Einmal Selfcare mit Pizza und Gesichtsmaske und einmal seit zwei Wochen den Tampon nicht gewechselt, weil die Kraft zum Aufstehen fehlt. TikTok feiert gerade das Bad Rotting. Aber was für die einen ein süßer Lifestyle ist, ist für die anderen ein Hilfeschrei, den niemand hört. Woran erkennst du bei dir selbst, ob du gerade wirklich deine Batterien auflädst oder bereits den Boden unter den Füßen verlierst? Willkommen bei Blackbox, der Psychologie-Podcast, der dich mitnimmt in die Tiefen der menschlichen Psyche. Ich bin Maxi. Und ich bin Babsi. Als studierte Psychologin schauen wir uns an, warum Menschen fühlen, denken und handeln, in Extremen wie im Alltag. Dabei verbinden wir Psychologie mit.

Und damit herzlich willkommen zu Blackbox. Verstehen, was im Kopf passiert. Heute zu einer sehr starken Psychologiefolge, würde ich sagen. Wir sprechen heute über den, man kann es TikTok-Trend nennen, Badrotting. Babsi, hast du schon mal Bedrotting vielleicht auf TikTok oder auf Instagram gesehen? Vielleicht zur Einordnung, das sind Menschen, die.

Den, entweder den ganzen Tag oder mehrere Tage oder auch noch länger im Bett verbringen und das als Bedrotting bezeichnen und da gibt es einige, die das so als sehr ästhetisch darstellen, andere eher nicht so. Hast du das schon mal gesehen auf Social Media? Ich habe den Trend schon häufiger gesehen und habe sehr unterschiedliche Perspektiven dazu gesehen. Die meisten Beiträge, die ich gesehen habe dazu, waren sehr, es war so sehr cozy. Es war so ein gemütliches Licht an und da waren so ganz viele Bücher und weiß ich nicht, Leute, die Serien gucken und heiße Schoki trinken. Und dann, es war so ein bisschen so, my goal for this week, bedrotting. Und es sah sehr entspannt aus und sehr gemütlich aus. Ich persönlich muss gestehen, dass ich den Begriff bedrotting in dem Zusammenhang, also im Bett verwesen oder verrotten, ein bisschen merkwürdig fand im Zusammenhang damit. Aber ehrlicherweise sind ja viele Bezeichnungen, so Trendbezeichnungen, manchmal so überspitzt wie Bad Rotten. Ja, aber ich meine, das ist ja so dieses Cozy-mäßige. Davon habe ich auch ganz viel gesehen. Dann ist dann irgendwie so ein Girl mit so einem ...

Und wie heißen diese großen Cups, wo so viel Wasser reinpasst, wo man irgendwie extra Eisendlick hat. Genau, so ein Girl mit ihrem Stanley Cup und dann ist da Zitrone drin und Eis und dann hat die da ihre Augenpads und liegt dann da in ihrem süß gemachten Bettchen und schaut sich eine Serie an. Also es ist alles sehr, ich habe gerade ein Bild im Kopf von einem Video, was ich tatsächlich vorhin gesehen habe, wo alles so ganz pink eingerichtet ist. Und es ist alles so girly und cozy und wie du gesagt hast, sind dann so Lichterketten. Und das ist ja alles andere als rotten. Also ich meine, die liegt da in ihrem perfekt gemachten Bett, in den perfekt eingerichteten Raum, wo sogar die perfekte Beleuchtung ist und schaut sich mit ihrer Face Mask ihre Serien an. Und ich meine, I feel it. Es gibt einem irgendwie das Gefühl von, ich möchte da jetzt auch liegen. Finde ich auch. Ich finde es auch irgendwie einen sehr entspannten Zustand und einen merkwürdigen Begriff für einen sehr entspannten Zustand. Und was ich dabei so interessant finde, ist, dass gerade auf TikTok ja dieser Begriff für unterschiedliche Dinge benutzt wird. Auf der einen Seite ist es dieses bewusst länger im Bett bleiben, nicht um zu schlafen, sondern um so ein bisschen passiver quasi zu sein, also Serien gucken, durch Social Media scrollen, snacken, lesen, einfach ein bisschen chillen, vielleicht ein Hörbuch hören.

Und in dem Zusammenhang beschreibt es dann im Grunde einfach nur dieses sich nicht bewegen. Und da wird es einfach, also Badrotting, ich habe das auch schon von Familienmitgliedern von mir gehört, die ein bisschen jünger sind, die dann halt so was sagen wie, ja, ich habe am Wochenende einfach nichts gemacht, Badrotting, das war es. Und darunter stelle ich mir halt vor, okay, du hast mir quasi gerade mitgeteilt, du hast am Wochenende de facto nichts gemacht und im Bett gechillt. Waren die dann Gen Z, diese Familienmitglieder? Natürlich.

Ich habe aber das Gefühl, es ist ein richtiges Gen-Z-Ding. Also auch alle Leute, die ich da irgendwie sehe, die das so cute und cozy machen, das sind alles so deutlich jüngere Menschen als ich es bin vielleicht. Ja, auf jeden Fall. Und ich habe das Gefühl, dass Bedrotting da eben so ein Begriff ist für Nichtproduktivität. Also quasi sich selbst zu erlauben, auch einfach mal nicht zu leisten, sich nicht unter Druck zu setzen, nicht funktionieren zu müssen, wie so eine kurzzeitige Auszeit, für die man nirgendwo hinfährt. Also nicht wegfährt oder so. Und für die meisten oder für viele Menschen ist ja das Bett auch so ihr cozy space quasi, was ich sehr gut verstehen kann. Bei mir ist das Bett aber auch mein Sofa. Von daher wäre es wahrscheinlich bei mir eher Couchrotting, wenn ich es bezeichnen müsste, als sowas. Ich wäre auch eher beim Couchrotting. Also irgendwie fühle ich es gar nicht, im Bett zu liegen einen Tag über, aber auf dem Sofa die ganze Zeit zu liegen, das fühle ich sehr. Ja, Bett finde ich ist auch nicht meins. Also das macht mich irgendwie nervös irgendwann. Und dann wird mir langweilig und es ist irgendwie nicht mehr cozy. Und dann finde ich es doof. Ich frage mich gerade, ob das vielleicht auch daran liegt, dass wenn, also weil ich mir gerade denke, es sind ja eher so Gen Z, die das so auch romantisieren und das machen.

Und da habe ich mich gerade gedacht, so weil wenn ich im Bett liege, dann habe ich irgendwie das Gefühl, ich kriege gar nicht mit, was so in meiner Wohnung passiert oder was so läuft den Tag über. Wenn ich aber im Wohnzimmer bin, dann bin ich so im Mittelpunkt meiner Wohnung irgendwie und dann kriege ich so alles mit und dann weiß ich hier, wenn mein Mann Essen macht oder was mein Hund so macht und irgendwie kriege ich so alles so mit. Und dann dachte ich mir gerade so, vielleicht ist es ja bedrotting, weil es ja vielleicht auch eher sehr junge Menschen sind oder Jugendliche, die vielleicht eher nur so ein Zimmer zu Hause haben und dann, dass halt wenn es eine Couch gäbe, vielleicht ist dann auch Couchrotting üblicher wäre, you know? Macht das Sinn? Oder es hat gerade damit zu tun, keine soziale Interaktion zu haben. Und wenn du auf der Couch liegen würdest, hättest du die ganze Zeit Leute, die an dir vorbeigehen. Und wenn du noch zu Hause wohnst, im schlimmsten Fall sowas sagen wie, kannst du mir kurz helfen, die Wäsche zusammenzuhängen? Oh ja. Oder wie lange willst du da noch eigentlich liegen? Hast du heute nichts vor?

Wenn du da schon liegst, könntest du übrigens auch, setze hier beliebige Sachen ein, die du schon seit Wochen erledigen sollst. Okay, ich fühle Bett. Ist okay, ist in Ordnung. Nehmen wir. Wir nehmen das Bett. Bad Rotting wird in den sozialen Medien, wie gesagt, insbesondere auf TikTok, zwar sehr romantisiert, als Trend genutzt, aber tatsächlich gibt es diesen Begriff nicht erst seitdem TikTok das zum Trend gemacht hat, sondern auch schon vorher. Und zwar bei Menschen, die tatsächlich depressive Symptomatik haben, also die nicht freiwillig quasi im Bett liegen bleiben, sondern andersrum es nicht schaffen aufzustehen. Und das nicht über einen romantischen Samstag, in dem Serien geguckt werden, sondern teilweise über Tage und Wochen. Da könnte man sich jetzt fragen, warum... Wird denn ein Verhalten, was eigentlich ein Symptom von zum Beispiel Depressionen beschreibt, von psychischen Erkrankungen beschreibt, warum wird das ein Trend auf TikTok?

Und genau diese Frage haben wir uns auch für die heutige Folge gestellt. Und ihr werdet es euch schon beim Titel gedacht haben. Es gibt die Theorie, dass Bedrotting als Trend gar keine neue Form von Faulheit oder so ist oder auch keine neue Form von Selbstversorge an sich, sondern eher wie so eine Art, ich sag mal, stille Rebellion, gerade der Gen Z in einer Gesellschaft, wo Menschen eigentlich immer nur funktionieren müssen und quasi Leistung das höchste Gut ist. Und dass es da umso verlockender wirkt, einfach mal nichts zu tun. Ich glaube tatsächlich auch, dass, oder ich könnte mir vorstellen, dass das auch ein Trend, deswegen ein Trend ist, weil...

Ich meine, wenn du noch zu Hause wohnst und dein einziger Ort, an den du dich zurückziehen kannst, ist dein eigenes Zimmer. Und gleichzeitig willst du quasi vielleicht nicht immer für alle Leute verfügbar sein, also auch für die Leute in der Wohnung oder in dem Haus oder wo auch immer, wo du wohnst, nicht immer verfügbar sein. Und willst auch nicht das Gefühl haben, immer irgendwo quasi zurechtgemacht zu sitzen. Und irgendwie hat das Bett, gerade wenn man im Pyjama oder so im Bett liegt, ist das ja etwas sehr, du hast halt einfach nur deinen Pyjama an, du bist nicht zurechtgemacht, du hast deine Haare nicht gemacht, du bist einfach, was du bist und wer du bist, ohne irgendeinen Anspruch an irgendetwas. Und niemand kann dich erreichen. Also auch so Handy-mäßig denke ich gerade dran.

Natürlich kann dich schon jemand erreichen, aber mir geht es zumindest so, wenn ich im Bett liege und mich ruft zum Beispiel jemand an, so spät abends oder vielleicht auch am Wochenende frühmorgens, im Bett gehe ich nicht ans Telefon. Ich denke mir so, nee, das ist hier ein Handy-freier Raum. Ich habe keinen Bock und wenn ich im Bett liege und keine Lust auf Gespräche habe, dann ist das, glaube ich, für mich zumindest der einzige Ort, wo ich wirklich konsequent nicht rangehe. Boah, aber ich weiß nicht, ob das nicht ein Millennial beziehungsweise ein Ding ist, was, was, was, also wir sind ja noch die letzte Generation, die nicht mit Smartphone aufgewachsen ist. Ja. Und ich glaube, dass das bei den jüngeren Generationen gar nicht so ist, dass es da so eine krasse Trennung gibt. Ich glaube einfach, das Bett ist super chillig und du bist halt auch so ein bisschen protected mit deiner Decke und liegst so da drin und es ist comfy.

Und in dem Moment bist du halt so irgendwie für dich, du bist einfach so in deinem Rückzugsort und du kannst so viel Reize haben, wie du willst, weil du kannst dir theoretisch Serien angucken und dein Handy rausholen und durch Social Media scrollen oder an der Switch was spielen oder ich weiß nicht. Aber du könntest theoretisch auch einfach aus dem Fenster gucken oder ein Buch lesen oder sowas. Du bist irgendwie in deinem eigenen Space. Ich glaube, das, was du vorhin gesagt hast, dass das damit zusammenhängt, dass dieser Begriff geprägt ist von einer Generation, von denen viele noch zu Hause wohnen, hängt krass damit zusammen. Weil die Tatsache, dass sie zu Hause wohnen, sorgt dafür, dass der einzige Rückzugsort tatsächlich das Bett ist. Ja, bestimmt. Also der einzige Ort, der so kampfi ist und ihnen selbst gehört. Und ich finde den Gedanken aber total spannend, weil Erholung an sich ja nicht zwangsläufig mit physischer Inaktivität zusammenhängen muss. Also ich könnte ja auch durch einen Park spazieren gehen und mich dabei erholen. Oder ich könnte zum Sport gehen und das Gefühl haben, dass ich mich dabei gerade erhole. Und das ist eigentlich das, was ich an Bedrotting und diesem Trend so interessant finde, dass er so radikal ist im Grunde, was Körperlichkeit angeht.

Aber mental, wenn du den ganzen Tag im Bett liegst und du doomscrollst den ganzen Tag durch dein Handy, dann ist die Erholung null, zumindest für dein Gehirn nicht. und für deine mentale Gesundheit auch nicht. Auf jeden Fall. Was ich so krass finde, ist ja, dass Bedrotting ja auch gerade dieses Neue ja auch irgendwie mit Regeln einhergeht. Also ich habe so auf Social Media gelesen, dass es so Rules of Bedrotting gibt und die Rules sind halt wirklich so, du stehst nicht auf, um dir jetzt zum Beispiel was zu essen zu machen, sondern Essen wird bestellt. Ähm, du machst auch nicht jetzt mal kurz die Spülmaschine oder sonst irgendwas, weil du machst heute Badrotting, du darfst nichts anderes tun, und das finde ich so krass, weil es ja wie du sagst, so radikal ist du musst dich gerade an dieses eine Video denken, wo so Regeln aufgestellt wurden und die fand ich schon sehr radikal, diese Regeln ja, ich glaube irgendwie diese.

Diese Anspannung, unter der, ich will diese Generationstrennung gar nicht so doll machen, aber wir leben ja in einer Gesellschaft, in der Anspruch und Anspannung normal sind und in der auch Leistungsanspruch normal ist und dieser Leistungsanspruch auch immer weiter wächst. Und ich glaube, dieser radikale, auch körperliche Rückzug ist so eine Reaktion darauf. Ich muss gestehen, dass mich persönlich das total irre machen würde, wenn ich mich nicht bewegen darf. Also ich glaube, die meisten Leute ziehen das wahrscheinlich auch nicht so radikal durch.

Aber es ist schon irgendwie, wenn man von außen drauf guckt, finde ich es schon erstaunlich, Weil es ist im Grunde eine Art, wobei kann man das so sagen, ist es eine Art Symptom einer depressiven Symptomatik, das glorifiziert wird und gleichzeitig genutzt wird, um sich vermeintlich zu erholen. Also im Grunde die Nutzung eines depressiven Symptoms bei einer gesunden Person, um aus etwas herauszukommen. Weißt du, was ich meine? Ich weiß, was du meinst. Wobei natürlich die Frage ist, wie lang bleibst du im Bett? Ja, ich meine, es ist ja auch so, dass psychologisch betrachtet Bettrotting ja auch schon einige so zentrale Bedürfnisse ja befriedigt, gerade in so einer Leistungsgesellschaft. Also wir haben ja da, wir haben jetzt schon darüber gesprochen, Rückzug zum Beispiel, gerade bei jungen Menschen ist das Bett vielleicht der einzige Rückzugsort. Wenn man im Bett liegt, ich denke jetzt gerade zum Beispiel an so Momente, wenn man zum Beispiel krank ist, dann ist es ja so eine der wenigen Zeit, Ich weiß, was du meinst. Wo man wirklich dann im Bett liegen bleibt und auch nicht groß aufsteht.

Und es ist irgendwie so, das kann ich schon nachvollziehen, der Bett ist so der Ort, da musst du dich nicht rechtfertigen, du musst nichts erreichen, du musst nicht sichtbar sein. Und es ist also die Möglichkeit, dich zurückzuziehen, ohne dich erklären zu müssen.

Außerdem hast du im Bett ja auch die Möglichkeit, die Reize, mit denen du konfrontiert bist, runterzuschrauben. Du hast vorhin gesagt, du kannst entscheiden, ob du Doomscrollst oder aus dem Fenster schaust. Und wenn du zum Beispiel durch den Park läufst, wie wir vorhin gesagt haben, da hast du keine Kontrolle darüber, wie viele Reize auf dich einströmen, was bestimmt auch nochmal was ist, was vielleicht auch verlockend wirkt, gerade in der heutigen Zeit, wo wir ja mit Reizen wirklich bombardiert werden, gerade von unseren Handys. Ja, was ich auch so spannend daran finde, ist, dass Millennials ja eher bekannt dafür sind zu sagen, wir machen Yoga, wir sind der 5am Club, wir stehen morgens um 5 auf, wir machen uns noch ein Matcha und dann sind wir komplett durchstrukturiert und unsere Pinterest-Bots sind voll mit perfekt organisierten, wunderschönen, besignten Terminkalendern, die natürlich alle mega voll sind, weil wir alle so mega busy und so mega wichtig sind.

Und dieses Bedrotting ist ja irgendwie so eine aggressive Gegenbewegung, was ich persönlich ganz lustig finde. Zumindest als Trend ganz lustig finde. Was ich gerade, weil es mich so doll interessiert hat, ich gerade nebenbei rausgesucht habe, Schande auf mein Haupt, aber das Konzept von Bedrotting ist tatsächlich gar nicht neu. Ich habe das nämlich auch gedacht, so wie du, dass es ein Ausdruck unserer Gesellschaft quasi ist in der aktuellen Zeit, aber es gab im 19. Jahrhundert schon den schottischen Begriff Hörkel-Dörkel, der beschrieb, dass man extra lange im Bett bleibt, obwohl man eigentlich aufstehen muss. Dann gab es die Duvet Days in den 90ern und 2000ern. Das war quasi so der Tag unter der Bettdecke. Und in der viktorianischen Romantik im 19. Jahrhundert gab es in der Kunst einen richtigen Kult. Und zwar nur rundherum um Frauen, die ein bisschen kränkelnd im Bett liegen. Und damals fand man es total ästhetisch und irgendwie spirituell rein. So ein bisschen wie heute alle That Girl sein wollen, waren damals alle in der viktorianischen Romantik die kränkelnde, im Bett liegende Frau.

That Girl ist dann die kränkelnde, im Bett liegende Frau. Wild. Das ist mir spontan nochmal ein Geschichtspodcast geworden. Ich lieb's. Das heißt aber ja...

Das ist also, dass es ja eigentlich ja nur so History repeats itself ist. Ja, und die Frage ist, was ich ganz interessant daran fand, dass das 18. Und 19. Jahrhundert bekannt ist für große Umbrüche in der Gesellschaft, insbesondere durch die Industrialisierung, die Aufklärung etc. Und ich mir vorstellen könnte, genauso wie die 90er und 2000er, wo es ja diesen enormen Aufschwung gab, das Internet, sehr schnelle Veränderungen, sehr, sehr viel passiert gleichzeitig. Und jetzt frage ich mich natürlich, ob diese Konzepte und dieser Ausbruch der Konzepte auch damit zusammenhängt, wie gerade die gesellschaftliche Struktur ist und wie die gesellschaftliche Entwicklung ist. Und ob das Bedrotting der Gen Z im Grunde nur die nächste Generation von Wir versagen uns diesem Leistungsdruck ist, den es aber schon seit 100 Jahren immer mal wieder gegeben hat unter unterschiedlichen Titeln. Wo wir jetzt gerade bei diesen Begriffen sind, muss ich dir eine Frage stellen. Hast du schon mal gehörkeldörkelt? Ist das die korrekte grammatikalische Nutzung von Hörkeldörkel? Ich kann das nochmal nachgucken, wenn du nimmst. Aber ich würde sagen gehörkelt und gedörkelt klingt irgendwie ein bisschen... Das können wir auch machen. Hast du schon mal gehörkelt und gedörkelt? Gehörkelt und gedörkelt. Ich hab durchaus schon mal gehörkelt und gedörkelt.

Wie gesagt, mein Hörkel-Dörkeln, Bad-Rotting, kränkelnde Frau, die irgendwo liegt. Es findet eher auf der Couch statt und dann gerne mit einem Controller in der Hand und Hogwarts Legacy auf dem Fernseherbildschirm. Und ich überlege gerade so früher vielleicht, als ich noch zu Hause gewohnt habe und dann eben wirklich nur das Bett, also quasi erst mal einen Rückzugsort hatte.

Nee, Höckel-Döckel war nicht mein Ding. Ich habe nie viel Zeit im Bett verbracht. Ich war dann eher die, die sich in ihrem Zimmer einschließt und dann irgendwann am Basteln und am Malen ist. Der ganze Boden ist dann voll mit irgendwie Zeug. Und ich verbringe zwar nicht den ganzen Tag im Bett, aber ich sitze den ganzen Tag auf dem Boden und bastle irgendwas. Das war eher so mein Ding von Rückzug. Also so dieses Konzept von sich zurückziehen in sein Zimmer und dann auch wollen, dass niemand reinkommt, das kann ich nachvollziehen. Bei mir hat das aber nie im Bett stattgefunden und jetzt so im Erwachsenenalter findet es eher auf der Couch statt. Ich habe tatsächlich mal zwei, drei Tage im Bett verbracht, weil ich da Lust drauf hatte. Das ist noch gar nicht so lange her, zwei, drei Jahre oder so. Was für mich super ungewöhnlich ist, weil ich normalerweise auch nicht so gerne im Bett chille. Und ich muss tatsächlich gestehen, dass das bei mir so ein bisschen, ich war kurz vorher krank und hatte dann irgendwie wieder eine Arbeitswoche und war mega K.O. und dachte mir so, komm, ich bleib im Bett. Ich war nicht mehr krank. Ich hatte einfach nur keine Lust aufzustehen. Und ich muss gestehen, dass ich so Mitte des zweiten Tages, den ich im Bett lag, habe ich irgendwann gemerkt, dass ich mich irgendwie gar nicht mehr wohlfühle. Also, dass es sich gar nicht mehr gut angefühlt hat, sondern dass ich...

Und irgendwie so, weiß ich nicht, so unzufrieden war mit mir selbst und mit der Situation. Und ich auch keinen Bock mehr hatte zu liegen. Und dann bin ich irgendwie in so einem rebellischen Anflug von, ich kann das ja alles nicht mehr. Bin ich aus dem Bett raus und hab mir Jeans angezogen und dann bin ich rausgegangen. Weil ich so dachte, ich kann das, ich muss hier raus. Und danach hab ich mein komplettes Schlafzimmer und die Wohnung sauber gemacht und so. Weil ich hatte irgendwie das Gefühl, ich brauch Space von diesem Schlafzimmer. Also irgendwie hat es, ich habe mich so eingeengt gefühlt von mir selbst. Das war ganz komisch. Das kann ich aber voll verstehen. Ich denke da gerade an so Male, wo ich krank war, aber jetzt nicht so krank, dass du dich schlecht fühlst, sondern eher so...

Du musst im Bett bleiben und musst gucken, dass dein Körper heilt, aber so im Liegen hast du keine Schmerzen, dir ist nicht schlecht, aber du weißt, du musst jetzt halt liegen bleiben. So, es muss heilen quasi.

Und da, ich sag's ganz ehrlich, immer wenn das kommt, hab ich gar keinen Bock drauf, weil ich immer schon weiß, den ersten Tag findest du cool, da liest du, da schaust du Fernsehen, findest du noch echt in Ordnung. Und wie du sagst, spätestens Mitte vom zweiten Tag bin ich einfach super mies gelaunt, dann will ich nicht mehr. Ja, voll. Die Frage, die wir uns natürlich heute stellen wollen unter anderem ist, ist das normal? Ist das problematisch? Wie viel Zeit im Bett, wie viel Bedrotting ist okay? Und ab wann sollte man selber und müssen wir auch darüber nachdenken, dass das nicht mehr normal ist und nicht funktional ist? Also quasi wie viel Bedrotting dürft ihr machen, ohne euch schlecht zu fühlen? Also grundsätzlich kann man schon mal sagen, Bedrotting an sich, also Zeit im Bett verbringen, ist normal. Und das kann auch funktional sein, denn gerade wenn wir so emotional belastende Phasen haben, ich glaube, jeder kennt das, nach einer Trennung, nach einer anstrengenden Klausurenphase, verbringen wir super gerne ein bisschen Zeit im Bett. Einfach, ob es jetzt ist, dass man ausschläft und liest und dann schleppt man sich vom Bett aufs Sofa und vom Sofa zum Kühlschrank und vom Kühlschrank zurück ins Bett. Vollkommen normal. Genauso nach sozialer Überforderung. Die klassische Social Battery ist komplett leer. Da kann ich übrigens sehr relaten, weil ich gehöre auch zu den Leuten, die soziale Energie verbrennen, wenn sie viel mit Leuten unterwegs sind.

Das können wir beide, genau. Und dann natürlich nach Phasen, wo wir das Gefühl haben, dass wir sehr fremdbestimmt sind. Also nach Phasen, in denen wir viel Anforderungen erfüllen müssen, die wir vielleicht nur so sekundär erfüllen wollen. Also wenn ich zum Beispiel, ich weiß nicht, zu einem Event muss von meiner Arbeit aus und der Tag ist, oder die nächsten zwei Tage sind durchstrukturiert und ich bin den ganzen Tag fremdbestimmt durch einen bestimmten Plan, Zeitplan, durch eine Agenda von meinem Arbeitgeber, dann fühle ich mich natürlich extrem fremdbestimmt, weil ich nicht selbst entscheiden kann, was ich als nächstes machen möchte. Und nach solchen Phasen ist es komplett normal und da kann tatsächlich das im Bett liegen und lesen oder auch einfach mal nichts machen regenerative Effekte haben, also um mich zurückzuziehen und selber Zeit und Space für mich zu haben.

Denn tatsächlich gibt es Studien, die zeigen, nicht jede Form von Erholung ist aktiv. Man muss nicht ins Gym gehen, um sich erholen zu können. Man muss auch nicht spazieren gehen, um sich zu erholen. Man darf im Bett liegen und nichts tun. Und auch das kann erholsam sein, weil manchmal empfinden wir mentale Erholung durch Reizarmut und durch Autonomie. Autonomie, dadurch, dass wir, und Autonomie heißt dann in dem Fall auch, dadurch, dass wir einfach nur im Bett liegen bleiben und wir entscheiden, wie lange wir im Bett liegen bleiben müssen. Tun wir das, was wir gerade für richtig halten. Also Bedrotting ist so lange normal, wie du selber für dich entscheidest, dass du gerne liegen bleiben möchtest und du liegen bleibst, weil du das möchtest. Also solange du die Wahl hast, ist das vollkommen in Ordnung.

Problematisch wird Bettrotting dann, wenn aus Stunden zum Beispiel Tage werden und das Bett dann eben nicht mehr nur eine Pause darstellt oder eine Ausnahme, sondern zum Hauptlebensraum, sag ich mal, wird. Und es wird dann problematisch, wenn es eben nicht mehr um Erholung geht, sondern um Vermeidung. Also quasi es geht nicht darum, ich will jetzt eine Pause oder ich möchte mal einen Tag irgendwie all die Dinge machen, die ich gerne machen möchte, die zum Beispiel aus Lesen, Nickerchen machen, Serien gucken oder Videospiele spielen bestehen, sondern das ist ein, ich halte es in meinem Leben, wie es ist, nicht aus. Ich halte es draußen nicht aus und deswegen muss ich mich zurückziehen. Also eine Vermeidung des Lebens, wie es eben sonst stattfinden würde.

Und ganz wichtig, so finde ich so der Punkt, wo es am einfachsten zu erkennen ist, ist der Verlust von Freiwilligkeit quasi. Also Menschen, die aufgrund von einer psychischen Erkrankung viel Zeit im Bett verbringen, da geht es ja nicht mehr darum, möchte ich im Bett liegen, sondern ich komme nicht mehr hoch, ich kann nicht mehr aufstehen. Und da geht's. Badrotting eben von funktional und eventuell was Romantisierendes, was Schönes zu das Bett hat mich komplett gefangen und ich komme nicht mehr raus. Psychologisch betrachtet hängt das Thema Badrotting auch mit einer Art Freeze oder kann mit einer Art Freeze-Reaktion des Nervensystems zusammenhängen, weil es nicht immer eine Form von Faulinsen ist. Wir haben ja gerade so ein bisschen diese Unterscheidung getroffen, wann ist das was, sondern es kann tatsächlich auch so sein, dass wenn wir im Alltag zu viel Stress empfinden, also wenn wir subjektiv das Gefühl haben, überfordert zu sein, dann kann es sein, dass unser Nervensystem in einen anderen Modus schaltet, in Anführungszeichen. Also es gibt ja, ich glaube, die meisten von euch werden das im Bio-LK oder auch im Bio-Grundkurs mal gehört haben. Es gibt Fight or Flight, also dieses Kämpfen oder Fliehen und dazwischen gibt es ein Freeze, also ein Einfrieren, ein Erstarren.

Und wenn man in seinem eigenen subjektiven Empfinden überfordert ist, dann gibt es Menschen, die quasi in so einen Fight-Modus kommen, also die versuchen das jetzt so richtig durchzuziehen. Es gibt Leute, die fliehen, das sind beispielsweise die, die sich krank melden oder Dinge einfach canceln und aufhören, das zu machen und das absagen, weil es ihnen irgendwie zu viel ist und sie überfordert sind damit. Und es gibt Menschen, die in so einen Freeze-Zustand kommen. Das heißt, man fühlt sich extrem überlastet und kann quasi nicht vor und nicht zurück und friert quasi ein. Und das kann tatsächlich darin resultieren, dass man dieses Bedroaching auf eine nicht gesunde Art und Weise macht, indem man einfach sehr lange im Bett bleibt und sich quasi weder vor noch zurück bewegt.

Was aus neurobiologischer Perspektive noch ganz interessant ist und sich erst so in den letzten Jahren immer mehr zeigt, ist das Thema von Dopamin-Loops durch Social Media zum Beispiel.

Dadurch, dass wir immer mehr Zeit am Handy verbringen und auch immer mehr Zeit im Bett verbringen, müssen wir quasi für Dopaminzufuhr, also für ein Belohnungsgefühl oder für ein gutes Gefühl, müssen wir nicht mehr aus dem Bett aufstehen. Das heißt, wenn ich mich im Bett gut fühlen will, kann ich theoretisch einfach mein Handy nehmen, im Bett liegen bleiben und durch TikTok scrollen und bekomme quasi die ganze Zeit immer wieder einen Dopamin-Push, also immer wieder eine Belohnung auf neurobiologischer Ebene dafür, dass ich das mache. Das heißt, jede echte Aufgabe, sowas wie aufstehen, duschen, essen machen, wirkt wie so eine richtig große Aufgabe im Vergleich zu dem ganz einfachen Scrolling.

Und die Dopaminbelohnung dafür ist dann im Verhältnis die gleiche oder sogar weniger. Das heißt, wir konditionieren uns quasi, je mehr Zeit wir im Bett verbringen und am Handy scrollen auch darauf, dass wir ein Glücksgefühl in unserem Gehirn auslösen, ohne dass wir tatsächlich irgendwas tun. Und das kann auf neurobiologischer Ebene dieses ganze Thema Bedrotting und im Bett liegen bleiben natürlich noch weiter unterstützen. Also es gilt in dem Fall dann auch fürs Sofa, aber es unterstützt quasi die Tatsache, dass wir uns weniger bewegen, weil wir Belohnungen auch im Liegen erfahren können, durch Social Media zum Beispiel. Jetzt haben wir ja ganz viel darüber gesprochen, was so im Gehirn oder generell in unserem Nervensystem abgeht, wenn wir...

Im Bett liegen, wenn wir, was war's, hörkel-dörkeln? Hörkel-dörkeln, ja. Wenn wir hörkel-dörkeln oder auch, was da mögliche Motive sein können, ab wann es kritisch sein könnte, eben so viel Zeit im Bett zu verbringen.

Und natürlich haben wir uns im Zuge der Recherche auch gefragt, naja, was könnten wir denn so als Fall mit reinnehmen? Denn sicherlich haben sich ein paar schon gefragt, wo ist denn der Fall dieses Mal? Und ihr könnt es euch schon denken, bei Badrotting war es ein bisschen schwierig, da so ein richtiges Fallbeispiel zu finden. Ob es jetzt eine Case-Study ist oder eben wirklich irgendwie eine Kurzgeschichte, Fallbericht. Es ist so, dass für Badrotting es bisher nur wenig Untersuchungen in die Richtung gibt. Das heißt, auch Case-Studies waren nicht zu finden. Aber wir haben ja TikTok und Instagram und haben uns da für euch durchgewühlt Und haben damit statt einem Fall heute einige Kommentare dabei, einige Berichte dabei von TikTok-Usern, die von ihren eigenen, ich sag mal schlimmsten Bedrotting-Erfahrungen berichtet haben.

Spoiler, hier sind wir dann nicht auf der Seite von diesem romantisierten Bedrotting, wo man mit einem Zitronenwasser und Augenpads in einem perfekt gemachten Bett liegt, sondern hier geht es wirklich um die Menschen, die im Bett liegen, weil sie nicht anders können. Ich würde mal vorschlagen, Babsi, da du ja die meisten dieser Kommentare auch noch nicht kennst, würde ich dir die Berichte slash Kommentare der User mal vorlesen. Und genau, ich bin mal gespannt, was du dazu sagst. Musik.

Eine Userin berichtet zum Beispiel, dass sie so lange im Bett lag und obwohl sie auf Toilette musste, so selten auf Toilette gegangen ist, also so selten, ich sag süß ist, Pipi gemacht hat, dass sie Niereninfektionen bekommen hat und Blasenentzündungen und das immer wieder, weil sie so selten auf Toilette gegangen ist, weil sie nicht konnte. Ich war gerade so ein bisschen, ich habe Gänsehaut bekommen, weil ich selber schon mal eine Nierenentzündung hatte.

Und das tut so, das tut richtig weh. Nierenbeckenentzündung ist so schmerzhaft. Und allein die Vorstellung, das ist halt, finde ich, also an der Stelle reden wir in meiner Perspektive nicht von Badrotting im Sinne von diesem TikTok-Trend, sondern wenn du so weit gehst, dann sprechen wir von einer Depression. Ja, auf jeden Fall. Es gab noch weitere User und wirklich sehr viele User. Ich weiß nicht, ob du das kennst, es war unter so einem Video, waren da viele Kommentare. Die Person, die dieses Video veröffentlicht hat, hat dann so hingeschrieben, shared mal eure schlimmsten Badrotting-Erlebnisse, die krassesten Dinge, die ihr im Badrotting bisher erlebt habt und so wirklich die schlimmen Dinge.

Dementsprechend waren da wirklich auch schlimme Dinge drunter und auch wirklich so viele, so viele Kommentare von Menschen, die wirklich richtig krasse Dinge zu erzählen hatten. Ein anderer zum Beispiel berichtet, und damit war er nicht alleine, dass er eine totale Sozialphobie entwickelt hat oder generelle Angststörungen entwickelt hat, weil er sich so lange in seinem Zimmer und in seinem Bett aufgehalten hat, dass die Welt da draußen quasi so fremd wurde, dass er Ängste davor entwickelt hat. Das ist krass. Und das war super oft, also es war super oft beschrieben, dass Ängste entwickelt werden, weil es fremd wird da draußen quasi. Ich meine, es zeigt sich ja, also das wird ja belegt durch wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Menschen, die sich lange isolieren und wenig Sozialkontakte haben, dass das korreliert mit einem höheren Angstlevel zum Beispiel.

Passend dazu, wenn wir jetzt ja von so einem starken Rückzug sprechen, dass sich sogar eine Angst vor der Welt quasi entwickelt hat, haben natürlich auch viele davon berichtet, ihren ganzen sozialen Freundes, also den ganzen sozialen Kreis verloren zu haben. Also Partner, Freunde und sogar Familie, die sich abgewandt hat. Also wirklich Rückzug nicht nur für einen Tag, sondern für so lange, dass am Ende niemand mehr da ist. Das ist halt schon richtig absurd, wenn du überlegst. Zumal das, was ich daran so gefährlich finde, ist, wenn Badrotting romantisiert wird.

In so einem Ausmaß, dass man das vielleicht auch nicht ernst nimmt, wenn das zu lange dauert, dass das einfach eine Symptomatik von einer psychischen Erkrankung sein kann. Und wenn ich mich zumindest hinstelle und sage, wenn ich eine diagnostizierte Depression habe, dann habe ich noch eine höhere Wahrscheinlichkeit dafür, dass Leute das irgendwie nachvollziehen oder verstehen können und dabei bleiben und mich begleiten auf meinem Weg. Und wenn ich aber so eine Erklärung habe wie bedrotting und ich kann aber einfach nicht damit aufhören. Also ich stelle mir gerade vor, die eine Person, die sagt, ja, ich kann einfach nicht damit aufhören, im Bett zu liegen. Das ist einfach irgendwie, das fühlt sich gut an oder ich kann nicht, ich habe keine Energie oder so. Und dann sagen, ja, es ist bedrotting und ich bin süchtig danach.

Ist das was anderes von der Wahrnehmung von außen, als wenn jemand sagt, ich habe Depressionen, ich bin so depressiv, Ich kann nicht aus dem Bett aufstehen. Weißt du, was ich meine? Ja, du meinst auch, wenn zum Beispiel die Person, die sagt, ja, ich bin einfach süchtig nach Bettrotting, da wahrscheinlich auch eine Depression dahinter steckt, aber einfach halt in der Kommunikation das weniger ernst genommen wird quasi. Ja. Also noch weniger ernst genommen als Depressionen ja in der Allgemeinheit leider sowieso schon ernst genommen werden. Ja, genau. Was ich mich die ganze Zeit frage ist, ob man, wenn man so ewig, ewig lange im Bett liegen bleibt und sich wenig bewegt, ob sich nicht auch Muskeln zurückbilden, weil das hast du ja auch im Krankenhaus, wenn Leute zu lange im Krankenhaus liegen, dass sie irgendwann nicht mehr laufen können, weil die ganzen Muskeln sich zurückbilden. Ja, genau das wurde auch von einigen Usern berichtet. Die Muskeln hätten sich so zurückgebildet, dass ganz starke Rückenschmerzen sich entwickelt haben und dass sie richtige Schwierigkeiten hatten zu gehen. Also eine Userin, die hat jetzt nicht gesagt, dass sie gar nicht mehr laufen konnte, aber dass ihre Beine sich so schwach angefühlt haben, dass sie sich festhalten musste, als sie gelaufen ist und das Gefühl hatte, sie bricht zusammen, dass einfach ihre Muskeln in ihren Beinen sie nicht mehr tragen, so war ihr Gefühl zumindest. Ich finde die Vorstellung ganz, ganz, ganz krass. Zu guter Letzt habe ich noch ein letztes Beispiel von einer Userin dabei.

Das ist was, was wir bisher, finde ich, noch gar nicht so sehr besprochen haben, nämlich Essen ist ja auch so ein Ding. Ich meine auch, klar, natürlich es gibt Depressionen, depressive Phasen, in denen man wenig isst, aber ... Trotzdem muss man ja essen und so richtig aufstehen. Kochen ist ja eher dann nicht. Und dann hat eine Userin davon erzählt, dass sie wochenlang nur durch den Mund atmen konnte und selbst das ihr regelmäßig Übelkeit verursacht hat, weil sie Essensreste halt in ihrem Zimmer hatte von Takeaway und sowas. Und es ist da vergammelt und verwest und sie konnte es nicht wegräumen. Und es war auch niemand anderes da, der es für sie wegräumen konnte. Also war ihre Lösung, dann muss ich halt durch den Mund atmen. Und das für Wochen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das immer noch Teil dieses Trends ist, weil ich mir denke, das ist doch so offensichtlich problematisch und auch an der Stelle gesundheitsgefährdend, dass das doch eigentlich nicht mehr als Trend romantisiert werden kann. So wie ich das auch wahrgenommen habe, ist das auch die Seite quasi von Bad Rotting, von den Menschen, die halt darstellen wollen, wie das eigentlich ist, also wie unromantisch Bad Rotting eigentlich ist, wenn man wirklich Rotting betreibt im Bett, also wenn man wirklich, ja, wenn man wirklich verrottet im Bett. Das ist ja dieses Verwesende. Und da gibt es eben dann Menschen, die sind halt im Internet auch davon genervt, dass Badrotting an sich so romantisiert wird, weil sie sagen, hey, das ist was, was Menschen machen, die nicht anders können. Und dann gibt es natürlich eine große Gruppe, die da sagt, wir finden es nicht in Ordnung, dass es so romantisiert wird und es nervt uns, dass es so romantisiert wird, weil für uns ist es kein süßer, cozy Obert, wo wir sein können, sondern für uns ist das ein absolutes Loch, aus dem wir nicht mehr rauskommen quasi. Und ehrlicherweise, je länger ich darüber nachdenke, desto mehr denke ich, dass es irgendwie auch einfach wieder nur so ein Trendbegriff ist, der für unterschiedliche Ausprägungen eines Verhaltens genutzt wird. Und dieses Verhalten ist, wie bei allen anderen Sachen auch.

Die Menge macht das Gift. Ja. Und ich glaube, die Tatsache, dass das überhaupt so ein Trend geworden ist, hängt ganz viel mit der Erwartungshaltung unserer Gesellschaft zusammen. Und damit, dass wir mittlerweile ja sogar dabei sind, unsere Pausen zu optimieren, unseren Schlaf zu optimieren, unsere Entspannung zu optimieren und zu gucken, wie können wir alle noch ausgeschlafener, noch entspannter, noch, weiß ich nicht, noch mehr in uns ruhend sein. Wie können wir intellektuell inspirierende Bücher lesen und dabei mit Kammelentee total tiefenentspannt im Kerzenlicht sitzen. Und ich glaube, das ist halt so ein bisschen die Tatsache, dass es diesen Trend gibt, der ja Phänomene beschreibt in aller Bandbreite, die es in der Richtung schon lange gibt. Siehe Ausschlafen, lange im Bett bleiben, also die normale, gesunde Form von Bedrotting bis hin zu aus dem Bett nicht mehr aufstehen und selber einfach massiv Probleme im Alltag bekommen, aufgrund dessen als depressives Symptom.

Und dazwischen ist quasi eine Unendlichkeit an Möglichkeiten. Und ich glaube, die Tatsache, dass das ein Trend ist, hängt weniger mit der Sache selbst zusammen als mit diesem gesellschaftlichen Druck und dieser gesellschaftlichen Erwartung, die dazu führt, dass diese gesunde Form von Bedrotting, also dieses, ich bleibe jetzt halt einfach mal im Bett, ich mache einfach mal nichts, so ein Symbol von so einem Widerstand geworden ist. Ja, so was Trotziges. Was ich auch richtig krass fand, ich habe mich so halt während der Recherche so gefragt, Okay, das machen ja eher die jüngere Generation, hat das ja so hochgebracht, diesen Trend. Und ich habe mich dann so gefragt, naja gut, klar, Leistungsgesellschaft und ich weiß, auch junge Menschen sind von Leistungsdruck betroffen. In meinem subjektiven Empfinden, so wie ich das erlebt habe.

Bin ich im Erwachsenenalter deutlich mehr unter diesem Leistungsdruck, als ich als Jugendliche war und habe dann in die Richtung mal recherchiert, wie das denn generell eigentlich ist. Und tatsächlich gibt es da eine Umfrage bzw. Einen Common Sense Report von der Harvard University und der hat gezeigt, dass Jugendliche heute ähnlichem Stress und Burnout erleben wie Erwachsene. Und da auch von so einem ganz starken inneren Druck getrieben werden, Druck dazu außergewöhnlich zu sein, sich beweisen zu müssen und wie gesagt außerordentliche Dinge zu leisten und ich war so geschockt, dass das einfach irgendwie theoretisch weißt du es ja, aber es nochmal so zu lesen, dass tatsächlich schon Jugendliche, wenn ich mir denke so 14, 15 Jahre, wo ich keinen Bock auf Schule hatte und teilweise meine Hausaufgaben einfach gar nicht gemacht hatte und es mich auch nicht gebockt hat, weil ich mir dachte, ach, ist doch egal, gehe ich morgen halt wieder.

Und dass das heutzutage so eine ganz... Vielleicht hat sich das auch geändert, so was ganz anderes ist, dass wirklich der Leistungsdruck und der Stress, den die Jugendlichen bzw. Jungen Erwachsenen erleben, der gleiche ist wie den, den Erwachsenen erleben. Ich persönlich würde mich da voll gerne mal reinlesen, wo das eigentlich herkommt. Das, was ich weiß, ist, dass wir bei Kindern und Jugendlichen eine Menge an psychischen Auffälligkeiten und psychischen Erkrankungen sehen, die es in keine Generation zuvor gegeben hat. Und ich fände es super spannend, irgendwie auch dazu nochmal eine Folge zu machen und zu überlegen, wo das eigentlich herkommt und mit welchen vielleicht auch gesellschaftlichen Konventionen oder Bereichen das zusammenhängt. Wenn dir die Folge zum Thema Badrotting gefallen hat, dann abonniere gerne unseren Podcast und bewerte ihn und teil die Folge mit deinen Freunden und schreib uns super gerne in die Q&A-Funktion auf Spotify. Machst du regelmäßig Badrotting? Und bis dahin sagen wir, seid lieb zueinander und bis zum nächsten Mal.

Ohren. Konzept und Redaktion Maxi Bels und Barbara Focke. Projektleitung und Vermarktung, Schnitt und Sounddesign Milan Fai. Oh mein Gott, warte kurz. Ich dachte gerade, ich habe die Aufnahme pausiert.