Willkommen bei Blackbox, der Psychologie-Podcast, der dich mitnimmt in die Tiefen der menschlichen Psyche. Ich bin Maxi. Und ich bin Babsi. Als studierte Psychologin schauen wir uns an, warum Menschen fühlen, denken und handeln in Extremen wie im Alltag. Dabei verbinden wir Psychologie mit echten Geschichten direkt aus dem Leben. Von Beziehungen über Verbrechen bis hin zu außergewöhnlichen Case Studies. Du wolltest schon immer verstehen, was in, Ihr Lieben, heute haben wir eine Folge für euch dabei, auf die ich mich ja seit Wochen freue. Seit wir gesagt haben, dass wir diese Folge machen, jetzt im Verlauf dieser weiteren Entwicklung von Blackbox, freue ich mich auf den heutigen Tag und die heutige Folge mit dir, liebe Babsi.

Ich freue mich auch auf diese Folge, allerdings glaube ich aus einem anderen Grund als du. Ich freue mich, seitdem ich weiß, dass wir diese Folge machen, auf diese Folge, weil ich so, so Lust habe, endlich meine Kritik und meine besorgnisvollen Gedanken an den richtigen Ort zu bringen und sie zu kommunizieren. Es muss gesagt werden und heute wird es gesagt werden. Heute ist da Raum für. Für diejenigen, die es jetzt noch nicht im Titel gelesen haben, heute sprechen wir über Dark Romance, ein Buchgenre, das Millionen begeistert, obwohl oder gerade weil es Grenzen überschreitet. Wir schauen uns heute zwei Bücher an, die sich in unserer heutigen Folge anhören werden, wie True-Crime-Fälle. Es sind Beziehungen, die auf Kontrolle, Schmerz und Manipulation beruhen.

Wir fragen uns in der heutigen Folge, warum empfinden so viele Menschen, die das lesen, genau das als romantisch? Was reizt uns daran und warum fällt es uns so schwer, das einfach wegzulegen und nicht mehr zu lesen, wenn man schon drin ist? Oder vielleicht auch noch provokanter, eine Frage, die vor allem ich als zugegebenermaßen Dark-Romans-Leserin mich schon oft gefragt habe. Warum finden gerade wir, es sind ja schon, zumindest in meinem Empfinden von Booktook, sehe ich überwiegend junge Frauen, junge moderne Frauen, die sich auch als Feministen verstehen, gerade solche Dark-Romance-Geschichten so fesselnd?

Warum fühlen sich Machtgefälle, Dominanz und Machtgefälle? Ich muss zugeben, manchmal ist es ja wirklich auch sexuelle Übergriffe in der Fantasie plötzlich irgendwie anziehend an und was genau passiert da psychologisch? Und die allerwichtigste Frage finde ich und ich denke auch die Frage, zu der du ganz viel zu sagen hast, die Frage, ob das gefährlich ist. Babsi, du bist ja jetzt schon lange mit mir befreundet.

Was kommt jetzt? Naja, also Dark Romance ist ja für dich jetzt kein neues Wort, da wir ja befreundet sind und ich dir ja schon das ein oder andere Mal von Büchern erzählt habe. Hast du denn generell schon Erfahrungen mit Dark Romance gemacht? Bist du irgendwann mal einer Buchempfehlung von mir gefolgt? Ja.

Und tatsächlich habe ich das ein oder andere Dark-Romance-Buch auch schon gelesen. Ich würde behaupten, die seichteren Versionen. Aber ja, irgendwie hat es mich da nicht losgelassen, weil du das so oft erwähnt hast und weil es ja auch ein sehr polarisierendes Thema ist und immer häufiger über Dark-Romance-Bücher gesprochen wird und über das ganze Genre gesprochen wird, auch in den sozialen Medien, Deswegen habe ich mich irgendwann mental breitschlagen lassen und gedacht, okay, gut, ich tue es, ich gucke es mir an, ich werde was davon lesen und ich habe mixt feelings. Ich sage es, wie es ist. Aber ich kann bestätigen, was du gesagt hast, dass es irgendwie ein Genre ist, bei dem man sich die ganze Zeit denkt, warum will ich das weiterlesen? Ja. Und dann liest man es weiter und denkt sich, ja. Und gleichzeitig denkt man sich, nein.

Ja, ich finde es ist, bei mir ist es voll das Phänomen, weil ich eigentlich sonst, außer Doug Romance, lese ich nur Bücher, wo ich sage, die Bücher finde ich wirklich, wirklich gut. Also wenn jemand mich fragen würde, Also natürlich, manchmal greift man auch Bücher, die man nicht so gut findet, aber dann bin ich auch jemand, der das auch mal abricht dann. Aber Bücher, die ich zu Ende lese, die finde ich dann auch gut und die würde ich auch empfehlen. Wenn jemand mich fragt, kannst du mir ein gutes Buch empfehlen? Ich würde aber niemals ein Dark-Romans-Buch als wirklich gute Literatur empfehlen, weil ich in meinem Empfinden sagen muss, ich finde jetzt nicht, dass es literarische Meisterwerke sind, aber trotzdem unterhalten sie mich so sehr, dass ich sie zu Ende lese, dass ich sogar Reihen lese.

Ja, es kitzelt halt irgendetwas in uns. Und was genau das ist, ist, ich würde behaupten, du hast es vorhin schon gesagt, aber ist Teil, Hauptteil dieser Folge. Warum lesen wir uns das durch? Du hast vorhin gesagt, du hast zwei Fälle mitgebracht, also zwei Geschichten, die sich wie True-Crime-Fälle lesen. Ich vermute mal, weil du weißt, was ich schon gelesen habe und was ich nicht gelesen habe, dass du Fälle genommen hast aus Büchern, die ich nicht gelesen habe. Tatsächlich bin ich mir nicht ganz so sicher. Vielleicht magst du einfach mal teilen, welche du schon gelesen hast. Wir haben sicherlich, nein, ich weiß, dass wir Dark-Romans-Leser unter unseren Hörern haben. Von daher, teil doch einfach mal, was du bisher schon so gelesen hast. Also tatsächlich habe ich, kann ich mich nicht an den Titel erinnern, it's a shame, ich weiß, aber ich habe mir ehrlicherweise die ganze Buchserie durchgelesen auf Kindle und ich gucke nochmal nach, welche es war. Ich kriege es nicht mehr zusammen. Ich weiß nur noch, dass es darum ging, dass da eine junge Frau irgendwie, wurde ihr Bruder gekidnappt und dann ist sie in dieses, auf diese Burg oder dieses Schloss auf so einer Insel gegangen und hat sich dann irgendwie mit so einer Gang von jungen Männern, ist sie dann dahin und wollte quasi ihren Bruder freikaufen mit Geld und dann hatte sie nicht ganz genug Geld dabei.

Ich glaube, ich weiß, wo es hingeht. Und dann haben sie sie halt nicht wieder gehen lassen. Und sie sollte quasi die Schulden noch abarbeiten, damit sie dann ihren Bruder irgendwie wieder freilassen. Und sie konnte halt nicht fliehen und konnte nicht weg. Und es waren irgendwie fünf oder sechs junge Männer, die alle Teil von so einem Mafia-Clan sind. Wie gesagt, ich kriege den Titel nicht mehr zusammen. Vielleicht erkennt einer von euch die Geschichte. Bestimmt. Und dann bleibt sie da quasi super lange auf dieser Insel und man könnte fast sagen, verliebt sich mehr oder weniger in jeden von diesen Typen so ein bisschen und hat dann aber irgendwie einen, der ihr am liebsten ist und schläft dann halt auch mit denen mal unfreiwillig und mal mehr oder weniger freiwillig. Und das Ganze wird halt sehr...

Sehr, sehr extrem. Also es fängt irgendwie, es ist im Grunde eigentlich von Vergewaltigung über Körperverletzung, kommt alles in diesem Buch vor oder in diesen Büchern vor. Und wie du vorhin schon gesagt hast, literarisch betrachtet wirklich keine Meisterleistung. Also das Wording, die Inhalte. Und ich bin ein riesiger Bücherfan. Ich mag gute Literatur tatsächlich auch. Also auch Schriftsteller, die zum Beispiel schon älter sind. Ich liebe Oscar Wilde für seinen Schreibstil. Und von daher ist dementsprechend diese Art von Büchern oder von Geschichten sehr weit weg von dem, was ich eigentlich mag. Und ich habe mir das die ganze Zeit weiter durchgelesen, weil ich dachte, es ist irgendwie absurd, weil ich jetzt wissen will, wie es ausgeht. Und gleichzeitig ist es so stumpf, dass ich Seiten, ganze Seiten, ganze Kapitel überblättert habe, weil ich mir dachte, es interessiert mich auch irgendwie nicht so doll. Ja, das kann ich verstehen.

Vielleicht weiß einer von euch, welches Buch das war oder welche Bücherei das war. Ich weiß es nicht mehr. Ich kenne es tatsächlich auch nicht. Ich sage immer, wenn Leute mich fragen, was das für Bücher sind, die ich da lese oder was Dark Romans genau ist, wenn sie es noch nicht kennen, dann vergleiche ich das ganz oft mit Trash-TV. So Dark-Romans-Bücher, also dieses ganze Smut-Bereich, ist für mich das Trash-TV der Literatur. Immer wenn jemand Smut sagt, muss ich an die Frau auf Instagram oder die Influencerin auf Instagram denken, die sagt, ich lese gottlosen Smart, damit ihr es nicht müsst. Ja, genau. Die kenne ich auch. Da habe ich tatsächlich schon oft dann auch Bücher. Dann Bücherempfehlung übernommen. Okay, aber ich bin gespannt. Ich muss gestehen, dass mich diese Büchereihe, die ich da gelesen habe, nicht so sehr gecatcht hat, dass ich mir jetzt danach sehr viele von diesen Büchern gekauft hätte. Aber ich habe mich selber dabei erwischt, dass ich sie ja offensichtlich bis zum Ende gelesen habe, obwohl ich zwischendurch die ganze Zeit dachte, warum mache ich das? Ja, tatsächlich ging es mir auch bei den beiden Fällen oder Büchern, die ich heute mitgebracht habe, ähnlich.

Beide Fälle, die ja basieren auf den beiden Dark-Romans-Büchern, stammen aus Büchern, die ich wirklich am Anfang, bei dem ersten Fall habe ich, glaube ich, drei Anläufe gebraucht, bis ich die Reihe gelesen habe, weil ich mir am Anfang jedes Mal dachte, nee, das ist mir wirklich zu blöd, das mache ich nicht. Das ist mir zu brutal, zu demütigend. Und irgendwann, weil alle meine Freundinnen aus der Freundesgruppe es gelesen haben, habe ich es dann irgendwann doch dann auch noch mal gelesen, Beim dritten Anlauf habe ich es dann hingekriegt. Und der zweite Fall, den ich dabei habe, ist ein Buch, wo tatsächlich, ich hatte schon ein bisschen was gelesen. Und es ist komisch, dass ich das erst so spät gelesen habe, weil das ist eigentlich so ein richtiger Booktalk-Hype. Ich war schockiert. Ich war schockiert. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum ich genau diesen Fall heute da mitgebracht habe. Für diejenigen von euch, die jetzt die ganze Zeit mitgehört haben und sich so denken, ja, klingt nach einer interessanten Folge, aber was ist Dark Romance? Also ich höre mir das gerne an, aber was soll das heißen? Dark Romance ist quasi ein Subgenre von Liebesromanen im weitesten Sinne. Im weitesten Sinne. Im allerweitesten Sinne. Es ist quasi so eine Art, also es bewegt sich irgendwie an der Schnittstelle zwischen Liebesroman und Liebesroman.

Jungen Erwachsenen, also junge Erwachsenen Literatur. Und es geht quasi darum, dass in diesen Büchern eigentlich die Hauptcharaktere immer bestimmte Konflikte durchleben. Es geht um toxische Beziehungen, es geht um Machtgefälle zwischen unterschiedlichen Hauptcharakteren. Es geht darum, dass Tabus gebrochen werden. Es geht um sehr, sehr grafische Darstellungen von jeglicher Form von Sexualität. Es geht um sehr grafische Darstellungen von Gewalt wie Schießerei, Entführung, Mord, Folter, Vergewaltigung, wie schon gesagt. Es geht um, von meiner Erfahrung her und von dem, was ich auch so gehört habe, ganz oft darum, dass mehrere männliche Charaktere um eine Frau kämpfen.

Und ja, im Grunde geht es um eine Menge von unterschiedlichen Straftaten, sowohl sexuelle Gewalt als auch körperliche Gewalt, als auch so Sachen wie Stalking, also psychische Gewalt. Und all das wird eben eingebunden in so eine Art, Ein Romantik-Roman, wenn man so will, oder Romantik-Umgebung. Und es ist insgesamt häufig eine sehr intensive Handlung. Also es passieren sehr viele Dinge in sehr vielen Extremen. Die männlichen Hauptfiguren sind häufig super mächtig und gefährlich. Sie machen keine konventionellen Berufe, da ist keiner Handwerker oder arbeitet bei der Deutschen Bahn oder so, sondern das sind irgendwie Mitglieder von irgendwelchen organisierten Verbrechen, weiß ich nicht, irgendwelche Krieger, Agenten, was auch immer. Und die Charaktere da sind häufig sehr ambivalent dargestellt. Also auf der einen Seite ist der Mann dann total liebend und fürsorglich und natürlich immer gnadenlos gut aussehend. Und auf der anderen Seite ist er aber eben gewalttätig und missbrauchend und vergewaltigt beispielsweise die weibliche Hauptfigur, die im Vergleich zur männlichen Hauptfigur häufig schwächer dargestellt wird und.

Und ja, im Grunde es sich so eine Art toxische Liebesbeziehung zwischen mehreren Personen ergibt. Ich glaube, so kann man es irgendwie in Summe zusammenfassen. Ja, ich denke, das können wir so stehen lassen. Ich glaube, es hat jeder auf jeden Fall eine Vorstellung, was Dark Romance an sich ist. Bevor wir jetzt aber in die Fälle rein starten, eine dicke, fette Trigger-Warnung, wie sie auch vor jedem Dark-Romans-Buch steht. In dieser Folge sprechen wir über emotionale Abhängigkeit, über Kontrolle, Mobbing, Demütigung, psychische, körperliche, sexuelle Gewalt und Stalking. Wenn euch solche Themen belasten, dann hört diese Folge besser nicht oder nicht alleine oder überspringt die Abschnitte. Wir haben ja immer so Kapitelangaben unter den Folgen. Achtet einfach wie immer auf euch und eure Emotionen.

Und damit kommen wir jetzt zu den komprimierten, aus anderer Perspektive dargestellten Geschichten dieser zwei Bücher. Literarisch für unseren Zweck angepasst. Für die Dark-Romance-Fans unter euch, ihr werdet sicherlich erraten, um welche Bücher es geht. Ich werde allerdings erst nach den jeweiligen Fällen auflösen, welche Bücher es waren. Und hier kommen wir jetzt zu den komprimierten, aus anderer Perspektive dargestellten Geschichten dieser Bücher, literarisch für unseren Zweck angepasst. Für diejenigen von euch, die diese Bücher allerdings vielleicht schon im Bücherregal stehen haben und wenn sie jetzt gleich den Titel hören und sagen, das will ich aber noch lesen, dann überspringt die Kapitel besser, weil wir spoilern hier ganz schön. Der erste Fall basiert auf dem ersten Teil der Reihe Very Bad Kings von Jane as Wonder.

Als Maple an der Kingston University ankommt, ist es noch früh am Tag. Die Sonne steht über den alten Steingebäuden und in der Luft liegt dieser Geruch. Nach poliertem Holz, nach Kaffee aus Pappbechern, nach frischer Farbe, die gerade noch rechtzeitig vor Semesterbeginn aufgetragen wurde. Auf dem Campus ist alles sauber, gepflegt, aufgeräumt. Studierende laufen an ihr vorbei, mit teuren Taschen und diesem Selbstvertrauen, genau hier an diesen Ort zu gehören. Für Mabel fühlt sich dieser neue Ort unwirklich an. Das hier ist mehr als nur eine Universität. Es ist eine der renommiertesten Institutionen, an denen ein junger Mensch studieren kann. Viele berühmte Leute haben hier gelernt, waren unglaublich erfolgreich, sitzen nun in den höchsten Vorständen der Welt, an der Spitze der Politik oder laufen über den roten Teppich. Es ist ein Zugang zu einer Welt, die vielen anderen verwehrt bleibt. Eine Bühne für die Reichsten der Reichen, ein Netzwerk aus Nachnamen, die auf Gebäuden und Stiftungen stehen.

Eine Welt, die Mabel nie in ihrem Leben betreten würde, wäre sie nicht eine von den wenigen Stipendiatinnen, die jedes Jahr aufgenommen werden. Ein symbolischer Akt als PR für die Kingston University. Auf den Fotos der Universitätswebsite sehen Iris und die Gesichter der anderen Stipendiaten aus wie Beweise dafür, dass es Gerechtigkeit gibt. In Wirklichkeit aber sind sie nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Sie reißt den Blick von den imposanten Gebäuden und den gepflegten Rasenflächen los und setzt sich in Bewegung, um ihr Zimmer im Wohnheim zu beziehen. Auf dem Weg wird sie von anderen Studenten belächelt. Eine junge Frau und ein blonder Mann beobachten sie aus einem Sportwagen heraus und sehen direkt, dass sie eine der Stipendiaten ist, dass sie eigentlich gar nicht hierher gehört. Mabel bemüht sich, ihre spitzen, herablassenden Bemerkungen zu ignorieren und betritt nach einigem Suchen schließlich das Wohnheim auf dem Campus. Als sie die Tür zu ihrem Zimmer aufstößt, bleibt sie wie angewurzelt stehen. In ihrem Zimmer, das sie sich mit einer anderen Stipendiatin teilt, sitzt dieser blonde Mann. Und vor ihm kniet eine der Stipendiatinnen und befriedigt ihn oral. Mabel wartet in der Tür, verlegen, unsicher, was sie nun tun soll. Als sie fertig sind, steht der Mann einfach auf und geht.

Irritiert über das, was sie gerade gesehen hat, beginnt Maple, ihre Sachen auszupacken und sich im Wohnheim umzusehen. Dabei stößt sie auf eine junge Frau namens Harper. Die beiden werden Freundinnen. Harper kommt, ebenso wie die meisten der Studenten hier in der Kingston University, aus einer reichen Familie und kennt sich bereits bestens aus. Sie weiß alles über jeden. Sie weiß auch, wer der blonde Mann ist, der gerade noch mit heruntergelassener Hose auf dem Bett von Mabels Mitbewohnerin saß. Harper klärt Maple über die Strukturen auf, die hier in Kingston herrschen. Sie berichtet ihr von den Kings, den fünf selbsternannten Königen des Campus. Einer davon ist der blonde Mann, sein Name ist Jackson. Neben Jackson herrschen an diesem Campus Sylvan, Reese und Romeo. Alles Sprösslinge reicher Familien, die sich ihre Zeit damit vertreiben, den Campus zu regieren, sich sexuell auszuleben und Spaß auf Kosten anderer zu haben. Eine dieser Späße ist das Spiel, das jedes Jahr mit Beginn des Semesters startet und von dem alle Studenten wissen, aber niemand davon spricht. Als Mabel von diesem Spiel erfährt, ist sie bereits mittendrin. Denn es geht dabei um sie, um die Stipendiatinnen.

Die Kings nennen es Schach. Vier Könige, vier Damen. Jeder der Kings wählt eine Stipendiatin, die seine Dame ist. Ihr Ziel, die Damen der anderen vom Spielbrett zu drängen. Es gibt Punkte für gute Leistungen, für Hausarbeiten, für Challenges und Punkte für sexuelle Gefälligkeiten. Wer am Ende des Semesters zu wenig Punkte hat, verliert das Spiel und muss die Kingston University verlassen und damit den Traum vom Erfolg, für den alle so hart gearbeitet haben, hinter sich lassen.

Mabel weigert sich, an diesem demütigenden Spiel teilzunehmen. Sie konzentriert sich auf ihre Leistungen, hängt sich ins Lernen hinein, besucht jede einzelne Vorlesung. Doch das Studentenleben besteht nicht nur aus Arbeit, auch Partys finden auf dem Campus immer wieder statt. So auch die Party von Reese, einem der Kings. Er ist nett, ganz anders als Jackson, der Mabel von Tag zu Tag unsympathischer wird, auch wenn sie ihn optisch sehr attraktiv findet. Reese fasziniert sie ebenso. Sie freut sich, als sie ihn auf der Party erblickt und mit ihm in Kontakt kommt. Es dauert nicht lange und die beiden befinden sich in seinem Zimmer. Reese verbindet ihre Augen und die beiden kommen sich näher, als plötzlich die Tür aufspringt und Jackson den Raum betritt. Er zert Maple hinaus in die kalte Nachtluft, setzt sie in seine Limousine und fährt los. So grob er gerade noch zu ihr war, so sanft wirkt er nun auf der Autofahrt. Und obwohl Mabel gerade noch lautstark protestiert hat, lässt sie sich nun doch auf ihren Kommilitonen ein. Als sie ihm aber den Geschlechtsverkehr im Auto verweigert, stoppt er den Wagen, schmeißt sie hinaus in ein dunkles Waldstück und überlässt sie sich selbst.

Frierend und orientierungslos steht Mabel nun in der Dunkelheit. Um sie herum knackt es, ständig fährt sie herum, voller Angst, ein Tier könnte sich ihr nähern. Sie weiß nicht, wie weit sie von Kingston entfernt ist, geschweige denn, wie sie dort hinkommen soll. Alles sieht gleich aus um sie herum. Sie hat weder zu essen, noch zu trinken. Dennoch stapft sie los, sucht sich eine Richtung aus und setzt unerbittlich einen Fuß vor den anderen. Irgendwann geht die Sonne auf und sie ist immer noch unterwegs.

Irgendwann wird sie gefunden. Doch nicht Jackson ist zurückgekommen, es ist Sylvian, der vor ihr steht, ein großer, schwarzhaariger Mann mit unzähligen Tattoos auf seinem Oberkörper. Was für Maple im ersten Moment wie eine reine Rettungsaktion aussieht, wird schnell zu einer Jagd zwischen den Bäumen. Denn Sylvian fordert sie auf, zu rennen. Als sie losläuft, wartet er kurz, dann nimmt er die Verfolgung auf Als er sie erreicht hat, wirft er sich über sie, zerrt sich die Hose vom Leib und dringt in sie ein, Als es vorbei ist, bringt er sie nach Kingston zurück und spricht kein Wort mehr mit ihr, In den nächsten Monaten schwanken Mabels Gedanken und Gefühle in Bezug auf die Kings Mal sind sie ihr gegenüber freundlich, mal wird sie von ihnen und den anderen Studenten aufgrund ihrer sozialen Schicht gemobbt. Gegen Ende des Semesters wird die Zeit knapp. Nun bekommt Mabel doch Panik. Was, wenn sie Kingston wirklich verlassen muss? Sie sucht nach einer Möglichkeit, das zu verhindern. Und erhält von den Kings das Angebot, eine hohe Summe an Punkten gut zu machen.

Alles, was sie dafür tun muss, mit Jackson, Reese und Sylvan schlafen. Und Mabel stimmt zu. Doch trotz ihrer Einwilligung reicht es nicht aus. Als das Semester endet, verliert sie. Sie hat zu wenige Punkte. Vor allen Augen, auf einer Party, die mehr Bühne als Feier ist, wird das Ergebnis verkündet. Die Kings stehen auf der Bühne und Jackson lächelt in die Menge, als wäre es eine Preisverleihung. Mabel und die anderen Stipendiatinnen sitzen gefesselt auf einem Stuhl in der Mitte des Raumes, umgeben von johlenden Stimmen und grellem Licht. Als Jackson sich Mabel zuwendet, versucht sie sich zu wehren. Brutal stößt er sie daraufhin zurück. Sie schreit, doch das Lachen der Menge überturnt alles.

Dann bindet er sie los, verkündet ihr, dass sie in Kingston nicht mehr willkommen sei und dass sie, sollte sie den Campus nicht verlassen, für alle anderen Studenten als vogelfrei gilt. Jeder darf ungestraft mit ihr tun und lassen, was er oder sie möchte. Ausdrücklich sind dabei Mobbing-Attacken, gewalttätige Angriffe und sexuelle Übergriffe mit eingeschlossen. Mabel reißt sich los, stolpert, rennt hinaus in die Nacht, während hinter ihr die Musik weiterläuft, als wäre nichts geschehen. Sie entscheidet zu bleiben Was dazu führt, dass die Mobbing-Attacken immer schlimmer werden, Sie findet Waschmittel in ihren Lebensmitteln Ihre Schubladen werden zugeklebt Das Lattenrost ihres Bettes wird gestohlen Man legt ihr eine tote Ratte ins Zimmer, Nachts schiebt sie Möbel vor den Eingang, um schlafen zu können Und tagsüber tut sie so, als wäre alles normal, Ich finde, dieses Genre Dark Romance lebt von den Büchern, weil man sich, während man sowas liest, nicht... So sehr bewusst macht, zumindest glaube ich das, so sehr bewusst macht, was man da eigentlich gerade liest. Und wenn man das, also so wie du es jetzt dargestellt hast, ist das natürlich was, wo ich mir denke.

Also aus der Perspektive, wie wir das jetzt gerade besprechen, nimmt es dem Ganzen, finde ich, total diesen Reiz in Anführungszeichen. Ich glaube, ich bin gespannt, wie ihr das seht als Hörer oder wie ihr das empfunden habt als Hörer und Hörerin. Ob ihr, wenn ihr Dark Romance lest, bei der Nacherzählung jetzt auch irgendwie das Gefühl habt, dass es gar nicht, also aus der Perspektive gar nicht so cool ist, in Anführungszeichen. Und gar nicht so, was ist, was irgendwie Spaß macht zu lesen. Weil der Fall, so wie er jetzt ist, gibt einem ein komplett anderes Gefühl, als diese Geschichten zu lesen. Oder diese Bücher zu lesen. Ich glaube ehrlich gesagt, dass das daran liegt, dass wir hier überwiegend oder eigentlich komplett auf Mabels Perspektive verzichtet haben. Also ich habe berichtet, was passiert. Gerade die Szene im Wald, wo sie von Sylvan verfolgt wird und dann es da ja auch zum Geschlechtsverkehr kommt. Die ist natürlich mit Sicht von ihr wirkt die anders als jetzt so dargestellt. Also ich meine da natürlich so ist es ja im Dark Romance häufiger, dass wenn da solche eigentlicher Übergriffe stattfinden, dass dann aus Sicht der weiblichen Protagonistin.

Zumindest war es in diesem Buch jetzt so, dass da sich doch dann Lust aufbaut und es am Ende jetzt nicht so richtig, nicht eine Vergewaltigung ist, sondern sie irgendwie dann doch wollte. Weißt du, was ich meine? Also mit der Perspektive wird es anders geframed. Aber findet da ein Einverständnis statt auf irgendeine Art und Weise? Ja.

Vielleicht kann man manchmal mit großer Fantasie was reininterpretieren, aber normalerweise nein. Und natürlich ist in diesem Buch, da passiert noch viel mehr. Also für die, die das Buch jetzt vielleicht noch lesen möchten, da passiert natürlich noch viel mehr. Wir haben jetzt in, ich glaube, der Fall ist zwei Diener, vier Seiten lang. Da gibt es natürlich noch mehr Interaktion zwischen Mabel und den Kings und warum sie sie dann irgendwie doch gut findet. Aber im Grunde, so zusammengefasst, kann ich sehr gut nachvollziehen, dass du sagst, naja, irgendwie ist da diese Wirkung, die Dark Romans sonst hat, wenn es eben aus der Sicht der Protagonistin erzählt wird, ist jetzt schon was anderes. Ja, weil man halt von außen drauf guckt auf das, was passiert und auf die Mechanismen, die da passieren, auch auf gesellschaftlicher und gruppenbasierter Interaktion passieren. Und alles, was man in diesem Fall jetzt liest, ist Vergewaltigung, sexuelle Übergriffe, Mobbing, Stalking, absolut unmenschliches Verhalten. Also allein bei dem Fall bist du ja quasi schon einmal halb durch Strafgesetzbuch durch. Ja, bist du. Also ja, das ist glaube ich irgendwie auch das, was ich, da kommen wir später noch zu, aber das ist das, was ich daran auch so bedenklich finde.

Diese Perspektive, die in den Büchern eingenommen wird durch dieses, sie will es nicht und es gibt keinen Konsent, aber irgendwie will sie es ja dann doch, weil die Bücher so geschrieben sind. Aber wenn du faktisch da drauf guckst, was da passiert, dann sind das Straftaten. Ja, ja.

Und das ist glaube ich auch so dieser Kernpunkt der heutigen Folge, quasi dieser Perspektivwechsel. Von daher finde ich es total spannend, dass du das quasi wie einen Fall geschrieben hast, weil es den vollkommenen Kontext von Dark Romance in ein anderes Licht rückt quasi oder eine andere Perspektive auf diese Geschichte gibt, die, glaube ich, besser nachvollziehbar macht, warum man selber auch oft so hin- und hergerissen ist. Jetzt ist es, wie du sagst, heute ja aus diesem Kontext rausgenommen. Die Originalgeschichte ist aber ja ein ganzes Buch, wo natürlich, wie gesagt, aus Maples Perspektive ist und das ist ja was, was wirklich viele Leser begeistert. Also es gibt eine riesige Fangemeinschaft von den Very Bad Kings Büchern, die übrigens, diese Reihe hat mittlerweile übrigens, ich glaube, zehn Bände. Also das geht auch noch weiter, es ist auch noch nicht beendet. Also es sind sehr viele Bücher, wo die Nachfrage so hoch ist, dass es glaube ich auch einen eigenen Stand bei der Frankfurter Buchmesse gab. Also die Nachfrage ist riesig. Und da kann man sich ja schon mal die Frage stellen, warum finden wir so brutale Dark-Romance-Geschichten so gut, schrägstrich, ja auch irgendwie romantisch? Also ich kriege auch auf TikTok manchmal dann solche Romantisierung davon mit.

Und diese Frage stellen wir uns heute natürlich als eure Psychologinnen und ja, gucken uns mal an, was es eigentlich ist, was uns da so gut gefällt. Das Wort der Stunde beziehungsweise die Bezeichnung der Stunde ist Misattribution of Arousal. Dieser Begriff bedeutet wörtlich übersetzt sowas wie eine Fehlzuschreibung, Falschzuschreibung von Erregung. Und damit ist gemeint, dass unser Körper in ganz verschiedenen Situationen sehr ähnliche Reaktionen zeigt. Vielleicht ist euch das schon mal aufgefallen. Wenn ihr Angst habt, schlägt euer Herz super schnell, aber auch wenn ihr aufgeregt seid und euch auf etwas sehr freut, schlägt euer Herz schnell. Wenn ihr verliebt seid, manchmal habt ihr so ein Kribbeln im Bauch, aber auch wenn ihr beim Treppe runtergehen eine Stufe verpasst und denkt, ihr fallt gleich die Treppe runter. Lasst mich bitte nicht alleine, sagt mir bitte, dass es euch auch schon passiert ist.

Sport und dieser erhöhte Herzschlag kann sich ähnlich anfühlen wie sexuelle Erregung. Herzklopfen, schwitzende Hände, dieser Adrenalinkick, ein schneller Atem. Wir kennen das vom Sport, wir kennen das von Angst, wir kennen das aber auch vielleicht vom Sex. Und, Dadurch, dass all dieses Gefühl quasi durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden kann, gibt es natürlich unterschiedliche Gründe dafür, dass unser Körper solche Reaktionen zeigt. Und wenn wir nicht genau wissen, kognitiv nicht genau wissen, woher diese körperliche Erregung, Anspannung, woher diese Symptome in Anführungszeichen kommen, dann neigt unser Gehirn dazu, sie manchmal falsch zu deuten. Das heißt, wir spüren diese körperlichen Aktivierungsmerkmale, also unser Herz schlägt super schnell oder wir haben ganz schwitzige Hände und wir selber interpretieren das dann als Zeichen von Liebe oder als Zeichen von Verliebtsein, obwohl es eigentlich Angst oder Stress sein kann. Kennst du das, dass du mit Freundinnen Gespräche darüber hast, ob du in jemandem irgendwie verknallt bist und du sagst, ja, es ist so aufregend und so kribbelig. Und dann Ältere, also Erwachsene manchmal, ich habe das mit meiner Oma gehabt, meine Oma hat irgendwann mal zu mir gesagt, wenn du ganz aufgeregt bist, wenn du ihn siehst, ist es nicht unbedingt ein gutes Zeichen.

Weil es sein kann, dass dein Körper und du, also dass du quasi etwas empfindest, das eher Nervosität und Angst ist und du interpretierst es als verliebt sein, weil das ist, was du denkst, was es ist. Ja.

Ja, natürlich kenne ich das so in der, das hatte man ja würde ich sagen in der Schule, wenn man so diese ach, da hat man sich ja so schnell mal verknallt.

Und da kenne ich das schon, ja. Das ist ja ein, Dass man dann auch wirklich, also jetzt im Nachhinein betrachtet, auch wirklich richtig Angst hat, was falsch zu machen. Und das dann eher Angst ist als so ein schönes Verliebtheitsgefühl. Aber man hat das so interpretiert, weil wenn ich so aufgeregt bin, dann ist das bestimmt ein gutes Zeichen. Ja, genau. Es gibt ein sehr klassisches Beispiel dafür in der Psychologie. Das ist das Brückenexperiment von Dutton und Aaron aus dem Jahr 1974. Da hat man quasi Männer eine Hängebrücke überqueren lassen, die sich natürlich irgendwie gefährlich angefühlt hat, weil sie wackelt. Und sie haben am anderen Ende dieser Hängebrücke eine Frau quasi getroffen gesehen, wie auch immer, und sollten dann einschätzen, wie attraktiv sie diese Frau finden. Und die Männer, die über diese Hängebrücke rübergegangen sind, fanden die Frau signifikant attraktiver als Männer, die über eine stabile, sichere Brücke rübergegangen sind. Sie haben also quasi diese Angstreaktion des Körpers, die daraus resultierte, dass sie eine sehr instabile Hängebrücke runtergelaufen sind oder überquert haben, missinterpretiert als romantisches oder sexuelles Interesse.

Das ist so crazy, dieses Experiment. Und als Konsequenz bedeutet das quasi, dass wir dazu neigen und unser Gehirn dazu neigt, bestimmte körperliche Symptome fehl zu interpretieren. Wie zu Anfang schon gesagt, Misattribution of Arousal. Wir glauben, dass wir aufgeregt sind aufgrund einer anderen Sache als das, was es tatsächlich eigentlich ist. Das heißt, etwas, das sich für uns beängstigend anfühlt, kann von uns auch interpretiert werden als irgendwie aufregend oder auch sexuell erregend, obwohl es am Ende des Tages die gleichen Anzeichen dafür sind. Übrigens kleiner Hinweis an der Stelle für diejenigen von euch, die nervös sind, wenn sie vor vielen Leuten sprechen müssen. Ich habe mir das tatsächlich zunutze gemacht, dass ich vor Reden zum Beispiel, wenn ich Reden halten muss, dass ich mir dann selber immer sage, ich freue mich so doll darauf, ich freue mich einfach so, um mir selber dabei zu helfen, dass diese körperliche Aufregung, die ich empfinde, dass ich mich nicht da reinsteigere zu denken, oh Gott, ich habe Angst, dass ich es nicht gut machen werde, sondern ich versuche es die ganze Zeit kognitiv umzubranden als, ich freue mich so doll, deswegen schlägt mein Herz so schnell. Das hat funktioniert. Manchmal hilft das, ja. Nice. Mal probieren, vielleicht vor unserem nächsten Auftritt. Gute Idee. Ich erinnere dich dran.

Ihr Lieben, bevor wir es vergessen und bevor ihr es vergesst, wir sind auf Tour. Am 29. und 30. November könnt ihr uns in Köln und in Hamburg live sehen. Wir machen an jedem Abend einen anderen Fall. Also wenn ihr Bock habt, uns zuzuhören, dabei zu sein, mit zu überlegen, mit zu analysieren, dann wir würden uns mega freuen, euch zu sehen. Die Tickets findet ihr unter dem Link in unseren Shownotes und wir freuen uns jetzt schon ganz doll auf euch.

Aus der Medienpsychologie wissen wir außerdem, dass unser Gehirn ganz gut unterscheiden kann zwischen realer und fiktiver Bedrohung. Seit den 1980er Jahren ist ziemlich gut belegt, dass fiktionale Gewalt und Bedrohung zwar ähnliche körperliche Reaktionen auslösen können wie reale Bedrohungen. Unser Gehirn kann aber den sicheren Kontext, in dem wir uns dann befinden, erkennen und neigt dazu, Angst dann in emotionale Erregung umzuwandeln. Das fand ich auch sehr spannend. Wenn wir also eine Szene lesen oder sehen, in der jemand in Gefahr ist, dann steigt unser Puls, die Muskelspannung und Adrenalin, so wie in einer echten Stresssituation. Bei mir kenne ich das ganz dolle, wenn ich Horrorfilme gucke, dass ich ja weiß, okay, ich sitze jetzt sicher auf meiner Couch, aber ich bin so angespannt, ich erschrecke mich so dolle, also ich bin richtig drin, obwohl ich ja nur auf meiner Couch sitze. Also das ist, denke ich, was, was viele von uns bei sich selbst auch erkennen können.

Gleichzeitig, Gott sei Dank, registriert unser Gehirn aber ja, dass wir nicht betroffen sind. Und diese doppelte Wahrnehmung, also körperliche Erregung bei gleichzeitiger kognitiver Sicherheit, erzeugt das, was man als sicheren Nervenkitzel quasi bezeichnen kann. Wir fühlen also Angst, Aufregung oder auch Begehren. Das kann ja auch bei sexuellen Inhalten sein, eben wie bei Dark Romans. Das heißt, wir fühlen das alles, ohne die Konsequenzen davon fürchten zu müssen. Man kann es eigentlich dann so sagen, am Beispiel von Dark Romans. Dark Romans erlaubt uns, starke Emotionen in diesem Bereich zu erleben, während wir uns in Wahrheit in absoluter Sicherheit befinden. Und das findet unser Gehirn richtig cool. Tatsächlich ist es vollkommen normal, dass Fantasien über Macht, Kontrolle oder auch Unterwerfung im Bereich der Sexualität bestehen. Denn laut Umfragen kommt es tatsächlich bei 50 bis sogar 65 Prozent der Befragten vor, dass sie Fantasien eben genau in Bezug auf diese drei Aspekte haben. Und diese Fantasien sind auf psychologischer Ebene natürlich kein Bedarf oder drücken kein Bedürfnis aus, in der realen Welt Gewalt zu empfinden. Also es geht in der Fantasie nicht um wirklichen Machtverlust.

Also, dass man tatsächlich ohnmächtig ist, weil das ist natürlich ein maximal aversives Gefühl, sondern es geht um wie so ein Seiltanzakt. Es geht, oder wenn man so will, wir können auch bei dem Sofa-Beispiel bleiben, es geht darum, sicher auf dem Sofa sitzen zu bleiben, während wir das Gefühl haben, dass wir eigentlich gerade in einer super gefährlichen Situation sind. Aber wir können jederzeit raus. Das heißt, wir haben das letztendliche Level an Macht, geben wir nicht ab. Selbst beispielsweise bei SM oder im BDSM-Kontext, wo es bis zu sehr extremen Formen von Macht und Kontrollverlust gehen kann, zum Beispiel Atemkontrolle, selbst da gibt es ja Safe Words und Zeichen, um quasi die Grenze zu kommunizieren, die da 100 Prozent eingehalten wird. Und das ist ja eine consensual Sexualpraktik, also wo beide sagen, ich möchte das gerne so machen.

Das heißt, auch da hält man sich quasi mit dem kleinen Finger noch an der Macht fest, diese Situation jederzeit beenden zu können und kann sich aber mit allen anderen Teilen, die sich eben nicht mehr an diesem Strohhalm festhalten und sagen, ich kann hier immer noch raus, kann man sich fallen lassen in diesem Gefühl von Ohnmacht. Es ist im Grunde ein kontrolliertes Ausprobieren von Kontrollverlust. Eigentlich wie so eine Simulation von Kontrollverlust. Genau. Und gerade in solchen Szenarien können wir quasi nachgewiesenermaßen sehr starke emotionale Reaktionen zeigen oder auch sehr starke körperliche Reaktionen zeigen, weil wir haben ja vorhin gerade bei dem Bereich oder in dem Wording Missattribution of Arousal darüber gesprochen, dass sich unterschiedliche Emotionen körperlich sehr ähnlich anfühlen können. Und tatsächlich sind Emotionen wie Angst, aber auch Begehren, auch im.

In der Wahrnehmung sehr ähnlich, in der emotionalen und körperlichen Wahrnehmung sehr, sehr ähnlich. Und diese Bereiche sind im Gehirn auch sehr nah miteinander verknüpft. Also Angst und Begehren oder sexuelle Erregung. Und bei ganz vielen Leuten, die mit Macht und Unterwerfung und auch mit Kontrolle spielen, geht es auch darum, dass wir uns mittlerweile ja in einer Situation in der Gesellschaft befinden, in der jeder von uns viel Verantwortung hat, viel im Griff haben muss quasi, oft viel Kontrolle haben muss, funktionieren muss. Und gerade in diesem Kontext kann der Bedarf eben noch größer sein, die Kontrolle abzugeben und das Gefühl von kontrolliertem Kontrollverlust zu haben.

Dementsprechend ist eine Fantasie über Macht und Ohnmacht, Kontrolle, Unterwerfung, aber eben auch Kontrollübernahme eben nicht mehr als das. Es ist eine Fantasie und die Vorstellung davon, etwas auszuprobieren in einem geschützten Rahmen und dementsprechend kein Zeichen von Schwäche oder von Labilität oder so, sondern ein vollkommen normales menschliches Bedürfnis. Das heißt eigentlich, so habe ich das für mich interpretiert, eigentlich ist so der Wunsch oder diese Fantasien nach Macht, Kontrolle, Dominanz, Unterwerfung oder auch eben an unserem Beispiel dann verpackt eben in Dark Romance, der Wunsch das zu lesen, hat dann ja, dass das nichts damit zu tun hat, mit dem Wunsch Gewalt zu erleben, wie du gesagt hast, sondern eigentlich viel eher mit dem Wunsch nach starken Emotionen, die in so einer Situation hochkommen würden, bei gleichzeitig Nichtwollen des wirklichen Kontrollverlusts.

Also eigentlich so von wegen, wir bleiben in unserem Safe Space, wir bleiben sicher, aber gehen in diese starken Emotionen rein, um die quasi zu spüren. Ja, man kann es im Grunde, glaube ich, auch so ein bisschen vergleichen mit Sensation Seeking. Ja, safe. Nur auf eine sehr sichere Art und Weise. Ja, also wir springen nicht tatsächlich aus dem Flugzeug, sondern wir tun so, als würden wir es sein. Und wir empfinden die gleichen Emotionen, aber wir würden nie wirklich aus einem Flugzeug. Also es gibt natürlich Menschen, die das machen. Ich nehme jetzt mal so Fallschirmspringen als Beispiel. Und es gibt Leute, die springen dann wirklich. Und es gibt Leute, die stellen sich das vor und reden darüber und finden es richtig cool und lesen Bücher und gucken sich YouTube-Videos an. Und das reicht, um dieses Gefühl nachzuempfinden. Und im Grunde kann man es so ein bisschen damit vergleichen. Und ich würde sagen, mit dieser ausführlichen Erklärung, warum wir Dark Romance so cool finden, gehen wir direkt in den zweiten Fall rein, der meiner Meinung nach, oder zumindest von denen, die ich bisher gelesen habe, eine der härtesten Dark Romance Bücher ist. Heißt, Babsi, halt dich fest, du kennst es sicher noch nicht. Dieser Fall basiert auf dem Buch Haunting Adeline von H.D. Carlton. Als Adeline das Haus ihrer Großmutter bezieht, glaubt sie, sie wisse, was Einsamkeit bedeutet.

Das Anwesen liegt abseits, auf einer Anhöhe, umgeben von Wald, alt und groß, die Fassade verwittert, die Fenster hoch und schmal. Ein Haus, das für sie zum Rückzugsort werden soll, ein Ort, an dem sie schreiben, nachdenken und zur Ruhe kommen will. Weit weg vom Lärm der Stadt und den Erwartungen, die ihr Erfolg als Schriftstellerin mit sich gebracht hat. In den ersten Tagen wirkt alles friedlich. Der Boden knarrt unter ihren Schritten, in der Küche riecht es nach Kaffee und durch die langen Fenster fällt Licht in staubigen Bahnen.

Doch irgendwas ist seltsam. Sie fühlt sich zunehmend beobachtet. Irgendwann wacht sie mitten in der Nacht von einem Geräusch auf, einem dumpfen Schlag aus dem Erdgeschoss. Sie bleibt kurz liegen, lauscht, steht dann doch auf und geht barfuß die Treppe hinunter um nach dem Rechten zu sehen. In der Küche steht alles still. Nur auf der Arbeitsplatte liegt etwas, das vorher nicht da war. Eine einzelne rote Rose. Sie denkt zuerst an eine harmlose Geste. Vielleicht von dem Mann, den sie in den letzten Wochen ein paar Mal gesehen hat. Doch in den Tagen danach tauchen weitere Rosen auf. Eine auf dem Esstisch, eine auf dem Fenstersims. Schließlich ein Strauß, gebunden mit einem kleinen Kärtchen, auf dem in geschwungener Schrift steht. Wir werden uns bald sehen, Little Mouse. Ab diesem Moment weiß Adeline, dass sie nicht mehr allein ist. Die Stille im Haus bekommt ein anderes Gewicht. Sie beginnt, Türen abzuschließen, Fenster zu kontrollieren. Und doch hat sie das Gefühl, beobachtet zu werden. Manchmal hört sie Schritte, manchmal Atem oder sie bildet es sich ein, weil sie weiß, dass jemand draußen steht, vielleicht am Waldrand, vielleicht direkt unter ihrem Fenster.

Ein paar Abende später geht sie mit einer Freundin aus. Sie trinkt, lacht und lernt einen Mann kennen, der ihr gefällt und sie nach Hause begleitet. Sie sind im Wintergarten, die Wände rundum aus Glas und während draußen die Nacht gegen die Scheiben drückt, beginnt sie ihn zu küssen. Für einen Moment vergisst sie, dass sie sich seit Tagen nicht sicher fühlt und lässt sich weiter auf ihn ein, wird intim mit ihm. Dann halt plötzlich ein lauter Knall durch das Haus. Adeline zuckt zusammen, sofort ist die erotische Stimmung zwischen ihr und dem fremden Mann verflogen Er löst sich von ihr, sagt, er wolle nachsehen Dann geht er hinaus.

Minuten vergehen, die Stille zieht sich zusammen Und als Adeline die Tür öffnet, um nach ihm zu sehen, ist er verschwunden Auf der Schwelle liegt eine weitere Rose, die Blütenblätter dunkel und schwer, Auf ihnen glänzt frisches Blut. Einige Tage später bringt der Postbote ein Paket. Es ist an sie adressiert, die Oberfläche an einer Seite dunkel verfärbt. Als sie es öffnet, schlägt ihr der metallische Geruch von Blut entgegen. Obenauf liegt ein Zettel, die Schrift dieselbe wie auf den Karten zuvor. Jedermann, der dich anfasst, stirbt. Darunter liegen zwei abgetrennte Hände, sorgfältig verpackt, als hätte jemand Beweismaterial verschickt. Auf dem Handrücken erkennt sie ein Tattoo. Das kleine Symbol, das sie an jedem Abend auf der Haut des Mannes gesehen hat, mit dem sie einen schönen Abend verbringen wollte. Später erfährt sie, dass nicht nur er tot ist, sondern auch seine ganze Familie. Die Polizei spricht von einem Serientäter. In den nächsten Tagen klingelt ihr Handy. Sie erhält Nachrichten von einer unbekannten Nummer und bald ist klar, dass es ihr Stalker ist, der ihr schreibt.

Sie antwortet und erfährt einiges über ihn. Er erfährt, dass er weiß, wann sie das Haus verlässt, mit wem sie spricht, was sie tut. Er dringt in ihr Leben ein wie ein Schatten, der immer bleibt, auch wenn man das Licht anschaltet. Eines Abends ist ihre Freundin Daya bei ihr. Die beiden trinken Wein und unterhalten sich, lachen miteinander, tauschen den neuesten Tratsch aus. Für Adeline ist es eine willkommene Abwechslung zu den ständigen, düsteren Gedanken, die ihr sonst durch den Kopf schwirren, wenn sie allein in diesem Haus ist. Sie lacht unbeschwert und es gelingt ihr, den Stalker zumindest für einige Stunden aus ihrem Kopf zu verbannen. Doch dann verabschiedet Daya sich und Adeline ist wieder allein in ihrem großen Haus. Scheinbar allein Sobald die Tür hinter Daya ins Schloss fällt, klingelt Adelines Handy Es ist ihr Stalker Er fragt, ob sie bereit für ihre Bestrafung sei.

Eiskalt läuft es Adeline den Rücken hinunter Hektisch sieht sie sich um, späht durch die Fenster, kann aber nichts erkennen, Ich bin so nah, dass ich dich riechen kann Ist auf ihrem Handy zu lesen Sie antwortet ihm, dass sie die Polizei rufen werde Sie hat Angst, panische Angst, die sie beinahe erstachen lässt, Doch sie weiß, dass ihr das nicht helfen wird Also greift sie sich ein Messer aus der Küche und kontrolliert mit klopfendem Herzen jedes einzelne Zimmer im Haus Sie kontrolliert die Schränke im Flur, nichts, Hinter der Tür im Badezimmer, keine Spur Als sie die Tür zu ihrem Schlafzimmer öffnet, ertönt ein schriller Schrei.

In ihrem Schlafzimmer wehen die Vorhänge, die Tür zum Balkon steht auf. Auf dem Balkon steht ein Mann mit tief ins Gesicht gezogenem Kapuzenpulli und einem Messer in der Hand. Mit schreckgeweiteten Augen sieht sie, wie er langsam auf sie zukommt. In letzter Sekunde holt sie mit dem Messer aus und sticht nach ihm. Doch er bekommt das Messer zu fassen, reißt es ihr aus der Hand und schleudert es auf den Boden. Dann spürt sie die scharfe Klinge seines Messers unter ihrem Kinn, direkt am Hals. Sie beginnt zu weinen, fleht ihn an, endlich zu gehen. Sie will einfach nur, dass er endlich verschwindet. Sie steht Todesängste aus, als er ihr ins Ohr flüstert, dass sie nun fünf Minuten habe, um sich im Haus zu verstecken. Wenn er sie findet, dann bestraft er sie. Wenn nicht, geht er. Dann nimmt er die Klinge von ihrem Hals und Adeline stürzt los. Sie fällt vor Panik fast die Treppen hinunter, versteckt sich in einem kleinen Vorratsschrank. Nur wenige Minuten später öffnet er die Tür des Schranks und zerrt sie hinaus ins Licht. Tränen der Angst laufen Adeline über die Wangen. Er fordert sie auf, damit aufzuhören. Schließlich wäre das gleich noch viel schlimmer für sie.

Er genieße es, wenn sie verängstigt ist, wenn er die Todesangst in ihren feuchten Augen stehen sehe. Als sie ihm zum Selbstschutz mit voller Kraft in die Wange beißt, sodass das Blut über ihr Kinn fließt, packt er sie am Hals und rammt ihren Kopf an die gegenüberliegende Wand. Er drückt fest zu, sagt ihr, dass er ihr nun eine Lektion beibringen muss, weil sie hier, in diesem Wintergarten, in dem sie gerade stehen, mit einem anderen Mann sexuell intim war. Plötzlich hat er eine Waffe in der Hand. Langsam lässt er Adeline los, richtet den Lauf der Pistole auf sie, Zwingt sie, sich auszuziehen Weinend folgt sie seinen Anweisungen Dann stürzt er sich auf sie, saugt an ihrem Körper, beißt sie Trotz ihrer Bitten und Flehen, zu gehen, sie einfach in Ruhe zu lassen, Dann drückt er ihr den Lauf der Waffe an den Mund und zwingt sie, diese in den Mund zu nehmen und daran zu saugen. Zitternd und mit Tränen überströmten Wangen öffnet Adeline ihren Mund. Sie hat keine Wahl, hat sie doch zu große Angst, der Fremde könnte bei Weigerung einfach abdrücken. Dann zieht er die Waffe wieder aus ihrem Mund, zieht sie über ihren Bauch nach unten und führt sie vaginal ein. Als alles vorbei ist, wirft er ihr eine rote Rose auf den Bauch. Dann geht er.

Adeline liegt auf dem Boden, die Rose immer noch auf ihrem Bauch. Und als es um sie herum wieder still wird, brechen all die Scham, die Demütigung und die Wut wie eine Welle über ihr zusammen.

Ganz ehrlich, wäre das ein echter Fall? Wäre das einer der krassesten Fälle von sexueller Gewalt, die wir in diesem Podcast je gehabt hätten. Ja. Und ich muss ehrlich gestehen, dass ich.

Dieses, ich hab ganz am Anfang erzählt, dass ich diese mehrere Bände von diesem einen, von dieser einen Serie gelesen habe. Und danach hab ich ehrlicherweise nie wieder Dark Romance gelesen, weil es mich einfach nicht so krass, also es hat mich irgendwie nicht so krass abgeholt. Ja. Weil ich die ganze Zeit diese Sachen im Kopf hatte. Weil ich die ganze Zeit, aus dieser Perspektive ist das, was da passiert, einfach also es ist ja, es ist einfach nur bodenlos, und so grausam und so furchtbar, dass man sich überhaupt nicht ausmalen möchte wie Adeline sich gefühlt haben muss ich hab zwischendurch Gänsehaut bekommen, weil ich Angst bekommen habe, was passieren würde, weil dieses mit diesem alten Haus und dann hört sie irgendwelche Schritte und Atmen und so, das ist halt einfach ein absoluter Horrorfilm in meinem Kopf gewesen und ich muss gestehen, ich find Stalking sowieso, das macht irgendwie nochmal was anderes mit mir und, Und es ist für mich wirklich so, wie du es jetzt geschrieben hast, und ich kenne das Buch ja nicht, nur aus dieser Perspektive ist es für mich schwer nachzuvollziehen, warum man das als Buch liest. Und gleichzeitig weiß ich aber ja, dass ich vier Bücher davon gelesen habe, also aus diesem Genre, in denen solche Dinge passieren. Und in dem Buch, das ich gelesen habe, ging es nicht um eine Pistole, aber da ging es auch um eine Menge Sachen mit Messern und sowas.

Das sind so Sachen, wo ich mir denke, es ist so ... Krass, ich weiß überhaupt nicht, was ich sagen soll. Ich bin völlig ... Auch bei diesem Buch muss man ja dazu sagen, dass natürlich im Buch selbst das alles aus Adelines Perspektive beschrieben wird. Und dass, wie in allen Dark-Romans-Büchern, wie auch in Very Bad Kings, sie aus ihrer Perspektive da irgendwie gefallen findet und da in so einer Ambivalenz drin steckt, auch während dieser Pistolen-Szene. Und ich muss dazu sagen, dass diese Pistolen-Szene ist im ich würde sagen, erstes Drittel des Buches findet das statt, also, dieser Fall hat gestoppt, glaube ich, bei Kapitel 17 oder so des Buches, und es geht noch weiter und es gibt auch noch einen zweiten Teil ich muss zugeben, den zweiten Teil habe ich nicht mehr gelesen, das war mir dann doch zu viel, also da war auch im Lesen meine Grenze, weil ich das schon wirklich wild fand.

Aber so nicht auf die gute Art wild, das war mir ein bisschen zu heftig. Und ja, als wir darüber geredet haben, eine Folge über Dark Romans zu machen und ich mir überlegt habe, worüber will ich da sprechen, welche Bücher, Beispiele möchte ich da mit reinnehmen, war mir sofort klar, okay, das wird eines der beiden Beispiele sein. Für mich ist diese Neuinterpretation dieser Geschichten, die du mitgebracht hast oder dieser Romane, dieser Bücher, die du mitgebracht hast, ein sehr deutliches Beispiel dafür, wie stark dieser Kitzel, den man empfindet, natürlich auch nicht alle Menschen, aber den manche Menschen empfinden, wenn sie das lesen, davon abhängt, dass die innere Welt und das innere Erleben der Hauptperson positiv ist. Ja. Weil im Grunde ist das, was du berichtet hast, ja das, was passiert ist. Wenn jemand zugeguckt hätte, was da gerade passiert, das ist, was passiert ist. Ja.

Und ich glaube, das macht von dem, was ich, Wie ich das empfinde und wie ich das gerade sehe, das macht den Unterschied aus, dass wir die ganze Zeit mitgenommen werden bei den vermeintlich inneren Vorgängen, den emotionalen Vorgängen der Hauptcharaktere. Also bei den Büchern, die ich gelesen habe, war das auch so, dass die Perspektive immer wieder gewechselt hat von ihr zu ihm oder zu einem von den Hauptcharakteren, den männlichen. Und jede Situation wurde immer aus beiden Perspektiven geschildert. Und du wusstest immer, wer in jeder Situation gerade was denkt. Und es ist total krass, finde ich, weil diese Darstellung von den Emotionen, die die Charaktere in dem Moment empfinden, die Intensität der tatsächlichen Geschehnisse irgendwie aushebelt. Ja, das stimmt. Es ist nicht so.

Also ich muss auch sagen, ich fand es ja heftig und ich habe diese Reihe abgebrochen. Und gleichzeitig habe ich das ja nochmal aus dieser Perspektive jetzt geschrieben und da habe ich auch nochmal hier dann zu Hause diese Pistolen sehen auch durchgeblättert und wollte ja wirklich nur die Dinge rausholen, wie es eben von einem Beobachter beobachtet werden würde. Und da ist mir aufgefallen, selbst ich, die das schon beim Lesen als zu heftig empfunden hat, hab das am Ende da stehen sehen und dachte mir so, Alter, das ist halt einfach, das ist eine übelste, das ist eine übelste Vergewaltigung einfach nur. Und alles, was ich mir dachte beim Lesen, war, boah ja, das ist mir jetzt ein bisschen zu viel. Ja, und das ist genau das, was ich meine, dass ich glaube, der Unterschied, das ist der Reiz oder überhaupt der Grund, Wenn das Buch so geschrieben werden würde, wie es da steht ... Dann wären Dark-Romans-Bücher kein Hype.

Das Interesse wäre, glaube ich, sehr, sehr, sehr viel geringer, weil das ist einfach nur die Darstellung von heftigsten Straftaten in jeglicher Hinsicht. Und das, was uns daran reizt ist, und das finde ich super interessant, dass du das durch diese Beispiele so rausgearbeitet hast, dass das, was uns daran reizt, im Grunde die Absicherung ist, wir erinnern uns an, wir haben irgendwie die Kontrolle, die Absicherung ist, dass das, was da passiert, irgendwie gewollt wird. Von den Beteiligten und dass die positiven Gefühle, die in dem Buch beschrieben werden oder in den jeweiligen Büchern beschrieben werden von den Hauptcharakteren, dass diese.

Innere emotionale Welt uns ermöglicht, quasi da mitzufühlen. Und ich glaube, wir haben vorhin ja schon auch über die Auslösung von Emotionen quasi gesprochen und was da auf der einen Seite passiert, wenn wir beispielsweise aufgeregt sind, dass wir das auch missinterpretieren können als Erregung. Und was mir aber gerade als spontaner Gedanke kommt, ist, dass man ja mit Charakteren, bei denen man sehr viel vom Innenleben mitbekommt, häufig sehr viel Empathie mitempfindet. Und dass man empfindet, was sie empfinden. Und ich glaube, das ist der Schleier quasi, der diese Straftaten, wie gesagt, gerade so ein spontaner Gedanke, der diese Straftaten so aufweicht, ist dieser Empathie-Schleier, den wir da drüberlegen, weil wir mitfühlen können mit dem Hauptcharakter oder der weiblichen Protagonistin und das, was sie empfindet, ist zwar Angst, aber es ist auch Erregung. Ja. Und diese Kombination davon, dass.

Es vom Hauptcharakter subjektiv positiv wahrgenommen wird, in Kombination mit der Tatsache, dass wir diese Distanz haben, wie du es vorhin beschrieben hast, aus der medienpsychologischen Sicht, dass wir wissen, das passiert uns gerade nicht, sondern es passiert diesem Hauptcharakter. Und diese Bücher, zumindest aus meiner Empfindung, bestehen ja zum größten Teil nicht aus der Beschreibung von dem, was passiert, sondern von dem, was die Person empfindet. Und ich glaube, dieses Mitfühlen ist das, was es so spannend macht, weil wir diesen Nervenkitzel und vielleicht auch diese emotionale Erregung mitfühlen können.

Und dabei aber gleichzeitig ausblenden, was da eigentlich passiert, weil es abgeflacht wird durch diese Emotionen und natürlich auch sicher zu Hause auf der Couch sitzen. Ja, und ich glaube auch, was nochmal der Unterschied ist und was natürlich jetzt in meinen Fällen komplett weggelassen wurde und damit kommen wir jetzt auch in die Beantwortung der Frage rein, ob es gefährlich ist, Dark Romans zu lesen, ist die Romantisierung ja auch von diesen Taten. Also ich meine, indem wir das in diesem Fall aus Adelines Augen sehen und sie da irgendwie auch eine Art von Befriedigung empfindet und es irgendwie im Laufe des Buchs auch immer besser findet, dadurch findet auch so eine Art Romantisierung von diesem sexuellen Übergriff und dieser sexuellen Straftat ja statt. Also die knappe Antwort eigentlich auf die Frage, ist das gefährlich, Dark Romans zu lesen, wäre aus meiner Sicht, ich gebe die Frage auch gleich nochmal an dich weiter, Jein. Aus meiner Sicht kommt es darauf an, wie man damit umgeht und wie man es für sich einordnet und auch ob man es einordnet. Was denkst du? Ich persönlich finde, dass es sehr darauf ankommt, wie alt jemand ist. Wie viel Beziehungserfahrung jemand hat, wie gefestigt er oder sie schon ist in seiner Wahrnehmung und Vorstellung von Beziehungen und Sexualität.

Und ich denke, das ist für mich das, was den größten Unterschied macht, also den größten Einfluss auf die Beantwortung der Frage hat. Also aber auch ja, wenn ich dich richtig verstehe, die Fähigkeit zur Einordnung und zur Reflexion. Was ja im jungen Alter vielleicht noch nicht gegeben ist, aber was ich jetzt behaupten würde, es ja auch Menschen gibt, die erwachsen sind und da trotzdem die Fähigkeit zur Einordnung vielleicht fehlt und trotzdem dann vielleicht so Dinge passieren, worüber wir jetzt gleich nochmal auch reden. Dass es ja sein kann, was oft auch als Kritik genannt wird, dass man dann die Beziehungsdynamiken in diesen Büchern als Ideale wahrnimmt.

Ich glaube, aus meiner Perspektive ist es natürlich wichtig, dass man es einordnen kann. Und in meinem Empfinden kannst du solche Dinge aber nur einordnen, wenn dir Erfahrungsmuster und Leitlinien im Kopf zur Verfügung stehen. Ja, genau. Was ich, weswegen ich Dark Romance gefährlich finde, wenn man sich beispielsweise nur damit beschäftigt, ist, dass es ja ein sehr häufig sehr sexualisiertes und sexuell intensives aufgeladenes Genre ist. Und es ja Studien beispielsweise dazu gibt, was mit Menschen und was mit Sexualität und auch den eigenen Vorstellungen und Wünschen der Sexualität passiert, wenn man zum Beispiel sehr viel gewalttätige Pornografie konsumiert. Dass das abstumpfen lässt. Insbesondere, weil man es mit eigener Sexualität verbindet und mit eigener Erregung verbindet, wenn man sich das anschaut und beispielsweise.

Danach versucht, diese Szene nachzustellen oder Ähnliches oder sich, weiß ich nicht, dabei selbst befriedigt oder so. Und ich glaube, dass diese Dark-Romance-Bücher eine ähnliche Gefahr in Anführungszeichen oder besser gesagt ein ähnliches Risiko in sich binden können.

Dadurch, dass ich mich vielleicht auf sexueller Ebene ganz viel mit diesen Büchern auseinandersetze und ich diese Bücher als normative sexuelle Vorstellung anfange zu benutzen und sie eben, und da bin ich voll bei dir, nicht in einen Kontext setze. Also für mich sind es zwei unterschiedliche Risiken. Das eine ist, wie ist meine Vorstellung von Beziehung, wie gefestigt ist meine Vorstellung davon, wie Beziehungen laufen sollten und wie gut kann ich das einordnen, was in diesen Büchern passiert. Und auf der anderen Seite, wie gefestigt ist meine sexuelle Vorstellung von Dingen, wie gefestigt bin ich in der Fähigkeit, mich auch zu distanzieren von solchen Dingen emotional und wie hochfrequentiert konsumiere ich solche Dinge. Und ich will Dark Romance jetzt nicht mit harter Pornografie vergleichen, aber der Mechanismus ist ja ähnlich. Je häufiger ich das konsumiere in Anführungszeichen in einem 100% sexuellen Kontext und zwar nicht auf dem Sofa sitzend und irgendwie dabei einen Tee trinkend, sondern weiß ich nicht, dass irgendwie lese und gleichzeitig sexuelle Handlungen vornehme und es nicht reflektiere und einordne, dann finde ich es auf der Ebene halt auch potenziell riskant. Dazu passend haben wir heute eine Studie für euch dabei, die auch nochmal auf diese Gefahr eingeht, dass durch...

Diese bildliche Beschreibung, auch unter anderem kann man das auch verstehen als Dark-Romans-Literatur, dass das dazu führen kann, dass Menschen dazu tendieren, auch sexuelle Grenzen von anderen zu überschreiten. Also dass es wirklich so die sexuellen Taten und Handlungen beeinflussen kann. Die Studie ist aus dem Jahr 2023 von Barbara Krahe und Anja Berger von der Universität Potsdam. Und sie haben untersucht, wie sogenannte sexuelle Skripte, also quasi innere Drehbücher, die wir im Kopf haben, wenn wir an Sex denken, was ja auch durch Dark Romans beeinflusst werden kann, mit dem Risiko zusammenhängen, die sexuellen Grenzen von anderen zu überschreiten.

Die beiden wollten wissen, ob bestimmte dieser Vorstellungen dazu beitragen können, dass jemand sich später über Grenzen von anderen hinweg setzt. Als riskante Skripte galten dabei vor allem Skripte, die folgende drei Elemente quasi in sich hatten. Zum einen Sex mit wenig Bindung oder Vertrauen, also sehr beiläufige Kontakte, dann Alkoholkonsum während des Sexuellen oder sexueller Kontakt im stark alkoholisierten Zustand und unklare Kommunikation, das was wir im Dark Romans ja so super oft haben, also dieses eigentlich Nein sagen, aber ja meinen denken.

Was wir jetzt auch eigentlich in diesen zwei Beispielen ja auch unter anderem hatten. Die Studie lief über drei Jahre und es wurden in dieser Zeit mehr als 2400 Studierende aus Berlin und Brandenburg befragt. Und das Ergebnis war sehr eindeutig. Wer zu Beginn so starke, riskante Skripte in Bezug auf sexuelle Vorstellungen hatte, der zeigte im Laufe der Studie eine höhere Wahrscheinlichkeit, selbst sexuelle Übergriffe zu begehen. Das galt sowohl für Männer als auch für Frauen. Und diese Mechanismen funktionierten unabhängig davon, ob jemand hetero- oder bisexuelle Erfahrungen gemacht hat. Es ist jetzt nicht so, dass die meisten von denen TäterInnen wurden, aber so dieses Muster dieser sexuellen Skripte und die Veränderung des Verhaltens blieb über die Jahre stabil. Ganz wichtig, das bedeutet nicht, dass wenn ihr Doug Romance lest, dass ihr zum Sexualstraftäter werdet. Also versteht uns da nicht falsch.

Aber es ist schon gut zu wissen, so im Präventing-Kontext, wie solche inneren Drehbücher unser Verhalten in Bezug auf Sexualität verändern und beeinflussen können. Die Studie zeigt schon, dass sexuelle Gewalt also nicht im luftleeren Raum quasi entsteht, sondern oft aus erlernten und kulturell geprägten Vorstellungen darüber entsteht, was halt in sexuellen Situationen normal ist. Und das ist ja ganz häufig auch die Kritik, die du ja geäußert hast im Dark-Romance-Bereich, dass halt einfach die Gefahr besteht, wenn man immer wieder sowas liest und keine Möglichkeit zur Einordnung hat, ob jetzt aus individuellen Gründen oder vielleicht aufgrund des Alters, dann kann es schon sein, dass sich das so ein bisschen, dass sich das eben verschiebt, und man dann der Meinung ist, ja, so will ich meine Sexualität haben, So will ich mein Leben gestalten und so stelle ich mir Beziehungen vor.

An der Stelle würde ich gerne betonen, weil ich das ja gerade so stark kritisiert habe, dass es total, also auch sehr sinnvoll sein kann, Dark Romans zu lesen, weil man sich damit auseinandersetzt, wo man selber seine eigenen Grenzen hat, was man vielleicht interessant findet, welche Fantasien man vielleicht auch hat, was man persönlich vielleicht nicht interessant findet, wo man selber die Grenze zieht. Wichtig ist für sich, wie du schon gesagt hast, einfach nur zu schauen, was davon würde ich in einer Liebesbeziehung in der Realität tolerieren und was auf keinen Fall und was finde ich vielleicht in der Fantasie oder auch im Rahmen von kontrolliertem Kontrollverlust, über den wir ja vorhin gesprochen haben, interessant. Und vielleicht habe ich ja was, wo ich sage, ich setze mich mehr damit auseinander, dass mich das im sexuellen Kontext interessiert, dass ich das gerne mal ausprobieren möchte und da ist überhaupt nichts Verwerfliches dran. Wichtig ist einfach nur, dass wir in unserem Kopf immer wieder die Unterscheidung treffen zwischen, das ist eine Fantasie, die ich gerne mal vielleicht ausüben wollen würde oder das ist etwas Problem. Das ich interessant finde, da habe ich meine Grenze. Das ist was, was ich einfach gerne lese, weil ich mich dann irgendwie so aufgeregt fühle. Und das ist in Ordnung.

Solange man berücksichtigt, dass diese Bücher eben nicht eine Form von Beziehungsmuster verkaufen sollten und dass man das eben hinterfragt, damit man die eigenen Skripte, diese sexuellen Skripte im Kopf nicht überschreibt und damit sich die eigenen Grenzen und Wertevorstellungen nicht Stück für Stück verschieben. Also zusammengefasst als Fazit für euch, für mich, vielleicht auch für dich, Babsi. Es ist vollkommen okay, wenn wir Dark Romans lesen und wenn es Spaß macht, das zu lesen.

Gleichzeitig ist es total wichtig, dass ihr das reflektiert mit umgeht, das für euch einordnet. Und vielleicht bei diesen Büchern einfach ein bisschen mehr als bei anderen Büchern drauf achtet, was es mit euch macht. Jetzt sind wir die ganze Zeit ja sehr fiktiv geblieben und haben darüber geredet, dass das Ganze ja nur im Kopf stattfindet. Einige von euch denken sich jetzt zu Recht bestimmt, ja gut, aber nicht bei jedem ist das ja immer fiktiv. Also sowas wie Schmerzen, Angst, Macht und in Verbindung mit Sex sind ja was, was durchaus in Kombination miteinander vorkommt. Und gerade so im Bereich SM, ja was ist, was viele Menschen auch in der Realität ausleben. Für diejenigen, die nicht wissen, was SM ist, SM steht für Sadomasochismus, also sexuelle oder emotionale Praktiken, bei denen es um das Spiel mit Macht, Schmerz, Kontrolle und Unterwerfung geht. Ganz wichtig, beim SM im realen Leben geht es nicht um Gewalt oder Missbrauch, sondern um einvernehmliche Machtspiele. Das, was du vorhin auch angeschnitten hast, Babsi, es geht um Zustimmung. Das heißt, es gibt Safe Words, es gibt vorher Absprachen, es gibt klare Grenzen, was darf gemacht werden und was nicht. Das heißt, es geht quasi, das ist dieses Ding, was wir vorhin gesagt haben, man begibt sich in eine Situation, wo man scheinbar ohnmächtig ist, behält aber den kleinen Finger am Schalter, dass man weiß, jederzeit komme ich da raus, wenn ich raus will.

Und sowohl Dark Romans als auch SM-Fantasien spielen da mit dem Spannungsfeld zwischen Macht und Hingabe. In beiden Fällen wird halt eben die emotionale und körperliche Kontrolle abgegeben, aber innerhalb von einem sicheren Rahmen. Bei dem einen fiktiv, bei dem anderen im Real Life. Ihr fragt euch, so wie ich mich gefragt habe, was bei SM eigentlich im Gehirn passiert. Das hört ihr bei uns im nächsten Quickie. Und ich würde sagen, damit beenden wir die heutige Folge zum Thema Dark Romans. Schnitt- und Sounddesign Milan Fai. Ich freue mich, dir diese Fälle mal zu lesen. Ich glaube, ich schaffe das nicht. Du cringest mir richtig ab. Oh Gott. Er cringet sich so weg bei diesem Buch.