Willkommen bei Blackbox, der Psychologie-Podcast, der dich mitnimmt in die Tiefen der menschlichen Psyche. Ich bin Maxi. Und ich bin Babsi. Als studierte Psychologin schauen wir uns an, warum Menschen fühlen, denken und handeln in Extremen wie im Alltag. Dabei verbinden wir Psychologie mit echten Geschichten direkt aus dem Leben. Von Beziehungen über Verbrechen bis hin zu außergewöhnlichen Case Studies. Du wolltest schon immer verstehen, was in.
Hello, hello und herzlich willkommen zu unserer ersten Podcast-Folge, die wir seit unserer kleinen Tour in Köln und in Hamburg aufnehmen. Wir sind wieder zurück und hatten zwei ganz, ganz tolle Abende mit euch allen und möchten dafür nochmal Danke sagen. Es hat richtig, richtig viel Spaß gemacht, euch alle kennenzulernen und mit euch über die beiden Fälle zu sprechen, die wir ausgesucht haben. Ich fand auch, die Fälle haben richtig, richtig viel Spaß gemacht und ich freue mich einfach wirklich schon wieder ganz doll auf den nächsten Moment, wo wir auf der Bühne stehen dürfen und mit euch allen live interagieren dürfen. Ich fand es auch richtig, richtig, richtig cool und freue mich total auf das nächste Mal und bin immer noch so ganz aufgeladen von den zwei Abenden.
Und wir haben mit einigen von euch direkt an dem Abend ja schon ein bisschen gequatscht und haben uns quasi persönlich kennengelernt, was ich sehr cool fand. Aber natürlich hatten wir nicht die Gelegenheit, mit allen von euch zu sprechen, und deswegen würde ich mich total freuen, oder würden wir uns total freuen, wenn ihr uns Feedback gebt und uns mal schreibt, was fandet ihr gut, was können wir noch besser machen, was hat euch gefallen, damit wir für die nächste Tour und den nächsten Live-Auftritt noch was dazu lernen. Also schreibt uns total gerne bei blackboxderpodcast über Instagram oder über blackboxderpodcast.gmail.com und schreibt uns da einfach eine E-Mail mit eurem Feedback zur Tour, zum Auftritt und natürlich auch gerne ganz allgemein zum Podcast. Ja, seid nicht schüchtern, schreibt uns gerne. Wir freuen uns immer über Feedback und vielen Dank auch nochmal von mir, weil du es ja auch gerade schon gesagt hast. Es war wirklich sehr, sehr, sehr schön mit euch. Heute sprechen wir mal wieder über ein Thema, das unserer Meinung nach super, super wichtig ist. Und eines der Themen, die mit Grund dafür waren, dass wir uns so sehr darüber gefreut haben, diesen Podcast endlich zu öffnen, dass es nicht nur True Crime ist, sondern auch einfach allgemein psychologische und psychiatrische Themen.
Denn sonst wäre die heutige Folge nicht möglich gewesen. Wir sprechen heute über Psychiatrie, genauer gesagt über stationäre psychiatrische Aufenthalte. Und ich glaube, das ist so, so wichtig, dass wir darüber mal sprechen, denn ich weiß nicht, wie es dir geht, Babsi, aber ich habe schon so, so, so viele.
Horrorgeschichten über psychiatrische Kliniken gehört, so viele Vorurteile, Gerüchte, wo wirklich man sich denkt, ach du Scheiße, das muss ja wirklich wie im Horrorfilm da drin sein, wie in so einem American Horror Story Staffel Asylum oder sowas. Ja, ich habe von, Also aus unterschiedlichen Perspektiven sehr viele Horrorgeschichten gehört. Ich glaube, das Wort, das ich am häufigsten in Verbindung mit der Psychiatrie gehört habe, ist Klapse.
Also ja, die oder der war in der Klapse. Und ich finde allein diese Beschreibung sagt alles, was man über Vorurteile, was psychiatrische Kliniken angeht, wissen muss. Weil ich finde es auch einfach kein charmantes Wort. Es schwingt schon so ein Vorurteil mit, es schwingt schon eine Bewertung mit. Und ja, natürlich, ich glaube, es gibt über keine andere Klinik, über keinen anderen medizinischen Bereich so viele Gruselgeschichten und Albtraum-artigen Horrorfilme wie über die Psychiatrie. Und genau deswegen sprechen wir heute darüber und klären so ein bisschen auch einige Fragen und bestimmt auch einige Stigmata und Gerüchte auf. Wir beantworten heute die Fragen, was genau eigentlich in einer Psychiatrie passiert und was genau das eigentlich ist. Wie sich entscheidet, ob jemand aufgenommen wird und vor allem, wie sich entscheidet, wer aufgenommen wird. Wie da der Alltag aussieht, vielleicht auch die Frage, was passiert da in den ersten 24 Stunden. Wie werden Diagnosen verteilt? Warum kommt es auch manchmal dazu, Fehldiagnosen?
Was ich super spannend finde, ist auch die Frage, wie Stationen mit akuten Krisen umgehen. Und auch so die Frage, wie viel Zwang ist legal? Was darf man eigentlich im Sinne von Fixierungen oder Zwangsmedikationen? Ganz wichtig auch, wer liegt eigentlich auf einer psychiatrischen Station? Also wer ist da? Und das ist ja so ein bisschen was, was mit diesem Wort Klapse einhergeht. Muss man komplett verrückt sein, um in der Psychiatrie zu landen? Also heißt es, du bist komplett irre, komplett verrückt und alle Hoffnung ist verloren? Spoiler, nein.
Wir klären die Frage, ob Psychiatrie wirklich so Horror ist, wie alle sagen, und auch was nach einem psychiatrischen Aufenthalt passiert, ob man dann geheilt ist oder ob es da vielleicht doch noch dann geht. Etwas zu tun gibt. Es ist, ich glaube, ihr merkt es, mal wieder ein Thema, über das wir sehr, sehr lange sprechen könnten. Und wir werden wahrscheinlich auch noch nach dieser Folge noch ein oder zwei oder x weitere Folgen zu dem Thema Psychiatrie machen. Schreibt uns gerne auch hier, wenn ihr noch Fragen habt oder Themen habt, die wir heute nicht behandeln, weil wir uns natürlich in jeder Folge immer so ein bisschen fokussieren müssen, damit wir euch nicht fünf Stunden lang die Ohren vollquatschen.
Bevor wir in den ersten Fall reingehen, den wir heute für euch mitgebracht haben, die erste Case Study, das erste Fallbeispiel, möchten wir erstmal zuallererst basic die Frage klären, was ist Psychiatrie eigentlich überhaupt? Kurz gesagt ist mit Psychiatrie im engeren Sinne erstmal gar nicht eine Klinik gemeint, sondern ein medizinischer Fachbereich, der sich mit der Diagnose und Behandlungen von psychischen Erkrankungen befasst. Das reicht dann von Depressionen über Angst bis zu Psychosen, also wirklich alles, was so in dieser Bubble psychischer Erkrankungen ist. Das Ziel der Psychiatrie ist es immer, Menschen in seelischen Krisen zu stabilisieren und ihnen zu helfen, einen Weg zurück in ein stabiles und handlungsfähiges Leben zu eröffnen. Ein, wie ich finde, ganz interessanter Fakt, weil man bei der Psychiatrie oft an die Klassiker in Anführungszeichen denkt, also beispielsweise eben an Depressionen, die du gerade genannt hast. Demenz und Alzheimer gehören auch zu den psychiatrischen Erkrankungen. Von der stationären Psychiatrie allerdings spricht man, wenn jemand nicht ambulant behandelt wird, also von zu Hause aus, sondern für eine begrenzte Zeit in einer psychiatrischen Klinik eben bleibt. Das kann entweder freiwillig passieren oder in akuten Gefährdungssituationen auch natürlich gegen den eigenen Willen. Darüber sprechen wir gleich noch.
Was wir ganz wichtig finden zu erwähnen, ist, dass eine stationäre Psychiatrie nicht automatisch bedeutet, dass die Türen zu sind. Es gibt auch ganz, ganz viele offene Stationen. Die meisten Stationen einer psychiatrischen Klinik sind offen und geben Patienten die Möglichkeit, auch mal rauszugehen, sich mit Leuten zu treffen. Wenn es in der Stadt liegt, vielleicht auch mal kurz shoppen zu gehen und dann einfach Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld zu behalten. Geschlossene Bereiche werden nur dann genutzt, wenn eine akute Gefahr von Fremd- oder Eigengefährdung besteht. Und ganz wichtig, eine stationäre Psychiatrie ist kein dauerhafter Aufenthalt, sondern immer zeitlich begrenzt. Wir werden in den Fällen berichten von ungefähr dreimonatigen Aufenthalten. Das ist schon eher ein längerer Aufenthalt. Die meisten gehen so sechs bis acht Wochen.
Und es ist wirklich dafür da, quasi eine intensive Zeit zu haben in diesem beschützten Rahmen der Psychiatrie. Und danach aber auch wieder zurück ins eigene Leben zurückzukehren. An der Stelle vielleicht noch ein Hinweis, weil ich weiß, dass einige Menschen sich anstelle von einer Psychiatrie in einer psychosomatischen Klinik aufhalten und vielleicht so als Hinweis, was da der Unterschied ist oder was eine psychosomatische Klinik im Vergleich dazu ist. In der psychosomatischen Klinik werden hauptsächlich Erkrankungen behandelt, also psychische Erkrankungen behandelt, die sich unter anderem in körperlichen Symptomen äußern. Beispielsweise jemand, der Depressionen hat und bei dem die Depression mit körperlichen Beschwerden wie Magenschmerzen einhergeht oder auch mit einer depressiven Esshemmung.
Auch Essstörungen können in der psychosomatischen Klinik behandelt werden, weil sie quasi auch eine psychische Erkrankung sind, die sich körperlich zeigt. Das ist ja ein Teil dieser Erkrankung in dem Fall. Oder auch sowas wie chronische Schmerzen. Ich glaube, das ist noch am einfachsten zu verstehen. Natürlich sind nicht alle chronischen Schmerzen nur psychisch bedingt. Es gibt ganz viele unterschiedliche Ursachen. Und viele Menschen, die chronische Schmerzen haben, bei denen das auch körperlich bedingt ist. Es kann ganz viele Gründe dafür geben. Aber auch diese Patienten können zum Beispiel je nach Fall in einer psychosomatischen Klinik behandelt werden. Kontrastierend dazu fokussiert sich die Psychiatrie eben auf reine, in Anführungszeichen, Störungen des Geistes und der Seele. Also mit reinem Fokus auf das, was mental passiert. Und ich würde sagen, mit diesen vielleicht neuen Infos gehen wir direkt in das erste Fallbeispiel, das wir für euch mitgebracht haben.
Ein kleiner Hinweis noch, bevor wir jetzt endgültig in den Fall rein starten. Wir haben heute anonymisierte Fallbeispiele dabei. Das bedeutet, die Namen und äußeren Umstände der betreffenden Personen und der Situation wurden geändert, soweit es nicht mehr erkennbar ist, wer es ist. Die Abläufe und weiteren Details allerdings entsprechen der Realität.
Es ist Februar. Katrin ist zum ersten Mal in ihrem Leben in einer Psychiatrie, drei Monate teilstationäre Behandlung wegen einer schweren Depression. Sie bemüht sich, nach einer sehr schweren Phase wieder auf die Beine zu kommen. Ergotherapie, Sport, Einzelgespräche, Gruppentherapie, Achtsamkeitsübungen und die anderen Patienten. All das hilft ihr Schritt für Schritt zurück ins Leben, Stabilisiert sie, gibt ihr den Mut, sich wieder an Alltagsaufgaben heranzutrauen. Nach und nach stabilisiert sie sich, bis sie Ende Februar entlassen wird. Endlich, denkt sie, ist sie bereit. Bereit für ein Leben ohne ständige Einbußen durch ihre psychische Erkrankung.
Doch weit gefehlt. Nur wenige Wochen später fallen Katrins sozialem Umfeld neue Veränderungen in ihrem Verhalten auf. Diesmal sind es nicht, wie beim ersten Mal, Antriebslosigkeit und diese schwere, bleierne Traurigkeit, sondern ein Hochgefühl, das nicht normal zu sein scheint. Katrin ist aufgedreht, hat unzählige wirre Ideen, ist sehr selbstbewusst und hält sich für unbezwingbar. Als ihre Familie sie darauf anspricht, wehrt sie jedoch erst einmal alles ab. Sie beharrt darauf, dass es ihr gut geht, dass sie sich noch nie so voller Energie gefühlt habe, wie jetzt gerade, dass sie nicht noch mehr Zeit in der Uni verpassen wolle. Dass ihr Freund sich von ihr trennt, weil er ihr Verhalten kaum aushaltbar findet, hinterfragt sie nicht. Stattdessen lädt sie sich eine Dating-App herunter und stürzt sich in Dates und lose Bekanntschaften. Irgendwann endlich dringen ihre Freunde, ihre Familie und ihre Psychiaterin schlussendlich zu ihr durch. Sie finden einen Kompromiss. In den nächsten Semesterferien geht sie zum zweiten Mal in die Psychiatrie. Sie läuft durch den steinenden Eingang mit der großen alten Holztür, passiert die Aufschrift Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und den Pförtner, der direkt am Eingang sitzt und die Überwachungskameras im Blick behält. Die Gänge sind weiß und hell, Licht durchströmt von einer Fensterfront.
Es gibt einen Innenhof mit Cafeteria und einem kleinen Garten. Einige Patienten sitzen hier, gemeinsam mit ihren Freunden, ihrer Familie, essen etwas, lachen, plaudern. Katrin wird auf die Station gebracht, wo die Türen aus Holz sind und der Boden mit Teppich ausgelegt ist. Sie bezieht ein Viererzimmer, das sie sich mit drei jungen Frauen teilt. Am nächsten Tag beginnt der erste richtige Tag in der Klinik. Von 7.30 Uhr bis 8.10 Uhr kann gefrühstückt werden, anschließend findet die Morgenrunde statt. Hier darf jeder Patient kurz erzählen, wie es ihm geht und was seine Pläne für den heutigen Tag sind. Um 9 Uhr ist Ergotherapie. Erarbeiten von Plakaten, die über psychische Krankheiten aufklären. An sich bestimmt sinnvoll und ein wichtiges Thema, aber Katrin holt es irgendwie nicht so richtig ab.
Zu Beginn ihres Aufenthalts ist ihr Tag noch nicht so voll wie der von den anderen Patienten. Sie muss bei den verschiedenen Therapieangeboten erst angemeldet werden, es muss ein Platz für sie frei sein. Da das aufgrund von Personalmangel nicht direkt am ersten Tag machbar ist, vertreibt sie sich die restliche Zeit des Tages damit, im Garten herumzuschlendern, sich mit anderen Patienten zu unterhalten und zu rauchen. Dabei trifft sie auf die unterschiedlichsten Charaktere und Diagnosen. Unter anderem Dennis, der in einer manischen Phase 3000 Euro pro Monat für Prostituierte ausgegeben hat, obwohl er verheiratet ist und Kinder hat. Der sich einen riesigen Haufen Schulden verursacht hat, weil er in seiner Manie einfach kein Ende kannte.
Was Dennis erzählt, kommt Katrin bekannt vor. Wie Dennis wurde ihr auf Station die Diagnose einer bipolaren Störung gestellt. Eine Erkrankung, bei der Betroffene zwischen extremen Hochs und den tiefsten Tiefs schwanken. Von himmelhoch jauchzen zu zu Tode betrübt. Manchmal in kürzester Zeit. Auch die folgenden Tage und Wochen langweilt Katrin sich immer wieder. Wirklich viel Programm erhält sie auch in der nächsten Zeit nicht. Ihre Highlights sind das gemeinsame Kochen mit anderen Patienten oder der Beauty-Abend mit einigen Patientinnen, an dem sie sich Gesichtsmasken auftragen, die Nägel lackieren und über Gott und die Welt quatschen. Sie beginnt ihren Tag selbst zu strukturieren. Morgens geht sie mit einem anderen Patienten joggen, hält die Frühstückszeiten und die Morgenrunde ein. Dann erhält sie ein neues Medikament, das sie unglaublich müde macht. Wie ein Stein liegt sie morgens im Bett, wenn der Wecker klingelt und schafft es einfach nicht, pünktlich aufzustehen.
Sie verpasst das Frühstück, erhält Abmahnungen für ihre Versäumnisse aufgrund der starken Müdigkeit. Sie berichtet den Ärzten in der wöchentlichen Visite von diesen Nebenwirkungen, doch sie hat das Gefühl, nicht ganz ernst genommen zu werden. Auf der Station für junge Erwachsene, auf der Katrin sich befindet, gibt es zudem wirklich sehr strenge Regeln. Eine davon ist das pünktliche Erscheinen zur Morgenrunde und zum Frühstück. Dinge, die Katrin im Gegensatz zu Beginn ihres Aufenthalts nicht mehr schafft, seitdem sie das neue Medikament einnimmt.
Weitere Regeln sind die, bis 20 Uhr jeden Tag auf Station zu sein, gegen 22.30 Uhr im Zimmer zu sein und um 23 Uhr das Licht auszumachen.
Einmal erhält Katrin eine Verwarnung, weil sie und andere Patienten bis 23 Uhr im Garten bleiben. Es bleibt nicht der einzige Regelverstoß. Katrin fällt es schwer, alle Regeln einzuhalten. Vor allem dann, wenn sich ihr der Sinn dieser Regeln nicht erschließt. Sie rebelliert, verliert die Kontrolle im Kontakt mit dem Pflegern, schreit herum und verpasst Termine. Das führt dazu, dass sie nach einiger Zeit aus der Klinik geschmissen wird. Der konkrete Grund? Die fehlende Präsenz bei der Morgenrunde und bei der Vitalwertkontrolle. Katrin, so heißt es, könne sich nicht an die Regeln halten. Ihre Behandlung allerdings ist zu diesem Zeitpunkt so gut wie abgeschlossen. Sie wird entlassen, als arbeitsfähig eingestuft und man traut ihr zu, ihr Leben weiterzuführen.
Sie weiß, dass sie jederzeit wiederkommen kann, wenn wieder Bedarf besteht, wenn die bipolare Störung trotz Medikamenten mal wieder überwältigend ist. Trotz vorzeitiger Beendigung sieht Katrin den Psychiatrieaufenthalt als etwas Gewinnbringendes an. Vor allem die anderen Patienten, von denen einige zu Freunden geworden sind, geben Katrin auch später noch viel Kraft. Sie verstehen sie besser als jeder Arzt, jeder Therapeut oder jedes Mitglied ihrer Familie, die alle noch nie mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen hatten. Es sind ihre Freunde, Menschen, die die gleichen Narben haben und dabei trotzdem einzigartig sind, jeder auf seine eigene Art und Weise.
Ich finde, dieses Fallbeispiel zeigt zum einen sehr gut, wann eine psychiatrische stationäre Behandlung notwendig sein kann. Ich fand, das ist eine sehr gute Beschreibung dafür, wen man in so einer psychiatrischen Klinik theoretisch alles treffen könnte. Und das sind vollkommen normale Menschen.
Vollkommen normale Menschen, die halt eine psychische Erkrankung haben, aber abgesehen davon, also zum Beispiel, dass so ihr Lieblingsteil im zweiten Aufenthalt in der Klinik war, dass sie irgendwie so Beauty-Sachen abends machen. Ja, das fand ich auch. Vollkommen normaler Mensch, vollkommen normale junge Studentin. Das hat mich irgendwie total erinnert an so Internatsleben, wenn man so zusammen halt, jeder hat so sein Zimmer, aber man trifft sich im Aufenthaltsraum und macht dann so einen Beautyabend. Also es hat so irgendwie sowas. Ja, ja, komplett. Ja, sowas Gemeinschaftliches. Ja, und irgendwie auch, wenn das so eine junge Station ist auch, also eine Station für junge Erwachsene, dann ist das ja auch ein bisschen wie so ein Land, also ich will jetzt nicht sagen wie ein Landschulheim so. Aber da kommen ja viele Leute im gleichen Alter zueinander und dass da zum Beispiel bis 23 Uhr Leute im Garten bleiben, ist irgendwie auch so ein normales Verhalten in Anführungszeichen von jungen Erwachsenen. Und ich verstehe schon, dass das in diesem Kontext von einer stationären Psychiatrie, wo es bestimmte Regeln gibt, nicht geht, weil man sich an diese Regeln halten muss. Und gleichzeitig fand ich zumindest aber dieses lange im Gartensitzen sehr relatable und sehr normal in Anführungszeichen. Ja, voll. Also ich meine, ich kann auch schon verstehen, wenn Menschen.
Also gerade wenn ich so an meine Erfahrungen mit der Psychiatrie denke, dass Patienten da schon die Regeln als sehr streng empfinden und da kann ich auch manchmal zustimmen. Ich finde die auch manchmal sehr streng und ich glaube, dass mir die manchmal auch schwerfallen würden einzuhalten, weil man manchmal auch sich... Also weil man manchmal den Sinn nicht so ganz versteht, so gerade als Patient, weißt du, was ich meine? Und da kann ich auch verstehen, dass es schwierig ist, irgendwie die dann auch so richtig zu befolgen. Gerade so als junger Mensch, wenn man auch vielleicht sich dann manchmal denkt, nee, da habe ich jetzt gerade auch wirklich gar keinen Bock drauf, das will ich jetzt nicht.
Und auf der anderen Seite gibt es die natürlich aus einem Grund und ich weiß nicht, vielleicht gibt es da jetzt einige von euch, die vielleicht auch ein bisschen entrüstet darüber waren, dass bei Katrin der Aufenthalt abgebrochen wurde deswegen.
Weil sie eben nicht zu den Terminen erschien, wie es eben nach den Regeln zu sein hat. Natürlich haben dabei ihr auch die Medikamente reingespielt, wo ich echt kritisieren muss, dass das, so wie sie es beschrieben hat, nicht ernst genommen wurde von den behandelnden Ärzten. Denn natürlich gibt es eine Eigenverantwortung bei sowas. Auch wenn Medikamente müde machen, ist es in der Eigenverantwortung der Patienten halt sich da zu melden, was sie ja wohl gemacht hat. Und zum anderen auch Strategien dafür zu finden. Denn es gibt schon Medikamente, die machen zwar müde, aber man kann trotzdem damit arbeiten. Man kann gucken, dass man damit umgehen kann. Es gibt aber auch Medikamente, die halt wirklich so müde machen, dass es kaum möglich ist. Also da hätte ich mir ein bisschen mehr Differenzierung von Ihren Ärzten gewünscht, wenn es nicht stattgefunden hat. Wir kennen ja da nur Ihre Sicht der Dinge. Ja, das habe ich mir auch gedacht, dass das eigentlich eine Notwendigkeit ist, darauf zu reagieren. Weil du kannst jemanden nicht für etwas bestrafen, was ja am Ende des Tages der Fall ist. Wenn die Person dir selber sagt, hey, ich würde es gerne einhalten, aber die Tatsache, dass ich dieses Medikament nehme, macht es mir wirklich schwer. Und dann zu sagen, ja, das ist eine Ausrede, finde ich, also gerade bei Psychopharmaka, Pharmaka, die ja bekannterweise sehr viele unterschiedliche Nebenwirkungen haben können, finde ich ihre... Subjektive Wahrnehmung, dass sie nicht ernst genommen wird, auf jeden Fall sehr nachvollziehbar.
Was ich auch sehr, ich will nicht gewöhnlich sagen, aber sehr nachvollziehbar oder sehr logisch fand, ist die Tatsache, dass, ich musste so ein bisschen daran denken, in unserem Studium hätte das auch eine Case Study für eine, also aus dem Bereich klinische Psychologie sein können. Mit der Frage, welche Erkrankung diagnostizierst du. Weil es ja auch ein sehr lehrbuchhafter Verlauf von einer Bipolarenstörung ist. Also erst dieses depressive, dann das manische, selber auch nicht einsehen wollende, dass man gerade sich außerhalb der guten Laune befindet, dass das nichts mehr mit guter Laune zu tun hat. Und was ich aber irgendwie auch schön finde, ist, dass sie dann, Dennis hieß der, oder? Der Mitpatient von ihr, der die gleiche Diagnose hat. Ja. Das finde ich irgendwie auch so wertvoll oder denke ich kann sehr wertvoll sein, dass man in der stationären Psychiatrie mit viel höherer Wahrscheinlichkeit jemanden trifft, der eine ähnliche Diagnose hat, der Dinge ähnlich nachvollziehen und verstehen kann. Anders als quasi außerhalb der stationären Psychiatrie, wo du...
Eigentlich ja eine viel größere Challenge hast, mit jemandem darüber zu sprechen. Zum einen, weil es stigmatisiert ist. Zum anderen, weil die meisten Leute eben nicht manisch-depressiv sind und es deswegen auch nicht verstehen können. Und ich glaube, das kann auch nochmal total helfen, mal unabhängig von den ganzen Therapien und Angeboten, die im besten Fall dann auch umgesetzt werden, dass du mit Leuten sprichst, die tatsächlich wissen, wovon du redest. Wenn ihr euch jetzt fragt, was ist eigentlich diese bipolare Störung oder manisch-depressiv, von dem Babsi gerade gesprochen hat, dann hört gerne in unsere Folge 109 rein. Da haben wir eine gesamte Folge lang über die bipolare Störung gesprochen und erklären dieses Störungsbild sehr genau. Das werden wir nämlich heute nicht machen, denn heute geht es ja um den psychiatrischen Aufenthalt, bei dem natürlich auch psychische Diagnosen eine Rolle spielen. Allerdings würde das jetzt heute den Rahmen sprengen, wenn wir darauf in diesen Fällen jetzt auch noch eingehen würden.
Jetzt ist es ja so, dass Katrin gerade beim zweiten Mal ja nicht so, ich sag mal, nicht so ganz von sich aus wieder in die Klinik gegangen ist. Da haben wir so eine manische Phase, wo sie sehr viel Energie hatte, wenig geschlafen hat und sich eigentlich super gut gefühlt hat, aber halt komplett über dem Strich war. Und ihre ganze Familie und Freunde haben ihr rückgemeldet, ey.
Das ist nicht so ganz normal, irgendwas ist da wieder. Und auch die Psychiaterin hat ja da empfohlen, vielleicht gehst du nochmal hin. Und da wollte sie ja eigentlich nicht. Und dann gab es ja dann diesen Kompromiss, okay, in den Semesterferien, damit sie jetzt nicht das Gefühl hat, irgendwie da zurückgeworfen zu werden in ihrem Uni-Prozess. Ich würde da ganz gerne die Frage stellen, war das dann freiwillig eigentlich? Oder ist das schon irgendwie Zwang, so von der Familie und den Freunden, da so gedrängt zu werden, da reinzugehen?
Also ich glaube, die Frage lässt sich aus unterschiedlichen Perspektiven beantworten. Juristisch betrachtet können wir, ich bin jetzt keine Juristin, aber aus meinem laienhaften Blick kann man da nicht von Zwang sprechen. Weil sie haben sie ja nicht festgeschnallt und mitgenommen oder sie irgendwie unter Druck gesetzt und gesagt, wenn du nicht freiwillig gehst, weiß ich nicht, entmündigen wir dich oder sowas. Aber sie haben natürlich sehr stark wahrscheinlich auf emotionaler Ebene auf sie eingewirkt. Und ich glaube, es ist auch nachvollziehbar, weil das ja im Grunde, also die Tatsache, dass sie sich so gut gefühlt hat, ein Symptom dieser Erkrankung ist. Und von daher, glaube ich, haben sie auch mit Recht auf sie eingewirkt, können sie aber ja nicht zwingen. Von daher würde ich sagen, letzten Endes war das freiwillig, auch wenn sie selber das vielleicht gar nicht so gut fand. Ja.
Ich finde auch in dem Fall wird so eindeutig, wie wichtig es auch ist, dass man da irgendwie Feedback aus dem sozialen Umfeld bekommt. Weil es ja nicht nur bei einer Manie der Fall ist, dass man vielleicht selbst die Symptome gar nicht so stark bemerkt, sondern es ja viele psychische Erkrankungen gibt, wo erstmal das Umfeld bemerkt, dass sich irgendwas verschiebt. Und da finde ich es immer total wertvoll, auch wenn mir Patienten berichten, ja, irgendwie meine Mama hat das bemerkt oder mein Partner hat das bemerkt und die haben mir das dann halt rückgemeldet, dass das so die ersten Momente sind, wo man dann irgendwie merkt, okay, sollte ich da mal überprüfen, sollte ich mal hingucken?
Weil das soziale Umfeld ja eine riesige Ressource sein kann. Nicht nur beim Bemerkten der Erkrankung, sondern ja auch beim Begleiten, so in diesem Prozess stationär zu gehen. Denn das ist vielleicht auch was, was viele vielleicht nicht wissen. Es ist auch möglich, dass wenn ihr zum Beispiel zum ersten Mal in eine psychiatrische Einrichtung geht und da den Aufnahmeprozess habt und da irgendwie unsicher seid, wie das alles abläuft, da dürft ihr begleitet werden von einem Angehörigen. Natürlich nicht bis auf die Station, irgendwann müssen die dann auch gehen. Aber so diesen Aufnahmeprozess, den müsst ihr nicht alleine durchstehen. Und ich würde vorschlagen, wenn wir jetzt schon von der Frage sprechen, freiwillig oder per Zwang, dass wir jetzt mal darüber sprechen, wie läuft eigentlich sowas ab? Wer wird eigentlich aufgenommen in einer Psychiatrie? Und in Katrins Fall war es ja auf jeden Fall eine freiwillige Aufnahme. Und wie ist das, wenn ich selbst betroffen bin und gerne aufgenommen werden möchte? Weil ich habe auch das Gefühl, gerade wenn ich mit Menschen spreche, dass das so ein riesiges Mysterium ist, wie komme ich da überhaupt rein?
Die Wahrnehmung habe ich auch. Es gibt unterschiedliche Wege, wie man in eine psychiatrische Klinik kommt. Die eine Möglichkeit, oder drei übliche Wege, sagen wir mal so. Die eine Möglichkeit ist, man geht direkt in die Notaufnahme. Viele psychiatrische Kliniken haben quasi eine eigene psychiatrische Notaufnahme. Man kann einfach dahin gehen.
Entweder alleine oder wie du gerade schon gesagt hast, mit einer Begleitung. Diese Notaufnahmen sind aber natürlich dafür gedacht, das ist wie auch die Notaufnahme im Krankenhaus, da gehst du nicht mit einem Papierschnitt hin. Und das gilt auch für die psychiatrische Notaufnahme, da gehst du nicht hin, nur weil du heute einen schlechten Tag hast und dir denkst, ich glaube, ich sollte mal mit jemandem reden. In dem Fall ist, oder ich habe vielleicht schon länger Probleme in meiner Familie und würde darüber gerne mal mit jemandem professionell sprechen. Dafür gehe ich nicht in die psychiatrische Notaufnahme, sondern dafür lasse ich mir, und ich weiß, die Wartezeiten sind lang, aber dafür lasse ich mir im besten Fall einen Termin bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin geben oder ich gehe mal zu einer Beratungsstelle oder sowas. Das heißt, die psychiatrische Notaufnahme ist tatsächlich für eine akute Situation. Das heißt, wenn ich aufgrund einer, beispielsweise einer schweren Depression, Suizidgedanken habe, dann gehe ich in die psychiatrische Notaufnahme oder ich bringe meinen Freund, meine Freundin, wie auch immer, in die psychiatrische Notaufnahme, wenn ich das Gefühl habe, dass da gerade was passiert, dass da gerade Gedanken vorherrschen, die potenziell gefährlich sind für diese Person.
Besteht natürlich auch dahin zu gehen, wenn man merkt, dass man selbst oder jemand um einen herum gerade eine Psychose entwickelt, also dass man irgendwie Halluzinationen hat oder sowas. Also alle Dinge, die akut sind, wo man sagt, okay, wir müssen jetzt sofort etwas tun. Die sind für die psychiatrische Notaufnahme. Die zweite Möglichkeit ist über den Hausarzt, die Hausärztin oder auch den Psychotherapeuten, die Psychotherapeutin. Wenn ihr schon zur Therapie geht, die können Einweisungen ausstellen. Diese Einweisung ist für die Aufnahme nicht zwingend notwendig, aber es hilft, wenn ihr vom Arzt oder vom Therapeuten eben diese Überweisung habt. Das heißt, ihr sprecht mit eurem Hausarzt oder mit eurem Hausärztin, eurer Psychotherapeutin und sagt selber oder findet gemeinsam, vielleicht auch im Gespräch mit dem Therapeuten heraus, dass eure Symptomatik, euer subjektives Gefühl oder auch die Menge an Therapie gerade nicht ausreicht für das, was ihr benötigt. Und dann kann einer von den beiden eine Überweisung in eine psychiatrische Klinik ausstellen oder eben, wie vorhin schon gesagt, auch in eine psychosomatische Klinik, je nachdem, was so notwendig ist. Was passiert, beziehungsweise wie verhalte ich mich, wenn ich jemanden in einer Akutsituation finde?
Beispielsweise jemand hat eine Panikattacke und ich weiß nicht, was ich machen soll. Oder ich habe eine Panikattacke und ich weiß nicht, was ich tun kann. Ich weiß nicht, wo oben und unten ist. Ihr könnt immer den Rettungsdienst anrufen in Akutsituationen. Und da reden wir auch explizit wieder nicht davon zu sagen, ich habe da schon richtig lange so ein Problem in meiner Familie. nee, da sollte ich mal mit jemandem drüber reden. Das ist kein Fall für den Rettungsdienst, sondern eher sowas wie jemand, der akut suizidgefährdet ist oder jemand, der eine akute Panikattacke hat und sich nicht beruhigen kann, sich nicht beruhigen lässt. Oder jemand, der, ich mag das Wort eigentlich nicht, aber einen Nervenzusammenbruch hat. Jemand, der quasi seit einer halben, dreiviertel Stunde schon weint, nicht aufhören kann zu weinen. Nicht wegen akutem Trennungsschmerz, sondern aus einem.
Vielleicht nachvollziehbar ein Grund, aber ihr habt das Gefühl, diese Situation gerät außer Kontrolle. Es ist, finde ich, ganz schwer, irgendwie da eine allgemeine Formel zu geben, zu sagen, jetzt rufst du an und jetzt rufst du nicht an. Verlasst euch auf euer Gefühl und auf das, was die Person selber sagt. Aber das sind so die drei... Üblichen Wege, ich würde gerne noch einen ergänzen, weil es quasi ja vorhin haben wir gesagt, ihr könnt mit einer Überweisung in eine psychiatrische Klinik gehen. Ihr könnt auch einfach so zur psychiatrischen Klinik gehen. Die haben oft Sprechstunden, um quasi sich anzumelden oder um über einen potenziellen stationären Aufenthalt zu sprechen. Das gilt auch für psychosomatische Kliniken. Die haben häufig, also kann man da direkt anrufen und sagen, ich hätte gerne einen Termin bei euch. Ich würde gerne darüber sprechen und dann beantwortet ihr da vor Ort ein paar Fragen. Wie genau läuft es jetzt aber ab, wenn ihr quasi diese erste Hürde genommen habt und jetzt also dort seid und jetzt sehen wir die Frage, werdet ihr jetzt aufgenommen oder nicht?
Da ist ja auch so eine große Unsicherheit, was passiert eigentlich dann und wer entscheidet das? Es ist so, dass ihr immer erstmal angemeldet werdet, eure Daten werden erfasst, dann gibt es ein erstes kurzes Gespräch mit der Pflege, wo ihr erstmal so die Basic gefragt werdet, wie geht es euch, was ist passiert und dann gibt es ein ärztliches Aufnahmegespräch, wo dann etwas detaillierter nachgefragt wird und dieser Arzt, der mit euch dieses Gespräch führt, der entscheidet dann, ob ihr aufgenommen werdet. Der entscheidet auch, ob ihr offen oder geschlossen geführt werdet und welche Beobachtungsstufe bei euch relevant ist. Also je nachdem nur, wie gefährdet ihr seid, wie stark die Krise ist, wie sehr muss man da auf euch gucken. Die Kriterien sind da eine hohe seelische Belastung, deutliche Verschlechterung des Zustands in der letzten Zeit. Die Vermutung oder die Tatsache, dass eine ambulante Behandlung wahrscheinlich nicht ausreichend ist und deswegen eine stationäre Behandlung erforderlich ist. Und oder das Risiko, dass sich die Situation zuspitzt, wenn ihr jetzt nicht stationär aufgenommen werdet, so in dem Sinne einer akuten Krise. Also wenn ihr in einer akuten Krise steckt und wirklich so ist, okay, ich brauche jetzt Hilfe oder absehbar, ich kriege... Es reicht einfach nicht, von zu Hause aus zur Therapie zu gehen und da behandelt zu werden. Dann sind eure Chancen ganz gut, in der stationären Psychiatrie aufgenommen zu werden.
Wenn ihr aufgenommen werdet, dann läuft es eigentlich ab wie bei jedem Krankenhausaufenthalt. Ihr kriegt euer Zimmer, ihr macht euch erstmal vertraut mit der Station, ihr bekommt einen Pfleger, Pflegerin zugewiesen, die vielleicht eure Bezugspflege ist, mit denen ihr dann erstmal kurz sprechen könnt. Und Sicherheitsabklärungen, das ist vielleicht noch was, was ihr natürlich im normalen Krankenhaus, sage ich jetzt mal, nicht habt. In der Psychiatrie passiert es auch manchmal, dass ihr dann kontrolliert werdet, so in dem Sinne, was habt ihr dabei? Habt ihr vielleicht irgendwie Gegenstände dabei, mit denen ihr euch oder andere verletzen könntet? Das wird euch in vielen Fällen abgenommen, dass die nicht irgendwie in einer Geißelung oder irgendwie Demütigung oder was weiß ich, sondern es ist dafür da, dass ihr eben auf einer Station eventuell seid, wo es Menschen gibt, die sich potenziell selbst verletzen oder vielleicht auch suizidal werden könnten. Und da hat das Pflegepersonal und generell das Personal die Verantwortung dafür zu sorgen, dass niemandem da was geschieht und dass niemand da möglichst sich auch selbst verletzt.
Und deswegen wird da einfach geguckt, dass da das Risiko möglichst gering gehalten wird, indem sowas wie Taschenmesser oder so eben abgenommen werden. Vielleicht ergänzend dazu noch, so ein stationärer Aufenthalt kann auch länger geplant werden. Das heißt, wir haben ja jetzt ganz, also ich finde irgendwie so von dem, was wir erzählt haben, hat das sehr viel so einen sehr zeitnahen Kontext. Aber man kann stationäre Aufenthalte auch planen. Also es gibt die Möglichkeit, wenn jemand zum Beispiel Depressionen hat, zu sagen, okay, wir haben jetzt gerade keinen Platz. Wie akut ist es? und dann macht man quasi eine Einschätzung und guckt, wie schnell brauchst du diesen stationären Platz. Und dann kann es sein, dass man sagt, okay, in vier Wochen, am 1. Mai oder so. Dann, also jetzt ist in vier Wochen nicht der 1. Mai, aber ihr wisst, was ich meine.
Dann geht es quasi los und dann müsst ihr am 1. Mai um 8 Uhr morgens dann da auf der Matte stehen und dann geht es quasi los mit der Anmeldung, Datenerfassung etc. Auch das ist möglich. Das heißt, es gibt unterschiedliche Formen, wie das auch organisiert werden kann vom zeitlichen Vorlauf. Es gibt auch Intervallaufenthalte, wo man vier Wochen dort ist, dann geplant sechs Wochen nach Hause geht, nochmal vier Wochen da ist. Oder es gibt auch Menschen, die sind einmal im Jahr vier Wochen in einer psychiatrischen Klinik oder in einer psychosomatischen Klinik aufgrund einer Erkrankung, bei der die Ärzte sagen, das dauert mehrere Jahre, um das möglichst zu stabilisieren. Da macht das Sinn, quasi wie so ein Refresher in Anführungszeichen zu machen. Das heißt, die Sachen, die wir jetzt so aufgezählt haben, sind die Standardvorgehenden in Anführungszeichen. Es gibt aber auch relativ viel Bewegung, je nach Klinik, je nach Bundesland, je nach Diagnose. Es hängt von ganz vielen verschiedenen Dingen ab. Eine Sache allerdings noch, wo wir auf jeden Fall von einem bestimmten kurzen Zeitraum sprechen, sind Einweisungen in die stationäre Psychiatrie, die nicht freiwillig sind, sondern eben auf Zwang passieren.
Es gibt Menschen, die werden, wie man so umgangssprachlich sagt, zwangsweise eingewiesen oder untergebracht und das fällt in den Bereich der psychiatrischen Unterbringung und das ist rechtlich sehr, sehr, sehr streng geregelt durch das, Achtung, vielleicht habt ihr das schon einmal gehört, das Psych-KG der verschiedenen Bundesländer.
Das ist das Gesetz, das regelt, dass jemand oder wann jemand gegen seinen Willen in die Psychiatrie eingewiesen werden darf. Das ist nur dann, wenn eine ganz schwere psychische Krise vorliegt und eine konkrete Gefahr für die Person selbst oder für andere besteht. Das Ganze muss ärztlich geprüft und begründet und auch richterlich geprüft werden und so kurz wie möglich gehalten werden. Und vielleicht als Beispiel in dem Sinne, wenn jemand eine paranoidische Schizophrenie hat und da vielleicht aufgegriffen wird von der Polizei, vielleicht in irgendeinem Einkaufszentrum und da irgendwie mit Sachen wirft oder wirklich sehr, sehr bedrohlich auftritt, dann kann es sein, dass die Polizei diese Person aufgreift, merkt, okay, da ist irgendwas, da ist psychisch irgendwas nicht in Ordnung. Die Person versteht gerade nicht, was um sie herum passiert. Das ist irgendwie in einer anderen Welt. Und dann kann die Polizei diese Person zu einer Psychiatrie bringen und kann gleichzeitig in Abklärung mit einem Richter kann dann entschieden werden, dass diese Person jetzt erstmal dafür bleiben muss und behandelt werden muss.
Ganz wichtig als Unterscheidung. Das Psych-KG greift nicht bei Menschen, die einfach nur unangenehm sind, ein bisschen laut oder ein bisschen komisch. Es geht wirklich darum, sich selbst oder anderen zu schaden. Also nicht von wegen vielleicht obdachlos und da vielleicht ein bisschen unangenehm oder vielleicht auch demente Menschen, die da irgendwie unangenehm werden, sondern es geht wirklich um die konkrete Gefährdungssituation. In einem anderen Fall darf diese Unterbringung per Zwang nicht stattfinden. Das ist übrigens auch einer der Gründe dafür, dass es euch in der Psychiatrie passieren wird, wenn ihr Berührungspunkte mit der stationären Psychiatrie habt, dass euch jemand fragt, ob ihr akut darüber nachdenkt, euch jetzt oder in den nächsten Stunden das Leben zu nehmen. Denn damit sichern sie sich quasi ab, dass sie konform mit diesem Gesetz gehandelt haben. Und sie sichern sich ab für den Fall, dass ihr euch was antut. Muss man leider so sagen, dass ihr das verneint habt. Weil sonst sind potenziell das Pflegepersonal und auch das ärztliche Personal angreifbar, auch juristisch angreifbar, wenn sie das nicht abgeklärt haben, weil sie die Verantwortung dafür tragen.
Und das führt irgendwie, das finde ich ein bisschen komplex, Also es ist total logisch und es ist sinnvoll so. Ich will das gar nicht kritisieren. Nur rein vom logischen Menschenverstand finde ich es verrückt, weil es führt im Grunde dazu, dass jemand, der sehr schwere Depressionen hat und sogar Suizidgedanken haben kann, wenn er sagt, dass er gerade nicht plant, sich selbst das Leben zu nehmen, nicht zwangsweise eingewiesen werden darf. Weil er jetzt gerade keine akute Handlung plant. Selbst wenn die Person Gedanken hat, wenn sie sie jetzt gerade nicht plant.
Darf diese Person nicht zwangsweise eingewiesen werden.
Du hast ja gerade schon gesagt, dass die Polizei, wenn sie jemanden aufgreift, der zum Beispiel eine sehr stark ausgeprägte Psychose hat und aggressiv auftritt, potenziell gefährlich für sich und andere ist, dass die Polizei das einleiten darf bzw. beantragen darf. Das heißt, wie gesagt, Polizei und Rettungsdienst darf das. Das ist tatsächlich auch der häufigste Fall, weil zum einen die Leute, die auf der Straße aufgegriffen werden, werden nun mal meistens vom Rettungsdienst oder von der Polizei aufgenommen. Und wenn ich jemanden zu Hause habe, der akut psychotisch ist, also der offensichtlich die Realität nicht mehr von seinem Innenleben unterscheiden kann und der mir gegenüber bedrohlich auftritt und ich habe Angst vor dieser Person, wen rufe ich an? Die Polizei oder den Rettungsdienst. Also es ist logisch, dass der Fall am häufigsten durch eine von den beiden initiiert wird, sage ich mal. Es dürfen aber auch Ärztinnen und Ärzte, das heißt, ein Notarzt kann die sofortige Unterbringung anordnen, wenn er selber das Gefühl hat oder sie selber das Gefühl hat, dass da Gefahr besteht für die Person selbst oder für andere. Angehörige können das nicht beschließen, dass jemand eingewiesen wird. Sie können quasi dazu beitragen, in Anführungszeichen, dass dieser Antrag passiert, indem sie zum Beispiel den Notarzt rufen, die Polizei einschalten, der Polizei schildern, was passiert ist oder auch selbst Anträge beim Amtsgericht stellen, das dauert aber länger und ...
Wird tatsächlich auch nochmal schärfer betrachtet, weil da die Beziehung zwischen den Angehörigen berücksichtigt wird und die Tatsache, dass man sich nie ganz sicher sein kann, ob sich Tante Gerda und Tante Magda nicht vielleicht spinnefeind sind und deswegen die eine gegen die andere Anträge beim Amtsgericht stellt, weil sie sie für völlig plemplem hält.
Grundsätzlich prüft vor Ort dann eine Fachärztin oder ein Facharzt der Klinik, und zwar in dem Moment sofort, ob diese Voraussetzungen erfüllt sind. Und wenn geplant ist, dass jemand länger untergebracht wird, und das ist meistens ab 24 Stunden, also wenn jemand länger als 24 Stunden untergebracht werden soll, dann muss in den meisten Fällen ein Richter oder eine Richterin am selben Tag noch entscheiden, ob das in Ordnung ist, also ob diese Unterbringung genehmigt werden kann. Und ich würde sagen, mit diesen Informationen, wie komme ich in eine stationäre psychiatrische Klinik und wie läuft es überhaupt ab und wie läuft es in Zwang, in dem Sinne ab. Gehen wir in unser nächstes Fallbeispiel. Spoiler, auch da geht es um eine freiwillige Einweisung. Wir haben heute keine Zwangseinweisung. Aber ich denke, bei all unseren anderen oder in vielen unserer anderen Podcast-Fälle der Vergangenheit, wo es um True Crime ging und um Maßregelvollzug, da habt ihr ganz, ganz viele Beispiele von Zwangseinweisungen. Das heißt, da könnt ihr gerne einfach mal ein bisschen zurückschalten. Heute geht es aber um freiwillige Aufnahmen. So auch im nächsten ein Fallbeispiel.
Anna ist 25, als ihr im Zuge einer ambulanten Therapie, eine Depression und eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert werden. Diagnosen, die Symptome beschreiben, von denen sie bereits wusste, dass sie bei ihr existieren, dessen Namen sie aber bisher nicht kannte. In den folgenden Wochen und Monaten lernt Anna diese beiden Begleiter, wie sie sie nennt, kennen. Es ist ein schwerer, anstrengender Weg, den sie geht. Und mit der Zeit findet sie Erklärungen für die Existenz der beiden Begleiter und lernt zu einem gewissen Grad auch, damit umzugehen. Besonders die Depression bessert sich in dieser Zeit. Anna wird stabil, schafft es, dem Alltag wieder zu begegnen.
Doch so ganz reicht es nicht. Die 50 Minuten pro Woche waren gut für ein erstes Kennenlernen der beiden Begleiter, für das Bilden von Hypothesen, für erste Anfänge, für das Erlernen eines Umgangs mit der Depression. Doch eigentlich, so ihre Therapeutin, braucht Anna mehr. Mindestens die doppelte Anzahl an Zeit pro Woche. Außerdem wären aufwendige Verfahren und Gruppentherapien sicher hilfreich. Da das in dem therapeutischen Setting, in dem sie sich gerade befindet, nicht umsetzbar scheint, steht Anna nun vor der Entscheidung. Therapeutenwechsel in ein anderes Verfahren, das mehr Stunden zur Verfügung stellen kann, oder ein stationärer Aufenthalt. Sie entscheidet sich für den stationären Aufenthalt auf einer Traumastation.
Traumatherapie, so ihre ambulante Therapeutin, ist nicht ohne. Sie öffnet eine Box in ihrem Inneren, die aus gutem Grund geschlossen ist. Eine Box, die durch bestimmte Trigger im Alltag manchmal aufgeht und dann plötzlich alle Erinnerungen auf einmal auf dem imaginären Boden ihres Gehirns verteilt werden, was dann zu starker Dissoziation, Flashbacks und Panikattacken führt. Um die Wunden, die diese Box gefüllt haben, heilen zu können, braucht es Auseinandersetzung. Und Zeit. In einer stationären Therapie hat sie genau das. Zeit, sich außerhalb ihres Alltags mit den Inhalten der Box zu beschäftigen, sie neu zu sortieren, um dann mit neuer Ordnung in ihr altes Leben zurückzukehren.
Der Weg in den stationären Aufenthalt läuft erstaunlich leicht. Zwei Telefonate, ein Termin, fertig. Ihre bereits bestehende ambulante Anbindung öffnet ihr Türen, die anderen verschlossen bleiben. Erst in der Klinik merkt sie, wie ungewöhnlich ihr reibungsloser Eintritt war. Andere Patienten erzählen vom Gegenteil, von langen Wartezeiten, von Abweisungen am Telefon oder auch in der Aufnahme direkt. Der erste Tag in der Psychiatrie fühlt sich surreal an. Anna sitzt auf ihrem Bett in ihrem Zimmer, erforscht die Gänge der Stationen, lernt andere Patienten und das Pflegepersonal kennen. Sie befindet sich auf einer offenen Station, inmitten einer Gruppe von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können. Zwischen 18 und 60 Jahre alt, völlig unterschiedliche Biografien, Motivationen, Leidensgeschichten. Doch alle vereint eine ähnliche Symptomatik, eine ähnliche Basis, was dazu führt, dass diejenigen, die versuchen ihr Leid zu überspielen, wie sie es so mühsam im Alltag gelernt haben, sofort demaskiert werden Denn alle kennen die Tricks, haben sie selbst schon angewandt Anna findet unter den Patienten Menschen, die sie verstehen Menschen, die sie als Freunde bezeichnet.
Doch so richtig darüber sprechen soll man auf den Gängen nicht. Es gibt die klare Regel, dass Anna und die anderen Patienten nicht über ihre Erkrankung sprechen dürfen. Sie könnten sich gegenseitig triggern, in einem Kontext, der nur schwer kontrollierbar ist. Therapie findet stattdessen in Einzelgesprächen statt, 75 Minuten pro Woche. Außerdem besucht Anna die Gruppentherapien zum Thema Psycho-Edukation über Depressionen, PTBS und Angstsymptomatiken, Achtsamkeits- und Entspannungsgruppen, ergotherapeutische Angebote, Sport und einmal wöchentlich ein Bezugspflegegespräch.
Doch schnell merkt sie, dass dieser Plan nicht so ganz in die Tat umgesetzt werden kann. Aufgrund von Personalmangel finden in ihrem dreimonatigen Aufenthalt nur vier Bezugspflegegespräche statt. Ergotherapie beginnt erst in der fünften Woche. Und auch die Einzeltherapie findet deutlich seltener und in geringerem Ausmaß statt, als zu Beginn angekündigt. Selbst für die tägliche Grundbetreuung fehlt es an verfügbarem Personal. Es gibt keine Nachtpflege. Pflegepersonal muss von anderen Stationen ausgeliehen werden. Mehr als einmal wird Anna Zeugin, wie Panikattacken von Patienten von anderen Patienten statt von geschultem Personal begleitet werden. Einfach, weil keiner da ist, der gerade helfen könnte. Sicher, es ist eine offene Station. Die Patienten, die hier sind, sind soweit stabil. Trotzdem wünscht Anna sich in diesen Momenten professionelle Hilfe.
Dennoch ist es ein Ort, an dem sie viel lernt. Die Gruppenpsychotherapie empfindet sie als sehr hilfreich. Es ist schön, sich mit den anderen in einem sicheren Rahmen austauschen zu dürfen. In der Ergotherapie lernt sie neue Ressourcen kennen. Und auch die zusätzlichen Gespräche sowohl mit ihrer Therapeutin als auch mit der Bezugspflege helfen ihr, ihre Emotionen, Erinnerungen und Erfahrungen, die sie macht, für sich einzuordnen. Langsam beginnt sie die Box zu sortieren. Und gegen Ende der stationären Therapie bleibt der Deckel fürs Erste zu. Nach drei Monaten ist der stationäre Aufenthalt beendet. Sie kehrt in die ambulante Therapie zurück und setzt ihre Arbeit an ihrer PTBS fort. An der Box, die nun ein bisschen geordneter ist, wo es nun leichter ist, den Deckel zu öffnen, weil sie weiß, dass sich der Inhalt nun nicht mehr ganz so unkoordiniert über ihr ergießt.
Dieser Personalmangel aus dem Fall ist was, was mich tatsächlich irgendwie jedes Mal wieder... Und schockiert klingt irgendwie, als würde es mich überraschen und das tut es nicht. Ja, ja. Aber was mich immer wieder frustriert. Frustriert ist, glaube ich, das richtige Wort. Weil ich richtig oft denke, gerade in solchen Stationen und gerade in so herausfordernden Situationen für Menschen wäre es so wichtig, dass wir an der Stelle genügend Personal haben und dementsprechend das Personal gut genug bezahlen und die Arbeitsbedingungen anpassen, sodass ein normaler Mensch in dieser Arbeitsumgebung nicht kaputt geht.
Und das nervt mich immer so, weil ich denke, es wird so im Gesundheitssystem an so vielen Stellen gespart. Und ich verstehe das aus einer betriebswirtschaftlichen Perspektive. Es ist zwar sehr kurzfristig gedacht, aber ich kann das schon nachvollziehen. Aber ich finde es auf der anderen Seite halt dadurch, dass es so kurzfristig gedacht ist, so dumm. Weil jetzt ist es in dem Case gut ausgegangen, aber es hätte halt auch anders laufen können. Dann wäre Anna vielleicht richtig lange nicht mehr, weiß ich nicht, hätte nicht mehr arbeiten können oder hätte ihr Leben nicht mehr weiter fortführen können. Und das ist viel teurer für das System, als wenn wir uns einmal richtig um Leute kümmern würden. Ja, also jetzt mal alle emotionalen Aspekte davon beiseite geschoben. Ja, ja, ich meine, ich glaube, die emotionale Seite, die wird ja immer wieder betont. Und ich meine, ich glaube, da sind wir alle einer Meinung, dass das von der menschlichen Seite total gar nicht geht, dass da Personalmangel ist. Wenn wir unbegrenzt Geld hätten, dann sind wir uns alle einig, dass es da reinfließen sollte. Auf jeden Fall ein ganz großer Teil. Aber ich.
Den wirtschaftlichen Teil, den sieht man ja zumindest, habe ich das im Kopf so im Alltag, nicht so oft so vor Augen. Aber wie du sagst, selbst da macht es eigentlich sogar wenig Sinn. Also es macht wenig Sinn, da nicht zu gucken, dass es ihnen auf lange Sicht gut geht. Ja. So wie du sagst, es ist halt eine kurzfristige Lösung und das, keine Ahnung, also ich meine, das kennen wir ja wahrscheinlich sogar alle selbst von unseren eigenen finanziellen Situationen. Oft sind die kurzfristigen Lösungen, die die vielleicht später dann richtig reinhauen. Ja, zumal, also ich könnte jetzt, ehrlicherweise, ich glaube, ich könnte ein ganzes Buch über Dinge im Gesundheitswesen schreiben. Ich arbeite ja jetzt schon lange genug irgendwie in dem Bereich. Aber das ist etwas, wo ich immer wieder denke, das ist so kurzfristig gedacht. Und dazu muss man auch sagen, dass es an ganz vielen Stellen auch einfach keine Qualitätskontrollen gibt. Also da wird nicht genug kontrolliert, wie viel wirklich an Therapie umgesetzt wird, wie viel wirklich an Behandlung umgesetzt wird. Und ich plädiere damit jetzt nicht dafür, dass wir noch mehr Kontrolle ausüben, sondern dass quasi die...
Dass im Grunde die Währung in diesem System, jedes System hat ja so seine eigene Währung. Die Politik hat beispielsweise die Währung Macht. Die Wirtschaft hat die Währung Geld. Freundschaften haben die Währung, weiß ich nicht, Vertrauen oder Ehrlichkeit oder was auch immer man da am höchsten hält. Und das Gesundheitssystem sollte neben der Währung Geld eigentlich auch die Währung Qualität haben. Aber das hat sie an vielen Stellen einfach nicht. Ja, also so das, was im Fall beschrieben wird, ist ja schon was, dass ja die Therapien, irgendwie die Ergotherapie erst nach fünf Wochen losgeht und die Einzeltherapien weniger stattfinden, Bezugspflegegespräche weniger stattfinden, ist halt wirklich Realität. Das können wir beide ja auch bestätigen von unseren Erfahrungen, ob es jetzt Praktikum ist oder ob es jetzt berufliche Tätigkeit ist oder eben Arbeit im Gesundheitswesen, dass es da einfach Ecken gibt, wo einfach halt nicht genug da ist. Ja, das stimmt. Wir haben uns ja vorhin, haben wir ja schon angekündigt, dass wir über die Frage sprechen werden, wer kommt eigentlich auf eine psychiatrische Station? Also plakativ formuliert, wie irre muss man sein, um auf die psychiatrische Station zu bekommen? Also quasi welche Erkrankungen, welche Intensität von Erkrankungen, genau. Wen würde man denn so treffen, wenn man einen kurzen Abstecher auf eine psychiatrische Station machen würde?
Tatsächlich ist auf einer psychiatrischen Situation ein sehr breites Spektrum an Patientenklientel quasi vorhanden. Also die meisten Leute stellen sich ja vor, dass, ich formuliere es einfach mal so plakativ, dass man in die Psychiatrie, in diesen langen, endlos langen Gang reinkommt und es schreien irgendwelche Leute und diese Schreie hallen so durch die Räume. Irgendjemand steht starr im Flur und starrt an die Wand. Der Nächste sitzt auf dem Boden und schaukelt so nach vorne und nach hinten. Das ist ja das, was irgendwie die Leute oft mit psychiatrischen Stationen in Verbindung bringen. Die meisten Leute, die auf der psychiatrischen Station liegen, sind genauso wie Maxi und ich und wie ihr da draußen. Das merkt man den meisten Leuten von außen nicht an. Die meisten Patienten sind nicht irre in Anführungszeichen oder, um mal ein psychologischeres Wort zu benutzen, nicht beispielsweise psychotisch, sondern da sind Menschen mit schweren Depressionen, da sind Menschen mit Erschöpfungszuständen, mit einem Burnout, also einer Erschöpfungsdepression, da sind Menschen, die Angststörungen haben, die Panikattacken haben, die Essstörungen haben oder wegen Suizidgedanken da sind. Und es gibt die komplette Palette an unterschiedlichen psychischen Erkrankungen.
Die meisten von den Menschen, die ihr auf einer psychiatrischen Station sehen werdet, sind vollkommen normal und man merkt ihnen von außen nichts an. Also ihr könnt es euch im Grunde einfach vorstellen wie ein ganz normales Krankenhaus und eine ganz normale Station in einem ganz normalen Krankenhaus mit dem einzigen Unterschied, dass die Leute nicht alle zwangsläufig Zugänge am Arm oder im Arm haben, also dass sie nicht irgendwelche Verbände haben oder Pflaster oder ein Gips oder ich weiß nicht was, sondern halt rumlaufen, so wie wir auch auf der Straße rumlaufen, sogar in Straßenklamotten da rumlaufen logischerweise und man ihnen nichts davon ansieht und sie auch nicht offensichtlich anders sind als alle anderen Menschen.
Und je nach Station natürlich auch die Station verlassen können, da in Cafés sitzen und einfach halt ihrem Leben nachgehen und dazwischen die Therapien besuchen, Gespräche führen. Also es ändert sich, es unterscheidet sich natürlich nochmal von Station zu Station und von offener zu geschlossener Station und von vielleicht Schizophreniestation zu Depressionsstation. Aber im Grunde sind es totale Normallos. Und ich kann mich auch erinnern, dass ich das erste Mal im Praktikum in der Psychiatrie war, dass ich auch so einen Moment hatte, wo ich mir dachte, die sind ja wirklich so normal. Also was ganz irritiert war, wie normal teilweise diese Menschen auf mich wirkten. Weil ich da auch als Studentin mit so einem Gedanken reingegangen bin, dass da ganz viel los ist und ganz viel auch so ein bisschen gruselige Dinge passieren, ein bisschen verstörende Dinge passieren. Und ich da wirklich da drin stand und mir dachte, ja, jetzt gehen wir in die Gruppentherapie. Da sitzen ein paar Menschen zusammen und dann reden die darüber, wie sie sich fühlen.
Also, dass es wirklich so was ganz Normales teilweise hat. Ja, und das ist ja irgendwie das, was viele Leute nicht erwarten, dass da einfach Menschen sind. Im Grunde kann man sich das so vorstellen wie eine normale Krankenhausstation, auf der Leute im Grunde aussehen wie Besucher, weil sie halt keine Krankenhauskleidung tragen. Oder vielleicht auch aussehen wie Patienten, weil viele Leute auf der psychiatrischen Station tragen zum Beispiel dann auch einfach einen Jogginganzug oder so, weil es halt chilliger ist und sie eh nicht draußen rumlaufen, also auf der Straße rumlaufen. Und dann laufen die da rum und sitzen im Aufenthaltsraum und trinken Kaffee oder sind in ihrem Zimmer und hören Musik oder sitzen irgendwo und lesen ein Buch. Weil klar passiert da Therapie Und klar haben die Patienten und Patientinnen so Therapieeinheiten, Kunsttherapie, normale Einzelgespräche, Gruppentherapien.
Was ihr euch so vorstellen könnt, Musiktherapie, Körpertherapie etc. Aber dazwischen liegt ja freie Zeit. Und diese freie Zeit gestalten diese Menschen in den meisten Fällen genauso, wie wir sie gestalten würden. Und natürlich sieht man da häufiger Leute weinen und vielleicht auch häufiger Leute mal schreien, weil sie wütend sind oder was nicht in Ordnung finden. Vielleicht sehen manche von den Menschen da trauriger aus als die, die ihr in eurem Freundeskreis habt, sage ich mal. Aber im Grunde sieht man auf diesen Stationen einfach nur Menschen mit sehr vielen Gefühlen. Vielleicht ein bisschen mehr Gefühlen, als man so im Alltag sieht. Aber das ist, natürlich ist es was anderes, wenn wir auf einer Schizophreniestation sind oder sowas. Aber auf so einer durchschnittlichen Station, wo zwischen Depression und Angststörung alles vertreten ist, ich glaube, ihr würdet den Unterschied gar nicht so sehr merken, wenn ihr da wärt. Was natürlich die Menschen in der psychiatrischen Klinik ganz klar unterscheidet von den Menschen, die vielleicht in eurem Freundeskreis sind oder vielleicht auch nicht unterscheidet, denn auch da ist es natürlich vertreten, sind Diagnosen. Diagnosen, die einen stationären Aufenthalt in der Klinik rechtfertigen.
Wir haben auf Instagram mehrfach die Frage bekommen, wie werden denn solche Diagnosen in der Klinik verteilt? Auch aus dem Grund heraus, dass es, zumindest hatte ich den Eindruck, für viele so scheint, als ob die ein bisschen willkürlich vergeben werden und dann auch mal Fehldiagnosen stattfinden. Und da schon oft mal so ein Unverständnis ist, warum vergibt dieser Arzt, diese Psychologin, diese Therapeutin mir jetzt diese Diagnose? Leider auch aus dem Grund, dass es oft nicht erklärt wird. Ja. Vorweg, psychiatrische Diagnosen werden ja nicht wie körperliche Krankheiten über Blutwert oder über Röntgenbilder festgestellt, das würde das Ganze ja deutlich einfacher machen, sondern über Gespräche, Beobachtungen und das Sammeln von Informationen.
Ärzte und wir Psychologen und Therapeuten benutzen da strukturierte Interviews. Wir stellen euch ganz viele Fragen nach Vorgeschichte, nach Schlaf. Welche Gedanken habt ihr? Welches Verhalten zeigt ihr? Wovon fühlt ihr euch belastet? Und aus diesen ganzen Infos, die wir da rauskriegen, erstellen wir eine erste Verdachtsdiagnose, heißt es. Das heißt, die erste Diagnose, die ihr in der Klinik bekommt, ist gar nicht die gesicherte Diagnose. Das ist erstmal das, was im Raum steht und im weiteren Verlauf überprüft werden muss. Ihr braucht allerdings natürlich trotzdem eine Diagnose, die quasi euren Aufenthalt rechtfertigt, auch aus, wir hatten es vorhin darüber, finanziellen Gründen, denn euer Aufenthalt wird von der Krankenkasse bezahlt. Das heißt, die Klinik muss da eine Diagnose stellen und da auch eben...
Auch in diesem ganzen Prozess von Verdachtsdiagnose zu gesicherter Diagnose muss halt eine Entscheidung fallen. Und natürlich kann es da sein, dass die Ärzte in der Klinik da nicht den gesamt umfassenden Blick auf euch haben. Die sehen euch in dem Zeitraum, in dem ihr da seid, die sehen euch in eurer Krise vielleicht und haben da vielleicht auch manchmal nicht so einen allumfassenden Blick und können nicht alle Perspektiven mit einbeziehen. Sie können nur das bewerten, was sie in dem Moment in der Klinik sehen. Und natürlich kann es da auch sein, dass da mal Fehldiagnosen auftreten, aus dem Grund, dass einfach schnell gehandelt werden muss. Und natürlich sie euch nicht in allen Lebenssituationen und in allen Facetten wahrnehmen und einschätzen können. Dazu kommt, dass natürlich bei Aufnahmen oder zumindest im Verlauf häufig Blutwerte erhoben werden und bestimmte differenzialdiagnostische und auch an sich medizinische Tests gemacht werden. Aber ja auch anhand der Blutwerte keine Depression oder so festgestellt werden kann. Das heißt, da wird schon versucht, sicherzustellen, dass das Ganze keine organische Ursache hat. Da wird versucht, sicherzustellen, dass beispielsweise bei einer Essstörung keine Unterernährung oder kein Mangel oder sowas vorliegt, irgendwie ein Defizit, weil man natürlich das dann in der Klinik gleich noch mit auffängt, wenn da irgendwelche akuten Mängel zum Beispiel vorliegen würden. Aber an sich ist es.
Gar nicht so einfach, psychische Erkrankungen differenzial diagnostisch zu betrachten. Weil beispielsweise schwere Depressionen auch aussehen können wie der Beginn einer Psychose. Je nachdem. Es könnte auch aussehen wie Negativsymptomatik. Also die Symptome, die aussehen wie eine Depression, bevor eine tatsächliche Psychose losgeht. Das weiß man erst über den Zeitverlauf, ob das eine Psychose wird oder eine schwere Depression ist. Angststörungen können aussehen, als hätte jemand Herzprobleme. Es kommt nicht selten vor, ich habe mich in meinem Umfeld ein paar Mal mit Leuten unterhalten, die so im Rettungsdienst und so arbeiten, dass Leute anrufen und sagen, ich glaube, ich habe einen Herzinfarkt und eigentlich haben sie eine Panikattacke. Das ist gar nicht so einfach, das im ersten Moment zu unterscheiden.
Traumafolgestörungen können von Verhaltensweisen manchmal aussehen wie eine Borderline-Persönlichkeitsstörung. Manische Zustände haben manchmal Ähnlichkeiten mit der Sprunghaftigkeit von manchen ADHS-Patienten. Und wenn jemand dann auch noch Medikamente nimmt... Die, wie wir wissen, bei manchen Menschen anders wirken können als bei anderen, dann macht es das für Psychologen und Psychiater noch schwerer, sicherzustellen, ob das Symptombild, das sie gerade sehen, auch wirklich das Symptombild ist, was zu der Diagnose passt, die sie jetzt stellen, oder ob sich das nochmal verändern wird. Das heißt, es ist für die aufnehmenden Behandler und Behandlerinnen gar nicht so einfach, das direkt herauszufinden. Dazu kommt, dass in dem Moment, wo jemand auf eine psychiatrische Station kommt, ihr seid natürlich aufgeregt, ihr seid nervös, es gibt ganz viel Neues, ihr seid erschöpft, ihr seid nicht ohne Grund da. Das heißt, es gibt auch einen Grund von eurem aktuellen Zustand, weshalb ihr auf der Station seid und eben stationär gegangen seid. Das heißt, vielleicht erzählt er den Behandelnden auch nicht alles. Vielleicht sehen manche Symptome anders aus, weil man manchmal vielleicht auch unbeabsichtigt versucht, die Sachen, die unangenehm sind, nicht so doll zu zeigen. Und all diese ...
Diese unterschiedlichen Aspekte können dazu führen, dass Fehldiagnosen gestellt werden. Und damit wollen wir nicht sagen, dass das richtig ist, sondern einfach, dass das passiert und dass das in einem gewissen Maß auch nachvollziehbar ist. Ja, und ich würde auch so weit gehen und sagen, in gewissem Maß auch unvermeidbar ist. Denn wie du zum Beispiel sagst, manchmal kann man erst in der Retrospektive sehen, das war gar keine Angststörung, sondern es hat sich entwickelt zu einer Schizophrenie oder sowas. Also manchmal ist es auch einfach unvermeidbar.
Woran ihr erkennen könnt, dass eine Klinik oder auch Ärzte oder Therapeuten damit richtig und gut umgehen, ist in dem Moment, wenn die behandelnden Ärzte und Therapeuten damit transparent umgehen. Also es ist immer wichtig, auch dass ihr als Patienten aufgeklärt werdet über eure Diagnose, dass ihr wisst, was da gestellt wurde und fragt gerne auch nach, warum diese Diagnose gestellt wurde. Und ganz wichtig, meine Supervisoren sagen immer, dass man keine Diagnose oder Hypothese, in dem Fall Diagnose, heiratet. Also quasi, dass man nicht so absolut festhält an einer Diagnose, die am Anfang gestellt wurde und sich eben dessen bewusst ist, dass das auch falsch sein kann. Und dass es Differenzialdiagnostik gibt und dass man da einfach den Verlauf auch beobachten muss und eventuell auch mal eine Diagnose anpassen muss. Dazu kommt auch, dass im besten Fall die Ärztinnen oder die Behandelnden mit euch darüber sprechen, dass sie zum Beispiel keine Medikamente für die Verdachtsdiagnose geben. Also man sollte...
Nicht zu früh medikamentös bezogen auf eine Diagnose einschreiten, in Anführungszeichen. Also nicht zu früh ein Medikament auswählen, das man bei einer bestimmten Diagnose gibt, weil beispielsweise ein Antidepressivum, wenn man noch nicht weiß, dass jemand eine bipolare Störung hat, eine Manie auslösen kann. Und dann ist das überhaupt nicht das, was ich selber als behandelnde Person wollte. Und auf der anderen Seite, und das ist auch so ein bisschen so ein Dilemma, das man in dem stationären Kontext häufig hat, wenn jemand mit einer akuten Krise, also beispielsweise suizidal, in eine Psychiatrie kommt und selber sehr viel Angst empfindet, dann muss man die Person möglichst schnell stabilisieren, weil es ist ja kein Zustand für diese Person selbst.
Das heißt, Ärzte können an der Stelle nicht warten, um sicher zu sein, ob die Diagnose, die sie stellen oder versuchen zu stellen, ob diese Verdachtsdiagnose korrekt ist, sondern sie müssen in dem Moment reagieren, um der Person zu helfen. Sie dürfen aber auch nicht zu viel reagieren, weil wenn sie dann schon diagnoseorientiert Medikamente geben, kann es dazu führen, dass das Effekte hat, wie beispielsweise das Auslösen einer Manie, die die Ärzte nicht beabsichtigen. Das heißt, in den ersten Tagen versuchen Behandelnde oft eher symptomorientiert, wenn überhaupt, Medikamente zu geben. Sodass man zum Beispiel, wenn jemand nicht schlafen kann, Medikamente gibt, die so leicht sedierend sind. Also so ein bisschen das Schlafen leichter machen. Wenn jemand sehr viel Angst hat, versucht man quasi Präparate zu geben, die angstlösend sind und die Personen so ein bisschen runterfahren.
Und dementsprechend geht es am Anfang eher darum zu gucken, okay, wie kriegen wir dich jetzt möglichst stabil in dem Moment, um dann noch mal genauer hinzuschauen. Je nachdem, wie die Person reinkommt. Und das kann natürlich auch eine Ursache sein, wenn jemand direkt von Anfang an diagnoseorientiert Medikamente gibt, weil das dazu führen kann, dass dann eine Fehldiagnose gestellt wird oder dass man dann Effekte bei der Person, also bei dem Patienten oder der Patientin sieht, die man so gar nicht beabsichtigt hat. Ihr seht also, es ist gar nicht so einfach für Behandelnde Ärzte und Therapeuten, da die richtigen Diagnosen zu stellen. Wichtig ist natürlich, wie sie damit umgehen und wie sie es kommunizieren.
Neben der Frage nach Fehldiagnosen und der Einordnung davon, wurde uns auch ganz oft auf Instagram die Frage gestellt nach der Legalität von dem Umgang mit Krisen, von Zwangsmaßnahmen, von Zwangsmedikationen. Da haben uns einige von euch davon berichtet, wie sie selbst auf einer geschlossenen Station waren und da vielleicht aufgrund von akuter Suizidalität in so eine Art Krisenraum gebracht wurden, wo dann wirklich alles entfernt wird, womit man sich irgendwie schaden kann. Wo da eine Kamera ist und ein Klo und ein Bett und das wirklich alles sehr spartanisch eingerichtet ist und man schon nachvollziehbarerweise da ja auch das Gefühl hat, okay, irgendwie wird mir da gerade meine Privatsphäre genommen und sehr viel wird mir da genommen, was ich eigentlich behalten möchte. Und da kann ich auch verstehen, dass da auch manchmal vielleicht auch bei Angehörigen und Außenstehenden die Frage aufkommt, ist das denn so in diesem Ausmaß erlaubt? Also ich denke da auch an Fixierungen, an Zwangsmedikationen so mit der Frage, was dürfen die denn eigentlich, wenn ich in einer Krise bin und selbst- oder fremdgefährdend bin.
Zuallererst Zwangsmedikationen, Zwangsmaßnahmen sind nie der erste Schritt oder sollten nie der erste Schritt sein, der in einer Krise stattfindet. Erstmal wird immer versucht zu deeskalieren. Also es ja doch, ich würde so weit gehen, jedes psychiatrische Team hat eine bestimmte Schulung, das immer wieder wiederholt wird, also bei uns in der Klinik war es so eine.
Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Sowohl verbale als auch körperliche Deeskalationsstrategien wurden uns beigebracht und da ging es auch immer darum, okay, immer zuerst die verbale Deeskalation. Versuch zum Patienten durchzudringen, versuch da mit Validierung ihm das Gefühl zu geben, du verstehst, was gerade das Problem ist. Versuch wirklich zu verstehen, was gerade das Problem ist und versuch gemeinsam mit dem Patienten da Ruhe reinzubringen. Vielleicht Atemtechniken, klare kurze Kommunikation, körperliche Orientierungshilfen, vielleicht auch Bedarfsmedikation, wenn der Patient da irgendwas braucht und auch eben da sagt, ja, das würde ich annehmen. In den meisten Fällen reicht verbale Deeskalation. Die meisten Krisen lassen sich verbal auffangen und dann kann man die Person auch wieder runter regulieren. Aber natürlich funktioniert das nicht immer und manchmal wird Zwang erforderlich. Und das ist dann legal, wenn eine aktuelle akute Entgleisung vorliegt und die Person für sich selbst oder für andere eine konkrete, unmittelbare Gefahr darstellt. Und ganz wichtig, wenn kein milderes Mittel verfügbar ist. Zwang ist also immer wirklich die allerletzte Option. Es gibt unterschiedliche Formen von Zwang. Man unterscheidet konkret zwischen vier unterschiedlichen Arten. Das erste ist quasi das kurzfristige Festhalten. Also wenn man jemanden für einen Moment ...
Quasi stoppt. Das ist erlaubt, um eine akute Gefahr zu stoppen. Also wenn jemand zum Beispiel gerade dabei ist, sich selbst zu verletzen oder jemand anderen zu schlagen, dann darf man ihn sofort stoppen. Das zweite ist Beruhigungs- oder auch Notfallmedikation. Das ist das, was allgemein bekannt ist unter Zwangsmedikation. Das ist nur erlaubt, wenn akute Gefahr besteht, alle milderen Maßnahmen gescheitert sind, die Behandlung medizinisch notwendig ist und eine Ärztin oder ein Arzt dies entscheidet und dokumentiert. Es braucht richterliche Zustimmung dafür. Und es gibt quasi Richter, die rund um die Uhr erreichbar sind und die angerufen werden können und müssen. Für Zwangsmedikation an sich muss grundsätzlich immer ein Antrag gestellt werden. Das heißt, es kann nicht einfach, wenn ihr, weiß ich nicht, wenn das Personal euch nervig findet, können sie euch nicht zwingen, Medikamente zu nehmen. Das ist nicht erlaubt. Es ist weder indiziert, noch dürfen sie es einfach selber entscheiden.
Das dritte ist Fixierung. Auch das kennt man aus Filmen und auch aus den Horrorvorstellungen in der Psychiatrie. Die Fixierung selber ist extrem selten und sehr, sehr stark reguliert, weil es so ein immenser Eingriff, genauso wie die Zwangsmedikation, in die im Grunde das Recht auf Freiheit einer Person hat. Der richterliche Beschluss dafür muss innerhalb kürzester Zeit, also quasi so schnell wie es geht, erfolgen. Die Person darf niemals alleine gelassen werden. Das heißt, es muss immer jemand dabei sein. Das Ganze muss medizinisch überwacht werden und es ist sehr streng zeitlich begrenzt. Also ärztlich, ohne einen richterlichen Beschluss, darf das bis zu 30 Minuten gemacht werden. Sobald das Ganze länger als das passiert, braucht es sofort einen Richter. Und es muss tatsächlich auch quasi gerechtfertigt werden. Also das ist etwas, deren Notwendigkeit man erklären muss. Du kannst nicht einfach jemanden fixieren mit Gurten und danach nur in die Akte schreiben, wir haben den fixiert. Also da muss sehr viel Erklärung passieren. Die Maßnahme von Fixierung ist in Deutschland sehr umstritten. Sie ist möglich, allerdings auch nur, wenn es wirklich gar keine andere Option mehr gibt. Und es gibt immer wieder Debatten dazu, ob man das weiterhin erlauben sollte oder nicht erlauben sollte, ob es weiterhin legal in Anführungszeichen sein soll.
In diesem sehr beschränkten Rahmen, weil es einfach so ein immenser Zwang ist. Also ich war selber mal dabei, als jemand fixiert wurde und muss ehrlich sagen, das war noch vor meinem Studium und muss ehrlich sagen, dass das einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Das mit anzusehen, das ist einfach nochmal ein anderes Level. Ja, da kann ich vollkommen zustimmen.
Fixierungen sind was super Schreckliches. Also in meiner Zeit im Maßregelvollzug war es auch so, dass auch manchmal Patienten von mir auch fixiert wurden. Und auch teilweise war ich dann an der Entscheidung beteiligt, dass eine Fixierung stattfindet. Und das ist wirklich was, was ich auch als eine super schwere Entscheidung wahrgenommen habe und sehr froh war, dass ich die nicht alleine treffen musste zu dem Zeitpunkt. Auch da dabei zu sein und generell dieser ganze Vorgang ist einfach wirklich nur schrecklich. Und ich finde es sehr wichtig, dass es so stark beschränkt ist und dass man gerichterliche Beschlüsse braucht, dass 1 zu 1 Betreuung ist, dass man da so kontrolliert wird und dass auch die Zwangsmaßnahme, die man da schreibt, sehr stark kontrolliert wird. Und ich kann auch verstehen, dass das total umstritten ist. Auf der anderen Seite habe ich auch Situationen im Maßregelvollzug in der forensischen Psychiatrie erlebt, wo ich ehrlich gesagt selbst auch nicht gewusst hätte, wie man die Person anders daran hätte hindern können, sich umzubringen, sich stark zu verletzen. Ich denke dann eine Patientin zum Beispiel, die immer wieder ihren Kopf so ganz stark an die Wand gehauen hat, so sehr, dass sie Platzwunden hatte.
Und du konntest sie nicht aufhalten davon. Und sie hat immer weiter, man hat sich weiter verletzt und da, was wussten wir alle nicht, was sollen wir sonst machen? Und da sind dann so Situationen, wo dann tatsächlich Fixierungen stattfinden. Aber es ist super schrecklich und ja, ja. Ich wünsche einfach wirklich keinem sowas erleben zu müssen, fixiert zu werden. Das ist einfach absoluter Horror. Die vierte Art von Zwangsbehandlung ist die geschlossene Unterbringung. Das ist die schwerste Form des Freiheitsentzugs, weil es bedeutet, dass jemand in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht wird, und zwar zwangsweise und auch länger als 24 Stunden. Wir haben vorhin ja darüber gesprochen, dass man bei akuter Suizidalität 24 Stunden in einer Psychiatrie festgehalten werden darf, in Anführungszeichen, um das eigene Leben zu schützen. Die geschlossene Unterbringung bezieht sich allerdings an der Stelle auf einen längeren Zeitraum als nur 24 Stunden. Und diese Form der Unterbringung braucht eine richterliche Anordnung und zwar in den meisten Fällen am selben Tag. Das heißt, es muss ein Richter objektiv darüber befinden, ob das zulässig ist, die Person gegen ihren Willen auf einer geschlossenen psychiatrischen Station festzuhalten, in Anführungszeichen. Das kann beispielsweise dann sinnvoll sein, wenn jemand, ihr kennt das aus unseren True-Crime-Fällen.
Wenn jemand akut in der Psychose ist und gefährlich ist für sich selbst und gefährlich ist für andere, dann ist es beispielsweise indiziert zu sagen, dass es erfordert eine geschlossene Unterbringung, weil die Person gefährlich ist für sich, gefährlich ist für andere Menschen und sie selber nicht in der Lage ist.
Anderwertig gestoppt zu werden oder sich selbst zu stoppen. Jetzt haben wir ganz viel darüber gesprochen, was eigentlich während einem Aufenthalt in der stationären Psychiatrie passiert. Und die Frage, die wir jetzt allerdings noch offen haben und die wir total wichtig empfinden, ist die Frage, was kommt denn, wenn ich damit fertig bin? Also was kommt, wenn ich stationär war, vielleicht zwei, drei Monate, da meine Therapien gemacht habe? Bin ich danach dann geheilt? Bin ich dann fertig? Muss ich dann überhaupt noch in Therapie gehen? Oder ist dann alles durch? Die Antwort darauf ist, in den meisten Fällen ist man nicht geheilt nach einem stationären Aufenthalt. Die Aufgabe von der stationären psychiatrischen Einrichtung ist auch nicht, euch zu heilen. Wir sagen ja auch hier im Podcast immer wieder, dass Heilen auch so ein schwieriges Wort ist bei psychischen Erkrankungen, weil es ja oft, gerade auch vielleicht bei Persönlichkeitsstörungen, eher darum geht, zu lernen, damit umzugehen und Strategien dafür zu finden und quasi sich da zu verändern und es weniger um Heilung an sich geht.
Bei einem stationären Aufenthalt geht es darum, eine akute Krise zu entschärfen. Das heißt, euch so weit wieder zu stabilisieren, dass ihr wieder in euer Leben zurückkehren könnt. Bedeutet nicht, dass ihr danach keinen Therapiebedarf mehr habt. In ganz vielen Fällen wird nach der stationären Psychiatrie eine ambulante Psychotherapie empfohlen und eine ärztliche Weiterbehandlung. Einfach aus dem Grund, dass natürlich jetzt die Krise überwunden ist, aber die Grundproblematik, die Grundsymptomatik, die Erkrankung ist ja weiterhin vorhanden. Und die muss natürlich weiterhin behandelt werden. Und das kann aber nach einem erfolgreichen stationären Aufenthalt dann eben ambulant passieren. Ganz wichtig an der Stelle ist ein Übergangsplan und auch irgendwie ein Nachsorgeplan in Anführungszeichen, denn gerade in der Zeit direkt nach der Entlassung aus dem stationären Kontext sind die meisten Menschen besonders sensibel.
Weil sie eben auf der einen Seite gerade erst aus einer schweren Krise wieder herauskommen und auf der anderen Seite die psychiatrischen Stationen so ein bisschen im Volksmund, glaube ich, wie so eine Käseglocke funktionieren. Die Welt in der stationären Psychiatrie oder auch in der psychosomatischen Klinik unterscheidet sich wesentlich vom Alltag. Aus guten Gründen, denn man ist ja da, um eine Krise zu überwinden und nicht um den Alltag quasi genauso weiterzumachen wie vorher. Und das bedeutet natürlich, dass diese Transition zurück in den Alltag häufig sehr herausfordernd ist für Patientinnen und Patienten. Umso wichtiger ist es, dass man da direkt schon diesen Nachsorgeplan hat, sprich im besten Fall ambulante Gespräche, jemanden, den man anrufen kann. Ich habe vorhin auch schon mal das Thema Intervalltherapien angesprochen, also vielleicht sogar schon darüber gesprochen hat, wann man in einem Jahr nochmal zurück in diese Klinik kommen wird, um da einfach nochmal so ein Refreshing zu machen in Anführungszeichen. Und genau deswegen ist es eben wichtig, dass man auch über die Klinik hinaus einen guten Plan hat, wie man mit Krisen und Herausforderungen umgeht.
Das Besondere an psychischen Erkrankungen ist natürlich, wenn man es so platt runterbricht, könnte man sagen, naja, wenn man in der Klinik ist und sich am Bein operieren lässt, um das mal auf so eine körperliche Ebene zu bringen, dann ist man so lange in der Klinik, bis diese OP-Wunden abgeheilt sind und dann kommt man nach Hause und dann muss man aber ja noch in die Reha und wieder üben, das Bein zu bewegen. und üben, das Bein zu belasten. Und psychische Erkrankungen funktionieren aber ja leider in vielen Fällen nicht so, dass man quasi jeden Tag ein bisschen besser laufen kann, sondern manchmal stolpert man und dann bricht wieder was durch und dann fängt man quasi wieder nicht von vorne an, aber wieder ein paar Schritte weiter hinten an. Es ist immer möglich, dass Rückfälle passieren, Symptome kommen, vielleicht mal mehr und mal weniger. Und manche Menschen brauchen nach dem stationären Aufenthalt langfristig Medikation oder auch langfristig Therapie. Von daher kann man sich eigentlich die stationäre Psychiatrie vorstellen wie so ein Stabilisationsmoment außerhalb des Alltags, um zur Ruhe zu kommen und sich wieder zu stabilisieren, um dann im Alltag wieder weiter an dieser Erkrankung und an sich selbst zu arbeiten. Muss man also Angst vor der Psychiatrie haben?
Unsere Antwort darauf ist ganz klar, nein, ihr müsst keine Angst davor haben, Vielleicht mal einen psychiatrischen Aufenthalt zu benötigen. Aber wir würden sagen, man darf Respekt dafür haben, denn so ein stationärer Aufenthalt ist kein Zuckerschlecken, es ist nicht easy peasy, es ist total herausfordernd, es ist schwierig, es ist anstrengend. Und der Grund auch, warum ihr da hinkommt, ist kein Grund, der irgendwie schön ist, sondern es ist was, das bedeutet, es geht euch nicht gut und es bedeutet, ihr braucht Hilfe und müsst da, bekommt zwar Hilfe, aber müsst natürlich auch aus eigener Kraft daran arbeiten, da wieder rauszukommen. Es ist ja nicht nur... Wie zum Beispiel in einem normalen Krankenhaus, da wird eine OP gemacht und ihr müsst dafür nur im Bett liegen, sondern das bedeutet auch viel Arbeit, die ihr leisten müsst dabei.
Es ist einfach ein Schutzraum, der dafür da ist, dass ihr da den Raum habt, daran zu arbeiten, euch darauf zu konzentrieren. Und in den meisten Fällen ist das total wichtig dafür, Menschen in akuten Krisen teilweise ja auch sogar das Leben zu retten. Von daher, wir denken, es ist sehr wichtig, dass es das gibt und gleichzeitig darf man aber auch kritisch darauf gucken. Ihr habt uns über die DMs bei Instagram ganz viele von euren Impressionen und Geschichten aus der psychiatrischen Station erzählt. Und weil wir gerne, wie ihr wisst, mehr darüber aufklären wollen, werden wir die auf Instagram teilen, damit ihr quasi voneinander Einblicke bekommen könnt und nicht nur von uns. Also schaut da gerne mal vorbei. Natürlich anonymisiert. Und damit sind wir am Ende der heutigen Folge. Seid lieb zueinander und wir sagen Tschüss!