Du hältst dich für belastbar. Du bist stolz darauf, dass du funktionierst, wenn andere schon längst aufgegeben haben. Du nennst es Resilienz. Du nennst es Stärke. Aber was, wenn ich dir sage, dass genau diese Stärke dein Gehirn gerade physisch umbaut? Dass dein Organismus keinen Orden für dein Durchhalten vorsieht, sondern eine radikale, fast schon gnadenlose, funktionelle Anpassung? Willkommen bei Blackbox, der Psychologie-Podcast, der dich mitnimmt in die Tiefen der menschlichen Psyche. Ich bin Maxi. Und ich bin Babsi. Als studierte Psychologin schauen wir uns an, warum Menschen fühlen, denken und handeln in Extremen wie im Alltag. Dabei verbinden wir Psychologie mit echten Geschichten direkt aus dem Leben. Von Beziehungen über Verbrechen bis hin zu außergewöhnlichen Case Studies. Du wolltest schon immer verstehen, was in.
Und damit willkommen zur heutigen Folge von Blackbox, in der wir über die Effekte und die Vorgänge von Burnout im Gehirnspräch, Ich habe mich persönlich sehr auf diese Folge gefreut. Ihr wisst alle, ich liebe es, Neurobiologie-Folgen vorzubereiten und hoffe natürlich, dass ihr immer noch Feuer und Flamme seid, was dieses Thema angeht. Wenn wir jetzt heute zwar auf neurobiologischer Perspektive, aber eben aufs Thema Burnout gucken, beziehungsweise... Das, was wir Resilienz, Stärke oder ich kriege das schon noch hin nennen oder ich nenne es Stress.
Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber deswegen frage ich einfach mal, Babsi, wie ist das denn? Kennst du denn das Gefühl von Stress? Kennst du denn das Gefühl von zu viel zu tun zu haben und nicht so ganz hinterherkommen? Also ich muss ehrlicherweise gestehen, dass ich tatsächlich ein bisschen ein Problem habe mit Stress, weil ich jemand bin, der gerne mehr Projekte hat, als er Zeit hat und ich eine sehr perfektionistische Ader habe, weil ich immer versuche, möglichst keine Fehler zu machen und möglichst alle Sachen, die ich mache, besonders gut zu machen. Mir reicht irgendwie dieses 80-Prozent-Prinzip nicht. Da arbeite ich gerade dran, darin besser zu werden, dass 80 Prozent manchmal auch reicht und es nicht immer 100 Prozent sein müssen. Und ich glaube, ich habe in den letzten Jahren in meinem Leben viele Phasen gehabt, in denen ich sehr, sehr viel gearbeitet habe. Und in denen ich auch Nachtschichten gemacht habe, also auch mal bis nachts um zwei oder nachts um drei gearbeitet.
Auch mal 15-Stunden-Tage und ich glaube, dass ich eine ganz lange Zeit nicht verstanden habe, dass ich das nicht immer und ewig und dauernd machen kann und dass ich quasi diesen Notfallvorrat nicht on a daily basis jeden Tag verwenden sollte. Mein Papa hat früher immer gesagt, wenn ich zur Schule gegangen bin und dann irgendwie noch so Nebenprojekte hatte und mich dann jeden Tag noch mit Freunden getroffen habe und für die Schule Sachen gemacht habe und dann hatte ich noch drei Hobbys und ich war viermal die Woche feiern, da hat mein Papa damals gesagt, du kannst die Kerze des Lebens nicht von zwei Seiten anzünden.
Wow, das ist sehr poetisch. Und diesen Satz habe ich sehr oft im Kopf, wenn ich wieder mal von meinem Mann den freundlichen Hinweis bekomme, dass es doch eine Idee wäre, mal den PC auszumachen oder vielleicht auch was zu essen zwischendurch und ob ich schon genug getrunken habe. Und dass es jetzt auch der vierte Tag hintereinander ist, an dem ich so viel in meine Projekte und meinen Job und alles, was ich so mache, investiere. Von daher, ich habe auf jeden Fall ein Thema damit, bin ich ehrlich. Wie sieht es aus bei dir? Nicht, dass ich fragen müsste, aber für alle Zuhörer vielleicht. Ich dachte mir, ich meine, ich wusste ja, dass wir diese Folge heute aufnehmen und Neurobiologie ist ja... Ich würde mal sagen, vom Zuständigkeitsbereich noch mal ein bisschen mehr deins als meins. Und von daher verrate ich jetzt nicht zu viel, wenn ich sage, dass du ja da einen großen Teil dieser heutigen Folge vorbereitet hast. Und ich bin heute in die Aufnahme gegangen mit dem Gedanken, ich sollte gut zuhören. Denn das ist für mich sehr wichtig.
Ich habe ein Riesenproblem mit Stress, beziehungsweise mit die eigenen Grenzen einhalten, was die eigenen Projekte und das Arbeitspensum angeht. Da nehmen wir beide uns ja nicht so viel. Ich kann mich da anschließen, dass ich auch jemand bin, der gerne sehr beschäftigt ist und der eher zu viele als zu wenig Projekte hat und sich bei allen denkt, ach, das kriege ich schon auch noch rein. Dann bin ich halt ein bisschen weniger am Handy. Ja, Spoiler, turns out, so gut funktioniert das nicht. Aber ich bin schon besser geworden. Ich kann mich an eine Zeit erinnern, wo ich dachte, ich kriege eine Vollzeitstelle in der forensischen Psychiatrie neben samstags noch irgendwie acht Patienten in der Ambulanz und dann noch den Podcast. Und ich weiß noch, damals wurde es mal so schlimm, dass ich tatsächlich vor der Arbeit dann mal heulend zusammengebrochen bin und für fünf Tage gar nicht arbeiten gehen konnte beziehungsweise wollte, weil ich nur dann im Bett lag und wirklich gar keine Energie mehr hatte. Und es war Gott sei Dank nichts, also es war nichts Größeres, es ist nichts Bleibendes geblieben. Nichts Bleibendes geblieben? Nichts. Also es war kein längerfristiger Ausfall quasi, aber war schon so ein richtiges Warnsignal, so ein Warnschuss für mich, dass ich danach, begonnen habe, doch deutlich mehr darauf zu achten. Und wie gesagt, ich würde nicht sagen, dass ich darin sehr gut bin.
Aber seit bestimmt fünf Jahren gab es nicht mehr so einen Zusammenbruch oder so einen Ausfall. Von daher toi, toi, toi. Ich weiß genau, was du meinst. Ich bin mittlerweile sehr viel sensibler geworden als früher noch. Also ich habe das mittlerweile häufiger, dass mein Körper mir ein sehr eindeutiges Warnsignal gibt. Also ich habe zum Beispiel, wenn ich ein paar Tage hintereinander zu wenig schlafe und nicht gut auf mich aufpasse, also nicht zum Sport gehe, mir auch keine Ruhepausen gönne, also einfach mal auf dem Sofa liegen und lesen oder sowas, dann bekomme ich für so ein paar Sekunden so ein Tinnitus auf einem Ohr. Also es ist so ein Piepen, das hält maximal 30 Sekunden an. Aber das ist für mich immer ein sehr deutlicher Hinweis. Das ist so, als würde mein Gehirn sagen, ich schicke dir einen kurzen Reminder. Nur, dass du nochmal dran gedacht hast, dass du kurz mal eben vielleicht einen Schritt zurück. Und das ist mir gerade sehr wichtig, wo wir beide davon erzählen, wir haben gerne mehr Projekte und wir sind ja so gerne beschäftigt. Und das ist keine Auszeichnung für Maxi und mich, dass wir das hier erzählen können, sondern im Gegenteil, es ist ehrlicherweise ein Armutszeugnis für uns beide, weil wir sollten es besser wissen und wir machen es trotzdem falsch. Also es geht nicht darum zu sagen, hey, guck mal, wie produktiv wir sind, sondern tatsächlich euch zu sagen, selbst wir, die besser wissen müssten, wie ungesund das für den Körper ist und wie ungesund es für die Psyche ist, dauernd auf diesem Reservemotor zu laufen.
Kriegen es manchmal nicht hin, unsere eigenen Grenzen zu wahren und uns für uns selber einzusetzen. Also ich verstehe das nicht falsch an der Stelle. Das soll hier nicht heißen, guck mal, wie cool wir sind, sondern eher sowas in Richtung von, wir kriegen es auch selber manchmal nicht hin. Ich denke mir bei diesem Thema immer einen meiner Lieblingssätze, den du ja von mir auch immer zitierst, dieses It's a process.
Und zwar kein Prozess in Richtung von mehr leisten, sondern es ist ein Prozess in Richtung ein bisschen besser mit mir selbst umgehen. Und wir sind nicht mehr am Anfang dieses Prozesses, das ist schon mal schön, aber wir sind auch noch nicht fertig. Also ich merke, ich bin noch lange nicht da, weil ich jetzt gerade auch schon merke, dass es mir schwerfällt, das zu erzählen und das so zu sagen, weil ich weiß, dass ich so ein Problem damit habe und ich gleichzeitig denke, stell dich halt nicht so an. Und das ist so, wo ich mir so denke, Mann, Babsi, warum? Was machst du in deinem Kopf gerade schon wieder damit?
Aber wir haben ja gesagt, wir sind in diesem Podcast ehrlich mit euch und ehrlich mit uns. Also ja, vielleicht geht es dem einen oder anderen von euch ja auch so. Wir feiern in der Gesellschaft ja die Produktivität. Aber in der Neurobiologie und was unser Gehirn angeht, gibt es nichts umsonst. Das heißt, jeder Tag, den wir, den ihr über eure Grenzen geht, ist eigentlich kein Sieg unseres Willens, sondern es ist ein Kredit, den wir aufnehmen. Und zwar ein Kredit, der uns je höher dieser Kredit wird, immer mehr kostet. Also die Zinsen werden immer höher. Und wir schauen uns in der heutigen Folge an, wie unser Gehirn die eigene Architektur verändert, wenn wir immer mehr Kredit nehmen quasi, also immer mehr von unserem Gehirn abverlangen. Indem es versucht, das System am Leben zu halten und am Laufen zu halten, solange bis dieser Kredit an Energie zu hoch wird. Also in diesem Sinne, willkommen in der Neurobiologie der Erschöpfung. Wir schauen uns heute nicht an, wie du besser wirst, sondern wir schauen uns an, was in unserem Gehirn passiert, wenn unser Gehirn die Reißleine zieht.
Es ist Dienstagmorgen, 7.12 Uhr. Du stehst in deiner Küche. Eigentlich ist alles wie immer. Die Sonne fällt in einem bestimmten Winkel auf die Arbeitsplatte. Die Kaffeemaschine steht bereit. Alles, was du tun musst, ist eine Entscheidung treffen. Welche Kapsel? Welcher Kaffee? Und genau hier passiert es. Du starrst auf die bunten Kapseln, blau, gold, schwarz und dein Gehirn meldet einen Systemfehler. Es ist keine Müdigkeit, es ist totale kognitive Lähmung. Diese lächerliche Entscheidung, Espresso oder Lungo, fühlt sich an wie die Berechnung einer Maßlandung. Deine Hand zittert, du stehst da, dein Herz schlägt ruhig, aber in deinem Kopf ist das Licht ausgegangen. Du weißt theoretisch, was zu tun ist. Es ist eine lächerlich kleine Entscheidung, aber die Brücke zwischen Wissen und Handeln ist wie weggesprengt. Warum können wir in solchen Momenten nicht mehr wählen? Warum wird ein Mensch, der gestern noch Millionen Budgets verwaltet oder komplexe Operationen durchgeführt hat, von einer einfachen Kaffeekapsel besiegt? In der Psychologie würden wir jetzt wahrscheinlich über Motivation sprechen, über Burnout-Symptome, über Überlastung.
Aber wir wollen heute dahin, wo unser Gehirn arbeitet. Wir wollen dahin, wo die Synapsen feuern. Was Menschen in dem Moment am Küchentisch erleben, ist nämlich nicht der Beginn, sondern das Ende einer langen Kette von funktionellen Adaptionsprozessen. Unser Gehirn hat also über Monate, vielleicht sogar Jahre versucht, uns zu schützen, hat Ressourcen umverteilt und hat unterschiedliche Bereiche deines Gehirns entweder in den Energiesparmodus oder in den Hyperenergie-Modus überführt.
Und mittlerweile verstehen wir, warum dieser Moment am Küchentisch keine Schwäche ist, sondern das Ergebnis von einer sehr brillanten, aber tragischen Architekturveränderung deines Gehirns. Wir sind der Meinung, dass wir das Bild von Erschöpfung korrigieren müssen, weil in unserer Leistungsgesellschaft Burnout häufig bezeichnet wird als so ein Leerlauf oder Leersein, dass man quasi am Ende ist mit der Energie, als hätte man wie so eine Batterie, die einfach keine Ladung mehr hat. Aber biologisch betrachtet stimmt das nicht, denn das Gehirn ist nicht leer. Im Gegenteil, es ist hochaktiv, aber in einem komplett anderen Modus, als es vorher war. Burnout ist also kein Versagen des Willens und auch kein, wenn man so will, technischer Defekt, sondern eine hochgradig angepasste, aber sehr teure, könnte man sagen, was Leistung angeht, Umverdrahtung in den neuronalen Netzwerken. Und um so ein bisschen besser einzusteigen und auch zu verstehen, wie sich Burnout zum Beispiel im Alltag zeigt, haben wir eine kleine Case-Study mitgebracht, die auf einer Veröffentlichung von Dr. Peter Stapleton basiert.
Anna Keller ist 42 Jahre alt und arbeitet in einer Führungsposition in einem großen Unternehmen. Nach außen wirkt sie souverän, leistungsfähig, kontrolliert. Sie ist jemand, auf den man sich verlässt. Ihr Kalender ist voll, ihre Verantwortung groß, ihr Alltag klar strukturiert. Funktionieren gehört für sie zum Selbstverständnis. Doch etwas hat sich verändert Anna ist müde Nicht die Art von Müdigkeit, die nach einem langen Arbeitstag entsteht Sondern eine tiefe, anhaltende Erschöpfung Sie wacht morgens auf und fühlt sich, als hätte ihr Körper keine Pause gehabt, Schlaf bringt keine Erholung mehr Ihr Energielevel bleibt niedrig, selbst an Tagen ohne Termine.
Im Laufe des Tages fällt es ihr immer schwerer, sich zu konzentrieren. Gedanken verlaufen sich, Entscheidungen fühlen sich schwer an. Dinge, die früher selbstverständlich waren, kosten nun überproportional viel Kraft. Gleichzeitig reagiert Anna gereizter als früher. Kleine Unterbrechungen bringen sie aus dem inneren Gleichgewicht. Kritik trifft sie unerwartet hart. Ihre Stimmung schwankt, ohne dass sie genau benennen kann, warum.
Auch emotional spürt sie eine Distanz. Ihre Arbeit, die ihr lange wichtig war, fühlt sich leer an. Erfolge erreichen sie kaum noch. Anerkennung verpufft. Statt Stolz bleibt ein Gefühl von innerer Leere. Sie erledigt ihre Aufgaben, aber ohne Verbindung zu dem, was sie tut. Produktivität wird zur Pflicht, nicht mehr zur Motivation. Anna versucht gegenzusteuern. Sie meditiert regelmäßig, achtet auf ihre Ernährung, treibt Sport. Diese Strategien verschaffen ihr kurze Momente der Erleichterung, kleine Atempausen im Alltag. Doch die Erschöpfung bleibt. Nachts liegt sie wach, der Körper müde, der Kopf unruhig. Kopfschmerzen und muskuläre Verspannungen begleiten sie durch den Tag. Langsam wird Anna klar, dass es nicht mehr um Stress geht. Sie spürt, dass etwas Tieferes im Ungleichgewicht ist. Das ständige Funktionieren, das dauerhafte Überschreiten eigener Grenzen, es hat Spuren hinterlassen. Sie fühlt sich innerlich ausgelaugt, emotional erschöpft, distanziert von sich selbst und ihrer Arbeit.
Anna sucht daraufhin eine Ärztin auf. In der gemeinsamen Arbeit wird deutlich, dass ihr Zustand weit über eine vorübergehende Überforderung hinausgeht. Die Vielzahl ihrer Symptome zeichnet das Bild eines Burnouts. Anhaltende Erschöpfung, Schlafstörungen, emotionale Leere, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit und ein deutlich reduziertes Gefühl von Wirksamkeit und Zufriedenheit. Sie wird ermutigt, ihre bisherigen Strategien, die sie seit einigen Wochen etabliert hat, Bewegung, Ernährung, Meditation, beizubehalten. Ergänzend werden Schlafhygiene und weitere unterstützende Maßnahmen eingeführt. Zum ersten Mal seit langer Zeit hat Anna nicht das Gefühl, sich selbst weiter antreiben zu müssen, sondern beginnen zu dürfen, zu verstehen, was ihr System seit langem signalisiert. Und Pausen sind kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.
Ich muss sagen, ich fühle Anna. Ich fühle Anna sehr, ich kann sie gut verstehen. Und auch, dass sie in so Momenten, wenn sie dann merkt, oh Gott, irgendwas ist verschoben, irgendwas ist nicht mehr so, wie es war, fand ich es sehr nachvollziehbar und habe mich da so ein bisschen wiedererkannt, dann zu sagen, okay, ich mache Sport und ich stelle meine Ernährung um und ich, sie hat jetzt Meditation gemacht, das war jetzt nicht so mein Go-To, aber so dieser Versuch dann, Dinge einzuführen, um dann wieder leistungsfähiger zu werden, weißt du, was ich meine? Ja. Also so habe ich es zumindest empfunden. Vielleicht ist es auch nur mein Empfinden und vielleicht ist es vielleicht auch nur meine eigene Schwierigkeit mit diesem Thema. Aber mein Impuls war, ja, das macht sie jetzt alles, damit sie dann wieder leistungsfähig sein kann. Also es geht nicht darum, zu reduzieren, damit es mir gut geht, sondern es geht darum, okay, wie, zumindest habe ich das in der Vergangenheit so empfunden, als ich dann nach diesem kleinen Zusammenbruch, den ich hatte, irgendwie wieder eingestartet bin. Da war das Ziel am Anfang nicht, okay, ich achte jetzt auf mich, sondern was kann ich machen, damit ich nicht mehr so einbreche?
Ja, ich weiß, was du meinst. Und ich habe das an mir in den letzten Jahren auch immer wieder festgestellt, dass es eher in meinem Kopf auch eher in so eine Richtung ging. Wobei ich gleichzeitig festgestellt habe, dass ich zum Beispiel meinen Körper zusätzlich unter Stress setze, indem ich nicht esse, wenn ich viel arbeite. Ja, und das packt ja auf das sowieso schon empfundene Stresslevel noch mehr tatsächlich physischen Stress drauf, weil dein Körper auf einem Minimum an Nahrungsmitteln quasi funktionieren soll. Also du gibst ihm nichts und er soll daraus maximale Effizienz machen. Das ist so dumm. Und von daher, ich glaube, die Frage ist immer, was ist so die Perspektive, warum man es macht? Also denkst du darüber nach, wie du dich besser ernähren kannst, damit du wieder genauso ballern kannst wie vorher? Oder denkst du darüber nach, wie du dich besser ernähren kannst, weil du verstehst, dass du deinem Körper zusätzlichen Stress zufügst, wenn du es nicht tust? Ja, genau. Und so aus der Brille habe ich gerade, als ich den Fall gelesen habe, so ein bisschen aus der Maxi vor ein paar Jahren Brille drauf geguckt. Weil da wäre es auf jeden Fall gewesen, um weiter ballern zu können. Und da bin ich auch, ich kann mich auch erinnern, dass ich dann auch immer ins Gym gegangen bin. Und du weißt, ich hasse das Gym. Ich finde es absolut schrecklich. Und ich bin aber, habe mich immer hingeschleppt, weil ich mir dachte, du musst Sport machen, weil das entspannt dich. Und dann kannst du wieder mehr leisten, so in dem Sinne.
Und das hat sich ja bei mir zum Beispiel im letzten Jahr komplett gedreht. In dem Sinne, dass ich jetzt gar nicht mehr ins Gym gehe und Sport gefunden habe, der mir actually Spaß macht und jetzt Sport mache, der mir Freude bereitet und quasi in dem Sinne irgendwie gecheckt habe, dass es nicht darum geht, dass du ums Verrecken irgendwas an Sport machst. Und auch wenn du es absolut hast, weil das hat mir am Ende einfach nur noch mehr Stress gemacht, sondern dass es ja auch nicht nur um die körperliche Abwechslung geht, sondern ja auch, dass du auch irgendwie abschalten kannst in deinem Kopf, während du Sport machst. Ja, ich glaube, also für mich war das auch ein ganz wichtiger Perspektivwechsel, festzustellen, dass Sport nicht noch ein To-Do auf meiner Liste ist, weil mich das noch mehr gestresst hat. Oder gesund kochen, noch ein To-Do auf meiner Liste, jetzt muss ich das auch noch machen.
Ich dann, also auch ganz lange, ich habe mich in den letzten zwei, drei Jahren sehr viel damit beschäftigt und habe mich selber festgestellt, dass wenn ich diese Dinge quasi betrachte als weitere To-dos, es mein subjektives Stressempfinden nur noch schlimmer macht. Weil es natürlich einfach nur dazu führt, dass ich noch einen Task auf meiner Liste habe und ich das nicht selber empfinde als, ich gebe mir da eine Pause und ich kümmere mich um mich, sondern ich setze nur was on top. Ja, am besten noch, ich muss auch gerade daran denken, wenn ich dann ins Gym gegangen bin, dann habe ich da am besten auch noch einen systemischen Psychotherapie-Podcast angemacht, damit ich in der Zeit auch noch was lerne. Maximale Effizienz. Ja, natürlich. Das ist eigentlich so bescheuert. Ja, es ist wirklich krass. Und das Schlimme daran ist ja, unser Gehirn selber ist Meister der Ressourceneffizienz. Das heißt, nichts, was es tut, tut es ohne Grund. Wenn du also über Monate hinweg dieses Verhalten an den Tag legst, du also beim Sport am besten noch einen Lern-Podcast hörst, um in deinem Job besser zu werden und ich weiß nicht, beim Kochen parallel noch Dokumente liest, damit du das auch schon mal gemacht hast oder vielleicht noch ein Arbeitstelefonat führst, während du gerade Sport machst, um maximal effizient zu sein, dann beginnt unser Gehirn natürlich, sich zu erinnern.
In diesem andauernden Alarmzustand quasi, in diesem andauernden Zustand von Anspannung umzubauen. Das heißt, wenn wir unser Gehirn und unseren Körper immer so überfordern, dann fängt unser Gehirn an, sich umzubauen. Das heißt, es setzt quasi andere Prioritäten, weil wir andere Prioritäten setzen. Wenn unser Gehirn also dauernd in diesem Hyperzustand ist von 500 Sachen parallel machen und sehr viel leisten müssen die ganze Zeit.
Also investiert es quasi nicht mehr in so Luxusfunktionen wie kreatives Problemlösen oder geduldig abwägen oder sowas, sondern es geht nur noch um jetzt überleben und jetzt auch überleben und jetzt müssen wir auch überleben. Also so in dem Sinne, okay, du brauchst von mir das, also baue ich mich auch so um, dass ich nur noch das kann. Genau. Erinnerst du dich noch an das Prinzip aus der Vorlesung, alles was nicht gebraucht wird, wird abgebaut? Hey, ja, ja, ja, ja. Es ist genau das Prinzip. Es ist quasi, als würdest du während einer, angenommen, wir wären in einem Krieg, Und wir würden belagert werden. Und dann würde die Stadt, weiß ich nicht, im Opernhaus und in der Bibliothek den Strom ausmachen und diese Einrichtungen schließen, damit die Verteidigungsanlagen mehr Strom quasi haben und mehr Ressourcen zur Verfügung haben. Für den Moment total smart. Aber wenn die Belagerung Jahre andauert, vergessen Bewohner irgendwann, wie man liest, weil sie ewig nicht mehr in die Bibliothek waren, angenommen, sie hätten keine eigenen Bücher. und das Opernhaus verfällt komplett, weil es nicht genutzt wird, nicht verwendet wird.
Und dann muss man sich die Frage stellen, ist das noch klug? Im Gehirn muss man sich das quasi so vorstellen. Du hast die zwei wichtigsten Hauptakteure, wenn man so will, in deinem Gehirn, was Stress und Burnout angeht, sind auf der einen Seite der präfrontale Kortex, auch PFC, kurz abgekürzt. Und gealter Freund. Das ist quasi der innere CEO. Der sitzt direkt hinter der Stirn, also quasi könnt ihr, wenn ihr durch euren Kopf durchgucken könntet, von vorne könnte man ihn hinter der Stirn sehen. Und der präfrontale Kortex ist zuständig für sowas wie Logik, Impulskontrolle oder auch die Fähigkeit, die Zukunft zu planen. Das ist der jüngste Bereich unseres Gehirns und quasi auch das Juwel der menschlichen Schöpfung, weil wir aufgrund dieses präfrontalen Kortex Eigenschaften an den Tag legen können, wie zum Beispiel die Zukunft zu planen. Was etwas ist, das sehr viele andere Tiere zum Beispiel nicht können. Und auf der anderen Seite haben wir die Amygdala, die sitzt rechts und links, die haben wir zweimal, ungefähr über dem Ohr. Und das ist sowas wie ein biologisches Alarmsystem. Extrem alt, wirklich einer der ältesten Teile des Gehirns, sehr schnell und hoch emotional, wenn man so will, weil der Job der Amygdala ist, Gefahren zu erkennen und Emotionen auszulösen, quasi vor allen Dingen Angst.
Und normalerweise gibt es im Gehirn eine ganz klare Hierarchie. Der Chef, der CEO, ist der präfrontale Kortex. Und der hält die Amygdala an der kurzen Leine. Das heißt, der präfrontale Kortex sagt, wenn dein Chef dich zum Beispiel anschreit, ja, der hat dich gerade angeschrien, aber meine liebe Amygdala, wir werden nicht sterben. Wir atmen jetzt alle einmal tief durch und dann ist das in Ordnung. Das ist der Achtsamkeitscoach. Der ist quasi der, der alles zusammenhält, der alles reguliert, der alles auch kontrolliert im Sinne von starke Emotionen stoppt, der logisch einsortiert quasi. Aber unter anhaltendem Stress passiert etwas, das Forscher der Yale University sehr intensiv untersucht haben. Denn unter chronischer Belastung fluten Stresshormone, zum Beispiel Cortisol, das System. Und diese Hormone wirken so ein bisschen wie so eine Schere an den Verbindungen zum präfrontalen Kortex. Das heißt, die Synapsen, also die neuronalen Verbindungen, die neuronalen Zellen im präfrontalen Kortex, die im Grunde, man könnte sagen, wie so physische Brücken sind, also über Synapsen wird ein Reiz quasi im Gehirn immer weitergegeben, die beginnen zu schrumpfen.
Man nennt das auch Dendritic Spine Loss. Das heißt, der CEO, unser präfrontaler Kortex, verliert die Kommunikationsleitung zu anderen Bereichen im Gehirn. Er wird also immer schwächer und verliert die Kontrolle, weil er nicht mehr mit anderen Bereichen im Gehirn kommunizieren kann. Und das Schwierige daran ist, wenn dieser PFC, also der präfrontale Kortex, schrumpft bzw. Die Kommunikationsfähigkeit nachlässt, passiert in der Amygdala genau das Gegenteil. Sie wächst, sie wird aktiver, da passiert mehr.
Das heißt im Grunde, die Region, um so ein bisschen bei dieser, wenn wir in einer Stadt wären und es gäbe eine Belagerung, wie würden wir den Strom verteilen, um in dieser Idee zu bleiben. Die Region, die für Angst und Alarm zuständig ist, kriegt richtig viel Ressource. Mehr Verbindung, mehr Macht, mehr Strom, da geht richtig was ab. Und dein Gehirn baut sich so um, dass dieser Bereich sehr viel Ressource bekommt. Und der Bereich, der zuständig ist, um diese Angstreaktion zu kontrollieren, um da Kontext reinzubringen, um das ein bisschen runterzufahren, der kriegt immer weniger Ressource. Da werden die Brücken gekappt, der Strom wird abgeschaltet. Also ich formuliere das natürlich gerade sehr, sehr platt. In der Neurobiologie ist es deutlich komplizierter. Aber um es grundsätzlich zu verstehen, ist das basically, was passiert. Und das Problem dabei ist aber ja, dass wir ja nicht im Krieg sind und auch eigentlich in den meisten Fällen nicht in überlebenskritischen Situationen sind, wenn wir unser Gehirn in diesen Modus quasi versetzen. Die Gefahr ist heute ja quasi die endlosen E-Mail-Fluten oder der toxische Arbeitskontext, vielleicht der, in dem wir arbeiten oder auch der, den wir uns selbst machen. Und unser Gehirn reagiert darauf aber mit dem gleichen Programm wie.
Wenn jetzt eben tatsächlich Krieg wäre oder wenn da jetzt ein Säbelzahntiger vor uns stehen würde, die Amygdala, die Feuer trotzdem, ist ihr scheißegal, ob das jetzt Males sind oder ob das eine akute Lebensgefahr ist, die kriegt einfach, wie du gesagt hast, mehr Macht, mehr Ressourcen, wird dadurch stärker und die, das ist so crazy, weil die emotionale Färbung ist dann einfach tatsächlich eine ähnliche beziehungsweise die gleiche. Und das finde ich so verrückt, dass wir unser Gehirn so verarschen können, dass die E-Mail-Flut diese gleichen Reaktionen auslöst. Weil wir es umprogrammieren. Das, was wir gerade beschrieben haben, passiert, wenn wir unser Gehirn dauerhaft diesem Cortisol, also diesem Stresshormon ausliefern. Und ganz grundsätzlich sind Stresshormone nichts Negatives. Im Gegenteil, wir brauchen sie, um in bestimmten Situationen zu funktionieren. Wenn wir mal eine Nachtschicht einschieben oder sowas, was manchmal sein muss. Und ab und zu darf das auch sein, das ist in Ordnung. Aber wenn wir die ganze Zeit auf einem sehr hohen Stresslevel laufen.
Dann verändert sich unser Gehirn strukturell. Und dann, es passt sich an und das ist sehr nett von unserem Gehirn, dass es sich anpasst, aber es passt sich leider in einer Art und Weise an, die für uns nicht funktional ist. Man muss sich quasi vorstellen, dass der präfrontale Kortex wie so ein sehr sensibles Instrument ist. Also in der Yale-Veröffentlichung von Amy Arnston beschreibt man es zum Beispiel als Goldschatz der Evolution. Der präfrontale Kortex ist quasi das Herzstück, das wertvollste, aber er ist super wartungsintensiv. Das heißt, damit der präfrontale Kortex gut funktioniert, brauchen wir eine Balance in unserer Hirnchemie. Und normalerweise ist es so, man kann sich so ein bisschen das wie eine Kurve vorstellen, ein umgedrehtes U. Wenn man zu wenig Dopamin und zu wenig Noradrenalin hat, dann ist man unkonzentriert und eher schläfrig und logischerweise dann nicht so gut darin, Entscheidungen zu treffen. Wenn du genau die richtige Menge hast, haben wir den Sweet Spot. Dann bist du im Flow. Du bist nicht überfordert, du bist brillant. Dein Gehirn schafft es, super smarte Entscheidungen zu treffen, ohne dabei zu überdrehen, ohne auch, dass wir selber uns überdreht oder sehr gestresst fühlen.
Aber, und das ist der Plottwist auf neurobiologischer Ebene, sobald zu viel Stress in dieses System reinkommt, schießt du über diesen Sweet Spot, über dieses U hinaus. Und wenn wir das chronisch machen, also jeden Tag.
Dann werden diese Teile in unserem Gehirn nicht einfach nur müde und brauchen eine Erholung, sondern sie werden geflutet von diesen Stresshormonen, die diesen Bereich, den wir eigentlich brauchen, ja letztendlich vom Rest des Gehirns abschotten in Anführungszeichen oder zumindest die Aktivität mindern. Jetzt fragt man sich aber ja, warum macht unser Gehirn das? Also warum passt es sich an?
Also quasi so ein bisschen, ich frage mich dabei halt, warum weiß unser Gehirn das nicht besser, wenn wir so ein toxisches Arbeitsverhalten zum Beispiel an den Tag legen oder so ein Stressverhalten, warum macht unser Gehirn da mit? Und aus evolutionärer Sicht ist es so, dass der präfrontale Kortex so eingestellt ist, dass ja in einer Lebensgefahr langes Abwägen grundsätzlich ja tödlich ist und war auch in der Vergangenheit, wenn wir mal sehr, sehr viele Jahre zurückgucken. Und deshalb hat Stress die Macht, die Synapsen im präfrontalen Kortex buchstäblich zu entkoppeln. Also aus dem Sinne, wenn wir wirklich in Lebensgefahr sind, dann macht das wirklich gar keinen Sinn, wenn wir uns groß Gedanken machen und es für und wieder abwägen. Stattdessen müssen wir da ganz schnell handeln und da muss eben dann zum Beispiel die Amygdala eher einschalten. In den Yale-Studien wurde tatsächlich beobachtet, dass sich diese, man nennt es dendritische Dornen, also die winzigen Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen, dass die sich einfach sogar innerhalb von Stunden zurückbilden können. Also es hat schon einen evolutionären Sinn.
Aber so für heute, wie wir es heute benutzen, kann es auch nicht so ganz so praktisch sein, dass sich das so schnell zurückbilden kann, wenn man es chronisch betreibt. Also im Grunde kann man sich vorstellen, ich finde es so faszinierend, das Gehirn beschneidet sich quasi selbst. Man nennt das auch Pruning. Das ist quasi, ich weiß nicht, hast du schon mal das Gefühl gehabt, wenn du sehr gestresst bist, dass du irgendwie dümmer wirst? Übel, ganz, ganz schlimm. Ich habe immer ganz stark das Gefühl, dass ich in keinem der Bereiche, in dem ich dann aktiv bin, wenn es deutlich zu viel ist, dann habe ich das Gefühl, ich habe erstmal keinen Überblick und ich habe auch in den einzelnen Bereichen eigentlich nicht wirklich Ahnung, also nicht so eine tiefgehende Ahnung, sondern mache alles nur so oberflächlich und kann irgendwie auch nicht mehr. Das liegt tatsächlich daran, dass unser Gehirn sich sehr schnell in unterschiedliche Richtungen entwickeln kann, quasi in bestimmten Momenten.
Tatsächlich ist es nämlich Teil dieses Prunings, dass in bestimmten Momenten die Verbindungen zu bestimmten Gehirnen stärker oder schwächer werden können. Wenn wir uns das Ganze chronisch angucken, wenn wir also dauerhaft unter Stress stehen, ist das aber etwas, das wie schon gesagt langfristig unseren präfrontalen Kortex betrifft. Also man sieht eben in Studien, dass der präfrontale Kortex schrumpft, dass die Aktivität nachlässt. Und während das passiert, weil wenig Ressource dahin fokussiert wird und unser Gehirn mit sehr vielen Stresshormonen geflutet wird, sehen wir in der Amygdala, dass die Neuronen da nicht weniger werden, sondern quasi auch noch besser verbinden. Also sie werden so haariger, wenn man so will. Also sie bilden noch mehr Abzweigungen und damit mehr Verbindungen. Das heißt, unsere Amygdala wird noch sensibler für alles, was auch nur nach Gefahr riecht. Und das ist der Grund, weshalb wir dann auf bestimmte.
Ich habe mich mal mit jemandem unterhalten, der tatsächlich einen Full-Blown-Out-Burnout hatte. Und diese Person ist zusammengezuckt, wenn jemand eine Autotür zugemacht hat. Nur von dem lauten Geräusch. Und das ist so ein Beispiel für neuronale Paranoia. Das ist ein Beispiel dafür, was passiert, wenn du dein Gehirn so umtrainierst, dass dein präfrontaler Kortex Dinge nicht mehr einsortiert und deine Amygdala alles als Gefahr einstuft. Und was es ja auch noch schwieriger macht, gerade wenn man so einen richtigen ausgeprägten Burnout hat, ist ja auch, also es ist ja auch richtig schwer da rauszukommen, auch aus dem Grund, dass ja auch nicht nur die Amygdala damit einbezogen wird, sondern auch das Striatum, das ist ein Teil der Basalganglien in unserem Gehirn, das ist eher deutlich weiter im Inneren drin, da können wir jetzt nicht sagen von der Stirn oder an den Ohren, sondern eher so Richtung Mitte. Und das Streatum ist dafür zuständig, Gewohnheiten zu bilden und bei Stress schaltet unser Gehirn um von so zielgerichtetem Arbeiten, wie du vorhin gesagt hast, so Kreativität oder so im Flow sein, neue.
Dinge erfinden, neue Dinge einfallen lassen, schaltet um auf gewohnheitsmäßiges Verhalten, also quasi es schaltet um auf Autopilot, so habe ich es mir gemerkt und das erklärt auch, warum wir unter Stress einfach auch immer wieder die gleichen Fehler machen, obwohl wir es besser wissen. Und was dann auch natürlich dazu führt, dass es für uns nochmal schwerer ist, da rauszukommen und unsere Gewohnheiten zu ändern, weil wenn wir in dem Stressmodus sind, dann sind wir einfach in diesem Trott drin, in diesem Autopiloten und da rauszukommen braucht natürlich ein gewisses Maß an Anstrengung, würde ich mal sagen. Man kann sich so vorstellen, wir haben dann da uns eine Autobahn gebaut, die eigentlich zum logischen Denken geht und zum freieren Denken, sage ich mal. Und die ist aber gesperrt, wenn wir eben den Stress quasi so, so zulassen uns im Hirn, dass es eben wirklich ein Burnout gibt. Die einzige offene Straße oder vielleicht Abfahrt ist so eine rostige alte Landstraße. Und es ist so die Straße der Gewohnheit quasi. Und wir können nur die entlangfahren. Und um auf die Autobahn zurückzukommen, müssten wir die Kapazität haben, uns was Neues zu überlegen. Aber die ist ja gesperrt dadurch, dass wir ja nur diese eine Straße haben. War das gerade logisch? Ich fand es sehr nachvollziehbar.
Wie können wir uns das also vorstellen, Um einmal zurückzukommen zu dem Beispiel, ich stehe vor der Kaffeemaschine und ich kann mich plötzlich nicht mehr entscheiden, welche Kaffeekapsel ich nehmen soll. Wir können uns zusammenfassend vorstellen, dass in dem Moment in unserem Gehirn quasi unsere kognitive Hardware insofern umgebaut wurde, als dass wir sehr gut in der Lage sind, Panik zu empfinden und Dinge als Gefahr einzusortieren und uns gestresst und ängstlich zu fühlen. Aber unser präfrontaler Kortex insofern abgekoppelt ist, als dass wir eine einfache Entscheidung nicht treffen können, weil wir die Hardware dafür abgebaut haben, weil wir Ressourcen verschoben haben. Jetzt haben wir ganz viel über das gesprochen, was theoretisch im Gehirn passiert in so einer Situation. Es gibt aber ja unterschiedliche Berufsfelder zum Beispiel, die fast schon als Labor für chronischen Stress bezeichnet werden können. Eins davon ist das Gastgewerbe. Ich dachte es mir schon.
Ich wollte gerade schon raten, ich war so, Gastro? Wer von euch schon mal in der Gastro gearbeitet hat, wird das nachvollziehen können. Ich weiß nicht, Maxi, hast du schon in der Gastro gearbeitet? Nee, ich habe noch nie in der Gastro gearbeitet.
Ich habe häufiger mal meinem kleinen Bruder zugeschaut, wie der in der Gastro arbeitet und dachte mir... Das ist ganz schön stressig. Also deutlich stressiger als jeden Job, den ich bisher in meinem Leben so gemacht habe. So richtig, Gastro war bei mir nicht dabei. Ich habe schon in der Gastro gearbeitet, während der Studienzeit relativ lange und fand das, als ich das gelesen habe, ein sehr schönes Beispiel. Es gab von Lederer eine Fallstudie im Journal of Hospitality and Tourism Cases, in der beobachtet wurde, dass dieses System im Grunde übertragbar ist auf fast alle modernen Arbeitswelten, aber beispielsweise in der Gastro zu sehen ist. Also es beschreibt quasi, wie Menschen reagieren, die in einem System arbeiten, das auf ständige Alarmbereitschaft ausgelegt ist. Unvorhersehbarkeit, hohe Taktung, emotionale Arbeit. Und an der Stelle sieht man das Prinzip der sogenannten allostatischen Last. Allostase ist ein Begriff, den können wir uns an der Stelle einmal merken, da kommen wir später nochmal darauf zurück, der im Grunde das Gegenteil von Homeostase bedeutet. Homeostase bedeutet, dass der Körper ein Gleichgewicht hält, zum Beispiel wie so ein Thermostat, die Temperatur, also immer möglichst gleichbleibend.
Und Allostase bedeutet Stabilität durch Veränderung. Das heißt, unser Körper passt seine Werte an die Belastung an. Ganz simpel formuliert, wenn wir losrennen, brauchen unsere Muskeln mehr Sauerstoff. Deswegen erhöht sich unser Herzschlag und damit auch unsere Atmung. Also Allostase, Stabilität durch Veränderung, wir passen unsere Sollwerte an die Belastung an. Und in Lederers Studien sieht man tatsächlich, dass Mitarbeiter, die über Jahre hinweg in einem Zustand von Hypervigilanz leben, also von sehr großer Anspannung.
Dass man bei denen sehen kann, dass das Nervensystem gelernt hat, wenn wir uns entspannen, wird es gefährlich. Denn wer sich entspannt, übersieht, dass Tisch 4 die Rechnung haben möchte oder dass Tisch 3 bestellen will oder dass es in der Abrechnung einen Fehler gegeben hat. Das Ergebnis ist, dass unsere biologischen Regler im Gehirn dauerhaft nach oben gedreht werden. Das heißt, wir sind immer hypervigilant, wir sind immer auf Strom, der Blutdruck bleibt weiter oben, der Cortisol-Spiegel sinkt bei Menschen, die über Jahre in der Gastronomie zum Beispiel arbeiten, auch nach Feierabend nicht mehr ab. Das heißt, die Leute werden in ihrem Job super effizient und im Privatleben können sie aber nicht mehr runterschalten, weil ihr Gehirn die Fähigkeit verliert, diesen Alarmmodus auszumachen. Sie sind also neurobiologisch mit dem Gehirn immer noch im Restaurant, selbst wenn sie im Bett liegen. Das sind dann so die Momente, wo man, also ich stelle mir das gerade so vor.
Man kann es jetzt ja, es ist ja jetzt nicht nur die Gastro, sondern es kann man ja auch auf andere Arbeitsbereiche umwandeln. Und ich frage mich gerade, ob das dann so Momente sind, die ich jetzt vielleicht von mir aus der Vergangenheit kenne, dass ich nach Hause komme von einem Tag, bei mir jetzt in der forensischen Psychiatrie, wo irgendwie die ganzen Tag irgendwas war. Jemand ist ausgerastet, jemand musste in den Krisenraum, Zwangsmedikation hier.
Dann Streit und Diskussion im Team da. Und da gab es schon mal Tage, wo ich dann nach Hause kam und dann irgendwie das Gefühl hatte... Also runterkommen ist gerade wirklich gar nicht. Und dass ich dann irgendwie die ganze Zeit in so einem Tun-Modus war und mich nicht so richtig chillen konnte, sag ich mal. Also dann habe ich dann mit meinem Mann zum Beispiel auf dem Sofa gesessen, aber während ich die Serie geguckt habe, entspannt habe ich mich dabei nicht. 100 Prozent. Das ist genau das, was es beschreibt. Und wir haben vorhin bei der theoretischen Erklärung einen ganz wichtigen Akteur vergessen oder übergangen, nämlich den Hippocampus. Der Hippocampus ist auch rechts und links bei der Amygdala über den Ohren. Und der Hippocampus, den kann man sich so ein bisschen vorstellen wie so ein Bibliothekar. Der ist zuständig für unser Gedächtnis und für die Einordnung von Kontext. Das heißt, der Hippocampus hilft uns dabei zu sortieren, ist das gerade eine wirkliche Gefahr oder ist das einfach nur eine nervige E-Mail? Ist das gerade tatsächlich ein Problem oder kann ich diesen, weiß ich nicht, die zwei Cent auf der Rechnung ignorieren? Ist kein Problem. Mhm.
Jetzt ist die Situation aber die folgende, wenn wir uns grundsätzlich den Kortisolspiegel im Gehirn angucken, also dieses Stresshormon, dann sollte dieser Kortisolspiegel morgens hoch sein, damit wir wach werden und bereit sind für den Tag. Und abends sollte er absinken, damit das Gehirn sich über Nacht reparieren kann. Wenn das Gehirn aber vergisst, wie man runterfährt, bleibt dieser Kortisolspiegel dauerhaft hoch. Wir haben vorhin schon gelernt, dass ein dauerhafter Kortisolspiegel die Verbindungen zwischen unserem präfrontalen Kortex, also unserem Geschäftsführer und dem Rest des Gehirns verschlechtert. Und der Hippocampus, unser Bibliothekar, der für Gedächtnis und Kontext zuständig ist, für den ist hoher Kortisolspiegel über lange Zeit absolutes Gift. Im Hippocampus sterben Neuronen ab, wenn wir dauerhaft einen hohen Stresslevel haben. Und das Problem daran ist, wenn der Hippocampus schwächer wird, fällt es uns noch schwerer zu unterscheiden, ist das gerade wirklich eine Gefahr oder nicht.
Und das hat man auch in unterschiedlichen Studien von der Universität Yale gesehen. Während diesem Prozess, während sich ein Burnout bildet, weil im Grunde ist Burnout nur die Endbeschreibung vom fertigen Umbau des Gehirns, ist es quasi wie so ein Teufelskreis. Bei hohem Kortisolspiegel wird der PFC schwächer. Das heißt, unser Geschäftsführer im Gehirn kann nicht mehr kommunizieren und kann sagen, hey, ist kein Problem, fahr mal wieder runter. Die Amygdala wird stärker, das heißt unser Gehirn hat Daueralarm im Kopf und der Hippocampus schrumpft durch den andauernd hohen Cortisol-Spiegel, was dazu führt, dass unser Hippocampus auch keinen Kontext mehr geben kann. Normalerweise unterstützt er den präfrontalen Kortex und sagt, hey guck mal, in der Vergangenheit war das mit der Rechnung auch kein Problem und dann sagt der präfrontale Kortex, Amygdala, chill mal bitte deine Base, es ist wirklich kein Ding.
Aber durch diese Machtverschiebung können weder Hippocampus noch präfrontaler Kortex die Amygdala noch so kontrollieren, wie sie kontrolliert sein sollte. Und das Ergebnis ist, dass wir da jemanden haben, dessen komplette Welt im Grunde nur noch aus Alarmzustand besteht, unfähig, diesen Alarm wirklich rational zu bewerten oder sich noch daran zu erinnern, dass es irgendwann mal anders gewesen ist. Und das ist der Punkt. Das ist der Moment, in dem wir von außen einen Burnout sehen können. Das ist der Moment, in dem diese Person merkt, bis hierhin und weiter kann ich nicht. Und dieses bis hierhin und weiter kann ich nicht ist das Ergebnis aus diesem strukturellen Umbau. Und das, was unser Gehirn an der Stelle macht, ist zu sagen, wir müssen das hier abschalten, wir müssen das hier stoppen, Wir müssen dieses System einmal komplett blockieren, weil ich den Kern, also das grundsätzliche Gehirn und diesen Menschen und die Gesundheit schützen muss und retten muss. Und das ist der Moment, in dem die Leute mit einem Burnout an den Punkt kommen, dass sie morgens nicht mehr aus dem Bett aufstehen können.
Davor ist im Grunde der ganze Burnout-Prozess schon passiert. Und das heißt eigentlich, wenn man es von außen sieht, ist es quasi in dem Sinne erstmal, es ist ja schon reversibel, aber erstmal so zu spät, dass das Hirn sich schon umgebaut hat und man jetzt richtig viel Anstrengung und Kraft da reinsetzen muss, um diese Umstrukturierung wieder rückgängig zu machen. Ich stimme dir insofern zu, als dass das der Moment ist, in dem der Umbau passiert ist. Aber du hast es vorhin selber gesagt, der Irrglaube, dass dann da Anstrengung investiert werden muss, um das wieder umzubauen. Das ist ja genau das, was wir nicht tun sollten. Anstrengung investieren. Ja, ich glaube, ja, warte, ich glaube, du hast mich falsch, oder ich habe es falsch gesagt. Ich meinte Anstrengung eher so in dem Sinne.
Diese kognitive Anstrengung, weil man ja jetzt lernen muss, es anders zu machen. Also man muss lernen, seine Gewohnheiten abzuändern, dass nicht alles auf Leistung gepolt ist. Man muss, also diese kognitive Anstrengung zu merken, so wie es jetzt war, geht es nicht weiter und ich darf mir zum Beispiel Pausen nehmen und ich muss auch auf mich achten. Das ist ja was, was natürlich erstmal was weniger tun ist, aber ja im Kopf eine Umstrukturierung quasi in den eigenen Glaubenssätzen zum Beispiel braucht und das habe ich für mich auch unter Anstrengung verknüpft, weil das ist ja was, was herausfordernd ist für viele Menschen, weil das ja auch was Identitätsstiftendes manchmal hat. Auf jeden Fall, auf jeden Fall. Jetzt stellt sich natürlich vielleicht für einige von euch die Frage und ich hatte mir diese Frage auch gestellt, naja gut, aber wie viel ist denn dann okay? So ab wann ist es denn nicht mehr gesund, auch mal eine Nachtschicht zu machen oder was weiß ich, weil ein bestimmtes Level können wir ja gut verkraften. Und da muss man, da ist es auch bei jedem so ein bisschen individuell unterschiedlich, aber man kann unterscheiden zwischen kurzfristig adaptivem Verhalten, also quasi wenn du eine Deadline hast, dann ist dein Gehirn ja genauso wie wir es beschrieben haben, auf Dauerstrom quasi. Man weiß, okay, wir müssen das jetzt machen und es ist super, dass dein Gehirn da so auf Dauerstrom gerade läuft. Das heißt, dein Gehirn macht dich wach, fokussiert und tatsächlich auch, fand ich ganz spannend, schmerzunempfindlich.
Das bedeutet, es rettet dich durch die Nachtschichten, es rettet dich durch vielleicht sportliche Höchstleistungen. In dem Moment, wo du weißt, okay, das ist zeitlich begrenzt, da ist eine Deadline und bis dahin muss es fertig sein. Schwierig wird es dann, wenn diese Phase von Dauerstrom, ich muss fertig sein, ich muss das machen ganz schnell, ganz schnell, wenn das halt nicht aufhört.
In der Forschung gibt es da einen Prozess, der als physiologische Erosion bezeichnet wird. Das bedeutet, wenn ein System dauerhaft auf Hochtüren läuft, dann fangen die Rezeptoren an abzustumpfen. Das kann man sich so ein bisschen vorstellen wie auf so einer Party. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt. Ich kenne das, wenn man auf einer Party ist und es ist so richtig laut. Und manchmal stört mich das am Anfang sehr. Aber wenn man so zwei, drei Stunden da ist, dann merkt man es eigentlich gar nicht mehr so wirklich. Also dann stört es einen nicht mehr so sehr.
Aber ich denke jetzt gerade an mich, wenn man dann zum Beispiel von der Clubnacht dann wieder nach Hause kommt, dann merkt man irgendwie, irgendwie ballert es noch in den Ohren, irgendwie kann das nicht so ganz gesund für meine Ohren gewesen sein. Aber so richtig wahrgenommen habe ich das dann nicht mehr. Also dieses Abstumpfen durch diese Dauerbeschallung, die kann man da finde ich ganz gut beobachten.
In deinem Gehirn allerdings passiert da natürlich nochmal was, was auf Dauer deutlich schädigender ist, als jetzt einmal diese Clubnacht für die Ohren. Unter chronischem Stress sinkt nämlich die Dopaminsensitivität, wie Bab sie jetzt gerade schon gesagt hat. Und das bedeutet auch, dass Dinge, die dir früher Freude bereitet haben, wie zum Beispiel Essen oder ein Treffen mit Freunden oder vielleicht eure Hobbys, die lösen keine Reaktionen mehr aus. Also man kann sagen, das Gehirn baut die Belohnungsstruktur ab, die Belohnungsarchitektur, unser Belohnungszentrum, weil es alle Energie für den Aufbau dieses Alarmmechanismus braucht, also für diese Gefahrenarchitektur, sag ich mal. Und genau das ist der Moment, in dem dann halt aus Stress Burnout wird. Es ist ja nicht nur die Erschöpfung, sondern es ist ja auch diese funktionelle Unfähigkeit, Freude oder Sinn zu empfinden. Und da muss man auch in der Diagnostik auch dann unterscheiden, weil es ja dann auch sich oft ähnlich anfühlt wie Depressionen. Aber ein Burnout unterscheidet sich von Depressionen eben insofern, dass es eben daran liegt, dass dein Gehirn sich so umstrukturiert und so voll überflutet von Stress war, dass es nicht mehr in der Lage ist, neurobiologisch nicht mehr in der Lage ist, ein Gefühl von Belohnung zu erfahren oder eben mal kurz von dieser Belastung abzuschalten.
Ich glaube, was man sich von dieser Folge ganz gut merken kann, ist, dass nicht die Belastung an sich das Problem ist, sondern der Kontext, in dem diese Belastung, die wir jetzt beschrieben haben, dauerhaft wirkt, ohne dass unser System oder unser Gehirn jemals wieder den Befehl zur Entwarnung kriegt. Ich glaube, man kann sich das Ganze also in Summe im Gehirn so vorstellen, als hätte man seine eigene Stadt gebaut, die, weiß ich nicht, die Belohnungsstraße beinhaltet und die Freudenallee, zu unterscheiden von der Freudallee und den Bereich, der für Höchstleistungen zuständig ist und dann haben wir da drin noch so einen kleinen Meditationspark oder sowas. Und das alles wird umgebaut, weil wir jetzt diese Stadt auslegen auf absolute Alarmbereitschaft. Und dann werden alle anderen Dinge, denen wird Ressource entzogen. Und dann können wir irgendwann nicht mehr wieder dahin zurück.
Also langfristig natürlich schon, aber wir können uns nicht mehr auf einer tagtäglichen Basis quasi für unterschiedliche Viertel entscheiden, in denen wir gerade chillen wollen, sondern es gibt nur noch ein Hauptviertel und das ist das Alarmviertel. Ich frage mich jetzt irgendwie gerade, wie meine Stadt so aussieht, also meine Hirnstadt.
Wie viel Park habe ich noch? Oder wieder vielleicht? Habe ich eine Bibliothek? Habe ich ein Spaßzentrum? Vielleicht ein Krampolinpark? Ehrlich gesagt finde ich den Gedanken ganz cool. Ich glaube, ich mache mir nach der Folge tatsächlich mal Gedanken darüber, was ich glaube, was bei mir im Gehirn aufgrund meines Verhaltens vielleicht die größten Bauten sind und an welchen ich vielleicht mal wieder ein bisschen lackieren könnte und ein bisschen mehr Ressource investieren, ein bisschen mehr Farbe. Ja, es macht ja durchaus Sinn, das immer mal wieder zu evaluieren. Ja, wir haben jetzt ganz viel über das Gehirn gesprochen, über den präfrontalen Kortex, der schrumpft beziehungsweise Verbindungen verliert, die Amygdala, die immer mächtiger wird, den Hippocampus, für den chronischer Stress wie Gift ist. Aber wenn wir an der Stelle aufhören würden und sagen würden, so funktioniert Burnout, dann würden wir den Fehler machen, den meiner Meinung nach unsere Gesellschaft schon seit Jahrzehnten macht, was dieses Thema angeht, nämlich das Problem alleine in der Einzelperson zu suchen. Und ehrlicherweise, finde ich, müssen wir über den Kontext davon sprechen, Weil wenn wir über die Neurobiologie von Burnout sprechen und verstehen, was da passiert, dann ist, finde ich, logisch geworden, dass Burnout kein Softwarefehler ist, sondern eine logische Reaktion auf eine fehlerhafte Umgebung. Uns wird irgendwie ganz oft gesagt, du musst resilienter, widerstandsfähiger werden, mach mal ein bisschen Achtsamkeit, meditier einfach mal, optimier deinen Schlaf.
Aber aus neurobiologischer Sicht ist das so ein bisschen so, als würde man sagen, löscht dieses brennende Haus mit so einer kleinen Kinderwasserpistole, während jemand anders im Hintergrund Benzin reinkippt. Also wenn wir diese strukturellen Bedingungen wie beispielsweise ständige Erreichbarkeit, fehlende Autonomie oder auch sehr stressige Arbeitsumgebungen, bei denen ich auch um 22 Uhr noch angerufen werden kann, weiterhin so aufrechterhalten, dann ist quasi diese Umverdrahtung im Gehirn ein Schutzmechanismus. Unser Gehirn muss sich umbauen, um überhaupt mit den Anforderungen mitzuhalten und gleichzeitig führt es zwangsläufig dazu, dass unser Gehirn irgendwann an die Belastungsgrenze kommt. Das heißt, was mir total wichtig ist, ist die Verantwortung liegt nicht bei jeder einzelnen Person, einfach zu gucken, wie kann ich denn besser funktionieren.
Sondern sie liegt in der Gestaltung unseres Lebens und in der Gestaltung vom Kontext, den wir geben. Das heißt, wenn wir sagen, jemand hat einen Burnout, dann sollten wir aufhören, weil ich das Gefühl habe, dass das häufig der Fall ist, die Person quasi dafür moralisch zu bewerten, weil ein Burnout keine Charakterschwäche ist und Burnout ist auch keine, ich weiß nicht, jemand, der irgendwie zu dumm war, um sein Leben zu organisieren oder sowas, sondern es ist der Versuch unseres Gehirns, in einer unnatürlichen Umgebung zu überleben. Das heißt, das nächste Mal, wenn wir uns überlegen, sollten wir resilienter oder widerstandsfähiger sein oder wie kann ich leistungsfähiger sein, Maxi?
Ich habe das hinter, nein, habe ich nicht hinter mir gelassen, aber es wird besser. It's a process. Also wir beide könnten uns für die Zukunft folgende Frage stellen. Welche Strukturen können wir bauen, in denen unser System so sicher und gleichzeitig leistungsstark wie möglich sein kann? Das heißt, eigentlich sollten wir versuchen, in dem System, in dem wir leben, was Burnout eher anfeuert, so wie du gerade gesagt hast, dieser gesellschaftliche Kontext, sollten wir eigentlich versuchen, ein Subsystem zu bauen, in dem wir Strukturen haben, die es uns erlauben, weniger leistungsfähig zu sein? Hm.
Oder sicher zu sein. Die uns erlauben, sicher zu sein, während wir leistungsfähig sind. Also wie für uns eine Erschaffung eines Subsystems im großen System, was uns beschützt. Ja, denn wir haben gelernt, Stress verändert die physische Struktur unseres Gehirns. Es baut quasi unsere Gehirnstadt um, wenn wir so wollen. Es ist also kein Defekt, sondern eine Anpassung. Burnout heißt nicht leer sein, sondern im Grunde strukturell umgebaut sein, auf ein Alarmsystem umgebaut sein. Und wenn wir das Ganze wieder zurückbauen wollen, dann hilft es nicht, uns noch mehr anzustrengen, sondern wir müssen überlegen, wie wir den Kontext ändern können, wie wir unser Gehirn entlasten können. Wie wir dafür sorgen können, dass andere Viertel in unserer Gehirnstadt wieder mehr Ressource, mehr Strom und mehr Farbe bekommen, damit wir von diesem Alarmzustand wegkommen zu einer bunten, lauten, wunderschönen Stadt mit ganz vielen unterschiedlichen spannenden Vierteln, die alle Ressourcen bekommen, zwischen denen wir hin und her switchen können, damit wir mal eine Nachtschicht machen können, aber auch super entspannt den ganzen Tag in einem Spa verbringen, ohne dass unser Gehirn sowas sagt wie, oh mein Gott, hast du das gehört? Das war ziemlich laut. Ich glaube, das ist problematisch.
Das klingt so stressig auch fürs Gehirn. Ich stelle mir das Gravita-Wie aus dem Film Alles steht Kopf vor und es ist einfach nur absolut stressig für alle anderen anwesenden kleinen Figürchen, die so in unseren Köpfen mitsteuern. Und dann ist einfach da so ein absoluter Stressor drin, der ständig.
Da irgendwelchen Stress und irgendwelche Hektik macht. Ja, und wenn wir den zu viel füttern, dann wird er übermächtig. Wenn wir also das nächste Mal merken, dass uns eine Kleinigkeit überfordert, dann sollten wir nicht so hart zu uns selber sein. Ich versuche mir in Zukunft vorzustellen, dass quasi der Geschäftsführer in meinem Kopf, mein präfrontaler Cortex, vorübergehend die Verbindung zum Rest des Teams verloren hat, weil die Belastung zu groß war. Wenn du Fragen dazu hast, schreib uns total gerne in die Kommentare oder schreib uns beziehungsweise nimm am Q&A nach der Folge bei Spotify teil. Bewerte uns gerne überall, wo du uns bewerten kannst. Gib uns fünf Sterne, schreib uns voll gerne eine Nachricht bei Instagram. Und in diesem Sinne würde ich sagen, seid lieb zueinander. Bitte seid lieb zu eurem präfrontalen Kortex. Der Arme kann auch nichts dafür. Macht euch mal Gedanken über eure innere Stadt.
Was hältst du davon, wenn wir uns jetzt erstmal Gedanken machen, wie unsere innere Stadt aussieht? Ich hab das Gefühl, ich will es mir irgendwie aufmalen. Ich find das auch gut. Ich bin gespannt, wie eure inneren Städte aussehen. Peilt sie gerne mit uns, wenn ihr sie auch aufmalt. Das find ich richtig spannend. Also, macht's gut und wir sagen Tschüss!
Da wo Synapsen feiern. Feiern? Da wo Synapsen feiern.