Willkommen bei Blackbox, dem Sci-Crime-Podcast. Euch erwartet ein True-Crime-Podcast mit der Extra-Portion Psychologie. Ich bin Maxi. Und ich bin Babsi. Ihr habt euch schon immer gefragt, was Menschen dazu bringt.
Music.
Schreckliche Taten zu begehen? Dann seid ihr hier genau richtig. Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Blackbox. In unserer heutigen Folge sprechen wir über ein Thema, das wir irgendwie, meiner Meinung nach, viel, viel, viel zu lange irgendwie so links liegen gelassen haben. An dieser Stelle liebe Grüße an Greta, die uns darauf aufmerksam gemacht hat, dass wir uns noch nie so richtig ausführlich über das Thema Emotionsregulation unterhalten haben. Sie hat einfach vollkommen recht. Mir ist das gar nicht aufgefallen. Wir reden ja immer mal wieder so am Rande darüber. Und wir haben jetzt auch wirklich schon oft über Amygdala und Frontalhirn und das Ganze gesprochen.
Aber so richtig im Detail über das Thema Emotionsregulation, das stimmt. Dann ist heute der Tag, an dem wir darüber sprechen. Der erste wahrscheinlich. Bestimmt kommen noch ein paar. Witzigerweise habe ich meine Bachelor-Thesis geschrieben zum Einfluss einer kreativen Tätigkeit auf das Wohlbefinden und die Stressbelastung unter Berücksichtigung der Emotionsregulationsfähigkeit. Das heißt, das Thema war mir jetzt gar nicht so neu, beziehungsweise irgendwie hätte ich auch mal selber drauf kommen können, dass man darüber hätte reden können. Aber irgendwie kam mir der Gedanke nie so richtig. Was ich super interessant finde, ist im Bereich Emotionsregulation, war interessanterweise meine erste Überlegung, also oft haben Leute ja bei Emotionsregulationen eine bestimmte Emotion im Kopf, die sie regulieren oder regulieren wollen oder die sie mit diesem Begriff verbinden und irgendwie hatte ich das gar nicht.
Also ich habe nicht zuerst an Trauer gedacht oder erst an Wut oder so, sondern irgendwie ist das für mich so ein allgemeingültiges Konzept in meinem Kopf. Ist das bei dir auch so? Ja, same. Ich habe auch gerade... In meinem Kopf kommt wie bei dir keine spezielle Emotion hoch. Ich muss gerade mal überlegen, wenn ich das, nee, auch wenn ich das in die Therapie mit reinbringe, dann ist immer die erste Sitzung quasi, wo es um Emotionsregulation geht, geht es nicht um eine bestimmte Emotion, sondern es geht meistens eher immer erst mal darum, welche Emotionen gibt es denn überhaupt? Was kennen wir denn? Ah, Emotionswahrnehmung, okay. Genau, genau. Ja, natürlich notwendig. Genau, um sie zu regulieren, muss man sie wahrnehmen können. Das stimmt. In der heutigen Folge geht es in erster Linie um das Thema Wut, denn man glaubt es kaum. Wut ist für viele, viele, viele, viele Menschen ein Thema, bei dem es ganz viele funktionale und ganz viele dysfunktionale Arten gibt, wie man damit umgehen kann. Maxi, was genau machst du, wenn du richtig wütend bist?
Wenn ich richtig wütend bin, boah, so richtig, richtig dolle. Also ich merke, ich kriege immer meinen Wutbauch, sage ich da immer. Und über den Wutbauch zu sprechen ist schon mal was, was immer eigentlich ganz gut hilft. dann renne ich hier rum und schimpfe wie so ein kleiner Rorschpatz. Und wenn dann mein Freund kommt und irgendwie sagt, ja, was ist los? Dann fange ich an zu schimpfen, dass ich einen Wutbauch habe. Und der Wutbauch ist wegen dem und dem da. Und mein Wutbauch, der krummelt auf der Seite oder auf der Seite. Oder wenn es ganz schlimm ist, krummelt der Wutbauch komplett. Das mache ich viel.
Aber wenn ich im Stau stehe, werde ich auch schon mal handgreiflich. Also stimmt. Das habe ich gesehen. Also nicht anderen Leuten gegenüber. Nein, nein. Die Wut da ist doch ein anderes Level. Ja, wie gesagt, die treuen Hörer wissen ganz genau, dass Stau ein Ding bei mir ist. Ich bin halt generell ein sehr ungeduldiger Mensch und bei Stau, wenn ich dann auch noch ein bisschen zu spät bin, ist ganz schlimm. Da passiert es auch schon mal, dass ich mein Handy mal so auf den Beifahrersitz pfeffer und das dann halt so im Dreieck springt. Früher habe ich auf Kissen eingeschlagen. Das habe ich früher immer gemacht. Oder ein Kissengeschrie, so dieses Klassiker, was die Teenager machen, wenn sie mit der Mutter streiten und man macht die Tür so, man will sie zuschmeißen, macht sie dann ganz leise zu, dann schreit man leise in Richtung Mutter und dann schreit man ins Kissen und denkt sich so, jetzt habe ich es ihr gegeben. Aber eigentlich war man so feige.
Ja, ich glaube, das sind so meine Hauptdinge. Also ich schimpfe ganz viel. So wenn es normale Wut ist und nicht so ein übertriebenes Stauding, dann bin ich nur am vor mich hinschimpfen.
Und hast du das Gefühl, dass dir das hilft? Ja, ja. Doch, ich habe schon das Gefühl, dass es mir hilft, weil ich dann, manchmal drehe ich dann bewusst so hoch und schimpfe so vor mich hin, dass ich dann weiß, okay, danach habe ich keine Energie mehr. Und manchmal, es gab auch schon ein, zwei Mal die Momente, wo ich auch wirklich dann mal kurz was anderes machen musste. Also das passiert auch, dass ich dann einfach halt schimpfe und schimpfe und merke, es klappt nicht und steigere mich rein. Dann ist es durchaus sinnvoller, irgendwas anderes zu tun. Meistens irgendwas so wie Zelda zu spielen, weil das irgendwie mein Hirn so ein bisschen wie abschaltet und dann danach geht's wieder. Was machst du denn, wenn du wütend bist? Ich glaube, die treuen Hörer wissen auch das. Maxi ist, würde ich sagen, auch wenn sie wütend wird, immer noch eher so Bereich, eher ausgeglichene Persönlichkeit. Ich gehöre, glaube ich, zu den Leuten, die, ich glaube, Ich würde wahrscheinlich behaupten, dass ich häufiger wütend werde als du über Dinge. Also auch so im Leben. Ich glaube, ich bin so ein bisschen mehr, so ein bisschen emotionaler noch.
Tatsächlich ist es bei mir sehr abhängig davon, warum ich wütend bin. Wenn mich irgendwie eine soziale Interaktion sehr wütend gemacht hat, dann teile ich das eigentlich immer mit irgendjemandem. Also mit natürlich jemandem, der mir nahe steht und will irgendwie erzählen, warum ich gerade so wütend bin und was mir gerade passiert ist und warum mich das gerade so nervt. Und dann hilft mir das oft, wenn jemand anders mir dann mitsagt, das geht gar nicht, da würde ich mich auch total ärgern und dann fühle ich mich direkt besser, weil ich mich verstanden fühle und die erste Wut irgendwie einen Punkt gefunden hat, die so validiert wurde quasi und dann ist meine Perspektive validiert, weil oft werde ich wütend, wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht verstanden werde. Oder dass meine Perspektive nicht relevant für die andere Seite ist. Und dann bin ich sauer, weil ich denke, hey, jeder von uns hat ein Recht auf seine eigene Perspektive, sprich mir die nicht ab. Und das hilft mir manchmal. Und ansonsten bin ich tatsächlich jemand, der atmet.
Ja, ich versuche dann irgendwie so ganz tief zu atmen und was ich nicht versuche, ist mich hinzusetzen. Es gibt Leute, die setzen sich hin und atmen ruhig, um sich zu beruhigen. Das macht mich noch wütender, weil ich dann das Gefühl habe, ich muss es so runterdrücken und das hilft bei mir. Also ich meine, es ist nicht gesund und es hilft bei mir auch nicht so richtig. Das heißt, irgendwie versuche ich zu atmen. Und was mir total gut hilft, ist Sport. Ich mache super gerne, also nicht in dem Moment, wenn ich so wütend bin, sondern dann später, weil ich merke, dass das irgendwie immer noch in meinem Körper ist, dass ich so wie so Hummeln im Hintern habe, dass ich noch Energie habe, die irgendwo hin muss. Dann gehe ich irgendwann später zum Sport. Und was mir tatsächlich hilft, weil ich irgendwie auch so ein sehr kognitiver Mensch bin, ist, Dinge umzubewerten, sie aus anderen Perspektiven zu betrachten und mir selber bewusst zu machen, okay, du bist wütend. Es ist nachvollziehbar, dass du wütend bist, aber das hilft dir gerade auch nicht. Gibt es eine andere Perspektive, aus der du das betrachten kannst? Vielleicht hast du nicht alle Seiten gesehen.
Ja, das sind, glaube ich, so die Sachen, die ich am häufigsten mache. Dieses verschiedene Perspektiven einnehmen ist bei mir, dass das kommt erst, wenn die Wut ein bisschen abgeklungen ist. Weil während sie da ist, da wird wirklich nur geschimpft. Da wird nur Druck abgelassen. Ja, ich bin irgendwie so, ich habe so ein, ich nenne das immer radikale Akzeptanz. Ich ärgere mich über etwas und dann bin ich so, okay, ja gut, das ist jetzt so. Okay. Das ist so ein bisschen wie, kennst du dieses Video, das viral gegangen ist? Im Grunde ist es eigentlich schon fast ein Meme. Ich weiß schon, welches. What? That's unfair. That's unfair. Und dann so, oh my God, I'm an adult. Ach, I need to come down. I need to come down. Und das ist im Grunde, das fasst in einem einzigen kurzen Video zusammen, wie meine Emotionsregulationsstrategie in, ich würde sagen, 90 Prozent der Fälle aussieht.
Ich liebe dieses Meme, ich liebe diese Frau, es ist so witzig. Ich habe das erst gestern wieder gesehen und musste wieder so lachen. Ja. Das ist toll. Aber ich finde es sehr relatable, weil das ist im Grunde, das, was ich mache, ist dann so, oh mein Gott, okay, komm wieder runter. Ich seh auch ganz viele Texte drüber, so, me when my therapy kicks in. Ja, das war richtig gut.
Die Frage, die man sich an der Stelle von Wut natürlich stellen kann, ist, warum werden Menschen überhaupt wütend? Ich habe ja gerade schon angesprochen, dass bei mir das häufig der Fall ist, wenn ich das Gefühl habe, dass jemand meine Grenze überschreitet oder ich mich ungerecht behandelt fühle. Und das ist tatsächlich einer der evolutionären Zwecke von Wut, nämlich Wut als Signalemotion. Das heißt, die Emotion soll uns darauf aufmerksam machen, dass irgendwas nicht stimmt, dass also etwas passiert, das uns nicht passt, das für uns vielleicht auch nicht gut ist. Und diese Gefühle, die häufig eher in so Emotionen wie Hilflosigkeit oder Ohnmacht basieren, werden dann umgewandelt in Wut, um quasi Energie freizusetzen, um eine Veränderung herbeiführen zu können. Weil wenn man jetzt überlegt, wenn man sich vorstellt, wie man sich fühlt, wenn man sich hilflos fühlt und da kommt dann nicht diese hilflose Wut, sondern nur Hilflosigkeit, dann kann man sich vielleicht vorstellen, dass da eventuell nicht ganz so viel Veränderungsbereitschaft und Aktivismus quasi passiert. Ja, Wut bringt einen eher ins Tun. Und wenn es nur darüber schimpfend ist und man dadurch vielleicht irgendwie das Gefühl hat, ein bisschen mehr die Kontrolle zu bekommen. Ja, genau.
Neurobiologisch betrachtet wird die Wut vor allem im lymbischen System unseres Gehirns ausgelöst, insbesondere, surprise, in der Amygdala. Ja, die Amygdala bzw.
Das Gehirn bewertet in diesem Fall die Reize sehr, sehr schnell als bedrohlich oder unfair oder sehr frustrierend und löst quasi so eine Art Alarmbereitschaft im Körper aus. Das heißt, es werden Stresshormone ausgeschüttet, der Puls steigt, die Atmung steigt, der Blutdruck erhöht sich. Deswegen hilft es übrigens auch, ruhig zu atmen, weil man dem Körper suggeriert, dass er sich wieder beruhigen kann. Und wir haben es schon ganz oft gesagt, aber natürlich ist es der präfrontale Kortex, der diese Impulse häufig dann kontrolliert. Das heißt, manchmal sind wir ja frustriert, aber die Frustration wird so schnell reguliert, dass sie gar nicht erst in Wut umschlägt. Manchmal ist unsere Amygdala aber schneller und dann sind wir schon wütend, bevor wir überhaupt gemerkt haben, dass wir vorher frustriert waren. Ich finde den Punkt ganz spannend, den du gerade gesagt hast, dass Wut häufig ja sehr motivieren kann. Ehrlicherweise ist das für mich eine krasse Motivation. Also wenn ich wütend bin, schlägt das bei mir sehr, sehr oft in Motivation für etwas um. Und ich kann viele Dinge viel besser erreichen, wenn sie mich...
Dinge besser erreichen, aber ich kann manche Projekte oder manche Sachen besser umsetzen, wenn es mich wütend macht, dass die Sache aktuell noch so ist, wie sie ist. Ja, das kenne ich auch. Wenn man darüber frustriert ist oder eben wütend ist und man sich dann denkt, das mache ich jetzt einfach, es nervt mich so sehr, das muss jetzt einfach erledigt werden. So in dem Sinne? Ja, genau. Ja, das kenne ich auch, ja. Wut selber wird von vielen Leuten ja als sehr negative Emotionen wahrgenommen. Ich persönlich bin der Meinung, es gibt keine negativen Emotionen, weil das direkt eine Bewertung beinhaltet und jede Emotion ihre Daseinsberechtigung und auch ihre Notwendigkeit hat. Ich verstehe natürlich, weil es mir auch so geht und ich denke dir auch, dass bestimmte Emotionen leichter oder schwerer auszuhalten sind. In der Psychotherapie unterscheide ich mit meinen Patienten immer zwischen angenehm und unangenehm. Das ist so das, wo ich mir immer, weil natürlich dieses positive-negatives kommt wirklich immer.
Und ich finde das immer so ein bisschen besser, das da so umzumünzen, dass das nicht eine schlechte oder gute Emotion ist, wie du sagst, sondern halt, das fühlt sich angenehm an oder das fühlt sich unangenehm an und manchmal machen wir auch so Emotionslandkarten, dann ist es angenehm, unangenehm, angespannt und entspannt und dann müssen sie sie so einordnen. So, dass wir so in den Dimensionen so ein bisschen sprechen. Ich finde das irgendwie ein bisschen wertfreier und eher so darauf bezogen, wie man es wahrnimmt, als wie die Emotion ist. Weißt du, was ich meine? Ja, wobei ich gerade versuche, eine Emotion zu finden, bei der ich mich unangenehm, aber entspannt fühle.
Das ist, ich hätte direkt eine. Ich habe gerade an narkotisiert gedacht, aber das ist keine Emotion.
Das ist keine Emotion. Nein, das ist bei mir zum Beispiel ist ... Es ist ja so bei uns Frauen, dass wenn wir in einer bestimmten Phase unseres Zyklus sind, kann es gut sein, dass wir durch entsprechende Hormone sehr schlecht gelaunt sind. Ich weiß nicht, ob du das in deinem Leben auch schon mal erlebt hast. Nein. Nein, nein, nein, das kennen wir nicht. Wahrscheinlich nicht. Alle Frauen be like, wir wissen, wovon du redest.
Und wenn ich da diese total schlechte Laune habe, manchmal bin ich da einfach wirklich grundlos todesunzufrieden und manchmal bin ich dann gleichzeitig dabei so kraftlos und energielos, dass ich einfach nur auf der Couch liege und schlecht gelaunt bin. Ich würde sagen, das wäre dann bei mir eine Entspannung und gleichzeitig sehr unangenehm, weil ich bin total fertig und liege da komplett ohne irgendwelche Spannung in meinem Körper. Und gleichzeitig bin ich einfach genervt von allem und denke mir so, ihr könnt mich alle mal wirklich kreuzweise. Ah, okay. Für mich war die Definition von entspannt und unentspannt, wie ich mich fühle. Wie mein Körper ist. Weil ich fühle mich in solchen Situationen gar nicht entspannt. Ich fühle mich total angespannt und ich finde es unangenehm. Ist es auch. Also es ist entspannt, angespannt. Kann man auch auf den Körper beziehen. Ich lasse es immer die Person selbst entscheiden, wie sie Anspannung und Entspannung definiert, wo sie es spürt. Und ich würde für mich eben da sagen, dass ich da entspannt bin. Das würde ich da einordnen. Aber ja, es kann schon wieder sein, dass du es ganz anders einordnest. Denn das ist auch so ein Ding mit Emotionen. Wir nehmen sie alle anders wahr. Und meine Wut fühlt sich anders an als deine Wut. Und meine periodenbedingte Unzufriedenheit fühlt sich anders an als deine periodenbedingte Unzufriedenheit.
Das klingt irgendwie nachvollziehbar. Ja. Du hast es gerade schon gesagt, Wut wird unterschiedlich wahrgenommen. Sie ist übrigens auch unterschiedlich intensiv und unterschiedlich leicht ausgelöst oder auslösbar, weil es nämlich so ist, dass es, ja, wie leicht jemand wütend wird, hängt tatsächlich davon ab, welche Art von Persönlichkeit jemand hat, welche Lernerfahrungen gemacht wurden, wie die aktuelle Lebenssituation ist, aber auch von körperlichen Faktoren wie zum Beispiel Hunger, Schlafmangel oder Stress.
Und tatsächlich kann das Empfinden von Emotionen auch durch, also jetzt habe ich gerade gesagt, Lernerfahrungen in der Kindheit, aber auch durch an sich Lernerfahrungen verändert werden. Ich habe selber nämlich bei mir gemerkt, dass ich früher mit Wut tatsächlich echt eine Herausforderung hatte, weil ich Wut immer direkt runtergedrückt habe quasi. Ich habe immer versucht, diese Emotionen zur Seite zu schieben, weil ich nicht wusste, wie ich mit diesem Gefühl so richtig umgehen soll. Vor allen Dingen, als ich ein Teenager war, fand ich das total schwierig. Ich weiß nicht, wie es dir ging, aber da war ich noch wütender als sonst.
Also noch schneller wütend als sonst. Und wusste nicht, was ich mit dieser Emotion machen soll und wie ich damit umgehen kann. Und weil ich das so unangenehm fand, habe ich sie einfach komplett unterdrückt und ausgeschaltet. Und ich habe mich trotzdem in bestimmten Situationen für mich selber eingesetzt. Also ich habe die Konsequenz daraus trotzdem gezogen. Aber die Wut selber fand ich total schwer aushaltbar und habe quasi versucht, sie komplett auszuschalten in Anführungszeichen. Und über die Jahre habe ich halt immer mehr gelernt, wie ich besser damit umgehen kann und wie ich mit der Wut selber, wie ich das besser handeln kann für mich und wie es für mich auch nicht mehr so unangenehm ist. Und mittlerweile habe ich das Gefühl, dass ich mit Wut ganz anders umgehen kann und meine Wut auch anders empinde als beispielsweise noch in meiner Teenager-Zeit. Bei mir war das so, ich glaube gar nicht in der Pubertät, sondern eher so im frühen Erwachsenenalter. Ich hatte nicht so das Ding mit Wut. Da hast du das vorhin schon richtig eingeordnet. Ich bin auch in meiner Wut, würde ich auch sagen, eher ausgeglichen noch. Also ich schimpfe, aber dann ist es auch wieder gut. Es passiert selten, dass ich so richtig, richtig so wütend werde, dass ich finde, dass es schwer aushaltbar ist. Was ich aber im frühen Erwachsenen auf jeden Fall hatte, war, dass ich bestimmte Ängste, die ich hatte, die habe ich immer weggedrückt. Ich finde Angst ein sehr, sehr, sehr schwer aushaltendes Gefühl.
Wohingegen Wut für mich, jetzt mein Anführungszeichen, easy auszuhalten ist, finde ich Angst sehr schwer auszuhalten. Also da tendiere ich eher zu, das wegzudrücken. Auch heute noch, da muss ich mich manchmal zu zwingen, das auch mal zu fühlen. Weil so wie Wut ist ja auch Angst eine sehr wichtige Emotion. Das kann ich richtig gut verstehen. Man neigt irgendwie so dazu. Ich finde, wenn man einmal rausgefunden hat für sich selber, weil es ist ja alles sehr individuell und wenn man einmal bei sich selber rausgefunden hat, wie man das zur Seite drücken kann, dann macht es einem das so schrecklich einfach, es einfach nicht fühlen zu müssen. Ja. Und das kann ich sehr gut nachvollziehen. Jetzt haben wir total viel über Emotionen und Emotionsregulationen und unseren Umgang mit Emotionen gesprochen. Wir wollen aber heute ja in Blackbox-Manier natürlich auch über einen Fall sprechen, wo Emotionsregulation nämlich mal eine große Rolle gespielt hat. Wir haben heute mal wieder einen Fall, den ich nicht kenne, den die Babsi vorbereitet hat und ich bin ganz gespannt, ihn zu hören. An dieser Stelle noch eine Trigger-Warnung. In der heutigen Folge geht es unter anderem um das Thema Suizid.
Der Mai in Mönchengladbach beginnt mild. In den Straßen des Stadtteils Odenkirchen glühen Fliederbüsche und hinter den Balkonen der Eigentumswohnungen flattern leichte Vorhänge im warmen Wind. Für die meisten im Viertel ist es ein Tag wie der andere, bis auf eine Wohnung im zweiten Stock. Dort leben seit 25 Jahren zwei Frauen zusammen. Franziska H., pensionierte Berufsschulleiterin mit einem Faible für technische Geräte und Walburga S., frühverrentete Kaufhausverkäuferin, von allen Wall-E genannt. Für ihre Freunde sind sie ein vertrautes Bild, gemeinsam unterwegs, viel im Freundeskreis, fast täglich im Eiskaffee Cellino in Reit, wo sie einen festen Tisch haben. Frenzi, wie sie liebevoll genannt wird, trinkt zum Kaffee immer einen Grappa. Walli bevorzugt Aperol und hat die Angewohnheit, noch sitzen zu bleiben, wenn ihre Partnerin schon nach Hause will. Im Cellino ist man es gewohnt, sie zusammenzusehen. Immer heile Welt, sagen Bekannte später.
Walli leidet an Multiple Sklerose. Ihre Partnerin kümmert sich um sie, achtet darauf, dass sie ihre Medikamente nimmt, bringt ihr Getränke, mahnt andere, Rücksicht zu nehmen. Niemand beschreibt die Beziehung als von Gewalt geprägt. Es gäbe höchstens kleine Zankereien, aber hinter der Fassade bröckelt es. Vor einigen Jahren führen die beiden zeitweise eine Ménage à trois mit einer Frau namens Wilma E. Das lief allerdings nicht unbedingt zur Zufriedenheit aller. Frenzi fühlte sich zeitweise ausgeschlossen. Ihre Schwägerin erinnert sich später vor Gericht an eine Bemerkung von damals. Eines Tages ist eine von denen tot. Auf Nachfrage relativiert sie, es sei nur gemeint gewesen, dass diese Konstellation nicht gut gehen könne. Am Ende bleibt es wieder bei den beiden, Frenzi und Walli.
Doch an diesem Samstag, dem 7. Mai, verändert sich alles. In den Tagen zuvor war Walli unruhig, eifersüchtig. Sie hatte den Verdacht, dass Frenzi eine Affäre mit der 20 Jahre jüngeren Wirtin des Cellino habe. Ihre beste Freundin Rosel berichtet später, Walli sei besessen gewesen von diesem Gedanken, habe sogar einen Detektiv einschalten wollen. Beweise für eine Affäre gab es nie, aber das Misstrauen ist wie Rost. Es arbeitet unsichtbar, bis es alles zerfressen hat. An diesem Nachmittag in der Küche in der gemeinsamen Wohnung kommt das Thema wieder auf. Franzi bestreitet die Vorwürfe, sie lacht darüber, nennt Walli verrückt. Für Außenstehende mag es eine kleine Szene sein. Für Walli ist es der Moment, in dem etwas in ihr bricht. Sie fühlt sich verhöhnt, belogen, zurückgestoßen. Später wird der Gutachter sagen, dies sei der Auslöser gewesen. In Verbindung mit ihren Depressionen, den Verlustängsten und einer krisenhaften Zuspitzung der letzten Tage.
Nur einen Schritt entfernt befindet sich die Küchenschublade. Walli öffnet sie und zieht ein Filetiermesser heraus. Die Klinge ist 15 Zentimeter lang, schmal, für feine Schnitte gedacht. Aber in ihrer Hand wird sie zu einer Waffe. Was dann geschieht, ist kein einzelner Ausbruch, sondern ein Ansturm. Der erste Stich trifft den Oberkörper. Franzi schreit auf, überrascht, verletzt. Blut spritzt gegen die helle Küchenfront auf den Boden. Walli zieht die Klinge zurück, blitzschnell stößt sie erneut zu, immer wieder. Kopf, Hals, Brust, Rücken, 26 Mal insgesamt. Walli trifft die rechte Halsvene, die Aorta. Jeder der Treffer verkürzt Frenzis verbleibendes Leben immer weiter. Der Rechtsmediziner beschreibt später, dass beim Durchtrennen des Schulterblatts enormer Kraftaufwand nötig war. Das Messer musste festgehalten, mit Druck geführt werden. Er spricht von Übertötung, einem sogenannten Overkill, bei dem weit mehr Gewalt angewendet wird, als nötig wäre, um zu töten.
Franzi taumelt aus der Küche, Blut tropft von ihren Fingern, ihre beiden Hände sind vollkommen verschmiert und auf dem Boden bildet sich eine Spur in den Flur. Walli folgt ihr, lässt von ihrer Freundin aber nicht ab. Noch einmal stößt sie zu, noch einmal schneidet die Klinge durch Gewebe und Knochen. Dann, in einem Akt, der allen Beteiligten unverständlich bleibt, beugt sich Walli hinunter und beißt Frenzi ins Gesicht.
Dann lässt sie von ihr ab. Frenzis regloser Körper liegt vor ihr, still. Die Haut ist blass und das Blut breitet sich als dunkelrote Lache immer weiter aus. Plötzlich ist die Wohnung still. Um 15.42 Uhr nimmt Vali ihr Handy. Sie tippt eine Nachricht an eine Freundin. Schatz, ich kann nicht mehr, bin am Ende. Ich habe Frenzi umgebracht. Dann geht sie ins Schlafzimmer, legt sich aufs Bett. Auf dem Nachttisch liegen leere Blisterpackungen und ein handgeschriebener Abschiedsbrief. Sie schluckt die Tabletten, viele Tabletten und hofft, nie wieder aufzuwachen. Die Nachricht bleibt zuerst unbeachtet und wird erst am Abend von der Freundin gelesen. Anstatt die Polizei zu rufen, fährt sie ins Cellino, erzählt im Freundeskreis, was sie gelesen hat. Zu fünft fahren die Freunde zur Wohnung. Sie klettern über den Balkon und steigen durch die offene Balkontür ein. Im Flur liegt Francie, blutüberströmt und auf dem Bett Walli, bewusstlos, neben ihr, der Abschiedsbrief.
Als der erste Polizeibeamte einen trifft, herrscht bereits ein unruhiges Gedränge in der Wohnung. Freunde, Verwandte, Bekannte. Der Beamte erinnert sich an sehr viel Andrang. Eine Notärztin kann um 21.32 Uhr nur noch den Tod von Frenzi feststellen. Währenddessen wird Walli intubiert und direkt auf die Intensivstation gebracht.
Monate später sitzt Walli im Gerichtssaal auf der Anklagebank. Weiße Bluse, karierte Hose, silberne Sneaker. Ihre dunkel gefärbten Haare sind ordentlich frisiert. Sie vermeidet den Blick, als auf der Leinwand Fotos von Franzis Leichnam gezeigt werden. Der Richter klickt Bild für Bild durch. Jede Wunde dokumentiert, jeder Schnitt, der Biss im Gesicht. Nur das Klicken des Projektors durchbricht die Stille. Walli hebt kaum den Kopf. Zu grausig sind die Bilder, die sich ihr bieten. Und zu schmerzhaft ist die Erinnerung an ihre eigene Tat.
Der psychiatrische Sachverständige nennt den Fall eine Rarität. Nur 12 Prozent aller Tötungsdelikte werden von Frauen begangen und meist sind die Täterinnen deutlich jünger, sagt er. Eine Frau über 70, die so tötet, habe er in 40 Jahren nicht erlebt. Zeugen aus dem Freundeskreis sagen aus, der Besitzer des Celino berichtet von Gerüchten, wonach Wally selbst an einem Mann namens Ressus interessiert war. Sie war scharf auf ihn, sagt er vor Gericht. Kann das sein? Die Frau, der die Anklage Eifersucht vorwirft, flirtete fremd? Jesus erscheint im Prozess. Ein Monteur, spanischer Akzent, 15 Jahre jünger als Walli. Er kennt beide Frauen aus dem Celino, war bei ihnen zu Hause und schwärmt von ihrer Gastfreundschaft. Ob Walburga es scharf auf ihn gewesen sei, fragt Richter Albring. Jesus wirkt verlegen. Muss ich das jetzt sagen? Albring lächelt, halb im Scherz. Wir sind ja unter uns. Ja, sagt Jesus schließlich. Walli habe Andeutungen gemacht. Wollte sie Sex mit ihnen? Ja. Sind sie darauf eingegangen? Nein. Außer einem Küsschen beim Tschüss sagen, sei da nichts gelaufen.
Die Staatsanwältin fragt, ob er eine Erklärung für die Tat habe. Aber Jesus schüttelt den Kopf. Nein, für so etwas hat man keine Erklärung. In den Erinnerungen der Zeugen gibt es kein böses Wort über Walli. Manche beschreiben sie als warmherzig, andere als eher zurückhaltend. Auseinandersetzungen wollen die meisten nicht erlebt haben. Die Schwägerin von Francie erzählt von Reisen ans Meer, von Sonnentagen, an denen ihre Schwester die Partnerin umsorgte, wie eine Kostbarkeit. Sie brachte ihr Getränke an den Strand, achtete darauf, dass sie pünktlich ihre Medikamente nahm und erinnerte Freunde und Fremde gleichermaßen. Man müsse Rücksicht nehmen, denn Walli sei krank. Wallis Ex-Mann schildert vor Gericht, dass sie die Ehe verließ, weil er ihre sexuelle Experimentierfreude nicht teilte. Nach der Geburt der gemeinsamen Tochter habe sie eigenmächtig deren Vornamen geändert, ohne Absprache. Nach dem Tod der Tochter bei einem Verkehrsunfall ließ sie sie ohne Rücksprache auf einen anderen Friedhof umbetten. Sie sei eine Frau, die sich nur schwer von ihrer eigenen Meinung abbringen lasse.
Verteidiger Alexander Deigert beschreibt das Verhältnis der beiden Frauen als ambivalent. Nach außen habe Franziska H. Kontrolliert und gefasst gewirkt, doch im Streit habe sie durchaus aus der Haut fahren können. In der Küche sei es an jenem 7. Mai erneut zu einer Auseinandersetzung gekommen, wieder wegen der Cellino-Wirtin. Frau H. habe seine Mandantin ausgelacht, sie für verrückt erklärt. In diesem Moment, so Deigert, habe sich Walburga es verhöhnt und belogen gefühlt und zum Messer gegriffen. An die genauen Abläufe könne sie sich selbst nicht mehr erinnern. Deigert verweist auf eine Freundin im Publikum und das Gericht bittet sie in den Zeugenstand. Carmen G., 64 Jahre alt, sagt, sie habe immer gedacht, Walli habe in der Beziehung die Hosen an. Doch Walli habe ihr einmal anvertraut, wenn du wüsstest, was sich zu Hause bei uns abspielt. Ob sie diese Bemerkung damals hinterfragt habe, will Richter Albering wissen. Carmen G. schüttelt den Kopf. Leider nicht, sagt sie leise. Das tut mir heute leid.
Der Gutachter sieht die Tat als Affekthandlung. Keine geplante Tötung, aber eine Vorgeschichte aus Misstrauen, Kränkungen und Spannungen. Walli sei vermindert schuldfähig gewesen. Die Staatsanwältin zieht den Mordvorwurf zurück, beantragt acht Jahre Haft wegen Totschlags im minderschweren Fall. Die Nebenklage will Mordmerkmal Heimtücke geltend machen. Wallis Verteidiger jedoch fordert weniger als fünf Jahre und die Aufhebung des Haftbefehls, damit Walli Weihnachten zu Hause verbringen könne. Am Ende entscheidet jedoch das Gericht. Totschlag im Affekt. Sechs Jahre und zehn Monate Haft. Walli weint, senkt den Kopf. Für sie ist es keine lebenslange Haftstrafe, aber die lebenslange Gewissheit, dass sie den Tod ihrer eigenen Freundin selbst zu verantworten hat.
Mir fällt immer wieder auf, bei so Affekt-Taten, dass es mir persönlich sehr schwer fällt, es so nachzuempfinden. Weißt du, was ich meine? Ja. Also ich hatte immer so das Feeling von, boah, wie kann das denn so weit gehen? Also so von wegen, ich kann das nicht nachempfinden. Und da bin ich immer so ein bisschen ratlos nach solchen Fällen. Ja, ich weiß, was du meinst. Ich glaube, also ich kann bestimmte Handlungen in Wut bis zu einem gewissen Grad verstehen. Ja. Weil ich zum einen, wenn du an so toxische Beziehungsmuster denkst, da sind die beiden Beziehungsparteien häufig ja sehr, sehr gut darin, die andere Person bis aufs Blut zu reizen. Ja, ja. Und da kann ich das irgendwie noch nachvollziehen, dass da im Streit beispielsweise mal, ich weiß nicht, ein Handtuch geschmissen wird oder so.
Also da kann ich sogar noch nachvollziehen, wenn jemand aus Wut ein Glas auf den Boden wirft. Nicht gegen jemanden, aber auf dem Fußboden zum Beispiel. Ja, das kann ich auch vollkommen verstehen. Also Dinge kaputt machen, aus Wut irgendwie auf eine Tür schlagen oder, ich muss gerade daran denken, mein Bruder hat früher mal aus Wut ein Loch in die Tür oder in die Wand geschlagen. So, das kann ich verstehen. Das kann ich auch nachvollziehen. Das schaffe ich. Aber weiter als das schaffe ich für mich nicht. Genau darauf wollte ich hinaus, dass ich bis zu der Grenze kann ich das auch noch verstehen. Und bis dahin kann ich auch Wut noch verstehen. Aber genau der Punkt, und ich habe toxische Beziehungsmuster jetzt nur als Beispiel genommen, weil wir bei dem Fall ja gar nicht wissen, es klingt von außen eigentlich nicht nach einem toxischen Beziehungsmuster. Das weiß man ja nie, wenn man die Beziehung nicht selber geführt hat. Ja. Aber ich wollte das sagen, was du gesagt hast, dass es nochmal ein rein, also ein massiver Unterschied ist, ob ich ein Glas auf den Boden werfe oder gegen die Tür schlage. Also es ist beides schon sehr außerhalb meiner persönlichen Comfortzone, was Streit angeht zum Beispiel.
Aber der Unterschied zwischen einem Glas werfen auf den Boden und ein Messer ziehen und mit einem Messer auf jemanden losgehen ist für mich wirklich so wie du sagst, die Hemmschwelle wäre viel zu groß, viel zu groß weil ich an der Stelle wüsste, dass das was ich gerade tue, also ich glaube die Kontrolle von meinem Frontalhirn ist zu groß weil mein Frontalhirn würde in dem Moment wahrscheinlich alle Systeme blockieren und sagen, stopp, egal was du tust, stopp, nicht das. Das hat langfristige Konsequenzen. Das, was du jetzt tust, kannst du nie wieder auf irgendeiner Ebene gut machen. Ja, ich glaube auch, ich frage mich aber auch gerade, so in dem Sinne, ob es nicht auch zum gewissen Grade, ich sag mal wieder Anführungszeichen, normal ist, dass wir das nicht so weit nachempfinden können. Denn es sind ja, Affekt-Taten geschehen ja in psychischen und emotionalen Ausnahmezuständen. Und von daher denke ich mir gerade, ist vielleicht auch ganz logisch, dass wir das nicht nachempfinden können, weil wir waren nie in einer solchen Ausnahmesituation und haben nie solche, ich sag mal.
Wir haben überbordende Wut in diesem Maße, wie jetzt das in dem Fall der Fall ist, gehabt und können das vielleicht auch deswegen nicht nachvollziehen. Ja, das ist einfach nur so das Erste, was mir jetzt gerade bei dem Fall kam, weil wir ja eigentlich uns immer, also nicht eigentlich, wir bemühen uns immer so, das zu verstehen, wo es herkommt und das irgendwie nachzuvollziehen. Ja, dieses nicht entschuldigen, nicht rechtfertigen, aber versuchen zu verstehen.
Und das ist heute halt einfach wieder ein Fall, wo ich rein kognitiv rangehen muss. Es gibt ja auch Fälle, wo ich dann die Tat auch emotional nachvollziehen kann. Und heute ist, glaube ich, wieder so ein Fall, wo ich wirklich rein kognitiv rangehen kann, um es nachvollziehen zu können. Ja, also vielleicht kurz zum Hintergrund. Als Affekt bezeichnet man eine kurze, sehr intensive Gefühlsregung. Das kann sowohl Freude, aber auch Wut sein. Also es gibt auch Freude im Affekt. Die ist dann allerdings natürlich deutlich weniger gefährlich. Der Affekt selbst wird im Grunde davon geprägt, dass er die Wahrnehmung verändern kann der Person, beispielsweise im Sinne von einem Tunnelblick. Im Affekt kann man nicht so denken, sich nicht so verhalten wie sonst und auch die körperlichen Systeme und der Ablauf im Körper, also die beispielsweise Puls- oder Herzschlag, verlaufen ganz anders als sonst. Und in der Psychologie selber unterscheidet man auch zwischen Affekt, Emotion, Gefühl und Stimmung. Auch wenn man das im Alltag alles als Synonyme verwendet, ist es eigentlich ein Unterschied. Und von daher stimmt es natürlich an der Stelle, dass dadurch, dass diese Tat eine Affekttat ist, sie nicht perfekt zum Thema Emotionsregulation passt. Ich muss aber ganz ehrlich sagen, ich habe ganz viel nach Fällen gesucht, bei denen es um Emotionsregulationsfähigkeit ging.
Und da kommen in allererster Linie Taten, bei denen Ex-Partner ihre Ex-Freundinnen töten. Also Femizide? Auch Femizide. Das ist ja nicht jeder Mord oder nicht jede Tötung einer Frau durch einen Mann ist ein Femizid. Ja, aber auch Femizide, viele Femizide, aber halt auch normale Tötungsdelikte von einem Mann an einer Frau ausgeübt. Und ich wollte gerne einen Fall, bei dem wir nicht dieses klassische Beziehungsmuster in der Stelle haben, weil wir das sehr oft behandeln. Ja, im Grunde haben wir es jetzt trotzdem, weil es ist immer noch ein Beziehungsmuster, aber es war keine Ex-Freundin oder Ex-Frau, es war eigentlich keine toxische Beziehung, sondern eine Affekttat. Von daher, wie gesagt, passt die nicht hundertprozentig, aber ich wollte zum einen das Thema Affekt erklären und zum anderen über Emotionsregulation sprechen. Ich muss aber sagen, dass ich Affekt hat gar nicht so unpassend finde für Emotionsregulation. Also ich finde es sehr stimmig, weil ich meine, ja, es ist nochmal eine Ausnahmesituation davon.
Und Affekte ist aber ja trotzdem was, was jeder von uns auch in seinem Alltag immer mal wieder hat. Also wie du gesagt hast, es gibt ja auch freudige Affekte. Oder also das sind ja die Momente, wo eben die Emotion so hochkommt, dass man, also so erkläre ich mir das immer, Affekt ist das, wenn die Emotion gerade kurz mal so stark wird, dass mein Körper reagiert, dass ich zum Beispiel im Fall von freudigem Affekt vielleicht gerade irgendwie, ohne drüber nachzudenken, auf einmal freudig hoch und runter hüpfe und irgendwas im Rausch, der Freude irgendwie Dinge sage, die ich vielleicht sonst nicht gesagt hätte, weil ich einfach gerade so überbordend bin mit tollen Gefühlen in dem Moment, wenn wir es mal bei, auch mal ein schönes Gefühl beschreiben wollen.
Und von daher würde ich sagen, es ist schon Emotionsregulation, weil normalerweise reguliert das Hirn ja dann irgendwann auch wieder. Also normalerweise sind Effekte ja sehr kurz. Und da finde ich, passt es schon rein. Ich meine, es hängt ja doch alles irgendwie zusammen. Ja, ich war so ein bisschen hin- und hergerissen, deswegen wollte ich das unbedingt noch anbringen, was ich darüber hinaus dann aber gefunden habe, weil ich dachte, ja, es könnte den ein oder anderen Kritiker geben, der sagt, Babsi und Maxi, da werft ihr jetzt aber ganz viele psychologische Begriffe quasi so wirre durcheinander. Und ich wollte gerne vorweggreifen und sagen, nein, wir sind uns dessen bewusst, aber was ich interessant fand und was auch noch ein bisschen so eine Erklärung oder weitere Erklärung für diesen Fall ist, ist die Tatsache, dass dass unzureichende oder nicht so gut ausgeprägte Emotionsregulationsfähigkeiten tatsächlich auch in Studien gezeigt haben, dass damit einhergehen kann, eine erhöhte Impulsivität, eine geringere Reflexionsfähigkeit und eine schnelleren Tendenz zu Affekthandlungen. Das heißt, die Fähigkeit, Affekte wie zum Beispiel starke Wut zu regulieren, schützt einen eigentlich davor, eine Affekttat zu begehen. Und ich denke, das ist genau das, was du und ich beschreiben mit dem Gedanken, puh, ich glaube, da hätte ich eine Grenze, die verhindern würde, dass ich so weit gehe.
Und ohne die Fähigkeit von Emotionsregulationsfähigkeit konnte man tatsächlich auch in Studien zeigen, also je schlechter diese Fähigkeit ausgeprägt ist, desto schlechter ist eben die Fähigkeit, diese Affekte zu regulieren und umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass es eben zu Affekttaten kommt. Von daher hängen Affekt und Emotionsregulation über zwei Ecken doch miteinander zusammen. Ich finde, es macht auch voll Sinn. Ich meine, wenn du nie gelernt hast, deine Emotionen zu regulieren, dann können so Affekte, so starke Affekte ja wie so eine Welle über dich drüber rauschen.
Und du weißt dann, ich fange jetzt ein, zwei Menschen auch ein, die dann davon so überfordert sind, von dieser Menge an Emotionen, dass da einfach so eine Überforderung ist, dass die gar nicht wissen, was sie da machen sollen. Und natürlich ist es dann, liegt es dann näher, dass da solche Affekthandlungen, das muss ja auch gar nicht immer sowas Schlimmes sein, wie jetzt in diesem Fall, es muss ja nicht immer ein Mord sein, aber dass einfach so Affekthandlungen dann stattfinden, na klar, weil man Emotionsregulation genauso wie alles andere in seinem Leben lernen muss. Was ich glaube, was auch noch ein Punkt davon ist, ist die Tatsache, dass man sich in Emotionen ja auch weiter reinsteigern kann. Also selbst bei Wut kann man sich ja entscheiden zu sagen, biege ich jetzt ab in Richtung Emotionsregulation oder biege ich jetzt ab und jetzt fange ich erst richtig an. Was auch manchmal emotionsregulierend sein kann später. Richtig, wenn man weiß, was man tut.
Also wenn man sich selber gut genug kennt, um zu wissen, wie weit man gehen kann. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass man sich auch selber, indem man sich immer weiter aufputscht und immer weiter reinsteigert, in bestimmten Situationen selber in so eine Spirale aus Wut reinarbeiten kann. Ja, das kenne ich von mir selbst. Manchmal reg ich mich auf und dann sagt mein Partner mir, ja, was brauchst du jetzt, um hier runterzukommen, dich zu beruhigen? Und dann ist meine Antwort, ich will mich gerade gar nicht beruhigen. Ich will gerade weitermachen. Und dann wird halt weitergemacht.
Also es kann auch in manchen Momenten eine Entscheidung sein, ob du weitermachen willst oder ob du es stoppen willst. Kommt aber davon, ob du das kannst in dem Moment. Ja, das stimmt. Was ich auf jeden Fall einen sehr, sehr deutlichen Hinweis auf eine Affektat finde, in dem Fall, den wir mitgebracht haben, ist der sogenannte Overkill, der hier meiner Perspektive nach sehr, sehr eindeutig vorliegt. Ja, können wir kurz darüber sprechen, dass sie ihr ins Gesicht oder wohin gebissen hat? Ins Gesicht. Also das ist ja, boah, also das ist ja, ich fand's schon, also ich fand schon die Beschreibung krass, wo der Gerichtsmediziner glaube ich irgendwie gesagt hatte, dass sie sehr viel Kraft gebraucht hat, um die Klinge reinzustoßen. Ja, sie mussten sie festhalten. Ja, da war ich schon so und dann noch ins Gesicht zu beißen, das ist irgendwie so.
Das hat ja auch irgendwie, also ich denke mir gerade, das zeigt ja irgendwie auch, dass es eine Beziehungstat ist, also jetzt aus Perspektive von, keine Ahnung, den Polizeibeamten, die die jetzt da finden, wäre ein Biss bei einer Person was, wo ich mir dann eher denken würde, okay, das war wahrscheinlich kein Raubüberfall, sondern vielleicht eher war das eine Person, die sie kannte oder ja, was kann er dann auch so sexuell motiviert sein, ne? Nee, ich nehm's zurück, aber auf jeden Fall hat das für mich irgendwie was Intimes. Es ist super intim. Ich find's auch total intim, aber an der Stelle fand ich, hat es irgendwie mehr was von wirklich absolutem Kontrollverlust. Also was machst du, wenn du nicht mehr weißt, wohin mit dir? Wohin mit dieser Wut? Wohin mit diesem.
Grenzenlosen Bedürfnis etwas beenden, also jemanden zum Schweigen zu bringen, zu wollen, dass die Person endlich damit aufhört, sie zu bestrafen, zu wollen, dass Schluss ist damit. Wohin mit dieser ganzen starken, aufgeladenen Emotionalität? Und da wirkt es für mich fast wie so ein ...
Als wäre dieser Biss auch schon auch wieder so eine Affektsache, so irgendwo es muss raus, es muss irgendwas passieren. Ja, ja. Ich muss es quasi, es ist so ein Versuch of acting out, damit ich irgendwie das Gefühl habe, es ist vorbei. Also, weißt du, was ich meine? Als wäre, würde man glühen in sich drin und als würde es nicht aufhören, bis du 5000 Dinge getan hast, bis es endlich aufhört in dir drin. Ich muss doch gerade daran denken, wenn wenn ich zum Beispiel sehr wütend bin, dann merke ich das ganz stark in meinem Kiefer. Also ich bin jemand, der anfängt irgendwie mit den Zähnen zu knirschen. Und ich habe mich gerade gefragt, ob das nicht vielleicht auch damit irgendwie zusammenhängen könnte. Auch so, wo du die Wut spürst. Und wenn das was ist, was vielleicht, ich weiß ja nicht, wie es jetzt bei Wally war, aber wenn es was ist, was sehr stark in einer Körperregion sitzt, wie zum Beispiel bei mir, ist zum Beispiel auch Bauch und auch Kiefer, dass du dann vielleicht auch bei Möglichkeit diese Körperstellen auch ausagierst, weil da die Wut sitzt. Weißt du, was ich meine? Das ist ein bisschen weiter hergeholt. Aber ich habe mir gerade gedacht, es gibt ja viele Menschen, die bei Wut mit den Zähnen knirschen oder so malen. Ich finde es aber total nachvollziehbar, auf jeden Fall. Ja. Walli ist ja diejenige, die Multiple Sklerose hat und Frenzi hat sich ja immer um sie gekümmert. Ja, genau. Habe ich das richtig im Kopf? Mhm.
Also ich bin ja nicht die Neuromaus von uns beiden, aber ich meine zu wissen.
Dass Multiple Sklerose ja auch, ich meine zu wissen, Multiple Sklerose hat ja auch psychische Auswirkungen. Natürlich hat das psychische Auswirkungen. Allein die Diätmose. Genau, genau, das meine ich damit. Also Multiple Sklerose ist ja eine degenerative Erkrankung, das heißt dein Körper baut ab, dein Körper verändert sich und es ist ja was, was psychisch was mit dir macht. Das ist ja ganz logisch. Und ich frage mich gerade, inwieweit das mit Emotionsregulation oder mit ihrer Fähigkeit zur Emotionsregulation zusammenhängen könnte. Gibt es da irgendwas? Weißt du da was? Also ich glaube ganz grundsätzlich, nicht unbedingt wegen der multiplen Sklerose, sondern ganz grundsätzlich hatte sie ja auch diagnostizierte Depressionen, die naheliegend sind bei einer Diagnose dieser Art. Und ganz grundsätzlich ist es natürlich so, dass Emotionsregulationsfähigkeit nicht nur mit den Techniken zu tun hat, die einem zur Verfügung stehen, sondern auch mit den psychischen Ressourcen. Und wenn du durch eine nicht heilbare, chronische, degenerative Erkrankung belastet bist und selber unter Depressionen und Verlustängsten leidest, dann ist das ja schon mal ein deutlicher Hinweis darauf, dass die psychologischen oder psychischen Ressourcen möglicherweise schon sehr viel mit diesen drei Themen beschäftigt sind.
Multiple Sklerose betrifft in den allermeisten Fällen tatsächlich schon zu Beginn das Gehirn direkt. Also man kann schon in der Frühphase der Erkrankung entzündliche Veränderungen und Schädigungen des Nervensystems sehen, oft auch im Gehirn. Und diese Schäden können oder entstehen oft schon, bevor überhaupt Symptome auftreten. Das heißt, im MRT kann man das häufig schon sehen. Aber das heißt nicht zwangsläufig, dass das zu einer Veränderung der Emotionsregulationsfähigkeit führen muss. Von daher ist es schwer zu sagen, weil MS einfach eine so individuelle Erkrankung ist, dass man da kaum allgemein gültige Aussagen treffen kann. Heißt man, es könnte sein, dass es eine Rolle gespielt hat bei Walli. Es könnte sein, dass es da mit zusammenhängt und vielleicht da multifaktoriell mit eingespielt hat. Es könnte aber auch sein, dass es gar keine Rolle gespielt hat. Genau.
Wir haben noch eine kleine Ankündigung zu machen, über die wir uns sehr, sehr freuen. Wir werden am 29.11. in Hamburg und am 30.11. In Köln auftreten und werden an beiden Auftritten ganz neue, aufregende, spannende psychologische Fälle dabei haben, die wir gemeinsam mit euch besprechen werden und mit euch diskutieren werden. Wir werden das Ganze auch total interaktiv gestalten, heißt, dass wir wirklich das Ganze zusammen gestalten und erleben können. Und wir können es gar nicht abwarten, endlich da zu sitzen und mit euch zusammen diese Fälle durchzugehen. Wir werden tatsächlich in beiden Fällen jeweils einen anderen Fall vorstellen. Das heißt, ihr bekommt in jeder Stadt einen anderen neuen Fall, den außer euch Anwesenden dann niemand gehört hat und niemand hören wird. Wir freuen uns schon richtig, richtig doll drauf. Ihr kriegt immer noch Tickets, die sind immer noch verfügbar. Seid schnell, damit ihr dabei seid. Wir freuen uns richtig, richtig doll. Und ja, wenn ihr Ideen habt, wenn ihr Sachen habt, wo ihr sagt, oh mein Gott, das will ich unbedingt hören, ich warte da schon ewig drauf und es realistisch ist, dass wir diesen Fall in eine einzige Folge bekommen für eine Show, jetzt sagt nicht Jeffrey Dahmer oder so, das kriegen wir da nicht rein, das wisst ihr.
Dann schreibt uns total gerne Vorschläge und Ideen dazu. Noch haben wir Zeit, um unsere Pläne zu ändern und sie anzupassen auf das, was ihr euch am meisten wünscht. Tickets findet ihr in dem Link in den Shownotes, da verlinken wir euch den. Und ja, seid schnell und wir freuen uns auf euch.
Was genau passiert denn jetzt aber, wenn man Wut, wie wir vorhin berichtet haben, unterdrückt? Da sind wir ja auch nicht frei von, das machen wir ja auch manchmal, Gefühle zu unterdrücken. Gerade im Fall unseres Falles heute. Die Frage, was passiert, wenn man Wut unterdrückt oder diese Wut ungebremst ausgelebt wird? Es ist so, dass unterdrückte Wut das Risiko für physische und psychische Erkrankungen erhöht, wie zum Beispiel Herzinfarkt oder Bluthochdruck oder auch tatsächlich eine Chronifizierung von zum Beispiel Depressionen. Also Leute, wirklich, es ist nicht gut, die Wut einfach wegzudrücken. Auch hier Grüße an dich, Babsi. Ich mache das schon ganz lange nicht mehr. Also, selten. Ich denke mir gerade gleichzeitig, wo ich das so zu dir gesagt habe, dachte ich mir so, Also Maxi, was sind so die Effekte von Angst wegdrücken? Sollten wir vielleicht auch mal hier reinschreiben.
Studien zeigen, dass ein häufiges Herunterschlucken von Wut langfristig zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen kann und dass ungebremste Ausbrüche, wie heftige Wutausbrüche, kurzfristig das Risiko für Herzerkrankungen steigern. Und tatsächlich direkt nach so einem Wutanfall, das wusste ich vorher nicht, ich finde es ein bisschen beängstigend, ist das Herzinfarktrisiko bis zu fünfmal höher als sonst. Das ist echt krass, ne? Das fand ich auch verrückt. Fun Fact übrigens, viele von euch kennen bestimmt diese Redewendungen von das liegt mir schwer im Magen oder es steht mir bis hier. Das basiert tatsächlich zum einen auf den Empfindungen, dass man ja manchmal das Gefühl hat, Man ist so mit Wut oder Frustration angefüllt. Und das liegt mir schwer im Magen, hängt auch damit zusammen, dass man von unterdrückten Gefühlen tatsächlich Magengeschwüre bekommen kann.
Ja, von unterdrückten Gefühlen, von Stress, von Dingen, die irgendwie weggedrückt werden. Mir kommt da in den Kopf, ich habe irgendwie das Gefühl, es wurde im Studium so oft gesagt, zwölf Finger Darmgeschwüre. Weißt du noch? Sagt dir das was? Oder war das dann vielleicht... Bei mir war das, glaube ich, nicht so exzessiv. Also ich erinnere mich an eine Korrelation, also dass es da Diskussionen zu gibt. Aber das war jetzt nichts, was bei uns so exzessiv besprochen wurde. Ich weiß auch gar nicht, ob es bei uns so exzessiv besprochen wurde. Aber irgendwie habe ich immer, wenn es darum geht, dass Emotionen oder Stress, Geschwüre auslösen können, kommt in meinem Kopf immer, ja, das Zwölffingerdarmgeschwür. Ich weiß nicht warum, es gibt diese Vernetzung in meinem Hirn. Aber ja, es gibt auch, mein Supervisor sagt auch immer, ich hatte jetzt auch ein paar Patienten, die mit zum Beispiel Reizdarmsyndrom kamen und dann ging es auch in der Psychotherapie darum, damit zu leben eben und damit umzugehen. Und mein Supervisor redet auch immer von dieser Hirn-Bauch-Verbindung, so Brain-Gut.
Und da geht es dann auch immer drum, natürlich kriegt man einen Reizdarm-Bestrug. Zumindest in den meisten Fällen nicht durch Psychotherapie weg, aber man kann schon im gewissen Grad, je nachdem wie man eben damit umgeht, je nachdem welche Art man natürlich hat, kann man so ein bisschen das Gefühl bekommen, ein bisschen Einfluss auf diese Symptome zu nehmen. Und ich fand es voll spannend, dass da wirklich so eine ganz deutliche und klar existente Verbindung gibt zwischen Gehirn und unserem Magen. Das ist crazy. Ja, das ist ja mittlerweile auch immer häufiger diskutiert, also die Relevanz des Darms und auch der Darmflora und des Mikrobioms für so psychische Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen. Ich glaube, da wird in den nächsten Jahren auch noch einiges auf uns zukommen an neuen Forschungsergebnissen und neuen Möglichkeiten, also insgesamt neuen Therapiemöglichkeiten.
Weil wir ja jetzt quasi erst dabei sind, so richtig zu verstehen. Also ich meine, wir haben das Gehirn noch nicht mal ganz verstanden und sind jetzt dabei zu verstehen oder anzufangen zu verstehen, wie viel Einfluss unser Darm eigentlich auf unsere Gesundheit hat. Ja, und ich meine, ich glaube, jeder kennt es so, zumindest ist es bei mir so, dass ich bei mir auch, also ich merke bei mir zum Beispiel, dass ich Bauchkrämpfe bekomme, wenn ich starke Angst oder Nervosität habe. Dann merke ich, dass es im Bauch anfängt zu rumoren. Also ich glaube, so diese Verbindung von psychischen Aspekten oder Emotionen eben und Körperempfindungen in Bezug eben auf Magen und Bauch, glaube ich zumindest die Personen, die ich kenne, die kennen das alle. Die würden jetzt alle sagen, ja, ist mir auch schon passiert. Dass man so Bauchschmerzen bekommt? Ja, dass also, dass Emotionen Dinge im Bauch auslösen können. Also ob das jetzt dann Bauchschmerzen sind, ob das jetzt irgendwie vielleicht auch Übelkeit ist, dass man irgendwie nicht mehr essen möchte. Das habe ich tatsächlich. Ich höre, wenn ich super gestresst bin oder eine Emotion sehr stark empfinde, eine unangenehme Emotion sehr stark empfinde, dann kann ich nicht essen.
Das ist immer ärgerlich, wenn man sich beim Essen irgendwie über Themen unterhält oder wenn ich mich beim Essen mit Leuten unterhalte und die sprechen irgendein Thema an, das mit mir sehr viel macht. Dann muss ich immer gucken, dass ich meine Emotionen gut reguliere, weil sonst ist das Essen für mich für die nächste halbe Stunde gelaufen. Ja, genau sowas. Und das spielt ja auch irgendwie alles damit rein. Das ist ja alles, was mit unserem Magen-Darm-Trakt auch zusammenhängt. Ja. Es gibt, wir haben vorhin ja drüber geredet und gerade eben auch nochmal über ungesunden Umgang mit Emotionen und ungesunden Umgang mit Wut. Es gibt aber auch tatsächlich wissenschaftlich basierte, gute Emotionsregulationstechniken. Und wir wären ja kein SciCrime-Aufklärungspodcast, wenn wir euch diese guten Emotionsregulationstechniken nicht vorstellen würden. Korrekt. Ich habe vorhin ja schon mal gesagt, dass ich ein großer Fan davon bin, Dinge neu zu bewerten. Also dass ich sehr schnell dabei bin, Situationen eher kognitiv zu betrachten und mit einer emotionalen Distanz zu betrachten. Und das häufig benutze, um meine Emotionen zu regulieren und zu kontrollieren. Und das ist tatsächlich auch eine Emotionsregulationstechnik.
Man nennt das auch kognitive Neubewertung oder Reappraisal. Was eben nichts anderes heißt, als dass die Bedeutung eines für uns wahrgenommenen emotionalen Ereignisses umgedeutet wird. Oder um in Worten von Achtsamkeit zu sprechen, nicht das Ereignis selbst ist schlecht, es ist die Bewertung, die wir ihm beimessen. Wow, da kriege ich ja Gänsehaut. Ja, aber es stimmt, es stimmt. So irgendwie, die Wertung machen ja wir immer rein. Also es gibt aber auch Dinge, da finde ich es nicht zu diskutieren. Aber trotzdem, so in vielen Aspekten würde ich schon sagen, so ja, ja, ja. Ja. Eine weitere gut funktionierende und auch in manchen Aspekten auch sinnvolle Emotionsregulationstechnik ist auf jeden Fall Ablenkung. Da finde ich es immer so ein bisschen schwierig, auch für mich selbst manchmal zu differenzieren, lenke ich mich jetzt ab oder schiebe ich jetzt was weg?
Wenn wir zum Beispiel nochmal auf das Thema Angst kommen, da habe ich ja vorhin gesagt, dass das für mich eine sehr schwer aushaltbare Emotion ist, da sie dann zum Beispiel meinen Wegdrücken so ein bisschen aus an andere Dinge zu denken oder mir, wenn ich dann abends im Bett liege und es kommt, mir ein Hörbuch anzumachen, mich dann einfach nur darauf zu konzentrieren und es quasi so einfach zur Seite zu schieben und mich ja nicht mehr damit zu beschäftigen. Und ich finde, es gibt einen Unterschied zwischen der Art, wie ich da damit umgehe. Das, denke ich, ist eher nicht so die feine Art. Das ist eher so ein Wegdrücken, was manchmal auch sinnvoll ist. Also immer jede Emotion sofort, wenn sie da ist, dann spüren, es passt auch nicht immer. Also das heißt jetzt nicht, was wir hier sagen, dass jetzt jede Emotion sofort immer komplett ausgelebt werden muss. Manchmal passt es einfach nicht im Alltag und manchmal sollte die erst später Raum kriegen. Oder manchmal passt es auch, wenn man sagt, okay, ich beschäftige mich heute Abend damit.
Und ich finde, das ist so ein Unterschied zwischen Wegdrücken und aber zum Beispiel Ablenken Denn, Ich nutze da zum Beispiel Ablenkung, wie ich vorhin gesagt habe Zelda spielen oder sowas Wenn es da Emotionen sind Die für mich auch schwer aushaltbar sind Oder zum Beispiel Trauer Ist ein Thema, Wenn ich sehr traurig bin Oder es gab in den letzten Monaten Auch eine Situation, wo ich, Sehr stark in diesem Trauer Traurigkeitsgefühl war und da hat mir zum Beispiel Zelda-Spielen sehr geholfen. Ich habe die Emotionen sehr gespürt, aber Zelda hat mir da quasi so eine Auszeit verpasst. Und da ist Ablenkung, würde ich sagen, durchaus, eine sinnvolle Emotionsregulationsstrategie. Das kann dann auch sein. Spazierengehen, Musik hören, Vogelgezwitscher anhören, einen Film schauen, lesen, wenn ihr das könnt in der Situation. Also es muss nicht immer schlecht sein. Es geht, glaube ich, um das bewusste, um die bewusste Nutzung von Ablenkung. Was es auch als Möglichkeit gibt, die allerdings... Sagen wir mal, für uns selbst weniger effektiv ist, ist die sogenannte expressive Unterdrückung, also expressive Suppression. Klugscheißer Wort.
Und zwar geht es dabei um die Kontrolle des emotionalen Ausdrucks nach außen. Das heißt, ich kann in mir drin super wütend sein, aber nach außen meinen Pokerface beibehalten. Und kann da eben dafür sorgen, dass vielleicht nicht jeder mir meine Emotionen anmerkt. Hilft mir natürlich im Inneren nicht, mich zu beruhigen, kann aber zum Beispiel dabei helfen, eine Situation nicht noch weiter eskalieren zu lassen, damit die Emotionen sich nicht noch weiter vertiefen. Oder auch an sich, um die Umgebungsreaktionen zu verändern, dass man die eigenen Emotionen nicht so stark zeigt und sie eher bei sich behält. Weil manchmal kann ja die Reaktion des Umfelds die Emotionen noch verstärken. Also bei Wut zum Beispiel, wenn mich etwas sehr, sehr wütend macht Und ich bin gleichzeitig aber reflektiert genug, um zu wissen.
Meine emotionale oder die Intensität meiner emotionalen Reaktion steht eigentlich gerade in keinem Verhältnis zu dem, was tatsächlich passiert ist, also zu dem Auslöser. Und die Tatsache, dass ich gerade so stark emotional reagiere, hat mehr mit etwas zu tun, das mich selbst betrifft, weil es irgendwelche Emotionen, Erinnerungen in mir hochholt, dann kann es manchmal besser sein, diese Emotionen nicht nach außen zu präsentieren, weil man dann im Grunde ja das Umfeld mehr oder weniger dazu bringt, sich mit dieser Emotion eventuell auch auseinanderzusetzen, die man selber zeigt. Und dann befindet man sich plötzlich doch in dem Moment, dass man sich mit der Emotion auseinandersetzen muss. und das kann natürlich auch die Empfindung dieser Emotion vertiefen. Das heißt, wenn ich zum Beispiel, wenn jemand irgendwas sagt und es macht mich irre wütend und ich weiß, es macht mich nicht wütend, weil die Person das gesagt hat und das blöd ist, dass sie das gesagt hat, sondern es macht mich wütend, weil es mich an eine XYZ-Situation erinnert, dann kann es helfen, das zu unterdrücken und mich in einem ruhigen Moment zwei, drei Stunden später nochmal damit auseinanderzusetzen, warum ich mich so gefühlt habe und das mit mir selber auszumachen, anstatt in dieser Situation die Emotion auszuagieren. Weil dann kreiere ich möglicherweise für alle Beteiligten eine unangenehme Situation und überreagiere in einer Situation, die eigentlich mit den anwesenden Personen gar nichts zu tun hatte.
Ein weiterer Punkt, der kurzfristig oder eben in der Situation, wo ihr starke Emotionen empfindet, sehr hilfreich sein kann, ist auch der Austausch mit anderen Menschen in eurem Umfeld, soziale Unterstützung suchen. Das ist auf jeden Fall ein sehr gesunder Weg zur Emotionsregulation. Ich glaube, du hattest es vorhin gesagt, Babsi, dass wenn du wütend bist.
Dann suchst du auch manchmal Kontakt eben zu anderen und regst dich dann vielleicht auf oder fragst irgendwie so, hey, wie siehst du denn das? Also quasi da eine soziale Unterstützung zu holen, anderen Menschen davon zu erzählen, sich dann vielleicht auch mal auskotzen können, ist was, was auf jeden Fall, würde ich sagen, ein sehr gesunder Umgang damit ist. Was mir gerade auch noch einfällt, wo ich die Erfahrung gemacht habe, dass es auch vielen Patienten geholfen hat und was vielleicht aber gar nicht so arg im Kopf ist. Es hat mal eine Supervisorin zu mir gesagt, als ich von einer Patientin berichtet habe, die sehr starke Emotionen empfindet und die sehr viel Raum einnehmen. Dann sagte diese Supervisorin zu mir, ja wissen Sie, Frau Bells, manchmal sind Emotionen halt auch einfach nur Emotionen. Manchmal geben wir denen auch ein bisschen zu viel Bedeutung.
Und das habe ich dann teilweise auch manchmal mit vielen Patienten auch weitergegeben. Und es gab da auch welche, die dann mir berichtet haben, ja, wenn ich dann so zum Beispiel, in dem Beispiel war es jetzt Angst, starke Angst habe, dann sage ich mir manchmal, es ist auch nur Angst. So, es ist einfach nur ein Gefühl und es ist nicht mehr und nicht weniger. Und für einige meiner Patientinnen hat das tatsächlich so ein bisschen eine Erleichterung geschaffen, sich damit auseinanderzusetzen, Und dass es halt auch in Anführungszeichen nur ein Gefühl ist und gar nicht so viel Raum einnehmen zu lassen. Ja, ich weiß komplett, was du meinst. Ich benutze das tatsächlich sehr oft bei Angst. Weil ich mir selber sage, die Tatsache, dass ich Angst vor etwas habe, impliziert, dass das, vor dem ich Angst habe, noch gar nicht passiert ist. Und das bedeutet, dass ich mich emotional gerade schon mit einer Situation beschäftige, die möglicherweise oder vielleicht sogar sehr wahrscheinlich so nie passieren wird.
Und mir das bewusst zu machen, dass ich Angst habe und dass es in Ordnung ist, dass ich Angst habe, aber dass Angst eben auch bedeutet, dass das noch nicht passiert ist, hilft mir manchmal dann, und das ist irgendwie so eine halb emotionale, halb kognitive Art damit umzugehen, um eben auch zu sagen, ja, es ist auch in Ordnung, dass ich Angst habe. Weil ich glaube, das ist auch was, was man häufig oder was ich häufig auch mitbekomme, auch in meinem Freundeskreis, dass Leute sagen, ja, warum macht mir das denn so eine Angst? Ich will nicht, dass mir das Angst macht oder ich will nicht, dass mich das wütend macht. Und ich denke mir manchmal, warum nicht? Lass es dich doch wütend machen. Das ist doch okay, wenn es dich wütend macht. Das ist ja nicht schlimm, dass jemand wütend ist. Die Frage ist, wie gehst du damit um? Und da hast du halt, finde ich, in Konflikten, finde ich, gibt es einen ganz schönen Leitsatz, den ich mir im Kopf auch immer wieder sage und auch anderen Leuten schon gesagt habe, ist, you can be mad, but you can't be mean. Also du kannst wütend sein, aber du darfst nicht gemein werden. Und das ist eigentlich, glaube ich, das, vor allen Dingen im Umgang mit Wut, finde ich persönlich etwas, an das ich mich immer wieder erinnere in meinem Kopf, weil ich es mir gut merken kann. You can be mad, but you can't be mean. You can be mad, but you can't be mean. Ich habe das immer wieder, wenn ich mich sehr... Dauerschleife. Ja, wenn ich mich mit jemandem streite und ich werde wütend, dann denke ich mir die ganze Zeit so, halt deinen Frontallappen an. Wir brauchen den noch.
Atmen. Das mache ich aber auch. Nicht mit dem Satz, aber ich achte immer sehr drauf. Ich fange dann an, einfach sehr oft zu sagen, dass ich jetzt gerade sehr wütend bin. Weil ich mir immer denke, ich darf wütend sein, ich darf meine Emotionen haben, das ist vollkommen in Ordnung. Aber ich darf nicht anfangen, die Person zu beleidigen. Also sage ich einfach ganz oft, dass ich sehr wütend bin. Oder auch sowas wie, das macht mich wirklich wütend gerade. Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich fühle mich sehr missverstanden.
Und bin auch die ganze Zeit in meinem Kopf so, der gute frontale Kortex, präfrontaler Kortex, lass mich nicht im Stich, bleib an, bleib an, sei mit mir. Ja, was sind so alberne Sachen, finde ich, wenn man sie erzählt, aber sie funktionieren so gut und ich finde, das ist ein großartiges Beispiel dafür.
Aber eine Möglichkeit für Emotionsregulationstechnik ist natürlich das Training emotionaler Kompetenzen. Und ehrlicherweise muss man ja sagen, das, was du und ich in den Momenten machen, erfordert emotionale Kompetenz, weil man in der Lage sein muss, sich darüber bewusst zu sein, welche Emotionen man gerade spürt oder welche Emotionen vielleicht auch gerade langsam hochkommt. Sie zu akzeptieren, dass sie da ist, zu interpretieren, also warum ist sie da, was macht das gerade mit mir und sie anzupassen und unsere eigene Reaktion darauf anzupassen. Und das kann man lernen und wenn man das gelernt hat, dann kann man selber mit sich quasi solche Deals in Anführungszeichen machen. Und für den einen funktioniert dann eben sehr oft zu sagen, ich bin wirklich wütend gerade. Und für den anderen funktioniert eine Dauerschleife von, bitte lieber präfrontaler Kortex, lass mich nicht im Stich. We can be mad, but we can't be me. Geh nicht aus. Bleib bei mir. Und zu atmen, weil ich mir dann immer vorstelle, mit jedem langsamen Atmen, das ich habe, ernähre ich das Licht meines präfrontalen Kortex, damit er nicht ausgeht. Das ist ein schönes Bild, damit ernähre ich das Leben meines präfrontalen Kortex. Ich liebe es.
Ja, aber das Ding ist ja, um das, um da den präfrontalen Kortex bei sich behalten zu können, muss man ja, wie du gerade gesagt hast, auch wissen, was ist gerade da, was spüre ich gerade, was nehme ich in mir wahr. Und das ist ja auch was, was auch schon, was vielen Menschen sehr schwer fällt. Und da ist zum Beispiel was, was man auch langfristig machen kann. Zum Beispiel Achtsamkeit und Selbstmitgefühl. Da gibt es auch, jetzt falls ihr vielleicht jemand seid, der damit vielleicht ein bisschen Schwierigkeiten hat, es gibt ganz tolle Bücher und so Selbsttrainer dafür, wo man halt immer wieder Übungen mit sich selbst machen kann. So Büchlein, wo man eben dann Selbstmitgefühl jeden Tag ein bisschen macht. Und das kann sehr stark dabei helfen, die eigenen Emotionen ohne Verurteilung bewusst wahrnehmen zu können und dann im zweiten Schritt natürlich auch damit umgehen zu können. Zu guter Letzt haben wir euch noch ein paar Fun Facts mitgebracht, weshalb Emotionsregulationsfähigkeit sich auszahlt. Das erste ist eine Studie von Milgram et al., ganz aktuell aus dem Jahr 2025.
Die gezeigt hat, dass Menschen, die akute Suizidgedanken haben, im Alltag häufiger schädliche Emotionsregulationen benutzen und dass es sie deutlich mehr Anstrengung kostet, ihre Emotionen zu regulieren. Und Menschen mit akuten Suizidgedanken kennen seltener die Ursache ihrer negativen Gefühle. Und je unklarer ihnen die Ursache ihrer negativen Gefühle ist, desto stärker sind Suizidgedanken tatsächlich ausgeprägt.
Fand ich persönlich total spannend. Man kann jetzt natürlich nicht aus dieser einen Studie alle möglichen Ableitungen machen, aber ich persönlich finde schon, dass es auch einen Hinweis darauf beinhaltet, dass unsere Fähigkeit, unsere Emotionen gut zu erkennen und sie zu benennen, schon mal ein ganz, ganz großer, wichtiger Schritt ist und natürlich zu verstehen, woher sie kommen, um damit umgehen zu können. Und das ist, wenn ich so einen Baustein, also wenn ich es wie so eine Pyramide bauen würde, würde ich sagen, die absolute Basis ist, die eigenen Emotionen fühlen zu können. Das ist ja für viele Menschen schon eine Herausforderung. Nachdem ich sie fühle, muss ich sie benennen können.
Wenn ich sie benenne, sollte ich im besten Fall wissen, wo sie herkommen. Und dann kann ich versuchen, sie zu kontrollieren, sie zu regulieren, sie in bestimmten Momenten mehr oder weniger hochkommen zu lassen, mich mehr oder weniger damit auseinanderzusetzen. Und dazu fällt mir gerade noch ein, das können wir euch bei Instagram hochladen. Wenn ihr uns noch nicht folgt, da heißen wir Blackbox, der Podcast, alles klein und zusammengeschrieben. Und zwar gibt es, die finde ich ganz schön, so eine Art Landkarte von Emotionen, wo die Kernemotionen in der Mitte stehen und dann weiter nach außen strahlend ganz viele Unteremotionen oder Unterbefindlichkeiten, wie man sich fühlen kann. Meines Wissens nach werden die beispielsweise auch in unterschiedlichen Therapiesettings eingesetzt, um Menschen eben dabei zu unterstützen, ihre Emotionen besser benennen zu können und sie besser einordnen zu können. Ich persönlich finde es total hilfreich, weil manche von den Begriffen da drauf, je nachdem, wie groß diese Karte ist, kannte ich auch noch nicht. Nee, das ist manchmal wirklich nicht ganz so einfach, wie man sich das so vorstellt. Was ich noch super spannend fand, war eine Studie zum FMRT-Neurofeedback bei Borderline-Patienten. Vielleicht für euch kurz zur Erklärung. Neurofeedback könnt ihr euch so vorstellen.
Da, sag ich es mal so, in Anführungszeichen, werdet ihr am Kopf verkabelt und eure Hirnaktivität wird gemessen und gleichzeitig seht ihr auf einem Bildschirm eben, da gibt es dann verschiedene Darstellungen, aber ihr seht an einem Bildschirm, wo und wie oder wie viel Aktivität aktuell da ist und Neurofeedback ist dafür da, dass wir selbst lernen können, unsere Hirnaktivitäten zu kontrollieren, zu regulieren. Das wird dann teilweise auch teilweise mit so Spielen dargestellt, dass man dann irgendwie einen Punkt, der gerade ganz weit oben ist, weil vielleicht die Hirnaktivität gerade hoch ist, Man dann irgendwie probieren muss, diesen Punkt nach unten zu kriegen. Das ist am Anfang sehr frustrierend oft, aber hat tatsächlich ganz gute Ergebnisse. So wie auch bei dieser Studie bei Borderline-Patienten, die gelernt haben, ihre Amygdala-Aktivierung zu senken und die Verbindung zum präfrontalen Kortex zu stärken. Das Ergebnis war eine bessere Emotionsregulation und tatsächlich weniger Symptome im Sinne von der Borderline-Symptomatik. Super interessant. Ich mag diese ganzen, es entwickelt sich ja immer weiter, diese ganzen neuen Produkte im Bereich Neurofeedback. Da gibt es ja mittlerweile auch richtig coole Spiele, wo du so einen Fisch durch so eine Unterwasserwelt lenken musst mit Hilfe von Neurofeedback. Also schaut es euch gerne mal an. Ich fand es echt cool. Ich habe auch mal ein Bild gesehen, dass du im Weltall was steuerst. Das hat mich abgeholt.
Was bei Emotionsregulation übrigens super wichtig ist, ist die Tatsache, dass wir im besten Fall in der Lage sind, zwischen unterschiedlichen Strategien zu wechseln. Und die Strategien hängen dabei bei den meisten Menschen von der Intensität und der Art der Gefühle ab. Viele Menschen greifen bei sehr starken negativen Gefühlen eher auf Ablenkung zurück. Du hast vorhin zum Beispiel das Wort Trauer benutzt, dass da zwischendurch Ablenkung hilft, um Pausen quasi von diesem Gefühl zu schaffen. Und bei schwächeren Emotionen, wie ich habe mich darüber geärgert, dass ich so eine kleine Schramme in meinem Auto habe, das wäre dann vielleicht eine schwächere Emotion, die da, also kommt auf die Person an. Aber angenommen, das würde eine schwächere emotionale Reaktion auslösen, dann könnte es vielleicht auch helfen zu sagen, naja gut, es ist ein Gebrauchsgegenstand, es ist nur ein Auto, es ist ärgerlich, aber gut, ich kann es jetzt eh nicht ändern. Also so eine Mischung von kognitiver Neubewertung und radikaler Akzeptanz.
Und es ist total wichtig, dass wir in der Lage sind, unterschiedliche Emotionsregulationsstrategien zu erlösen. Kennen und sie zu lernen und sie anzuwenden vor allen Dingen, weil uns das tatsächlich schützen kann vor psychischen Erkrankungen. Es gibt nämlich Studien, die zeigen, dass Surprise, Emotionsregulation vor allem sozial erlernt wird, also dass man das als Kind lernen kann und auch natürlich auch als Erwachsener immer noch lernen kann, aber eigentlich sollte man Kindern schon Emotionsregulationsfähigkeit beibringen.
Natürlich kann man das auch nur, wenn man es selber kann Von daher an die Eltern und jene, die es noch werden wollen Es hilft doppelt, wenn ihr selber Emotionsregulationsfähigkeit lernt Denn dann könnt ihr sie vielleicht auch weitergeben Und euren schon bestehenden oder irgendwann mal kommenden Kindern beibringen Denn fehlende Strategien in der Kindheit Können schon im Kindes- und Jugendalter das Risiko von psychischen Erkrankungen erhöhen Und so der, ich würde sagen, der letzte Funfact, den wir heute quasi für euch dabei haben, ist eigentlich einer, den wir vorhin schon erwähnt haben oder den du vorhin schon erwähnt hast. Du hattest ja nämlich gesagt, manchmal, wenn ich wütend bin, dann bin ich auch sehr motiviert, Dinge anzugehen. Und jetzt haben wir sehr viel, ich glaube, wir haben selbst auch negative oder ich hoffe, wir haben mehr unangenehme Emotionen gesagt, einfach weil ich die Bewertung besser finde als negativ. Und es ist ja schon eher was, was wir unter, allerdings unter negativen Dingen eben verbuchen. Und das Ding ist aber, wie du gesagt hast, dass zum Beispiel moderate Angst oder moderater Ärger tatsächlich Motivation und Aufmerksamkeit fördern können. Das heißt, es kommt dir nicht nur so vor, sondern es kann tatsächlich so sein, dass es auch mal förderlich ist und nicht, dass jede unangenehme Emotion direkt irgendwie hinderlich ist. Wenn ich an die Abgabe meiner Bachelor-Thesis denke, würde ich auf jeden Fall zustimmen.
Denn, ähm... Lass das mich so ausdrücken, die Deadline kam schneller, als ich sie erwartet hatte. Und die Nacht vor der Abgabe war jetzt nicht die schlafreichste und entspannteste meines Lebens. Aber ich habe in dieser Nacht tatsächlich überdurchschnittlich viel geschafft.
Und das war dann, war es dann von moderater Angst getrieben? Ja, doch, doch, das war moderate Angst. Ja, weil ich die Deadline, die kam ja und ich musste das ja abgeben. Ironischerweise schließt sich hier der Kreis zu meiner Anfangsaussage, dass ich meine Bachelor-Thesis ja unter anderem über Emotionsregulation geschrieben habe. Ach, wundervoll. Full-Circle-Moment, würde ich sagen. Ich liebe es. Ich bin super gespannt, oder wir sind super gespannt, was ihr zu unserer heutigen Folge sagt. Es ging heute ein bisschen weniger um den Fall, auch wenn er natürlich der Aufhänger zu dem Thema war und deutlich mehr um das Thema Emotionsregulation, einfach weil uns das total am Herzen liegt. Und deswegen haben wir es auch so spontan eingeschoben, weil, ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich immer wieder merke, das Leben wäre an so vielen Stellen für so viele Menschen so viel einfacher, wenn sie früh gelernt hätten, mit Emotionen gut umzugehen. Das kann ich zu tausend Prozent bestätigen, vor allem wenn ich an meine Zeit in der forensischen Psychiatrie denke. Ich weiß gar nicht, ob man so weit gehen muss. Manchmal habe ich das Gefühl, du musst nur vor die Tür gehen. Nein, das nicht. Aber die kommen mir natürlich da am meisten in den Kopf.
Da denkt man sich, Emotionsregulation hätte dein Leben komplett anders laufen lassen können. Es hätte den kompletten Change geben können. Nicht bei allen, aber es hätte was geändert. Also an dieser Stelle ein Plädoyer für die Emotionsregulation und dafür Fähigkeiten im Bereich der Emotionsregulation zu erwerben. Es macht euch das eigene Leben leichter, es macht allen Menschen um euch herum das Leben leichter. Es macht euch auch das Leben leichter mit Leuten, die es nicht so gut beherrschen, weil dann beherrscht ihr zumindest eure eigenen Emotionen, beziehungsweise ihr könnt sie regulieren. Beherrschen ist immer so ein übertriebenes Wort, finde ich, dafür.
Und wenn ihr euch entdeckt habt, bei vielleicht eher ungesunden Emotionsregulationsstrategien, fühlt euch nicht schlecht, schämt euch nicht. Man kann immer was dazulernen, man kann es immer ändern, man kann es immer anpacken. Wir sind alle in der Lage, egal in welchem Alter, noch was dazuzulernen. Ja, ich kann einfach nur empfehlen, sich intensiver damit auseinanderzusetzen. Und wenn ihr merkt, ich komme da irgendwie nicht weiter und es ist wirklich belastend in meinem Alltag, dann holt euch Hilfe. Es ist wirklich nie ein Grund, sich zu schämen, sondern eigentlich kann man immer nur gewinnen. Und gleichzeitig will ich noch sagen, dass ich es auch sehr normal fände oder finde, wenn ihr euch in einigen ungesunden Regulations- oder Umgangsstrategien wiederfindet, denn ich würde mal behaupten, dass es vielleicht nicht keine, aber wirklich sehr wenige Menschen gibt, die nie irgendwelche ungesunden Emotionsregulationsstrategien anwenden. Also ich meine, wir haben beide selbst heute von eher ungesunden Strategien berichtet, die ich auch heute manchmal noch anwende. So, das machen wir alle und es ist vollkommen offen. Ja, auf jeden Fall. Also die Frage ist am Ende des Tages nur, ist es für euch belastend? Und wenn ja, ihr könnt es noch ändern. Schämt euch nicht, das war quasi die Kernmessage.
Aber macht euch auch nicht fertig, weil wir sind alle nicht perfekt und wir müssen es nicht sein. Und am Ende des Tages ist nur wichtig, dass es für euch und für eure liebsten Menschen um euch herum gut funktioniert. Und damit würde ich sagen, schließen wir ab mit unserem allseits Bekannten, allseits Beliebten, sei lieb zu sein.
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