Willkommen bei Blackbox, dem Sci-Crime-Podcast. Euch erwartet ein True-Crime-Podcast mit der Extra-Portion Psychologie. Ich bin Maxi. Und ich bin Babsi. Ihr habt euch schon immer gefragt, was Menschen dazu bringt.
Music.
Schreckliche Taten zu begehen? Dann seid ihr hier genau richtig. Hallo, hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Blackbox. Heute haben wir eine Folge dabei, die ich vorbereitet habe und die mich in der Recherche so sehr schockiert hat, dass ich schon ganz viel mit Babsi teilen musste und die dann im zweiten Schritt Babsi, glaube ich, mindestens genauso verstört hat wie mich. Ja, ich glaube, das kann man so zusammenfassen. Ja, ne? Irgendwie schon. Ich glaube, wir sind heute tatsächlich wieder bei einem der Fälle angekommen, der für mich sehr großes Potenzial hat, dass, wenn mich mal jemand fragt, was ist der schlimmste Fall, den ihr je behandelt habt, dass dieser Fall auf jeden Fall in meinem Kopf auftauchen wird. Ja, same. Also das denke ich auch. Der hat auf jeden Fall Potenzial, da in die Top 3 zu kommen. Ich glaube auch nicht nur wegen dem, was ihr gleich an Handlungen in dem Fall hören werdet, sondern auch in Bezug auf die Dynamik, die da besteht.
Jetzt haben wir aber ja schon ein bisschen angeteasert und ihr fragt euch jetzt natürlich, ja okay, worum geht es denn dann heute? Um euch da hinzuführen, würde ich gerne damit starten, euch zu erzählen, dass am 26. Juni 2025 in Hamburg ein junger Mann festgenommen wurde, der online unter dem Namen White Tiger agiert hat. Vielleicht haben einige von euch das mitbekommen. Das ist ja jetzt doch noch nicht so lange her. Ich weiß nicht, Babsi, hast du mitbekommen, dass da einer verhaftet wurde? Tatsächlich, ja. Ja, ich habe die Pressekonferenz gesehen und es war tatsächlich auch zusammen mit einer zufällig gefundenen YouTube-Doku für mich der Start, diesen Fall aufarbeiten zu wollen. Dieser junge Mann alias White Tiger gilt als eine der zentralen Figuren des internationalen Netzwerks 764.
Für die, die es nicht kennen, das ist eine extrem gewaltverherrlichende und sadistische Online-Gruppe, die Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt in den letzten Jahren manipuliert, erpresst und zu Selbstverletzungen, sexuellen Handlungen und sogar Suiziden treibt. White Tiger ist damit der in Deutschland das erste Mitglied von 764, das festgenommen wurde und das quasi entdeckt wurde und damit ist quasi dieses Thema 764, was in meiner Wahrnehmung zumindest bisher die ganze Zeit so ein bisschen in den USA und Kanada so sich rumgetrieben hat. Also vom Empfinden her natürlich war es trotzdem schon weltweit aktiv, ist jetzt irgendwie auch gefühlsmäßig so richtig in Deutschland angekommen mit der Verhaftung von White Tiger.
Und wir dachten uns, oder ich dachte mir, dass der Zeitpunkt, diese Folge zu veröffentlichen, damit auch ein Guter ist, es jetzt zu machen. Denn ja, wir glauben, dass diese Folge nicht nur sehr schockierend ist und bestimmt auch verstörend für einige, wir werden gleich auch nochmal die Trigger-Warnung aussprechen, sondern auch sehr, sehr, sehr, sehr wichtig zu wissen, was da passiert, wem es passiert und wie man damit umgehen kann. Uns ist das deswegen so besonders wichtig, weil es am Rande auch um Medienkompetenz geht und um transparente und ehrliche Kommunikation zwischen Eltern und Kindern und darum, dass wir an der Stelle gerne über.
Aspekte davon aufklären wollen, weil wir das für elementar halten, dass sowohl Jugendliche als auch Erwachsene beziehungsweise Eltern so schnell und so früh wie möglich mehr darüber wissen, was in der heutigen Zeit im Internet eigentlich an einigen Stellen passiert. Ja, und ich würde sagen, dass wir damit direkt in den Fall starten und danach diese wichtige psychologische Diskussion heute anfangen. Bevor wir in den Fall starten, hier die schon angekündigte Triggerwarnung. In dem folgenden Fall geht es um Suizid, selbstverletzendes Verhalten, Gewalt an Tieren, sexualisierte und sexuelle Gewalt und Missbrauch von Kindern. Die lieben mich in der Schmerz. Die lieben mich in der Schmerz. Und ich lieben ihre Worte. Ich habe ihnen gesagt, ich liebte es. Ich habe ihnen gesagt, ich wollte mehr. Aber in der Wahrheit, ich war ihre mindless Schlafe. Sie liebten es, mich leiden zu sehen. Sie nährten meine Tränen und ich nährte ihre Begierden. Ich sagte ihnen, ich würde es lieben Ich sagte, ich wollte mehr Doch in Wahrheit war ich nur ihr willenloser Sklave.
Es ist ein gewöhnlicher Nachmittag Das Licht bricht sich durch die Vorhänge, die bis auf den Boden ihres Zimmers reichen Eve sitzt in ihrem Zimmer, Kopfhörer auf den Ohren Ihre Eltern arbeiten noch, ihr kleiner Bruder spielt im Nebenzimmer, Eve ist 13 Jahre alt. Vor ihren Augen spielen sich auf dem Computerbildschirm sogenannte Gore-Videos ab. Brutale Szenen voller Blut und Schrecken. Seit einigen Wochen schaut Eve sich diese Art von Inhalten an. Videos, in denen Unfallopfer zu sehen sind, Gewaltverbrechen, Hinrichtungen aus Kriegsgebieten oder Selbstverletzungen. Eigentlich will sie nicht hinschauen. Aber immer, wenn ein User ein solches Video online stellt, ist sie neugierig. Außerdem will sie nicht die Einzige sein, die zu feige ist, sich nicht traut. Denn die User, die diese Videos online stellen, fragen immer wieder nach, nehmen Kontakt auf, wollen wissen, wer cool und hart genug ist, diese grausamen Bilder auszuhalten. Vor allem mit einem User namens Felix hat Eve viel Kontakt. Sie hat das Gefühl, in ihm einen Freund, vielleicht sogar mehr als das, gefunden zu haben. Jemanden, der sie versteht, der ihr zuhört, wenn sie von ihrer Vergangenheit erzählt.
Der verständnisvoll nickt, wenn sie berichtet, dass nicht alles leicht war für sie Dass sie psychische Schwierigkeiten hat und sich aktuell in ihrer Familie nicht gesehen fühlt, Der ihr sagt, dass sie schön ist, lustig, sympathisch Der Interesse an ihr als Person hat, Das ist eine Erfahrung, die sie vorher noch nicht gemacht hat. Und es fühlt sich gut an, endlich so gesehen zu werden. Sie erzählt Felix alles von sich. Wo sie wohnt, auf welche Schule sie und ihr kleiner Bruder gehen und was ihre Eltern beruflich machen. Welche Gedanken ihr durch den Kopf schwirren, wenn es ihr mal wieder schlecht geht. Welche Erfahrungen aus der Kindheit ihr als positiv und welche als negativ im Kopf geblieben sind. Was sie mag, was sie nicht mag. Ob sie schon einmal mit einem Jungen intim geworden ist, ob sie schon einmal Nacktbilder verschickt hat, ob sie schon einmal einen festen Freund hatte.
Yves hat noch nie Nacktfotos verschickt und hatte auch noch nie einen festen Freund. Felix scheint diese Rolle in ihrem Leben übernehmen zu wollen. Er macht ihr Komplimente, fragt sie nach ihrem Tag, nach ihrem Befinden. Wie ein echter, fester Freund. Und wie ein echter, fester Freund zeigt er Interesse an ihrem Körper, der sich gerade mitten in einer hormonellen Veränderung befindet. Er fragt nach Nacktbildern. Yves ist verunsichert, fühlt sich nicht wohl dabei, ihren nackten Körper zu fotografieren und die Fotos ins Web hochzuladen Doch ist das nicht normal bei einer beginnenden Beziehung? Ist das nicht ein normaler Teil erwachsener Sexualität? Tut man das nicht, wenn man jemanden mag, sich nah sein möchte? Mit mulmigem Gefühl kommt sie Felix Wunsch nach schließt einige Bilder und sendet sie ihm über Telegram zu.
Dann fängt Felix an, sie plötzlich zu beleidigen. Nun habe er Nacktfotos von ihr, sagt er, und das bedeutet, dass er sie besitze. Um das der Welt noch deutlicher zu machen, soll Yves sich seinen Username in die Haut ritzen. Auch davon will er Bilder haben. Wenn sie diesem Wunsch nicht folgt, werde er ihre Nacktbilder an ihre Schule, ihre Freunde, ihre Familie senden. Aber wenn sie ihn wirklich liebt, wie sie es schon so oft behauptet hat, dann würde das gar nicht nötig sein. Denn dann würde sie sich dieses Mal freiwillig zufügen, um ihm zu zeigen, dass sie ihm gehört. Ansonsten sei ihre Liebe nichts wert. Dann sei sie nicht mehr als eine heuchlerische Lügnerin.
Eve ist verzweifelt. Sie hat schreckliche Angst, Felix zu verlieren. Sie war sich doch sicher, mit ihm endlich einen Weg aus ihrer Einsamkeit gefunden zu haben. Um ihn zu besänftigen und ihre Liebe ihm gegenüber zu beweisen, ritzt sie seinen Namen mit einem scharfen Messer in ihre helle Haut, macht ein Foto von der blutigen Wunde und lädt es bei Telegram hoch. Doch noch immer reicht es Felix nicht. Er beleidigt sie, entwertet sie, bedroht sie. Sie soll noch mehr Symbole und Namen in ihre Haut schneiden, soll sich noch mehr Narben zufügen, die sie ihr ganzes Leben lang begleiten werden. Sie soll Videos machen, wie sie masturbiert und Videos schicken, in denen sie ihre Haustiere schlägt. Dann verlangt Felix das Unvorstellbare.
Eve soll ihrem Hamster den Kopf abbeißen und das Ganze live, für alle sichtbar, auf Discord-Stream. Das ist zu viel. Eve weigert sich, dieser Forderung nachzukommen. Da droht Felix, ihren kleinen Bruder auf dem Weg zur Schule abzufangen und ihm wehzutun. Er weiß, wo sie wohnt, er weiß, wann und wo ihr Bruder zur Schule geht. Er kennt sein Gesicht, weiß, wie er aussieht. Das Risiko, dass ihrem kleinen Bruder etwas zustößt, kann Eve auf gar keinen Fall eingehen. Kurz Zeit später sitzt Eve also weinend, zitternd in ihrem Zimmer auf dem Boden, in ihrer Hand ihren kleinen, weißen Hamster. Fast 1000 Menschen sind in ihrem Livestream aktiv, Felix' Stimme tönt aus einem Lautsprecher ihres Computers. Heulst du? Er lacht. Wenn du jetzt kein Bissen von dem Hamster nimmst, dann bringe ich dich dazu, noch schlimmeren, abgefuckteren Scheiß zu tun, okay? Los jetzt.
Zur gleichen Zeit sitzt die 15-jährige Trinity in Kanada vor ihrem Rechner. Auf ihrem Bildschirm ein Livestream eines Mädchens, die einen weißen Hamster in der Hand hält. Sie sieht, wie das weinende, zitternde Mädchen immer wieder ansetzt, um ihren Hamster den Kopf abzubeißen, dann doch abbricht und von Schluchzern durchgeschüttelt wird. Sie hört die Stimme eines Jungen, der sie drängt, es endlich durchzuziehen. Und dann sieht sie zu, wie das fremde Mädchen die Augen zusammenkneift und den Kopf ihres Hamsters in einem Zuge abbeißt. Es ist nicht das einzige dieser Videos, die Trinity in dieser Zeit sieht. Seit fast einem Jahr ist sie mittlerweile auf Discord unterwegs. Sieht jeden Tag schockierende Videos von Kindern und Jugendlichen, die sich selbst verletzen und blutüberströmend vor der Kamera sitzen. Die ihre Haustiere quälen, ihren Aushungerungsprozess online dokumentieren oder sich an ihrem Kleiderschrank erhängen.
Bei diesen Aktionen sind sie scheinbar nie alleine. Immer sind andere User in diese Handlung involviert. Sie heißen Felix, White Tiger, MKUltra, Brad oder Asset. Gesichtslose Namen von jungen Männern, die niemand kennt. Und doch scheinen sie die Anleiter in diesem grausamen Spiel zu sein. Trinity selbst ist ebenfalls eine Figur in diesem Spiel um Leben und Tod. Vor allem ein User namens MKUltra ist ihr gut bekannt. Sie chatten auf Discord und auf Telegram. Auch für Trinity scheint MKUltra eine zentrale Bezugsperson zu sein. Sie öffnet sich ihm, berichtet ihm jedes Detail aus ihrem Leben. Sie erzählt ihm sogar, dass sie früher von einem Familienmitglied sexuell missbraucht wurde. MK hört aufmerksam zu, gibt die richtigen Antworten. Es entwickelt sich eine ungesunde Dynamik zwischen den beiden, in der Trinity eine emotionale Abhängigkeit von diesem anonymen Fremden entwickelt. Als er das erste Mal von dem sexuellen Missbrauch hört, ist er fasziniert, fast schon begeistert. Er fragt nach den Details, möchte alles darüber wissen. Sagt ihr, dass er das Gleiche mit ihr machen wolle und dass er sich wünsche, dieses Familienmitglied gewesen zu sein.
So seltsam diese und andere Reaktionen auch scheinen, Trinity hängt schon längst fest an diesem jungen Mann, der ihr endlich das Gefühl gibt, gesehen zu werden. Sie glaubt, ihn zu lieben, eine falsche Liebe, die sie einen hohen Preis kosten wird. Ihre Gefühle und Gedanken schreibt sie in ihrem Tagebuch und in Briefen an ihn nieder. Einer dieser Briefe ist besonders bezeichnend, bedeckt mit zahllosen Tropfen ihres eigenen Blutes. MK, I will shed more than my own blood for you. I will hurt others for you to show you how much I truly love you. I can't get enough of you. I need you so bad. I'm nothing without you.
MK, ich würde mehr als nur mein eigenes Blut für dich vergießen. Ich würde anderen wehtun, nur um dir zu zeigen, wie sehr ich dich wirklich liebe. Ich kann nicht genug von dir bekommen, ich brauche dich so sehr. Ohne dich bin ich nichts. Auch Trinity schneidet seinen Benutzernamen in ihre Haut. Nun, wo sein Name auf ihrem Körper zu sehen ist, ist sie sein Eigentum. Nun kann er mit ihr machen, was er will. Er fordert sie auf, ihre Haustiere zu quälen, sie zu töten und auch ihre Mutter anzugreifen.
Wenn alle dann tot seien, dann würde er zu ihr kommen und beide würden auf eine Mordserie gehen, bei der er Frauen entführen, vergewaltigen und dann mit ihr gemeinsam töten würde. Wenn die Cops sie finden würden, dann würden sie sich erschießen. Ein Ende wie Bonnie und Clyde. Ihre Mutter bemerkt die Veränderung ihrer Tochter. Doch hilflos muss sie zusehen, wie der Teenager immer mehr Zeit am Handy verbringt. Sie merkt, dass es Trinity nicht gut geht und vermutet, dass es etwas mit dem Handy zu tun hat. Um ihre Tochter zu schützen, nimmt sie ihr eines Tages das Handy weg. Eine andere Möglichkeit, Trinity von diesem Einfluss fernzuhalten, fällt ihr einfach nicht ein. Doch als sie das Handy in der Hand hat, rastet Trinity vollkommen aus. Sie schreit, brüllt so laut sie kann, sie brauche ihr Handy, sie müsse dort sein, sie würden auf sie warten. Als ihre Mutter hart bleibt, schlägt Trinity weinend und schreiend immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand, reißt sich büschelweise Haare aus.
Erst als ihre Mutter ihr das Handy zurückgibt, um weitere Eskalationen ihrer Tochter zu verhindern, gibt Trinity Ruhe. Diese Szene spielt sich immer wieder im Haus von Trinity und ihrer Mutter ab. Mal nimmt ihre Mutter das Handy weg, mal schaltet sie das WLAN aus, doch Twinities Reaktion ist immer die gleiche. Schreien, weinen, Selbstverletzungen, Anbrochen von noch mehr Selbstverletzungen oder sogar Suizid. Twinities Mutter ist hilflos. Hilflos und voller Angst vor ihrer eigenen Tochter, die sie nun kaum mehr zu kennen scheint. Sie hat Angst, dass Trinity nicht nur sich selbst, sondern auch ihr oder ihren Haustieren etwas antun könnte. In den folgenden Tagen und Wochen schließt sie sich und die Tiere daher nachts im Schlafzimmer ein und legt ein Messer unter ihr Kissen. Tagsüber muss sie weiter Tag für Tag zusehen, wie ihre Tochter von dem lebhaften, fröhlichen kleinen Mädchen zu einer leeren Höhle zerfällt, die nur noch mit dem Handy in der Hand zu funktionieren scheint.
Sie muss zusehen, wie Trinity in Depressionen versinkt, wie sie tagelang das Bett nicht verlässt, sich weigert, ihre Kleidung zu wechseln oder sich zu duschen. Immer wieder versucht ihre Mutter, Hilfe zu holen, scheitert aber. Denn Trinity lehnt jede Art von Hilfeangebot ab. Sie liegt im Bett, schreibt mit MKUltra und weiteren Usern auf Discord, sieht sich ein Gore-Video nach dem anderen an. Manchmal weint sie einfach nur leise vor sich hin. Längst schon steckt sie so tief in diesem Höllenstrudel, dass sie sich sicher ist, nicht mehr rauskommen zu können. Nun ist das wahr. Sie ist der Besitz von MKUltra und seinen Freunden. Diese fordern sie zu immer neuen, immer schlimmeren und demütigenden Dingen auf, verlangen nach Videobeweisen, dass sie sich tatsächlich ein Symbol in die Vagina geritzt hat oder dass das blutige Pentagramm auf ihrer Brust auch wirklich tief genug geschnitten ist. Beweise, dass auf ihrem Bauch MK-Ultra steht und dass ihre Brüste von dem Wort Babygirl bedeckt sind.
Wenn sie sich weigert, drohen sie ihr damit, alle bisher geschickten Videos in ihrer Schule und ihrer Familie zu veröffentlichen. Dann sei sie wirklich wieder ganz allein. Und davor hat Trinity schreckliche Angst. In ihr steigen Gefühle hoch, die überfordernd sind. Sie überschwemmen wie eine riesige Welle. Um sie zu ersticken, nimmt Trinity Drogen. Doch auch die löschen nicht alles aus. Es geht ihr schlechter und schlechter. Langsam, ganz leise, machen sich ernsthafte Suizidgedanken und Pläne in Trinity breit. Im Juli 2021 erreicht sie einen absoluten Tiefpunkt. Sie geht auf Discord live. Dutzende Menschen sehen ihr dabei zu, wie sie nackt im Bad sitzt, ihr Gesicht Tränen überströmt, die Augen verschmiert. Das Wasser der Badewanne ist rot verfärbt von all den neuen Verletzungen und Schnitten, die sie sich gerade zugefügt hat.
MKUltra und andere Member fordern sie auf, vor dem Bad auf alle Viere zu gehen und wie ein Schwein zu quieken. Es ist demütigend und dennoch folgt Trinity den Forderungen ihrer Peiniger. Anschließend versucht sie, sich vor laufender Kamera im heißen Wasser zu ertränken, Doch sie wird dabei gestört Durch lautes Klopfen und Poltern vor der verschlossenen Badezimmertür, Ihre Mutter hat sie gehört, ahnt, dass im Badezimmer etwas Schreckliches vor sich geht Und hämmert ununterbrochen an die Tür Schreit, fleht Trinity an, sie reinzulassen, Und tatsächlich, irgendwann geht die Tür auf Und Trinity steht vor ihrer Mutter, Tränen überströmt, den Körper überseht mit Wunden und Narben, die sie sich selbst zugefügt hat. Ihre Mutter ist schockiert von diesem Anblick. Ohne zu zögern greift sie nach Trinities Arm, zieht sie aus dem Badezimmer und setzt sie ins Auto, um sie so schnell wie möglich ins nächstgelegene Krankenhaus zu bringen. Der dort diensthabende Arzt alarmiert sofort die Polizei und Trinity packt endlich aus. Sie berichtet den Beamten alles, was ihr im Netz widerfahren ist und auch, wer dafür verantwortlich war.
19. September 2023 Das FBI gibt eine offizielle Warnung heraus. Sie warnen vor einem digitalen Netzwerk von Cyberkriminellen, die sich unter dem Namen The Com in verschiedenen Subgruppen wie 404, 8884, Cult, Harm Nation oder auch 764 organisieren. Das FBI warnt Eltern und Jugendliche auf der ganzen Welt davor, dass Mitglieder dieser Gruppen gezielt im Internet junge, vulnerable Menschen in entsprechenden Foren anschreiben, sie dazu bringen, sich in privaten Chats zu unterhalten und entsprechend einer internen Anleitung dazu zu bringen, Dinge zu tun, die eigentlich gegen ihren Willen sind. Es ist eine Anleitung, wie man vulnerable Kinder in den Tod treibt, in der die Mitglieder lernen, dass Minderjährige mit psychischen Störungen und Krankheiten besonders anfällig für Manipulationen sind.
Wie man Zuneigung vortäuscht und die Opfer in seinen Band zieht, um dann diese Aufmerksamkeit in negativen Zwang zu verwandeln und Selbstzweifel zu sehen, um die Person an den Rand einer Borderline-Episode zu bringen und dann fortzufahren, so lange, bis sie zerbrechen. Das Ziel der Täter, in ihrer eigenen Subgruppe die schrecklichsten Bilder liefern, die es je gegeben hat. Die Videos werden ausgetauscht, von Mitgliedern auf der ganzen Welt. Sie erstellen Lorebooks, gesammelte Bilder von Videos, wie Tiere erschlagen werden, wie Schimpfwörter in Haut geritzt werden, wie ein Mädchen gezwungen wird, Rasierklingen zu schlucken, wie ein Junge sich an seinem Kleiderschrank erhängt.
Ein wichtiger Schritt in der Bekämpfung dieses Netzwerks ist die Verhaftung von Bradley Cadenhead im Jahr 2021. Der zum Zeitpunkt der Gründung 15-jährige Teenager ist der Gründer der sadistischen 764-Subgruppe, benannt nach den Anfangsziffern der Postleitzahl seines Heimatorts Stephenville. Cadenhead ist ein Junge, der schon seit seinem achten Lebensjahr online Pornos konsumierte, die gewalttätige Folterbilder und sehr blutige Szenen beinhalteten und diese sogar in den sozialen Medien teilte. Er hat diverse Vorstrafen, darunter die Planung einer Schießerei an einer Mittelschule.
Im Frühjahr 2024 bin ein Cadenhead sich selbst für schuldig und wird zu 80 Jahren Haft verurteilt. Der heute 18-Jährige ist derzeit im Estelle State Prison in Huntsville inhaftiert. Einer der am höchsten gesicherten Haftanstalten in ganz Texas.
Doch was Cadenhead und weitere Gründer dieser Gruppe zum Zeitpunkt seiner Festnahme bereits ausgelöst haben, scheint nicht mehr aufhaltbar. Im Jahr 2023 allein sperrt Discord nach eigenen Angaben 130 Gruppen und 34.000 Konten in Bezug auf 764. Und trotzdem bleibt die Gefahr bestehen. Trotzdem sind da noch weitere junge Männer, die es sich zur Aufgabe machen, Teenager in den Tod zu treiben. Wie beispielsweise Tops, ein junger Deutscher mit Wohnsitz in Rumänien, der sich 764 bereits in den Anfängen anschloss. Von Opfern wird er als Psychopath bezeichnet, als jemand, der Hunde aus dem Tierheim holt und sie aus Spaß zu Tode prügelt. Im März 2022 greift er einen 82-jährigen Mann an und verletzt ihn so schwer, dass das Opfer zwei Wochen lang im Krankenhaus bleiben muss. Zwei Wochen später sticht Dorf eine ältere Frau ein, von der er vermutet, dass sie Roma oder jüdische Abstammung sein könnte. Sie überlebt im Gegensatz zu dem 82-jährigen Mann nicht. Ihre Tötung wird live auf Discord gestreamt.
Dutzende Menschen sehen zu, wie das Blut aus ihrem Körper läuft, wie sie zusammenbricht, hören vielleicht sogar ihre letzten Schreie, Klagen oder Atemzüge. Topps selbst fühlt sich nach dieser tödlichen Attacke wie Gott, wie er kurze Zeit später im Internet behauptet.
2022 wird jedoch auch er verhaftet. Wie schon bei Cadenhead zuvor, werden auch bei ihm Material mit Gewalt in jeder erdenklichen Form, Enthauptungen, Bombenanschlägen und missbrauchten Kindern gefunden.
Im August 2023 wird er wegen des Mordes an der älteren Frau zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Oder Angel Luis Almeida, auf Discord bekannt als Gore Butcher, einen Highschool-Abbrecher aus Oklahoma, Florida, mit einer gewalttätigen Vergangenheit und einem langen Vorstrafenregister. Autodiebstahl, häusliche Gewalt, Einbrüche in Fahrzeuge und bewaffnete Raubüberfälle. Seine Social Media Posts auf Instagram und Facebook bestehen zu einem großen Teil aus ihm selbst, einem jungen Mann, der sich für Schusswaffen, Drogen, Gewaltandrohungen, eine Gruppe namens Orden der Neuen Engel und Kindesmissbrauch interessiert. In mehreren Beiträgen posiert er ohne Hemd mit einem Freund und einer Schrotflinte, trägt eine Totenkopfmaske, die mit mörderischen Neonazi-Gruppen in Verbindung gebracht wird, oder hält eine Handfeuerwaffe in die Kamera. Er postet Videos, wie er lebende Tiere zerhackt und spricht offen darüber, dass er Kinder missbrauchen und töten möchte. Ende Februar 2021 postet er ein Foto eines gefesselten, geknebelten und halb angezogenen jungen Mädchens mit der Bildunterschrift Das Leben war schon immer scheiße. Trotzdem sehe ich die Vergangenheit durch rosarote Brillengläser.
Im Herbst 2021 wird auch er festgenommen. Dass mittlerweile immer mehr auch führende Mitglieder der Gruppierung festgenommen werden, will 764 nicht auf sich setzen lassen. Die Mitglieder wüten in ihren Onlineforen und Gruppen, fordern beispielsweise Almeidas Freilassung und feiern ihn, als es ihm in Haft gelingt, sich ein Handy zu verschaffen und ein Selbstporträt mit nacktem Oberkörper zu posten, während er in der Hand ein selbstgebautes Messer hält. Und auch er selbst scheint in seiner Verhaftung nicht das Ende seiner kriminellen Karriere zu sehen. Er beschimpft die vorsitzenden Richter, schlägt im Gerichtssaal um sich und versucht den eigenen Verteidiger auf der Anklagebank anzugreifen. Er bezeichnet sich selbst als Gott, als Bestie, scheint stolz zu sein auf seine grausamen, sadistischen und pädosexuellen Taten. Bei jedem Termin vor Gericht wird er in der Regel von drei US Marshals eskortiert. Die ihm Hand- und Fußfesseln anlegen. Und dennoch strahlt er eine ständige Bedrohung aus.
Eine der jüngsten Gerichtsverhandlungen beendet er mit den Worten, wenn ich hier rauskomme, bringe ich euch alle um. Ich werde hinter euren verdammten Kindern Herr sein. Am 06.03.2025 gibt das FBI die nächste offizielle Warnung vor 764 heraus. Aus dieser geht hervor, dass 764 trotz aller Bemühungen wächst und immer gefährlicher wird. Dass sich die Meldungen von erpressten, selbstverletzenden und auch toten Kindern häufen, dass 764 mittlerweile sogar als terroristische Gruppe eingestuft wird. Immer wieder werden Befürchtungen laut, in denen spekuliert wird, was die Gruppe als nächstes vorhaben könnte. Was, wenn es beim nächsten Kind nicht darum geht, Suizid zu begehen, sondern darum, die ganze Schulklasse zu erschießen. Wenn 764 auf die Idee kommt, Amokläufe im ganzen Land zu starten, durch Kinder, die glauben, keine andere Wahl zu haben.
Ich muss ehrlich sagen, ich bin so disgustet, so angewidert und gleichzeitig denke ich mir, ich weiß, warum ich in vielen Fällen einfach kein Fan vom Internet bin. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich bin so hin- und hergerissen zwischen, also ich hatte mir das ja auch so ein bisschen angeguckt, aber ich bin so hin- und hergerissen zwischen Ekel. Und ich glaube, ich habe mich selten so doll geekelt vor einer ganzen Gruppe an Menschen. Und Wut, weil ich mir so denke, also alle möglichen Strafen, die aktuell illegal sind, erscheinen mir irgendwie doch im Rahmen des Möglichen. Ich weiß, was du meinst, ja. Und gleichzeitig empfinde ich irgendwie ein gewisses Maß an Ohnmacht. Und das wiederum macht mich dann wieder wütend. Ja, kann ich alles vollkommen verstehen. Mir ging's oder geht's genauso. Es war bei mir einer von diesen Fällen, und das passiert bei uns nicht so oft, wo ich es zwischendurch sehr erleichternd fand, den Computer zuzumachen und vielleicht eine Pause zu machen von dem Falschreiben an sich.
Weil ich diesen Fall einfach wirklich als sehr belastend empfunden habe und sehr bedrohlich auch empfunden habe. Ich glaube, es hat auch was zu tun mit dieser Hilflosigkeit oder Ohnmacht, die du gerade beschrieben hast, weil das ja wirklich, also man liest es oder man hört es und man wünscht sich, dass einfach alle von diesen Typen gefunden werden und einfach wirklich in Haft gesteckt werden Und wenn du die emotionale Maxi jetzt gerade fragst, einsperren und Schlüssel wegschmeißen. Das wünschst du dir in diesem Moment und weißt gleichzeitig, dass da Unmengen an Menschen sind auf der ganzen Welt, die das machen, die das im Verdeckten machen und die einfach jederzeit irgendein Kind im Internet erwischen könnten. Und du kannst nichts machen, denn es gibt ja auch bis heute total wenige Möglichkeiten, auch für Ermittlungsbehörden, irgendwie das im Internet so nachzuweisen, dass diese Menschen dafür verantwortlich sind, dass sich manche Kinder umbringen.
Verstehst du, was ich meine? Also ich muss da an die Pressekonferenz von der Hamburger Polizei im Fall von White Tiger denken. Und da geht es nämlich darum, dass gerade die Ermittlungen laufen, denn das haben wir am Anfang nicht gesagt, aber der Hauptgrund, warum White Tiger verhaftet wurde, ist die Tatsache, dass er einen 13-jährigen Jungen in den USA dazu gebracht hat, sich live umzubringen. Und die Hamburger Polizei sagt halt, ja, wir arbeiten mit dem FBI und alles, aber es ist trotzdem schwierig, also wir bemühen uns mit allem, was wir haben, wir kriegen das hin, aber es wird dauern, bis wir da wirklich die Beweise finden, um das nachweisen zu können, dass dieser Junge sich wegen ihm umgebracht hat, dass es dafür Beweise gibt. Ich finde es so groß, dass es im Internet so schwierig ist, das so nachzuweisen, weißt du, was ich meine? Ja. Ja, ich weiß, was du meinst, weil Weil ich muss gestehen, dass wir uns momentan im Podcast ja häufiger mit dem Internet immer mal wieder beschäftigen. Also wir haben ja immer mal wieder gerade so Touchpoints in Entführungszeichen mit dem Thema Kinder im Internet. Und ich muss gestehen, je mehr ich darüber nachdenke und je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetze, desto größer ist mein eigener Wunsch zu sagen, weil es sind ja alles soziale Medien, Telegram, Discord.
Jetzt Snapchat und so kam da drin nicht vor, aber es ist Social Media im weitesten Sinne, kommt bei mir immer mehr der Wunsch zu sagen, wir brauchen eine Altersbeschränkung für Social Media. Ja. Es war eine, bei der du irgendwie einen Ausweis hinterlegen musst oder so, weil du dann zum einen credible bist, also du musst dich verantworten mit deinem eigenen Account, weil dein eigener Account eins zu eins mit deinem Perso hinterlegt ist und zum anderen, weil ich denke, wir brauchen eine Altersbeschränkung. Also das ist, weil es so schwer nachzuvollziehen ist und weil... Weil du als Eltern, selbst wenn du alles versuchst, glaube ich immer, es gibt immer Lücken. Und natürlich gibt es auch Lücken, wenn du da jetzt deinen Pass hochlädst, dass sich jemand hacken kann. Das hat alles Vor- und Nachteile, alles Herausforderungen. Ich will jetzt gar nicht sagen, ich habe hier den heiligen Grail der Lösungen gefunden. Ich will nur zum Ausdruck bringen, dass ich, je mehr ich mich damit auseinandersetze, immer mehr den Wunsch nach deutlich stärkeren Regularien für Internet- und Social-Media-Nutzung empfinde.
Ja, ich wollte gerade sagen, also eigentlich müsste es ja dann fürs ganze Internet gelten, weil diese Kinder ja nicht nur in Kontakt mit diesen Mitgliedern kommen über keine Ahnung, Instagram oder Discord, sondern es ist ja auch Telegram, es sind irgendwelche keine Ahnung, ich habe zum Beispiel ein Beispiel gelesen, Essstörungsforen, wo sich Betroffene austauschen. Das sind ja einfach, es sind ja so viele, Foren und Seiten, auf die du dann gehen müsstest, Und ja, es ist safe, einfach von der Umsetzung her kaum möglich, vor allem auch, weil ja auch viele Anbieter, wie zum Beispiel Telegram, ja deswegen von Usern geschätzt werden, weil sie sehr verschlüsselt sind, weil sie keine quasi Daten teilen, so zumindest wie ich das von Bekannten von mir gehört habe. Aber ich selbst nutze Telegram wirklich kaum. Also ich bin so ein WhatsApp-Mensch. Aber das wird ja von den Usern gerade geschätzt. Das heißt, Umsetzung wird wahrscheinlich nichts. Aber ich kann das voll verstehen, dieses Bedürfnis. Ich habe das auch. Ich finde es so furchtbar, weil ich mir denke, sie haben sich ja quasi die vulnerabelste Gruppe in unserer Gesellschaft ausgesucht. Ja. Es gibt kaum eine vulnerablere Gruppe.
Die in dieser Mischung oder in diesem, ich will das nicht Sweetspot nennen, aber in diesem Spot sich befindet, wo sie leicht zu manipulieren ist, weil Kind oder Jugendlich, noch leichter zu manipulieren in vielen Fällen, weil psychisch aufgrund von Erkrankungen oder Vorgeschichte angeschlagen oder zumindest vulnerabel und damit leichter beeinflussbar. Und dann auch noch im Internet, wo man sich hinter Anonymität verstecken kann, vielleicht sogar unsicher im Umgang mit den Medien, unsicher im Umgang mit dem Internet, was teile ich, was teile ich nicht.
Und die Tatsache, dass viele von den Kindern in den Foren dann von schwierigen Familienkonstellationen oder einer herausfordernden Vergangenheit berichten, das ist ja, was du gesagt hast, ist, dass sie sich explizit die aussuchen. Heißt auch noch, dass sie potenziell nicht gut in ein Sozialgefüge wie in eine funktionierende Familie eingebunden sind, in der sie den Rückhalt bekommen und in der sie sich darüber austauschen können, was sie im Internet sehen. Und diese Kombination, das finde ich eigentlich das perfideste daran, dass sich explizit diese Menschen aus der Gesellschaft ausgesucht werden und dass das quasi nur deswegen ja überhaupt möglich ist. Du könntest ein solches Netzwerk ja nicht auf Basis von super selbstsicheren, selbstreflektierten, selbstbewussten Erwachsenen aufbauen, die Medienkompetenzschulungen anbieten, weil sie so gut geschult sind. Das würde nicht funktionieren. Und das ist eigentlich das, was ich das Schlimmste daran finde, dass sie so unsichtbar sind und sich dann auch noch Leute raussuchen, die so schwer zu schützen sind. Ja. Und es ist furchtbar. Es ist so furchtbar, was sie mit diesen Kindern und den Jugendlichen im Internet machen. Und ich finde, das Ausmaß an Gewalt.
Wenn du mal überlegst, wie weit du einen Menschen treiben musst, damit er den Kopf seines eigenen Haustiers abbeißt. Das war so schlimm, Alter. Wie? Diese Vorstellung, das gibt ja auch im Internet, zwar zensiert, aber es gibt dieses Video, wo du halt, du siehst dann halt, der Hamster ist geblurrt und wie sie abbeißt, ist dann geblurrt, aber du siehst das Video so. Und das habe ich gesehen und war schon so, boah, das reicht mir eigentlich schon, danke. Also es ist wirklich, so wie du sagst, dieses Ausmaß an Gewalt ist wirklich so grausam und so schockierend, dass es wirklich Menschen gibt, die sich denken, ja, so will ich meine Freizeit verbringen. In meiner Freizeit bringe ich irgendeinen Teenager irgendwo auf der Welt dazu, so schreckliche Dinge zu tun.
Es gab jetzt bei den Tätern hier keine psychisch-schadrischen Diagnosen, die irgendwie vergeben wurden, aber Entschuldigung, normal ist das nicht. Ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Also ich glaube auch nicht, dass es normal normal ist, aber ich glaube, und das ist das, was ich im Internet so bedenklich finde, das Internet schafft eine irre Distanz zwischen Menschen. Wenn du jemanden noch nie live gesehen hast, sondern immer nur auf dem Bildschirm zum Beispiel, dann hast du eine Beziehung zu einer Person, die du eigentlich gar nicht kennst und die du vielleicht auf der Straße auch gar nicht erkennen würdest, je nachdem, die in Realität viel größer oder viel kleiner ist, als du dachtest, die vielleicht eine ganz andere Haarfarbe hat, weil sie im Internet immer eine Perücke trägt, deren Stimme vielleicht in Realität auch anders klingt als über den Bildschirm. Und ich glaube, diese Distanz und die Tatsache, dass du keine, also dass man häufig ja, ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich baue übers Internet und über Bildschirmkommunikation jetzt keine intensive emotionale Beziehung auf.
Nee, aber dennoch ist ja die bewusste Entscheidung, ich möchte jetzt meine Freizeit damit verbringen, jemanden in den Tod zu treiben. Die Frage ist, und damit will ich nicht, um Gottes Willen, verstehe mich nicht falsch, ich will nicht sagen, ich finde es in Ordnung. Nein, nein, nein. Was ich damit sagen will ist, ich weiß nicht, ob dieser Aspekt von jemand tatsächlich so angekommen ist, dass das jemand ist, dass das ein Mensch ist am anderen Ende der Welt. Ja, wahrscheinlich nicht. Aber ich finde also, in meinem, oder wie gesagt, es gab ja keine richtigen psychiatrischen Diagnosen, aber da muss doch, also in meinem Empfinden denke ich mir, irgendwas muss da auffällig sein, dass du dich halt eben dafür entscheidest, dafür deine Freizeit zu nutzen, ob du jetzt wirklich empfindest, dass da ein Mensch sitzt oder nicht. Du weißt ja kognitiv, dass das passieren kann. Also dessen sind sie sich ja bewusst. Sie wissen da, was sie tun. Vielleicht ist diese Entmenschlichung auf jeden Fall, denke ich mal, da und dass es sehr distanziert ist und sehr anonym. Aber dennoch entscheidest du dich ja immer wieder, jetzt deine Energie und deine Zeit darin zu investieren, das zu erreichen.
Und da denke ich mir, also das ist nicht normal. Auf jeden Fall. Mir ging es in erster Linie darum zu sagen, ich weiß nicht, ob da unbedingt psychologische oder psychiatrische Diagnosen bestehen müssen. Dass das nicht normal ist, glaube ich. Die gibt es ja nicht. Also da bin ich bei dir. Ich weiß auch nicht, ob du sie findest, wenn du jemanden von denen begutachtest. Wahrscheinlich würdest du schon ein paar finden. Bestimmt, aber vielleicht nicht bei allen. Und die Frage, die ich mir da, und genau darauf wollte ich hinaus, ja, bestimmt nicht normal. Aber ich glaube, dass nicht alle von denen irgendeine psychische Erkrankung haben, die erklärt, warum man Menschen im Internet dazu bringt. Nee, leider nicht. Also das meine ich auch. Also ich bin mir sicher, dass nicht jeder da so eine Diagnose hat. Das haben wir ja auch hier schon öfter, dass es irgendwie Fälle gibt, wo man sich denkt, Entschuldigung, das kann doch nicht sein. Und da ist aber vielleicht maximal irgendwie eine Akzentuierung da oder sowas. Das gibt es ja immer mal wieder und das ist einfach sowas, was für mich persönlich auch immer so was Frustrierendes hat, dass einfach Menschen, die in Anführungszeichen normal sind, so schreckliche Dinge tun können, obwohl sie nicht krank sind, obwohl es keinen klinischen Grund dafür gibt, dass einfach Leute, die von Psychiatern eingeschätzt gesund im Kopf sind, solche Dinge tun können. Das ist einfach... Für mich ist das...
Ich muss immer an Sozialpsychologie denken bei solchen Fällen, an den ganzen Bereich der Sozialpsychologie, weil ich habe das in der Uni richtig, richtig gerne gemacht, weil es für mich wahnsinnig viel erklärt, was wir nicht bei Einzelpersonen erklären können. Und...
Was ich mir zum Beispiel denke und deswegen halte ich diese Vereinigung auch unter anderem deswegen für so gefährlich und gleichzeitig glaube ich, dass sie aus normalen, in Anführungszeichen, vielen normalen Personen bestehen. Weil ich mir vorstellen könnte, dass wenn du dich, und das ist ja Fakt, unsere Wertevorstellungen und unsere Moralvorstellungen werden in erster Linie geprägt von unserem Umfeld und unserer Kultur. Und wenn ich mich jetzt in einer Parallelgesellschaft bewege.
Und das ist es ja, 764 ist eine Parallelgesellschaft im Internet, dann gelten da andere Moralvorstellungen, andere Wertevorstellungen, andere Vorstellungen von richtig und falsch. Unsere Einstellung von richtig und falsch ist ja auch kulturell gegeben oder juristisch gegeben. Zumindest ist es ein Konstrukt, das wir selber gebaut haben, richtig und falsch. Und ich glaube, das ist irgendwie, und das ist auch das, was ich daran so erschreckend finde, weil für mich diese Netzwerke auch so ein bisschen zeigen, wie fragil unser Wertesystem ist, wenn wir es, also wenn es tatsächlich wachsende Communities im Internet gibt, die aufgrund von Machtgefühl, aufgrund von ich bin der härteste, der krasseste, der allerüberlegenste, ein völlig neues Wertesystem in unserer Gesellschaft aufbauen, das so weit weg ist von uns und Leute dazu bringt, diese Dinge zu tun. Und deswegen könnte ich mir vorstellen, dass viele von denen sicherlich nicht im Normbereich sind und psychologische oder psychiatrische Diagnosen haben. Aber bei vielen von denen kann ich mir auch vorstellen, dass sie mittlerweile einfach Teil dieser Parallelwelt geworden sind, in der unsere Wertesysteme nicht mehr gelten. Weißt du, wie ich meine?
Ja, also vollkommen. Ich weiß, was du damit meinst. Sicherlich haben nicht alle, also wie gesagt, es haben sicher nicht alle psychische Erkrankungen und solche Parallelgesellschaften. Da haben wir auch schon öfter hier mal besprochen, dass es sowas dann gibt. Ich muss auch gerade an so generell, also wir haben ja jetzt noch nicht so viele Fälle über Sekten zum Beispiel gemacht, aber da gibt es ja dann auch teilweise so eigene Wertesysteme. Genau, was mich halt, was mich so ratlos macht, ist dieser Schritt von außerhalb rein und die Entscheidung dazu. Das wäre sowas, was mich zum Beispiel als Therapeutin, wenn ich so in der forensischen Psychiatrie so einen Patienten dann hätte, das wäre so ein Ding, wo ich mich fragen würde, okay, was bringt dich dazu, diese Entscheidung zu treffen, da reinzugehen? Und wenn du dann drin bist und im Strudel drin quasi dieses Wertesystem drin bist und das übernommen hast, dann ist es für mich klarer, warum welche Dinge passieren und warum das so einfach ist. Was mich so ratlos macht und was, denke ich, auch einfach bei Ratlosigkeit bleiben muss, weil wir können es leider nicht alles erklären, ist...
Diese sicherlich auch unterschiedlich motivierte Entscheidung, das zu machen und da jetzt reinzugehen und da jetzt ein Teil von zu werden. Meinst du mit dem, da einsteigen die Tatsache, dass sie quasi sich die Sachen anschauen oder dass sie aktiv werden?
Weil ich persönlich verstehe, warum man anfängt, sich das anzugucken. Und ich verstehe auch, warum man da irgendwie reinrutscht und sich die Nachrichten anguckt. Also was heißt verstehen? Ich gucke es mir nicht an. Ja, aber das ist noch, ja, ja. Also Go-Videos angucken, meinst du? Genau, das kann ich noch irgendwie nachvollziehen. Ja, das kann ich auch noch nachvollziehen. Ich meine die Entscheidung, aktiv zu werden. Denn das ist ja schon eine Hemmschwelle, die du da übertreten musst. Ja, und da, also ich habe persönlich, das ist nämlich auch das, wo ich mir denke, das verstehe ich nicht. Und irgendwie glaube ich, musst du in dem Moment, wo du damit anfängst, schon so viel davon konsumiert haben und so viel mit anderen Leuten zu tun gehabt haben, dass dein eigenes Wertesystem sich verdreht. Ich glaube, anders geht es gar nicht. Aber ich finde es erschreckend, unglaublich erschreckend. Und ehrlich gesagt wünsche ich mir, dass alle der Täter psychiatrische und psychologische Diagnosen haben, weil ich genauso wie du nicht wahrhaben wollen würde, dass Menschen das tun, auch wenn es aufgrund von sozialpsychologischen Elementen, sicherlich eine Menge, Menge, Menge Erklärungen dafür gibt. Aber rein emotional betrachtet, würde es mich einfach trotzdem schockieren. Ja, ich finde es halt auch sowas Bedrohliches zu wissen, dass halt keine psychische Erkrankung der Grund dafür sein muss, sowas zu tun. Das haben wir ja immer wieder gesagt schon im Podcast, dass es einfach sowas...
Empfundenermaßen sowas Bedrohliches hat. Weißt du? Ja. Jetzt haben wir im Fall und jetzt auch hier in unserer bisherigen Diskussion immer nur über 764 gesprochen, diese Subgruppe. Was uns noch wichtig ist, noch mal zu betonen, ist allerdings, dass es nicht nur 764 gibt. 764 ist in diesem Fall exemplarisch für ganz, ganz viele andere Subgruppen, die wir ja auch im Fall benannt haben. Das sind dann zum Beispiel Cult 8884 Harm Nation und die alle haben sich so ein bisschen ein Beispiel genommen an einer größeren ideologischen Bewegung und das ist der sogenannte Order of the Nine Angels.
Kurz O9A und das ist ein ursprünglich britischer satanistischer Kult, der mittlerweile vor allem in so rechtsextremen misanthropischen Online-Kreisen kursiert und der Order of the Nine Angels glorifiziert. Identifiziert Gewalt, Leid und Reinheit durch Zerstörung, Zitat. Seine Anhänger feiern Terror, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch und Mord als Teil eines, wie soll ich sagen, spirituellen Aufstiegs. Ja, genau. Ja, und viele der Symbole oder Texte oder Rituale von Order of the Nine Angels werden von den ganzen Subgruppen, die sich gebildet haben, übernommen. Das heißt, die Grenze zwischen diesem O9A und den Subgruppen verschwimmt manchmal so ein bisschen. Man kann es quasi sagen, All of the Nine Angels ist die Inspiration und die Subgruppen machen dann ihr eigenes Süppchen daraus. Allerdings nicht weniger gefährlich. Das heißt, die Strukturen sind bei allen Subgruppen so ziemlich die gleichen. Diese Lore-Books, von denen ich im Fall berichtet habe, diese Ansammlungen von Gore-Videos, die sind in jeder Subgruppe vorhanden. Und es geht wirklich immer darum, sich halt einfach gegenseitig zu überbieten. Wer hat die grausamsten Bilder?
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe am Anfang erst mal kurz googeln müssen, was genau alles unter Gore-Videos reinfällt. Und habe dann gemerkt, dass ich selbst tatsächlich auch schon mal ein, zwei Mal unbeabsichtigterweise welche gesehen habe. Und ich dachte mir dann, boah, das ist ja wirklich super einfach, da irgendwie reinzurutschen. Denn ich habe noch nie bewusst nach sowas gesucht. Und dennoch bin ich ein, zwei Mal in meinem Leben schon darauf gestoßen, dass ich so ein Video gesehen habe. Ich weiß nicht, wie es dir geht. Hast du schon mal so eins gesehen? Ja, also ich habe mich jetzt nicht mit der Definition von Goal beschäftigt. Ja. Aber ich hatte in meiner späten...
In Schulzeit tatsächlich Leute in meinem Umfeld, die sich ab und zu solche Videos angeguckt haben und dann so meinten, boah, voll krass. Also die irgendwie so sensationsgeil waren. Und da habe ich einmal eins gesehen und dann hat mir, das war so ein bisschen, das war so ein klassisches Beispiel von Neugierde. Da hat mir jemand eine Website genannt und meinte, ja, da hat er die her. Und ich habe diese Website halt nicht vergessen, weil mein Gehirn sich natürlich daran aufgehängt hat. Und irgendwann, ein paar Jahre später, habe ich diese Website dann geöffnet, weil ich immer gesagt habe, ich will mir das nicht angucken, ich will nichts damit zu tun haben. Das ist total abstrus. Und irgendwann habe ich diese Website aber geöffnet und habe mir dann, also die war auch frei verfügbar. weil ich bin jetzt nicht über irgendwie Darknet-Special-Browser, keine Ahnung, da reingegangen. Die sind auch frei verfügbar. Es ist super einfach, an solche Videos zu kommen. Und hab dann da halt Videos gesehen von Steinigungen und von Autounfällen und Fotos von Mordopfern und so was. Und halt alles unzensiert. Und ich war ein einziges Mal auf dieser Website. Und ich glaub, ich war, keine Ahnung, fünf Minuten da drauf oder so. Und hab halt selber gemerkt, dass es in mir drin richtig viel Unruhe auslöst und Angst auslöst und dass ich das gerade aus.
Interesse anschaue und mir selber versuche zu sagen, dass es eigentlich nichts mit mir macht, sondern dass ich mir das einfach angucken kann. Und wenn ich aber ganz ehrlich mit mir selber bin, dass ich mir das gerade nicht angucken sollte und dann habe ich diese Website aus Selbstfürsorge geschlossen und ähm, Habe danach diese Website nie wieder geöffnet, aber ich habe den Namen von der Seite und die Bilder, die ich gesehen habe, auch nie wieder vergessen.
Ja, so ging es mir auch. Bei mir waren es Videos über Kriegsverbrechen, Hinrichtungen und sowas. Und da, ich weiß gar nicht, welche Seite, ich weiß nicht mehr, welche Seite das war. Das war irgend so eine, wo du sowas wie 9gag oder Reddit, wo du so ständig irgendwelche Beiträge siehst und die manchmal auch lustig sind. und zwischendurch wird dann sowas gestreut. Also ich glaube, das fand ich neigegeklappt, das war eher sowas wie Reddit. Aber auf jeden Fall ist es schon wirklich lange her. Und tatsächlich aber hat sich das bei mir auch eingebrannt, dass ich diese zwei Videos, die ich damals gesehen habe, wirklich auch nicht vergesse. Und immer, wenn mir Bekannte irgendwie erzählt haben, dass sie das und das krasse Video irgendwie auf dem Handy haben und da und daher war ich immer so, nee, nee, ist gut, alles gut, behalt für dich. Ich muss es nicht sehen. Von wegen, das gibt mir wirklich gar nichts. Das bringt mir gar nichts, das jetzt anzugucken. Es ist einfach nur schockierend. Ja, in meinem Kopf war halt der Moment, ich habe mir das erst angeguckt und dachte mir so, boah, krass.
Und dann hat mein Gehirn mir quasi wie so einen Zettel zugeschoben. Ja. Und auf diesem Zettel stand drauf, das sind echte Menschen, das weißt du, oder? Und ich war so, oh mein Gott. Das Ding ist halt ja, diese Neugier, die du gerade beschrieben hast, denke mal, das ist bei ganz vielen die Motivation dahinter, so eine Neugier und zu gucken, okay, vielleicht auch wie viel halte ich aus. Andere finden das so krass, ich kann das aber aushalten. Es kann ja auch sein, dass das so ein Ding auch ist oder so ist zumindest mein Eindruck bei Menschen, die das sich angucken, die ich jetzt kenne. Und diese Neugier war auch bei mir am Anfang das, was mich dazu gebracht hat, auf das zweite Video anzuklicken und eben drin zu bleiben.
Aber so ähnlich wie du es beschrieben hast, kam bei mir dann halt später so ein, boah, das tut mir echt wirklich gar nicht gut und ich mag das gar nicht und es baut in mir voll die Anspannung auf. Und dann auch damit verbunden die Frage, ja, wozu sollst du es dir auch anschauen? Warum soll ich mir das? Was bringt dir das? Wirklich Minus, gar nichts. Ja, und das dachte ich mir in dem Moment halt auch, dass ich dachte, boah, wenn mir ein Autounfall passieren würde, würde ich wollen, dass irgendjemand sich im Internet meinen schwer verletzten Körper anschaut. aus Sensationsgeilheit. Und das war so der Moment, in dem ich mir so dachte, das finde ich furchtbar.
Übrigens ist es gar nicht so ungewöhnlich, was Maxi und ich gerade beschreiben, mit der Frage, ob jemand schon mal Gore-Videos gesehen hat und warum man sie anschaut. Es gibt tatsächlich unterschiedliche Studien, die unterschiedliche Motive belegen, sich diese Art von Videos anzuschauen. Zum einen Neugier und Sensation-Seeking, also so Sensationssuche. Das haben wir beide ja schon genannt gerade. Aber auch Gruppendruck. Wenn zum Beispiel in einer Gruppe von Leuten so ein Video gezeigt wird, dann dreht man sich nicht um und geht weg oder sagt nicht, warum gucken wir das, sondern man guckt weiter mit. Oder auch die Lust am Verbotenen. Also, dass man sich was anschaut, was man sich nicht anschauen sollte. Aber die Studien belegen eben auch die Risiken davon, wenn man sich regelmäßig solche Videos anschaut. Und zwar kann es natürlich dazu führen, dass Leute davon traumatisiert werden. Also man kann durch das Anschauen eines solchen Videos ein Trauma bekommen oder eben auch bei regelmäßigem Konsum abstumpfen. Weil das natürlich, wir haben das schon ganz oft behandelt in dem Podcast, zu einem Gewöhnungseffekt kommen kann. Je länger ich mir etwas angucke, desto mehr empfinde ich es als normal.
Und ich glaube, ein großer Punkt davon, dass wir beide diese Anspannung empfunden haben und uns gesagt haben, aus Selbstfürsorge gucke ich mir das nicht weiter an, hat etwas damit zu tun, dass wir diese Dinge nicht oft sehen. Wenn wir da jetzt drauf geblieben wären und die Anspannung ausgehalten hätten, würde die Anspannung wahrscheinlich irgendwann abnehmen. Das macht man sich ja bei Phobien zum Beispiel zunutze, wenn man sagt, wenn die etwas Angst macht, immer wieder damit konfrontiert sein, dann lässt die Angst nach. Fun Fact, das funktioniert auch bei sowas wie Gore-Videos, aber da ist es nicht unbedingt das, was wir erreichen wollen. Also der Grund, warum sich manche Menschen oder warum sich Menschen Gore-Videos angucken, ich denke, das ist was, was für viele auch nachvollziehbar ist. Wie gesagt, ich glaube, dass total viele in ihrem Leben schon mal aus Neugier auf eins geklickt haben und viele Menschen schauen sich das ja auch an. Also ich meine, es gibt ja, wie gesagt, wir kennen ja beide in unserem Bekanntenkreis Menschen, die sich solche Videos auch mal anschauen. Und es ist ja was, was auch für uns beide durchaus nachvollziehbarer ist.
Und jetzt gibt es aber auch, gerade in Bezug auf unseren Fall, sicherlich einige Menschen, die jetzt, wenn wir mal einen Schritt weiter gehen, von den Gore-Videos eben zu dem ganzen Prozess, der dann zwischen den Jugendlichen und den Tätern abläuft, diese emotionale Bindung und den Jugendlichen dazu zu treiben, schreckliche Dinge zu tun. Da gibt es sicherlich Menschen, die sagen, ja, warum machen diese Jugendlichen nicht einfach das Handy aus? Die merken doch, dass es ihnen nicht gut tut. Die merken doch, dass das dann Menschen sind, die ihnen schaden wollen. Und für uns war es ganz wichtig, heute darüber zu sprechen, wieso machen Kinder oder die Jugendlichen in diesen Fällen nicht einfach den Chat so und das Handy aus. Wir möchten darüber sprechen, dass es nicht daran liegt, dass sie einfach irgendwie schwach sind oder irgendwie doof sind oder was weiß ich, welche Erklärungen da irgendwie vielleicht manchmal genannt werden, sondern dass das wirklich einem sehr perfiden Plan, einem sehr perfiden Prozess unterliegt, der dazu führt, dass es wirklich alles andere als einfach für diese Kinder ist, da einfach auszusteigen und abzuschalten.
Täter in diesen Subgruppen, wie jetzt im Fall von 764, bauen die Kontrolle über die Jugendlichen schrittweise auf. Es beginnt am Anfang harmlos, haben wir im Fall so ein bisschen dargestellt. Jemand schreibt, hey, du bist ganz nett, willst du nicht mal reden? Oder hey, ich habe auch sowas erlebt, wollen wir mal quatschen? Es gibt, dann wird Aufmerksamkeit gegeben, Anerkennung.
Vielleicht hat der Jugendliche, wie jetzt bei uns in dem Beispiel Eve und Trinity, das Gefühl, dass endlich mal jemand wirklich einem zuhört und wirklich vielleicht auch wertfrei einem zuhört.
Und gerade für junge Menschen, die sich da einsam fühlen oder das Gefühl haben, zu Hause nicht mit dem gesehen zu werden, was sie sich wünschen, kann das wie so ein richtiger Lichtblick wirken, da jetzt endlich jemanden zu haben, der für einen da ist. Dazu kommt, dass ja gerade in der Pubertät sich alle Dinge eigentlich verändern. Der Körper verändert sich, das Selbstbild, die Freundschaften, die sozialen Beziehungen, vielleicht auch die eigenen Werte werden nochmal gechallenged und andere Gruppen werden plötzlich wichtiger als die Familie. Also der Einfluss von Peergroups, von Gleichaltrigen wächst und der Einfluss der Familie lässt nach. Und das ist im Grunde ja ein, wenn auch sehr anstrengender, aber auch sehr schöner Prozess, denn es ist der Moment, in dem aus dem Kind, aus dem Jugendlichen quasi ein Erwachsener wird, der nach seiner eigenen Identität sucht und versucht herauszufinden, hey, wer bin ich eigentlich? Wer möchte ich sein? Und dazu gehört natürlich, dass genau an diesem Zeitpunkt im Leben eine unglaubliche Unsicherheit bezüglich der eigenen Person besteht. Und dass es ganz wichtig ist, Bestätigung zu erfahren und das Gefühl zu haben, dass man richtig ist, dass man dazugehört, dass man gesehen wird, dass man wertvoll ist. Und dass die eigene Meinung und die eigenen Gefühle und die eigene Perspektive wichtig sind.
Und insbesondere an dieser Stelle ist das für Jugendliche natürlich umso herausfordernder, wenn primäre Bezugspersonen, also zum Beispiel Eltern, Großeltern oder Lehrer, um jetzt mal Lehrer mit da einzubeziehen.
Emotional nicht verfügbar sind. Also wenn ein Kind nicht das Gefühl hat, dass es eine Bezugsperson hat, von der es gesehen wird, bedingungslos geliebt wird, bestätigt wird und mit der es ehrlich und offen sprechen kann. Und das Ganze ist natürlich noch viel herausfordernder, wenn das Kind oder der Jugendliche zu Hause Missbrauch jeglicher Art oder Misshandlungen erlebt, weil dann natürlich jede Form von Zuwendung von außen als Rettung wahrgenommen werden kann.
Also wenn ich das Gefühl habe, ich bin in meiner eigenen Familie nicht willkommen, ausgeschlossen, werde vielleicht sogar misshandelt, dann ist es umso einfacher für jemand Externen, mir das Gefühl zu geben, dass er oder sie jetzt die oder derjenige ist, der mich retten wird, der mich hier rausholt, der endlich mal zuhört, der endlich mal versteht. Ja, aber an der Stelle ist natürlich auch wichtig, dass das nicht unbedingt nur passieren muss, weil es Missbrauch oder Misshandlung in der Familie gibt. Es reicht in vielerlei Hinsicht, wenn sich die Person in der Pubertät befindet, weil allein das schon für sehr, sehr viel Unsicherheit sorgt. Und wir haben es in einigen unserer Podcast-Folgen schon mal gesagt, die Pubertät und die Emotionalität während der Pubertät kann an bestimmten Stellen an eine psychische Erkrankung heranreichen, die nicht darin begründet ist, dass die Leute psychische Erkrankungen haben, sondern dass sie sich in der Pubertät befinden. Also es ist einfach alles sehr fragil, sehr vulnerabel. Und wenn, was ja leider immer häufiger vorkommt.
Diese jugendlichen Personen dann tatsächlich noch an Depressionen oder an Ängsten oder an Traumata oder Essstörungen leiden, dann sind sie natürlich umso vulnerabler, weil sie sich dann oft, das korreliert ja miteinander, als wertlos oder zu viel oder nicht liebenswert oder nicht interessant oder falsch.
Und dann ist natürlich die Offenheit, jemandem das Herz auszuschütten, der einem das Gefühl gibt, dass er zuhört und dass er ihn wichtig findet, umso stärker vorhanden. Und dazu kommt, das habe ich gerade schon so ein bisschen angesprochen, dass ja gerade in jungen Jahren, während der Pubertät, unser Gehirn zum einen noch lange nicht ausgereift ist und zum anderen sehr, sehr viel über den emotionalen Part läuft. Also das Thema Rationalität, der präfrontale Kortex, da passiert in dieser Zeit einfach noch sehr, sehr viel Entwicklung. Was bedeutet, dass es für Jugendliche umso schwerer ist, rein rationale Entscheidungen zu treffen? Und sich dementsprechend sehr schnell auch in emotionale Situationen vertiefen können. Also ganz einfaches Beispiel, denkt einfach an eure eigene Pubertät, eure eigene Jugend und daran, wenn es Streit mit der besten Freundin gab oder mit der Clique. Das war der absolute Weltuntergang. Das Ende von allem und es wird nie wieder schön. Der erste Herzschmerz war das Schlimmste, was einem passieren konnte. Ich weiß noch, dass ich bei meiner allerersten Trennung dachte, ich sterbe. Also nicht, weil ich mir selber was antun wollte, sondern weil ich dachte, so viel emotionalen Schmerz kann kein Mensch aushalten.
Und wenn ihr euch das vorstellt, dann ist es nur allzu nachvollziehbar, dass wenn man sich aus dieser emotional sowieso schon vulnerablen Gruppe jetzt auch noch die Vulnerabelsten herauspickt und denen Aufmerksamkeit und Zuwendung und ein offenes Ohr gibt, wo sie sonst keins finden, dass das der perfekte Nährboden ist für emotionale Abhängigkeit. Daraus entwickelt sich dann ein Gespräch. Das Gespräch ist meistens vertraut, manchmal auch liebevoll. Der Täter gibt sich als Freund aus, als Seelenverwandter, manchmal auch als romantischer Partner. Es entsteht Vertrauen und damit bekommt der Täter quasi wie das Tool in die Hand, die Manipulation starten zu können. Es wird dann gefordert, Bilder zu schicken.
Am Anfang auch wieder harmlose Bilder und dann aber auch, wie wir es im Fall von Eve zum Beispiel gesehen haben, Nacktbilder zum Beispiel, Bilder, mit denen eine Erpressung stattfinden kann. Und sobald diese Bilder da sind, geht es weiter, dass noch mehr Bilder gefordert werden. Und diese Nähe, die sich aufgebaut hat, die sich erst schön angefühlt hat, schlägt dann in Angst um. Dann kommen dann solche Nachrichten wie, wenn du das nächste Bild nicht schickst, dann veröffentliche ich das erste. Ich weiß, wie dein Bruder heißt, wie im Fall von Eve. Ich weiß, wo du zur Schule gehst. Ich komme einfach vorbei und... Die Drohungen wirken für die Teenager und für die Jugendlichen so real, weil sie es ja auch tatsächlich sind. Also die Täter sind vor allem in diesem Fall dieser Online-Netzwerke technisch sehr versiert. Sie wissen, wie man Daten findet. Sie finden dann teilweise auch Dinge, die die Kinder ihnen vielleicht noch gar nicht erzählt haben, sondern die sonst irgendwie im Social Media mal veröffentlicht wurden. Und das gibt den Jugendlichen dann auch teilweise das Gefühl, okay, dieser Mensch weiß total viel über mich. Ich habe ihm total viel über mich gegeben. Er hat Nacktbilder von mir, wo, wenn wir jetzt nochmal auf dieses Pubertätsthema gehen würden, wenn ich damals in der Pubertät mir vorgestellt hätte, dass jemand Nacktbilder von mir veröffentlicht, das wäre eine absolute Katastrophe gewesen. Das wäre, also das ist wie so der Weltuntergang, wenn ich mir denken würde, dass meine Mitschüler dann zum Beispiel das sehen würden.
Also einfach nur nochmal, um es zu verdeutlichen, in der Pubertät ist es nochmal schlimmer empfundenermaßen, als es jetzt im Erwachsenenalter zum Beispiel wäre. Und die Tatsache, dass der Täter da so allmächtig erlebt wird, führt auch dazu, dass das Kind... Oder der Teenager der Meinung ist, okay, ich kann da gar nichts machen, egal was ich mache, diese Person sieht es, sie bekommt es mit, sie hat die komplette Kontrolle und daraus entsteht eine totale Ohnmacht, gepaart mit dem Wunsch, weiterhin die Nähe zu dieser Bezugsperson, zu diesem Täter eben zu halten, den sie als Bezugsperson wahrnehmen. Die Angst, diese Person zu enttäuschen, zu vertreiben oder sie dazu zu bringen, sie zu verlassen. Und aus diesen ganzen Gefühlen zusammen entsteht dann so ein festes Konstrukt von Schweigen, Angst, Scham.
Dass, würde ich sagen, die Jugendlichen einfach wirklich irgendwann gefangen sind, Dinge tun, die sie nie tun würden, sich verletzen, Befehlen folgen. Und das Perfide daran ist, je weiter sie gehen, desto schlimmer wird es, desto stärker wird die Scham, desto stärker wird die Angst, desto stärker wird das Gefühl, ich kann eh nichts machen, ich bin da jetzt drin und ich bin gefangen. Und sie glauben, sind einfach irgendwann davon überzeugt, dass es keine andere Lösung für ihre Situation gibt, als das zu tun, was von ihnen verlangt wird. An der Stelle möchte ich gerne nochmal betonen, dass man in solchen Situationen ja schnell sagen kann, naja, warum hat das Kind denn Angst, sich den Eltern zu öffnen? Es gibt Kinder und Jugendliche, die sind so offen mit ihren Eltern, dass sie darüber reden würden und sagen würden, hey, ich habe ein Nacktbild verschickt und ich werde damit erpresst und ich weiß nicht, was ich machen soll und ich habe Angst. Aber es gibt ganz, ganz, ganz viele Familien und das muss nicht mal eine Missbrauchsfamilie oder eine dysfunktionale Familie sein, damit das Kind das nicht anspricht. Das kann in jeder gesunden Familie passieren, dass das Kind, wo vielleicht einfach Sexualität ein bisschen tabuisiert wird, was ja an sich kein Weltuntergang ist, aber es sorgt in dem Moment dafür, dass das Kind sich denkt, okay, darüber kann ich nicht reden. Wie soll ich das jemandem sagen? Das ist so peinlich. Und da kommen wir wieder auf das Thema Pubertät. Peinlich. Richtig.
Natürlich hängt es dann auch so ein bisschen davon ab, wie viele Bezugspersonen hat man noch um sich herum. Aber vielleicht erinnert ihr euch, dass ich direkt nach dem Fall gesagt habe, dass ich es so perfide finde, dass sich die Täter gerade die ausgesucht haben, die sowieso schon vulnerabler sind aufgrund von psychischen Erkrankungen, Missbrauchserfahrungen oder instabilen Familienverhältnissen. Und dann, finde ich, erklärt es das nochmal mehr, warum gerade diese Kinder keine Bezugsperson haben, mit der sie darüber reden können. Also weshalb es für die nochmal schwerer ist, als für jeden anderen Teenager in einer solchen Situation, der sich überwinden muss, seinen Eltern zu sagen, ich habe ein Nacktbild verschickt und ich werde im Internet erpresst. Und gerade in dem Moment, wo man die andere Person als allmächtig empfindet und vielleicht die Eltern nicht als so mächtig empfindet, auch das kann schon dazu führen, dass Kinder ihre Eltern vielleicht auch nicht mit reinziehen wollen. Vielleicht haben sie auch in manchen Situationen Angst um ihre Eltern. Also long story short, mir ist einfach nur wichtig zu sagen, die Tatsache, dass das passiert, hängt nicht immer damit zusammen, dass die Eltern für das Kind keine Ansprechperson sind. Sondern es kann auch aus ganz anderen Gründen und ganz anderen Dynamiken dazu kommen, dass Kinder solche Dinge nicht offenbaren.
Die Frage, die ich mir während des Falls gestellt habe und die sich vielleicht auch einige von euch gestellt haben, ist, bei Trinity war es ja zum Beispiel so, dass sie mit MKUltra angefangen hat zu schreiben, obwohl sie schon Videos von ihm gesehen hatte. Also sie hat schon gesehen, was er mit anderen Usern veranstaltet hat online. Und trotzdem hat sie sich darauf eingelassen, mit ihm zu schreiben. Und ich könnte mir vorstellen, dass ich, oder wir können uns vorstellen, dass sich viele von euch fragen.
Warum schreckt es diese Jugendlichen nicht ab, wenn sie doch schon sehen, wozu diese Leute andere Menschen bringen? Und darüber haben wir uns Gedanken gemacht und wollen dazu so ein bisschen was sagen. Zum einen, glaube ich, hängt das ganz viel mit dem Thema Normverschiebung und Abstumpfung zusammen, was wir vorhin schon angesprochen haben. Wenn es in Online-Communities regelmäßig Gewalt und Verbreitung von Gewalt gibt, dann tritt dieser Gewöhnungseffekt ein. Das heißt, es wird vollkommen normal. Wenn solche Inhalte regelmäßig geteilt werden, wird es irgendwie normal. Die moralischen Standards verschieben sich und selbst die Opfer, Berichten später, dass das Umfeld diese Gewalt nicht als Tabubruch wahrgenommen hat, sondern irgendwie als Herausforderung, ob man das selber auch könnte oder auch als Content. Einfach ganz normal ist halt Social Media Inhalt. Ist halt interessant, mir das mal anzugucken, weil es diese emotionale, heftige Reaktion nicht mehr gibt. Und das ist so eine Sache, die wir uns überlegt haben, weshalb Trinity trotzdem mit MK Altschresch schreibt. Das Zweite ist, was ich mir vorstellen könnte, ist das Thema sozialer Druck und Isolation.
Weil in dem Moment, wo er sie anschreibt, und sie ist schon Teil von dieser Community, auch wenn sie selber nie Videos oder Ähnliches postet, und sie widersetzt sich ihm, dann befürchtet die Person vielleicht auch, dass sie ausgegrenzt wird aus dieser Gruppe, aus diesem Kreis, in dem dieser Content kursiert und dann nicht mehr Teil dieser Peergroup ist. In dem Moment, wo sich diese Normverschiebung schon Bahn gebrochen hat, will man natürlich dazugehören, weil man denkt, es wäre irgendwie cool oder es wäre wichtig, dazuzugehören. Wir erinnern uns, Pubertät ist wichtig, dazuzugehören. Es gibt ein paar der Opfer von dieser Online-Community, die gesagt haben, dass sie das Verhalten der User komplett ausgeblendet haben, während sie mit ihnen schreiben, einfach nur um diese Beziehung aufrechterhalten zu können. Also sie spalten quasi den Teil von beispielsweise MKUltra ab, der diese Videos produziert und fokussieren sich nur auf das, was positiv an ihrer Erfahrung mit dieser Person ist. Und alles andere wird quasi ausgeblendet.
Das kennt man aus vielen anderen Mechanismen auch, beispielsweise in toxischen Beziehungen in der Realität, dass in den positiven Momenten alle Dinge, die schlecht sind, ausgeblendet werden. Das sind ganz klassische psychische Schutzmechanismen, wie beispielsweise Verdrängung oder Vermeidung. Von daher, das kennt wahrscheinlich jeder von uns, auch aus eigener Erfahrung jetzt im leichteren oder im stärkeren Sinn. Und das Letzte, was ich persönlich eigentlich das schockierendste finde, ist die Unsicherheit von Usern, wie sie damit umgehen sollen.
Ganz viele von den Jugendlichen und auch den Kindern, und das darf man ja nicht vergessen, das sind keine Erwachsenen, wissen einfach nicht, wie sie damit umgehen sollen. Sie wissen nicht, was sie tun sollen. Sie gucken sich diese Videos an und werden dann von dem Täter angeschrieben und wissen nicht, was sie tun sollen. Wie sie sich verhalten sollen, ob sie mit Strafen zu rechnen haben, wenn sie nicht antworten, ob sie davon ausgehen müssen, dass der Täter mehr über sie rausfinden wird, wenn sie nicht antworten. Das heißt, es besteht im Grunde schon so eine Art sozialer Druck, auf diese Nachricht zu antworten und dann ist der Täter plötzlich total nett und interessiert sich und ist auch so charmant. Und dann kommen diese Mechanismen von Ausblendung beispielsweise und Verdrängung treten hervor und dann geht's los. Dann entsteht da eine Kommunikation, dann entsteht ein Gespräch und dieses Gespräch befriedigt das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und nach Bestätigung. Und dann befinden wir uns quasi schon auf dem Weg in diesen Teufelskreis. Also das ist jetzt natürlich eine sehr einfach dargestellte Antwort darauf, aber das ist so ein bisschen das, was wir uns überlegt haben, was wir uns vorstellen könnten.
Warum Kinder und Jugendliche in dem Moment nicht einfach sagen, MKUltra, oh mein Gott, auf gar keinen Fall, antworte ich dir, ich habe deine Videos gesehen. Jetzt haben wir ganz viel darüber gesprochen, warum das nicht so einfach ist für die Kinder und Jugendlichen, da einfach die Grenze zu ziehen und zu sagen, nee, mache ich nicht.
Wir könnten uns vorstellen, dass das, was natürlich jetzt auch viele von euch beschäftigt, ist auch die Frage, okay, wenn ich jetzt selbst wenn ich Elternteil bin, wenn ich jetzt selbst vielleicht auch schon Kinder habe oder irgendwann mal Kinder bekommen möchte, was kann ich denn machen, um dem vorzubeugen, also quasi um alles dafür zu tun, dass wenn mein Kind in so eine Situation kommt, dass es sich mir öffnen könnte und dass es eben da Hilfe holen könnte, dass es das Gefühl hat, dass es da aufgehoben ist. Wie jetzt dann in diesem Satz schon angekündigt, geht Prävention nicht mit Kontrolle los, also es würde wenig Sinn machen, da ständig von eurem Teenager das Handy irgendwie zu kontrollieren, in alle Apps zu gehen und alle Chats zu lesen, sondern da ist viel eher eine.
Eine enge und vertrauensvolle Beziehung wichtig. Das Allerwichtigste dabei ist, dass ihr früh anfangt, mit euren Kindern zu sprechen und es auch regelmäßig macht. Fragt nach, was sie online machen, was sie daran mögen, was sie online sehen, was für Videos, ob sie mal was Komisches erlebt haben. Das Ganze nicht werten, sondern wirklich einfach nur, okay, es interessiert mich einfach, was du guckst, was du siehst und das ist erstmal alles einfach halt da. Ja, Kinder öffnen sich nämlich, wenn sie merken, dass Eltern zuhören und das nicht direkt irgendwie in gut und schlecht einordnen oder eben nicht direkt, ich sag's mal so in Kinderworten, nicht direkt ausflippen. An der Stelle erinnert ihr euch vielleicht an den Online-Trend, we listen and we don't judge. Oh ja, we listen and we don't judge. Sehr schön. Also wir hören zu und wir verurteilen nicht. Genau.
Außerdem ist es hilfreich, wenn ihr die digitalen Räume kennenlernt, die entweder jetzt oder dann vielleicht irgendwann zu einem Zeitpunkt, wo es für euch, für eure Kinder relevant wird, die da dann gerade populär sind. Aktuell werden das Plattformen wie Discord, Roblox oder TikTok. Und auch wenn ihr da kein Interesse dran habt, ist es total wichtig, dass ihr wisst, wie die funktionieren und was da so passiert. Denn nur wenn ihr so ein bisschen eine Ahnung davon habt, könnt ihr auch richtig nachfragen und auch verstehen, was eure Kinder euch da erzählen und damit auch wirklich schützen. Außerdem, das ist jetzt nicht nur für die Gefahr von 764 oder Online-Grooming generell wichtig, dass ihr schaut, dass ihr die Person seid, die den Selbstwert eures Kindes stärkt. Also Dinge sagen wie, du bist wertvoll, du musst dir deine Aufmerksamkeit nicht von irgendjemandem verdienen oder erkaufen, du bist gut, so wie du bist und auch du bist nicht schuld, wenn dir jemand was antut. Und wir haben hier auch schon ein paar Mal darüber geredet, auch über sexuelle Aufklärung bei Kindern, dass man die auch schon sehr früh starten sollte. In dem Sinne von wegen, hey, das ist dein Körper. Niemand darf deinen Körper einfach anfassen. Auch Erwachsene dürfen dich nicht einfach da anfassen.
Wenn das und das passiert, ist es nie deine Schuld. Du darfst immer mir das erzählen und das eben auch ausweiten auf den Bereich Internet. Es ist nicht deine Schuld, wenn jemand dir was antut oder wenn jemand dich zu irgendwas bringt. Du kannst immer mit mir sprechen.
Also einfach, dass man da diesen Schamaspekt ein bisschen so weit wie möglich wegnimmt und das Gefühl gibt, hey, wenn dir Dinge passieren, das ist okay. Bei mir ist der Safe Space und du kannst mit mir darüber sprechen. Was an der Stelle, denke ich, auch noch ganz wichtig ist, ist, dass in meinem weiteren Umfeld ich mich mal mit ein paar Eltern unterhalten habe dazu in so einer größeren Runde und da ging es häufig darum zu sagen, ja, aber ich will meinem Kind ja keine Angst machen. Es ist wichtig, und das ist ein Unterschied, man soll den Kindern nicht sagen, oh mein Gott, auf der Straße könnte dich jede Sekunde einen Lieferwagen schnappen und dich von mir wegreißen und dann ist da jemand drin, der dich ermordet. Das nicht. Aber es ist wichtig, dass Kinder wissen, dass es Erwachsene gibt, die sich gefährlich verhalten können. Und zwar sowohl im Internet als auch im Real Life. So wie unsere Eltern, als wir klein waren, uns gesagt haben, du steigst zu niemandem ins Auto. Du gehst mit niemandem mit, auch wenn er dir Babykatzen verspricht. Du gehst nicht mit. Und es wird dich nie jemand anders vom Kindergarten oder von der Schule abholen. Wenn ich das nicht bin, weißt du das vorher. Wenn ich nichts gesagt habe, habe ich diese Person nicht geschickt. Und im Grunde genau das Gleiche müssen Kinder auch über das Internet wissen. Dass es im Internet Erwachsene gibt, die sich als Kinder oder Jugendliche ausgeben und die gefährliche Dinge tun und gefährliche Dinge verlangen. Und das hat nichts mit Panikmache zu tun, sondern mit Aufklärung.
Ja, und auch vielleicht in dem Fall von 764, dass es auch nicht nur Erwachsene sein können, sondern einfach auch noch Minderjährige. Denn gerade habe ich daran gedacht, dass Bradley Cadenhead ja 15 war, als das Ganze losging. Das ist crazy. Das ist wirklich crazy. Die armen Eltern. Stell dir vor, du bist seine Eltern.
Da stellst du dir ja auch die Frage, was habe ich in meinem Leben alles falsch gemacht? Also nicht, dass ich sagen will, dass das der Fall ist, aber die Frage stellt man sich bestimmt. Bestimmt, aber ich würde jetzt mal vorsichtig sagen, dass ich glaube, dass da auch nicht alles so heile war, weil da ja sehr auffällig auch schon im frühen Kindesalter war. Und nicht immer, ich weiß nicht immer, aber in den meisten Fällen ist da dann schon irgendwie was im Argen.
Was auch noch für die Prävention sehr wichtig wäre, ist, dass ihr gemeinsame Regeln vereinbart, da vielleicht dann nicht nur Bildschirmzeiten, wichtig auch wirklich gemeinsam, dass ihr quasi nicht einfach nur sagt, du machst das jetzt so und so, sondern dass es eine gemeinsame Verbindlichkeit ist. Da könnten neben Bildschirmzeiten dann sein, keine Chats mit Fremden, keine Heimlichkeiten vielleicht. Je nachdem, das müsst ihr dann mit euren Kindern besprechen. Grundsätzlich gilt, je sicherer eure Kinder an euch emotional gebunden sind oder generell emotional gebunden sind, desto weniger haben Täter Chancen, eure Kinder so quasi in ihren Band zu ziehen, wie es in unserem Fall heute der Fall war. Es gibt einige Anzeichen, auf die ihr achten könnt, um herauszufinden, ob bei eurem Kind möglicherweise gerade in der Online-Präsenz irgendwas passiert, das da nicht passieren sollte. Viele Kinder erzählen nicht sofort, wenn etwas Merkwürdiges passiert, entweder aus Scham oder aus Angst. Vielleicht hängen sie emotional schon irgendwie drin oder sind selber noch dabei, das Ganze für sich einzuordnen und zu verarbeiten. Und nochmal ganz kurze Verdeutlichung. Das bedeutet nicht, dass ihr zwangsweise irgendwas falsch gemacht habt, wenn euer Kind euch das nicht sofort erzählt. Also das ganz deutlich nochmal, wir haben es vorhin schon mal gesagt, das heißt nicht, dass ihr einen Fehler gemacht habt. Es kann sein, dass euer Kind es euch trotzdem nicht erzählt. Das ist keine Garantie, auch wenn ihr alles gemacht habt, was in eurer Macht stand.
Trotzdem kann es passieren und deswegen ist es auch einfach wichtig zu beobachten.
Ihr könnt auf beispielsweise diese Warnzeichen achten, wenn eure Kinder sich plötzlich zurückziehen, gereizter sind als sonst, nervöser wirken als sonst, vielleicht weniger schlafen, schlechter schlafen, weniger essen, wenn die Stimmung plötzlich hoch und runter geht. Kleiner Disclaimer an der Stelle, das ist in der Pubertät prinzipiell nichts Ungewöhnliches, aber ihr werdet selber merken, wenn diese Stimmungsschwankungen extremer werden, als sie sonst sind. Euer Kind hängt ständig am Handy, vor allem abends oder nachts, weil da einfach quasi die heiße Phase in allen möglichen Chatforen beginnt.
Euer Kind löscht regelmäßig Chatverläufe oder wird sehr geheimniskrämerisch. Es reagiert abwehrend, wenn man nach Kontakten im Internet fragt. Du selber findest irgendwelche Namen oder Begriffe in den Verläufen deines Kindes oder in, manchmal gibt es ja so mit Eltern verbundene Accounts und du findest da irgendwas, was dir merkwürdig vorkommt oder verstörend vorkommt. Und in manchen Fällen vielleicht stellst du irgendwelche körperlichen Auffälligkeiten fest, wie blaue Flecken, Schnitte oder dass euer Kind plötzlich oder dein Kind plötzlich regelmäßig Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen hat. Kein einzelnes Anzeichen ist irgendein Beweis, aber auch da gilt, je mehr Hinweise kombiniert sind, umso merkwürdiger es dir vorkommt, desto alarmbereiter solltest du quasi sein. Und jetzt ist natürlich die wichtige Frage, was mache ich jetzt?
Das Allerwichtigste ist, ruhig bleiben. Nicht sofort hochstürmen oder ins Zimmer stimmen und sagen, Leander, Andreas, was habe ich da gesehen? Sondern Beziehung anbieten. Maxi, du hast es vorhin schon gesagt, Prävention läuft über Beziehung, auch Intervention läuft über Beziehung. Beispielsweise so Sachen wie, hey, mir ist aufgefallen, dass du dich irgendwie verändert hast. Du schläfst weniger, isst weniger, was auch immer. Ich mache mir ehrlich gesagt Sorgen, nicht weil ich dir misstraue, sondern weil ich dich liebe.
Und darüber ein Gespräch anfangen oder zu sagen, hey, du musst mir nicht erzählen, was passiert ist. Du musst mir nicht erzählen, was gerade los ist, wenn du das nicht möchtest. Aber mir ist wichtig, dass du weißt, egal was ist, du bist nicht alleine. Egal was ist, ich liebe dich. Und egal was ist, du kannst mir alles erzählen. Und es gibt nichts, wofür du dich schämen musst. Also einfach die Hand quasi reichen, das Gespräch anbieten und wenn euer Kind sich dann öffnet und etwas erzählt, was passiert ist, vielleicht auch etwas erzählt, wo es selber einen Fehler gemacht hat, für den es sich schämt, bitte, bitte, bitte in eurem eigenen Interesse sagt nicht sowas wie, warum hast du nichts gesagt? Oder, oh mein Gott, wie konntest du das zulassen? Oder, da sieht man doch, dass das Fake ist. Das hilft gar nicht. Das hilft überhaupt nicht. Stellt euch vor, ihr macht einen Fehler. Jemand guckt euch an. Ihr schafft es, diesen Fehler zu formulieren und anzusprechen, wie ihr euch fühlt und die Angst, die ihr empfindet und teilt es endlich mit jemandem und die andere Person verdreht die Augen und sagt, oh mein Gott, wie kann man nur so dumm sein?
Das hilft überhaupt nicht. Also versucht da wirklich eure eigene Wut, eure eigene Angst bei euch zu lassen und die Tür aufzumachen für euer Kind. Der nächste Schritt ist jetzt natürlich, okay, jetzt sind wir soweit, jetzt weiß ich, ich habe von meinem Kind gehört, dass es in so einer Situation ist. Was mache ich jetzt damit? Was machen wir jetzt?
So schwer es auch fällt, löscht auf gar keinen Fall Chats, Bilder oder irgendwelche Profile, macht ganz viele Screenshots inklusive Datum und Uhrzeit, sichert Inhalte vielleicht auf einem Stick, wahrscheinlich besser auf einem USB-Stick. Die sind ja teilweise die Täter sehr technisch versiert, wenn man das irgendwie online speichert. Ich weiß ja nicht. Ich glaube, ich würde mich sicherer fühlen auf einem USB-Stick, aber man kann es auch in der Cloud speichern. Diese Beweise sind nämlich für eine mögliche Anzeige total entscheidend. Da ist vielleicht noch wichtig, es kann ja nämlich sein, dass, wie im Fall von den Teenagern bei 764, auch euer Kind Aufnahmen gemacht hat, wie es vielleicht masturbiert vor einer Kamera. Und das wäre dann ja ein Speichern von kinderpornografischem Material. Und auch wenn es das eigene Kind betrifft, ist das strafbar. Aber wer Beweise nur zum Zweck der Anzeige an die Polizei übergibt, macht sich dann nicht strafbar.
Wenn ich persönlich in dieser Situation wäre, würde ich, glaube ich, erst mal vielleicht auch Anwalt kontaktieren oder vorher auch schon die Polizei kontaktieren und sagen, dass das da ist und fragen, was ich damit machen soll, einfach um auf der sicheren Seite zu sein. Aber ganz wichtig, auch wenn es natürlich heikel ist, sind es wichtige Beweise. Das heißt, die nicht einfach löschen. Des Weiteren ist es total wichtig, jetzt gerade schon gesagt, generell Kontakt zur Polizei aufzunehmen. Es gibt auch viele Online-Wachen in vielen Bundesländern, wenn es vielleicht jetzt keine Polizeidienststelle in eurem kleinen Ort in der Nähe gibt, dann gibt es auch Online-Wachen oder meldet euch einfach bei der nächsten Polizeidienststelle. Idealerweise mit Jugend- oder Internetkriminalitätsschwerpunkt, das wusste ich tatsächlich von dieser Folge auch nicht, dass es das extra gibt.
Und zum dritten Punkt psychosoziale Unterstützung holen. Denn euer Kind hat jetzt euren Schutz. Ihr arbeitet mit dem Kind daran, dass ihm jetzt sowas nicht mehr geschieht. Und gleichzeitig braucht es aber auch Hilfe beim Verarbeiten von den Dingen, die es da erlebt hat. Da könnt ihr euch melden bei Beratungsstellen für sexuellen Missbrauch, bei Kinder- und Jugendpsychotherapeutinnen oder Traumafachstellen oder auch beim Jugendamt. Und die können euch da auch beraten, welche Angebote und Möglichkeiten es da in eurer Nähe gibt. Was dann oft runterfällt, was wir aber hier sagen möchten, was auf gar keinen Fall zu vernachlässigen ist, ist eure eigene Belastung. Denn auch ihr als Eltern könnt traumatisiert sein durch Schuldgefühle, durch Ohnmacht, durch Wut, durch vielleicht eine länger andauernde Phase, in der ihr zusehen musstet, wie euer Kind Opfer von solchen Menschen im Internet wurde. Das heißt, wenn ihr glaubt, dass ihr da Hilfe braucht, dann ist es auch niemals eine Schande oder braucht euch niemals dafür schämen, Selbstunterstützung zu suchen. Dafür gibt es Elternberatung, es gibt Selbsthilfegruppen und auch ihr selbst könnt zu einer Psychotherapie gehen. Denn wir sagen es immer wieder, nur wer selbst stabil ist und nur wer sich selbst um sich kümmert, der kann auch anderen Stabilität geben und sich gut um andere kümmern. Uns ist vollkommen klar, und das würde ich gerne an dieser Stelle noch betonen, dass...
Jegliche Form von Teilen von sehr sensiblen oder privaten Informationen im Internet mit sehr viel Charme einhergehen kann. Nicht nur mit dem Kind, das diese Informationen teilt, sondern möglicherweise auch bei euch, wenn ihr mitbekommt, was euer Kind alles geteilt hat. Und uns ist auch klar, dass das auch für Erwachsene peinlich sein kann, dass diese ganze Situation mit sehr, sehr vielen unterschiedlichen Emotionen nicht nur mit Wut und Angst, sondern auch mit Scham einhergeht oder einhergehen kann. Nichtsdestotrotz ist es nicht eure Schuld. Nie. Und das sagen wir oft in Situationen, wo jemand Opfer wird von einer Gewaltstraftat beispielsweise oder von einer Vergewaltigung. und da heißt es immer, du als Opfer bist nie schuld. Und ich höre aber ganz oft, dass Leute sagen, naja, im Internet kann man sich ja besser schützen, du kannst es einfach ausmachen, du musst das ja alles gar nicht machen. Das Prinzip, dass Opfer nicht schuld sind, gilt auch für Straftaten im Internet. Und natürlich ist es mit Scham behaftet und natürlich macht es Angst und natürlich macht es wütend.
Aber durch manche Dinge kann man sich nur durcharbeiten, wenn man sich diesen Gefühlen stellt. und, Versucht es bestmöglich aufzuarbeiten und auch das Gespräch mit eurem Kind über Übergriffe im Internet kann irgendwie unangenehm werden, je nachdem, wie sehr man es gewohnt ist, mit seinem Kind über solche Dinge zu reden, aber auch an der Stelle ist die Scham, über dieses Thema zu sprechen, garantiert nie größer als das Entsetzen, das folgt, wenn es irgendwann dann zu dieser Straftat kommen sollte oder zu einer Straftat kommen sollte. Also nehmt euren Mut zusammen, nehmt alles zusammen, alle eure Liebe für euer Kind und sprecht das Thema soziale Medien und Medienkompetenz und Internet an. Es ist, wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der man diese Themen aus der eigenen Erziehung rausnehmen kann. Selbst wenn ihr selber eurem Kind kein Handy kauft und keinen Computer ins Kinderzimmer stellt, früher oder später wird euer Kind auf Medien treffen. Und im besten Fall ist es dann großartig gewappnet und fühlt sich sicher und fühlt sich geborgen und fühlt sich gut informiert und gut abgeholt, weil verhindern, dass Kinder irgendwann auf soziale Medien und das Internet treffen, könnt ihr nicht. Also an dieser Stelle ein ganz großer Appell unsererseits, bitte setzt euch damit auseinander, auch wenn es technisch überfordernd ist oder emotional unangenehm, es ist die Sache wert. Ich glaube, das möchte ich so stehen lassen.
Damit sind wir an dem Ende unserer heute, finden wir, sehr wichtigen Folge angelangt. Wir haben im Laufe der Folge auch nochmal uns dazu entschieden, dass wir dazu nochmal eine Folge machen werden, generell zu diesem Thema Online-Grooming und Straftaten übers Internet. Einfach aus dem Grund, weil wir der Meinung sind, dass es so wichtig ist, darüber aufzuklären und es ja wirklich eine Bedrohung ist, die, sage ich mal, vor zehn Jahren noch nicht so da war und heute irgendwie immer präsenter wird. Das heißt, wir werden uns zu diesem Thema auf jeden Fall wieder hören. Und bis dahin sagen wir, wie immer, seid lieb zueinander, passt auf euch auf und wir sagen Tschüss!
Music.