Bin ich das Arschloch, weil ich bei der Beförderung meiner Kollegin dachte, naja, kein Wunder, die hat ja auch keine Kinder und kein Haus. Während ich ihr förmlich gratuliere, denke ich, ihr Erfolg zählt nicht wirklich. Wer nichts anderes hat als seinen Job, der muss ja zwangsläufig befördert werden. Das ist kein Talent, das ist einfach nur ein trauriger Mangel an Alternativen. Dabei ist das doch wirklich unerhörtlich.
Bapsi, was war das Erste, was du gedacht hast, als ich das hier vorgelesen habe? Ich kann sowas mittlerweile nicht mehr mit einem neutralen Ohr hören, ehrlicherweise. Immer wenn jemand sowas sagt oder sowas sagt. Irgendwie ausspricht oder so, dann habe ich das Gefühl, ich kann diese Eifersucht, diesen Neid und diese Missgunst gefühlt in der Luft schneiden. Und mein erster Gedanke ist dann immer so, krass, das macht dich richtig fertig, oder? Also ich kann das einfach nicht mehr neutral hören, nicht weil ich den Gedanken nicht selber kenne und nicht weil ich nicht selber auch weiß, dass man sich manchmal so fühlt und manchmal denke ich das auch. Wenn ich neidisch bin und missgünstig und ich mir denke, Mann, ich will das auch und du hast das gar nicht verdient, weil ich mich selber so unsicher fühle. Aber ich denke dann bei mir selber auch, da haben wir echt ein Problem mit gerade, oder? Also ich kann es nicht mehr neutral betrachten. Mein erster Gedanke war.
Da sollten wir wohl mal an unserem Selbstwertgefühl arbeiten. Ich kann es einfach nicht neutral. Geht es dir auch so? Ja, bei mir springt, sofort an so die Frage, was dahinter steht. Weil ich einfach mal behaupten würde, niemand ist missgünstig, wenn da nichts eigenes dahinter steht und wenn da keine Wünsche und Träume und Bedürfnisse vielleicht dahinter stehen, die einem selbst verwehrt bleiben.
Denn so dieser starke Neid und diese Missgunst und dieses, andere im Kopf fertig machen oder abwerten, das Es sagt ja immer mehr über mich aus, als über die Person, über die ich das mache. Also frage ich mich direkt, okay, was steckt da vielleicht in der Person? Ich meine, dass mein erster Gäst da wäre, da wünscht sich jemand vielleicht selbst eine Beförderung oder da wünscht sich jemand vielleicht selbst gesehen zu werden mit dem, was er da alles tut. Was ich interessant finde ist, oder was ich so beobachtet habe selber, ist, dass ich kann das nicht mehr neutral betrachten, weil mir dann auch immer auffällt, wertet die Person das Ziel selbst ab oder wertet die Person die andere Person ab, die das Ziel erreicht hat? Weil es ist ja das eine zu sagen, boah, die Kollegin, ja gut, die hat ja auch nichts anderes, voll das traurige Leben, dass sie ja befördert wird, ist ja klar. Man hätte aber auch sagen können, ja, mega für sie, aber seien wir ehrlich, die Beförderung bringt ihr jetzt auch nicht so viel und so viel mehr Verantwortung ist eh nicht und viel mehr Geld gibt es auch nicht. Und ja, ist ja eigentlich am Ende des Tages auch nur ein Titel. Also es gibt ja zwei unterschiedliche Dinge, die man da quasi abwerten kann. Und ich finde das auch immer interessant. Also es fällt mir einfach immer auf, wenn Leute das machen, ist in mir drin, geht so eine kleine Lamp an. Es ist so, bing.
Nicht, weil ich das, wie gesagt, nicht, weil ich das nicht selber kenne und nicht, weil ich sage, oh mein Gott, wie kannst du nur, aber, sondern viel eher, weil, ich weiß auch nicht, weil wir uns irgendwie schon so häufiger damit beschäftigt haben und ich häufiger auch mit Leuten zu tun hatte, die sowas in Gruppen auch gesagt haben und die dann so richtig über die andere Person gelästert haben und sowas. Und ich dann immer dachte, hm, was genau steht für dich dahinter? Wofür ist das gerade gut? Warum machst du das? Warum musst du das? Brauchst du das gerade? Und da finde ich es dann auch interessant, ob die Person das Ziel abwertet oder die Person, die das Ziel erreicht hat, abwertet. Weil ich mir immer denke, auch das sagt unterschiedliche Dinge aus. Kennst du das denn von dir? Dass ich Leute abwerte, um mich selber besser zu fühlen? Ja, in meinem Kopf auf jeden Fall. Und ich mag das an mir nicht. Und es ist tatsächlich auch nichts, was ich irgendwie so absichtlich mache, also wofür ich mich bewusst entscheide, sondern manchmal kommt das vor, dass ich... Personen in meinem Kopf irgendwie kleiner mache, als sie sind oder auch das, was sie erreicht haben, kleiner mache, als es ist, weil ich sofort merke, nicht, dass ich es der Person nicht gönne, also manchmal auch das tatsächlich, manchmal bin ich auch missgünstig, sondern weil ich selber merke, das hätte ich auch gerne gehabt und dann finde ich es so unfair, dass das jemand anders bekommen hat und ich habe es nicht bekommen.
Und das ist aber wie so ein Automatismus in meinem Kopf. Und dann versuche ich selber halt so korrigierend einzugreifen, zu sagen, hey, die Person hat überhaupt nichts damit zu tun und egal wie missgünstig du bist, das bringt dich nicht einen Schritt näher daran, das selber zu erreichen. Und du weißt gar nicht, wie viel Arbeit die Person investiert hat und versuche dann selber auf der einen Seite mich zu rügen in meinem Kopf dafür, dass ich das tue und mich ein bisschen lieb zu haben dafür, dass ich glaube, dass ich das gerade tun müsste. Was ich aber tatsächlich nicht tue, ist, ich spreche das nicht aus, weil ich weiß, dass es was mit mir zu tun hat und nicht mit der Person. Jetzt lass mich nicht hängen, sag mir, dass es dir auch mit Schaube geht. Natürlich. Also ich kenne das auch, dass mein Kopf es manchmal auch automatisch macht, wenn es irgendwas ist, was ich unbedingt will und wofür ich vielleicht auch viel Energie reinstecke. Und dann sehe ich, dass jemand anderes es vielleicht schon hat oder vielleicht auch leichtere Art und Weise, so wie es aussieht, vielleicht bekommen hat oder irgendwie vielleicht da schneller war, besser war, keine Ahnung. Dann merke ich das in meinem Kopf. Auch bei mir bleibt es auch im Kopf. Aber da geht so ein kleiner Rage los. Also da ist wie so ein kleiner Teil von mir, wie so eine kleine Stimme, wie so ein kleiner wütender Anteil, der da richtig Radau macht und richtig rumbrüllt.
Und es gibt aber auch immer diese eine Stimme, die sagt, ja, aber wir wissen ja auch alle, dass es jetzt nichts mit der Person zu tun hat. Also das ist immer auch da und was ich aber auch bei mir beobachtet habe, das hat sich so ein bisschen über die Jahre entwickelt, ist nicht nur dieses wütende, dieses sehr missgünstige, sondern auch ein, ich würde es ja fast schon sagen bewusstes. Ich weiß nicht, ob man es Abwerten nennen kann von anderen. Das fällt mir auf, wenn ich zum Beispiel auf Social Media Leute sehe, die immer so eine perfekte Wohnung haben. Und ich merke, das habe ich glaube ich schon mal erzählt, ich merke, dass mir das Druck macht. Und da bemerke ich bei mir und den Gedanken lasse ich dann auch zu, dass ich mir manchmal denke, bestimmt sieht es bei der abends auch mal richtig chaotisch in der Küche aus. Also da quasi, ich würde nicht sagen, dass es eine richtige Abwertung ist. Finde ich auch. Sondern das ist eher so ein, ich glaube, Ranholen an meine Realität, dass halt diese Person, die sich so perfekt inszeniert, dass ich mir da sage, die ist nicht so perfekt. Und das ist was, was ich mir auch ausdrücklich erlaube, wenn ich mir das angucke, weil ich mir dann denke, naja, realistischerweise kann es nicht immer so sein.
Und es mir eine Erleichterung verschafft, nicht so perfektionistisch oder nicht so streng mit mir zu sein, wenn ich die andere Person da quasi ein bisschen mehr in meine Realität holen kann, in meinem Kopf. Ja, ich finde das total nachvollziehbar. Ich finde auch, das ist auch kein Abwerten, sondern einfach ein Reality-Check. Ich habe das, wenn ich mir so Fitness-Influencer angucke und ich mir denke, wie schaffst du das? Wie schaffst du das, viermal die Woche ins Gym zu gehen und jeden Tag auf deine Proteine zu kommen und gesund zu essen und noch 10.000 Schritte zu gehen. Und dann fällt mir ein, dass die Person das hauptberuflich macht. Oder zumindest 50 Prozent ihrer Zeit. Und dann fällt mir ein, dass ich einen Vollzeitjob habe und noch einen Podcast und das Privatleben, das die Person auch hat. Aber ich habe diese zwei Doings, vor allen Dingen den Vollzeitjob, der nun mal logischerweise einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch nimmt. Und dann denke ich mir.
Also die Person macht das halt hauptberuflich, deswegen hat sie andere Möglichkeiten. Und ich glaube, das ist ein Unterschied, das hat ja nichts mit Abwerten von der Energie zu tun, die die Person investiert und auch nichts mit Abwerten von dem Ergebnis zum Beispiel. Aber ganz grundsätzlich kann man glaube ich sagen, dass wir das beide haben und dass das auch kein ungewöhnlicher Gedanke ist, das zu denken. Ich glaube, problematisch wird es dann, wenn man es tatsächlich ausspricht, wenn man Leute tatsächlich aktiv herabsetzt. Und wo ich persönlich die Grenze ziehe, ist, ich versuche nie das Ziel abzuwerten. Also ich versuche auch die Person nicht abzuwerten, versteht mich nicht falsch. Aber ich versuche mir selber im Kopf diese Wut, die ich empfinde, dass jemand anderes das erreicht hat und ich das noch nicht erreicht habe, zu katalysieren in etwas Produktives, indem ich sage, was muss ich tun, damit ich das erreiche, weil ich will das auch. Und dann nutze ich quasi diese Wut, die aus diesem sozialen Vergleich entsteht, um an mein Ziel näher heranzukommen.
Jeder von euch und jeder von uns, der jemanden anders in seinen Gedanken schon mal klein gemacht hat, hat bestimmt gemerkt, dass man sich auf der einen Seite vielleicht ein bisschen schäbig fühlt, aber irgendwie auch gut. Es fühlt sich irgendwie beruhigend an, wenn man Argumente dafür gefunden hat, warum der andere es leichter hatte oder es einfacher war oder der Erfolg gar nicht so erstrebenswert ist. Und dazu gibt es tatsächlich Forschung zur Social Dominance Orientation von Felicia Pretto und die zeigt, dass wir alle ein archaisches Programm in uns tragen, das uns immer wieder dazu bringt, Statushierarchien zu sichern. Also Abwertung ist quasi wie so eine Art Werkzeug, um den eigenen Rang weiterzuhaben. Weil natürlich, wenn jemand etwas erreicht, dann gerät in unserem Kopf diese soziale Hierarchie, wie wir sie wahrnehmen, ins Wanken und wir befürchten, dass unser Platz nicht mehr sicher sein könnte und dass wir quasi herabrutschen. Und wenn wir die Kompetenz anderer oder die Erfolge anderer infrage stellen, sichern wir unbewusst unseren eigenen Platz in dieser Hackordnung in Anführungszeichen. Und in modernen Beziehungen führt das dazu, dass wir andere Personen klein halten und schlecht machen, nur damit wir unsere eigene soziale Wichtigkeit oder auch unsere gefühlte Dominanz behalten können. Jetzt kann man natürlich auch sagen, okay, aber es gibt ja auch Menschen, bei denen habe ich gar keinen Neid, obwohl die vielleicht auch was Ähnliches erreichen wollen wie ich.
Oder obwohl die vielleicht im gleichen Sektor sind oder obwohl die mir sehr nahe stehen. Und es gibt ja auch Menschen, da verspürt man dann wirklich gar keinen Neid und kann sich nur freuen für die Erfolge dieser Person.
Und auch dazu gibt es natürlich eine Theorie oder ein Modell. Das ist das Self-Evaluation-Maintenance-Modell von Abraham Tessa.
Der hat herausgefunden, besagt, dass wir uns nur dann über den Erfolg von anderen freuen, wenn dieser Erfolg uns nicht bedroht. Das heißt, sobald uns vielleicht eine Person nahesteht und aber gleichzeitig in einem Bereich glänzt, in dem wir unbedingt glänzen wollen, dann schlägt das Ganze um von, ich freue mich nur für diese Person zu, da ist aber auch ein kleiner Stich drin. Und da neige ich dann doch dazu, vielleicht ist irgendwie eine Richtung für mich zu drehen, dass es nicht mehr ganz so wehtut für mich. Und der Erfolg des anderen wird dann also so ein bisschen zum Spiegel von unseren eigenen Defiziten, denn jemand, der mir nahe steht, hat das erreicht, was ich eigentlich möchte. Und ganz ehrlich, natürlich kann das halt auch mal wehtun und ich finde es auch ganz normal und wirklich überhaupt gar nicht verwerflich, wenn dieser Stich auch dann kommt, wenn vielleicht die beste Freundin was erreicht. Also das entwertet nicht die Freundschaft, das macht euch nicht als Person zu einer schlechten Freundin, schlechter Freund oder zu einem schlechten Menschen, sondern das ist einfach nur sehr menschlich, wenn man eben dadurch vorgehalten kriegt, da wurde was erreicht, was ich eigentlich auch will und was ich halt noch nicht geschafft habe.
Und ich glaube, dass wir uns da wirklich freimachen müssen davon, dass wir als moralisch perfekte, beste Freunde, Partner, was auch immer, keinen Neid empfinden dürfen oder auch nicht mal so ein bisschen denken können, so Gottverdammt, das hätte ich auch gehabt, das tut gerade weh. Ja. Ich finde, man muss es nicht immer erzählen, man muss es nicht immer sagen. Ich finde nicht, dass es notwendig ist, allen Leuten immer zu erzählen, hey, ich freue mich voll für dich, aber ich bin auch voll neidisch. Ja, man muss es nicht immer sagen. Und ich finde auch nicht, dass man irgendwie selber in Freundschaften oder auch in Beziehungen so transparent sein muss, dass man jedem immer sagen muss, ja, ich bin auch ein bisschen traurig, weil ich es nicht erreicht habe. Weil manchmal geht es halt auch einfach nicht um einen selber, sondern um den Erfolg der anderen Person. Aber ich glaube, was wir alle dürfen, ist, wir dürfen uns verzeihen, dass wir das fühlen. Und wir dürfen uns verzeihen, dass wir das empfinden. Und wir müssen uns nicht dafür schämen. Und wir müssen auch nicht damit aufhören. Die Kompetenz, die psychologische Kompetenz an dieser Stelle liegt nicht darin, selbst nicht mehr im Kopf diesen Automatismus zu haben, andere abzuwerten, um sich besser zu fühlen, sondern das Gefühl, als das zu erkennen, was es ist, nämlich ein Signal unseres Egos.
Und im Grunde kann man auch einfach nur denken, ah ja, okay, da ist wieder mein Ego aktiv, das hat gerade wehgetan, weil ich das auch gerne erreicht hätte, aber es darf vorübergehen, das darf kurz wehtun und wir dürfen das vorübergehen lassen oder wir dürfen es nutzen, um unser eigenes Ziel weiter zu verfolgen und müssen es nicht überbewerten und wir müssen uns nicht dafür fertig machen und uns nicht dafür schämen, dass unser Gehirn uns sagt, oh, das hätte ich auch gerne erreicht.