Der Blackbox-Quickie. Da wir in der letzten Folge ja unter anderem schon mal über Horror- und Splatterfilme geredet haben und auch darüber, ob wir die gerne gucken oder nicht, Haben wir uns gedacht, sprechen wir in dem heutigen Quickie doch mal darüber, warum manche Menschen es genießen, Horrorfilme zu schauen oder eben diese brutalen Splatterfilme zu schauen. Vielleicht erinnern sich einige von euch noch an unsere Folge zu Dark Romans. Tatsächlich überschneidet sich in dem heutigen Quickie so ein bisschen was zu dem, was wir in dieser Folge berichtet haben. Denn auch hier haben wir etwas, das man Safe Fear nennt, nämlich Geheimnis. Starke Gefühle, starke Angst vielleicht in dem Moment auch, ohne wirklich real in Gefahr zu sein. Das überschneidet sich ja ein bisschen mit dem Dark-Romance-Thema. Unser Körper erlebt, wenn wir Horror gucken, Stress, Adrenalin und Angst, aber unser Verstand weiß eben, dass wir sicher sind, ganz entspannt auf der Couch mit einer Tüte Chips.

Und diesen paradoxen Zustand, den empfinden wir, manche von uns, empfinden ihn als sehr angenehm, ähnlich wie so Achterbahnfahren. Denn es gibt eine ganz starke Emotion. Gleichzeitig haben wir Kontrolle darüber, was passiert. Also macht es uns riesigen Spaß. Was ich irgendwie ganz witzig finde daran ist, dass ich die ganze Zeit daran denken muss, wenn man Horrorfilme schaut oder auch so Jumpscares und man sich unfassbar doll erschreckt und direkt danach muss man lachen. Ja, ja. Und ich glaube, dieses Lachen ist zum einen so eine Übersprungshandlung, um diese Emotion, diesen Schreck loszuwerden, also vom Körper und von der Psyche, um quasi das irgendwo hin zu transportieren. Und auf der anderen Seite muss ich ganz oft über mich selber lachen, weil ich denke, wie albern ist denn nur ein Film? Also diese kognitive Kontrolle, die ich quasi so zurückgewinne und dann lache ich über mich selbst. Das ist tatsächlich auch, das fand ich voll spannend, neurobiologisch begründbar. Denn bei Horrorfilmen kommt es zu einem Anstieg von Dopamin, Adrenalin und Endorphinen. Und gerade bei Splatter ist es besonders intensiv, weil die Reize ja sehr extrem sind, die wir da sehen. Und so wie du sagst, unser Körper wird aktiviert. Wir haben bei so Jumpscares übeles Adrenalin. Und direkt danach kommt aber so ein Entspannungsgefühl von, es ist vorbei und ich bin sicher und mir passiert nichts. Und das gibt so ein richtig gutes Gefühl.

Und ich denke, das hängt dann bestimmt auch damit zusammen, dass du danach anfängst zu lachen. Ich kriege manchmal wirklich richtige Lachkrämpfe danach. Also wirklich so richtiges, ich muss dann richtig dolle lachen über mich selbst. Teilweise, weil ich mich wirklich, manchmal springe ich auf der Couch. Also wirklich.

Manchmal wirklich, glaube ich, auch lustig anzusehen. Es gibt aber auch Leute, für die ist diese Betrachtung von solchen Filmen oder auch von diesen Inhalten im Grunde die Möglichkeit, Kontrolle über Unkontrollierbares zu haben. Weil wenn Horror extrem übertrieben dargestellt wird, dann gibt es so eine Distanz, weil man selber weiß, das ist so grotesk, das ist nicht echt. Also es kann einfach nicht real passieren. Und ich glaube, genau an der Stelle ist aber auch der Punkt oder der Grund versteckt, warum manche Menschen sich das gar nicht angucken können. Weil sie vielleicht diese Distanz, ist nur eine Vermutung von mir, diese Distanz nicht so stark empfinden und sich die ganze Zeit denken, oh mein Gott, es gibt Orte und Leute, denen passiert sowas wirklich. Also ich glaube, je grotesker der Splatterfilm ist, desto weniger...

Desto mehr Distanz hat man und vielleicht ist es auch deswegen mehr Kontrollempfinden. Und je näher an der Realität der Horror ist, desto schwerer auszuhalten ist er, finde ich auch. Weil ich die ganze Zeit im Hinterkopf habe, sowas passiert wirklich. Ja, das stimmt. Also ich muss gerade, während du gesagt hast, so grotesker Horror, ich musste an Terrifier denken. Ich weiß nicht, ob du den kennst. Ich glaube, ich habe den dritten Teil gesehen.

Und das ist so grotesk. Also wirklich, da ist so viel Blut und so. Ich sag mal wohlgewollt kreative Form des Tötens, dass du dir manchmal wirklich denkst, also das ist jetzt so absurd und dann hat man schon wirklich so eine Distanz dazu, weil es so absurd und grotesk ist, wie du sagst, dass man es irgendwie auch nicht so richtig ernst nehmen kann. Und dann verliert es so ein bisschen was von dieser Bedrohlichkeit.

Was auch der Grund ist, warum Menschen Horror nicht mögen, zum einen natürlich, also ich gehe da voll mit, dass wenn Horror zu nah an der Realität ist, dann wird es für mich auch schwerer aushaltbar. Also ich mag gerade so paranormale Sachen sehr, weil ich da so einen guten Abstand zu haben kann. Oder eben so was abgespacedes wie Terrifier gucke ich mir auch mal an, aber ist jetzt nicht mein Favorite. Aber es gibt tatsächlich auch Studien, die untersucht haben, welche Menschen Horror tendenziell eher weniger mögen. Und da sind vor allem Menschen mit sehr hoher Empathie, mit hoher Sensibilität und Menschen, Menschen, die von Grund auf schon eher ängstlich veranlagt sind, die erleben Horror eher als Stress und nicht als Genuss. Und wenn wir jetzt gerade schon so darüber reden von Veranlagung, warum man das cool findet, ich muss auch gerade dran denken, dass sicherlich auch Sensation Seeking was damit zu tun hat, dass man Horror mag. Vielleicht für euch zum Context Sensation Seeking. Das bezeichnet Menschen, die hohe Intensität brauchen. Also es geht darum, wie viel Stimulation braucht man. Und Horror spricht da besonders die an, die da...

Von sehr viel Adrenalin oder sehr viel Stimulation sehr profitieren, sage ich mal. Ich muss gestehen, ich habe früher deutlich mehr Horrorfilme geguckt als heute.

Und wenn ich die früher geguckt habe, dann immer in Gruppen mit Freunden zusammen. Und dann hat sich irgendwie einer erschrocken. Und dann haben sich alle anderen erschrocken, nicht weil irgendwas in dem Film war, sondern weil der sich erschrocken hat. Also weil der so ein erschrecktes Geräusch gemacht hat quasi. Und dann, weiß ich nicht, ich weiß noch, dass bei einem Film eine Freundin von mir angefangen hat zu schreien und ich habe mich so erschrocken, weil sie geschrien hat. Ich musste mega lachen, weil ich mich so erschrocken habe. Und tatsächlich, ich glaube, ich habe noch nie einen Horrorfilm alleine geguckt. Und tatsächlich hat es auch einen psychologischen Hintergrund. Denn laut einer dänischen Studie von Anderson aus dem Jahr 2020, führt gemeinsames Horrorfilme schauen zusammen in Gruppen oder mit dem Partner oder der Partnerin dazu, dass Menschen eine stärkere emotionale Bindungen zueinander haben, weil gemeinsame Angst bindet. Es führt zu erhöhtem Vertrauen zwischen den Menschen, zu einer gesteigerten Zuwendung und zu einer intensiveren emotionalen Verbindung. Also, Freunde der langen Nächte, wenn ihr eine tiefere Bindung mit eurem Partner sucht, macht den abgefucktesten Horrorfilm überhaupt an, vielleicht hilft's. Das liebe ich.

Es gibt auch noch einen anderen Punkt, der quasi den Reiz von Horror ausmacht. Und zwar erlaubt Horror uns ja auch, Emotionen zu erleben, die im Alltag eher nicht so eine Rolle haben oder gar nicht haben dürfen. Zum Beispiel Aggression. Ich meine, wir gucken ja dazu, wie Menschen auf brutalste Art und Weise gefoltert und getötet werden. Und irgendwo macht es den Menschen Spaß, das zu gucken. Das heißt, so eine bestimmte...

Ein bestimmtes Level an Aggression kann man da ja auch verspüren und es ist ja vielleicht auch so ein sekundäres Verspüren von Aggression oder so ein sekundäres, es ist nicht so richtiges Ausleben, man sieht ja zu, wie Aggression ausgelebt wird. Und es ist ja eher was, was im Alltag, also Aggression, die im Alltag ja eher nicht ausgelebt werden kann. Vielleicht so eine stellvertretende Art von Aggressionsauslebung. Also ich kann jemand anderem dabei zusehen, wie er etwas tut, das ich nicht tun darf, aber ich kann dabei zugucken. Ja, genau. So in dem Sinne, dass es vielleicht auch so den Reiz ausmacht. Oder auch so die Neugier an so morbidem, ekligem, auch so Ekel. Das sind ja alles so Emotionen, die kommen halt im Alltag nicht so auf. Nicht in dem Maß. Und auch so sehr Neugier auf ganz eklige Dinge. Ich weiß nicht, das ist im Alltag auch bestimmt mit Scham behaftet, wenn man das irgendwie mal äußern würde oder zeigen würde. Aber in diesem Kontext Horrorfilm, da ist es ganz normal, dass du das guckst und es dann spannend findest. Du bist im Film drin und da darfst du Neugier an diesem Morbiden haben.

Ja, und ich glaube tatsächlich, ich finde das eigentlich fast den spannendsten Aspekt, weil ja auch diese Fantasien, die man vielleicht irgendwie, die manche Menschen haben, dass man da irgendwie sich das im Horrorfilm anschauen kann. Und man kann dabei sein, ohne sich schlecht zu fühlen, ohne sich zu schämen, ohne irgendwie, dass es unangenehm ist, weil es einfach ein Film ist, den man schauen darf, der produziert würde, damit man ihn sich anschauen kann. Und im Grunde, dass man diesen Bedürfnis, das man selber vielleicht manchmal hat.

Ich muss gerade an die erste Rechtspsychologie-Vorlesung denken, die wir beide zusammen hatten, bei der sich unser Dozent nach vorne gestellt hat und gesagt hat, Gewalt ist geil, oder? Und von uns ein Statement dazu hören wollte.

Und da muss ich gerade dran denken, weil ich glaube, dass viele von, oder dass Horrorfilme an sich die Möglichkeit bieten, Gewalt geil finden zu dürfen. Ja. Und quasi das ausleben zu dürfen, weil ich weiß noch genau, wie in diesem Vorlesungssaal alle saßen und den Kopf eingezogen haben und niemand wollte irgendwas dazu sagen, weil das eine so unglaubliche Aussage in der Öffentlichkeit ist. Das darf man doch nicht zugeben. Aber im Horrorfilm darf man sich angucken, wie jemand anders abgeschlachtet wird und da darf man Gewalt cool finden. Ja, und ich fühle es so total, gerade wenn wir so drüber reden, ich habe mich gerade gefragt bei diesen Reizen, was davon trifft auf mich zu, weil es ist bei mir, weil ich ja auch so gerne Horrorfilme schaue und gerade diese Neugier am Morbiden, das trifft so dermaßen auf mich zu, wenn mir jemand sagt, dieser Horrorfilm ist richtig, richtig schlimm, so ich musste mich verkriechen, ich musste abbrechen. In meinem Kopf geht dann los, ich möchte das sehen. Jetzt bin ich neugierig. Und es ist ja was, was du so im Alltag, wenn, keine Ahnung, jemand von irgendwas ganz Schlimmem erzählt, dann fängst du ja nicht an mit, oh, jetzt bin ich aber neugierig, ja, erzähl doch mal. Nee, natürlich nicht. Das machst du natürlich nicht. Aber im Horrorfilm, da kannst du den einfach anmachen und denkst dir, so, jetzt kann ich meine Neugier befriedigen, ohne dass irgendjemand dazu was sagen muss, kann, ohne dass ich irgendjemand auf den Schlips trete, ohne dass es irgendwie unangebracht ist so das ist jetzt, da darf ich und ich fühle es so sehr das ist, ja ich finde es toll.

Ich weiß, ob man es merkt. Lasst uns gerne mal wissen, ob ihr das auch so empfindet. Schreibt uns super gerne bei Instagram. Blackbox, der Podcast, alles klein und zusammengeschrieben. Ich weiß gar nicht, wie oft wir das schon gesagt haben. Schreibt uns super gerne, ob ihr das auch so empfindet. Ob ihr vielleicht noch andere Gedanken dazu habt. Ob wir irgendwas übersehen haben, wo ihr sagt, bei mir ist es ganz anders. Wir freuen uns auf jeden Fall drauf. Oder kommentiert es direkt hier unter die Folge bei Spotify, wenn ihr wollt. Und ansonsten wünschen wir euch sehr viel Spaß bei eurem nächsten Horrorfilm. Und wenn wir schon bei Instagram sind, Schreibt uns doch gerne mal eure liebsten, krassesten Horrorfilme in die Kommentare oder in die DMs oder hier auf Spotify, wo auch immer ihr wollt, weil ich bin immer auf der Suche nach neuen Empfehlungen.