Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Blackbox-Quickie. Heute sprechen wir über die Chemie der Lust. Also über all das, was in unserem, eurem, meinem, Maxis, Gehirn passiert, wenn wir Lust empfinden oder Sex haben. Kurze Frage, Babsi, wie sehr freust du dich auf diesen Quickie? Ich mag sowas ja sehr gerne.

Also wir haben in der letzten Folge schon darüber gesprochen, dass ich sehr gerne über das Thema Sexualität rede und ich rede gerne über das Gehirn und diese Kombination aus beidem macht mich sehr glücklich. Ich wollte gerade sagen, Babsi ist nämlich unsere Neurobiologie-Queen und deswegen dachte ich, also die Kombi über Sexualität zu sprechen und dann auch noch über Neurobiologie zu sprechen, ist doch Jackpot. Ich finde es mega. Habt ihr euch auch schon mal gefragt, was genau im Gehirn eigentlich passiert beim Sex, vor dem Sex, wenn man daran denkt oder wenn man irgendwie, weiß ich nicht, davor ist, das Bedürfnis hat? Ich habe es mich auf jeden Fall sehr, sehr oft gefragt und wir haben natürlich ein paar neurologische, neurobiologische Hintergründe mitgebracht, die so ein bisschen erklären, warum wir uns manchmal eigentlich so fühlen oder so verhalten, wie wir es tun. Vielleicht erinnert ihr euch, wir haben in der vorvorletzten Folge über Dark Romance gesprochen und die Folge danach auch über Paraphilien. Und in dem Zusammenhang haben wir darüber geredet, dass körperliche Erregung durch sowas wie Gefahr oder Aufregung entstehen kann. Und die Erklärung dafür liegt im Noradrenalin, einem Stress- und Aktivierungshormon. Das ist dafür verantwortlich, dass, wenn ihr aufgeregt seid, eure Pupillen weiter werden, euer Puls sich beschleunigt und die Haut empfindlicher wird.

In Studien wurde tatsächlich gezeigt, wir haben da eine Studie gelesen von Van Anders et al. Aus dem Jahr 2009, dass körperliche Erregung durch Adrenalin sich im Gehirn sehr leicht in sexuelle Erregung verwandelt und deswegen kann Gefahr oder Aufregung auch sexuelle Erregung oder das Begehren steigern. Das nennt man dann übrigens Misattribution of Arousal Effect. Und ich glaube, darüber haben wir auch in der Dark Romans Folge gesprochen.

Aber trotzdem fanden wir es total interessant, das hier nochmal aufzugreifen, wenn wir hier schon über die Chemie der Lust sprechen. Ich glaube, die meisten von euch und ich ehrlich gesagt auch, verbinden mit Sexualität oft Testosteron oder auch Östrogen. Die beiden Hormone sind tatsächlich die hormonelle Basis der Lust, sagt man auch. Testosteron selbst wirkt bei beiden Geschlechtern beziehungsweise bei allen Geschlechtern als Libido-Verstärker. Das liegt daran, dass Testosteron die Sensibilität im Nucleus Accumbens erhöht. Wir erinnern uns, Nucleus Accumbens ist so der...

Mittelpunkt des Belohnungssystems, wenn man so will, oder ein sehr wichtiger Teil des Belohnungssystems und verstärkt dort die dopaminerge Aktivität. Und deswegen zeigen Menschen mit höherem Testosteronspiegel zum Beispiel häufiger sexuelles Interesse, allerdings interessanterweise nicht unbedingt mehr Bindung, sondern einfach nur sexuelle Anziehung, sexuelle Bedürfnisse. Und eine Meta-Analyse von Grebe et al. Aus dem Jahr 2019 hat gezeigt, dass Testosteron bei sexueller Anziehung steigt, bei langfristiger Bindung aber leicht abfällt. Und das erklärt so ein bisschen mit, warum wir, wenn wir quasi mit jemandem sehr vertraut sind.

Manchmal von diesem immensen Verlangen, und ich glaube, das kennt jeder am Anfang von der Beziehung, dass man sehr viel Sexual Energy quasi hat und Sexual Tension hat, dass man mit der Zeit dann mehr zu so einer Vertrautheit kommt und quasi nicht jeden Tag übereinander herfallen will. Und das liegt unter anderem begründet in der Veränderung von der Testosteron-Konzentration bei der Person. Dazu kommt Östrogen, das beim weiblichen Zyklus an sich ja an vielen Stellen eine Rolle spielt, aber auch die Erregbarkeit und Durchblutung des Körpers verstärkt und damit gleichzeitig die Dopaminwirkung im Gehirn und sorgt dazu für die Ausschüttung von Oxytocin, wir erinnern uns, das Bindungshormon. Oxytocin wird nämlich beim Orgasmus, beim Kuscheln und sogar beim Augenkontakt ausgeschüttet. Das ist dafür da, um Vertrauen zu stärken und emotionale Bindung aufzubauen und dämpft sogar die Angstzentren in der Amygdala. Ihr erinnert euch, das ist der Bereich, wo unsere Emotionen...

Sehr aktiv sind, gemacht werden quasi. Oxytocin aktiviert somit also ein Gefühl von Sicherheit und fördert Fürsorge und Langzeitbindung. Heißt es, was uns dabei hilft, in einer festen Beziehung zu bleiben und da in Bindung miteinander zu kommen und zu bleiben. Was ich super spannend fand, war noch das Hormon Vasopressin. Das ist ein mit Oxytocin verwandtes Hormon. Und das stabilisiert besonders bei Männern soziale Bindungen nach einem sexuellen Kontakt. Also es ist wie so eine Art chemisches Commitment-Signal. Und ich fand es super spannend, dass es vor allem bei Männern aktiv ist und bei Frauen eher weniger. Was ich super witzig finde, kennst du diese Reels? Bei mir tauchen die gerade auf meiner For You-Page richtig oft auf, wo es heißt, okay, Oxytocin sorgt bei Frauen mehr für Bindung. Also wenn sie sich sicher und geborgen fühlen und wenn sie kuscheln oder einen Orgasmus haben. Und es dämpft quasi die Angstzentren, wie du gerade schon gesagt hast. Und bei Männern ist es eher Vasopressin. Und Vasopressin wird auch bei Stress ausgeschüttet. Und dann gibt es diese Schlussfolgerung, die da heißt, Frauen verlieben sich in Männer, die ihnen Sicherheit und Nähe geben. Männer verlieben sich in Frauen, die sie stressen.

Das finde ich so lustig. Und da musste ich gerade dran denken, weil ich jedes Mal schmunzeln muss, wenn ich diese Art von Reels sehe, quasi die diese Kernessenz mittragen. Ich finde, das könnten wir übernehmen in unserer Ehe, in unserer Ehen, dass wenn wir unsere Männer wieder nerven, dann können wir einfach ihnen erklären, was jetzt gerade im Kopf abgeht und dass genau das ist, was dazu führt, dass sie bei uns verliebt bleiben. Ja, also tatsächlich habe ich das schon benutzt. Ich noch nicht, aber ich glaube, ich mache es noch. Für diejenigen von euch, die sich schon mal gefragt haben. Warum man manchmal, wenn man irgendwie verliebt ist oder jemanden begehrt, bestimmte eindeutige Red Flags übersieht. Auch das hängt mit dem Gehirn zusammen, nämlich mit dem präfrontalen Kortex, dass wenn ich jemanden begehre, also sexuelles Begehren einer Person gegenüber empfinde, dann dämpft das Gehirn die Kontrollinstanz des präfrontalen Kortex. Insbesondere den Teil, der quasi zuständig ist für Rationalität. Und das wird so ein bisschen gedämpft. Das konnte man in FMRT-Studien, in unterschiedlichen Studien nachweisen, dass beim Anblick einer geliebten Person die Areale für Kritik, Selbstbewertung und Angst unterdrückt werden.

Und das erklärt, warum quasi Liebe blind macht. Also unser Gehirn dafür sorgt, dass wir jemanden, den wir begehren oder in den wir verliebt sind, dass wir ihn durch diese rosa-rote Brille sehen. Diese rosa-rote Brille ist im Grunde die Tatsache, dass ihr ein bisschen irrationaler, ketzerisch könnte man sagen, ein bisschen dümmer werdet, wenn ihr die Person anguckt. Ich wollte gerade sagen, eigentlich ist es ja, mein Hirn hat vorne weniger, Mein Hirn strengt sich weniger an, aktiv zu sein, damit ich die Person so toll finden kann, wie ich sie toll finde. Genau. Dein Gehirn sorgt quasi dafür, dass die Illusion aufrecht erhalten wird, damit diese Bindung möglich ist. Es sagt quasi eigentlich, Mädel, schau nicht so genau hin. Ist alles gut. Maxi, ist alles fein. Wir ignorieren das. Das ist in Ordnung. Genau. Man könnte im Grunde sagen, Liebe macht nicht blind, sondern Liebe macht dein Gehirn irrational. Liebe lässt dich beide Augen zudrücken, wenn es sein muss. Oder auch das. Oder auch sexuelle Hingabe. Oder auch das. Jetzt ist es natürlich so, dass wenn ihr in einer Langzeitbeziehung seid, dass diese rosa-rote Brille natürlich abnimmt.

Irgendwann fährt euer präfrontaler Kortex schon wieder hoch und dann seht ihr auch die Dinge, die euch vielleicht stören. Was dagegen allerdings steigt in Langzeitbeziehungen, sind Oxytocin und Endorphine. Was bedeutet, es gibt weniger Rausch, weniger rosa-rote Brille, aber mehr Ruhe, die man dann in der Beziehung hat. Und diese Verschiebung erklärt auch, warum Paare nach...

Warum Paare nach mehreren Jahren tendenziell weniger Sex haben, aber emotional stabiler sind, die belohnen sich quasi. Das Belohnungszentrum wird quasi anders aktiviert als jetzt in Situationen oder Beziehungen, die gerade noch ganz frisch sind. Und last but not least, jetzt haben wir Dopamin ganz oft erwähnt. Dopamin ist quasi das Zentrum.

Das Zentrum. Ich habe das Gefühl, Dopamin ist irgendwie so der Rockstar im Gehirn. Alles hängt irgendwie mit Dopamin zusammen. Es gilt auch im Bereich Sexualität als das Wollen, quasi Wollenmolekül oder der Wollenstoff. Der Wollen-Neurotransmitter. Ja, genau. Es wird vor allem im ventralen, tegmentalen Areal, kurz VTA, produziert und dann im Nucleus Akkumbens ausgeschüttet. Wie schon gesagt, das Herzstück des Belohnungssystems. Wenn wir also jemanden begehren und ihn irgendwie so kribbelig gut finden, dann steigt der Dopaminspiegel sprunghaft an. Und das sorgt quasi für dieses Gefühl von Aufregung, dieses Flattern, das man manchmal empfindet, aber auch dieser Fokus auf diese eine Sache, die man jetzt gerade gerne hätte und diesen inneren Drang, das zu erreichen. Und interessanterweise, was ich persönlich sehr, sehr, sehr interessant und cool finde, ist, dass Studien, beispielsweise die Studie von Fischer, Erin und Brown aus dem Jahr 2005 gezeigt haben, dass das Gehirn von frisch Verliebten fast identisch reagiert wie beim Kokain-Konsum. Das heißt, das Belohnungssystem feuert das rationale Denken, wir hatten es gerade dazu, tritt zurück.

Und Dopamin sorgt in diesem Moment quasi dafür, dass wir auf die Jagd nach Sex gehen, wenn man so will. Also, dass wir aktiv dabei sind und quasi all diese körperlichen Empfindungen spüren, die wir spüren, diese Aufregung, dieser Fokus, dieses konzentrierte Denken quasi in diese Richtung. Das gilt übrigens für beide Geschlechterfreunde. Also für den Fall, dass jetzt jemand sagt, irgendwie mein Mann oder meine Frau. Das ist ein allgemeingültiger Mechanismus. Und für mich die perfekte Überleitung zu unserer nächsten Folge, denn jetzt haben wir gerade über Kokain-Konsum gesprochen. In der nächsten Folge sprechen wir nicht ganz über Kokain, aber über die Frage, was passiert denn, wenn wir statt Sex, um das Belohnungssystem zu stimulieren, Drogen nutzen, zum Beispiel Heroin. Und was genau macht Heroin eigentlich im Gehirn? Also hört unbedingt in die nächste Folge.