Willkommen bei Blackbox, dem Sci-Crime-Podcast. Euch erwartet ein True-Crime-Podcast mit der Extra-Portion Psychologie. Ich bin Maxi. Und ich bin Babsi. Ihr habt euch schon immer gefragt, was Menschen dazu bringt.
Music.
Schreckliche Taten zu begehen? Dann seid ihr hier genau richtig.
Diese Folge ist bereits vor einigen Monaten und teilweise auch schon vor einem Jahr aufgenommen und veröffentlicht worden. Damals noch auf unserem alten Patreon-Account und jetzt wird sie hier komplett öffentlich gemacht. Viel Spaß dabei! Bevor wir mit der heutigen Folge so richtig starten, vielleicht hört man es schon, müssen wir uns einmal entschuldigen, falls die Tonqualität nicht so gut sein sollte, wie ihr es sonst gewohnt seid von uns. Denn wir mussten die heutige Folge leider remote aufnehmen und nicht im Podcaststudio. Das heißt, es kann sein, dass wir vielleicht ein bisschen hallen oder uns ein bisschen blechern anhören. Aber wir geben uns ganz viel Mühe, das in der Nachbearbeitung noch maximal rauszuholen. Und die nächste Folge ist dann wieder mit der gewohnten Todstudio-Qualität zu hören. Bevor wir mit der heutigen Folge aber so richtig starten, möchten wir gerne eine ganz, ganz fette Triggerwarnung aussprechen. Ich habe irgendwie das Gefühl, das machen wir in letzter Zeit in Gefühlt jeder Folge. Es geht in der heutigen Folge um Gewalt an Kindern, um Suizid und um Depressionen. Solltet ihr Menschen sein, die mit Suizidalität zu kämpfen haben oder vielleicht auch schon mal hatten, möchten wir darauf hinweisen, dass Berichte über Suizidalität oder über Suizide diese Gedanken wieder triggern kann. Und möchten euch darum bitten, dass, wenn ihr jemand seid, der damit struggelt.
Fragt euch wirklich, ob ihr euch diese Folge anhören wollt, ob ihr euch den Fall anhören möchtet. Wie immer, achtet auf euch und eure Emotionen und schaltet ab, wenn es nötig ist. Wer Hilfe sucht oder mit dem Thema zu kämpfen hat, Auch wenn ihr Angehörige seid, dann könnt ihr diese Hilfe auf jeden Fall bei der Telefonseelsorge unter der Rufnummer 0800 3x1 0 3x1 und der 0800 3x1 0 3x2 finden.
Beraterinnen und Berater, die da arbeiten, sind wirklich rund um die Uhr erreichbar. Wenn ihr da anruft, ist es total anonym und auch kostenlos. Das heißt, die Schwelle da anzurufen soll möglichst gering gehalten werden. Von daher wird weder eure Telefonnummer noch irgendwie sonst irgendwas erfasst. Das heißt, es ist wirklich komplett anonym, wenn ihr da anruft und euch da Hilfe sucht. Da gibt es irgendwie keinen Hinweis darauf, dass ihr das gemacht habt. Ich meine, sowas ist oft vielleicht mit irgendwie Rückhalt verbunden oder mit Scham verbunden und da... Braucht ihr euch darum auf jeden Fall keine Sorgen zu machen. Weitere Beratungsangebote findet ihr zum Beispiel auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Und Hilfe für die Angehörigen von Suizidgefährdeten, die gibt es auch beim Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker. Da ist die Rufnummer 01805 950 951 oder die Nummer 0228 7100 2424. Wir werden euch all diese Kontaktdaten, all diese Nummern nochmal unten in die Shownotes, auch hier auf Patreon packen, damit ihr einfach nochmal nachschauen könnt. Und damit würde ich sagen, starten wir mit der Frage, was Depressionen überhaupt an sich sind.
Heute können wir tatsächlich mal anfangen zu erzählen, wo depressive Störungen im ICD-11 zu finden sind. Denn es gibt eine neue Version des ICD-10, jetzt Version Nummer 11, deswegen ICD-11. Und depressive Störungen sind da unter 6a7 zu finden. Und zwar gibt es unterschiedliche Formen. Es gibt einmal die einzelne depressive Episode und die rezidivierende depressive Störung. Rezidivierend heißt wiederkehrend, also etwas, das mehrfach kommt. Depressionen an sich sind eine sehr ernstzunehmende Erkrankung, die das Denken, Fühlen und Handeln von Betroffenen sehr tiefgehend beeinflusst. Depressionen können mit Störungen von Hirn oder anderen Körperfunktionen einhergehen und verursachen bei den Betroffenen ein erhebliches Leiden.
Was ganz wichtig ist bei der Depression, was wir ganz, ganz deutlich herausheben möchten, ist, dass es dabei nicht einfach nur eine Laune ist, irgendwie eine schlechte Stimmung, die irgendwie mal ein oder ein Tag, zwei Tage, eine Woche anhält, sondern es ist wirklich eine psychische Erkrankung. Das ist nichts, was man sich mal aussucht oder wo man halt mal den Arsch nicht hochkriegt, sondern es ist wirklich, diese Menschen kommen da nicht raus, wenn die da drin sind. Also so eine schwere depressive Episode, das ist nicht so einfach allein und es funktioniert auch meistens alleine nicht, da rauszukommen. Das heißt so ein, jetzt reiß dich doch mal zusammen oder sieh es doch mal positiv, hilft da wirklich gar nicht. Nach dem ICD-11 werden die Symptome einer Depression in sogenannte Haupt- und Nebensymptome eingeteilt. Die Hauptsymptome sind tatsächlich nur zwei und zwar zum einen fast täglich gedrückte Stimmung und zum zweiten Interessenlosigkeit. Und die Nebensymptome sind tatsächlich eine ganze Liste von Dingen, nämlich laut ICD-11 Antriebsminderung, Antriebssteigerung, Konzentrationsschwierigkeiten, vermindertes Selbstwertgefühl oder auch Selbstvertrauen, Gefühle der Wertlosigkeit oder Gefühle unangemessener Schuld.
Hoffnungslosigkeit, negative Zukunftsperspektiven, Gedanken an den Tod oder Suizid, Veränderungen in Appetit, Schlaf oder Libido, also Lust auf Sex.
Psychomotorische Agitation, das heißt im Grunde aktiver sein als sonst, psychomotorische Verlangsamung, also sich in der Bewegung verlangsamen oder auch verminderte Energie, beziehungsweise stark ausgeprägte Müdigkeit. Und die Diagnose einer Depression stellt man, wenn beide Hauptsymptome über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen bestehen. Und wenn keins von diesen Hauptsymptomen oder keins von den Symptomen an sich stark ausgeprägt ist, dann spricht man von einer leichten Episode. Bei einer moderaten Episode sind einige Symptome ausgeprägt oder viele Symptome in sehr geringer Intensität vorhanden. Und Patienten sind noch in der Lage dazu, in den meisten Bereichen oder in einigen Bereichen ihres Lebens zurechtzukommen. Und eine schwere depressive Episode zeigt sich dadurch, dass sowohl die Hauptsymptome sehr ausgeprägt vorhanden sind, als auch die Nebensymptome und die Person insgesamt einfach kein normales berufliches oder soziales Leben mehr führen kann. Das sind dann so Sachen wie, wenn man den ganzen Tag im Bett liegt, man nicht mehr duschen gehen kann. Es gibt die sogenannte depressive Esshemmung, also die Leute hören auf zu essen, weil sie sich nicht dazu aufraffen können, sich was zu essen zu machen oder weil sie tatsächlich keinen Hunger oder keinen Appetit mehr haben.
Ich finde es ganz spannend, ich würde es gerne nochmal kurz herausheben, dass Symptome bei einer depressiven Episode sowohl diese motorische Verlangsamung als auch die Agitation sein kann. Man stellt sich depressive Menschen ja erst eher so vor, dass die einfach den ganzen Tag im Bett liegen, dass sie es nicht schaffen, sich viel zu bewegen, nicht schaffen rauszugehen. Es gibt aber auch das Gegenteil. Es gibt Menschen, die bei einer Depression super viel aktiv sind und super viel, wie es schon sagt, aktiv, agil sind. Es gibt auch sowas wie eine hochfunktionale Depression. Also Menschen, die ihr ganzes Leben auf die Kette kriegen, weiter zur Arbeit gehen, weiter das alles machen und trotzdem hochdepressiv sind. Das ist dann nochmal ein Thema für eine andere Folge auf jeden Fall. Aber ich wollte es nur nochmal kurz hier herausheben, dass es nicht nur dieses eine Bild von Depressionen gibt. Ja, also das sind die offiziellen Diagnose-Kriterien nach ICD-10. Das heißt aber nicht, und das glaube ich sagt das so ein bisschen, das heißt nicht, dass man all diese Symptome auch von außen wahrnimmt. Also jemand kann massiv antriebsgemindert sein und trotzdem all diese Dinge tun, weil er oder sie sich zwingt. Weil da ein anderes Motiv zum Beispiel größer ist als die Depression an sich. Aber das heißt nicht, dass die Person keine Depressionen hat. Was man bei einer Depression auf jeden Fall ausschließen muss, ist, dass es körperliche Ursachen hat.
Es gibt bestimmte Werte, die man checken lassen kann, sowohl im Blut als auch in anderen Bereichen des Körpers. Da gibt es jetzt bei Elektrolyten, kann man zum Beispiel mal nachschauen. Man kann gucken, hat man genug Eisen? Wie sieht es aus mit den verschiedenen Hormonen im Körper? Das alles kann dazu führen, dass man depressive Symptome hat oder auch in eine Depression rutscht. Wir haben schon oft gesagt, es hat viel mit den ganzen Hormonen zu tun, die in unserem Gehirn so hin und her flattern und vor allem depressive Phasen, depressive Symptome haben ganz viel oder können ganz viel mit dem Hormonhaushalt zu tun haben. Man muss natürlich auch checken, ob es drogeninduziert sein könnte.
Und außerdem ist es auch möglich, wenn wir von Hormonen sprechen, dass zum Beispiel bei Frauen erstmal abgeklärt werden muss, ob eine Schwangerschaft besteht. Weil, das wisst ihr ja wahrscheinlich, da spielen die Hormone oftmals verrückt, wenn da eine Schwangerschaft besteht. Und das kann tatsächlich auch zu einer Depression führen. Genauso wie Menopausen übrigens. Der Begriff Suizid kommt ursprünglich aus dem lateinischen sui caedis. Ich hoffe, ich habe es richtig ausgesprochen. Und sui bedeutet sich selbst und caedere bedeutet töten. Und im deutschen Sprachgebrauch benutzt man es eben als Selbsttötung, Selbstmord oder auch Freitod. Und es bedeutet eben, dass jemand sich selbst bewusst und freiwillig schädigt mit einem tödlichen Ausgang. Also sehr weit formuliert. Es geht nämlich nicht darum, wie jemand sich selber so schädigt, dass es tödlich endet, sondern nur das. Und tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit oder das Risiko eines Suizids bei Menschen mit Depressionen durchschnittlich 30-fach erhöht im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung.
Tatsächlich ist es so, dass bis zu 15% aller Patienten mit schweren depressiven Episoden durch Suizid sterben und über 70% mit schwerer depressiver Episode entwickeln Suizidgedanken, also ernsthafte Gedanken und unter anderem eben auch Absichten, sich was anzutun. Man hat ja oft so die Angst oder so den Gedanken, das Thema Suizidalität offen anzusprechen und zu thematisieren, Vielleicht bei einer Person, wo man Angst hat, dass die Person suizidal sein könnte, dass sich das Ansprechen, das Risiko erhöht, dass die Person tatsächlich auch Suizid begeht.
Dafür wurden Studien gemacht und tatsächlich tut es das nicht. Es gibt keinen Beleg dafür, dass das Ansprechen von dem Thema Suizidalität tatsächlich das Risiko erhöht, dass die Person euch gegenüber einen Suizid begeht. Es ist tatsächlich das Gegenteil der Fall. Das aktive Ansprechen von eben der Frage, hey, ich habe das Gefühl, bei dir ist vielleicht irgendwas, kann oder erhöht sogar das Risiko, die Wahrscheinlichkeit, dass der Suizid verhindert wird. Denn dadurch sind betroffene Personen, haben dadurch die Möglichkeit zu sprechen, weil so diese Hürde, das anzusprechen von Menschen, die wirklich mit dem Gedanken spielen, die ist super hoch. Und diese Menschen schaffen es ganz oft nicht von alleine, das nach außen zu tragen und zu sagen, hey, irgendwie mir geht es nicht gut, ich denke darüber nach, mir was anzutun, ich brauche Hilfe. Und dadurch, dass man das anspricht, gibt man diesen Personen so die Möglichkeit, Man senkt so die Hürde für diese Person, darüber zu sprechen und zu sagen, wie es ihnen geht. Wichtig zu unterscheiden von der Depression, die man auch unipolare Depression nennt, ist die bipolare Störung. Denn es gibt bei der bipolaren Störung diesen extremen Wechsel zwischen depressiver Episode und manischer Episode. Und die manische Episode ist im Grunde eine Phase von sehr stark gesteigertem Antrieb. Ich glaube, wir haben auch schon ein paar Mal über die bipolare Störung in unseren Folgen gesprochen.
Und es ist natürlich wichtig, wenn man jemanden vor sich hat, der depressiv erscheint, sicherzugehen, dass das wirklich eine Depression ist und keine depressive Episode bei einer bipolaren Störung. Denn ungefähr die Hälfte aller bipolaren Störungen zeigen oder manifestieren sich in erster Linie mit einer depressiven Episode. Das heißt, die Leute nennt man auch Hidden Bipolars, also die versteckten Bipolaren quasi, weil es eben im ersten Moment wirkt wie eine Depression, aber eigentlich eine bipolare Störung ist. Also das muss man auf jeden Fall unbedingt abklären. Meistens ist es allerdings schon in einer frühen Phase der bipolaren Störung erkennbar, weil häufig da schon Symptome von Manie gezeigt werden. Und im Zweifelsfall ist es immer besser, die Angehörigen zu fragen, weil die Betroffenen selber ihre manischen Phasen gar nicht als so manisch sehen, sondern eher als normal. Wohingegen Außenstehende diesen extremen Wechsel zwischen Depression und Manie häufig viel besser feststellen können. Es gibt verschiedene Arten von Suiziden, die unterschieden werden. Es gibt zum Beispiel den Doppelsuizid. Das beschreibt die freiwillige Selbsttötung von zwei Personen, meistens zum selben Zeitpunkt, am gleichen Ort und ganz wichtig da, was auch ein Unterschied zum erweiterten Suizid ist, ist, dass bei einem Doppelsuizid.
Das im gegenseitigen Einverständnis passiert. Das heißt, es sind zwei Menschen, die suizidal sind und die sich da quasi verabreden, da zusammen in den Tod zu gehen, sage ich mal.
Dann gibt es Tötungsdelikte mit Anschlusssuizid. Das sind Tötungsdelikte, die im Rahmen einer psychiatrischen Erkrankung oder einer akuten Psychose auftreten, zum Beispiel vermittelt durch Wahnvorstellungen oder auch Halluzinationen. Da gibt es, keine Ahnung, einige Beispiele, die mir jetzt gerade so aus den Nachrichten einfallen. Zum Beispiel, wo zum Beispiel ein Mann, der in der Psychoseite seine Frau erschossen hat, im Nachhinein sich dessen bewusst wurde, was er da eben im Wahn getan hat, da den Körper seiner Frau gesehen hat und sich anschließend suizidiert hat.
Dann gibt es den postaggressionellen Suizid. Da haben wir jetzt so ein Beispiel rausgesucht. Zum Beispiel hier wieder nebenbei ein Beispiel von einem Ehemann, der sich zum Beispiel zunehmend im Alltag überfordert fühlt, im Kontakt mit seiner Ehefrau, vielleicht mit der Aufgabe, sie zu unterstützen oder irgendwie genau mit den Aufgaben, die er einfach vielleicht im Alltag hat und entwickelt Aggressionen, die sich dann in der Tötung seiner Ehefrau externalisieren. In diesem Fall war es so, dass dieser Mann in diesem Fall tatsächlich danach, Er war sich zwar bewusst, was er getan hat, hat aber eben nach diesem Aggressionsausbruch dann es doch irgendwie nochmal wohl nochmal mehr realisiert oder ist es nochmal sporealer geworden und hat sich dann anschließend suizidiert. Von daher postaggressioneller Suizid, diese starken Aggressionen, die ausbrechen, die dann zu einem Tötungsdelikt führen und anschließend diese Realisierung und der eigene Suizid.
Jetzt kommen wir zum erweiterten Suizid, die Art von Suizid, über die wir heute in der Folge sprechen. Dabei handelt es sich um Selbsttötungen, bei denen andere Personen ohne deren Zustimmung, ohne deren Einverständnis mit in den Tod genommen werden. Der Begriff wurde tatsächlich erstmalig 1908 verwendet. Ein bisschen weiter gefasst muss beim Täter bei einem erweiterten Suizid der Wille zur Aufgabe, also zum Beenden seines eigenen Lebens primär zu erkennen sein. Wichtig bei der Frage, ob es sich bei einem Fall oder einem Täter tatsächlich um einen erweiterten Suizid handelt, ist, ob dieser Täter tatsächlich den erweiterten Suizid begangen hat, weil er primär selbst suizidal war, also weil er primär selbst das eigene Leben beenden wollte, oder ob er einen Tötungsdelikt geplant hatte und einfach nicht mit den Konsequenzen leben konnte. Zweiteres wäre dann tatsächlich kein erweiterter Suizid. Ersteres eben schon. Es muss so sein, dass beim Täter primär dieser Wille da ist, das eigene Leben zu beenden. Ein weiteres Kriterium dafür, dass etwas als erweiterter Suizid angesehen wird, ist, dass ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Fremd- und der Selbsttötung besteht und auch deutlich sichtbar ist. Also zusammengefasst gibt es sehr viele unterschiedliche Arten von Suizid. Ich muss gestehen, dass mir das vorher gar nicht so klar war.
Wie sich die einzelnen Suizide unterscheiden. und ich dazu gegebenermaßen auch noch nie so richtig genau drüber nachgedacht habe. Aber das ist mir erst bei der Recherche für den erweiterten Suizid so richtig bewusst geworden, wie viele unterschiedliche Motive es gibt.
Also Suizidarten, es gibt die jeweils von den Motiven abhängen. Weißt du, was ich meine? Ja, total. Also bei mir war es auch so, dass, naja, wenn man halt irgendwie, also in der Praxis unterscheidet man das ja nicht so richtig untereinander. Man sagt, der Patient ist suizidal oder es hat einen Suizid stattgefunden. Man unterscheidet aber nicht so richtig zwischen Doppelsuizid, was war es jetzt genau? War das jetzt ein postaggressiver oder war es jetzt ein Tötungsschick mit Anschlusssuizid? Das wird zwar dann schon aufgetröselt, wenn man dann zum Beispiel jetzt in der forensischen Kontext dann ins Urteil, ins Gutachten guckt. Aber so in der Praxis nutzt man diese Begriffe halt nicht so oft. Oder zumindest ist es bei mir nicht so. Von daher habe ich unter diesem Überbegriff Suizid diese ganzen Unterarten auch nicht wirklich auf dem Schirm gehabt. Ich würde aber sagen, da wir jetzt so viel Theorie hatten und ganz viel erklärt haben zu dem Thema und natürlich später auch noch was dazu kommt, starten wir jetzt einfach mal mit dem Fall. Was denkst du?
Grell erhält das blaue Polizeilicht wieder und wieder die dunklen Straßen. Direkt neben dem Polizeiwagen stehen mehrere Rettungswagen und Notfallsanitäter. Die A61 Richtung Bonn ist an diesem Freitagabend, dem 22.02.2013, komplett gesperrt. Die Straße gleicht einem Trümmerfeld. Auf Höhe der Raststätte Peppenhofen-West mit sind mehrere Autos ineinander gefahren. Auch ein LKW ist an dem Unfall beteiligt. Den Helfern vor Ort bietet sich ein Bild des Grauens. Die Unfallstelle ist über 80 Meter lang. Löschfahrzeuge blockieren den Weg, auf dem Boden verstreut liegen Autoteile, Glassplitter und Metallstücke. Drei Insassen sind in ihren Autos eingeklemmt und können nur mit Blechscheren aus ihren zerstörten Wagen herausgeschnitten werden. Einige Meter daneben steht das Wrack eines dunklen Fünfer-BMWs. Das Heck des Wagens ist vollkommen zerfetzt. Nur das letzte Drittel des Wagens ist noch als solches zu erkennen. Der 42-jährige Fahrer liegt blutüberströmend und leblos mitten auf der Fahrbahn. Es ist der Unfallverursacher, ein Geisterfahrer.
Sechs Monate zuvor. Fassungslos verlässt Alexander die Doppelhaushälfte in dem kleinen Ort Erftstadt. Er kann immer noch nicht glauben, dass seine Frau sich wirklich von ihm getrennt hat. Gut, sie hatten sich in letzter Zeit viel gestritten. Sich über die Geburt ihrer zweiten Tochter vielleicht auch entfremdet. Aber all das jetzt aufgeben? Einfach einen Schlussstrich ziehen? Tief verletzt steigt der 42-jährige Familienvater in sein Auto und begibt sich zu seiner neu angemieteten eigenen Wohnung. Dort versucht er in den nächsten Wochen über den massiven Einschnitt in seinem Familienleben hinwegzukommen. Aber es gelingt ihm einfach nicht. Immer mehr versinkt Alexander in trüben Gedanken.
Motivationslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit. In den nächsten Wochen werden diese Gefühle immer stärker, ob sein Leben überhaupt noch einen Sinn hat. Immer mehr zieht er sich zurück, bleibt allein in seiner Wohnung und schottert sich ab. Schließlich hält er es nicht mehr aus. Seine Frau scheint überhaupt nicht zu begreifen, was sie ihm da antut, scheint nicht zu verstehen, wie er sich fühlt. Am 15.10.2012 sieht der 42-jährige Berufssoldat schließlich keinen anderen Ausweg mehr. Mit zitternden Fingern schreibt er seinen Abschiedsbrief. Er will sicher gehen, dass die Nachwelt, insbesondere seine Ex-Frau, weiß, warum er tut, was er nun tun wird. Dann schluckt er 14 Beruhigungs- und Schlaftabletten und verliert das Bewusstsein.
Kurze Zeit später klingelt es an seiner Wohnungstür. Es ist seine Ex-Frau. Als Alexander nicht öffnet, klingelt sie noch ein weiteres Mal, klopft und ruft und schließt schließlich die Wohnungstür mit einem Zweitschlüssel auf. Innerhalb von Sekunden findet sie ihren Ex-Mann auf dem Boden liegend. Neben ihm der Abschiedsbrief. Sofort verständigt die 36-Jährige den Notarzt. Dieser bringt den Familienvater sofort in das nächstgelegene Krankenhaus. Alexander überlebt den Suizidversuch und wird am nächsten Tag direkt in eine Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie eingewiesen. Dort wird er wegen einer schweren depressiven Episode wurde die nächsten 14 Tage stationär und im Anschluss bis zum 31.12.2012 ambulant weiterbehandelt.
Es dauert einige Zeit, bis der Familienvater sich an den neuen Rhythmus und die Therapien gewöhnt hat, doch dann scheint es ihm besser zu gehen. Im neuen Jahr beginnt er sogar wieder seinen ordnungsgemäßen Dienst bei der Bundeswehr. Regelmäßig hat er Kontakt zu seiner Ehefrau und ihren beiden gemeinsamen kleinen Kindern. Doch anders als erhofft, nimmt seine Frau die Trennung nicht zurück. Der Suizidversuch hat sie nicht zum Umdenken angeregt. Im Gegenteil, anders als Alexander scheint sie das Beziehungsende als positiv zu empfinden, scheint sich richtiggehend wohlzufühlen. Der 42-Jährige ist außer sich vor Wut. Er kann die Trennung der beiden auch nach den zahlreichen Therapien einfach nicht akzeptieren. Doch zumindest hat er die Beziehung zu seinen beiden kleinen Töchtern noch. Die beiden Mädchen sind gerade einmal zwei und vier Jahre alt und Alexander will auf keinen Fall, dass sie durch die Trennung die Beziehung zueinander verlieren. Also kümmert er sich regelmäßig um seine beiden Mädchen, verbringt Abende und Wochenenden mit ihnen und passt auf sie auf, wenn seine Frau Termine hat.
Während er die Zeit mit seinen beiden Töchtern durchweg genießt, kochen in dem 42-Jährigen die Wut und die Enttäuschung über die Trennung immer weiter hoch.
Als seine 36-jährige Ex-Frau ihm schließlich eröffnet, dass sie Unterhaltszahlungen von ihm erwarte, eskaliert die Situation im Februar 2013 in mehreren heftigen Streitigkeiten zwischen den getrennt lebenden Eheleuten. Neben seiner maßlosen Wut und Enttäuschung über die Trennung kommen nun noch Existenzängste zu der emotionalen Konstitution des Bundeswehrsoldaten. Dennoch hält er den Kontakt zu seinen Kindern und seiner Frau. Am 22.02.2013 passt er nachmittags wie so oft auf seine beiden kleinen Töchter auf. Während seine Frau unterwegs ist, verbringt er den Nachmittag mit den beiden Kindern. Sie spielen, malen, singen und kochen gemeinsam. Nachdem sie am frühen Abend gemeinsam gegessen haben, bringt der 42-Jährige die beiden Mädchen schließlich ins Bett.
Was genau in den nächsten Minuten passiert, kann später nur noch grob rekonstruiert werden. Sicher ist, dass Alexander die beiden schlafenden zwei- und vierjährigen Kinder in ihren Betten über Minuten drosselt. Dann nimmt er sich einen schweren Metallhammer und schlägt jedem der beiden Mädchen 15- bis 20-mal auf den Schädel, bis er sicher ist, dass sie beide tot sind.
Nun verlässt Alexander gegen 19.30 Uhr die Doppelhaushälfte, steigt in seinen dunklen Fünfer-BMW und fährt über die A61 auf einen naheliegenden Rastplatz. Dort wendet er seinen Wagen, löst seinen Anschnallgurt und verlässt den Rastplatz über die Einfahrt. Er drückt das Gaspedal bis auf den Boden, rast entgegen der Fahrtrichtung auf die A61. Auf der rechten Fahrspur prallt er nach nur kurzer Zeit frontal mit einem LKW zusammen. Alexander ist sofort tot. Während die ersten Blaulichter den Asphalt der A61 beleuchten, schließt Alexanders 36-jährige Ehefrau gerade die Haustür der Doppelhaushälfte auf. Im Haus herrscht eine gespenstische Stille. Es dauert nur Minuten, bis sie ihre beiden Töchter tot in ihren Betten findet. Kurze Zeit später klingelt ihr Telefon. Es ist die Polizei, die ihr mitteilt, dass ihr Ex-Mann soeben auf der A61 einen tödlichen Autounfall erlitten hat. Warum er diese schreckliche Tat begangen hat, wird nie eindeutig festgestellt. Denn dieses Mal hinterlässt Alexander keinen Abschiedsbrief.
Ich habe erwartet, dass er die beiden Mädchen nimmt, sie ins Auto packt und mit ihnen auf die Autobahn fährt. Dementsprechend war ich gerade richtig schockiert, als der Hammer ins Spiel kam. Ich saß hier gerade und habe so zugehört und hatte auch die Augen zu, damit ich mich so in die Geschichte einfühlen kann. Und ich glaube, wäre hier jemand bei mir gewesen, hätte er gesehen, wie ich die Augen so aufreiße und so richtig schockiert in die Gegend gucke. Ich habe diese Brutalität nicht erwartet. Weißt du, was ich meine? Ja. Als ich den Fall das erste Mal gelesen habe, beim Recherchieren, war ich, also.
Dachte ich mir auch, dass, also, ja, ich habe so ein bisschen Probleme gerade damit, das zu formulieren, was ich meine. Ich fand es so übertrieben, brutal und so grausam. Also, weil ich meine, er hat sie erst gedrosselt, was ja so viel heißt wie gewürgt, also ihn die Luft abgedrückt und sie dann mit dem Hammer erschlagen und das ist einfach was, wo ich dachte, warum?
Also, ja, also so, warum, vor allem davor, ich hatte die ganze Zeit bei diesem Fall den Eindruck, dass er seine Kinder liebt oder dass er halt, dass da eine gute Beziehung auch besteht, dass da keine, Wut oder Enttäuschung gegenüber über den Kindern erst mal besteht, sondern so wie es in dem Fall sich angehört hat, nur gegen die Ehefrau. Und dann die Kinder auf so brutale Art und Weise zu töten, es hat für mich nicht zusammengepasst. Ja, also ich weiß komplett, was du meinst. Und ich habe mir tatsächlich auch ein paar Gedanken dazu gemacht, weil ich zu dem Fall tatsächlich ein Protokoll vom Gericht gefunden habe, weil die Ehefrau nach dem.
Nach dem Unfall einen Rechtsstreit hatte mit der Versicherung, weil die Ehefrau gesagt hat, dass die Vollkaskoversicherung für den Schaden aufkommen soll. Und die Vollkaskoversicherung hat gesagt, wir zahlen das nicht, weil der Unfall mit Absicht herbeigeführt wurde. Und da wurde tatsächlich sehr viel über die psychische Verfassung ihres Ehemanns, also dem Geisterfahrer, gesprochen. Und darüber, ob er es mit Absicht gemacht hat und warum er das gemacht hat. Und da wurden tatsächlich sogar Psychologen gehört. Und in diesem Protokoll der Gerichtsverhandlung habe ich tatsächlich auch den erweiterten Suizid gefunden als etwas, das die Gutachter so festgehalten haben. Und da ging es tatsächlich auch darum, dass die Gutachter davon ausgehen, dass er die Kinder deswegen getötet hat, weil er sich bei seiner Ex-Frau rächen wollte.
Also so eine Art von Bestrafung, so du hast mich abgelehnt, du hast mich verlassen. Keine Ahnung, vielleicht auch so narzisstische Kränkung mäßig. Wenn du mich so zurückweißt, dann tue ich dir so weh, also ich nehme dir das Wichtigste, was du hast, oder ich tue dir so weh, wie ich kann. Ja, genau. Und vor Gericht ist der Gutachter auch davon ausgegangen, dass der Ehemann davon ausgegangen ist, dass die Frau sich eben immer mehr von ihm getrennt hat und auch räumlich getrennt hat und nicht mehr mit ihm zusammen sein wollte, nicht mehr mit ihm zusammen leben wollte. Und dass er selber dadurch eben diese narzisstische Kränkung empfunden hat und dass der erste Suizid der Versuch war, sie dazu zu bringen, wieder zurückzukommen. Und er wurde von den Psychologen in der Klinik tatsächlich auch als sehr dominant und leicht kränkbar bezeichnet.
Okay. Und deswegen gab es vor Gericht auch so ein bisschen eine Unsicherheit, ob es jetzt tatsächlich ein erweiterter Suizid war, weil tatsächlich der Wunsch bestand, sich selbst das Leben zu nehmen, oder ob es quasi ein Suizid-Nachtötungsdelikt war. Okay, also so die Frage, ob der Wille von ihm, sich das Leben zu nehmen, primär war für diese Tat. Genau, oder ob er sich das Leben genommen hat, weil er wusste, dass er sich jetzt in diesem Moment wirklich alles verbaut hat in seinem Leben und er sich deswegen dann das Leben nimmt. Weil, was natürlich sehr auffällig ist, ist auch die Art des Suizids. Also zum einen stellt man sich natürlich die Frage, warum tötet er seine Kinder erstens auf so unglaublich brutale Art und Weise? Zweitens, warum zu Hause in ihren Betten? Weil eigentlich ist ein erweiterter Suizid in der Regel, also ich habe mir ein paar Statistiken dazu angeguckt, und normalerweise bei einem erweiterten Suizid tötet der Mann seine Frau. Und wenn Kinder getötet werden, dann ist das meistens die Mutter, aber nicht der Vater. Und bei einem erweiterten Suizid gibt es häufig eine sehr große räumliche Nähe. Das heißt, der erweiterte Suizid passiert quasi sehr in den... Also es wäre logischer gewesen, wenn er sich auch in diesem Haus das Leben genommen hätte.
Warum fährt er auf die Autobahn und warum dieser Aufwand? Naja, vielleicht... Also warum er die Kinder in ihren Betten getötet hat, ist ja, wenn da auch so ein Bestrafungsgedanke dabei war, der Ehefrau möglichst weh zu tun, dann ist ja klar, dass er es zu Hause macht, wo sie es direkt sieht, wenn sie heimkommt. Was ich mir auch ganz schlimm vorstelle. Das ist so furchtbar, ich fand den Fall so grausam. Du kommst einfach nach Hause und findest... Nee, nee. Ja, aber zurück zum Thema. Also ich denke, dass der Ort, wo die Kinder getötet wurden, ist dementsprechend mit diesem Motiv schon irgendwie nachvollziehbar, dass es da passiert ist, wenn das Motiv dahinter stand. Und was ich mich halt gerade frage, ist so ein bisschen... Ich meine, er hat ja offensichtlich eine Beziehung zu seinen Kindern gehabt. Der hat offensichtlich Gefühle für seine Kinder gehabt, hat seine Kinder vielleicht geliebt, ich weiß nicht. Ja, nein, steckt ja nicht in seiner Haut, aber vielleicht war das so eine Art von... Diese Bestrafung für seine Ehefrau, was aber vielleicht parallel dann doch auch eine Strafe für ihn war und vielleicht auch schwer zu ertragen war, das zu sehen. Und er deswegen vielleicht wie so eine Flucht draus gemacht hat und dann halt möglichst weit weg, am besten mit dem Auto, es geht am schnellsten.
Ja, und dann in den Gegenverkehr, was ja auch ziemlich schnell geht. Was ich mir jetzt gerade denke, weil er sonst in diesem Fall ja auf mich sehr den Kindern zugewandt gewirkt hat. Ja, also sie hatten von dem, was ich gesehen habe, auf jeden Fall eine gute Beziehung. Tatsächlich gibt es für, also man vermutet eben, wenn Männer ihre Kinder töten, aber ihre Ehefrau oder Ex-Frau nicht, vermutet man, also es gibt, ich habe mir ein Interview angeschaut mit Adelheid Kastner, die ist Kriminalpsychologin und hat zum Beispiel auch im Fall von Winnenden viel als Gutachterin gearbeitet. Und die hat zum Beispiel in dem Interview gesagt, dass es schwer ist, das zu unterscheiden, wenn der Suizid gelingt, weil man natürlich nicht mehr fragen kann. Aber man hört wohl oft von, also explizit von Männern, die den anschließenden Selbstmord dann überleben, die sagen, ich wollte meiner Partnerin, Ex-Partnerin, wie auch immer, lebenslanges Leid zufügen. Also quasi ein Mord an den Kindern als Strafe für die Partnerin.
Und dann sich selber töten, um quasi das, was man eh tun wollte, entweder zu vollenden, also tatsächlich, ich wollte sowieso Suizid begehen, also tue ich ihr nochmal richtig weh und dann gehe ich.
Oder eben, um der Strafe zu entgehen, die darauf folgt.
Das wäre bei ihm nicht der Fall, wenn es wirklich als erweiterter Suizid vor Gericht auch gewertet wurde. Ja, also man weiß es eben final nicht. Und vor Gericht haben sie auch gesagt, es ist ein erweiterter Suizid. Aber der Gutachter hat gesagt, er kann nicht ausschließen, dass es ein kaltblütiger Racheakt gewesen ist. Er meinte, er ist sich nicht sicher. Das ist zumindest das, was ich in den Gerichtsunterlagen gefunden habe, dass es nicht hundertprozentig sicher sein kann, ob es in diesem Sinne ein erweiterter Suizid war oder ob es darum ging, sich an seiner Ex-Frau zu rächen. Und wenn es tatsächlich darum ging, damit seine Ex-Frau zu bestrafen, dann nennt man das in der Psychologie übrigens auch das Medea-Syndrom. Und da gibt es einmal das Medea-Syndrom im engeren Sinne und das Medea-Syndrom im weiteren Sinne. Im engeren Sinne bedeutet es, dass ein Kind getötet wird oder die eigenen Kinder, das eigene Kind getötet wird. Und die Täter sind da meistens die Väter, sehr selten ist es die Mutter. Und das Ziel des Täters ist es immer, die Mutter oder den Vater des Kindes damit zu treffen und damit zu verletzen. Und man nennt es damit im Grunde, also man bezeichnet es auch als eine Form von Alternativtötung, weil man eben nicht die Person tötet, an der man sich rächen will, sondern die gemeinsamen Kinder.
Und das Medea-Syndrom im weiteren Sinne bedeutet, da geht es nicht unbedingt darum, dass Kinder getötet werden, sondern es geht auch darum, dass ein Elternteil Kinder instrumentalisiert, um dem Partner zu schaden. Also dass man zum Beispiel seine Kinder dazu bringt, gemeine Sachen zum Ex-Partner zu sagen, um den zu verletzen. Und das wurde an der Stelle vor Gericht zwar nicht genannt, aber ich bin bei den weiteren Recherchen darauf gestoßen. Und ich fand das in diesem Fall irgendwie auch zutreffend. Und deswegen, also potenziell zutreffend, ich weiß es ja nicht. Aber das war so ein bisschen mein gedankliches Hin und Her, ob es bei dem Fall wirklich um einen erweiterten Suizid geht oder ob es eben dieser Rache-Gedanke ist. Wobei die Tatsache, dass vorher bei dem Vater eine schwere depressive Episode diagnostiziert wurde, die auch behandelt wurde, spricht eher für einen erweiterten Suizid. Die Art des erweiterten Suizids spricht aber eher für das Medea-Syndrom.
Naja, was ich mir gerade frage, also erstmal glaube ich, dass... Mich würde total interessieren, was in diesem Abschiedsbrief drin stand. Weil ich mir halt auch denke, ich habe ja immer dieses Bedürfnis, ist, dass ich wirklich gerne, so wie du ja auch, dass ich wirklich gerne wissen will, was es jetzt ist. Der Gutachter hat ja auch eher auf erweiterten Suizid getippt. Und ich nehme mal an, wenn dieser Mann ja auch in psychiatrischer Behandlung war, das war ja auch länger, das war, glaube ich, wie viel? Zwei Wochen? Zwei Wochen stationär und danach über zwei Monate ambulant. Genau, und in diesem Zeitraum muss er ja Symptome gezeigt haben, die wohl auch glaubhaft auf die verschiedenen Fachleute gewirkt haben. Da waren ja dann verschiedene Ärzte, verschiedene Psychotherapeuten wohl im Spiel und von denen hat er wohl auf alle glaubhaft gewirkt. Er lief da unter dieser Diagnose und wurde behandelt. Von daher kann ich schon mitgehen mit der Tendenz, dass es eher erweiteter Suizid ist. Aber ja, die Art spricht schon irgendwie dagegen und dann eher für dieses Medea-Syndrom. Ich hätte wirklich gern gewusst, was in einem Abschiedsbrief steht. Vielleicht ist da noch irgendwas, was irgendwie so noch so irgendwie Hinweise gibt. Ja, ich glaube, wir müssen das Thema erweiterter Suizid auch nochmal machen, aus einer anderen Perspektive. Weil mir auch aufgefallen ist, dass es ja noch so viele, also es gibt ja noch einige andere Gründe dafür.
Erweiterten Suizid zu begehen, beispielsweise weil man glaubt, dass die anderen Menschen, die man dann mit in den Tod nimmt, ohne einen nicht leben können. Und ich hatte mir diesen Fall ausgesucht und ich fand ihn so, auf der einen Seite so interessant und auf der anderen Seite so furchtbar, dass ich ihn für diese Folge ausgewählt habe. Aber ich wollte an der Stelle einfach nur erwähnen, dass es noch mehr Gründe dafür gibt, warum jemand einen erweiterten Suizid begeht, Weil in diesem Fall wirkt es auf mich schon sehr entweder nach Rache oder nach einem, okay, also man könnte ja auch in eine ganz andere Richtung denken und sagen, vielleicht kann sich die Frau ohne ihn die Kinder gar nicht leisten, weil er ja Unterhalt zahlen sollte. Also hat er die Kinder direkt mitgenommen, damit, also so abstrus und absurd das klingt, damit sie kein Geld kosten. Also einfach nur, um mal noch in eine ganz andere Richtung zu argumentieren und von diesem, er wollte sie fertig machen und verletzen und sich an ihr Rechenthema wegzukommen, wäre ja eine andere mögliche Perspektive zu sagen, er hat die beiden Kinder mitgetötet, weil er wusste, dass er sich selber das Leben nehmen wird und er wusste, dass seine Frau, sich vielleicht die beiden Kinder nicht leisten kann und wollte sie vielleicht beschützen davor, alleinerziehende Mutter zu sein.
Dann würde ich aber irgendwie seine Gedankengänge anzweifeln, dass die ganz gesund sind, ehrlich gesagt. Also ernsthaft kann es ja niemand denken. Also ich finde es gut, noch mal in so eine andere Richtung zu gucken. Das wäre ja dann aber auch ohne dieses Bestrafungsgedanken. Genau. Obwohl ich mir da denke, wenn er das wirklich, nehmen wir an, er hätte das wirklich gedacht, dann läuft da ja schon was ganz falsch, dass er annehmen könnte, dass das im Sinne seiner Frau sein könnte. Auf jeden Fall. Aber das wäre tatsächlich ein semi- beziehungsweise vermeintlich altruistischer oder altruistischer Gedanke, der bei erweiterten Suiziden auch sehr, sehr häufig vorkommt. Ich fände es voll spannend, da mal so eine Folge zu machen, wo wir mal mit den altruistischen Motiven einen aufnehmen. Ich muss sagen, in mir ist so ein Widerstand und in mir sträubt sich so ein bisschen erweiterten Suizid, vor allem wenn es Kinder mit reinzieht, irgendwie mit dem Wort Altruismus zu verknüpfen. Aber ich weiß natürlich, dass es das gibt. Und ich glaube, vielleicht ist es deswegen auch so spannend, weil das einfach so einen Widerstand in einem auslöst, weil es, ich glaube, bei mir und auch, ich glaube, bei ganz vielen anderen so im Kopf nicht zusammenpasst, weißt du? Ja, ähm, aber tatsächlich, finde ich, brauchen wir noch mindestens dann eine zweite Folge zu dem Thema. Weil, ähm.
Weil in diesem Fall ist ja viel um diesen Rache-Gedanken ging und den finde ich auch extrem abstrus, weil man damit die eigenen Kinder, also wenn es um den Rache-Gedanken ging, was wir ja nicht wissen, aber für mich sieht es so sehr danach aus, weißt du? Und wenn es wirklich darum ging, dann objektiviert es die Kinder bis ins Allerletzte. Dann sind es nur Objekte, um seiner Ex-Frau wehzutun. Und das finde ich mindestens genauso abstrus wie die eigenen Kinder zu töten, um sie vor irgendwas zu beschützen. Ja, das stimmt auch wieder. Und ich meine, nehmen wir an, er wäre wirklich depressiv gewesen und hat eben vielleicht auch schwere depressive Episoden.
Da hat also Menschen, die diese Erkrankung haben, ich sage nicht, dass sie diese Gedankengänge haben, aber da kommen Gedankengänge vor, die jetzt für Außenstehende nicht logisch wirken und nicht zusammenhängend und nicht sinnvoll wirken. Und trotzdem sind sie da. Dass sich vielleicht bei ihm sowas in die Richtung entwickelt haben könnte. Ja, also ich wollte die Perspektive nur noch mit reinbringen, weil ich das Gefühl hatte, dass wir so sehr auf das Medea-Syndrom eingegangen sind. Und ich dachte, das könnte aber auch eine Option sein, die mir einfach aufgrund der Art und Weise des Todes der beiden Kinder so absurd vorkommt und unwahrscheinlich. Aber ich wollte sie der Objektivität halber zumindest mal genannt haben. Ja, je nachdem, wie schwer eine depressive Episode ist, muss sie manchmal auch stationär behandelt werden. Vor allem, wenn es um akute Suizidalität geht, kann es sein, dass man manchmal auch zwangsweise stationär aufgenommen werden muss. Einfach um eben einen Suizid zu verhindern, wenn der wirklich dermaßen hohes Risiko ist und direkt zu bevorstehen droht.
Grundsätzlich muss man aber sagen, dass Depressionen in der Regel gut zu behandeln sind. Es gibt total viele Möglichkeiten mittlerweile, die da zur Verfügung stehen. Das ist zum einen klassische Psychotherapie. Da gibt es jetzt auch nicht eine Schule, die jetzt das Nonplusultra dafür ist, sondern da kann man tatsächlich Therapeuten suchen. In jeder Schule gibt es Ansätze, wie man mit Depressionen umgeht, wie man Depressionen behandeln kann. Natürlich, wenn es eine bestimmte Schwere erreicht hat, gibt es Medikamente gegen Depressionen, Antidepressiva. Wenn es schwer ist, wie gesagt, wenn man Medikamente nimmt, das haben wir, glaube ich, auch schon ganz oft gesagt bei psychischen Erkrankungen, Medikamente nehmen ohne Psychotherapie ist eine doofe Idee. Das sollte man nicht machen. Das heißt, wenn Medikamente gegeben werden, auf jeden Fall immer begleitet, Psychotherapie dazu machen.
Und bei der Depression gibt es auch noch weitere ergänzende Therapien, die man noch machen kann. Das sind zum Beispiel Lichttherapie, Bewegungstherapie, Ergotherapie oder auch Kunst, Gestaltungstherapien. Genau, einfach alles, was auch so ein bisschen aktivierend wirkt, was so den Körper anregt, den Stoffwechsel auf dem Gehirn anregt, was so kreativ ist. Also so alles, was so, so merke ich es mir zumindest in meinen Therapien, alles, was so aktiviert ist, ist grundsätzlich erstmal gut für Menschen mit Depressionen. Es sei denn, es ist so eine hochfunktionale Depression, da muss man auch noch ein bisschen anders gucken. Aber da können die trotzdem auch gut sein. Das kommt eben auf die Person dann an.
Wenn man eine leichte Depression hat, wenn ihr vielleicht jemanden kennt oder ihr selbst jemand seid, der sagt, okay, ich habe vielleicht sogar die Diagnose oder ich habe diese Symptome und ich fühle mich da irgendwie, als hätte ich da was Leichtes. Dann gibt es auch Möglichkeiten, sich zur Selbsthilfe. Es gibt so Selbsthilfemanuale. Oder es gibt solche Übungshefte oder so begleitende Dinge, die man für sich alleine zu Hause machen kann. Und was wir ganz deutlich sagen müssen, ist, dass diese Dinge können guttun und die können euch auch helfen, wenn ihr irgendwie so leichte Tendenzen irgendwie in die Richtung habt und euch da irgendwie das Gefühl habt, dafür könntet ihr profitieren. Das ersetzt aber nie eine Psychotherapie. Das heißt, wenn es wirklich so schlimm ist oder so belastend ist, dass es im Alltag einschränkt und dass es euch so belastet, dass ihr zu bestimmten Dingen nicht mehr fähig seid oder eben merkt, okay, meine Lebensfreude, mein Interesse geht wirklich drastisch runter, dann sind die auf gar keinen Fall ein Ersatz für Psychotherapie. Begleitend kann es natürlich gemacht werden. Ich würde an der Stelle gerne noch hinzufügen, dass es.
Wenn man selber in seinem Leben sehr traumatisierende Dinge beispielsweise erlebt hat und man geht durch eine depressive Episode und es gibt ja Leute, die sagen, ja, ich glaube, das ist so eine Nachwirkung von Dingen, die mir mal passiert sind, die mich sehr traumatisiert haben, dann ist es relativ selten eine gute Idee, traumatisierende Dinge aus der Vergangenheit selber aufzuarbeiten, um die Depressionen verschwinden zu lassen. Also es gibt Leute, die das machen. Ich wollte an der Stelle einfach nur einmal davor warnen, dass es prinzipiell tatsächlich die Situation verschlechtern kann, wenn man versucht, die tiefer liegenden, möglicherweise traumatisierenden Ursachen seiner eigenen Depression alleine aufzuarbeiten. Weil ich das in meinem Umfeld schon ein paar Mal gesehen habe.
Dass es Leute gab, die da so rangegangen sind, wollte ich das gerne einmal kurz gesagt haben. Also wenn ihr euch selber damit auseinandersetzt, ohne eine tatsächliche Therapie, dann passt bitte auf, dass ihr nicht zu tief in euren eigenen Abgründen rumgrabt, alleine. Auf jeden Fall, das ist sehr wichtig zu sagen. Also das ist auf jeden Fall nichts, was man alleine machen sollte, auf gar keinen Fall. Das kann richtig schief gehen. Was ich am Ende der Folge auch noch sagen möchte, ist, dass es ganz wichtig zu wissen, dass ihr, solltet ihr von Depressionen betroffen sein, ihr seid nicht alleine. Das ist tatsächlich eine der häufigsten Erkrankungen, der häufigsten psychischen Erkrankungen, die es gibt, neben Angsterkrankungen, glaube ich. Ihr seid nicht alleine, ihr seid nicht abnormal, es ist nichts, was irgendwie komisch ist oder ihr seid nicht faul oder schwach. Schwach? Ach ja, schwach wird ja auch oft genommen. Ganz schlimm. Ihr seid nicht schwach, ihr seid nicht faul, ihr seid nicht dumm oder sonst irgendwas. Das ist eine häufige psychische Erkrankung, sie ist gut zu behandeln und, Holt euch Hilfe, wenn ihr sie braucht. Redet mit euren Angehörigen. Wenn ihr Angehörige seid, hört zu, unterstützt.
Hilft vielleicht bei der Suche nach irgendwie Hilfeangeboten. Und dann kann das auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wieder besser werden. Also wirklich, traut euch. Und bitte, bitte, bitte, keine Sätze wie, lach doch mal, so schlimm ist es nicht, stell dich nicht so an, vielleicht musst du einfach nur mal wieder unter Leute oder sowas. Das hilft überhaupt nicht. Eine Depression ist wie ein gebrochenes Bein und du gehst ja auch nicht, also man geht ja auch nicht zu jemandem mit einem gebrochenen Bein hin und sagt, warum rennst du denn nicht beim Marathon mit? Verstehe ich nicht, bist einfach faul, ne? So ganz ehrlich, beißt euch mal die Zähne zusammen, so schlimm ist es doch nicht. Genau.
Und führt euch einfach vor Augen, dass es für die Person, die selber unter Depressionen leidet, dass es auch keinen Spaß macht. Das hat sich die Person nicht ausgesucht. Das macht keinen Spaß, das macht nicht glücklich. Es bringt dieser Person allein schon aufgrund der Erkrankung überhaupt keine Freude, depressiv zu sein. Und es ist auch nichts, wo jemand zu faul ist oder keinen Bock hat, sondern es ist einfach, versucht es euch vor Augen zu führen wie ein Beinbruch. Wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen auch. Es ist wie eine körperliche Verletzung, sie ist nur leider nicht sichtbar. Und weil sie nicht sichtbar ist, fällt es uns häufig schwer, das tatsächlich als Erkrankung zu sehen, weil man sie nicht sieht und nicht hört und es eben auch keinen Schnupfen oder Blut oder irgendwas zu sehen gibt. Genau. Und ich finde gerade an dieser Stelle und in der heutigen Folge passt unser Abschlusssatz seid lieb zueinander ganz, ganz perfekt rein. Und deswegen hier ganz deutlich seid lieb zueinander. Und in diesem Sinne wünschen wir euch eine schöne Woche. Und in diesem Sinne sagen wir Tschüss.
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