Willkommen bei Blackbox, dem Sci-Crime-Podcast. Euch erwartet ein True-Crime-Podcast mit der Extra-Portion Psychologie. Ich bin Maxi. Und ich bin Babsi. Ihr habt euch schon immer gefragt, was Menschen dazu bringt.

Music.

Schreckliche Taten zu begehen? Dann seid ihr hier genau richtig.

Willkommen zu einer neuen Folge Blackbox, der Sci-Crime-Podcast. Hallo!

Und in der heutigen Folge widmen wir uns einem Thema, das mir, Babsi, sehr am Herzen liegt. Denn es geht heute um Social-Media-Sucht. Und der heutige Fall ist, würde ich sagen, im weitesten Sinne ein True-Crime-Fall. Aber es war mir mega wichtig, dass wir über dieses Thema sprechen und ich erzähle euch auch warum. Denn in einer unserer letzten Folgen haben wir über das Thema Emotionsregulationsfähigkeit gesprochen. Und ich habe schon während der Vorbereitung für diese Folge sehr viel über das Thema Social Media nachgedacht und habe auch viel dazu gelesen, weil die häufige Nutzung von Social Media sich beispielsweise negativ auf die Emotionsregulationsfähigkeit auswirken kann. Und dazu wiederum lese ich gerade ein Buch, das sich unter anderem dann damit beschäftigt, was quasi Social Media unter anderem mit dem Gehirn macht. Das Buch heißt Das erschöpfte Gehirn, der Ursprung unserer mentalen Energie und warum sich findet. Es klingt so ein bisschen esoterisch, finde ich, ist es aber nicht. Es ist von Dr. Med. Michael Nehls verfasst, 2022 das erste Mal rausgekommen und Dr. Nehl ist tatsächlich Arzt und habilitierter Molekulargenetiker. Und all diese Fakten haben sich in meinem Kopf verbunden zu der Idee für eine Social-Media-Suchtfolge.

Weil es in diesem Buch zum Beispiel auch um aktuelle neurowissenschaftliche Erkenntnisse geht in Zusammenhang mit evolutionsbiologischen oder gesellschaftlichen Aspekten und quasi das Buch den Versuch unternimmt, zu erklären, wie Faktoren wie Bewegungsmangel, Ernährung, Umweltgifte, aber auch diese digitale Dauerbeschallung in Anführungszeichen, die mentale Leistungsfähigkeit beeinflusst. Und dazu wollte ich dann einen Fall machen, weil ich das cool fand und spannend fand und dachte, das findet ihr da draußen vielleicht auch spannend. Und im Zuge dessen bin ich dann auf die Sammelklage von gleich mehreren US-amerikanischen Staaten gegen Meta und Snapchat gestoßen. Und da dachte ich mir, hold on, das ist die perfekte Gelegenheit für eine Folge über die negativen Folgen von Social Media und über das Thema Social Media Sucht. Ich habe direkt zu Beginn eine ein bisschen persönliche Frage an dich. Oh Gott.

Ja. Was für Erfahrungen hast du denn gemacht in Richtung, wenn ich jetzt höre hier das erschöpfte Gehirn, der Ursprung unserer mentalen Energie und warum sie schwindet, dass es die mentale Leistungsfähigkeit beeinflusst? Ich mache mich mal direkt nackig. Ich habe mich da wiedergefunden. Wie geht es dir? Ehrlich gesagt habe ich momentan wieder eine Phase, in der ich sehr viel Instagram konsumiere. Und ich persönlich bin gerade dabei, mich aktiv wieder da rauszuziehen. Für mich ist das total schwer, weil ich schon ganz oft Instagram löschen wollte, aber wir haben ja mit diesem Podcast einen Instagram-Kanal.

Und der Punkt ist, dass ich deswegen Instagram nicht löschen kann und auch mein Profil eigentlich nicht löschen möchte, weil ich da mit Leuten connected bin, mit denen ich sonst nirgendwo noch Verbindungen habe. Und irgendwie ist das dann immer so ein Hin und Her. Ich habe Instagram tatsächlich in meinem Handy irgendwie so sehr weit nach hinten versteckt, damit es nicht ersichtlich immer direkt auf der ersten Page von meinem Handy ist. Es hilft aber nur so semi, weil man gewöhnt sich ja sehr schnell daran, Dinge zu finden im Handy, ganz einfach und dann weißt du genau, wo du es findest. Und ich merke einfach gerade, dass ich wieder in so einer Phase bin, in der ich sehr aktiv versuche, das Handy wieder wegzulegen, Instagram zu schließen, weil mir aufgefallen ist, dass ich eine Zeit lang morgens den Wecker ausgemacht habe. Und das Erste, was ich gemacht habe, war, ich habe mich auf die Seite gelegt und mich nochmal so in mein Kissen eingeknautscht und dann Instagram aufgemacht und erstmal eine Viertelstunde Doomscrolling betrieben. Ah, schuldig. Das mache ich im Moment auch und versuche es mir abzugewöhnen. Ja, und ich habe gemerkt, dass mein kompletter Tag, und es ist wirklich krass, ich bin tausendmal weniger produktiv, wenn ich das morgens gemacht habe. Und ich kann dir nicht mehr erklären, warum. Selbst wenn es nur eine Viertelstunde war, bin ich den Rest des Tages leichter ablenkbar, viel weniger produktiv.

Konzentrationsfähig in Anführungszeichen und irgendwie auch schlechter gelaunt, ehrlich gesagt. Ja, ich finde auch, also ich habe die Vermutung, ich mache es gerade ja auch jeden Tag und ich weiß nicht, ich habe mir jetzt gedacht, vielleicht einfach mal das Handy woanders hinlegen und wieder meinen Tageslichtwerker nutzen, der da sowieso steht. Kann ja den auch benutzen, dann kann ich gar nicht morgens ans Handy, sondern muss erst aufstehen. Also ich habe das auch ganz stark, ich glaube, das habe ich im Podcast ja auch schon mal erzählt, dass bei mir mein absolute, mein absolutes Rabbit Hole war TikTok. Das habe ich jetzt schon seit Monaten nicht mehr auf dem Handy. Und das ist sehr gut, denn als ich morgens im Bett TikTok aufgemacht habe, war es nicht eine Viertelstunde, sondern eine halbe, Dreiviertelstunde. Das war ganz schlimm. Instagram catcht mich Gott sei Dank nicht so sehr wie TikTok, aber immer noch zu viel. Was ich jetzt hinkriege seit so ein, zwei Wochen wieder richtig gut, ist, dass ich zwischendurch Instagram.

Ich wollte gerade sagen, nicht aufmache, Aber kennst du das, wenn deine Hände, du hast dein Handy in der Hand und manchmal macht meine Hand automatisch einfach auf. Und ich habe es nur so eine Sekunde auf und dann fällt es mir auf und ich bin so, oh, und dann schließe ich es wieder. Weil ich mir denke, ich wollte es doch gar nicht aufmachen, aber trotzdem rutscht mein Daumen dahin und macht es auf. Und ich denke mir so, wie krank ist das denn, dass ohne dass ich darüber nachdenke, wenn ich mein Handy in der Hand habe und eigentlich eine WhatsApp-Nachricht gerade beantwortet habe, dass ich das Handy nicht einfach ausschalte und auf den Tisch lege, sondern erstmal meinen Daumen da hinzuckt und das aufmacht. Ich finde es gerade richtig cool, dass wir darüber reden, weil mir das auch so geht. Und ich auch dachte, was in Gottes Namen hat.

Diese Plattform mit meinem Gehirn gemacht. Ja, ja. Und ich schaffe es jetzt gerade ganz gut, dass ich tagsüber das eben nicht mehr aufmache und nicht irgendwie zwischendurch, wenn ich mal 10 Minuten habe, dass ich dann nicht auf Instagram die 10 Minuten verbringe. Ja. Und ich habe gemerkt, 10 Minuten sind richtig viel Zeit. Ich habe jetzt vorgestern oder so, hatte ich so Zeit zwischen zwei Terminen, so 10 Minuten. Ich kam nach Hause und dann mussten wir weiter, aber ich hatte so 10, 15 Minuten. Ich habe in der Zeit einfach die Küche aufgeräumt und ich weiß, wenn ich abends nach Hause gekommen werde, hätte ich keinen Bock mehr gehabt und es hätte mich gestresst, weil da alles voll mit streckigem Geschirr war und in zehn Minuten hast du die Schmiermaschine eingeräumt. Ja, es ist irre. Es ist wirklich bescheuert. Ich weiß voll, was du meinst und es geht mir genauso und ich versuche gerade wirklich, mir das ganz aktiv abzugewöhnen und wie so eine Schranke in mein Gehirn einzubauen, von wegen Instagram geöffnet und schließen. Und geöffnet und schließen. Weil es einfach, du hast so viel mehr Zeit am Tag Und die Tatsache, dass meine Hand automatisch Instagram öffnet, hat mir ehrlich gesagt einen ziemlichen Schrecken eingejagt.

Und das war für mich der Moment, in dem ich gesagt habe, okay, stopp, wir müssen hier jetzt eine andere Lösung finden. Und das war auch einer der Punkte, weil ich auch gemerkt habe, wenn ich zum Beispiel super erschöpft bin manchmal, wenn, also jetzt gerade zum Beispiel war in den letzten Wochen einiges los bei mir und ich hatte viel irgendwie zu tun, viele Sachen zu organisieren, viele Sachen vorzubereiten und in meinem Vollzeitjob war halt auch mega viel los und.

Ich habe einfach gemerkt, dass ich dann am Wochenende zum Beispiel nicht mehr so viel Energie hatte und ich brauchte eigentlich mal so eine Stunde und dachte mir, ich glaube, ich lese jetzt einfach. Weil ich habe mir gerade zwei richtig coole neue Bücher gekauft, die ich gerne lesen möchte. Und anstatt diese Bücher zu lesen, will ich kurz mein Handy checken auf WhatsApp und ich öffne Instagram und dann verbringe ich die Stunde auf Instagram. Und ich bin danach nicht erholt. Ich fühle mich nicht besser. Ich bin, ich kann richtig, ich kann, das ist völlig weird, aber ich gucke da drauf und merke, wie ich mir die Videos auch nicht angucke, sondern einfach weiterscrolle, weil sie mir eigentlich zu viel Information sind. Ja. Aber ich mache es auch nicht aus. Ja, und ich denke mir auch, ich erwische mich auch ganz oft, dass ich mir denke, eigentlich interessiert es mich gar nicht. Ja, und dann ist es mir langweilig. Während ich das mache, ist es mir langweilig und ich will was anderes machen und ich tue es irgendwie trotzdem. Und es ist so eine, diese Disziplinlosigkeit.

Ja. Was mein eigenes Verhalten angeht, kenne ich von mir nirgendwo anders. Das habe ich nur bei Social Media. Und halt so eine Zeitverschwendung. Ich habe mir letztens gedacht, ey, wie viel, also keine Ahnung, du wirst 85 Jahre alt im Schnitt, glaube ich, Frauen oder 80 oder weiß gerade nicht genau. Wie viel Zeit von diesen Jahren verbringe ich bitte gelangweilt auf Instagram? Wie unnötig ist das? Was für eine absolute Lebenszeitverschwendung. Das ist so für den Arsch. Also wirklich, da habe ich wirklich einen Moment gehabt, wo ich mir dachte, was machst du da eigentlich? Das ist wirklich das Dümmste, was du machen kannst mit deiner Zeit, dass du einfach da, wie du sagst, Doomscrolling einfach machst, dabei gelangweilt bist, dir denkst, warum gucke ich mir das an? Die Person interessiert mich überhaupt gar nicht und trotzdem kann ich nicht ausschalten.

Ja, und von daher verstehe ich total. Und das hat meinen Wunsch, mich damit zu beschäftigen und mir das anzuschauen, noch mehr verstärkt, weil ich mir irgendwie nicht vorstellen kann, dass nur du und ich diese Situation kennen und dass nur du und ich erschrocken sind davon, was diese Nutzung von diesen Plattformen quasi mit einem selber macht. Ja. Und ich würde vorschlagen, dass wir in die tiefere Beschäftigung damit einsteigen nach dem heutigen Fall. In den ich jetzt gerne starten würde. Vorab dazu Triggerwarnung. Es geht in dieser Folge und in diesem Fall vor allen Dingen um Suizid. Es geht um Essstörungen und es geht um Selbstverletzungen. Wir schreiben euch in die Shownotes, wie lange der Fall geht, weil mir total wichtig ist, dass alle die Diskussion danach hören können, weil ich die Hintergrundinfos von Was macht Social Media mit einem total wichtig finde. Ich aber gut nachvollziehen kann, dass nicht jeder sich einen Fall rund um das Thema Suizid anhören möchte.

Enfield, Connecticut, 21. Juli 2022. Der Morgen tastet sich vorsichtig durch die Ritzen der heruntergelassenen Jalousien. Sonnenlicht malt staubige Streifen auf den Teppich, während das Kinderzimmer selbst noch in einem matten Zwielicht liegt. Die Luft ist schwer. In ihr hängt der Duft von süßlichem Lippenbalsam, abgestandenem Saft und der unsichtbaren Müdigkeit vieler Nächte mit wenig Schlaf. Auf dem Bett sitzt ein Mädchen, klein, mit angezogenen Beinen, die Schultern eingefallen wie bei jemandem, der zu viele Sorgen trägt. Selina Rodriguez ist elf Jahre alt. Ein Kind. Aber wenn man sie jetzt sieht, würde man meinen, sie sei älter. Viel älter. Die dunklen Ringe unter ihren Augen und die eingefallenen Wangen sind nur ein kleiner Hinweis auf die schwere Müdigkeit, die sie umgibt.

Vor ihr glühen Bildschirme. Vier Geräte. Jedes ein Fenster in eine andere digitale Welt. Ein Laptop summt leise, ein Tablet flackert, zwei Smartphones liegen links und rechts von ihr, wie Wächter, die nie schlafen. Snapchat, TikTok, Instagram. Sie sprechen gleichzeitig mit ihr, flüstern, locken, versprechen. Und Selina antwortet. Ihre Finger tippen, wischen, öffnen neue Chats, schließen alte. Ihre Augen gerötet vom Licht der Displays, blinzeln kaum noch. Die Welt da draußen, der Garten ihrer Eltern, zwitschernde Vögel, das echte Leben. Für sie existiert es nicht mehr. Nur dieser Raum, nur diese digitalen Stimmen, das endlose Flackern und Leuchten der Parallelwelt. Nichts ist mehr wichtig. Nichts ist von Bedeutung.

Zwei Jahre zuvor beginnt Selina, sich für soziale Medien zu interessieren. Ihre Mutter, Tammy, erlaubt ihr zunächst, TikTok-Videos aufzunehmen, aber nur, wenn sie sie nicht veröffentlicht, sondern lediglich in den Entwürfen speichert. Es beginnt spielerisch. Sie tanzt, lacht, nutzt witzige Filter. Alles harmlos. Doch mit der Zeit nutzt sie nicht nur TikTok, sondern entdeckt auch Instagram und Snapchat. Chat. Zu Beginn kontrolliert Tammy die Nutzung, stellt die Profile ihrer Tochter auf privat und beschränkt ihre Bildschirmzeit. Doch was sie nicht weiß, Selina umgeht ihre Kontrollen. Sie erstellt heimlich neue Accounts. Insgesamt sieben Instagram-Profile führt sie, ohne dass ihre Mutter davon weiß. Über die Plattform erreicht sie ein stetiger Strom an Nachrichten, Kommentaren und Inhalten. Vieles davon ist äußerst unpassend für eine Elfjährige, verstörend und manchmal sogar gefährlich.

Zunehmend taucht Celina in diese digitale Welt ab. Sie verbringt Stunden, oft Nächte vor den Bildschirmen. Die Inhalte, die ihr algorithmisch vorgeschlagen werden, kreisen um Selbstverletzung, Essstörungen und extreme Schönheitsideale. Was Celina nicht weiß, Diese Systeme sind kein Zufall. In der Klageschrift einige Jahre später wird deutlich, Meta hatte bereits intern gewarnt. Rückgänge bei jugendlichen Nutzerzahlen seien eine existenzielle Bedrohung. Also entwickelt der Konzern Produkte, die gezielt auf die psychologischen Schwächen von Kindern wirken.

Belohnungen, die zufällig und unvorhersehbar erscheinen, wie bei einem Spielautomaten. Trophäen und Streaks, wie sie Snapchat nutzt. Alles darauf ausgelegt, das Gehirn in einen Suchtmodus zu versetzen. Als Tammy Selinas Verhalten schließlich bemerkt, versucht sie, die Nutzung der sozialen Medien einzugrenzen. Es dauert nicht lange, bis die Situation eskaliert. Schließlich weiß Tammy sich nicht mehr zu helfen. Also konfisziert sie Selinas Handy. Aber ihre Tochter schreit. Sie weint und läuft sogar von zu Hause weg. Findet immer wieder neue Wege, um online zu sein. Bei Freunden über heimlich genutzte Geräte. Eine Therapeutin sagt später, ich habe nie ein Kind gesehen, das so abhängig von Social Media war.

Während der Covid-19-Pandemie verschärfen sich alle von Selinas Symptomen. Die soziale Isolation wird zur kompletten Abkapselung. Die reale Welt verliert vollkommen an Bedeutung und Selina verbringt nun beinahe ihre gesamte Zeit auf Instagram und Snapchat. Die ständige Reizüberflutung und der emotionale Druck verschärfen ihre bestehende depressive Symptomatik drastisch. Sie schläft kaum noch, wird zunehmend apathisch, verliert die Freude an allem, was ihr früher einmal wichtig war. Jeden Tag wird sie geflutet mit anzüglichen Nachrichten, Hate Speech und stark bearbeiteten, künstlich perfekten Körpern. Erwachsene Männer schreiben sie an, sie geben sich als Jugendliche aus, machen ihr Komplimente und stellen der Elfjährigen intime Fragen. Manche drängen sie, Nacktbilder zu schicken. Und irgendwann gibt Selina das erste Mal nach.

Snapchats Disappearing Messages-Funktion sorgt dafür, dass Beweise verschwinden, dass Gespräche unsichtbar werden, dass Tammy keine Chance hat zu sehen, was ihre Tochter in den sozialen Medien tut. Als die versendeten Bilder schließlich öffentlich werden und in der Schule kursieren, wird Selina dort zur Zielscheibe. Sie wird gemobbt, verspottet, gedemütigt. Die Folgen für sie sind schwerwiegend. Sie beginnt, sich noch weiter zurückzuziehen, verliert komplett das Vertrauen in ihre Umgebung.

Der Schlafmangel macht sie gereizt, erschöpft, immer öfter hat sie keinen Appetit, beginnt Mahlzeiten zu verweigern und entwickelt schließlich eine Essstörung.

Gleichzeitig wird ihr Selbstbild immer negativer. Sie fühlt sich wertlos, ungenügend und allein. Schon lange hat ihre Mutter keine Möglichkeit mehr, an Selina heranzukommen. Zwischen den Likes, den Push-Benachrichtigungen, den Storyviews, den endlos scrollbaren Feeds, personalisierten Inhalten, süchtig machenden Reaktionssystemen, dem blauen Licht der Bildschirme. Inmitten dieses künstlichen Dopamins auf Knopfdruck ist ihre Tochter verstummt. Schließlich beginnt Selina, sich selbst zu verletzen. Zuerst heimlich, dann irgendwann offensichtlicher. Arme, Oberschenkel, Bauch. Überall sind kleine und größere Schnitte zu sehen. Sie wird mehrfach psychiatrisch behandelt, Notaufnahmen, Kriseninterventionen, Klinikaufenthalte. Doch nichts scheint zu helfen. Ihre Gedanken kreisen nur noch um die Plattformen, um die Menschen dort, um die Stimmen, die sagen, sie sei schön, aber nicht schön genug. Stimmen, die sie verachten und gleichzeitig fordern, immer mehr zu zeigen. Am 21. Juli 2022 hält Selina es nicht mehr aus. Mit nur elf Jahren nimmt sie sich das Leben.

Zwei Jahre später. San Francisco. Tammy steht vor Gericht. In ihren Händen das Bild ihrer Tochter. Lächelnd, lebensfroh. Ein Bild, das vor dem System entstand, das sie zerstört hat. Die Klageschrift, eingereicht von der Kanzlei Andrews Anderson LLP und dem Social Media Victims Law Center, nennt konkrete Vorwürfe. Fahrlässiges Produktdesign, unterlassene Warnungen, gezielte Ausbeutung kindlicher Nutzer, fehlende Altersverifikation, keine Schutzmechanismen gegen Grooming und sexuelle Ausbeutung. Die Klage ist Teil eines größer werdenden juristischen Aufbegehrens gegen Tech-Konzerne. Die Vorwürfe sind scharf. Meta und Snapchat hätten Produkte für Kinder gestaltet, die süchtig machen, schädlich sind und keinerlei Schutzmechanismen bieten. Die Apps seien so programmiert, dass sie unvorhersehbare Belohnungen bieten. Ein Prinzip, das in der Suchtforschung als besonders gefährlich gilt. Eltern würden bewusst außen vor gelassen, weder könnten sie Nutzungszeiten überwachen, noch bekämen sie Warnungen bei exzessiver Nutzung. Auch systematisches Grooming durch Erwachsene sei bekannt, aber ungehindert möglich.

Anonyme Konten, keine ID-Verifizierung, öffentlich einsehbare Kinderprofile, direkte Nachrichten von Fremden, all das sei Teil eines geschäftlichen Ökosystems, das auf die psychische Ausbeutung Minderjähriger setze. Alles für mehr Screentime, für mehr Werbung, für mehr Geld. Diese Plattformen haben mein Kind getötet, sagt Tammy. Und ich will, dass sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Ich hatte ganz doll die Hoffnung, dass Selina nicht stirbt. Tatsächlich ist ihr Fall mit einer der Kernfälle von dieser Massenklage. Das crazy. Ich habe gerade, das sieht man ja nicht, da wir ja kein Videopodcasts sind, aber du hast ja vor dem Fall kurz erwähnt, dass diese Sammelklage dich ja auch dazu bewegt hat, dass du das gefunden hast, sozusagen, okay, jetzt erst recht, jetzt machen wir die Folge dazu. Ich fand es total spannend, den Moment, als ich gemerkt habe, dass das mit ein konkreter Punkt von der Sammelklage ist, dass es also wirklich, dass der Fall dieses Mädchens wirklich dazu geführt hat, crazy. Führt, dass eine Klage vor Gericht stattfindet gegen diese großen Konzerne, was ja auch bedeutet, dass man da schon ja von Rechts wegen begründeterweise Anklage erheben konnte. Sonst wird sowas ja direkt abgewiesen. Das heißt, es gibt da schon was, was irgendwie zu prüfen ist. Ich meine, sowas, ich weiß, dass sowas total gefährlich ist und gerade diese suchtfördernden, Effekte oder Funktionen, die es auf diesen Apps gibt, ich meine, die erwischen ja zum Beispiel auch uns als erwachsene Frauen, natürlich erwischen die auch noch mehr Kinder.

Ich finde es crazy, dass es wirklich auch, also dass es so handfest ist, weil ich dachte, das kann nicht so richtig, gegriffen werden, aber das kann es wohl doch so weit, dass es wirklich eine Klage gibt Und das finde ich richtig gut, weil allein auch jetzt nur dieser Einzelfall schon, denke ich mir, Alter, da muss so viel mehr passieren. Es kann nicht sein, dass ein Kind so abstürzen kann in Social Media, dass die Eltern nichts tun können, auch wenn ja ihre Mutter sich bemüht hat, da irgendwie eine Kontrolle zu behalten und irgendwie da zu helfen und zu gucken, dass es nicht überhand nimmt. Und obwohl die Bemühung der Mutter da war, hat einfach nichts davon funktioniert, weil sie überall Zugriff hatte, weil niemand außer der Mutter sich darum kümmert, irgendwie da die Kinder zu schützen. Dieser Fall hat mich erst traurig gemacht, während ich zugehört habe. Und jetzt, wo ich drüber rede, macht er mich wütend. Ja, das verstehe ich komplett. Ich verstehe es komplett. Ich war sehr schockiert. Ich habe mir so ein bisschen den Hintergrund angeguckt von dieser Sammelklage. Ja. Jetzt muss ich dazu gestehen, vorab, dass ich mich mit dem Rechtssystem in den USA, wer, wann, wen, wie, auf welcher Basis verklagt und wie genau man das nennt, kenne ich mich nicht so super gut aus, aber es gibt mehrere Möglichkeiten.

Unterschiedliche Aspekte quasi und unterschiedliche Kläger. Es gibt einmal den Multistate Attorneys General Complaint vom Oktober 2023. Da haben über 30 US-Bundesstaaten, zum Beispiel Kalifornien, New York oder auch Virginia, Meta, Snap, TikTok und YouTube verklagt. Und die Hauptvorwürfe da sind suchtförderndes Design für Minderjährige, psychische Gesundheitsgefährdung durch diese algorithmischen Feeds, Missbrauch von Kinderprofilen, fehlende Altersverifikation und die Förderung von Sextortion und Grooming.

Und was die Kläger fordern ist, dass es strukturelle Änderungen an den Plattformen gibt, dass es Transparenzpflichten gibt, Warnhinweise und Strafen bei Verbraucherschutzverstößen. Dann gibt es eine zweite Art von Klage quasi und zwar die Personal Injury Plaintiffs. Das ist der Second Amended Master Complaint von 2023. Da haben betroffene Familien und Einzelpersonen geklagt, unter anderem Selinas Mutter. Und die haben quasi zivilrechtlich geklagt wegen körperlicher und seelischer Schäden. Und sie sagen in den Hauptvorwürfen quasi, es ist ein defektes und gefährliches Plattformdesign. Es gibt keine Warnhinweise und es wird gegen unterschiedliche Bundesgesetze verstoßen, beispielsweise gegen die Child Exploitation Laws. Und die fordern eben quasi Schadensersatz für das Leid, für die Todesfälle, für die medizinische Versorgung. Sie fordern Strafschadensersatz und sie wollen, dass es unterlassen wird, beziehungsweise dass die Plattformen sich umfassenden Reformen unterziehen.

Und dann gibt es sogar eine School District and Local Government Entities Complaint aus dem Jahr 2024. Da sind die Kläger Schulbezirke, Städte und Kommunen, zum Beispiel Montgomery County oder auch Providence. Und die haben quasi gesagt, dass sie die Schäden haben durch psychische und soziale Krisen bei Jugendlichen. Die werfen vor, dass die Schulen durch diese Social Media bedingten psychischen Erkrankungen extrem belastet sind und dass sie quasi öffentliche Gelder investieren müssen, um in der Schule quasi die Schüler besser darüber aufzuklären. Und sie wollen quasi Schadensersatz für den Mehraufwand in Schulen, sie wollen Finanzierungsprogramme für Prävention und Aufklärung und sie wollen, dass die Plattformbetreiber, wie alle anderen auch, ihre Plattform einer umfassenden Reform unterziehen und quasi anpassen auf die Nutzergruppe, die sie ja offensichtlich versuchen zu bekommen. Soviel vielleicht so zum juristischen Hintergrund, wer da wen, warum verklagt. Bei den Schulen dachte ich mir gerade auch, die haben ja bestimmt auch mehr Bedarf an zum Beispiel Schulpsychologen, wenn die Jugendlichen psychische und soziale Krisen haben. Das wäre ja auch nochmal was, was da nochmal mehr Aufwand in Schulen braucht. Ja, auf jeden Fall.

Ich kriege so viel, ey. Dann hör dir an, was die Plattformen dazu gesagt haben, denn die haben natürlich auf ihrer Seite darauf reagiert und haben gesagt, es gibt schon Schutzfunktionen, also wir machen das ja schon.

Im Kern quasi, dass sie selber nicht schuld sind daran, weil die Nutzung ja freiwillig ist und sie niemanden zwingen, das zu nutzen und es ja schon Schutzfunktionen, wie beispielsweise, dass Eltern den Account ihrer Kinder quasi einsehen können, das gibt es ja schon. Und dass sie sagen, dass diese Maßnahmen, die sie ohnehin schon vornehmen, sogar freiwillig sind. Also dass sie ja sogar schon was tun, was sie gar nicht tun müssten. Beispielsweise eben diese Tatsache, dass Eltern das einsehen könnten. Tatsächlich wehren sie sich auf juristischer Ebene gegen die klare Klagepunkte. Also es gibt kein Schuldeingeständnis, es gibt auch keine Bereitschaft, an der Stelle etwas zu ändern, sondern basically sagt insbesondere Meta, ja also wir haben schon Schutzfunktionen und wir sind nicht schuld und wir sind es nicht und jeder, der uns nicht nutzen will, muss uns ja nicht nutzen und wir wehren uns gegen jeden einzelnen Klagepunkt und was da passiert ist, ist dramatisch, aber nicht unsere Schuld. Ja, gut, ich meine, ich sage es sehr ehrlich, alles andere hätte mich überrascht. Ich erwarte nicht von so großen Konzernen oder gerade Facebook, Instagram, da hat man ja auch in der Vergangenheit jetzt nicht so die selbstlosesten, altruistischsten Dinge gehört. Es hätte mich jetzt überrascht, wenn die gesagt hätten, ja stimmt, das ist unsere Schuld, wir müssen alles reformieren.

Und ja, das ist ja was, was jetzt in den letzten 10, 20 Jahren aufgekommen ist, dieses ganze Social-Media-Ding. Und natürlich ist die Nutzung freiwillig, aber wenn du sowas anbietest mit solchen Funktionen, dann hast du doch auch die Verantwortung, was ja auch die Klagenden der Meinung sind, dann hast du die Verantwortung, da auch Schutzfunktionen einzubauen. Ich meine, wir wissen doch selbst, Wie einfach ist es, auf TikTok irgendwie in dieses Ding zu rutschen, wo dann, wo, keine Ahnung, sowas wie so eine, wie ein Mini-Rabbit-Hole für zum Beispiel Essstörungen ist, wo dann Mädchen irgendwie ihre Körper zeigen und irgendwie sagen, wie viel sie gegessen haben. Ja, aber nicht nur Skinny-Talk, sondern diese, da gibt es ja auch nochmal extremere Versionen davon. Also es gibt ja wirklich, wo Mädchen, ah, heißt es sogar so, na guck. Ich glaube, ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube. Genau, aber auf jeden Fall eben diese Bubble, wo sich dann zum Beispiel Mädchen mit zum Beispiel Anorexie-Filmen vergleichen.

Dann wie schnell rutscht du da rein und der Algorithmus merkt, ach, du guckst dir zwei, drei von diesen Videos an, du bleibst da also. Dann kriegst du immer mehr, immer mehr davon. Und allein, dass sowas passiert, das geht doch nicht. Du kannst nicht dann ein 13-jähriges Mädchen hinsetzen, die rutscht einmal in dieses Rabbit Hole und dann haut der Algorithmus sie damit zu und dann kommt Meta und sagt, ja, dafür können wir aber nichts. Ihr macht den Algorithmus. Ja, das ist auch irgendwie etwas, ich hatte witzigerweise gestern Abend mit einem Bekannten von mir die Diskussion darüber, weil die Person, mit der ich darüber gesprochen habe, gesagt hat, naja, dieses ganze Rumgeschrei mit Social Media ist im Grunde das gleiche wie mit den Ballerspielen. Da haben damals auch alle gesagt, das verkorkst Leute. Und dann habe ich gesagt, naja, also irgendwie finde ich, dass das schon ein deutlicher Unterschied besteht, weil bei den Ballerspielen, also sowas wie Counter-Strike oder sowas.

Da gibt es wissenschaftlich betrachtet keinen Zusammenhang zwischen Gewaltbereitschaft und der Nutzung von Counter-Strike zum Beispiel. Es sei denn, du bist sowieso schon in dieser Richtung unterwegs und hast sowieso schon meinetwegen ein Aggressionsproblem oder sowas. Natürlich nutzen solche Leute das vielleicht dann häufiger und spielen häufiger Ballerspiele. Aber das Ballerspiel an sich ist nicht das Problem, sondern alles, was drumherum passiert. Wo hingegen bei Social Media ja aktiv allein durch diesen Algorithmus dafür gesorgt wird, Dass Leute an der Stange bleiben, dass sie dabei bleiben. Auch dieses endlose Scrollen. TikTok hat das ja sogar noch perfektioniert, indem du nicht mal selber scrollen musst, sondern automatisch das nächste Video kommt.

Und quasi die Plattform für dich Content scrollt und den Algorithmus anpasst, je nachdem, wie lange du dir was anschaust, was Instagram ja auch macht. Und da ist genau die Gefahr, die ich sehe, die du gerade benannt hast, die Tatsache, dass der Algorithmus dir bestimmte Dinge vorschlägt anhand deines Geschlechts, deines Alters und dann deiner Interaktion mit diesem Algorithmus. Und ich persönlich denke halt, dass die Tatsache, dass es so extrem süchtig macht, ist ja ein durchdachtes Konzept. Ja, natürlich. Das ist ja das Ziel. Ich weiß nicht, wie viele Psychologen und Behavioral Specialists und ich weiß nicht was dran, deren einziger Job es ist, dafür zu sorgen, dass das Ganze so süchtig machend wie möglich ist, um die Screentime zu erhöhen. Ja.

Und da sehe ich einfach einen ganz deutlichen Unterschied durch diesen aktiven Teil, der in Social Media bzw. Beispielsweise bei Instagram ja beinhaltet ist oder bei Snapchat mit diesen Streaks, dass du da belohnt wirst oder zufällig belohnt wirst, ist ein Klassiker, um Leute süchtig zu machen von etwas und dass das ohne Warnung legal ist, finde ich persönlich super schwierig. Also das ist einfach was, wo ich auch selber sage, ich persönlich, es gibt ja schon in vielen Ländern die Diskussion, Social Media einer Altersbegrenzung zu unterziehen Und ich persönlich bin Stand jetzt Befürworter davon. Ich bin der Meinung, dass Social Media, so wie es konstruiert ist, etwas sein muss, aufgrund dieser Mechanismen, das du beschränken musst. Ja, bin ich voll bei dir.

Ich denke mir auch, ich glaube, da haben wir auch schon mal drüber gesprochen, wenn man so drüber nachdenkt, wenn man irgendwann mal selbst Kinder hat, wie geht man damit um? Weil das ja schon wirklich eine Gefahr ist, wo ich ehrlich gesagt, wenn ich mir das vorstelle, ein bisschen überfordert bin, wie ich damit umgehen soll. Denn selbst quasi zu sagen, du darfst kein Social Media benutzen, ist ja irgendwie auch für die Kinder dann auch, wenn sie zum Beispiel keine fünfte, sechste Klasse sind, alle anderen haben Social Media, Dann zeigt man sich das untereinander und irgendwie passiert es dann ja trotzdem. Also da wäre ja schon das Effektivste, wenn die Plattformen selbst da eben sowas einrichten würden, was dann auch für alle gilt, was generell gilt und nicht irgendwie in Einzelpersonen, wenn die Eltern irgendwie da sagen, hier, wir haben da zu viel Sorge, so machst du das nicht. Also ich bin auch Stand jetzt für diese Altersbeschränkungen. Auch aus dem Grund, weil ich denke gerade auch dran, ich habe auch in der Psychotherapie wirklich, mir fallen gerade spontan drei Patienten ein, die ähm, Wo Social Media so ein Riesenpunkt ist in der Entwicklung der Symptomatik, die eben aufgekommen ist. Und das ist wirklich das, also ich bin noch nicht so lange im Beruf. Also ich meine wirklich ambulant, nicht stationär, sondern ambulante Patienten behandeln, mache ich seit Anfang 2023.

Und in diesem Zeitraum fallen mir jetzt spontan drei, vier, sogar fünf Fälle ein, wo Social Media ein Riesenpunkt war im Laufe der Psychotherapie, weil es einfach so eine große Rolle eingenommen hat. Und das Selbstbild der Patienten beeinträchtigt hat, die auch teilweise ein Suchtverhalten auch einmal vorhanden war, wo man dann sagen musste, okay, wie kriegen wir das irgendwie wieder in den Griff? Aber überwiegend so das Selbstbild und dann tatsächlich eben auch so in Richtung Depression. Es war nicht allein auslösend, aber es war mit auslösend. Und ich bin jetzt eine erwachsene Psychotherapeutin.

Und selbst Erwachsene, zugegeben, es waren junge Erwachsene, Also so 20 bis 25 oder 18 bis 25. Aber das sind erwachsene Menschen. Und selbst die entwickelnde Symptomatik im Zusammenhang mit Social Media. Ich bin noch nicht mal lange im Beruf und habe das schon jetzt richtig oft gesehen. Und dann reden wir jetzt darüber, dass Kinder da ungeschützt sind und die Plattformen es nicht für nötig halten, da irgendwie größere Schutzmaßnahmen aufzufahren. Ich will gar nicht wissen, wie es bei Kindertherapeuten aussieht mit Social Media. Ehrlich gesagt, ich auch nicht. Und deswegen, ich glaube, aus meiner persönlichen Perspektive bräuchtest du auf der einen Seite eine Beschränkung bei Law. Also zu sagen, Social Media ist nicht erlaubt für Kinder und Jugendliche unter 16 von mir aus.

Und das halt auf alle Plattformen beschränken, die diese Elemente beinhalten. Weil ganz ehrlich, du kannst den Kindern nicht das Internet verbieten. Eben, das geht nicht. Das funktioniert nicht, vor allem wenn alle anderen nutzen. Und da, genau, da denke ich, aber da ist es auch mit Aufgabe, Erziehungsaufgabe der Eltern Medienkompetenz beizubringen, weil wir leben nun mal in einer digitalen Welt und sie wird digitaler und es macht keinen Sinn, eine ganze Generation vom Digitalen wegzuhalten, das funktioniert nicht und das ist auch nicht sinnvoll, aber da denke ich, okay, da kann man mit Medienkompetenz argumentieren. Aber bei Social Media mit diesem Thema Doomscrolling und zufällige Belohnungen, also diese ganzen suchtfördernden Elemente, da musst du einen Riegel vorschieben, weil da hilft Medienkompetenz nicht, weil diese Mechanismen ins Gehirn eingreifen. Ich würde behaupten, du und ich wissen, wie viel Social Media gut oder nicht gut für uns ist. Und du und ich wissen, wie man mit sowas umgeht. Du und ich, würde ich behaupten, habe meine ausgeprägte Medienkompetenz und selbst wir erwischen uns dabei.

Ja, selbst, also wie gesagt, ich gerade morgens 15 Minuten erstmal am Handy scrollen. Jedes Mal denke ich mir, Maxi, das solltest du nicht machen. Trotzdem mache ich es. Also ja, das ist einfach was, was, ja, das zieht einen einfach übel in den Strudel rein. Und das ist ja auch das Ziel. Aber gleichzeitig haben die ja so einen monetären Anreiz natürlich, diese Konzerne. Wenn sie das nicht machen würden, würden sie deutlich weniger Geld verdienen, weil deutlich weniger Screentime generiert wird. Und das ist so ein bisschen, aber da sehe ich auch den Unterschied eben zwischen Social Media und beispielsweise Ballerspielen oder so. Wobei selbst die sind ja häufig ab 16 oder ab 18, also selbst die sind beschränkt. Aber da sehe ich, weil ich habe die Diskussion schon häufiger geführt in den letzten Wochen, weil mich das Thema so mitgenommen hat. Also ich habe mich so abgeholt und da geht es dann ganz schnell in Richtung, ja willst du gleich das Internet verbieten? Und das sind für mich zwei essentiell unterschiedliche Dinge. Eben aufgrund dieser Mechanismen.

Ich habe mir natürlich die Frage gestellt, wie viel Social Media wird in Deutschland überhaupt genutzt? Kommt mir das nur so vor? Natürlich nicht. Die Anzahl von Social Media Nutzern, und da klammer ich jetzt gedanklich mal Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok ein, liegt laut aktueller Daten für 2025 ein bisschen niedriger als letztes Jahr. Die Social Media Nutzung sinkt ein ganz bisschen. Es nutzen aktuell in Deutschland etwa 65,5 Millionen Menschen aktiv soziale Medien, also etwa 77 Prozent der Gesamtbevölkerung. Und im Vergleich zu 2024 sind wir quasi damit um 3,4 Prozent gesunken. 2,3 Millionen Nutzer weniger als letztes Jahr nutzen soziale Medien. 83,4 Prozent der Erwachsenen ab 18 nutzen Social Media durchschnittlich täglich. Und zwar im Schnitt eine Stunde und 41 Minuten pro Tag.

Die Dauer, wie lange jemand auf den unterschiedlichen Plattformen bleibt, ist ungleich verteilt. TikTok zum Beispiel hat bei der Nutzungsdauer die höchste Screentime. Auf keiner Plattform verbringen Leute mehr Zeit als auf TikTok, obwohl die Gesamtzahl zurückgegangen ist an Nutzern. Vollkommen verständlich, so ging es mir auch. Und tatsächlich ist die Nutzung sehr differenziert. In dieser Studie zählt man auch WhatsApp zu Social Media und die Nutzung von WhatsApp und Instagram ist zum Beispiel gewachsen und hat stabile Nutzerzahlen, aber in Summe gibt es weniger aktive Nutzer über alle sozialen Plattformen hinweg.

Kurze Frage, bauen wir hier, wenn wir jetzt über Social Media sprechen, bauen wir da WhatsApp mit ein? Weil in meinem Kopf war WhatsApp dann nicht mit dabei. Aber auch aus dem Grund, weil WhatsApp nicht diese, korrigiere mich gerne, wenn ich da falsch liege, aber WhatsApp hat nicht diese süchtig machenden Features. Also das ist für mich nicht so mit drin. Habe ich auch nicht so empfunden. Ich habe aber jetzt vor ein paar Tagen festgestellt, da habe ich mich mit einem Bekannten unterhalten und der kommuniziert nur über WhatsApp ausschließlich. Also so Instagram, Facebook nutzt er alles gar nicht. Und der macht über sein WhatsApp, der veranstaltet manchmal so Galaabende und der macht Werbung ausschließlich über sein WhatsApp-Profil. Hä? Ja, da gibt es auch so Status-Updates und sowas. Ich wusste das gar nicht. Ach so, ja, ja, ja, also man kann da Story machen, aber ehrlich gesagt dachte ich, das benutzen nur die, also.

No offense, aber so Leute, also ab 60 dachte ich, also in meinem Umfeld benutzen das alle Menschen ab 60 plus diese WhatsApp-Stories, ich benutze das gar nicht, noch nie. Der Bekannte von mir ist auch... Mitte 50. Ja, dann passt es ja auch. Wie kam das eigentlich, dass die sich dachten, WhatsApp-Story ist richtig cool? Muss ich mal meine Eltern fragen.

Auf jeden Fall, in dieser Studie oder in dieser Statistik zählt WhatsApp mit rein. Wenn ich sage, ich möchte gerne die Social-Media-Nutzung beschränken, rede ich persönlich nicht von WhatsApp, sondern ich rede von, wie gesagt, Snapchat, TikTok, Instagram und was es da noch an neuen Plattformen gibt. Ehrlich gesagt habe ich mich damit nicht auseinandergesetzt, Aber es gibt schon wieder neue Plattformen, bei denen die jetzt 12- bis 13-Jährigen sehr aktiv sind und das ist schon nicht mehr TikTok. Echt? Oh Gott, wir werden alt. TikTok habe ich noch mitbekommen, wie es eingeführt wurde. Ich habe keine Ahnung, was das Neue ist. Ja, also in diese Studie ist wie gesagt WhatsApp, Instagram, Snapchat, Facebook mit eingeflossen. Aber es kommen ja gefühlt jeden Tag neue Social Media Plattformen dazu. Der ganze Tech-Trend von AR und VR wird das Ganze nochmal in eine ganz andere Dimension bringen und in eine ganz andere Richtung bringen. Von daher, glaube ich, ist prinzipiell die Frage, welche Art von sozialen Medien musst du beschränken und welche nicht. Und ich persönlich sehe da halt ganz stark die sozialen Medien, die diese suchtmachenden Mechanismen mit drin haben. Ja, wir wären ja nicht Blackbox, wenn wir dazu nicht Studieren mitgebracht hätten.

Eine Studie, die ich super interessant fand, ist durchgeführt worden von YouGov und der Hochschule Makromedia. Und zwar ist die sehr aktuell erst 2025 rausgekommen. Und diese Studie hat sich quasi mit dem Thema Suchtverhalten bei Social Media beschäftigt. Und laut dieser Studie zeigen 15 Prozent der Deutschen typische Anzeichen von Social-Media-Sucht. In der Generation Z, also der jetzt 18- bis 28-Jährigen, sind es bis zu 25 Prozent. Und auch die Millennials, also du und ich, Maxi, sind mit ungefähr 26 Prozent betroffen von Social-Media-Sucht. Also jeder Vierte unter den Millennials zeigt typische Anzeichen von Social-Media-Sucht. Jetzt bin ich gespannt, was die Kriterien für diese Social-Media-Sucht sind. Die Grundlage von dieser Studie ist die Bergen Social Media Addiction Scale, die sechs Kriterien zur Messung von Suchtverhalten umfasst, explizit für Social Media. Die Kriterien sind allerdings insgesamt angelehnt an allgemein anerkannte Suchtmerkmale und umfassen folgende sechs Kriterien.

Erstens Salienz, also die übermäßige Beschäftigung mit dem Thema, also starke Gedankenkonzentration auf soziale Medien oder die Planung der Nutzung. Mache ich das jetzt, mache ich das nicht, mache ich das später noch oder morgen früh oder ähnliches. Das zweite Thema ist Toleranz, also das zunehmende Bedürfnis, das Ganze länger zu benutzen, um dieselbe Befriedigung zu erreichen.

Sprich Screen Time wird immer länger. Das dritte ist Stimmungsmodifikation, also dass soziale Medien genutzt werden, um die Stimmung aktiv zu beeinflussen, also beispielsweise bessere Laune zu bekommen. Das vierte ist Rückfall bzw. Kontrollverlust, wiederholte, erfolglose Versuche, die Nutzung einzuschränken oder zu stoppen.

Das fünfte sind Entzugssymptome, also Unruhe oder Unwohlsein, wenn man weiß, dass man nicht nutzen kann. Beispielsweise, weil es keinen Internetzugang gibt. Soll ja vorkommen in Deutschland. Und das sechste sind negative Konsequenzen. Also das selbst, wenn ich schon negative Konsequenzen wahrnehme durch, ich weiß nicht, auf der Arbeit mache ich einen schlechteren Job oder meine sozialen Beziehungen leiden oder ich gehe nicht zur Schule, komme zu spät oder höre nicht mehr zu. Und ich merke das, dass das negative Konsequenzen hat und ich tue es trotzdem weiter. Ich nutze trotzdem weiter. Ich bin gerade erleichtert, dass ich da doch nicht reinfalle, glaube ich. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist. Ich glaube, bei mir wäre Toleranz und Rückfall.

Die beiden vielleicht, aber sonst... Bin ich, glaube ich, fein raus. Aber trotzdem schon zu viel. Vielleicht noch keine Suchtmerkmale sind noch nicht erfüllt, aber das wollen wir ja auch nicht. Also ich habe das Gleiche wie du, auch Toleranz und Rückfall. Und ehrlich gesagt, dieses Thema Kontrollverlust, also mir vorzunehmen, es nicht zu tun und es trotzdem zu tun, das ist das, was mir am meisten Sorge macht, also für mich selber. Weil es mir das meiste Gefühl von Kontrollverlust, wie der Name schon sagt, gibt. Weil ich das Gefühl habe, dass ich die Entscheidung nicht mehr selbst treffen und mich auf meine eigene Entscheidung verlassen kann. Und das ist ein sehr unangenehmes Gefühl für mich. So der Moment, wenn der Daumen für dich entscheidet, Instagram aufzumachen. Ja.

Und ich mir denke, was ist das hier? Und deswegen, ich finde es so wichtig, dass wir darüber sprechen. Wir können auch gerne noch fünf von diesen Folgen machen. Weil es mir selber auch geholfen hat, mir Gedanken darüber zu machen, was das eigentlich bedeutet und wo das herkommt. Und ja, darüber zu sprechen. Ja. Tatsächlich nach dieser Studie, weil es wurde dann natürlich erhoben, nicht nur wie viele Personen zeigen Suchtverhalten, sondern auch wie schwer ist das Aufhören, weil es gibt ja auch bei Drogen, also bei Alkohol, Zigaretten oder Kokain, Heroin, you name it, unterschiedliche Level an süchtig machende, also Suchtpotenzialwerte quasi. Ja, die werden ja auf so einer Skala eingeordnet. Genau. Und das hat man quasi für Social Media jetzt auch gemacht. Und besonders schwer sind Instagram und TikTok. Die erreichen die höchsten Suchtpotenzialwerte. TikTok ist mit 58 von 100 und Instagram bei 55 von 100.

Und was ich krass fand, in der Gen Z steigen diese Werte auf 70 für TikTok und auf 65 bei Instagram. Boah. Das heißt, das erste, also die mit 58 und 55 war der Schnitt generell, aber wenn du nur die Gen Z rausnimmst, dann ist es sogar höher. Ja. Crazy, okay. Jetzt hätte ich euch gerne gesagt, damit wir was mit den Zahlen anfangen können, im Vergleich dazu liegt Alkohol bei X, aber Alkohol hat eine komplett andere Skala und diese Suchtskala ist quasi nur für Social Media. Und ich kann keine Werte auf zwei unterschiedlichen Skalen einfach vergleichen. Das ist wissenschaftlich, reißt mir jeder aus dieser Community, der im wissenschaftlichen Bereich arbeitet, reißt mir den Kopf ab, wenn ich das mache. Weil diese Skalen nicht 100% vergleichbar sind. Das heißt, ihr müsst die Zahlen jetzt einfach so hinnehmen. Es tut mir leid.

Wir halten fest, es ist sehr süchtig machend. Ja. Und spannender Fakt, Frauen zeigen tatsächlich ein stärkeres Suchtverhalten als Männer, was das angeht. Eine weitere Studie, die es gab, ist von der DRK, also von einer sehr großen Krankenkasse, auch eine Studie allerdings allgemein zur Mediensucht. Und diese Studie hat gezeigt, oder besser gesagt bestätigt, im Grunde bestätigt ist die Ergebnisse von der Studie davor, dass über 25 Prozent der 10- bis 17-Jährigen in Deutschland Social Media in einem riskanten Maß nutzen und Anzeichen einer Sucht zeigen. Das ist ein Anstieg von 126 Prozent im Vergleich zu 2019. Da waren es nur 11 Prozent. Kurze Frage, wann ist TikTok groß geworden? Wann hat es mit TikTok gestartet? Weil in meiner Erinnerung war das ungefähr um den Dreh 2019.

Also ich weiß, Corona, da war es schon da. Also soweit ich weiß, war TikTok 2018. Da ging es los? Da fing TikTok an, aber international quasi. Also ab da ist es extrem angewachsen, von daher würde das dazu passen. Tatsächlich gelten laut der Studie der DRK 4,7 Prozent der Jugendlichen als süchtig. Das macht in Deutschland etwa 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche. Und Betroffene davon verbringen hier im Schnitt ca. 157 Minuten in sozialen Medien. Tatsächlich sind laut dieser Studie Jungen etwa doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. Und das war der Moment, in dem ich dachte, Sekunde. In der Studie der YouGov und Hochschule Makromedia hieß es, es ist andersrum.

Was passiert hier gerade? Und die Challenge bei Studien zum Thema Mediensucht und Social-Media-Sucht ist, welche Social-Media-Plattformen werden denn da inkludiert? Das haben wir gerade eben schon so ein bisschen gestreift, als wir gesagt haben, WhatsApp ist da auch mit drin.

Die aktuellen Berichte und Studien für Deutschland beispielsweise umfassen normalerweise die meistgenutzten Social-Media-Plattformen, die dann mit in die Studie eingeführt werden, in Anführungszeichen. Facebook gilt übrigens immer noch als eine der wichtigsten sozialen Medien mit weltweit etwa drei Milliarden Nutzern. Fand ich total verrückt. Crazy. Ich dachte, das wäre out. Ich dachte es auch. Dann Instagram, YouTube, habe ich gedanklich gar nicht mitgezählt.

TikTok, WhatsApp, Snapchat, X, also ehemals Twitter. LinkedIn, habe ich auch nicht drüber nachgedacht. Pinterest. Pinterest, oh. Ist eine soziale Plattform. Boah, da hast du mich wieder. Ja, stimmt. Telegram, Discord, Signal und Xing. Alles Plattformen, über die ich nicht nachgedacht habe. Und bei der DRK Gesundheitsstudie zum Thema Mediensucht geht es nicht nur um Social Media, sondern auch um das Thema Gaming und um Gaming-Sucht. Fun Fact, Fun in Anführungszeichen, Gaming-Sucht ist im ICD-11 das erste Mal tatsächlich als Diagnose taucht das mit auf, das Thema Gaming. Und die DRK-Studie bezieht sich eben nicht nur auf Social Media, sondern auch auf das Thema Gaming. Und im Gaming-Bereich herrscht nach wie vor ein sehr starkes Geschlechterungleichgewicht, weil sehr viel mehr von Jungs oder männlichen Jugendlichen gespielt wird als von Mädchen. Ja, dann macht das voll Sinn.

Jetzt haben wir vorhin schon darüber gesprochen, warum wir beide der Meinung sind, dass Social Media auf eine wie auch immer geartete Art und Weise eingeschränkt werden sollte. Und haben darüber gesprochen, dass das etwas mit dem Gehirn macht. Aber was genau macht das denn jetzt mit dem Gehirn? Es gibt eine Studie zur neuronalen Reaktion auf Social Media Feedback bei Jugendlichen, fand ich persönlich super interessant. Es wurden die Instagram-Daten von etwa 8.000 Jugendlichen und ca. 9.000 Erwachsenen ausgewertet. Und man hat quasi Machine Learning Modelle benutzt, um zu analysieren, wie die Nutzer ihr Posting Verhalten an die jeweiligen Likes angepasst haben.

Und man konnte quasi zeigen, dass Jugendliche sehr viel empfänglicher sind für soziales Feedback als Erwachsene. Also, dass Jugendliche ihr Verhalten, welche Art von Dingen sie posten und wie sie posten, sehr viel schneller anpassen, basierend auf Likes und Feedback, als Erwachsene das tun. Und MRT-Untersuchungen bei jungen Erwachsenen haben quasi gezeigt, dass es veränderte Aktivität und verändertes Volumen in der Amygdala gibt, das ist das Areal für Emotionsverarbeitung, und zwar abhängig oder bezogen auf das soziale Feedback, das sie aus den sozialen Medien bekommen. Das heißt, das Feedback, das in diesem Fall analysiert wurde, das Feedback, das sie auf ihre Instagram-Postings bekommen haben.

Hat quasi dazu geführt, dass sich die Aktivität und das Volumen der Amygdala verändert hat im Vergleich zu Kindern und Jugendlichen, die darauf entweder weniger reagieren oder nicht posten. Und das heißt, also ich vermute jetzt mal, dadurch wurde auch der Bedarf höher an Feedback, an sozialem Feedback, also Likes. Und das hat dann auch wieder psychisch was ausgelöst, wenn es ausgeblieben ist. Das wurde in der Studie nicht eindeutig belegt. Okay, das wäre jetzt meine Vermutung gewesen, dass wenn ja die Amygdala sich da hingehend verändert und dann aber der Reiz ausbleibt, ist es dann vielleicht schwierig auszuhalten. Ja, also was es auf jeden Fall bedeutet, ist, dass diese jungen Erwachsenen sensibler sind gegenüber sozialem Feedback als beispielsweise Erwachsene. Und das kann natürlich die psychische Gesundheit beeinträchtigen, wenn du sensibler auf Feedback reagierst und dir quasi mehr davon zu Herzen nimmst.

Ich liebe ja die Neurobiologie, aber das ist alles so, es juckt mich in den Fingern, Instagram einfach direkt zu löschen, aber Blackbox hindert mich daran. Ich weiß, was du meinst. Ich habe noch zwei, drei Studien mitgebracht, falls du möchtest, dass ich noch ein bisschen mehr teile von dem, was ich so gelesen habe. Ich halte es aus.

Du, ich halte es aus. Hau mir die nackte Realität um die Horn. Es gibt eine Studie zum Thema soziale Vergleiche und Stress bei Instagram, bei Jugendlichen und da wurden negative Effekte von Instagram-Nutzung quasi erhoben, insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen. Und, surprise, die Tatsache, dass wir uns irgendwie schlechter fühlen, wenn wir viel Instagram oder viel Social Media, ich will das eigentlich nicht als gleiches Wort betrachten, weil Social Media ist so riesig. Sagen wir Instagram, weil in der Studie ging es auch um Instagram. Wenn wir Instagram viel benutzen und wir uns danach schlechter fühlen, deckt sich das mit den Ergebnissen dieser Studie. Denn der soziale Vergleich, der durch Instagram ja möglich ist mit diesen idealisierten Bildern, diesen fetten Filtern, Taille so schmal, dass du drum herum fassen kannst, Oberweite so groß wie ich weiß nicht was, das verstärkt Stress, sorgt für eine negative Selbstwahrnehmung und kann tatsächlich sogar zu suizidalen Gedanken führen. Und 52 Prozent der Betroffenen haben Instagram tatsächlich als Verstärker von Unzufriedenheit mit ihrem eigenen Körper betrachtet und auch tatsächlich so genannt. Und dann wurden in dieser Studie qualitative Methoden eingesetzt, also so Fokusgruppen, Tagebuchstudien, Tiefeninterviews, um quasi zu gucken, ob diese individuelle Wahrnehmung und dieser Stressprozess tatsächlich auch.

Über eine Zeit beobachtet werden kann. Und man konnte das nachvollziehen in diesen Tagebüchern und in den Fokusgruppen, dass nicht nur die eigene subjektive Wahrnehmung war, dass die Leute sich schlechter fühlen und unzufriedener sind, sondern dass sie es tatsächlich tun. Das ist so crazy. Und ich glaube, das kennt doch wirklich jeder. Also das kennen doch safe wir beide auch jetzt. Ich dachte mir gerade, bei mir ist es jetzt nicht mit unzufriedener mit dem eigenen Körper. Bei mir kam direkt, kennst du Clean Talk? Nein. Ich habe ja schon ein paar Mal drüber geredet, dass ich ein bisschen ein Ding mit sauber machen habe. Oh ja, doch. Okay, dann habe ich eine Idee. Ja, Clean Talk ist nämlich, da zeigen Leute, wie sie ihre Wohnung putzen und wie sie ihre Wohnung einrichten. Und diese immer perfekt aufgeräumte Wohnung. Und dann gehen die da so ganz achtsam durch und, keine Ahnung, steamen ihre Kleidung und ihre Bettwäsche und saugen. Und es sieht alles immer so calm aus, also so ruhig und so entspannt und so romanticizing life, aber auf sauber machen.

Oder sie restocken ihren Fridge, also Kühlschrank neu auffüllen und machen das alles so voll ästhetisch und alles ist voll geordnet.

Daher kenne ich das von mir. Nämlich das hat mir nämlich zwischendurch richtig Stress gemacht, weil ich mir dann teilweise meine Wohnung angeguckt habe und ich mir dachte, die ist nicht so schön eingerichtet. Da ist nicht so viel Ordnung. Da hinten, da sind Krümel und die habe ich schon seit zwei Tagen nicht weggemacht. Da hinten hat sich Fett abgelagert. Das wäre bei diesen Cleantalk-Leuten sicher nicht so. Und dann kriege ich ständig wieder diese Videos reingespielt. Und da habe ich nämlich bei mir gemerkt, dass ich mich da auch vergleiche. Das meine ich gerade mit, das kennt doch irgendwie bestimmt jeder, dass man es zu einem gewissen Grad irgendwie an irgendeinem Punkt schon mal gemacht hat. Bei mir ist es dieses Cleantalk.

Ich habe das sehr oft bei ganz unterschiedlichen Sachen. Also ich habe das sowohl bei, ich wusste nicht, dass das so heißt, aber bei Clean Talk als auch bei dem ganzen Thema irgendwie Make-up, wie man irgendwie besonders perfekt aussieht. Obwohl sowieso alle einen Filter drüberlegen, was mich irre macht, weil ich mir so denke, es sieht in Realität sowieso nicht so aus. Ja. Und ich versuche mir dann immer irgendwie Sachen im Kopf festzuhalten, die mich daran nerven würden, wenn ich das so mache. Zum Beispiel sind diese Kühlschränke, musst du mal darauf achten, häufig sehr unpraktisch eingeräumt. Die sind wirklich super. Ich habe das auch nachgemacht. Ich habe mir alles gekauft und habe meinen Kühlschrank so eingerichtet. Und es ist längst wieder alles rausgeflogen. Weil mein Mann dann auch teilweise so richtig ausgetickt ist und meinte, was für einen unpraktischen Scheiß ich da gekauft habe, dass man so überhaupt gar nicht aus diesem Kühlschrank leben kann und wir alles davon wegtun müssen. Weil es wirklich, also ich musste auch zustimmen, es hat gar keinen Sinn gemacht.

Es sieht schön aus, aber es nervt. Ja, ja, ja. Es ist einfach unpraktisch. Es ist nicht real. Das versuche ich in solchen Momenten dann immer im Kopf zu behalten. Wenn ich das sehe, denke ich mir so, ja, genau. Also dann versuche ich Dinge daran zu finden, die mich nerven würden, wenn ich das tatsächlich so machen würde. Bei mir hat es geholfen, TikTok zu löschen. Instagram macht das nicht so mit mir wie TikTok. Deswegen ist es jetzt in Ordnung. Aber dieses Vergleichen ist einfach wirklich, das ist ja so mit der Hauptfaktor, Oder ja, was Social Media immer genannt wird, sowohl subjektiv als ja auch objektiv. Ja, voll.

Tatsächlich gibt es noch, wie ich finde, ein sehr, und das deckt sich so ein bisschen, ich habe das Buch, was ich am Anfang genannt habe, noch nicht durchgelesen. Aber es gibt tatsächlich auch eine Studie über die neurowissenschaftlichen Veränderungen oder die neurologischen Veränderungen aufgrund von hohem Social Media Konsum. Und zwar führt die intensive Nutzung zu Veränderungen in Bereichen, die für die Emotionsregulation oder kognitive Fähigkeiten wichtig sind. Die Veränderung im Bereich, der für Emotionsregulation und auch Emotionsverarbeitung wichtig ist, mit der Amygdala haben wir vorhin ja schon so ein bisschen angesprochen. Aber tatsächlich zeigen sich auch Effekte wie verminderte Aufmerksamkeit, Stresssensitivität oder, woran man gerade noch forscht, Reduktion von weißer Substanz im Gehirn. Und zwar explizit durch diese Infinite-Scroll-Mechanismen. Also das, was wir täglich machen. Ja, weil diese ständige Reizflut und das, was es im Grunde ja macht, ist, du kriegst ja jedes Mal eine Dopaminaktivierung. Bei jedem neuen Video kriegt dein Gehirn so einen Dopaminschub und es ist so, uh spannend, uh spannend, uh spannend, die ganze Zeit. Und es wird die ganze Zeit immer wieder Dopamin ausgeschüttet.

Und das sorgt natürlich dafür, dass wir den ganzen Tag komplett mit Reizen überflutet werden. In jedem Moment. Es ist ja so viel Information. Es leuchtet, es bewegt sich, es blinkt, es redet und gibt mir Informationen. Und das Gehirn gewöhnt sich an sehr schnelle oberflächliche Informationsaufnahme. Was dazu führt, dass es uns, wir erinnern uns, im Gehirn alles, was wir nicht nutzen, wird abgebaut. Wenn wir die ganze Zeit, und ich formuliere das jetzt absichtlich, sehr polarisierend. Und wenn wir die ganze Zeit oberflächlich uns irgendwas angucken, kann unser Gehirn irgendwann nicht mehr in der Tiefe denken, weil wir nur noch oberflächlich Informationen konsumieren und sie direkt wieder fallen lassen quasi. Das zweite ist Stresssensitivität und psychische Belastung. Insbesondere wenn wir stundenlang Doomscrolling betreiben, sorgt das natürlich dafür, dass das Stressniveau im Körper steigt, weil unser Körper Stresshormone wie zum Beispiel Cortisol ausschüttet.

Und das kann zu Erschöpfungen oder auch zu Schlafstörungen oder zu Angststörungen führen. Nicht zu vergessen die Tatsache, dass ganz viele Leute keinen Blaulichtfilter anmachen und dann abends im Bett noch scrollen, ihr Gehirn also komplett mit Dopamin vollballern durch diese immer neuen Reize und immer neuen Videos und immer neue Flut an Informationen. Und on top die ganze Zeit blaues Licht ins Auge bekommen, was dazu führt, dass das Gehirn nicht in einen Ruhemodus kommt, weil kein Melatonin ausgeschüttet wird, wenn blaues Licht auf die Retina fällt. Also da gibt es eine Verbindung zwischen dem Auge und dem Gehirn. Und deswegen macht es Sinn, dass man das Schlaf zum Beispiel dunkel macht, weil dann Melatonin im Gehirn ausgeschüttet wird, was dazu führt, dass wir schlafen können. Und wenn wir aber die ganze Zeit quasi das Licht anhaben und unserem Gehirn Tag simulieren mit blauem Licht, wird es natürlich auch nicht müde, was dazu führt, dass wir nicht einschlafen können.

Und nächster Punkt zu diesem Thema Dopaminausschüttung. Es kann natürlich dadurch, dass die ganze Zeit Dopamin ausgeschüttet wird, auch dazu führen, dass unser Gehirn wie so ein bisschen desensibilisiert wird für Dopamin. Weil das Belohnungssystem abgestumpft wird und das ist so ein bisschen dieser Gewöhnungseffekt, den man bei allen Drogen ja empfindet, aber auch bei Social Media, dass man dann eben diese Toleranz ausbildet und immer länger konsumiert, weil dieser Effekt von Glück länger ausbleibt. Und andere Sachen, wie zum Beispiel sich mit Freunden treffen oder sowas, im Vergleich dann weniger befriedigend wirkt, weil Instagram durch dieses Scrolling oder auch TikTok immer wieder Dopamin ausschüttet und diese Glücksempfindung dann deutlich stärker ausfällt, als zum Beispiel sich mit Freunden zu treffen. Und das wiederum befeuert, und das hängt in meiner Perspektive sehr stark mit dem Fall zusammen, den wir uns angeschaut haben heute.

Das befeuert natürlich sozialen Rückzug, wenn ich das Gefühl habe, das, was mich am meisten glücklich macht, ist Doomscrolling an meinem Handy. Und das ist ja auch der Grund, weshalb man immer länger dann plötzlich da Zeit verbringt. Und das ist ja so eine Mogelpackung, weil dann denkst du irgendwie, das ist das, was dich glücklich macht, weil es am meisten Dopamin ausschüttet, aber auf lange Sicht macht es dich einfach depressiv. Ja, es sorgt dafür, dass du die Dinge, die dir Freude machen, nicht mehr machst. Es sorgt dafür, weil das ist ja der nächste Punkt. Was passiert denn in dem Moment, wo du zwei Stunden auf Instagram verbringst und du wolltest eigentlich malen? Und dann machst du Instagram zu und statt acht ist es jetzt schon zehn Uhr abends an deinem einzigen freien Abend. Und in anderthalb, zwei Stunden gehst du ins Bett und du hast noch nichts angefangen. Was macht das mit einem? Man denkt sich ja nicht, die Zeit habe ich jetzt richtig gut genutzt. Also aus Erfahrung kann ich sagen, ich bin dann immer sehr unzufrieden und werde bestimmt dann auch ein bisschen ungemütlich manchmal, weil ich unzufrieden bin, dass ich meinen Abend verschwendet habe. Ja und im Zweifelsfall, wenn wir dann über das Thema Stimmungsaufheller reden, also darüber, dass man Social Media als Stimmungsaufheller nutzt, was mache ich dann? Ja jetzt ist eh schon egal, öffne Instagram und scrolle eine Stunde weiter.

Das mache ich Gott sei Dank noch nicht, aber ich sehe den Punkt. Ich sehe den Punkt. Die Verminderung der weißen Substanz, die ich vorhin angesprochen habe, ist übrigens insofern problematisch, als dass die weiße Substanz für die Informationsweiterleitung zwischen unterschiedlichen Hirnarealen zuständig ist. Und wenn die weiße Substanz vermindert wird, dann kann das die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, aber auch das Gedächtnis, die Entscheidungsfähigkeit oder auch Selbstkontrolle und emotionale Regulation. Wir erinnern uns, dass unser Frontallappen dafür da ist, unsere Amygdala gelinglich im Zaun zu halten, die super emotional reagiert und unser Frontallappen sagt, okay, ich verstehe, du bist wütend oder genervt oder traurig, aber wir atmen jetzt mal eine Runde und wir werfen niemanden aus dem Fenster und wir treffen jetzt keine dumme Entscheidung. Und wenn die weiße Substanz nachlässt oder weniger wird, dann können beispielsweise diese Bereiche im Gehirn schlechter miteinander kommunizieren. Und interessanterweise geht es in dem Buch, das ich gerade lese, unter anderem auch darum. Ich habe noch eine Frage, die ich einwerfen möchte. Wir brauchen darauf keine Antwort zu finden. Aber ich finde das eine Frage, die alarmierend sein könnte.

Könnte es sein, dass damit auch das Risiko für so kognitive Defiziterkrankungen wie zum Beispiel Demenz oder Alzheimer steigert, wenn du das schon im jungen Alter abbaust quasi? Also die Frage kam ja gerade. Also ich glaube ganz grundsätzlich... Birgt es Vor- und Nachteile oder birgt die häufige Nutzung Vor- und Nachteile? Basically gehe ich erstmal davon aus, dass es dazu wahrscheinlich noch keine optimale Studie gibt, weil bisher niemand, der mit sozialen Medien aufgewachsen ist, so alt geworden ist, als dass er Demenz hätte bekommen können. Guter Punkt, das stimmt, ja. Von daher glaube ich, das wird sich noch zeigen. Aktuelle Studien widersprechen dieser These, dass Social Media zu Demenz führt. Jetzt ist auch da wieder die Frage, was wird als Social Media bezeichnet? Weil wovon wir beide ja explizit reden, in diesem Kontext von süchtig machend und potenziell gefährlich, ist Instagram, Snapchat, TikTok, alle sozialen Medien, die diese suchtfördernden Elemente haben. Pinterest zum Beispiel hat mich noch nie so gecatcht, dass ich da drei Stunden verbracht hätte, weil es diese Mechanismen nicht hat. Ja, das stimmt. Pinterest hat den Effekt bei mir auch nicht, obwohl ich da auch gerne drauf bin. Aber da gehe ich zweckgebunden hin, wenn ich irgendwie genau was suche oder Inspiration für was Bestimmtes suche. Nur dann bin ich da und auch nur dafür bin ich da. Ja.

Tatsächlich gehen aktuelle Studien, was Demenz angeht, davon aus, dass an sich die aktive Nutzung von digitalen Medien die Wahrscheinlichkeit für Demenz vermindern kann, weil wenn wir nur von digitalen Medien sprechen, sprechen wir auch von sowas wie Lernspielen oder Kommunikation mit den Kindern über WhatsApp oder sowas, was natürlich förderlich ist, weil es dafür sorgt, dass wir mehr soziale Interaktion haben. Soziale Interaktion schützt oder kann vor Demenz schützen, ist auf jeden Fall ein wichtiger Punkt, Sozialkontakte zu haben, aber auch sowas wie Online-Bridge-Spielen oder sowas, ermöglicht natürlich Leuten am Leben teilzuhaben, die sich vielleicht aufgrund von Bewegungseinschränkungen nicht ins nächste Café bewegen könnten und an der Stelle kann es natürlich schützen, allein die Nutzung digitaler Medien im weitesten Sinne, aber Social Media insbesondere, diese mit diesen süchtig machenden Elementen hat ja häufig den Charakter, dass es eben die.

Die Sozialwelt in puncto von Kontaktaufbau mit anderen Menschen eher kleiner macht und schrumpfen lässt, weil man sich sehr stark auf diese virtuelle Welt bezieht. Und dann erhöht es wiederum wieder die Chance für Demenz, weil es natürlich dafür sorgt, dass wir die Dinge, die uns vor Demenz schützen können, seltener machen. Wie zum Beispiel Musik spielen, ein Musikinstrument spielen, mit Freunden sich treffen, mit der Familie etwas zusammen machen oder digital Bridge spielen. Ja, also das macht vollkommen Sinn. In meinem Kopf ist halt jetzt gerade irgendwie so, ja, nur dieses, also gerade dieses Doomscrolling, gerade dieses auf Social Media und TikTok rumhängen, da habe ich mich das gefragt. Aber natürlich, du hast vollkommen recht, das kann man jetzt noch nicht sagen, weil es gibt keine Zahlen dazu. Es kann auch gar keine Zahlen dazu geben. Aber ich sag dir, wie es ist, ich hab das jetzt im Kopf.

Ich will das Risiko irgendwie nicht eingehen. Ja, das verstehe ich. Ich habe ehrlicherweise zum Ende der Folge in der Vorbereitung darüber nachgedacht, was ich irgendwie sagen könnte im Sinne von, wie kann man sich schützen, wie kann ich mein Kind schützen, mich selbst schützen. Und dann kommt wieder diese Diskussion mit dem Thema Medienkompetenz. Ja. Natürlich kann Medienkompetenz insofern helfen, als dass es wichtig ist, sich damit auseinanderzusetzen, was man nutzt, wie oft man das nutzt, wofür man das nutzt. Aber zum anderen denke ich, ist es wichtig und deswegen lag mir diese Folge so am Herzen, dass man sich bewusst macht, dass es soziale Medien gibt wie WhatsApp oder Pinterest, die einen Sinn haben, der einen begrenzten zeitlichen Kontext hat.

Sprich, ich gucke bei Pinterest nach, wie ich meine Wohnzimmerwand streichen möchte und finde dann was, was ich schön finde. Oder ich schreibe bei WhatsApp meiner Oma, dass ich sie nachher noch anrufe, weil ich ja zum Essen vorbeikommen möchte. Und Instagram oder TikTok, bei denen die Mechanismen tatsächlich dafür da sind, um mich so lange wie möglich an diesem Handy zu halten. Und ich glaube, allein die Bewusstheit darüber, dass es diese Mechanismen gibt, dass diese Mechanismen bewusst eingesetzt werden, um uns so lange wie möglich am Handy zu halten, dass diese Mechanismen entwickelt wurden von Psychologen und von Behavioral Experts und von wem nicht sonst noch alles, vermutlich auch noch von Neurowissenschaftlern und ähnlichen Personen, hilft mir quasi wie so eine zweite Instanz in meinem Kopf zu bauen, die mir dabei zuguckt und sagt, hey, du weißt noch, dass wir darüber gesprochen haben, erinnerst du dich noch an die und die Studie, weißt du noch, dass das genau der Mechanismus ist, der in deinem Gehirn gerade das und das und das macht, um sich im ersten Schritt darüber bewusst zu werden, was das bedeutet.

Und ich glaube, für sich selber ist es erstmal wichtig zu verstehen, was mache ich da eigentlich, warum mache ich das, ist das vielleicht schon eine Nutzungsintensität, mit der ich selber nicht zufrieden bin und die ich selber gerne ändern möchte und sich selber tatsächlich überlegen. Ja, im Grunde klar zu machen, warum man sich so verhält, wie man sich verhält im Umgang mit diesen sozialen Medien. Und im nächsten Schritt zu schauen, was kann ich machen, um mich selber davon abzuhalten. Wie zum Beispiel wir beide, die das öffnen und dann immer sagen, ah, stopp, löschen, ah, stopp, schließen, okay, doch nicht.

Und ich finde es nur so wichtig, dass man da einfach sich bewusst macht, Medienkompetenz, ja, super, super, super wichtig bei sich selbst und vor allen Dingen auch bei den Kindern darüber zu sprechen, über Social Media, auch über diese Mechanismen, auch über das, was da eingebaut wird. Weil Wissen schützt nicht immer, aber es trägt einen Teil dazu bei, dass man sich darüber im Klaren ist, mit was man konfrontiert wird. Ich glaube, da ist auch Selbstbeobachtung total wichtig, weil ich meine, bei uns beiden ist ja auch so ein bisschen Unterschied. Du zum Beispiel sagst, bei dir ist Instagram das Schlimmste, bei mir ist es TikTok. Also, dass man sich da auch ein bisschen selbst beobachtet und auch merkt, okay, ich bin jetzt vielleicht, vielleicht ist jemand anderes besonders anfällig für Snapchat, für diese Streaks da. Also, dass man sich auch irgendwie selbst beobachtet und sagt, okay, ich reagiere besonders darauf und muss dann da vielleicht auch ein bisschen mehr drauf achten. Die wirken ja auch bei jedem auch noch mal in Nuancen unterschiedlich.

Also für euch selber, denkt da mal drüber nach. Nehmt euch mal einen Moment und denkt drüber nach und überlegt, ob es vielleicht was gibt, womit ihr das ersetzen könnt oder wie ihr das anders machen könnt. Und wenn ihr euch selber darin erkannt habt, dass ihr sagt, oh mein Gott, mein Job leidet richtig doll darunter und meine Freundschaften und irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich die Kontrolle darüber verloren habe, wie viel ich eigentlich beispielsweise TikTok nutze, dann schämt euch nicht, euch Hilfe zu holen. Es steht zwar, also Social-Media-Sucht ist zwar keine eigene Kategorie im ECD11, noch nicht, aber es ist kein unbekannter Bereich und Suchtverhalten auch im Gaming-Bereich zum Beispiel, also an sich mit Medien ist auch nichts mehr, was in der Gesellschaft so weit weg ist, dass da Leute sagen, was? Das verstehe ich nicht. Also springt ihr bei ihren Schatten, holt euch Hilfe bei Beratungsstellen, bei Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen, bei Beratern, bei Sozialarbeitern. Es ist keine Schande und es ist die Tatsache, dass beispielsweise TikTok oder Instagram oder Snapchat für euch so wichtig ist, liegt nicht daran, dass ihr irgendwie merkwürdig seid, sondern viele von diesen Mechanismen sind explizit dafür gemacht, um genau das zu erreichen. Vielen Dank.

Ich glaube, das, was ihr am Ende des Tages tun könnt, um irgendetwas zu tun, in Anführungszeichen, weil anders als beim Internet, wo rein Aufklärung reicht, ist es in diesen sozialen Medien mit den expliziten suchtfördernden Mechanismen ein bisschen schwieriger. Ich glaube, das eine ist, sprecht ganz offen mit eurem Kind über Social Media, über die Mechanismen darüber, dass Leute sich das mit Absicht ausdenken oder mit Absicht integrieren und sich überlegen, wie kriege ich dich denn dazu, dass du so lange wie möglich an deinem Handy bleibst. Weil manchmal hilft es allein schon, wenn Kinder verstehen, warum das da passiert und warum sie sich dazu so hingezogen fühlen. Und sprecht ganz ehrlich über so Sachen wie Suchtgefahr. Sprecht ganz ehrlich darüber, dass das explizit deswegen so gebaut ist. Seid selber ein Vorbild. Sprich, wenn ihr mit euren Kindern zusammen seid, fangt mich auch an mit Doomscrolling auf Instagram. Weil wie soll euer Kind es besser machen, wenn das das ist, was man vorlebt? Das ist ja bei allen Sachen so, ob das jetzt gesunde Ernährung ist oder Sport oder Ordnung oder was auch immer. Es ist genauso mit dem Handy eben auch. Seid ein gutes Vorbild. Stärkt die Sozialfähigkeiten und die Emotionsregulationsfähigkeiten eurer Kinder. Wenn ihr euch fragt, wie ihr Emotionsregulationsfähigkeiten stärken könnt, guckt ein paar Folgen zurück, da haben wir ganz explizit darüber gesprochen.

Unterstützt eure Kinder darin, sozial kompetent zu sein, mit eigenen Gefühlen umzugehen und auch zu erkennen, was für das Kind selbst nicht gut ist. Es ist schon viel dafür getan, wenn man selber merkt, irgendwie fühle ich mich immer schlechter, wenn ich Instagram benutze. Einfach erst mal nur, um diese Erkenntnis zu haben. Und, Sensibilisiert eure Kinder für so Warnhinweise und Warnanzeichen dafür, dass Social Media gerade zu viel genutzt wird. Im besten Fall unterstützt sie dabei, dass sie so selbstreflektiert wie möglich mit diesen sozialen Medien umgehen.

Und ich bin gespannt, was die Zukunft zeigt, was das ganze Thema Social-Media-Nutzung angeht. Ich bin gespannt, ob wir da veränderte Gesetzgebungen bekommen. Ich bin gespannt, wie die Sammelklage in den USA ausgeht. Das ist ein ganz aktuelles Thema und ich werde das auf jeden Fall weiterverfolgen und werde berichten, sobald ich an der Stelle irgendein Ergebnis finde oder von einem Ergebnis höre. Und damit bleibt uns nicht mehr zu sagen, als seid lieb zueinander und seid lieb zu euch, wenn wir heute über soziale Vergleiche auch gesprochen haben. Und wir sagen Tschüss!

Music.

Schnitt- und Sounddesign Milan Fay. Hörst du mich? Okay, Moment. Sorry, Milan. Mein Internet spackt. Warum hängt der denn jetzt auch noch? Das gibt es doch nicht.