Wir glauben gerne, wir wären die Helden unserer eigenen Biografie. Aber die Realität ist, unser Gehirn ist ein sozialer Opportunist. Wir nehmen die Droge nicht, weil wir den Rausch suchen oder weil ein Dealer uns bedroht. Wir nehmen sie, weil wir die Stille nicht ertragen, die entsteht, wenn wir Nein sagen. Wir opfern unsere körperliche Integrität für ein kurzes Nicken am Küchentisch. Gruppenzwang ist kein Schicksal, das uns zerstört, es ist ein biologischer Reflex, mit dem wir uns selbst verraten, nur um nicht für eine einzige Sekunde sozial isoliert im Raum zu stehen. Willkommen bei Blackbox, der Psychologie-Podcast, der dich mitnimmt in die Tiefen der menschlichen Psyche. Ich bin Maxi. Und ich bin Babsi. Als studierte Psychologinnen schauen wir uns an, warum Menschen fühlen, denken und handeln in Extremen wie im Alltag. Dabei verbinden wir Psychologie mit echten Geschichten direkt aus dem Leben. Von Beziehungen über Verbrechen bis hin zu außergewöhnlichen Case Studies.

Von diesen gottlosen Folgen, die für Maxi und mich morgens um 20 nach 6 aufgenommen werden. Ich wollte es gerade sagen. Kurz überlegt, sag es jetzt, will ich Mitleid scheffeln? Ja, ich will Mitleid. Ich will Mitleid dafür, um 6.20 Uhr hier zu sitzen. Wir sind auch schon seit einer halben Stunde wach, weil du musst ja das ganze Set aufbauen. Und ja, es ist einfach nur belastend, ich sage es dir ehrlich. Ehrlich gesagt will ich auch für ein bisschen mehr Realität auch in diesem Podcast. Für ein bisschen mehr Fakten. Für ein bisschen mehr Fakten. So ist es. Ja, wir haben noch nicht genug Fakten, weißt du. Nee, Quatsch. Aber ja, so ist es, Freunde. Es ist 20 nach 6 an einem Wochentag. Zum Glück, stell dir vor, es wäre Sonntag. Oh Gott. Boah, ja, wenigstens einen Wochentag. Da müssen wir eh arbeiten. Müssen wir eh früh aufstehen. Aber das sind ja nochmal zwei Stunden vor meiner normalen Aufstehzeit. Ja, mir geht's genau so. Aber wir reden heute zum Glück ja über ein, wie ich finde, interessantes Thema, über das wir bisher noch nie gesprochen haben und dessen Titel bei mir direkt einen Ohrwurm auslöst. Soll ich singen, damit du den Ohrwurm nochmal deutlicher im Kopf hast, falls du dir vielleicht doch nicht mehr so ganz sicher bist mit dem Lied? Ja.

Ich weiß aber nicht, ob ich mich sechs Uhr morgens dazu in der Lage fühle. Also meine Freunde, ich mache es aber ganz kurz für euch, weil ich habe vorher von der Folge gesagt, dass ich es mache. Die Rede ist gerade vom Song Willst du mit mir Drogen nehmen von Alligator? Einige von euch werden es kennen. Ich glaube, bei uns war das in der Schulzeit voll der beliebte Song. Wir haben den dauernd gesungen. Also ehrlich gesagt, höre ich ihn wieder, seitdem wir diesen Titel für diese Folge ersonnen haben.

Willst du mit mir Drogen nehmen? Dann wird es rote Rosen regnen.

Also wenn ich nicht wüsste, dass ich mit dir rede, hätte ich dich stimmlich nicht erkannt. Ja, sehr gut. Das klingt viel krass. Das dachte ich mir schon. Deswegen wollte ich es ja mal demonstrieren, weil es ist vom Original einfach nicht zu unterscheiden. Wunderschön. Ja, dankeschön, dankeschön, dankeschön. Das bedeutet mir viel. Heute sprechen wir darüber, wie genau Gruppenzwang eigentlich funktioniert und sprechen insbesondere über Gruppenzwang im Hinblick auf Drogenkonsum. Es ist wichtig zu wissen, dass in der Sozialpsychologie Menschen, wie ihr sicherlich alle wisst, nicht als isoliertes Individuum betrachtet werden, sondern als Sozialwesen, also als Lebewesen, dessen Verhalten sich stark auch umsetzen. Beeinflussen lässt von beispielsweise Gruppendynamiken oder von anderen Menschen. Und häufig gilt an der Stelle, dass die Situation oftmals stärker ist als der Charakter selbst. Das heißt, in dem Moment, wo wir sagen, nur weil jemand sich dem Gruppenzwang nicht widersetzen kann, heißt das nicht, dass die Person charakterschwach ist, sondern einfach, dass diese sozialen Mächte oftmals deutlich stärker sind, als wir eigentlich denken. Und deshalb ist die zentrale These unserer heutigen Folge, Gruppenzwang ist kein Zeichen von Charakterschwäche, sondern ein sehr funktionaler Überlebensmechanismus.

Maxi, hast du schon Erfahrung mit diesem sehr zentralen Überlebensmechanismus? Also hast du schon mal Gruppenzwang in puncto Drogenkonsum empfunden? Und was meinen wir, wenn wir Drogen meinen? Was ist für dich die Definition von Drogen? Also ich glaube, bei Drogen, darunter verstehe ich jetzt mal alles, also von Tabak über Cannabis, Alkohol bis zu synthetischen Drogen, würde ich sagen. Also wir schließen Alkohol und Zigaretten explizit mit ein, finde ich gut. Ja, doch, würde ich schon sagen. Ich meine, es sind ja auch Suchtmittel, von daher würde ich es dazu zählen. Und gerade, ich meine, ich bin jetzt keine Raucherin, aber ich weiß, dass gerade bei Rauchen ja die Gruppendynamik eine Riesenrolle spielt, dieses, ja, alle gehen raus, alle stehen draußen und rauchen, und dass das ja auch ein riesiger sozialer Faktor ist, über den ja auch beim Rauchen immer wieder gesprochen wird.

Wo ich das bisher erlebt habe, ist, Ich wollte gerade sagen, vor allem beim Alkohol, und das stimmt, vor allem merke ich es beim Alkohol, dass ich es schön finde, mit meinen Freunden was zu trinken, wenn ich mal einen Abend habe, wo ich irgendwie fahre oder nicht trinke. Es hört sich jetzt so an, als ob ich jeden Abend mit meinen Freunden trinke, aber es ist nicht so oft. Aber wenn es passiert, dann bin ich gerne dabei beim Trinken. Also ich trinke gerne dann einen Wein mit oder einen Sekt und ich finde das einfach, ja, zum einen schmeckt es mir und zum anderen mache ich das total gerne. Und ich mag auch diese Gruppendynamik, die sich bildet, auch so auf Partys zum Beispiel, wenn, keine Ahnung, ich habe es ja schon mal erzählt, dass ich es total lustig finde, wenn jemand auf einer Party Shots bestellt und dann alle so sich voll freuen und so rufen und schreien und dann so anstößt. Ich finde es einfach, dieser Prozess jetzt, wenn du mal den Alkohol rausrechnest, finde ich einen sehr lustigen, sehr spaßmachenden Moment.

Und da merke ich zum Beispiel so einen Gruppenzwang, weil ich das so unterhaltsam finde, diese Momente, wenn dann alle irgendwie zusammen sind und alle irgendwie feiern gerade und so richtig in Feierlaune sind. Da spüre ich es bei mir. Und was mir aber gerade auch noch eingefallen ist, wir waren mal, wir waren auch mal zusammen dort, aber das mal meine ich gar nicht, in Amsterdam.

Da war ich mit einer Gruppe von Leuten, die sich sehr darauf gefreut haben, Cannabis zu konsumieren, also in die Coffeeshops zu gehen und auch so Brownies zu holen und so Cookies und dann halt abends in der Unterkunft das zusammen dann zu essen oder zu rauchen. Und, Da musste ich gerade dran denken, weil ich da einmal eine Situation hatte, ich mag Cannabis gar nicht, also ich mag die Wirkung von Cannabis nicht, ich finde es richtig unangenehm und mache es auch seit vielen Jahren gar nicht mehr. Aber damals in Amsterdam, da war ich auch schon, da wusste ich auch schon, dass ich es nicht mag. Und aber weil alle es gemacht haben und alle halt da so gesagt haben, heute Abend machen wir das zusammen und sitzen wir zusammen in der Runde, habe ich dann auch mitgemacht und habe da diesen, ich meine, bei mir war es ein Brownie, gegessen. Spoiler, ich fand es nicht gut. Es war immer noch scheiße. Und am nächsten Tag war ich auch echt platt. Also ja, da fällt mir ganz konkret eben in diese eine Situation ein, wo ich ganz deutlich gespürt habe, eigentlich will ich nicht, aber weil alle die ganze Gruppe es macht, mache ich doch mit, weil ich dann irgendwie doch mitgehen wollte und am Ende war es trotzdem scheiße.

Mhm. Und weißt du noch, warum du, also was so für dich der ausschlaggebende Punkt war, warum du mitgemacht hast? Also hattest du Angst, dass die Gruppe dich irgendwie ausschließt oder wolltest du dich zugehörig fühlen oder worum ging es für dich? Ich wollte mich zugehörig fühlen. Also ich glaube, bei dieser Gruppe hätte ich keine aktiven Konsequenzen oder Sanktionen von der Gruppe erlebt. Ich habe nämlich auch im Vorhinein eigentlich auch gesagt gehabt, nee, ich mache es nicht und alle waren fein damit.

Aber dann war die Stimmung so gut und alle haben sich so gefreut und dann waren alle so euphorisch, das jetzt zusammen zu machen und es hat mich mitgerissen. Und dann weißt du, ach komm, ich nimm auch. Ja, toll. Spoiler, Maxi, du fandst das immer noch nicht gut. Ich kann das richtig gut verstehen, tatsächlich. Ich hab... In meinem Leben noch nie synthetische Drogen genommen. Und ich bin ganz oft in die Situation gekommen, dass mir welche angeboten wurden. Also die unterschiedlichsten Arten. Max und ich wohnen ja aktuell in Süddeutschland, aber ich komme selber ursprünglich aus Hannover. Und Hannover ist schon irgendwie nochmal was anderes als beispielsweise Heidelberg. Allein was irgendwie Drogenkonsum und auch Drogenkonsum in der Öffentlichkeit und sowas angeht. Also fast jedes Mal, wenn ich feiern war, habe ich irgendwo jemanden gesehen, der Kokain-Lines gezogen hat oder so. Also es war sehr normal. Und ich hatte tatsächlich auch eine Situation, da erinnere ich mich noch sehr gut dran, wo die Tatsache, dass ich keine Drogen nehmen wollte, tatsächlich so soziale Konsequenzen hatte für mich. Weil ich, das war an einem Samstag, da war ich irgendwie, weiß ich nicht, 19 oder 20.

Und da habe ich mich mit einer Freundin von mir, einer damaligen Freundin verabredet. Und es ging darum, dass wir ihre Haare färben wollten und irgendwie so ein bisschen den Samstag zusammen verbringen. Und dann bin ich zu ihr in die Wohnung gefahren und wir haben ihre Haare gemacht und haben Musik gehört und hatten irgendwie eine coole Zeit, haben gequatscht. Und dann war es irgendwann so Frühjahrabend. Und dann ist sie in ihrer Wohnung, hat sie so eine Tüte irgendwo aus einem Schrank rausgeholt und meinte so, ja, hey, wollen wir noch feiern gehen? Lass noch was machen. Ich habe mega Bock, die Sonne scheint voll schön. Und dann meinte ich so, ja, können wir voll machen. und dann hat sie diese Tüte in der Hand gehabt und da waren so zwei kleine Tabletten drin. Und da meinte sie, ja, guck mal, ich habe noch zwei davon, wollen wir die einfach nehmen und dann haben wir voll die gute Zeit. Und ich wusste vorher, dass sie ab und zu unterschiedliche Arten von chemischen Drogen nimmt und ich persönlich bin der Meinung, das muss am Ende des Tages jeder für sich selber entscheiden, ob er das machen möchte oder nicht. Ich habe mich halt damals dafür entschieden, niemals chemische Drogen anzufassen und habe mir halt selber dieses Versprechen gegeben, das niemals zu machen.

Und ich habe abgelehnt. Also es war MDMA, was sie in der Hand hatte. Und ich habe gesagt, nee, ich nehme sowas nicht. Also ich möchte das nicht nehmen. Du kannst das natürlich machen und dann lass uns gerne weggehen oder so, aber ich möchte das nicht nehmen. Und dann hat sie versucht, mich davon zu überzeugen und es wäre ja nur einmal und ich hätte es ja noch nie gemacht und die Erfahrung wäre es doch voll wert, es einmal zu machen und es nur mal auszuprobieren. Und ich hatte eine richtig lange Diskussion mit ihr und am Ende bin ich einfach gegangen und wir sind nicht mehr zusammen ausgegangen und das war tatsächlich auch das Ende unserer Freundschaft, weil sie mir das so übel genommen hat.

Dass ich das nicht nehmen wollte, weil sie gesagt hat, ja, wieso bist du so überheblich, dass du meinst, du wärst irgendwie zu gut dafür, das zu nehmen. Und das war richtig, richtig verrückt, weil ich dachte, fühlst du dich, also ich habe mich halt in dem Moment schon gefragt, ob sie sich selber schlecht fühlt, dass sie es nimmt und sie einfach nur jemanden haben wollte, der es mitmacht, damit sie sich nicht mehr schlecht fühlt. Was ja auch so was sozialpsychologisches wäre. Ja, und das war richtig, also für mich war das richtig unangenehm. Und gleichzeitig war aber für mich auch okay, dass die Freundschaft zu Ende war, weil ich mir dachte, wenn jemand versucht, mich davon zu überzeugen, chemische Drogen zu nehmen und mich unter Druck zu setzen, dann waren wir offensichtlich nie Freunde. Dann habe ich mich geirrt. Und das war irgendwie so eine meiner krassesten Erfahrungen mit dem Versuch von Gruppenzwang, weil ich auch weiß, dass sie mit ganz vielen Leuten irgendwie befreundet war, die auch alle regelmäßig MDMA und Ecstasy und so genommen haben.

Und irgendwie war es auch so eine indirekte Erfahrung mit Gruppenzwang, weil ich mich gefragt habe, ob sie es vielleicht auch nur deswegen macht, weil es in ihrer Gruppe irgendwie cool war, das zu machen und sie dann auch das so weitergeben wollte und auch cool sein wollte, indem sie sagt, hey komm, Babsi, wir machen das jetzt auch. Also in dem Sinne so Gruppenzwang, ohne dass die Gruppe anwesend ist. Ja, das war glaube ich meine krasseste Erfahrung so mit Drogen und Gruppenzwang oder so Sozialzwang.

Und mit Alkohol habe ich das tatsächlich auch. Ich trinke seit einiger Zeit nur noch sehr selten, einfach weil ich mag am nächsten Tag nicht, wer ich bin, wenn ich mehr als zwei Gläser trinke. Also ich habe irgendwie das Gefühl, das hängt mir am nächsten Tag noch so nach. Und weil ich das super unangenehm finde, trinke ich mittlerweile nur noch total selten. Aber ich merke diesen Sog jedes Mal, wenn Leute um mich herum Alkohol trinken, dass ich immer denke, wenn das eine größere Gruppe ist, so, na, mache ich jetzt doch mit. Ja, also auch in Gruppen, obwohl, würde ich mal sagen, in den Gruppen, in denen ich uns beide kenne, in denen wir da, die Freunde, mit denen wir unterwegs sind.

Da würde ich jetzt keine sozialen Sanktionen erwarten, wenn ich sagen würde, ich mache es nicht. Es gibt da ja auch einige Leute, die da nie mit trinken. Ja, voll. Aber allein diesen Sog, allein die Tatsache, dass da Menschen sind, die sich zusammen eine Flasche Wein bestellen. Ja, es reicht mir schon als dieser Sog. Ja, und dann zu sagen, ich trinke nicht mit, da merke ich auch immer wieder dieses Gefühl von, ja komm, ein Glas. Und gleichzeitig habe ich mir... Also in dir selbst oder von den anderen? Nee, von mir selbst, dass ich denke, ja, ich trinke jetzt ein Glas mit und ich finde Alkohol ist aber auch eine sehr, wie so eine Sonderkategorie von Drogen, weil de facto ist Alkohol eine Droge. Es wird in unserer Gesellschaft aber mit einer solchen Selbstverständlichkeit, geradezu mit einer solchen Hervorhebung gefeiert, dass es auch einfach wirklich schwer ist, es als das zu sehen, was es ist und beziehungsweise das irgendwie sich dem zu entziehen. Ich habe das Gefühl, dadurch, dass es in der Gesellschaft so krass verbreitet ist, zu trinken.

Aber ich selber bin seit einiger Zeit dabei, auch wenn Leute sich am Tisch Wein bestellen, zu sagen, nee, ich trinke ein Wasser. Und dann deal ich damit, weil... Ja, weil ich irgendwie für mich selber entschieden habe, dass ich einfach nicht mehr so viel und nicht so oft, also ich habe jetzt nie viel Alkohol getrunken, außer in meiner frühen Jugend, aber ich glaube, die Phase hatten viele von uns. Ich hatte sie auch. Aber an sich trinke ich eh nicht so viel Alkohol. Aber in der letzten Zeit habe ich das noch mal deutlicher runtergeschraubt. Einfach weil ich so ein, ich bin so ein anxiety-Mensch. Wenn ich zu viel Alkohol getrunken habe, dann bin ich am nächsten Tag nur, denke ich nur darüber nach, was ich alles Dummes gemacht habe. Obwohl ich gar nichts Dummes gemacht habe und ich auch nicht so viel Alkohol getrunken habe, dass ich es nicht mehr wüsste. Also weißt du, was ich meine? Es geht schon bei so drei Gläsern los. Also ab dem dritten Glas merke ich am nächsten Tag, dass ich anfange, mein Leben zu überdenken. Und zwar nicht auf die positive Art und Weise. Und das finde ich so unangenehm. Dass ich mir sehr gut überlege, wann ich Alkohol trinke, beziehungsweise wann ich mehr als ein oder zwei Gläser trinke.

Ja, das ist entweder die Lösung, einfach zu sagen, ich trinke nicht mit und dann durchzuziehen. Oder sich einfach weniger mit seinen Freunden treffen. Oh Gott, nein. Das ist ja schrecklich. Nee, ich dachte mir nicht gerade so, Maxi, du bist halt wirklich so ein richtiger Sozialtrinker. Also ich trinke nie alleine, nie alleine sehe ich gar keinen Sinn darin. Wirklich, wenn ich da eine Flasche, ich trinke ja sehr gerne Sekt zum Beispiel, wenn ich da eine Flasche Sekt kaltgestellt habe, wenn ich alleine bin, ich rühre das nicht an. Ist mir scheißegal. Ich bin so ein richtiger Sozialtrinker, aber sobald ich irgendwo essen bin mit Freunden und die sagen, ach ein Glas Sekt, dann bin ich so, ach ja, ein Glas Sekt. Ja, ich weiß komplett, was du meinst. Ich habe mir mittlerweile flaschenweise alkoholfreien Wein bestellt, weil ich trinke tatsächlich ab und zu ganz gerne ein Glas Wein auf der Couch, aber ich will eben keinen Alkohol trinken. Aber ich will das Gefühl von Wein und auch so ein bisschen den Geschmack von Wein. Und ich habe sehr lange nach einem Wein gesucht, den ich mag, der keinen Alkohol hat und habe jetzt einen gefunden und bin ganz glücklich damit, weil ich jetzt für mich irgendwie so eine gute Lösung gefunden habe. Nachdem wir jetzt so viel von unseren eigenen Erlebnissen geschildert haben, kommt bestimmt noch das ein oder andere Mal vor in dieser Folge, machen wir einen kurzen Ausflug in die Neurobiologie.

Gerade bei Gruppenzwang spielen im Gehirn die Hormone Oxytocin, Dopamin und auch die Spiegelneurone, die keine Hormone sind, aber wir nehmen sie jetzt mit rein, weil sie neurobiologisch eine Rolle spielen, die sind da ganz stark mit beteiligt. Diese drei habt ihr bestimmt schon mal bei uns im Podcast gehört, wenn ihr schon fleißige Hörer seid, denn das sind tatsächlich so, ich würde mal sagen, Mitspieler, die immer mal wieder dabei sind. Oxytocin zum Beispiel wird ausgeschüttet, wenn wir mit anderen Menschen zusammen konsumieren. Also wenn wir zum Beispiel mein Beispiel als ich als Sozialtrinkerin nehme. Wenn ich dann also ein Glas Sekt mitbestelle, dann wird bei mir Oxytocin ausgeschüttet. Und das verstärkt dieses Wir-Gefühl und gibt mir so ein Gefühl von, wir machen das jetzt zusammen. Und tatsächlich wurde auch nachgewiesen, dass es die Angstzentrale im Hirn, also die Amygdala, abschwächt. Das heißt, man fühlt sich stärker im Wir, stärker mit der Gruppe und eventuelle Angstgefühle, Unsicherheitsgedanken nehmen ab. Was natürlich sehr angenehm für uns ist. Das nächste Hormon, das eine Rolle spielt, ist Dopamin. Ich habe das Gefühl, Dopamin sprechen wir in jeder Blackbox-Folge an und ich habe das Gefühl, Dopamin hat als Mitspieler überall so irgendwie seine Finger mit drin. Erfahrene Blackbox-Hörer werden jetzt vielleicht sogar mitsprechen können.

Wir gehen trotzdem noch mal kurz darauf ein, was Dopamin an sich macht. Dopamin ist ganz platt formuliert für Glücksgefühle zuständig und auch für unseren Antrieb. Und gekoppelt an verschiedene Situationen oder Erlebnisse oder Reize, sage ich mal, sorgt Dopamin auch dafür, dass wir quasi eine Art von Vorhersage für uns machen. Also ich gebe mal kurz ein Beispiel. Wenn ich zum Beispiel einen Freizeitpark schon aus der Ferne sehe, dann habe ich ein positives Gefühl, weil ich das mit positiven Aspekten kombiniert habe. Und wenn ich da zum Beispiel mit meinen Freunden im Freizeitpark bin, dann wird bei mir sicherlich Dopamin als Glücksgefühl ausgeschüttet. Und da ich das weiß, weil es immer wieder so ist, freue ich mich, also quasi habe ich die Vorhersage, ah, Freizeitpark, da werde ich viel Spaß haben, also freue ich mich, wenn ich das sehe. Ganz platt zusammengefasst als Beispiel. Drogen erhöhen künstlich den Dopaminspiegel. Wenn wir dann also diese Drogen, die den Dopaminspiegel, diese Glücksgefühle nach oben schießen lassen, wenn wir das in einer Gruppe machen...

Und Side Note in Gruppen, wenn wir in Gruppen was machen und sozial akzeptiert werden, dann löst das ebenfalls Dopamin aus. Das heißt, wir haben dann Dopamin durch die Gruppe und wir haben Dopamin durch die Droge. Und wenn das zusammen passiert, dann lernt unser Gehirn quasi, dass die Gruppe und die Droge zusammen quasi wie so Maximum wirken. Also unser Gehirn speichert ab, hier geht es mir gut, hier bin ich sicher, hier bin ich wertvoll, hier werde ich geschätzt. Und das sind ja alles sehr positive Aspekte für uns.

Das heißt, der Kontext, also die Gruppe, in der wir konsumieren, wird dann zu einem konditionierten Reiz. Also ein Reiz, den wir gelernt haben, da geht es uns gut. Wie zum Beispiel, gerade mein Beispiel mit dem Freizeitpark. Was total verrückt ist, wenn du mal darüber nachdenkst, kennst du das, dass es so bestimmte Gruppen gibt, in denen es deutlich schwerer ist zu sagen oder bestimmte Freunde gibt, bei denen es deutlich schwerer ist zu sagen, nee, ich trinke heute nichts als andere, weil du mit denen häufiger beispielsweise einen Sekt bestellst oder häufiger einen Wein trinkst oder mehr mit denen feiern warst und dabei Alkohol konsumiert hast, als es mit anderen Freunden der Fall ist? Voll. Es gibt die Freunde, die sind in meinem Kopf damit verknüpft. Ja, und das ist total verrückt, wenn du mal drüber nachdenkst, dass sich nur mit denen abends in so einem Kontext zu treffen im Grunde schon so eine Art Startsignal dafür setzt, dass man jetzt auch, also in dem Fall dann Alkohol, aber setzt hier jede beliebige andere Droge ein, konsumiert. Ja.

Ja, ich hab voll. Wenn ich dann schon weiß, okay, ich treffe mich jetzt mit dieser Person heute Abend da und da, dann macht mein Gehirn für mich die Vorhersage, ja, da werden wir ein Sektchen bestellen oder ein Aperol oder ein Lillet oder was weiß ich. Und das machen wir auf jeden Fall. Es ist irgendwie, also ich bin gerade sehr erschrocken darüber, weil mir das noch nie so klar bewusst war. Also ich habe da noch nie so aktiv drüber nachgedacht. Ne.

So aktiv, also was so im Kopf passiert, ich auch nicht. Aber ja, dass es mit Menschen verknüpft ist, das habe ich schon ein paar Mal bei mir bemerkt. Also ich meine, allein die Tatsache, dass ich so Sozialtrinkerin bin, liegt das ja wirklich sehr nah. Allein die Tatsache, dass ich alleine gar keine Lust habe zu trinken. Und wenn sobald Leute um mich rum sind oder bestimmte Leute um mich rum sind, habe ich Lust. Eigentlich bin ich ja der selbst erlebende Beweis für diese neurobiologischen Aspekte, die wir gerade erklären. Absolut. Der dritte Punkt, der eine Rolle spielt, sind die Spiegelneurone. Vielleicht erinnert ihr euch, Spiegelneurone spielen auch bei Empathie eine große Rolle. Da haben wir hier in diesem Podcast auch schon mal drüber gesprochen. Im heutigen Kontext geht es allerdings eher darum, dass Spiegelneurone in unserem Hirn quasi spiegeln, was andere Menschen machen, was die Menschen um uns herum machen.

Ich kenne das vor allem, ich habe früher solche YouTube-Study-With-Me-Videos genutzt und ich weiß auch, dass ganz vielen Menschen das hilft, zu lernen und dabei zu sehen, dass andere Leute auch lernen. Und da spielen Spiegelneuronen eben eine große Rolle, denn wenn wir beobachten, dass Menschen um uns herum zum Beispiel, wie gesagt, ruhig arbeiten oder ganz konzentriert sind, dann schaltet unser Gehirn eher auf Mitmachen. Also es quasi synchronisiert sich mit der Gruppe und sorgt dafür, dass wir mit weniger Kraftaufwand, also kognitiven Kraftaufwand, trotzdem die gleiche Tätigkeit ausführen können, nämlich in diesem Beispiel Lernen. Und genau das kann auch passieren, wenn ihr zum Beispiel in der Gruppe seid und Drogen konsumiert. Es ist dann nicht, dass ihr, also in manchen Fällen ist es auch gar nicht so, dass man sich dann so bewusst dafür entscheidet, sondern vielleicht kennt ihr das, man schwimmt einfach im Gleichtakt mit der Gruppe mit. Ich würde auch sagen, einfach aus dem Grund, weil unser Gehirn einfach aus Prinzip so eine richtig faule Sau ist. Unser Gehirn macht am liebsten möglichst wenig Kraftaufwand. Und wenn es merkt, alle machen es, dann ist da quasi die Schwelle zu sagen, ich mache es nicht so hoch, dass euer Gehirn eigentlich von sich aus sagen würde, ach macht doch einfach, die anderen machen es auch. Es ist der deutlich geringere Kraftaufwand, einfach das gleiche zu tun wie die anderen. Es würde mir Kraft sparen und eben sich dagegen zu stellen, das spürt man in dem Moment vielleicht auch, braucht sehr viel Kraftaufwand.

Kognitive Energie, sage ich mal. Ja. Ja, ich glaube, was auf so einer sozialpsychologischen Ebene noch dazukommt, ist diese Angst davor, nüchtern zu sein oder eben nicht konsumiert zu haben, weil jede Art von Droge ja einen bestimmten Einfluss auf das Individuum hat. Also es macht uns irgendwie wacher oder müder oder aufgedrehter oder hemmungsloser. Und wenn du dann die einzige Person bist, die die nicht konsumiert hat, dann bist du die einzige Person, die anders ist. Also es ist irgendwie die umgedrehte Version von, wenn alle mittags bei Kaffee und Kuchen bei Oma am Essenstisch sitzen und du bist die einzige Person, die betrunken ist, dann ist das super unangemessen und super unangenehm und du wirst ausgegrenzt im Zweifelsfall oder vielleicht abgelehnt oder kritisiert, weil du in diesem Kontext, der für alle anderen nicht passend ist, betrunken da bist. Du bist also anders als alle anderen. Und im Grunde kann man das Ganze auch invers betrachten. In dem Moment, wo abends alle in der Bar sitzen und betrunken sind und du bist die einzige Person, die nüchtern ist, dann bist du wieder anders. Und ich glaube, dass je nachdem, in welcher Gruppe man sich befindet, aber auch allein durch die Tatsache, dass wir Sozialwesen sind, dass die Angst davor schüren kann, dass man abgelehnt wird, weil man anders ist.

Das heißt, eigentlich sprechen wir in der heutigen Folge kaum eigentlich über den Drogenrausch an sich, sondern wir sprechen viel eher über den Rausch des Zusammenseins von dieser Gruppe, von diesen positiven Rückmeldungen der Zugehörigkeit kriegen. Ja, komplett. Also im Grunde geht es ja eher darum. Und ich glaube, was auch noch dazu kommt, ist, du hast es ja vorhin selber beschrieben, Dieses alle johlen und grölen und irgendjemand bestellt Shots und das ist irgendwie, es ist so eine Gruppendynamik, bei der man, so hast du es ja beschrieben, nur Teil ist, wenn man quasi mitmacht. Also so erlebe ich das, ja. Und ich glaube, das könnte auch so ein bisschen daran liegen, dass in dem Moment alle die gleiche Erfahrung teilen. Alle sind in diesem Rauschzustand und alle können sich quasi darüber miteinander verbunden fühlen. Egal wie unterschiedlich man ist, alle erleben gerade die gleiche Art von Rausch. Und dann verschwimmt quasi die eigene Identität mit der Erfahrung des Rausches und dann wird aus der Gruppe quasi eine Gruppe, die gerade die gleiche Erfahrung macht. Also ich glaube, wenn man so überlegt, wenn du mit Menschen irgendwelche krassen Dinge.

Erfahrungen machst. Ich weiß nicht, ich überlege jetzt gerade, ich bin persönlich noch nie auf einer Insel gestrandet, von daher kann ich das Beispiel nicht nehmen. Aber auch wenn man das manchmal sieht, dass Leute in Katastrophen zusammen sind oder dass sie bei Unfällen zusammenhalten, da ist es irgendwie im negativen Sinn oft so, dass man sich sehr schnell mehr verbunden fühlt, weil man die gleiche Erfahrung teilt. Und ich glaube, es kann im Positiven noch viel stärker so sein, weil da ja Oxytocin und Dopamin zusätzlich ausgeschüttet werden, allein schon durch den Konsum von beispielsweise Alkohol oder anderen Drogen. Und dass dann diese Nähe in der Gruppe und diese gemeinsame Erfahrung noch mehr zusammenschweißt in dem Moment. Und ich könnte mir vorstellen, dass das ein großer Teil ist von dem, was du beschreibst. Ja, es ist auch so ein Bindungsprozess. Weil ich meine, dann kannst du irgendwie, nehmen wir an, drei Wochen später. Oder nein, nehmen wir den Tag danach. Ich muss gerade an einen Abend denken, wo ich mit Freundinnen unterwegs war und wir haben alle getrunken und wir waren tanzen. Und es war ein total schöner Abend. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Und wir haben aber alle ein bisschen zu viel getrunken. Und am nächsten Morgen habe ich in die Gruppe geschrieben, Leute, geht es euch auch so scheiße wie mir? und alle haben geschrieben, die haben an mir jetzt auch ganz genau so. Und dann war am nächsten Tag, hab ich das richtig gespürt, wieder so ein irgendwie so eine.

Ja, wieder so eine Art Bindungserfahrung übers Handy, weil ich wusste, die anderen, erstmal andere haben den Abend auch als total schön empfunden und dann haben wir so ein paar Anekdoten geteilt und Bilder geteilt und euch geht es jetzt auch genauso schlecht wie mir, das heißt, im Kater sind wir trotzdem auch nochmal vereint. Und das, allein dieses, wir haben das zusammen erlebt und wir haben jetzt auch die Konsequenzen zusammen.

Das hat selbst diese Scheißkonsequenzen, weil ich hasse es, einen Kater zu haben, das hat das in diesem Moment für mich dann irgendwie trotzdem auch nochmal abgeschwächt, weil es eine Gruppenerfahrung war. Selbst der Kater war eine Gruppenerfahrung. Ja, und ich glaube, das ist deutlich mächtiger, als wir oft glauben. Und das hat eben, weil wir so soziale Wesen sind und weil der Ausschluss aus einer Gruppe ja quasi den gleichen Bereich im Gehirn aktivieren kann wie physischer Schmerz.

Das finde ich so spannend, dass es einfach wirklich sogar im Hirn der gleiche Hirnareal aktiviert. Das ist crazy. Ja, und das bedeutet ja nichts anderes, als dass sozialer Ausschluss uns tatsächlich wehtut und dass das auch nachweisbar ist, dass uns das wehtut. Und dieses Werkzeug ist natürlich wahnsinnig mächtig, um uns dazu zu bringen, Dinge zu tun, die wir nicht tun würden, wenn wir nicht in dieser Gruppe wären. Und grundsätzlich ist das gar nicht immer problematisch, sondern in den meisten Situationen ist das völlig normal, dass wir uns anpassen. Und das machen wir ständig. Wir ziehen uns bei einer Beerdigung schwarz an und entscheiden uns gegen eine hellblaue Jeansjacke oder gegen, ich weiß nicht, den roten Pullover, es sei denn, es wurde von den jeweiligen Personen so angeordnet. Aber wenn das eine klassische Beerdigung ist, dann tragen wir schwarz. Wir schreien im Wartezimmer nicht rum, wir telefonieren, zumindest im besten Fall im Wartezimmer nicht. Es würde keinem von uns jemals einfallen, in der Kirche plötzlich ein Telefongespräch anzunehmen. Und das hat nichts damit zu tun, dass wir irgendwie quasi dumme Fische in der Gruppe sind, sondern das ist soziale Intelligenz. Es ist intelligent, quasi bei bestimmten Dingen mit dabei zu sein und sich anzupassen, weil man dann als Teil der Gruppe wahrgenommen wird und weil man früher eben in der Gruppe überlebt hätte und alleine nicht und dieser Mechanismus wirkt bis heute.

Ich glaube, wenn wir jetzt halt darüber sprechen, was unproblematisch und problematisch ist, ich glaube, da müssen wir unterscheiden zwischen eben Drogenkonsum, der ja grundsätzlich immer schädlich für uns ist. Ich glaube, das müssen wir ja nicht extra sagen. Also jede Art von Drogenkonsum ist einfach Gift für unseren Körper, sowohl Alkohol als auch Tabak, als auch synthetische Drogen, so alles. Als auch normale, also nicht synthetische Drogen, das wollte ich noch hinzufügen. Ja, ja, genau, stimmt. Also von daher, alle Drogen sind schlecht. Wir wissen, wir sollten kein Alkohol trinken, wir wissen, wir sollten eigentlich nicht rauchen, wir wissen, wir sollten keinen Cannabis rauchen, wir sollten das alles lassen. Wir tun es trotzdem. Ja, Bildungsauftrag erfüllt, ihr habt von uns gehört, macht es nicht, ei, ei, ei. Aber auf der anderen Seite sprechen wir natürlich eben über Gruppendynamiken und in Gruppendynamiken sind Gruppen dann problematisch, wenn die Gruppen zu so einem geschlossenen System werden. Also wenn eben das Einstehen für die eigenen Führung.

Für das eigene Verhalten mit vielleicht entweder Freundschaft oder Liebesentzug bestraft wird oder generell einfach in einem sozialen Kontext bestraft wird, dann befindet ihr euch auf jeden Fall in einer Gruppe, die, würde ich sagen.

Problematische Gruppenstrukturen aufweist. Oder einen problematischen Bezug zu der jeweiligen Droge hat. Auf jeden Fall. Also wenn es Teil der Identität der Gruppe ist, diese Droge zu konsumieren Und dass das so führt, dass sie andere Leute ausschließen, die das nicht tun wollen, sagt das sehr viel über diese Gruppe aus. Ja, und damit meinen wir, nochmal ganz deutlich gesagt, nicht diesen Sog, den man vielleicht spürt, obwohl man weiß, dass man keine sozialen Konsequenzen fürchten müsste, sondern wirklich so ein aktives Bestrafen der Gruppe euch gegenüber. Super. Tatsächlich, wenn ich das mitbekomme, das war früher schon so, also ich habe mich sehr, sehr früh mit dem Thema Gruppenzwang auseinandergesetzt, weil ich in der siebten, achten, achten Klasse, neunte Klasse eine sehr unangenehme Erfahrung damit gemacht habe, bei der ich in so einer Gruppe, bei der ich gerne Teil davon sein wollte und die haben alle schon geraucht und getrunken und ich wollte nicht und wollte aber unbedingt Teil der Gruppe sein. Das war für mich eine ganz schwierige Situation. Und ich habe damals mir selber versprochen, dass wenn ich, also erstens, dass ich niemals synthetische Drogen nehmen werde, egal wer mir das anbietet und egal wie cool ich diese Gruppe finde.

Und das Zweite ist, dass ich mir damals irgendwie selber so sehr bewusst darüber geworden bin, wie sehr mich das beeinflusst hat, dass ich Teil dieser Gruppe sein wollte und immer wenn ich das jetzt mitbekomme, dass jemand sowas sagt wie ja, jetzt mach doch mal und einmal ist keinmal und warum trinkst du denn nicht und so, dass ich, wenn ich merke, dass die Person dann unsicher wird.

Dass ich dann so dazwischen gehe und sage so, hey, wenn sie oder er nicht will, dann lass sie doch. Also quasi so ein bisschen Versuche in diesem sozialen Kontext, mich mit auf diese Seite der Waage zu stellen, um der Person das Gefühl zu geben, dass es in Ordnung ist, dass sie nicht trinkt oder nicht raucht oder was auch immer. Und quasi mich eher dafür einzusetzen, dass sie sich dann trotzdem irgendwie wertvoll und gut fühlt und die andere Person eher dafür zu schämen, dass sie quasi versucht, diese Person zu überzeugen. Weißt du, was ich meine? Ja, klar. Ich meine, damit versuchst du dann ja quasi so diese Gruppendynamik von wegen, alle machen das Gleiche und dann steht nur einer auf der Seite und wenn du quasi mit auf diese Seite gehst, dann entsteht so eine Minigruppe auf dieser anderen Seite der Waage. Ja, genau. Und dann ist es eher, also ich versuche quasi eher deutlich zu machen, dass es nicht cool ist, jemanden davon zu überzeugen, als dass es nicht cool ist, es nicht machen zu wollen. Jetzt haben wir wirklich lange euch von unseren Erlebnissen berichtet, von unserem Umgang mit den verschiedenen Gruppendynamiken und sind auch darauf eingegangen, was da so in unserem Hirn abgeht. Natürlich haben wir wie immer auch ein Fallbeispiel für euch dabei und ich würde sagen, ohne viel weiter zu schnacken, gehen wir da jetzt rein.

New York 1949 Die Stadt ist in dieser Zeit eine schlaflose Kulisse aus flackerndem Neon und kühlem Asphalt, in der sich der bittere Geruch von billigem Kaffee mit der nervösen Energie einer Jazzszene mischt, die in den tiefgelegenen Musikclubs ihren eigenen, unruhigen Rhythmus sucht.

Wer die Treppen zum Village Vanguard oder dem Three Deuces hinuntersteigt, dem schlägt eine Mischung aus billigem Parfum, abgestandenem Bier und einem neuen Sound entgegen. Bebop ist Jazz, der nicht mehr zum Tanzen da ist, sondern zum Zuhören. Eine Musik, die den Swing gegen ein irres Tempo und komplizierte Melodien eintauscht und so den Sound der Straße direkt in die verrauchten Clubs bringt. Inmitten dieses Treibens der späten 40er, Anfang 50er Jahre, steht ein 22-jähriger Junge aus Philadelphia. Robert Roland Chutnik, der unter seinem Künstlernamen Red Rodney bekannt ist. Mit seinen roten Haaren, den flinken Fingern und einem Ton auf der Trompete, der so strahlend ist, dass er selbst die düstersten Ecken der 52nd Street ausleuchtet, hat er das nahezu Unmögliche geschafft. Er sitzt auf dem Stuhl des Quintetts neben einem absoluten Giganten der Jazz-Szene, Charlie Burt Parker. Einem Virtuosen am Saxophon, mit dem er die Schwerkraft der Musik aufzuheben scheint und eine radikale, unangepasste Freiheit verkörpert, der sich in dieser Szene niemand entziehen kann.

Als Miles Davis, der Mann an der Trompete an der Seite von Burt Parker, Rodney anbot, seinen Platz zu übernehmen, konnte der sein Glück kaum fassen. Als Trompeter neben Burt Parker zu sitzen, das ist auch für ihn als Profi in der Szene ein Ritterschlag. In den ersten Wochen fühlt es sich an wie ein einziger berauschender Triumph. Er ist nicht mehr nur ein Musiker, er ist der Auserwählte an der Seite eines der größten Genies seiner Zeit. Und jeder Abend auf der Bühne ist ein elektrisierendes Versprechen, das ihm die Welt zu Füßen legt.

Inmitten dieser Euphorie nimmt Rodney fast beiläufig wahr, wie Parker sich in den Pausen seine Dosis setzt. Ein Anblick, der für ihn zunächst weniger nach Abgrund aussieht, als nach einer exklusiven, fast schon professionellen Routine, die in dieser Welt eben dazugehört. Er beobachtet, wie Parker unter dem Einfluss von Heroin Klänge erschafft, die von einer anderen Welt zu stammen scheinen. In Rodneys Kopf formt sich eine gefährliche Verknüpfung. Er fragt sich, ob man diese Grenze zum Genie vielleicht nur überschreiten kann, wenn man denselben Preis zahlt. Er beginnt zu glauben, dass das Heroin der Schlüssel ist, um jene musikalische Tiefe zu erreichen, die Parker so mühelos auszustrahlen scheint. Rodney ist zu diesem Zeitpunkt der einzige Musiker in der Band, der keine Drogen nimmt, was ihm zunehmend das Gefühl gibt, ein Außenseiter in seinem eigenen Umfeld zu sein. In der hermetisch abgeriegelten Welt des Bebop ist Heroin weit mehr als eine Droge. Wer high ist, gilt als hip und teilt ein dunkles Geheimnis mit den großen Genies der Szene. Es ist eine Eintrittskarte in einen exklusiven Club, in dem der Rausch als notwendiger Beweis für künstlerische Ernsthaftigkeit und Authentizität gilt.

Rodney bittet sein Idol schließlich aktiv darum, probieren zu dürfen. Parker reagiert darauf zunächst mit heftigem Widerstand und weist ihn wütend ab. Doch als Rodney nicht locker lässt, gibt Parker schließlich nach. Es dauert nicht lange, bis Rodney plötzlich übel wird und er sich heftig übergeben muss. Die romantische Vorstellung vom magischen, musikalischen Rausch ist damit zerbrochen. Doch trotz dieser körperlichen Abwehrreaktion macht Rodney weiter. Denn der Wunsch, ein vollwertiger Teil von Parkers Welt zu sein, wiegt schwerer als der Ekel vor der Droge. Wenn er high ist, bekommt er das Gefühl, besser zu spielen, mutiger zu sein. Die Gruppe spiegelt ihm wieder, jetzt bist du einer von uns. Innerhalb von nur zwei Wochen schlägt die anfängliche Neugier und der Wunsch nach Zugehörigkeit in eine massive körperliche Abhängigkeit um, die Rodneys gesamten Alltag umkrempelt. Aus dem talentierten, leidenschaftlichen Trompeter wird ein Getriebener, der nun nicht mehr nur für die Musik lebt, sondern vor allem für die Beschaffung des nächsten Schusses.

Sein Leben wird zu einer Wiederholung der immer gleichen harten Routine, die Rodney physisch und psychisch zermürbt. Man spielt ein Set, macht Pause, wechselt hektisch den Ort. Sie wechseln von Taxis zu Hotelzimmern, die Nächte sind endlos. Und die Erschöpfung ist ein ständiger, bleierner Begleiter.

In diesem Zustand permanenter Übermüdung wirkt die Droge nicht nur als Kick, sondern als Puffer gegen die Welt, als chemische Krücke, um die nächste Show durchzustehen. Da Charlie Parker in Harlem viel zu bekannt ist und bei jeder Polizeikontrolle den Entzug seiner lebenswichtigen Kabarett-Card riskiert, schickt er Rodney vor. Dieser wird als einziger Weißseitergruppe zum idealen Boten, da bei der Polizei kaum Misstrauen erregt und sich in den Vierteln der Dealer weitaus unbehelligter bewegen kann als seine schwarzen Kollegen. Diese Rolle als Kurier macht Rodney für die Band unersetzlich, verstrickt ihn aber gleichzeitig in eine kriminelle Abhängigkeit, die nun weit über die Musik hinausgeht. Als würde die Beschaffung der Drogen die Gruppe nicht bereits vor Herausforderungen stellen, stehen sie während ihren Tourneen durch die Südstaaten vor dem nächsten Problem. In den Südstaaten der USA ist die Rassentrennung zu dieser Zeit gesetzt. Ein weißer Musiker darf offiziell weder mit einer schwarzen Band auftreten, noch mit ihr reisen, ohne massive Repressalien durch die Behörden oder gewalttätige Übergriffe zu riskieren.

Um Rodney trotz dieser strikten Trennung auf die Bühne zu bringen, greift Parker zu einer bizarren Maskerade. Rodney muss sich das Gesicht dunkel schminken und wird offiziell als Albino-Red ausgegeben, um die Behörden zu täuschen. Diese Lüge nach außen verstärkt die Isolation der Gruppe und schweißt sie intern nur noch enger zusammen In dieser feindseligen Umwelt wird das Heroin zum einzigen gemeinsamen Anker und zerstörerischen Bindemittel einer verschworenen Gemeinschaft Trotz der musikalischen Brillanz auf der Bühne zerfällt das Charlie Parker Quintett Anfang der 1950er Jahre von innen heraus, Die Heroinsucht diktiert zunehmend den Alltag der Musiker und verwandelt die künstlerische Zusammenarbeit in einen verzweifelten Überlebenskampf.

Parker wird immer unberechenbarer, erscheint verspätet oder in desolatem Zustand zu auftreten, während der Druck der Beschaffungskriminalität die Bandmitglieder zermürbt. Der endgültige Bruch erfolgt 1951, als Rodney wegen Drogenbesitz verhaftet wird und ins Gefängnis sowie später in den Entzug muss. Ohne seinen loyalen Kurier und mit schwindendem Ruf verliert auch Parker schließlich seine Arbeitserlaubnis in den New Yorker Clubs. Die Wege der Musiker trennen sich tragisch. Während Parker nur wenige Jahre später körperlich vollkommen gezeichnet stirbt, verbringt Rodney Jahrzehnte im Schatten seiner Sucht und im Gefängnis, bevor ihm in den 1970er Jahren ein spätes, triumphales Comeback gelingt. Er ist endlich wieder clean, findet zu seiner alten Form an der Trompete zurück, gründet eigene Formationen und wird nun nicht mehr als Parkers Kurier, sondern als eigenständiger Altmeister des B-Pop gefeiert.

Diese späte Phase seiner Karriere grünt er schließlich in den 1980er Jahren, als er als Berater für Clint Eastwoods Filmbiografie Burt fungiert und dort hilft, seine eigene schmerzhafte Geschichte mit Charlie Parker für die Leinwand zu rekonstruieren. In seinen späten Jahren blickt Rodney mit einer Mischung aus tiefer Ehrfurcht und schmerzhafter Klarheit auf diese Zeit zurück. Er beschreibt Parker zwar als sein absolutes musikalisches Idol, macht aber auch deutlich, dass der Preis für diese Lehrjahre fast sein Leben gefordert hätte. Er resümiert öfter, dass er bei Bird zwar alles über Musik gelernt habe, aber eben auch alles über die zerstörerische Kraft der Sucht.

Ich habe so viele unterschiedliche Gedanken im Kopf, dass ich die gerade sortieren musste, weil ich auf der einen Seite natürlich an Gruppendynamiken und Gruppenzwang denken musste, der da offensichtlich sehr stark ausgeprägt war. Aber auch an so Gruppendynamiken. Gruppenzwang ist ja nicht immer gleich, also es gibt ja unterschiedliche Arten von Gruppendynamiken und dieses, dass er als Kurier für sie fungiert und die das alle von ihm erwarten. Die Tatsache, dass wir uns noch in der Zeit der Apartheid befinden, wo Gruppenzugehörigkeit noch, also ja tatsächlich juristisch festgelegt anhand der Hautfarbe sogar ausgemacht wurde. Und parallel dazu halt auch Heroin. Wir sprechen halt von einfach einer der wirkungsstärksten Drogen und der Drogen, die am schnellsten abhängig machen. Und gleichzeitig irgendwie auch dieses Verehren von dem eigenen Idol, das Jemandem nachstreben, das Lernen am Modell, das dem Vorbild hinterherjagen. Und da sind für mich so viele unterschiedliche Aspekte drin, die diese Geschichte psychologisch begleiten, dass...

Ja, dass ich erst mal meinen Kopf sortieren musste gerade bei all den Gedanken, die ich zu den Aspekten so dazu hatte. Ja, das kann ich verstehen. Das sind ja wirklich viele Aspekte und ich würde sagen, der Drogenkonsum in dieser Gruppe oder generell die Sucht von Red Rodney war sicherlich, jetzt können auch wieder alle mitsprechen, multifaktoriell bedingt. So wie immer alles.

Aber dennoch fand ich diesen Fall von diesem Charlie Parker Quintett und gerade eben von Red Rodney in der Rolle, als der dann neu reinkommt, der erstmal gar keine Drogen genommen hat und dann aber irgendwie da reinrutscht und merkt irgendwie, ah, ich gehöre nicht so richtig dazu, wenn ich nicht mitmache. Ich fand es ein ganz gutes Beispiel für diesen Sog, den diese Gruppen aufnehmen können. Und vor allem, weil ja auch am Anfang, also es gibt ja auch den Bericht, dass Charlie Parker am Anfang auch sehr wütend geworden ist, als Red Rodney gefragt hat, hey, kann ich auch mal was nehmen? Und nicht, weil er sein Zeug nicht teilen wollte, sondern weil er gesagt hat, das ist richtig scheiße, das ist richtig schlecht für dich.

Also quasi gab es in dieser Gruppe in diesem Moment jemanden, der gesagt hat, nein, mach das nicht. Und dennoch war der Sog aber der gesamten Gruppe vielleicht auch, da muss man vielleicht auch die Musikszene zu dieser Zeit als Gruppe betrachten, war so stark, dass er einfach nicht locker gelassen hat und dann quasi durch dieses eigene Insistieren doch reingerutscht ist. Ja, und dann dieser Satz, der ja auch gefallen ist, jetzt bist du einer von uns, den fand ich sehr, sehr, sehr bezeichnend. Also das imitiert ja quasi, dass sich die Musikszene oder die Szene, in der er sich befindet, über den Konsum von Heroin definiert. Und das ist ja im Grunde genau das, worüber wir vorhin gesprochen haben. Diese Identifikation als Gruppe, die gemeinsam einen Rausch teilt, im Grunde gemeinsam eine Eigenschaft teilt. Und diese Eigenschaft, in Anführungszeichen, ist dann der Konsum von Heroin. Ja, und auch, weil das ja auch mit so Kreativität geknüpft war und dieses Gut-als-Musiker-Sein-

Vielleicht auch so, also kreativ zu sein, innovativ zu sein, was Neues zu bringen, noch besser zu sein, wurde ja auch, also gerade in Red Rodneys Kopf war das verknüpft mit der Einnahme von Drogen. Ja. Wie so eine, damit bin ich besser. Also nicht nur damit gehöre ich dazu, sondern damit bin ich auch noch näher dran an dem Ideal, das ich sein möchte. Und an meinem Traum in dem Moment ja auch. Diese Definition als wir sind die Musiker, die XYZ machen, das kennt wahrscheinlich jeder von uns auch. Also gerade Erwachsene definieren sich ja oft sehr über die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen. Also es gibt irgendwie, es gibt die Sportler, es gibt die kreativen Mäuse, es gibt die Leute, die Workaholics sind, die viel arbeiten, es gibt die Podcaster.

Und im Grunde gibt es innerhalb dieser Gruppe immer oder oft so eine Art Prototyp. Also das Idealbild davon, wie der Prototyp von, also wie eins der Gruppenmitglieder perfekterweise aussehen sollte. Wenn zum Beispiel, ich weiß nicht, wenn es eine Gruppe gibt, die erfolgreiche Chefärzte sind und da ist der Konsum von teurem Wein zum Beispiel ein Symbol für Stressresistenz und Status, Dann passen sich auch Mitglieder an, die quasi Teil dieser Elite von erfolgreichen Chefärzten sein wollen, wenn allgemein gültig ist, dass erfolgreiche Chefärzte teuren Wein konsumieren, um bessere Stressresistenz zu haben und quasi Teil dieser Gruppe sein zu können.

Ich denke mir gerade so, war Charlie Burt Parker dann vielleicht da so eine Art Prototyp von einem idealen Musiker? Ja, das glaube ich auch, dass er der Prototyp war vom erfolgreichen Musiker, von dem, was alle sein sollen. Wenn du bist wie er, bist du das perfekte Vorzeigemitglied dieser Gruppe. Ja, eben. Und er hat ja Heroin konsumiert. Und es wurde ja so stark verknüpft mit seinem Genie, mit seinen virtuosen Fähigkeiten. Ja, und es hat ja auch so ein bisschen in diesem Kontext von Musikern, hat es ja auch so ein bisschen was, wenn man sagt, ja, ich nehme das, um irgendwie dieses stressige Showleben auszuhalten und um die Publicity auszuhalten, dann ist es ja fast schon so ein Unterscheidungsmerkmal zu allen anderen. Wir nehmen das, weil wir so berühmt sind und wir irgendwie eine Distanz brauchen. Wir nehmen das, weil wir so viel arbeiten, dass wir was brauchen, das uns pusht.

Und quasi die anderen brauchen das nicht. Die anderen nehmen das, weil sie süchtig sind und die anderen nehmen das, weil sie es brauchen, körperlich. Wir nehmen das, weil wir Musiker sind und weil Musiker dann besonders gut spielen können, weil wir dann besonders leidenschaftlich und besonders gut darin sind, in dem, was wir tun. Und dann kreierst du ja wieder so eine Unterscheidung, die anderen und wir und wir sind da und da besonders und wir sind anders als die. Und wenn du Teil von dieser Gruppe sein willst, dann musst du das auch machen. Bei deinem Beispiel mit den Chirurgen, jetzt zum Beispiel mit dem Wein als Ausgleich, also das ist vielleicht beeinflusst von Grey's Anatomy, aber ich stelle mir den Job als Chirurg oder als Herzchirurg oder vielleicht als Neurochirurg ziemlich stressig vor. Und dass er dann bei deinem Beispiel mit abendlichem Wein, das dann heißt, wir haben ja so einen stressigen Job, wir haben so viel geleistet, wir tragen so viel Verantwortung, da dürfen wir uns jetzt auch ein Glas Wein gönnen. Da darf ich mir abends auch mal eine 150-Euro-Flasche Wein aufmachen. Ja, so dieses so, dadurch sind wir, leisten wir mehr, tragen wir mehr Verantwortung als andere, also so aus quasi...

Unausgesprochene, motivationale Hintergründe, wenn wir das jetzt mal so formulieren würden. Und quasi, dass da dann eben eine Abgrenzung zu einer anderen Gruppe stattfindet dadurch und dass dadurch dann der Konsum gerechtfertigt ist und es eben wie so ein Statussymbol in der eigenen Gruppe wirkt. Ja, oder auch ein Erkennungsmerkmal. Also denk mal drüber nach, dieser klassische Geschäftsmann, der einen Whisky trinkt. Ja, ich habe auch dran gedacht. Das ist so eingebrannt und ganz ehrlich, das ist so ein Bullshit. Aber es ist so eingebrannt. Erfolgreiche Unternehmer trinken Whisky. Ich verbinde es aber auch. Ich glaube, das liegt aber auch an eine Serie Suits. Ich verbinde es auch mit Anwälten. Ja. Harri Spektor hat immer da seine Bar und dann trinkt er da immer seinen Whisky. Ja, und das ist potenziell genau so ein Prototypenmerkmal. Und wenn wir uns davon sehr stark beeinflussen lassen, dann fangen wir auch an, Whisky zu trinken, um erfolgreicher Unternehmer zu sein oder erfolgreiche Unternehmerin. Ja, und was ich aber dabei noch total witzig eigentlich finde, eigentlich ist es gar nicht lustig, eigentlich ist es traurig, aber es hat irgendwie auch so einen ironischen Faktor an sich, finde ich. Nehmen wir an, wir wären jetzt, keine Ahnung, nehmen wir an, wir wären Anwälte, nehmen wir das Beispiel jetzt einfach mal und wir würden uns mit vielen anderen Anwälten auf so ein Berufstreffen treffen.

Und nehmen wir an, wenn wir Harvey Specter hier erstmal als Prototypen nehmen, die haben alle Whisky in der Hand. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, ich wäre da als Anwältin, dann, ich persönlich, ich mag gar keinen Whisky, ich finde das absolut ekelhaft. Und vielleicht würde ich aber mittrinken, weil als Anwalt man das eben macht. Es ist klar in dieser Gruppe, nehmen wir an, es ist klar in dieser Gruppe.

Dass wenn du Whisky trinkst, dann gehörst du da dazu. Also wird es als Statussymbol gesehen. Das heißt, in diesem Moment würde ich vielleicht Whisky mittrinken, obwohl ich es ganz, ganz eklig finde und lieber vielleicht in meinem Fall ja einen Sekt gehabt hätte oder von mir aus auch eine Cola Zero.

Und was ich da so lustig finde, ist, dass mit Sicherheit in diesem... In diesem ausgedachten Szenario, wenn es Realität wäre, wären sicherlich mal mindestens zehn andere Leute in diesem Raum, denen es genauso geht wie mir. Die auch lieber vielleicht eine Cola Zero in der Hand hätten, aber sich auch denken, naja, aber das machen ja alle, dann muss ich es ja auch machen. Und die vielleicht, wenn nur einer oder zwei sich eine Cola Zero bestellen würden, sich dann denken würden, ach ja, dann darf ich ja auch sehr schön. Weißt du, dieser Gruppenzwang, sodass alle denken, alle machen es, aber es vielleicht doch eine riesige Subgruppe gibt, die eigentlich gar keinen Bock darauf hat. Aber niemand sagt es, weil diese Gruppendynamik, diese nicht sichtbare, empfundene Gruppendynamik so stark ist, dass es dann einfach trotzdem wirkt. Ja, 100 Prozent. Das versuche ich mir immer vor Augen zu führen, wenn ich in so großen Gruppen bin, dass ich immer denke, egal wie sehr du glaubst, du wärst die Einzige mit diesem Gedanken oder die Einzige mit diesem Bedürfnis, du bist es nicht. Und für den Fall, dass ihr da mit dieser Thematik Oder dieser Tatsache, dass Menschen das tatsächlich machen und quasi ja im Grunde trotzdem den Whisky in der Hand haben und ihn trotzdem trinken. Wenn ihr damit mal angeben wollt, das Ganze nennt man pluralistische Ignoranz.

Wir nehmen Drogen also oft gar nicht wegen der Wirkung selbst, sondern wegen der Gruppe und den Menschen, mit denen wir zusammen da sind und mit dem Gefühl, dass uns das gibt. Wenn ihr das nächste Mal in der Gruppe seid und ihr bekommt mit, dass jemand versucht, jemanden anders zu überzeugen, dann hoffe ich, seid ihr auf meiner Seite und steht der Person bei, wenn ihr merkt, dass sie verunsichert wird. Wenn euch die Folge gefallen hat, dann abonniert uns super gerne, aktiviert die Glocke, um keine Folge mehr zu verpassen und schreibt uns super gerne bei Instagram über eure Geschichten zum Thema Gruppenzwang. Und damit sagen wir, seid lieb zueinander.

Und wir sagen, tschüss.

Trotz der musikalischen Brillanz. Brillanz. Jetzt bin ich gerade dumm. Brillanz. Das ist brillant. Brillant. Brillant. So.