In unserer letzten Folge zum Thema Paraphilien habe ich ja kurz angeteasert, dass ich im Zucker der Recherche mit dem Begriff der Kontinuumstheorie der Sexualität in Verbindung gekommen bin, in Berührung gekommen bin. Hört sich irgendwie falsch an, aber ja. Und was ich dabei total interessant fand, und das war mir vorher überhaupt nicht so bewusst, ist die Tatsache, dass laut einer Studie aus der Universitätsmedizin Berlin die sexuelle Präferenz aktuell oder mittlerweile als multidimensionales Continuum verstanden wird. Laut dieser Studie bewegt sich unsere sexuelle Präferenz oder konfiguriert sich unsere sexuelle Präferenz auf drei Achsen. Zum einen auf der Achse der sexuellen Orientierung, also empfinde ich eher Anziehung zu männlich, Anziehung zu weiblich, vielleicht gar keine Anziehung, Anziehung zu beidem. Das zweite ist die Präferenz für das Alter des Sexualpartners, also fühle ich mich vielleicht zu Kindern hingezogen oder eher zu Jugendlichen oder zu Erwachsenen. Und das dritte ist die Präferenz für einen Typus von Sexualpartner und die Art der sexuellen Betätigung.

Diese Achsen wirken quasi zusammen und bilden für jede Einzelperson laut dieser Studie die individuelle und komplexe sogenannte sexuelle Persönlichkeit. Das heißt, wenn wir diese Achse für uns ausfüllen würden, dann wäre jeder von uns ein unterschiedliches Schaubild wie Matheunterricht? Ja, ich denke gerade darüber nach, ob das nicht irgendwie auch ein cooles Geschenk wäre, wenn du so deine eigene sexuelle Persönlichkeit zusammenstellst und dann kriegst du so ein Wieso und Wieso. Kennst du diese Bilder vom Sternenbild, das man am Tag deiner Geburt gesehen hat? Ja. Jetzt stell dir mal vor, es gäbe das auch für deine sexuelle Persönlichkeit auf dem multidimensionalen Kontinuum der sexuellen Präferenz. Aber wer schenkt dir das? Weil dann müsste es ja jemand für dich ausfüllen. Valid Point, das ist die Lücke in meinem Geschäftsmodell. Aber irgendwie finde ich die Idee ganz cool. Und es ist vollkommen richtig, denn es würde bedeuten, dass jeder von uns quasi eine andere Art von Figur, eine andere Art von Standing in diesem...

In diesem Konstrukt, auf diesen Achsen, ja, diesem Schaubild hat. Und laut dieser Studie entwickelt sich diese sexuelle Persönlichkeit meistens bis zum Ende der zweiten Lebensdekade. Aber Veränderungen sind möglich. Das heißt, ich kann mich auch in einem späteren Alter noch in eine andere Richtung entwickeln. Es ist allerdings eher unüblich, dass sich die Sexualität im Alter noch mal sehr stark verändert. Also zum Beispiel von homosexuell in heterosexuell oder von asexuell in sehr starke ausgeprägte Anziehung Männern oder Frauen gegenüber. Das heißt, im Grunde ist die Sexualität relativ gleichbleibend. Und das heißt also, bis so zu unserem 20. Lebensjahr kann sich das nochmal verändern. Das heißt, gut, macht ja Sinn, Pubertät, da ist ja der ganze Findungsprozess und da sind wir uns ja auch noch nicht ganz sicher, suchen danach. Obwohl ich sagen muss, ich meine, ich kenne auch viele Menschen, die auch in ihren 20ern da noch sich am Verändern und am Suchen sind. Das heißt, ist es sehr festgelegt, dass es bis zum Ende der zweiten Lebensdekade ist oder ist es auch so ein ungefähr bis zum Ende der zweiten Lebensdekade? Also es stabilisiert sich meistens bis zum Ende der zweiten Lebensdekade, also so ungefähr bis 20, 21.

Aber Veränderungen sind möglich, sie sind immer möglich. Und ich glaube ehrlicherweise, das was ich, ich sehe es nämlich auch so ein bisschen zwiegespalten, das was ich an diesem Konzept super interessant finde, ist, dass es die Sexualität quasi zu einem...

Ja, im Grunde zu einem fluiden, in Anführungszeichen. Also nicht starren, sondern valide, fest, also sich valide bewegenden Konstrukt macht. Also man ist nicht heterosexuell oder homosexuell oder asexuell. Man kann es auch ein bisschen oder ein bisschen stärker oder ein bisschen schwächer sein. Ja, das ist so ein Spektrum. Genau. Wie bei den Persönlichkeiten. Genau, dass es ein Spektrum gibt, auf dessen Achsen man sich flüssig bewegen kann. Und das ist kein, es gibt nicht nur 1 und 0 oder pink und blau und grün oder was auch immer, sondern es gibt diese minimalen Unterschiede. Es gibt von 1, also die, man sagt ja auch, die Fläche von 0 bis 1 ist quasi unendlich, weil du sie in unendlich viele Teile zerteilen kannst. Und im Grunde sagt dieses Konzept, dass Sexualität unendlich ist oder die Möglichkeiten der Sexualität, also Möglichkeiten, wie man sie empfindet. Auf diesen Achsen, genau. Wie man das selber definiert und wie man sich auf diesen Achsen bewegen kann. Und ich fand das total interessant, weil man ja oft selber in so ganz starren Modellen denkt und diese Theorie, die von Studien unterlegt ist quasi.

Nahelegt, dass sexuelle Präferenzen eben nicht scharfsinnig entweder oder funktionieren, sondern fließend sind. Und zwar vom Alltag, also von dem, was die Mehrheit der Masse als normale Sexualität in Anführungszeichen empfindet, bis zu den Grenzen, die wir ja auch kennen, Dinge, die man vielleicht als nicht so normal oder nicht der Norm entsprechend empfindet, wie zum Beispiel extreme Formen von SM, die eine kleinere Gruppe an Menschen betreffen. Und ich habe es bei der Dark-Romance-Folge schon gesagt, das ganze Thema Atemkontrolle wird im Verhältnis zu vielen anderen Sexualpraktiken wahrscheinlich seltener vorkommen und bewegt sich in diesem flüssigen Kontinuum sicherlich an einer Grenze, an der sich nicht viele Leute bewegen. Mhm.

Und zwischen diesem Extrem, dieser Atemkontrolle und der hundertprozentigen, in Anführungszeichen, normalen Sexualität befinden sich aber ja eine Million mögliche Punkte dazwischen. Ich finde das irgendwie voll die schöne Vorstellung, gerade auch so, ich finde gerade beim Thema Sexualität wird ja ganz oft die Frage gestellt, ist es normal, wie ich bin? Ist es irgendwie okay, wie ich bin? Ist es irgendwie weird oder falsch, wenn ich das und das gut finde? Und wenn ich mir das so als, wenn man sich das dann so als Spektrum vorstellt, als so ein Kontinuum, wo alles eigentlich möglich ist, außer eben Paraphylin, wenn es eben wirklich krankheitswertig wird, wie wir jetzt in der letzten Folge ja erklärt haben, dann finde ich das eine schöne Vorstellung, weil es ja eigentlich bedeutet, dass eigentlich alles, Soweit okay, normal ist, solange es im Einverständnis passiert und niemandem schadet. 100 Prozent.

Ihr Lieben, bevor wir es vergessen und bevor ihr es vergesst, wir sind auf Tour. Am 29. und 30. November könnt ihr uns in Köln und in Hamburg live sehen. Wir machen an jedem Abend einen anderen Fall. Also wenn ihr Bock habt, uns zuzuhören, dabei zu sein, mit zu überlegen, mit zu analysieren, dann, wir würden uns mega freuen, euch zu sehen. Die Tickets findet ihr unter dem Link in unseren Shownotes und wir freuen uns jetzt schon ganz doll auf euch.

Tatsächlich sind Sexualpräferenzen auch nach diesem Modell natürlich keine bewusste Wahl, sondern das Ergebnis von ganz unterschiedlichen Einflüssen. Also man kann es im Grunde wieder als, Maxi, du kennst das, bio, psycho, sozial betrachten. Also das Ergebnis. Oder multifaktoriell. Multifaktoriell. Das Ergebnis eines multifaktoriellen Prozesses. Und dementsprechend kann man sagen, dass Sexualität tatsächlich so individuell ist, wie man es sich nur vorstellen kann. Was ich persönlich eine sehr schöne Erkenntnis fand, ist die Tatsache, dass es zahlreiche Studien gibt, die zeigen, dass viele Menschen sehr extreme Fantasien haben und auch Fantasien haben, die auf jeden Fall Paraphilie-ähnlich sind. Das heißt, sich Dinge vorstellen, die im echten, realen Leben leben.

Mindestens moralisch verwerflich, wenn nicht sogar illegal wären. Oder gefährlich, wie wir in der vorletzten Hauptfolge Dark Romans drüber gesprochen haben. Das ist ja allein schon ein Zeichen, das ja bestätigt, was du gerade sagst. So, so viele Menschen lesen gerne Dark Romans und verfolgen damit ja genau solche Fantasien, die potenziell ja gefährlich, schädigend, was weiß ich, sein könnten. Und auch da haben wir gelernt, wichtig ist am Ende des Tages nicht, dass ihr euch an die Norm haltet, was Sexualität angeht, sondern dass ihr euch natürlich immer an Einvernehmlichkeit haltet und dass ihr nicht vergesst, dass ihr euer Gehirn negativ beeinflussen könnt. Also Augen auf beim Pornokonsum, Augen auf beim Konsum von Erotikmaterialien im weitesten Sinne.

Passt ein bisschen auf euer Gehirn auf. Aber ich fand es super interessant und sehr erleichternd, weil ich glaube, dass sehr viele Leute, mit denen man so über Sexualität, das ist ja eh schon so ein verpöntes Thema. Es kommt immer ein bisschen weiter, finde ich, aus der dunklen Ecke heraus, aber dass es eben ganz viele Leute gibt, die ganz verrückte Fantasien haben und da ist überhaupt nichts dabei, sondern es ist einfach ein Teil eurer schillernden sexuellen Persönlichkeit. Also feel free to like whatever you want. Und ich hoffe, ihr fandet es genauso interessant, dass es dieses sexuelle Kontinuumstheoretikum, Theorem, Theorem gibt. Ich finde es etwas sehr erleichterndes. Projektleitung und Vermarktung, Schnitt und Sounddesign, Milan Fai. Nee, warte. Weißt du was, scheitest einfach alles raus. Du kriegst nämlich nicht mehr zusammen, dann laber ich hier nur Scheiße.