Es war so unangenehm und das habe ich noch ganz stark im Kopf. Das ist mir eingefallen, dass wir gerade eben vorhin über Scham gesprochen haben, dass ich das auch schon ein paar Mal gemacht habe, dann irgendwie Termine verschoben, weil es so stark war, dass ich mich halt geschämt habe. Und das Krasse daran ist, ist, dass ich, auch wenn ich blute, trotzdem weitermache. Willkommen bei Blackbox, der Psychologie-Podcast, der dich mitnimmt in die Tiefen der menschlichen Psyche. Ich bin Maxi. Und ich bin Babsi. Als studierte Psychologinnen schauen wir uns an, warum Menschen fühlen, denken und handeln, in Extremen wie im Alltag. Dabei verbinden wir Psychologie mit echten Geschichten direkt aus dem Leben. Von Beziehungen über Verbrechen bis hin zu.
Vielleicht kennen das einige von euch, wenn man angespannt ist oder irgendwie gestresst ist, dann neigen ja ganz viele Menschen dazu, so bestimmte Körperbewegungen zu machen. Also ich kenne das zum Beispiel, mein kleiner Bruder, der wippt immer mit dem Fuß, der zuckt so mit dem Knie die ganze Zeit, so hoch und runter wippen ganz schnell. Ich bin auch oft eine Person, die, wenn sie einen Stift dann in der Hand hat, immer so klickt. Oh, das macht mich wahnsinnig. Das macht mich irre, wenn Leute das machen. Oder Fuß wippen. Also nicht mit dem ganzen Knie, sondern mit dem Fuß wippen. Oder, oh, an Ring drehen. An meinen Ring drehen, das mache ich auch. Das mache ich auch richtig oft. Oder mit so einem Stift rumspielen. Ich klicke den allerdings nicht, sondern ich habe oft einen Stift, der eine Kappe drauf hat und dann mache ich die Kappe ab und wieder drauf, ab und wieder drauf. Ja, genau.
Solche kleinen Bewegungen kennen wahrscheinlich auch alle von euch. Also ich würde mal behaupten, dass fast jeder so Verhaltensweisen hat, so Bewegungen hat, die man einfach zeigt, wenn man irgendwie gestresst ist oder gerade angespannt ist. Oder ungeduldig. Ich mache das auch oft, wenn ich ungeduldig bin. Ja, und diese Bewegungen, die erscheinen ja so ganz normal. Ich meine, jeder macht sie und sie sind auch total normal. Und gleichzeitig erfüllen sie ja die Funktion, dich so ein bisschen zu regulieren. Also zumindest geht es mir so. Wenn ich die ganze Zeit mit dem Stift klicke, dann ist das was, was ich in angespannten Situationen tue und was mich dann da irgendwie so ein bisschen, ich weiß nicht, wie so. Reguliert? Ja, reguliert, so.
Ich würde es mal so sagen, in dem Moment kann ich dann was anderes machen, was mich irgendwie auf eine ganz repetitive Art und Weise beschäftigt, aber das ist dann so ein entspanntes Beschäftigen. Ich mache das ganz oft, wenn ich in einer Situation bin, in der ich mich nicht so bewegen kann, wie ich mich gerne bewegen würde. Also wenn ich zum Beispiel irgendwo in einem Meeting sitze oder so, dann spiele ich mit dem Stift rum, weil ich natürlich nicht mitten im Meeting aufstehen und durch den Raum gehen kann. Ja. Das heißt für mich ist das dann so ein, wie so ein Mechanismus, der diesen inneren Drang befriedigt, mich zu bewegen, während ich gleichzeitig sozial erwünscht im Stuhl sitzen bleibe. Ja, es ist eigentlich eine Ersatzhandlung quasi für das, was man dann vielleicht in dem Moment anderes gerne tun würde. Genau. Wenn du jetzt sagst, du würdest lieber aufstehen, kannst aber nicht, weil du sitzt ja im Termin. Ja, oder halt so ein Mechanismus, um so die Anspannung irgendwo, um irgendwas mit der Anspannung zu machen. Ja.
Und jetzt kennen es vielleicht auch viele von euch, dass es nicht nur um wiederholende Bewegungen an sich geht, sondern manchmal gibt es auch Menschen, auch so wie Babsi und ich, kleiner Spoiler, die dann dazu tendieren, dass man sich so lose Haut abknibbelt. Ich habe es jetzt gerade gemacht, Babsi guckt gerade so. Ich habe schon angefangen an meinem Finger, obwohl ich eigentlich keine Fingerknibblerin bin. Genau, aber das kennen ja viele Menschen. Also ich kenne auch total viele, die das machen, dass sie sich so lose Haut an den Fingern abknibbeln. Babsi zeigt jetzt gerade ihre Hand. Ja, ich gehöre zu den Leuten, die das an den Fingern ganz, also früher richtig schlimm gemacht haben. Also früher hat meine Haut am Daumen oft geblutet, vor ein paar Jahren noch. Und mittlerweile habe ich es irgendwie ein bisschen besser hinbekommen, das nicht so weit zu treiben quasi, dass es blutet, weil das tut natürlich auch weh. Aber ich gehöre immer noch zu den Leuten, die da so dran rumfummeln und das ganz schlecht sein lassen können. Das passiert ja auch ganz oft. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich bemerke es bei mir ganz oft auch in Situationen, in denen ich eigentlich was anderes mache, zum Beispiel gerade lese oder lerne oder einfach sehr konzentriert bin. Das ist bei mir tatsächlich gar nicht so sehr der Fall.
Bei mir ist es eher so, wenn ich super angespannt bin.
Man hat ja an den Fingern, das ist ja ganz normal, dass man an dem Nagel irgendwann so Nagelhaut bekommt. Also diese weiße, mini kleine Schicht, die man so am Nagel hat. Und mich macht das übelst nervös, das zu sehen. Also wenn ich das an meinen Fingern habe, ich mag das nicht. Also ich persönlich mag das an mir nicht und mache das dann immer weg. Ich bin sowieso einmal im Monat oder alle fünf Wochen im Nagelstudio, weil ich mir immer die Nägel machen lasse. Aber ich kann das dazwischen nicht aushalten. Und dann fummel ich ganz oft mit so Metall-Nagel-Werkzeug da dran rum, um diese Haut abzumachen. Und das wäre prinzipiell gar nicht schlimm, wenn ich dann nicht dazu neigen würde, dass ich will, dass es richtig sauber wird. Und ich bin aber nicht so professionell, also ist es nie richtig sauber. Und dann entstehen da halt so kleine Stellen, die dann irgendwie rau sind oder wo irgendwas absteht oder irgendwie nicht perfekt glatt ist. Und das ist der Moment. Dann fange ich an, daran rumzufummeln und gerade wenn ich angespannt bin, dann mache ich das noch viel mehr. Also wenn ich lese oder so nicht, sondern eher, wenn ich einen super, angestrengten, super stressigen Tag hatte und irgendwas ist passiert, das mich emotional auch krass beschäftigt, dann merke ich das oft daran, dass ich so angespannt bin, dass ich anfange, an meinen Fingern rumzupulen und an der Haut rumzupulen und mir währenddessen denke, warum machst du das? Hör auf damit und ich mache trotzdem weiter. Das wäre jetzt auch meine nächste Frage gewesen. Verspürst du da so einen Zwang, das zu machen dann? Also so, dass du aufhören willst, aber es geht irgendwie nicht. Ja.
Also manchmal klappt es und ich habe auch schon angefangen, mich in den Momenten, also wirklich dann in die Küche zu gehen und Handcreme auf meine Hände zu machen und sie so cremig zu machen, dass da gar nichts mehr geht. Einfach um damit aufzuhören, weil ich es nicht aus eigenem, also manchmal kann ich es aus eigenem Willen und manchmal fange ich wieder an und erwische mich dann erst ein paar Minuten später dabei, dass ich das gerade schon wieder ein paar Minuten lang mache und kann es nicht lassen und es macht mich verrückt.
Geht's dir auch so? Ja. Kleiner Teaser auf die heutige Folge. Ich kenne das ganz stark bei mir. Skinpicking ist, glaube ich, ein Thema, was mich schon seit der Pubertät begleitet. Ich habe das schon sehr lange und auch immer wieder auch sehr, sehr stark.
Und ein kleiner Spoiler für die, die jetzt gerade zuhören. Ganz genau gehe ich darauf so gegen Mitte der Folge ein, denn wir erklären einmal kurz, was wir eigentlich genau damit meinen, was Genpicking eigentlich wirklich ist.
Und auch so ein bisschen die Hintergründe dahinter, warum Menschen das eigentlich machen, weil es gibt so, so viele Menschen, die sich die Haut abknippeln und die da so eine Art von Zwang verspüren. Von daher wollen wir heute jetzt erst darüber sprechen, so ein bisschen, warum das so ist, was das genau ist, und dann spreche ich sehr gerne, sehr ausführlich auch über meine Erfahrungen damit, weil ja, hab da schon ein bisschen was hinter mir und hab auch ein paar Tipps dabei, was man machen kann, was mir hilft. Und was wir beide dann jetzt auch tatsächlich ja bei jeder Aufnahme von jeder Folge dann auch machen, um uns vom Knibbeln abzuhalten. Ja, das stimmt. Ganz viele Leute sind ja der Meinung, dass Skinpicking einfach nur so eine Art schlechte Angewohnheit ist. Also dass das was ist. Ich habe als Kind zum Beispiel auch bis ich 13 war meine Fingernäcke gekaut, auch ganz doll gekaut. Und erst als ich so 13 geworden bin, habe ich damit aufgehört, weil dann wurden Jungs interessant für mich. Und dann fand ich die Vorstellung unangenehm, mit jemandem quasi die, also jemandem die Hand zu geben oder so Händchen zu halten und dabei so abgeknibbelte Fingernägel zu haben. Ja, ja. Also habe ich das zwei Jahre lang versucht, damit aufzuhören und es hat eher schlecht als recht funktioniert und seitdem habe ich künstliche Fingernägel, weil es mir so unangenehm war, weil meine Fingernägel halt auch nicht mehr schön waren vom Kauen und von daher habe ich auch voll die, auch selber voll die lange Erfahrung damit, an allen möglichen Dingen an meinen Fingern rumzufummeln, weil das schon so lange ein Thema ist.
Und da war das auch so, dass es ganz oft hieß, ja lass es doch einfach. Es gibt diesen Nagellack, der so bitter schmeckt. Und ich habe das trotz dieses bitterschmeckenden Nagellacks weitergemacht. Das ist keine Angewohnheit. Das ist nicht einfach was, wo man sich denkt, ach ja, dann lasse ich das wieder. Sondern ich konnte nicht damit aufhören. Ja, das kommt ja dann so oft so, ja lass doch einfach. Ach, das musst du dir aber abgewöhnen. Das musst du dir aber abgewöhnen, als ob es so easy ist. Also ob es halt einfach wirklich nur eine schlechte Angewohnheit ist, wie, keine Ahnung, ich...
Schau zu lange fernsehen oder ich trinke zu viele Spaßgetränke. So was ist es halt nicht. Denn Skinpicking ist tatsächlich halt keine Angewohnheit, sondern der Versuch unseres Nervensystems, unsere innere Anspannung zu regulieren. Es gibt tatsächlich sogar eine offizielle Diagnose für Skinpicking, die lautet Dermatillomanie. Für diejenigen von euch, die es genau wissen sollen, das ist die F63.9. Im ICD-10, im ICD-11 wird es wahrscheinlich wieder anders aussehen. Aber praktischerweise sind wir jetzt ja noch mit ICD-10 beschäftigt. Und diese Diagnose gehört zu den quasi abnormen Gewohnheiten oder auch Störungen der Impulskontrolle. Das heißt, das ist ganz offiziell keine schlechte Angewohnheit. Diese Verhaltensweise gehört in der Psychologie auch zu einer Gruppe von Verhaltensweisen, die man Body-Focused Repetitive Behaviours nennt. Also körperfokussierte, sich wiederholende oder repetitive Verhaltensweisen. Dazu gehört zum Beispiel auch sowas wie Nägelkauen oder auch das Ausreißen von Haaren, die sogenannte Trichrothilomanie.
Und gemeinsam ist all diesen Verhaltensweisen, dass sie sich quasi auf den Körper richten, man also am Körper eine Art Veränderung vornimmt im weitesten Sinne und es aber dafür da ist, quasi die eigenen Emotionen zu regulieren. Das heißt, man benutzt den Körper oder Teile des Körpers quasi als eine Art Ventil. Im medizinischen Kontext wird Dermatillomanie daran erkannt, dass Menschen eben an der Haut knibbeln, Pickel ausdrücken oder Unebenheiten, so wie Schorf, immer wieder abkratzen. Oder eben an sowas wie zum Beispiel Narben rumdrücken, rumzupfen. Alles so ein bisschen mit dem Ziel, das zu glätten, so wie du es gerade gesagt hast. So mit dem Ziel, dass alles ganz glatt und perfekt ist und es keine Unebenheiten mehr gibt. Aber ja, Spoiler, das kriegt man dann...
In den wenigsten Fällen wirklich so hin, dass man dann zufrieden ist. Das Ergebnis, was halt eigentlich meistens oder oft dabei herauskommt, ist, dass durch das Knibbeln Blutungen verursacht werden. Also, dass man dann an den Fingern, wie du gesagt hast, vielleicht blutet, an der Lippe vielleicht blutet, im Gesicht an den verschiedenen Pickeln blutet. Dazu gehört übrigens auch, Skinpicking klingt ja so ein bisschen, als würde man das alles nur mit den Fingern machen. Dazu gehört auch, das mit den Zähnen zu machen. Also auch an der Nagelhaut zum Beispiel an den Fingern zu beißen, an der Seite oder auch an den Fingernägeln selbst. Oder auch an anderen Stellen, wenn ich jetzt irgendwie eine Wunde hätte an der Hand oder am Arm und da wäre irgendwie scharf und ich würde da mit den Zähnen dran rumfummeln. Dann zählt das in die gleiche Kategorie, das macht keinen Unterschied. Zwanghaft ist dieses Verhalten dann, wenn ihr selbst schon versucht habt, dieses Verhalten zu verringern oder zu beenden. Das heißt, wenn ihr hier umgangssprachlich mit Angewohnheit versucht habt, euch das schon abzugewöhnen und das nicht funktioniert hat.
Oder auch wenn ihr deutliche Hautverletzungen als Resultat dieses Verhaltens habt. Als eigenständige psychische Erkrankung wird es dann gewertet, wenn daraus eine seelische Beeinträchtigung oder generellen Leidensdruck einfach entsteht. Dann kann die Dermatillomanie auch als eigene Erkrankung diagnostiziert werden. Das heißt, es kann wirklich eigenständig eine Erkrankung sein eben mit zwanghaften Anteilen. Was auch total typisch ist, was ich auch von mir kenne, ist, dass Betroffene oft gar nicht merken, wenn sie an ihrer Haut zupfen. Dass sie es vielleicht erst merken, wenn sie schon zehn Minuten daran beschäftigt sind. Oder es eben, wie schon gesagt, besonders dann machen, wenn sie sehr angespannt sind. Ich merke das manchmal, wo du es gerade erzählst, dass ich das mit meiner Nagelhaut zum Beispiel mache. Dass ich dieses ...
Ich weiß gar nicht, wie man das nennt, diesen Nagelhautschieber oder so nehme. Ja. Und dass ich den in der Hand habe und ich schon damit beschäftigt bin und mir dann erst klar wird, was ich da gerade mache. Also es ist auch wirklich so, als wäre mein Gehirn nicht anwesend, während ich das mache und dann lege ich ihn weg und denke mir, hör auf damit. Und dann lege ich ihn irgendwo hin und arbeite zum Beispiel oder weiß ich nicht, mache irgendwas in der Küche und dann laufe ich wieder dran vorbei und dann nehme ich ihn wieder in die Hand und mache das wieder und denke mir so, was, wo muss ich den hintun? Und dann verstecke ich teilweise, also dann tue ich sie irgendwo, dieses Ding irgendwo in eine Schublade und packe das in so drei unterschiedliche Etuis und dann packe ich das Etui noch in ein Etui und dann packe ich das in eine Schublade und mache die Schublade zu und dann gehe ich in ein anderes Zimmer, weil ich mir denke, Gottverdammt, jetzt hör endlich auf damit. Und das ist, also selbst wenn es nicht blutet, einfach nur, weil ich merke, also ich habe es mittlerweile zum Glück so weit im Griff, dass es nicht blutet.
Aber einfach, weil ich merke, du wolltest damit aufhören. Ja. Und du musst dieses Ding wegpacken, weil ich zum Beispiel nicht mehr so oft irgendwie daran mit den Fingern rumpule, sondern halt mit diesem Ding. Also versuche ich, dieses Gerät in Anführungszeichen, dieses Hilfsmittel zu verstecken, damit ich damit aufhöre. Ja. Und musst dir dann irgendwelche Methoden ausdenken. Ja. In irgendeine Schublade, in irgendeine Schatulle, irgendwie besonders abschließen, dass du da nicht mehr rangehst. Und das Ende vom Lied ist dann nämlich irgendwas anderes. Ja. Also es ist wirklich es nervt mich auch selber und ich habe da auch richtig lange selber schon mit zu tun. Also es ist wirklich nicht so, dass man sagt.
Ich lasse das jetzt einfach mal. Es gibt tatsächlich auch eine sehr extreme Variante der Dermatillomanie. Das ist die Akne ex Corie, eine besondere Form von Akne quasi, die dadurch verursacht wird, dass die Person sich selbst verletzt. Also es betrifft meistens Frauen, die zwanghaft zum Beispiel an ihrem Gesicht herumdrücken und herumzwicken. Und es spielt überhaupt keine Rolle, dass die Betroffene selber gar keine echte Akne, also schwere, sichtbare Entzündungen im Gesicht hat, weil Menschen, die von Akne ex curie betroffen sind, haben selber das Gefühl, dass so die kleinste Hautunreinheit für sie schon extrem störend ist. Und dann versuchen sie, diese Unreinheit zwanghaft zu beseitigen, um glatte, perfekte Haut zu erreichen, was aber dann häufig dazu führt, dass sie eben so viel daran kratzen und rumfummeln, dass sie sich selber im Gesicht verletzen und dann Krusten oder auch Verletzungen entstehen, die zu Narben führen. Und dann hat man Narben im Gesicht von Pickeln, die nicht da waren, weil man nicht aufhören konnte, an diesen winzig kleinen Hautunreinheiten rumzufummeln. Ja.
Und wir wären ja nicht Blackbox, wenn wir nicht irgendeine spannende Studie zu den neurobiologischen Aspekten dabei hätten. Es gibt tatsächlich eine aktuelle Neuroimaging-Studie mit dem Titel Structural Neuroimaging of Skinpicking Disorder, durchgeführt an der Universität Graz. Da wurden über 200 Personen mit und ohne Skinpicking-Störung mittels MRT untersucht. Das heißt, es wurden Bilder von ihrem Gehirn gemacht. Und bei dieser Studie wurden Hinweise darauf gefunden, dass bei den Betroffenen einige Hirnregionen strukturell verändert sein könnten. Das hat vor allem die Insula betroffen, den orbitofrontalen Kortex und Teile der Basalganglieren.
Könnt ihr euch so vorstellen, alles, was ziemlich tief drin, eher in der Mitte eures Gehirns liegt. Diese Bereiche sind unter anderem an Körperwahrnehmung, Emotionsregulation und an Gewohnheitslernen beteiligt. Diese Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass Skinpicking möglicherweise mit Veränderungen in diesen Netzwerken zusammenhängt, die verantwortlich sind für Impulskontrolle und automatisierte Verhaltensmuster. Passend dazu gibt es auch noch eine weitere Studie aus 2024, wo Hinweise darauf gefunden wurden, dass Menschen mit Skinpicking häufig eine schlechtere interrozeptive Wahrnehmung haben. Interrozeptiv bedeutet die Wahrnehmung der eigenen Körpervorgänge. So was wie, dazu gehören Emotionen, dazu gehören aber auch so was ganz Bananes wie zum Beispiel Bauchschmerzen, Bauchgrummeln. Manche Menschen können ja, also spüren zum Beispiel oder hören von eurem Herzschlag, merken, wenn euer Verdauungssystem aktiv ist. Das sind alles interrezeptive Wahrnehmungen. Ich muss das jetzt direkt mal auf mich selbst beziehen, vielleicht tut ihr das auch gerade. Aber ich habe gerade direkt darüber nachgedacht, ob das bei mir wohl zutreffend ist, weil ich eigentlich immer der Meinung war, ich wäre, was meine eigenen Emotionen angeht, sehr selbstreflektiert und sehr gut in der Lage, sie zu erkennen.
Aber gleichzeitig habe ich neulich ein Gespräch mit jemandem gehabt und da ging es zum Beispiel um das Thema Nadeln und so Impfungen und sowas. Und zwar hat diese Person mir gesagt, dass sie...
Auf Injektionen sehr heftig reagiert, weil sie jeden Millimeter dieser Nadel im Körper spüren kann. Und das fand ich total verrückt, weil ich dachte, so eine gute Körperwahrnehmung kann kein Mensch haben. Und jetzt frage ich mich, ob das vielleicht mehr über mich aussagt als über die andere Person. Naja, es sind ja Hinweise darauf. Das heißt, wir wissen natürlich nicht, ob das stimmt. Was wir wissen, ist natürlich, dass es nicht die alleinige Erklärung dafür sein kann. Es ist ja immer alles multifaktoriell bedingt. Aber es sind Hinweise, dass es so sein könnte.
Also ich bin mir sicher, ich bin nicht die einzige Person, die gerade an genau dieser Stelle kurz angefangen hat, in den eigenen Körper reinzuspüren und sich zu fragen, fühlen das alle Leute so? Vielleicht ging es euch ja auch so.
Mir ging es auf jeden Fall auch so. Ich habe mir in dem Moment gedacht, Maxi, du bist Psychotherapeutin und du hast damit ein Thema. Wie kann es sein, dass du als Psychotherapeutin keine gute Körperwahrnehmung offensichtlich hast? Ihr seht, wir neigen auch dazu, bei sowas dann zu übergeneralisieren. Denn wie gesagt, es ist nur ein Hinweis darauf. Aber ich habe mich auch gefragt, wie gut bin ich darin eigentlich? Und ich glaube, ich bin schon eine Person, der es manchmal passiert, dass ich, gerade was zum Beispiel Belastung oder Stress oder Anspannung angeht, ich bin schon jemand, der eher mal ein, zwei Tage später erst bemerkt, dass ich richtig angespannt oder gestresst bin. Das erinnert mich an unsere Folge zum Thema Burnout, wo wir ja auch beide darüber gesprochen haben, dass wir, was Thema Stress angeht, echt irgendwie ein Thema haben. Ja, und es passt da halt mit rein. Also von dieser Hypothese, dass es mit interrezeptiver Wahrnehmung zu tun hat. Wie gesagt, das ist nicht die alleinige Erklärung, sicherlich nicht. Aber irgendwo sehe ich es schon. Also es könnte schon sein. Ich sehe die Logik dahinter. Auf jeden Fall eine sehr spannende Studie. Jetzt habe ich als Psychotherapeutin, die sich ja mit diesem Thema beschäftigt hat, was sie selbst betrifft, natürlich die gleiche Frage gestellt, die ich halt auch jedem meiner Patienten bezüglich deren Symptome stelle, nämlich, wofür ist das Skinpicking denn gut?
Welche Funktion hat es für dich? Welche Absicht verfolgt es? Hast du für dich schon eine Antwort darauf gefunden? Naja, ja. Also für mich ist die klare Antwort, es reguliert mich. Es hilft mir dabei, mein... Stimulationslevel auf einem gewissen Level eben zu halten, wo ich es brauche. Und gleichzeitig ist es natürlich aber auch dysfunktional. Aber da die Funktion dahinter zu erkennen, ist ja schon mal in dem Sinne hilfreich, dass wir sagen, wenn wir wissen, wofür es gut ist, wäre ja die Option vielleicht zu gucken, finden wir andere Methoden, um eben diesen positiven Benefit davon zu kriegen, ohne dieses Dysfunktionale zu haben. Ja, ja, das verstehe ich auf jeden Fall.
Ich glaube, für mich ist es irgendwie, und das ist ja in dem Bereich auch irgendwie nachvollziehbar, wenn man darüber nachdenkt, wie unser Nervensystem mit Spannung und Entspannung umgeht. Das sorgt ja oft dafür, dass wir im Körper irgendwie eine, also auch messbare Aktivierung empfinden. Also dass Stresshormone zum Beispiel vermehrt ausgeschüttet werden, dass der Puls steigt und unsere Aufmerksamkeit sich quasi mehr fokussiert. Und ich merke zum Beispiel, dass das bei mir häufig eben auch so eine Reaktion auf Anspannung ist. Und dass ich vielleicht auch irgendwie ein Thema damit habe, weil ich früher so krass an den Nägeln gekaut habe, dass ich jetzt will, dass meine Hände immer so, dass da nichts irgendwie weird dran aussieht. Und ich glaube, ich bin da selber sehr selbstkritisch. Wahrscheinlich bezieht sich bei mir das Ganze deswegen auch viel mehr auf meine Hände als beispielsweise auf meine Lippen, wo es ja auch irgendwie Leute gibt, die das machen. Ja.
Gleichzeitig geht es aber neben der Regulierung von Anspannung im Körper, also dem Reduzieren von Spannung, geht es paradoxerweise beim Skinpicking bei ganz vielen Menschen gleichzeitig auch um das Erzeugen von Spannung, von Stimulation. Das ist was, was ich erst sehr spät gecheckt habe, ehrlich gesagt. Ich bin nämlich eine Person, da gehe ich ja gleich noch ein bisschen genauer drauf ein, ich mache das sowohl, wenn ich sehr angespannt bin, dann wird es sehr stark, aber ich mache es auch, wenn ich Auto fahre und eigentlich ganz entspannt bin oder wenn ich lese oder wenn ich Fernsehen gucke, dann mache ich das auch. Und das sind Momente, wo ich dann in der Vergangenheit auch oft darüber nachgedacht habe, bin ich da dann eigentlich gestresst? Und ich bin aber mehrmals zu dem Schluss gekommen, nein, bin ich nicht. Ich bin in den Momenten nicht angespannt. Ich sitze an einem Samstag ganz entspannt auf der Couch. Alles ist in Ordnung und trotzdem mache ich das. Ich habe gerade so einen kleinen Realization-Moment.
Weil ich auch immer dachte, ich mache das bei mir nur zur Entspannung, aber eigentlich passt es auch nicht zusammen. Ja, und da kommen wir nämlich dahin. Ich habe ja gerade gesagt, es geht darum, ein bestimmtes Level zu halten. Ja. Und Skinpicking, beziehungsweise das, was unser Nervensystem damit versucht, ist, uns in einem bestimmten Aktivierungsniveau zu halten. Und jeder Mensch hat da quasi, kann man sich so vorstellen, ein anderes Level an Aktivierungsniveau, was optimal für einen selbst ist. Und unser Nervensystem möchte uns immer in diesem Aktivierungsniveau halten. Das heißt, wenn wir stark gestresst oder angespannt sind, versucht es uns zu beruhigen. Und wenn wir unterstimuliert sind, wie zum Beispiel bei ganz monotonen Tätigkeiten, langem Nachdenken oder wenn wir einfach halt auch konzentriert arbeiten oder wie ich jetzt gesagt habe, konzentriert lesen, dann sucht es nach so kleinen Reizen, die dieses Aktivitätsniveau wieder ein bisschen erhöhen. So quasi, das Gehirn ist nicht ganz ausgelastet, also müssen wir jetzt noch irgendwas dazunehmen an Stimulation, damit wir wieder dieses Aktivitätsniveau haben. Das heißt zum Beispiel, wenn ich lese und mein Gehirn das Gefühl hat oder wahrnimmt, dass es mich nicht genug reißt, Dann überlegt es sich in Anführungszeichen, um es ein bisschen personifizierter darzustellen, überlegt sich mein Gehirn, was könnten wir jetzt noch tun, um das aktuell bestehende...
Erregungsniveau noch ein Stück weiter hochzukriegen, weil das Lesen reicht mir irgendwie noch nicht. Mir ist ein bisschen langweilig. Ja, wir sind gerade nicht in der Comfortzone. Okay. Das heißt, ich kann sowohl Skinpicking nutzen, wenn mein Gehirn sagt, oh mein Gott, ich bin vollkommen gestresst, ich brauche irgendwas, das mich ein bisschen runterholt, als auch ja, mir ist ein bisschen langweilig, können wir vielleicht noch irgendwas dazu machen? Ja. Okay. Und da könnte man jetzt ja fragen, naja gut, wenn es aber nur das ist, warum fange ich dann nicht an, keine Ahnung, mit dem Bein zu wippen oder Oder warum kann ich ja nicht irgendwas anderes machen, anstatt eben mir an der Lippe oder an den Fingern oder im Gesicht rumzuknippeln?
Und da kommen wir jetzt auf den offenen Mechanismus aus der Verhaltenstherapie zu sprechen. Aus lerntheoretischer Sicht ist da nämlich die operante Konditionierung ganz weit vorne. Denn, du kennst das bestimmt noch aus dem Psychologiestudium. Das bin ich nie wieder losgeworden. Ganz kurz für euch zur Erklärung. Es gibt in der Operantenkonditionierung, also in der Lerntheorie, die Frage also, wie lernen wir unser Verhalten, da gibt es negative und positive Verstärkung. Negative Verstärkung bedeutet, dass ein Verhalten, zum Beispiel Babsi zeigt ein Verhalten, was dadurch verstärkt wird, dass ein unangenehmer Zustand verschwindet. Vielleicht, nehmen wir an, ich nerv die Babsi jetzt die ganze Zeit und schreie die ganze Zeit ins Ohr, bis sie, keine Ahnung, mir jetzt einen leckeren Drink macht. Und wenn Babsi mir diesen leckeren Drink gemacht hat, erst dann höre ich auf zu schreien. Das heißt, ihre Belohnung in diesem Sinne ist das Wegfallen dieses unangenehmen Reizes, nämlich ich schreie sie nicht mehr an.
Ganz plattformformiert. Das könnte funktionieren. Das könnte funktionieren. Dann gibt es noch die positive Verstärkung. Das ist eigentlich gleichzusetzen mit Belohnungen. Heißt, was Positives kommt hinzu. Da fällt mir immer als Dauerbeispiel ein, dass als mein Bruder und ich klein waren und wir an den normalen Toilettengang gewöhnt werden sollten, ich kann mich sogar noch daran erinnern, dass die Regel war, wenn wir groß auf Toilette machen, auf der Erwachsenen-Toilette, nicht mehr in unseren kleinen Plastikpott, dann kriegen wir ein paar Süßigkeiten. Und Süßigkeiten waren generell sehr limitiert in meinem Elternhaus. Und das war immer, das hat uns so angespornt, dass ich noch weiß, dass ich versucht habe, wirklich mehrmals am Tag aufs Klo zu gehen, damit ich, weil ich ja jedes Mal Süßigkeiten bekommen habe. Und End vom Lied war dann, dass wirklich teilweise im Haus rumgeschrien wurde, Mama, ich hab auf Klo gemacht, krieg ich jetzt was Süßes?
Ja, schön. Ich habe in Erinnerung, dass es gut funktioniert hat. Ein sehr eindrucksvolles Beispiel von operanter Konditionierung. Und wenn wir das jetzt mal übertragen auf Skinpicking, dann gibt es da natürlich niemanden extern, der uns irgendwie belohnt oder irgendwas Unangenehmes wegnimmt. Aber das kann auch sein, dass unser Körper uns diese Verstärkung gibt. Nehmen wir zum Beispiel an, man ist total angespannt von irgendwas und man fängt an, sich da an der Haut rumzuknippeln. Und dann reguliert sich ja das Nervensystem. Das heißt, viele Menschen berichten da auch von einer gewissen Erleichterung, wenn man das macht. Also das fühlt sich gut an. Das Nervensystem wird entlastet in dem Moment. Und diese Entlastung wäre dann eine negative Verstärkung, nämlich ein Wegfall von dieser negativ empfundenen Anspannung. Ja.
Sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Das heißt, auch wenn ich mich quasi unteraktiviert fühle, dann wird es auch verstärkt, weil dann fühle ich mich optimal aktiviert. Genau. Und dann wäre es auch eine positive Verstärkung, kommt was Positives hinzu. Das ergibt total viel Sinn. Ja. Und wenn man jetzt überlegt, was für Arten und Weisen zum Beispiel ja bei Skinpicking auch auftreten, also dass man versucht, Dinge zu glätten quasi. Ja. Ich musste gerade überlegen, jeder von uns hat schon mal einen Pickel ausgedrückt. Und manchmal funktioniert es ja richtig gut. Manchmal machst du das und danach am nächsten Tag ist es ja einfach weg. Also dann hast du noch so eine kleine Rötung, aber ansonsten ist es weg. Versus wenn du es nicht angefasst hättest, hättest du noch vier Tage damit zu tun gehabt. Das heißt, dann bist du ja doppelt belohnt quasi, weil es hat auch noch einen zweiten positiven Effekt. Oder um jetzt beim Beispiel von meinen Fingern zu bleiben, wenn ich das dann mache, dann sehen sie danach wieder ordentlich aus, wenn ich es gut mache und es nicht blutet und sich nicht irgendwie, wenn es nicht wehtut und so, dann habe ich einen doppelt positiven Effekt, weil ich fühle mich besser und ich habe dieses ästhetische, in Anführungszeichen, Ziel erreicht, das ich haben wollte.
Ja, womit ich total relate ist dieses krasse Gefühl von Entspannung und so eine, das ist satisfying irgendwie, wenn man das dann so, wenn man so, also das hört sich so schlimm an, aber wenn man so einen guten Hautfetzen erwischt. Doch, doch, doch, doch, doch, doch. Und der so leicht abgeht. Ich finde nur die Formulierung so, äh. Ja, aber ja. Aber es hat irgendwie was Satisfying-mäßiges. Und ja, ich sehe schon, dass das eine positive Verstärkung dahinter ist. Auch safe bei mir. Das spielt da tausendprozentig mit rein. Ja.
Grundsätzlich ist gegen die Tätigkeit an sich, an seinen Fingernängeln rumzufummeln, an seiner Lippe rumzuknibbeln und ab und zu mal an einem Pickel rumzudrücken, erstmal nicht so viel auszusetzen. Ich weiß, die Dermatologen werden mir jetzt beim Pickel ausdrücken den Kopf abschlagen, weil man das nicht machen soll. Aber grundsätzlich ist das erstmal nicht problematisch. Viele Menschen fummeln gelegentlich an ihrer eigenen Haut rum, knibbeln an irgendwelchen scharfigen Wunden oder an irgendwie einer Verletzung oder an rauer Haut oder so. Sie drücken einen Pickel aus oder entfernen trockene Haut. Und das ist erstmal nichts Ungewöhnliches. Das ist vollkommen normal. Problematisch wird es dann, wenn da bestimmte Muster auftreten. Zum Beispiel wie bei Maxi und mir, wenn dieses Verhalten häufig vorkommt, wenn die Haut regelmäßig verletzt wird. Ich kriege zum Beispiel immer Ärger von meiner Nageldesignerin beziehungsweise Nagelstudiodame, weil meine Haut an zwei Fingern dann rot ist, weil ich so Finger habe, an denen ich das öfter mache. Oder was ich auch merke, ist, dass an bestimmten Stellen an meinem Finger die Haut härter geworden ist mit der Zeit, weil der Körper sich ja daran gewöhnt. Und dann ist das Ganze nicht mehr normal, in Anführungszeichen, also nicht mehr im Normbereich. Und vor allen Dingen, wenn man als betroffene Person das Gefühl hat, dass man damit nicht aufhören kann.
Dazu kommt, dass es ja einen Unterschied gibt zwischen ich fummel an meiner Haut rum und entferne so ein bisschen lose Haut und ich drücke und reiße und kratze und quetsche und gehe da wie ich vielleicht noch mit einem Metallding irgendwie dran und verletze quasi... Meine Haut so aktiv, dass sie blutet, dass sie sich entzündet, dass es mir tatsächlich sogar wehtut. Bei manchen Menschen entstehen ja durch diese Verletzungen sogar Narben und offene Wunden und Entzündungen. Also ich habe eine Freundin von mir, die sich die Nagelhaut immer mit so einem Clipser zum Beispiel macht. Und über die Zeit, die sie das macht, hat sie sich schon so oft damit in die Haut geschnitten und es hat sich entzündet. Das hat mir auch den Magen umgedreht.
Und das Problem ist eben, dass solche Wunden dann manchmal auch monatelang nicht verheilen oder man immer in die gleichen Stellen reinschneidet, weil sich irgendwann Hornhaut bildet oder weil dann an der Stelle Schorf ist, der dann abgeknippelt wird. Und die klassischen Körperstellen, die an der Stelle häufig bearbeitet werden, in Anführungszeichen, sind Finger, Hände, Arme, das Gesicht und auch die Kopfhaut.
Viele Betroffene spüren über die Zeit hinweg irgendwann einen starken körperlichen, aber auch seelischen Leidensdruck, weil natürlich, wenn deine Finger zum Beispiel immer entzündet sind, und ich erinnere mich daran, dass das bei mir als Kind zum Beispiel oft der Fall war, dann tut das ja weh. Und es entzündet sich und vielleicht bleiben Narben oder es eitert irgendwann, je nachdem, wie schlimm du dir selber diese Verletzungen zugeführt hast. Und es gibt sogar viele Fälle von Menschen, die so viel Zeit dafür beanspruchen, diese Manipulation vorzunehmen, also an ihren Fingern oder ihrer Lippe oder ihrer Haut rumzufummeln, dass sie zu Verabredungen zu spät kommen oder zum Job zu spät kommen oder dass sie manchmal vielleicht sogar das Haus nicht mehr verlassen, weil sie sich so viele Wunden zugefügt haben oder im Gesicht so viele Verletzungen zugefügt haben, dass sie sich auch unwohl fühlen, das Haus zu verlassen. Ja, also Scham ist da ja auch ein Riesenthema. Weil wenn man sieht, was du quasi dir selbst angetan hast, dann hat man ja auch irgendwie Sorge, dass das auf Aversion, Ablehnung beim Gegenüber stößt. 100 Prozent. Ich gucke gerade auf meine Finger und ich habe es in den letzten Tagen irgendwie ganz gut hinbekommen, das nicht so viel zu machen, weil ich sehr viel von den Tipps angewendet habe, über die wir später noch sprechen. Aber ich sehe zum Beispiel auch, dass ich an meinem Daumen an der einen Stelle, es ist rot.
Und ich weiß, wenn Leute auf meine Hände gucken, dass sie das sehen werden. Und für mich ist das auch super unangenehm. Und die Tatsache, dass ich überhaupt künstliche Fingernägel habe, basiert ja auf der Charme, die ich empfunden habe, als ich 15 war, um quasi das erste Mal künstliche Nägel zu haben, damit die nicht mehr abgekaut sind. Also es ist ein riesen Thema.
Und ich weiß auch, dass ich selber schon ein paar Mal gesagt habe, ich hätte mich verbrannt oder ich wäre mit dem Messer abgerutscht und hätte mich geschnitten oder so, was nicht stimmt. Ich habe einfach so lange an meinen Fingern rumgefummelt, dass es geblutet hat. Und tatsächlich geht es richtig, richtig vielen Menschen so. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1,4 bis 5,4 Prozent der Bevölkerung betroffen sind.
Und die Dunkelziffer ist da wahrscheinlich nochmal deutlich, deutlich höher, weil es einfach, wie wir es gerade gesagt haben, mit so viel Scham einhergeht, dass es ja sicherlich ganz, ganz viele Menschen gibt, die das halt machen und aber nicht sich irgendwo melden, nicht damit irgendwo in Therapie sind, sondern einfach nur dieses Verhalten zeigen. Von daher ist die Dunkelziffer ganz, ganz sicher mal, würde ich jetzt schätzen, von meinem Bauchgefühl mal mindestens doppelt so hoch. Ich bin auch sehr überzeugt davon. Ich hatte vor ein paar Jahren eine Freundin, die tatsächlich, das wusste ich ganz lange nicht, die eine Perücke getragen hat, weil sie sich die Haare am Kopf ausgerissen hat. Und sie hat das so stark gemacht, dass sie irgendwann den Rest ihrer Haare abrasieren musste, weil sie so viele kahle Flächen am Kopf hatte. Boah, das ist aber schon herzig. Ja, also sie war auch in psychotherapeutischer Behandlung und hatte Comorbid damit auch noch andere psychische Erkrankungen.
Also sie hatte Comorbid im Sinne von gleichzeitig andere Erkrankungen auch noch. Und ich weiß noch, dass ich damals, wir waren sehr, sehr eng befreundet irgendwann und dann hat sie mir das erzählt. Und es war für sie eine riesige Sache, mir zu sagen, dass sie eine Perücke trägt, weil ihr das so unangenehm war. Und ich weiß auch noch, dass ich irgendwie nach anderthalb Jahren oder so, war das das erste Mal, dass wir zusammen im Bad waren und sie ist irgendwie duschen gegangen und so und hat die Perücke abgenommen. Und es war für sie eine so große Sache. Sie meinte zu mir, du bist eine der ersten Personen, die mich jemals ohne Perücke gesehen hat.
Und die hat das halt auch erzählt, dass sie das manchmal, dass sie wie so ein Anfall in Anführungszeichen hat und dass sie dann nicht aufhören kann, sich die Haare auszureißen und sie deswegen angefangen hat, sie einfach abzurasieren, damit sie damit aufhört. Ach krass, also abrasieren, um sich davon abzuhalten. Ja, und dann hat sie eine Perücke getragen, weil sie da nicht dran rumgefummelt hat. Und das fand ich so, so, so krass, weil ich auch so dran denken musste, wir beide erzählen und sprechen heute über Skinpicking und über unsere Beispiele, so ich mit meinen Fingern. Und ich musste dann daran denken, dass, glaube ich, für ganz viele Menschen nicht klar ist, wie weit das Ganze gehen kann. Also was für ein Ausmaß das auch annehmen kann in unterschiedlichen Fällen. Also die Range ist sehr breit. Ja, total. Ich meine, es kann ja gehen von, ich mache es ab und zu ein bisschen zu, manchmal kann ich es nicht kontrollieren, zu, okay, ich mache es schon viel, aber so richtige Erkrankung ist es, Störung ist es jetzt noch nicht. Bis zu eben so sehr, dass man sich die Haare abrasiert, um nicht weiter die Haare auszureißen. Jetzt habe ich ja vorhin schon angeteasert, dass ich damit ein größeres Thema habe. Tatsächlich ist es so, dass ich auch schon vereinzelt in psychologischer Beratung war deswegen.
Weil ich schon seit meiner Pubertät, in der Pubertät ging es irgendwie los, dass ich anfing, mir die Haut an der Lippe abzuzuppeln, abzuknibbeln, abzuziehen. Manchmal ist es wirklich ein Abziehen.
Und das ist was, was auch in meiner Familie immer wieder als Angewohnheit auch so bezeichnet wurde, also weil dann immer, dann wird dir zum Beispiel auf die Finger geklatscht von wegen, lass das doch mach das nicht, deine arme Lippe oder meine Oma hat auch immer gesagt Kind, du hast so schöne Lippen, warum machst du sie dir kaputt? Oma, ich weiß auch nicht Achso, ja dann lass ich es halt, wenn es so einfach gewesen wäre einfach aufhören, dass ich da nicht selber drauf gekommen bin. Just don't. Genau, also das ging in meiner Pubertät los und ich habe es bis heute ganz, ganz stark, dass ich mir die Haut an der Lippe so stark abziehe und es so lange mache, bis ich richtig, richtig dolle Blute. Und gerade an der Lippe ist es ein Ding, was halt leider sehr sichtbar ist. Also wenn jemand mich sieht und ich habe mir da meine Lippe hungen, das sieht man sofort. Und als du vorhin gesagt hast, dass du auch oft irgendwie dann so Ausreden hattest, so ich habe mir halt den Finger geschnitten, keine Ahnung, habe ich auch ganz oft schon irgendwie gesagt, ja, habe mir irgendwie draufgebissen aus Versehen oder ich bin so blöd, bin irgendwo dagegen gerannt und dann ist halt der Zahn halt irgendwie an die Lippe drangekommen und so. Und das habe ich richtig oft gemacht und ich habe noch eine Situation im Kopf, da war ich im Psychologiestudium.
Im Praktikum in der Klinik. Und da gab es einen Tag, ich weiß nicht mehr, was da war, aber ich habe mir so dermaßen meine Lippe aufgerissen, dass ich, das ist wirklich, also da lief das Blut in so Tropfen runter. Und ich war in meinem Praktikantenbüro und hatte eigentlich gleich eine Gruppentherapie. Und ich habe mich so geschämt, da rauszugehen. Und ich habe dann tatsächlich den Anfang von der Gruppentherapie, ich habe es eine halbe Stunde nach hinten schieben können, Und es war stationär. Hat geklappt. Es war auch nur eine kleine Gruppe, Gott sei Dank. Aber ich habe diese Gruppentherapie nach hinten geschoben und habe irgendwas vorgeschoben. Keine Ahnung, vielleicht habe ich gesagt, ich habe Darmprobleme oder so. Aber ich habe mich nicht getraut, rauszugehen, weil halt alle gesehen hätten, wie sehr ich blute an der Lippe. Und alle hätten mich gefragt, was ich gemacht habe. Und dann wäre ich ehrlich gewesen, hätte ich sagen müssen, ja, du, das habe ich gerade selbst gemacht. So, und das war einfach so. Das ist eine Antwort, die man nicht geben will. Genau, es war so unangenehm. Und das habe ich noch ganz stark im Kopf. Das ist mir eingefallen, dass wir gerade eben vorhin über Scham gesprochen haben, dass ich das auch schon ein paar Mal gemacht habe, dann irgendwie Termine verschoben, weil es so stark war, dass ich mich halt geschämt habe. Und das Krasse daran ist, ist, dass ich, auch wenn ich blute, trotzdem weitermache. Also es blutet und trotzdem machen die Finger weiter. Also ich mache es mit Fingern und mit Zähnen. Und ich habe ja vorhin schon gesagt, ich mache das sowohl, wenn ich sehr angespannt bin, da ist es sehr stark dann.
Ich mache es aber auch, wenn ich entspannt bin und wenn ich eben unterstimuliert bin. Und das wusste ich ganz lange nicht, bis ich eben dann in so eine psychologische Beratung gegangen bin. Und also wir haben, in Heidelberg gibt es eine Skinpicking-Ambulanz. Und davon habe ich dann im Internet gelesen und bin dann hingegangen, habe einen Termin gemacht. Und am Ende kam raus, das wusste ich natürlich schon, dass es beeinträchtigt mich nicht genug für eine Psychotherapie und das ist auch fein. Aber ich habe mir halt erhofft, davon so ... Ein bisschen Hilfsmittel an die Hand zu bekommen, zum Teil Erklärungen, warum ich das so oft mache und auch Hilfestellungen, was kann ich denn stattdessen machen, wie kann ich damit umgehen. Denn bei mir ist es so weit, dass ich ganz viele kleine Narben auf den Lippen habe. Wenn man ganz nah rangeht, sieht man das.
Und das ist bis heute für mich richtig, richtig schwer zu kontrollieren. Und wenn es stressig ist oder jetzt, ich denke gerade zum Beispiel an letzte Woche, da mussten wir eine unserer Hündinnen, die wir seit zwei Jahren hatten, die mussten wir einschläfern. Gleichzeitig habe ich meine Abschlussprüfung gehabt und wir sind umgezogen. Es war also richtig viel, viel los und auch viel emotional dann irgendwie so Auffühlendes. Letzte Woche habe ich es auch ganz stark gemacht. Und wenn ich dann auch vergesse, meine Skills mitzunehmen, dann ist halt die Lippe dran. Und das passiert beim Autofahren, beim Lesen.
Manchmal sitze ich auch, wenn ich gerade dran bin und ich sitze im Auto und bin eigentlich da, an meiner Location, wo ich hinkommen muss, dass ich dann da trotzdem noch drei, vier, fünf Minuten sitze und noch knippel, weil ich noch nicht fertig bin. Also es ist so dieser Zwang, ich kann dann nicht aufhören. Also es ist super crazy und was man sich wirklich schon seit Jahrzehnten kann man mittlerweile ja sagen, es sind 15 Jahre jetzt, begleitet und ich bis heute nicht davon weggekommen bin und ich denke, ich brauche auch echt noch lange, ich weiß nicht, ob ich es je ganz wegbekomme, aber es dauert auf jeden Fall noch eine Weile. Das ist echt krass und ich würde an dieser Stelle, bevor wir über irgendwas anderes reden, ich finde es richtig, richtig cool, dass du es in so einem Podcast erzählst, weil ich finde, dass wir, Also ich liebe, dass wir diesen judgmentfreien Bereich haben hier. Und ich finde es super, super, wie gesagt, super cool von dir, dass du das erzählst. Und irgendwie ist es ja auch was, wo wir so beide so ein bisschen relaten können, wo wir auch schon häufiger drüber gesprochen haben und uns gegenseitig so ab und zu auch so darauf hinweisen zu sagen, hey, hör auf, stopp. Weil wir es beide dann irgendwie nicht merken, dass wir das machen.
Und ich wusste nicht, dass du diesen, also das hast du mir noch nie erzählt, dass du diesen Tag hattest in der Psychiatrie, wo du dein Praktikum gemacht hast und dass es da so krass war. Also mir war, bis wir das erste Mal so darüber geredet haben, gar nicht klar, dass es so ein Thema ist. Also auch bei dir. Ich dachte irgendwie, das war für mich so voll relieving, weil ich immer das Gefühl hatte, ich bin die einzige Person, die so ein Problem damit hat. Was so verrückt ist, weil wir in diesem Podcast immer darüber reden, man ist nie die einzige Person damit, aber man kennt niemanden, dem es irgendwie auch so geht und... Ja, ich kann das sehr, sehr gut nachvollziehen. Jetzt fragen sich bestimmt einige von euch, was für Dinge das sind, von denen ich geredet habe, die mir teilweise geholfen haben. Die mir teilweise geholfen haben, das nicht, ich muss echt zugeben, nicht in allen Situationen unter Kontrolle zu bekommen. Aber es gibt jetzt doch immer wieder Momente, wo ich es schaffe, es abzulenken. Seid ihr bereit für ein kleines ASMR? Hau raus. Oh ja, bitte. Jetzt ratet mal, was das jetzt war. Bitte pausiert die Folge hier und schreibt in die Kommentare, was ihr denkt, was Babsi da jetzt gerade ans Mikro hält. Ich wusste vorher gar nicht, wie das heißt. Ich habe diesen Skill quasi von dir.
Und zwar ist das ein, ich glaube, Make-up-Bürsten-Reinigungssilikon-Nopsi. Ja, aus dem DM. Ganz normal. Ich glaube, es kostet zwei Euro beim DM. Wir posten das noch bei Instagram. Dann habt ihr es mal gesehen für den Fall, dass ihr es nicht kennt und noch nie gesehen habt. So wie ich. Ich kannte es vorher nicht. Und es eignet sich fantastisch, um Ewigkeiten daran rumzufummeln und es zusammenzudrücken und daran rumzusquischen. Weil das zum Beispiel eine Möglichkeit ist, um sich selbst eine Alternative zu geben. Genau, weil wenn wir Skills sagen, dann meinen wir, wie zum Beispiel diesen Make-up-Schwamm, Dinge, die... So ein bisschen die Stimulation ersetzen, die man sich durch das Knibbeln halt gibt.
Also in dem Sinne, die Babsi benutzt ganz, ganz viel dieses Make-up-Ding. Ja, ich liebe das. Weil du ja ganz viel so mit den Fingern an Fingern machst.
Das heißt, deine Fingerkuppen sind ständig beschäftigt. Ja. Und indem du dann über diese ganzen Noppen fährst, ist das also quasi ausreichend Stimulation für deine Fingerkuppen, die halt sonst durch was anderes stimuliert werden. Ich habe tatsächlich schon festgestellt, dass ich an der Oberseite, wo ich immer dran rumpicke, wenn ich merke, dass dieser Need so richtig doll wird, fange ich an mit dieser rauen Oberfläche über die Stellen drüber zu gehen, an denen ich normalerweise dran rumfummeln würde. Und das hilft so gut, weil es gibt mir eine ähnliche Stimulation oder ich drücke dieses Silikon-Ding in meiner Faust sozusagen, wenn ich das Gefühl habe, ich brauche irgendwas, was mehr Energy quasi hat. Und ich liebe dieses Ding, ich brauche nichts anderes, ich brauche immer nur dieses Ding. Das ist mega. Das hat auch was, was ich gar nicht auf dem Schirm hatte, weil ich dachte mir vor diesen Beratungsgesprächen zum Beispiel schon mal, ja okay, irgendwas für die Finger. Ja. Und dann hat diese Dame mir da aber gesagt, voll logisch, ja klar brauchst du was für die Finger, für die Fingerkuppen, weil das ja eine sehr kleinteilige Stimulation ist, die ich da mache, aber du brauchst ja auch was für die Lippe. Weil meine Stimulation kommt ja dann nicht nur durch die Fingerkuppen, sondern durch die Lippe und wie bei dir, nicht nur durch die Fingerkuppen, die aktiv sind, sondern auch durch die Seiten deiner Finger. Ja. Ja, heißt voll, ist voll logisch, dass es dann hilft, dass es auch mal, dass es auch über die Stelle fahren lässt, die eben dann, an der eigentlich geknippelt wird und bei mir mache ich das ganz viel, ich habe in meinem Auto, in meinem Kühlschrank liegen solche.
Wie heißen die? Wie diese Gua-Sha-Steine, solche Gesichtsmassage-Dinger. Die gibt es ja auch mit so verschiedenen Formen. Ich habe zum Beispiel so einen kleinen goldenen Stab mit so einer kleinen Kugel dran.
Und das packe ich in den Kühlschrank oder das liegt immer im Auto. Wenn es kalt ist, ist es super. Und wenn es ganz schlimm ist, dann fahre ich mir damit über die Lippe. Und dieses Kalte und das halt da, was auf meiner Lippe dann ist, sorgt dafür, dass es leichter aushaltbar wird. Und wenn ich dann noch mit den Fingern irgendwie beschäftigt bin, Eines meiner Lieblingsskills ist so ein Picking Pad. Du magst es ja nicht so, glaube ich. Ich finde das widerlich. Ich habe das einmal angefasst. Ich finde das so öklig. Ja, das gibt es, falls ihr da Interesse daran habt, das gibt es im Internet. Wir machen einmal einen Insta-Post, wo wir alle unsere Lieblingsskills mal verlinken. Wir packen auch ein paar in die Show-Notes. Ja, auf jeden Fall. Picking Pads sind so kleine Silikondinger. Die sind so ganz squishy und ein bisschen klebrig. Das Klebrige daran finde ich so ekel. Und da sind so kleine, da sind einfach kleine Mini-Perlen drin, so Kunstperlen.
Und man muss die rauspoolen. Also man muss richtig mit den Fingern reingehen und diese kleinen Perlen rausziehen. Und das trifft bei mir genau den Sweet Spot, wenn es ganz schlimm wird. Ich finde das super eklig. Aber ich habe dich schon gesehen, wie du es benutzt hast. Und wenn es dir hilft, bin ich happy. Whatever floats your boat. Ja, wirklich. Ich habe das mal einmal angefasst und es war so klebrig. Und ich war so, was ist das? Es ist super. Es ist ganz, ganz toll. Da sitze ich dann, wenn ich lese oder welche Serie gucke, dann sitze ich da manchmal Schneidersitz, hab so ein Glas vor mir oder eine Schale, weil diese Perlen müssen ja irgendwo hin und dann pull ich das raus und dann fällt es rein, dann geht es den ganzen Tag kling, kling, kling. Mega, wenn es hilft, mega. Bis das Picking Pad leer ist. Ja, also ich habe bisher, ich habe noch nicht so viele andere Skills ausprobiert, außer dieses Make-up Reinigungsding, weil es für mich ist es halt komplett perfekt. Auf der Rückseite ist so, und ihr werdet das sehen, wenn ihr euch das anschaut, auf der Rückseite ist halt so ein Nopsy, der eigentlich dafür da ist. So ein Saugknopf. Nopsy nennt es immer Nopsy. Für mich sind alle möglichen Dinge Nopsy. Ein Saugknopf, der quasi dafür da ist, dass man das irgendwo dran bappen kann, um dann daran die Make-up-Bürsten sauber zu machen. Und ich kann da halt so meinen Finger reinstecken. Und das ist halt dann noch so eine andere Art von Stimulation an den Fingern und Fingerkuppen. Und es ist halt komplett perfekt, weil dieses ganze Ding sorgt dafür, dass ich jegliche Form von ...
Stimulation an meinen Fingern quasi haben kann, ohne dass es langweilig wird, weil es so vielseitig ist. Es kommt, ich liebe dieses Ding. Babsi, vollkommen unbezahlte Werbung für Nopsi. Nein, gab ein Ferner Schwemme. Also ich hoffe, ihr wisst, wir werden nicht dafür bezahlt. Und es ist auch egal, wo ihr das kauft und ob ihr das kauft. Aber ich liebe es. Ich habe das bei DM geholt. Das hier ist von Ebelin, aber ich glaube, es gibt es noch von tausend anderen Marken. Und das gibt es in so cuten Farben. Und ich dachte immer, kein Mensch weiß, was das ist, weil ich nicht wusste, was das ist. Aber es ist auch nicht peinlich, es mitzunehmen, weil im Zweifelsfall habt ihr halt einen Make-up-Schwammreiniger oder Make-up-Pinselreiniger dabei, so who cares.
Und mittlerweile bin ich tatsächlich so weit, dass ich das auch während der Arbeit benutze in Videocalls. Und ich in Videocalls dieses Ding in der Hand habe und damit rumfummle und ich wurde noch nie darauf angesprochen. Ja, ich meine, es ist ja auch was, was nicht nur Menschen, die irgendwie ein Ding mit Skinpicking haben, was da hilfreich ist, sondern diese ausgleichenden Bewegungen zur Regulierung unseres Nervensystems, die machen wir ja alle. Also jeder hat irgendeine Art von Methode, wie er sein Nervensystem da reguliert. Ich muss zum Beispiel gerade daran denken, in der forensischen Klinik hatten wir eine Skillsbox von der Skillsgruppe. Ich habe da die Skillsgruppe geleitet. Und in dieser Skillsbox, da haben wir irgendwann angefangen, die in die Mitte zu stellen, wenn wir Übergabe hatten.
Und ich war die Einzige, die so stark das hatte mit Skinpicking und ich weiß auch nicht, wer das noch hatte. Bestimmt hat es noch eine, zwei Personen. 100 Prozent. Aber alle haben da immer reingegriffen und jeder hat immer irgendwas in der Hand gehabt und hat damit irgendwas halt sich da beschäftigt, weil man halt bei der Übergabe zuhören musste, sich konzentrieren musste. Und da hat jeder... Fast jeder hat davon irgendwie profitiert, da was zur Beschäftigung einfach zu haben. Ja, verstehe ich auch. Also ich verstehe es komplett.
Tatsächlich geht es so ein bisschen darum, um das Ganze so in einen größeren Kontext zu setzen, so Habit-reversed-Training zu machen, also so Gewohnheitsumkehr. Jetzt gibt es Leute, die sagen, setz dich auf die Hände zum Beispiel oder ball die Fäuste. Ich persönlich fand das für mich nicht so hilfreich, weil es mir diese Ersatzstimulation nicht gibt, auf die ich ja seit, also wenn ich darüber nachdenke, dass ich an meinen Nägeln gekaut habe, seit ich vier bin oder so, ist das ja eine Art und Weise von Emotionsregulation, die ich schon seit zig Jahren benutze. Und wenn ich mich einfach nur auf die Hände setze, wie lange soll ich das machen, bis mir die Hände einschlafen? Also es ist ja auch nichts, was ich für mich persönlich realistisch lange halten kann. Es macht ja auch keinen Sinn, wenn du was wegnimmst, Was ja, wie wir vorhin gesagt haben, es hat ja auch einen positiven Aspekt für uns. Gib mir irgendwas dafür. Genau, und dann keinen Ersatz gibst. Das macht ja keinen Sinn. Dann ist ja der positive Benefit weg. 100 Prozent. Also ganz grundsätzlich ist es ja so, dass man, wenn man Dinge wegnimmt, die eine Funktion haben, eine Alternative anbieten sollte und dann versuchen sollte, sich auf diese Alternative zu trainieren. Und das ist im Grunde das, was wir euch als größten Tipp mitgeben können. Macht euch bewusst, dass ihr das macht.
Also macht euch bewusst, dass ihr an euren Fingernägeln fummelt oder an eurer Haut, an der Lippe kaut, was auch immer. Macht euch bewusst, wann ihr das macht. Und verteilt überall an den Stellen, wo ihr merkt, dass ihr das oft macht, unterschiedliche Skills oder auch immer den gleichen Skill, ist ja vollkommen egal, der euch hilft. Ich würde wahrscheinlich überall diese Make-up-Pinsel-Reinigungsdinger hinpacken, weil ich die optimal finde. Und Maxi hat dann, ich weiß nicht, an unterschiedlichen Stellen unterschiedliche Skills. Ich habe eine große Box zu Hause. Wo dann ganz viel drin ist. Ich glaube, damals nach dem Beratungstermin, wo die mir das gezeigt hat, diese Silikonpads, da habe ich, glaube ich, sechs auf einmal beim DM gekauft und dann noch sechs von den anderen. Du hattest in Frankreich ein paar davon mit. Da bin ich nämlich auf dieses Make-up-Ding gestoßen, weil Maxi das mit hatte und ich angefangen habe, da damit rumzufummeln. Und da haben wir das erste Mal über Skinpicking und so richtig geredet. Und da hattest du aber auch zum Beispiel so einen Quadrat, wo man so diese, ihr kennt das bestimmt alle, das war eine Zeit lang super viral, wo man quasi so Ausstülpungen in die andere Richtung drücken muss, damit sie dann in die andere Richtung ausgestülpt sind. Das ist so ein Plastikding, wo man, wie so eine Matte, wo du so einzelne Nopsis. Ja, die haben einen Namen. Ich hab's nur vergessen. Das war auch mal eine Weile richtig Trend auf TikTok. Ja, genau. Ähm.
So ein Ding hast du auch. Wir schreiben es euch nicht schon. Ich weiß gar nicht, wie es heißt. Aber ja, genau. Ich habe auch so einen Würfel, wo man so klicken kann. Da sind so kleine Lichtschalter dran. Da kannst du klicken, so ein Skills Cube. Zum Beispiel die beiden Sachen haben mir gar nichts gegeben. Also das hat mir gar nicht geholfen. Und hat mich nicht abgeholt. Und von daher, probiert euch durch die Skills.
Probiert ein paar Sachen aus. Guckt euch ein paar Sachen an. Die meisten Sachen davon kosten zwei Euro oder so. Also das ist jetzt auch nicht die Welt. Das ist kein riesiges Investment. Und irgendwas werdet ihr finden, um es leichter zu machen, damit aufzuhören oder zumindest es weniger aufzumachen. Und was mir außerdem noch geholfen hat, obwohl es mich manchmal auch richtig dolle nervt, ist, dass es echt hilfreich ist, wenn euer Umfeld davon weiß, dass ihr das macht. Ich meine, gerade ich mit meiner Lippe, die Leute sehen es eh. Manchmal kann ich es auch nicht kontrollieren, ich mache es auch in der Öffentlichkeit. Manchmal leider auch bei Patientensitzungen, wenn ich mich konzentriere, das versuche ich immer zu lassen, aber ich schaffe es manchmal nicht. Und die Leute sehen es eh. Gerade bei mir, wenn ihr jetzt vielleicht auch jemand seid, der das an der Lippe macht, man sieht eh die Risse in der Lippe, man sieht eh, dass ihr daran knippelt, man sieht, wenn ihr mit den Zähnen drauf rumkaut, es ist eh obvious, dann könnt ihr es auch teilen, gerade mit den Menschen, die euch nahestehen. Denn Babsi hat es jetzt gerade schon gesagt, Babsi sagt mir manchmal, nein, lass das, hör auf. Mein Mann sagt es mir auch ständig, meine Eltern, all meine Freunde wissen Bescheid. Und ich kriege dann von jeder Ecke, wenn ich es mache, kriege ich so ein kurzes Feedback, so hey, du machst es wieder. Und ja, zu Hause hat mein Mann meistens dann schon irgendeinen Skill in der Hand und brückt den mir so rein und meint, mach das.
Ja, aber es ist einfach hilfreich, weil eben auch mit Charakter dieser Skinpicking-Symptomatik ist, dass man es halt manchmal auch einfach nicht merkt. Ja. Wenn euch die Folge gefallen hat, freuen wir uns sehr über eine Bewertung auf Spotify oder Apple Podcasts. Ihr könnt uns da auch abonnieren und die Glocke aktivieren, dann verpasst ihr keine neue Folge mehr. Und wenn ihr möchtet, schreibt uns gerne mal in die Q&A bei Spotify zum Beispiel, ob ihr selber Erfahrungen im Bereich Skinpicking habt oder ob ihr vielleicht noch coole Skills habt, die ihr benutzt, von denen wir noch gar nichts wussten. Ja, ich würde mich sehr freuen über eure Tipps, denn wie gesagt, meine helfen nicht zu 100 Prozent. Denn vielleicht kann ich die Lücken noch auffüllen durch eure Tipps. Und damit sagen wir, seid lieb zueinander und...
Ich habe es gerade selbst gemerkt. Gibt es Menschen, die sich ihre Nippel abknippeln? Meinst du, es gibt Leute, die sich an ihren Nippeln knippeln? Oh Gott, das müssen wir rausschneiden. Oh Gott. Ja. Möchtest du das nochmal formulieren? Ja, ich glaube, ich möchte es nochmal formulieren. Wofür andere Leute nachher an ihren Erhöhungen rumknippeln. Wie eklig bin ich eigentlich heute? In anderen Kulturen hat das auch Masturbation, aber okay. Ich knippel da. Ich fang, glaube ich, nochmal ganz mit Vorline. So, wir gehen wieder zurück.