nun definitiv die Polizei anrufen werde. Darauf reagiert Sabrina mit einer sehr kurzen Nachricht. Die Kinder sind tot. Ein grausiger Satz, der in dem WhatsApp-Chat-Verlauf zwischen Mutter und Tochter aufploppt. Auf die nächste warnende Sprachnachricht ihrer Mutter antwortet ihre Tochter nur noch mit den Worten Zu spät. Ruf bitte die Polizei und schick sie in meine Wohnung.

Als ihre Mutter ihr mitteilt, dass sie bereits mit der Polizei telefoniert, tippt Sabrina nur noch vier Worte in den Chat mit ihrer Mutter. Es tut mir leid. Es ist die letzte Nachricht, die Irmgard von ihrer Tochter erhält. Danach bleibt das Handy stumm. Panisch ruft Irmgard die Polizei in Mönchengladbach an und berichtet, was ihre Tochter ihr soeben mitgeteilt hat. Sie hofft, betet, dass die Nachrichten nicht wahr sind. Dann fährt sie zum Bahnhof, um ihren Enkel zu finden, sollte dieser wirklich in einem Zug sitzen. Nur kurze Zeit später schließt Irmgard den elfjährigen Michael in die Arme. Aufgelöst und weinend berichtet der Junge, seine Mutter sei mit ihm zusammen in den Zug gestiegen. Am Bahnhof in Düsseldorf habe sie ihm seine Krankenversicherungskarte gegeben und ihm gesagt, dass sie sich nun vor einen Zug werfen werde. Ob er mitkommen wolle. Das habe er abgelehnt, habe verzweifelt versucht, seine Mutter am Aussteigen zu hindern, konnte aber schließlich nichts anderes tun, als im Zug weiter zu seiner Oma nach Mönchengladbach zu fahren. Die Mutter sei am Düsseldorfer Hauptbahnhof ausgestiegen. Sie habe ihm erzählt, die fünf Geschwister seien tot, von einem LKW überfahren, während sie gemeinsam mit der Mutter in einem Taxi gesessen hätten. Nur sie hätte überlebt und sei dann mit ihm zum Bahnhof gefahren.

Dann vergräbt er schluchzend das Gesicht in den Armen seiner Oma. Währenddessen verschaffen sich die ersten Einsatzkräfte gegen 13.50 Uhr Zutritt zu Sabrinas Wohnung. Als sie den Hausflur des großen Hochhauses betreten, ist es still. Im richtigen Stockwerk angekommen, steht neben der Haustür ein kleines, weiß-silbernes Regal mit vielen kleinen, pinken, blauen und grauen Kindersandalen und Halbschuhen. Die Scharniere der Tür krachen laut, als die Polizeibeamten sie gewaltsam öffnen. Immer noch hoffen die Beamten auf einen Fehlalarm. Doch als die Tür schließlich offen ist, drängt sich ihnen kein Kindergeschrei entgegen. Keine aufgeregten Rufe, kein Lachen oder Weinen. In der Wohnung ist es totenstill.

Zehn Minuten später erreicht die Beamten die Nachricht, dass sich am Düsseldorfer Hauptbahnhof eine Frau vor den Zug geworfen hat. Sie erleidet eine Rissquetschwunde am Hinterkopf, offene Frakturen mehrerer Rippen, eine Leberruptur und einen Schädel-Hirntraum erdritten Grades. Aber sie überlebt. 27 Jahre zuvor. Sabrina wird am 14.01.1993 als zweites Kind ihrer Mutter bereits in der 35. Schwangerschaftswoche aufgrund von vorzeitiger Plazenta-Lösung durch einen Notkaiserschnitt geboren. Bis zum 13.02.1993 muss das kleine Mädchen im Kinderkrankenhaus bleiben, bevor die frischgebackenen zweifachen Eltern sie mit nach Hause nehmen dürfen. Zu Hause wird die kleine Sabrina von ihrem zwei Jahre älteren Bruder erwartet. In den nächsten Jahren ist es hauptsächlich Sabrinas Mutter, die sich um das kleine Mädchen kümmert. Einen Kindergartenbesuch lehnt Irmgard ab. Da sie zu Hause sei, sei diese Form der Betreuung kaum nötig. Nach außen hin wirkt die kleine Familie vollkommen intakt. Doch hinter verschlossenen Türen beginnen die Eltern schon früh damit, sich lautstark vor ihren Kindern zu streiten.

Sabrinas Vater ist von Natur aus eher eigenbrötlerisch veranlagt. Seine Freizeit verbringt er in erster Linie in seinem eigenen Zimmer vor dem Computer. Gemeinsame Abendessen, Urlaube oder Freizeitaktivitäten finden selten bis gar nicht statt. Ist ihr Vater zu Hause, läuft er die meiste Zeit nackt herum. Gleiches verlangt er auch von seinen Kindern. Immer wieder fotografiert er sie dabei sogar und hört auch dann nicht damit auf, als beide Kinder in die Pubertät kommen. Sabrinas Mutter hingegen bemüht sich, das negative Verhalten ihres Mannes durch viel Aufmerksamkeit und Fürsorge sowie viele Spielsachen, Kleidung und regelmäßige Besuche bei den geliebten Großeltern auszugleichen.

So verlaufen Sabrinas erste Lebensjahre weitestgehend normal und als sie in die Schule kommt, findet sie sich schnell zurecht. Sowohl im Leistungs- als auch im Sozialgefüge hat sie keinerlei Probleme. All das ändert sich, als Sabrina nach der Grundschule plötzlich auffällige Verhaltensweisen zeigt. Wiederholt schwänzt sie die Schule, hyperventiliert im Unterricht oder bricht ohne klaren Anlass in Tränen aus. Auf dem Weg zur Schule hat sie plötzlich Angst, dass sie ein schwarz gekleideter Mann mit einem Messer verfolgt. Als das Mädchen Ende 2005 deshalb erstmalig in der Kinder- und Jugendpsychiatrie vorgestellt wird, zeigen sich schnell Anzeichen für einen vorangegangenen sexuellen Missbrauch, der die Verhaltensänderung ausgelöst haben könnte. Dieser scheint im Haus ihrer Großeltern durch einen Bekannten des Onkels geschehen zu sein und löst bei dem jungen Mädchen Angst, Panik und somatische Beschwerden aus.

Die körperlichen Symptome in Zusammenhang mit dem häufigen Fehlen in der Schule wirken sich nach und nach auch auf Sabrinas Sozialgefüge aus. Ihre Mitschüler beginnen sie zu hänseln, sie auszugrenzen und zu meiden. Irgendwann weigert sich Sabrina vollständig, die Schule zu besuchen. Imgard ist sich sicher, dass das Schulumfeld ihre Tochter krank macht. Sie unterstützt sie so gut wie sie kann, reicht Entschuldigungsschreiben ein und begleitet sie auf dem Schulweg, um ihr die Angst vor dem schwarz gekleideten Mann zu nehmen. Immer wieder stehen die Eltern auch in Kontakt mit den Lehrern, um gemeinsame Lösungen und Möglichkeiten zu entwickeln. Dabei wird jedoch schnell deutlich, dass Sabrinas Vater jede Maßnahme boykottiert und Irmgard der festen Überzeugung ist, die Schule und die Lehrkräfte seien verantwortlich für die Probleme ihrer Tochter.

Am 11.12.2006 wechselt Sabrina dann auf eine Gesamtschule. Doch auch dort verändert sich nichts an ihrem Verhalten. Ihre neue Lehrerin, eine ausgebildete Sozialpädagogin, bemüht sich stark, die Situation für Sabrina zu verbessern. Doch auch sie scheitert. Neben den bisherigen Auffälligkeiten beginnt die 13-Jährige nunmehr auch zu lügen und erfindet einen sexuellen Missbrauch durch einen ihrer Mitschüler. Einen Vorwurf, den sie wenig später selbst revidiert. Trotz der massiven Unterstützung in der neuen Schule folgen in den nächsten Monaten mehrere stationäre Aufenthalte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, da die 13-Jährige nunmehr beginnt, sich selbst zu verletzen und massive Wutanfälle entwickelt. Die Symptomatik scheint sich während der Aufenthalte jedes Mal zu bessern, Doch sobald Sabrina zurück in ihren Alltag kehren soll, werden die Symptome wieder schlimmer. Schließlich werden eine kombinierte Störung des Sozialverhaltens sowie selbstverletzendes Verhalten diagnostiziert.

Sie entwickelt sogar eine Essstörung und verweigert zeitweise die Nahrungsaufnahme komplett. Die Therapeuten und Ärzte empfehlen einen längeren stationären Aufenthalt, doch Sabrina weigert sich. Sie bittet ihre Mutter immer wieder, sie aus den stationären Therapien zu entlassen, sobald es in den Gesprächen um beängstigende oder belastende Aspekte geht. Inhalte, mit denen sich Sabrina auseinandersetzen müsste, um Besserung zu erfahren. Doch ihre Mutter ist stets auf ihrer Seite und entlässt sie gegen ärztlichen Rat wieder und wieder aus den Kliniken.

Schließlich schafft Sabrina an der Gesamtschule den Hauptschulabschluss. Und als sie 16 ist, wird sie das erste Mal schwanger. Das Kind ist von dem ein Jahr älteren Marlon, der jedoch erklärt, er sei noch nicht bereit, Vater zu werden. Als Sabrina sich dennoch für die Schwangerschaft entscheidet, verlässt der 17-Jährige sie. Doch statt in Liebeskummer oder Enttäuschung zu versinken, verschwinden sämtliche Auffälligkeiten, welche Sabrina zuvor gezeigt hat, sofort mit dem Beginn der Schwangerschaft. Ihr Essverhalten normalisiert sich, sie verspürt keinerlei körperliche Symptome und verletzt sich nicht mehr selbst. Es scheint so, als habe die Schwangerschaft die junge Frau vollständig stabilisiert. Am 27. Januar 2009 erblickt dann der kleine Michael das Licht der Welt. Irmgard unterstützt ihre Tochter in dieser Zeit, wo sie nur kann. Und obwohl ihr Vater dagegen ist, darf die kleine Familie mit dem neugeborenen Jungen in die 90 Quadratmeter große Wohnung im Haus ihrer Eltern einziehen.

Durch die Nähe zu ihren Eltern hat Sabrina nun die volle Unterstützung ihrer Mutter. Doch statt sich dafür zu entscheiden, die 10. Klasse abzuschließen, verschwendet die junge Mutter keinen Gedanken an ihre weitere Ausbildung. Trotz angeblich bestehender Stellenzusagen entscheidet sie sich gegen die Aufnahme des Jobs. Viel lieber möchte sie sich um ihren Sohn kümmern und voll und ganz für den Kleinen da sein. Ihrer Mutter gegenüber gibt sie zu, sich im Alltag nicht weiteren fremdbestimmten Anforderungen und kritischen Bewertungen durch Dritte stellen zu wollen. Und ihre Mutter akzeptiert das. 2012 wird Sabrina dann erneut schwanger. Dieses Mal von einem anderen Mann einer flüchtigen Bekanntschaft mit einem Soldaten, der sie nach Bekanntwerden der Schwangerschaft ebenfalls sofort verlässt.

Die junge Frau ist sich jedoch sicher, dass Michael ein Geschwisterkind sicherlich guttun wird und entscheidet sich für das Baby. Nur wenige Monate vor der Geburt ihres zweiten Sohnes wird im Februar 2012 der von den Eltern genutzte Teil des Hauses polizeilich durchsucht. Gegen Sabrinas Vater liegt ein Ermittlungsverfahren wegen des Besitzes von kinderpornografischen Materialien vor. In dem von ihm genutzten Raum werden eine Vielzahl von Bild- und Videodateien sichergestellt, die auf 1681 Datenträgern und weiteren Festplatten sowie USB-Sticks gespeichert sind. Sämtliche Dateien zeigen überwiegend harte Kinderpornografie mit jeder Art von Penetration aller Altersstufen sowie sonstigen erzwungenen sexuellen Handlungen. Als nach Auswertung der Unterlagen Anklage gegen ihn erhoben wird, trennt sich Irmgard von ihrem Ehemann und lässt sich scheiden.

Kurz darauf wird Leon geboren. Sabrina ist überglücklich und geht umso mehr in ihrer Mutterrolle auf. Finanziell ist sie durch Hartz-IV-Bezüge, Kindergeld und die finanzielle Unterstützung ihrer Mutter abgesichert. Der Lebensstandard, den sie damit erreicht, genügt ihr völlig. Sabrina ist bereits in jungen Jahren unglaublich gut organisiert. Sie führt ein Haushaltsbuch, legt Budgets fest, stellt sicher, dass es den Kindern materiell nie an etwas fehlt und schafft es durch den Verkauf von erotischem Material im Internet, dass am Ende des Monats sogar noch Geld übrig bleibt, um für kleinere Urlaube zu sparen. Wenn sie sich nicht gerade mit dem Haushalt oder ihren Kindern beschäftigt, chattet die mittlerweile 19-Jährige gerne in sozialen Medien und Datingportalen.

Dort lernt sie schließlich Philipp kennen, einen attraktiven, gleichaltrigen jungen Mann, der als Feldwebel beim Bund arbeitet und in den sich Sabrina schnell verliebt. Die beiden werden ein Paar und, weil Sabrinas Vater den Kredit für das Haus nicht weiter zahlt und Irmgard sich die Raten nicht leisten kann, entscheiden die beiden schnell, zusammenzuziehen. Dass Sabrina bereits zwei Kinder von anderen Männern hat, stört Philipp überhaupt nicht. Im Gegenteil, er blüht in seiner Rolle als Vater auf und er freut sich an dem Kinderlachen, das nunmehr durch die gemeinsame Wohnung schallt.

2013 heiratet das junge Paar in kleinem Familienkreis und kurze Zeit später erwarten die beiden ihr erstes gemeinsames Kind. Doch bereits nach kurzer Zeit wird die Beziehung zwischen den beiden herausfordert. Sabrina hat Probleme mit ihrer Schwiegermutter und befürchtet eine Einmischung in ihr Familienkonstrukt, sollte sie sich auf engere Kontakte einlassen. Also macht sie Philipp von Anfang an deutlich, dass sie nichts außer ihm und den Kindern brauche. Andere Sozialkontakte seien für sie nicht wichtig, weder zur weiteren Familie noch zu irgendwelchen Freunden oder Nachbarn. Von denen sei ohnehin nur Kritik an ihrem Lebensentwurf zu erwarten, darauf könne sie verzichten. Doch anders als behauptet, schreibt Sabrina schon seit Jahren im Internet mit verschiedenen Personen. Dort kann sie das Bedürfnis nach Sozialkontakten ausleben, welches sie im Alltag eher unterdrückt. Der sehr eifersüchtige Philipp nimmt ihren Wunsch nach Isolation positiv auf, merkt jedoch schnell, welcher Druck in dieser Konstellation auch auf ihm lastet.

In den folgenden Jahren führt das Ehepaar eine ständig wiederkehrende On-Off-Ehe. Überfordert und ängstlich entzieht sich Philipp immer wieder der Verantwortung. Manchmal verschwindet er einfach für mehrere Wochen und lässt seine Frau mit den Kindern allein, um wieder bei seiner Mutter zu wohnen.

Sabrina ist jedes Mal außer sich vor Wut und Enttäuschung, doch nach jedem Konflikt schaffen die beiden es, sich wieder zusammenzuraufen. In den nächsten Jahren bekommen sie noch drei weitere Kinder. Jedes Mal geht Sabrina nur für die Entbindung ins Krankenhaus und kehrt bereits wenige Stunden später wieder zurück in die Wohnung. Selbst als sie nach einer der Geburten eine schwere gesundheitliche Komplikation erleidet und eigentlich für mehrere Tage im Krankenhaus bleiben müsste, entlässt sie sich gegen den Rat der Ärzte selbst. Bei der Betreuung ihrer Kinder will sie sich weder auf ihren Mann noch auf ihre Mutter oder ihren Bruder verlassen. Niemand kann das besser als sie. Auch die Tatsache, dass ihre Kinder sie den ganzen Tag voll einspannen, stört die sechsfache Mutter überhaupt nicht. Der vollkommene Fokus auf ihre Familie ist genau das Lebenskonzept, welches sie sich immer gewünscht hat. Doch obwohl die Kinder Sabrina glücklich machen und sie den Alltag mit sechs Kindern, frisch gekochtem Essen, selbstgebackenem Kuchen, einer sauberen Wohnung und wohlerzogenen, zufriedenen Kindern meistert, brodelt es massiv unter der Fassade der heilen Familie.

Philipp hat immer größere Probleme mit seiner beruflichen Zukunft. Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr fehlt ihm eine berufliche Perspektive. Er findet keinen Job, fühlt sich als Versager und mehr und mehr eingesperrt in dem selbst gewählten Lebensentwurf. Hatte er die Familie erst als haltgebend empfunden, rutscht er nunmehr immer wieder in depressive Episoden und nutzt Alkohol zur inneren Entlastung und gegen das Gefühl, versagt zu haben. Seine Ausbrüche und Flüchte zu seiner Mutter werden immer häufiger und immer länger und Sabrina lässt sich immer brutalere Manipulationsstrategien einfallen, um ihren Mann zurück in die gemeinsame Wohnung zu holen. Mal droht sie ihm damit, das Sorgerecht für die Kinder zu entziehen, ein anderes Mal behauptet sie, sich sonst auf eine Affäre mit einem anderen Mann einzulassen. Doch egal wie groß der Streit, egal wie lang die Ausflüchte, egal wie brutal die Manipulationsversuche sind, Sabrina und Philipp finden immer wieder zusammen.

Im Oktober 2019, die beiden sind seit sechs Jahren verheiratet und haben erst vor wenigen Monaten ihre jüngste Tochter bekommen, trennt sich Sabrina dann vermeintlich endgültig von Philipp. Sie wirft ihn aus der gemeinsamen Wohnung, denn sie hat genug von seinen Ausflüchten, dem wochenlangen Verschwinden, dem fehlenden Commitment. Sie hofft, dass dieser Schritt Philipp nunmehr deutlich machen wird, dass sie es ernst meint. Insbesondere für die Kinder ist das eine schwere Entscheidung, denn bereits Stunden nach seinem Verlassen der Wohnung fragen sie nach ihrem Papa. Über Wochen haben die beiden dann erstmalig keinen Kontakt mehr. Philipp lebt vorübergehend auf der Straße und gibt als Meldeadresse eine Geschäftsstelle der Caritas an. Die Kontaktsperre dauert so lange, dass Sabrina schon überlegt, wieder in die räumliche Nähe ihrer Mutter zu ziehen, um so Unterstützung zu erhalten. Am 12. Dezember 2019 beantragt sie beim Amtsgericht Solingen dann die Übertragung des alleinigen Sorgerechts für die vier gemeinsamen Kinder. Als Begründung führt sie an, ihr Ehemann sei ausgezogen, telefonisch nicht erreichbar, habe ihr im Zuge der Streitigkeiten größere Summen Geld gestohlen und kümmere sich auch in dringenden Angelegenheiten nicht um seine Kinder.

Nur zwei Monate später nimmt sie den Antrag wieder zurück. Sie habe sich mit ihrem Ehemann ausgesöhnt. Eine Woche nach dem Gesuch der Sorgerechtsübertragung erfolgt ein Hausbesuch durch das Jugendamt. Die Mitarbeiterin findet wohlgenährte, glückliche Kinder, einen sauberen Haushalt und eine kompetente, nicht überforderte Mutter vor. Angebote zur Unterstützung bei der Betreuung ihrer sechs Kinder lehnt Sabrina ab. Und da es keinerlei Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung gibt, verlässt die Jugendamtsmitarbeiterin die Wohnung mit einem guten Gefühl.

Auch in der Schule sind alle Kinder für ihre auffallend guten Manieren, ihre Intelligenz und Freundlichkeit bekannt. Keine der Lehrkräfte sieht bei den Kindern je eine Notwendigkeit für pädagogische Extramaßnahmen. Im Gegenteil, es sind diese Kinder, denen die Lehrer das Klassenbuch oder die Schlüssel anvertrauen. Wenige Wochen später versöhnt sich das Ehepaar wieder für kurze Zeit, bevor es über die Sommermonate zu erneuten Konflikten und wieder zu Philips Auszug kommt. Wieder versucht Sabrina alle möglichen Tricks, um eine Versöhnung herbeizuführen und ihren Mann zurück in ihr Familienleben zu bringen. Allerdings nicht, weil sie ihn so sehr liebt, behauptet sie, sondern weil er zur Komplettierung ihres Familienlebens dazugehört und die Kinder ihn sonst so sehr vermissen. Obwohl Philipp mittlerweile nicht mehr in der Wohnung gemeldet ist und aufgrund der zahlreichen Konflikte und seiner labilen psychischen Verfassung schon seit längerem eine Scheidung im Raum steht, hält sich der junge Mann weiterhin zeitweise in der Wohnung auf. Manchmal bleibt er dabei sogar zusammen mit Sabrina im Bett. Die beiden schlafen miteinander und sprechen über die Planung des nächsten Kindes. Aus Angst, ihr Ehemann könnte die Wohnung jederzeit wieder für einige Wochen verlassen, gibt Sabrina ihm nunmehr immer wieder eines der Kinder mit, in der Hoffnung, ihn so zur regelmäßigen Rückkehr zwingen zu können.

Am 11.08.2020 geht Sabrina dann noch einen Schritt weiter und fordert ihren Mann auf, ihr eine schriftliche Erklärung zu geben, in der er das Sorgerecht für seine Kinder vorläufig abgibt. Philipp, der sich ohne Sabrinas Wissen bereits vor mehreren Wochen in eine andere Frau verliebt hat, stimmt zu.

In den nächsten Tagen zeigt sich, dass das Druckmittel des Sorgerechts seine Wirkung entfaltet. Philipp ist zugewandter, freundlicher und zuverlässiger als sonst und sichert Sabrina zu, um die Familie kämpfen zu wollen, während er sich tatsächlich mit seiner neuen Liebe Jasmin immer wohler und sicherer fühlt. Diese Veränderung bleibt Sabrina jedoch nicht verborgen. Und auch sie vermutet hinter seiner Fröhlichkeit, der Geheimnistuerei mit seinem Handy und seiner plötzlichen Eitelkeit eine Affäre mit einer anderen Frau. Philipp verneint dies und bestärkt Sabrina darin, gemeinsam mit den Kindern im Oktober 2020 nach Kroatien zu fliegen, um einen gemeinsamen Neustart zu wagen. Anders als kommuniziert verlässt er jedoch am 31.08.2020 die gemeinsame Wohnung unter einem Vorwand, um tatsächlich mit seiner neuen Freundin zusammen zu sein. Enttäuscht und wütend schickt Sabrina ihm daraufhin ein Bild von einer Tablette für einen Schwangerschaftsabbruch, um ihn zu zwingen, in die gemeinsame Wohnung zurückzukehren. Doch Philipp reagiert nicht mehr.

Am 2.09.2020 erstellt Sabrina dann einen Fake-WhatsApp-Chat mit einem erfundenen Mann und stellt das Foto als WhatsApp-Story online. Ihr Ziel ist es, ihren Ehemann eifersüchtig zu machen. Doch der Versuch schlägt fehl. Philipp sieht zwar das Bild, es ist ihm aber egal. Denn anders als von Sabrina erwartet, ist Philipp in dieser Nacht nicht wieder bei seiner Mutter. Er hat sich entschieden, mit Jasmin zusammen zu sein. Bei ihr fühlt er sich sicher, geliebt, gesehen und nicht wie ein immer versagendes, eingesperrtes Accessoire für das Lebenskonzept einer anderen Person. In dieser Nacht schläft er das erste Mal bei und mit seiner neuen Freundin. Am Donnerstag, den 3.9.2020, wacht Sabrina wie gewohnt um 6 Uhr morgens auf. Sie kümmert sich um die Kleinen, wechselt Windeln, macht Fläschchen fertig und weckt ihre Schulkinder gegen halb sieben. Doch schon kurz nach dem Aufstehen stellt sie fest, dass Leon und Tim beide erkältet sind und wegen der Corona-Pandemie so nicht zur Schule gehen dürfen. Um 7.21 Uhr öffnet Sabrina dann WhatsApp und erblickt als erstes ein neues WhatsApp-Profilbild ihres Ehemanns. Es zeigt ihnen, wie er mit geschlossenen Augen eine fremde Frau küsst.

Fassungslos macht sie einen Screenshot und schickt diesen mit dem Kommentar, der hat eine neue, an ihre Mutter. Zeitgleich schreibt sie Philipp. Schönes Foto, ich freue mich für dich. Leon und Tim sind krank, dementsprechend fallen alle Termine aus. Falls du also kommen willst, heute geht. Während sie sich in dieser Nachricht betont kontrolliert und ungerührt zeigt, schreibt sie ihrer Mutter eine weitere Nachricht. Das darf doch nicht wahr sein. Was für ein Schwein. Ich kann echt nicht mehr. Er wollte letzte Woche noch über das nächste Kind reden und jetzt das. Im Garts Versuche zu hinterfragen, ob es sich um ein altes Bild handeln könnte, begegnet sie mit dem Hinweis, dass sie ihm erst vor wenigen Tagen die Haare geschnitten habe. Um 7.29 Uhr schreibt sie, ich weiß echt nicht mehr weiter.

Um kurz nach sieben verlässt dann Michael die Wohnung, um wie üblich selbstständig zur Schule zu fahren. Während der Elfjährige im Bus sitzt, entbrennt zwischen dem Ehepaar ein hitziger Dialog über WhatsApp. Als Philipp Sabrina mitteilt, er freue sich für sie und hoffe, dass sie eine schöne Zeit mit ihrem neuen Freund gehabt habe, gesteht Sabrina, dass es sich lediglich um einen Fake-Chat gehandelt habe. Sie habe den Abend also nicht mit einem anderen Mann verbracht, sondern ich habe mit deinen Klamotten heulend im Bad gesessen und die Geburt gehabt. Philipp, der entschlossen ist und seine Ex-Frau konsequent mit seiner Entscheidung zur Trennung konfrontiert, schreibt ihr nur eine Minute später zurück. Das tut mir leid mit der Geburt, ehrlich, aber ja, ich habe eine Freundin und ja, es tut gut. Lass es doch einfach mit diesen Fake-Sachen, das hast du die ganzen Jahre gemacht. Das zieht aber nicht mehr und jetzt ist passiert, was logisch ist. Ich habe mich verliebt.

Schön, wenn das so schnell geht bei dir. Ich kann das nicht ertragen und sitze in deinen Klamotten hier und vermisse dich unendlich. Liebe dich unendlich. Vor wenigen Tagen war alles noch so schön und wir waren glücklich, schreibt Sabrina nur wenige Minuten später zurück. Um 7.48 Uhr stellt sie ihm in der Hoffnung, er werde endlich darauf eingehen, erneut die Frage, ob er die Kinder heute sehen wolle oder nicht. Als er erneut nicht antwortet, schießt sie mit ihrem Smartphone ein Foto, auf dem sie ihre Hand, die einen Zettel hält, neben einem großen Messer inszeniert, dessen Klinge in einer roten, blutähnlichen Lache auf der Arbeitsplatte in der Küche der Wohnung liegt. Doch immer noch reagiert Philipp nicht. Um 8.03 Uhr fragt sie ihn dann erneut, ob er die Kinder jetzt sehen wolle. Erst um 8.38 Uhr antwortet er ihr, Sabrina, ich war am Ende meiner Kräfte und sage dazu nichts mehr. Ich fange neu an.

Es folgen weitere Nachrichten, zukünftige Termine mit den Kindern, die Eifersucht auf die andere Frau und den geplanten Familienurlaub nach Kroatien betreffend, den Sabrina nun mit den Kindern, aber ohne Philipp machen soll. Es ist dieser Moment, der alles verändert. Dieser Moment, in dem Sabrina bewusst wird, dass Philipp nicht zurückkommen wird. Nie, niemals hatten er oder sie jemals eine sexuelle Beziehung zu einer anderen Person gehabt. Egal, wie groß die Streitigkeiten gewesen waren, immer konnte sie ihn dazu bewegen, wieder zurückzukommen. Aber dieses Mal? Nein. Sie hat alles versucht, aber er hat sich ihr entzogen. Ihr und ihren Kindern.

In den nächsten Stunden fügt sie den Frühstücksgetränken ihrer fünf zu Hause gebliebenen Kinder D-Phenhydramin-haltige Arzneimittel hinzu. Es sind Medikamente mit sedierender, bewusstseinstrübender Wirkung. Insbesondere den beiden Älteren verabreicht sie so hohe Dosen, dass diese bereits lebensgefährliche Auswirkungen haben können. Den drei Älteren gibt sie darüber hinaus Ibuprofen. Der Obduktionsbericht wird später feststellen, dass die Konzentration bei allen fünf Kindern so hoch war, dass mindestens eine sehr starke Sedierung, wenn nicht sogar eine Atemdepression auftrat. Ob eines von ihnen bereits zu diesem Zeitpunkt ins Koma fällt, kann später nicht mehr festgestellt werden. Dann bereitet Sabrina das Badezimmer so vor, wie ihre Kinder es kennen. Sie wärmt die Luft mittels eines Heizlüfters auf, befestigt am Boden der Badewanne eine kleine Antirutschmatte und befüllt die Badewanne mindestens bis zur Hälfte mit warmem Badewasser. Dann legt sie die zahlreichen kleinen Wasserspielzeuge hinein, mit denen ihre Kinder immer gerne spielen. Nachdem bei allen Kindern die deutliche Sedierung durch die Medikamente bereits festzustellen ist, trägt sie ihre jüngste Tochter Maria ins Bad, entkleidet sie, legt sie in die Badewanne und brückt ihren Kopf so lange unter Wasser, bis sie reglos liegen bleibt.

Dann wickelt sie sie in ein großes Badehandtuch, legt ihre Tochter in das kleine Kinderbett und hebt die kleine Lara als nächste auf. So verfährt sie mit jedem ihrer fünf Kinder. Bis in allen Kinderbetten in der Wohnung die nassen, leblosen Körper ihrer Kinder liegen, deren Gesichter sie mit Handtüchern und Kissen bedeckt. Ob eines der Kinder sich noch gewehrt hat, kann im Nachhinein nicht mehr festgestellt werden. Sicher ist jedoch, dass alle Kinder unterschiedliche Formen von stumpfer Gewalteinwirkung aufweisen. Ein Hinweis auf die Heftigkeit, mit der Sabrina die Köpfe ihrer Kinder unter Wasser und gegen den Badewannenboden gedrückt hat.

Um 10.37 Uhr beantwortet sie dann die nächste Nachricht von Philipp. Er will wissen, wie sie jetzt weiter miteinander verfahren sollen. Keine Ahnung, gar nicht. Kannst ja mit der Ollen neue Kinder machen. Tun wir wahrscheinlich gar nicht außer Scheidung. In weiteren wechselseitigen Nachrichten, die überwiegend im Minutentakt beantwortet werden, tauschen sich beide darüber aus, was es für Philipp heißt, die Kinder nicht mehr zu sehen. Er bittet sie, wenigstens an den Geburtstagen besuchen zu können, woraufhin Sabrina nur antwortet, ja klar, und die Schlampe hilft ihr beim Geschenke einpacken. Darauf reagiert Philipp mit dem Vorwurf, sie habe selbst immer behauptet, andere Männer gehabt zu haben, wenn er mal wieder weg gewesen sei. Ihr Verhalten sei also völlig unpassend. Um 11.28 Uhr antwortet Sabrina ihm dann, ich hatte nie jemanden und nie einen Kuss oder sonst was, nur freundschaftlichen Kontakt. Du hast mir gesagt, du liebst mich, wirst nie, niemals in deinem Leben eine andere haben.

Nur wenige Minuten später ruft Sabrina die Realschule ihres ältesten Sohnes an, um ihn unter dem Vorwand, ein Verwandter sei verstorben, nach Hause zu holen. Ihr Sohn solle zum Rathaus fahren und dort warten. Nach dem Telefonat beantwortet sie eine weitere WhatsApp-Nachricht von Philipp mit der Frage, warum sie nicht neu starten könne mit den Worten »Ganz einfach, ich liebe dich und will nicht ohne dich sein«. Seiner Antwort, dass sie dies jetzt aber müsse, entgegnet sie »Ich muss gar nichts«. Gegen zwölf Uhr verlässt Sabrina schließlich mit einem Rucksack über der Schulter die stille Wohnung. Eingepackt hat sie alle Ausweise der Kinder sowie zahlreiche Blister mit Womakur, Nurofen und ein starkes Antidepressivum. Als sie Michael am Rathaus wie besprochen antrifft, erzählt sie ihm, seine Geschwister seien bei einem Autounfall gestorben. Mit großen Augen starrt der Elfjährige seine Mutter an. Sie wirkt niedergeschlagen und hat einen merkwürdigen Gesichtsausdruck, als sei sie betrunken. Sofort will er seine Großmutter anrufen, doch seine Mutter verbietet es ihm, mit dem Hinweis, solche Nachrichten nicht übers Telefon überbringen zu wollen. Dann steigt der Junge gemeinsam mit seiner Mutter in die öffentlichen Verkehrsmittel in Richtung des Düsseldorfer Hauptbahnhofs.

Nur einen Tag später wird noch im Krankenhaus ein Haftbefehl gegen Sabrina ausgesprochen und sie wird in das Justizvollzugskrankenhaus verbracht, in dem sie dauerhaft unter psychiatrischer Beobachtung steht. Am 29.04.2020 gibt sie dann an, sich endlich wieder an den Tathergang erinnern zu können und wird in einem den Umständen entsprechenden körperlichen Zustand in die Haftanstalt verbracht. Dort schildert sie im Gespräch mit einer Psychologin, dass sie sich zum Tatgeschehen äußern wolle, denn ihr Suizidversuch werde fälschlicherweise als erweiterter Suizid betrachtet. Sie gibt zu Protokoll, es habe am Morgen der Tat an ihrer Wohnungstür geklingelt, nachdem ihr ältester Sohn das Haus verlassen habe. Vor der Tür habe ein ca. 1,80 Meter großer Mann mit Maske und Handschuhen gestanden. Er habe sie in die Wohnung zurückgedrängt und ihr gesagt, er werde nun ihr Leben zerstören, so wie sie seines zerstört habe.

Ihre Adresse habe er auf dem Dating-Portal gefunden. Dann habe er ihre Hände gefesselt und ihr ein Taschentuch in den Mund gesteckt. Weiter erinnert sie sich, wie sie vor der gefüllten Badewanne stehe und er ihre Hände ergriffen und um die Hälse der Kinder gelegt habe. Bei dem Versuch, sich zu wehren, habe er sie niedergeschlagen. Als sie wieder wach gewesen sei, seien ihre Kinder tot gewesen. Der Mann habe auf der Couch gesessen und ihr Handy genommen. Er sei es auch gewesen, der die Nachrichten an ihren Ex-Mann geschrieben habe. Als sie dann ihren ältesten Sohn aus der Schule holen sollte, habe sie es geschafft zu fliehen. Dabei habe sie noch Medikamente eingepackt, um sich damit später das Leben nehmen zu können. Sie sei so verzweifelt gewesen, weil ihre Kinder tot seien. Sie habe gewusst, dass sie für ihren ältesten Sohn hätte da sein müssen, aber der Schmerz sei einfach zu groß gewesen. Besonders belastend sei nunmehr, dass Michael keinerlei Kontakt mehr zu ihr haben wolle. Das sei für sie schwer auszuhalten.

Diese und zwei ähnliche, aber in wichtigen Details abweichende Geschichten zum Tathergang erzählt Sabrina den verschiedenen Sachverständigen. Sie bleibt dabei, sie hat ihren Kindern nichts angetan. Doch auch die beste Geschichte kann nichts ausrichten gegen eindeutige Spuren, digitale Beweise und eine beinahe lückenlose Aufklärung des Tathergangs. Die psychologischen und psychiatrischen Sachverständigen zeichnen vor Gericht ein klares Bild der Angeklagten. Der erste Sachverständige bezeichnet Sabrina als stets aktiv, ruhig und sehr konzentriert in allen drei Explorationsgesprächen. Psychisch sei sie in jeder Hinsicht bewusstseinsklar und orientiert sowie nicht antriebsgestört gewesen. Anhaltspunkte für produktiv-psychotische Störungen des inhaltlichen Denkens oder der Wahrnehmung hätten sich über den Verlauf der Exploration nicht gezeigt. Chronologisch und ohne emotionale Ausbrüche habe sie den Umzug innerhalb des elterlichen Hauses sowie die nachfolgenden Schwangerschaften eingebettet in ihrer jeweiligen Lebensumstände beschrieben. Ihre Schilderungen seien bis zum Tatzeitraum innerlich geordnet geblieben. Eine weitere Sachverständige hebt hervor, Sabrina sei im Umgang mit Wut stark gehemmt und neige in Belastungssituationen eher dazu, sich gedanklich mit der Lösung zu beschäftigen, als sich von Emotionen leiten zu lassen.

So habe sie auch während der gutachterlichen Gespräche stets nur erwartbare Emotionen geschildert und sei emotional auch nur wenig schwingungsfähig gewesen.

Enge emotionale Bindungen zu ihren Kindern oder Partnern seien nicht deutlich geworden. So konnte sie Charakterzüge ihrer Kinder nur auf Nachfrage und auch nur oberflächlich beschreiben, während sie sämtliche Aspekte, die sich auf die materielle Ebene ihrer Versorgung bezogen hätten, voller Stolz und sehr detailliert beschrieben habe. Eine narzisstische Tendenz sei genauso erkennbar gewesen wie stark ich-zentrierte Denkweisen. Es fehle der Angeklagten an kritischer Selbstreflexion, auch attestiert sie auf Basis der mangelnden Empathie und des massiven Manipulationsgeschehens psychopathische Züge. Sabrina sei nicht so selbstständig und unabhängig, wie sie sich selbst gerne betrachte, sondern vielmehr abhängig von Aufmerksamkeit und Bestätigung anderer.

Kontrastierend zu dieser gutachterlichen Darstellung ruft nun die Verteidigung ebenfalls einen psychiatrisch-psychologischen Gutachter in den Zeugenstand. Dieser sieht in dem Lebensentwurf der Angeklagten, mit einem Mann zahlreiche Kinder zu bekommen, obwohl sie lediglich von öffentlichen Zuwendungen lebe, durchaus einen Krankheitswert. Entgegen der Perspektive der anderen Sachverständigen argumentiert er, es liege aus seiner Sicht zwar kein Medea-Symptom, die Ermordung der eigenen Kinder als Racheakt am Partner, vor. Dafür sei der Suizidversuch zu ernst gemeint gewesen. Dennoch attestiert er der Angeklagten eine kombinierte Persönlichkeitsstörung. Es wird vor Gericht deutlich, dass der Sachverständige sich nicht für das allgemeine Klassifikationssystem ICD-10 begeistern kann und so ordnet er die Diagnose nur widerwillig ein.

Vom Gericht aufgefordert, diese Diagnose nunmehr in Verbindung einer verminderten Schuldfähigkeit bzw. Einer Schuldunfähigkeit einzuordnen, erläutert er weiter, er halte es für möglich, dass die Angeklagte, nachdem sie das neue Profilfoto ihres Mannes gesehen habe, ihr Muttersein als Falle empfand und sich für die ultimative Form des Widerstands entschieden habe. Er halte eine Belastungsreaktion auf Basis ihrer dominierenden histrionischen und narzisstischen Persönlichkeitszüge für ausreichend, um dies als schwere seelische Abartigkeit im Sinne des § 21 StGB anzuerkennen. Vom Gericht wird er mehrfach darauf hingewiesen, dass er diese Störung nunmehr in puncto Ausprägungsgrad und unter Berücksichtigung der sozialen Anpassungsfähigkeit einordnen solle, dazu kommt es jedoch nicht. Immer wieder beharrt der Sachverständige darauf, dass die Tatsache, dass eine Frau nicht nur eines, sondern fünf ihrer Kinder töte, durchaus als Kriterium eines psychischen Ausnahmezustands betrachtet werden könnte.

Abschließend stellt er klar, dass er nach Durchführung des Explorationsgesprächs mit der Angeklagten vielmehr davon ausgehe, dass sie tatsächlich unschuldig sei. Mit dieser Aussage konfrontiert, stellt das Gericht bei der vorgeschriebenen methodenkritischen Überprüfung erhebliche Mängel am Gutachten fest, die dasselbe vor Gericht nicht verwertbar machen. Sabrina wird schließlich zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Es wird die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Nach dem Urteilsspruch eröffnet die Stadt Solingen ein Spendenkonto für den kleinen Michael. Sie hoffen, dass er die traumatischen Geschehnisse eines Tages überwinden wird.

Ich habe gerade irgendwie ganz viele verschiedene Gefühle und Gedanken gehabt. Aber ich glaube, ich hänge gerade noch am meisten an dem Moment, wo sie ihre fünf Kinder getötet hat. Und ich fand schon am Anfang vom Fall, fand ich schon so die Vorstellung so krass, so als Elfjähriger wirst du so von der Schule geholt, weil, was war das für ein Vorwand, dass ein Verwandter gestorben ist? Und dann irgendwie zu hören, dass all deine Geschwister, all deine Brüder und Schwestern tot sind. und, dann, bringt sich noch deine Mutter um oder versucht sich umzubringen und dann kommt raus, dass deine Mutter deine Schwestern und Brüder getötet hat.

Und mir tut dieser elfjährige Junge so sehr leid dabei. Ja, also es war eine richtig komische Geschichte, weil die Mutter hat in dieser Schule angerufen und hat ihr völlig, also die Sekretariatsmitarbeiterin wurde vor Gericht befragt. Sie hat gesagt, die Mutter war total normal, völlig sachlich gefasst, ihr ist nichts Komisches an ihr aufgefallen. Also es war völlig und es ist mittlerweile ja klar, dass sie ihre Kinder da gerade getötet hatte. Und dann hat sie gesagt, ja, mein Sohn, es ist ein Verwandter gestorben und der müsste jetzt nach Hause kommen. Und dann haben die gesagt, ja, okay, machen wir. Können Sie ihn abholen? Dann meinte sie, nee, der soll da und dahin kommen. Ich treffe ihn dann da. Und dann hat die Sekretariasmitarbeiterin sich nochmal mit einer Kollegin besprochen und meinte, also irgendwie ist das schwierig, so einen Elfjährigen aus dem Unterricht zu holen und zu sagen, hey, es ist jemand aus deiner Verwandtschaft gestorben, aber ich kann dir nicht sagen, wer, weil deine Mutter mir nicht sagen wollte, wer, aber du musst da jetzt hin. Und sie wollte, dass es weniger traumatisierend ist für ihn. Also hat sie die Mutter nochmal angerufen und meinte, kann ich ihm vielleicht sagen, dass er einen Zahnarzttermin oder sowas hat, damit sie die Nachricht überbringen kann.

Und dann hat die Mutter gesagt, ja, dann sagen sie ihm einfach, er hat einen Zahnarzttermin. Und dann meinte die Sekretariatsmitarbeiterin noch, ja, kann er die Unterrichtsstunde, die er jetzt gerade drin ist, noch zu Ende machen? Dann ist das nicht für alle so auffällig, dass er rausgerissen wird. Und da hat sie auch zugestimmt. Und dann wurde der Junge quasi mit dem Vorwand, er hätte einen Zahnarzttermin aus der Schule geholt. Und dann hat die Mutter ihm, als sie ihn getroffen hat, was gesagt mit diesem LKW-Taxi-Unfall, bei dem seine Geschwister vermeintlich gestorben sind.

Und dann sind sie ja zum Bahnhof gefahren, zum Düsseldorfer Hauptbahnhof, wo sie ihm dann gesagt hat, ja, ich werfe mich jetzt vor einen Zug, willst du mitkommen? Und er gesagt hat, nein. Auch die Frage. Also ja, sie hat quasi ihm die Möglichkeit gegeben, sich mit ihr gemeinsam zu suizidieren, was ich furchtbar fand.

Ich kann mir gar nicht ausmalen, wie sich das für diesen Jungen angefühlt haben muss. Und dann hat er verzweifelt versucht, seine Mutter am Aussteigen zu hindern, weil er ja wusste, was sie vorhat. Und sie hat es aber quasi unmöglich gemacht für ihn und ist dann halt aus dem Zug raus und er saß weiter drin. Und dann hat er in die WhatsApp-Gruppe von seiner Klasse, der war in der sechsten Klasse und die hatten so eine Gruppe. Und dann hat er in die WhatsApp-Gruppe eine Nachricht an seine Lehrerin geschickt und hat geschrieben, Liebe Frau so und so, ich komme heute nicht mehr zurück in die Schule. Meine fünf Geschwister sind tot. Und ich fahre jetzt zu meiner Oma. Und die Lehrerin und alle Mitschüler haben das halt gelesen und waren völlig panisch, haben dann bei der Polizei angerufen, um irgendwie Hilfe zu holen und um sicherzugehen, dass es diesem Jungen gut geht, weil sie auch einfach nicht einordnen konnten, was da passiert. Und dann ist der Junge halt bei der Oma angekommen und wurde dann von seinem Onkel abgeholt und zur Oma gebracht. Und ungefähr 20 Minuten, nachdem er da angekommen ist, kamen dann auch Polizei und Seelsorger und so zu der Oma. Und dann haben sie ihm erst gesagt, was wirklich passiert ist.

Boah. Also es war echt richtig krass. Wirklich richtig, richtig krass. Und mir hat dieser Junge so unglaublich leid getan. Genauso wie die Geschwister mir unglaublich leid getan haben. Aber für den Jungen fand ich es, nicht, dass ich das eine schmälern will, aber für den Jungen fand ich es noch schlimmer, weil er damit leben muss. Ja, eben. Ich meine, natürlich ist das auch, was den Geschwistern angetan wurde, natürlich genauso. Aber so.

Ich sag mal so, wie du sagst, er muss damit leben. Und sie waren sediert und sind gestorben. Und das ist natürlich ganz schrecklich. Und gleichzeitig habe ich irgendwie, ich weiß nicht, vielleicht leidet man da mehr mit, noch mehr mit bei ihm, weil es einfach bei ihm quasi so dieses Leid, was er jetzt hat, dadurch seine fünf Geschwister verloren zu haben, wahrscheinlich vielleicht irgendwie traumatische Belastungen davon zu haben, das mit der Mutter, von wegen ich gehe jetzt mich umbringen, kommst du mit? Das ist ja so ein riesiger ungünstiger Cocktail, den er da mitbekommen hat und er muss jetzt damit leben und er muss damit seine Mutter das gemacht hat und er ist jetzt halt quasi alleine übrig und das ist halt, Das ist schon schlimm. Ich finde es auch richtig schlimm. Vor allen Dingen, weil der Junge sich ganz viel um seine Geschwister gekümmert hat. Der hat seiner Mutter richtig viel geholfen mit der Erziehung. Und die Geschwister untereinander hatten wohl auch eine sehr enge Beziehung zueinander.

Und er hat sich ja selber danach geweigert, mit seiner Mutter überhaupt noch zu tun zu haben. Also er wollte weder über Brief noch über sonst irgendwas Kontakt zu ihr. Ja. Und ich kann mir kaum vorstellen, was es bei einem Kind auch für Schuldgefühle auslösen muss, wenn du in der Schule bist und in der Zeit werden alle deine Geschwister getötet. Und du denkst dir, man kennt das ja häufig, die Schuld des Überlebenden. Lebenden. Ja. Dass er nicht da war, um seine Geschwister zu beschützen, weil er sogar der Älteste hier ist. Und dass seine Mutter sich dann auch von ihm losreißt und sie sich das Leben nimmt und er sagt, ich will nicht mit. Aber ich will auch nicht, dass du gehst und er schafft es nicht, sie aufzuhalten und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, diese Zugfahrt, die er von Düsseldorf nach Mönchengladbach gehabt hat zu seiner Oma. Ich kann mir nicht mal im Ansatz ausmalen, was in dieser Zugfahrt durch seinen Kopf gegangen sein muss. Ja, du meinst jetzt Zugfahrt, nachdem die Mama raus war? Ja.

Ja. Ja, ich meine, es hat sie auch sonst wie eine ganz positive Beziehung angehört, so sie und ihre Kinder. Also ich meine, klar, im Gutachten wird ja erzählt, dass sie jetzt nicht wirklich so richtig, nur eher oberflächlich über ihre Kinder reden konnte. Aber so, was du sonst so berichtet hast, sie war ja sehr organisiert, sie hat immer dafür gesorgt, dass es ihren Kindern an nichts fehlt, hat da sehr viel hat zum Beispiel, bereitet sie das Bad vor, wie sie es immer gemacht hat. Also da ist ja viel Zuwendung für die Kinder gewesen und es hört sich an, als wäre das auch eine gute und positive Beziehung zur Mutter gewesen und dann, ich denke mir halt so, dann fällst du halt nochmal härter, wenn es eigentlich was Gutes war und dann passiert das alles und du bist als Einziger übrig und stehst da und bist so, Wie konnte das passieren? Ja, die Mutter war tatsächlich super engagiert. Also sie hat richtig oft Komplimente dafür bekommen, wie gut sie es schafft, das zu managen, dass die im Grunde von Hartz IV gelebt haben und sie halt so ein bisschen Geld dazu verdient hat ab und zu, indem sie so Bilder online verkauft hat von sich selbst.

Und sie es geschafft hat, mit sechs Kindern in den Urlaub zu fliegen. Die hatten immer genug Spielsachen, immer saubere Anziehsachen. Die waren immer wohlgenährt. Es hat ihnen dann nichts gefehlt. Und das hat nicht nur sie selber gesagt, sondern auch die Jugendamtsmitarbeiterin war völlig begeistert davon, wie ruhig sie ist und wie sie in der Lage ist, auf die Bedürfnisse der Kinder, auf die Bedürfnisse von sechs Kindern einzugehen, während die Jugendamtsmitarbeiterin sich mit ihr unterhält.

Und sie selber war halt auch immer sehr, sehr stolz darauf. Und es wurde halt auch erzählt, dass sie mit den Kindern Ausflüge gemacht hat. Und sie hat mit den Kindern gebacken und zusammen gekocht und die haben so Filmabende gemacht und sowas. Also es war wirklich, wenn du diese Geschehnisse außer Acht lässt und die extremen Manipulationsversuche, also diese ganze Beziehung mit ihrem Ehemann, sondern dir nur die Beziehung von der Mutter zu ihren Kindern bis zu diesem Zeitpunkt anguckst, war das wahrscheinlich das Beste, was du aus dieser Situation hättest herausholen können. Und das hat sie geschafft.

Ja, und hat sie gut gemacht und halt auch emotional wohl, wenn sie dann mit dem Backen und mit dem Kino besuchen, das ist ja voll die, oder Kinoabende, das ist ja voll die Zuwendung. Also das ist ja, wir haben ja auch schon oft irgendwie in unseren Fällen gehört von Elternteilen, die zwar materiell für die Kinder gesorgt haben, aber irgendwie emotional nicht verfügbar waren, nichts mit denen gemacht haben. Und das ist ja bei ihr nicht der Fall. Also sie hat sich auch Zeit genommen. Sie war ja auch verfügbar für die Kinder. Ja. Und wohl auch emotional, wenn sie auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen konnte, während die Jugendamtsmitarbeiterin da war, dann hat sie ja auch ein Gespür gehabt von wegen, was brauchen meine Kinder jetzt, was muss ich ihnen gerade geben. Also ich meine, die gucken da ja auch drauf, die Jugendamtsmitarbeiter.

Könnte man vermuten, ja. Ja, also ich fand es wirklich einen richtig, richtig furchtbaren Fall und ich musste bei der Recherche und auch, ich habe online einen großen Teil des Gerichts Mitschriebs gefunden. Deswegen ist der Fall auch so lang geworden, deswegen haben wir so viele Informationen. Und ich musste beim Lesen der Obduktionsberichte von den Kindern und so, musste ich echt schlucken. und bei dem, was sie selber so an diesen Chatverläufen, was davor gefallen ist und wie beschrieben wurde, was sie mit den Kindern gemacht hat. Das war wirklich, mir hat sich wirklich der Magen umgedreht, weil ich die ganze Zeit dachte, das kannst du nicht machen. Das darfst du nicht machen, das geht nicht.

Wobei man ja im Verhältnis immer noch sagen muss, dass sie einen, also man kann sich nicht sicher sein, inwieweit sich die Kinder gewehrt haben noch, aber die Wahrscheinlichkeit ist laut Gutachten relativ gering, weil die Konzentration von diesen Medikamenten so hoch war. Von daher hat sie ja im Verhältnis zu anderen Möglichkeiten, das Leben eines Menschen zu beenden, noch eine sehr sanfte, in Anführungszeichen, ich benutze dicke Anführungszeichen, Methode benutzt, um ihre Kinder zu töten, verglichen mit dem, was wir hier an anderen Kindstötungsfällen schon gesehen haben. Das stimmt, das stimmt. Sie hat sie sediert und dann ertränkt. Klar, es war ja stumpfe Gewalteinwirkung. Also von daher... Das war halt was, wo ich so dachte, vielleicht haben sie sich eben doch gewehrt und deswegen gab es diese stumpfe Gewalteinwirkung, weil sie so doll zugedrückt hat. Und das weiß ich einfach nicht. Kann man das eigentlich verstehen, als sie sie runtergedrückt hat, dann der Kopf auf den...

Auf die Badewanne gekleidet ist? Ja, auf den Badewannenboden. Sie hat den Kopf so doll unter Wasser gedrückt, dass eins von den Kindern hatte zum Beispiel Schürf, Quetsch und Druckgewunden am Ohr und an der Schläfe. Was darauf hinderte, dass das Kind... Gott, das ist echt... Meine Forschlung finde ich so furchtbar. Aber dass das Kind quasi mit der Seite, also mit dem Gesicht zur Seite, gegen den Badewannenboden gedrückt wurde.

Das lässt ja auch darauf schließen, und dass es sich gewährt hat. Und ich meine, das macht ja auch der Körper automatisch, auch wenn du irgendwie Beruhigungsmittel genommen hast. Ist nicht, wenn du komatös bist natürlich, dann wehrst du dich nicht mehr. Aber wenn du nur so leicht sediert bist, keine Ahnung, sowas wie so ein Schlaf oder sowas, dann, wenn dein Körper keinen Sauerstoff mehr bekommt, dann reagiert er ja trotzdem. Man zuckt und bewegt sich. Genau, eben. Also man zuckt, man bewegt sich und man versucht ja instinktiv hochzukommen. Ja. Und wenn es nicht mehr passiert, Dann ist es ja schon sehr, sehr, sehr stark sediert. Und da war ja, in der Obduktion waren sie sich ja nicht sicher, wie stark die Kinder sediert waren. Ja, also sicher bleibt am Ende des Tages nur, dass sie alle ausnahmslos Zeichen von stumpfer Gewalt Einwirkung hatten. An der Schulter, am Nacken, im Gesicht, am Kopf. Ja, dann hat sie die Kinder danach ja in die Schlafzimmer zurückgelegt.

Und hat, obwohl, also die vier jüngsten Kinder waren ja alle von Philipp und sie hat alle vier Kinder, die von Philipp waren, ins gleiche Kinderzimmer gelegt, obwohl die gar nicht im gleichen Zimmer geschlafen haben. Also sie hat quasi dafür gesorgt, dass je nachdem, wer zuerst in die Wohnung kommt, der Vater seine vier toten Kinder alle auf einmal sieht. Und gleichzeitig hat sie sie verdeckt. Also das Erste, was laut Gerichtsbericht gesehen worden ist, war ein Polizeibeamter, der quasi unter dem Bettlaken so einen kleinen Fuß hat rausschauen lassen, also rausschauen sehen. Und dann haben sie halt erst gesehen, dass die Kinder unter den Bettdecken und mit Kissen und Handtüchern bedeckt in den Betten lagen. Und sie hat die Kinder auch völlig unnötigerweise eigentlich in großen Badehandtüchern aus der Badewanne rausgeholt und in die Badehandtücher eingewickelt, so wie man es mit Kindern auch macht, wenn man sie einfach nur gebadet hat.

Aber war das dann nicht doch, also der eine Gutachter hat ja gesagt, dass es keine Medea-Symptomatik war oder dass es halt einfach keine Rache an ihrem Ehemann war, weil es nicht dazu passt. Aber dieses Verhalten passt doch eigentlich schon. Also ich frage mich gerade, ob vielleicht nicht alles daran nur die Rache an ihrem Ehemann war, aber alle vier Kinder von ihm... Zusammen in ein Zimmer zu legen, sodass er sie zusammen sieht?

Weiß ich nicht. Kann sein. Gegen das Medea-Syndrom oder gegen die Medea-Symptomatik hat halt gesprochen, dass sie sich danach mit einem ernstzunehmenden Versuch versucht hat, sich zu suizidieren. Und bei der Medea-Symptomatik geht quasi nach der Kindstötung noch so ein triumphales Verhalten.

Und also passiert quasi noch so ein triumphales Verhalten, dass man quasi das Leid des anderen Partners sehen will, dass man sich am Leid der anderen Person ergötzt, die leidet daran, dass die Kinder nicht mehr da sind und dadurch ein Rachegefühl bekommt. Aber dadurch, dass sie diesen ernstzunehmenden Suizidversuch unternommen hat, bei dem sie ja auch fast gestorben wäre. Also sie hat tatsächlich Glück gehabt. Sie ist einfach von dem Zug unglücklich, in Anführungszeichen, also glücklich abgeprallt und ist im Gleisbett gelandet, was dazu geführt hat, dass der Zug über sie rübergefahren ist. Sie hat sich trotzdem extrem verletzt. Aber deswegen ist sie nicht gestorben, weil sie einfach an der falschen Stelle, in Anführungszeichen, ins Gleisbett gefallen ist. Und deswegen hat man gesagt, dass es keine Mediasymptomatik ist, weil sie diesen Triumph gegenüber dem Vater nicht abgewartet hat. Allerdings hat sie ihm gesagt, dass die Kinder tot sind. Und hat damit zumindest indirekt diesen Rachemoment gehabt. Also ich finde, das ist auf jeden Fall was, was man diskutieren könnte. Aber durch diesen versuchten Suizid wurde das eben ausgeschlossen. Okay, gut, ich meine, wir könnten ja mal diese Begrifflichkeit von Medea-Syndrom, Also das ist ja vielleicht jetzt auch gar nicht irgendwie so wichtig, aber ich frage mich eben, ob es nicht trotzdem klar, da nicht diesen Kriterien dieses Syndroms entspricht, aber...

Ich meine, wenn man auf ihre Motive guckt, liegt es ja irgendwie trotzdem nah oder könnte es ja trotzdem sein, dass sie das als Rache an ihm gemacht hat und ihm das nicht nur die Kinder wechseln, sondern eben sie auch. Also könnte sein, wir wissen es nicht. Aber dass es mit aus so einem Rachegefühl passiert, von wegen, jetzt siehst du, was du davon hast, sind wir alle weg. So von wegen, du wolltest uns ja nicht mehr, also wir sind weg. Dass es vielleicht natürlich nicht dieses Triumphierende hatte, aber vielleicht trotzdem in ihrer Vorstellung von wegen, wenn er herausfindet, dass alle tot sind, dass es ihm dann schlecht gehen wird. Gut möglich. Also es nicht auszuschließen.

Tatsächlich wurden vor Gericht ja auch unterschiedliche Symptomatiken, wie zum Beispiel Narzissmus, angesprochen oder auch eine histrionische oder zwanghafte Persönlichkeit. Und darüber würde ich natürlich gerne auch noch mit dir sprechen, was du da so drüber denkst. Ja, wurden denn, ich nehme mal an, dass Diagnostik gemacht wurde. Korrekt. Yes. Es gab, um das zusammenzufassen, bei der histrionischen Persönlichkeitsstörung gab es einen Score von drei. Der Cut-Off-Wert ist fünf. Das heißt, da hat sie auf jeden Fall nicht gescored, sodass es für eine Persönlichkeitsstörung gereicht hätte. Beim Narzissmus-Inventar gab es keine auffälligen T-Werte auf den 18 Skalen der vier Dimensionen. Sprich, sie hat da beim Narzissmus-Inventar, beim Autark-Ideal hatte sie 55, beim Wert Ideal 52 und beim basalen Hoffnungspotenzial einen Wert von 49. Sich also nirgendwo so ausgeprägt, dass man hätte eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostizieren können. Für euch vielleicht so ein bisschen zur Einordnung. Das eine ist die Tatsache, dass sie.

Eigene Ziele verfolgt hat und dass das für sie wichtig gewesen ist und sie stolz darauf war. Das sagt dieser Test quasi aus. Das andere ist, dass sie grundsätzlich die Hoffnung hatte, dass sie in der Lage ist, Krisen zu überwinden und dass sich Situationen verbessern können. Da hat zum Beispiel der Gutachter als Beispiel genommen, dass sie immer wieder geglaubt hat, dass ihr Ehemann sich verändern würde, als er wieder zurückgekommen ist. Und dass sie dementsprechend ja Vertrauen auf Besserung prinzipiell haben muss. Und das Umgang mit Enttäuschung ist ja ebenfalls was, was Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung tendenziell eher weniger gut können. Und auch da hat sie nicht bis zum Cut-Off-Wert gescored. Das zeigt sich auch so ein bisschen daran, dass sie ja regelmäßig enttäuscht wurde von ihrem Ehemann. Sie es aber trotzdem geschafft hat, diesen sehr strukturierten Alltag ihrer Kinder ohne jegliche Unterbrechung weiter fortzuführen. Schon krass.

Ja. Dass sie das so, also ich finde es schon erwähnenswert, dass sie das so beibehalten hat. Obwohl ja, also quasi auf der einen Seite diese sehr strukturierte Person, die offensichtlich überhaupt nicht aus ihrer Struktur fällt, selbst wenn auf der emotionalen Seite mit ihrem Ehemann ja offentlich richtig.

Ich sag's mal so kacke, richtig am Dampfen war und es ihr wirklich schlecht ging, hat sie es trotzdem geschafft, die Struktur aufrecht zu erhalten. Also ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn ich irgendwie belastet bin durch irgendwas oder mich emotional irgendwas ganz stark beschäftigt, dann falle ich voll aus meiner Struktur. Das ist ganz schlimm. Die Routinen sind direkt im Eimer. Genau, die sind sofort weg, sobald irgendwas aus dem Gleichgewicht bei mir kommt, sind auch meine Routinen weg und ich muss mich richtig anstrengen, da irgendwie drin zu bleiben. Bisher bin ich immer rausgefallen, wenn was war. Und ich finde es von daher krass, dass sie das geschafft hat, obwohl sie offensichtlich emotional ja wirklich sehr, sehr, sehr stark davon belastet war. Und das ja auch ein großer Einschnitt in ihr, also ein großes Thema in ihrem Leben darstellte mit dem Lebenspartner. An der Stelle spielt wahrscheinlich die, oder spielt der zwanghafte Teil ihrer Persönlichkeit mit rein. Also sie hat auch gescored im Bereich der zwanghaften Persönlichkeitsstruktur und auch das hat nicht gereicht für eine Persönlichkeitsstörung. Hat sich aber zum Beispiel daran gezeigt, dass sie super akribisch war. Also sie hat akribisch jede einzelne Ausgabe in einem Haushaltsbuch notiert und es gab ganz streng gefasste Regeln, an die alle sich halten müssen und bestimmte Abläufe, an die alle sich halten müssen und konnte nicht so gut damit umgehen, wenn da irgendwas nicht gut läuft.

Aber auch das hat, wie gesagt, nicht für eine Persönlichkeitsstörung gereicht. Insgesamt haben die Gutachter gesagt, dass sie eine sehr, sehr, sehr rationale Person ist. Zumindest im Sinne von wenig emotional interaktiv. Also, dass sie von früher Kindheit anscheinend gelernt hat oder von Natur aus jemand ist, der Probleme sehr stark kognitiv betrachtet. Ja. Weil sie einfach in ihrem emotionalen Erleben ziemlich abgeflacht ist. Also es gibt nicht viele Variationen in ihren Emotionen. Und sie gehört zu den Leuten, die Probleme prinzipiell immer aus kognitiver, rationaler Perspektive betrachten und dann kühl und abgeklärt versuchen, eine Lösung zu finden. Was allerdings auch damit zusammenhängt, dass nach den Gutachtern sie sehr gehemmt ist, was sowas wie Wut oder Aggression angeht, dass sie das einfach nicht ausleben kann. Mhm. Und es quasi kognitiv kontrolliert wird, wenn man so will.

Das heißt aber, sie hat bei ihrer Diagnostik eigentlich nirgendwo richtig gescored. Nirgendwo. Nirgendwo. Sie hat überall alle möglichen Tendenzen, also histrionisch, narzisstisch und zwanghaft. Aber es gab keinen Score und es gab am Ende des Tages keine einzige Diagnose. Nichts. Das ist ja schon auffällig irgendwie, ne? Also ich hätte schon erwartet, dass sie irgendwo scored. Das überrascht mich tatsächlich. Aber dann ist natürlich auch der Urteilsspruch total richtig, dass es keine Schuldunfähigkeit oder ferminierte Schuldfähigkeit gibt, wenn sie komplett... Ja, es gab ja den letzten... Der letzte Gutachter hat ja gesagt, kombinierte Persönlichkeitsstörung. Warte mal, welcher? Der, der... Der, dessen Gutachten dann später komplett unter den Tisch gefallen hat. Ach so, ja, den fand ich auch super, als du von dem erzählt hast. Der von ICD-10 nicht so viel hält.

Und der dann meinte, sie war unschuldig? Auf Basis seines Gutachtens. Alle Beweise dagegen sprechen. Ich fand es vor allen Dingen eine interessante Interpretation seiner Aufgabe, zu sagen, also nach meinem Explorationsgespräch, ist zwar nicht mein Job, aber ich habe festgestellt, die ist unschuldig. Hat einfach mal seinen Aufgabenbereich erweitert. Komplett verfehlt. Bisschen dreist. Ja, also lange Rede, kurzer Sinn. Der hat gesagt, dass er eine kombinierte Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, und konnte aber im Grunde auch mit dieser Diagnose nicht aufzeigen, inwieweit diese Verhaltensweisen sie jetzt so beeinflusst hätten, dass sie nicht in der Lage gewesen wäre, Recht von Unrecht zu unterscheiden oder sich zu kontrollieren. Und er hat gesagt, er geht davon aus, dass sie auf Basis dieser histrionischen und narzisstischen Elemente eine starke Belastungsüberreaktion gezeigt hat und dass ausschlaggebend quasi dieses neue Profilbild von ihrem Mann gewesen ist, der eine andere Frau küsst. Und dass das der Moment war, in dem sie eine Belastungsüberreaktion gezeigt hat.

Dagegen wurde dann vor Gericht aber argumentiert, weil sie unfassbar strukturiert vorgegangen ist. Ohne irgendeine emotionale Regung, ohne dass sie irgendwie ausgeflippt ist. Sie hat ihre Kinder fertig gemacht, sie hat ihren Sohn zur Schule geschickt. Sie hat sehr reflektiert, wie ich finde, in diesen WhatsApp-Nachrichten dargelegt, warum sie wütend ist auf ihn und was sie daran nicht okay findet. Und hat mit ihrem Mann dann noch darüber gesprochen, was für unterschiedliche Termine sie wann wie wahrnehmen müssten und sowas. Also es wirkt überhaupt nicht, als wäre sie emotional völlig aus der Bahn geworfen. Dazu kommt, dass ihre Mutter ihr irgendwann um halb elf oder um viertel nach zehn oder sowas eine WhatsApp-Nachricht geschickt hat mit einem Bild von so einem Regal in einem Supermarkt, weil die gerade einkaufen war. Und da waren unterschiedliche Sorten von Sirup für Wasser zu sehen. Dann hat sie gefragt, hey, welchen Sirup soll ich kaufen? Darauf hat die Tochter ihr völlig normal geantwortet. Also jemand, der in einem emotionalen Ausnahmezustand ist, antwortet nicht auf eine so bescheuerte Frage wie, welchen Sirup soll ich mitbringen? Ich hatte auch eher in der Schilderung das Gefühl, dass nicht das Bild.

Das WhatsApp-Profilbild ausschlaggebend war, sondern viel eher die Interaktion, die sich dann so hitzig hochgeschraubt hat, nachdem auch der Michael in der Schule war. Da ging es ja dann weiter und dann haben die beiden ja miteinander geschrieben Und so wie ich das verstanden habe, immer wieder auch über normale Themen gesprochen und dann aber auch wieder auf diese, er hat eine neue Schiene gerutscht. Und da hat er ja immer wieder sehr deutlich gemacht, du musst ohne mich leben, ich komme nicht mehr zurück.

Und es wurde ja, so wie ich das jetzt wahrgenommen habe in deiner Schilderung, immer deutlicher im weiteren Verlauf des WhatsApp-Chats. Ja, ich fand, es hat schon ein, zwei Tage vorher angefangen, als sie ihm dieses Bild geschickt hat von der Schwangerschaftsabbruchtablette. Und er, das war ja ein reiner Manipulationsversuch, konnte bis zum Zeitpunkt der Verhandlung nicht sichergestellt werden, ob sie überhaupt schwanger war. Sondern das war der Versuch, ihn quasi durch emotionale Erpressung zu zwingen, zurückzukommen. Darauf hat er nicht reagiert. Dann hat sie diesen Fake-WhatsApp-Status mit diesem Chat mit dem anderen Mann online gestellt. Darauf hat er auch nicht reagiert. Er entgleitet ihr also, während diese Manipulationsversuche früher immer dazu geführt haben, dass er wieder nach Hause kommt, entgleitet er ihr. Und in meiner Wahrnehmung gipfelt das Ganze in diesem WhatsApp-Verlauf zwischen den beiden an dem Tattag. Weil er ganz klar sagt, hey, pass mal auf, hör auf mit diesen Fake-Sachen, tut mir leid, dass du eine Fehlgeburt beziehungsweise eine Schwangerschaftsabbruch hattest.

Aber das ändert nichts daran, es ist vorbei mit uns, ich fange neu an. Und dass quasi alle ihre Versuche, alle Mechanismen, die sie gelernt hat, um dieses fragile Konstrukt ihres Lebenskonzeptes aufrechtzuerhalten, schlagen plötzlich fehl. Und ich hatte den Eindruck, dass mit diesem mit dem Weggang ihres Mannes das komplette Konstrukt instabil geworden ist. Ja.

Ja, und halt mit der Realis. Und ich glaube halt, dass vielleicht eine Überbelastungsreaktion, könnte ich vielleicht mitgehen. Allerdings nicht in dem Zeitpunkt, wie gesagt, was du ja auch gerade sagst, wo sie das Foto gesehen hat, sondern eben im Laufe dieses WhatsApp-Chats. Ja, was Also das würde ja so ein bisschen Richtung Affekt quasi gehen. Aber dafür ist es auch so strukturiert gewesen. Zum einen das, zum anderen gab es keine Anzeichen für eine innere Zerrüttung oder irgendeine Form von depressiven Verhaltensmustern. Und wenn wir uns den ganzen Tattag angucken, gibt es nirgendwo irgendeine Form von impulsivem Verhalten. Also selbst nachdem sie ihre eigenen Kinder getötet hat, was sie sehr strukturiert getan hat. Sie hat allen Kindern diese Medikamente gegeben, dann ein Kind nach dem anderen ins Badezimmer, die Klamotten ausgezogen, auf den Haufen gelegt, das Kind in die Badewanne, das Kind raus, umwickelt mit einem Handtuch ins Schlafzimmer, das nächste Kind kommt. Wieder sehr strukturiert, sehr sauber vorgegangen, nicht panisch, nicht extrem emotional und danach ruft sie so super sortiert und super abgeklärt in der Schule ihres Sohnes an. Und das sind halt alles Sachen, wo ich mir denke, ich sehe da keine krasse Emotion. Nee. Ich auch nicht. Aber ich frage mich gerade jetzt die ganze Zeit.

Wie, also, Also wir machen es ja, hier haben wir oft psychische Erkrankungen. Wir haben oft Menschen, die vielleicht zumindest an einer psychischen Erkrankung kratzen, wo man zum Beispiel sagt, okay, hat er überreagiert oder es war was im Affekt. Es waren irgendwie Dinge, die irgendwie erklärbar waren, aus irgendwelchen Bedürfnissen, Gründen, was weiß ich. Und bei ihr habe ich aber das Gefühl, ich habe das Gefühl, sie wusste, was sie tut. Ich habe das Gefühl, sie konnte sich steuern. Und ich habe auch das Gefühl, als ob sie es geschafft hätte ohne den Mann. Also weißt du, sie kommt mir nicht wie eine Frau vor, die nicht leben kann ohne ihn. Klar, es fühlt sich vielleicht in dem Mann so an, aber sie hätte das geschafft, so wie du über sie berichtet hast.

Und eine Frau, die in Kontakt mit ihren Kindern war, die immer gut für sie gesorgt hat, Die auch sonst nicht isoliert war, die Kontakt zu ihrer Mutter hatte, ja auch einen positiv besetzten Kontakt, ja auch ihr geschrieben hat und kurz davor mit ihr geschrieben hat. Und ich frage mich halt wirklich so, ja, warum denn dann und warum...

Ich habe mich gefragt, hat sie geweint? Hat es ihr leid getan? Wie war sie vor Gericht? Hat sie eine emotionale Bindung an ihre Kinder gehabt oder war sie einfach bei allem sehr kognitiv und rational und dachte sich, gut, dann Kinder halt weg? Aber das ist doch auch irgendwie, also es geht mir nicht rein, wie sie als gesunder Mensch, der sich steuern kann und als Mutter, die eigentlich da gut integriert war und die eine positiv besetzte Beziehung mit ihren Kindern hatte, wie die einfach entscheiden kann, ich bringe die jetzt um und fertig. Also sie hat vor Gericht bis zum Schluss behauptet, sie wäre es nicht gewesen, und hat an dieser Geschichte von dem Mann, der in ihr Haus oder in ihre Wohnung eingedrungen ist, festgehalten. Und hat, wie gesagt, sie ist dabei geblieben. Sie hat gesagt, sie war es nicht.

Was absolut gegen diese Geschichte mit dem Mann sprach, war zum einen, dass sie dreimal eine Geschichte erzählt hat, bei der wesentliche Details völlig unterschiedlich gewesen sind. Also mal hat er ihr die Hände mit Verbandszeug vor der Brust zusammengebunden, Mal hatte sie die Hände hinterm Rücken und das ist ja schon was, woran man sich erinnert. Mal kam in der Geschichte ein Messer vor und mal nicht. Und ein Messer ist ja schon als wesentlich bedrohender Faktor zu betrachten. Das heißt, auch das würdest du eigentlich nicht vergessen. Und ihre Geschichte wurde von Mal zu Mal mehr geprägt von sexuellen Avancen, die der Mann ihr gemacht hat. Und dass er quasi versucht hat, mit ihr Sex zu haben und so. Und bei der ersten Geschichte kam das fast gar nicht vor. Und bei der dritten Geschichte hat sie das dann schon relativ detailliert beschrieben. Wohingegen das Einzige, was immer gleich geblieben ist, oder das Einzige, was mir so krass aufgefallen ist, was immer gleich war, war, dass der Mann ihre Hände genommen hat und mit ihren Händen die Kinder getötet hat. Was ich glaube, was smart zu sagen ist, in Anführungszeichen, wenn es irgendwo Fingerabdrücke gab. Und keine Fingerabdrücke von jemand anderem.

Und diese Geschichte wurde natürlich nicht geglaubt, weil sie dann auch behauptet hat, der hätte irgendwelche Chatverläufe mit ihrer Mutter und ihrem Ex-Mann geschrieben und er hätte das witzig gefunden, mit dem Ex-Mann da jetzt dem zu schreiben, dass sie ihn so geliebt hätte und so weiter und so fort. Aber es hat ja gepasst zu ihrem Verhalten in den vorherigen Tagen. Sie hat ihm ja schon sowas geschrieben. Eben. Es war völlig an den Haaren herbeigezogen. Deswegen war es auch eine Geschichte, die vor Gericht niemand glauben konnte. Es war aber unmöglich, sie zu befragen, weil sie eben behauptet hat, sie wäre es nicht gewesen. Sie hat aber in den Gesprächen mit den Gutachtern immer geweint, wenn das Thema auf ihre Kinder kam und halt auch bedauert, dass ihr Sohn nicht mehr mit ihr sprechen will. Was ich tatsächlich mir vorstellen könnte, ist, sie hat ja, und das fand ich ein sehr auffälliges Verhalten, bei jeder Entbindung ist sie immer direkt nach der Geburt wieder nach Hause gefahren, weil sie weder ihrem Ehemann noch ihrem Bruder noch ihrer Mutter zugetraut hat, dass die sich einen Tag lang um die Kinder kümmern könnten. Ach, das war der Grund dafür. Deswegen ist sie nach Hause gefahren, weil sie der Meinung war, niemand anders könnte sich um ihre Kinder kümmern. Ja, das spielt so in die zwanghafte Richtung, würde ich sagen. Ja. Und dazu kam, dass sie sich ja sogar selbst entlassen hat, als sie diese gesundheitlichen Probleme hatte nach der Geburt gegen ärztlichen Rat, obwohl das potenziell lebensgefährlich gewesen wäre für sie, weil sie den Gedanken nicht ertragen hat, dass jemand anders sich um ihre Kinder kümmert.

Und das andere ist, dass sie schon von Kind auf gesagt hat, dass sie irgendwann mal eine große Familie haben möchte und dass sie mit ihren Kindern quasi alles möglich gemacht hat, was sie selber als Kind nicht hatte. Also viele Dinge, die alle zusammen machen und intakte Familie, viele Geschwister und alles ist sauber und schön und es wird zusammen gegessen und so weiter und so fort. Und was ich mir vorstellen könnte, ist, dass sie dieses Konstrukt hatte von, ich möchte gerne eine große Familie haben. Und sie hat sich, weil sie selber von sich überzeugt war, dass sie so eigenständig ist und niemanden braucht, war es ihr auch egal, dass bei ihren ersten beiden Kindern der Mann einfach gegangen ist. Weil ihr ging es darum, eine Großfamilie zu haben. Mir war der Mann dazu nicht wichtig, glaube ich. Waren dann die Kinder wichtig? Ich glaube, die Kinder waren ein Selbstzweck. Also ein Kind nicht für das Kind, sondern für mich selbst quasi. Und für die Großfamilie, die ich haben möchte. Für die Großfamilie, die ich haben will, für die Bestätigung, eine großartige Mutter zu sein, für die Bestätigung, meinen Job super zu machen. Und ich glaube, es ging weniger um die Kinder als um das Prinzip von vielen Kindern. Und ich könnte mir halt vorstellen, dass...

Dass in dem Moment, wo Philipp dann in die Familie dazugekommen ist.

Dass sich das verändert hat, weil er sich entschieden hat zu bleiben. Und damit hat sie ihrem Konstrukt von einer Großfamilie einen Vater hinzugefügt, der in diesem Idealbild dabei sein soll. Und dann bekommen sie noch ein Kind und noch ein Kind und noch ein Kind. Und Philipp verhält sich aber überhaupt nicht so, wie sie das verlangt. Also er haut einfach immer mal wieder ab. Sie ist ja bereit, alle möglichen Sachen für ihre Kinder zu organisieren. Aber er haut immer wieder ab, ist nicht da und die Kinder vermissen ihn dann. Und das ist für sie wahrscheinlich schwer auszuhalten, weil das entspricht nicht diesem idealen Großfamilienkonzept. Sie kann aber auch nicht mehr zurück, weil die Kinder eine Beziehung zu diesem Mann haben. Das heißt, sie kann die Wunde, die das bei den Kindern verursacht, nicht schließen, weil sie diesen Mann vermissen.

Und ich glaube, dass in dem Moment, wo er sich entscheidet, final entscheidet, nicht mehr zurückzukommen, dieses Konzept, das sie hat von okay, diese Familie, dieses Prinzip von der Familie mit glücklichen Kindern, dass das in dem Moment kippt, weil sie sich bewusst wird, dass wenn der Mann nicht zurückkommt, ihre Kinder diesen Mann immer vermissen werden. Und vielleicht auch, dass sie die Kinder ab und zu zu diesem Mann geben muss, weil das ja auch seine Kinder sind und sie sich das quasi teilen. Oder er sich mit drum kümmert. Oder dass da vielleicht sogar seine Frau noch oder seine neue Freundin noch mit reinkommt. Das heißt, dieses Konzept von dieser Großfamilie funktioniert nicht mehr. Und ich könnte mir halt vorstellen, dass sie in dem Moment entschieden hat, okay, wenn ich das nicht haben kann, also sicherlich spielt auch Rache mit rein, aber wenn ich das nicht haben kann, dann will ich gar nichts.

Alles oder nichts. Genau. Und dass sie vielleicht auch einfach in Erster, die den Gedanken hatte, sich selber das Leben zu nehmen, weil sie es nicht ertragen hat, dass sie so, zurückgewiesen wurde von ihm und sie die Kinder mitgenommen hat, weil sie der Überzeugung war und da schließt sich so ein bisschen der Kreis, dass niemand anders sich um ihre Kinder kümmern kann, nur sie.

Oder, dass das Konzept von glücklicher Großfamilie nie wieder funktionieren wird, weil diese Kinder eine Beziehung zu diesem Mann haben und sie jetzt immer Trennungskinder sein werden und sie dementsprechend dieses Bild von einer glücklichen Familie so nicht mehr darstellen kann, weil die Wunde von Trennungskindern einfach dableiben wird. Für mich ist es auch so ein Gefühl von Versagen. Sie konnte den Mann nicht halten und sie konnte das nicht mit der Familie machen, obwohl sie sich so viel Mühe gibt und so gut ist, hat sie es trotzdem nicht geschafft und trotzdem versagt quasi. Ja, vielleicht. Was mir auch noch hängen geblieben ist, ist, dass du am Anfang gesagt hattest, sie hatte ja psychische Probleme, Essstörungen, glaube ich, und einige andere Dinge. Und bei ihrer ersten Schwangerschaft war ja auf einmal alles weg. Und quasi die Schwangerschaft war irgendwie, so wie es sie angehört hat, das Pflaster, was es gebraucht hat, um die Symptome zu lindern und dafür zu sorgen, dass sie in Anführungszeichen geheilt ist.

Und ich habe mich gefragt, wir hätten es glaube ich schon mal gehabt, dass eine Frau allein durch den Zustand schwanger zu sein und durch die Rolle der Mutter so eine Selbstwerterhöhung hatte und quasi das so zu der Identität gemacht hat, dass es gar nicht am Ende um die Kinder ging, sondern um diesen Prozess Schwangerseins und die Rolle des Mutterseins. Ich habe mich gefragt, ob das in irgendeiner Art und Weise auch eine Rolle spielen könnte. Ich meine, die Rolle der perfekten Mutter, die hat sie ja gut gespielt und die war ihre. Ja, also das könnte ich mir auch vorstellen. Es gab den einen Erklärungsversuch, dass die Aufmerksamkeit in der Klinik ihrer narzisstischen Struktur quasi geholfen hat und sie deswegen symptomfrei geworden ist. Dazu muss man sagen, dass das selbstverletzende Verhalten bei ihr nur ganz selten vorgekommen ist und sie es relativ schnell wieder gelassen hat, weil sie später gesagt hat, sie hatte Angst vor dem Schmerz. Also offensichtlich hat sie da Verhalten eher kopiert von wie verhält man sich, wenn es einem nicht gut geht, als tatsächlich das innere Bedürfnis von Selbstverletzungen zu spüren, weil Menschen, die sich aus Druck selbst verletzen, normalerweise keine große Angst vor dem Schmerz haben, sondern ihn eher herbeisehnen.

Und ich könnte mir halt vorstellen, dass es auch damit zu tun haben könnte, dass sie diese Aufmerksamkeit in der Klinik bekommen hat. Wobei ich dieses neue Lebensaufgabe als Mutter fast noch wahrscheinlicher finde, ehrlich gesagt. Weil sie darin auch so aufgegangen ist. Und dann könnte man es ja vielleicht so zusammen verknüpfen. Ich meine, wenn wir annehmen, also wir hypothetisieren hier wieder gerade. Wir schmeißen wieder Theorien über Theorien. Aber nehmen wir an, es geht um die Rolle der Mutter und es geht darum.

Darin gut zu sein und als Selbstwerterhöhung. Und das war ursprünglich auch vielleicht der Grund, warum, wenn wir annehmen, dass die Symptome wirklich Symptome waren und nicht einfach eine Nachahmung, das anfangs dazu geführt hat, dass es ihr besser ging und dass sie nicht mehr gefährdet war, nicht mehr in geschlossenen Stationen untergebracht war, kann es ja auch gut sein, dass so eine Kombi war aus, okay, ich habe versagt, ich bin nicht die gute Mutter, ich bin nicht die Rolle, die mich die ganze Zeit einstabilisiert Und in dem Moment, wo diese Rolle bröckelt und dieser Stabilitätsfaktor, die organisierte Mutter zu sein und da diese große Familie zu haben und das bröckelt und dass quasi das, was sie so stabilisiert hat ursprünglich, dass das jetzt eben wegbricht und... Das ist wirklich nur eine Hypothese, dass dann aus Angst, dass eine Destabilisierung vielleicht kommen könnte oder das Gefühl, dass es wieder kommt, weil wenn diese Identität weg ist, was ist sie dann noch? Dass es dann vielleicht eben dazu geführt hat, dass sie dachte, naja gut, dann beende ich es halt. Aber das ist jetzt sehr, sehr, sehr hypothetisiert. Ja, ich weiß, was du meinst. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen tatsächlich, weil ich glaube oder ich könnte mir vorstellen, dass sie, sie hatte ursprünglich den Wunsch nach einer Großfamilie. Sie bekommt zwei Kinder von zwei unterschiedlichen Männern. Das scheint sie aber nicht besonders zu stören, dass die Männer wieder gehen, weil ihr geht es um die Kinder. Sie hat irgendwann mal vor Gericht das Wort Samenspender benutzt.

Und dann trifft sie den nächsten Mann und der will plötzlich mit ihr eine Familie. Und dann sieht sie die Möglichkeit so, okay, ich könnte doch einen Mann noch mit dabei haben und ich könnte eine Großfamilie haben mit einem Mann und wir könnten diese glückliche Familie mit vielen Kindern sein, die ich als Kind gerne gehabt hätte und ich könnte es wahr machen. Und jetzt ist der Mann irgendwie, stellt sich heraus, nicht ganz das, was sie sich vorgestellt hat, aber sie versucht mit ihren eigenen fragwürdigen Methoden immer wieder dafür zu sorgen, dass die Beziehung aufrecht bleibt und sie bekommen Kinder und teilweise verwirklicht sich dieser Traum von der Großfamilie und ihr Bedürfnis und das sie früher hatte von vielen Kindern, verwandelt sich in ein Bedürfnis von Vater, Mutter und viele Kinder. Und sie hält daran fest und ist sich sicher, dass das funktioniert. Und sie versprechen sich gegenseitig immer wieder, dass sie nur sich lieben und nie jemanden anders haben werden.

Und dann löst er dieses Versprechen und zerstört damit das veränderte Bild, weil es ihr nicht mehr reicht, eine Großfamilie zu haben mit vielen Kindern, sondern sie will diese Familie mit Vater, Mutter, viele Kinder. Und in dem Moment, wo er geht, weiß sie quasi, dass er damit unwiderruflich zerstört hat, was sie all die Jahre versucht hat, mit ihm zusammen aufzubauen. Und er, abgesehen davon, dass er für sie so enttäuschend war vorher, in diesem Moment endgültig alles zerstört, woran sie glaubt, die Kinder zu Trennungskindern macht und sie zu der verlassenen Ehefrau. Und sie sagt auch selber in den Gutachten, dass sie das nicht ertragen konnte. Die Vorstellung, also zu der Trennung sagt sie, dass sie es unerträglich findet, dass der jetzt mit einer anderen Frau Kinder bekommt und ihm dieses Glück dann vergönnt ist, Vater, Mutter, viele Kinder zu haben und sie das nicht haben wird.

Also die einzige Frage, die vor Gericht final nicht geklärt werden konnte, und das würde ich tatsächlich mit dir als Ende dieser Podcast-Folge noch besprechen wollen, ist, warum hat sie ihrem ältesten Sohn nichts angetan? Warum holt sie den aus der Schule und schickt ihn zu seiner Großmutter? Und überweist sogar noch Geld an die Großmutter mit dem Betreff Michael und überschickt ihr noch 700 oder 800 Euro. Also meine erste Idee war, die sehr pragmatisch ist, ist, dass, Ich glaube schon, dass es was mit den WhatsApp-Nachrichten zu tun hatte, mit diesem WhatsApp-Tat, der sie immer wütender gemacht hat und der sie immer verzweifelter gemacht hat. Ich würde es nicht so weit gehen, dass es ihre Steuerungsfähigkeit oder Einsichtsfähigkeit eingeschränkt hat, aber ich glaube schon, dass es was mit der Tat zu tun hatte, dass da Emotionen hochkamen.

Und zu dem Zeitpunkt, als sie so wütend war, dass sie sich dazu entschieden hat, die Kinder zu töten, war er in der Schule. Das heißt, sie hätte die Schwelle, die eigenen Kinder zu töten oder das eigene Kind zu töten, was sie ja da in einem Rutsch mit allen gemacht hat, diese Energie hätte sie später nochmal aufbringen müssen, um ihren Ältesten zu töten. Und ganz pragmatisch gesehen hätte ich jetzt gesagt, dass sie diese Energie vielleicht später nicht mehr.

Hervorbringen konnte. Und deswegen gesagt hat er, na gut, ich sterbe, wenn er nicht mitkommen will, geht er halt zur Mutter. Das wäre jetzt ganz, ganz pragmatisch gesehen, weil ich meine es ja trotzdem, auch wenn wir davon ausgehen, dass sie sich bewusst dazu entschieden hat, ihre Kinder umzubringen, ist es ja trotzdem ein Schritt, zu dem du dich entscheidest und der viel Kraft und Energie abverlangt, weil ich meine, du musst immer, du musst über diese Schwelle gehen und musst es durchziehen. Und das unterstelle ich auch ihr, dass es sicher kein leichter Schritt war und keine leichte Handlung. Und das hätte sie ja mit ihm nochmal machen müssen. Ja, stimmt. Ich hatte die Überlegung, dass ihr ältester Sohn vielleicht der Einzige war, der keine so enge Beziehung zu seinem Stiefvater hatte, weil er einfach schon zu alt war. Ich meine, der war drei Jahre älter. Die anderen waren zwischen acht und eins. Also eins und acht. Und das könnte ich mir halt vorstellen, dass er vielleicht nicht so eine super enge Beziehung hatte zu ihm. Und sie deshalb dachte, dass er darunter nicht so leiden wird, wenn er quasi.

Ja, wenn die sich quasi trennen und welcher Gedanke mir auch gerade kommt, weil ich bin mit meinem eigenen ersten Gedanken nicht ganz so happy, welcher Gedanke mir auch gerade kommt, ist, dass ihr ältester Sohn viel bei der Versorgung seiner jüngeren Geschwister geholfen hat und sie ihn vielleicht deswegen gar nicht mehr so sehr als Kind der Großfamilie betrachtet hat, sondern mehr auf einem gleichwertigen Level als die anderen Kinder und sie ihm deswegen quasi auch anbietet, hey, willst du mit mir springen? Weil das bringt ihn ja schon auf irgendeiner Ebene auf eine Augenhöhe, weil sie tut ihm nichts an, sondern sie springt mit ihm zusammen gleichzeitig. Er lässt ihm die Wahl, er darf entscheiden, ob er mitkommt oder nicht. Auch das, auch das und das ist irgendwie was, ich glaube schon, dass da was dran ist, was du gesagt hast, dass man diese Energie zweimal aufbringen muss. Aber ich könnte mir auch vorstellen, dass er einfach zu alt war, im Sinne von, dass das Machtverhältnis zwischen den beiden ein ganz anderes war als bei den anderen Kindern. Vielleicht war auch die Beziehung zwischen den beiden eine andere. Weil ich meine, er war das Kind, was mit der Schwangerschaft geboren wurde, die sie ja aus dieser Symptomatik rausgeholt hat. Stimmt. Er war das erste Kind und er war derjenige, mit dem ihr Traum quasi gestartet hat. Ja. Vielleicht war da auch eine andere emotionale Beziehung zu ihm da. Gut möglich.

Ich fand deinen Gedanken aber wirklich spannend, weil die beiden älteren Kinder, also der sechs- und der achtjährige Sohn, ja auch nur deswegen zu Hause geblieben sind, weil sie erkältet waren. Und ich stelle mir halt die Frage, wenn sie sie nicht zu Hause gelassen hätte, was wäre dann passiert?

Also ich könnte mir vorstellen, das ist einfach halt ein... Vielleicht hätte sie auch, wenn sie es sich hätte komplett ausgesucht, wären es vielleicht nur die vier von Philipp gewesen, die Kinder. Aber dann war halt der fünfte noch da. Und was soll sie da machen? Soll sie die vier töten und den fünften da lassen und der guckt zu oder was? Weißt du? Also irgendwie aus ihrer pragmatischen Brille heraus würde es ja keinen Sinn machen. Ja, das stimmt. Das kann natürlich auch sein. Lasst uns gerne mal wissen, was ihr zu dem ganzen Fall denkt. Jetzt haben wir euch ich glaube so lange zugequatscht. Aber auch sehr, sehr, sehr lange nicht mehr. Das wird eine übel lange Folge. Aber wir wollten euch quasi einmal Maxi und Babsi completely uncut quasi geben. So lange wären die Folgen wahrscheinlich häufiger, wenn wir uns nicht zwischendurch ein bisschen bremsen würden, damit die Folgen nicht ewig lang werden und wir irgendwie auch noch zu anderen Dingen kommen. Aber lasst uns gerne wissen, was ihr darüber denkt, was ihr über auch unsere Theorien denkt, was ihr über den Fall denkt. Ja, und in diesem Sinne, seid lieb zueinander. Wir wünschen euch einen wunderschönen Tag und wir sagen Tschüss!

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