In der letzten Folge haben wir über Psychiatrie gesprochen, im engeren Sinne stationäre psychiatrische Aufenthalte. Und im Verlauf der Folge haben wir uns auch die Frage gestellt, naja, in einer psychiatrischen Einrichtung sind Menschen, die psychisch erkrankt sind, die da Hilfe benötigen. Und man sagt ja umgangssprachlich, dass man in der Klapse ist, wovon wir gar kein Fan sind von dieser Formulierung. und man sagt ja auch umgangssprachlich oder viele Menschen verbinden ja Psychiatrie auch damit, ich bin ja nicht verrückt, ich muss ja nicht in die Klapse. Diese umgangssprachlichen Aussagen haben wir zum Anlass genommen, den heutigen Quickie zu machen mit der Frage, wie viel verrückt ist eigentlich normal? Wann ist man denn verrückt? Was genau ist das eigentlich? Denn es wird so inflationär benutzt und ich finde, es ist heute an der Zeit, dass wir unseren Senf da dazugeben, Babsi. Ich muss irgendwie bei dem Wort verrückt. Ich mag das, weil jemand ist verrückt. Quasi von rechts nach links oder von links nach rechts gerückt. Ah, verrückt. Wie so ein Möbelstück meinst du? Ja, das hab ich immer im Kopf. Diesen Gedanken von, ich bin verrückt. Ich wurde verrückt. Weißt du, das hat mich verrückt. Ja, das hat mich verrückt gemacht. Man sagt ja manchmal, du machst mich verrückt. Ich fänd's viel lustiger zu sagen, du verrückst mich. Oder das hat mich verrückt. Du verrückst mich.
Ich weiß nicht, das klingt. Ich weiß auch nicht, was ich von der Aussage halte, das wirst du mir noch überlegen. Aber ich finde es viel lustiger und ich muss da immer dran denken. Ich habe mir die Frage schon ein paar Mal gestellt, tatsächlich, weil ich manchmal, ich weiß nicht, das klingt jetzt irgendwie komisch, aber manchmal stehe ich mir neben meinem eigenen Gehirn wie neben so einer Autobahn und gucke mir so an, was da alles so an mir vorbeifährt und denke mir, ah ja, so sieht es also in dir aus, ja. Boah, fühle ich, fühle ich. Aber bei mir ist es das Bild von diesem Alles-steht-Kopf-Film. Von so einer Schaltzentrale in meinem Kopf. Und ich muss gerade dran denken, jetzt wo du es gesagt hast, in so einem therapeutischen Setting kommt da ganz auch auf die Frage so, ist das normal? Ist das ein bisschen irre? Ist das ein bisschen verrückt? Und da werden so Sachen beschrieben, wo ich mir denke.
Fühle ich. Und genau sowas nämlich, dass irgendwie es heißt, jetzt ist irgendwie die Stimme in meinem Kopf, die schreit komplett sinnlose Sachen zusammen. Und ich denke mir so, ja, das kenne ich.
Ich finde, mir hat das eine völlig neue Dimension von Selbstunterhaltung gegeben. Ja. Zu lernen, sich von seinem eigenen Gehirn zu distanzieren und dann einfach mal dazu sitzen. Einfach mal zuhören. Sich einfach mal entertainen zu lassen. Was da so passiert. Ja, also ich habe das, keine Ahnung, ich habe zum Beispiel richtig viele intrusive thoughts, also so, dass ich mir so denke, wenn ich jetzt vom Balkon springen würde, so, aber ich würde es natürlich nicht machen, weil es gibt überhaupt, ich habe keine Suizidgedanken, ich will das auch nicht ausprobieren, ich möchte mir selbst nichts antun, aber manchmal fragt sich mein Gehirn, wie wäre das wohl, wenn? Oder ich laufe über so eine Autobahnbrücke und dann fahren da ganz viele Autos unter mir. Und dann denke ich mir, was wohl passieren würde, wenn ich jetzt springe? Also mein Gehirn denkt das. Und ich stehe daneben und denke mir so, excuse me? Also das ist so ganz, ganz, ganz wild. Oder auch, dass ich manchmal so kurz so einen paranoiden Gedanken habe, dass mich alle anstarren oder so. Also was heißt ich denke das? Mein Gehirn denkt das. Mein Gehirn ist so, gucken uns gerade alle an? und gucke mein Gehirn an und denke mir, wo kommt das denn jetzt her? Ich gucke mein Gehirn an. Ja, das ist so, ich weiß nicht. Also, hast du das auch?
Ja, also dieses Paronide auf jeden Fall auch. Gerade wenn ich sehr gestresst bin oder wenn ich sehr müde bin oder wenn ich mir bei irgendwas unsicher bin an mir an dem Tag, dann denke ich mir das ganz oft. Ja.
Und was mir auch noch einfällt, wenn wir jetzt gerade über Dinge sprechen, die vielleicht irgendwie verrückt klingen oder wo Menschen sich vielleicht mal die Frage stellen, okay, habe ich da jetzt irgendwas, bin ich verrückt, wenn wir das Wort benutzen, ist auch, ich habe das ganz stark, wenn ich einschlafe, dass ich dann halluziniere manchmal. Wirklich? Das habe ich ganz stark. Oder wenn ich noch morgens, wenn ich morgens aufwache und gerade noch so in diesem Schlafstadium bin und so gerade am Aufwachen. Ich weiß nicht warum, aber ich, das ist es teilweise, bin ich davon überzeugt, dass ich jetzt auch schon angezogen bin. Ich stehe auf, ich gehe ins Bad, ich mache mich fertig, ich ziehe mich an, ich habe ein Outfit im Kopf. Ich stehe in meiner Küche und auf einmal wache ich auf und liege noch im Bett. Oh, ja, okay, das habe ich auch. Ja, also genau, das ist sowas. Und ich bin dann immer richtig enttäuscht, weil ich so denke, jetzt muss ich alles nochmal machen. Ja, das ist super anstrengend. Eigentlich hast du nämlich diese Anstrengung ja schon hinter dir. Ja. Oder wenn ich richtig müde bin und ich irgendwie im Bett liege und mein Mann irgendwie aber noch irgendwas mit mir bespricht oder wir darüber irgendwas reden und ich bin aber so müde und ich will aber auch nicht irgendwie ihn vor den Kopf stoßen, indem ich sage, jetzt sei ruhig, ich will schlafen. Dass ich dann denke, also dass ich dann Gesprächsfetzen halluziniere, die gar nicht da sind. Also dass er Sachen sagt, die er gar nicht gesagt hat und dann antworte ich schlaftrunken auf diese Dinge.
Komplett aus dem System raus und rede voll an ihm vorbei und er ist so richtig so, was? Und es passiert ihm nie, aber mir passiert es so oft. Und er merkt schon, wenn ich komplett daneben rede, ist er so, ja, okay, dann bis morgen. Das habe ich gar nicht, komischerweise. Ich habe richtig viele von diesen Intrusive Thoughts oder mein Gehirn. Also ich habe auch irgendwie, ich habe manchmal so eine Mischung von dieser Schaltzentrale, wo ich in meinem Kopf merke, jetzt geht's ab. Und ich bin dann so, Frontallappen, verlass mich nicht, bleib bei mir. Du siehst so, wie das Licht dimmt, wie es runterfällt. Wirklich, das ist so süß. Oh mein Gott, ich werde so süß. Schass uns ihn runter. Ja, niemand wird uns sehen.
Oh Gott. Nein, also vielleicht kurz zur Erklärung. In vielen, vielen, vielen von unseren Folgen, falls ihr gerade zum ersten Mal reinhört, besprechen wir, dass zum Beispiel in so Streitsituationen im Frontallappen, also im Teil hinter eurer Stirn quasi, im Gehirn, liegt der ganze Teil, der zuständig ist für so Emotionskontrolle und smarte Entscheidungen beispielsweise, sehr flach formuliert. Und wenn wir uns mit jemandem streiten, dann lässt die Aktivität danach. Und wie immer liebevoll sagen, da geht das Licht aus. Das ist der Grund, weshalb man im Streit Dinge sagt, die man eigentlich gar nicht sagen will.
Und seitdem wir da im Podcast so viel drüber geredet haben, habe ich das jetzt auch immer im Kopf. Und manchmal in Streitsituationen höre ich mein Gehirn zu mir selbst sagen, ich versuche es anzulassen, ich versuche es. Und dann bin ich in einem Dialog mit meinem Gehirn, was irgendwie paradox ist, weil ich dann quasi mit mir selbst rede, aber ich bin in zwei geteilt. Da gehst du einfach mal kurz auf die Meta-Ebene. Ja, genau. Und ich weiß nicht, ich finde es manchmal echt interessant, so zuzugucken, womit sich mein Gehirn so beschäftigt. Ich mache das total gerne beim Einschlafen, dass ich dann einfach mal, als würde ich mich in so einen Sessel zurücklehnen und den Fernseher anmachen. Und dann gucke ich mir an, was mein Gehirn alles so denkt und über was es alles so nachgrübelt und was alles so interessant ist. Und ich weiß, das klingt total weird, aber es ist normal. Auch das ist normal. Generell ist total vieles normal, was wir irgendwie denken, was vielleicht irgendwie ein bisschen weird ist oder was irgendwie verrückt ist. Also zum Beispiel habe ich auch ganz oft schon gedacht, ich hatte eine Phase, wo ich diesen Hang mit dem Halluzinieren, habe ich ja gerade schon erzählt, dass ich das gerade, wenn ich müde bin, ganz stark mache. Auch wenn ich sehr müde bin, dann sehe ich auch manchmal so Schatten oder sowas. Also ich habe das wirklich ganz stark. Und ich dachte ganz oft, ganz lange, dass es voll weird ist und habe mich auch manchmal gefragt, ob ich das mal untersuchen lassen sollte.
Aber habe wieder Zeit gelernt, nein, das ist nichts, das ist nichts, was irgendwie behandlungsbedürftig ist, sondern es hängt bei mir wirklich mit dieser Müdigkeit zusammen und es haben viele Menschen, haben diese Dinge, dass wenn sie besonders müde sind, es gibt ja auch Studien oder Erhebungen, die wir sagen, dass zum Beispiel Müdigkeit die gleichen Dinge auslösen kann, wie zum Beispiel Alkoholkonsum. Also von daher alles fein, wenn ihr das auch habt wie ich. Es ist alles okay, ihr müsst nicht zu einem Arzt oder zu einem Therapeuten rennen. We are good. Von daher, unser Gehirn kann total verrückte Dinge machen, ohne dass es krank ist, ohne dass es behandlungsbedürftig ist. Und ich glaube, was natürlich mit verrückt eher gemeint ist, ist ja die Frage, vielleicht auch ab wann was behandlungsbedürftig ist. Also ich unterscheide das ganz gerne, weil ich finde irgendwie verrückt.
Ich weiß, im gesellschaftlichen Kontext, wenn es normalerweise genutzt wird, ist es schon als diese behandlungsbedürftige, pathologische Seite gemeint. Aber wenn ich es zum Beispiel benutze, dann ist es eher sowas, diese normalen, verrückten Dinge. Und das... Wenn jemand psychisch erkrankt ist, dann ist es eher was in meinem Empfinden, was Behandlungsbedürftiges, was Pathologisches. Also ist es ein Zustand, der über längere Zeit besteht? Habe ich Leidensdruck darunter? Also führt das zu Angst oder Kontrollverlust oder sozialer Rückzug? Und kann ich meinen Alltag nicht mehr bewältigen? Wenn das alles der Fall ist, dann spricht man ja von einer psychischen Störung. Und in meinem Empfinden, ich weiß nicht, wie es dir geht, ist es nicht verrückt, sondern das ist dann halt einfach psychisch erkrankt. Ja, ich habe das gleiche Wording im Kopf gehabt und mein Gehirn hat es mitgesprochen. Und ich habe auch zugehört.
Ja, also ich empfinde das genauso, dass jeder von uns so alltägliche Verrücktheiten hat. So kleine Sachen, die einen halt ein bisschen weird machen vielleicht manchmal. Und tatsächlich zeigt sich das auch in Studien. Es gab eine groß angelegte britische Bevölkerungsstudie von John S. et al. im Jahr 2004. Und da haben zwischen 10 und 15 Prozent aller psychisch gesunden Menschen angegeben, dass sie schon mindestens einmal Stimmen gehört haben. Und die haben keine psychischen Erkrankungen gehabt. Also es ist tatsächlich etwas, das, wenn es einmalig vorkommt oder in so Formen vorkommt, wie Maxi und ich da jetzt drüber reden, was komplett normal ist und auch keinen Krankheitswert hat. Also in der Neurowissenschaft spricht man davon, dass quasi solche Erlebnisse mit Fehlzuschreibungen von inneren Prozessen zu tun haben. Also man kann sich quasi vorstellen, es gibt im Gehirn einen Bereich für interne Gedanken und es gibt einen Bereich für externe Wahrnehmung. Und irgendwo muss das Gehirn ja unterscheiden zwischen, war das ein Gedanke oder habe ich das gehört? Und manchmal passiert diese Zuschreibung fehlerhaft und dann hat quasi unser Gehirn ein Missverständnis mit sich selbst. Es ist so ein bisschen, unser Gehirn denkt ...
Irgendeinen Gedanken und dann sagt es, wer hat das gesagt? Und dann sind alle verwirrt. Und das ist der Moment, in dem wir denken, habe ich das gerade gehört? Habe ich gerade Stimmen gehört? Hä? Was war das? Ich stelle mir das gerade in meiner Schallzentrale so vor, dass irgendwie diese Trennung besteht, wie so eine Trennwand. Und wenn ich müde werde, dann wird diese Trennwand langsam runtergefahren. Und meine Schallzentrale ist so, nein, nein, nein, nein, lass oben, lass oben, sie kriegt es nicht mehr hin. Und dann ist es unten und alle sind so, okay, jetzt sind wir auch verwirrt. Ja, und das kann am ehesten passieren bei Stress, bei Schlafmangel, bei Trauer und auch bei emotionaler Überforderung. Ich habe das zum Beispiel manchmal, wenn ich jemandem was frage und die Person reagiert nicht oder antwortet nicht, dass ich mich dann frage, habe ich das gerade laut gefragt, weil keine Reaktion kommt. Ja, aber das habe ich auch manchmal, dass ich mir dann denke, oh, habe ich überhaupt das Richtige auch gesagt gerade? Bei mir hat es bei mir immer mit Müdigkeit zu tun gerade. Auch da wieder, wenn ich müde bin, denke ich mir manchmal so, habe ich das richtig gesagt? Habe ich das auch richtig formuliert? Habe ich das gefragt, was ich fragen wollte?
Also fühle ich vollkommen. Das Ding ist ja, wir bewegen uns da ja auch auf so einem Spektrum, würde ich sagen. Also wir reden ja im Podcast immer wieder von Spektren. Wir haben bei der Sexualität über ein Spektrum gesprochen, auf dem man sich bewegt, so ein Kontinuum. Bei der Persönlichkeit bewegen wir uns auf so einem Kontinuum. Es gibt kein Schwarz und Weiß, es gibt kein Ja und Nein. Und genauso ist es bei dem ... Keine Ahnung, wenn wir das Wort nehmen, Verrücktheit. Also wir alle bewegen uns ja auf so ein Spektrum von Emotionen, von Wahrnehmung, von, ja, Persönlichkeit spielt da ja auch mit rein. Manche Menschen sind einfach sensibler, sind impulsiver, sind chaotischer. Manche haben, wie ich, einen Hang dazu in der Müdigkeit irgendwie, dass unser Gehirn einfach sich dann denkt, jo, jetzt sprudeln wir einfach mal alles raus. oder wie dein Gehirn, was sich denkt, wenn es eine Klippe sieht, oh, da könnten wir ja mal runterspringen.
Und es ist ja keine Erkrankung, sondern das hat was mit eurer Gehirnphysiologie zu tun, mit wozu ihr einfach neigt und vielleicht auch auf eure Persönlichkeit ist. Von daher denke ich mal, ist die Frage, die wir uns stellen sollten, dann nicht, sind wir verrückt, sondern wenn es wirklich die Sorge gibt, dass da irgendwas ist, was behandlungsbedürftig ist, wäre doch die Frage dann viel eher, haben wir da einen Leidensdruck, können wir unseren Alltag bewältigen, haben wir das Gefühl, Unterstützung zu brauchen, um unsere innere Welt quasi zu ertragen und damit zu leben.
Das war jetzt keine einfach formulierte Frage, aber you know what I mean. Also um es zusammenzufassen, solange ihr in der Bahn steht und euch ab und zu ein bisschen verfolgt fühlt, solange ihr ab und zu mal Halluzinationen vorm Schlafen gehen hört oder seht oder was auch immer, solange ihr euch nicht sicher seid, ob ihr den Satz gerade wirklich gesagt oder nur gedacht habt und ihr manchmal denkt, habe ich das gehört? Habe ich das gedacht? Wo kam das her? und ihr gelegentlich Diskussionen mit eurem Gehirn führt, ist alles vollkommen normal, solange ihr das einordnen könnt, euch davon distanzieren könnt und weiterhin in der Lage seid, euer Leben vollkommen normal zu leben.
Solange ist das normal, auch wenn ich sehr gut verstehen kann, dass das manchmal sehr irritierend sein kann. Und wenn ihr wirklich ernsthafte Sorgen oder Bedenken habt, dann lasst es abklären. Oder hört in unseren Podcast rein, falls ihr das nicht schon tut. Da klären wir auf über psychische Erkrankungen, Blackbox, für den Fall, dass ihr es nicht schon am Titel gesehen habt.