WEBVTT

00:00:00.017 --> 00:00:04.047
Also was wir heute wissen, ist eben, dass Deutschland extrem viel Geld in Krankheit

00:00:04.047 --> 00:00:07.607
investiert und viel zu wenig in Gesundheit. Also ich würde sagen,

00:00:07.607 --> 00:00:12.967
unser System belohnt Behandlung mehr als Vorbeugung und das muss man auf jeden Fall ändern.

00:00:17.594 --> 00:00:20.057
Stell dir vor, du wachst eines Morgens auf und stellst fest,

00:00:20.057 --> 00:00:22.470
dass du nicht nur älter geworden bist, sondern auch gesünder.

00:00:22.667 --> 00:00:25.847
Nicht durch Perfektion, sondern durch bewusste und persönliche Entscheidungen

00:00:25.847 --> 00:00:27.347
und Routinen in deinem Alltag.

00:00:27.347 --> 00:00:30.057
Ich bin Annette und ihr hört den Podcast von bunte Gesundheit,

00:00:30.057 --> 00:00:32.887
Wissen, was dir gut tut. Heute habe ich eine Frau zu Gast, die mir erzählt,

00:00:32.887 --> 00:00:37.357
wie das gehen kann mit dem besseren Leben und warum Prävention für uns alle

00:00:37.357 --> 00:00:38.585
so wahnsinnig wichtig ist.

00:00:39.072 --> 00:00:42.797
Dr. Vian Sido, Herzspezialistin und Präventionsmedizinerin aus Hamburg,

00:00:42.797 --> 00:00:45.977
hat dazu das Buch Die Longevity-Strategie für Frauen geschrieben.

00:00:45.977 --> 00:00:47.791
Ein Satz darin hat mich sehr berührt.

00:00:48.291 --> 00:00:52.117
Die Medizin, in der ich ausgebildet wurde, war brillant im Heilen und Reparieren,

00:00:52.117 --> 00:00:53.718
aber sie war schwach im Vorbeugen.

00:00:53.875 --> 00:00:56.517
Wir Ärzte haben Leben gerettet und dabei manchmal vergessen,

00:00:56.517 --> 00:01:00.217
was Leben eigentlich bedeutet. Was Vian Sido daraus gezogen hat,

00:01:00.217 --> 00:01:03.617
welche Schlüsse, das erzählt sie mir jetzt. Ich freue mich, dass sie heute bei

00:01:03.617 --> 00:01:05.216
mir ist. Willkommen, Dr. Sido.

00:01:05.402 --> 00:01:07.672
Ja, vielen Dank für die Einladung, Krushmide.

00:01:07.893 --> 00:01:12.487
Longevity, was heißt das eigentlich? Ja, also was ganz wichtig ist,

00:01:12.487 --> 00:01:16.807
Longevity bedeutet nicht, möglichst alt zu werden, sondern wirklich möglichst

00:01:16.807 --> 00:01:21.465
lange gesund zu bleiben und die Zeit, die man hat, in guter Gesundheit zu verbringen.

00:01:21.946 --> 00:01:25.467
Und in diesem Zusammenhang interessiert mich eben nicht nur die Lebensspanne,

00:01:25.467 --> 00:01:28.634
also der sogenannte Lifespan, wie alt werden wir eigentlich,

00:01:29.040 --> 00:01:33.696
vor allem aber die gesunden Lebensjahre, der sogenannte Healthspan, also,

00:01:34.183 --> 00:01:38.107
wie lange verbringen wir die Zeit, die wir haben, auch in guter Gesundheit.

00:01:38.287 --> 00:01:40.987
Und deshalb würde ich sagen, Gesundheit ist eben kein Zufall,

00:01:41.358 --> 00:01:44.477
sondern entsteht durch viele kleine Entscheidungen jeden Tag.

00:01:44.477 --> 00:01:46.078
Das ist Longevity für mich.

00:01:46.374 --> 00:01:49.377
Sie wissen aus eigener Erfahrung, dass Frauen in der medizinischen Versorgung

00:01:49.377 --> 00:01:52.858
noch immerzu oft nicht ernst genommen oder fehldiagnostiziert werden.

00:01:53.473 --> 00:01:57.023
Und ihnen ging es selber so, sie waren erfolgreich und zufrieden im Beruf und

00:01:57.023 --> 00:02:00.072
doch, sagen sie im Buch, kamen irgendwann Fragen in mir auf,

00:02:00.397 --> 00:02:01.953
die sich nicht mehr ausblenden ließen.

00:02:02.336 --> 00:02:05.250
Warum stellen sich so viele Frauen erst so spät bei uns vor?

00:02:05.738 --> 00:02:08.823
Warum werden Symptome, die wir bei Männern sofort ernst nehmen würden,

00:02:08.823 --> 00:02:11.125
bei Frauen häufig als harmlos eingeordnet?

00:02:11.537 --> 00:02:14.834
Warum beruhigen wir erst mal, statt bei Frauen genauer hinzuschauen?

00:02:15.310 --> 00:02:19.444
Ja, warum ist das so? Warum bekommen Frauen eine andere oft eine schlechtere Behandlung?

00:02:19.734 --> 00:02:23.163
Also man muss ja sagen, dass das Ganze historisch bedingt ist.

00:02:23.163 --> 00:02:27.003
Die Medizin wurde jahrzehntelang überwiegend an Männern erforscht.

00:02:27.003 --> 00:02:30.613
Viele typische Symptome bei Frauen unterscheiden sich deutlich.

00:02:30.613 --> 00:02:35.123
Herzinfarkte zum Beispiel, die äußern sich bei Frauen häufig durch Atemnot,

00:02:35.123 --> 00:02:40.183
Übelkeit, Rückenschmerzen oder auch Bauchschmerzen und eben nicht durch diese

00:02:40.183 --> 00:02:43.331
klassischen Symptome wie zum Beispiel den Brustschmerz.

00:02:43.610 --> 00:02:48.051
Und ja, es ist eben auch so, dass Frauen häufiger viel länger warten als Männer,

00:02:48.463 --> 00:02:49.663
bis sie sich Hilfe suchen.

00:02:49.663 --> 00:02:52.463
Also da gibt es auch diverse Übersichtsarbeiten, die zeigen,

00:02:52.463 --> 00:02:57.503
dass Frauen zum Beispiel, die älter als 65 Jahre sind, länger als Männer warten,

00:02:57.503 --> 00:02:59.705
bis sie mal im Krankenhaus aufschlagen.

00:03:00.204 --> 00:03:04.333
Und das führt eben dazu, dass körperliche Ursachen später erkannt werden und

00:03:04.333 --> 00:03:09.440
auch die notwendige Diagnosen und Therapien natürlich verzögert eingeleitet werden.

00:03:09.898 --> 00:03:14.963
Und hinzu kommt auch, dass bei Frauen die Beschwerden leider immer noch häufig

00:03:14.963 --> 00:03:20.429
als Stress oder psychisch bedingt interpretiert werden als verglichene Beschwerden bei Männern.

00:03:20.556 --> 00:03:24.620
Das ändert sich zwar langsam, aber leider immer noch nicht schnell genug. Verstehe.

00:03:25.044 --> 00:03:28.763
Aber es geht auch um mehr, sagen Sie im Buch. Wir Frauen haben verlernt,

00:03:28.763 --> 00:03:32.523
auf unseren Körper zu hören. Wir wissen heute paradoxerweise mehr über ihn als

00:03:32.523 --> 00:03:35.053
je zuvor. Wir messen Schritte, Kalorien, Blutzucker, Cholesterin,

00:03:35.053 --> 00:03:37.518
Cortisol. Wir tracken alles, was messbar ist.

00:03:38.087 --> 00:03:42.579
Und trotzdem fehlt vielen von uns genau das, was man nicht in Zahlen ausdrücken

00:03:42.579 --> 00:03:46.369
kann, nämlich der Bezug zum eigenen Körper. Also theoretisch wissen wir es schon,

00:03:46.369 --> 00:03:49.262
mehr Bewegung, besserer Schlaf, weniger Stress tut gut.

00:03:49.790 --> 00:03:54.439
Und trotzdem könnten wir es im Alltag oft nicht umsetzen. Was müsste man da anders machen?

00:03:54.712 --> 00:03:58.019
Ja, also Sie haben es ja gerade schon gesagt, wir messen heute einfach viel

00:03:58.019 --> 00:04:01.759
zu viel. Also Schritte, unseren Schlaf, Kalorien, Blutzucker.

00:04:02.148 --> 00:04:06.289
Wir haben einfach enorm viele Gesundheitsdaten. Und ich habe das Gefühl,

00:04:06.289 --> 00:04:11.505
dass sich einfach ganz viele Frauen auf ihre eigenen Gesundheitsdaten verlassen,

00:04:11.976 --> 00:04:15.599
und somit die Signale ihres Körpers gar nicht mehr wahrnehmen.

00:04:15.599 --> 00:04:20.459
Und deshalb würde ich sagen, dass man jeden Tag vielleicht zwei Minuten mal

00:04:20.459 --> 00:04:22.245
in sich hineinspüren sollte.

00:04:22.367 --> 00:04:25.729
Denn es ist so, dass gerade die chronischen Erkrankungen entstehen ja nicht

00:04:25.729 --> 00:04:29.751
von heute auf morgen, sondern es gibt häufig Warnsignale.

00:04:30.203 --> 00:04:33.530
Und wir sollten unseren eigenen Körper wieder bewusst wahrnehmen.

00:04:34.512 --> 00:04:37.658
Vielleicht sich auch selbst mal fragen, wie fühle ich mich heute?

00:04:38.012 --> 00:04:43.076
Frühe Warnsignale sollten ernst genommen werden, egal ob es jetzt Müdigkeit

00:04:43.076 --> 00:04:45.112
ist oder ein schlechter Schlaf.

00:04:45.599 --> 00:04:48.356
Und dazu gehören eben auch regelmäßige Bodychecks.

00:04:49.136 --> 00:04:53.446
Ja, man sollte seine Gesundheit einfach regelmäßiger reflektieren.

00:04:53.731 --> 00:04:59.026
Ja, was tun Sie persönlich jeden Tag dafür, dass Sie eben so konsequente kleine

00:04:59.026 --> 00:05:01.766
Sachen im Alltag, die langfristig ja den großen Effekt haben?

00:05:01.766 --> 00:05:05.799
Das ist ja die Botschaft im Buch, dass wir alle das in der Hand haben, was zu tun.

00:05:06.316 --> 00:05:09.356
Was machen Sie zum Beispiel? Ja, also ich muss vorweg sagen,

00:05:09.356 --> 00:05:11.436
natürlich sind auch meine Tage nicht perfekt.

00:05:11.936 --> 00:05:15.766
Auch ich habe wahrscheinlich wie jeder andere auch ganz lange Arbeitstage,

00:05:15.766 --> 00:05:19.749
bin ziemlich viel unterwegs und habe Tage, an denen eben nichts nach Plan läuft.

00:05:20.347 --> 00:05:25.008
Aber ich versuche, meine kleinen Routinen, die ich habe, einfach möglichst beizubehalten.

00:05:25.362 --> 00:05:30.056
Und dazu gehört eben, dass ich ziemlich viel Sport mache. Also ich mache Krafttraining

00:05:30.056 --> 00:05:34.396
mindestens zwei bis dreimal die Woche, denn wir wissen ja, Muskelmasse ist eines

00:05:34.396 --> 00:05:38.354
der wichtigsten Organe für gesundes Altern, vor allem bei uns Frauen.

00:05:38.934 --> 00:05:42.786
Ich nutze möglichst viele Alltagsbewegungen. Also ich fahre zum Beispiel den

00:05:42.786 --> 00:05:47.624
ganzen Tag mit dem Fahrrad und nutze auch immer die Treppen statt den Aufzug.

00:05:48.476 --> 00:05:54.374
Ich versuche mich selbst eiweißreich zu ernähren, also möglichst viele Proteine zu mir zu nehmen.

00:05:54.815 --> 00:05:59.186
Und ich würde sagen, ein ganz großer Game Changer bei mir ist der Schlaf.

00:05:59.186 --> 00:06:04.591
Also inzwischen ist mir Schlaf wirklich heilig und hat einen ganz hohen Stellenwert.

00:06:05.021 --> 00:06:08.626
Denn viele wissen ja gar nicht, dass im Schlaf so viel passiert.

00:06:08.626 --> 00:06:12.840
Also unser Schlaf beeinflusst Hormone, unsere Herzgesundheit,

00:06:13.177 --> 00:06:15.005
aber auch Entzündungsprozesse.

00:06:15.208 --> 00:06:17.008
Und das ist eben enorm wichtig.

00:06:17.612 --> 00:06:21.746
Und was ich inzwischen auch gelernt habe, morgens nicht als erstes zum Handy

00:06:21.746 --> 00:06:26.726
zu greifen, sondern wirklich erst mal nach dem Aufstehen dafür zu sorgen,

00:06:26.726 --> 00:06:29.465
dass ich ausreichend Tageslicht habe.

00:06:30.266 --> 00:06:34.307
Und ich sage ja auch immer den Patientinnen und Patienten, es ist ja auch alles

00:06:34.307 --> 00:06:37.720
schön und gut, wenn wir sich gesund ernähren und viel bewegen.

00:06:38.306 --> 00:06:42.532
Aber versuchen Sie auch möglichst viel Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.

00:06:42.881 --> 00:06:47.551
Denn das Leben besteht ja nicht nur aus Laborwerten oder gesunder Ernährung.

00:06:48.091 --> 00:06:53.066
Und deshalb gibt es ja auch die sieben Säulen im Buch. Ja, auf die wollte ich gleich noch kommen.

00:06:53.525 --> 00:06:58.567
Ich fand noch interessant, dass Sie schreiben, Prävention wird einem ganz schön

00:06:58.567 --> 00:07:00.137
schwer gemacht in diesem Land.

00:07:00.572 --> 00:07:04.107
Also wir sprechen ganz oft darüber, wie wichtig das ist, was wir alle tun sollten,

00:07:04.537 --> 00:07:07.764
aber man muss sich in Deutschland offenbar regelrecht dazu motivieren,

00:07:08.281 --> 00:07:10.937
denn es wird uns hier eben total schwer gemacht.

00:07:10.937 --> 00:07:15.297
Sie sagen, Tabakprodukte werden weiterhin sichtbar beworben und hochverarbeitete

00:07:15.297 --> 00:07:16.884
Lebensmittel sind omnipräsent.

00:07:17.180 --> 00:07:21.447
Bewegungsangebote im Alltag fehlen und Gesundheit kann deshalb gar nicht allein

00:07:21.447 --> 00:07:24.457
als Ergebnis persönlicher Willenskraft verstanden werden. Das finde ich erstmal

00:07:24.457 --> 00:07:28.575
total entlastend, dass man nicht denkt, oh Gott, was muss ich alles machen und schaffen?

00:07:29.034 --> 00:07:33.117
Was machen andere Länder da anders? Wissen Sie das? Ja, also was wir heute wissen

00:07:33.117 --> 00:07:37.217
ist eben, dass Deutschland extrem viel Geld in Krankheit investiert und viel

00:07:37.217 --> 00:07:40.957
zu wenig in Gesundheit. Und ich glaube, das ist das Hauptproblem,

00:07:40.957 --> 00:07:42.687
wenn wir uns andere Länder anschauen.

00:07:43.099 --> 00:07:48.207
Also 0,2 Prozent unserer Gesundheitsausgaben sind nur für Prävention reserviert.

00:07:48.207 --> 00:07:50.372
Das ist einfach viel zu wenig.

00:07:50.517 --> 00:07:54.737
Und unsere Gesundheitsausgaben insgesamt, also wir haben den höchsten Wert in

00:07:54.737 --> 00:08:00.127
der EU im Vergleich zu anderen Ländern, sind pro Jahr fast 500 Milliarden Euro,

00:08:00.127 --> 00:08:01.854
die wir für Gesundheit ausgeben.

00:08:02.533 --> 00:08:06.537
Und auch die Gesundheitsausgaben pro Kopf, die sind so hoch.

00:08:06.537 --> 00:08:11.347
Und wenn wir uns dann im Vergleich zu Spanien oder Italien die Lebenserwartung

00:08:11.347 --> 00:08:15.727
bei uns anschauen, dann ist die gar nicht viel besser als in anderen Ländern.

00:08:15.727 --> 00:08:17.481
Und das ist eben das Erschreckende.

00:08:17.945 --> 00:08:21.957
Also ich würde sagen, unser System belohnt Behandlung mehr als Vorbeugung.

00:08:22.757 --> 00:08:26.189
Und das muss man auf jeden Fall ändern. Denn ich glaube auch,

00:08:26.189 --> 00:08:31.119
und das hatten Sie ja auch gerade gesagt in der Einleitung, Gesundheit ist niemals

00:08:31.119 --> 00:08:35.696
nur Willenskraft, sondern sie wird natürlich auch durch unsere Umgebung beeinflusst.

00:08:36.190 --> 00:08:39.406
Also wir müssen in Deutschland einfach Rahmenbedingungen schaffen,

00:08:39.974 --> 00:08:43.933
weil Prävention bisher eine viel zu untergeordnete Rolle spielt.

00:08:44.507 --> 00:08:48.229
Ja genau, und das muss man eben ändern. Ja, ich glaube in Japan gibt es zum

00:08:48.229 --> 00:08:52.959
Beispiel in den Firmen immer zusammen Sport auch und also wirklich,

00:08:53.379 --> 00:08:56.219
man denkt gar nicht darüber nach, dass das ja auch schon eine Prävention ist,

00:08:56.219 --> 00:08:57.464
dieses gemeinschaftliche.

00:08:58.265 --> 00:09:03.309
Und wenn es nur 15 Minuten sind, alle machen mit. Ja, das haben wir natürlich überhaupt nicht.

00:09:03.785 --> 00:09:07.640
Sie schreiben auch, Frauen und Männer altern unterschiedlich. Was steckt dahinter?

00:09:07.942 --> 00:09:11.463
Ja, wir wissen heute Frauen leben länger, aber sie verbringen Milliarden mit

00:09:11.463 --> 00:09:12.667
chronischen Erkrankungen.

00:09:13.160 --> 00:09:16.243
Also ich würde nicht unbedingt sagen, dass Frauen schneller altern,

00:09:16.243 --> 00:09:20.736
aber sie altern eben anders als Männer. Und da gibt es diverse Gründe für.

00:09:21.264 --> 00:09:24.833
Zum einen sind es die Hormone. Wir haben natürlich das Östrogen.

00:09:24.833 --> 00:09:29.003
Das beeinflusst weit mehr als nur die Fruchtbarkeit. Auch wenn viele das immer

00:09:29.003 --> 00:09:34.383
dachten, dass das eben hauptsächlich für die Fruchtbarkeit Östrogene beeinflussen,

00:09:34.383 --> 00:09:36.313
weit mehr als unsere Fruchtbarkeit.

00:09:37.315 --> 00:09:42.979
Und sie schützen unsere Gefäße, unsere Knochen und auch unsere Muskelmasse.

00:09:43.496 --> 00:09:49.034
Und durch das sinkende Östrogen im Verlauf unseres Lebens nimmt natürlich auch unsere Muskelmasse ab.

00:09:50.253 --> 00:09:55.739
Ein anderes Problem ist die Genetik. Also wir Frauen besitzen zweimal das X-Chromosom

00:09:56.145 --> 00:10:00.029
und das bietet eben bei bestimmten Genen auch einen biologischen Vorteil.

00:10:00.510 --> 00:10:03.423
Ja, und ein weiterer Grund ist sicher auch unser Immunsystem.

00:10:03.423 --> 00:10:08.063
Also unser Immunsystem reagiert viel stärker und ja, ich würde auch sagen,

00:10:08.063 --> 00:10:09.659
besser gegen viele Infekte.

00:10:10.118 --> 00:10:15.005
Aber trotzdem können wir gleichzeitig viel häufiger Autoimmunerkrankungen bekommen.

00:10:15.400 --> 00:10:19.383
Also ich würde sagen, dass Hormone natürlich ein sehr wichtiger Grund hierfür

00:10:19.383 --> 00:10:21.385
sind, warum wir anders altern.

00:10:21.884 --> 00:10:25.603
Und deshalb sind die Wechseljahre ja auch so wichtig, weil sie eben unseren

00:10:25.603 --> 00:10:28.519
gesamten Stoffwechsel verändern. Ja, ja.

00:10:29.153 --> 00:10:33.260
Altern ist ja auch messbar, etwa durch die Hallmarks of Aging,

00:10:33.260 --> 00:10:35.661
das risikobasierte Alter. Da gibt es ganz viel im Buch.

00:10:36.131 --> 00:10:40.797
Was sind das für Messungen und wer macht die? Kann ich zum Arzt gehen und sagen,

00:10:41.279 --> 00:10:44.512
ich möchte jetzt checken lassen, wie alt ich wirklich bin?

00:10:44.814 --> 00:10:48.820
Ja, also das ist ja auch ein ganz großes Thema im Buch, die Hallmarks of Aging.

00:10:48.820 --> 00:10:52.860
Und dazu muss ich sagen, es beschreibt eben die zentralen biologischen Mechanismen,

00:10:52.860 --> 00:10:56.412
die das Altern auf unserer zellulären Ebene prägen.

00:10:56.993 --> 00:11:00.841
Und hier geht es eben nicht um die Krankheit, sondern wirklich um die Prozesse,

00:11:01.259 --> 00:11:05.491
die dazu führen, dass unser Körper anfälliger wird für bestimmte Erkrankungen.

00:11:05.874 --> 00:11:10.031
Und das zeigt natürlich auch, wie komplex und vielschichtig Alterungsprozesse sind.

00:11:10.513 --> 00:11:15.160
Wir können es definitiv messen, zumindest Teile der Hallmarks of Aging.

00:11:15.160 --> 00:11:17.902
Zum Beispiel gibt es die sogenannte chronische Entzündung.

00:11:18.355 --> 00:11:21.426
Das wird ja in der Fachsprache auch Inflammating genannt.

00:11:21.902 --> 00:11:24.240
Da gibt es zum Beispiel Marker wie das CAP.

00:11:24.720 --> 00:11:28.833
Das ist in der Medizin der häufigste Marker für eine niedriggradige Entzündung.

00:11:29.239 --> 00:11:33.750
Das kann man im Blut messen. Dann gibt es noch das sogenannte Interleukin-6.

00:11:33.912 --> 00:11:38.380
Das ist ein proinflammatorisches Zytokin und das wird auch mit biologischem

00:11:38.380 --> 00:11:42.002
Alter und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert.

00:11:42.467 --> 00:11:45.650
Und wenn wir uns zum Beispiel, nur um noch einen Aspekt zu nennen,

00:11:45.650 --> 00:11:49.460
die Telomere mal anschauen, das sind ja die, ich hatte es im Buch auch beschrieben,

00:11:49.460 --> 00:11:52.306
die Schutzkappen an den Enden unserer Chromosomen.

00:11:52.927 --> 00:11:57.920
Und jedes Mal, wenn sich die Zelle teilt, werden diese Telomere kürzer und wenn

00:11:57.920 --> 00:12:02.440
diese Telomere zu kurz sind, kann sich die Zelle nicht mehr teilen und geht

00:12:02.440 --> 00:12:06.523
dann über in die Alterung, also die sogenannte Zellseneszenz.

00:12:07.219 --> 00:12:12.302
Und deshalb ist es auch so wichtig, Telomere für die biologische Alterung heranzuziehen.

00:12:12.302 --> 00:12:14.406
Und auch das kann man zum Beispiel im Blut messen.

00:12:15.027 --> 00:12:19.502
Und dann haben Sie ja auch gefragt, wo man das messen kann. Also es gibt Präventionsmediziner

00:12:19.502 --> 00:12:21.982
oder auch Hausärzte, Internisten, die das machen.

00:12:23.247 --> 00:12:26.741
Das kann man schon machen. Aber ich möchte natürlich betonen,

00:12:27.159 --> 00:12:31.632
dass hier nicht nur die einzelnen Werte wichtig sind, sondern es ist immer auch

00:12:31.632 --> 00:12:35.742
die Kombination aus der Anamnese, aus dem klinischen Bild.

00:12:35.742 --> 00:12:40.212
Also wie geht es dem Patienten gerade, welche Beschwerden hat er und natürlich

00:12:40.212 --> 00:12:44.372
sollte man noch weitere Laborparameter heranziehen und das individuelle Risiko

00:12:44.372 --> 00:12:48.480
auch beurteilen. Also nie wirklich nur einen einzigen Blutwert.

00:12:49.182 --> 00:12:53.501
Was kann ich selbst tun, um mein biologisches Altern positiv zu beeinflussen? Darum geht es hier.

00:12:53.954 --> 00:12:57.592
Sie haben sieben Säulen identifiziert, die im Zusammenspiel dafür sorgen,

00:12:57.592 --> 00:12:59.074
dass wir länger besser leben.

00:12:59.834 --> 00:13:03.596
Welche sind es und welche sind vielleicht die wichtigsten?

00:13:04.148 --> 00:13:08.040
Ja, also das war natürlich die Frage, bevor ich das Buch geschrieben habe,

00:13:08.040 --> 00:13:10.034
welche sieben Säulen nehme ich jetzt?

00:13:10.405 --> 00:13:14.220
Denn es gibt sicherlich noch viel mehr Säulen, die man mit beeinflussen kann,

00:13:14.220 --> 00:13:17.080
aber das hätte natürlich auch den Rahmen des Buches gesprengt.

00:13:17.080 --> 00:13:19.984
Und deshalb habe ich mich eben für diese sieben Säulen entschieden,

00:13:20.280 --> 00:13:24.520
die auch im Buch vorkommen, nämlich zum einen die Bewegung, die Ernährung,

00:13:24.860 --> 00:13:27.362
der Schlaf, die Stressregulation.

00:13:27.826 --> 00:13:32.420
Darmgesundheit fand ich persönlich auch noch sehr wichtig und soziale Beziehung

00:13:32.420 --> 00:13:34.808
und sozusagen die mentale Gesundheit.

00:13:35.023 --> 00:13:40.350
Im Nachhinein, also mein Fazit ist auf jeden Fall, dass keine Säule für sich

00:13:40.350 --> 00:13:42.024
alleine funktionieren kann.

00:13:42.552 --> 00:13:46.621
Jede dieser Ebene beeinflusst gleichzeitig auch eine andere Säule.

00:13:47.103 --> 00:13:50.970
Zum Beispiel ist es ja so, dass Bewegung auf den Schlaf wirkt,

00:13:50.970 --> 00:13:56.190
unser Schlaf wiederum auf die Hormonregulation und Hormone auch super wichtig

00:13:56.190 --> 00:13:58.632
sind für unsere Stimmung, unsere Energie.

00:13:59.311 --> 00:14:03.363
Und beides sich wiederum positiv auf Beziehungen im Alltag auswirken kann.

00:14:03.827 --> 00:14:07.880
Und deshalb geht es hier auch gar nicht darum, nur eine Säule zu perfektionieren

00:14:07.880 --> 00:14:11.920
oder sich auf eine Säule zu beschränken, sondern entscheidend ist eben,

00:14:12.105 --> 00:14:15.641
schrittweise ein Gleichgewicht zwischen allen Säulen herzustellen.

00:14:15.797 --> 00:14:21.283
Ja, wann gehen die Säulen mich eigentlich was an? Wir haben ja auch hoffentlich jüngere Hörerinnen.

00:14:21.695 --> 00:14:26.420
Muss ich mit 20 schon an die Säulen denken und gewichte ich die Säulen auch

00:14:26.420 --> 00:14:30.070
meinem Alter entsprechend? Also brauche ich vielleicht als Frau in den Wechseljahren

00:14:30.070 --> 00:14:32.545
mehr von einer Sache als eine 20-Jährige?

00:14:33.021 --> 00:14:35.320
Ja, das ist natürlich eine spannende Frage, aber ich glaube,

00:14:35.320 --> 00:14:39.740
so mit 20 denkt man vielleicht noch nicht so unbedingt an seine Gesundheit,

00:14:39.740 --> 00:14:42.836
wobei ich das Gefühl habe, dass sich das jetzt gerade ändert.

00:14:43.665 --> 00:14:50.381
Also Gesundheit wird ja regelrecht zum neuen Luxus und das ist vielleicht auch gut so, aber ich glaube,

00:14:50.973 --> 00:14:56.762
dass es so erst mit Mitte 20 anfängt, man dann mehr auf den Muskelausbau achtet,

00:14:56.762 --> 00:15:03.831
gerade wenn man Sport macht als junge Person, man versucht als junge Frau seinen Zyklus zu verstehen.

00:15:04.818 --> 00:15:10.927
Und dann später ist es so, dass man vielleicht mit Ende 30 oder Anfang 40 sich

00:15:10.927 --> 00:15:13.287
auch weiterhin Gedanken um den Muskelaufbau macht.

00:15:13.287 --> 00:15:18.977
Mit Mitte 45 sich vielleicht erstmals Gedanken um die Wechseljahre macht,

00:15:18.977 --> 00:15:20.706
sich damit auseinandersetzt.

00:15:21.177 --> 00:15:25.337
Hier ist es besonders wichtig, zunehmend Proteine aufzunehmen,

00:15:25.337 --> 00:15:30.865
weil wir einfach wissen, dass mit Ende 30, Anfang 40 unsere Muskelmasse abbaut.

00:15:31.254 --> 00:15:34.520
Und deshalb sind Proteine in diesem Alter auch so wichtig.

00:15:35.008 --> 00:15:40.057
Man sollte sich gerade jetzt mit dem Krafttraining auseinandersetzen und natürlich

00:15:40.057 --> 00:15:41.892
auch mit der eigenen Herzgesundheit.

00:15:42.987 --> 00:15:47.367
Jahre später, ich würde sagen ab 60, 70, ist dann vor allem wichtig,

00:15:47.367 --> 00:15:52.927
dass man noch mobil ist, dass man seine Muskelmasse erhält, die man hat und

00:15:52.927 --> 00:15:57.798
natürlich eine gewisse Sturzprophylaxe. Die sollte in dem Alter auch wichtig sein.

00:15:59.023 --> 00:16:01.597
Lassen Sie uns einfach über eine der sieben Säulen sprechen,

00:16:01.597 --> 00:16:03.800
die Ernährung. Was sollte ich da beachten?

00:16:04.265 --> 00:16:08.387
Ich fand interessant, auch die richtige Reihenfolge beim Essen ist wohl relevant

00:16:08.387 --> 00:16:11.179
und die Blutzuckerwerte. Also es gibt viel zu sagen, glaube ich.

00:16:11.678 --> 00:16:16.057
Ja, das ist schon ein sehr komplexes und sehr großes Thema. Ich glaube,

00:16:16.057 --> 00:16:18.348
das hat auch die meisten Seiten in meinem Buch.

00:16:18.911 --> 00:16:22.967
Also was wir heute wissen, ist, dass die beste Evidenz für Langlebigkeit die

00:16:22.967 --> 00:16:27.032
mediterran geprägte Diät hat, die ja besonders pflanzenbasiert ist.

00:16:27.781 --> 00:16:32.429
Und die geht auch mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher.

00:16:33.196 --> 00:16:37.767
Und ja, ich würde sagen, eine Ernährung, die unser gesundes Altern unterstützt,

00:16:37.767 --> 00:16:39.726
ist überwiegend pflanzenbasiert.

00:16:40.208 --> 00:16:45.177
Ich würde sagen, reich an Ballaststoffen und sie ist möglichst unverarbeitet.

00:16:45.456 --> 00:16:50.239
Sie sollte hochwertige Proteine liefern, außerdem gesunde Fette,

00:16:50.849 --> 00:16:54.912
eine große Vielfalt an Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten.

00:16:55.452 --> 00:17:00.267
Und wichtig ist hier eben wirklich den Konsum von Zucker und auch Kohlenhydraten,

00:17:00.847 --> 00:17:03.823
und hochverarbeiteten Lebensmitteln einzugrenzen.

00:17:04.665 --> 00:17:09.385
Denn wir wissen ja heute, jede Mahlzeit beeinflusst auch unsere Entzündungsprozesse

00:17:09.385 --> 00:17:11.375
im Körper, unserem Blutzucker.

00:17:11.375 --> 00:17:15.405
Und deshalb sollte man Ernährung eben nicht nur als reine Kalorienzufuhr sehen,

00:17:15.869 --> 00:17:17.685
sondern sie ist eben auch eine Form

00:17:17.685 --> 00:17:22.284
der Prävention. Und das habe ich eben versucht im Buch zu beschreiben.

00:17:22.783 --> 00:17:27.305
Und auch wenn ich ein großer Fasten-Fan bin, sollte jetzt Ernährung nicht aus

00:17:27.305 --> 00:17:32.065
reinen Verboten bestehen, Sondern meine Empfehlung ist tatsächlich,

00:17:32.065 --> 00:17:35.274
viel Gemüse zu essen, mindestens 400 Milligramm am Tag.

00:17:35.738 --> 00:17:39.924
Man sagt ja drei Portionen Gemüse, zwei Portionen Obst pro Tag.

00:17:40.249 --> 00:17:44.289
Man sollte das Ganze mit Hülsenfrüchten mischen, mindestens dreimal pro Woche.

00:17:44.870 --> 00:17:48.445
Dann sollte man ausreichend Eiweiß zu sich nehmen. Das ist auch ganz wichtig,

00:17:48.445 --> 00:17:53.473
um seine Muskelmasse zu erhalten, gerade wenn man auch Krafttraining macht.

00:17:53.954 --> 00:17:57.995
Und was wir auch wissen sollten, Fette sind nicht immer unser Feind.

00:17:57.995 --> 00:18:02.695
Also wir brauchen die gesunden Fette, die sogenannten ungesättigten Fettsäuren.

00:18:03.055 --> 00:18:08.145
Das wäre dann zum Beispiel das Olivenöl, Leinöl, Avocado, fettreicher Fisch,

00:18:08.145 --> 00:18:12.786
weil genau das eben für unsere Herzgesundheit und auch für unser Gehirn ganz wichtig ist.

00:18:13.419 --> 00:18:19.705
Also 20 Prozent der täglichen Kalorienzufuhr können ruhig aus ungesättigten Fettsäuren bestehen.

00:18:20.843 --> 00:18:25.864
Und ja, dann brauchen wir auch auf jeden Fall noch Ballaststoffe, mindestens 30 Gramm.

00:18:26.235 --> 00:18:29.852
Ja, und dann wollten Sie ja auch noch was zur Reihenfolge beim Essen wissen.

00:18:30.699 --> 00:18:35.632
Also ich persönlich esse zum Beispiel immer Gemüse zuerst, also sowas wie Salate,

00:18:36.152 --> 00:18:38.352
hat viele Ballaststoffe, dann,

00:18:38.852 --> 00:18:43.232
Eiweiß und meine gesunden Fette und dann zum Schluss erst Kohlenhydrate.

00:18:43.615 --> 00:18:47.442
Denn wir wissen, dass eben diese Reihenfolge beim Essen dafür sorgt,

00:18:47.442 --> 00:18:53.385
dass unser Blutzuckeranstieg viel geringer ist und dass wir eben auch viel länger satt bleiben.

00:18:53.652 --> 00:18:57.122
Verstehe, ja. Es gab ja in den letzten Jahren viele Neubewertungen.

00:18:57.122 --> 00:19:00.072
Eine Zeit lang wurde eben Fett verteufelt, dann Kohlenhydrate.

00:19:00.565 --> 00:19:05.006
Jetzt weiß man, dass eben die Blutzuckerschwankungen auch sehr relevant sind.

00:19:05.488 --> 00:19:10.342
Und Protein wurde auch neu bewertet. Woher soll ich denn Protein überhaupt bekommen?

00:19:10.342 --> 00:19:12.553
Da ist man sich ja, glaube ich, immer noch uneinig.

00:19:13.035 --> 00:19:17.139
Ja, also ich würde es vor allem aus den pflanzlichen Fällen heranziehen.

00:19:17.481 --> 00:19:24.172
Zum Beispiel Hülsenfrüchte mag ich total gerne. Es gibt ja auch sowas wie Tofu, Tempeh, Edamame.

00:19:24.512 --> 00:19:28.701
Aber man kann zum Beispiel auch Fisch essen. Eier, Milchprodukte, mageres Fleisch.

00:19:29.049 --> 00:19:33.382
Das ist ja auch immer sehr individuell, die Vorlieben. Was aber wichtig ist,

00:19:33.382 --> 00:19:35.406
und das wurde eben in der Vergangenheit erwähnt,

00:19:36.120 --> 00:19:42.639
einfach viel zu niedrig angesetzt, dass wir eben nicht nur 0,8 Gramm Proteine

00:19:42.639 --> 00:19:46.269
pro Kilogramm Körpergewicht brauchen, sondern inzwischen sind wir ja schon bei

00:19:46.269 --> 00:19:50.929
1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

00:19:50.929 --> 00:19:54.852
Gerade wenn wir Sport machen, ist der Proteinverbrauch natürlich viel höher.

00:19:55.629 --> 00:20:00.189
Bewegung ist eine andere Säule. Wie viel braucht man? Auch da fand ich ja sehr

00:20:00.529 --> 00:20:04.819
mutmachend, schon kleine Bewegungen können einen messbaren Effekt haben.

00:20:04.819 --> 00:20:09.899
Zum Beispiel, wenn ich im Sitzen mit den Beinen rhythmisch wippe.

00:20:10.114 --> 00:20:12.689
Ja, das war sehr positiv, fand ich.

00:20:13.389 --> 00:20:16.579
Weil der Blutzuckeranstieg fällt dann auch flacher aus, die Insulinbelastung

00:20:16.579 --> 00:20:20.992
sinkt. Was kann ich noch machen? Also es muss gar nicht immer der große Marathon sein.

00:20:21.613 --> 00:20:26.299
Ja, das stimmt. Also ich glaube, dass auch kleine Veränderungen schon ziemlich viel bewirken können.

00:20:26.299 --> 00:20:30.441
Da gab es jetzt zum Beispiel im Lancet Anfang des Jahres eine Studie,

00:20:30.830 --> 00:20:36.379
Die hat gezeigt, dass zum Beispiel fünf Minuten mehr moderat intensiver Bewegung pro Tag,

00:20:36.902 --> 00:20:41.839
beziehungsweise 30 Minuten weniger sitzen pro Tag mit einer relevanten Reduktion

00:20:41.839 --> 00:20:46.375
der Gesamtsterblichkeit verbunden sein könnte. Also es war einfach sehr interessant.

00:20:47.089 --> 00:20:50.719
Und vor zwei Jahren gab es auch eine Meta-Analyse, die hat gezeigt,

00:20:50.719 --> 00:20:55.759
dass bereits relativ niedrige tägliche Schrittanzahlen das Sterberisiko senken

00:20:55.759 --> 00:20:59.744
und jeder Anstieg dieser Schrittzahl eben auch zusätzliche Vorteile mit sich bringt.

00:21:00.412 --> 00:21:04.559
Und das zeigt ja eigentlich, dass hier eben eine Regelmäßigkeit viel wichtiger

00:21:04.559 --> 00:21:08.643
ist, um sein eigenes Sterberisiko zu reduzieren, landfristig.

00:21:08.910 --> 00:21:13.729
Ja, weiblicher Stress, den wir alle sicher gut kennen, ist auch anders als männlicher.

00:21:13.729 --> 00:21:14.901
Das fand ich sehr spannend.

00:21:15.429 --> 00:21:20.919
Man sagt dazu, wenn Frauen in Stress geraten, dann machen sie Tent and Befriend

00:21:20.919 --> 00:21:23.288
statt Fight and Flight, wie der Mann.

00:21:23.781 --> 00:21:28.749
Was besagt diese Theorie? Ja, wir wissen heute, dass Frauen eben anders auf

00:21:28.749 --> 00:21:30.742
Stress reagieren können als Männer.

00:21:31.514 --> 00:21:36.130
Und sie reagieren eben nicht nur oder nicht ausschließlich mit Fight or Flight,

00:21:36.130 --> 00:21:41.170
also das ist ja die sogenannte Kampf- oder Fluchttheorie, sondern Studien zeigen

00:21:41.170 --> 00:21:46.110
tatsächlich, dass Frauen unter Stress zusätzlich ein anderes Muster zeigen.

00:21:46.110 --> 00:21:50.750
Das heißt, dieses sogenannte Tent und Befriend, das heißt, sie kümmern sich

00:21:50.750 --> 00:21:53.410
dann um andere, das ist das sogenannte Tent.

00:21:53.753 --> 00:21:57.439
Sie suchen soziale Nähe und Unterstützung, also Befriend.

00:21:57.833 --> 00:22:01.350
Und das wird eben vor allem auch durch die Hormone, Oxytocin,

00:22:01.350 --> 00:22:05.322
Östrogene und eben die sozialen Bindungen beeinflusst.

00:22:05.879 --> 00:22:10.442
Und ja, natürlich können sowohl Frauen als auch Männer beide Stressreaktionen zeigen.

00:22:10.587 --> 00:22:15.090
Aber es ist ja interessant, dass diese geschlechterspezifischen Unterschiede

00:22:15.090 --> 00:22:17.480
sich auch im Falle von Stress zeigen.

00:22:17.480 --> 00:22:20.820
Das fand ich ziemlich interessant und habe das ja auch im Buch beschrieben.

00:22:20.820 --> 00:22:24.593
Ja, aber das heißt nicht, dass das für Frauen dann auch stressiger ist,

00:22:24.930 --> 00:22:29.551
sich zu kümmern, sondern das ist einfach als Muster in uns drin, offenbar.

00:22:30.038 --> 00:22:35.077
Genau, und wie gesagt, können Frauen sowohl das eine als auch das andere Muster zeigen.

00:22:35.483 --> 00:22:39.310
Und ja, es ist schon bemerkenswert und deshalb sind Freundschaften ja auch ein

00:22:39.310 --> 00:22:41.091
echter Gesundheitsfaktor.

00:22:41.283 --> 00:22:44.930
Ja, genau, das war noch ein großer Punkt im Buch. Als Beispiel,

00:22:44.930 --> 00:22:48.539
die Menschen in den sogenannten Blue Zones, also da, wo man sehr lange sehr gut alt wird,

00:22:49.282 --> 00:22:52.780
ernähren sich nicht nur auf besondere Weise, nämlich nicht im Überfluss und

00:22:52.780 --> 00:22:56.486
bewegen sich regelmäßig, sondern Sie wissen auch, warum Sie morgens aufstehen.

00:22:57.234 --> 00:23:01.140
Nicht große Lebensziele, die man verfolgt, sondern ein klarer Sinn,

00:23:01.663 --> 00:23:03.555
der im Alltag immer zutage tritt.

00:23:03.979 --> 00:23:07.779
Wie finde ich diesen Sinn? Haben wir da heute vielleicht alle so ein bisschen

00:23:07.779 --> 00:23:10.239
ein Defizit und streben immer nach zu viel?

00:23:10.599 --> 00:23:14.369
Ja, erstmal ganz kurz diese Blue Zones. Das sind ja die Regionen der Welt,

00:23:14.369 --> 00:23:19.239
in denen Menschen besonders häufig 90 Jahre alt oder sogar über 100 Jahre alt werden.

00:23:19.239 --> 00:23:23.449
Und man hat sich eben gefragt, woran das liegt. Also wir wissen heute,

00:23:23.449 --> 00:23:28.489
ja, sie haben schon eine sehr gesunde Ernährung, die auf Pflanzen basiert ist

00:23:28.489 --> 00:23:30.759
und ziemlich gesund ist.

00:23:31.199 --> 00:23:34.319
Sie bewegen sich ziemlich viel und zwar nicht im Fitnessstudio,

00:23:34.319 --> 00:23:38.059
sondern wirklich im Dorf beispielsweise oder auf dem Land.

00:23:38.709 --> 00:23:42.599
Aber was man eben auch herausgefunden hat, gerade in so einem Land wie Japan,

00:23:42.999 --> 00:23:44.699
die haben ja das sogenannte Ikigai.

00:23:44.699 --> 00:23:49.228
Nikigai, das ist der sogenannte Purpose, also der Sinn im Leben,

00:23:49.622 --> 00:23:52.099
der ihnen einen Grund gibt, morgens auch aufzuwachen.

00:23:52.099 --> 00:23:57.407
Und das verbindet man dort vor allem mit Verantwortung für die eigene Familie,

00:23:57.726 --> 00:24:02.208
für ein Ehrenamt oder einfach auch für den Beruf.

00:24:02.759 --> 00:24:07.183
Und wir wissen heute, dass Menschen mit einem Sinn im Leben viel länger leben,

00:24:07.653 --> 00:24:11.925
oftmals auch resilienter sind und auch weniger Depressionen haben.

00:24:12.395 --> 00:24:16.799
Also ich würde sagen, wer von uns seinen Purpose kennt oder einen Sinn im Leben

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hat, der lebt im Schnitt sieben Jahre länger.

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Das kann man auf jeden Fall sagen. Das ist beachtlich.

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Weibliche Hormone haben wir angerissen. Da denken wir oft nur an Östrogene und

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Co. Aber eben Insulin ist auch wichtig.

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Was hat das zu bedeuten und wie kann ich selber das steuern?

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Also das Insulin senkt nicht nur den Blutzutverspiegel, sondern beeinflusst

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eben auch Entzündungsprozesse und hemmt den Abbau von Muskeln.

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Genau, deshalb ist es eben auch so wichtig.

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Vorhin haben wir schon darüber gesprochen, die ersten 20 Minuten nach dem Aufwachen,

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sind eigentlich prägend für den ganzen Tag.

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Was sollte man da nicht tun oder was sollte man vielleicht sogar tun?

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Also da habe ich ja im Buch ganz viele Erwählungen gegeben, aber das ist natürlich

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auch hier wieder sehr individuell.

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Ich kann für mich sprechen, also ich versuche 20 Minuten nach dem Aufstehen,

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mich wirklich um mich selbst zu kümmern.

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Lasse Tageslicht rein zu Hause, frische Luft, versuche nicht ans Handy zu gehen.

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Ich trinke morgens schon mein Wasser mit einem Schuss Zitrone manchmal und finde

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es auch so wichtig, den Tag mit Bewegung zu beginnen. Also da gibt es ja manche,

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die machen morgens, bevor sie zur Arbeit gehen, schon ihre Yoga-Einheit.

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Ich fahre morgens lieber in der frischen Luft Fahrrad.

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Und ja, was vielleicht wichtig ist, sich positiv auf den Tag auszurichten.

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Also sich auch zu sagen, dass es ein guter Tag wird, um einfach auch seinem

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Gehirn zu suggerieren, mit dieser positiven Einstellung in den Tag zu starten.

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Denn wir wissen, dass die ersten Minuten unsere Stressachse für den gesamten

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Tag beeinflussen. Ja, jetzt haben wir schon ganz viel besprochen.

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Und es waren viele Tipps dabei, die ich wirklich versuche umzusetzen.

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Und ja, ich sage danke für das schöne Gespräch, in dem deutlich geworden ist,

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dass Gesundheit kein Luxus ist, sondern Grundlage für alles, was noch kommen darf.

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Und Prävention ist kein Verzicht, sondern, das fand ich sehr deutlich und toll

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formuliert im Buch, eine Entscheidung für ein langes, gesundes und glückliches Leben. Danke Ihnen.

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Ja, vielen Dank, dass ich dabei sein durfte.

