In unserer letzten Folge zum Thema Gaslighting, Folge 185 vom Blackbox, haben wir ja darüber gesprochen, was Gaslighting alles mit Beziehungen quasi macht, wie Leute da überhaupt reingeraten. Wir haben uns die Frage gestellt, die sich viele Leute irgendwie leider Gottes stellen, nämlich ob man dumm ist, wenn man auf Gaslighting reinfällt. Wir haben darüber geredet, was genau dieser Mechanismus eigentlich ist und warum die Leute, die sich in Beziehungen befinden und regelmäßig gegaslightet werden, nicht gehen. Worüber wir uns aber nicht unterhalten haben, ist, was Gaslighting eigentlich mit dem Gehirn macht. Und damit herzlich willkommen zu unserem allerersten Neurobiologie-Quickie eigentlich, wenn man so will. Ich find's mega. Ich find's auch ganz toll. Also ich hab das gesehen, es geht heute, für euch zum Hintergrund, Babsi hat den heutigen Quickie vorbereitet. Ich hab gesehen, es geht um Neurobiologie, was Gaslighting mit dem Gehirn macht und ich war abgeholt. Ich hab Bock, ich hab Interesse, ich bin gespannt.
Für diejenigen von euch, die wissen wollen, was war Gaslighting nochmal und was bedeutet das, hört gerne in Folge 185 von unserem Podcast rein. Da wird es nochmal ein bisschen exzessiver erklärt. In diesem Quickie geht es nur darum, in fünf bis zehn Minuten zu erklären, was passiert eigentlich im Gehirn. Denn neurowissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass dauerhafte emotionale Manipulation, wie Gaslighting ja ist, ähnliche Effekte auf das Gehirn hat wie Traumata.
Und das finde ich so eine krasse Erkenntnis, weil es ja wirklich sowas ist, hat man nicht im Kopf, dass es wirklich die gleichen Effekte haben kann, wie so lebensverändernde, einschneidende Erlebnisse, die einem total im Kopf bleiben und zu Panikattacken führen können, dass die im Hirn ähnliche Auswirkungen haben können wie einfach emotionale Manipulation und Gaslighting. Crazy. Studien zeigen nämlich, dass das Gehirn sehr, sehr empfänglich ist für gerade verbale Suggestionen und Fremdsteuerung. Das heißt, Sprache und auch gezielte Manipulationen können Wahrnehmung oder auch Erinnerung direkt beeinflussen. Manche von euch erinnern sich vielleicht an das ein oder andere Mal, dass wir uns auch über False Memories unterhalten haben. Es gibt Experimente mit PET-Scans, die tatsächlich gezeigt haben, dass das Gehirn anders reagiert, wenn man versucht, die Wahrnehmung von Leuten zu beeinflussen. Und das Krasse ist, dass chronische Gaslighting-Erfahrungen im Neuroimaging tatsächlich Veränderungen zeigen, die vergleichbar sind mit den Gehirnen von Menschen, die posttraumatische Belastungsstörungen haben. Es zeigt sich zum Beispiel eine erschwerte Emotionsregulation oder auch ein erhöhtes Stresslevel.
Dieses erhöhte Stresslevel führt in unserem Gehirn, insbesondere im präfrontalen Kortex, dazu, dass dieser geschwächt wird. Der präfrontale Kortex ist super wichtig für rationale Entscheidungen, für Perspektivwechsel, ironischerweise, und für Selbstreflexion. Und chronischer Stress und emotionale Manipulationen können diese Aktivität hemmen. Das heißt, Betroffene können in den Momenten weniger klar denken und sehen auch weniger Handlungsalternativen. Alternativen quasi. Sie wissen nicht, was sie sonst machen sollen, weil unser Gehirn in dem Moment dieses Stresses wortwörtlich blockiert ist. Der logische Teil, also unser präfrontaler Kortex wird nämlich komplett überstimmt von dem Teil in unserem Gehirn, der für Angstempfinden zuständig ist. Ich denke mir gerade, dass ich das total nachvollziehbar finde, dass der präfrontale Kortex da blockiert ist und das Gaslighting ihn abschwächt. Wenn ich mich daran denke, wenn ich jetzt brutal im Stress bin oder starke Angst habe oder generell starke Emotionen habe, dann fällt es mir auch total schwer, irgendwie zu planen oder irgendwie als strukturiert irgendwie vorzugehen. Also das kennen bestimmt viele, die jetzt hier zuhören. Von daher finde ich es total nachvollziehbar, dass.
Dass gerade chronisches Gaslighting dazu führen kann, dass der präfrontale Kortex einfach wirklich geschwächt ist. Das ist so crazy. Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht. Was ich noch viel krasser fand, ist, dass tatsächlich sogar die Selbstwahrnehmung verändert werden kann im Hippocampus. Der Hippocampus ist zuständig für Erinnerungen und Orientierung zum Beispiel und auch der ist super sensibel oder reagiert super sensibel auf Stresshormone. Also wir können uns ganz grundsätzlich merken, Stresshormone im Gehirn sind an sich, wenn das zu häufig vorkommt und in einer zu hohen Konzentration ist das nie gut. Und der Hippocampus wird eben durch dieses ständige Stresslevel ebenfalls geschwächt und kann in seiner Aktivität sogar beeinflusst werden. Und das wiederum hängt damit zusammen, dass Betroffene dann an ihren eigenen Erinnerungen zweifeln, weil der Hippocampus in dem Moment geschwächt wird und die Aktivierung runtergeht und dadurch, dass er weniger aktiv ist, können Erinnerungen schlechter abgerufen werden, was bedeutet, dass sich Betroffene nicht daran erinnern können, dieser klassische Satz von wegen, ach ja, sag mir doch bitte zweimal oder sag mir einmal, wann ich das gemacht haben soll. Und dann auf einmal alles leer. Und es ist alles leer, es ist alles weg. Ich kann mich nicht erinnern. Ich weiß es nicht mehr. Und der Grund dafür ist die Tatsache, dass unser Hippocampus nicht richtig funktionieren kann, weil diese Konfrontation.
Mit einer Person, das ist ja über das, worum es beim Gaslighting geht, dass es häufig eine sehr nahestehende Person ist, die uns wichtig ist. Unser Gehirn will keinen Streit, unser Gehirn will keinen Konflikt, unser Gehirn will Liebe und Harmonie und dass alles gut ist. Und alles andere an Konflikten stresst unser Gehirn. Und der präfrontale Kortex, wie schon gesagt, wird geschwächt. Das heißt, in dem Moment können wir keine Handlungsalternative sehen. Wir können nicht klar denken. Das sagt man ja oft, dass man, wenn man wütend ist oder Angst hat, sagt sich, ich kann nicht klar denken. Das ist der Grund dafür, weshalb wir es nicht können. Und der Hippocampus, der eben auch durch Stresshormone komplett überflutet ist, der die Erinnerung nicht abrufen kann. Und dann sitzt man da und denkt sich, oh Gott, habe ich mir das nur eingebildet? Ich erinnere mich nicht daran. Ich weiß, dass es gewesen ist, aber ich kann es nicht abrufen.
Die gute Nachricht dabei ist, bei all diesen Hirbensbotschaften, dass sich das Gehirn dabei verändert, ist, dass das alles reversibel ist. Das heißt, diese Veränderungen sind nicht dauerhaft, euer Gehirn kann sich davon erholen. Das ist möglich durch therapie, soziale Unterstützung, stabile Beziehungen oder generell sichere soziale Umgebungen. Dadurch kann der Cortisolspiegel, also eure Stressempfinden, eure Stresshormone wieder sinken und die Amygdala-Aktivität kann sich wieder regulieren. Das Amygdala ist das Zentrum, was die Emotionen durcheinander schmeißt, das die reguliert und die ist natürlich bei emotionaler Manipulation auch total verwirrt und trägt dazu bei, dass wir eben nicht klar denken können. Auch der präfrontale Kortex kann sich erholen und es können neue neuronale Verbindungen für Selbstvertrauen entstehen. Unser Gehirn hat nämlich die tolle Eigenschaft, dass es neue Verknüpfungen bilden kann, auch wenn die alten vielleicht nicht mehr bestehen sollten oder weniger bestehen sollten.
Heilung in Anführungszeichen von Gaslighting bedeutet in dem Fall, dass das eigene Nervensystem neu kalibriert werden kann vom Überlebensmodus und Infragestellenmodus zurück zu Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen. Und das finde ich ist doch wirklich eine schöne Message. Und wenn ihr ganz zum Schluss noch so eine Erklärung haben wollt oder einen Moment, eine Sache, einen Fact haben wollt, mit dem man, wie ich finde, sehr, sehr intelligent und aufgeklärt wirkt, was Gaslighting angeht, dann folgendes. Gaslighting untergräbt das sogenannte epistemische Vertrauen, also das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und die eigene Interpretation von Wirklichkeit. Unser Gehirn macht die ganze Zeit quasi...
Also trifft die ganze Zeit Vorhersagen auf das, was passieren wird. Und dadurch, dass der Täter ganz gezielt immer wieder sagt, das ist nicht so gewesen, das sehe ich nicht so, das war gar nicht so, sorgt er ja dafür, dass unser Gehirn denkt, dass es ganz oft Vorhersagefehler macht.
Und das führt dazu, dass unser Gehirn sich selbst weniger vertraut, was eben bedeutet, dass das epistemische Vertrauen sinkt, also das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und die Interpretation der Wirklichkeit. Ich persönlich fand es mega interessant, weil genau da irgendwie so diese Schnittstelle ist zwischen dem eigenen Empfinden und dem, was im Gehirn passiert. Und ich persönlich finde das ja immer super spannend, wenn die eigene Wahrnehmung erklärbar ist mit Dingen, die im Gehirn passieren. Jetzt haben wir ja in der letzten Folge und im heutigen Quickie über Gaslighting gesprochen und was es mit dem Gehirn macht.
Natürlich gibt es neben Gaslighting auch ganz viele andere Verhaltensweisen oder Dinge, die in Beziehungen vorkommen können und die Beziehungen toxisch machen können. Und was in solchen toxischen Beziehungen im Gehirn passieren kann und vor allem, was geschieht, wenn da eine emotionale Überforderung, Überkompensation stattfindet. Darüber sprechen wir auf jeden Fall in der nächsten Folge Black Box, wo wir ganz genau auf Affekt-Taten und toxische Beziehungen eingehen.