In unserer letzten Blackbox-Folge, in der Folge 186, haben wir uns über toxische Beziehungsmuster unterhalten. Und Maxi, du hast versprochen, dass wir uns in diesem Quickie über die psychologischen Hintergründe unterhalten, warum wir toxische Liebe romantisieren. Und lass mich raten, es geht sicherlich sehr viel um das ganze Thema in der Literatur, in Serien, in Filmen. Warum tun wir das? Ja, natürlich. Das ist mein Steckenpferd, Literatur, Filme, Serien, Bücher.

Wie ist es denn eigentlich bei dir? Also hast du das schon mal bei dir bemerkt, dass du toxische Liebe romantisierst? Auf jeden Fall. Also ich war in meiner Teenager-Zeit, als ich noch ein Teenager war. Als ich noch jung war. Da fand ich Bad Boys mega. Also es war ja dieses Bad Boy-Image. Allein dieser Begriff Bad Boys. Ja, ich schon höre. Ich stehe auf Bad Boys, ich stehe auf Arschlöcher. Ich fand's richtig, richtig cool. Also nee, nicht Arschlöcher. Das war immer meine Definition. Ich will nicht, dass er zu mir schlecht ist. Ich will, dass ich die Einzige bin, bei der es nicht ist. Das ist, was ich früher wollte. Ich wollte, dass ich die Einzige bin, die so seine softe Seite hat. Und bei allen anderen ist er so hart und krass. In der Pubertät fand ich das mega. Also das war, was ich wollte. Das ist so ein Red Flag, aber ich kann so relaten. Kennst du den Film Mr. und Mrs. Smith mit Brad Pitt in Angelina Jolie. Brad Pitt in diesem Film war der Traum meines 11, 12, 13 und weiß ich nicht, wie lange noch gierigem ich.

Bei mir war es, ich hatte eine Phase ganz dolle mit Damon Salvatore von Vampire Diaries, der ja, für die, die es nicht wissen, ein Vampir ist und immer mal wieder auch Leute einfach random tötet, aber zu Elena, seinem Girl, ist er zuckergoldig, der romantischste Typ der Welt, einfach wundervoll. Ich hatte wirklich eine Phase, also ich habe immer wieder zwischen Stefan und Damon geschwankt, bin ich ehrlich. Heute bin ich eher bei Stefan. Aber damals, ich hatte eine Phase, boah, Damon, I love Tim. Ich habe bei Mr. und Mrs. Smith die ganze Zeit davon geträumt, dass meine Ehe irgendwann mal so sein wird. Oh Gott. Weil ich wollte gerne CIA-Agentin werden. Und hatte gehofft, ich würde dann da auch einen FBI- oder CIA-Agentin daten. Ich war over the top mit elf.

Also ich weiß nicht, vielleicht war ich nicht elf. Ich glaube, ich war 13 oder so. Aber jedenfalls, oh Gott, ich war auf keinen Fall elf. Also mit 13 war ich der Meinung, dass meine Ehe im besten Fall mal so aussehen sollte wie der Film Mr. und Mrs. Smith. Also ich wollte gerne, dass ich quasi CIA-Agentin werde. Das war mein erster Traumjob. Und ich wollte dann auch jemanden vom FBI oder der CIA daten und dann wollte ich, dass wir so dieses Katz-und-Maus-Spiel spielen und dass ich immer ein bisschen krasser bin als er und das ja so richtig skrupellos ist. Nur mir gegenüber hat er so eine weiche Seite, nachdem wir dann beide wissen, wer wir sind. Also Mr. und Mrs. Smith lives forever rent free in my head. Ja, aber jetzt mal Butter bei die Fische. Wie ist es denn so in den letzten zwei Jahren? Ich muss ehrlich sagen, dass ich, ach, es klingt so langweilig, ne? Aber ich finde es total attraktiv, wenn Leute selbst reflektiert sind.

Aber auf der anderen Seite, zu meiner großen Schande, habe auch ich Dark Fantasy und Dark Romance gelesen und lese es auch immer noch. Und ich glaube, mein Eindruck ist, zumindest bei mir persönlich, je älter ich geworden bin, desto mehr unterscheide ich zwischen dem, was ich mir gerne durchlese und was ich in der Theorie richtig cool finde und gut finde und was auch immer. Und dem, was ich in der Praxis, in meinem Leben gerne möchte. Voll. Kann ich vollkommen verstehen. Ich würde auch sagen, ich bin auch in der Fraktion toxische Liebe in Büchern romantisieren. Wenn es nicht zu stark ist. Es gibt auch Bücher, ich habe letzte Zeit auch Bücher gelesen, da war es mir too much, das war zu viel. Da habe ich es auch nicht mehr in meiner fiktiven Welt genießen können. Aber.

Es ist schon so, dass wenn in meinen Fantasy-Büchern dann irgendwie da starke Eifersucht oder so von wegen, wenn er, sie stirbt, dann sterbe ich auch so. Das holt mich dann doch ab, fiktiv. Also ich habe ein fiktives Ich, was es ganz toll findet und dann habe ich ein Realitäts-Ich, was es gar nicht toll findet. Also diese Unterscheidung hat es bei mir mittlerweile auf jeden Fall auch. Ich weiß, was du meinst. Mein fiktives Ich hat eine Schwäche für, wenn jemand entscheidet für den weiblichen Hauptcharakter. Oh ja. Und er weiß so besser, wie es ist. Und er weiß, wie es funktioniert. Und er weiß, wie es läuft. Und so weiter und so fort. Und in der Realität. Und deswegen ist es so witzig. Danke, dass du auch so darüber lachst. In der Realität, wenn jemand versucht, mir zu sagen, was ich tun soll, bin ich so, who the fuck do you think you are? Ja, ja, ja. Ich fühl's zu tausend Prozent. Also es ist, da gehen irgendwie auch meine unterschiedlichen Ichs, meine unterschiedlichen Seiten sehr konträre Wege. Ja doch. Und in der Realität wäre es absolut unmöglich, dass jemand sich mir gegenüber so verhalten würde und damit davon kommt. Ja, aber wenn du so ein Buch liest, dann bist du so, wie schön. Ja genau, da ist es irgendwie super.

Wir wollen uns heute eine Frage stellen, warum machen wir das? Warum passiert das in unserem Hirn, dass wir ein fiktives Ich haben, was es dann ganz toll findet? Und vielleicht auch nicht nur ein fiktives Ich, sondern warum finden wir das teilweise echt gut? Die Antwort scheint easy. Unser Gehirn reagiert nämlich auf emotionale Achterbahnen. Nämlich sowas wie Nähe, Distanz, Konflikt, Versöhnung. Eigentlich, dass aus dem gefühlt alle Liebesfilme so bestehen. Die ganze Storyline. Das versorgt unser Hirn mit Dopamin- und Cortisol-Schüben, was quasi wirklich wie so ein Achterbahn-Ding ja dann ist und es für uns so fühlen lässt, als ob das jetzt besonders lebendig, besonders leidenschaftlich ist. Und diese Wechselwirkung kann sogar süchtig machen. Also dieses emotionale Hoch nach dem Konflikt kann für unser Gehirn so eine Art Belohnung sein, was dann dazu führt, dass wir es immer wieder haben wollen. Ehrlich gesagt, glaube ich, ist das der neurobiologische, Grundsatz von Dark-Romance-Büchern und auch von den Filmen. Ich glaube, es ist wie beim Horrorfilm, wo du zuguckst und, Genugtuung daraus bekommst, dass du quasi Angst in einem kontrollierten Rahmen empfindest und du nicht die Person bist, die gerade mit einer Kettensäge durch ein Maisfeld gejagt wird, sondern du nur dabei zuschaust. Und ich glaube, es ist genau so.

Mit Dark-Romance-Büchern oder Dark-Romance-Filmen, dass es diesen Kick für unser Gehirn ergibt, den wir in der Realität so nie angenehm finden würden, weil es dann zu real ist, weil es uns dann selber passiert.

In der Popkultur und in der Gesellschaft wird dieses Prinzip und auch dieser Snack, den wir unserem Gehirn geben, wird noch weiter verstärkt. Zum einen gibt es diese klassischen Romantik-Narrative, sowas wie, es gibt keine Liebe ohne Drama. Man erinnere sich an gute Zeiten, schlechte Zeiten. Ich habe es nie gesehen, aber ich weiß, dass die Leute vorm Bildschirm gehalten wurden mit immer wieder Drama mit der Liebe. Es geht um Schmerz, es geht um Eifersucht und Tiefe. Und große Gefühle symbolisieren häufig, zumindest habe ich das Gefühl, in unserer Gesellschaft Hingabe. Wer große Gefühle empfinden kann, der ist leidenschaftlich dabei, dem ist das wichtig. Große Gesten symbolisieren immer gleich auch große Gefühle, egal ob diese großen Gesten gut oder schlecht sind. Dazu kommt, dass wir diese Genderrollen natürlich haben. Also Frauen lernen auch heute noch oft, dass Liebe durch Hingabe oder durch Aufopferung bewiesen werden kann. Also indem ich aufgehe in der Kümmererrolle und indem ich mich hingebe, zeige ich, wie sehr ich liebe. Männer hingegen werden immer noch darauf trainiert, in Anführungszeichen durch Kontrolle oder Besitz Liebe auszudrücken. Also wenn man überlegt, ganz simpel in Filmen, die Frau kauft zum Jahrestag, zum Hochzeitstag kauft sie sich schicke Unterwäsche und der Mann kauft zum Hochzeitstag eine teure Halskette.

Und im Grunde ist es genau das und er übernimmt die Planung, er soll ein Restaurant raussuchen und übernimmt die Kontrolle und macht das alles und sie gibt sich ihm dann darauf hin. Also das ist im Grunde, was wir unter Romantik und unter Geschlechterrollen ja in der Popkultur immer noch verstehen, was immer noch gezeigt wird. Und dazu kommt, dass in den Medien natürlich auch so toxische Beziehungen extrem ästhetisch dargestellt werden. Also man erinnere sich an Fifty Shades of Grey, wo allein die Lichtverhältnisse, die Hintergrundmusik, es ist irgendwie, es ist hot, es ist romantisch, es ist leidenschaftlich, wir sehen da irgendwie. Es ist im Grunde wie eine Erotik-Szene, in der aber die Wertevorstellungen und die Moralkonzepte auch durch den Einfluss von Musik oder Licht komplett verschoben werden. Weil man, das finde ich das Spannende an Filmmusik zum Beispiel, dass man mit unterschiedlicher Musik im Hintergrund ja kompletten Szenen ganz andere Bedeutungen geben kann. An der Stelle Grüße an Coldmirror, die mich irgendwann mal darauf aufmerksam gemacht hat im Harry Podcast. Danke dafür. Seitdem achte ich auch drauf. Falls du das hier höchst, ich bin ein großer Fan. Ich auch.

Und der Punkt ist, dass das sogar bestätigt werden kann, also dass diese Mythen und diese Vorstellungen, die wir in der Popkultur ja immer weiter verbreiten und die ja unsere Vorstellungen von Liebe auch prägen, weil ich meine, seien wir ehrlich, du und ich mit elf, zwölf Jahren haben uns diese Sachen angeschaut und es prägt unsere Vorstellung von Liebe, es prägt unsere Vorstellung von Leidenschaft und von Eifersucht. Und eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2025, also aus diesem Jahr von Oldeck und Kolleginnen, zeigt, dass romantische Mythen, also sowas wie wahre Liebe überwindet alles, Eifersucht ist ein Zeichen von Hingabe etc. etc. Einen sehr starken Einfluss darauf haben, wie Menschen auf Anzeichen von Gewalt in Beziehungen reagieren. Also insbesondere bei jungen Frauen zeigt sich, je mehr man verinnerlicht hat, dass zum Beispiel Eifersucht ein Zeichen von Hingabe ist aus beispielsweise Büchern oder Filmen.

Desto stärker neigen Frauen dazu, missbräuchliches Verhalten in Beziehungen zu entschuldigen. Das heißt, wenn der Partner da kontrollierend ist, eifersüchtig ist, herablassend ist, wird das nicht als Warnsignal gedeutet, sondern als Ausdruck intensiver Liebe. Und ehrlicherweise finde ich es deswegen eigentlich schwierig, dass wir uns so exzessiv gerade in den Büchern mit toxischer Liebe und toxischen Beziehungen, die so stark romantisiert werden, beschäftigen. Weil wir der nächsten Generation von jungen Mädchen und jungen Menschen ein vollkommen falsches Grundbild von Rollenverteilung, von Sexualität, von Liebe und all diesen Dingen mitgeben.

Ich glaube, dass wir beide das nur distanzierter betrachten können, weil wir eben nicht mehr unser 13-jähriges Ich sind. Ja, ich meine, es normalisiert halt ungesunde Beziehungsdynamiken. Ich krege gerade immer von meinen Trash-TV-Sendungen, aber es ist halt so, da sind sehr junge Menschen und da ist teilweise geht es dann auch darum, Eifersucht, ja ein bisschen Eifersucht bin ich, aber nicht so ungesund, weil ein bisschen muss ja auch. Weißt du, also so, das ist da so normalisiert und es fällt mir so auf, je jünger die Teilnehmer in diesen Formaten sind, habe ich das Gefühl, dass du eher normalisieren sie solche ungesunden Dynamiken. Ich würde sogar noch weitergehen und sagen, dass es sie nicht normalisiert, sondern sie sogar als erstrebenswert darstellt. Ja, genau, weil es besonders leidenschaftlich, besonders feurig, besonders temperamentvoll, was weiß ich, immer mit dieser Leidenschaft und diesen großen Gefühlen verbunden. Was auch problematisch daran ist, ist, dass es Co-Abhängigkeit verstärkt und die Vorstellung auch untergräbt, dass Liebe auch ruhig, respektvoll und sicher sein darf. Weil so wird Liebe natürlich in Filmen oder Büchern nicht dargestellt, denn darüber was zu schreiben wäre vielleicht etwas langweilig, weil da keine Achterbahnwirkung entsteht.

Und so ist aber eben Liebe im realen Leben, da ist sie ruhig und sicher im besten Fall. Wenn ihr eine gesunde Beziehung führt, dann ist es eher was, was sich sicher anfühlen darf und ruhig anfühlen darf und nicht vor Drama und Leidenschaft strotzen muss jeden Tag.

Ja und ehrlich gesagt finde ich, da kann man auf jeden Fall kritisieren, inwieweit sich die Medienkultur und auch die Literatur, die Serien, die Bücher aktuell entwickeln, insbesondere unter Berücksichtigung dieser gerade dargestellten Studier. Ja, also ehrlicherweise war mir das auch neu und irgendwie betrachte ich jetzt diesen ganzen Trend auch nochmal kritischer, weil es eigentlich ja nichts ist, das wir der nächsten Generation vermitteln wollen. Vor allen Dingen in den Extremen, wenn du überlegst, dass es mittlerweile ja sogar Fantasy, so Dark Romance, Dark Fantasy Romane gibt, wo es tatsächlich um, da geht es nicht mehr um Gaslighting und eine toxische Beziehung, da geht es um körperliche Gewalt und Vergewaltigung. Nein, da geht es teilweise um Straftaten. Eben. Das ganze Thema Dark Romance ist auf jeden Fall was, mit dem wir uns noch beschäftigen. Und zwar in der nächsten Folge Black Box. Da sprechen wir über dieses ganze Dark Romance-Thema. Warum ist das was, was diskutabel ist? Was eventuell gefährlich sein könnte? Was macht es mit uns, auch mit unseren Gehirnen? Ich freue mich sehr darüber zu sprechen. Denn wie ihr jetzt gehört habt, sowohl Babsi als auch ich haben diese Bücher auch schon gelesen.

Ich gebe zu, ich lese diese Bücher teilweise auch wirklich sehr viel und finde es total wichtig.